Die heilige Brigitta (Birgitta Birgersdottier), Witwe, Ordensstifterin, + 23.7.1373 - Fest: 23. Juli

 

Brigitta Birgers Wiege stand in Schweden, in jenem Land, wo die Sonne im Sommer auch um die Mitternacht noch scheint und wo sich weiße Birken in dunklen Seen spiegeln. Vornehm und reich war die Familie des Kindes und mit dem Königshaus verwandt. Neben dem irdischen Adel zierte noch ein zweiter Adel das Haus, denn Brigittas Eltern waren hochadelige Christen. Besonders dem Vater wird nachgerühmt, dass er ein heiligmäßiges Leben führte.

 

Die Mutter schlummerte schon unter der Erde, und erst neun Jahre zählte Brigitta, als sie an einem Sonntag in der Fastenzeit durch eine Predigt über das bittere Leiden und Sterben des lieben Heilandes bis ins Innerste aufgewühlt wurde, und als sie die folgende Nacht betend durchwachte, nahm das Kreuzbild vor ihr Leben an, und es sprach der Gekreuzigte zu ihr: „Schau, Kind, wie ich verwundet bin!“ Da entsetzte sich Brigitta, und in dem Gedanken, dass die Verletzungen dem Sprecher eben erst zugefügt worden seien, fragte sie voll Mitleid den Dornengekrönten: „Lieber Heiland, wer hat dir das denn angetan?“ Der Gefragte entgegnete: „Diejenigen tun es, die meine Gebote verachten und sündigen.“ So sprach klagend vom Kreuz der Mann der Schmerzen zu dem Kind Brigitta Birger, und man tut gut daran, wenn man sich die schwerwiegenden, aber durchaus eindeutigen Worte merkt: „Diejenigen tun es, die meine Gebote verachten und sündigen.“

 

Auf des Vaters Wunsch verzichtete Brigitta Birger auf den eigenen Wunsch, um Christi willen ehelos zu bleiben, und heiratete jung den jungen Fürsten Ulf Gudmarsson, und weil beide, Ulf und Brigitta, den gleichen Sinn hatten für ein Gott wohlgefälliges Leben, blieb es nicht aus, dass die Ehe gesegnet war, denn unter den acht Kindern, vier Jungen und vier Mädchen, befindet sich eine Tochter, die heute neben der Mutter unter dem Namen Katharina von Schweden ebenfalls als Heilige verehrt wird. Gemeinsam beteten und fasteten die Eheleute und taten den Armen Gutes, und als die Kinder nach Jahren den elterlichen Händen entwuchsen, machten sich Ulf und Brigitta in ihrem frommen Sinn auf die Wallfahrt nach den drei berühmtesten Wallfahrtsorten des Mittelalters, nach Trondheim zum heiligen Olav, nach Köln zu den Heiligen Drei Königen und nach Compostela in Spanien zum heiligen Jakobus. Auf der Rückreise von dort erkrankte Ulf unterwegs auf den Tod und gelobte mit Zustimmung der Gattin, ins Kloster zu gehen, wenn er gesunde, und als er gesund wurde, erfüllte er das Gelöbnis, wurde Mönch und starb vier Jahre später im Ruf der Heiligkeit.

 

So war Brigitta Witwe geworden. Fast die Hälfte des Lebens lag noch vor ihr, und sie heiligte den Witwenstand mit den Werken der Frömmigkeit und der Nächstenliebe und lebte nach der Ermahnung des heiligen Paulus: „Die alleinstehende Witwe vertraue auf Gott und verharre im Beten und Flehen Tag und Nacht.“

 

Brigitta Birger verlebte die erste Zeit des Witwenstandes in der schwedischen Heimat, und Gott nahte sich ihr in gnadenvollen Schauungen, und hellsichtig sah sie die Zukunft voraus.

 

Eine neue Wallfahrt führte die alternde Frau nach Rom, wo sie bis zu ihrem Lebensende blieb und den Armen diente, für schwedische Pilger und Studenten ein Heim errichtete und für den Frieden in der Kirche Gottes betete, litt und sühnte. Hochbetagt ging sie am 23. Juli 1373 ein in den ewigen Frieden.

 

Brigitta Birgers Witwenjahre waren wie der Herbst, der jetzt in der Natur tausendfältige Früchte zeitigt. Himmelsfrüchte, reich und golden, hat die herrliche Frau als Kind, Jungfrau, Gattin, Mutter und Witwe hervorgebracht, und so war ihr Sterbetag ein glorreicher, freudenvoller Erntetag, der kein Ende finden wird.