Der heilige Bonaventura Fidanza, Kardinal und Kirchenlehrer, + 15.7.1274 - Fest: 15. Juli

 

Frömmigkeit und Gehorsam zeichneten den jungen Bonaventura vor anderen Kindern aus. Die Vögel und die Blumen waren seine Lieblinge, und selbst über Kleinigkeiten konnte er sich über alle Maßen freuen. So war er für den Franziskanerorden wie geschaffen. Mit siebzehn Jahren ging er bereits ins Kloster. Nachdem er das Probejahr bestanden hatte, schickten ihn die Obern auf die Hochschule nach Paris.

 

In Paria hatte Bonaventura den heiligen Thomas von Aquin aus dem Dominikanerorden zum Mitschüler, und bald waren die beiden in herzlicher Freundschaft verbunden. Eigentlich passten die beiden gar nicht recht zueinander, denn Thomas war mit seinem scharfen Verstand die Spitzfindigkeit selbst. Während bei Bonaventura alles, was er lernte und später auch lehrte, zu einem gottinnigen Gedicht wurde. Thomas stand stämmig mit beiden Füßen in der Gottesgelehrtheit. Bonaventura dagegen flog stets wie ein Engel im Himmel herum. Es ist schwer zu sagen, wem von den beiden man den Vorrang geben soll. Untereinander jedoch bewunderte in schöner Demut der eine den anderen ohne jeden Neid, wie das die Heiligen fertig bringen. Und als Thomas eines Tages den Freund in ehrlichem Erstaunen fragte: „Sag, Bonaventura, woher hast du eigentlich deine himmelhohe Weisheit? Du musst in deiner Zelle sicher eine große und schöne Bücherei haben.“ Da nahm der Gefragte den Frager mit. Aber in Bonaventuras Klosterklause war nur die Heilige Schrift zu finden und sonst kein Buch. Da machte der gelehrte Thomas ein erstauntes Gesicht, und als er fragend den Freund anblickte, wies dieser auf ein Kruzifix an der Wand hin und sagte: „Das ist meine Bücherei.“ Bonaventura wollte damit sagen, dass man im Gebet vor dem Kreuz alle Weisheit findet.

 

Bonaventura war erst sechsunddreißig Jahre alt, als er zum Generalobern der Franziskaner gewählt wurde. Da hatte er keine guten Zeiten, denn einerseits wurde damals der Orden von mächtigen Gegnern bekämpft, wie das bei allem Guten, was geschieht, stets der Fall ist, andererseits gab es aber auch unter den Franziskanern selbst eine Spaltung. Die einen waren für ein strenges und die anderen für ein milderes Ordensleben. Bonaventura ließ jedoch die Kirche im Dorf stehen, das bedeutet, dass er weder den einen noch den anderen recht gab, sondern alle auf eine goldene Mitte führte. Die Zukunft hat dann bewiesen, dass es der richtige Weg war.

 

Nachdem Bonaventura sechzehn Jahre als General den Franziskanerorden mit Geschick geleitet hatte, kam eine feierliche Gesandtschaft vom Heiligen Vater zu ihm. Sie teilte ihm mit, dass er zum Kardinal erhoben sei. Sie überbrachte ihm außerdem als Zeichen der hohen Würde den Kardinalshut. Es war kurz nach dem Mittagessen, als die Boten des Papstes im Kloster eintrafen, und Bonaventura half gerade den Mitbrüdern beim Spülen. Deshalb sagte er zu den Gesandten, sie sollten den Hut einstweilen an einen Baum im Garten hängen. So wenig wichtig war ihm äußere Ehre, und so tief war er in der Demut verwurzelt. Da muss man schon sagen, dass er wirklich ein Heiliger war, denn die Heiligen erkennt man am ehesten an der Demut.

 

Nur ein Jahr lang war Bonaventura Kardinal, aber in dieser kurzen Zeit hat er der Kirche unschätzbare Dienste geleistet. Als er im Sterben lag, hat ihm der Heilige Vater in eigener Person die Sterbesakramente gereicht. Das war eine Ehre, deren sich Bonaventura allerdings auch würdig erwiesen hatte. Der heilige Bonaventura starb am 14. Juli 1274.