Zwei edle Ehegatten als Nachfolger Mariä, Gedenktag: 22. Dezember: heilige Bertha von Avenay in Frankreich, Äbtissin der von ihr 660 gegründeten Abtei Avenay-Val-d’Or bei Épernay und Martyrin um 690, Gedenktag: 1. Mai (Das Kloster wurde während der Revolution vollständig abgerissen) Gumpert, Mönch und Martyrer

 

Bertha wurde in Avenay bestattet, Gumpert, der als Mönch am Meer starb, wurde im Jahr 950 dorthin überführt. Das Paar ruhte lange in einem gemeinsamen Sarkophag (der im 18. Jahrhundert noch vorhanden war), bis es in zwei silberne Särge umgebettet wurde.

 

Gumpert war ein Neffe (oder Schwager) Childerichs II. (+ um 675), merowingischer Frankenkönig. Bertha gehörte demselben edlen Geschlecht an, und beide hatten unter Anrufung Mariens gleich ihr in der Stille ihres Herzens dem Herrn ihre Jungfräulichkeit angelobt. Allein der Wille ihrer Familien und über allem der ausdrückliche Wille des Himmels, der sich in besonderen Erscheinungen diesen beiden gottesfürchtigen Seelen geoffenbart hatte, vereinigte sie im Bund der Ehe. Auch hierin war Maria ihr Vorbild, und ihre Herzen verschmolzen sich ineinander, um mit wechselseitiger Unterstützung in höherem Grad die Jungfräulichkeit des Leibes zu bewahren. Mitten im Taumel der Herrlichkeiten, den Genüssen des Reichtums, den Ausschweifungen eines entarteten Hofes, wussten sie die heldenmütigste aller Tugenden zu üben: schöne und liebenswürdige Hofleute in den Augen der Welt, blieben sie zugleich Engel vor Gott.

 

Nachdem die politischen Ereignisse den Thron Childerichs gestürzt hatten, entschlossen sich unter Pipin die beiden Gatten, die nun frei ihrem Drang folgen konnten, sich zu trennen, um sich in die Einsamkeit zurückzuziehen, und sich hier ausschließlich den Werken der Frömmigkeit zu widmen. Beide gründeten in Reims Klöster, Gumpert für Mönche, Bertha für christliche Jungfrauen, und Maria war die besondere Beschützerin in dieser letzteren Anstalt.

 

Eines Tages wurde Bertha von der Königin der Jungfrauen bei einer der vertraulichen Unterredungen, die sie mit ihr pflog, darauf aufmerksam gemacht, dass es mitten in einer volkreichen Stadt sehr schwierig sei, den Frieden der Einsamkeit zu finden, der doch unerlässlich ist für den süßen Verkehr mit Gott, der bei Lärm und Getümmel nicht zu finden ist. Sie bezeichnete ihr das Valdor (goldene Tal) von Avenay als eine Einsamkeit, wo ihr die reichlichsten Segnungen zu Teil werden sollten. Bertha machte sich sogleich auf, um den Ort zu suchen, den ihr Maria gezeigt hatte. Die Engel selbst führten sie dahin und übergaben ihr den von ihrer Königin genehmigten Plan des künftigen Klosters. Die Dienerin Mariens zögerte nicht mehr. Wie durch Zauber erhob sich der heilige Bau und die fromme Bertha sah, wie die Engel selbst mit Hand anlegten und die Werkleute unterstützten. Bald zog sie mit den gottesfürchtigsten ihrer Jungfrauen von Reims nach dem neuen Kloster hinaus, und das Tal wird fortan mit Recht den Namen Valdor tragen, denn es trägt auch in seinem Schoß das reinste Gold der christlichen Liebe.

 

Am Tag der Einweihung der neuen Anstalt erwählten Bertha und ihre Töchter, die sich nicht auf die übliche Weihe unter Anrufung Mariä beschränken wollten, die seligste Jungfrau feierlich zur Äbtissin des Klosters, und Maria verschmähte nicht, dieses Amt anzunehmen. In der darauffolgenden Nacht sah sich Bertha in den Entzückungen ihrer heiligen Liebe versenkt, allmählich von einem blendenden aber milden Licht umflossen. Dienstbare Engel stiegen in das Betzimmer herab, wo sie ihrer Andacht oblag, und errichteten hier einen Thron, den Maria mit allem Glanz ihrer Herrlichkeit in Besitz nahm. Sie war von dem strahlenden Hof der gottseligen Jungfrauen umgeben, deren weiße Lilienkränze einen lieblichen Wohlgeruch verbreiteten und in einem Glanz leuchteten, der noch lebhafter war als der himmlische Glorienschein der Engel. Mit dem Stab, dem Sinnbild ihrer neuen Würde, in der Hand, sprach Maria folgende liebreiche Worte zu Bertha:

 

„Liebe Tochter, ich nehme das Amt an, das du mir angeboten hast, und werde alle seine Pflichten erfüllen. Von dieser Stunde an bin ich auf eine ganz besondere Weise Mutter und Gebieterin meiner Töchter von Avenay. Ich selbst werde ihre Herzen bilden und sie bei jedem Vorkommnis beschützen. Mein Sohn ist zufrieden mit dir und wird seine Gnade mit meinem Beistand verbinden. Mit so kostbarer Hilfe werden meine Töchter rasch auf der Bahn der Vollkommenheit hinan schreiten. Mut! Tut was ihr vermögt und wir werden das Übrige tun.“

 

Nach diesen Worten schwebte die Königin der Jungfrauen wieder zum Himmel empor, und ließ die fromme Bertha in einem Strom der süßesten Tröstungen zurück, wofür sie ihren Dank durch reichliche Freudentränen bezeigte. Alsdann wusste sie durch ihre innigen Worte den Seelen ihrer Schwestern alles, was sie selbst empfand, mitzuteilen, und alle zusammen wandelten mut- und vertrauensvoll der höchsten Stufe der Heiligkeit entgegen.

 

Indessen fehlte dem Kloster noch ein wesentliches Erfordernis: das goldene Tal hatte kein Wasser, und Bertha setzte mit der rührenden Einfalt ihres vertrauensvollen Glaubens ihre himmlische Äbtissin in Kenntnis davon. „Suche eine Quelle“, ließ Maria ihr sagen, „und ich werde sie in mein Haus leiten.“ Bertha suchte längere Zeit und entdeckte endlich eine Quelle von großer Ergiebigkeit im Garten eines Privatmannes in Vertuelle, in beträchtlicher Entfernung von dem Haus. Da sie die Verheißung Mariens nicht anzweifelte, suchte sie den Eigentümer zu bewegen, seine Rechte auf diese Quelle an sie zu verkaufen. Und über einen solchen Antrag ganz erstaunt, fügt er sich am Ende in ihr dringliches Ansuchen, und tritt sie um den Preis von einem Pfund Silber an sie ab.

 

 

In ihrer Demut fürchtete Bertha, das Wunder, das sie von Maria erwartete, möchte ihr zugeschrieben werden, und vermochte deshalb einen bereits im Ruf der Heiligkeit stehenden Mönch, mit ihr an der Quelle zu beten. In der Tat knieten beide hier an der Quelle nieder, und als sie wieder aufstand, sprach die fromme Jungfrau: „Zeige uns dein Erbarmen, o Herr!“ Alsdann zog sie mit einem Stab eine leichte Furche von da bis Baldor. Sogleich beginnt das Wasser in dem Becken, wo es bis dahin geschlummert hatte, zu wallen, ergießt sich in die von Bertha gezogene Furche und grub sich bis Avenay ein Bett, das es seitdem nicht mehr verlassen hat. Bertha nannte das Bächlein Livre (Pfund).