Der heilige Benvenutus von Osimo, Bischof aus dem Franziskanerorden, + 22.3.1282 - Fest: 22. März

 

Der Name Benvenutus bedeutet auf Deutsch willkommen. Und wahrlich, man hätte mit Fug und Recht ausrufen können: „Willkommen!“ als, noch im glückseligen Jahrhundert des heiligen Franziskus, zu Ankona in Italien der adeligen Familie Skotivogli das Söhnchen geboren wurde, das wir jetzt als den heiligen Benvenutus verehren. Denn einen ehrenvolleren und willkommeneren Zuwachs einer Familie und Verwandtschaft als einen Heiligen kann man sich nicht denken. Zum jungen Mann herangewachsen studierte er sowohl die Rechtswissenschaft als auch die Theologie, aber letztere behielt die Oberhand. Er wurde zum Priester geweiht und dem Bischof seiner Vaterstadt als Archidiakon (Generalvikar) beigegeben. Wegen seines verdienstlichen Wirkens in dieser Stellung betraute ihn Papst Urban IV. mit der schwierigen Verwaltung der Diözese Osimo. Deren Bewohner hatten sich in den damals wütenden Parteikämpfen auf die Seite der Papstfeinde gestellt, obwohl sie zum Kirchenstaat gehörten. Infolgedessen blieben sie, nachdem ihr Bischof gestorben war, zur Strafe zwanzig Jahre lang ohne einen Nachfolger in diesem Amt. Aber jetzt kam der rettende Engel in der Person des heiligen Benvenutus. Wie sehr war er da ein Benvenuto, ein Willkommener! Mit bewundernswerter Klugheit, Festigkeit und Milde zugleich griff er in das Dorngestrüpp dieser misslichen Diözesanverhältnisse hinein und brachte es wirklich dahin, dass die Osimaner sich reumütig dem Papst wieder unterwarfen, wofür sie die Zusage erhielten, dass ihr bischöflicher Stuhl wieder besetzt werden solle. Und der dazu Erwählte war kein anderer als Benvenutus, der „Mann nach dem Herzen Gottes“, wie ihn der Papst genannt hatte. Und wie sehr er diesen Ehrennamen verdiente, zeigte er gleich wieder dadurch, dass er, als ihm eine solche Standeserhöhung winkte, nicht nur völlig frei blieb von jeder Anwandlung der Eitelkeit oder des Ehrgeizes, sondern vielmehr den Heiligen Vater bat, vorher noch in den Franziskanerorden eintreten zu dürfen. Tiefgerührt gab das Oberhaupt der Kirche seine Zustimmung und Benvenutus empfing das arme Kleid des heiligen Franziskus und machte Profess auf die Regel seines ersten Ordens. Dann wurde er zum Bischof geweiht und übernahm die Leitung der Diözese Osimo. Wie er nun vorher schon ein mustergültiger Verwalter des Bistums gewesen war, so erwies er sich jetzt auch als einen vorbildlichen Oberhirten, ein wahres Abbild des göttlichen guten Hirten. Das Seelenheil der ihm anvertrauten Herde war ihm erste und heiligste Angelegenheit. Darüber wachte er aufs gewissenhafteste über sie, war unermüdlich in Verkündigung des Wortes Gottes und in Vornahme der pflichtmäßigen Visitationen und trat inmitten jener politisch stark erregten Zeit auch unerschrocken auf als Verteidiger der Rechte der Kirche und des apostolischen Stuhles. Sollen wir aus dem Kranz seiner Tugenden und seiner segensreichen Wirksamkeit etwas besonders hervorheben, so ist es die harmonische Verbindung von Mäßigung und Festigkeit im Auftreten und Handeln, die sich an ihm stets und überall offenbarte. Gewiss ein äußerst schätzenswerter Vorzug, besonders bei Vorgesetzten, die so oft in die Lage kommen, andere tadeln, strafen oder ihnen entgegentreten zu müssen, zugleich aber auch niemand Unrecht tun, das „zerknickte Rohr nicht brechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen sollen“, wie die Heilige Schrift sagt. Aber auch als wahren Sohn des heiligen Franziskus erwies sich Bischof Benvenutus jederzeit. Stets trug er das Ordenskleid und ebenso war seine Lebensweise der Ordensregel und dem Ordensgeist, auch den Anforderungen der heiligen Armut, aufs vollkommenste entsprechend. So ist es nicht zu verwundern, dass seine bischöfliche Tätigkeit sichtlich von Gott gesegnet war, und dass er, als ihm nach dreizehn Jahren der Tod den Hirtenstab aus der Hand nahm, die Diözese in ebenso glücklichen und geordneten Verhältnissen hinterließ, als diese bei seinem Amtsantritt ungeordnet und unerfreulich gewesen waren. Als er sein letztes Stündlein herannahen fühlte, ließ er sich in seine Domkirche tragen und hier – ähnlich dem sterbenden heiligen Franziskus – auf den Boden niederlegen und so hauchte er seine heilige Seele aus, am Palmsonntag, den 22. März 1282. Sein Grab verherrlichte Gott durch so viele Wunder, dass ihn schon drei Jahre nach seinem Tod Papst Martin V. in die Zahl der Heiligen versetzte.

 

Wenn es dem heiligen Benvenutus gelang in die Diözese wieder Ordnung und Frieden zu bringen, so war dies eine Frucht seiner wahrhaft christlichen Klugheit, in der er weder zu rasch noch zu hitzig zu Werke ging und doch auch wieder die nötige Festigkeit zeigte. Die Klugheit ist eine der vier Kardinal- oder Grundtugenden und unentbehrlich für ein wahres Tugendleben. Wenn sie fehlt, können die an sich besten Handlungen wertlos oder gar tadelnswert sein. Daher die Mahnung des göttlichen Heilandes: „Seid klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben.“ Bitten wir also den Heiligen Geist immer wieder um diese so notwendige Tugend.