Der heilige Benno, Bultenburg, Bischof von Meißen, Apostel der Slaven, Landespatron in Bayern, + 16.6.1106 - Fest: 16. Juni

 

Der heilige Benno, eine der Hauptzierden des deutschen Mittelalters, war der zweite Sohn des Grafen Friedrich von Bultenburg. Seine Mutter hieß Berzela. Er wurde 1010 in Hildesheim geboren und nach einigen Jahren dem Bischof dieser Stadt, dem heiligen Bernward, seinem Verwandten übergeben. Sein eigentlicher Erzieher aber war der Abt Wiger im Benediktinerkloster zum heiligen Michael. Unter der Leitung dieses ebenso gelehrten als frommen Mannes blühte Benno zu den schönsten Hoffnungen auf. Der greise Bischof gewann den verständigen und sittsamen Jungen ungemein lieb und hatte ihn während der fünf letzten Lebensjahre, die er größtenteils auf dem Krankenlager zubrachte, häufig um sich. Dem Ende sich nahe fühlend, ließ er ihn noch einmal rufen und gab ihm weise Ermahnungen und Verhaltensregeln. Hier, am Sterbebett seines Gönners, lernte Benno frühzeitig das Nichtige und Hinfällige aller menschlichen Ehren und Würden durch eigene Anschauung kennen. Groß war sein Schmerz, als der Bischof starb, so dass Wiger ernstlich für die Gesundheit seines Zöglings besorgt wurde und durch alle möglichen Trostgründe ihn aufzurichten sich bemühte.

 

Als Benno zum jungen Mann herangereift war, sollte er sich nach dem Willen seines Vaters mit einer ebenbürtigen jungen Frau vermählen. Aber er fühlte keine Neigung zum Ehestand und versuchte ihm bis auf weiteres auszuweichen, indem er vorgab viel zu jung zu sein. Inzwischen betete er besonders zu Gott um Erleuchtung, welchen Stand er wählen sollte. Bals wurde ihm klar, dass er zum Mönchsleben berufen sei. Da während der Zeit sein Vater gestorben war und seine Mutter ihm kein Hindernis in den Weg legte, nahm er mit achtzehn Jahren im Kloster zum heiligen Michael das Ordenskleid. Er widmete sich mit allem Eifer dem Studium der heiligen Schrift und der Kirchenväter und wurde bald auch ein Muster strenger Zucht und körperlicher Enthaltsamkeit. Manche behaupten, er sei zu dieser Zeit von seinem Abt auf die Hochschule von Paris geschickt worden, um sich in den theologischen Wissenschaften vollkommen auszubilden, und habe dort die Doktorwürde erlangt. In seinem fünfundzwanzigsten Lebensjahr wurde er zum Diakon und im dreißigsten zum Priester geweiht. Nach vier Jahren schon wurde er nach dem Tod des Abtes Adalbert vom größten Teil seiner Brüder zum Nachfolger erwählt. Aber seine Demut ließ ihn diese Würde nicht länger als drei Monate ertragen, und er ruhte nicht eher, bis sie ihm wieder abgenommen und dem von der Minderheit gewählten Siegbert übertragen wurde. Jetzt schätzte er sich überglücklich, allen zeitlichen Geschäften und Sorgen, die das Amt eines Vorstehers unausweichlich mit sich bringt, enthoben zu sein und in ungestörter Stille leben zu können. Aber seine Freude sollte nicht lange währen.

 

Kaiser Heinrich III. hatte mit großem Aufwand in Goslar ein Stift regulierter Chorherren gegründet, dass das Vorbild für alle ähnlichen Anstalten in Deutschland sein und die ausgezeichnetsten und gelehrtesten Männer aufnehmen sollte. Benno wurde vom Kaiser als Probst dahin berufen. Siebzehn Jahre lang wirkte er in dieser Stellung voll von heiligem Eifer und das Stift erhob sich unter seiner Leitung zu einer hohen Stufe kirchlicher Vollkommenheit, und zwar so, dass im Lauf der Zeit nicht weniger als achtundvierzig Bischöfe aus ihm hervorgingen, die insgesamt wahre Zierden ihrer Stühle waren. Zu Goslar schloss der Heilige auch innige Freundschaft mit Hanno, der später Erzbischof in Köln und nach dem Tod Heinrich III. Reichsverweser wurde. Er war es auch, der bei der Erledigung des Bischofssitzes zu Meißen die Wahl auf Benno leitete. Aber ihm musste der Hirtenstab gleichsam aufgezwungen werden und nur widerstrebend ließ er sich im Jahr 1066 vom Erzbischof Wernher von Magdeburg weihen.

 

Das Bistum Meißen hatte damals eine große Wichtigkeit und erforderte einen Mann von Weisheit und apostolischer Kraft. Im Land diesseits der Elbe selbst war das deutsche Element noch nicht gänzlich befestigt. Jenseits herrschte vollends noch slawisches Heidentum, und im Süden, in Böhmen, war der christliche Glaube kaum erst im Keimen. Der Erfolg rechtfertigte Hannos Wahl vollkommen. Benno sammelte in seinem Kapitel Männer um sich von erprobter Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, bildete einen Klerus, der weit umher als Muster voranleuchtete, und bereiste selbst unermüdlich seinen Sprengel, um überall das Volk zu belehren und den heidnischen Aberglauben zu vertilgen. Als seine Hauptaufgabe aber betrachtete er die Bekehrung der Slawen jenseits der Elbe, die noch immer ihre alten Götzen Swantewit und Radegast anbeteten. Er ließ Missionen halten, gründete Kirchen und Klöster und pflanzte seinen Geistlichen einen Eifer für den apostolischen Beruf ein, der schon zu seiner Zeit, noch mehr aber nach ihm die herrlichsten Früchte trug. Bei diesen anstrengenden Arbeiten hatte er im eigenen Haus mit der Not zu kämpfen, denn das Vermögen der Kirche zu Meißen war durch die Sorglosigkeit der Vorfahren und widerrechtliche Eingriffe der weltlichen Machthaber sehr geschmälert worden. Wenn nun der Heilige die Einkünfte seines Bistums wieder herzustellen versuchte, so geschah dies lediglich zum Besten seiner Herde. Er musste Quellen haben, aus denen die Diener der Kirche besoldet, der Glanz der äußeren Gottesverehrung erhöht, die Schulen erhalten und die Armen unterstützt werden konnten. Er selbst lebte äußerst mäßig, ja man darf sagen ärmlich und behielt beinahe nichts für seine eigenen Bedürfnisse. Im Gegenteil verwendete er zur Aufbesserung des Kirchenvermögens den Rest seines Erbgutes. Und auch seine Mutter vermachte ihre ganze Habe dazu.

 

Leider wurde Benno in seinem friedlichen und segensreichen Wirken gestört durch die verderblichen politischen Stürme, die unter Heinrich IV. Deutschland verwirrten. Das sächsische Volk und seine Großen spielten in diesen inneren Kämpfen eine Hauptrolle, und so wurde auch der Heilige in sie verwickelt. Die fränkischen Kaiser wollten das Sachsenvolk nicht als ebenbürtigen Stamm im Reich gelten lassen und betrachteten mit Eifersucht seine, durch die Ausdehnung nach Osten, wachsende Macht. Nach absoluter Gewalt strebend, wollten sie die Sachsen zinsbar machen und dadurch ihre Hausmacht zu erhöhen. Dagegen erhob sich einmütig das Sachsenvolk und fand im Papst einen Beschirmer seiner nationalen Rechte. Heinrich IV. wollte das Deutsche Reich zu einer Diktatur machen, in der jegliche Freiheit des Volkes unterdrückt und die Kirche dem Staat dienstbar geworden wäre. Benno stand in dem Streit auf Seite der Sachsen und des Papstes. Als der Kaiser in der Schlacht an der Unstrut gesiegt hatte, überschwemmten seine Kriegsvölker das Bistum Meißen, verwüsteten die Stadt und führten den Bischof gefangen nach Böhmen ab. Statt des milden väterlich gesinnten Benno herrschte nun im Land Graf Burkhard, Heinrichs Feldhauptmann, ein trotziger und blutgieriger Mensch, der die traurigsten Spuren seiner Gewalttätigkeit zurückließ. Das Jahr darauf gab Heinrich dem Bischof die Freiheit wieder. Als Benno nach Meißen zurückkam, fand er seine Kirche zerstört. Tröstend sprach er zu der wehklagenden Geistlichkeit: „Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen; der Herr kann es wieder geben mit noch reichlicherem Zins. Der Name des Herrn sei gepriesen.“ Und nun ging er daran, die Wunden zu heilen, die der Krieg seiner Herde geschlagen hatte. Er erbaute die Kirche von Meißen wieder und half durch reiche Spenden der dringendsten Not des Volkes ab.

 

Bald aber erfolgte ein neuer Sturm, der noch weit heftiger und für die ganze Christenheit nachteiliger war, wir meinen die Irrung zwischen Gregor VII. und dem Kaiser. Heinrich berief Benno nach Worms, wo er durch seine feilen Bischöfe die Absetzung des Papstes aussprechen ließ. Der Heilige aber erschien nicht, sondern ging, statt an solchem Frevel teilzunehmen, nach Rom, um der Synode beizuwohnen, die zu eben dieser Zeit – im Jahr 1076 – Gregor VII. daselbst hielt. Wohl wusste er, dass er mit einem solchen Schritt den ganzen Zorn des Kaisers auf sich ziehen würde. Aber dies konnte ihn in seiner Treue zu dem Statthalter Christi nicht wanken machen. Bei seiner Abreise von Meißen übergab er die Schlüssel der Domkirche zwei Kanonikern, mit dem Befehl, sie, falls Heinrich vom Konzil exkommuniziert würde, lieber in die Elbe zu werfen, als dem mit dem Bann Beladenen den Eintritt in das Gotteshaus zu gestatten. Wirklich wurde der Kaiser von der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen, und die Domherren sperrten der empfangenen Weisung gemäß die Kirche und übergaben den Schlüssel den Fluten des Stromes. Der Bischof wurde auf dem Heimweg von Rom abermals gefangen genommen, jedoch im Jahr 1085, zur Versöhnung der Gemüter in Sachsen, in seinen Stuhl wieder eingesetzt. Wie die Legende erzählt, kehrte er, um unerkannt zu bleiben und einem prunkvollen Empfang auszuweichen, verkleidet nach Meißen zurück und mietete sich in einer Herberge ein. Zur gleichen Stunde wurde dahin ein großer Fisch gebracht, der in der Elbe gefangen worden war, und als man ihn aufschnitt, um ihn für den Gast zu bereiten, fand man in seinen Eingeweiden die Schlüssel des Domes. Durch dieses wunderbare Ereignis erkannte man in dem Fremden den Bischof und Vater der Stadt, und mit Jubel und Freude wurde er von der Geistlichkeit und den Bürgern in seine Kirche geführt. Deshalb geben die Maler dem Heiligen auf ihren Bildern einen Fisch als Kennzeichen bei.

 

Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens verwendete Benno, die durch die Wirren gestörte Ordnung in seiner Herde wieder herzustellen und das unterbrochene Werk der Slavenbekehrung zu vollenden. Viele, die früher Christen waren, hatten sich während seiner Abwesenheit wieder dem Heidentum zugekehrt. Einige von ihnen kamen zu dem Heiligen und bekannten reumütig ihren Fall. Mit schonender Liebe nahm er sie auf und verschaffte ihnen die Gnade der Versöhnung. Diese Milde lockte bald andere, auf gleiche Weise ihr Heil zu sichern, und schließlich kamen die Heiden scharenweise nach Meißen und legten ihre Götzenbilder zu den Füßen des Bischofs nieder. Der Zudrang wurde so groß, dass Benno ein Tal außerhalb der Stadt zum Versammlungsplatz bestimmen musste. Hier verkündete er das Wort des Herrn und bekräftigte es durch Wunder. Eines Tages bei glühender Sonnenhitze, wo die seiner Predigt zuhörenden Heiden vor Durst verschmachten wollten, berührte er mit einem Stab die Erde, und eine frische Quelle sprang hervor. Das Tal, in dem das Wunder geschah, heißt jetzt noch „das heilige Tal“, die Quelle „der heilige Brunnen“. So hatte der Heilige die Freude, sein Mühen herrlich gesegnet zu sehen, und ging schließlich am 16. Juni 1106, 96 Jahre alt, reich an Verdiensten zur ewigen Belohnung ein. Seinen Leichnam erhob um das Jahr 1270 der Bischof Witticho und errichtete ihm im Dom zu Meißen ein prachtvolles Denkmal von schwarzem Marmor, an dem viele Wunder geschahen. Papst Hadrian VI. hat ihn 1523 unter die Heiligen versetzt und dadurch sein Andenken im deutschen Volk erneuert. Die Protestanten zerstörten sein Grab und Luther schrieb bei Veranlassung seiner Heiligsprechung eine Schmähschrift unter dem Titel: „Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden.“ Wir aber betrachten den heiligen Benno mit Recht als eine Zierde der Kirche und als einen der größten Männer unseres deutschen Volkes. Um seine ehrwürdigen Reste weiteren Verunglimpfungen zu entziehen, ließ sie Herzog Albert V. von Bayern im Jahr 1576 nach München bringen, wo sie in der Domkirche zu Unserer Lieben Frau ruhen, hoch verehrt von den Gläubigen Altbayerns, die den heiligen Benno als Landespatron anrufen.