Der heilige Benno II., Bischof und Bekenner von Osnabrück, + 27.7.1088 – Fest: 27. Juli

 

Unter den Bischöfen von Osnabrück ragt der heilige Benno durch hohen Glanz der Heiligkeit hervor. Er wurde geboren zu Lüningen in Schwaben. Seine Eltern zeichneten sich durch Unbescholtenheit des Lebens und durch Liebe zur Religion aus. Da sie lange der Nachkommenschaft entbehrten, unternahmen sie eine Wallfahrt nach Rom, um von Gott einen Sohn zu erbitten. Gott erhörte ihr demütiges Flehen und schenkte ihnen einen Sohn, den sie Benno nannten und ihrem Gelübde gemäß dem Dienst Gottes weihten. Deshalb übergaben sie ihn dem berühmten Geschichtsschreiber Hermann dem Lahmen zu Straßburg zur Erziehung. Bei ihm machte Benno solche Fortschritte in den Wissenschaften und übertraf seine Mitschüler so sehr in leichter Auffassung, an Geist und Wissenschaft, dass vornehme Männer, insbesondere der Bischof von Straßburg, auf ihn aufmerksam wurden. Dieser nahm ihn auf einer Reise in das Heilige Land als Begleiter mit.

 

Als Benno von Palästina zurückgekehrt war, begab er sich nach Speier, wo zu jener Zeit die Wissenschaften in schönster Blüte standen, und sammelte sich dort einen großen Schatz von Gelehrsamkeit. Er folgte dann dem Ruf des Kaisers Heinrich III. nach Goslar und bald wurden seine außerordentlichen Kenntnisse so bekannt, dass viele Fürsten sich bestrebten, ihn für ihr Land zu gewinnen. In diesem Wettstreit siegte Ezelin, der Bischof von Hildesheim, der ihn mit großen Versprechungen bewog, das Amt des ersten Leiters an der Domschule zu Hildesheim zu übernehmen. Dieses Amt verwaltete er mit solcher Umsicht und Pflichttreue, dass diese Schule in ganz Deutschland einen hohen Ruf erlangte. Außerdem bediente sich Ezelin des Rates von Benno in allen wichtigen Angelegenheiten und vertraute ihm Gesandtschaftsdienste an. Nachdem er mit Ezelin von einem Feldzug zurückgekehrt war, den Kaiser Heinrich III. gegen die Ungarn unternommen hatte, wurde er Dompropst zu Hildesheim und Erzpriester zu Goslar, und zeichnete sich durch Klugheit und Frömmigkeit so vorteilhaft aus, dass nach dem Tod des Bischofs Benno I. von Osnabrück der Kaiser kein Bedenken trug, ihn im Jahr 1067 zu dessen Nachfolger zu ernennen.

 

Am ersten Tag des folgenden Jahres wurde er als Benno II. vom heiligen Erzbischof Anno zu Köln unter feierlichen Zeremonien zu Bischof geweiht. Von da reiste er nach Osnabrück und sorgte mit großem Seeleneifer für das Heil seiner Diözese, er streute den Samen des göttlichen Wortes unter das Volk, eiferte für die guten Sitten seiner Untergebenen, und übte alle seine Pflichten mit solcher Herablassung und solcher Güte, dass er sich und allen nützlich wurde und hohes Ansehen genoss. Durch unwegsame Sümpfe, deren es in jener Gegend viele gibt, ließ er für die Reisenden trockene und ebene Wege anlegen, auf dem Platz der alten Feste Iburg, die zur Zeit Karls des Großen zerstört war, errichtete er ein Benediktinerkloster, stattete es mit vielen Gütern aus, und tat noch viel anderes Gutes, um das Heil seiner Diözese zu fördern. Bis zu seinem Ende lebte er wie die Mönche zu Iburg, mit denen er aufs Freundschaftlichste verkehrte und denen er in geistlichen Übungen so folgte, als wäre er durch ihre Regeln verbunden. An Verdiensten und Tugenden reich, starb er am 27. Juli 1088 im Kloster Iburg.

 

Der Lebensbeschreiber des heiligen Benno, der zweite Abt des Klosters Iburg, namens Norbert, zeichnet seine Tugenden mit den Worten: „Es wohnte dem Bischof Benno eine große Geisteskraft und eine ausgezeichnete Standhaftigkeit, eine schlagfertige und fließende Rede inne, so dass er seine Zuhörer wirksam lenkte. Zu überzeugen und zu bessern, war seine Absicht. Was er versprochen hatte, hielt er unverbrüchlich, und ließ sich weder durch Versprechungen von Geschenken, noch größere Vorteile in seiner Treue und Freundschaft wankend machen. Gegenüber den Seinigen war er ziemlich sparsam, gegenüber Armen und Fremden außerordentlich freigebig, den Betrübten zeigte er zartes Mitleid, Gefangenen und Kranken, Hungernden und Nackten, Reisenden und Fremdlingen, Witwen und Waisen kam er mit allen Kräften zu Hilfe. Aber Übeltäter, Ehebrecher, Meineidige, Schänder des Heiligtums bestrafte er mit aller Strenge und ohne Nachsicht. War jemand durch das weltliche Gesetz verurteilt, so versuchte er ihn zur Lebensbesserung zu bewegen oder würdig auf den Tod vorzubereiten. Wenn ihm selbst dies nicht gelang, dann schickte er einen anderen Priester hin und bat die Richter, das Urteil zu mildern.

 

Der Abtötung des Fleisches ergeben, pflegte er oft zu fasten und sich von Fleischspeisen zu enthalten, und ermahnte durch Wort und Beispiel auch andere dazu. Wenn ihn jemand um Dispens vom Fasten anging, so pflegte er dafür ein Almosen für Arme und Obdachlose zu fordern, denn – meinte er – es sei Gott besonders wohlgefällig, einen Armen zu bekleiden, nach Jesu Wort: „Ich war nackt und ihr habt mich bekleidet.“

 

Außer seiner hohen und bewunderungswürdigen Kenntnis aller Wissenschaften, die sein bischöfliches Amt verlangte, besaß der heilige Benno auch eine erstaunliche Kenntnis in geringeren Sachen. Vom Haushalt wusste er mehr, als alle anderen, besonders, wie man die Häuser bauen, das Vieh aufziehen, den Acker bestellen und besäen und die Bauernwirtschaft fördern müsse. Dies lernte er indes nicht durch eigene Übung, vielmehr durch Kunst und Nachdenken, so dass ihn keiner an Fleiß, Sorgfalt und glücklichen Erfolgen übertraf.