Der heilige Benjamin, Diakon und Blutzeuge in Persien, + 31.3.424 - Fest: 31. März

 

Jsdegerdes, der König von Persien, hatte das Feuer der Verfolgung gedämpft, das Sapor II. angezündet hatte, und die Kirche genoss seit 12 Jahren einen erfreulichen Frieden. Allein im Jahr 420 wurde diese Ruhe getrübt durch die Unbescheidenheit eines Bischofs mit Namen Abdas. Getrieben von einem wenig erleuchteten Eifer, bildete er sich ein, er würde ein heiliges Werk verrichten, wenn er das Pyräum oder den Tempel des Feuers, das eine Hauptgottheit der Perser war, einäscherte. Der König ließ ihn vor sich rufen und sagte ihm, dass, wenn er den Tempel nicht wiederherstelle, er Befehl geben würde, alle christlichen Kirchen niederzureißen. Abdas weigerte sich dies zu tun. Dass er den Tempel zerstören ließ, hatte er freilich unrecht. Allein da der Fehler einmal begangen war, konnte er die verlangte Wiederherstellung nicht eingehen, denn es ist wohl dasselbe, wenn man das Feuer anbetet oder ihm einen errichtet. Diese Bemerkung macht Theodoret bei Erzählung dieser Begebenheit. Der aufgereizte König ließ also die Kirchen der Christen zusammenreißen, verdammte den Bischof zum Tode und erregte eine allgemeine Verfolgung, die 30 Jahre dauerte.

 

Varanes, der Sohn und Nachfolger des Jsdergerdes, der 421 gestorben ist, war noch grausamer als sein Vater. Man wird von Schauder ergriffen, wenn man bei Theodoret, der ein gleichzeitiger Schriftsteller ist und in der Nachbarschaft wohnte, die Beschreibung der verschiedenen Martern liest, zu denen man die Christen verurteilte. Einigen streifte man die Haut von den Händen und dem Rücken, andern vom Gesicht von der Stirn bis an das Kinn, andere belegte man mit Schilfsplittern, die man mit Seilen heftig ins Fleisch eindrückte und dann wieder schnell herausriss. Endlich gebrauchte man bis dahin noch unerhörte Foltern, die nur von einer höllischen Bosheit erfunden werden konnten.

 

Unter allen diesen Blutzeugen war der Diakon Benjamin einer der berühmtesten. Zuerst schlug man ihn unmenschlich und ließ ihn dann in den Kerker werfen. Nach Verlauf eines Jahres begehrte der römische Gesandte in Persien seine Loslassung: dies wurde ihm bewilligt, doch nur mit der Bedingung, dass Benjamin keinen der persischen Weisen in der christlichen Religion zu unterrichten sich unterfange. Der Gesandte versprach dem König, dass sein Wille vollzogen würde, in der Hoffnung, der heilige Diakon werde ihm gehorchen. Allein er betrog sich. Benjamin, der sich als einen Diener des Evangeliums ansah, erklärte, dass er nimmerhin die Wahrheit würde gefangen halten, und keineswegs die Verdammung, wie jener feige Knecht, sich zuziehen wolle, der sein Talent vergraben hatte. Er fuhr mithin fort, das Licht des Glaubens überall auszubreiten.

 

Als der König dies erfuhr, ließ er ihn einziehen und versuchte ihn zu Drohungen zu schrecken. Benjamin aber blieb unbeweglich und beschämte den Fürsten durch eine Frage, deren Anwendung handgreiflich war. Er sagte ihm: „Was würdest du von einem deiner Diener halten, der der dir angelobten Treue entsagend, zu deinen Feinden überginge?“ Der König, von Wut entflammt, ließ ihm unter die Nägel der Hände und Füße spitzige Schilfsplitter stecken, wie auch in die anderen empfindsamsten Teile des Körpers, das mehrere Male mit unerhörter Grausamkeit wiederholt wurde. Hierauf befahl er ihn zu spießen. Sein glückseliger Tod erfolgte im Jahr 424. Das römische Martyrologium nennt ihn an diesem Tag.

 

Man fürchtet den Tod nicht, wenn man von wahrem Eifer für die Ehre Gottes beseelt ist. Man bot dem heiligen Benjamin das Leben an. Er aber weigerte sich dessen, weil er es auf Kosten seiner Pflicht hätte erkaufen müssen. Er wusste, dass kein Unterschied ist zwischen Verleugnung seines Glaubens und Vernachlässigung der Mittel, den Namen Jesus zu verherrlichen. Diese Sittenlehre entspricht jedoch dem Geschmack der meisten Christen nicht mehr. Man will die unvereinbarlichsten Dinge zusammenstellen, man will dem neuen Gesetz angehören, ohne was vom Evangelium vorgeschrieben ist zu beobachten, man will eingehen ins Himmelreich ohne den Weg zu gehen, der dahinführt. Seltsame Verblendung! Werden wir denn niemals verstehen wollen, dass wir die Heiligen nachahmen müssen, wenn wir an ihren Herrlichkeiten teilzunehmen wünschen, und dass es unmöglich ist zur Seligkeit zu gelangen, wenn man Gott nicht über alles und aus ganzem Herzen liebt und beständig dahin strebt, auch andere, mehr durch Beispiele als durch Worte, zur Liebe Gottes anzufeuern.