Der heilige Benedikt von Aniane, Abt, + 11.2.821 – Fest: 11. Februar

 

Durch die Ungunst der Zeitverhältnisse waren im 8. und 9. Jahrhundert viele Ordenshäuser von der ursprünglichen Regel des hl. Benedikt von Nursia abgewichen. Insbesondere maßten sich die fränkischen Könige mancherlei Eingriffe in das Leben der Klöster an, betrachteten das Klostergut als Lehen, zogen die Einkünfte ein, um tapfere Soldaten damit zu belohnen, ließen sich selbst oder ihren Verwandten die Abtswürde übertragen, ohne die höhere Weihe des Mönchsstandes zu übernehmen und zwangen oft die Klostervorsteher zur Heeresfolge und zur Teilnahme an Staatsangelegenheiten. So kam es, dass in manchen Klöstern Prachtliebe, Weltsinn und Kriegslust überhandnahmen, während in anderen Häusern übermäßige Strenge und grausame Härte vorherrschten. Die Päpste und Kirchenversammlungen drangen solchen Missständen gegenüber auf Regularäbte und strenge Beobachtung der Ordensregeln, der Kaiser nahm die geheiligten Orte unter seinen besonderen Schutz und bestellte für jedes Kloster einen Schirmvogt, der im Namen des Klosters die weltlichen Angelegenheiten besorgte. Die innere Reform des Ordens vollendete unter Ludwig dem Frommen der hl. Benedikt von Aniane.

 

Aus dem Geschlecht der Grafen von Magelone in Languedoc um 750 geboren, lebte Benedikt in seiner Jugend am Hof Pipins und Karls des Großen, führte aber trotz seiner hohen Stellung ein sehr abgetötetes Leben und sehnte sich inmitten des Hoflebens und Waffendienstes nach einer stillen Klosterzelle. Ein plötzliches Unglück riss ihn vollends von der Welt los. Sein Bruder nämlich ertrank an seiner Seite, und während er ihn mit brüderlicher Aufopferung retten wollte, hätte er beinahe selbst sein Leben eingebüßt. Dieser Unglücksfall erschütterte Benedikt so tief, dass er auf den Rat eines frommen Einsiedlers, namens Widmar, im Jahr 774 in das Benediktinerkloster des hl. Sequanus in Burgund trat. Bald jedoch veranlassten ihn die in diesem Kloster herrschenden Missbräuche, es wieder zu verlassen. In seine Heimat zurückgekehrt, gründete er im Jahr 780 auf seinem Landgut an dem Flüsschen Aniane bei Montpellier ein kleines Kloster zu Ehren des Weltheilandes. Der erste, der sich seiner Leitung unterstellte, war der Einsiedler Widmar. Allmählich sammelten sich um ihn ungefähr einhundert Schüler.

 

Benedikt und seine gleichgesinnten Genossen führten eine sehr strenge Lebensweise, genossen nur Wasser und Brot und waren so arm, dass sie lange nur einen gläsernen Kelch bei der heiligen Messe benutzten; erst später konnten sie einen zinnernen kaufen. Der heilige und opferfreudige Geist des Ordensstifters Benedikt herrschte in dieser klösterlichen Genossenschaft und verbreitete den Ruhm von Aniane in immer weitere Kreise. Der Papst und Kaiser Karl der Große übertrugen ihm die Reform vieler Klöster in Gallien und Aquitanien. Er versuchte es, die Klöster im Frankenreich und Deutschland zu einer gleichen Lebensweise unter der Regel des heiligen Benedikt zu vereinigen, und sandte auf die Bitten vieler Bischöfe Mönche aus seiner Schule, gewöhnlich zwölf, in gesunkene Klöster, um die strengere Zucht und neuen Eifer wieder einzuführen. Auf Benedikts Werk ruhte sichtbar Gottes Segen. Ein frischer Wetteifer und glühende Begeisterung im hohen Streben zeitigte die schönsten Früchte.

 

Im Jahr 794 wohnte Benedikt der Synode von Frankfurt bei und verfasste mehrere Abhandlungen zur Verteidigung des Glaubens. Seine Aussprüche verehrte man als Stimme Gottes. König Ludwig der Fromme berief ihn (817) zu der berühmten Synode nach Aachen, wo sich die Äbte von ganz Deutschland und Frankreich unter Benedikts Vorsitz versammelt hatten. Um den ausgezeichneten Abt immer in seiner Nähe zu haben, stiftete Ludwig bei Aachen das Kloster Corneli-Münster und setzte ihm Benedikt als Abt vor. Dieser gründete unter dem Schutz und mit Unterstützung des Königs zunächst zwölf Klöster, die den übrigen als Muster vorleuchten sollten. Er besuchte alle Klöster, schärfte ihnen den Geist des Ordensstifters ein, fügte Erläuterungen und Zusätze bei, hob die Missstände auf und führte in allen seinen Klöstern mit Aufhebung der abweichenden Ortsgewohnheiten eine gleichmäßige Disziplin ein. Auch das Verhältnis der Klöster zum Staat ordnete er den Verhältnissen der Zeit angemessen. So wurde die Ordensregel Benedikts von Aniane nicht minder berühmt und verbreitet, als die ursprüngliche Regel des hl. Benedikt von Nursia. Nachdem der seeleneifrige und heilige Abt Benedikt mit unermüdlicher Sorge seinen Geist über alle Klöster des Reiches verbreitet und ein verjüngtes Ordensleben hervorgerufen hatte, ging er in seinem geliebten Corneli-Münster zur wohlverdienten Ruhe am 11. Februar 821, im 71. Lebensjahr.