Der heilige Basilius der Große, Erzbischof von Cäsarea, Ordensstifter, Kirchenlehrer, + 1.1.379 - Fest: 2. Januar

 

Sehr selten erhält ein Heiliger den Beinamen „der Große“. Geschieht es aber, so ist der betreffende Heilige in Wahrheit ein großer Mensch gewesen. Ein Beweis für die Tatsache ist der Tagesheilige Basilius, ein Mann, groß im Wesen, groß im Wirken, groß im Sterben.

 

In seinem Wesen war Basilius erzkatholisch. Dass er gar nicht anders sein konnte, wird sofort klar, wenn man die Familienverhältnisse betrachtet, unter denen er aufwuchs. Der Großvater war in der letzten römischen Christenverfolgung als Martyrer gestorben, und die Großmutter, Makrina mit Namen, musste sich sieben Jahre lang in den Bergen Kleinasiens verborgen halten. Oft erzählte die edle Frau den Enkelkindern von den vergangenen Zeiten, von der Feigheit der Abtrünnigen und von dem herrlichen Mut der Blutzeugen, und was sie berichtete, erklärte sie durch das leuchtende Beispiel eines christlichen Lebenswandels. So kam es, dass ihre zehn Enkelkinder sämtlich Heilige wurden. Welch ein Segen kann doch von einer guten Großmutter auf die ganze Familie ausstrahlen!

 

Als junger Mann begab sich Basilius nach Athen in Griechenland, um auf der Hochschule zu studieren. Dort schloss er jene berühmte Freundschaft mit dem heiligen Gregor von Nazianz. Weil die beiden Freunde außer dem Weg zur Schule nur noch den Weg zur Kirche kannten, konnte es nicht ausbleiben, dass sie tüchtige Männer wurden, für die der Aufstieg zu hohen Stellungen nur noch eine Frage der Zeit war. Basilius suchte jedoch jenen Aufstieg, der allein sich lohnt, den Aufstieg zum Himmel. Zunächst ging er nach Ägypten, um bei den dortigen Mönchen das Einsiedlerleben kennenzulernen, und als er heimkehrte, gründete er ein Kloster und schrieb eine Ordensregel, die so vortrefflich ist, dass sie heute noch in zahlreichen Klöstern Osteuropas befolgt wird.

 

Die letzten neun Jahre des Lebens, von 370 bis 379, waltete Basilius als Erzbischof in der Heimatstadt Cäsarea. In Wort und Schrift gewandt, war er in schwieriger Zeit der rechte Mann auf vorgeschobenem Posten, der als unerschrockener Streiter gegen die Irrlehrer auftrat. „Inmitten der Kirche“, sagt das Lied, „ließ ihn der Herr seinen Mund auftun. Er erfüllte ihn mit dem Geist der Weisheit und des Verstandes. Er kleidete ihn mit dem Gewand der Ehre.“ Auch darf nicht verschwiegen werden, dass Basilius es war, der in seiner Bischofsstadt Cäsarea das erste christliche Kranken-, Alters- und Armenhaus gründete. Alle späteren Caritasanstalten gehen auf diese erste Stätte der dienenden Barmherzigkeit zurück. Groß war also Basilius in seinem Wirken, groß schließlich auch in seinem Sterben.

 

Damals nahm die arianische Irrlehre eine Vormachtstellung ein, auch der Kaiser bekannte sich zu ihr. Basilius wurde vor Gericht geladen, und der Richter fuhr ihn an, wie er es wagen könne, sich wegen seines katholischen Glaubens dem Kaiser zu wiedersetzen, dem doch der halbe Erdkreis untertan sei. Der Kaiser könne sein Vermögen einziehen, könne ihn verbannen, könne ihn zur Marter und zum Tod führen. So sagte der Richter, und was Basilius darauf antwortete, muss man als gediegen katholisch ansehen; er sagte:

 

„Mehr kann der Kaiser nicht? Vor all dem habe ich keine Angst. Mein Hab und Gut lasse er ruhig einziehen, ich besitze nur meine Kleider und einige Bücher. Verbannung gibt es für mich keine, denn wo Gott ist, bin ich daheim, und Gott ist überall. Die Marter schreckt mich auch nicht, denn ich bin so mager und gebrechlich, dass ich beim ersten Streich erliege. Was schließlich den Tod betrifft, so könnte mir nichts Besseres zustoßen, weil mich der Tod zu Gott in den Himmel führt.“

 

So sprach Basilius. Es sind herrliche Worte, erzkatholisch, und als der Richter dem mutigen Bekenner entgegnete, so frei habe noch niemand mit ihm zu reden gewagt, erhielt er noch eine zweite katholische Antwort, denn Basilius entgegnete ihm: „Das kommt wohl daher, dass du noch nie mit einem katholischen Bischof zu tun hattest.“

 

Kurz und gut, das prächtige Auftreten des Heiligen machte einen solchen Eindruck, dass man ihn ungeschoren ließ. So kam es, dass Basilius im Jahr 379 eines natürlichen Todes starb.

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Der große Kirchenlehrer wurde 330 zu Cäsarea in Kappadokien geboren. Die wohlhabenden Eltern ermöglichten ihrem Sohn eine grundlegende Ausbildung in den damals berühmten Schulen in Konstantinopel und Athen, wo der den heiligen Gregor von Nazianz kennenlernte. Im Jahr 356 kehrte er nach Cäsarea zurück und lehrte dort Rhetorik. Während dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit dem morgenländischen Mönchswesen und zog sich dann selbst in ein Tal zurück. Hier sammelte er Gleichgesinnte um sich, die mit ihm zusammen nach seiner Regel lebten.

Für Basilius dauerte die Zurückgezogenheit nur wenige Jahre. 360 begleitete er seinen Bischof nach Konstantinopel, 364 wurde er Priester und 370 Erzbischof von Cäsarea.

In dieser Eigenschaft bemühte er sich, den Armen und Kranken seines Bistums zu helfen. Er gründete Hospitäler, Heime und errichtete ein großes soziales Zentrum.

Jedoch noch mehr als die sozialen Probleme interessierten ihn die theologischen Auseinandersetzungen seiner Zeit. Unerschrocken kämpfte er für den Frieden und die Einheit der Kirche.

Er trat dem Kaiser Valens ebenso mutig entgegen wie den Arianern. Die Gefahr erkennend, suchte er mit allen Mitteln das antiochenische Schisma zu beseitigen und die morgen- und abendländische Kirche zu verbinden.

Basilius starb, noch nicht fünfzigjährig, am 1. Januar 379 in Cäsarea.

„Nach dem Tod des Bischofs von Cäsarea, der um die Mitte des Jahres 370 erfolgte, wurde Basilius, wie schon erwähnt, zu dessen Nachfolger gewählt. Diese neue Würde zeigte die Tugenden des heiligen Basilius in einem helleren Glanz als jemals; und er schien jetzt ebenso sehr sich selbst zu übertreffen, als er vorher die andern übertroffen hatte. Kein Bischof ging weiter als er in der Liebe zu den Armen, als deren Beschützer und Vater er sich betrachtete. Er gab aber nicht nur reichhaltige Almosen, auch stiftete er zu Cäsarea ein großes Spital, das von heiligen Gregor von Nazianz eine neue Stadt und wegen seines Gründers Basiliade genannt wurde, und lange Zeit nach dem Tod des heiligen Bischofs noch berühmt blieb.

Mit besonderer Teilnahme blickte er auf den bedauernswürdigen Zustand jener hin, welche durch Laster, durch Spaltung und Ketzerei, von dem Weg des Heils abgekommen waren, und flehte durch glühende Gebete und beständige Tränen um ihre Bekehrung zu dem Gott der Erbarmungen. Weder Mühe noch Gefahr konnten seinen Eifer aufhalten, wenn es darum zu tun war, die Verirrten zu Gott zurückzuführen. Nichts beweist besser die Kraft und Tätigkeit dieses Eifers, als der Sieg, welchen der Heilige über den Kaiser Valens davontrug.

Da dieser Kaiser sah, dass Basilius gleich einer unüberwindlichen Feste dastand, gegen welche alle Anfälle der Irrlehre nichts vermochten, entschloss er sich, Strenge gegen ihn zu gebrauchen; denn durch dieses Mittel hatte er schon mehrere rechtgläubige Bischöfe in Schrecken versetzt. Nachdem er mehrere Provinzen durchreist hatte, wo er jene, die der arianischen Irrlehre nicht huldigen wollten, seinen ganzen Zorn hatte fühlen lassen, kam er auch nach Kappadokien. Seine Absicht war, den Erzbischof von Cäsarea, der sich kräftiger als alle anderen Bischöfe seinem Willen widersetzt hatte, in den Untergang zu stürzen.

Der Präfekt Modestus musste schon vorher versuchen, Basilius durch Drohungen oder Versprechen zur Kirchengemeinschaft mit den Arianern zu bewegen; dieser hatte auch, auf seinem Richterstuhl sitzend, umgeben von den Dienern seiner Gewalt, Basilius vor sich berufen, der mit heiterem und ruhigem Angesicht erschien. Modestus empfing ihn mit Höflichkeit und drang mit schmeichelhaften Worten in ihn, dem Wunsch des Kaisers zu willfahren; als er aber durch dieses Mittel seinen Zweck nicht erreichte, nahm er eine drohende Miene an, und sagte in einem zornigen Ton: „Bedenkst du es auch, Basilius, dass du dich einem so großen Kaiser widersetzt, dessen Willen die ganze Welt gehorcht? Oder fürchtest du nicht die Wirkungen der Macht, mit der wir ausgerüstet sind?“

Basilius: „Worauf kann sich denn diese Macht erstrecken?“

Modestus: „Auf Einziehung der Güter, Verbannung, Folter und Tod.“

Basilius: „So drohe mir mit etwas anderem; denn nichts davon macht Eindruck auf mich.“

Modestus: „Was sagst du?“

Basilius: „Wer nichts besitzt, braucht die Einziehung der Güter nicht zu fürchten. Ich habe nichts als einige Bücher, und die Lumpen, die ich trage; ich glaube nicht, dass du mir diese wirst nehmen wollen. Zur Verbannung mag es dir nicht leicht sein, mich zu verdammen; denn ich sehe den Himmel und nicht das Land, welches ich bewohne, für meine Vatererde an; die Folter fürchte ich nicht sehr; mein Körper ist so abgezehrt und schwach, dass er sie nicht lange wird ertragen können; der erste Streich wird meinem Leben und meinem Leiden ein Ende machen. Den Tod fürchte ich noch viel weniger, da er mir als eine Wohltat erscheint, weil er mich eher mit meinem Schöpfer vereinigen wird, für den ich allein lebe.“

Modestus: „Mit solcher Kühnheit hat noch niemand zu Modestus gesprochen.“

Basilius: „Dies ist vielleicht das erste Mal, dass du mit einem Bischof zu tun hast. In den gewöhnlichen Verhältnissen sind wir Bischöfe die sanftesten und unterwürfigsten aller Menschen; bei dem gemeinsten Mann sind wir ohne Trotz, um wie viel mehr daher bei jenen, die mit einer solchen Macht bekleidet sind. Allein wenn es sich um die Religion handelt, haben wir nichts als Gott im Auge und verachten alles Übrige. Feuer, Schwert und wilde Tiere, eiserne Krallen sind dann unsere Wonne. Wende alle deine Drohungen und Folter an, nichts wird imstande sein, uns zu erschüttern.“

Modestus: „Ich gebe dir bis Morgen Bedenkzeit, zu wählen.“

Basilius: „Dieser Aufschub ist unnötig; ich werde morgen derselbe sein, wie heute.“

Der Präfekt konnte sich nicht erwehren, die Unerschrockenheit des heiligen Erzbischofs zu bewundern. Am folgenden Tag ging er zum Kaiser, der zu Cäsarea angekommen war, und berichtete ihm den ganzen Hergang der Sache. Dieser wollte nun, aufgebracht über den schlechten Erfolg der Unterredung, dass eine andere gehalten würde, welcher er mit Modestus und einem seiner Hofleute, Demosthenes genannt, beiwohnte. Dieser Versuch führte aber zu keinem glücklicheren Ergebnis, als der vorige. Der Präfekt stellte eine Dritte an, die ebenfalls wie die zwei andern zur größten Ehre des Heiligen ausfiel. Am Ende sagte Modestus zu dem Kaiser: „Wir sind besiegt, dieser Mann steht über den Drohungen.“ Valens ließ ihn daher auf einige Zeit in Ruhe; und als er an dem Fest der Erscheinung des Herrn in der großen Kirche sich einfand, ward er ebenso sehr überrascht als erbaut durch die schöne Ordnung und die Ehrfurcht, mit welcher der Gottesdienst gehalten wurde. Was ihn aber besonders ergriff, war die Frömmigkeit und die Geistessammlung, wovon der Erzbischof am Altar durchdrungen schien. Er wagte es zwar nicht, bei dem Abendmahl zu erscheinen, aus Furcht, man verweigere ihm dasselbe; seine Opfergabe brachte er jedoch dar, die wie jene der Rechtgläubigen angenommen wurde, da Basilius glaubte, dass es bei einer solchen Gelegenheit die Klugheit erfordere, die Kirchenzucht nicht in ihrer ganzen Strenge zu beobachten.“

Frühe Bilder zeigen Basilius im Bischofsornat der lateinischen Kirche mit Mitra und Stab. Auf späteren Darstellungen trägt er das bischöfliche Gewand der griechischen Kirche und hält eine Taube im Arm.

In der Ostkirche wird das Fest des heiligen Basilius am 1. Januar begangen. Da im deutschen Sprachraum an diesem Tag zugleich mit dem Hochfest der Gottesmutter Maria das Fest „Namengebung des Herrn“ gefeiert wird, wurde das Gedächtnis des Heiligen bei der Erneuerung des römischen Kalenders auf den 2. Januar verlegt.