Die heilige Basilissa, Martyrin von Antiochia, + 9.1.311 - Fest: 9. Januar

 

Nach ihrer legendären Lebens- und Leidensgeschichte führten Julian und seine Frau Basilissa eine jungfräuliche Ehe. Julian starb unter Diokletian und Maximian zu Antiochia in Syrien. Er wurde 303 oder 313 nach langen Qualen mit dem Schwert enthauptet.

 

Der Name seiner Gattin wurde in der Schreibform Wassilissa zu einem der beliebtesten russischen Mädchennamen.

 

„Julian, zu Antinous in Ägypten geboren, war der einzige Sohn adeliger und reicher Eltern, die dem talentvollen Jungen eine sehr sorgfältige Erziehung in der Religion und in der Wissenschaft gaben. Zur hoffnungsreichen Blüte entfaltete sich Geist und Gemüt des frommen Jünglings, und die Eltern drängten ihn mit liebenswürdigem Ungestüm, sich eine Lebensgefährtin zu wählen, damit ihr Familienstamm nicht aussterbe.

 

Julian, der sich schon zur immerwährenden Keuschheit entschlossen hatte und doch auch die geliebten Eltern nicht betrüben wollte, flehte inständig zu Gott um Rat und Hilfe. Da offenbarte ihm Jesus in einer Erscheinung: „Gehorche deinen Eltern, handle männlich, dein Herz wird begnadigt sein.“ Wunderbar getröstet verlobte er sich mit der nach Körper und Geist ihm ebenbürtigen Jungfrau Basilissa. Am Vermählungstag unter dem Spiel der Musik und dem Jubel der Gäste war dem Bräutigam bang und weh ums Herz, in leisen Seufzern bestürmte er den Himmel um Rettung seiner Keuschheit. Als die Neuvermählten nach Beendigung des Festes ins Brautgemach traten, und zum gemeinsamen Gebet niederknieten, wehte sie ein wundersamer Duft von Lilien und Rosen an. Erstaunt fragte Basilissa, woher dieser Wohlgeruch käme. Julian nahm zärtlich ihre Hand in die seine und sprach: „Meine Teure, diese süßen Blumendüfte sind der Wohlgeruch der jungfräulichen Reinheit und ein Vorgeschmack der ewigen Freuden, die Gott denen bereitet, welche hienieden jungfräulich leben; o möchtest du dich doch entschließen, in mir nur deinen Bruder zu lieben!“ Basilissa, der eine Träne über die rotglühende Wange perlte, küsste ehrerbietig seine Stirn und gelobte, ihm eine treue Schwester zu sein. Sie lebten nun wie Joseph und Maria und heiligten ihre Tage durch frommes Gebet und gute Werke.

 

Nicht lange nach dem Tod ihrer Eltern, die ihnen ein sehr reiches Erbe hinterließen, verkündete Kaiser Diokletian das Gesetz, dass das Christentum in seinem Reich unter Todesstrafe verboten sei, und strengte seine Macht in allen Provinzen an, den Glauben an Christus gänzlich zu vertilgen. Seine furchtbaren Gewalttaten verbreiteten unter den Christen Angst und Bestürzung: sie zerstreuten sich und irrten umher, von Mühsalen und Leiden niedergebeugt. In diesen Tagen der Not erprobte sich Julians und Basilissas Frömmigkeit als echtes funkelndes Gold. Sie öffnete ihr Haus und ihre Vorräte den Trost- und Hilfebedürftigen, und litten gerne selbst Mangel, um desto reichlicher geben zu können; sie teilten sich in die ruhelose Arbeit dieser Verpflegung. Julian besorgte die jungen und älteren Männer, betete mit ihnen, unterrichtete sie in den Lehren des Evangeliums und stärkte ihren Glaubensmut bis zur Bereitwilligkeit, für Jesus den Martertod zu sterben; Basilissa tat dasselbe bei den Frauen. In kurzer Zeit gestaltete sich dieses gastfreundliche Zusammenleben wie von selbst zu zwei klösterlichen Vereinen, deren Seele, Lehrer und Führer Julian und Basilissa waren. Inzwischen kam als kaiserlicher Statthalter nach Ägypten Marcian, ein blutdürstiger Christenhasser, und mit ihm die von vielen nicht gewünschte Gelegenheit, ihren Glauben an Christus offen vor dem Richter zu bekennen und ihr Bekenntnis mit einem qualvollen Tod zu büßen.

 

Basilissa, gar mütterlich um ihre geistlichen Töchter bekümmert, kniete Tag und Nacht mit ihnen vor dem Altar im Gebet: „Nimm, o Jesus, deine Bräute aus den Gefahren dieses Jammertales zu Dir und lass sie nicht in die Hände deiner Feinde fallen!“ Wunderbar erhörte der göttliche Bräutigam ihr Flehen, Noch ehe die Heiden ihr Kloster angriffen, führte ein ansteckendes Fieber die noch jugendliche Basilissa mit ihren frommen Genossinnen hinüber zum ewigseligen Hochzeitsfest.

 

Unter den ersten, welche Marcian aufforderte, dem kaiserlichen Gesetz gemäß den Göttern zu opfern, war Julian und seine Genossenschaft. Er erwiderte: „Ich ehre den Kaiser als die von Gott gesetzte Obrigkeit, aber seinen Befehlen, wenn sie den Geboten Gottes widersprechen, gehorche ich nicht, und darum werden ich und meine Brüder nicht opfern.“ Marcian ließ das Kloster anzünden und mit sämtlichen Bewohnern verbrennen, den Julian aber an vier Pfählen ausspannen und furchtbar mit Prügeln schlagen. Dabei wurde einem Schergen, den der Statthalter besonders lieb hatte, zufällig ein Auge ausgeschlagen. Als Marcian hierüber sehr betrübt in grimmige Verwünschungen ausbrach, rief ihm Julian zu: „Wie magst du dich so sehr darüber erzürnen! Befiehl deinen Götzenpriestern, dass sie die Götter um Hilfe anflehen und deinen Freund heilen; wenn sie nichts ausrichten, so will ich meinen Gott bitten, dass er dem Verunglückten nicht nur das Licht des Auges, sondern auch das viel kostbarere Licht des Geistes gebe.“ Marcian nahm den Vorschlag an. Die Götzenpriester flehten mit Opfer und Gebet die Hilfe der Götter an; aber statt zu helfen, fielen die Götterbilder plötzlich von den Altären und zerbrachen in Stücke. Nun machte Julian das heilige Kreuz über das Auge des Verwundeten unter Anrufung des heiligen Namens Jesus. Sogleich erfreute dieser sich wieder des Augenlichtes und jubelte: „Der Gott der Christen ist der allein wahre und mächtige, ihm allein gebührt Anbetung, alle anderen Götter sind nur Lug und Trug!“ Wutentbrannt ließ Marcian den geheilten Freund – jetzt dankbaren Bekenner Christi – nicht ausreden, mit dem eigenen Schwert ermordete er ihn. Julian aber befahl er durch die Straßen der Stadt zu führen und auf den öffentlichen Plätzen erbarmungslos zu martern, um so die Christen zu entmutigen. Allein das Gegenteil geschah. Der Anblick der entsetzlichen Leiden, die Julian nur mit göttlicher Hilfe überleben konnte, und des Wunders, durch das Julian eine ihm vorgelegte Leiche zum Leben erweckte, bewirkte, dass viele Heiden sich zum Glauben an Christus bekannten. Marcian, einen Aufruhr befürchtend, wenn er die Peinigung des Julian weiter fortsetzen würde, befahl in ratlosem Ingrimm, ihn mit mehreren Christen zu enthaupten. Er selbst wurde wahnsinnig und bei lebendigem Leib von Würmern zernagt.