Der heilige Barlaam, Priester, Einsiedler in Vorderindien, + 27.11.383 ? - Fest: 27. November

 

Der heilige Eremit Barlaam, Priester, Einsiedler in Vorderindien,

+ 27.11.383 ?,

und Josaphat, Prinz und Bekenner von Indien,

+ 27.11. 383 ?

 

„Ich werde vernichten die Weisheit der Weisen, und vereiteln die Klugheit der Klugen“, sprach einst Gott durch Jesaja. Dies sehen wir erfüllt in folgender Legende, die den heiligen Johannes von Damaskus zum Verfasser hat.

 

Es geht die Sage um in den alten Geschichten von Indien, dass sich aus den Wüsten Thebais einige Einsiedler bis in das Land der Hindus begaben und dort Christus-Bekenner aus allen Kasten gewannen, deren viele sich, wie ihre Apostel aus Ägypten, in der Einsamkeit göttlicher Beschauung widmeten. Ihre Zahl war nicht gering, und Fürsten fingen an, der neuen Religion ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Da erhob sich Abener, ein gewaltiger König (in Indien an den Grenzen Persiens), zur Verfolgung der Christen. Er ehrte Brama (ihren Gott) und verschmähte keine Blume sinnlicher Vergnügen. So reich sein Staatsschatz war, und seine Kleidung von Gold und Edelsteinen strotzte, so arm war seine Seele an Weisheit. Darum sagte ihm einer der Fürsten, der befragt wurde, warum er Christ geworden sei: „In meiner Jugend wurde ein Wort in meine Seele gelegt, das fasste Wurzel, ging auf und brachte Frucht zu seiner Zeit; das Wort aber ist: die Menschen sind so törichten Sinnes, dass sie das, was ist, verachten, als wenn es nicht wäre; aber was nicht ist, lieben, als ob es etwas sei. Wer das Wesen der Dinge nicht verkostet hat, der wird die Natur des Vergänglichen nicht kennen. Kann man aber das für Nichts schätzen, was man nicht kennt? Du, o König! Du hast dein Herz an das Nichts geheftet, wie magst du denn das Nichts verachten lernen?“ Dem König wurde sein Wunsch erfüllt, er erhielt einen Sohn, dem gab er den Namen Josaphat. Und weit umher ging die Sage, Vischnu (der große Gott der Inder) sei in Josaphat Mensch geworden; denn himmlisch schön und einer Gottheit ähnlich war seine Bildung. Die Stunde der Geburt wurde am Himmel geschaut, und einer der Sterndeuter weissagte in der Versammlung der Weisen dem König: „Größer wird der Sohn werden, als der Vater, und eine viel tausendmal größere Monarchie wird er beherrschen; den Thron seiner Herrlichkeit wird er aber in einem anderen Reich aufschlagen.“ Der königliche Vater ahnte aber, dass sein Sohn die Seuche der neuen Religion ergreifen werde. Er sperrte ihn daher in einen Palast einer entfernten Stadt. Alles, was das Leben verschönert, umgab ihn, und sogleich wurde alles entfernt, was den Liebling mit dem Ungemach der Sterblichen bekannt machen könnte. Der Junge wuchs. Immer edler und reizender wurde seine Gestalt, immer mehr entfaltete sich seine schöne Seele. Er wurde auch stark wie ein Löwe, erfahren in der Weisheit der Braminen, in der Wissenschaft der Perser, ein Gegenstand der Bewunderung für die Lehrer und seinen Vater. Doch war dem Sohn nicht wohl, immer eingesperrt zu sein; er fragte nach der Ursache und entdeckte sie durch Geschenke von einem Bediensteten: der Vater fürchte, er möchte von der Seuche der Christen angesteckt werden, und sei ihnen abhold, und lasse sie umbringen, wo er einen finde. Da wurde Josaphat nachdenklich, traurig und kränklich. Der Vater kam zu ihm, und der Sohn sagte: „Warum soll ich nicht ausgehen dürfen, meine Lebenstage in Kummer und Traurigkeit verleben?“ Und der König gab ihm, wiewohl traurig, die Erlaubnis außerhalb des Palastes spazieren zu gehen; jedoch befahl er voller Sorge jeden Anblick des menschlichen Elends von ihm fern zu halten, und alles, was ihn erschrecken könnte. Josaphat ritt nun aus im glänzenden Wagen, mit großem Hofstaat, vor ihm her Musik und Schauspiel; aber nebenbei standen trotz aller Vorsicht, so fügte es Gott, ihm vor den Augen zwei Bettler, einer aussätzig, der andere blind, in ärmlicher, das Elend verratender Gestalt. Der Prinz fragte mit Bedacht: „Was sind das für Leute und welche Lebensweise führen sie?“ Und eine Frage folgte der anderen: „Woher das? Wie lange das? Sind noch viele, die so leben?“ Man gab ihm kluge, aber nicht beruhigende Antworten, und der Prinz wurde immer ernster und betrübter, so dass seine Lebensfarbe welkte. Bald danach erblickte er einen Greis und mit ihm das abzehrende Alter und das Ende des Lebens. Da fiel Nacht in die Seele Josaphats, er sah die Gebrechen des Lebens, die Krankheiten, den Tod in der Nähe, und nach dem Tod was? – Das wusste er nicht. Schwerer Kummer lag auf seinem Herzen; doch er verbarg ihn vor seinem Vater.

 

In den Einöden von Sennaar lebte ein Priester in stätem Umgang mit Gott. Groß war sein Geist und sein Herz eine Wohnstätte des Heiligen. Barlaam (so war sein Name), sah in einem Gesicht den Königssohn Josaphat, vernahm den Willen Gottes, machte sich auf und kam in Kaufmannskleidung in seine Residenzstadt, ging zu seinem Hofmeister und sagte: „Dein Knecht bringt aus fernem Land einen überaus köstlichen Edelstein, der seines gleichen nirgends findet, und er hat die Eigenschaft, den Geistigblinden das Auge der Weisheit zu öffnen, das Ohr zu schärfen, die Töne einer anderen seligen Welt zu hören, Seelenkrankheiten zu heilen, die feindseligen Geister des Abgrunds zu vertreiben.“ „Fremdling!, sprach der Hofmeister, hättest du nicht ein so ehrliches Gesicht, ich glaubte, du spottest.“ „Noch eins darf ich nicht vergessen“, versetzte der Kaufmann, „nur schuldlose Seelen und reine Augen vermögen den Wunderstein zu schauen, jeder andere würde vollends daran erblinden.“ „So bringe den Stein dem Prinzen“, entgegnete der Diener, „der hat eine kindliche Seele und ein reines Auge; das meine ist trüb, und die Seele befleckt“, und führte ihn zum Prinzen. Dem Josaphat war in diesem Augenblick gar wundersam ums Herz, ein großes Verlangen und große Hoffnung liefen durch seine Gefühle, er wusste nicht, was es sei, und doch war ihm sein Heil nahe. Er hieß den Kaufmann neben sich sitzen und, als sie allein waren, den Stein aufweisen. Da stand Barlaam auf und sprach: „Sonne deines Reiches! Auch ich habe einen König, der gab mir den Stein und sagte: Das Himmelreich ist gleich einem Sämann“ (Mt 13). Er deutete ihm das Gleichnis und wendete es an mit der Erklärung: „wer immer den Samen im guten Erdreich aufnimmt, der wird am Sonnenlicht aufwachsen, und selbst durch die Kraft des Wundersteines zum Licht werden, und vielfache Frucht bringen. An der Tüchtigkeit ist es gelegen, bewähre dieselbe, damit mich der weite Weg aus meiner Heimat nicht gereue.“ Josaphat: „Schon lange ist es wie Feuer in mir, ich werde noch verzehrt werden, wenn sich nicht eine Gottheit erbarmend meiner annimmt und Balsam in meine Seele gießt. Mich dünkt, du bist kein gemeiner Mensch, sondern ein Bote unseres Gottes, meine wunde Seele zu heilen.“ Barlaam: „In den Tagen der Vorzeit regierte ein mächtiger König. Einmal saß er im goldenen Wagen voll Majestät, wie die Gestirne den Mond, so umflossen ihn seine Höflinge. Auf einmal sprang er auf vom goldenen Sessel, warf sich nieder vor zwei Männern, die hager, zerrissen und schwarzen Angesichtes ihm begegnen, berührte den Saum ihres Kleides, und ehrte sie. Die Höflinge schämten sich, und sein Bruder bedeutete ihm, er hätte seiner Majestät vergessen, und die Höflinge geärgert. Des Abends befahl der König vor dem Palast seines Bruders die Totenposaune zu blasen, wie es Sitte war, wenn jemand dem Tod bestimmt war. Der Bruder erschrak und rüstete sich zum Tod. Des Morgens erschien er im Trauergewand mit seiner ganzen Familie vor dem Thron des Königs und weinte. Da sprach der König: O Unbesonnener! Wenn du dich von einem Boten deines Bruders so entsetzt, da du doch unschuldig bist, und gleiches Blut in deinen Adern fließt; warum ärgerst du dich, dass ich Ehrfurcht habe vor den Gesandten Gottes, die mir sündigen Menschen den Tod und die Ankunft des Herrn lauter verkünden, als Posaunenschall? Der Prinz ging getröstet nach Hause. Der König ließ aber 4 Kisten machen, 2 mit Gold überziehen und mit goldenen Schlössern vermachen, 2 mit Pech übergießen und mit Stricken zubinden; dann berief er den ganzen Hofstaat zu sich, und fragte: welche Kisten mögen wohl größeren Reichtum verschließen? Da war nur eine Stimme: „Die goldenen!“ Der König winkte, die Kisten wurden geöffnet, und sieh! Die goldenen enthielten nur Totenknochen und gräulicher Gestank stieg von ihnen auf; die anderen enthielten Balsam, Gold und Edelstein, und lieblicher Duft ging von ihnen aus. Alles verwunderte sich, und der König sprach: „Ihr Toren pflegt alles nur nach dem Schein zu schätzen. Ich ahnte in den zwei elenden Menschen eine königliche Seele voller Schönheit; darum habe ich sie vorgezogen denen, welche mit königlichem Gewand eine unkönigliche Seele bedecken. Prinz! Tue auch dergleichen.“ Josaphat: „Du bringst mich durch deine Rede in Erstaunen. Wer bist du, Seliger? Und wer ist dieser König, der dir das Gleichnis vom Samen gegeben hat?“ Barlaam: „Dieser König ist der König aller Könige. Von ihm geht Unsterblichkeit aus. Sein Thron ist hoch über alle. Der Glanz seines Thrones ist so groß, dass niemand, der ihn anschaut, am Leben bleibt. Er ist der dreimal Heilige, der Gott über alle Götter, der Unbegreifliche, der in Menschengestalt erschienen ist.“ Nun fuhr Barlaam fort und erzählte die Schöpfung des Paradieses, die Sünde, die Erlösung durch Christus, Als der Königssohn das alles vernommen hatte, wurde seine Seele voll Licht und Freude, er sprang vom Thron auf, fiel Barlaam in die Arme, weinte und sagte: „Wenn ich nicht irre, du Gesandter Gottes, so ist das der Wunderstein, den nur reine Seelen und reine Augen zu schauen vermögen, denn siehe! auf deine Rede ist Nacht und Trauer in meiner Seele verschwunden. Sind das nun die Kräfte des Wundersteines, oder weiß dein Geist von noch größeren Dingen?“ Barlaam: „Du hast mich recht verstanden, o Königssohn! Das Angesicht Gottes, das vor der Welt verborgen war, das ist endlich erschienen und offenbar geworden. Das Christentum ist der Wunderstein; höre ferner von seiner Kraft!“ Da erklärte er die Taufe, die Buße, das Wesen des Himmelreiches, den Glauben, den heiligen Wandel, die Auferstehung zum Gericht, die ewige Vergeltung. Josaphat: „Heiliger Mann, was soll ich tun, auf dass ich selig werde?“ Barlaam: „Tue Buße, und lasse dich taufen zur Vergebung der Sünden: so wirst du die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Dieser wird dich immer näher zur Erkenntnis des lebendigen Gottes bringen. O wie töricht ist der Mensch, der dem Fabelwerk glaubt, dem Nichts traut und das Leben von sich stößt!“ Auch dieses gab er durch ein Gleichnis zu verstehen. Nach vielen schönen Gesprächen wurde endlich dem Prinzen Barlaams Name bekannt, und jener verwunderte sich sehr wegen dessen strenger Lebensweise, und dem männlichen Streit gegen das Böse. „Aber“, sagte der Prinz, „wo nehmt ihr Speise und Kleider her in der Wüste?“ Barlaam: „Kräuter und Baumfrüchte, am Tau des Himmels befeuchtet, sind unsere Nahrung, und erhalten wir Brot on einem frommen Bruder, so essen wir es mit Danksagung gegenüber Gott. Schaffelle und raues Tuch ist unser Kleid.“ Josaphat: „Wo hast du dein Kleid gelassen?“ Barlaam riss das Oberkleid auf und stand da in gar dürftiger Bedeckung. Josaphat sah ihn schweigend an, erbarmte sich der Armut, und bot ihm und seinen Brüdern viele schöne Kleider an. Barlaam: „Das schickt sich nicht, den Leib mit schönem Gewand zu zieren, da man das Kleid des Ungehorsams ausgezogen und Christus angezogen hat, überdies mit dem Mantel himmlischer Fröhlichkeit bedeckt ist.“ Josaphat empfing darauf die Taufe. Und nachdem beide Freunde lange gebetet hatten, nahm Balaam Abschied von Josaphat, mit dem Versprechen, ihn wieder zu sehen, ließ ihm auf seine Bitte den Mantel zurück, und bezog seine Einöde.

 

Die Bekehrung Josaphats wurde bekannt, und von einem Bediensteten dem König berichtet. Dieser wurde überaus traurig und wollte Barlaam durch Marter zwingen, seinem Sohn die Religion der Väter wieder zurückzugeben; allein Gott hatte ihn schon dem Ansinnen und Zorn des Königs entzogen und in Sicherheit gebracht. Da bestellte der König nacheinander einen Weltweisen und einen Schwarzkünstler, die durch eitle Vernunftschlüsse und Zauberei dem Sohn die neue Religion verleiden und die alte Religion wieder beibringen sollten. Allein weil das Licht größer war, als die Finsternis, so wurden beide ebenfalls für Christus gewonnen. Daraufhin wurde eine andere Verführungskunst angewandt: weibliche Personen wurden ihm als die einzigen Aufwärter gelassen, sie sollten durch ihre Reize den Prinzen verführen. Aber Gott wachte über ihn und zeigte ihm in einem Traum auf einer Seite die herrlichsten Lustgärten, und auf der anderen Seite einen feurigen Kerker. Eine Stimme deutete ihm das Gesicht: „Jener ist den Reinen, dieser den Unreinen bestimmt, die sich mit Lüsten beflecken.“

 

Und wie im König das Reich des Satans herrschte, so glänzte im Sohn der Wunderstein des Christentums im siebenfachen Glanz hervor. Der Vater wurde des vergeblichen Kampfes gegen Josaphats siegende Entschlossenheit müde, teilte mit ihm das Reich, um nicht ganz seine Liebe zu verlieren. König Josaphat pflanzte das Kreuz in seine Standarte und auf die Türme der Hauptstadt; seine christliche Milde gewann ihm das Herz der Untertanen und sein Eifer ihre Seelen für Gott. Wie Abener das Leben ausgenossen, er starb in hohem Alter, in ihm der Satan, und da er merkte, seine Götter können ihm nicht helfen, über Josaphat aber sei die Hand des Herrn, schrieb er ihm eigenhändig: „Sohn des Himmels und auch der meine! Schwarze Gedanken steigen in meiner Seele auf und rauben mir alle Süßigkeit des Lebens. Ich habe meine Augen aufgetan und gesehen, wie alle meine Herrlichkeit sich zum Untergang neigt, während dir die Sonne ewiger Glorie hienieden schon aufgeht. Ich habe in das Buch meines Lebens geschaut und finde darin nichts als eitle Torheit und Sünde; ich habe mein Angesicht vom Licht der Wahrheit abgewandt, das Heil von mir gestoßen, nur meine Begierden zu Göttern gemacht. Sohn!, rette deinen Vater vor der nahen Verzweiflung, reiße mich heraus aus meiner fürchterlichen Ungewissheit des Lebens oder des Todes!“ Durch den Sohn wirkte Gottes Gnade in dem Vater, und durch den, welcher zum Heil in die Welt kam, wurde der Vater zum Himmel wiedergeboren. Abener starb wenige Jahre nach seiner Taufe in den Armen seines Sohnes, und Josaphat regierte an seiner Statt das ganze Reich. Nach vierzig Lebensjahren wurde Josaphat des irdischen Reiches müde, seine Seele suchte ein anderes Reich, sein Geist einen anderen Thron in einem anderen Land. Er übergab das Reich dem Barachias, einem frommen Christen, nahm rührend Abschied von seinem Volk, und eilte heimlich der Wüste zu. Er fand endlich einen Einsiedler, der ihm Barlaams Zelle zeigte. Dieser, von Gott gemahnt, erkannte den Josaphat, fiel ihm in die Arme, und nahm ihn zum Gefährten des Lebens in seine Höhle auf. Aber nicht lange ging es, Barlaam starb, Josaphat schloss ihm die Augen und begrub ihn neben der Höhle. Josaphat lebte in strenger Buße, in stätem Umgang mit Gott, wurde vieler Gesichte gewürdigt, die ihm das ewige Leben und dessen Herrlichkeit aufschlossen. Er sah auch Barlaams Herrlichkeit, seines Vaters Krone und die seine, die ihm bereitet war. Heilige Sehnsucht löste ihn auf, sein Geist entschwand der Erde und wurde aufgenommen in das ewige Himmelreich. Bei dreißig Jahren lebte er noch in der Wüste, das Kreuz des Herrn zur Erlösung betrachtend, seine Heilkraft in der Seele aufnehmend. Jener Einsiedler, der ihn zu Barlaam geführt hatte, begrub ihn, und brachte den Verlauf des Lebens dem Barachias zur Nachricht.

 

Außer Jesus Christus dem Gekreuzigten ist kein Heil. Hast du das erfahren? Und wenn nicht, so ist er vergeblich für dich gekreuzigt worden.

 

Verleihe, o Herr, durch die Fürbitte des heiligen Barlaam und Josaphat, dass wir aus ihren Beispielen lernen, die Wohltat unseres Glaubens zu schätzen, die Welt zu fliehen, das Zeitliche zu verachten und Gott und das Ewige allein zu suchen. Amen.