Der heilige Bardo, 20. Erzbischof von Mainz, + 10.6.1051 – Fest: 10. Juni

 

Der heilige Bardo stammte aus der berühmten Familie von Oppershofen in der Wetterau und wurde im Jahr 980 geboren. Seine Eltern, Adalbero und Christina, standen im Ruf der Heiligkeit und ihre Gräber verherrlichten Wunder und himmlische Gebetserhörungen. Als Bardo die heilige Taufe empfing, beschenkte ihn sein Pate mit einem Helm, einem Lamm und einem Psalter, hindeutend auf seinen Glauben, seine Geduld und Andacht. Nachdem seine Eltern ihn in aller Unschuld erzogen hatten, schickten sie ihn zur weiteren wissenschaftlichen Ausbildung ins Kloster Fulda, wo er durch seinen Scharfsinn und seine schnelle Fassungskraft bald alle seine Mitschüler überflügelte.

 

Zum jungen Mann herangereift, bat er um das Ordenskleid des heiligen Benedikt und leuchtete allen seinen Ordensbrüdern in Gehorsam, Demut, Pünktlichkeit und Diensteifer vor. Niemals verweigerte er einen Dienst und beklagte es, wenn er durch ein anderes Amt verhindert war, den Brüdern zu helfen. Seine Mußestunden widmete er dem Lesen heiliger Schriften, insbesondere der Evangelien, des Psalters und der Schriften des heiligen Papstes Gregor des Großen. Als man ihn fragte, warum er die Hirtenbriefe des heiligen Gregor so eifrig lese, antwortete er scherzend: „Vielleicht könnte der Kaiser auf den törichten Einfall kommen, mich zum Bischof einzusetzen; deshalb muss ich eifrig vorsorgen, dasjenige reiflich zu erwägen, was zur Verwaltung dieses Amtes gehört.“ Was Bardo scherzweise geäußert hatte, bewahrheitete sich bald, denn er stieg von Stufe zu Stufe zu höheren Ämtern empor.

 

Zunächst wurde er durch die allgemeine Bitte seiner Brüder und mit Zustimmung des Abtes Richard zum Dekan des Klosters Fulda erwählt. Dieses Amt verwaltete er mit Klugheit und Liebe, mit besonderer Bescheidenheit und Herablassung. Bald darauf errichtete Abt Richard ein neues Kloster zu Ehren des heiligen Andreas im Westen der Stadt und bestellte Bardo zum Propst desselben. Als Kaiser Konrad II., der Salier, zum Kloster Fulda kam und das neue Kloster in Augenschein nehmen wollte, gefiel ihm der gelehrte und hochverdiente Bardo so sehr, dass er ihn zum Abt des Klosters Werden in Westfalen und im Jahr 1031 auch zum Abt von Hersfeld ernannte. Beide Würden verwaltete er mit besonderer Klugheit und herzgewinnender Demut, eingedenk des göttlichen Wortes: „Je höher du stehst, desto mehr verdemütige dich in allem, und du wirst Gnade finden vor Gott.“ Er änderte seine frühere Lebensweise nicht, außer dass er mit größerem Eifer von Tugend zu Tugend fortschritt. Überall wusste er durch seine väterliche Liebe und sein ermunterndes Beispiel die gestörte Kirchenzucht wiederherzustellen. Streng schritt er nur gegen jene ein, die insgeheim oder mit einschmeichelnder Rede ihre Mitbrüder anklagten. Er sagte den Zuträgern: „Ihr habt in eurem Konvent den Dekan oder Prior. Er hat über die klösterliche Zucht zu wachen. Ich bin Abt und Vater; was er mir verhehlt, soll ich nicht wissen.“ Auf diese Weise gewann er das vollste Zutrauen seiner Untergebenen und sie liebten ihn wie ihren Vater.

 

Der Erzbischof Aribo von Mainz, der noch kurz vorher mit Kaiser Konrad II. das Weihnachtsfest zu Paderborn gefeiert hatte, war auf einer Reise nach Rom gestorben (6. April 1031). Zur Wahl eines neuen Erzbischofs reiste Abt Richard nach Mainz, in der Hoffnung, zum Nachfolger erwählt zu werden. Da sah er im Traum den Abt Bardo auf dem Gipfel eines hohen Berges, den er selbst nicht zu erreichen vermochte, eine große Herde hüten. Aus diesem Gesicht erkannte Richard, dass Bardo nach dem Willen des Allerhöchsten zu jener Würde auserkoren sei. Der Kaiser schritt mit seiner Gemahlin zur Kirche und betete inbrünstig zu Gott, dass er den Würdigsten wählen möchte. Dann sprach er feierlich zu dem versammelten Volk: „Ich stelle euch einen Mann vor von hervorragendem Geist, von ausgezeichneter Tugend, von leuchtender Heiligkeit, den die Weisheit geboren, die Keuschheit genährt, die Religion zu aller Ehre und zum Hirtenamt gebildet, voll Liebe, Demut und Güte.“ Und mit dem Finger auf Bardo zeigend, sprach er: „Du bist jener Mann, ich ernenne dich heute zum Erzbischof des Mainzer Stuhles!“ Jubel und Freude erfüllte die ganze Versammlung, Bardo wurde von den anwesenden Bischöfen zum Tempel geführt und empfing die bischöfliche Weihe. Dies geschah zu Goslar am 29. Juni 1031.

 

Nach der Feier reiste Bardo nach Mainz, um von seinem Erzbistum Besitz zu nehmen, gab überall Beweise seiner Tugend, predigte eifrig Buße, trieb durch Wort und Beispiel das Volk zu einem religiösen Leben an, tröstete die Trauernden, bekleidete die Armen, richtete die Zaghaften auf und wurde allen alles, um alle glücklich zu machen. Desungeachtet fehlte es ihm an Feinden und Neidern nicht. Gegen Ende des Jahres begab er sich an den kaiserlichen Hof zu Goslar. Am Weihnachtsfest wurde Bardo aufgefordert zu predigen. Mit einfachen, schlichten Worten erklärte Bardo die Bedeutung des Festes ohne rednerischen Schmuck. Alle waren enttäuscht, dass der Bardo-Chrysostomus, wie man ihn wegen seiner Beredsamkeit zu nennen pflegte, so wenig den Erwartungen entsprochen habe. Am folgenden Tag predigte Bischof Dietrich von Metz so schön, dass alle Zuhörer entzückt waren. „Das ist ein Bischof!“ – sagten die Leute. – „Was ist Bardo dagegen?“ Am dritten Tag, dem Fest des heiligen Evangelisten Johannes, hielt aber Bardo eine so ergreifende Predigt, dass alle in Tränen zerflossen. Kaiser Konrad war entzückt, dass der fromme Erzbischof sein Vertrauen so glänzend gerechtfertigt habe, und überhäufte ihn mit neuen Ehren.

 

Trotz den zahlreichen Lobeserhebungen blieb Bardo demütig. In seine Erzdiözese zurückgekehrt, sorgte er unermüdlich für das Seelenheil seiner Untergebenen, aber auch für das leibliche Wohl aller Bedrängten. Seine Tür stand allen offen, mit eigener Hand teilte er Almosen aus und kannte alle Blinde und Lahme beim Namen. Desungeachtet fehlte es ihm nicht an Feinden. Der Burggraf Erckenbald verdächtigte den Erzbischof beim Kaiser, wurde aber bald wegen seiner Ränke abgesetzt und von einer unheilbaren Krankheit befallen. – Ein hochmütiger Mensch verspottete heimlich den Erzbischof, weil er bei Tisch religiöse Gespräche führe. Statt zu zürnen, ließ er dem Spötter zum Dank für die Beleidigungen eine goldene Schüssel geben.

 

Selbst über vernunftlose Geschöpfe übte der fromme Kirchenfürst einen unwiderstehlichen Zauber. So oft er nach Eltville reiste, kam eine Schar nie gesehener Vögel und sangen ihm die lieblichsten Weisen, flogen vor ihm nicht fort, ließen sich von ihm liebkosen und verschwanden, sobald er Eltville verließ.

 

Manche Große und Vasallen versuchten seine Rechte zu schädigen, aber er überwand das Böse durch das Gute, und es bewährte sich an ihm das Wort des göttlichen Heilandes: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“

 

Bardo beförderte zwei Bischöfe, die später den päpstlichen Stuhl zierten, nämlich in Münster 1041 den Suitger, den späteren Papst Klemens II., zum Bischof von Bamberg, und um Weihnachten des folgenden Jahres den jungen Grafen Gebhard von Calwe zum Bischof von Eichstätt, der 1055 als Viktor II. auf den päpstlichen Stuhl erhoben wurde.

 

Während seiner zwanzigjährigen Wirksamkeit vollendete Erzbischof Bardo den Dom zu Mainz, den sein heiliger Vorgänger Willigis 1009 vollendet, aber am Abend vor der Einweihung in Flammen aufgehen sah, und weihte ihn in Gegenwart des Kaisers Konrad und vieler Bischöfe zu Ehren des heiligen Martin im Jahr 1037. Den Kaiser Heinrich III. vermählte er zu Ingelheim mit Agnes und salbte sie zur deutschen Königin im Jahr 1043. In Münster weihte er in Gegenwart von vier Erzbischöfen und acht Bischöfen die prachtvolle Basilika ein am 29. Dezember 1041. Im Oktober 1049, wenige Wochen nach der Anwesenheit Papst Leo IX., hielt er zu Mainz eine große Kirchenversammlung ab, auf welcher sieben Erzbischöfe und dreiunddreißig entschiedene Beschlüsse über Simonie und kirchliche Zucht fassten.

 

Papst Leo IX. hatte ihn gebeten, seiner großen Schwäche wegen Fleischspeisen zu nehmen. Bardo gehorchte. Da kam ein fremder Mönch zum Besuch. Bardo sprach zu ihm: „Bruder, wir haben keine Fische. Nimm mit unserer Erlaubnis, was wir haben!“ Der Mönch weigerte sich, Fleisch zu genießen. Hierauf machte der Erzbischof dreimal das Kreuzzeichen über das Fleisch und verwandelte es in einen Fisch. Bei diesem Wunder fiel der Mönch dem heiligen Bischof zu Füßen. Der aber verbot ihm, etwas davon zu sagen, und mahnte ihn zu stetem Gehorsam.

 

Am heiligen Pfingstfest, den 19. Mai 1051, traf er noch einmal mit dem Kaiser Heinrich III. in Paderborn zusammen, predigte vor dem versammelten Hof und sagte seinen nahen Tod voraus und nahm feierlichen Abschied. Auf seiner Heimreise, zwei Stunden von Paderborn, bei Dornberg (Dörenhagen), überfiel ihn plötzlich Todesschwäche. Sein Weihbischof Abellinus von Fulda spendete ihm die heilige Ölung. Auf einem Bußgewand am Boden liegend, tröstete er die Umstehenden und schloss mit den Worten: „Was dem Herrn gefällt, soll geschehen! Deine Barmherzigkeit, o Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.“ Dann schloss er die Augen zur himmlischen Ruhe am 11. Juni 1051, im 71. Lebensjahr und im 21. Seines bischöflichen Amtes.

 

Der Leichnam des heiligen Erzbischofs Bardo wurde nach christlicher Sitte gewaschen und das Wasser an einem dürren Baum ausgeschüttet. Wie staunte das Volk, als von nun an jedem Dienstag, dem Wochentag von Bardos Tod, aus den dürren Zweigen jenes Baumes Wasser quoll, das vielen Kranken Gesundheit brachte! Die Leiche wurde im St. Martini-Dom beigesetzt und ein unaussprechlicher Wohlgeruch stieg aus dem Grab.

 

Wie alle Kranke und Hilfsbedürftige bei dem liebevollen Erzbischof Bardo Trost, Unterstützung und oft wunderbare Heilung fanden, so wurden nach seinem Tod durch seine Fürbitte viele Kranke plötzlich geheilt, wie der Erzbischof Anno an einem Krüppel mit eigenen Augen sah.