Der heilige Baduard (Badurad), 2. Bischof von Paderborn, + 17.9.862 – Fest: 17. September

 

In dem quellenreichen, anmutig gelegenen Paderborn verweilte Karl der Große gern. Dort ließ er schon im Jahr 777 eine christliche Kirche bauen. Dort errichtete er mit päpstlicher Bevollmächtigung im Jahr 780 ein Bistum, das vorläufig dem Bischof von Würzburg zur Verwaltung übergeben wurde. Aber wegen der weiten Entfernung beider Städte erhielt Paderborn schon 795 in dem heiligen Hathumar seinen ersten eigenen Bischof. Er begann den Bau des Domes, dessen Altar Papst Leo III. bei seiner Anwesenheit in Paderborn, wo er bei Karl Hilfe suchte, im Jahr 799 konsekrierte und mit einer Rippe des heiligen Erzmärtyrers Stephanus beschenkte. Als der heilige Hathumar 815 starb, folgte ihm als Bischof von Paderborn der heilige Baduard.

 

Unter den Geiseln, die aus dem westfälischen Adel Karl dem Großen übergeben wurden, befand sich auch der edle junge Mann Badurad. Zu Würzburg bildete er sich unter sehr frommen und ausgezeichneten Lehrern so sehr in Wissenschaften und Tugenden aus, dass ihn Kaiser Ludwig wegen des vorzüglichen Adels seiner Sitten, wegen seiner Hochherzigkeit und seines religiösen Eifers zum Freund erwählte und nach dem Tod Hathumars mit der Insel Paderborns beschenkte. Baduard zeigte sich dieser Auszeichnung würdig. Unter seinen Tugenden leuchteten in hellem Glanz seine mildreiche Freigebigkeit gegenüber den Armen, seine seltene Unbescholtenheit, seine Demut und Bescheidenheit, sein Eifer in Verbreitung der Religion, seine unermüdliche Tätigkeit für das Seelenheil seiner Untergebenen. Beständig bereiste er sein Bistum, predigte dem Volk, errichtete Pfarreien in Städten und Dörfern, erbaute Kirchen und Kapellen, befestigte und vollendete, was sein Vorgänger Hathumar begonnen hatte. Den vollendeten Dom weihte er feierlich ein, legte daneben ein Domkloster an, worin er mit seinen Geistlichen ein gemeinsames Leben führte und begründete die Domschule, die schon zu seiner Zeit die sächsische Jugend zu Priestern und Gelehrten ausbildete und später zu großer Blüte gelangte. Unter ihm kamen die Benediktiner von Corbie in Frankreich und ließen sich zuerst im Sollinger Wald nieder. Da sich aber der Platz nicht zur Ansiedelung eignete, ließen sie sich sieben Jahre später an der Weser nieder und gründeten die berühmte Abtei Corvey, die Baduard am 25. August 822 feierlich einweihte.

 

Ein großes Verdienst erwarb sich Baduard, indem er durch seinen Einfluss einen blutigen Bürgerkrieg verhütete. Als sich nämlich Lothar gegen seinen Vater, Kaiser Ludwig den Frommen, empörte und ihn schmachvoll behandelte, erhob sich fast ganz Deutschland und Frankreich für Ludwig, und beide Heere standen sich schlachtbereit gegenüber. Da sandte im Jahr 834 der Kaiser seinen vertrauten und lieben Freund Baduard zu seinem pflichtvergessenen Sohn, um ihn zur Sinnesänderung zu bewegen. Der heilige Bischof hielt Lothar die Unwürdigkeit seiner Tat vor, drohte ihm mit den Strafgerichten Gottes und beschwor ihn bei Gott und allen Heiligen, die gottlosen Verführer zu meiden und schnell zu seinem Vater zurückzukehren. Seine eindringliche Rede und sein hohes Ansehen bewogen den aufrührerischen Sohn, dass er demütig seinem Vater zu Füßen fiel und Verzeihung von ihm erflehte und erhielt.

 

Von heiligem Eifer entflammt, seinem Bistum einen heiligen Patron zu geben, der die Sachsen im Glauben befestigen und vor der Hinneigung zum alten Aberglauben bewahren sollte, schrieb Baduard ein allgemeines Fasten aus und erflehte inbrünstig von Gott ein heilige Unterpfand für seine Kirche. Sein Gebet war nicht umsonst, denn Gott offenbarte ihm, er solle nach Mans in Frankreich schicken, wo sich sein Wunsch erfüllen werde. Demzufolge sandte er seinen Erzdiakon, den heiligen Meinolf, und den Priester Ido mit mehreren vornehmen Laien nach Mans. Am 27. April 836 kamen sie dort an und wurden vom Bischof Alderich freundlichst aufgenommen. Nach begangenem Fasten ging der Bischof Alderich mit der Geistlichkeit und den Abgesandten in die Kirche und öffnete das Grab des heiligen Liborius, aus dem ein überaus lieblicher Wohlgeruch aufstieg. Sogleich verherrlichte Gott seinen Heiligen mit mehreren Wundern: ein Lahmer erhielt seine geraden Glieder, ein Stummer seine Sprache und ein Besessener wurde vom Teufel befreit. Die Bürger von Mans wollten den heiligen Leib gar nicht fahren lassen, bis ihr Bischof sich auf den kaiserlichen Befehl berief und ihnen bedeutete, dass es ein Irrtum sei, zu glauben, die Heiligen legten ihre Fürbitte bei Gott bloß da ein, wo ihre Leiber ruhen. Darauf gaben die Bürger nach und schlossen ein ewiges Freundschaftsbündnis mit Paderborn, dem die Erhaltung dieses Bistums unter der Herrschaft Napoleons zu danken ist. Am 1. Mai wurden die Gesandten mit dem Leib des heiligen Liborius entlassen und vom Klerus der Stadt Mans unter Psalmen und geistlichen Liedern auf die Reise begleitet. Als die Abgesandten an den Rheinkamen, erwartete sie eine ungeheure Menschenmenge aus Westfalen, staunend über die Wunder, deren sich bereits siebzig auf der Reise zugetragen hatten, und die sich noch fortwährend vermehrten. In feierlichem Triumphzug gelangten die Reliquien des heiligen Liborius am 28. Mai 836 nach Paderborn und wurden an dem gerade beginnenden Pfingstfest im Hochaltar beigesetzt. Der Fürbitte des heiligen Liborius dankt das Bistum Paderborn durch mehr als tausend Jahre die Reinerhaltung des katholischen Glaubens und viele andere Gnaden.

 

Hatte der heilige Bischof Baduard eine unermessliche Freude über den Gewinn der Reliquien des heiligen Liborius, der als Herzensfreund des heiligen Martinus den Bischofsstuhl zu Mans fast fünfzig Jahre geziert hatte und um 397 gestorben war, so wurde er noch mehr beglückt durch die Gründung des Klosters Böddeken im Jahr 837 und des Klosters Herford. Im Jahr 845 sah er seinen lieben Freund, Kaiser Ludwig, als Gast in seiner Stadt Paderborn, wo er eine Reichsversammlung hielt. Sechs Jahre später (851) berief ihn Ludwig nach Meinz und bestätigte die zahlreichen Geschenke und Vorrechte der Paderborner Kirche. An Verdiensten reich, vom Greisenalter gebeugt, starb Baduard im Jahr 862, nachdem er 44 Jahre dem Bistum Paderborn vorgestanden hatte.

 

Baduards Unbescholtenheit, unermüdliche Tätigkeit, Demut und christlicher Seeleneifer, seine Freigebigkeit gegenüber Bedürftigen, seine Liebe zu allen zeichnete ihn in so außerordentlichem Maß aus, dass ihn die Paderborner Bischöfe, Biso, Imad und andere der Ehre der Heiligen würdig erachteten. Als man nach 27 Jahren sein Grab öffnete fand man die Gewänder, in die der Leib gehüllt war, so rein und unversehrt, dass auch nicht einmal ein Stäubchen daran zu sehen war. Sein Todestag fällt auf den 17. September.