Der heilige Augustinus von Canterbury (Apostel von England), + 26.5.607 - Fest: 28. Mai

 

Es wird berichtet, dass der heilige Gregor der Große, bevor er Papst wurde, auf dem Marktplatz in Rom eine Gruppe von blauäugigen, blondhaarigen Männern antraf, die als Sklaven feilgeboten wurden. Auf die Frage des Heiligen, was das für Leute seien, erwiderte man ihm, es handele sich um kriegsgefangene heidnische Angeln aus dem heutigen England. Am nächsten Tag war Gregor bereits unterwegs, um als Missionar in England zu wirken. Kaum war er jedoch drei Tage auf Fahrt, da rief man ihn zurück, weil man den tüchtigen Mann in Rom nicht missen mochte, und kurze Zeit darauf bestieg der Heimgeholte als Papst den römischen Bischofsstuhl.

 

Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Stellvertreters Christi auf Erden bestand darin, dass er vierzig Mönche als Missionare nach England sandte, damit sie das ausführten, was er selbst als Papst nicht mehr bewerkstelligen konnte. Der von Gregor bestellte Leiter der Missionskarawane war der Abt Augustinus, der gleiche, dessen Fest die Kirche heute begeht.

 

Frohgemut und des Erfolges gewiss, verließen die Männer die Ewige Stadt und gelangten nach langer und beschwerlicher Reise über die Alpen und durch Frankreich an die Küste des Ärmelkanals. Da sahen sie das Meer, das, weil gerade Sturm herrschte, Wellen bis in die Wolken warf. Es war für die Südlandssöhne ein ungewohnter Anblick, und man darf es ihnen nicht übelnehmen, dass sich ihre Begeisterung im Angesicht der tobenden See merklich abkühlte. Noch mehr wurde ihr Gemüt von dem bedrückt, was ihnen die ortsansässigen Küstenfischer von der Wildheit der Angelsachsen erzählten. Man bedauerte sie und sagte ihnen den sicheren Tod voraus. Da legte sich eine bange Furcht auf die Seele der Missionare, und sie verloren ganz und gar den Mut. Lange beratschlagten sie, was zu tun sei, und beschlossen schließlich, dass Augustinus nach Rom reisen, den Papst über die riesengroßen Schwierigkeiten aufklären und bitten solle, sie von ihrem Auftrag zu entbinden.

 

Gesagt, getan. Als aber der Abt Augustinus dem Papst seine Rede vorgetragen hatte, wurde Gregor zwar nicht unwillig, aber er beharrte fest bei dem, was er befohlen hatte. Im Namen Gottes sollten die Missionare nach England übersetzen, sein Segen werde sie begleiten und des Erfolges dürften sie sicher sein. So sprach das Oberhaupt der Kirche, und Augustinus kehrte zu den Gefährten zurück, und als sie die aufmunternden Worte des Papstes vernommen hatten, belebte sich ihr Mut wieder, sie fuhren über das Meer und landeten in England.

 

Gleich nach der Ankunft schickte Augustinus einen Boten zu dem Stammesfürsten Ethelbert und bat ihn um eine Unterredung, die auch gewährt wurde. Weil jedoch Ethelbert noch im Wahn des Heidentums lebte und sehr abergläubisch war, wollte er die Missionare, um sich vor ihren möglichen Zaubereien zu schützen, nicht in seiner Burg, sondern unter einer Eiche auf freiem Feld empfangen.

 

Also geschah es, und als sich Ethelbert inmitten der Stammesgenossen niedergelassen hatte, erschien auch Augustinus mit den Mönchen. Singend und betend kamen sie in feierlicher Prozession, und Augustinus sprach vor dem Herzog und dem Volk. Lange und eindringlich redete er, und als er geendet hatte, sagte Ethelbert, es sei alles gut und schön, was er gesprochen habe, aber er wolle doch lieber bei seinem angestammten Glauben verbleiben. Weil indessen die Missionare von so weit hergekommen seien, um seinem Volk das zu bringen, was ihrer Ansicht nach das Beste sei, dürften sie im Land bleiben und den christlichen Glauben verkünden.

 

So sprach der König, und Augustinus und die Mönche freuten sich über den verheißungsvollen Anfang der Bekehrungstätigkeit, und weil sie durch ihr gutes Beispiel und auch durch Wunder, die Gott auf ihr Gebet hin wirkte, die Wahrheit ihrer Lehre bekräftigten, war ihnen bald Erfolg beschieden. Gleich am ersten Pfingstfest empfing Herzog Ethelbert mit Tausenden von Untertanen die heilige Taufe. Augustinus aber wurde der erste Bischof in England, und als er im Jahr 604 starb, befand sich das Christentum im vollen Siegeslauf. Das ganze Land bedeckte sich mit Kirchen, Klöstern und Schulen, und noch nicht hundert Jahre nach dem Tod des heiligen Augustinus zogen von England aus die großen Missionare Bonifatius, Willibrord und ungezählte andere nach Germanien, um auch den deutschen Volksstämmen den wahren Glauben zu bringen.

 

Im 16. Jahrhundert sind dann die meisten Engländer leider vom katholischen Glauben abgefallen und haben eine Sekte gegründet. Deswegen bittet die Kirche heute den lieben Gott inständig darum, dass doch aus den getrennten Christen bald wieder ein Hirt und eine Herde werden.