Die heilige Attala, 1. Äbtissin von Straßburg, + 3.12.741 - Fest: 3. November

 

„Beispiele ziehen an“, sagt ein altes Sprichwort, und es ist wunderbar, wie tief und nachhaltig die Beispiele in das Leben anderer eingreifen. Während die bösen Beispiele die guten Sitten verderben, befördern die guten Beispiele tugendreiches Streben und edle Werke. Der Bruder der heiligen Ottilia, Herzog Adalbert von Elsass, und seine fromme Gemahlin Gerlinde waren von Gott mit drei Töchtern beschenkt, die in der heiligen Taufe die Namen Attala, Eugenia und Gundelinda empfingen. Die frommen Eltern vertrauten ihre drei Töchter schon in frühester Jugend der heiligen Ottilia im Kloster Hohenburg zur Erziehung und Ausbildung an, und sie hatten sie in der Tat den besten Händen übergeben.

 

Attala nahm sich ihre heilige Tante zum Vorbild und lernte von ihr die glühende Liebe zu Gott, die stille Demut, den freudigen Gehorsam, die engelgleiche Andacht, das zärtliche Mitleid mit Armen und den Eifer in frommen Übungen. Sie legte sich mancherlei Abtötungen auf, beherrschte ihre Sinne, beobachtetes strenges Stillschweigen und hegte keinen sehnlicheren Wunsch, als ihr Leben ganz Gott zu weihen und in der armen Klosterzelle ihre Tage zu beschließen. Ihren andauernden und stürmischen Bitten gab ihr Vater endlich nach und baute ihr im Jahr 717 in Straßburg das Frauenkloster St. Stephan. In diesem Kloster wollte sie als arme Ordensschwester vor allem die Tugend des Gehorsams üben, aber auf den dringenden Wunsch der heiligen Ottilia musste Attala die Würde einer Äbtissin im neuen Kloster übernehmen. In dieser Stellung war sie ein leuchtendes Vorbild für alle Untergebene, streng gegen sich selbst, mild gegenüber anderen, unermüdlich im Dienst Gottes, mütterlich besorgt für Arme und Bedrängte.

 

Nachdem ihre Tante und Erzieherin, die heilige Ottilia, in dem hohen Alter von 103 Jahren in die Freuden des Himmels eingegangen war, verdoppelte Attala ihre bisherigen frommen Übungen, um ihr an Heiligkeit und Verdiensten möglichst ähnlich zu werden. In der Tat erreichte sie einen hohen Grad von Vollkommenheit und wirkte höchst segensreich. Reich an Tugenden und Verdiensten schloss sie am 3. Dezember 741 im 54. Lebensjahr ihre Augen zum letzten Schlummer, um im Land des ewigen Friedens und unvergänglicher Glückseligkeit wieder zu erwachen. Ihr heiliger Leib wurde fünf Wochen lang zur Verehrung ausgesetzt, ohne dass sich Spuren der Verwesung gezeigt hätten. Die „ausgezeichnete, heilige Jungfrau“ wurde vom Volk hoch verehrt. Ein Arm von ihr kam in das Kloster Hohenburg, in dem sie ihre erste Erziehung genossen und den Grund zu ihrem heiligen Leben gelegt hatte. Ihre übrigen Reliquien wurden bis zur französischen Revolution in der St. Stephanskirche zu Straßburg aufbewahrt und verehrt.