Der heilige Appianus, Blutzeuge zu Cäsarea in Palästina, + 2.4.306 - Fest: 2. April

 

Appianus (auch Aphian und Amphian genannt) stammte aus Lycien von reichen und durch ihre Geburt ausgezeichneten Eltern. Man schickte ihn nach Berytus in Phönicien, wo damals berühmte Schulen der Beredtsamkeit, der Philosophie und des römischen Rechts waren. Er machte da schnelle Fortschritte in allen Zweigen des menschlichen Wissens. Als ihn Gott zur Kenntnis der Wahrheit geführt hatte, gewann er eine große Liebe zum Gebet und der Einsamkeit, und verwahrte sich dadurch vor den Klippen, an denen die Jugend durch die Stürme der Leidenschaften, leider nur zu häufig ihren Untergang findet. Als er wieder in sein Vaterland zurückgekommen war, arbeitete er an der Bekehrung seiner Eltern, die noch Heiden waren. Der Schmerz, den ihm ihre Hartnäckigkeit im Aberglauben des Heidentums verursachte, führte ihn auf den Gedanken, das väterliche Haus zu verlassen. Er begab sich nach Cäsarea in Palästina, als er erst 18 Jahre alt war, und schloss sich an die Jünger des heiligen Pamphilus an, der mit ebenso großer Frömmigkeit als Gelehrtheit in dieser Stadt die göttlichen Schriften erklärte.

 

Während er die Schule des heiligen Pamphilus besuchte, flammte Galerius Maximianus, der am 1. Mai 305 zum Kaiser des Orients ausgerufen wurde, das Feuer der Verfolgung wieder an. Dieser Fürst sandte Briefe nach Cäsarea, worin dem Landpfleger befohlen wurde, alle Untertanen seines Reiches zum Opfern zu zwingen. Appian, dem ein solcher Befehl das Herz tief verwundete, wartete nicht, bis man ihn aufsuchte, um seine Gesinnungen zu erklären. Er ging hinaus, sagt Eusebius, ohne sein Vorhaben jemanden mitgeteilt zu haben, nicht einmal uns, bei denen er wohnte. Er trat raschen Fußes in den Tempel, schritt vor den Landpfleger Urban, da ihm die Soldaten der Leibwache, die nichts Arges vermuteten, den Hingang nicht verwerten. Als er ihn den Arm zum Opfern emporheben sah, hielt er ihn ein, und sagte ihm, man solle nur den wahren Gott anbeten, und die den Götzen erwiesene Ehre sei gottesräuberisch. Dieser kühne Schritt war der Klugheit nicht gemäß. Allein in dieser Gelegenheit begeisterte Gott den jungen Appian, der noch keine zwanzig Jahre alt war, um die Ruchlosigkeit des Götzendienstes zu beschämen und zu zeigen, wie sehr ein Jünger Jesu Christi den Tod verachtet.

 

Die Leibwache, erstaunt über eine solche Keckheit, stürmt nun auf ihn los, wirft ihn zu Boden, misshandelt ihn mit grausamen Schlägen, und bedeckte ihn mit Wunden. Hierauf warf man ihn in ein finsteres Kerkerloch, wo er 24 Stunden zubrachte, die Füße in einen Stock oder in hölzerne Fesseln gezwängt. Dann wurde er dem Landpfleger vorgeführt, der ihn auf das Grausamste peinigen ließ. Man zerriss ihm die Hüften mit eisernen Krallen, bis man ihm die Gebeine und Eingeweide sah. Man zerfetzte ihm mit gebleiten Ruthen so unmenschlich das Gesicht, dass er seinen besten Bekannten ganz unkenntlich war. Dennoch konnte man keine andere Rede von ihm erhalten, als diese: Ich bin ein Diener Jesu Christi. Der Landpfleger, dadurch in Wut gebracht, ließ seine Füße einwickeln in ein Tuch, das man ins Öl getaucht hatte und dann anzünden. Als die Flamme das Fleisch aufgezehrt hatte, drang sie bis in die Gebeine, und man sah das Fett wie geschmolzenes Blei herabfließen. Die Standhaftigkeit des Märtyrers setzte selbst seine Henker in Erstaunen, und als sie ihn ermahnten den Befehlen des Kaisers gehorsam zu sein, antwortete er ganz ruhig: „Ich bete Jesus Christus an, der ein und derselbe Gott ist mit seinem Vater.“

 

Appianus wurde in den Kerker zurückgeführt und verblieb drei Tage daselbst. Hierauf musste er sich abermals vor den Landpfleger stellen, der ihn immer ebenso unerschütterlich fand und daher ins Meer werfen ließ. Es geschah damals ein Wunder, wovon alle Einwohner Cäsareas, nach dem Bericht des Geschichtsschreibers Eusebius, Augenzeugen gewesen. Der Märtyrer, dessen Füße man mit Steinen belastet hatte, war kaum in die Fluten gestürzt, als sich plötzlich ein heftiger Sturm erhob, und in der Stadt ein starkes Erdbeben entstand. Die Wellen stießen den Leib des Heiligen gegen eines der Tore von Cäsarea, gleichsam als hätte das Meer ihn in seinem Schoß zu behalten sich geweigert. Alles Volk lief zu dieser Wundertat herbei. Man pries den Gott der Christen, und bekannte öffentlich den Namen Jesus. Der heilige Appian empfing die Krone des Märtyrertodes am 2. April 306, im neunzehnten Jahr seines Alters.