Der heilige Apollonius, römischer Senator und Martyrer, + um 184 - Fest: 18. April

 

Der blutige Widerschein einer grausamen Christenverfolgung lag noch über dem Giftbecher, den der eigene Sohn und Nachfolger dem römischen Kaiser Mark Aurel im Jahr 180 gemischt haben soll. Mit dem Regierungsantritt des Kaisers Kommodus (180-192) schien das Frühlicht friedlicherer Zeiten für die Christen anbrechen zu wollen. Die Saat des Glaubens mehrte sich und gedieh. Nicht bloß aus den niedrigen Volksschichten, sondern auch aus den höheren Kreisen stiegen Männer und Frauen ins Heilsbad der Taufe und beugten sich unter das Joch des Kreuzes Christi. Auch in Rom, berichtet ausdrücklich der Geschichtsschreiber Eusebius, ergriffen viele Reiche und vornehme Leute mit ihrem ganzen Haus und ihrer ganzen Familie den Weg des Heils. Aber gerade das, fügte er bei, reizte den Teufel, den Kampf von neuem aufzunehmen. Die rasende See der Christenverfolgung, deren wilde Flut sich kaum geglättet hatte, forderte da und dort in der Kirche neue Opfer. Noch im Jahr 180 mussten beispielsweise zwölf Christen aus Scili, die Erstlinge unter den Märtyrern der blühenden afrikanischen Kirche, ihr Leben für ihren christlichen Glauben lassen.

 

Der berühmteste unter den Märtyrern Roms aus jener Zeit war der heilige Apollonius. Er bekleidete ein hohes Staatsamt, wahrscheinlich die Würde eines Senators, und erfreute sich wegen seiner ausgezeichneten Herzensbildung und tiefen Gelehrsamkeit großen Ansehens und weiten Rufes. Einer der eigenen Hausdiener wurde sein Ankläger. Er wurde demzufolge um seines christlichen Glaubens willen vor Gericht gestellt.

 

Vergeblich bemühte sich nun der Präfekt Perennius im Verhör den glaubensmutigen, opferbereiten Bekenner Christi in seiner Standhaftigkeit zu erschüttern. Er bat ihn schließlich, wegen seines Glaubens vor dem Senat selbst sich zu verantworten. Apollonius benützte freudig die Gelegenheit, öffentlich vor dem ganzen versammelten Senat Zeugnis für Christus und seine heilige Lehre abzulegen. In der heiligen und weltlichen Wissenschaft wie in der Kunst der Beredsamkeit gleich trefflich unterrichtet, wusste er mit großer Schlagfertigkeit und überzeugender Gründlichkeit die Torheit des heidnischen Götterwahns aufzudecken und in großen Zügen die christliche Glaubens- und Sittenlehre zu entwickeln. Festigkeit und Würde, Freimut und Ruhe sprachen dabei aus jedem seiner Worte. „Es ist in der Tat“, so lautete das heutige Urteil in der Wissenschaft, „die vornehmste Apologie des Christentums, die wir aus dem Altertum besitzen.“ Nur einige Proben seien aus dem 1893 wiederum aufgefundenen echten Bericht über sein glorreiches Martyrium hier dargeboten. Der fromme Leser mag sie hinnehmen wie einen erfrischenden Labetrunk zur eigenen religiösen Ermunterung und Bestärkung.

 

„Apollonius“, so beginnt der Richter den Angeklagten zu fragen, „warum widersetzt du dich den Gesetzen und dem Befehl der Kaiser?“ „Weil ich ein Christ bin“, lautete die Antwort, „und weil ich Gott fürchte, der Himmel und Erde erschaffen hat, und nicht den eitlen Götzen opfern will.“ Der Zumutung „beim Glück des Kaisers zu schwören“, begegnete er mit der Versicherung: „Wir (Christen) schwören nur beim wahren Gott, wir lieben aber auch den Kaiser und bringen für seine Majestät Gebete dar.“ Nach dem „schönen und herrlichen Gebot Gottes, das ich vom Herrn Christus gelernt habe, ist es noch besser, überhaupt nicht zu schwören, denn der größte Eid (die verlässlichste Bürgschaft der Rede) ist die Wahrheit, deshalb ist es unziemlich selbst im Namen Christi zu schwören“.

 

Nach Ablauf der drei Tage Bedenkzeit, die dem Märtyrer nach dem ersten Verhör gegeben wurde, erging an ihn die nochmalige Aufforderung seinem Glauben abzuschwören. Fest und ruhig versetzte er: „Ich bin und bleibe ein Verehrer Gottes, wie ich bereits bekannt habe. Ich habe gelernt Gott im Himmel anzubeten und nur vor ihm niederzufallen, der allen Menschen den lebendigen Geist eingehaucht hat und ihnen ewiges Leben spendet.“ Den Hinweis auf die Todesdrohung des Senatsbeschlusses beantwortete er mit der unerschrockenen Erklärung: „Der Senatsbefehl ist menschlich und kann sich unmöglich dem göttlichen widersetzen. Wir halten es nicht für verkehrt, für den wahren Gott zu sterben, denn indem wir leben, leben wir für Gott und ertragen die Martern für ihn, auf dass wir nicht grausam des ewigen Todes sterben. Wir wollen uns auch nicht abhärmen ob der Einziehung unseres Vermögens, weil wir wissen, dass wir Gottes sind, ob wir leben oder sterben.“

 

Da der Heilige trotz allen Zuredens und aller Drohungen in seinem Glauben standhaft verharrte, wurde er schließlich zum Tode verurteilt. Er nahm diesen Urteilsspruch des Präfekten mit den Worten entgegen: „Ich danke meinem Gott für dein Urteil.“ „Und die Henker“, so schließt der Bericht, „führten ihn sogleich ab und enthaupteten ihn, während er den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist pries. Es sei ihnen Preis in Ewigkeit! Amen.“

 

Ein altes Sprichwort lautet: „Worte bewegen, Beispiele reißen hin.“ Der obige Befehl über das Lebensende und den Leidenstod des heiligen Apollonius enthält beides: Wort und Beispiel eines Märtyrers, das auch uns gläubige bewegen und fortreißen sollte zur Nachfolge des kreuztragenden Heilandes und seiner heiligen Blutzeugen. „Denn auch wir werden“, wie jener Bericht selbst uns eingangs ermuntert, „gleich dem seligen Martyrer und mutigen Kämpfer Christi, Apollonius, das erlangen, was Gott, der nicht lügt, denen versprochen hat, die ihn lieben und von ganzen Herzen an ihn glauben.“