Der heilige Aphraates, Einsiedler von Syrien, + 4. Jahrhundert - Fest: 7. April

 

Aphraates stammte aus einer berühmten Familie in Persien. Seine Eltern, die Heiden waren, erzogen auch ihren Sohn im heidnischen Aberglauben. Er hatte aber das Glück, frühzeitig die wahre Religion kennen zu lernen. Tief gekränkt durch den Gedanken, dass das Evangelium in seinem Land so wenig bekannt war, verzichtete er auf alle Vorteile, auf die er in der Welt hoffen konnte, und zog nach Edessa in Mesopotamien, wo das Christentum sehr blühend war. Nachdem er sich in der besten Art, Gott zu dienen, hatte unterweisen lassen, schloss er sich außerhalb der Stadtmauern in eine kleine Zelle ein, um sich ganz den Übungen der Buße und der Beschauung zu ergeben.

 

Einige Zeit danach ging er nach Syrien und nahm seine Wohnung in einer Zelle, nicht weit von einem in der Nähe von Antiochia gelegenen Klosters. Er wurde da von sehr vielen Leuten besucht, die in Gewissensangelegenheiten sich bei ihm Rat einholten. Er verteidigte immer kräftig die Tugend wider das Laster und bekämpfte bei jeder Gelegenheit die arianische Ketzerei, die in Antiochia viele Anhänger zählte. Die Strenge seines Lebens verschaffte seinen Reden großes Ansehen. Seine gewöhnliche Nahrung bestand in einem Stück Brot, das er nach Sonnenuntergang aß. Und erst in seinem hohen Alter konnte man ihn dazu bewegen, noch einige Kräuter hinzuzufügen. Sein Bett war eine auf die Erde hin gebreitete Matte, und sein Kleid ein raues Tuch, das er dann erst ablegte, wenn er sich nicht mehr damit bedecken konnte. Aus seinem Verhalten gegenüber Anthemius, später Konsul und Statthalter im Orient, lässt sich schließen, wie weit er es mit dieser Entsagung gebracht hatte. Nach seiner Rückkehr von der Gesandtschaft nach Persien, drängte Anthemius ihn, ein Oberkleid, das er ihm mitgebracht hatte, anzulegen. „Es ist“, sagte er ihm, „ein Erzeugnis deines Landes“; worauf Aphraates erwiderte: „Glaubst du wohl, es sei vernünftig, dass man einen alten Diener, dessen Treue erprobt ist, verabschiede, um einen neuen zu nehmen, und zwar bloß deshalb, weil der Letztere ein Landsmann wäre?“ – „Nein“, erwiderte Anthemius. „Je nun!“ fuhr der Heilige fort, „so nimm denn wieder das Kleid; ich habe eins, das mir seit sechzehn Jahren dient, und ich will nicht zwei zugleich haben.“

 

Bis dahin hatte der Heilige in seiner einsamen Zelle gelebt. Er verließ aber diese beim Anblick der Verwüstungen, die der Arianismus unter dem Schutz des Kaisers Valens in der Herde Jesu Christi anrichtete. Er eilte den Katholiken in Antiochia zu Hilfe, um sie zu trösten und die Drangsale der Verfolgung, so viel er konnte, zu lindern. Er gesellte sich zu den Priestern Flavian und Diodor, die, in Abwesenheit des heiligen Bischofs Meletius, der in der Verbannung lebte, die Kirche zu Antiochia regierten. Seine Heiligkeit und Wundergabe gewährten ihm mächtigen Einfluss und legten seinen Reden und Handlungen großes Gewicht bei.

 

Der Palast des Kaisers stand an den Ufern des Orontes und war nur durch einen breiten Weg, der auf das Land führte, davon getrennt. Als eines Tages Valens von der Höhe der Galerie auf die Vorbeigehenden hinabschaute, sah er einen ärmlich gekleideten Greis, der raschen Fußes daherschritt. Als er fragte, wer dieser Alte sei, antwortete man ihm, es sei Aphraates, jener Einsiedler, für den das Volk so große Verehrung habe. „Aphraates“, rief er ihm zu, „wohin so schnell?“ – „Ich gehe, für die Wohlfahrt deiner Regierung zu beten“, erwiderte der Heilige; denn die Katholiken, die keine Kirche mehr in Antiochien hatten, hielten ihre Versammlungen auf dem Feld, wo die Soldaten in den Waffen geübt wurden. „Warum“, fragte ihn der Kaiser, „verlässt du, ein Mönch, deine Zelle und führst ein so herumschweifendes Leben?“ – „Ich bin in der Einöde geblieben“, entgegnete Aphraates, „solange die Schafe des göttlichen Hirten den Frieden hatten; jetzt aber, da sie den größten Gefahren ausgesetzt sind, wie könnte ich ruhig in meiner Zelle sein? Wenn eine Tochter in dem Haus ihres Vaters Feuer erblickt, was würde sie tun? Sollte sie zusehen auf ihrem Stuhl, bis die Flammen ihr selbst sich nahen, um sie zu verzehren? Wäre es nicht vielmehr Pflicht für sie, überall hinzueilen und Wasser zum Löschen herbeizuschaffen? Eben dieses tue auch ich, ich laufe daher, um das Feuer zu löschen, das du an das Haus meines Vaters gelegt hast.“

 

Der Kaiser antwortete nichts, aber einer seiner Entmannten misshandelte den Heiligen und bedrohte ihn mit dem Tod. Übrigens rächte Gott bald seinen Diener. Als der Entmannte nach den Bädern des Königs sah, wurde er verrückt, ließ sich in den heißen Zuber fallen und starb aus Mangel an Hilfeleistung. Der Fürst wurde durch diesen Vorfall so betroffen, dass er sich nicht traute, den Heiligen ins Elend zu werfen, obgleich die Arianer auf alle nur mögliche Weise ihm zusprachen. Auch wurde er sehr gerührt durch die wunderbaren Heilungen, die Aphraates bewirkte, indem er die Kranken mit Öl oder Wasser besprengte, das er mit dem Kreuz bezeichnet hatte.

 

Man bemerkte immer an dem heiligen Einsiedler eine ungeheure Besorgnis, alles zu vermeiden, was die Keuschheit im Geringsten hätte verletzen können. Er redete niemals mit Frauen, oder wenn er dazu genötigt war, hielt er sich allezeit in einiger Entfernung von ihnen, und sagte bloß, was notwendig war. Als durch den Tod des Kaisers Valens die Ruhe der Kirche Gottes hergestellt worden war, kehrte Aphraates wieder in seine Zelle zurück, wo er selig im Herrn entschlief. „Ich bin überzeugt“, sagt Theodoret, „dass er mehr Gewalt bei Gott nach seinem Tod hat, als er auf Erden hatte; und dieses ist die Ursache, warum ich seinen Schutz anflehe.“ Die ganze Kirche folgte dem Beispiel Theodorets.