Der heilige Antonius von Padua, Bullones, Priester und Kirchenlehrer, + 13.6.1231 - Fest: 13. Juni

 

Vor ungefähr sechshundertfünfzig Jahren wurde in Lissabon, der Hauptstadt Portugals, ein Junge geboren, der bei der Taufe den Namen Ferdinand erhielt. Gewöhnlich nannte man ihn kurzweg Ferdi.

 

Bald stellte es sich heraus, dass Ferdi ein kluger Kopf war. In der Schule war er den anderen Kindern weit voraus, und die Antworten, die er gab, waren stets richtig. Das kam daher, weil er im Unterricht gut aufpasste. Auch las er alle Bücher, die er in die Hand bekam. So kann man es verstehen, dass Ferdi, als er mit fünfzehn Jahren vor die Wahl gestellt wurde, ob er Offizier oder Staatsmann werden wolle, weder das eine noch das andere wählte, sondern ins Kloster ging, nur damit er immer weiterlernen konnte. Er wollte nämlich ein großer Gelehrter werden.

 

Als Ferdi acht Jahre studiert hatte, empfing er die heilige Priesterweihe, und bald danach sollte er Professor werden. Es kam jedoch anders. Gerade zu der Zeit nämlich wurden die sterblichen Überreste von fünf Franziskanern, die kurz zuvor als Missionare in Afrika den Martyrertod erlitten hatten, unter großen Feierlichkeiten nach Portugal zurückgebracht. An den Leichen der Glaubenshelden kam Ferdi zu der Erkenntnis, dass es weit ehrenvoller sei, ein Martyrer zu werden. Er trat deshalb in den Franziskanerorden ein, und von da an führte er den neuen Klosternamen Antonius.

 

Von der ersten Stunde an, die Antonius bei den Franziskanern zubrachte, brannte er darauf, als Missionar nach Afrika zu ziehen, um möglichst schnell den Martyrertod für den Glauben zu erleiden. Der Ehrgeiz trieb den jungen Ordensmann auf diesen Irrweg, er wollte, koste es, was es wolle, berühmt werden.

 

Schließlich gaben die Oberen dem beharrlichen Drängen des Strebers nach. Froh bestieg Antonius in Lissabon das Schiff und fuhr, wie er meinte, dem Ruhm entgegen, aber es kam anders. Alles ging ihm schief. Schwerkrank kam er in Afrika an. Lange schwebte er zwischen Leben und Tod. Von der Verkündigung des Evangeliums konnte da keine Rede sein und vom Martyrertod auch nicht, und so stieg in Antonius die Überzeugung auf, dass Gott nicht als Missionar wollte. Dabei erfüllte ihn immer mehr der Gedanke, dass der wahre und wirkliche Ruhm eines Christen in Armut und Demut und Niedrigkeit bestehe. So war es doch auch bei Christus, der Gott war und Mensch wurde. Von nun an wollte daher der junge Mann mit großem Herzen allein nach diesem Ruhm streben.

 

Antonius fuhr heim. Doch ein Sturm trieb das Segelschiff vom richtigen Weg ab, und anstatt in Lissabon zu landen, strandete das Schiff an der italienischen Küche. Wieder war alles schief gegangen, aber nun war Antonius auf der geraden Straße zum wahren christlichen Ruhm in der Niedrigkeit, denn in Italien kannte ihn keiner, niemand wusste von seiner Gelehrsamkeit, und so arm war er geworden, dass er außer dem zerrissenen Ordenskleid nichts mehr besaß.

 

Da beschloss Antonius, zu Fuß nach Assisi zu wandern, wo sich damals eine große Anzahl Brüder um den heiligen Ordensstifter Franziskus versammelte. Der junge Mönch machte sich auf den Weg, und als er in Assisi ankam, verschwand er, fremd und unbeachtet, in der Menge der Brüder, denn niemand wusste etwas von seiner Gelehrsamkeit, und als die Versammlung sich auflöste, nahm sich einer der Vorsteher des scheinbar unwissenden Ordensbruders aus Gutherzigkeit an und brachte ihn in ein armes Kloster. Dort sollte der Fremde den älteren Mönchen als dienender Bruder zur Hand gehen. Da also hatte Antonius den Ruhm in der Niedrigkeit nach Christi Beispiel gefunden.

 

Doch nach einem Jahr kam nach Gottes Fügung wieder alles ganz anders. Es war da einmal eine Primiz. Viele Brüder, Franziskaner und Dominikaner, waren anwesend, und der Bischof forderte einen nach dem anderen auf, eine Festpredigt zu halten. Aber einer nach dem anderen entschuldigte sich, er habe die Predigt nicht studiert und unvorbereitet könne er nicht reden. Zuletzt forderte der Bischof den Bruder Antonius auf, den alle für unwissend hielten. Antonius sträubte sich anfangs, indem er sagte, er möchte lieber das Küchengeschirr reinigen, das könne er gut. Als aber der Bischof darauf bestand, begann der schlichte Bruder zu reden. Zuerst sprach er einfach und schlicht, so dass die Franziskaner bereits anfingen, sich vor den anwesenden Dominikanern zu schämen. Dann aber kam das Feuer über den Prediger, und er redete so warm und erleuchtend, dass alle nachher erklärten, nie im Leben solch herrliche Worte gehört zu haben.

 

Von Stunde an hatte Antonius keine Ruhe mehr. Überall musste er predigen. Wo er auftrat, eilten die Leute in Scharen herbei. Bis zu dreißigtausend Zuhörer hat man manchmal bei seinen Predigten gezählt. Ziemlich scharf waren seine Worte, wenn es nötig war. Doch häufiger noch sprach er voller Liebe und Milde. Auf seine Predigten hin änderten unzählige Menschen ihr Leben. Neid und Hass verschwanden, und wo bisher die bösen Taten wucherten, blühten die guten Werke. Besonders nahm sich Antonius der Armen und Bedrückten an, und das tut er bis heute, denn sonst würden nicht Millionen Menschen sich in tausenderlei Nöten an denjenigen wenden, der einer der größten Nothelfer aller Zeiten geworden ist.

 

Am 13. Juni 1231 starb der heilige Antonius in Padua, wo er die letzte Lebenszeit verbrachte und wo er auch begraben wurde, nach einem Leben voller Arbeit im Dienst für Gott und die Menschen.