Der heilige Antonius Maria Claret, Erzbischof von Kuba und Ordensstifter, + 24.10.1870 – Fest: 24. Oktober

 

Enge Stuben und Kleinstadtgeschwätz sind nicht jedermanns Sache. Der junge Pfarrverweser von Sallent in Nordspanien hielt es eines Tages nicht mehr aus, vor leeren Bänken zu predigen und ein paar Schulkindern Beicht zu hören, während jenseits der Meere Millionen von Heiden unerlöst dahinlebten. Die Sehnsucht nach den Missionen verführte ihn zu einem kühnen Husarenstück: Er reiste kurzerhand nach Rom und stellte sich der Kongregation de propaganda fide zur Verfügung. Gleichzeitig trat er in das Noviziat der Jesuiten ein. Allein der Wille Gottes zerschlug ihm diese selbstherrlichen Pläne. Krank kehrte er zurück.

 

Aber Männer wie Anton Claret lassen sich nicht entmutigen. Wollte Gott nicht, dass er bei den Heiden für ihn kämpfte – nun wohl, auch in der Heimat gab es Arbeit genug. Er begann den großartigen Feldzug der Glaubenserneuerung, der ihn durch ganz Katalonien führte. Fünf- bis achtmal am Tag sprach er zu einer ständig wechselnden Hörerschaft von der Liebe Gottes, sprach mit der gleichen Ergriffenheit, die ihn selbst durchbebte, und weckte den schlummernden religiösen Eifer seines Volkes zu einer Massenbewegung, wie man sie seit den Tagen des heiligen Vinzenz Ferrer nicht mehr erlebt hatte. Sein Beichtstuhl war Tag und Nacht umlagert, stadtbekannte Kirchenfeinde schworen in seine Hände ihre Verirrungen ab, und wenn er nach kurzem Schlaf auf einem Stuhl in der Morgenfrühe, ein Bündel mit seinen Habseligkeiten am Stock über der Schulter tragend, zu Fuß dem nächsten Ort zuwanderte, läuteten schon die Glocken, und alles Volk erwartete ihn wie einen Propheten und Heiligen.

 

Eben hatte er in Vich die „Missionsgesellschaft der Söhne vom Unbefleckten Herzen Mariä“ gegründet, als er zum Erzbischof von Kuba ernannt wurde. Spanien war ein heißer, steiniger Acker, aber immerhin ein Acker gewesen. Das Land seiner Bestimmung aber war ein brodelnder Hexenkessel, aufgerührt von politischem Hass, wucherischer Ausbeutung und einer fast beispiellosen Verwilderung der Sitten. 125 Priester auf einer Fläche, halb so groß wie Spanien, das Priesterseminar seit Jahrzehnten ausgestorben – wer hier einst ernten wollte, musste den Boden sehr tief umpflügen. Wieder spannte Anton Claret das Netz seiner Volksmission über die ganze Insel, arbeitete bis zur Erschöpfung, gründete Sparkassen, Schulen für das Landvolk und eine Schwesterngenossenschaft zur Erziehung der Kinder, ging scharf gegen den Sklavenhandel vor, schützte die Einheimischen gegen die Willkür der spanischen Behörden, erzog sich eine neue, tapfere Schar von einheimischen Priestern und schuf in sechs Jahren das verlotterte Kuba trotz hartnäckiger Verfolgung durch die Freimaurer zu einem blühenden Gottesreich um.

 

Doch die Heimat rief ihn zurück. Königin Isabella II. von Spanien verlangte ihn zu ihrem Seelenführer. Der Sohn eines armen Handwerkers am glanzvollsten Hof Europas – würde er den Mut haben, dort die Botschaft Christi ebenso offen zu verkünden wie auf den Dorfkanzeln Kataloniens? Bald wird sein Einfluss auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens spürbar, früher als andere erkennt er die Macht des gedruckten Wortes und wirft Flugblatt auf Flugblatt unter das Volk. Nur von der Politik hält er sich fern. Dennoch erreichen seine Feinde, dass er im hohen Greisenalter außer Landes gehen muss, nachdem er sich sein Leben lang für Spanien aufgeopfert hat. Auf Kuba hatte ihm ein Attentäter mit dem Rasiermesser die Wange aufgeschlitzt. Jetzt ist die Verbannung sein Los. Am 24. Oktober 1870 ereilt ihn in einem französischen Kloster der Tod. Auf seinem Grabstein stehen die Abschiedsworte Gregors VII.: „Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehasst, darum sterbe ich in der Verbannung.“