Der heilige Anthelm, Kartäuser-Prior, Bischof von Belley, Frankreich, + 26.6.1178 - Fest: 26. Juni

 

Der Heilige stammte aus einer vornehmen, hohen Familie in Savoyen, erhielt eine seinem Stand gemäße Erziehung und wurde von seinen tugendhaften Eltern schon früh zum Dienst des Altares bestimmt. Wie es zu jener Zeit Gebrauch war, wurden die Söhne reicher, adeliger Familien, oft ohne selbst in den Klerikerstand getreten zu sein, mit Abteien und anderen Kirchenstellen an Domkirchen und den damit verbundenen reichen Pfründen belehnt. So erhielt auch Anthelm, bevor er noch Priester war, an der Domkirche von Genf und Belley zwei einträgliche Präbenden. Er benutzte aber deren Einkünfte nicht um sich zu bereichern; dafür war sein Herz zu edel. Er wollte keine Schätze sammeln, die Rost und Motten verzehren, sondern das Elend und die Armut damit lindern.

 

Als Anthelm, nachdem er Priester geworden war, einmal der nahe gelegenen Kartause Portes einen Besuch machte, wurde er vom Leben der dort weilenden Mönche so erbaut und begeistert, dass er dem Ruf der Gnade: „Komm, folge mir nach“ nicht länger widerstand und im selben Augenblick sich entschloss, seinen Würden und Reichtümern zu entsagen und, ohne in die Welt wiederum zurückzukehren, sofort das Kleid des heiligen Bruno zu begehren, eingedenk der Worte: „Wer seine Hand an den Pflug gelegt und zurückschaut, ist meiner nicht wert.“ Der Prior, der seinen entschlossenen Willen sah, konnte seinem Begehren nicht widerstehen und nahm ihn unter seine Söhne auf.

 

Die Einsamkeit der Zelle war es, wonach der Heilige sich sehnte, als er Lebewohl sagte den vergänglichen Freuden der Welt, um daselbst in Gebet und Betrachtung göttlicher Dinge, in heiligen Zwiegesprächen und in der Vereinigung mit Gott seine Wonne und sein Glück zu finden. „Dies ist der Ort meiner Ruhe, hier will ich wohnen immerdar“, sagte er sich, als er das Einsiedlerleben begann. Zur Vereinigung mit Gott zu gelangen, wie es das Ziel eines Ordensmannes, besonders des Kartäusers ist, suchte er sich den Weg zu bahnen, indem er den sinnlichen Menschen in sich beständig bekämpfte und durch Abtötungen und harte Bußwerke in Unterwürfigkeit brachte. Seinen Leib geißelte er so schrecklich, dass er nur eine Wunde zu sein schien und schwächte ihn durch strenge Fasten und Abstinenzen. Kaum gönnte er sich den nötigen Schlaf und durchwachte die Nächte in Gebet und Betrachtung, so dass er mehr im Himmel als auf der Erde zu weilen schien. Oft schlug er sich die Brust, warf sich mit dem Angesicht zur Erde und verehrte Gott durch zahlreiche Kniebeugungen. Im Gebet und auch sonst vergoss er beständig Tränen, wenn er an seine Sünden und die der Welt dachte und die Güte und Liebe Gottes erwog. Keiner glich ihm in der Liebe zur Regel und in der Genauigkeit, auch die kleinsten Vorschriften zu beobachten. Durch alle diese Übungen erstarkte in ihm immer mehr der geistige Mensch und er machte in kurzem große Fortschritte in der Vollkommenheit. Alle bewunderten seine Demut, seinen Gehorsam und seine Abtötung. Die Liebe, die in ihm brannte, gab ihm Flügel, so dass er bald als das Vorbild der Religiosen galt und der Ruf seiner Heiligkeit auch nach außen drang.

 

Inzwischen hatte sich in der „Großen Kartause“ bei Grenoble in Südostfrankreich, wo der Orden durch den heiligen Bruno entstanden war, ein bedauernswertes Unglück ereignet. Eine Schneelawine hatte daselbst das Kloster vernichtet und sieben Mönche unter den Trümmern begraben. Der damalige Prior Guigo, dem es oblag, das Kloster an einem gesicherten Platz wiederaufzubauen und seine zusammengeschmolzene Kommunität wieder auf die Höhe zu bringen, war in dieser Beziehung in der größten Verlegenheit. Da er aber von den Tugenden und den besonderen Eigenschaften des heiligen Anthelm gehört, glaubte er für seine Pläne keinen geeigneteren Mann finden zu können als ihn und wandte sich deshalb in der Absicht, ihn für sich zu gewinnen, an dessen Obern. Letzterer und mit ihm die ganze Klostergemeinde brachte das Opfer, wenn auch mit schwerem Herzen und willigte ein und so sehen wir denn Anthelm den Weg zur Großen Kartause nehmen.

 

Auch dort erbaute Anthelm die Kommunität durch sein Beispiel. Seine großen Tugenden und seine Heiligkeit verfehlten nicht die Aufmerksamkeit und Bewunderung aller auf sich zu ziehen, was nicht wenig dazu beitrug, den Eifer und das Streben nach Vollkommenheit daselbst zu beleben. Das Amt eines Prokurators, das man ihm übertrug, übte er zur größten Zufriedenheit aller aus und übertraf die Hoffnungen, die man auf ihn gesetzt hatte. Er führte den Bau des Klosters glücklich zu Ende und nahm viele nützliche materielle Verbesserungen und Einrichtungen vor. Mit zeitlichen Sorgen überhäuft und in den zerstreuenden Beziehungen nach außen verlor er aber nichts von seinem Eifer, im Gegenteil legte er sich noch mehr Strengheiten auf und nichts konnte ihn in der Sammlung und Vereinigung mit Gott stören. Nachdem Anthelm mehrere Jahre dieses Amt verwaltet und sich das Vertrauen aller in einem hohen Grad erworben hatte, wurde er einstimmig von der Klostergemeinde zu ihrem Prior gewählt. In dieser Eigenschaft zeichnete er sich besonders aus durch seinen Eifer für die Aufrechterhaltung der Disziplin und die Befolgung der Regel. Er erwarb sich die Liebe und Achtung seiner Untergebenen, indem er sie mit Weisheit und Milde leitete, durch sein Beispiel zu neuem Streben nach Vollkommenheit entflammte und in der Schule der Heiligkeit heranbildete. Eine ganze Reihe von Religiosen, deren Namen ihrer Tugenden wegen in den Annalen des Ordens verewigt sind, waren seine Schüler. Der Glanz seiner Heiligkeit begann aber auch sich nach außen hin immer mehr zu verbreiten. Aus allen Richtungen eilte man zur Kartause, um den Mann Gottes zu sehen, ein Wort der Erbauung aus seinem Mund zu vernehmen oder um Rat sich zu holen in der schwierigen Angelegenheit des Heils. Viele erwählten sich ihn zum Ratgeber und Gewissensführer. Alle nahm er mit der größten Liebe auf. Sünder führte er zurück auf den rechten Weg und gab ihnen den verlorenen Frieden wieder; Unschlüssigen, Zweifelhaften und im Gewissen Beängstigten wusste er den richtigen Rat zu geben und den Trost, den sie nötig hatten, zu spenden. Dabei gewann er viele für Gott, dass sie allem entsagten und in die Einöde sich zurückzogen, um Gott im Orden des heiligen Bruno besser dienen zu können. So hatte er die Freude, seine beiden Brüder zu gewinnen und in den Orden aufzunehmen. Ihnen folgte auch bald ihr Vater nach, der den Stammsitz und das Schloss seiner Ahnen verließ, um sich für immer unter den Gehorsam seines eigenen Sohnes zu stellen, der ihm auch im Tod die Augen zudrücken sollte. Seine Liebe zu den Armen war unbegrenzt, so dass er alles hergab und keinen von sich wies. In der Hungersnot, die zu dieser Zeit die Gegend heimsuchte, öffnete er die Vorratskammern der Kartause und ließ alles Getreide austeilen. Es ereignete sich dabei die wunderbare Begebenheit, die im Leben vieler Heiliger vorkommt, dass das Getreide sich nicht erschöpfte und ausreichte, die Bedürfnisse aller zu befriedigen.

 

Um den Orden selbst machte der heilige Anthelm sich besonders verdient, indem er das erste Generalkapitel berief und dem Orden jene Festigkeit und Einheit gab, die ihm bis dahin noch fehlte. Die verschiedenen Kartausen waren nämlich unter sich unabhängig und standen unter der Obrigkeit des Bischofs bezüglich des Zeitlichen wie des Geistlichen. Es konnte dadurch nicht ausbleiben, dass viele Missstände sich einschlichen, ohne dass in wirksamer Weise hätte abgeholfen werden können. Auch mussten viele Abweichungen in der Disziplin, in der Regel und in Gebräuchen sich bald geltend machen, so dass es, weil das Band der Einheit fehlte, um den Bestand und die Existenz des Ordens bald geschehen wäre. Indem der heilige Anthelm das Generalkapitel berief, das aus den Prioren aller bestehenden Häuser zusammengesetzt war, setzte er es durch, dass die Bischöfe auf ihre Autorität zugunsten des Ordens verzichteten und dass die einzelnen Häuser sich zu einem Orden vereinigten unter Befolgung einer und derselben Regel und unter einem und demselben Generalobern, der immer der Prior der großen Kartause sein musste. Die Schaffung einer Autorität in dem Generalkapitel, dessen Beschlüsse alle Häuser berührten, war von der größten Tragweite. Erst jetzt war es möglich geworden, die nötigen Verbesserungen einzuführen, allen Neuerungen Tor und Tür zu schließen und dem Orden seinen wesentlichen Charakter zu erhalten. Dieses Generalkapitel besteht noch heute und ist einer der maßgebenden Faktoren, dass der Orden noch keiner Reform bedurft hat. So gab der heilige Anthelm dem Orden seine definitive Form und jene Festigkeit, die er jetzt noch hat und wurde zugleich dessen erster Generalobere.

 

Sein Verdienst ist es auch, dem Orden einen weiblichen Zweig eingegliedert zu haben. Die Nonnen vom heiligen Andreas in der Diözese Vaison nämlich, die eine für sich abgeschlossene Abtei bildeten und durch Jahrhunderte hindurch in der Disziplin sich erhalten hatten, sehnten sich danach, die strenge Regel der Kartäuser zu beobachten und begehrten, sich unter deren Obrigkeit stellen zu dürfen. Der heilige Anthelm nahm ihre Bitte wohlwollend auf und ließ ihnen durch den heiligen Johannes von Spanien, Prior der Kartause von Montrieux, die Regel der Kartäuser nach ihren Bedürfnissen abändern und verleibte sie dem Orden ein.

 

Seinem Bemühen im Verein mit dem heiligen Bernhard ist es auch zuzuschreiben, dass das Schisma, das zu jener Zeit die Kirche zerriss, beigelegt und auf dem Konzil von Toulouse der rechtmäßige Papst Alexander III. anerkannt wurde. Welchen Anteil er daran hatte, geht schon daraus hervor, dass er vom Gegenpapst nominell exkommuniziert wurde.

 

Nach fünfzehnjähriger Leitung seiner Klostergemeinde und seines Ordens legte Anthelm freiwillig sein Amt nieder und zog sich in die Zelle zurück, wonach er sich sehnte, um ungestört Gott allein leben zu können. Jedoch sollte er nicht lange dieser Ruhe sich erfreuen. Die Kartause von Portes, die eben ihren Obern verloren hatte, wählte sich ihn zum Prior und so musste er seiner so berechtigten Neigung entsagen und das Opfer bringen. Aber schon nach zwei Jahren erlangte er durch sein beständiges Bitten und Flehen, dass man ihn des Amtes enthob und er in seine liebgewonnene Zelle zurückkehren durfte. Es erwartete ihn aber da noch ein viel schwereres Kreuz. Er wurde zum Bischof von Belley ernannt. Als er dies hörte, versuchte er durch Flucht dieser Würde zu entgehen, indem er sich in den Bergen verborgen hielt, musste aber doch endlich, als man seinen Aufenthalt entdeckt hatte, auf Befehl des Papstes den Hirtenstab annehmen. Seine Wahl wurde vom ganzen Volk und der Geistlichkeit mit der größten Freude aufgenommen, nur er allein hielt sich der Würde für unwürdig.

 

Als Bischof änderte der Ordensmann seine bisherige Lebensweise nicht. Er blieb Kartäuser. Sein Ordenskleid trug er nach wie vorher, sein Tisch war ebenso frugal, von seinen Einkünften nahm er nur so viel für seine Person in Anspruch, als gerade notwendig war, alles übrige verteilte er unter die Armen und verwendete es zur Unterstützung armer Klöster. In seinem Palast hatte er sich ein kleines Zimmer als Zelle herrichten lassen, wohin er sich zurückzog, wenn es seine Pflichten gestatteten, und wo er die Regel, soweit es möglich war, befolgte. Jedes Jahr zog er sich für längere Zeit in die große Kartause zurück, um sich im Geist zu erneuern und von seinen Hirtensorgen auszuruhen. Er machte dann alle Übungen mit wie die übrigen Mönche und unterschied sich von ihnen in nichts. Als Hirt seiner Diözese suchte er, um auf das Volk einwirken zu können, vor allem einen tüchtigen und mustergültigen Klerus. Mit Klugheit und Mäßigung ging er dabei vor, schreckte aber auch vor kirchlichen Zensuren nicht zurück, wenn es galt, Widerspenstige unter das Joch des Gehorsams zu beugen. Welche Autorität und welches Vertrauen er genoss und welchen Wert man seiner Heiligkeit zuschrieb, geht daraus hervor, dass er in verschiedenen, sehr schwierigen Angelegenheiten als Vermittler und Schiedsrichter angegangen wurde. So betraute ihn der Papst mit dem schwierigen Auftrag, König Heinrich II. von England im Zerwürfnis mit dem heiligen Thomas von Canterbury auszusöhnen. Doch stellten sich dieser Mission wieder andere Hindernisse entgegen.

 

Nachdem Bischof Anthelm fünfzehn Jahre den Hirtenstab geführt und der Diözese große Dienste erwiesen hatte, sollte er den Lohn für seine Werke und seine Arbeiten empfangen. Er verschied sanft im Herrn, nachdem er zuvor noch seinen Todestag vorhergesagt hatte, seinen Klerus zur Liebe und Eintracht ermahnt und denen, die sein Todesbett umstanden, den Segen erteilt hatte. Nach seinem Tod geschahen zahlreiche Wunder. Deshalb wurde er bald heiliggesprochen in der Form, wie sie damals üblich war, nämlich durch die Stimme des Volkes und die Bestätigung der kirchlichen Autorität.

 

Lernen wir vom heiligen Anthelm die Liebe zur Einsamkeit. Halten wir uns fern von unnützen Gesellschaften, von öffentlichen Vergnügungen und Zerstreuungen und verwenden wir diese Zeit, um uns im Geist zu sammeln und mit Gott zu verkehren. Besonders sollte es uns am Herzen liegen, jedes Jahr einige Tage für geistliche Exerzitien zu verwenden, um uns im Geist zu erneuern.