Der heilige Andreas Bobola, Priester in Polen, aus der Gesellschaft Jesu, Märtyrer, + 16.5.1657 – Fest: 16. Mai

 

Der heilige Andreas wurde 1590 in der Grafschaft Sandomir geboren. Er war der Spross einer erlauchten Familie Polens, die sich von jeher durch ihre treue katholische Gesinnung ausgezeichnet hatte. Daher erhielt auch der kleine Andreas eine echt christliche Erziehung und legte bald eine tiefe Frömmigkeit und Tugend an den Tag. Gott belohnte ihn dafür mit der Gnade des Ordensberufes. Neunzehn Jahre alt, trat er in das Noviziat der Jesuiten in Wilna ein und entfaltete hier einen beharrlichen Eifer Christus ähnlich zu werden in Armut und Verdemütigung, Kreuz und Leiden. Nach Ablegung der ersten Gelübde studierte der heilige Andreas sieben Jahre Philosophie und Theologie und lehrte zwei Jahre an einem Gymnasium der Gesellschaft Jesu mit großem Geschick und segensreichem Einfluss auf die Erziehung der Jugend. Im Jahr 1622 zum Priester geweiht, wirkte er zuerst in Wilna mit hingebendem Seeleneifer an der Bekehrung der Sünder und Irrgläubigen. Als die Stadt von der Pest heimgesucht wurde, nahm Bobola sich in so opferwilliger Liebe der armen Kranken an, dass er zuletzt selbst von der Seuche ergriffen wurde. Gott hatte ihm aber einen glorreichen Tod vorbehalten. Er war nun mehrere Jahre lang Oberer der Jesuiten in Bobruisk an der Beresina und erhielt dann als Wirkungskreis Podlesien. Diese Provinz sollte zwei Jahre hindurch der Schauplatz seiner großen apostolischen Arbeiten und schließlich auch seines ruhmvollen Todes sein.

 

Polen war damals von endlosen Wirren und Kämpfen heimgesucht, die im Grunde genommen um die Religion ausgefochten wurden. Besonders suchte das russische Schisma mit Gewalt über Polen und die katholische Kirche Herr zu werden. Kosaken und Moskowiter (Stockrussen) fielen immer wieder in Polen ein und suchten auf ihren Streifzügen besonders die Klöster als die Hauptstützen der katholischen Kirche zu vernichten. Viele Priester und Ordensleute, darunter 30 bis 40 Jesuiten, fielen als Opfer der Kosaken für ihren Glauben. Unter solchen Verhältnissen nun entfaltete der heilige Andreas die eifrigste Aposteltätigkeit. In mühevollen Wanderungen zog er von Ort zu Ort. Wasser und Brot war oft seine einzige Nahrung, der freie Himmel sein Obdach. Gott segnete die Arbeiten und Mühen seines Dieners mit reichem Erfolg. Verstockte Sünder bekehrten sich, die Guten strebten eifriger nach Vollkommenheit und viele Schismatiker kehrten zu katholischen Glauben zurück. Bei den Feinden erregte der eifrige „Seelenjäger“, wie man ihn nannte, durch diese Bekehrungen grimmige Wut, und sie beschlossen, ihn vor allen anderen unschädlich zu machen. Eine Horde Kosaken machten sich auf, den verhassten Pater zu fangen. Sie fanden ihn auf einem Weg bei der Stadt Janow. Der Blutzeuge erhielt zwei heftige Hiebe auf die Schultern, die ihn zu Boden warfen. Sofort wurde er wieder emporgerissen, an einen Baum gebunden und mit den schweren russischen Knuten so unmenschlich gegeißelt, dass das Blut in Strömen zu Boden rann. Nachdem sich so die erste Wut der Rotte entladen hatte, hieben sie ihm zähe Ruten solange um den Kopf, bis die Knochen bloßlagen. Mit dieser Dornenkrone geschmückt, wurde nun der heilige Andreas nach Janow geschleppt. Man suchte ihn zu bewegen, zum Schisma überzutreten. Er aber ermahnte und beschwor die Kosaken, zum katholischen Glauben zurückzukehren. Voll Zorn darüber versetzte ihm der Anführer einen furchtbaren Säbelhieb, den der Pater mit dem Arm auffing. Verwundet sinkt er zu Boden und beteuert für seinen Glauben leiden und sterben zu wollen. Das zum Himmel erhobene Auge des Betenden ärgert einen der feigen Henker, und ein Dolchstoß beraubt ihn des Auges. Alles das war nur der Anfang noch schrecklicherer Grausamkeiten.

 

Der Martyrer wurde jetzt in eine nahe Schlächterei geschleppt und dort auf einer Bank ausgestreckt. Mit Fackeln von harzigem Holz brannten ihm die Unmenschen an Brust und Seiten die Haut ab. Mit teuflischem Hohn schnitt ihm einer der Mörder die Tonsur aus der Kopfhaut aus, und in ähnlicher Weise wurden seine priesterlichen Hände verstümmelt, um sie in seinem Blut „um so besser zu salben“. Diese Qualen überwand der Heilige mit der heldenhaftesten Geduld und wies alle Drohungen und alle Lockungen zum Abfall vom Glauben mit heiliger Standhaftigkeit ab. Alle Schmerzen entlockten dem Dulder nur immer innigere Gebete, die er in heldenmütiger Liebe wie der Heiland am Kreuz auch für seine Peiniger zum Himmel sandte. Diese unüberwindliche Sanftmut und Festigkeit steigerte die Wut der Kosaken zur Raserei. Sie schnitten ihm die Haut vom Rücken und pressten kleingehacktes Stroh in die Wunde. Sie trieben ihm spitze Holzsplitter unter die Nägel der Finger und Zehen. Sie verstümmelten ihm Nase und Ohren, und durch eine große Wunde im Nacken rissen sie ihm die Zunge heraus, das Werkzeug seiner Gebete und Predigten. Sie sahen das Herz des Sterbenden noch schlagen und trieben einen großen Nagel hinein, um es zum Stillstand zu bringen und ihm den letzten Tropfen Blut zu rauben. Noch schlagen sie mit Säbeln auf den gemarterten Leib ein, als die Engel seine Seele bereits im Triumph zum Himmel geleiten. Durch dieses grausame Martyrium, eines der entsetzlichsten, über das wir in der neueren Kirchengeschichte lesen, krönte der heilige Andreas Bobola am 16. Mai 1657 sein Leben.

 

Gott verherrlichte seinen heiligen Leib durch viele Wunder. Großes Aufsehen erregte die amtliche Eröffnung des Sarges im Jahr 1719. Die Leiche des Martyrers war nicht im Geringsten zersetzt, obgleich schrecklich verstümmelt. Dabei war er an einem feuchten Ort beerdigt, wo viel später begrabene Leichen schon ganz in Verwesung übergegangen waren, so auch die hölzernen Särge, der des Heiligen nicht ausgenommen, wie auch seine Kleider. Der Körper war vollkommen unversehrt, die Haut frisch und glatt, die Glieder nicht steif wie bei Toten, sondern biegsam und gelenkig. Im Volk breitete sich die Verehrung des heiligen Martyrers rasch aus, und durch die auffallendsten Erhörungen wurde der Zulauf zu seinem Grab so stark, dass die Apotheker von Pinsk darüber klagten, sie könnten ihre Arzneien nicht mehr verkaufen, weil alle Kranken zum Grab des Pater Bobola gingen und sich von ihm heilen ließen. Die Reliquien wurden 1803 nach Polock übertragen, wo sie 1920 von den Bolschewiken geraubt und in ein Museum nach Moskau gebracht wurden. Dem diplomatischen Geschick Pius IX. gelang es, die Reliquien zurückzuerhalten. Sie sind jetzt in der Kirche al Gesù in Rom. Am 20. Oktober 1853 erfolgte endlich die Seligsprechung durch Papst Pius IX. und die Heiligsprechung am 17. April 1938 durch Papst Pius XI. des glorreichen Blutzeugen, der eine glänzende Zierde der Kirche und der Gesellschaft Jesu ist.

 

Zehn Monate vor dem glorreichen Ende des heiligen Andreas Bobola, in diesen bitteren Verfolgungen, erlangten die Palme des Martyriums auch die Diener Gottes Norbert, Hippolyt, Anselm, Eustach und noch 18 bis 21 andere Brüder aus dem Orden des heiligen Johannes von Gott. Um den wahren Glauben zu bewahren, haben sie nach der Schlacht der Schweden und der Brandenburger gegen die Polen vom 28. bis 30. Juli 1656 unter den Händen der Irrgläubigen, teils Schweden, teils Moskowitern zu Warschau, Lublin und Lowitsch durch verschiedene Arten der Martern und Qualen das irdische Leben mit dem ewig glückseligen vertauscht.

 

Aus dem fruchtbaren Samen dieser ersten Martyrerblüten der Barmherzigen Brüder erstarkte der Orden in Polen zu einer großen Provinz mit vielen Spitälern, die 200 Jahre lang eine gesegnete Wirksamkeit entfalteten, bis sie schließlich in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts russisch-orthodoxer Unduldsamkeit zum Opfer fielen. Nur der dem russischem Einfluss entzogene Konvent zu Krakau erhielt sich und bildet jetzt (1928) mit drei anderen aus Schlesien zugeteilten Häusern wieder eine neu erstandene polnische Provinz.

 

Was gab dem heiligen Andreas und den übrigen Glaubenszeugen solche Heldenkraft? Die Liebe zu Jesus. „Blut und Leben für den König!“ Das ist das Geheimnis der starkmütigen Seelen. Darin liegt auch deine Kraft zu sittlicher Größe!