Der heilige Andreas, Apostel und Martyrer von Paträ, + 62 ? - Fest: 30. November

 

Im Mittelpunk des Kirchenjahres steht die Erinnerung an das Erlösungsopfer Christi, die Erinnerung an jenes Opfer, das sich in unblutiger Weise bei der Heiligen Messe wiederholt. Überaus sinnvoll ist es daher, dass sich heute an der Wende des Kirchenjahres wiederum hoheitsvoll vor unserem Blick ein Kreuz erhebt, jenes Kreuz, an dem der heilige Apostel Andreas in ehrenvoller Angleichung an den Tod unseres Herrn und Meisters den Martertod erlitt.

 

Andreas, Sohn des Jonas und Bruder des Simon Petrus, ein Fischer aus Kapharnaum, wurde am Wasser groß, und dem See galt von früh an seine Liebe. Zu rudern und zu segeln, zu fischen und zu fangen und im Sturm kraftvoll zu bestehen, das war des Jungen Lebenselement. Stark wurde er dabei und arbeitstüchtig und mutig, ganz das, was sein Name besagt, denn Andreas heißt auf Deutsch schlichtweg „der Mann“. Was ist es doch eine Lust, wenn sich ein Junge schon als Mann fühlt und sich als Mann bewährt! So war es bei Andreas. Bei harter Arbeit galt er bereits als Mann, als er noch ein Junge war.

 

Es war eine gärende Zeit, als der junge Mann Andreas am See Genezareth das Fischerhandwerk betrieb. Die heidnischen Römer herrschten im Land, und silbern glänzten ihre Siegeszeichen in den Städten und Dörfern und an allen Straßen. Tief krallte der römische Adler die scharfen Fänge ins Fleisch und in die Seele des unterjochten Volkes. Damals erreichte die Messiashoffnung in Israel den Höhepunkt. Nur vom Messias sprach man mehr, und in allen Häusern und Hütten, in allen Zelten, auf allen Wegen und an allen Lagerfeuern erklang in unvorstellbarer Sehnsucht das Lied: „Tauet, Himmel, den Gerechten! Wolken, regnet ich herab!“

 

Da erhob sich am Ufer des Jordan ein Prophet. Johannes war sein Name. Die Leute meinten, dass er der Messias sei, aber er war es nicht, denn er war nur der Bote, der vor dem Messias herging und ihm den Weg bereitete. Johannes war nur die Stimme des Rufenden in der Wüste, und einer der ersten, der den Ruf vernahm und annahm, war der Fischer Andreas vom See Genezareth. Andreas wurde des Täufers Jünger, Schüler und Diener, tat wie dieser, fastete und büßte und harrte und wartete auf den, der da kommen sollte, und unter der Predigt des Vorläufers entzündeten sich in seinem Herzen die Adventskerzen, eine nach der anderen, und bald brannten alle vier Adventskerzen zugleich, als der Prophet am Jordan die Worte sprach: „Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt. Dieser ist es, der nach mir kommen wird, obgleich er vor mir gewesen ist. Ich bin nicht würdig, ihm die Schuhriemen aufzulösen.“

 

So sprach Johannes, der Vorläufer des Herrn, und es war die Zeit erfüllt. Hier endlich schaltet sich das heutige Festevangelium ein:

 

In jener Zeit stand Johannes da mit zweien seiner Jünger. Als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: „Seht, das Lamm Gottes!“ Die zwei Jünger hörten ihn so sprechen und folgten Jesus. Da wandte sich Jesus um, und da er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: „Was sucht ihr?“ Sie antworteten ihm: „Meister, wo wohnst du?“ Er sprach zu ihnen: „Kommt und seht!“ Sie gingen mit ihm und sahen, wo er wohnte, und sie blieben jenen Tag bei ihm. Es war um die zehnte Stunde. Einer von den beiden, die dies von Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus.

 

So weit das Evangelium. Andreas ist also der Erstgenannte von den heiligen Zwölf, und mit dem anderen, dessen Namen verschwiegen wird, gehört Andreas auch zu den Zuerstberufenen der Apostel. Es war aber der andere der heilige Evangelist Johannes. Was Andreas und Johannes an jenem Tag, den sie beim Heiland verbringen durften, erlebt haben, darüber ist nichts aufgeschrieben. Es ist jedoch leicht, sich vorzustellen, dass das Erlebnis der beiden überaus beglückend gewesen sein muss. Sicher ist es auf alle Fälle, dass Andreas seitdem mit Leib und Seele und mit allen Fasern des Herzens dem Herrn verbunden war, denn wer einmal den lieben Heiland kennengelernt und seine Milde und Güte an sich erfahren hat, der ist ihm bis in den Tod für immer und ewig in heiliger Freundesliebe verfallen.

 

So war es bei Andreas. Drei Jahre folgte er mit den anderen Aposteln dem Heiland auf allen Wegen, und nach der Himmelfahrt Jesu verkündete er die Frohbotschaft im heutigen Südrussland, auf dem Balkan und in Griechenland, bis er, der Erstberufene von den heiligen Zwölf, auch als einer der ersten am 30. November des Jahres 60 den Martertod erlitt. An einem schrägen Kreuz, das man seitdem das Andreaskreuz nennt, besiegelte er seine Heilandstreue mit dem eigenen Blut.

 

Das Kreuz des heiligen Andreas schließt also das vergangene Kirchenjahr und steht am Beginn des neuen, um uns daran zu erinnern, dass das Kreuz im Mittelpunkt unseres Glaubens steht. Niemand auch könnte wohl besser als Andreas den Advent einleiten, denn wie er mit dem Täufer harrte und wartete auf den, der da kommen sollte, so muss unsere Sehnsucht in den nächsten Wochen auf den lieben Heiland gerichtet sein, mit jedem Tag und mit jeder Adventskerze, die angezündet wird, mehr und mehr.

 

O Heiland, reiß den Himmel auf!

Herab, herab vom Himmel lauf!

Reiß ab vom Himmel Tür und Tor!

Reiß ab, wo Schloss und Riegel vor!