Der heilige Alphons Maria von Liguori, Bischof, Ordensstifter und Kirchenlehrer, + 1.8.1787 - Fest: 1. August

 

Der heilige Alfons Maria Liguori,

Bischof und Stifter der Versammlung des Erlösers: Redemptoristen (+ 1787)

 

Erst im Jahr 1830 wurde Alfons Maria Liguori heiliggesprochen; er lebte im 18. Jahrhundert. Von hochgestellten christlichen Eltern zu Neapel geboren, bekam er eine sehr gute Erziehung, besonders durch seine Mutter. Als zehnjähriger Junge spielte er einmal und gewann dabei. Einer der Kameraden warf ihm vor, er habe betrogen. Liguori warf das gewonnene Geldstück unwillig hin und sprach: „Wie, glaubt ihr, dass ich um eine so elende Geldmünze die Majestät Gottes beleidigen werde?“ Dann entfernte er sich. Da es schon Abend wurde, suchten ihn die anderen und fanden ihn im Garten betend vor einem Baum knien; an den Baum hatte er ein Bildchen der Jungfrau Maria befestigt. Über diesen Anblick wurde der Junge, der dem frommen Alfons den ungerechten Vorwurf gemacht hatte, so gerührt, dass er ausrief: „Ach, was habe ich getan? Ich habe einen Heiligen gekränkt!“

 

Alfons machte so außerordentliche Fortschritte in den Wissenschaften, dass er schon in seinem 17. Lebensjahr die Doktorwürde bekam, d.h. feierlich als befähigt erklärt wurde, selbst Lehrer der Wissenschaften zu sein. Dabei war er aber ebenso eifrig in frommen Übungen. Jede Woche empfing er einmal die hl. Sakramente und alle Tage besuchte er in den Kirchen das heiligste Altarsakrament.

 

Der junge, gelehrte Mann widmete sich zuerst dem Advokatenstand und erwarb sich großes Ansehen. In einem sehr wichtigen Prozess zwischen zwei Prinzen hatte Alfons die Sache des einen übernommen in der Meinung, sie sei gerecht. Allein er hatte einen Umstand übersehen, worauf der Advokat der Gegenpartei aufmerksam machte; deshalb verlor er den Prozess. Alfons war aufrichtig genug, selbst vor Gericht zu erklären, er habe sich geirrt und sei im Unrecht. Allein dieser Vorfall verleidete ihm alle Welthändel; er ging nach Hause, schloss sich ein und blieb drei Tage lang ohne Nahrung. Hier fasste er den Entschluss, von nun an nicht mehr der Welt, sondern nur Gott zu dienen. Er fand jedoch großen Widerstand von Seiten seines Vaters und seiner Familie überhaupt, hautsächlich deshalb, weil man schon seine Verehelichung mit der Tochter eines Fürsten in die Wege geleitet hatte. Der Vater drohte ihm, machte bald die bittersten Vorwürfe, bald die schönsten Versprechungen und Schmeicheleien, ja er misshandelte sogar seinen Sohn. Aber alles war vergeblich. Alfons blieb fest bei seiner Erklärung: „Gott ruft mich, ich darf nicht widerstehen“ und trat in den geistlichen Stand. Ungeachtet all seiner Religiosität hing aber der Vater noch so sehr an seinen weltlichen Plänen, dass er fast ohnmächtig wurde, als er seinen Sohn zum ersten Mal im geistlichen Gewand erblickte und ein ganzes Jahr kein Wort mehr mit ihm redete.

 

Aber Alfons blieb dem erkannten Willen Gottes treu. Er machte schnelle Fortschritte in der Vollkommenheit nicht nur als Christ, sondern auch als Priester. Er schloss sich den Volksmissionaren an und predigte jeden Tag mit außerordentlichem Erfolg. Eines Tages kam sein eigener Vater in eine Kirche, in der gerade Alfons predigte. Zuerst ärgerte er sich aus Standeshochmut, seinen Sohn auf der Kanzel zu sehen und war geneigt wieder wegzugehen. Je länger er aber seinen heiligen Sohn predigen hörte, desto mehr wurde sein Herz gerührt; reuevoll und ausgesöhnt verließ er die Kirche. Als er später Alfons antraf, umarmte er ihn und bat ihn um Verzeihung, dass er sich so lange seinem Beruf widersetzt habe. Manchmal äußerte er sich später, erst durch seinen Sohn habe er Gott kennen gelernt.

 

Der heilige Alfons war schon ein Jahr lang Priester ohne sich entschließen zu können auch Beichte zu hören. Er meinte in seiner Demut und Gewissenhaftigkeit, zu einem solch wichtigen Amt nicht genug Fähigkeit zu besitzen. Als er aber durch seinen Obern dazu genötigt wurde, war er in diesem heiligen Amt eifrig und musterhaft wie im Predigen. Er zeigte im Beichtstuhl stets herzliche Liebe, Güte und Geduld; er pflegte zu sagen: „Je tiefer ein Sünder in die Sklaverei des Lasters geraten ist, desto mehr muss man ihn durch die süße Gewalt der Güte den Klauen des Teufels entreißen und zum Vaterherzen Gottes hinziehen.“

 

Nachdem Alfons längere Zeit durch Unterricht, Predigen und Beichthören für das Reich Gottes an verschiedenen Orten und hauptsächlich in Neapel gewirkt hatte, wurde er infolge seiner übermäßigen Anstrengungen krank. Um sich zu erholen begab er sich auf das Land nach Amalfi und Skala. Aber auch hier ließ es ihm keine Ruhe. Mit einigen gleichgesinnten Priestern suchte er die Hirten und zerstreute Landleute auf, unterrichtete sie in den Wahrheiten der Religion und spendete ihnen die heiligen Sakramente. Eine sehr fromme Klosterfrau namens Castarosa sagte dem heiligen Alfons, als er während dieser Zeit in dem Kloster einmal predigte, Gott habe ihn berufen eine Kongregation von Missionaren für die ärmsten verlassenen Seelen zu stiften.

 

Innerliche Besorgnisse und äußerliche Hindernisse waren nicht stark genug den heiligen Alfons von diesem Ruf Gottes abzuhalten. Einige fromme Priester und auch ein Edelmann gesellten sich ihm bei. In Skala nahmen sie ihre Wohnung unter gar ärmlichen Verhältnissen. Ein Strohsack war ihr Lager, Schwarzbrot, einige Früchte und Wasser waren die Kost, die sie kniend unter Gebet zu sich nahmen. Jede Woche züchtigten sie dreimal ihren Leib. Sie erbauten sich täglich an der Legende der Heiligen, sprachen fast nur von göttlichen Dingen und brachten einen Teil der Nacht vor dem allerheiligsten Altarsakrament zu. Sie legten die einfachen Gelübde des Gehorsams, der Armut und Keuschheit ab und verpflichteten sich zum Gehorsam gegen ihren Obern, wozu sie den heiligen Alfons wählten. Papst Benedikt XIV. bestätigte 1749 die Regel der neuen Genossenschaft und gab ihr den Namen der Redemptoristen (Gesellschaft des Erlösers). Seit dieser Stiftung hat sich der Orden weit verbreitet und zahllose Missionen gehalten bis auf den heutigen Tag.

 

Wenn der heilige Alfons irgendwo mit den Seinigen Mission hielt, so beteten sie vor allem das heiligste Altarsakrament an; sodann zogen die Missionare unter Vortragung eines Kreuzes in den Straßen des Ortes umher, verkündigten die Beweggründe zur Buße und luden das Volk ein in die Kirche zu kommen. An den ersten Tagen wurde über die Schreckenswahrheiten der Religion gepredigt, namentlich über die Sünde, die Hölle und die Ärgernisse. Dann wurde drei bis vier Tage lang die Anweisung zum frommen Leben gegeben und vom Gebet und Leiden Christi, der Geduld und vom Gebrauch der heiligen Sakramente gepredigt. Die Kommunion wurde klassenweise abgehalten zuerst mit den Kindern, dann mit den jungen Frauen, den Frauen, den jungen Männern, den Männern, wobei mit jeder Klasse eine besondere Vorbereitung vorgenommen wurde. Am letzten Tag wurde über die Beharrlichkeit gepredigt und das Aufpflanzen von fünf Kreuzen, während dem Volk das Leiden Christi erklärt wurde, beschloss die Mission. Jeder Priester musste während der Missionszeit täglich sieben Stunden lang Beichte hören, nur zwei Gerichte durften beim Mittagessen aufgetragen werden, und keiner durfte ein Geschenk annehmen außer dem Unentbehrlichsten. Diese Missionen wirkten außerordentlich viel. Feinde wurden versöhnt, Verleumdungen widerrufen, ungerechtes Gut erstattet, Ärgernisse getilgt, Todsünder zu frommen Christen umgewandelt; von allen Seiten wurden schlechte Bücher, unanständige Bilder gebracht und öffentlich vor der Kirche verbrannt. Das Volk wurde eifrig im Gebet, im Empfang der heiligen Sakramente, in Übung der Werke der Barmherzigkeit.

 

Wie viele Seelen durch solche Missionen gerettet worden sind, das weiß nur Gott und das wird einmal jenseits offenbar werden. Viele der Leser werden schon Missionen beigewohnt haben oder noch später in ihrem Leben Gelegenheit dazu bekommen. Wenn in einem Ort Mission gehalten wird, so kann man sagen: Gott bietet der ganzen Gemeinde die größte Gnade an, nämlich die Gnade der Versöhnung und Freundschaft mit Gott. Die täglichen Predigten und Gebete, das Beispiel so vieler Leute, die eifrig an den Andachten teilnehmen, selbst der Anblick der Missionsgeistlichen, die auf der Kanzel und im Beichtstuhl uneigennützig den größten Anstrengungen des Leibes und Geistes sich unterziehen, wirkt auf viele Sünder, wie wenn ihre Seele aufgepflügt würde – und mancher, den man längst für unbekehrbar und verloren angesehen hatte, geht in sich und wird eifriger als manche, die sich selbst zu den guten Christen zählen. Ja wir werden vielleicht einmal erstaunen, wenn uns jenseits die Zahl derer gezeigt wird, die gleichsam wie schon brennendes Holz aus dem Feuer durch die Missionen noch gerettet worden sind. Deshalb wird jeder rechte Pfarrer, wenn es ihm möglich ist, gern in seiner Gemeinde Mission halten lassen; deshalb werden wirklich Gläubige, denen ihr und ihrer Mitmenschen Seelenheil angelegen ist, gern beitragen, um eine Mission zu bekommen; und wo eine solche gehalten wird, da gehe fleißig hin und suche auch besonders alle Sünder, die dich etwas angehen, dahin zu bringen. Bei den Missionen gilt ganz besonders von den Priestern, die sie halten, das Wort des Herrn: „Wer euch hört, der hört mich: und wer euch verachtet, der verachtet mich“, und gilt denen, die Gelegenheit haben sie zu hören, das Wort: „Heute, da ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht“.

 

Der heilige Alfons hatte das Glück, gleich im Beginn wahrhaft gute gleichgesinnte Genossen für seine Bruderschaft zu besitzen. Aber er selbst war das vollkommene Vorbild eines evangelischen Wandels. Obschon er im Besitz von eigenem Vermögen war, überließ er dennoch alles der Kongregation. Einmal wählte er eine mit Brettern zugemachte Öffnung unter der Treppe zu seinem Wohnort. In seiner Zelle fand man ein paar alte Stühle, einen kleinen Tisch, eine irdene Lampe, ein hölzernes Kreuz, einige armselige Heiligenbilder, einen Strohsack, einige Bücher und etwas Papier. Oft benutzte er die Kleidungsstücke, die andere Ordensgenossen als unbrauchbar abgelegt hatten; und in solchem Anzug besuchte er die vornehmsten Personen wie die ärmsten Bettler. Meistens aß er nur Brot und Suppe und diese machte er noch auf künstliche Weise bitter; bei der strengsten Kälte wärmte er sich nicht am Ofen.

 

Wie wohlgefällig vor Gott dieser Wandel seines Dieners war, das zeigte sich selbst durch Wunder. Übrigens fehlte es auch nicht an Verleumdungen und Widerstand bei seinen gottgefälligen Unternehmungen, die aber durch Gottes Hilfe stets überwunden wurden. Es war ihm schon von verschiedenen Diözesen die bischöfliche Würde angetragen, von ihm aber stets ausgeschlagen worden. Endlich ernannte ihn der Papst ungeachtet seines Sträubens zum Bischof von Benevent. Da er nur aus kirchlichem Gehorsam sein Bistum antrat, so war er auch hier das vollendete Muster eines wahren Bischofs. Er fing sein Amt gleich damit an, dass er in allen Teilen seines Bistums Missionen hielt. Während er aber auch als Bischof sehr arm und streng lebte, war er höchst liebreich und gut gegen andere: einmal, zur Zeit einer Not, verkaufte er all sein Besitztum und verteilte den Erlös unter die Armen. Durch die unaufhörlichen Anstrengungen wurde der Körper des heiligen Alfons allmählich so angegriffen, dass er in den letzten siebzehn Jahren einen ganz gekrümmten Hals und Nacken bekam und sein Kopf bis zur Brust herabgedrückt war, wie man ihn gewöhnlich auch abgebildet sieht. Dessen ungeachtet war er unermüdlich tätig in seinem hohen Amt; nur bat er wiederholt den Papst, ihn seines bischöflichen Amtes zu entheben. Als ihm endlich seine Bitte gewährt wurde, kehrte er in vollständiger Armut wieder in das Haus seiner Kongregation zurück. Aber so lange er hier noch seine Glieder bewegen konnte, war er fortwährend auf der Kanzel und im Beichtstuhl tätig und als er das nicht mehr konnte, suchte er durch seine Schriften für Gottes Sache zu wirken. Diese Bücher haben einen außerordentlichen Segen bei Geistlichen und Weltlichen bis auf den heutigen Tag verbreitet.

 

Nachdem der heilige Alfons ungeachtet all seiner Fasten, Wachen, Abtötungen und übermäßigen Arbeiten das Alter von 91 Jahren erreicht hatte, gab er seine treue Seele in die Hände Gottes zurück. Der Papst Gregor XVI. hat ihn heilig gesprochen. Seine Stiftung, die Kongregation der Redemptoristen oder, wie man sie auch sonst nennt, der Liguorianer hat sich in vielen Ländern verbreitet und wirkt durch Missionen für Bekehrung der Sünder bis auf den heutigen Tag.

 

Lied des heiligen Alfons M. Liguori zur allerseligsten Jungfrau Maria:

 

Blick vom Himmelsthron, dem reinen,

O Maria! nur ein Mal,

Süße Mutter! auf die Deinen;

Nur ein einzig, einzig Mal!

 

Reget dann sich voll Erbarmen

Nicht Dein Herz bei diesem Blick:

O dann wende von uns Armen

Immerhin den Blick zurück.

 

Sieh, wie Undank uns entweihte;

Wie mit Gottes Herz die Schuld,

Mit dem milden und entzweite,

Wir verwirkten Seine Huld!

 

Willst Du, dass Er mild erscheine;

O so sprich ein einzig Wort!

Du, Maria! kannst alleine

Öffnen uns des Heiles Pfort!

 

Dass Er Sich mit uns versöhne,

Süße, teure Mutter! sprich,

Sprich, wir seien Deine Söhne!

Sieh und schnell erbarmt Er sich.

 

Sind wir ob der Schuld, auch nimmer

Deine Söhne wert zu sein;

Wird dein Mutterherz doch immer

Voll von milder Liebe sein.

 

Breite, süße Mutter! Deinen

Mantel aus, uns zu umfah´n,

Lass uns furchtlos dort vereinen,

Sieh uns Kinder liebreich an.

 

Teure, süße Mutter, höre:

Ruft zu Dir die Andacht laut:

Rette, wer Dich liebt, erhöre,

Wer sich kindlich Dir vertraut!