Der heilige Aloisius von Gonzaga, italienischer Scholastiker, + 21.6.1591 - Fest: 21. Juni

 

Aloysius, ein Fürstensohn aus Norditalien, war einer der edelsten jungen Männer, die es gegeben hat, ein Ritter ohne Fehl und Tadel, hochgesinnt und wagemutig, ein Held.

 

Schon der Fünfjährige zeichnete sich durch Kühnheit aus, denn eines Tages feuerte er unbemerkt hinter dem Rücken der Soldaten eine Kanone ab, die er vorher selbst geladen hatte. Das tat der Waghals, obwohl ihm kurz zuvor bei einem Schießversuch brennendes Pulver ins Gesicht geflogen war und die Wange verbrannt hatte, in einem Alter von fünf Jahren, zu einer Zeit also, da er nicht einmal ein Junge, sondern noch ein Kind war. Ein echter Junge war er schon, der Aloysius!

 

Was macht denn eigentlich einen echten Jungen aus? Zum echten Jungen gehört vor allem ein ernstes Streben nach hohen Zielen. Ein echter Junge muss zäh und entschieden, frisch und unverdrossen, mutig und kühn, unentwegt und unbeirrbar treu danach trachten, ein tüchtiger Mensch und edler Christ zu werden, und in all dem ist der heilige Aloysius wie ein Meister gewesen.

 

Aloysius hätte sich beispielsweise, weil er Kronprinz war und später Fürst werden sollte, damit begnügen können, sich nur in den Regierungsgeschäften und als Soldat auszubilden. Doch er zielte höher, er wollte sich auch ein größeres Wissen aneignen, und deshalb ließ er sich es angelegen sein, neben dem Dienst am Hof und im Regiment eifrig zu studieren. Aloysius tat also mehr, als er musste. Darum ist er auch etwas Tüchtiges geworden.

 

Es war ihm ferner nicht genug, als Erstgeborener nach dem Tod des Vaters Fürst zu werden, er wollte vielmehr ein Heiliger werden, und um sicherer zu sein, dass er das hohe Ziel erreiche, entschloss er sich, Jesuit zu werden. Doch da kam Aloysius bei seinem Vater schlecht an. Wohl hatte der Fürst noch vier andere Söhne, aber den Alois, der von allen der beste war, wollte der Vater nicht verlieren, und deshalb verweigerte er ihm die Erlaubnis, auf das Erbrecht zu verzichten und Ordensmann zu werden.

 

Es ist bedauerlich, dass manch hochgesinnter junge Mann, der im Herzen den Ruf zum Priesterstand vernahm, doch nicht Priester geworden ist, weil er allzu willfährig war, als man ihm von dieser Berufswahl leichtfertig abriet. Aloysius dagegen blieb dem Ruf der Gnade treu. Drei Jahre lang hat er zäh um den Beruf gekämpft. Nie hat er sich gegen den Vater aufgelehnt, nie auch die kindliche Ehrfurcht verletzt, aber an dem Ziel hielt er unbeirrt fest, und es war wohl einer der glücklichsten Tage im Leben des Heiligen, als er mit achtzehn Jahren auf die Fürstenkrone verzichten durfte. Sicher lohnt sich solch ein Verzicht, um heilig zu werden, denn himmelhoch steht ein Heiliger über allen Kaisern und Königen.

 

Von der ersten Stunde an, da er im Kloster war, hat Aloysius zu den Ganzen gehört. Mit Leib und Seele war er Ordensmann, der die klösterlichen Pflichten treu erfüllte, in Armut, Keuschheit und Gehorsam lebte, viel betete und für andere büßte und sühnte. Aloysius war stets das ganz und gar, was er sein sollte. Am herrlichsten aber war sein Tod.

 

Die Pest war ausgebrochen. Aloysius meldet sich aus freien Stücken für den Dienst an den Kranken. Als er dabei einen Pestkranken, den er verlassen auf der Straße fand, auf den Schultern ins Spital brachte und pflegte, wurde auch er von der Seuche ergriffen. Wohl entging er der ersten Gefahr, aber ein schleichendes Fieber blieb zurück und zehrte die Körperkräfte des jungen Mannes auf. Am 21. Juni 1591 starb Aloysius als Held im Dienst der Nächstenliebe.

 

Die Kirche hat recht daran getan, dass sie den heiligen Aloysius als Vorbild und als Patron der Jugend hingestellt hat, denn wer wie Aloysius zäh und entschieden, frisch und unverdrossen, mutig und kühn, unentwegt und unbeirrbar treu danach trachtet, ein tüchtiger Mensch und ein edler Christ, ein Heiliger zu werden, der ist ein echter Junge.

Sankt Aloysius
Sankt Aloysius

 

Der heilige Aloisius von Gonzaga, italienischer Scholastiker SJ,

+ 21.6.1591 – Fest: 21. Juni

 

Die Zeit am Beginn des 17. Jahrhunderts war eine äußerst ernste. Die Reformation hatte fast in alle Länder Europas die Brandfackel der Glaubenskämpfe geworfen. Die Kirche und ihre treuen Anhänger waren verachtet, verfolgt, geknechtet. Blut floss für den Glauben, Schottlands große Königin starb am Schafott. Das irregeführte Volk verrohte, denn mit der Glaubensfreiheit war auch Sittenfreiheit eingerissen. Im Adel und selbst an katholischen Höfen herrschte maßlose Prunk- und Vergnügungssucht, Ausgelassenheit und laute Freude. Fast schien es, als stürbe Tugend und katholischer Glaube, aber die Welt irrte sich: „Für das Christentum sind Zeiten des Kreuzes – Zeiten der Gnade, Tage der Drangsal – Tage der Heiligung.“ (Hahn-Hahn) Die Kirche war nicht verkommen und entartet, nur viele ihrer Glieder waren es. In der Reformation fielen die von ihr ab und nun erwachte frisches, tatkräftiges Leben in der Kirche. Der Jesuitenorden wurde gegründet und ein ganzer Himmel voll Heiligen erblühte in diesen Tagen.

 

So standen die Zeichen, als dem Markgrafen und Fürsten des heiligen römischen Reiches Ferdinand von Gonzaga auf seinem Stammschloss Castiglione an den Blumengestaden des Gardasees ein Sohn und Erbe geboren wurde. Stolze Freude schwellte die Brust des glücklichen Vaters, als er an der prächtigen Wiege seines Erbprinzen stand. Das ahnte er aber nicht, dass dieses Kind den Namen seines Geschlechtes dadurch unsterblich machen werde, indem es zum Fürstentitel das unendlich erhabenere Adelsdiplom der Heiligkeit erringen würde. So hatte also am 9. März 1568, dem Geburts- und Tauftag des Prinzen Aluigy, ein gar wundersames Gnadenleben auf dem stolzen Schloss zu blühen begonnen. Wie eine Lilie, so rein und unberührt, wuchs der Knabe heran und schon vom zartesten Kindesalter an verband er mit der Unschuld seines Lebens einen seltenen Gebetseifer und eine ganz ungewöhnliche Bußstrenge. Gott hatte eben dies Fürstenkind zum Opfer für die Sünden und die Lauheit jener Tage erwählt und dieses Kind, den leisesten Regungen der Gnade nachgebend, wurde zum Sühnopfer, zur büßenden Unschuld, zum – heiligen Aloisius.

 

Unmöglich ist es, in kurzen Zeilen das reichbewegte, inhaltsvolle Leben des Heiligen nur annähernd würdig zu beschreiben, hier sollen nur einzelne Daten erwähnt werden.

 

Bis zu seinem achten Jahr war Aluigy, von kleinen Unterbrechungen abgesehen, auf Castiglione, dann sandte ihn der Markgraf an den Hof der kunstliebenden, mächtigen Medizier, dass er dort höfische Sitte lerne und in den Freudenfesten von Florenz dem Zauber des Weltlebens sich ergeben müsse. Und Aluigy unterlag dem Zauber der herrlichen Arnostadt, seine Seele feierte Freudenfeste, er kam ja zum beseligenden Bewusstsein seiner ersten Liebe, seiner keuschen, todestreuen Madonnenliebe und diese Liebe besiegelte er vor einem Liebfrauenaltar durch das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit. Nach außen freilich schien Aluigy ernster und eingezogener denn je: seine Kleidung war schlicht, sein Auftreten bescheiden, und alle Ehren, die man ihm, dem Sohn des mächtigen Markgrafen, erweisen wollte, wies er freundlich, aber entschieden mit den Worten zurück: „Ein Diener Gottes sein, geht über alle Weltherrlichkeit.“ Als Aluigy nach Castiglione zurückgekehrt war, empfing er aus der Hand seines Onkels, des heiligen Bischofs Karl Borromeo, die erste heilige Kommunion. Von nun an kommunizierte Aluigy so oft er konnte, um sich die Kraft zur makellosen Bewahrung seines Gelübdes zu holen und um immer inniger mit dem göttlichen Heiland vereint zu werden. Bald darauf zog der Markgraf mit seinen Söhnen nach Madrid, da diese hier am Hof des Beherrschers zweier Welten, der katholischen Majestät König Philipp II., die höchsten Ehrenämter als erste Pagen des Infanten Do Diego erhalten sollten. Aber auch hier im Mittelpunkt höfischen Glanzes blieb Aluigy seinem Fasten, Beten und fleißigem Studium aller Wissenschaften treu, und wahrhaft Heldenmut gehörte dazu, inmitten des strengen Hofzeremoniells und beständiger Zerstreuungen dies Engel- und Büßerleben zu führen. Aluigy hatte schon in Florenz die Nichtigkeit aller Erdengröße und Weltherrlichkeit erkannt, damals schon reifte in ihm der Entschluss, auf sein Erbe zu verzichten und im Reich Gottes als Diener des Allerhöchsten einen Thron, eine Krone und unvergängliche Himmelsehren zu erlangen. Als am Himmelfahrtstag 1583 der edle Prinz vor dem Gnadenbild „Maria vom guten Rat“ um Erleuchtung in seiner Berufswahl betete, befahl die Gottesmutter dem Jüngling, er solle sich der Gesellschaft Jesu anschließen.

 

Nun begann ein zweijähriges Ringen um den gottgewollten Beruf, Vater, Mutter, Verwandte, Untertanen und Fürsten waren gegen Aluigys Entschluss. Es war ein Riesenkampf, aber ein voller Sieg krönte ihn, denn am 2. November 1585 unterzeichnete Aluigy im Palast der Gonzaga in Mantua die Urkunde, durch die er auf die Markgrafschaft und alle Allodien zu Gunsten seines Bruders Rudolf verzichtete. Nie hatte man Aluigy so heiter gesehen als in jener Stunde. Nachdem auch Rudolf unterzeichnet hatte, fragte Aluigy ihn laut: „Was meinst du, mein lieber Rudolf! Wer von uns beiden ist nun froher, ich oder du?“ – „Ganz gewiss ich!“ Da brachen alle anwesenden Verwandten in lautes Schluchzen aus. Schon mit dem geistlichen Kleid angetan, nahm Aluigy Abschied, kniend empfing er den Segen seiner weinenden Eltern und dann brach er unverzüglich nach Rom auf. In St. Andre, dem Noviziathaus, und später im römischen Kolleg fand Aluigy seine Seelenheimat, sein Paradies. Es besteht kein Zweifel, dass er schon ein großer Heiliger war, als er in den Orden eintrat, hier aber machte seine Vollkommenheit solche Fortschritte, dass die seelenkundigen Patres Jesuiten hierüber in Staunen und Bewunderung gerieten. Hatte Aluigy in der Welt seinen Fasten und Bußübungen keine Grenzen gesetzt, so musste er sich nun auch hierin dem Oberen in Gehorsam unterwerfen und den Eifer der Abtötung größtenteils auf seinen Willen beschränken. Wunderbar vollkommen wurde dadurch des Heiligen Gehorsam, Demut und Treue im Kleinen. Mit vorzüglichem Erfolg studierte Aluigy Philosophie und Theologie. 1587 legte er die ersten Gelübde ab, 1588 empfing er die niederen Weihen. Als er von Castiglione zurückkehrte, wohin ihn sein Oberer zur Schlichtung schwerer Familienzwiste gesandt hatte, und nun das vierte Jahr Theologie beginnen sollte, musste er nach Sitte der Gesellschaft Jesu ein Zimmer für sich allein bekommen. Er wählte sich eine enge Kammer, die kaum für Bett, Stuhl und Betschemel Platz bot und in der noch nie ein Studierender gewohnt hatte. Durch das kleine Dachfenster sah ein Stück Himmel in die Kammer. Hier war Aluigys Tabor, hier in äußerster Armut fühlte er sich selig. Die kahlen Mauern sahen seine Liebesverzückungen, seine glühenden Gebete, hörten seine Sehnsuchtsseufzer, die immer drängender, immer verzehrender nach Gott verlangten.

 

So kam der Winter 1591, in dem Rom von der Pest heimgesucht wurde. Aluigy weihte sich mit seinen Mitbrüdern der Pflege der Pestkranken in den Spitälern. Hier, im Dienst opfermütiger Nächstenliebe, empfing er den Todeskeim. Wochenlang siechte er dahin, aber weniger die Macht des Fiebers als seine verzehrende Sehnsucht nach dem Himmel schien ihn zu entkräften. Als Aluigy die Kunde seines nahen Todes erfuhr, stimmte er in seiner übergroßen Herzensfreude das Te Deum an. Auf die Frage eines Paters, wie es gehe, antwortete Aluigy mit strahlenden Blicken: „Fort, fort geht es!“ „Ja, wohin denn?“ „In den Himmel, wenn meine Sünden es nicht hindern!“ In beständigen Liebesanmutungen und geistlichen Gesprächen schwanden Aluigys letzte Stunden, gegen ½ 12 Uhr nachts des 20. Juni 1591 verschied der große Heilige Aloisius mit den heiligsten Namen Jesus und Maria auf seinen Lippen. Sein Leichnam wurde in der Kirche des römischen Kollegs ausgestellt und der Zudrang von Ordensleuten, Schülern und Volk, Kirchenfürsten und gekrönten Häuptern war unbeschreiblich. Mit Windeseile war die Kunde von Aluigys heiligem Tod durch Rom, durch Italien, Spanien und alle katholischen Länder gedrungen, war ja der edle Prinz schon zu seinen Lebzeiten der Liebling aller Katholiken, der Stolz und der Triumph der Kirche und des Jesuitenordens. Große Wunder beschleunigten Aluigys Seligsprechung, die Papst Paul V. 1605 vollzog. Als man später zur Heiligsprechung schreiten wollte – sie geschah am 31. Dezember 1726 – sagte Papst Klemens X.: „Als Seliger ist Aloisius in der Kirche in aller Welt bereits bekannter als so manche Heilige nach ihrer Kanonisation. Folgerichtig braucht der Heilige Stuhl ihn nicht heilig zu sprechen, sondern vielmehr nur zu erklären, dass er bereits von der Kirche heilig gesprochen ist.“ Die Verehrung Aloisius` hat seither nicht ab, sondern eher zugenommen. Sein herrlicher Grabaltar in Rom ist Jahr für Jahr der Schauplatz glänzender Feste und Aloisius, dem „Patron der christlichen Jugend und der Studierenden der ganzen katholischen Welt“, sind in Millionen jugendlicher Herzen Altäre der Liebe und Verehrung erbaut.

 

Aloisius war Jesuit und ist nicht nur ein Trost und eine Freude der Gesellschaft Jesu, sondern auch eine mächtige Hilfe dadurch, dass er Patron der christlichen Jugend wurde. Wie der Orden vom Berge Karmel, die Familie des heiligen Franziskus und des heiligen Dominikus die halbe Welt sich einverleibt haben durch das Skapulier, den dritten Orden und den heiligen Rosenkranz, so die Gesellschaft Jesu durch die marianischen Kongregationen und darüber hinaus durch Aloisius` Schutzamt für die Jugend. Überall, wo Aloisius angerufen und verehrt wird, ist sie bekannt oder unbekannt tätig, weil er ihr gehört, weil in ihm ihre Grundsätze zum Ausdruck und zur Wirklichkeit kommen. Aloisius` Leben war Tugend, nichts als Tugend: die reinste Unschuld, härteste Buße, entschiedenste Weltverachtung, gründlichste, heldenhafteste Liebe zu Gott und dem Nächsten. Durch diese Tugenden nun wurde Aloisius zum Verteidiger der verleumdeten Kirche seiner Tage, denn wie konnte die Kirche verdorben sein, da sie solche Blüten wie Aloisius trieb. Aloisius wurde aber noch mehr Verteidiger des Jesuitenordens, der mehr verfolgt und geschmäht wird als jeder andere Orden. Aloisius hat die Gesellschaft Jesu heiß geliebt, und was er so hoch schätzte, was ihn zu solch vollendeter Heiligkeit gebracht hat, kann nicht schlecht sein. O nein, nicht weil sie schlecht, sondern weil sie so gut war, hat Welt und Hölle sie gehasst, gemäß dem Wahrspruch: „Was Gott liebt, muss Satan hassen“. Dass wir diese Wahrheit mit all ihren Konsequenzen erfassen und auch auf unsere Tage anwenden lernen, möge uns St. Aloisius erflehen. Es würde dies der Sache Gottes und dem erhabenen und darum angefeindeten Programm unseres Heiligen Vaters, alles in Christus zu erneuern, zu herrlichen Früchten und Erfolgen verhelfen.