Der heilige Alexius, Bettler und Bekenner von Rom, + 17.7.417 - Fest: 17. Juli

 

Es lebte einst in Rom ein reiches Ehepaar. Sie hatten einen Sohn, der Alexius hieß. Auf den Wunsch der Eltern hin verehelichte sich Alexius mit einem reichen Mädchen, aber in der Nacht nach dem Hochzeitstag kam Gottes Geist über den Bräutigam.

 

Alexius tat etwas, was dem gewöhnlichen Menschen unerklärlich ist. Er nahm den Trauring von der Hand, steckte ihn der Braut an den Finger und sagte: „Habe das zum Andenken an mich, und Gott sei zwischen dir und mir, solange es ihm gefällt.“ Nach diesen geheimnisvollen Worten verließ Alexius schnell das Haus, eilte an das Meer, bestieg ein segelfertiges Schiff und fuhr nach Kleinasien. Und während der Vater ohne Erfolg Boten in alle Welt aussandte, um den Verlorenen ausfindig zu machen, verbrachte Alexius die Tage arm und unbekannt an der Marienkirche der Stadt Edessa in Gebet und Buße siebzehn Jahre lang. Der Fremdling war zufrieden, wenn man ihn in Ruhe ließ. Niemals verriet er auch nur mit einer Silbe Namen und Herkunft. Deshalb nannte ihn das Volk, das ihn hoch verehrte, nur den Gottesmann.

 

Als Alexius merkte, dass ihm die Ehre des Volkes in den Kopf zu steigen drohte, verließ er Edessa, um in Tarsus, der Heimat des Völkerapostels Paulus, sein bisheriges Leben arm und unbekannt fortzusetzen. Da jedoch fügte es Gott, dass das Schiff, mit dem Alexius fuhr, von einem Sturm nach Italien abgedrängt wurde und in der Nähe von Rom landete.

 

Der heilige Alexius ging an Land, kam in die Ewige Stadt und betrat das Haus seiner Eltern. Vater, Mutter und Braut lebten noch, aber niemand von ihnen erkannte in dem abgemagerten Bettler den Sohn und Bräutigam. Alexius bat den Vater demütig um Unterkunft, die ihm auch gewährt wurde. Es war ein dunkler Verschlag unter der Treppe, den sich der Heilige selbst aussuchte. Dort verbrachte er die Nächte. Am Tag pilgerte er von einer Kirche in Rom zur anderen. Bald behandelten ihn die Diener des elterlichen Hauses wie einen Narren, ärgerten und verhöhnten ihn, gaben ihm Ohrfeigen und begossen ihn mit Spülwasser. Alle diese Schmähungen nahm Alexius in Demut auf sich, um dem Herrn Jesus Christus in Armut und Schmach ähnlich zu werden. Mehr noch litt das Herz des Heiligen unter dem Leid, das Eltern und Braut, wie er feststellen musste, immer noch um ihn hatten. Trotzdem gab er sich nicht zu erkennen, weil er glaubte, Gott verlange von ihm und den Seinen dieses Opfer. Es war schon ein seltsamer Weg der Heiligkeit, den er ging, um, wie es in der Bibel heißt, das ewige Leben zu ergreifen.

 

Gott schien indessen mit Alexius, der die Worte des Evangeliums, man solle um Christi willen Vater, Mutter und Braut verlassen, wortwörtlich befolgte, zufrieden zu sein. Denn nachdem der Heilige wieder siebzehn Jahre wie zuvor in Edessa, so jetzt unter der Treppe des Elternhauses arm und unbekannt gelebt hatte, starb er in aller Heimlichkeit. Aber im gleichen Augenblick, als er den letzten Atemzug tat, begannen die Glocken der Stadt von selbst an zu läuten. In Sankt Peter wurde eine Stimme gehört, die verkündete, dass der Heilige von Rom gestorben sei. Da zogen Papst und Kaiser und alles Volk zu dem Haus, in dem die Leiche des Gottesmannes lag. Und man fand in den Kleidern des Toten einen Zettel, auf dem Alexius sein Leben beschrieben hatte. Auch Wunder ereigneten sich sogleich ohne Zahl, und als man Alexius begrub, erbaute man über seinem Grab eine herrliche Kirche, die heute noch steht. Alexius starb unter dem Papst Innozenz I. am 17. Juli 417.

 

Man kann den heiligen Alexius zwar bewundern, aber nicht nachahmen. Anders ist es allerdings mit der Demut überhaupt, die ein jeder Christ üben muss, wenn er in den Himmel eingehen will.