Die heilige Adelheid, Deutsche Kaiserin, + 16.12.999 - Fest: 16. Dezember

 

So nahe ist heute das Weihnachtsfest herangerückt, dass derjenige, der scharfe Ohren hat, von weitem das Gloria der Engel auf Betlehems Fluren schon hören kann, und wer helle Augen besitzt, sieht bereits das göttliche Kind, Maria und Josef, Ochs und Esel und die Hirten, wie sie sich eilends auf den Weg machen zu der Krippe im Stall. Noch sechsmal schlafen, dann ist Weihnachten.

 

Es ist ja so, dass sich hinter der Krippe das Kreuz von Golgatha deutlich abhebt, und die heutige Legende wird uns daran erinnern, dass aus der glücklichen Mutter, die vor der Krippe kniet, später die Schmerzensmutter wurde. Nicht die Freude hat uns erlöst, sondern das Leid, und erst aus dem Leid erblüht des Christen Freude.

 

So tritt heute Sankt Adelheid vor uns hin, jene Frau auf dem deutschen Kaiserthron, die viel Kreuz und Leid getragen hat und die deswegen, wie andere Mütter auch, der Schmerzensmutter ähnlich ist.

 

Als Königskind kam Adelheid zur Welt, aber mit sechs Jahren verlor sie den Vater, König Rudolf II. von Burgund, durch den Tod. Wie arm ist doch ein Kind, das keinen Vater mehr hat, arm selbst dann, wenn es in Samt und Seide gekleidet geht und ein Krönlein auf dem Haupt trägt. So begann vor der Zeit das Leid in Adelheids Leben.

 

Mit sechzehn Jahren wurde Prinzessin Adelheid mit dem König Lothar II. von Italien vermählt. Da war sie eine Königin, obwohl sie noch ein Kind war. In einem Alter, da sich bei den jungen Menschen Jugendlust und Jugendfreude recht entfalten, begann bei Adelheid bereits der bittere Ernst des Lebens, denn gebieterisch traten die Pflichten an sie heran, Pflichten dem Gatten und dem Volk gegenüber, dessen Herrscherin sie war. Allzu früh auch wurde die Königin Mutter eines lieben Mädchens, das in der heiligen Taufe den Namen Emma erhielt. Wohl sind Mutterfreuden schön, aber Mutterlast drückt auch schwer.

 

Erst drei Jahre war Adelheid Königin, als der königliche Gatte starb. Ein Nachbarfürst, der Herzog Berengar von Ivrea, soll ihn vergiftet haben, weil er selbst König von Italien werden wollte. Mit sechs Jahren hatte Adelheid den Vater verloren, und mit neunzehn Jahren war sie eine Witwe.

 

Es sollte noch schlimmer kommen. Herzog Berengar versuchte nämlich, die Witwe zu zwingen, seinen Sohn Adelbert zu heiraten, und als sich Adelheid entschieden weigerte, auf den Plan einzugehen, nahm ihr der Bedrücker Schmuck und Geschmeide weg, setzte sie am Gardasee hinter Schloss und Riegel und behandelte sie wie eine Verbrecherin.

 

Eines Nachts jedoch entwich die Gefangene. Im schwankenden Kahn fuhr sie ein mitleidiger Fischer über den See. An den folgenden Tagen hielt sich die leidgeprüfte Frau vor Berengars Häschern, die mit Hunden hinter ihr her waren, hungernd und frierend, das Kindlein Emma im Arm, im feuchten Schilf am See und in Höhlen und hinter Büschen verborgen.

 

Doch dann kam der edle Otto der Große, an den sich Adelheid durch einen Boten gewandt hatte, der Bedrängten zu Hilfe, rückte mit Heeresmacht heran, besiegte den Übeltäter Berengar, und am hochheiligen Weihnachtsfest des Jahres 951 vermählte sich Otto mit Adelheid. Es war für die Verfolgte ein schönes Weihnachtsfest. Die verstoßene Königin von Italien wurde deutsche Königin, und zehn Jahre später erhielt sie aus den Händen des Papstes neben dem Gatten die kaiserliche Krone aufs Haupt gesetzt.

 

Adelheid war eine gute, fromme, wohltätige, heilige Kaiserin, und deswegen musste sie auch als Kaiserin viel Leid tragen, denn das Kreuz bleibt den Christen treu, und am treuesten folgt es den Heiligen Schritt für Schritt.

 

Von den vier Kindern, die Adelheid dem Gatten schenkte, starben zwei im jugendlichen Alter. Es war ein hartes Geschick, denn mit jedem Kind, das eine Mutter begraben muss, wird auch ein Stück von ihr begraben, und erst vierzig Jahre war Adelheid alt, als sie zum zweiten Mal Witwe wurde. Bald darauf entzweite sich Adelheids Sohn Otto II. mit der Mutter, und Adelheid wurde vom kaiserlichen Hof verbannt. Unglück auf Unglück traf in der Folgezeit den ungeratenen Sohn, und unter den Schicksalsschlägen litt niemand mehr als die ferne Mutter, denn das Leid der Kinder drückt doppelt schwer das Herz der Mütter. Kaiserin Adelheid konnte nur weinen und beten, bis endlich Otto ein Einsehen bekam und reuig die Mutter heimrief.

 

Doch da hatte sich Adelheids Leidenskelch bereits randvoll gefüllt und lief über. Bald darauf starb die Heilige im Jahre 999, nachdem sie vorher auch noch Otto hatte begraben müssen. Alle Mütter haben es schwer, und je mehr eine Mutter der Schmerzensmutter gleicht, desto schwerer hat sie es. Es ist gut, dass Sankt Adelheid uns kurz vor Weihnachten an diese Tatsache erinnert. Hinter der Krippe steht schon das Kreuz.