Der heilige Adalbert, Bischof von Prag und Martyrer zu Tenkitten, + 23.4.1005 - Fest: 26. April

 

Adalbert oder Adelbert, aus einer der edelsten Familien in Böhmen entsprossen, wurde im Jahr 956 geboren und erhielt in der heiligen Taufe den Namen Woytiech, was in der slawischen Sprache so viel wie „Heereshilfe“ bedeutet. Sein Vater hieß Slaviks und war der Sohn eines Grafen von Libycze. Nach dem Willen der Eltern sollte Adalbert einst ihren adeligen Namen fortpflanzen. Aber Gott, der etwas anderes mit ihm vorhatte, ließ in seiner frühesten Kindheit eine Krankheit bei ihm zu, die ihn an den Rand des Grabes brachte. Die Eltern, in der Angst ihr Liebstes zu verlieren, nahmen ihre Zuflucht zur allerseligsten Jungfrau Maria, legten das kranke Söhnlein auf ihren Altar und gelobten, es im geistlichen Stand dem Dienst des Allerhöchsten widmen zu wollen, wenn Maria durch ihre mächtige Fürbitte ihm die Gesundheit wieder verschaffe. Ihr Gebet wurde erhört und der Junge wurde vollkommen gesund. In Anbetracht ihres Versprechens sendeten die Eltern den Jungen, sobald er das entsprechende Alter erreicht hatte, auf die damals hochberühmte Schule in Magdeburg, die der gelehrte Mönch Aderich leitete. Der junge Woytiech machte glänzende Fortschritte und gewann die Zuneigung des Erzbischofs Adalbert, der ihm in der heiligen Firmung als Pate seinen eigenen Namen beilegte. Diesen führte er von nun an beständig.

 

Im Jahr 979 kehrte Adalbert in seine Heimat zurück und brachte eine für jene Zeit ansehnliche Büchersammlung, insbesondere aus den Werken der heiligen Kirchenvätern bestehend, mit dahin. Zwei Jahre danach empfing er in Prag durch den Bischof Dittmar die geistlichen Weihen. Anfangs war sein Leben nicht so, wie es sich für einen Geistlichen gehört. Er liebte die Freuden der Welt mehr, als es sein Stand erlaubte, und vergeudete damit viel Zeit nutzlos. Doch bewahrte ihn der Herr durch seinen besonderen Schutz vor dem Unglück, in schwere Sünden zu fallen, und öffnete ihm durch ein erschütterndes Ereignis die Augen, dass er den Abgrund erkannte, vor dem er stand. Der Bischof von Prag erkrankte plötzlich und wurde auf dem Totenbett von nagenden Gewissensbissen über seine laue Amtsführung und seine Liebe zu Ehren und Reichtümern gepeinigt. Von schrecklicher Angst vor dem Gericht des Herrn ergriffen, stöhnte er verzweifelnd: „Wehe mir, ich unglückliches Schlachtopfer des Todes werde dem Ort nicht entgehen, wo das Feuer nicht erlischt und der Wurm nicht stirbt!“ Diese Szene, deren Augenzeuge er war, machte den tiefsten Eindruck auf Adalbert und bahnte ihm den Weg zur Heiligkeit. Auf der Stelle fasste er den Entschluss, den Eitelkeiten der Welt für immer zu entsagen und in Zukunft ein wahrhaft geistliches Leben zu führen. Und somit legte er eine Generalbeichte ab – sicher der beste Anfang einer gründlichen Besserung -, beweinte mit heißen Tränen der Reue alle Fehler, die er begangen hatte, und unterzog sich den strengsten Bußübungen.

 

Als nach Dittmars Tod zur Wahl eines Nachfolgers geschritten wurde und nicht nur Geistlichkeit und Volk, sondern auch Herzog Bodeslaus der Fromme mit allen Großen des Reiches sich zu diesem Zweck versammelten und Gott anriefen, „er möge ihnen zu erkennen geben, auf wen sie ihre Wahl lenken sollten,“ da kamen alle einstimmig überein, dass ihr Landsmann Adalbert der Würdigste für den bischöflichen Stuhl sei. Dieser aber, nicht weniger erstaunt als betrübt, wollte die Wahl durchaus nicht annehmen und berief sich auf seine Jugend, die ihn unfähig mache, andere zu leiten, da er vielmehr selbst noch eines Leiters bedürfe. Allein alle Entschuldigungen blieben fruchtlos. Die Wahl ging am 19. Februar 983 wirklich vor sich und es wurden gleich nach deren Beendigung Abgeordnete nach Verona an den Kaiser gesendet, um dessen Genehmigung einzuholen. Adalbert, der sich schmeichelte, der Kaiser werde ihn nicht bestätigen, war selbst unter den Gesandten. Aber seine Hoffnung wurde enttäuscht, die Wahl genehmigt und er von dem eben anwesenden Erzbischof Vigellis von Mainz, seinem Metropoliten, zum Bischof geweiht. Von dieser Stunde an bis zu seinem Tod sah man ihn nie mehr lachen. Fragte man ihn nach der Ursache, so erwiderte er: „Es ist freilich eine glänzende Sache, eine Insel auf dem Haupt, einen Stab in der Hand und einen goldenen Ring am Finger zu tragen; allein an jenem großen Gerichtstag wird sich zeigen, wie schwer alle diese Dinge sind.“

 

Seinen Einzug in Prag hielt er voll Demut und Bescheidenheit mit bloßen Füßen und das Volk bezeigte laut seine Freude darüber, einen so heiligen Oberhirten erhalten zu haben. Unverzüglich traf er alle Anordnungen, um das ihm gesteckte Ziel zu erreichen. Dem Gebet und dem Gottesdienst, den bischöflichen Verrichtungen und den übrigen Berufsgeschäften wurden gewisse Stunden festgesetzt und alle Augenblicke weise benützt; „denn“, sagte Adalbert, „was ich einst zu meiner Kurzweil getan habe, ist jetzt eine tiefe und schmerzende Wunde für mein Herz“. Dem neuen Bischof war eine große Aufgabe gegeben. Das Christentum hatte in Böhmen nur erst schwache Wurzeln gefasst; noch hingen viele dem Heidentum an und die meisten Christen zeigten nur wenig Sinn für ein Leben im Geiste Jesu, sondern schadeten ihrem Glauben durch Laster aller Art. Adalberts eifrigstes Streben ging nun dahin, den Aberglauben aus seinem Bistum völlig auszurotten und unter den Christen die Tugenden des Glaubens, der Liebe, der Keuschheit und Mäßigkeit zu erwecken. Dabei ging er durch sein eigenes Leben mit dem schönsten Beispiel voran. Er zerlegte die Einkünfte seines Bistums in vier teile. Der erste war für den Unterhalt seiner Kirche bestimmt, der zweite für die Verpflegung der Chorherren, der dritte für die Unterstützung der Armen und den vierten behielt er für sich und die Bedürfnisse seines Hauses. Aber auch hiervon verschenkte er das meiste an die Notleidenden und speiste überdies jeden Tag zwölf Arme zu Ehren der zwölf Apostel und eine noch größere Zahl an Festtagen. Keinen Bedürftigen ließ er ohne Gabe von sich gehen. Eines Tages, als ihn eine arme Frau auf der Straße um ein Almosen ansprach, bestellte er sie für den folgenden Tag in seine Wohnung, da er nichts bei sich hatte. Kaum aber hatte die Bettlerin sich einige Schritte entfernt, so bereute er seine abschlägige Antwort, rief sie zurück und reichte ihr eines seiner Kleidungsstücke mit den Worten: „Nimm dieses für ein Almosen! Denn wer weiß, ob ich morgen noch lebe.“ Für sich verwendete der Heilige nur das Allernotwendigste. In seinem Zimmer stand ein einfaches Bett, aber nicht einmal darin schlief er, sondern auf dem bloßen Erdboden. Seinen Leib tötete er durch strenges Fasten und lange Nachtwachen ab. Beinahe jeden Tag predigte er und besuchte die Kranken und Gefangenen.

 

Leider blieben alle seine Bemühungen fruchtlos. Ein allgemeines Sittenverderbnis hatte im Land überhandgenommen; Vielweiberei und blutschänderische Ehen waren nicht selten, die Festtage wurden nicht gefeiert, die sonstigen Kirchengebote nicht geachtet, die schändlichsten Laster ohne Scheu begangen. Selbst die Geistlichkeit, die sich dem Verderben hätte entgegen setzen sollen, lebte in sündhaften Verbindungen, und so stand der Heilige beinahe ganz verlassen und musste Böses aller Art ertragen. Die Böhmen beschwerten sich über die allzu große Strenge ihres Oberhirten, trotzten ihm, ja sie erregten gegen ihn zu Prag einen Aufruhr, wobei sie alle Ehrfurcht vergaßen und ihn öffentlich verhöhnten. Überzeugt, dass er es mit einem unverbesserlichen Volk zu tun habe, das seinen Ausschweifungen durchaus nicht entsagen wolle, entschloss er sich, Böhmen zu verlassen, wo er doch nichts Gutes wirken konnte, und ging 989 mit bekümmertem Herzen nach Rom, um die Gräber der heiligen Apostel zu besuchen und sie um ihre Fürbitte anzusprechen. Zugleich stellte er dem Papst Johann XV. seine traurige Lage vor und erbat sich von ihm die Erlaubnis, von seinem Bistum wegbleiben zu dürfen. Dann gedachte er, das heilige Land zu bereisen. Aber die Benediktiner von Monte Cassino, die er deswegen befragt hatte, rieten ihm davon ab, und so kehrte er nach Rom zurück, wo er mit seinem Bruder Gaudentius im Kloster des heiligen Bonifatius das Ordenskleid nahm. Hier betrachtete er sich als den Niedrigsten der Genossenschaft und verschmähte keine Gelegenheit, die einfachsten Dienste zu verrichten, so dass niemand in dem jungen Mann einen Bischof ahnte.

 

Beinahe fünf Jahre war seit der Entfernung des Heiligen aus seinem Sprengel verflossen, als die traurige Lage der Kirche Prags den Herzog von Böhmen bewog, ihn durch den Erzbischof von Mainz vom Papst wieder zurück zu begehren. Der Heilige Vater erwog die Gründe und Verheißungen der Abgeordneten aus Böhmen und Adalbert musste im Jahr 994 aus Gehorsam mit ihnen heimziehen: Doch hatte er den Vorbehalt eingelegt, dass er seine Herde wieder verlassen dürfe, wenn sie sich nicht williger und leitsamer als zuvor beweisen würde. Kaum hatte sich die Nachricht von Adalberts Rückkehr in Prag verbreitet, als die Einwohner ihm in Menge entgegeneilten. Sie empfingen ihn mit den lebhaftesten Freudenbezeugungen und versprachen, sich seiner Unterweisung gehorsam zu fügen. Sobald er aber mit dem früheren Ernst auf Zucht, Ordnung und christliches Leben drang, wurde unter den Trotzigen die alte Unzufriedenheit lebendig. Zum anderen Mal verließ Adalbert Böhmen und ging wieder nach Rom in sein Kloster zurück.

 

Er hatte diesmal den Weg nach Italien durch Ungarn genommen, voll heiligen Eifers, die dortigen Heiden zu bekehren. Er kam dahin, als dem König Geisa eben ein Söhnlein geboren worden war. Adalbert taufte es und gab ihm den Namen Stephan; und dies ist derselbe Stephan, der in der Folge Begründer des Christentums in Ungarn und Heiliger wurde. Einige Schriftsteller erwähnen diese Mission in Ungarn sechs Jahre früher, nämlich in der Zeit, wo der Heilige seinen Sprengel zum ersten Mal verließ. Bald nach seiner Ankunft in Rom wurde er Prior seines Klosters und genoss die Auszeichnung, von Otto III. besucht zu werden, der nach Italien gekommen war, um sich zum Kaiser krönen zu lassen. Dieser fand solche Erbauung in dem geistreichen Gespräch und dem ganzen Benehmen Adalberts, dass er sich nur schwer wieder von ihm trennte. Inzwischen bewog das wiederholte Mahnen und Drängen des Erzbischofs von Mainz den Papst, unseren Heiligen abermals in sein Bistum zurückzusenden. Adalbert leistete Gehorsam, obwohl er wusste, dass alles vergeblich sein würde. Die Bewohner von Prag, weit entfernt, ihn wie früher zu empfangen, gerieten in Wut, als sie Kunde von seinem Kommen erhielten. Und damit nicht zufrieden, ermordeten sie sogar mehrere seiner Verwandten, plünderten ihre Güter und zündeten ihre Schlösser an. Von diesen Gräueln benachrichtigt, verließ Adalbert die Straße nach Prag und begab sich zu seinem Freund Boleslaus, dem Sohn des Herzogs Micislaus von Polen. Dieser Fürst schickte einige Zeit darauf Gesandte nach Prag und ließ die Bewohner fragen, ob sie Adalbert als ihren Bischof aufnehmen und ihm den schuldigen Gehorsam leisten wollten? Höhnisch antworteten die Böhmen, sie seien arge Sünder, Adalbert aber ein großer Heiliger, und somit taugten sie so wenig zusammen, wie Feuer und Wasser. „Überdies“, fügten sie bei, „ist es durchaus nicht die Sorge für unser Seelenheil, das den Bischof zu uns zu kommen drängt; seine einzige Absicht ist, den Tod seiner Verwandten zu rächen, und darum mag er keines guten Empfangs von unserer Seite gewärtig sein.“

 

So war Adalbert seiner Pflichten den Böhmen gegenüber ledig und entschloss sich jetzt, von der ihm vom Papst erteilten Erlaubnis, den Heiden das Evangelium zu predigen, Gebrauch zu machen. Er durchwanderte zuerst Polen und führte einen großen Teil dieses Landes der Kirche Christi zu. Danach ging er mit seinen Gefährten Benedikt und Gaudentius nach Preußen, dessen Bewohner, ursprünglich Sarmaten, die wildesten unter allen nordischen Heidenvölkern waren. Sie kümmerten sich wenig um die Schönheit der Tempel, beteten ihre Götzen in Eichenhainen an und opferten ihnen ihre Gefangenen. Gleichwohl gelang es Adalbert, durch sein eindringliches Wort in Danzig wunderbare Bekehrungen zu erwirken. Von dieser Stadt begab er sich auf eine kleine Insel, um auch dorthin die Leuchte des Glaubens zu tragen. Hier aber wurde er von den Heiden mit tausend Unannehmlichkeiten überhäuft, ja einer von ihnen ergriff ihn von hinten, als er eben den Psalter betete, und versetzte ihm mit einem Ruder einen so harten Schlag, dass er halbtot zu Boden sank. Als er wieder zu sich gekommen war, dankte er Gott, der ihn gewürdigt hatte, an der Schmach Jesu teilzunehmen, und setzte seinen Stab weiter. Aber wohin er kam, wurde er mit Schimpf und Misshandlungen empfangen, und endlich befahlen ihm die Heiden unter Androhung des Todes, ihr Land sofort zu verlassen. Der Gewalt weichend zog der Heilige sich zurück. Aber als er eines Tages, von der Reise ermüdet, in der Gegend, wo jetzt das Städtlein Fischhausen erbaut ist, einige Augenblicke zur Ruhe sich hinsetzte, wurde er von einem Schwarm Heiden überfallen und samt seinen Genossen gefangen genommen. Da opferte Adalbert in inbrünstigem Gebet Gott sein Leben auf und flehte für seine Feinde um Vergebung. Zu seinen Gefährten sprach er, sie zur Standhaftigkeit ermunternd: „Meine Brüder, die Macht dessen, für den wir leiden, ist größer, als jede andere Macht. Seiner Größe ist keine gleich. Keine Güte misst sich mit der seinigen!“ Kaum hatte er geendet, so durchbohrte eine Lanze, von dem Götzenpriester Siggo geworfen, sein Herz. „Freue dich nun“, schrie ihm der Mörder zu, „jetzt geht dein Wunsch, für deinen Jesus zu sterben, in Erfüllung!“ Noch sechs andere bohrten ihre Lanzen in seinen Leib, und so vollbrachte der Heilige sein glorreiches Martyrium am 23. April 997. Die Heiden schnitten dann den Kopf vom Rumpf und steckten ihn auf einen Pfahl. Benedikt und Gaudentius schleppten sie als Gefangene mit sich fort.

 

Boleslaus löste den Leichnam Adalberts gegen eine große Summe aus und setzte ihn einstweilen in der Abteikirche zu Tremezno bei, von wo er aber schon im folgenden Jahr in die Domkirche von Gnesen übertragen und dort zur öffentlichen Verehrung ausgestellt wurde. Im Jahr 1039 nahmen ihn die Böhmen, nachdem sie sich der Stadt bemächtigt hatten, hinweg und führten ihn nach Prag ab. Der heilige Adalbert wird allgemein der Apostel der Preußen genannt.