Der heilige Achatius (Acacius), Bischof von Melitene, Armenien, + 251 - Fest: 31. März

 

In den Akten, die uns über die Bekenner und Blutzeugen der ersten christlichen Jahrhunderte überliefert sind, finden sich oft die ganzen Gerichtsverhöre aufgezeichnet. Der Inhalt dieser Verhöre lässt uns nicht nur den Gang und die Art des gerichtlichen Verfahrens erkennen, er gibt uns vor allem recht dankenswerte Aufschlüsse über die Anschauungen, den Glauben, das Hoffen und Lieben der ersten Christen.

 

Acacius, Achatius, war Bischof von Melitene oder von Antiochien (nicht der bekannten Hauptstadt Syriens) in der Landschaft Melitene in Kleinarmenien. Er erwies sich als „ein Schirm und eine Zuflucht der ganzen Gegend von Antiochien“ und, wie sein Beiname „Agathangelus“, guter Engel, beweist, als ein treuer Führer und Schützer seines Volkes. Als darum Kaiser Decius, nach längerer Zeit der Ruhe für die Christen, sein bekanntes Edikt erließ, das alle Christen aufforderte, den römischen Götzendienst mitzumachen, und sie im Fall der Weigerung mit den härtesten Martern bedrohte, wurde sofort auch Bischof Achatius vor Gericht geschleppt, weil man die christliche Herde am leichtesten dadurch rat- und schutzlos machen zu können glaubte, dass man ihre Hirten durch den Martertod entfernte oder gar zum Abfall brächte. Alle Qualen der Kerker und Erfindungen der Grausamkeit wurden damals angewendet. Da viele Christen infolge der langen Ruhe und Sicherheit den alten Heldengeist der Martyrer früherer Zeit eingebüßt hatten, litt das Boot des heiligen Petrus manch traurigen Schiffbruch, in Rom wie in Karthago, in Alexandrien und in Smyrna. Umso ruhmvoller glänzen diejenigen, die mit unüberwindlichem Starkmut an ihrem Glauben hingen und mit Christus „die Welt überwanden“. Achatius wurde ein solch ruhmbedeckter, mutvoller Bekenner, ist aber schließlich ein seltenes Beispiel geworden, wie der Edelmut und die Glaubenstreue eines standhaften Mannes selbst Verfolgern wie Decius ein Gefühl der Hochachtung und schonender Milde abzuringen vermochten.

 

Der kaiserliche Statthalter, Konsular Martianus, eröffnete das Verhör folgendermaßen: „Du musst unsere Fürsten lieben, da du unter dem Schutz der römischen Gesetze lebst.“ Achatius antwortet: „Wem liegt das wohl mehr am Herzen und von wem wird wohl der Kaiser so geliebt, als von den Christen? Denn wir beten eifrig und beständig für ihn, dass er lange lebe und in Gerechtigkeit über die Völker herrsche, und besonders dass seine Regierung friedlich bleibe. Dann beten wir auch für das Heil der Soldaten und für alle Stände im Reich.“ Martian: „Dies ist sehr löblich; aber damit der Kaiser noch größere Beweise deiner Unterwürfigkeit habe, komm und bring ihm mit uns ein Opfer dar.“ Achatius: „Ich bete zu meinem Herrn, dem wahren und großen Gott, für die Wohlfahrt des Kaisers; ein Opfer aber kann dieser von uns nicht verlangen, noch dürfen wir es ihm leisten. Wer wird denn einem Menschen göttliche Ehre erweisen?“ Martian: „Sage, zu welchem Gott betest du denn, damit auch wir ihm göttliche Opfer darbringen.“ Achatius: „O wie sehr wünschte ich, dass du meinen Gott erkenntest! Wie sehr wäre dir diese Erkenntnis zum Heil!“ Martian: „So sage mir doch seinen Namen!“ Achatius: „Es ist der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs.“ Martian: „Sind das lauter Namen von Göttern?“ Achatius: „Nein, nicht diese sind Götter, sondern der zu ihnen geredet hat, ist der wahre Gott. Diesen müssen wir verehren.“ Martian: „Wer ist denn dieser?“ Achatius: „Der allerhöchste Herr, der über den Cherubim und Seraphim thront.“ Martian: „Seraphim? Was ist das?“ Achatius: „Ein Diener des höchsten Gottes, der vor seinem erhabenen Thron steht.“

 

Dem Martian war diese Belehrung zu hoch. Er wollte den christlichen Lehrer wieder auf das Opfer zurückbringen, das er seinen, den heidnischen Göttern, wie dem Apollo und anderen, schulde. Da aber ging der Bischof in längerer Rede auf die Ungereimtheiten der alten Göttergeschichten ein und gab sie unbarmherzig der gebührenden Lächerlichkeit preis. „Dem Apollo soll ich opfern, der nach unserer Meinung getötet worden ist? Der unglückselig von Liebe zu einem Mädchen entbrannt (der Daphne nämlich, die dem Apollo entfliehend, in einen Lorbeerbaum verwandelt worden ist), erschreckt davon lief, ohne zu wissen, dass er die so sehr gewünschte Beute verlieren würde. Er war also offenbar nicht allwissend, weil er das nicht wusste, er war auch kein Gott, weil er sich von einem Mädchen betrügen ließ. Der einen gewissen Hyazinthus, den er liebte und zu sehen wünschte, unwissend und jämmerlich mit dem Diskus (einer Wurfscheibe) tötete? Der zur Strafe, weil er die Cyklopen, die Knechte Vulkans, tötete, neun Jahre lang fremde Schafe (die des Königs Admetus von Thessalien) hüten musste? Dem soll ich opfern? Oder vielleicht dem Äsculap, den Jupiters Donnerkeil erschlug? Oder der ehebrecherischen Venus oder den übrigen Ungeheuern, sollte ich denen etwa Opfer bringen? Um dieses Leben zu erhalten, sollte ich die anbeten, die nachzuahmen ich mich schämen müsste? Die ich verachte, die ich anklage, die ich verabscheue? Ja, die Taten begangen haben, die keinen, der sie nachahmen wollte, von der Strenge eurer Gesetze schützen würden? Ihr ehret noch das an ihnen, was ihr an anderen verdammt?“

 

Als der Statthalter dem mutigen Bekenner mit der kurzen Drohung: „Entweder du opferst oder du musst sterben“, die Rede abschneiden wollte, da antwortete er treffend: „Das können auch die Dalmater (eine bekannte Räubergesellschaft), die in der Räuberkunst so erfahren sind, die im Hinterhalt lauern, und sobald ein Wanderer irgendwo den Fuß hinsetzt, ihn zwingen, entweder sein Geld oder das Leben zu lassen. Da fragt auch keiner, was Recht ist, sondern nur, was er mit Gewalt erzwingen kann. So ist auch dein Urteil, da du eine Ungerechtigkeit von mir forderst, und wenn ich sie nicht begehe, mit dem Tode drohst. Aber ich erschrecke nicht, ich fürchte nichts ... Wenn ich eines jener Verbrechen schuldig wäre, wie sie das öffentliche Recht bestraft, so würde ich mich selbst verurteilen, noch ehe du das Urteil aussprichst. Wenn ich aber nur deswegen, weil ich den wahren Gott verehre, bestraft werden soll, so werde ich nicht nach dem Gesetz, sondern nach der Willkür des Richters verurteilt. Es steht geschrieben: „Jeder wird, wie er richtet, auch gerichtet werden“ (Mt 7,2). Wie du also tust, so wird auch dir geschehen.“

 

Martian erwiderte: „Ich bin nicht beauftragt zu richten, sondern zu zwingen. Wenn du dich also weigerst, so kannst du der Strafe gewiss sein.“

 

Darauf gab Achatius die mannhafte Antwort: „Auch ich habe ein Gebot, nämlich dass ich meinen Gott nicht verleugne. Wenn du dich verbunden hältst, einem sterblichen Menschen zu gehorchen, von dem du weißt, dass er bald aus dieser Welt scheiden und eine Speise der Würmer sein wird, wieviel mehr muss ich dem allmächtigen Gott gehorchen, dessen Kraft in Ewigkeit währt und der den Ausspruch getan hat: „Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde ich auch vor meinem Vater verleugnen, der im Himmel ist“ (Mt 10,33).

 

Das Wort vom „Vater im Himmel“ gab dem Heiden Anlass, näher nach dem „Sohn Gottes“ zu forschen. Achatius erklärte: „Der Sohn Gottes sei das Wort der Wahrheit und der Gnade. Er wird Jesus Christus genannt. Gott hat aber seinen Sohn nicht nach der Weise der Menschen gezeugt. Wie er den ersten Menschen aus Lehm geformt und ihm dann erst Odem und Geist gegeben hat, so ist auch der Sohn Gottes, das Wort der Wahrheit, aus dem Herzen Gottes hervorgegangen. Darum steht geschrieben (Psalm 44,1): „Mein Herz hat ein gutes Wort ausgegossen.“ Gott allein erkennt das. Wir aber erkennen sein unsichtbares Wesen nicht, sondern wir verehren nur seine Macht und Gewalt.“

 

Auf die Aufforderung hin, die Namen der Seinen zu nennen, gab der heilige Bischof die schöne Antwort: „Ihre Namen sind im Buch des Lebens mit göttlicher Schrift aufgezeichnet. Wie können sterbliche Augen das sehen, was die unvergängliche und unsichtbare Kraft Gottes aufgezeichnet hat? Ihr beschuldigt uns einer zauberischen Kunst und der Einführung einer neuen Art Religion. Wir zerstören aber nur Götter, die ihr selbst vorher macht und dann doch fürchtet, obwohl ihr sie selbst gemacht habt. Eure Götter werden euch bald ausgehen, wenn eure Bildhauer keine Steine oder die Steine keine Bildhauer fänden. Wir aber fürchten den, den nicht wir gebildet haben, sondern der uns gebildet hat, der uns als unser Herr erschaffen, als Vater geliebt und als höchster Wohltäter dem ewigen Tod entrissen hat.“

 

Das waren doch wahrhaft köstliche Antworten! Selbst Kaiser Decius muss sie so befunden haben. Denn als ihm, während der treue Bekenner im Kerker schmachten musste, der ganze Prozess vorgelegt wurde, da „fing er an zu lachen, wie die Akten sagen, und gab bald darauf dem Martian die Präfektur von Pamphilien, den Achatius aber bewunderte er in hohem Grad und ließ ihm das Bewusstsein seines Wertes und seiner Religion.“ Das geschah im Jahr 250. Achatius scheint, nach weiterer segensreicher Wirksamkeit für die christliche Kirche, eines sanften Todes gestorben zu sein. Wenn er auch mit dem Titel Martyrer geschmückt wird, so hat er ihn verdient durch sein mutiges Bekenntnis und seine Kerkerhaft, die kaum ohne Entbehrungen und Leiden abgelaufen sein wird.

 

Der wahre Christ und Katholik verteidigt einer ungläubigen Regierung gegenüber seine religiöse Überzeugung unter den größten Opfern. Dieselbe Überzeugung und Gewissenhaftigkeit aber hält ihn an, für die ungerechte Obrigkeit zu beten. „Jedermann sei den höchsten Obrigkeiten untertan, denn die Obrigkeit ist von Gott“ (Röm 13,1).