Heilige im November

 

1. November

 

Das Fest Allerheiligen

 

Am schwersten haben es die Bauersleute im Sommer. Bei jedem Wetter, bei Regen, Wind und Gluthitze müssen sie draußen sein, müssen pflügen und eggen und säen und pflanzen und jäten und mähen und einfahren, müssen mit der frühen Sommersonne aufstehen und dürfen sich erst am späten Abend zur Ruhe legen, alle Tage, monatelang. Im Sommer haben es die Bauersleute schwer.

 

Umso schöner ist für sie der Herbst, wenn die Ernte beendet ist, wenn der Boden voll von duftigem Heu und warmem Stroh, der Speicher voll Korn, die Keller voll Knollen und Kartoffeln sind. Da hat sich alle Arbeit hundertfach gelohnt, und in den Stuben der Bauernhäuser wohnen Freude und Zufriedenheit.

 

Ähnlich wie den Bauersleuten im Herbst ergeht es am heutigen Fest Allerheiligen unserer heiligen Mutter, der katholischen Kirche. Auch die Kirche arbeitet das ganze Jahr hindurch ohne Unterlass durch das heilige Opfer, durch Gebet, Predigt, Unterricht und durch die Spendung der heiligen Sakramente an der Saat Gottes, die auf Erden der Ewigkeit entgegenreift. Vergeblich ist leider oft alle Mühe, oft, aber nicht immer, denn manche Frucht ist reif geworden und in den Himmel eingefahren, und deshalb ist auch über die Kirche am heutigen Tag, da das Kirchenjahr langsam dem Ende zugeht, eine festliche Erntestimmung gekommen. Voll Freude führt sie uns in die Himmelsscheuer und zeigt uns die reichen Ernteschätze, die Heiligen alle.

 

Wie viele mögen es sein? Millionen und Millionen sind es aus allen Völkern und Stämmen. Es kann gar nicht anders sein, denn wer ohne schwere Sünde auf dem Herzen stirbt, der gelangt nach abgebüßtem Fegfeuer in den Himmel. Viele aber sind es, die gut gestorben sind und sich heute in der Seligkeit ohne Ende freuen. Viele sind es bestimmt, denn sonst wäre Gottes unendliche Barmherzigkeit eitel und Christi Leiden und Tod wären für die meisten umsonst gewesen, was man nicht annehmen kann.

 

Selten zwar gibt uns die Kirche durch die Heiligsprechung eines Menschen die Gewissheit, dass er im Himmel ist, desungeachtet aber bietet uns der Glaube das Recht zu der Annahme, dass die Zahl der Auserwählten überwältigend groß sein muss. Hat übrigens nicht der Heiland selbst, lange vor den ersten Seligsprechungen durch die Päpste, die Menschen scharenweise seliggesprochen? Man lese nur das heutige Evangelium. Da heißt es in einem fort: „Selig ..., Selig ..., Selig ...!“

 

Millionenstark ist die Zahl der Auserwählten im Himmel. Die meisten von ihnen sind auf Erden unbekannt, und eben deswegen feiert die Kirche heute das Fest Allerheiligen, damit auch die namenlosen Heiligen geehrt werden, die unabsehbare Schar jener, die christlich gelebt, treu ihre Pflicht erfüllt oder auch mit einer herzhaften Reue hinübergingen ins Fegfeuer und von dort Einlass in den Himmel fanden.

 

Darunter sind auch solche, die wir gekannt haben, Leute, mit denen wir sprachen, mit denen wir in der Kirche oder in der Schule beisammen waren, mit denen wir in der Eisenbahn fuhren oder am Fernsehgerät saßen, Leute im Arbeitskittel oder in Sportkleidung, denn Gottes Barmherzigkeit, Liebe und Güte sind unermesslich groß und weit wie ein Mantel, der die ganze Erde bedeckt.

 

Sicher sind unter den Heiligen auch Menschen aus unserer Verwandtschaft. Als sich die gottselige Anna Katharina Emmerick einst auf dem heimatlichen Friedhof befand, sah sie mit ihren übernatürlich hellen Augen, wie aus manchen Gräbern Lichtstrahlen hervorleuchteten, die von den Überresten jener Heiligen ausgingen, die dort ruhten und von denen niemand wusste, dass sie Heilige waren, denn es waren ganz gewöhnliche Menschen aus dem Dorf oder der Stadt gewesen. Die Tatsache aber, dass sich unter ihnen auch solche aus Anna Katharina Emmericks Verwandten befanden, erfüllte die Seherin mit unaussprechlicher Freude.

 

Auch in unserer Familie gibt es Heilige, und wenn wir morgen an den Gräbern unserer Lieben für ihre Seelenruhe beten, so sollten wir heute die Heiligen aus unserer Familie anrufen und uns ihrem Schutz anempfehlen, denn diese stehen uns von allen Heiligen am nächsten, und lebenslang sollen wir uns bemühen, in ihre Fußstapfen zu treten, sollen wie sie christlich leben und sterben, und dann wird dereinst am heutigen Allerheiligentag, so Gott will, einmal auch unser Heiligenfest von der ganzen Kirche gefeiert werden.

 

Die heilige Dienstmagd und Martyrin Maria,

+ 1.11.138 - Fest: 1. November

 

Maria war eine Sklavin des römischen Senators Tertullus. Sie bekannte sich von ihrer Geburt an zum Christentum und war die einzige im ganzen Haus ihres Herrn, die Jesus Christus kannte. Sie betete viel und fastete häufig, und zwar besonders an den Tagen, die die Heiden durch ihre gottlosen Feste schändeten. Diese Andachtsübung zog ihr manche Misshandlung von Seiten ihrer Gebieterin zu; aber ihre Genauigkeit und Treue in Erfüllung aller ihrer Pflichten gewannen ihr die Liebe ihres Dienstherrn.

 

Diokletians Befehle zur Ausrottung des Christentums verbreiteten damals allenthalben Furcht und Schrecken. Tertullus bot daher alle Mittel auf, Maria zu bewegen, dass sie den Götzen opfert; aber nichts vermochte ihre Standhaftigkeit zu erschüttern. Der Senator ließ sie dann auch, aus Furcht, seine Sklavin zu verlieren, wenn sie als Christin angezeigt würde, und zugleich von übel verstandenen Mitleid gerührt, grausam mit Ruten schlagen, in der Hoffnung, sie zu anderen Gesinnungen zu bringen. Nach dieser Züchtigung verschloss er sie 30 Tage in ein finsteres Kerkerloch, wo sie nur so viel Nahrung erhielt, wie ihr zur Erhaltung des Lebens unentbehrlich war. Doch Maria fand ihren Trost und ihre Stärke im Gebet. Sie freute sich, dass sie nichts mehr in der Welt zu hoffen habe und für ihren Heiland, der auch für sie gestorben ist, etwas leiden könne. Zuletzt erfuhr der Richter den ganzen Hergang. Er rechnete es dem Tertullus zum Verbrechen, dass er eine Christin in seinem Haus verborgen habe, und die Sklavin musste ihm ausgeliefert werden. In dem hierauf erfolgten Verhör antwortete Maria ebenso bescheiden als entschlossen. Als aber das Volk hörte, dass sie sich als Christin bekannte, forderte es mit lautem Geschrei, dass sie lebendig verbrannt werde. Die Heilige betete indes zu Gott um Kraft und Mut, worauf sie schließlich zu dem Richter sagte: „Der Gott, dem ich diene, ist mit mir. Ich fürchte daher deine Peinigungen nicht, die höchstens mir das Leben nehmen können, das ich so sehnlich für Jesus zu opfern wünsche.“

 

Der Richter ließ nun die Heilige so grausam peinigen, dass das Volk, das kurz vorher ihren Tod begehrte, den grauenvollen Anblick nicht ertragen konnte, und die Folterungen beendigt wünschte. Um den Folgen dieses sich erhebenden Protestes zuvor zu kommen, befahl der Richter den Schergen, Maria von der Folterbank zu lösen. Sie wurde hierauf der Bewachung eines Soldaten übergeben. Die Heilige, geängstigt durch die besonders ihrer Keuschheit drohende Gefahr, fand Mittel, zu entrinnen und sich zwischen Felsen zu verbergen. Sie beschloss schließlich ihr Leben durch einen glückseligen Tod, jedoch nicht durch das Schwert. Im römischen und anderen Martyrologien wird sie Martyrin genannt, weil man diesen Namen oft jenen beilegte, die großmütig für Jesus Christus gelitten hatten, wie wir beim heiligen Zyprian und einigen anderen Schriftstellern des kirchlichen Altertums ersehen.

 

Der heilige Cäsarius, Diakon und Märtyrer von Terracina,

+ 1.11.300 – Fest: 1. November

 

Es bestand zu Terracina in Italien der ebenso grausame als gottlose Brauch, dass bei gewissen feierlichen Gelegenheiten ein Jüngling freiwillig sein Leben dem Apollo, der Schutzgottheit diese Stadt, zum Opfer darbrachte. Seine Mitbürger, die ihn lange vorher liebkosten, schmückten ihn zuletzt auf das prachtvollste. Und in diesem Schmuck opferte er sich dem Apollo. Nach Beendigung dieser Zeremonie stürzte er sich in das Meer und wurde von den Fluten verschlungen. Cäsarius, ein heiliger Diakon, der vor kurzem aus Afrika in diese Stadt gekommen war, musste einmal Zeuge dieses schrecklichen Auftritts sein. Er konnte seinen Unwillen nicht zurückhalten, und verdammte laut einen so verabscheuungswürdigen Aberglauben. Sogleich ließ ihn aber auch der Götzenpriester verhaften und vor den Statthalter führen. Der befahl, Cäsarius und den Priester Lucian in einen Sack zu binden, und in das Meer zu werfen. Der Urteilsspruch wurde auch vollzogen. Es war im Jahr 300, während der diokletianischen Verfolgung. Der heilige Gregor der Große berichtet uns, dass zu Rom eine alte Kirche gestanden sei, die den Namen des heiligen Cäsarius trug. Sie war eben schon zu einem Schutthaufen zerfallen, als sie Clemens VIII. prachtvoll aufbauen ließ, und zugleich seines Neffen Sohn, Sylvester Aldobrandini, zu deren Kardinalsdiakon ernannte. In den Sakramentarien des heiligen Gregor geschieht ehrenvolle Erwähnung des heiligen Cäsarius, so wie in dem von Fronteau herausgegebenen Martyrologium des 7. Jahrhunderts, und in jenen von Bedna, Usuard u.a.m. Seine von Surius bekannt gemachten Akten, sind aus späterer Zeit und verdienen wenig Glauben.

 

Der heilige Benignus, Priester und Märtyrer von Dijon,

Apostel von Burgund,

+ 1.11.169 – Fest: 1. November

 

Man glaubt, nach der Angabe beinahe aller Martyrologien, dass der heilige Benignus ein Schüler des heiligen Polykarp gewesen ist, dass er nach Gallien gekommen sei, das Evangelium zu verkünden mit dem heiligen Andochius und Thirsus, die am 24. September verehrt werden, und dass sie zuerst in Autun das Christentum verbreiteten, daselbst auch die Familie des Faustus, Vater des heiligen Symphorian, tauften. Von da begab sich der heilige Benignus nach Langres und dann nach Dijon, wo seine apostolischen Arbeiten gleich glücklichen Erfolg hatten. Allein sein Eifer für das Werk des Herrn kostete ihn schließlich das Leben. Er soll durch Winden ausgestreckt, mit Ochsensehnen zerfleischt worden sein. Auch wird erzählt, man habe ihm Pfriemen unter die Nägel eingezwängt, seine Füße mit geschmolzenem Blei in einen Stein befestigt, den man noch zur Zeit des heiligen Gregor von Tours sah, und ihn so zu wütenden Hunden eingeschlossen; ihm den Hals mit Eisenstangen zerhauen, und zuletzt mit einem Lanzenstoß das Leben genommen. Man beerdigte ihn an dem Ort seines Märtyrertodes. Der heilige Gregor, Bischof von Langres, zu dessen Diözese damals Dijon gehörte, ließ über dessen Grab eine Kirche bauen. Dies war der Ursprung der berühmten Abtei von St. Benignus in Dijon, die, bevor sie mit dem Bistum Dijon vereinigt wurde, zur Kongregation von St. Maurus gehörte. Der Name des heiligen Märtyrers Benignus steht in den Martyrologien. An anderen Tagen wird aber auch noch das Andenken an die Versetzung seiner Reliquien gefeiert.

 

Der heilige Austremonius (lat. Stremonius oder Strymonius),

1. Bischof von Clermont (Auvergne),

+ 3. Jahrhundert – Fest: 1. November

 

Der heilige Austremonius ist einer von jenen sieben berühmten Glaubenspredigern, die gegen die Mitte des 3. Jahrhunderts nach Gallien kamen. Er stiftete die Kirche von Auvergne, deren erster Bischof er war. In der Folge (um das 8. Jhd.) wurde dieser Sitz nach Clermont verlegt.Von den anderen Lebensumständen des Heiligen ist nichts bekannt. Man versichert, er sei an der Stelle begraben, wo später die Benediktinerabtei von Issoire, in Nieder-Auvergne, erbaut wurde, worin man auch sein Haupt aufbewahrte. Der größte Teil seiner Reliquien befand sich indessen in der Abtei Mauzac, bei Riom, und zu Pierre-Encise, ehemals St. Jvoine, in Aquitanien. Die Verehrung des heiligen Austremonius war seit dem 8. Jahrhundert in Frankreich sehr verbreitet. Sein Name steht auch am heutigen Tag im römischen Martyrologium.

 

Der heilige Marcellus, Bischof und Bekenner von Paris,

+ 1.11.436 – Fest: 1. November

 

Der heilige Marcellus wurde zu Paris von Eltern aus niedrigem Stand geboren. Die Reinheit, Bescheidenheit, Sanftmut, Nächstenliebe und Enthaltsamkeit waren die Tugenden, worin er sich von Kindheit an auszeichnete. Sein ganzer Lebenswandel war heilig, sagt der Verfasser seiner Lebensgeschichte, dass er nichts mit der Welt gemein zu haben und nicht einmal die Neigungen des Fleisches zu kennen schien. Wegen seiner ernsten Sitten und der bewunderungswürdigen Fortschritte in den Kenntnissen der Heiligen Schrift gewann ihn Prudentius, der Bischof von Paris, sehr lieb, und weihte ihn, seiner Jugend ungeachtet, zum Vorleser an seiner Kirche. Man sagt, unser Heiliger habe seit jener Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten bewiesen, dass ihm Gott die Wundergabe verliehen habe. Später wurde er zur Priesterwürde erhoben, und nach dem Tod des Prudentius erwählte man ihn einstimmig zum Bischof von Paris. Da er nur mit Zittern diese Würde übernommen hatte, wachte er auch unablässig mit der größten Sorgfalt über sich selbst, und oblag seinem Amt mit unermüdlichem Eifer. Man liest in seiner Lebensgeschichte, dass er das Land von einer Schlange befreit habe, die im Grab einer Ehebrecherin hauste. Allein der Verfasser dieser Lebensgeschichte schrieb 200 Jahre nach des Heiligen Tod, lebte nicht selbst an dem Ort, und scheint seine Erzählung einzig auf eine Volkssage zu stützen. Der heilige Marcellus starb zu Anfang des 5. Jahrhunderts, am 1. November. An diesem Tag ist sein Name im römischen Martyrologium verzeichnet, obgleich sein Fest erst am 3. November in Paris gefeiert wird. Er wurde in einem, eine Viertelstunde von der Stadt entfernten Dorf begraben, das aber jetzt die Vorstadt St. Marcel oder St. Marceau bildet. Zur Zeit Ludwig des Frommen, oder Karl des Kahlen, erbaute man eine Kirche unter dessen Namen, die bis auf die letzteren Zeiten, nach verschiedenen Ausbesserungen, sich erhalten hat. In der Folge versetzte man des Heiligen Reliquien in die Kathedralkirche.

 

Der heilige Vigor, Bischof und Bekenner von Bayeux, Frankreich,

+ 1.11.v.538 – Fest: 1. November

 

Der heilige Vigor, geboren in Artois, war ein Schüler des heiligen Vedastus. Sein Vaterland verlassend, kam er nach Neustrien, das damals den Franken unterworfen war, und hielt sich in der Gegend um Bayeux auf. Da in diesem Land noch die Abgötterei herrschte, arbeitete er mit unermüdlichem Eifer an deren Ausrottung, und Gott segnete sein Bemühen. Nach dem Tod des Bischofs von Bayeux, den man für den heiligen Contest hält, wurde er einmütig zu dessen Nachfolger erwählt. Man schreibt ihm die Stiftung dreier Klöster zu, unter anderen das von Cerisi. Er starb nach der wahrscheinlichsten Meinung, vor der Mitte des 6. Jahrhunderts und wurde auf dem Berg Phanus oder Chrismat begraben, wo auch ein Priorat seines Namens erbaut wurde. Sein Nachfolger war Leucad, der im Jahr 538 das 3. Konzil von Orleans unterschrieb. Sein Name steht im Martyrologium am 1. November als Tag seines Todes. Sein Fest in Bayeux wird am 3. November begangen. Zu Rouen führt eine Pfarrkirche seinen Namen.

 

2. November

 

Der Allerseelentag

 

Gestern war das Erntedankfest der Mutter Kirche, und heute ist sie schon wieder frisch an der Arbeit, denn außer den Heiligen, die als gesegnete Ernte bereits in der Scheune des Himmels geborgen sind, steht noch manche Frucht, schon geschnitten, in Wind und Regen draußen auf dem Acker. Es sind die Armen Seelen im Fegfeuer. Damit auch diese Garben bald eingefahren werden können, bittet heute die Kirche in ihrer mütterlichen Sorge alle lebenden Gläubigen, sich in christlicher Nächstenliebe an der Erntearbeit zu beteiligen und durch Opfer und Gebet dazu beizutragen, dass auch die bereits geschnittene Frucht bald geborgen wird.

 

Es sind die Armen Seelen aber auch wirklich arme Seelen, die unsere Hilfe überaus nötig haben. Warum sind sie denn arm? Aus verschiedenen Gründen.

 

In der Nähe der Hafenstädte steht, weit im Wasser vorgelagert, ein Leuchtturm. Jede Nacht sendet er in breiten Feuergarben sein Licht über das dunkle Meer, um den Schiffen draußen auf hoher See den Weg zu weisen. Wenn aber ein Vogel in den Lichtkegel des Leuchtturms gerät, so stößt er aus einem unerklärlichen Trieb darauf zu und würde sogar hineinfliegen, wenn ihn die dicke Glasscheibe nicht hinderte. Zahlreich sieht man die Vögel den Leuchtturm umkreisen, mutig nehmen sie den Anflug, prallen gegen die Scheibe, stürzen ab und stürmen wieder vor im steten Wechsel.

 

So ähnlich ist es mit den Armen Seelen. Solange der Mensch im vergänglichen Leib lebt, wird er immer wieder in seinen Gedanken von Gott abgelenkt auf tausend Dinge hin. Wenn aber die Seele die Hülle des Leibes abgelegt hat, so sind alle Gedanken einzig auf Gott gerichtet, und an nichts anderes kann sie mehr denken als nur an Gott allein. Die verlorene Seele tut es in Hass und Grimm, die Seele im Fegfeuer aber in unbeschreiblicher Sehnsucht. „Ach, einmal nur beim lieben Gott sein!“ Dieser Wunsch quält die Seele im Fegfeuer in unaussprechlicher Weise. Weit ist sie indessen noch vom Ziel der Sehnsucht entfernt, denn nichts Unreines geht ein in den Himmel. Keiner darf den Reinigungsort verlassen, bevor er nicht den letzten Rest lässlicher Sündenschuld und zeitlicher Sündenstrafen abgelitten hat. Darauf warten die Armen Seelen, lange und schmerzvoll, Minuten werden ihnen zu Jahren, und immer heftiger und quälender kreisen die Gedanken in ungestillten Heimweh um Gott, wie die Vögel das nächtliche Licht des Leuchtturms umfliegen.

 

Jetzt verstehen wir, warum wir so oft in unseren Gebeten um die ewige Ruhe der Verstorbenen bitten sollen. Wir tun es, damit die Armen Seelen aus der großen Sehnsuchtsqual endlich die Ruhe in Gott, der das ewige Licht ist, finden mögen. Wir tun gut daran, gerade dieses Gebet für die Armen Seelen mit inniger Andacht zu sprechen.

 

Arm sind die Armen Seelen ferner deswegen, weil sie unter reinigenden Strafen zu leiden haben, von denen die Gottesgelehrten sagen, dass sie in dieser Größe auf Erden nie ein Mensch zu erdulden hatte. Auch können sich die Armen Seelen in keiner Weise selbst helfen, denn mit dem Tod bricht die Nacht herein, in der niemand mehr wirken kann, und im Fegfeuer gibt es keine Heilige Messe und keine Sakramente und keine sonstigen Gnadenmittel mehr, da gilt es nur noch, zu leiden und zu dulden, und nichts können die Armen Seelen für sich selbst tun.

 

Die Lebenden aber können den Armen Seelen wohl und sogar kräftig helfen durch ein Gebet am Grab, durch den Rosenkranz, durch das Weihwasser, durch die Ablässe, durch die Heilige Messe, der wir zu ihrem Trost beiwohnen, und durch die heilige Kommunion, die wir für sie aufopfern.

 

Übrigens kann man auch auf die Dankbarkeit der Armen Seelen rechnen, und wenn wir später, so Gott will, Arme Seelen im Fegfeuer sind, so werden uns diejenigen bestimmt helfen, denen wir jetzt helfen.

 

Der heilige Viktorin, Bischof und Märtyrer von Pettau, Österreich,

+ 2.11.304 – Fest: 2. November

 

Gleich ausgezeichnet als gelehrter Kirchenvater, als seeleneifriger Bischof und unerschrockener Märtyrer tritt uns der heilige Viktorinus von Pettau in Steiermark entgegen. Vor seiner Bekehrung zum christlichen Glauben war er ein berühmter öffentlicher Redner und stammte wahrscheinlich aus Afrika. Er war der lateinischen und griechischen Sprache gleich mächtig und der heilige Hieronymus rühmt in seinen zahlreichen Schriften die Fülle frommer und schöner Gedanken. Er schrieb Abhandlungen über die fünf Bücher Mose, über den Propheten Jesaja, Ezechiel und Habakuk, über das Hohelied, die Geheime Offenbarung des heiligen Johannes, gegen die Ketzer und viele andere. Von diesen Schriften ist leider nur weniges erhalten geblieben. Auch einige Gedichte soll er verfasst haben.

 

Als Bischof von Pettau an der Drau verkündete er in seinem Sprengel mit rastlosem Eifer Jesus den Gekreuzigten, verteidigte die christliche Lehre siegreich gegen die Angriffe der heidnischen Weltweisen und gewann durch sein überzeugendes, glühendes Wort, wie durch seinen musterhaften Lebenswandel und seine Selbstbeherrschung viele Seelen für das Reich Gottes.

 

Unter der grausamen Christenverfolgung während der Regierung der tyrannischen Kaiser Diokletian und Galerius tröstete der heilige Bischof die Gläubigen und begeisterte sie zur heldenmütigen Ausdauer. Sich selbst vergessend, dachte er nur an seine Herde und betete unaufhörlich zu Gott, dass sie im Sturm der Verfolgungen nicht untergehen möge. Um allen Untergebenen ein Beispiel des Starkmutes und der Glaubenstreue zu geben, überlieferte er sich selbst in die Hände der blutdürstigen Verfolger und opferte freudig sein Blut und Leben für Jesus Christus, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens, der uns die Verheißung gegeben hat: „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“

 

Der heilige Marcian, Bekenner von Cyrus in Syrien, Einsiedler,

+ 2.11.387 – Fest: 2. November

 

Marcian, geboren in Cyrus in Syrien, stammte aus einer Patrizierfamilie. Sein Vater bekleidete die ersten Würden im Reich. Er selbst wurde am Hof erzogen. Allein er erkannte frühzeitig die Welteitelkeit und entschloss sich ihr zu entsagen. Er verließ daher Vaterland und Freunde, um den Menschen ganz unbekannt zu leben. In der Wüste Chalais in Syrien, an den Grenzen von Arabien, widmete er sich in einer engen Zelle, wo er aller Bequemlichkeiten des Lebens entbehrte, einzig mit Gott beschäftigt und gänzlich von allem Umgang mit Menschen abgeschnitten, dem Streben nach christlicher Vollkommenheit. Er teilte seine Zeit zwischen Psalmgesang, Lesen, Beten und Handarbeit. Brot war sein einziges Nahrungsmittel, und selbst das gestattete er sich so spärlich, dass er sich niemals sättigte. Doch ließ er nie mehr als einen Tag ohne zu essen vorübergehen, um immer Kräfte genug zur Erfüllung seiner Pflichten zu haben. Die Gabe der Beschauung besaß er in einem so hohen Grad, dass ihm ganze in dieser heiligen Übung verlebte Tage wie Augenblicke erschienen. Das übernatürliche Licht, das ihm durch diese innige Vereinigung mit Gott zuströmte, führte ihn zur Kenntnis der großen Wahrheiten und Geheimnisse des Glaubens. Sein dem Herrn da hingegebenes Herz wurde oft mit einem Strom der Wonne und der Tröstungen übergossen.

 

Indessen wurde er, ungeachtet seiner Vorsichtsmaßregeln den Menschen unbekannt zu bleiben, durch seine Heiligkeit entdeckt. Auf dringliches Bitten willigte er endlich ein zwei Schüler anzunehmen, Eusebius und Agapitus, die nicht weit von ihm in abgesonderten Zellen wohnten. Des Tages hindurch sangen sie Psalmen und holten sich oft bei ihm Rat über die Mittel zur Vollkommenheit zu gelangen. Nach und nach bildete sich aber aus der Einsiedelei des Heiligen ein zahlreiches Kloster, dem Eusebius vorstand. Marcian entwarf selbst den Lebensplan, und unterzog sich dem Unterricht der ihn oft besuchenden Genossen.

 

Flavian von Antiochien, Acacius von Beröa, Isidor von Cyrus, Eusebius von Chalcis, Theodor von Hierapolis, die berühmtesten Bischöfe Syriens besuchten ihn eines Tages insgesamt mit den vornehmsten Kriegsobersten und Staatsbeamten. An der Tür seiner Zelle baten sie ihn, er möge ihnen doch einige Unterweisungen mitteilen, wie er es bei ähnlichen Gelegenheiten zu tun pflegte. Ein so hoch ansehnlicher Besuch setzte seine Demut in Schrecken, und er schwieg einige Zeit. Als man aber in ihn drang zu reden, sagte er seufzend:

 

„Ach, der Herr spricht jeden Tag zu uns durch seine Geschöpfe und durch die Herrlichkeit des Weltalls, die da vor unseren Augen liegt. Er spricht zu uns durch sein Evangelium und unterrichtet uns über unsere Pflichten gegen uns selbst und gegen den Nächsten. Er erschreckt und ermutigt uns zugleich. Indes benützen wir nicht alle Lehren, die er uns gibt. Was könnte nun Marcian noch sagen, er, der mitten unter so eindringlichen Unterweisungen so wenige Fortschritte in der Tugend macht?“

 

Die Bischöfe hatten die Absicht, ihn zum Priester zu weihen. Allein um seiner Demut keine Gewalt anzutun, sahen sie von ihrem Vorhaben ab.

 

Verschiedene Wunder vermehrten noch die allgemeine Verehrung, die man für den Diener Gottes hatte. Man baute an mehreren Orten Kapellen, um ihn nach seinem Tod in eine von ihnen zu beerdigen. Marcian wurde aber darüber tief betrübt und ließ sich von seinen Schülern das Versprechen geben, ihn heimlich an einem unbekannten Ort zu begraben. Man setzt seinen Tod gegen das Jahr 387. Seine Schüler hielten ihr gegebenes Versprechen. Einige Jahre nach seinem Tod entdeckte man jedoch seine Gebeine und verschloss sie in einen steinernen Sarg. Sein Grab wurde häufig besucht und durch mehrere Wunder verherrlicht.

 

Der heilige Vulganius, Missions-Bischof bei Artois, Frankreich,

Patron von Lens,

+ 2.11.700 – Fest: 2. November

 

Der heilige Vulganius war ein Engländer oder Brite von Geburt. Er predigte einige Zeit in der Gegend von Lens, in Artois, den Glauben. Er lebte im 7. Jahrhundert und starb in einer Zelle bei der Abtei zum heiligen Vedastus in Arras, die kurz vorher gestiftet worden war. In seiner handschriftlichen Lebensgeschichte, die in der ehemaligen Abtei Bec aufbewahrt wurde, findet man eine Beschreibung mehrerer an seinem Grab geschehener Wunder. Er ist Patron der Stadt Lens. Sein Fest wird am 2. November begangen.

 

3. November

 

Der heilige Hubert, Jäger und Bischof von Tongern,

+ 3.11.727 - Fest: 3. November

 

Am heutigen Tag wird im Erzbistum Köln und in den westlich angrenzenden Bistümern in Holland, Belgien, Luxemburg und Nordfrankreich das Fest des heiligen Hubert begangen, der als der Patron der Jäger gilt.

 

Zu Beginn ist die Legende vom heiligen Hubert in keiner Weise christlich. Hubert, von Geburt ein Herzog war ein Lebemann, war ein leidenschaftlicher Jäger, der alle Tage, nicht nur werktags, sondern auch sonntags, auf die Jagt ritt und der ungezählte Hasen, Füchse, Wölfe, Wildschweine, Rehe und Hirsche auf dem Gewissen hatte. Einmal hat es Hubert in seiner verblendeten Leidenschaft fertiggebracht, hoch zu Ross an einem heiligen Karfreitag auf die Pirsch zu gehen, an dem Tag doch kein Blut fließen darf, weder von Menschen noch von Tieren, weil der liebe Heiland diesen Tag durch sein Blut geheiligt hat.

 

Zehn Treiber hatte der Herzog Hubert damals bei sich, und jeder der zehn Treiber führte zehn Hunde an der Leine, insgesamt hundert Hunde. Man kann sich denken, was das für ein Gekläff und Gerenne gab, als die hundert Hunde im gleichen Augenblick losgekoppelt wurden. Und sofort hatte die Meute einen Hirsch aufgestöbert, einen von den seltenen weißen Hirschen. Mit Trara setzten Hubert und die hundert Hunde waidmännisch hinter dem edlen Tier her. Hart ging es über Stock und Stein, und zweimal schon hatte der wilde Jägersmann das Ziel verfehlt, als sich plötzlich der Hirsch umwendete, wie aus Erz gegossen stehenblieb, und sogleich hielt auch das Ross schnaubend und zitternd still, und die hundert Hunde knickten die Vorderbeine ein, als wollten sie sich auf ihre Art knien, und Hubert selbst sah im Geweih des weißen Hirsches ein strahlendes Kreuz, und eine Stimme redete ernst und mild:

 

„Wie lange willst du wilder Waidmann, noch den Tieren in den Wäldern nachjagen? Wenn du dich nicht wahrhaft zu dem Herrn bekehrst, so wirst du in den Abgrund der Hölle stürzen.“

 

So sprach die Stimme ernst und mild, und Hubert bekehrte sich auf der Stelle. Alles ließ er im Stich, Reichtum und Familie, Haus und Heim, und ging als Klausner büßend in die dichte Einsamkeit des Ardenner Waldes, sieben Jahre lang, und als die sieben Jahre vorüber waren, machte Hubert eine Wallfahrt nach Rom, wo damals Papst Sergius die Kirche leitete, und der Papst weihte den Büßer aus dem Ardenner Wald zum Bischof von Maastricht, wo eben sein Vorgänger, der heilige Märtyrerbischof Lambert, von dem sich eine Reliquie im herrlichen Liebfrauenmünster zu Freiburg im Breisgau befindet, unter den Dolchen von Meuchelmördern den Geist aufgegeben hatte.

 

Fünfundzwanzig Jahre lang hat Hubert den Bischofsstab getragen, und der wilde Jägersmann von ehedem hat als guter Hirt die Schafe und die Lämmlein der Herde Christi mild und treu gehütet, und als er im Jahr 727 starb, wurde er mitten in seinem geliebten Ardenner Wald beigesetzt. Über dem Grab erbaute man einen großen Dom, der heute noch steht, und eine Stadt entstand um den Dom, die nach ihm St. Hubert heißt.

 

Der heilige Malachias, Erzbischof von Armagh in Irland,

+ 3.11.1148 - Fest: 3. November

 

Der heilige Malachias, dessen Leben der heilige Bernard, sein Freund im Leben, sein Beistand im Tod, ausführlich beschrieben hat, wurde zu Armagh in Irland im Jahr 1094 von edlen Eltern geboren. Seine fromme Mutter besorgte seine gottselige Erziehung. Geleitet vom Mutterherzen und frommen Lehrern übergeben, nahm er als Junge, noch mehr als junger Mann in allem Guten dermaßen zu, dass seine Wissenschaft und Frömmigkeit sein Alter und seine Schulkameraden weit übertraf. Kein jugendlicher Fehler wurde an ihm bemerkt, nur hoher Ernst und Gottesfurcht. Seine Freude war in Gott und im Umgang mit frommen Menschen. So war die Jugend des Malachias beschaffen, den Gott zum Wiederhersteller der ehemals so blühenden, jetzt aber so tief gesunkenen Kirche in Irland auserwählt hatte. Dazumal lebte am selben Ort ein Einsiedler, Imar mit Namen, der im Ruf großer Heiligkeit stand. Malachias ging noch als sehr junger Mann zu ihm hin, um die Bahn der Vollkommenheit zu betreten, und übergab sich dessen Leitung. Dieser Schritt wurde von seinen Altersgenossen als Unsinn, bei vielen als Unverstand und Blödsinn gehalten und von den meisten als Torheit verspottet. Aber der junge Mann, der sich und der Welt absterben wollte, um nur für Gott zu leben, achtete nicht das Urteil der Welt und blieb in dieser Klause, wie Bernard sagt, wie in einem Grab. Seine Gelehrigkeit, das Stillschweigen, die Abtötung, der Eifer und die Andachtsglut waren für Imar die Probe seines Berufes, und er liebte ihn sehr. Auch das Urteil der Welt ging bald in Bewunderung für den jungen Heiligen über. Er fand bald einige Nachahmer und Genossen dieses Bußlebens.

 

Jetzt kam die Zeit, dass Gott das Werkzeug zur Besserung der Gläubigen aus der Stille und Verborgenheit hervorzog und in öffentlichen Gebrauch setzte. Zelsus, der Erzbischof von Armagh, berief den Malachias zum Kirchendienst, weihte ihn zum Diakon, und im 25. Lebensjahr zum Priester, gegen alle seine demütigen Gegenvorstellungen, ernannte ihn zu seinem Vikar, übertrug ihm das Predigtamt und die Wiederherstellung der Kirchenzucht. Der Heilige unterzog sich auf die demütigste und liebevollste Weise seinem viel beschwerten Amt. Schon als Diakon nahm er sich tätig der Armen und Kranken an und machte sich eine Freude daraus, nach ihrem Hinscheiden ihnen den letzten Dienst der Beerdigung zu erweisen, obgleich er von seiner eigenen zu vornehm gesinnten Schwester getadelt und verhöhnt wurde, dass er, ein Adelssohn, den Krankenwärter und Totengräber mache. Als Prediger flehte er zu Gott, dessen Werk es ist, Seelen zu bekehren und zu heiligen, um den Geist, der das Leben gibt, und um einen Vortrag, der die Herzen bewegt und leitet. Sein Umgang und die Lebensweise predigte schon zum Voraus das heilige Evangelium. Wenn er nun wirklich predigte, so war seine Rede wie ein verzehrendes Feuer vom Himmel, so dass Hörer und Beobachter bekannten: „Dieser ist ein Mann voll des Heiligen Geistes.“ Mit großem Segen verwaltete er somit seine Stelle und erzog das rohe und ausgeartete Volk zu einem Volk, das Gott in Geist und Wahrheit zu dienen sich beeiferte. Dennoch hielt sich der Diener Gottes in seiner Demut für ein unnützes Werkzeug in den Händen Gottes und suchte einen neuen Lehrmeister auf zur eigenen Heiligung und zur Anleitung im Predigtamt.

 

Mit Bewilligung des Erzbischofs begab er sich zu Malchus, Bischof zu Lismore, einem anerkannt gottseligen und gelehrten Mann, und nahm bei ihm Unterricht über die Kunst, Seelen zu Gott zu führen, über die Kirchenzucht und überhaupt über den Dienst Gottes. Auch hier arbeitete er mit vielem Segen und kam auf Verlangen seines Oberhirten und Imars wieder nach Armagh zurück. Indessen starb seine oben erwähnte Schwester. Er empfahl ihre Seele lange Zeit hindurch Gott im heiligen Messopfer. Als er aber dies dreißig Tage lang später nicht mehr getan hatte, wurde er im Traum erinnert, dass seine Schwester mit Schmerzen seine Beihilfe erwarte und seit dreißig Tagen bitteren Hunger leide. Er fing also mit neuem Eifer wieder an für sie zu beten und las täglich zu ihrer Erlösung die heilige Messe oder ließ sie lesen. Einige Zeit danach glaubte er sie bei der Kirchenpforte zu sehen und bald darauf in der Kirche selbst. Schließlich nach einigen Tagen, als er am Altar stand, erschien sie ihm mitten unter seligen Geistern und voll der Freude, was ihm großen Trost brachte. Eine andere Freude wurde ihm um diese Zeit dadurch zu teil, dass ein Vetter von ihm, der ein großes Vermögen besaß, sich zu einem geistlichen und klösterlichen Leben entschloss, und unter seiner Anleitung ein neues Kloster in Benchor herstellen und gründen ließ, wohin er sich selbst mit noch zehn Geistlichen begab. Dort wurde ihm der Aufenthalt nicht lange vergönnt. Denn bald darauf musste er auf die Ermahnung seines Erzbischofs und seines ersten Lehrers Imars das erledigte Bistum Konner übernehmen. Da öffnete sich seinem heiligen Eifer ein großes, noch sehr unbebautes Feld. Das Volk in diesem Bistum war in den Zustand der Wildheit zurückgefallen, nur der Sünde kundig und erhärtet. Es lässt sich daher auch nicht kurz beschreiben, was der seeleneifrige Mann daselbst tat und zu dulden und zu leiden fand. Mutvoll legte er Hand ans Werk, setzte sein Vertrauen auf Gott, lehrte, predigte, ermahnte, strafte; besuchte barfuß sein ganzes Bistum, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, übertrug mit hoher Geduld alle Verspottung und Misshandlung seiner Person, Mühe, Abmattung und widrige Zufälle; brachte ganze Nächte im Gebet und eigener Bußübung zu, um von Gott zu erflehen, was er nicht zu wirken vermochte. Gott segnete seinen Eifer durch wundervolle Bekehrungen; durch eine schnelle Strafe eines Gewohnheitssünders, der während der Sündentat dahinstarb; durch die Wundergabe, die er ihm mitteilte. So wurde auch dieses Volk zu Gottes Volk erzogen. Doch auch dieses Bistum musste er wieder verlassen. Denn Zelsus war gestorben und hatte mit Einstimmung der Geistlichkeit und des Volkes ihn zu seinem Nachfolger ernannt, und zwar neben anderem vorzüglich deswegen, damit dieses Erzbistum nicht von Adeligen, die es sich anmaßten gegen die heiligen Kirchensatzungen zu handeln, gleichsam wie von Erben in Besitz genommen werde. Man drang in Malachias, das Erzbistum zu übernehmen, drohte sogar im Weigerungsfall mit dem Kirchenbann. Er unterwarf sich, sagte jedoch den Versammelten: „Ihr wollt meinen Tod; ich gehorche in der Hoffnung des Martertums; dabei sei jedoch die Bedingung, dass ich, wenn die Sache sich nach eurem Wunsch wendet, die Erlaubnis habe, nach wiederhergestellter Ordnung zu meiner ersten Braut, zu meiner vielgeliebten Armut zurückzukehren.“

 

Zwar wusste sich dessen ungeachtet wieder einer von jenem adeligen Geschlecht in den Besitz des Erzbistums einzudringen, so dass Malachias einstweilen, um größere Übel zu verhüten, noch beim alten Sitz blieb. Da aber dieser Eingedrungene nach drei Jahren starb und er aufs Neue zum Erzbischof berufen und erwählt wurde; so übernahm er jetzt dieses Bistum zur großen Freude des Volkes und der Geistlichkeit. Aber jetzt traf den Heiligen umso mehr die Rache dieser Familie, die ihm den Tod geschworen hatte, bis Gott den Heiligen rettete durch den Untergang derselben. Ein Familienmitglied lauerte mit Bewaffneten in einem Hinterhalt dem Diener Gottes auf und wurde mit drei von ihnen unerwartet vom Blitz erschlagen, während der Heilige in einem Kirchlein für seine Feinde betete und gerettet wurde. Die übrigen Familienmitglieder traf in kurzer Zeit das Gericht Gottes.

 

Nach drei Jahren, während denen er mit Geduld, Sanftmut, Liebe und Eifer das Bistum zu verbessern und die kirchliche Ordnung wieder fest zu gründen versucht hatte, übergab er es einem frommen Geistlichen, Gelasius mit Namen, und kehrte wieder zu seinen alten Schäflein des Bistums Konner zurück. Er wohnte nun in einer früher dort gestifteten Klostergenossenschaft, willens sich nur dem in Gott verborgenen Leben zu widmen; aber der Mann Gottes wurde von allen Seiten angesprochen und um Rat gebeten, er galt als der Apostel des Landes. Auch das Bistum Konner ließ er wieder, wie es in früheren Zeiten gewesen war, und er es für zuträglicher fand, in zwei Bistümer umwandeln, überließ das größere und reichere einem anderen, und behielt für sich das kleinere, weniger ansehnliche Bistum Down.

 

Wichtige Geschäfte brachten ihn schließlich zu dem Entschluss, im Jahr 1139 nach Rom zu reisen. Auf seiner Reise kehrte er in Frankreich auch im Kloster zu Klara-Valla ein, wo der heilige Bernard Abt war, verweilte einige Zeit dort, und schloss mit diesem großen Heiligen, weil beide von ähnlichem Sinn der Gottseligkeit und von der gleichen Liebe des Herrn beseelt waren, innige, bis in den Tod dauernde Freundschaft, so dass Malachias nichts sehnlicher wünschte, als sein Bistum niederzulegen und hier allein dem Herrn leben zu dürfen. Er trug daher bei seiner sehr günstigen Aufnahme zu Rom nebst seinen übrigen Angelegenheiten dem Heiligen Vater auch diese Bitte vor. Allein der Heilige Vater, Innozenz II., der ihm sonst alles gewährte, schlug ihm diese Bitte ab, weil er ihn für die Kirche in Irland unentbehrlich glaubte, und machte ihn noch dazu zu seinem apostolischen Bevollmächtigten für ganz Irland. Auf seiner Rückreise kehrte er wieder beim heiligen Bernard ein; da er aber nicht da bleiben durfte, so ließ er doch nebst seiner Liebe vier von seinen Gefährten da zurück, mit dem Auftrag, sich den Geist und die Regel dieses Klosters eigen zu machen. Nach seiner Heimkehr vermehrte er seine eifrigen Bemühungen für das Heil der Seelen und verwendete sein jetzt großes Ansehen dazu, die Gottseligkeit zu befördern, die Kirchenzucht, betreffend den Gottesdienst, die Verwaltung und den Empfang der heiligen Sakramente, den Lebenswandel der Gläubigen wieder herzustellen. Gott selbst wirkte mit ihm, auch dadurch, dass er ihm öfter die Gabe der Wunder verlieh, so dass er ganz verstockte Sünder wunderbar bekehrte, Besessene befreite, Kranke heilte, fischlose Meerküsten fischreich machte und Tote wieder ins Leben rief. Der heilige Bernardus erzählt uns ausführlich viele solche Wunder von ihm, setzte aber hinzu: „Das größte Wunder war der heilige Mann selbst wegen seiner ausgezeichneten Tugenden und seiner wahrhaft apostolischen Lebensweise.“

 

Nach einigen Jahren veranlassten ihn neue Angelegenheiten seiner Kirche abermals zu einer Reise nach Rom. Als er aber nach Klara-Valla kam und dort wieder seine Einkehr beim heiligen Abt Bernard nahm, erkrankte er daselbst am 18. Oktober an einem starken Fieber. Man wandte alles an, um ihn wieder zur Genesung zu bringen. Allein er selbst sprach: „Meine Kinder, ihr bemüht euch vergeblich, mir das Leben noch länger zu fristen. Ich will zwar die Arzneien nehmen, sie werden aber nichts fruchten. Ich bat täglich den Herrn, mich in eurem Kloster und am Allerseelentag sterben zu lassen. Ich lege meine Seele in die Vaterhände Gottes, der jene, die auf ihn hoffen, nicht zu Schanden werden lässt, und erwarte nach meinem Tod eine große Hilfe von dem Gebet, das die Lebenden am Allerseelentag für die Verstorbenen zu verrichten pflegen.“

 

Nach einigen Tagen erholte er sich zwar wieder, so dass er am Fest Allerheiligen in den Chor ging. Die Brüder sangen weinend die Psalmen, nur er stand mit trockenen Augen da und wartete mit Sehnsucht auf die himmlischen Freuden. Aber kaum war der feierliche Gottesdienst vollendet, als ihn das Fieber um so heftiger ergriff. Da er wieder im Zimmer war, rief er alle zu sich und sagte: „Mir fehlt zur Reise nichts mehr, als die letzte Wegzehrung und Ölung.“ Er empfing die heiligen Sakramente nach seinem Willen in der Kirche mit größter Ergriffenheit und entschlief darauf sanft im Herrn nach Mitternacht, den 2. November, am Allerseelentag 1148, im vierundfünfzigsten Jahr seines Alters. Seine letzten Worte an die Brüder waren: „Freuet euch meiner, und betet für mich, wenn ich gestorben sein werde. Auch ich werde bei Gott für euch beten. Ich habe an Gott geglaubt und habe Gott geliebt; und auch euch habe ich geliebt; die Liebe aber stirbt ewig nicht.“

 

Der heilige Pirmin, Abt und Missions-Bischof der Rheingegend,

+ 3.11.753 – Fest: 3. November

 

Der alemannische Edelmann und königliche Landvogt Sintlas zu Sandeck am Bodensee hörte einst auf einer Reise nach Meltis (Metz) in Lothringen die klare, ergreifende Predigt des Priesters Pirmin und wurde durch sie so hingezogen, dass er den seeleneifrigen Diener Gottes inständig bat, nach dem Oberrhein zu kommen, um das unter Columban zwar eingeführte, aber vielfach wieder sinkende Christentum zu stützen, und durch die Macht seiner Predigt die Unwissenden zu belehren, die schlechten Sitten abzuschaffen und den religiösen Eifer wieder zu beleben. Pirmin sagte zu, verließ seine lothringische Heimat, wo er um das Jahr 676 geboren war, pilgerte nach Rom und erbat sich von Papst Gregor II. die apostolische Sendung, um als Missionar am Oberrhein und in Schwaben predigen, Priester und Kirchen weihen und alle bischöflichen Vollmachten vornehmen zu können. Der Papst erkundigte sich nach seiner bisherigen Wirksamkeit, überzeugte sich von seinem edlen Charakter, seiner Sittenreinheit, seiner Gelehrsamkeit und seinem Eifer für die Ehre Gottes und weihte ihn zum Regionarbischof.

 

Mit mehreren gleichgesinnten Gefährten ließ sich Pirmin zuerst in einer wüsten Gegend unweit Pfungen nieder, wo Herzog Gottfried von Schwaben damals Hof hielt. Mit großem Eifer verkündigte Pirmin in der ganzen Umgegend das Wort Gottes und bekräftigte es durch Wunder. Noch heute erinnert das Pirmini-Brünnlein an seinen Namen. Viele nahmen die christliche Lehre an, andere wollten ihre Laster nicht aufgeben und vertrieben nach dem Tod des Herzogs den Heiligen aus jener Gegend.

 

Pirmin wandte sich an seinen Freund Sintlas, von dessen hochgelegenem Schloss man eine herrliche Aussicht über den Bodensee genoss. Eine Insel im See, früher Sintlas-Au, später Reichenau genannt, gefiel dem Glaubensboten so sehr, dass er den königlichen Landvogt bat, ihm die Insel zu überlassen, damit er dort ein Kloster gründe. Sintlas stellte dem Heiligen vor, dass die unwirtliche Insel nur von Schlangen und wildem Getier bewohnt sei und dass man den Urwald mit seinem Gestrüpp nicht durchdringen könne. Ihm erwiderte der glaubensreiche Pirmin: „Die Erde ist überall des Herrn. Wer unter dem Schutz des Allmächtigen steht und ihm vertraut, wandelt unversehrt über Nattern und Schlangen und tritt Löwen und Drachen unter die Füße.“ Bereitwillig gewährte ihm der Landvogt die Bitte und Karl Martell bestätigte ihm das Eigentumsrecht über die Insel. Pirmin fuhr mit seinen Gefährten über den See, pflanzte auf der Insel das Kreuz auf, fällte Bäume und Gesträuche und begann im Jahr 724 den Bau des später so berühmt gewordenen Klosters, anfangs Sintlasau, erst später Reichenau genannt. Drei Jahre lang stand Pirmin dem aufblühenden Kloster vor. Da begann Gottfrieds Sohn Theobald, Herzog von Schwaben, einen Krieg mit Karl Martell und weil er ohne Grund glaubte, Pirmin halte mit diesem, so befahl er ihm, Reichenau zu verlassen. Pirmin stellte den würdigsten seiner Mitbrüder, namens Heddo, zum Abt auf, ergriff ohne Widerrede seinen Wanderstab und kehrte nie mehr nach Reichenau zurück, unterhielt aber mit Heddo einen steten Briefwechsel und heilige Freundschaft. Die Stiftung Pirmins auf Reichenau wurde eine herrliche Pflanzstätte der Bildung, der Wissenschaft, Kunst und Tugend, und gab der Kirche dreizehn Erzbischöfe und vierunddreißig Bischöfe. Sintlas drückte ihm einst sein Dankgefühl in den Worten aus: „Hochwürdigster Vater! Seit deiner Ankunft lebt das Tote auf, das Verdorrte grünt und blüht, die ganze Gegend ist durch dich mit der Frucht des Lebens beschenkt.“

 

Pirmin wanderte in die Schweizergebirge und stiftete 730 in einer wilden Felsschlucht das Kloster Pfäffers, das er mit zwölf Mönchen aus Reichenau bevölkerte und unter die Leitung des bewährten Baldebert stellte.

 

Bald darauf wanderte der unermüdliche Bischof nach Schwaben und dem Elsass und wirkte unbeschreiblich viel Gutes. Die Abteien und Klöster Morbach, Maurus-Münster, Neuweiler, Schuttern, Schwarzach, Gengenbach, Weißenburg und noch viele andere verbesserte und erneuerte er nach der Regel des heiligen Benedikt. Sein Ansehen und sein Geschick, das Klosterleben zu vervollkommnen, rief ihn auch nach Bayern, um die Klöster Oberaltaich, Niederburg, Mondsee, Pfaffenmünster, Niederaltaich, Ochsenfurt, Bischofsheim und Kitzingen einrichten zu helfen. Bei dieser Gelegenheit gelang es ihm zu seiner größten Freude, zwei neue Klöster, Amorbach und Osterhofen, selbst zu gründen.

 

In seinem hohen Alter war Pirmin darauf bedacht, ein Kloster zu bauen, in dem er seine letzte Ruhe finden wollte. Der edelmütige fränkische Graf Werinher räumte ihm einen passenden Bauplatz im Bliesgau ein nebst Wiesen, Feldern und Wäldern, andere Edelleute brachten reiche Geschenke und Pirmin begann in einer unbewohnten Wildnis mit dem Bau. Da kam ein armer Hirt zu ihm und sprach: „Lieber Vater! Da weiter hinauf, wo zwei Bäche zusammenfließen, ist ein Ort, wo du, so es dem Allmächtigen gefiele, dir eine bequemere Wohnung bauen könntest.“ Pirmin ließ sich dorthin führen und rief voll Entzücken über den schönen Platz aus: „Hier sei der Ort meiner Ruhe, diesen erwähle ich mir zur Wohnstätte!“ Sogleich erbaute er dort eine Kapelle und dann das Kloster Hornbach bei Zweibrücken am Zusammenfluss der Trualbe und Sualbe, und der Segen des christlichen Glaubens, frommer Sitte, und der Künste und Wissenschaften, der Gewerbetätigkeit und des Wohlstandes verbreitete sich ringsumher.

 

Während sich Pirmin in der stillen Klosterzelle auf einen glückseligen Tod vorbereitete, überraschte ihn im Jahr 752 der heilige Bonifatius mit seinem Besuch. Unbeschreiblich war die Freude der beiden heiligen Männer, die sich bisher nicht persönlich gekannt, aber beide in apostolischer Wirksamkeit einander hoch geschätzt hatten. In Lobpreisungen Gottes flossen die Tage wie Stunden dahin. Es war das letzte Aufleuchten der untergehenden Sonne. Am 3. November 753 beschloss der hochverdiente und seeleneifrige Bischof Pirmin seine irdische Pilgerschaft, um die Freuden des Paradieses zu verkosten. Sogleich wurde er an allen Orten, die sein Fuß berührt hatte als Heiliger verehrt, und Wunder verherrlichten ihn nach seinem Tod, wie während seines Lebens. Seine Klöster erwählten ihn zu ihrem Patron und viele Kirchen wurden zu seiner Ehre gebaut. Sein heiliger Leib wurde achthundert Jahre im Kloster Hornbach verehrt, aber bei den Stürmen der Reformation brachte ihn Graf Schweikhart von Helfenstein 1577 nach Innsbruck, wo ihn die Dreifaltigkeitskirche noch heute bewahrt. Der heilige Pirmin ist Hauptpatron der Rheinpfalz und Schutzpatron von Innsbruck.

 

Die heilige Ida von Toggenburg, Gräfin, Einsiedlerin von Fischingen,

+ 3.11.1226 – Fest: 3. November

 

In Gottesfurcht und frommen Tugendübungen lebte die edle Jungfrau Ida auf dem Schloss Kirchberg in der Nähe von Ulm. Kaum hatte sie ihr 17. Lebensjahr erreicht, so vermählte sie ihr Vater, Graf Hartmann, der fromme Stifter des Benediktinerklosters Wiblingen, mit dem reichen und angesehenen Grafen Heinrich von Toggenburg (1197). Lieber hätte Ida ihre Tage in stiller Einsamkeit Gott gewidmet, aber aus Gehorsam reichte sie dem edlen Freier die Hand und zog mit ihm zum Schloss Toggenburg im Norden der Schweiz.

 

Heinrich war schön, reich an Schlössern und Gütern, tapfer im Kampf, aber leidenschaftlich und unbändig, wenn Zorneswut in seinem Innern aufwallte. Ida, voll Sanftmut und Geduld, vermied sorgsam alles, was ihren Gemahl aufregen konnte und ertrug um Christi willen ihr Kreuz. Sooft es ihre häusliche Arbeit gestattete, stieg sie ins Tal hinab zur Klosterkirche in Fischingen und zu der Kapelle der schmerzhaften Mutter in der Au, um Trost und Kraft von Gott zu erbitten. Weil Gott ihre Ehe nicht mit Kindern segnete, so machte sie die Armen zu ihren Kindern. Als ein Engel des Trostes stieg sie hinab in die Dörfer und die Hütten, trocknete die Tränen der Witwen und Waisen, stillte den Hunger der Armen, linderte den Schmerz der Kranken, bekleidete die Nackten, tröstete die Betrübten und erwies sich allen Bedrängten als liebevolle Mutter. Besonders wachte sie sorgfältig über ihr Hausgesinde und ermahnte alle durch Wort und Beispiel zu einem gottseligen Leben. Dafür liebten und ehrten sie alle, die sie kannten, mit Ausnahme eines Dieners des Grafen.

 

Dominico, ein Italiener, hatte sich durch Schmeichelei und Kriecherei das vollste Vertrauen seines Herrn erschlichen. Die fromme Ida dachte nichts Arges und behandelte ihn gütig, wie alle anderen. Als aber der sittenlose Wüstling die Freundlichkeit seiner Herrin als Wohlgefallen an seiner Person deutete, schnitt sie ihm mit angemessenem Ernst jede Hoffnung ab, das Ziel seines gottlosen Begehrens zu erreichen. Da fasste der schändliche Diener den teuflischen Plan, seine Herrin in Schande zu stürzen und lauerte auf eine günstige Gelegenheit. Als sie einst still betend durch den Wald ging, brach der Wolllüstling aus dem Versteck hervor, ergriff sie und wollte ihr Gewalt antun. Auf ihr Angstgeschrei und Hilferuf eilte der Knappe Kuno herbei und rettete die gefährdete Herrin. Dankend fiel Ida auf ihre Knie und dankte Gott und der allerseligsten Jungfrau Maria für den Schutz, verzieh dem anscheinend reuigen Frevler und befahl dem Kuno, über den Vorfall zu schweigen, damit Dominico nicht der gerechten Rache ihres Gatten anheimfalle.

 

Statt der hochherzigen Gräfin dankbar zu sein, sann Dominico heimlich auf ihr und des guten Kuno Verderben. Dem nur zu leichtgläubigen Grafen flößte er das Gift des Argwohns ein, dass Ida den Kuno zu huldreich behandele. Das Gift der Eifersucht wirkte. Der leidenschaftliche Graf behandelte seine Gattin immer tyrannischer, ohne einen Grund für sein verändertes Benehmen anzugeben. Ihre arglose Seele litt mit Geduld alle Bitterkeiten, nur in ihrer stillen Kammer und vor dem Bild der schmerzensreichen Mutter unter dem Kreuz ließ sie ihren heißen Tränen freien Lauf.

 

An einem sonnigen Frühlingstag holte Ida ihre kostbaren Brautkleider aus dem Schrank, um sie zu lüften, und ihre Kleinodien, um sie vom Staub zu reinigen. Als sie am Abend ihre Kleider und Schmucksachen wieder einschließen wollte, erschrak sie sehr, weil ihr Brautring verschwunden war. Ida empfahl die Sache Gott und schwieg.

 

Nicht lange danach kam Kuno auf der Jagd an einen Tannenbaum, sah auf ihm ein Nest und stieg hinauf. In dem Nest fand er den Ring, den der Rabe vom Fenster der Gräfin gestohlen hatte, wusste aber nicht, dass es Idas Ehering sei. Voll Freude steckte der glückliche Finder den Ring an den Finger und zeigte ihn den übrigen Dienstboten. Dominico erkannte den Ring und voll teuflischen Hasses flüsterte er dem Grafen zu, den Beweis für die Untreue seiner Gattin könne er jetzt mit eigenen Augen sehen, denn der Knappe Kuno trage ungescheut ihren Ehering. Wutschnaubend lässt der Graf Kuno kommen, sieht an seiner Hand den Ehering, hört nicht auf die Beteuerungen seiner Unschuld, sondern lässt ihn an den Schweif eines wilden Rosses binden und den Schlossberg hinunterschleifen. Darauf ergreift er seine Gemahlin und schleudert sie aus dem Fenster einen 800 Fuß hohen Felsen hinunter, wo sie – wenn nicht ein Wunder geschah – elend zerschmettert werden musste. Doch „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich auf ihren Händen tragen, damit du nicht deinen Fuß an einen Stein stoßest.“ Ida blieb unverletzt. Auf ihren Knien dankte sie Gott voll Inbrunst: „Ewiger und barmherziger Gott! Wieviel schulde ich deiner Majestät, dass du mich aus lauter Gnade mit deiner starken Hand wunderbar erhalten hast! Deswegen opfere ich dir, o mein gebenedeiter Schöpfer und Erlöser, Seele und Leib, Leben und Wandel, all mein Tun und lassen. Ich verzichte auf Eltern und Freunde, wie edel und herrlich sie immerhin seien. Aus freiem Willen verlasse ich alle weltliche Lust und Pracht. Für den Reichtum erwähle ich die Armut, für den Ehestand stete Enthaltsamkeit, für die Selbstliebe Selbstverleugnung, damit ich ungehindert dir allein, Jesus Christus, dienen, mit ganzem Herzen frei anhangen und das ersetzen möge, was im weltlichen Stand leider von mir versäumt worden ist. Meine Seele preise den Herrn und alles, was in mir ist, lobe seinen heiligen Namen! Meine Seele, vergiss nicht die Wohltaten, die er dir erwiesen hat!“

 

Ida ging tiefer in die Wildnis des Rabensteiner Waldes hinein und entdeckte eine Höhle, überdeckt von einer dichten Tanne und daneben eine Quelle. Dort wollte sie bleiben. Mit Baumzweigen und Moos schloss sie die Öffnungen der Höhle, bereitete sich aus Moos ein dürftiges Lager, sammelte Heidelbeeren und essbare Kräuter, trocknete sie für den Winter und flocht aus Binsen und Baumbast Kleider und Matten. Am bittersten vermisste die fromme Klausnerin die Heilige Messe und Predigt und die heiligen Sakramente. Indes bot ihr die Betrachtung der Weisheit, Güte und Allmacht Gottes in der sichtbaren Schöpfung einigen Ersatz. Der Gesang der Vögel, das Rauschen des Waldes, das Murmeln des Quells, die Schönheit des gestirnten Himmels, das Wallen der Wolken erhob ihre Seele zu Gott. Oft kniete sie vor ihrem Holzkreuz nieder und empfand in stillem Gebet einen höheren Trost, eine reinere Freude, als sie auf dem Grafenschloss je empfunden hatte.

 

17 Jahre lang hatte Ida bereits in der schauerlichen Wildnis den süßesten Seelenfrieden trotz aller Entbehrungen genossen. Ihren Gemahl aber folterte das schlechte Gewissen. Unaufhörlich schwebte ihm der Doppelmord vor der Seele und so sehr er auch in Zerstreuungen und Reisen die strafende Stimme in seinem Inneren zu ersticken bemüht war, er fand keine Ruhe bei Tag und Nacht.

 

Eines Tages drang ein Jäger des Grafen in den dunklen Forst, seine Hunde schlugen mächtig an, er folgte der Spur, fand die Höhle und erkannte an einigen Fetzen von kostbarem Zeug in der dasitzenden Person seine frühere Herrin. Voll Ehrfurcht und Freude grüßte er sie, eilte dann atemlos zum Schloss und verkündete seinem Herrn die glückliche Entdeckung. Der Graf wollte der wunderbaren Mär keinen Glauben schenken. Als aber der Jäger die Wahrheit seiner Aussage mit seinem Leben verbürgte, folgte ihm der Graf Heinrich in den dunklen Wald, erblickte mit Schaudern seine Gattin, fiel im Gefühl seiner Freveltat vor der wunderbar Geretteten auf seine Knie und schluchzte: „Vergib mir um Gottes willen!“ Die Gräfin antwortete mit freundlichem Antlitz: „Vielgeliebter Gemahl, ich bitte, steh auf und erweise nicht mir, sondern unserem Herrn und Gott solche Ehrerbietung! Er möge uns unsere Sünden verzeihen, denn wir bedürfen alle seiner Gnade und Barmherzigkeit.“ Sie bat auch um Gnade für Dominico. Der aber kam der Rache seines Herrn zuvor, denn als er hörte, dass die Gräfin noch lebe, erhängte er sich.

 

Heinrich wollte nun seine geliebte Gattin wieder auf sein Schloss führen, sie aber erklärte, dass sie gelobt habe, in der Einsamkeit Gott zu dienen, erbat sich nur als Gnade, dass er ihr eine kleine Hütte neben der Muttergotteskapelle in der Au baue. Mit trauerndem Herzen gab ihr Gemahl ihrem Wunsch nach. Als es geschehen war, verließ Ida die Waldeshöhle, zog in das Häuschen und diente Gott mit Beten und Betrachten, Fasten, Nachtwachen und guten Werken. Was der Graf ihr an Speise schickte, verteilte sie unter die Armen, sie selbst lebte von den Almosen guter Leute. Um dem heiligen Messopfer beizuwohnen und die Sakramente zu empfangen oder sich am mitternächtlichen Chorgesang der Benediktiner zu erbauen, ging sie zum benachbarten Kloster Fischingen. In den finsteren Nächten soll ihr ein Hirsch mit zwölf Lichtern am Geweih vorausgegangen sein.

 

Der Ruf ihrer Schicksale und ihrer Heiligkeit zog viele Menschen herbei, die sie sehen und ihre Fürbitte begehren wollten. Da der Zulauf immer mehr wuchs, bat sie die Klosterfrauen von Fischingen, ihr eine abgeschlossene Zelle einzuräumen. Mit Freuden wurde ihr der Wunsch gewährt. Hier lebte sie noch einige Jahre in Gebet und Abtötung, bis sie, reich an Verdiensten, hochbetagt starb. Ihre Leiche wurde in der Kirche zu Fischingen ehrenvoll beigesetzt. Alljährlich wurde ihr Fest prächtig gefeiert. Ihr zu Ehren wurde eine Bruderschaft eingeführt und von Papst Paul V. kirchlich bestätigt. Der heilige Petrus Canisius beschrieb ihr Leben zum Trost der Leidenden und zur Erbauung aller Christen.

 

Die heilige Wenefrieda, Äbtissin und Märtyrin von Wales, England,

+ 3.11.650 – Fest: 3. November

 

Der Vater der heiligen Wenefrieda oder Winefrida war Thevith, ein sehr reicher und angesehener Edelmann aus North-Wales. Ihre Eltern hatten keine wichtigere Sorge, als dass sie frühzeitig in der Furcht des Herrn herangebildet würde, damit in der Folge ihre Seelenreinheit vor dem Verderbnis der Welt bewahrt bliebe.

 

Um dieselbe Zeit ließ sich der heilige Beuno oder Benno, der an verschiedenen Orten gottselige Genossenschaften errichtet hatte, in der Nachbarschaft nieder. Er war ein sehr tugendhafter Ordensmann, der zur priesterlichen Würde erhoben worden war, und wie man sagt, ein Oheim der heiligen Wenefrieda von mütterlicher Seite. Thevith war über seine Ankunft hoch erfreut. Er gab ihm ein von allen Lasten befreites Grundstück zur Erbauung einer Kirche, und bat ihn, seine Tochter zur Gottseligkeit heranzubilden. Wenn Beuno das Volk unterrichtete, setzte sich Wenefrieda zu seinen Füßen und hörte das von ihm verkündete Wort Gottes mit tiefer Rührung an. Auf diese Weise wuchs die Liebe zu Gott mit jedem Tag in ihrem Herzen, so dass sie den Entschluss fasste, sich Gott als Jungfrau zu weihen. Ihre Eltern stimmten ihrem Vorhaben zu und dankten dem Herrn, dass er sie auf so besondere Weise zur Vollkommenheit berief. Sie legte demnach in die Hände Beunos ihre Gelübde ab und empfing von ihm den Schleier. Dann wurde ihr mit einigen Jungfrauen ein kleines, von ihrem Vater nicht weit von Holy-Well erbautes, Kloster gegeben.

 

Der heilige Beuno kehrte nachher wieder in das erste Kloster zurück, das er zu Clunnock oder Clynog-Vaur erbaut hatte und das gegen vierzig Meilen entfernt lag. Er lebte aber daselbst nicht mehr lange. Seine Grabstätte war im 13. Jahrhundert berühmt. Seinen Namen liest man in den englischen Martyrologien. Leland berichtet, der heilige Beuno habe ein Kloster für weiße Mönche zu Clunnock-Vaur gestiftet. Dieser Ort sei ihm von Guithin, dem Oheim eines der Fürsten von North-Wales, geschenkt worden.

 

Nach dem Tod des heiligen Beuno verließ die heilige Wenefrieda Holy-Well und lebte einige Zeit unter der Leitung des heiligen Deifer. Später zog sie sich zu den Klosterfrauen von Gutherin in Denbighshire zurück, wo der heilige Abt Elerius ihr Führer war, der an diesem Ort einem Doppelkloster vorstand. Nach dem Tod der Äbtissin Theonia wurde sie an deren Stelle erwählt. Vom heiligen Elerius sagt Leland Folgendes: „Elerius ward vor Alters und wird jetzt noch von den Walesern verehrt. Ich vermute, er habe an den Ufern des Elivi, wo gegenwärtig St. Asaph ist, studiert. Nachher zog er sich in die Wüsten zurück. Es ist gewiss, dass er im Tal Cluide ein Doppelkloster erbaute, und dass daselbst viele Personen beiderlei Geschlechts lebten. In dem Frauenkloster war die hochedle Jungfrau Guenvreda, die von Beune erzogen worden war, und der der wütende Caradoc das Haupt abschlagen ließ“. Leland sagt nichts von mehreren bei dieser Gelegenheit geschehenen Wundern, die von Robert von Salop und von anderen Schriftstellern erzählt werden. Indessen liest man doch in dem Lebensabriss der heiligen Wenefrieda, im Anfang zum vierten Band der letzten Ausgabe des Reisebuchs des gedachten Schriftstellers, dass sie durch die Gebete des heiligen Beuno wieder erweckt worden sei.

 

Die heilige Wenefrieda führt in allen Kalendern den Namen Märtyrin. Die verschiedenen uns überlieferten Denkmale stimmen in Betreff ihrer Todesart überein. Man liest, dass Caradoc oder Cradoc Alain, des Landesfürsten Sohn, von heftiger Leidenschaft zu ihr entflammt war und ergrimmt über ihre Weigerung, seinem Begehren nachzugeben, ihr das Haupt abschlug, da sie sich, um ihre Reinheit zu bewahren, in die vom heiligen Beuno zu Holy-Well erbaute Kirche flüchten wollte. Robert von Shrewsbury und andere Schriftsteller setzen noch hinzu, die Erde habe Cradoc an dem Ort verschlungen, wo er diese Gräueltat beging. Und auf dem Platz, wohin das Haupt der heiligen Wenefrieda fiel, sei eine wunderbare Quelle entsprungen, die man da noch sieht und deren Boden mit Steinen und Felsstücken von roten Adern durchzogen bedeckt ist. Um sie herum wächst ein wohlduftendes Moos. Sie sagen ferner noch, dass Wenefrieda, nachdem sie durch die Gebete des heiligen Beuno wieder zum Leben erweckt worden ist, in der Folge allzeit einen roten Streif um den Hals behalten habe, als Merkmal des erlittenen Märtyrertodes. Diese Begebenheiten werden zwar nicht von gleichzeitigen Geschichtsschreibern erzählt, aber wegen der etwa bei einigen Umständen mangelnden Prüfung darf doch die Heiligkeit der Wenefrieda und die ihr zu Holy-Well erwiesene Verehrung nicht als unbegründet verworfen werden. Der alten Lobrede zu Folge, die an ihrem Festtag gehalten wurde, starb sie am 22. Juni. Das ältere Leben der Heiligen setzt ihren Tod, oder vielmehr ihre Beerdigung zu Guthurin auf den 24. Juni. Man liest darin Folgendes:

 

„Der Ort, wo sie mit heiligen Jungfrauen lebte, hieß Guthurin. Sie wurde daselbst begraben am 8. Vor den Kalenden des Julius, und ruht da im Herrn.“

 

Ihr Fest wurde, wahrscheinlich wegen irgendeiner Übertragung ihrer Reliquien, auf den 3. November verlegt. Im Jahr 1391 verordnete Thomas Arundel, Erzbischof von Canterbury, nachdem er vorher seine Geistlichkeit versammelt hatte, dass ihr Fest an diesem Tag in der ganzen Provinz, mit eigenen Tagzeiten von neun Lektionen, die man in das Brevier von Sarum einrückte, gefeiert werden solle.

 

In keinem der Leben der heiligen Wenefrieda ist die Zeit angegeben, in der sie lebte. Allein die meisten Schriftsteller, die von ihr gesprochen haben, glauben mit Alford und Cressy, sie habe gegen Ende des 7. Jahrhunderts gelebt.

 

Im Jahr 1138 übertrug man ihre Reliquien von Guthurin nach Shrewsbury, und setzte sie in der Benediktinerkirche bei, die 1083 von Roger, dem Grafen von Montgomery, außerhalb der Stadtmauern erbaut worden war. Der Abt Herbert erhielt vom Bischof von Bangor die Erlaubnis, diese Übertragung feierlich zu halten, wie uns Robert, der Prior desselben Klosters, berichtet, der auch einige bei dieser Gelegenheit geschehene Wunderheilungen anführt, wovon er Augenzeuge war. Als man die Klöster in England zerstörte, wurde der Sarg der heiligen Wenefrieda geplündert.

 

Nun wollen wir noch einige in den letzten Zeiten durch die Fürbitte der heiligen Wenefrieda gewirkte Wunder melden. Roger Bodenham, Ritter von Bath, der an einem schrecklichen Aussatz litt, und schon von den Ärzten aufgegeben war, die seine Krankheit für unheilbar hielten, badete sich im Jahr 1606 in der Quelle der heiligen Wenefrieda, und erhielt seine Gesundheit. Im innigsten Dankgefühl zu Gott nahm er die katholische Religion an, und gab einen weitläufigen Beglaubigungsschein von seiner Krankheit von sich, den mehrere andere Personen unterschrieben. Johanna Wackemann von Sussex litt an einem furchtbaren Leibgeschwür und war des Todes gewärtig; da sie sich aber drei Mal in einer Nacht in dieser Quelle badete, war sie geheilt. Dieses 1630 geschehene Ereignis ist von ihr und ihrem Mann bezeugt. Eine arme Witwe von Kidderminster, in der Grafschaft Worcester, lag längere Zeit verkrüppelt im Bett. Sie schickte einiges Geld nach Holy-Well – als Almosen für den ersten da sich vorfindenden Armen. Und in dem Augenblick, wo ihr Almosen zu Holy-Well ausgeteilt wurde, stand sie zu Kidderminster gesund auf. Diese Tatsache wurde 1651 untersucht und gerichtlich bezeugt von Jakob Bridges, nachherigem Sherif (Landrichter) zu Worchester. Maria Newmann, die wie ein Totengerippe abgezehrt war, und wegen Schwächlichkeit 8 Jahre lang nicht mehr gehen konnte, nahm umsonst zu allen Heilmitteln in England, Frankreich und Portugal ihre Zuflucht, bis sie ein einziges Bad in der Quelle der heiligen Wenefrieda heilte. Roger Whetstone, ein Quäker bei Bromsgrowe, wurde auf eben diese Weise von einer Lähmung geheilt, wo auch er zum katholischen Glauben zurückkehrte. Der gelehrte Cardinal Baronius erzählt mit Erstaunen von den Wunderheilungen, die ihm der fromme Bischof von St. Asaph, Stellvertreter des Papstes in den bischöflichen Amtsverrichtungen zu Rom, als Augenzeuge mitgeteilt hat.

 

Der heilige Papulus,

Priester und Märtyrer von Lauragais, Frankreich,

+ 284-305 – Fest: 3. November

 

In den Akten des heiligen Saturnin von Toulouse wird auch der heilige Papulus erwähnt. Es wird darin gesagt, er habe an den apostolischen Arbeiten dieses heiligen Bischofs Anteil genommen, und den Völkern des mittägigen Frankreichs im 3. Jahrhundert den Glauben verkündigt. Die Märtyrerkrone war die Belohnung seines Eifers. Er litt gegen Anfang der Regierung des Kaisers Diokletian in Lauragais, einem neun Meilen von Toulouse gelegenen Ländchen. In der Folge wurde da eine Kirche mit einer Abtei erbaut, die sich der Freigebigkeit Karls des Großen sehr zu erfreuen hatte. Johann XXII. hob 1317 diese Abtei auf und gründete damit ein Bistum. Der Ort hat sich zu einer ansehnlichen Stadt erhoben, und trägt den Namen des Heiligen. Die Reliquien des heiligen Papulus bewahrte man zu Toulouse auf, in der Kirche zum heiligen Sernin.

 

Der heilige Florus (französisch „Flour“),

erster Bischof von Lodeve, in Languedoc, Bekenner, Frankreich,

+ 3.11.389 – Fest: 3. November

 

Obgleich man wenig vom Leben des heiligen Florus weiß, ist doch nicht zu zweifeln, dass er der erste Bischof von Lodeve und Apostel dieses Teils von Languedoc gewesen war. Sein Eifer beschränkte sich nicht auf die Grenzen der Gallia Narbonensis. Er drang vor bis in die Cevennen und bis nach Auvergne. Man gibt seinen Tod um das Jahr 389 an. Bei seiner Ruhestätte wurde eine Kirche gebaut. Und der heilige Odilo stiftete daselbst eine Abtei, die aber von Johann XXII. in ein Bistum verwandelt wurde. Die Reliquien des heiligen Florus liegen in der Kathedralkirche der Stadt seines Namens, in Oberauvergne, deren Patron er ist. Sein Fest wird an diesem und auch am ersten Tag im Juni gefeiert, an dem ohne Zweifel seine Reliquien übertragen worden sind.

 

Der heilige Guinail, zweiter Abt von Landevenec in Bretagne,

+ 3.11.570 – Fest: 3. November

 

Der heilige Guinail, Romals und Lecticas Sohn, die beide von hohem Adel waren, wurde in dem Kloster Landevenec unter der Leitung des heiligen Winwaloeus, des ersten Abtes dieser Genossenschaft erzogen. Später widmete er sich in dieser Abgeschiedenheit dem beschaulichen Leben und wurde durch seinen Eifer ein Muster für alle seine Brüder. Der heilige Winwaloeus bestimmte ihn daher kurz vor seinem Tod zu seinem Nachfolger. Allein Guinail gab zu dieser Wahl nicht eher seine Einwilligung, bis man ihm versprach, nach sieben Jahren ihm seine Freiheit wiederzugeben.

 

Nach Verlauf dieser Zeit ging er mit 12 Ordensbrüdern nach England, in der Hoffnung, da den Menschen gänzlich unbekannt zu leben. Allein der Glanz seiner Tugenden und Wunder verbreitete sich bald weit umher. Er predigte an den Küsten von England das Evangelium und drang bis nach Irland vor, um auch da die Lehre Jesu Christi zu verkündigen. Es gelang ihm, viele Seelen den Finsternissen der Abgötterei zu entreißen und viele in das Laster versunkene Christen zur Besserung zurückzuführen. Ebenso stellte er in mehreren Klöstern die verfallene Zucht wieder her.

 

In der Folge kehrte er wieder nach Bretagne zurück, aus Furcht, sein hoher Ruf von Heiligkeit möchte in ihm eitle Gesinnungen erregen. Ein Edelmann aus dem Bistum Quimper, in dem die Abtei Landevenec lag, gab ihm einen Platz zur Erbauung eines Klosters. Nach diesem gründete er noch ein anderes auf der Insel Groie. Stets jedoch nach Verborgenheit strebend, entwich er auf die Insel Cornwall. Aber auch da wurde er entdeckt und genötigt Schüler aufzunehmen, denen er ein neues Kloster erbaute. An letzterem Ort starb er schließlich am 3. November im Jahr 570 und wurde in das Klosterbethaus, das eigentlich nur eine Einsiedelei war, begraben. Seine Ruhestätte verherrlichte Gott durch verschiedene Wunder. Drei Jahrhunderte danach wurde sein Leib erhoben und in der neuen Klosterkirche beigesetzt. Im Jahr 966 trugen die Ordensmänner, aus Besorgnis vor den mit dem Herzog der Normandie verbundenen Dänen, Misshandlungen erdulden zu müssen, die sterblichen Überbleibsel ihres geistlichen Vaters fort, und schlossen sich jenen an, die mit den Leibern des heiligen Maglorius und Samson u.a.m. nach Paris kamen, wo man alle der Kirche zum heiligen Bartholomäus anvertraute. Kurze Zeit später erhielt der Probst von Paris, Teugdon oder Theodulph genannt, den Leib des heiligen Guinail, den er in sein bei der Pfarrei Courcouronne, Bistum Paris, gelegenes Landhaus brachte. Dort erbaute man denn eine Kapelle unter der Anrufung des Heiligen. Aber da man diesen köstlichen Schatz an diesem Ort noch nicht sicher genug glaubte, trug man ihn nach Corbeil und legte ihn in eine Kapelle der Vorstadt St. Jakob. Im Jahr 1007 versetzte man diese Reliquien in eine Kirche derselben Stadt, die der Graf Buchard unter dem Namen des Heiligen hatte erbauen lassen. Diese Kirche bedienten vier Kanoniker, bis Ludwig der Dicke sie 1134 zu einem Priorat regulierter Chorherren, abhängig von der Abtei St. Victor in Paris, erhob.

 

Der heilige Guinail wird zu Vannes unter dem Namen St. Guenael verehrt, und der Dom dieser Stadt rühmt sich, zum Besitz eines Teils seiner Reliquien gelangt zu sein.

 

Der selige Simon Ballachi von Rimini, Italien,

Laienbruder im Orden des heiligen Dominikus,

+ 3.11.1319 – Fest: 3. November

 

Der gottselige Simon, Sohn des Grafen Rudolph von St. Archangelo, einer Stadt bei Rimini in Italien, wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts geboren. Damals war Italien in verderbliche Parteiungen geteilt, die einander mit unbändiger Wut verfolgten. Diese unchristlichen Gesinnungen wurden frühzeitig auch dem von so edlem Geschlecht entsprossenen Simon eingepflanzt, und er trug sie in seinem Herzen bis er vom Heiligen Geist erleuchtet, die Eitelkeit und die Gefahren der Welt erkannte, und sie zu fliehen entschloss. In dieser gottseligen Absicht weihte er sich in seinem 27. Lebensjahr dem Dienst Gottes im Orden des heiligen Dominikus. Das Kloster zu Rimini hatte noch tiefe Eindrücke bewahrt, die die Tugend des heiligen Märtyrers Petrus und des heiligen Thomas von Aquin, die beide daselbst gewohnt hatten, zurückließen. Dieser heilige Sinn bestimmte seine Wahl für dieses Haus, wo er sich als Laienbruder aufnehmen ließ. Obgleich aus einer so angesehenen Familie und Neffe des Bischofs von Rimini, willigte er doch nie in eine Beförderung zu einer höheren Stelle ein, sondern zog das in Gott verborgene Leben allen Auszeichnungen in den Augen der Menschen vor. Eifrig und demütig erfüllte er alle Pflichten seines niederen Standes. Seine Aufmerksamkeit, sein Fleiß und seine Unterwürfigkeit waren bewunderungswürdig. In den Tugenden der Enthaltsamkeit und Abtötung hatte er die höchste Stufe erreicht. Sein Eifer für das Heil des Nächsten war so glühend, dass er oft mit einem Kreuz in der Hand die Stadt durchlief, die Kinder in den Anfangsgründen der Religion unterrichtete, die Sünder durch ernste Ermahnungen von dem Lasterweg abrief, und zwar immer mit dem besten Erfolg. Sein Tod ereignete sich im Jahr 1319 und der Ruf von seiner Heiligkeit war so allgemein, dass man wegen des zusammenströmenden Volkes sein Begräbnis über die gewöhnliche Zeit verschieben musste. Seine sterblichen Überreste wurden seither öfters übertragen bis die Einwohner von St. Archangelo 1817 sie mit viel Feierlichkeit in die Stiftskirche versetzten. Papst Pius VII. erlaubte 1821, nach dem Gutachten der Congregation der Gebräuche, dass der Dominikanerorden und die Geistlichkeit des Bistums Rimini in Zukunft das Fest des gottseligen Simon feiere. Sein Andenken wird am 3. November geehrt.

 

4. November

 

Der heilige Karl Borromäus, Erzbischof, Kardinal von Mailand,

+ 3.11.1584 - Fest: 4. November

 

Der heilige Karl Borromäus war ein eifriger Verehrer des heiligsten Altarsakramentes. Schon als Junge war seine liebste Beschäftigung, kleine Altärchen zu errichten und davor Lobgesänge Gottes zu singen, wozu er auch seine Geschwister und andere Kinder aufzufordern versuchte. Als er heranwuchs, begab er sich, während seine Kameraden mit kindlichen Spielen sich beschäftigten, am liebsten in irgendeine Kirche, um dort seinen Erlöser zu besuchen und anzubeten.

 

An der Hochschule zu Pavia, wo er sich auf den geistlichen Stand vorbereitete, lebte er mitten unter den Ausschweifungen der Studenten ganz zurückgezogen; seine Zeit war dem Studium und dem Gebet gewidmet.

 

Zum Priester geweiht, begann er ein noch strengeres Leben als zuvor, gab sich mit noch größerem Eifer dem Gebet hin und wählte sich einen frommen Ordensmann zum Gewissensrat, auf dass er ihm eine gründliche Anleitung zur Ausübung der christlichen Tugenden geben möge.

 

Sein Oheim, Papst Pius IV., erhob ihn zum Kardinal der heiligen römischen Kirche und übertrug ihm zugleich das Erzbistum Mailand. Von Gott ausersehen, in der Zeit der großen Glaubensspaltung der Kirche eine Stütze zu sein, war er unablässig bemüht, dass das Konzil von Trient, das dem Strom der Glaubensneuerung Einhalt tun sollte, fortgesetzt und zum Schluss gebracht wurde. Er war neben dem Papst die Seele dieser großen Kirchenversammlung. Auch veranlasste er, dass ein eigener Katechismus der katholischen Lehre verfasst, dass das römische Messbuch und Brevier verbessert, dass heilsame Beschlüsse für die Kirchenzucht gefasst und verkündet wurden. Und als die Beschlüsse des Konzils zur Ausführung gebracht werden sollten, war er der erste, der damit den Anfang machte.

 

An sich selber übte er die größte Strenge, und alle Zeit, die ihm übrig blieb, verwandte er auf den Besuch der Kirchen; daneben spendete er reichliches Almosen und gab große Summen Geldes hin zum Schmuck seiner Kathedralkirche und führte ein ärmliches Leben. Keinen Morgen ließ er hingehen, ohne das heilige Messopfer darzubringen, zu dem er sich nicht nur durch inbrünstiges Gebet, sondern auch durch die Beichte jedesmal vorbereitete; hielt ihn aber eine schwere Krankheit von der heiligen Messe ab, so empfing er wenigstens die heilige Kommunion. Da er selbst erklärte, dass seine größte Wonne darin bestehe, am Fuß der Altäre vor dem Tabernakel zu verweilen, so brachte er oft ganze Nächte in der Kirche zu, und war mit allen Kräften darauf bedacht, die Kirchen von Mailand und die seines Bistums mit geziemender Pracht auszustatten. Auf die Herstellung des überaus herrlichen Domes zu Mailand verwandte er die größten Summen. Besonders sah er darauf, dass in den Kirchen Reinlichkeit und Ordnung herrschte, und der Gottesdienst mit entsprechender Feierlichkeit gehalten wurde. Wer kann schildern, mit welcher Andacht und inneren Sammlung er die heilige Messe las, und mit welch glühender Liebe er überhaupt das Allerheiligste behandelte? Nach der heiligen Messe blieb er stundenlang vor dem Altar knien, um seine Danksagung zu machen. Wenn er die heilige Kommunion austeilte, war er so ergriffen, das er nichts bemerkte, was um ihn vorging. Die Liebe zum allerheiligsten Altarsakrament gab ihm übermenschliche Kraft für sein apostolisches Wirken. Wie viel Mühe gab er sich, die Gläubigen zum fleißigen und andächtigen Besuch des Gottesdienstes und zum würdigen Empfang der heiligen Sakramente anzueifern! Er führte die Bruderschaft vom allerheiligsten Altarsakrament in seiner Metropolitankirche ein, die das Vorbild für alle anderen in seiner Diözese wurde. Er ordnete das 40stündige Gebet aufs neue und verteilte es an alle Kirchen in der Weise, dass nicht ein Tag im Jahr war, an dem nicht das heiligste Sakrament öffentlich zur Anbetung ausgesetzt worden wäre. Unzählige Kirchen wurden von ihm teils erbaut, teils restauriert.

 

Da die Priester die besonderen Diener des Heiligtums sind, so war seine erste und letzte Sorge, sie von der Erhabenheit ihrer Würde zu überzeugen, in ihnen den Geist des Gebetes und der Wissenschaft anzuregen, sie zu einem reinen Lebenswandel anzuspornen und sie mit Eifer für das Heil der Seelen und die Ehre Gottes zu entflammen.

 

Nachdem er heilige Zucht unter der Geistlichkeit hergestellt hatte, weihte er dem christlichen Volk all seine Kräfte. Jedes Jahr besuchte er die Pfarreien, sogar die entlegensten, hielt selbst Christenlehre und drang unaufhörlich darauf, dass die Priester es am Unterricht des Volkes nicht fehlen ließen.

 

Auch in den Klöstern stellte er den Geist wahrer Frömmigkeit wieder her, nachdem der Weltgeist in sie eingedrungen war.

 

Im schönsten Licht zeigte sich seine Seelengröße zur Zeit, als die Pest in Mailand die fürchterlichsten Verheerungen anrichtete. Er ging in die Pestspitäler, um, von Toten und Gefahren des Todes umgeben, den Sterbenden Trost zuzusprechen und ihnen den Beistand der Religion zu leisten. Furchtlos begab er sich an das Bett der Sterbenden, um ihnen die heiligen Sakramente zu spenden. Diesen Heldenmut hatte er sich vom heiligsten Sakrament geholt. Auch den Priestern, die voll heiligen Eifers sich beeilten, den Sterbenden beizustehen und ihnen die heilige Wegzehrung zu reichen, wusste er gleiche Seelenstärke einzuflößen.

 

Unterdessen griff die Pest immer weiter um sich, und der Heilige sah ein, dass nur mehr der Allmächtige diesem fürchterlichen Übel Einhalt gebieten könne. Es wurden darum öffentliche Bußprozessionen gehalten, an denen der Heilige selbst barfuß mit einem Strick um den Hals teilnahm, und endlich nahm das furchtbare Übel nach und nach ein Ende, wie es der Heilige vorhergesagt hatte.

 

Die heilige Eucharistie war in dieser jammervollen Zeit der Pest sein Trost, seine Zuversicht und Zuflucht.

 

Geschmückt mit den schönsten Tugenden, ausgerüstet mit den herrlichsten Gaben des Himmels, glühend für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen und dabei geleitet von dem Geist christlicher Klugheit, die er im Gebet errungen, voll tiefer Wissenschaft und Weisheit, die er sich durch fortgesetztes Studium zu eigen gemacht, gelang es ihm, Geistlichkeit und Volk umzuwandeln und Tausende für den Himmel zu gewinnen. Der Heilige hielt öfter geistliche Übungen an einsamen Orten, besonders zog ihn an der Berg Varallo, ein Wallfahrtsort im Bistum Novara an der Schweizer Grenze; dorthin begab er sich i Jahr 1584 in dem Vorgefühl des nahen Todes, obgleich er kaum sein 47. Lebensjahr erreicht hatte. Er verdoppelte jetzt seine Gebete und Bußwerke, legte eine Lebensbeichte ab und schien mehr als je in Gott versenkt. Am 24. Oktober befiel ihn ein Fieber. Die Krankheit nötigte ihn, nach Mailand zurückzukehren, wo er am Allerseelentag in einer Sänfte ankam. Die Ärzte erklärten sogleich das Übel für äußerst gefährlich, und der Beichtvater eröffnete ihm, dass die Stunde nahe sei, wo er vor Gott erscheinen müsse. Mit bewunderungswürdiger Ruhe hörte der Heilige diese Kunde; mit der Andacht eines Engels empfing er die heiligen Sterbesakramente, und am selben Tag Abends (4. November) verschied er, den Blick unverwandt auf das Bild des Gekreuzigten heftend, mit den Worten: „Ecce venio cito – Siehe, ich komme bald.“ Seine Heiligsprechung erfolgte 1610 durch Papst Paul V.

 

Die heiligen Vitalis, Sklave und Märtyrer von Bologna,

und Agricola, Edelmann und Märtyrer von Bologna,

+ 4.11.304 – Fest: 4. November

 

Vom heiligen Ambrosius wissen wir, dass Agricola ein Edelmann aus Bologna war, der seiner Tugenden wegen selbst von den Heiden geliebt wurde, unter denen erlebte. Er unterrichtete seinen Sklaven Vitalis in der christlichen Religion. Beide wurden während der Verfolgung im Jahr 304 verhaftet. Vital wurde als erster auf die Folter gelegt. Er lobte Gott, so lange er ein Wort hervorzubringen vermochte. Als er schließlich seinen ganzen Leib mit Wunden überdeckt sah, bat er den Herrn, er möge ihm die Krone geben, die ihm ein Engel gezeigt hatte. Nach vollbrachtem Gebet gab er seinen Geist auf. Des Agricola Hinrichtung wurde verschoben in der Hoffnung, der Anblick seines leidenden und sterbenden Sklaven werde ihn auf andere Gesinnungen bringen. Allein das Beispiel Vitalis befeuerte noch mehr seinen Mut. Die Obrigkeit und das Volk erzürnten darüber heftig, und der Märtyrer wurde an ein Kreuz geheftet, wo man seinen Leib mit so vielen Nägeln durchbohrte, dass er mehr Wunden als Glieder hatte. Die zwei Blutzeugen wurden auf der Begräbnisstätte der Juden beerdigt. Der heilige Ambrosius entdeckte ihre Gebeine auf seiner Reise, die er 393 vor dem Tyrann Eugen fliehend nach Bologna machte. Er nahm sich von diesen kostbaren Überbleibseln ein wenig Blut aus dem Grabesgrund, samt dem Kreuz und den Nägeln, den Werkzeugen von Agricolas Märtyrertod. Die Gebeine aber überließ er der frommen Witwe Juliana von Florenz, um eine Kirche damit zu bereichern, die sie in dieser Stadt erbaut und der heilige Ambrosius eingeweiht hatte.

 

Der heilige Felix von Valois, Priester und Ordensstifter,

+ 4.11.1212 - Fest: 4. November

 

Wenn die Franzosen Waloa sagen, so schreiben sie Valois, und der heilige Felix von Valois, dessen Fest heute begangen wird, ist, ohne dass sein Name eigens genannt wurde, am 8. Februar schon einmal vorgekommen. Da wird erzählt, dass sich der heilige Johannes von Matha, nachdem er der Erscheinung eines jungen Mannes von überirdischer Schönheit im weißen Gewand mit rotblauem Kreuz auf der Brust gewürdigt wurde, zu einem Einsiedler in einen Wald begab, mit dem er betete und sich über den neuen Orden vom Loskauf der Gefangenen beredete. Nach drei Jahren sahen Johannes und der Einsiedler den Hirsch mit dem leuchtenden rotblauen Kreuz im Geweih, und beide sind dann stehenden Fußes nach Rom gewandert und haben mit dem Segen des Papstes den neuen Orden vom Loskauf der Gefangenen gegründet, dessen Mitglieder im Laufe der Zeit eine Million Christen aus der Sklaverei der Mohammedaner befreite.

 

Eben dieser Einsiedler, von dem erzählt wurde, war der heilige Felix von Valois, der Mitbegründer des Trinitarierordens.

 

Felix stammte aus fürstlichem Geblüt, und es hätte nicht viel gefehlt, dass er König von Frankreich geworden wäre. Weil er aber zu Höherem als nur zum König geboren war – der kleinste Heilige steht bekanntlich himmelhoch über allen Kaisern und Königen –, ließ sich Felix die heilige Priesterweihe erteilen und wurde Einsiedler in dem großen Wald, von wo ihn Gottes Gnade zum Ordensstifter berief.

 

Während Johannes von Matha, sein heiliger Genosse, in die Länder der Mohammedaner zog, um die gefangenen Christen loszukaufen, blieb Felix bis zu seinem Tod im Jahr 1201 daheim und gründete Klöster, in denen er die junge Heldenschar des Ordensnachwuchses ausbildete, befähigte und begeisterte zu dem herrlichen Beruf eines Erlösers aus der Not der Sklaverei.

 

Grenzenlos war die Not. Gehetzt und getrieben, geschlagen und geschunden, seufzten die Christensklaven bei strenger Arbeit in der heißen Sonne Afrikas unter der Knute erbarmungsloser Herren. Erst der neue Orden vom Loskauf der Gefangenen brachte eine Wendung in dem bitteren Schicksal der geknechteten Menschen. Von frischer Hoffnung beseelt, hielten sie nun alle Tage Ausschau auf das Meer, und wenn fern am Horizont wieder ein Schiff erschien mit dem Kreuz am Mast, dann wollte der Jubel unter ihnen kein Ende nehmen. Alle drängten sich vor, jeder wollte zuerst losgekauft werden, jeder zuerst das rettende Schiff besteigen, um endlich heimzufahren.

 

Nie jedoch reichte das Lösegeld für alle, manche mussten zurückbleiben und noch länger in der Knechtschaft schmachten. Was mag in den Herzen der armen Menschen vorgegangen sein, wenn das Erlöserschiff ohne sie die Anker lichtete und davonfuhr, weiter, weiter, jetzt nur noch ein winziger Punkt am fernen Himmel, nun ganz verschwunden, verschwunden damit auch die Hoffnung, je erlöst zu werden. Was mag da in den Herzen der Nichtbefreiten vor sich gegangen sein?

 

Etwas Ähnliches gibt es allerdings heute noch, denn auch heute noch gibt es Seelen in Not, gefangene Seelen im bitteren Leid, die Armen Seelen im Fegfeuer. Selbst können sie sich nicht helfen, ganz sind sie auf die Hilfe anderer angewiesen, auf die Hilfe der Lebenden. Diese aber können ihnen helfen, leicht und schnell sogar, durch Opfer und Gebet, um dadurch ihre lässliche Sündenschuld und zeitlichen Sündenstrafen abzutragen.

 

Da muss doch wohl aus christlicher Liebe ein Orden vom Loskauf der Armen Seelen aus dem Fegfeuer gegründet werden, und alle müssen in den Orden eintreten und besonders im Armenseelenmonat November viel für die Gefangenen im Fegfeuer beten und opfern, damit ihnen nach baldiger Befreiung das ewige Licht leuchte und sie ruhen in Frieden.

 

Der heilige Emmerich, Kronprinz und Bekenner von Ungarn,

+ 2.9.1031 – Fest: 4. November

 

Der Gärtner freut sich, wenn das junge Bäumchen, das er mit liebevoller Sorgfalt aufzog und veredelte, schon frühzeitig viele und kostbare Früchte trägt. Doch viel kostbarer sind die Früchte der Tugend und Gottseligkeit in den Augen des himmlischen Gärtners und aller Guten, deren Auge und Herz entzückt wird durch den Anblick eines Menschen, auf dessen Antlitz der Stempel der Auserwählung ruht, und dessen Leben die herrlichsten Früchte für die Ewigkeit zeitigt. Ein solches Bäumchen im Garten Gottes voll der duftigsten Blüten und köstlichsten Früchte war der heilige Emmerich, der erstgeborene Sohn des heiligen Königs Stephan von Ungarn und der Gisela von Bayern.

 

Emmerich wurde im Jahr 1007 zu Stuhlweißenburg geboren und erhielt in der Taufe den Namen seines Oheims von mütterlicher Seite, des heiligen Kaisers Heinrich II., denn Emmerich hieß so viel wie Heinrich. Der junge Prinz empfing von seinen frommen Eltern und ausgezeichneten Lehrern, insbesondere von dem heiligen Gerhard, der später als Bischof von Czanad den Martertod erlitt, die sorgfältigste Erziehung, und er machte ihnen alle Ehre. Schon in früher Jugend zeigte er einen wunderbaren Eifer in frommen Übungen. Um Mitternacht stand er auf, zündete Kerzen an, betete die Psalmen und erweckte am Schluss eines jeden Psalms einen Akt der Reue. Sein Vater beobachtete ihn öfters heimlich und dankte Gott für einen solchen Sohn.

 

Einst machte der heilige Stephan mit seinem Sohn Emmerich eine Wallfahrt zum St. Martinskloster, das er vor kurzem gestiftet hatte. Die Mönche wollten dem Stifter ihres Klosters besondere Ehre erweisen und zogen ihm in Prozession entgegen. Der König wollte der Ehrenbezeugung ausweichen und sandte ihnen deshalb seinen Sohn entgegen, dass er sie in seinem Namen begrüße. Nach der Landessitte küsste Emmerich jeden Mönch hochachtungsvoll, einige küsste er mehrmals, einen von ihnen, namens Maurus, sogar siebenmal. Der König fragte nach der Ursache eines so ungleichartigen Benehmens. Emmerich antwortete, die Mönche seien alle fromm und tugendhaft, jedoch nicht in gleichem Maße, je heiliger einer sei, desto mehr Küsse habe er ihm gegeben, am meisten dem Maurus, weil der an Reinheit alle anderen übertreffe. Um sich Gewissheit zu verschaffen, ob sein Sohn die übernatürliche Gabe der Unterscheidung der Geister von Gott empfangen habe, kehrte der König nach einigen Tagen zum Kloster zurück und wohnte heimlich um Mitternacht den Metten bei. Da bemerkte er, dass manche Brüder nach dem Chorgebet fortgingen, um in ihren Zellen zur Ruhe zu gehen, andere blieben in der Kirche, um die übrige Nachtzeit sich der Betrachtung und dem Gebet hinzugeben. Diese waren dieselben, die Emmerich mehrmals geküsst hatte. Der König trat nun hervor und grüßte die Mönche freundlich und sie erwiesen ihm ihre Ehrfurcht. Als er zu Maurus kam, wurde sein Gruß nicht erwidert und er brach sein Stillschweigen selbst dann nicht, als ihm der König ernstlich drohte, wenn er ihm keine Antwort gebe. Am anderen Tag machte der König dem Maurus in Gegenwart seiner Ordensbrüder Vorwürfe über sein Benehmen. Er nahm schweigend und demütig den Vorwurf hin. Da erkannte der König, dass sein Sohn in höherer Erleuchtung richtig geurteilt habe, überhäufte Maurus mit Lobsprüchen und ernannte ihn später zum Bischof von Fünfkirchen.

 

Wie an Jahren, so nahm Emmerich an Tugenden und Verdiensten zu. Als er einst in der Kirche des heiligen Georg zu Vesprim inbrünstig zu Gott flehte, er möge ihm offenbaren, was er ihm als wohlgefälligstes Opfer bringen könne, da wurde plötzlich die Kirche lichthall und er hörte eine Stimme von oben: „Die Enthaltsamkeit ist eine preiswürdige Sache, darum fordere ich von dir die Keuschheit des Leibes und der Seele. Opfere diese Gott und bleibe in ihr mit beständigem Vorsatz!“ Der junge Heilige wurde mit Trost erfüllt und gelobte zur Stunde, seine Keuschheit unverletzt zu erhalten.

 

Das Gelübde des Kronprinzen durchkreuzte die dringende Bitte seines Vaters und der Großen des Reiches, dass er sich mit Cziska, einer kroatischen Prinzessin verheirate, um die Thronfolge zu sichern. Aus Ehrerbietung und kindlichem Gehorsam gegenüber seinem Vater gab er schließlich nach in der sicheren Hoffnung, Gott werde ihm ermöglichen, dass Gelübde treu zu bewahren. Sein Vertrauen wurde nicht enttäuscht. Der frommen Braut stellte er den hohen Wert der Jungfräulichkeit vor, und sie willigte ein, dass sie wie Bruder und Schwester in heiliger Josephsehe lebten. Beide wollten lieber eine Ehe führen, die reich an Tugenden, als reich an Kindern wäre. Beide verrichteten mit allem Eifer die Andachtsübungen, kreuzigten das Fleisch durch Fasten und Bußübungen und gewannen die Herrschaft des Geistes über alle Erdengelüste.

 

Desungeachtet sah sich der demütige Diener Christi als schwachen, armseligen Sünder an und erwog öfters die Schwere und Verantwortlichkeit der Herrschaft über ein ganzes Reich. Deshalb wünschte er, Gott möge ihn vor der Königswürde bewahren und die Bande seines Leibes lösen. Sein Gebet wurde erhört. In der schönsten Blüte des Lebens, mit 24 Jahren, empfing er statt der zeitlichen die ewige Krone. Sechs Tage früher, als ihm sein Vater die Königskrone übertragen wollte, starb er am 2. September 1031. Die jungfräuliche Witwe nahm im Frauenstift Niedernburg zu Passau den Schleier. Fünfzig Jahre nach seinem Ableben wurde Emmerich zugleich mit seinem Vater von Papst Benedikt IX. kanonisiert. Bei dieser Gelegenheit stellte man seine Überreste am 4. November auf den Altar des Domes in Stuhlweißenburg.

 

Unter den Wundern, die sich am Grab des heiligen Emmerich ereigneten, wird auch folgendes berichtet: Ein Deutscher, namens Konrad, hatte außerordentliche Laster begangen, war aber durch die Barmherzigkeit Gottes zur Erkenntnis und Sinnesänderung gebracht. Tief zerknirscht reiste er nach Rom und bat den Papst selbst, er möge ihm eine recht schwere Buße auferlegen. Es wurde ihm aufgegeben, er solle sich eiserne Ketten an den Leib schmieden lassen und zu den Gräbern der Heiligen wallfahren, bis an einem von ihnen die Ketten von selbst abfallen würden. Konrads Bußgeist nahm gern die verdiente Buße auf sich. Auf seinen Pilgerfahrten kam er auch an das Grab des heiligen Stephan von Ungarn. Als er dort mit großer Andacht gebetet hatte, überfiel den Weitgereisten der Schlaf. Da erschien ihm der heilige Stephan und forderte ihn auf, er solle zum Grab seines Sohnes Emmerich gehen, dort würden seine Bitten erhört werden. Konrad erwachte und tat, wie ihm im Traum befohlen worden war. Sobald er sich dem Grab des heiligen Emmerich näherte, zersprangen plötzlich die Ketten mit lautem Gekrach und fielen zu Boden, so dass alle Anwesenden in der Kirche zusammenliefen und über das Wunder staunten.

 

Der heilige Klarus, Priester und Märtyrer von Vexin, Frankreich,

+ 4.11.894 – Fest: 4. November

 

Der heilige Clarus von Rochester, in England geboren, verließ als Priester sein Vaterland und setzte nach Gallien über. Im Bistum Rouen lebte er dann mehrere Jahre in Ausübung der heldenmütigsten Tugenden. Wenn er oft die Einsamkeit verließ, so geschah es, um die Heilswahrheiten zu verkündigen. Er starb als Märtyrer der Keuschheit, indem ihn zwei Meuchler ermordeten, die von einer Frau gedungen waren, in deren sündhafte Forderungen er nicht einwilligen wollte. Seinen Tod setzt man gegen das Jahr 894. Er steht an diesem Tag im römischen Martyrologium, wie auch in dem von Frankreich verzeichnet. Seine Verehrung ist im Bistum Rouen, Paris und Beauvais sehr verbreitet. Der Ort, wo er litt, und der seinen Namen trägt, liegt an der Epte, neun Stunden von Pontoise und zwölf von Rouen. Es werden aus der ganzen Umgegend Wallfahrten unternommen. Auch besuchen die Gläubigen eine Einsiedelei in der Nähe, wo er sich der Sage nach soll aufgehalten haben. Ein anderer Ort, St. Clair genannt, wo der Heilige wie man sagt, zuerst gewohnt haben soll, liegt im Bistum Coutances, in der Normandie. Ehehin feierte die Abtei St. Victor in Paris das Fest des heiligen Clarus am 18. Juli mit Oktav. Der Heilige wird von vielen Kirchen in der Normandie als Patron verehrt.

 

Der heilige Amantius, erster Bischof von Rodez, Frankreich,

+ 5. Jahrhundert – Fest: 4. November

 

Der heilige Amantius (gemeinhin St. Chamant genannt) wurde in Rodez geboren. Er trat frühzeitig in den geistlichen Stand und wurde wegen seiner Tugenden auf den bischöflichen Stuhl von Rodez erhoben. Mit unermüdlichem Eifer arbeitete er an der Bekehrung der Heiden, die noch sehr zahlreich in seinem Sprengel waren, und gewann viele Menschen für den wahren Glauben durch die Kraft seiner Predigten und Wunder. Strenge Bußübungen wusste er mit seinen apostolischen Mühen und Arbeiten weise zu vereinbaren. Seine Milde und Nächstenliebe trug ebenfalls zu den von ihm erwirkten Bekehrungen vieles bei. Er starb gegen Ende des 5. Jahrhunderts. Sein Name steht an diesem Tag im römischen Martyrologium, das darin den Martyrologien von Ado und Usuard folgte. Zum Nachfolger bekam er den heiligen Quintian, der 511 seinen Leib erheben wollte, was aber, nach dem heiligen Gregor von Tours, vom heiligen Amantius nicht gutgeheißen, sondern dem heiligen Quintian in einem Traum missbilligt wurde.

 

Der heilige Johannicius, Abt und Bekenner von Bithynien,

+ 4.11.845 – Fest: 4. November

 

Johannicius, der durch Buße die Vergehen seiner Jugend zu sühnen sich bemühte, gelangte zu einer so großen Heiligkeit, dass ihn die griechische Kirche unter die berühmtesten Heiligen des Klosterstandes zählt. In Bithynien geboren, hütete er in seinen ersten Jahren die Schweine. In der Folge ließ er sich unter die Leibwache des Kaisers Konstantin Kopronymus oder dessen Sohnes und Nachfolgers Leo, mit dem Beinamen Chazar, aufnehmen. Er hatte einen starken Körperbau und zeichnete sich aus durch unerschütterlichen Mut. Allein sein Glaube war nicht kräftig genug gegen das böse Beispiel, und er hing der damals vom Hof beschützten Partei der Ikonoklasten an. Indessen war er doch so glücklich, einen heiligen Ordensmann kennenzulernen, der ihn, unter der Regierung der Kaiserin Irene, zugleich aus dem Laster und dem Irrtum riss. Von einer lebhaften Reue durchdrungen, brachte er sechs Jahre im Gebet und in der Abtötung zu, ohne jedoch seinen Stand in der Welt zu verlassen. Endlich aber entsagte er in seinem vierzigsten Lebensjahr dem Waffendienst und zog sich auf den Berg Olymp in Bithynien, bei Prusa (Bursa), zurück. In verschiedenen Klöstern bildete er sich in den Übungen der Vollkommenheit. Er lernte auch lesen und bemühte sich, den Psalter auswendig zu lernen. Sein Gebet dauerte ununterbrochen und allzeit schwebte ihm irgendeine fromme Anmutung auf den Lippen. In der Folge lebte er 12 Jahre lang als Einsiedler, worauf er im Kloster Ereste das Ordenskleid sich geben ließ. Durch die Gabe der Wunder und Weissagungen, sowie durch seine außerordentliche Klugheit, mit der er andere auf den Wegen der Vollkommenheit zu führen wusste, wurde er im ganzen Morgenland berühmt. Unter den Kaisern Leo dem Armenier und Theophil verteidigte er eifrig die Lehre der Kirche in Betreff der Heiligenbilder. Er hatte auch großen Anteil an dem von der Wahrheit errungenen Sieg, als die fromme Kaiserin Theodora den Irrtum der Ikonoklasten unterdrückte. In seinem Greisenalter erbaute er sich eine Zelle bei seinem Kloster auf dem Antide, um sich daselbst zur großen Reise in die Ewigkeit vorzubereiten. Er starb 845 nach den Angaben von einigen im Alter von hundertsechzehn Jahren, nach Angaben anderer von achtzig oder von neunzig Jahren. Drei Tage vorher hatte ihn der heilige Patriarch Methodius besucht.

 

Der heilige Brinstan (Birnstan/Brynstan),

Bischof von Winchester, England,

+ 4.11.934 – Fest: 4. November

 

Der heilige Brinstan war ein Schüler des heiligen Grimbald. Seine Tugenden und Kenntnisse erhoben ihn 931 auf den bischöflichen Stuhl von Winchester, dem der fromme Bischof Trithestan entsagte, der auch im folgenden Jahr starb. Nach Wilhelm von Malmesbury war er ein Bischof von außerordentlicher Heiligkeit. Alle Tage brachte er für die verstorbenen Christgläubigen das heilige Messopfer dar, und während der Nacht betete er auf dem Kirchhof die Psalmen für ihre Seelenruhe. Er ließ keinen Tag vorübergehen, ohne einer bestimmten Anzahl Armen die Füße zu waschen und ihnen am Tisch selbst aufzuwarten. Wenn er sie entlassen hatte, widmete er wieder mehrere Stunden nacheinander dem Gebet. Er starb am 4. November 934, ohne vorausgehende Krankheit. Der heilige Elphegus der Kahle wurde sein Nachfolger.

 

Der selige Heinrich von Zwiefalten,

Prior in Ochsenhausen,

+ 4.11.1262 – Fest: 4. November

 

Ein vergessener Seliger

 

Unser Schwabenland hat manche Heiligen, manche Seligen, die offen verehrt in unseren Kirchen und auf unseren Bildstöcklein stehen. Es hat aber auch solche, die vergessen sind. Kein Altar steht für sie, kein Grab ist ihnen geweiht, kein Hausaltar weiß mehr von ihrer Größe. Wenn dann irgendeiner Zeit findet, in verblichenen Chroniken zu lesen, findet er die goldstrahlende Glorie wie ein neuentdecktes Wunder.

 

Vom Jahr 1238 bis 1262 lebte und wirkte in dem ehemaligen Benediktinerkloster Ochsenhausen der 5. Prior, „der selige Heinrich von Zwiefaltach“. Seine Lebensbeschreibung ist so reich an wunderbaren Ereignissen, dass wir verstehen, warum ihm die Chronik den Namen „der Selige“ gab. Seinen Namen finden wir denn auch in jeder ausführlichen Legende aufgeführt am 4. November. Auch waren in den über hundert Jahren (jetzt schon über 200 Jahre - 1803), seit Aufhebung des Klosters, viele Pfarrherren und Vikare in Ochsenhausen, die sich bemühten, von dem Grab dieses großen Menschen Spuren zu finden, aber umsonst. Die vielen großen Umbauten, seitdem aus dem kleinen Priorat des Stiftes eine mächtige Abtei geworden war, vielleicht auch die Kriege, haben verwischt, was dort einst hochgeehrt war.

 

Der selige Heinrich wurde auf dem Stammschloss Zwiefaltach geboren. Er war ein Mann unserer Abstammung, unseres Schwabenblutes, raschen, zornmütigen und schnell wieder versöhnten Charakters. Reicher Eltern Kind, ein Schlossjunker, fern aller schwierigen körperlichen Arbeit, ein Leichtlerner, ein Lernbegeisterter, einer der durch die Schulaufgaben flog wie ein Schmetterling durch Blumen, dem die Schule Genuss und Freude war. Der Eltern Stolz, der Mitschüler Vorbild. „Seine seltenen Geistesgaben, die ein schöner Körperbau ungemein erhöhte, und sein unermüdlicher Fleiß berechtigten zu den kühnsten Erwartungen“, steht zu lesen in einer Chronik. Schöne Menschen haben einen leichteren Lebensweg, ihr Anblick schon macht ihnen alle Herzen gewogen, denn des Menschen Auge ist für Schönheit reich empfänglich eingestellt. Aber Schönheit ist ein zweischneidiges Schwert und unser Heinrich fiel durch dieses Schwert.

 

Lob und Ehre und Schmeichelei überall und Reichtum als Zugabe: dieses Leben war herrlich. Er begann, es zu genießen, er fand Freude an Festen, er ermüdete dadurch im Studium, er holte Ehre von der Jagd, vom Ritterspiel. Überschwänglich erst im Lerneifer, war er jetzt überschwänglich im Leichtsinn. Den einst auf den Sohn so stolzen Eltern brach der mehr und mehr in die Tiefe sinkende Sohn das Herz.

 

Aber Heinrich war zu sehr umgarnt von falschen Freunden und gleißenden Vergnügungen, als dass ihn der Tod der Teuersten herausreißen konnte zur Umkehr. Nur toller und wilder lärmten seine Feste, nur noch häufiger zog er die adelige, bürgerliche und vagabundierende Jugend auf sein Schloss in den Rausch aller Genüsse, „selbst auf ganz gemeine Tanzplätze“, schreibt der Chronist.

 

Aber Gottes Wege erforscht kein Menschenhirn. Seine Stunde schlägt, wann er will.

 

In gedankenlosem Übermut tanzte Heinrich bei Musik, Wein und Gesang in üppigen Kleidern und reichem Schmuck in lärmender, genusssüchtiger Gesellschaft, die Nacht durch bis zur Dämmerfrühe in den Hallen seines Heimatschlosses. Die erhitzte Tänzerin fliegt mit ihm durch den Saal, lachend und jauchzend. Plötzlich lässt der schöngewachsene Herrensohn sie stehen, seine Arme lassen ihren noch im Tanz sich wiegenden Körper los, erschrocken starrt er hin zum Eingang des Saales und beginnt zu zittern. Seine Tänzerin folgt seinen Blicken, sie sieht nichts Besonderes, - nur den Tumult übernächtig tanzender Menschen. Was hat der Ritter?

 

Mitten durch Lärm und Wirrwarr von Tönen und Farben zieht langsam – ein Schemen und doch wahrhaftig wahr – schweiß- und bluttriefend der Herr Jesus mit dem Kreuz auf der Schulter, müde hebt er das heilige Antlitz und schaut Heinrich ernst und traurig an. Heinrich starrt, seine Augen werden feucht, dann hebt er sein schönes, stolzes Haupt hoch, schaut seine Partnerin an und sagt: „Gute Nacht, nun gehe ich ins Kloster!“

 

Hell lacht die Schöne heraus, jubelnd stimmen die Genossen ein:

 

„Der Heinrich, das ist sein feinster Spaß, er geht ins Kloster! Ha – ha - !“

 

Weiter tobt und rast der Tanz. Er wird schon wieder kommen, der Heinrich; lustig und übermütig, in der Mönchskutte vielleicht – ha – ha – Heinrich geht ins Kloster! –

 

Einen Mantel hat der Ritter sich umgeworfen im Gang. Nimmer denkt er daran, sein Lustkleid abzulegen, - er hat den Herrn gesehen, er muss ihm nach; - der Herr hat ihn gerufen mit seinem Blick, er muss ihm folgen.

 

Ein weiter Weg von Zwiefaltach bis Ochsenhausen, viele Stunden, durch viele Wälder. Heinrich kennt sie von seinen Jagden, aber nun reitet er nicht mehr bequem hoch zu Ross, nun stampft er im kalten, nüchternen Morgengrauen dem Osten zu, - ins Kloster.

 

Ein Tag geht fast hin, bis der müde Wanderer an der Pforte des damals noch kleinen, schmalen Klösterleins steht. Aber frisch ist sein Auge, er weiß, was er will, und er meldet sich dem Prior. Prior Arnoldus, ein früherer Mönch von Sankt Blasien, maß den Herrensohn von oben bis unten: „So schnell öfnet unser Ordensstifter Benediktus seine stillen Pforten nicht; der Herrensohn von Zwiefaltach hat keinen ehrenvollen Ruf für ein Mönchleben.“

 

Heinrich aber beugt Haupt und Knie und bittet: „Dem geringsten Bruder stellt mich als noch geringeren bei, nur jagt mich nicht mehr hinaus in die Welt!“

 

Was Prior und Weltkind weiter beredeten, ist in Gottes Büchern eingetragen. Guten Willens waren beide und darum wurde ihr Tun zum Segen.

 

„Über alle Erwartungen bestand der Ordenskandidat jede Probe“, heißt es. Ferner: „der Eintritt wurde ihm sehr erschwert, denn sein Ruf war an die Pforte vorausgeeilt; aber der rühmliche Bußeifer seines Probejahres verließ ihn die ganze Zeit seines Lebens nie. Wie streng und unerbittlich er gegen sich war, umso schonender und liebreicher war er gegenüber seinen Brüdern und gegenüber allen, die in nähere Berührung mit ihm kamen“, schreibt die Chronik weiter. Zurück zum Gebet und zum Studium, das waren die Wege, auf denen er immer inniger zu Gott kam. Wir wissen, dass er um 1200 geboren ist und dass er schon im Jahr 1238 nach Ableben des Priors Arnold vom Abt Heinrich I. von Sankt Blasien zu dessen Nachfolger ernannt wurde.

 

Wenn wir rechnen, dass seine Leichtsinnszeit mit dem 25. Jahr endete, so war er nach 12-13 Jahren schon zum ersten Leiter des Klosters herangereift. (Damals war Ochsenhausen noch nicht Abtei.) Beweis genug der großen Achtung, die Heinrich genoss. In Demut bat er um Befreiung von dieser Wahl, „denn ich halte jeden meiner Mitbrüder dazu für würdiger als mich“.

 

„In liebevoller Tugend riss er alle durch sein Beispiel der Güte und Frömmigkeit zur Nachahmung hin, so dass mündliche Aufforderungen zum Guten selten not waren.“

 

„Gott gab diesen willigen Mönchen auch bald Zeugnis, dass sie in dem, den sie wie einen Vater liebten, einen Heiligen zu ehren hatten“, also steht es in der Chronik. Wunderbare Gebetserhörungen in verschiedenen Nöten des Klosters und seiner Umgebung setzten immer wieder die Mönche und die Laien in ehrfurchtsvolles Staunen. Manche davon sind aufgezeichnet, viele nicht. Die kostbare Bücherei des Klosters ist, wie mancher große Schatz der Frömmigkeit, der Wissenschaft und der Kunst, verschleudert worden in der bösen Säkularisation. Das kleine, im Viereck des heutigen Kreuzgartens gebaute Klösterlein, dessen eine Seite die Kirche war, wurde eines nachts schwer gefährdet, da Feuer in dem Kirchlein ausgebrochen war. Feuer in der damaligen Zeit war ein fast unbesiegbarer Feind. Wenig Wasser, wenig Löscher, keine bequemen Hilfsmittel, viel Holz, lebhafte Luftbewegung auf der freien Höhe.

 

„Der fromme Prior warf sich am Fuß des Altars sein Angesicht, - und auf sein Gebet verschwand mit einem Mal alle Gefahr.“

 

Dass die Menschen mit ihren Nöten zu dem Seligen pilgerten, sehen wir aus der Erzählung: „Er half einem von Geburt ganz verkrüppelten Knaben augenblicklich auf die Beine und heilte eine schon ziemlich bejahrte Person, die sich mit Nähen kümmerlich genährt hatte, von einer unheilbaren Augenkrankheit.“

 

Er soll auch mit den armen Seelen seiner vorangegangenen Mitmenschen in ständiger Fühlung gewesen sein in Gebet und Hilfe, und seine Umgebung habe oft die Wirkung seines herzlichen Mitleidens mit ihnen geheimnisvoll erfahren.

 

Der Heilige brachte durch diese auffallenden göttlichen Gnadenerweise seinem Kloster viele Wohltäter und Stifter. Für unsere Zeit ist es sehr lehrreich zu wissen, zu was er diese Gaben vor allem verwendete. Er half seinem Mitmenschen, wo er Not sah, und „er wendete die milden Gaben dazu an, seine Bibliothek mit nützlichen Büchern und erbaulichen Schriften zu bereichern und die Kirche und das Klosters mit schönen, heiligen Gemälden zu schmücken“. Frömmigkeit war ihm also nicht bloß ruhige Beschauung, sondern Handeln im Geist Jesu.

 

Er starb im Ruf der Heiligkeit am 4. November 1262. In vier lateinische Verse fassten seine Zeitgenossen sein Leben kurz und treffend.

 

Berühmt hat er Zwiefaltach gemacht

Durch ein gutes Leben in Christus,

Welches er hingegeben seinen Brüdern:

Hier lebte ich als Mönch und Prior,

Den brennenden Tempel löschte ich,

Blinde, Lahme, von Dämonen Gequälte,

Die Schatten in den Flammen

Habe ich zum Heil geführt.

 

Von Elise Miller

Katholisches Sonntagsblatt

 Bistumsblatt der Diözese Rottenburg

88. Jahrgang, Nummer 39, S. 655

Stuttgart, 26. September 1937

 

5. November

 

Der heilige Lätus, Priester und Bekenner von Orleans, Möch, Einsiedler,

+ 5.11.534 – Fest: 5. November

 

Der heilige Lätus wurde in der französischen Landschaft Berry geboren und hütete in der Jugend die Herden seines Vaters. In der Folge verließ er diese Beschäftigung und trat im Drang nach höherer Vollkommenheit der Mönchsgemeinde von St. Mesmin bei Orleans bei. Hier knüpfte er mit dem heiligen Avitus, der am 17. Juni verehrt wird, enge Freundschaft und zog sich mit ihm in die Einöde von Sologne zurück. Als Avitus später wieder in sein Kloster heimkehrte, wählte Lätus den Forst Inatoire zu seinem Aufenthaltsort. Man setzt seinen Tod in das Jahr 534. Mit der Zeit baute man eine Kapelle auf seinem Grab, und es bildete sich hier allgemach ein beträchtliches Dorf, das des Heiligen Namen führt. Seine Reliquien kamen in die Stiftskirche von Pluviers im Bistum Orleans.

 

Die heilige Berthilla (Bertila),

Jungfrau und Äbtissin von Chelles, Frankreich,

+ 5.11.705 (692) – Fest: 5. November

 

Die heilige Berthilla, aus einem edlen Geschlecht in Soissonnais entsprossen, erblickte das Tageslicht unter der Regierung Dagoberts I., und erlangte durch ihre Frömmigkeit den wahren Adel der Kinder Gottes. Von frühester Jugend an entzog sie ihre Neigungen dem Irdischen, um sie ans Himmlische zu heften. Sie floh, so viel sie vermochte, die eitlen Lustbarkeiten der Welt, und beschäftigte sich einzig mit ernsthaften Gegenständen und besonders mit dem Gebet. Die Köstlichkeiten, die sie in der Unterhaltung mit Gott häufiger kostete, flößten ihr das Verlangen ein, gänzlich der Welt zu entsagen. Da sie sich aber hierüber ihren Eltern nicht zu eröffnen wagte, fragte sie den heiligen Audónus um Rat, der sie in ihrem frommen Vorhaben bestärken zu müssen glaubte. Inzwischen vereinigten sich beide im Gebet zum Vater der Erleuchtung, damit er sich würdigen möchte, seinen Willen auf eine deutlichere Weise kund zu tun; denn der Heilige wusste wohl, dass nichts wichtiger sei, als die Standeswahl; und dass man nicht ohne große Gefahren auf einem Weg gehen könne, den die göttliche Vorsehung nicht vorgezeichnet hat; dass uns die Eigenliebe durch ihre Truggewebe nur zu oft die wahren Beweggründe unserer Handlungen verschleiert; und dass der Geist der Finsternis sich nicht selten in einen Engel des Lichtes gestalte, um uns desto sicherer zu täuschen.

 

Nachdem sich Berthilla überzeugt hatte, dass ihr Beruf vom Himmel komme, zögerte sie keinen Augenblick mehr ihren Eltern zu offenbaren, was in ihrer Seele vorging. Gerührt durch die gottseligen Gesinnungen ihrer Tochter, erlaubten sie ihr, dem Ruf der Gnade zu folgen. Sie führten sie in das Kloster Jouarre in Brie, das kurz vorher der gottselige Ado, der ältere Bruder des heiligen Audónus, im Jahr 630 gestiftet hatte: da wurde sie mit mehreren Jungfrauen von Stand eingekleidet.

 

Die heilige Thelchilda, die man für eine in Faremoutier gebildete Klosterfrau hält, stand damals diesem Haus als erste Äbtissin vor. Sie nahm Berthilla mit Freude auf und unterrichtete sie in den Wegen der Vollkommenheit. Die junge Schwester, die die Einsamkeit als einen sicheren Hafen betrachtete, dankte unaufhörlich dem Herrn, dass er sie durch seine Barmherzigkeit aus den gefahrvollen Stürmen des Weltmeeres errettet hatte, dabei bedachte sie aber auch, dass sie nur in so ferne verdiene, eine Braut Jesu zu sein, als sie sich bemühen würde, den mühevollen Weg der Demütigungen und Selbstverleugnungen zu gehen, auf dem er allen, die ihm folgen wollen, vorangegangen war. Sie suchte sich daher tief unter all ihre Schwestern zu erniedrigen, sich unwürdig erachtend unter ihnen zu leben. Da inzwischen ihre Klugheit und Tugend ihren Jahren weit vorangeschritten waren, vertraute man ihr das Amt an, die Fremden zu empfangen, dann für die Verpflegung der Kranken zu sorgen, und endlich über das Betragen der Kinder zu wachen, die im Kloster auferzogen wurden. Alle diese Ämter verwaltete sie so gut, dass man sie hierauf zur Priorin erwählte, um die Äbtissin in der Leitung der Genossenschaft zu unterstützen. Nun erstrahlte ihr Gottseligkeitseifer in neuem Glanz. Ihr Beispiel ermunterte alle Schwestern, und sie würden nicht ohne Schamröte eine Satzung übertreten haben, die ihre Priorin mit so viel Treue beobachtete.

 

Zu dieser Zeit ließ die heilige Bathilde, Clodwigs II. Gemahlin, die Abtei Chelles, im Bistum Paris, die von der heiligen Clotilde gestiftet worden war, wieder aufbauen. Um nun in dieser neuen Genossenschaft eine vollkommene Lebensweise einzuführen, bat sie die Äbtissin von Jouarre, ihr einige ihrer Schwestern zu schicken, die durch ihre Tugend und ihre Erfahrung den beabsichtigten Zweck befördern könnten. Berthilla wurde demnach an die Spitze einer neuen Pflanzung gestellt, und gegen das Jahr 646 zur ersten Äbtissin von Chelles gewählt; und bald verbreitete sich ihr Ruf in weiter Ferne. Sie zählte unter ihren Mitschwestern mehrere ausländische Prinzessinnen. Unter diesen war auch Hereswitha, Königin der Ostangeln, eine Tochter Hererichs, Bruder oder Schwager desw hl. Edwin, des Köänigs der Northumberer. Der fromme König Anna, an den sie verehelicht war, gab seine Einwilligung, dass sie sich von ihm trennte, um dem Klosterleben sich zu widmen. Sie ging herauf nach Frankreich im Jahr 646, und starb im Ruf der Heiligkeit zu Chelles, wo sie den Schleier genommen hatte. Ihr Fest ist im englischen Martyrologium von Wilson auf den 20. September verzeichnet.

 

Die heilige Bathilde war 655 Witwe geworden, und stand nun als Regentin dem Reich vor; da aber ihr Sohn, Clotar III., seine Volljährigkeit erreicht hatte, zog sie sich nach Chelles zurück, und legte die Gelübde ab. Sie lebte unter der Leitung der heiligen Berthilla bis in das Jahr 680, wo der Herr sie in das bessere Leben rief.

 

Obgleich auch die Genossenschaft zu Chelles sehr zahlreich und die meisten Klosterfrauen von hohem Adel waren, wurde der Friede doch niemals gestört. Alle strebten mit heiligem Wetteifer, sich wechselseitig in der Demut, Sanftmut, Abtötung und Liebe zu übertreffen. Berthilla, die unter ihren Töchtern zwei große Königinnen sah, suchte sich durch nichts als ihre Liebe zur Vollkommenheit auszuzeichnen. Sie bewies durch ihr Beispiel, dass man nicht wohl zu befehlen verstehe, wenn man nicht wisse gehorsam zu sein. Diese glückliche Seelenstimmung bewahrte sie vor dem Stolz, und allen damit verbundenen Fehlern. 46 Jahre lang stand sie der Genossenschaft mit ungeschwächter Kraft und gleicher Klugheit vor. Die Gebrechen des Alters, weit entfernt ihren glühenden Eifer zu vermindern, steigerten ihn vielmehr mit jedem Tag. Sie starb 692 (705).

 

Wer wahrhaft der Welt entsagt hat, lässt sorgenlos ihre Herrlichkeit seinen Blicken vorübergehen; verachtet ihre nichtigen Bestrebungen; betrachtet ihr tausendfaches Elend, das unter allen Gestaltungen erscheint, ist auf seiner Hut vor ihren verführerischen Schlingen, und weist ihre schmeichelnden Lockungen samt allen Reizen ihrer unseligen Freuden zurück, wodurch so viele Seelen in das ewige Verderben gestürzt werden. Wie einer, der den sicheren Hafen erreicht hat, betrachtet die Gott geweihte Seele das stürmende Meer, von dessen Fluten die unglücklichen Weltkinder, nach mühevollem Kampf, verschlungen werden. Nur die retten sich vom Untergang, deren Seele den Flug nach dem Himmlischen nimmt, ohne sich von irdischen und ungeordneten Leidenschaften zurückhalten zu lassen.

 

6. November

 

Der heilige Winok, Abt von Wormhouth (Wormholt), Flandern,

+ 6.11.717 – Fest: 6. November

 

Mehrere der Briten, die nach Gallien überschifften, um sich der Wut der Angelsachsen zu entziehen, wurden durch ihre Drangsale zur Verachtung des Irdischen und zum Streben nach dem Himmlischen hingezogen. Die Bretagne, wo sich viele ausgewanderte Briten niedergelassen hatten, brachte daher einige Jahrhunderte hindurch viele Heilige hervor. Aus einer dieser britischen Familien stammte Winok, der ein Sohn des Königs Howel III. und Bruder der Könige Salomon und Judoc war. Aus seinem Beispiel ersieht man, wie wichtig und wirksam eine christliche Erziehung ist.

 

In Gesellschaft drei edler junger Männer, die mit ihm einerlei Sinnes waren, machte er mehrere Pilgerreisen, und besuchte zu St. Omer das Kloster Sithiu, das später unter dem Namen St. Bertin bekannt wurde. Der Andachtseifer der dortigen Ordensmänner machte einen so tiefen Eindruck auf sie, dass sie sich in ihre Genossenschaft aufnehmen ließen. Die Namen der drei Gefährten des Heiligen waren Quadenok, Ingenok und Madok.

 

So zahlreich auch die Genossenschaft war, bemerkte man doch an Winok ein besonderes Streben nach Vollkommenheit. Einige Zeit nach seiner Aufnahme schickte der heilige Bertin, der Abt von Sithiu, vier britische Ordensmänner aus, eine fromme Kolonie in den Sümpfen der Meeresküste zu begründen. Herrmann, ein flamändischer Edelmann, schenkte ihnen einen Landstrich, Wormhouth genannt, worüber die Urkunden immer sorgfältig erhalten wurden. Der neuen Genossenschaft stand Winok vor. Nachdem er mit den Brüdern die Zellen und die Kirche erbaut hatte, gründete er auch ein Spital für die Armen, und so brachten sie dann ihr Leben im Dienst Gottes und ihres Nächsten zu.

 

Winoks Kloster wurde sehr zahlreich und verbreitete weit umher den Ruf der Heiligkeit. Der hohe Ruf, in dem der Abt stand, wurde durch Wunder, die Gott durch ihn wirkte, noch vermehrt. Er war der demütigste der Brüder, und man hätte ihn für ihren Diener halten können. Seine größte und liebste Beschäftigung war die Kranken im Spital zu verpflegen. Selbst in seinem hohen Alter unterzog er sich den mühevollsten und erniedrigendsten Arbeiten. Sein glühendes Verlangen mit Jesus zu sein, wurde wurde endlich am 6. November 717 erfüllt. Seine sterbliche Hülle setzte man in der Klosterkirche bei.

 

Als im folgenden Jahrhundert die dänischen Seeräuber an Flanderns Küsten landeten, wurden die Reliquien des Heiligen nach Sithiu gebracht. Im Jahr 920 ließ Graf Balduin der Kahle das Schloss Berg erbauen und befestigen, um seine Staaten gegen die Einfälle der Barbaren zu verteidigen. Neun Jahre danach stiftete er daselbst ein Benediktinerkloster unter der Anrufung des heiligen Martin und des heiligen Winok, wohin auch die Reliquien unseres Heiligen gebracht wurden. Die Güter des Klosters Wormhouth, die in der Nähe lagen, wurden mit dem von Berg vereinigt; und diese Stadt erhielt den Namen Berg-St.-Winok (Das Kloster Wormhouth wurde 880 von den Normannen zerstört. Später wurde auf dessen Stätte ein kleines von der Abtei Berg abhängiges Priorat errichtet).

 

Der heilige Jltut (Elchut, Eltut), Abt und Bekenner in der Bretagne,

+ 6. Jahrhundert – Fest: 6. November

 

Iltut oder Elchut, der aus einer edlen Familie abstammte, wurde in der Grafschaft Glamorgan geboren. Er diente einige Zeit im Krieg unter König Arthur, dessen Verwandter er war, und erwarb sich durch seine Tapferkeit einen hohen Ruf. Er verließ ihn jedoch wieder, da ihm der heilige Cadok, der Abt von Llan-carvan (drei Meilen von Cambridge entfernt, in der Grafschaft Glamorgan), der zuerst Schüler des heiligen German, dann des Dubricius, der später Bischof von Llandaff war, eine gottselige Verachtung der Welt und die Liebe zur wahren Weisheit einflößte. Nach erhaltener Tonsur brachte er einige Zeit unter Cadoks Leitung zu, und erwarb sich große Kenntnisse in den theologischen Wissenschaften. In der Folge stiftete er, nicht weit von Llan-carvan, am Meer ein Kloster, das durch seine Schule berühmt wurde, und den Namen Llan-Iltut oder Llan-twit annahm. Unter seinen Schülern zählte man den heiligen David, den heiligen Samson, den heiligen Maglorius, den heiligen Gildas, und mehrere andere Heilige, wovon einige zur bischöflichen Würde erhoben wurden. Mit dem Nachtwachen, dem Fasten und dem Gebet verband Iltut die Handarbeit. Zuletzt übergab er die Leitung seiner Schule einem seiner Jünger, namens Jsham, um ungehinderter seiner Neigung zur Einsamkeit folgen zu können. Er lebte sodann drei Jahre unter den strengsten Bußübungen in gänzlicher Zurückgezogenheit. Einige Zeit vor seinem Tod ging er in die Bretagne, um seine Schulen und Freunde zu besuchen; zu Dol wurde er vom Herrn in die himmlische Welt gerufen. Sein Tod fällt ins 6. Jahrhundert. Er ist noch Titularpatron einer Kirche in der Grafschaft Glamorgan, die er einst selbst gegründet hatte. Bale und Pitz erwähnen zweier Doktrinalbriefe, die er geschrieben habe, aber die meisten Werke der alten britischen Lehrer sind durch die Länge der Zeit nicht erhalten geblieben.

 

Der heilige Leonhard,

Priester und Einsiedler-Abt von Noblac, Limoges,

+ 6.11.559 - Fest: 6. November

 

Der heilige Leonhard, auch Lienhard genannt, war ein Edelmann am französischen Hof Klodoväus I., den der heilige Remigius zum Glauben bekehrt, getauft hat, und dem der König Taufpate war. Das Evangelium, die erfahrene Gnade Gottes, und das vorleuchtende Beispiel des heiligen Remigius machten so tiefen Eindruck auf die Seele Leonhards, dass er den Hof des Königs und alle zu erwartenden glänzenden Ehrenstellen verließ, um das Reich Gottes in seiner Seele zu gründen und wachsen zu lassen, und sich dem heiligen Erzbischof zur Leitung übergab, um die Wege Gottes besser zu erkennen und weiter zu gehen. Remigius, der seinen Eifer in der Tugendschule und Frömmigkeit wohl bemerkte, hatte ihn lieb und weihte ihn zum Priester oder Diakon. Er zeichnete sich aus in heiliger Liebe, frommen Eifer und Verachtung alles Zeitlichen. Der Bischof sandte ihn aus zum Predigen und erntete vielfache Früchte seines Eifers; denn er predigte mit Geist und Feuer, bekehrte viele zur Buße oder auch zum Glauben, weil Gott mit ihm war. Der Ruf seiner heiligen Beredsamkeit verbreitete sich weit umher, auch bis an den Hof des Königs. Dieser trug ihm hohe Ehrenstellen an, bis zu der Zeit, dass ein Bistum durch ihn könnte besetzt werden. Allein der Heilige wich allen diesen Anträgen aus und erbat sich nur die Erlaubnis vom König, einige Gefangene zu befreien. Um allen weiteren Anträgen des Hofes zu entgehen und dem Verlangen nach stillem Leben zu folgen, begab er sich ins Kloster Mizi, zwei Stunden von Orleans, dem der heilige Maximin oder Mesmin, ein Neffe des Stifters des heiligen Euspizius, vorstand. Große, Demut, Abtötung, Andacht zeichnete hier den Leonhard vor den Ordensgenossen aus, und er und Lätus waren ihnen ein Muster klösterlicher Gottseligkeit und ein Gegenstand der Verehrung wegen ihrer Heiligkeit. Nach dem im Jahr 520 erfolgten Tod des heiligen Maximin verließ der Diener Gottes aus Verlangen nach größerer Einsamkeit das Kloster Mizi und nahm den Weg nach Berry. Da er hier noch einige Götzenbilder fand, entbrannte er mit Gottes Eifer, predigte das heilige Evangelium, wirkte mit Gotteskraft viele Wunder, und in kurzer Zeit fand man keine Spur des Heidentums mehr in dieser Gegend. Von da kam er in die Gegend von Limoges, ließ sich in dem Wald Pauvain nieder, lebte hier einige Zeit gänzlich verborgen vor den Menschen, nur Gott war Zeuge seiner heiligen Bußwerke. Er aß nur Kräuter und wilde Früchte. Sein Eifer trieb ihn aber wieder zu den Menschen der Umgegend, um ihnen zu predigen und die Wege des Heils zu zeigen. Sein Wort bekehrte gar viele und sein Gebet half vielen Kranken und Betrübten. Da trug es sich zu, dass die Königin von Aquitanien in Kindesnöte kam und Gefahr lief, für sich und ihre Lebensfrucht das Leben zu verlieren; der König und seine Großen waren auf der Jagd in der Gegend von Limousin. Da rühmten die Leute die vielen wunderbaren Gebetserhörungen, womit Leonhard von Gott begnadigt war. Sogleich schickte der König Theodebert einen Diener hin, den frommen Einsiedler zu sich zu bitten. Er folgte dem Diener, betete über der Königin, und sie wurde glücklich entbunden. Die Freude war unbeschreiblich. Der König bot dem Diener Gottes große Geschenke und Gnaden an, aber er nahm nichts an, sondern begehrte nur eine Strecke Waldes, in dem er sich aufhielt, was der König gerne bewilligte. Die Kraft seiner Worte und seines heiligen Wandels zog ihm mehrere Jünger zu, die sich seiner Leitung unterwarfen. Es wurde im Wald ein Bethaus erbaut an dem Ort, der Nobiliak oder Noblak heißt, und daraus entstand bei Lebzeiten des heiligen Leonhard ein Kloster, das in der Folge sehr berühmt wurde, und zuerst den Namen Noblak, dann St. Leonhard von Noblak führte. Der Diener Gottes, der in seiner strengen Lebensweise, in der Abtötung, im Gebet, im Eifer für Gottes Wort immer fortfuhr, gab den Zöglingen kräftige Anleitung zu aller Tugend und Vollkommenheit. War er abwesend, so bestellte er andere tüchtige Mönche zum Fortgang in allem Guten. Es war dem Heiligen neben seinen Predigten ein Lieblingsgeschäft, Gefangene in den Kerkern zu besuchen, zu belehren, zu trösten, zu ermahnen, so wie auch wegen seiner großen Verehrung beim König und auch durch sein kraftvolles Gebet zu befreien. Er wusste den Gefangenen das Wort des Herrn recht kräftig und fruchtbar ans Herz zu legen: „Wer Sünde tut, ist Knecht der Sünde“, somit ein Dienstknecht und Gefangener der Hölle. Die erlösten Gefangenen führte er zur Buße, zur Zucht, zur Arbeitsamkeit und zum Gebet an, und viele von ihnen folgten ihm in sein Kloster. Auch gab es von Ferne her Gefangene, die auf den Ruf seines Mitleids wegen ihrer unglücklichen Lage und die Macht seiner Fürbitte bei Gott sich seinem Gebet empfahlen und aus Dankbarkeit für ihre wunderbare Rettung die Ketten ihrer Gefangenschaft zu seinen Füßen brachten, ihm ihre Dienste anboten und seine Jünger wurden. Der Name Leonhards erscholl durch ganz Frankreich und das angrenzende Deutschland und zog ihm eine Menge Leute zu, die entweder sich seinem Gebet empfahlen, oder Befreiung von einem Übel verlangten, oder ihm nachfolgen wollten. Dies sein Leben setzte der Heilige fort zum Dienst Gottes und des Nächsten, zur Erbauung der Gläubigen bis in seinen Tod, der ihn im Jahr 559 in die volle Freiheit der Kinder Gottes setzte. Seine Leiche wurde in der von ihm erbauten Kirche beigesetzt und sein Grab mit vielen Wunderzeichen verherrlicht. Eines der berühmtesten Wunder aus dem vierzehnten Jahrhundert, dafür die Überlieferung der Ortsbewohner, alte Denkmäler und die Prozession am ersten Sonntag im Wintermonat am Ort, wo der Gerettete zu Hause war, zeugen, ist die Befreiung Martels Herrn von Bacqueville in der Landschaft Caux. Er war mit zwei anderen französischen Edelleuten in die türkische Gefangenschaft geraten, wo er sehr lange schmachten und menschlicher Weise alle Hoffnung zur Rettung aufgeben musste. Da vernahm er eines Tages von seinem Wächter, dass er morgen werde zum Tod verurteilt werden. Sogleich warf er sich nieder zum Gebet, flehte den heiligen Leonhard bis in die halbe Nacht mit großem Vertrauen um seine Fürbitte an, gelobte ihm, wenn er gerettet würde, eine Kapelle zu bauen. Darauf schlief er ein und beim Erwachen fand er sich am Eingang des Waldes von Bacqueville auf wunderbare Weise versetzt, und hatte noch die Ketten an Händen und Füßen. Aus Dankbarkeit baute er zur Ehre seines Erretters eine Kapelle in seinem Schloss.

 

Die selige Christina von Stommeln bei Köln, Begine,

+ 6.11.1312 – Fest: 6. November

 

Die ewige Weisheit führt die gottinnigen Seelen auf mannigfaltigen Wegen zur himmlischen Herrlichkeit, die eine auf dem Weg empfindlicher und langwieriger Leiden, die andere auf dem Weg der Verfolgungen und Erniedrigungen, die eine durch vielfache innere Ängste und Prüfungen, die andere durch Anfechtungen des höllischen Widersachers, „der umhergeht, wie ein brüllender Löwe, suchend, wen er verschlinge“. Ist auch die Macht Satans durch den Opfertod Christi gebrochen, kann er auch dem Menschen nur noch in dem Maße schaden, als man ihm Herrschaft über die Seele einräumt, so weiß seine Arglist doch Mittel zu finden, um die Menschenseele zu betören und einzunehmen. Zu diesem Ende kleidet sich der Geist der Finsternis oft in einen Engel des Lichtes, und leider gelingt es seiner Arglist manchmal, den Menschen zu umgarnen und vom rechten Weg abzulenken. Um so ehrenvoller ist es, wenn man in solchen Kämpfen den Sieg gewinnt. Als eine solche Siegerin im Streit mit den Mächten der Finsternis verehren wir die selige Christina, deren geistlicher Führer uns ihr Leben und ihre Kämpfe aufgezeichnet hat.

 

Unweit von Köln am Rhein geboren, bat Christina als dreizehnjähriges Mädchen um Aufnahme in das Beginenkloster dieser Stadt, um vereint mit anderen Jungfrauen und Frauen und Witwen sich den Werken der Andacht und christlicher Liebe zu widmen. Sie legte ein härenes Bußkleid an, umgürtete sich mit einem knotenreichen Gürtel, ging stets barfuß, schlief auf Holz und Stein, fastete viel bei Wasser und Brot, beugte jede Nacht zweimal ihre Knie, rief bei Tag die Heiligen um ihre Fürbitte an und strebte dem kreuztragenden Heiland immer ähnlicher zu werden. Eines Tages geriet sie in der Kirche in Verzückung, so dass man sie aus der Kirche tragen musste, und blieb drei Tage lang in diesem Zustand. Man glaubte, sie sei fallsüchtig oder wahnsinnig geworden, sie aber versenkte sich ganz in die Betrachtung des Leidens Christi und wünschte nichts mehr, als seine Schmerzen mitzufühlen.

 

So ging es zwei Jahre lang. Da kam der Teufel zu ihr in Gestalt des heiligen Bartholomäus und sprach zu ihr: „Tochter, du betest viel und hast ein großes Verlangen, in das Reich Gottes einzugehen. Das wirst du erreichen, wenn du dich tötest. Das ist ganz schnell geschehen und ohne Verzug wirst du in den Himmel eingehen.“ Von dieser Stunde an hatte sie ein halbes Jahr die Versuchung, sich ums Leben zu bringen. Am Brunnen meinte sie, sich hinabstürzen zu müssen. Als ihr einmal Ader gelassen wurde, wollte sie den Verband lösen, um zu verbluten. Der Böse rief ihr zu: „Es ist der Wille Gottes, dass du dich tötest. Wenn du es nicht sogleich tust, wirst du verdammt werden.“ Aber ihr guter Engel sagte ihr, dass dieses Sünde sei.

 

Ein anderes Mal erschien ihr wieder der Teufel in Gestalt des heiligen Bartholomäus, zu dem Christus ein besonderes Vertrauen hegte, und sprach mit sanfter Stimme: „Liebste Tochter, deine Werke sind gut vor Gott und du gefällst ihm überaus, aber du bist einige Zeit in Ruhe des Leibes und der Seele gewesen. Jetzt fehlt es noch, dass du an deinem Körper leidest.“ Und indem er ihr Dornen reichte, fügte er hinzu: „Weil du bisher zu weichlich gewesen bist, so biete ich dir dieses an, damit du deinen Leib zur Ehre Gottes züchtigst.“ Der Geist Gottes aber belehrte sie, dass sie die Ordnung nicht überschreiten solle. Nun quälte sie der Teufel und sprach: „Weil du dem Befehl Gottes nicht gehorcht hast, so will Gott, dass du umgebracht werdest und in die Hölle kommst.“ Sie antwortete: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre. Du kannst mir das Leben nicht nehmen, weil Gott für mich ist.“

 

Öfters quälte sie der Teufel mit Zweifeln an der Gegenwart Christi im heiligsten Altarsakrament, an die Allmacht und Allwissenheit Gottes, oft suchte er sie vom Empfang der hl. Kommunion zurückzuhalten, oft erschien er ihr in Gestalt einer Schlange oder Kröte und setzte sich auf ihre Speisen und grinste ihr aus dem Wasserkrug entgegen, so dass sie Speise und Trank nicht nehmen konnte und unsäglichen Hunger und Durst litt.

 

In der Fastenzeit raunte ihr der Teufel in ihren frommen Betrachtungen des Leidens Christi zu, es sei nicht wahr, dass Christus für uns gelitten habe. Ein anderes Mal suchte er die Weltlust in ihr anzuregen, indem er sprach: „Du hast das elendste Leben und keinen ruhigen Tag. Die in der Welt leben, haben Freude an Eltern, Freunden, Kindern, Gatten. Wenn du dem strengen Klosterleben entsagen und in die Welt gehen willst, mache ich dich reich und dir ein langes Leben. Alle Geistlichen und Enthaltsamen sind betrogen, es ist eine Ketzerei, so zu leben, denn Gott hat von Anfang an den Ehestand angeordnet.“ Da Christina dieser Versuchung widerstand, drohte der Teufel, sie in übles Gerücht zu bringen.

 

Als Christina einmal zur Kirche ging, um die hl. Kommunion zu empfangen, rannte der Teufel in Gestalt eines wilden Pferdes auf sie zu, sprang mit den Vorderfüßen auf ihre Schultern, fasste sie mit den Zähnen am Kopf, riss ihr ein handgroßes Stück samt den Haaren heraus und sprühte Schwefelflammen. Als sie aber den Namen Jesus aussprach, zerfloss der Satan in einem stinkenden Nebel.

 

Dass die Versuchungen und Plagen der seligen Christina nicht etwa Einbildungen waren, sondern wirklich vom Teufel kamen, zeigen viele Begebenheiten, wo sie auf sichtbare Weise und vor Zeugen vom Teufel geplagt wurde.

 

Der Teufel brannte sie am Kinn. Als die Brandwunden wieder heilten, verbrannte er ihr die Ohren, dann die Augen und Stirn, dann die Nase, so dass sie ein Jammerbild war. Während dieser Zeit redete ihr der Teufel innerlich zu, sie solle Gott verleugnen. Einmal durchbohrte er ihr die Ohren, und rief, wenn sie Gott nicht verleugne, so bringe er sie um. Selbst ihre Schwester Gertrud, die bei ihr schlief, wurde im Gesicht gebrannt, weshalb sie nicht mehr bei ihr schlafen wollte. Christina aber erklärte dem Teufel, sie sei bereit, tausendmal für Christus zu sterben. In einer kalten Winternacht wurde sie von bösen Geistern durch das Dornengestrüpp eines nahen Waldes gezogen. Es kam sogar vor, dass sie und andere neben ihr nicht nur im Haus, sondern auch in der Kirche plötzlich mit abscheulichem Unrat überworfen wurden.

 

Nachdem Christina diese und noch viele andere Anfechtungen und Leiden vom Teufel geduldig und standhaft ertragen hatte, ließen die bösen Geister von ihr ab, wie einst von Hiob, und sie lebte noch 24 Jahre in seligem Frieden und frommen Übungen.

 

7. November

 

Der heilige Engelbert, Erzbischof von Köln und Martyrer,

+ 7.11.1225 - Fest: 7. November

 

In den Erzbistümern Köln und Paderborn feiert man am heutigen Tag das Fest des heiligen Engelbert im roten Messgewand, obwohl er nicht im eigentlichen Sinn ein Blutzeuge um des Glaubens willen war, dafür aber war er ein Martyrer um der Gerechtigkeit willen.

 

Engelbert, mächtiger Graf von Berg, des Heiligen Römischen Reichs Verweser und Erzbischof von Köln, ist ein Beweis mehr für die tröstliche Tatsache, dass man nicht als Heiliger geboren wird, denn als Engelbert einst im Kloster Heisterbach im Siebengebirge weilte, warf ihm ein unerschrockener Mönch mit mittelalterlicher Dreistigkeit und Derbheit das Wort an den Kopf:

 

„Herr, ihr seid ein tüchtiger Fürst, aber kein guter Bischof.“

 

Es war ein scharfes Wort, wohl zu eng aus dem Klosterwinkel gesprochen. Gerechter schon ist ein Wort, das ein anderer Mönch aus Heisterbach, der berühmte Caesarius, nach des Bischofs Tod niederschrieb:

 

„Hat es ihm im Leben an Heiligkeit gefehlt, so hat es sein kostbarer Tod ausgeglichen, und war sein Wandel nicht vollkommen, so hat ihn sein Leiden geheiligt.“

 

Es liegen also Schatten auf Engelberts Leben, allerdings nicht die schmutzigen Schatten der Unsittlichkeit, denn sein Schild blieb lebenslang rein und lauter, wohl aber lagen darauf die Schatten der Herrschsucht, die sich jedoch mit der Zeit vor einer eisernen Gerechtigkeit verflüchteten, die wie eine Sonne sein Handeln hell überstrahlte.

 

Im Jahr 1185 wurde Engelbert von Berg geboren und wuchs als ein Hüne an Körper und Geist heran, schlug die geistliche Laufbahn ein, versah schon in jungen Jahren hohe Kirchenämter und wurde dreißigjährig einstimmig zum Erzbischof von Köln gewählt. Als ihn zehn Jahre später der Mordstahl traf, hatte er mehr geleistet als zehn andere, und vor allem hatte er Ordnung geschaffen im deutschen Haus.

 

Von Unordnung strotzte nämlich damals das Reich, denn immer ist es von Nachteil für ein Land, wenn sich zwei um die Krone bewerben und mit Heeresmacht bekriegen, wie es zu jener Zeit Otto IV. und Philipp von Schwaben taten. Da verfielen im Bruderstreit die Sitten und die Gerechtigkeit saß wie eine trauernde Witwe an den Rändern der Wege und an den Ufern der Flüsse, wo die Raubritter den Kaufleuten die Güter wegnahmen, den Bauern Korn und Vieh entführten und überhaupt die kleinen Leute zum Weißbluten brachten. Es war eine trostlose Zeit voll Jammer, und es fehlte die starke Hand.

 

Der Erzbischof Engelbert von Köln besaß die starke Hand, eine mächtige Pranke, die herrlich dreinhieb und das Faustrecht der Mächtigen mit gewaltigen Schlägen zertrümmerte. Mit Soldaten und Geschützen zog der Erzbischof von Köln gegen die Schutz- und Trutzburgen der Raubritter am Rhein und in Westfalen, setzte ihnen den roten Hahn aufs Dach, zwang die Zwingherren, das geraubte Gut herauszugeben und Schadenersatz zu leisten, und bei all dem ging er in keiner Weise zart und zimperlich vor, sondern hart und eisern, wie die Übeltäter es verdienten.

 

Es ist wahr, dass man Engelbert von Berg nicht mit anderen Heiligen auf die gleiche Stufe stellen kann, aber seine Heiligkeit ist die der Gerechtigkeit, wie auch Gott gerecht ist und bleibt selbst dann, wenn er mit der ewigen Hölle straft. Jedem muss wahrlich das Herz höherschlagen, wenn er sieht, dass von der Kirche auch solche Männer als Heilige verehrt werden, die nach dem Grundsatz leben: „Fürchte Gott, tue recht und scheue niemand.“

 

Übrigens fastete Engelbert zwei Tage in der Woche, machte weite Wallfahrten, sorgte für die seelsorglichen Belange in seinem ausgedehnten Sprengel, führte Franziskaner und Dominikaner in Köln ein, jedermann hatte freien Zutritt zu ihm, und stets stand er auf der Seite des Rechtes. So war er nicht nur ein guter Fürst, sondern auch ein guter Bischof, unter dem das religiöse Leben sich hob, die guten Sitten wieder aufblühten, der Wohlstand sich mehrte und Recht und Gerechtigkeit herrschten, so dass lange nach Engelberts Tod die Leute immer noch sagten, dass es wohl nie mehr solch gute Zeiten geben werde als in den Tagen Sankt Engelberts.

 

Schwer also lag die Faust des markigen Kölner Erzbischofs auf allen, die Unrecht begingen, und weil sich derjenige, der geschlagen wird, aufbäumt, bildete sich unter den Raubrittern eine Verschwörung, und Engelberts eigener Vetter, Friedrich von Isenburg, stieß ihm bei einem Überfall in der Nähe von Schwelm im Bergischen Land den Dolch ins Herz. So starb der Heilige, der tags zuvor, durch eine Ahnung gedrängt, eine Lebensbeichte abgelegt hatte, als ein Ritter Ohnefurcht und als ein Martyrer für Recht und Gerechtigkeit.

 

Der heilige Amaranth, Märtyrer zu Albi, Frankreich,

+ 249-251 – Fest: 7. November

 

Die besonderen Lebensumstände und Handlungen des heiligen Amaranth sind uns nicht überliefert worden, man weiß nur so viel, dass er für den Glauben starb. Die einen setzen seinen Märtyrertod in die Zeit der Decischen Verfolgung. Andere schreiben ihn der Grausamkeit des deutschen Königs Chrocus zu, der unter den Regierung Valerians Gallien verheerte und viele Christen umbringen ließ. Amaranth besiegelte seinen Glauben im Dorf Vians oder Vieux, bei Albi. Gott fügte es, dass das Grab des heiligen Blutzeugen, das einige Zeit unbekannt geblieben war, zur Erbauung der Gläubigen aufgefunden wurde, und verherrlichte es durch mehrere Wunder. Der heilige Eugen von Karthago, der von den Vandalen wegen seines Glaubens nach Gallien verbannt worden war, wollte am Grab unseres heiligen Märtyrers sterben. In der Folge hat man die Reliquien dieser zwei Heiligen in die Kathedralkirche von Albi versetzt, die unter dem Namen der heiligen Cäcilia geweiht ist. Das Fest des heiligen Amaranth ist in den Martyrologien von Ado und Usuard, sowie im römischen auf den 7. November angegeben.

 

Der heilige Rufus, Bischof und Bekenner von Metz,

+ 7.11.400 – Fest: 7. November

 

Der heilige Rufus, der gegen Ende des 4. Jahrhunderts lebte, war der 8. Bischof von Metz. Er bewies sich als ein treuer Nachahmer der Tugenden seiner Vorgänger, die auch als Heilige verehrt werden. Die Stadt Metz hatte zum ersten Bischof den heiligen Clemens, von Geburt ein Römer, der um die Mitte des 3. Jahrhunderts nach Gallien gekommen war (Man hat nachgewiesen, dass der heilige Clemens nicht vom heiligen Petrus aus Rom geschickt worden war. Der Name des heiligen Bischofs befindet sich in einem Pontifikale des Metzer Doms, dass ungefähr eintausend Jahre alt ist. Man sieht auch aus dem alten Zeremonienbuch eben dieser Kirche, das vom Jahr 1105 ist, dass man die Reliquien dieses Heiligen bei der Markusprozession mittrug). Nach ihm standen der heilige Cölestis und der heilige Felix, die ihn von Rom aus begleitet hatten, dieser Kirche vor. Der heilige Rufus wird am 7. November im römischen und in anderen Martyrologien genannt.

 

Der heilige Willibrord, Bischof und Bekenner von Utrecht,

+ 7.11.739 - Fest: 7. November

 

Am Westrand der Eifel, hart an der deutschen Grenze, liegt auf luxemburgischen Gebiet das Städtchen Echternach. Am Pfingstdienstag eines jeden Jahres strömen dorthin von nah und fern Pilger zuhauf, Tausende und Tausende, zur Springprozession, die in ihrer Art einzig dasteht auf der Welt.

 

Die Glocken läuten. Die Musik spielt. Ein Lied klingt auf, Bischöfe und Äbte schreiten mit Mitra und Stab einher. Viele Priester im weißen Chorrock gehen vorauf.

 

Es folgt die Prozession, die Jungen, die jungen Männer, die Männer, Mädchen und Frauen, alle zu vier oder zu sechs nebeneinander, und keiner geht, sondern jeder springt, nicht nur vorwärts, auch rückwärts, drei Schritte vor und zwei zurück, im strengen Takt geordnet, ein eindrucksvolles Bild.

 

Bald ringt den Springern der Schweiß von der Stirn, aber unentwegt halten sie aus, stundenlang durch die Straßen der Stadt, in das herrliche Gotteshaus, durch die Kirche, in die Unterkirche an dem goldenen Reliquienschrein vorbei, und wenn der letzte Springer endlich den letzten Sprung getan hat, ist die Feier mit einem letzten Flehruf: „Bitte für uns, heiliger Willibrord!“ zu Ende. So ehren Ösling und Eifel, Luxemburg und Deutschland den großen Helfer gegen Pest und Cholera, so ehren sie seit Jahrhunderten den Glaubensboten Sankt Willibrord.

 

Es war eine besondere Zeit, als Willibrord im Jahr 658 in der englischen Landschaft Northumbrien aus edlem angelsächsischem Stamm geboren wurde, und sonderbar waren die Leute, die damals lebten. Uns Menschen von heute ist es schwer verständlich, dass Willibrords Vater Wilgils den Sohn, sehr jung noch, den Mönchen des Klosters Ripon zur Erziehung übergab, während er selbst als Klausner in die Einöde ging, später ein Kloster gründete und als Heiliger starb. Andere Zeiten, andere Sitten.

 

Da saß der Junge Willibrord neben anderen auf der Schulbank, und vor den Schülern stand der Lehrer, wieder ein Heiliger, denn in jener Zeit blühten die Heiligen so zahlreich wie die Frühlingsblumen auf dem Anger. Wigbert hieß der Lehrer, der heilige Wigbert. Nie hat es Wigbert verschmerzt, dass er zwei Jahre in Friesland weilte, um die Heiden zu bekehren, und unverrichteter Dinge hatte heimkehren müssen. Alle Tage kam er im Unterricht auf das große Leid seines Lebens zu sprechen, und dabei rollten ihm die Tränen über die Wangen, und alle Tränen flossen in Willibrords Herz wie in ein Sammelbecken, und durch die Schulfenster hinausblickend, wanderten des Jungen Gedanken mit den Wolken weit über die Nordsee hinweg an die Mündung des Rheins zu den Friesen, zu deren Bekehrung er einst ausziehen werde, und weil Kinderträume später oft Wirklichkeit werden, landete im Jahr 690 der Priester und Mönch Willibrord an der Küste Hollands und gelangte nach Utrecht, ins Herz des Friesenlandes.

 

Wohlgemut begann der Dreißigjährige die Bekehrungsarbeit unter den Heiden, des Erfolges gewiss. Immer war es so, und es wird immer so bleiben, und es ist gut, wenn es so ist, dass nämlich die Jüngeren meinen, sie könnten es besser als die Älteren, denn solange die Jugend dieser Ansicht ist, strebt sie voran und erreicht nicht selten Ziele, die den Älteren unerreichbar blieben.

 

Nach vier Jahren jedoch war Willibrord geradeso weit wie ehedem Wigbert. Zu kräftig war noch der Urwald des Heidentums, als dass er eine Lichtung hätte schlagen können. Da reiste der Glaubensbote nach Rom, um sich Sendung und Segen vom Vater der Christenheit zu erbitten, und als er ein zweites Mal nach der Ewigen Stadt wanderte, weihte ihn der Papst zum Bischof und ernannte ihn zum ersten Erzbischof zu Utrecht, und weil ihm Weihe und Würde vorerst im Friesenland doch nicht weiterhalfen, gründete Willibrord die Abtei zu Echternach, die er aus bescheidenen Anfängen in wenigen Jahren zu hoher Blüte brachte, so dass von ihr jahrhundertelang Segen und Heil in die Länder ringsum ausgingen.

 

Wieder zog der mutige Gottesstreiter Willibrord gegen Norden, drang sogar bis Dänemark vor, predigte auf der Insel Helgoland, und schließlich fasste er unter den Friesen zwischen Schelde und Rhein und darüber hinaus festen Fuß. Die Zahl der Taufen mehrte sich, Kirchen und Kapellen legten sich wie ein Kranz über das weite Land, von England kamen Priester zu Hilfe, und unter diesen befand sich auch Deutschlands späterer Ruhm, Bonifatius, damals noch Winfried genannt, der unter Willibrords Leitung seine Lehrjahre machte.

 

Darüber verging die Zeit, und als sich Willibrord, von Alter und Arbeit gebeugt, nach Echternach zurückzog, wo er achtzigjährig reich an Ehren starb, waren die Friesen dem wahren Glauben gewonnen, und ein Kindertraum war Wirklichkeit geworden.

 

Schön und voll Segen ist es also, wenn Kinder hochgemut davon träumen, dass sie später etwas Großes leisten wollen.

 

8. November

 

Der heilige Gottfried (Godfrid),

Bischof und Bekenner von Amiens, Frankreich,

+ 8.11.1118 - Fest: 8. November

 

Gottfried stammte aus einer adeligen Familie im Bezirk von Soissons. Fulko, sein Vater, beschloss als Witwer sein Leben in einem Kloster. Unser Heiliger war erst fünf Jahre alt, als man ihn der Leitung des Abtes Gottfried vom Berge St. Quintin übergab, der ihn über die Taufe gehoben hatte. Dieser Gottfried war ein Oheim der gottseligen Itta, Gräfin von Bologne und Namur, Mutter Gottfrieds und Balduins, die Könige von Jerusalem wurden.

 

Von seiner frühesten Jugend an beraubte sich der Heilige immer eines großen Teils der ihm gegebenen Nahrung und verteilte sie unter die Armen. Oft sogar erschien er nicht im Speisesaal und schloss sich in irgendeinem Bethaus ein, um sich mit Gott zu unterhalten. Nicht selten widmete er auch den größten Teil der Nacht dieser heiligen Übung. Die häufigen Tränen, die während des Gebetes seinen Augen entströmten, gaben deutlich seine zärtliche Andacht und lebendige Erschütterung zu erkennen. Als er fünfundzwanzig Jahre alt war, weihte ihn der Bischof von Noyon zum Priester. Dieser Ehre erschien er auch vollkommen würdig, nicht nur wegen seiner Tugenden, sondern auch wegen seines täglichen Voranschreitens in der Religionskenntnis. Seine Demut weigerte sich zwar, diese hohe Würde anzunehmen, aber seine Einwendungen wurden nicht gehört.

 

Kurz danach übertrug man ihm die Leitung der Abtei Nogent in Kampagne, die unter ihm durch ihre strenge Zucht bald sehr berühmt wurde. Zwei Äbte zogen sich dahin zurück, um als einfache Ordensmänner unter einem solchen Meister eine größere Vollkommenheit zu erstreben.

 

Gottfried hatte eine solche Wachsamkeit über sich selbst erworben, dass er alle seine Sinne vollkommen beherrschte. Nie redete er ein unnützes Wort, nie hefteten sich seine Augen auf irgendeinen Gegenstand, wenn es nicht notwendig war. Sein Schweigen und sein äußerst sittsames Benehmen waren sichtbare Beweise seiner steten Geistessammlung. Als man ihm eines Tages eine besser als gewöhnlich zubereitete Speise vorstellte, sagte er, sich beklagend: „Wisst ihr nicht, dass das Fleisch sich empört, wenn man ihm schmeichelt?“ Ein ganzes Konzilium drang einst in ihn, die Abtei zum heiligen Remigius in Rheims zu übernehmen. Da trat er in die Mitte der Versammlung und sagte, nach Anführung der für ihn sprechenden Kanons: „Gott behüte, dass ich eine arme Braut verachte, und ihr eine reiche vorziehe.“

 

Der Heilige hatte sich bald nach seiner Profession im Kloster aus Gehorsam und mit Herzensfreude der Krankenpflege angenommen. Er pflegte die Kranken mit aller Demut und Liebe sowohl an Leib als an der Seele, war Tag und Nacht bei ihnen, tat alles, was nötig und heilsam war. Er tröstete, ermahnte, betete oder las, wie es dem Leidenden zuträglich war, und nur die Liebe es tun konnte. Als Abt des Klosters Nogent, das so viel als aufgelöst war, hat er dasselbe nicht nur hergestellt von innen durch die Klosterzucht, von außen durch die Bauten, sondern den Bestand auch gesichert für die Zukunft. Er ließ dort auch ein eigenes Armenhaus bauen zur Beherbergung und allseitigen Pflege der Armen und Kranken, denen er selbst diente.

 

Im Jahr 1103 wurde er auf dem Konzilium zu Troyes auf Ansuchen der Gesandten von Amiens zum Bischof dieses Stuhls erwählt. Man musste ihn aber gleichsam mit Gewalt zum Empfang der Bischofsweihe zwingen. Barfüßig unter Gebet und Tränen ging er dann in die Stadt und hielt in der Kirche zum heiligen Firmin eine sehr rührende Rede an das anwesende Volk. Sein Palast war das Haus eines wahren Dieners Jesu. Jeden Tag wusch er dreizehn Armen die Füße und bediente sie zu Tisch. Mit unbeugsamem Eifer widersetzte er sich stets den Bestrebungen der Großen, die hartnäckig an ihren Unordnungen hingen. Ebenso griff er mit kraftvoller Hand die unter seiner Geistlichkeit herrschenden Missbräuche an, und stellte nach vielen überstandenen Schwierigkeiten die Verbesserung in dem Kloster zum heiligen Valerikus her. Als er am heiligen Weihnachtsfest die heiligen Geheimnisse feierte, in Gegenwart Roberts, des Grafen von Artois, der zu St. Omer seinen Hof hielt, wollte er selbst von den Fürsten keine Opfergabe annehmen, weil sie in einem zu weltlichen Gepränge erschienen. Mehrere verließen die Kirche und kehrten in einfacherer Kleidung zurück, um des Segens des heiligen Bischofs nicht beraubt zu werden.

 

Sein heiliger Eifer zur gründlichen und durch alle Stände durchgreifenden Verbesserung zog ihm bei aller seiner Güte und Sanftmut mancherlei Leiden zu. An ihm wurde das Wort des Herrn wahr: „In mir habt ihr Freude, in der Welt werdet ihr Betrübnis haben.“ Neben den Spottreden über ihn, neben Trotz und Verachtung wurde ihm einmal unter dem Schein von Teilnahme Wein mit Gift dargereicht, um ihn los zu werden. Gott aber gab ihm zu erkennen, was es mit dem Wein auf sich hatte, und er blieb bewahrt. Er fuhr aber in seinem Eifer fort, jedoch mit seufzender Seele über die Hartnäckigkeit der Sünde. Er erschien auch auf einer Kirchenversammlung zu Vienne im Delphinat, und führte mit großer Bescheidenheit und Weisheit das Wort über viele Gegenstände, die da beraten wurden zur Verbesserung einer gar nicht rühmlichen Zeit. Die traurige Erfahrung seines Hirtenamtes, der Kummer vergeblich angewandter Mühe, wie er glaubte, die geringe Hoffnung einer besseren Zukunft, und vor allem sein Bußsinn brachten ihn zu dem Entschluss, sein Leben in der großen Kartause zu Grenoble mit Gott allein zuzubringen. Er begab sich nach dieser Versammlung wirklich dorthin und entsagte in einem gar demütigen Schreiben an das zu Beauvais versammelte Konzilium seinem Hirtenamt, weil er dessen unwürdig und unfähig, und nun zu einem stillen Büßerleben vor Gott bereitet sei. Aber seine Bitten wurden nicht angenommen, er musste wieder zur Hirtenlast zurück, und das Volk nahm ihn mit Ehre und Freude wieder auf. Er versuchte jetzt aufs Neue mit heiligem Seeleneifer der einreißenden Ausgelassenheit und den überhandnehmenden Sittenzerfall entgegenzuwirken. Da aber der Erfolg auch nun nicht viel besser wurde, so verkündigte er der Stadt Amiens mit prophetischem Geist die drohende Strafrute Gottes. Und siehe, in der Tat erfüllte sich seine Prophezeiung noch im selben Jahr am heiligen Bartholomäusabend. Eine nachtschwarze Wolke lagerte sich über der Stadt, das Ungewitter brach los, das Feuer schlug allseitig aus und legte die Stadt bis an St. Firminskirche, die bischöfliche Wohnung und wenige Häuser der Armen in Asche. Der heilige Mann half, tröstete, unterstützte, wo er konnte und ermahnte zur Buße und Besserung, mit der Zusicherung: Gott – der da mächtig ist zu nehmen und zu geben – werde sie bald wieder segnen. Aber seine Seele fand keine Ruhe und keinen Trost mehr auf der Erde, sie sehnte sich nach Erlösung aus dem Jammertal, und ihr Seufzen wurde bald erhört. Auf einer unternommenen Reise nach Rheims ergriff ihn im Kloster des heiligen Krispin zu Soisson, wo er eingekehrt war, ein heftiges Fieber. Im Gefühl des nahenden Endes empfing er mit großer Andacht die heiligen Sakramente; bat noch, seinen Leichnam ebenda ins Kapitelhaus zu beerdigen, und gab nach wenigen Tagen, die Augen und Hände zum Himmel erhoben, seinen seligen Geist in die Hände seines Schöpfers am 8. November im Jahr 1118, im 11. Jahr seines bischöflichen Amtes.

 

Der eilige wurde dort begraben, und Gott machte die so sehr verkannte Heiligkeit seines Dieners durch viele Wunderzeichen bekannt.

 

Der heilige Willehad, 1. Bischof und Bekenner von Bremen,

+ 8.11.789 – Fest: 8. November

 

Bei der Einführung des Christentums in Sachsen war Karl der Große darauf bedacht, dem immer noch mächtigen Heidentum einen festen Damm entgegenzusetzen in der Errichtung von Bistümern und Schulen unter Leitung würdiger und tüchtiger Männer. So stiftete er das Bistum Osnabrück, dessen erster Bischof Wiho ein Jünger des heiligen Bonifatius war, Paderborn, dem als erster Bischof der Sachse Hathumar vorstand, Münster, dessen Bischofssitz der heilige Ludger zierte, Minden, dessen erster Bischof Hercumbert hieß, Bremen, das Willehad erhielt. Verdens erster Bischof war Patto, Halberstadts erster Bischof Hildegrim. Zum Bistum Hildesheim legte Karl den Grund, aber erst unter seinem Sohn Ludwig dem Frommen wurde es zum bischöflichen Sitz erhoben. Die auserkorene Schar von Bischöfen vereinte sich, um das Christentum in Herz und Geist des Sachsenvolkes einzuführen und die Segnungen der Kirche unter dem trefflich veranlagten Volk auszubreiten.

 

Der unvergleichliche Willehad, ein Schüler Alcuins, kam aus Nordhumberland nach Friesland und predigte das Evangelium zuerst in der Gegend von Dockum, wo der heilige Bonifatius mit seinen Gefährten die Marterkrone gewonnen hatte. Die Einwohner hatten dem Heiligen ein dankbares Andenken bewahrt, nahmen die christliche Lehre bereitwillig an und eine große Menge Volkes ließ sich taufen.

 

Mit außerordentlichen Kenntnissen und Wissenschaften ausgestattet und von glühendem Eifer beseelt, setzte Willehad seine Missionstätigkeit in weiteren Kreisen fort, unbekümmert um die Gefahren und Schwierigkeiten. Mehrere Heiden beschlossen ihn umzubringen, andere widersprachen ihnen. Sie kamen nun überein, das Los über ihn zu werfen, denn sie meinten, ihre Götter würden so entscheiden, ob man ihn töten solle oder nicht. Gottes heilige Vorsehung ließ nicht zu, dass ihn das Todeslos traf und rettete ihn. In Drenthe gewann er viele Seelen durch seine begeisterten Predigten. Als aber seine Jünger ohne sein Wissen einen Götzentempel zerstören wollten, schwang ein Götzendiener das Schwert, um unserem Heiligen mit einem furchtbaren Streich das Haupt zu spalten, aber eine Halskette, an der ein Kreuz mit Reliquien hing, machte den Hieb unschädlich. Die Götzendiener erkannten voll Staunen, dass er unter einem mächtigen überirdischen Schutz stehe und bezeigten ihm fortan große Verehrung.

 

Mit dem einen großen Ziel im Auge, das Evangelium immer weiter zu verbreiten, ging Willehad über die Weser und drang bis zur Elbe vor. Aber bei dem allgemeinen Aufstand der Sachsen gegen Karl den Großen im Jahr 782 mussten alle Glaubensboten fliehen. Willehad flüchtete sich in das Kloster Echternach unweit von Trier und beschäftigte sich während des Krieges mit Beten und Betrachten, Lesen und Abschreiben der heiligen Schriften. Am Grab des heiligen Willibrord schöpfte er frischen Mut zu seinem apostolischen Beruf. Um diese Zeit unternahm er auch eine Reise nach Rom und erbat sich den Rat und Segen des Papstes Hadrian zu seiner Missionstätigkeit in Deutschland.

 

Nach hergestelltem Frieden kehrte Willehad nach Sachsen zurück, gründete viele christliche Gemeinden und erbaute viele Kirchen. In Anerkennung seiner großen Verdienste wurde er unter dem Einfluss Karls zum Bischof erwählt und er nahm seinen Wohnsitz zu Bremen im Jahr 787. In seiner hohen Stellung blieb Willehad seiner gewohnten Lebensweise treu, genoss nur Wasser und Brot, Gemüse und Baumfrüchte. Niemals aß er Fleisch, nur auf Befehl des Papstes kostete er wegen seiner schwachen Gesundheit etwas von Fischen. Sehr oft fastete er, täglich las er unter Tränen die Heilige Messe und betete den ganzen Psalter. Seine hohen Berufspflichten erfüllte er auf das gewissenhafteste bis in sein hohes Greisenalter. Als er auf dem Sterbebett lag und seine Jünger jammerten, dass seine Schäflein, wenn er sie jetzt verlasse, der Raubgier der Wölfe anheimfallen würden, sprach er: „Seid getrost! Meine Herde empfehle ich demjenigen, der sie mir anvertraut hat. Er wird sie beschützen, denn er ist die lautere Liebe und Erbarmung.“ Dann schloss er selig seine Augen zum letzten Schlummer am 8. November 789. Sein heiliger Leichnam wurde von Plexem nach Bremen überführt und in der von ihm erbauten Kathedrale beigesetzt, wo Gott seinen unermüdlichen Diener durch viele Wunder verherrlichte.

 

9. November

 

Der heilige Theodor, Soldat und Martyrer zu Amasea im Pontus,

+ 9.11.306 - Fest: 9. November

 

Theodor war ein Bauernjunge in Kleinasien. Weil es damals auf dem Land noch keine Schulen gab, lernte er weder lesen noch schreiben. Seine Schule war der Hof seiner Eltern. Es war aber eine gute Schule, denn wer auf einem Hof die Augen aufmacht und sich bewegt, wird von selbst ein lebenstüchtiger Mensch, ohne dass er es eigentlich merkt.

 

Bald kannte Theodor alle Kühe im Stall mit Namen und Stammbaum. Er lernte füttern und melken und wusste genau, wie viel Mehl jeweils den Schweinen zur Mast in den Trog geschüttet werden durfte. Als Zwölfjähriger schor er die Schafe. Am liebsten aber ritt er die Pferde zur Tränke. Vierzehnjährig konnte Theodor ein Feld schnurgerade pflügen, konnte eggen und säen, und die Sense gebrauchte er so, dass es schön war, ihm bei der Arbeit zuzuschauen. Hunger hatte er stets für drei, aber auch rote Backen, die von guter Gesundheit zeugten. Und er hatte straffe Muskeln, denen man ansah, dass sie ohne weiteres zwei Zentner spielend heben konnten. So löste in harter gesunder Bauernarbeit ein Tag den anderen in Theodors Leben ab. Langsam aber kam der Junge ins wehrfähige Alter.

 

Eines Tages erhielt Theodor den Einberufungsbefehl. Er musste zu den Soldaten. Als Bauernsohn kam er natürlich zur Reiterei. Dieser Umstand machte ihm den Abschied von den Eltern und dem Hof um vieles leichter, denn solange ein Bauernjunge noch ein Pferd zum umsorgen hat, geht es ihm auch gut.

 

Amasea hieß die Garnison, wo Theodor einrücken musste. Die Stadt lag am Schwarzen Meer. Man schrieb das Jahr 306 nach Christi Geburt, und gerade damals hatte die letzte und grausamste römische Christenverfolgung den Höhepunkt erreicht, so dass auch die Rekruten bei der Vereidigung verpflichtet waren, den heidnischen Göttern Weihrauch zu streuen. Als die Verfügung vor versammelter Mannschaft von einem Offizier verlesen wurde, trauten sich die meisten der christlichen Rekruten nicht zu protestieren. Theodor aber war anders. Er zog vorerst nur die Stirn zusammen, und wenn ein rechter Bauer die Stirn zusammenzieht, dann kann man sich auf etwas gefasst machen. So war es auch bei Theodor. Als nämlich die Reihe an ihn kam, nahm er zwar Weihrauch, warf ihn aber nicht ins Feuer, sondern verstreute ihn auf den Boden und sagte ungeschminkt:

 

„Quatsch mit euren Göttern, ich bin ein Christ, ich opfere nicht!“ Bei diesen Worten horchten alle auf, und alle Hälse reckten sich. Der Offizier brüllte den jungen Mann an und nannte ihn Zementschädel und tobte und wetterte und schimpfte, so wie es bei den Soldaten üblich ist. Schließlich gab der Offizier dem Widerspenstigen drei Tage Bedenkzeit, dann müsse er entweder opfern oder sterben.

 

Theodor trat in die Reihe der anderen zurück. Einige nickten ihm heimlich anerkennend zu, manche schämten sich, weil sie selbst nicht den Mut dazu hatten. Bei Theodor aber war von der langen Rede des Hauptmanns nur der „Zementschädel“ in Erinnerung geblieben, und er beschloss im Stillen, dem Mann einmal klarzumachen, was denn eigentlich ein Zementschädel ist.

 

In der folgenden Nacht ertönte in Amasea laut und schrill die Feuersirene. Als die erschreckten Bürger aus den Betten sprangen, sahen sie, dass der Haupttempel der Stadt in hellen Flammen stand. Bald erwiesen sich alle Löschversuche als vergebens, das herrliche Gebäude brannte bis auf den Grund nieder. Offensichtlich lag Brandstiftung vor, und der Brandstifter war niemand anders als der Zementschädel.

 

Was Theodor getan hat, war sicherlich nicht richtig. Selbst ein heiliger Zorn berechtigt nicht zu einer Brandstiftung. Bald darauf lag der christliche Rekrut auch in Ketten. Als er vor Gericht gefragt wurde, warum er den Brand verursacht habe, gab er die bauernkluge Antwort, er habe die Götter prüfen wollen, aber sie hätten die Feuerprobe schlecht bestanden. Und als man den Zementschädel schließlich zum letzten Mal aufforderte, den christlichen Glauben abzulegen, entgegnete Theodor, strahlend wie ein Held nach gewonnenem Kampf:

 

„Ich war Christ, ich bin Christ, und ich werde immer Christ sein.“

 

Mit diesen Worten sprach Theodor sich selbst das Todesurteil. Neben den qualmenden Überresten des Göttertempels wurde er verbrannt, um im Andenken der Menschen für immer der glorreiche Sieger über den Unglauben und über sich selbst zu bleiben, dessen prachtvolle, mutige Worte heute mehr denn je zu beherzigen sind:

 

„Ich war Christ, ich bin Christ, und ich werde immer Christ sein.“

 

Der heilige Erpho, Bischof von Münster, Westfalen,

+ 9.11.1097 – Fest: 9. November

 

Außerhalb der alten Ringmauern von Münster in Westfalen breitet sich die Vorstadt St. Mauritz aus, deren Mittelpunkt die altehrwürdige Pfarrkirche gleichen Namens bildet. In dieser Kirche erhebt sich ein altersgraues Grabdenkmal, das die Gebeine des zweiten Gründers dieses Gotteshauses und des siebzehnten Bischofs von Münster, des heiligen Erpho, einschließt.

 

Erpho war in Thüringen oder Ostfalen von vornehmen Eltern geboren und ein naher Verwandter des Bischofs Friedrich von Münster. Seine Jugendbildung erhielt er in der berühmten Schule zu Goslar. Nach Vollendung seiner theologischen Studien wurde er nach Rheims in Frankreich berufen, wo ihm ein Kanonikat und die Oberleitung der Domschulen übertragen wurde. Als er einige Jahre dieses Amt mit Eifer und Klugheit verwaltet hatte, berief ihn sein Verwandter, der Bischof Friedrich, nach Münster, um in seinem hohen Greisenalter sich der Unterstützung des gelehrten und gewandten Kanonikus zu bedienen.

 

Nach dem Tod des Bischofs Friedrich wählte man zu seinem Nachfolger den verdienstvollen, reich begabten und liebenswürdigen Erpho im Jahr 1085. Gleich beim Antritt seines Oberhirtenamtes machte er es sich zum Gesetz, gegenüber allen Gütig und freigebig zu sein und drückte diese seine Gesinnung in einem Hirtenschreiben mit den Worten aus: „Ich wünsche, es möge zur Kenntnis aller Gläubigen gelangen, dass ich Erpho, durch Gottes Barmherzigkeit der siebzehnte Bischof von Münster, vorhabe, so viel in meinen Kräften steht, die Bitten der Gläubigen zu gewähren, den Unterdrückten zu helfen, die Betrübten zu trösten, die Niedergebeugten aufzurichten, denn dem Allmächtigen gefallen nur die, die Barmherzigkeit üben und anderer Glück nicht beneiden.“

 

Eine außerordentliche Freigebigkeit zeigte Erpho gegenüber Kirchen und Heiligtümern, so dass er von sich mit dem Propheten David sprechen konnte: „Herr, ich habe geliebt die Zierde deines Hauses und den Ort, wo deine Herrlichkeit wohnt.“ Die Marienkirche in Überwasser nebst Kloster, die 14 Jahre vorher bei einem Brand sehr gelitten hatte, stellte er mit neuem Glanz wieder her. Den bei der verheerenden Feuersbrunst im Jahr 1071 sehr beschädigten Dom baute er wieder auf und schenkte ihm zur Vermehrung der Einkünfte zwölf bedeutende Landgüter mit zwei Lehen, die Rimoldinghof genannt werden. Mit großer Feierlichkeit wurde die prachtvolle Kathedrale unter Assistenz des Erzbischofs Hermann von Köln und des Bischofs Heinrich von Lüttich am 2. November 1090 von Erpho eingeweiht.

 

Dem Nonnenkloster auf St. Mauritz, das sein Vorgänger Friedrich um 1070 gegründet hatte, zeigte er sich so freigebig, dass man ihn den zweiten Stifter dieser Kirche nannte. Aber seine außerordentliche Freigebigkeit beschränkte sich nicht auf die Stadt Münster und ihr Weichbild, sondern ergoss sich auch über andere Kirchen, besonders über das Frauenkloster Freckenhorst bei Warendorf. Zu jener Zeit litten die Nonnen große Not, wie er selbst schreibt: „Die Brote, die gegeben wurden, waren klein und schlecht, das Fleisch mager und kaum einen Finger lang. Fische wurden in der Fasten nicht gegeben, außer einem Salm am Gründonnerstag, und sie wussten nicht, wovon sie leben sollten, da sie doch dem Herrn dienten. Wein wurde ihnen gegeben, aber geringer und weniger als sie bedurften. Das Bier war sehr schlecht und kaum genießbar. Das Geld zur Bekleidung reichte kaum zur Hälfte hin.“ Um dieser Armut und Bedrängnis abzuhelfen, überwies der gütige Vater dem Stift reiche Zehnten und einige Landgüter und sorgte dafür, dass die Dienerinnen Gottes in der Folge ihr gutes Auskommen hatten.

 

Wie selbst die Sonne ihre Flecken hat, so blieb auch dieses Gestirn Westfalens nicht völlig fleckenrein, denn im Anfang seiner Herrschaft stand er einige Zeit auf Seite des gebannten Kaisers Heinrich IV. gegen Papst Gregor VII. Als er aber die falschen Beschuldigungen der Parteigänger des Kaisers durchschaut und die Unschuld des großen Gregor erkannt hatte, beweinte er mit bitteren Tränen und aufrichtiger Buße seine Verirrungen und unternahm zur Sühne seiner Schuld zugleich mit dem Grafen Bodo und Ludolph, Propst an St. Mauritz, am 12. Februar 1091 eine Wallfahrt zum Heiligen Land. Um von Gott eine glückliche Fahrt zu erflehen, versammelte er am Tag vor seiner Abreise das gläubige Volk im Dom, schwur öffentlich der Verbindung mit dem Schisma ab und verband sich und die Seinigen von neuem mit der wahren Kirche. Nach vielen Gefahren kamen die drei Gefährten zum Heiligen Land. Ludolph wurde dort am 8. November ermordet. Erpho kehrte glücklich im folgenden Jahr (1092) zu seiner Herde zurück. Von da an fuhr er fort, die ihm anvertrauten Schäflein gut zu weiden, bis er am 9. November 1097 sein tugendreiches Leben schloss. Sein Leichnam wurde in einer Kapelle der Mauritzkirche begraben. Die fanatischen Wiedertäufer des 16. Jahrhunderts zerstörten das Grabdenkmal, aber Jodocus von Werne, Scholaster an jener Kirche, ließ es im Jahr 1620 schöner wiederherstellen.

 

Als das Grab im Jahr 1620 geöffnet wurde, ereignete sich auf die Fürbitte des heiligen Erpho ein augenfälliges Wunder. Egbert von Clevorn zu Darvelt war schon lange Zeit an beiden Füßen gelähmt, so dass er nur mit zwei Krücken sich fortbewegen konnte. Bald darauf musste er sogar auf Händen und Füßen kriechen. Alle ärztliche Hilfe erwies sich als fruchtlos. Seine Gemahlin Elisabeth von Travelmann mahnte ihn wieder und wieder, seine Zuflucht zum heiligen Erpho zu nehmen, denn sie habe aus dem Mund des hochwürdigen Heinrich von Galen, der früher Propst in St. Mauritz war, öfters vernommen, dass an dem Grab des Heiligen schon von alters her viele Gebetserhörungen vorgekommen seien. Vielleicht würde auch ihm die Anrufung des Heiligen helfen. Der Kranke folgte dem Wink und wandte sich im inbrünstigen Gebet zum heiligen Erpho, während seine Gemahlin die Kirche besuchte, denn es war gerade Pfingsten. Kaum hatte seine Gemahlin eine pfündige Kerze geopfert und die Heilige Messe gehört, so verließ der Schmerz das linke Bein, dann das rechte und wich völlig aus allen Gliedern. Ankerfüllt kniete der plötzlich Geheilte nieder vor dem Bild des heiligen Erpho, dessen Überschrift lautet:

 

Pastor bonus et miles Christi,

Ein guter Hirt und Streiter Christi.

 

Der heilige Maturin, Bekenner von Larchant, Frankreich,

+ 1.11.388? – Fest: 9. November

 

Der heilige Maturin, geboren im Bistum Sens, erkannte schon in früher Jugend die Nichtigkeit der Götzen, und nahm das Christentum an. Kaum hatte er die Augen dem Licht des Evangeliums geöffnet, als er alles verließ, was er in der Welt besaß, um sich einzig dem Dienst des Herrn zu widmen. Zum Priester geweiht, bekehrte er viele, die Abgötterei betrieben, unter denen auch sein Vater und seine Mutter gezählt werden. Er starb voll der Verdienste nicht lange vor dem Jahr 388. Sein Leib wurde nach Sens gebracht, und von da in das Dorf Larchent bei Nemours, in der Landschaft Gatinois, versetzt. An diesem dem Kapitel der Pariser Kathedralkirche zugehörigen Orte erbaute man eine Kirche, worin der von den Hugenotten 1568 nicht verbrannte Teil seiner Reliquien noch aufbewahrt wird. Da versammeln sich oft viele andächtige Waller, und der Sarg des Heiligen wird am Fest der Himmelfahrt Christi, und am Dienstag nach dem 11. Juni im feierlichen Bittgang nachgetragen.

 

Auch zu Paris stand eine alte Kirche, die den Namen des heiligen Maturin trug. Das Kapitel von Paris trat sie 1228 den Ordensmännern der allerheiligsten Dreieinigkeit zur Erlösung der Gefangenen ab, und daher erhielten sie, besonders in Frankreich, den Namen Maturiner.

 

Die Einwohner der Landschaft Gatinois verehren den heiligen Maturin als ihren ersten Apostel und Patron. Sein Fest ist vom 1. Auf den 9. November verlegt worden, seit am 1. November das Fest Allerheiligen begangen wird.

 

Der heilige Benen oder Benignus, Erzbischof von Armagh, Irland,

+ 5. Jahrhundert – Fest: 9. November

 

Der heilige Benen stammte aus einer angesehenen Familie in Irland. Sein Vater nahm den heiligen Patricius in sein Haus auf, und da war es auch, wo in der Nähe von Taragh oder Themoria, dem Hauptaufenthaltsort der irländischen Könige, dieser Apostel seine ersten Ostern feierte. Gott belohnte Benens Vater für seine Gastfreundlichkeit, indem er ihn und seine ganze Familie zur Erkenntnis des Christentums berief. Benen, obgleich damals noch sehr jung, gewann seinen Retter aus den Finsternissen des Heidentums so lieb, dass er innig bat, ihm folgen zu dürfen. Patricius nahm ihn mit Zustimmung der Eltern mit sich, und machte ihn zum unzertrennlichen Gefährten seiner apostolischen Arbeiten. Er sagte sogar vorher, dass er einstens sein Nachfolger sein werde. In allen Akten des heiligen Patricius wird auch vom heiligen Benen gesprochen, als von einem durch seine Heiligkeit und Wundergabe ausgezeichneten Mann. Nach dem Tod des heiligen Patricius wurde er auf den bischöflichen Stuhl von Armagh erhoben, auf dem er zehn Jahre mit apostolischem Eifer seine Kirche leitete. Er starb im 5. Jahrhundert.

 

Man liest bei Wilhelm von Malmesbury, der heilige Benen, Schüler des heiligen Patriz, habe Irland verlassen, dann mehrere Jahre lang als Einsiedler auf der Insel Feringmern oder Ferremer, bei Glastenbury, gelebt, und habe da sein Leben beschlossen, seine Reliquien seien unter der Regierung Wilhelms des Roten in die Abtei von Glastenbury versetzt worden. Man nimmt an, dass sich der Schriftsteller geirrt hat, indem er den Heiligen, von dem er spricht, mit dem Erzbischof von Armagh, und den heiligen Patriz von Glastenbury mit dem Apostel Irlands verwechselte.

 

10. November

 

Der heilige Andreas Avellini, Priester und Bekenner von Neapel,

+ 10.11.1608 - Fest: 10. November

 

Eltern, die betont neumodisch sind und auch vielleicht mehr scheinen wollen als andere Leute, geben ihren Kindern zuweilen Namen, die in keinem Heiligenkalender zu finden sind, nennen sie Hasso oder Baldur oder Astra oder Edda oder Heide. Es sind einfachhin heidnische Namen, die mit dem christlichen Brauch, jedem Kind einen Heiligen als Namenspatron zu geben, nicht das geringste zu tun haben. So ähnlich erging es auch dem Heiligen vom heutigen Tag. Die Mutter Avellini war lieb und gut, aber sie konnte es nicht verhindern, dass der Vater, der ein Springindiewelt war, dem Kind den Namen Lanzelot gab, und Lanzelot war zu der damaligen Zeit ein berühmter Romanheld. Der arme Lanzelot Avellini, der von seinem Vater einen Romanhelden als Namenspatron erhielt!

 

Fast schien es, als ob der Name eine Vorbedeutung habe, denn als Lanzelot in das Alter eines Jugendlichen kam, entwickelte er sich zu einem gutaussehenden Mann. Für Lanzelot Avellini war es schon ein Glück, dass er innerlich ein sauberer Mensch war, der über die verdrehten Mädchenhälse und die zuckersüßen Mädchenblicke herzlich lachen konnte, und schließlich machte der junge Mann dem Getue dadurch ein Ende, dass er Priester wurde. Das soll allerdings nicht heißen, dass er mit der Priesterweihe auch gleich ein Heiliger war, denn das war er nicht.

 

Lanzelot Avellini, der neben der Gottesgelehrtheit auch die Rechtswissenschaft studiert hatte, liebte es, als Anwalt vor Gericht aufzutreten. Ruhm und Geld brachte ihm die Tätigkeit ein, und an Ruhm und Geld hing Avellini mit ganzer Seele. Wohl muss man es ihm gutschreiben, dass er manchen armen Teufel vor dem Gefängnis bewahrte, aber hin und wieder verteidigte er vor Gericht Dinge, die nicht ganz einwandfrei waren, und da geschah es eines Tages, dass ihm in einem Prozess eine dicke Unwahrheit über die Lippen flog. Bisher hatte er wohl pfiffig, nie aber unwahr die Verteidigung geführt, und als ihm die erste Lüge entfuhr, wurde er krebsrot im Gesicht bis über den Hals hinaus. Nein, lügen wollte er nun doch nicht, denn die Lüge macht den Menschen unehrenhaft.

 

Wie es jedem Lügner ergeht, so erging es damals auch dem Lanzelot Avellini, er wurde unruhig und verstört und dachte nur mehr daran, wie die Lüge wohl weiterlaufen und dann die Wahrheit an den Tag kommen werde, denn dass Lügen kurze Beine haben, war ihm bekannt. Über diese Gedanken verging der Tag, und es wurde Nacht. Lanzelot Avellini brütete ständig vor sich hin und fand keine Ruhe, aber schließlich – es ging schon auf die Mitternacht zu – musste er sich doch einmal zu Bett legen. Bevor er sich auskleidete, schlug er seiner Gewohnheit gemäß die Heilige Schrift auf, um einen kleinen Abschnitt daraus zu lesen. Alle Tage machte er es so, und als er es an diesem Tag der Lüge wieder tat, fiel sein Blick auf jene Stelle, wo es heißt: „Ein lügnerischer Mund tötet die Seele.“

 

Lanzelot Avellini las die Worte einmal, zweimal, dreimal, und dann sackte er ab wie einer, der vom Schlag getroffen wird. Die ganze Nacht blieb er auf den Knien liegen, und als der Morgen graute, ging er zur nächsten Kirche, um zu beichten. Gottes Gnade fügte es, dass er dabei an den rechten Beichtvater geriet, der ihm ernst ins Gewissen redete und ihn aufforderte, endlich mit allen Halbheiten Schluss zu machen, die Anwalterei aufzugeben und nur mehr Priester zu sein.

 

Gerade diesen Zuspruch brauchte Lanzelot im Augenblick, und des strengen Beichtvaters strenge Worte fielen bei ihm auf den besten Boden, um bald die besten Früchte zu zeitigen, denn Avellini wurde ein Priester nach dem Herzen Gottes, ein eifriger Prediger, Beichtvater und Caritasapostel und ein Beter und Büßer. Mit sechsunddreißig Jahren ging er ins Kloster, legte den Namen Lanzelot ab und nannte sich fortan Pater Andreas. Auch machte er das schwierige Gelöbnis, täglich in den Tugenden Fortschritte zu machen, und weil es ihm ernst war mit dem Gelübde, konnte es nicht ausbleiben, dass er in den vierzig Lebensjahren, die ihm noch vergönnt waren, zu großer Heiligkeit emporstieg.

 

So groß war die Heiligkeit in ihm, dass sie zuweilen wie Licht von ihm ausstrahlte. Als er einmal in pechschwarzer Nacht mit dem Messner von einem Versehgang heimkehrte, ging von seiner Person ein Glanz aus, der die Finsternis verscheuchte. Übrigens geht dieses Licht unsichtbarerweise von allen guten Menschen aus. Nur die Engel sehen es und der Himmelsvater, die sich darüber freuen.

 

Schön war schließlich auch der Tod des achtzigjährigen Heiligen. Am 10. November 1608 trat er in der Frühe an den Altar, um das heilige Opfer zu feiern, begann das Staffelgebet mit den bekannten Worten: „Zum Altare Gottes will ich treten“, stockte, wiederholte die Worte, stockte noch einmal, sprach sie zum drittenmal, und dann traf ihn der Schlag, und er ging hinüber zu Gott, der ihn mit ewiger Jugend erfreut. Wegen des schönen Heimgangs wird der Tagesheilige als Patron gegen einen unversehenen Tod angerufen.

 

Der heilige Tryphon, der heilige Respicius,

Martyrer von Nicäa, Bithynien, + 10.11.250,

die heilige Nympha, Jungfrau von Palermo, Sizilien,

+ in Siena am 10.11.450 – Fest: 10. November

 

Tryphon und Respicius waren in Bithynien bei Apamea geboren. Unter der decianischen Verfolgung im Jahr 250 verhaftet, wurden sie mit Ketten beladen nach Nicäa geführt, wo Aquilin, Statthalter von Bithynien und Präfekt des Orients, sich damals aufhielt. Nachdem sie einige Tage im Kerker geschmachtet hatten, führte man sie vor den Richtstuhl. Als sie da unerschrocken ihren Glauben bekannten, sagte ihnen ein neben ihnen stehender Beamter, dass, wer sich weigere zu opfern, lebendig verbrannt werde, und ermahnte sie, Mitleid mit sich selbst zu haben. „Eben dies tun wir ja“, antwortete Respicius, „wir können es nicht besser mit uns meinen, als wenn wir Jesus Christus bekennen, der alle Menschen vor sein Gericht fordern wird, um über alle ihre Handlungen Rechenschaft zu fordern.“ Als ihnen hierauf Aquilin vorstellte, sie hätten doch das Alter, wo sie wissen könnten, was sie zu tun hätten, erwiderte Tryphon: „Ja, darum wünschen wir auch die Vollkommenheit der wahren Weisheit zu erlangen, indem wir Jesus Christus folgen.“ Der Richter befahl, sie jetzt auf die Folterbank zu spannen; und die zwei Blutzeugen, nichts sehnlicher als die Märtyrerkrone wünschend, legten selbst ihre Kleider ab, und boten sich freudig den Schergen dar. Während der beinahe dreistündigen Peinigung bewiesen sie eine bewunderungswürdige Geduld und Seelenruhe. Wenn sie den Mund öffneten, geschah es nur, den Herrn anzurufen, seine Barmherzigkeit und Allmacht zu loben und dem Richter seine Blindheit vorzustellen. Endlich löste man sie von der Folterbank, ließ sie aber, auf des Statthalters Befehl, der auf die Jagd fuhr, der strengsten Winterkälte ausgesetzt. Den Heiligen sprangen die Füße auf, und wurden an mehreren Stellen so wund, dass sie weder gehen noch stehen konnten, ohne die heftigsten Schmerzen zu empfinden. Als Aquilin von der Jagd zurückgekehrt war, fragte er sie, was ihre Gesinnung sei, und da sie bei ihrem Bekenntnis beharrten, befahl er sie ins Gefängnis zurückzuführen, mit der Androhung einer noch härteren Behandlung.

 

Wenige Tage danach reiste Aquilin weg, um einige Städte seiner Statthalterschaft zu besuchen. Nach seiner Rückkehr in Nicäa mussten die zwei Bekenner wieder vor ihm erscheinen, und er machte ihnen die schmeichelhaftesten Versprechungen, um sie zu gewinnen, bat sie sogar dringend, da es noch Zeit sei, ihr Leben zu retten. „Wir können deinem Rat nicht folgen“, war die Antwort der Bekenner; „unser Heil hängt ab von unserer Beharrlichkeit im Bekenntnis des Namens Jesu Christi.“ Aquilin geriet, da er sich besiegt sah, in großen Zorn, ließ die Füße des Tryphon und Respicius mit großen Nägeln durchbohren, und befahl, sie in diesem Zustand, bei einer äußerst großen Kälte, durch die Stadt zu schleppen. Gott aber, der die Kraft der Märtyrer aufrecht hält, flößte ihnen einen weit über die Bosheit des Verfolgers erhabenen Mut ein. Der Statthalter erstaunt und beschämt, ließ sie grausam mit Ruten stäupen, dann mit eisernen Krallen zerfleischen, und zuletzt ihre Seiten mit flammenden Fackeln brennen. Umsonst sannen aber die Schergen auf neue Peinigungen, die beiden Heiligen waren unbesiegbar, und wiederholten unaufhörlich das Gebet: „Herr Jesus! für den wir kämpfen, lass doch nicht zu, dass wir durch den Satan besiegt werden; stärke, unterstütze uns, dass wir unsern Lauf vollenden, damit du in uns kämpfend auch in uns siegen mögest.“ Des folgenden Tages bestanden sie ein neues Verhör und wurden grausam mit Bleiruten zerschlagen. Zuletzt verdammte sie der Statthalter zur Enthauptung, was auch im Jahr 250 vollzogen wurde.

 

Das römische Martyrologium nennt mit diesen zwei Blutzeugen zugleich die heilige Nympha, weil die Leiber dieser drei Heiligen zu Rom in einer Kirche aufbewahrt werden. Die heilige Jungfrau Nympha war zu Palermo, in Sizilien gebürtig. Während der Einfälle der Goten im 5. Jahrhundert rettete sie sich nach Italien, wo sie Gott in großer Heiligkeit und zu Siena im Toskanischen starb.

 

Die Griechen verehren den heiligen Tryphon am 1. Februar. Vor vielen Jahrhunderten stand eine Kirche seines Namens zu Konstantinopel, bei der Sophienkirche. Da die alte Kirche eben dieses Heiligen zu Rom, im Jahr 1604 zerfiel, vereinigte man sie mit der des heiligen Augustin, wo jetzt ein Teil der Reliquien dieser drei Heiligen liegt; der größte Teil der Reliquien aber wurde unter dem Hochaltar der Kirche zum Heiligen Geist in Saxia, die dem großen Spital von Rom angehört, beigesetzt. Saxia nennt man die Straße zwischen der St. Peterskirche und der Tiber, weil Karl der Große nach Besiegung der Sachsen eine Colonie dahin sandte, damit sie da im christlichen Glauben unterwiesen würden.

 

Der heilige Tiberius, der heilige Modestus und die heilige Florentia,

Märtyrer im Narbonnensischen Gallien,

+ 284 – 305 – Fest: 10. November

 

Diese drei Märtyrer starben für den Glauben im Bezirk von Agde, unter den Kaisern Diokletian und Maximian. Tiberius war noch sehr jung, und man sagt, sein eigener Vater sei sein Verfolger geworden. Mit einem anderen Christen namens Modestus ins Gefängnis geworfen, erduldeten beide bitteren Hunger und schreckliche Peinigungen. Und da weder Versprechen noch Drohungen sie erschüttern konnten, wurden sie enthauptet. Eine Frau, Florentia mit Namen, die sich beim Anblick ihrer unerschütterlichen Standhaftigkeit bekehrt hatte, teilte ihre Kämpfe und ihre Kronen. Der Ort ihres Märtyrertodes, den man Cesseron oder Cessarion nannte, liegt zwischen Agde und Pezenas, ungefähr drei Meilen von Beziers. Im 8. Jahrhundert wurde ihnen zu Ehren ein Kloster daselbst erbaut, das sich als regulierte Benediktinerabtei bis zur französischen Staatsumwälzung erhielt. Die Namen der drei heiligen Märtyrer stehen am heutigen Tag in den Martyrologien von Ado und Usuard, so wie auch im römischen.

 

11. November

 

Der heilige Veran, Bischof und Bekenner von Cavaillon,

+ 6. Jahrhundert – Fest: 11. November

 

Der heilige Veran aus Gevaudan stammend zeigte von Kindheit an, dass Gott besondere Absichten mit ihm hatte. Aus Andacht zum heiligen Privatus brachte er eine Nacht vor dem Fest dieses heiligen Märtyrers in der Kirche von Javoux zu. Am folgenden Morgen warf er sich zu den Füßen des Bischofs und bat um die Aufnahme in den geistlichen Stand. Als ihm seine Bitte gewährt wurde, verließ er seine Heimat und verbarg sich bei Cavaillon. Doch seine Heiligkeit und seine Wunder machten ihn bald bekannt. Er reiste hierauf nach Italien um die Gräber der Apostel zu besuchen, kehrte aber nach einiger Zeit wieder nach Frankreich zurück. König Siegbert, der von seinen Tugenden gehört hatte, wünschte ihn zu sehen und erhob ihn dann auf den durch Prätextats Tod erledigten Bischofsstuhl von Cavaillon. Im Jahr 585 wohnte Veran dem zweiten Konzil von Macon bei, und hatte großen Anteil an den getroffenen Anordnungen für die Kirchenzucht. Er war auch unter der Zahl der Bischöfe, die nach Paris geschickt wurden, um sich bei König Clotar II. über die Ermordung des heiligen Prätextat von Rouen zu beschweren. Childebert II. ließ, aus Verehrung für unseren Heiligen, seinen Sohn Theodorich, der später zur Regierung gelangte, von ihm taufen. Sonst ist von seinem Leben nichts bekannt. Man eignet ihm einen Brief über die priesterliche Keuschheit zu, der sich in den Konzilsakten befindet. Er starb am 11. November gegen Ende des 6. Jahrhunderts und wurde in einer Kapelle der allerseligsten Jungfrau beigesetzt, die er an der Quelle von Sorge hatte erbauen lassen. In der Folge übertrug man seinen Leib nach Cavaillon und später nach Gergeau, im Bistum Orleans. Von da kam der Teil seiner Reliquien, den man in der seinen Namen tragenden Pfarrkirche aufbewahrte, ins Bistum Paris.

 

Die Martyrologien reden von mehreren Heiligen des Namens Veran.

 

1. Der heilige Veran, den sie dem heiligen Eucherius zum Nachfolger auf dem bischöflichen Stuhl von Lyon geben.

 

2. Der heilige Veran, Bischof von Vence, dessen Leben wir unter dem 9. September lesen.

 

3. Der heilige Veran, Bischof von Chalons an der Saone, in dessen Leben man mehreres aufgenommen hat, was augenscheinlich aus dem des heiligen Veran von Cavaillon entlehnt ist.

 

Der heilige Mennas, Soldat und Märtyrer von Phrygien,

+ 11.11.295 (304) – Fest: 11. November

 

Die Verordnungen des Kaisers Diokletian gegen die Christen wurden im Orient streng vollzogen, als man den heiligen Mennas verhaftete. Er war von Geburt ein Ägypter, und diente in einer römischen Truppenabteilung, die damals ihren Standort zu Cotyäum in Phrygien hatte, an der scytischen Grenze. Nach abgelegten Bekenntnis seines Glaubens wurde er mit Ruten gestrichen und grausam auf die Folter gespannt. Schließlich verdammte man ihn zur Enthauptung. Das Urteil wurde nach der wahrscheinlichsten Meinung um das Jahr 304 vollzogen. Seinen Leib brachte man nach Ägypten. Sein Name war allzeit in den Kirchenkalendern besonders im Orient berühmt, und steht auch im abyssinischen Verzeichnis unter dem 11. November.

 

Es gibt noch einen anderen heiligen Mennas, der unter Maximian in Phrygien litt. Sein Name steht in den Martyrologien des Orients und Okzidents auf den 10. Dezember. Man liest, Justinian habe zu Konstantinopel eine Kirche unter Anrufung des heiligen Mennas erbauen lassen, wohin der Leib des Heiligen von Alexandrien gebracht worden ist. Mancher bezieht diese Quellen auf den heiligen Mennas aus Libyen, mancher aber auf den unter Diokletian gemarterten Krieger.

 

Der heilige Martin (aus Ungarn),

Bischof und Bekenner von Tours, Frankreich,

+ 11.11.400 - Fest: 11. November

 

In der Jahreszeit, in der wir den heiligen Martin feiern, kann es schon sehr kalt sein. Auf hohen Bergen liegt bereits Schnee, stellenweise schon bis tief ins Tal. Der Winter ist nicht mehr fern, und wer noch keine wärmere Kleidung angezogen hat, der wird es bald tun, damit er nicht krank wird.

 

Warme Kleidung besitzen allerdings nicht alle Menschen. Es gibt arme Leute, die im Winter frieren müssen, weil sie nur wenig Warmes anzuziehen haben. Damit wir diese Menschen nicht vergessen, kommt in jedem Jahr zu Beginn des Winters ein Reiter auf seinem Pferd, Sankt Martin, um uns daran zu erinnern, den Armen zu helfen. Zur ganzen Christenheit kommt er am Abend des 11. November, von vielen fröhlichen und singenden Kindern begleitet, und wiederholt in spielerischer Weise an einem Bettler diese Tat der Nächstenliebe, die ihn für alle Zeit berühmt gemacht hat.

 

Bevor aber die Tat erzählt wird, muss erst berichtet werden, wer Martin war und woher er kam.

 

Martin wurde in der Stadt Stein am Anger in Ungarn als Kind nichtchristlicher Eltern geboren. Der Vater, der es mit verbissener Zähigkeit vom einfachen Söldner bis zum Regimentskommandeur gebracht hatte, war mit Leib und Seele Soldat. Und dass unter diesen Umständen des Obersten Sohn mit fünfzehn Jahren ebenfalls die Uniform anzog, war eine Selbstverständlichkeit. Jahrelang war Martin einmal hier und einmal da in der Garnison an der Donau, am Rhein und in Frankreich. In Frankreich holte sich der Achtzehnjährige dann jene Berühmtheit, die ihn in der ganzen Christenheit unsterblich gemacht hat.

 

Martin war damals Taufschüler und besuchte den christlichen Unterricht. Eines Tages erklärte der Priester das Gebot der christlichen Nächstenliebe. Das war etwas ganz Neues, denn Martin hatte durch seine nichtchristliche Erziehung nicht die leiseste Ahnung von dem, was christliche Barmherzigkeit ist, die ja erst Jesus Christus auf die Erde gebracht hat. Martin verließ froh und glücklich die Unterrichtsstunde über das Hauptgebot, und gerade wie er darüber nachdachte, auf welche Weise er die Nächstenliebe ausüben könne, stand am Weg ein Bettler, in Lumpen gehüllt, frierend und zitternd, und bat den Reiter um eine milde Gabe. Martin griff in die eine Tasche, in die andere Tasche, in die dritte und vierte Tasche, aber alle Taschen waren leer, nicht ein Geldstück hatte er bei sich.

 

Martin überlegte, und im Überlegen kam ihm ein guter Gedanke. Von der Schulter nahm er den langen, dicken, wolligen Offiziersmantel, bat den Bettler, die eine Ecke hochzuhalten, während er die andere hielt, zog den scharfen blanken Säbel, schnitt ritsch-ratsch den Mantel von oben bis unten entzwei, schenkte lachend dem Bettler die größere Hälfte und ritt davon.

 

In der Kaserne ist am gleichen Abend viel über den jungen Offizier gewitzelt worden, der mit halbem Mantel vom Ausgang heimkehrte. Aber in der folgenden Nacht erschien dem jungen Mann Jesus Christus, angezogen mit der verschenkten Mantelhälfte. Er lobte ihn wegen des guten Werkes und sagte ihm, dass jede gute Tat, die man selbst dem geringsten Menschen tut, ihm erwiesen sei.

 

Niemand kann froher sein, als es Martin damals war. Bald darauf wurde er getauft, und weil er sich ausschließlich dem Dienst Gottes widmen wollte, hing er den Offiziersrock an den Nagel und wurde der Reihe nach Einsiedler, Mönch, Abt und schließlich Bischof. Sehr alt starb er im Jahr 401, aber am 11. November in jedem Jahr reitet er auf dem Pferd durch die ganze Christenheit und mahnt zu guten Werken für die Armen in der Winterszeit.

 

Auf Bildern sieht man den heiligen Martin meistens mit dem Bettler dargestellt, dem er gerade die Mantelhälfte schenkt. Manchmal sieht man Sankt Martin aber auch in bischöflicher Kleidung, und neben ihm steht eine Gans. Das ist die Martinsgans. In vielen Gegenden begann früher nämlich gleich am Tag nach dem Martinsfest bereits der Advent mit strengem Fasten. Deshalb aßen sich die Leute am Abend vorher noch einmal gründlich satt. Und weil in dieser Jahreszeit die Gänse am fettesten sind, verzehrte man eben eine Gans, die Martinsgans.

 

Der heilige Evodius, 1. Bischof von Puy, Frankreich,

+ 6. Jahrhundert – Fest: 11. November

 

Die Stadt Ruessium, der Hauptort der alten Vellaver, nennt ihren Apostel und ersten Bischof den heiligen Georg, der von Rom aus seine Sendung erhalten hatte. Er wird am 10. November verehrt. Am 29. Dezember wird aber das Fest der Übertragung seiner Reliquien nach Puy begangen, wo sie in einem Sarg in der Kirche seines Namens beigesetzt wurden. Am 24. Februar feiert man das Fest des heiligen Paulin, des 6. Nachfolgers des heiligen Georg, der der Patron der Kirche ist, wo seine Gebeine ruhen. Von ihm hat die alte Stadt Ruessium den Namen St. Paulin erhalten. Allein ihr Glanz ging bald auf Puy über. Der heilige Evodius, Paulins Nachfolger, erbaute zwei Meilen davon auf dem Berg Anis oder Anicium eine Kirche unter Anrufung der allerseligsten Jungfrau, die sehr berühmt wurde, und wohin er den bischöflichen Sitz im 6. Jahrhundert (560 oder 570) verlegte. Dies ist der Ursprung der Stadt Puy, des Hauptortes der Landschaft Velay. Die Kirche von Puy war von den frühesten Zeiten her durch Vorrechte und köstliche Denkmäler ausgezeichnet. Man weiß nicht, in welchem Jahr der heilige Evodius starb. Er wird am 11. November verehrt. Seine Reliquien wurden in einer Kirche von Puy, die seinen Namen trug, in einem Sarg beigesetzt.

 

(Der Bischof von Puy hat das Recht das Pallium zu tragen. Die Bulle Leos IX. vom Jahr 1050 gewährt dies den Bischöfen. Einige Bischöfe der letzten Jahrhunderte hatten dieses Vorrecht nicht gekannt oder vernachlässigt. Aber kurz vor der französischen Staatsumwälzung (Revolution) hat Bischof Galard von Terraube es wieder hergestellt.

 

Die Kirche von Puy war keinem Metropolitansitz unterworfen, sondern stand seit den frühesten Zeiten unmittelbar unter dem Heiligen Stuhl. Leo IX. in der oben erwähnten Bulle setzt diese Freiheit als schon lange bestehend voraus.

 

Das Sonderbarste, wie das älteste Vorrecht der Kirche von Puy, ist der ihr zugestandene Ablass, wenn das Fest Mariä Verkündigung auf den Karfreitag fällt. In den Archiven dieser Kirche lag eine Urkunde Bernards von Ventadour, Bischof von Puy, der ein Jahrgedächtnis für die Seelenruhe derer stiftete, die, durch den Ablass und die Gegenwart Ludwigs des Heiligen in diese Kirche herbeigezogen, Opfer ihrer frommen Neugierde geworden waren. Diese Urkunde ist vom Jahr 1254.

 

Was das Alter der Kirche von Puy beweist, ist der in ihr bis zur französischen Revolution bestehende Gebrauch einer Pfründe für einen Priester, der die Kinder aller Pfarreien der Stadt, in einer an die Kathedrale angebauten und von ihr abhängigen Kapelle, taufen musste. Auch sah man da bis in die letzten Zeiten das Gefäß und den Behälter, deren man sich in den ersten Zeiten des Christentums zum Taufen durch Eintauchen bediente.

 

Die Kanoniker trugen Mitern, wenn sie an hohen Festen am Altar dienten, und ein Ceremoniale aus dem 13. Jahrhundert spricht unter anderem auch von diesem Gebrauch, als von einem schon lange bestehenden. Im Jahr 1426 verlieh Ludwig XI. den Kanonikern das Recht, den Hermelinpelz im Chor als Wintermäntelchen zu tragen. Der Ursprung des kleinen Scapuliers, das die Kanoniker während der Osteroktav trugen, ist unbekannt. Es scheint, dass diese Auszeichnung aus dem 11. Jahrhundert stamme als Erinnerung an Aymard von Monteil, der als apostolischer Legat den Kreuzzug begleitete.

 

Die Kirche von Puy zählte unter ihre Kanoniker die Könige und Dauphins von Frankreich. Karl VII. wohnte, als er im Schloss Espaly bei Puy zum König ausgerufen war, der ersten Vesper des Festes Christi Himmelfahrt im Chorkleid bei. Ludwig XI., sein Sohn Karl VIII., Franz I. wohnten dem Gottesdienst in eben dieser Kirche und auf dieselbe Weise bei.

 

Unter den Reliquien dieser Kirche verdient bemerkt zu werden der Dorn aus der Krone des Erlösers, von Ludwig dem Heiligen, dessen Brief sorgfältig aufbewahrt wurde; die Gebeine des Priesters Tertullian von Rom, die in einem herrlichen Reliquienkasten eingeschlossen waren, der nach einer sehr alten Inschrift vom König Lothar gegeben worden ist; Clemens IV., Johannes XXII., Karl der Große, Philipp der Schöne uvam. hatten diese Kirche ebenfalls mit prachtvollen Reliquienkästchen bereichert. Von Philipp dem Kühnen wurde ein goldenes Kreuz mit einem Stück des wahren Kreuzholzes als Geschenk da aufbewahrt.

 

Als Denkmäler besaß die Kirche von Puy eine Urkunde von Karl dem Großen, der daselbst auf ewige Zeiten sechs Pfründen de pauperie stiftete; eine von Theodulf, Bischof von Orleans geschenkte Bibel, auf Velin in Gold- und Silberbuchstaben; ein griechisches Neues Testament aus dem höchsten Altertum; man glaubt, es sei vom heiligen Hieronymus, wenigstens sind die Schriftzüge aus jenem Jahrhundert; eine goldene Krone von Margarethe von Provence, Gemahlin des heiligen Ludwig; eine goldene Krone von Karl dem Großen, mit merkwürdigen Verzierungen; die Kapelle aus vergoldetem Silber von Karl von Bourbon; die Krone des Johannes Stuart, des Herzogs von Albanien; und mehrere Fahnen, die Karl VII. nach seinem Sieg über die Engländer dahin schenkte.)

 

Der heilige Theodor von Studion (Studita), Abt zu Konstantinopel,

+ 11.11.826 – Fest: 11. November

 

Da der heilige Plato, der Abt von Symboleon, auf dem Berg Olympus in Bithynien in notwendigen Angelegenheiten nach Konstantinopel kam, wurde er wie ein Himmelsbote aufgenommen. Seine Beispiele und seine Ermahnungen wirkten zahlreiche Bekehrungen in dieser Stadt. Er machte dem Hass und den allda herrschenden Streitigkeiten ein Ende; griff das Laster von allen Seiten an, und gründete auf dessen Trümmern das Reich der Tugend. Kurz nach seiner Rückkehr in sein Kloster entschloss sich die erlauchte Familie seiner Schwester Theoktiste, der Welt zu entsagen und seinem Beispiel zu folgen. Sie stiftete die Abtei Sakkudion oder Sakkude bei Konstantinopel im Jahr 781. Unter den Ordensgenossen dieser heiligen Gemeinde zeigte niemand größeren Eifer als der damals 22jährige Theodor, Theoktistes Sohn. Im folgenden Jahr bewog man, jedoch nicht ohne viele Schwierigkeiten, den heiligen Plato, dass er seine Abtei niederlegte, und die Leitung des neuen Klosters übernahm. Theodor machte in der Tugend und in den auf die Religion sich beziehenden Wissenschaften außerordentliche Fortschritte; als 794 der heilige Plato, sein Oheim, das Vorsteheramt niederlegte, um als einfacher Ordensmann seine Tage zu beschließen, wurde er von der Genossenschaft einstimmig zum Abt gewählt.

 

Im folgenden Jahr verstieß Kaiser Konstantin seine rechtmäßige Gemahlin Maria, mit der er sieben Jahre gelebt hatte, und heiratete Theodata, eine nahe Anverwandte des heiligen Plato und des heiligen Theodor. Die beiden Diener Gottes erklärten sich laut gegen ein solches Ärgernis. Der Kaiser wünschte aber nichts sehnlicher als den Theodor zu gewinnen, wozu er sich selbst der Theodata bediente, in der Hoffnung seinen Zweck zu erreichen. Sie bot alles auf, Geschenke, Versprechungen, Verwandtschaftsrücksichten; allein alle ihre Bemühungen blieben fruchtlos.

 

Der Schritt, zu dem sich der Kaiser herabließ, dass er nämlich selbst in das Kloster ging, brachte keine bessere Wirkung hervor; denn weder der Abt6 noch die Genossenschaft erschien zu seinem Empfang. Konstantin, jetzt seines Zorns nicht mehr Meister, war nicht sobald in seinen Palast zurückgekehrt, als er zwei seiner Hofleute in das Kloster schickte mit dem Befehl, den Abt Theodor, und die ihm am meisten ergebenen Mönche stäupen zu lassen. Diese Züchtigung wurde an dem Abt und zehn seiner Ordensgenossen mit der größten Grausamkeit vollzogen; so dass von ihrem ganzen Leib das Blut herabrann. Alle litten die Misshandlung ohne die mindeste Klage, mit Sanftmut und Geduld. Hierauf wurden sie nach Thessalonich verwiesen, wobei noch an jedermann das Verbot erging, sie aufzunehmen, oder für sie auf irgendeine Weise zu sorgen; so konnte ihnen keiner von den Äbten des Landes zu Hilfe kommen. Der heilige Plato wurde in die Abtei zum heiligen Michael eingeschlossen.

 

Der heilige Theodor schrieb von Thessalonich die einzelnen Begebenheiten seiner Reise und verband damit einen Bericht über die erduldeten Leiden. Auch schrieb er an Papst Leo III., der in seiner Antwort dessen Weisheit und Standhaftigkeit große Lobsprüche beilegte.

 

Inzwischen wurde der Kaiser durch seine Mutter Irene, die sich die höchsten Beamten zu gewinnen wusste, vom Thron gestürzt. Man stach ihm mit grausamer Unmenschlichkeit die Augen aus, und er starb im Jahr 797. Irene regierte hierauf allein fünf Jahre lang, und rief die Verbannten zurück. So kam Theodor wieder nach Sakkudion und versammelte seine zerstreute Genossenschaft. Allein da er sich den Anfällen der Muselmänner oder Sarazenen preisgegeben sah, die ihre Streifzüge bis an die Tore von Konstantinopel ausdehnten, fasste er den Entschluss, sich innerhalb der Stadtmauern zurückzuziehen. Der Patriarch und die Kaiserin boten ihm das Kloster Studium an, so genannt von seinem Stifter Studius, einem edlen Römer. Konstantin Kopronymus hatte die vorher darin wohnende Genossenschaft vertrieben. Theodor nahm den Antrag an, und er hatte den Trost zu Studium eine Gemeinde von mehr als tausend Brüdern aufblühen zu sehen: von diesem Kloster erhielt er auch den Beinamen Studita.

 

Im Jahr 802 wurde Irene durch Nikephor, ihren ersten Schatzmeister, des Reiches beraubt, und auf die Insel Lesbos verbannt, wo sie 803 starb. Nikephor hatte am letzten Oktober des vorhergehenden Jahres den Purpur angelegt. Er war ein Mann von falschem und verstelltem Charakter, rachsüchtig und grausam gegenüber allen, die er als seine Feinde in Verdacht hatte. Öffentlich erklärte er sich zu Gunsten der Manichäer oder Paulizianer, die in Phrygien und Lykaonien zahlreich waren. Für ihre Aussprüche und abergläubischen Gebräuche war er bis zur Tollheit eingenommen. Er unterdrückte die Bischöfe und Klöster, die sich zur Lehre der katholischen Kirche bekannten; und da ihm einer seiner Freunde vorstellte, er habe sich durch seinen Geiz und seine Gottlosigkeit dem ganzen Reich verhasst gemacht, gab er ihm diese eines Tyrannen würdige Antwort: „Mein Herz ist verhärtet, erwarte nie etwas anderes von Nikephor, als was du siehst.“

 

Als er gegen die Bulgaren im Jahr 811 zu Felde ziehen wollte, suchte er den Theodor für sich zu gewinnen, der ihm unerschrocken seine Gottlosigkeit vorgehalten hatte. Er sandte von seinen Hofleuten, um den heiligen Abt nach seinem Sinn zu stimmen. Der Mann Gottes redete aber mit ihnen, wie er selbst mit dem Kaiser, dessen Stellvertreter sie waren, würde gesprochen haben: „Du sollst von Reue durchdrungen sein, und das Übel nicht unheilbar machen. Du begnügst dich nicht die anderen an den Rand des Abgrundes zu führen, du wirfst sie mit dir hinein. Der, dessen Auge alles sieht, erklärt dir durch meinen Mund, dass du aus diesem Feldzug nicht mehr zurückkehrst.“ Nikephor rückte mit überlegener Kriegsmacht in die Bulgarei, und weigerte sich, die vom feindlichen König Crummius ihm gemachten Vorschläge anzunehmen. Der beschloss daher in der Verzweiflung entweder zu siegen oder zu sterben. Es gelang ihm Nikephor zu umzingeln, und ihn in dessen eigenem Gezelt am 25. Juli desselben Jahres zu erschlagen. Die Regierung dieses Kaisers hatte 8 Jahre und 9 Monate gewährt. Mehrere Patrizier und die Blüte des christlichen Heeres fanden ihr Grab in diesem Krieg; von den Übriggebliebenen wurde ein großer Teil in die Gefangenschaft geschleppt. Die Bulgaren, die noch Götzendiener waren, suchten durch verschiedene Peinigungen die Christen zur Glaubensverleugnung zu zwingen, und mehrere empfingen die Märtyrerkrone. Die Griechen verehren diese Glaubenshelden am 23. Juli. Crummius ließ aus Nikephors Hirnschädel einen Becher sich bereiten, aus dem er, nach altem seytischen Brauch, bei Festlichkeiten trank. Sthauratius, Nikephors Sohn, wurde hierauf zum Kaiser ausgerufen; da er aber im letzten Gefecht stark verwundet worden war, ging er in ein Kloster, wo er auch zu Anfang des folgenden Jahres an seinen Wunden starb.

 

Zwei Monate nach Nikephors Tod wurde Michael Kuropalates, mit dem Beinamen Rangabe, der Prokopia, Nikephors Tochter, geheiratet hatte, als Kaiser gekrönt. Der war ein freigebiger, prachtliebender, gottesfürchtiger Mann, und ein eifriger Beschützer der katholischen Lehre. Durch seine Bemühungen wurden alle Spaltungen in der Kirche von Konstantinopel beigelegt, und die Versöhnung zwischen dem Patriarchen Nikephor und dem heiligen Plato und Theodor erwirkt. Die Paulizianer ließ er bestrafen, und einige sogar enthaupten. Allein der Patriarch legte für die Unglücklichen Fürbitte ein, indem er dem Kaiser vorstellte, es sei besser an ihrer Bekehrung zu arbeiten, als sie zu töten, obgleich sie der schrecklichsten Gräueltaten schuldig wären. Diese Ketzer wurden Paulizianer genannt von einem Armenier, namens Paul, der aus Konstantinopel entfloh, und in Kappadocien eine Schule errichtete. Er gab sich als vom Himmel erleuchtet aus, und war 30 Jahre lang das Haupt dieser Sekte. Nach seinem Tod verteilte sie sich in mehrere Zweige, die alle in schaudervolle Unzucht versanken.

 

Kaiser Michael fasste, nach seiner durch die Bulgaren erlittenen schmachvollen Niederlage, den Entschluss, dem Reich zu entsagen. Leo der Armenier, Statthalter von Natolien, und Sohn des Patriziers Bardas, der hiervon Kenntnis erhielt, ergriff nun geeignete Maßregeln, sich des Purpurs zu versichern. Er wurde auch am 11. Juli erwählt und zum Kaiser ausgerufen. Michael, seine Gemahlin und seine Kinder zogen sich in ein Kloster zurück. Leo verteidigte Konstantinopel gegen die Barbaren; allein, da er durch eine verlangte Unterredung dem Leben ihres Königs nachstellte, wurde dieser durch eine solche Treulosigkeit so sehr verbittert, dass er Hadrianopel angriff und wegnahm. Der Erzbischof und die Bewohner dieser Stadt wurden als Gefangene in die Bulgarei geschleppt, wo sie mehrere Götzendiener zum christlichen Glauben bekehrten. Der Eifer, womit der Erzbischof und 376 andere Gefangene das Evangelium verkündigten, erregte den Zorn des auf Crummius folgenden Königs, der sie daher grausam hinrichten ließ. Die Griechen gedenken ihrer am 22. Januar als Märtyrer.

 

Während dieser Verwirrungen genoss Theodor die Zurückgezogenheit in seinem Kloster, und machte jeden Tag neue Fortschritte in der Tugend. Er liebte das Streben nach Wissenschaft, verband aber damit jene Demut, ohne die die Kenntnisse nur den Hochmut des Geistes nähren. Er wusste wohl, dass diese Demut und die Reinheit des Herzens den Geist aufhellen und die Neigung läutern; dass, nach Cassians Bemerkung, unmöglich eine verunreinigte Seele die Gabe der geistlichen Wissenschaft, und ein nicht abgetötetes Herz die Gabe der göttlichen Liebe erlangen könne. Theodors Friede wurde jedoch getrübt durch einen Sturm, der die morgenländische Kirche bedrohte.

 

Leo, der Armenier, hatte sich für die Irrlehre der Bilderstürmer erklärt, welche Leo, der Jsaurier, 725 aufgebracht hatte; er befahl sogar dem Patriarchen Nikephor die Verehrung der Heiligenbilder abzustellen, der ihm aber antwortete: „Wir können die alten Überlieferungen nicht verändern. Wir verehren die Bilder, wie wir das Kreuz und das Evangelienbuch verehren, obgleich hierüber nichts geschrieben ist.“ Diese Einwendung war um so bündiger, da die Bilderstürmer zugeben, man müsse das Kreuz und die Evangelien verehren. Der Patriarch wurde deswegen im Jahr 815 seines Amtes enthoben, und ein Ikonoklast auf seinen Sitz erhoben. Dieser war Theodor Cassitera, Stallmeister des Kaisers, der bis dahin im Laienstand gelebt hatte, und weder die einem Bischof notwendigen Kenntnisse noch Eigenschaften besaß. Kaum war Nikephor abgesetzt, als die Ikonoklasten anfingen die Heiligenbilder zu verstümmeln, zu zerschlagen, zu verbrennen und sie auf manchfache Weise zu verunehren.

 

Der heilige Theodor Studita wollte, so viel an ihm lag, dieses Ärgernis gut machen. Er ließ daher bei der Prozession am Palmsonntag die Bilder von seinen Mönchen mittragen, und Lieder singen, wodurch sie ihren Glauben an die von den Ketzern bestrittene Lehre an Tag legten. Als der Kaiser dieses erfuhr, verbot er dem heiligen Abt unter den strengsten Strafen, noch einmal eine solche Prozession zu halten. Theodor ließ dessen ungeachtet von seinem Eifer nicht ab. Der Kaiser verwies ihn daher nach Mysien ins Elend, mit der Weisung, ihn in der Burg Mesope bei Apollonia eng zu verwahren. Doch auch dadurch wurde der Eifer des Heiligen nicht vermindert. Da er die Katholiken nicht mehr durch mündliche Zusprache aufmuntern konnte, tat er es durch Briefe. Der Kaiser, der diesen Briefwechsel entdeckte, ließ den heiligen Abt in den Turm Bonit in Natolien verschließen, und befahl, dass er in Gegenwart des Niketas solle gestäupt werden. Theodor legte selbst sein Gewand ab, und bot seinen durch strenges Fasten abgemagerten Leib den Streichen dar. Dieser Anblick rührte des Niketas, und er fühlte sich sogar von Ehrfurcht gegen den Diener Gottes durchdrungen. Er stellte sich, als wolle er allein den kaiserlichen Befehl vollstrecken, schlug dann auf ein Schaffell, damit die draußen Stehenden es hörten, und färbte mit Blut aus seinem eigenen Arm die Ruten, die er beim Hinausgehen zeigte. Dann stellte er sich, als sei er durch die Anstrengung erschöpft, gleichsam außer Atem gekommen. Durch diese wohlgemeinte List blieb Theodor verschont, und er fuhr fort zur Verteidigung der Katholiken Briefe zu schreiben.

 

Die merkwürdigsten seiner Briefe sind jene, die er an die Patriarchen und an Papst Paschal schrieb. Zum Statthalter Christi sagte er: „Leihe mir Gehör, apostolischer Bischof, von Gott zur Bewachung der Herde Jesu aufgestellter Hirt; du, dem die Schlüssel des Himmels übergeben sind; du, der Stein, auf den die Kirche gebaut ist; denn du bist Petrus, weil du auf dessen Stuhl sitzt . . . Komm uns zu Hilfe.“ Als der Papst den Afterpatriarchen Theodor und alle Bilderstürmer mit dem Kirchenbann belegt hatte, schrieb ihm der Heilige einen Brief, worin er ihn, nach Beglückwünschung seines Eifers, sagt: „Du bist seit dem Anbeginn die reine Quelle des wahren Glaubens; du bist der sichere Hafen der allgemeinen Kirche, ihre Freistätte gegen die Stürme der Ketzerei, die von Gott auserwählte Zukunftsstadt für das Heil seiner Kinder.“ Aus Theodors Briefen und aus anderen Denkmälern ersieht man auch, dass die fünf Patriarchen einhellig die neue Irrlehre verwarfen.

 

Theodor und sein Schüler Nikolaus hatten das Glück, mehrere Ikonoklasten zu bekehren. Allein diese Bekehrungen zogen ihnen die grausamsten Misshandlungen zu. Man hängte sie beide schwebend in die Lüfte, und gab jedem hundert Rutenstreiche, dann warf man sie in einen dunklen und ungesunden Kerker, wo sie niemand sehen durfte. In diesem Gefängnis erduldeten sie drei Jahre lang Kälte, Hunger und Durst. Ihre Wache, von der sie beständig gehöhnt wurden, warf ihnen durch ein Loch ein Stückchen Brot zu. Theodor staunte, dass sie nicht vor Hunger und Elend starben, und schrieb die Erhaltung ihres Lebens nur der göttlichen Barmherzigkeit zu. Auch da wurde noch einmal einer von seinen Briefen abgefangen; und der Statthalter des Morgenlandes erhielt Befehl, ihn deshalb streng zu züchtigen. Dem zufolge wurde dann Nikolaus, der den Brief geschrieben hatte, grausam mit Ruten gestrichen. Nach diesem gab man auch dem heiligen Theodor hundert Streiche, und fuhr dann wieder an Nikolaus fort. Die zwei Diener Gottes blieben halbtot auf der Erde liegen. Doch Nikolaus, seine eigene Not vergessend, eilt, so gut er kann, seinem Lehrer zu Hilfe, der ganz besinnungslos war, und verband, als er wieder zu sich kam, dessen Wunden. Theodor wurde vom Fieber befallen, und litt drei Monate lang große Schmerzen. Ehe er aber noch ganz hergestellt war, musste er mit seinem Schüler nach Smyrna wandern. Den Tag brachten sie auf der Reise und die Nacht im Gefängnis zu. Der Erzbischof von Smyrna, ein rasender Bilderstürmer, hielt Theodor 18 Monate lang in einem unterirdischen Gefängnis eingeschlossen, und ließ ihm hundert Streiche geben. Als man den Heiligen aus seinem Kerker hervorzog, um ihn nach Konstantinopel zu führen, scheute sich sein Verfolger nicht zu sagen, er wünsche, der Kaiser lasse ihm den Kopf abschlagen, oder wenigstens die Zunge aus dem Hals schneiden. In demselben Jahr endete aber mit dem Tod ihres Urhebers auch die Verfolgung der Rechtgläubigen.

 

Michael, Befehlshaber einer Heeresabteilung, die Verbündeten genannt, wurde auf Befehl des Kaisers, gegen den er sich verschworen hatte, ins Gefängnis geworfen, und zum Tod verurteilt. Auf die Vorstellungen der Kaiserin wurde aber, aus Ehrfurcht vor dem hochheiligen Weihnachtsfest, die Vollstreckung des Urteils einen Tag verschoben. Während dieser Zwischenzeit erregten Michaels Mitschuldige einen Aufruhr, und ermordeten den Kaiser selbst in der Christnacht. Seine Familie wurde verwiesen, und Michael aus dem Gefängnis auf den kaiserlichen Thron erhoben. Er stammte aus Phrygien, und erhielt den Beinamen: der Stammler, weil er eine schwere Zunge hatte. Er war in einer gewissen Sekte erzogen worden, die eine Mischung von Judentum und mehreren Irrlehren war. Diese Sekte beobachtete die meisten mosaischen Gesetze; hatte aber statt der Beschneidung die Taufe eingeführt. Ihre Anhänger leugneten die Auferstehung der Toten, und behaupteten, die Unzucht sei erlaubt. Michael verachtete die Wissenschaften, und hatte keine höheren Kenntnisse als sie die letzte Menschenklasse hat. Anfangs heuchelte er eine große Mäßigung gegen die Katholiken; bald aber zeigte er sich in seiner wahren Gestalt, und wurde einer ihrer heftigsten Verfolger. Beim Antritt seiner Regierung rief er die Verbannten zurück, unter anderen auch den heiligen Theodor, der seit sieben Jahren in grauenvollen Kerkern schmachtete. Der Diener Gottes bezeugte dem Kaiser seinen Dank für seine Befreiung, und ermahnte ihn zugleich zur Einigkeit mit der Kirche von Rom, der ersten der Kirchen, und mit den Patriarchen. Auf seiner Rückkehr nach Rom empfing man ihn überall mit großen Ehrenbezeigungen, und er wirkte mehrere Wunder.

 

Der neue Kaiser erklärte sich inzwischen aber auch gegen die Heiligenbilder, und kündigte an, dass er in Konstantinopel keine dulden werde. Theodor machte ihm hierüber Gegenvorstellungen; da diese aber keine Wirkung hervorbrachten, verließ er die Stadt, und zog sich mit seinen Jüngern auf die Halbinsel St. Tryphon zurück. Zu Anfang November befiel ihn da eine Krankheit, wodurch er sich jedoch nicht abhalten ließ, am vierten Tag, der ein Sonntag war, in die Kirche zu gehen, und das heilige Opfer darzubringen. Das Übel vermehrte sich mit jedem Tag, und er war bald nicht mehr imstande, vernehmlich zu sprechen. Dessen ungeachtet gab er noch seine letzte Willensmeinung, in Gegenwart vieler Bischöfe und anderer frommen Personen, die ihn besuchten, zu Papier. Sein Testament enthielt vortreffliche Lehren für seine Ordensbrüder. Er empfahl ihnen, alle ihre Pflichten mit Eifer zu erfüllen, kein Eigentum zu besitzen, die Sorge für das Zeitliche Verwaltern zu überlassen, die Rechnung darüber abzulegen hätten, und sich nur mit dem Seelenheil zu beschäftigen; am Tisch jede ausgesuchte Speise, selbst bei Besuchen von Fremden, zu vermeiden; kein Geld im Kloster zu halten, und allen Überfluss den Armen zu geben; allzeit zu Fuß zu gehen, und bei großen Reisen sich nur eines Esels zu bedienen; die Klostertür niemals Frauen zu öffnen, und mit keiner Frau, es sei denn in Gegenwart zweier Zeugen, zu sprechen; drei Mal in der Woche geistliche Unterredungen zu halten; kein Geschäft zu behandeln ohne den Rat der Obern, usw. Solche Regeln beobachteten die Klostergenossenschaften des Orients, die man ausführlicher im großen Katechismus des Heiligen behandelt finden kann.

 

Als Theodor sein Ende herannahen fühlte, verlangte er, dass man ihm die Kirchengebete vorlese, und empfing die letzte Ölung und die heilige Wegzehrung. Hierauf zündete man Kerzen an, und die Brüder begannen, im Kreis um ihren Abt stehend, die Sterbegebete zu verrichten. Sie beteten eben den 118. Psalm, als der Heilige verschied, im 68. Jahr seines Alters. Er starb am 11. November 826, auf der Halbinsel St. Tryphon, an der Küste von Bithynien bei Konstantinopel. Die Lateiner verlegten sein Fest auf den folgenden Tag. 18 Jahre nach seinem Tod versetzte man seinen Leib in das Kloster Studion.

 

Die heilige Hademund von Ebersberg und Gräfin in Kärnten,

+ 11.11.1029 – Fest: 11. November

 

Die dritte Blume im Kranz von Ebersberg ist die heilige Hademunda. Sie war die Tochter Adalberos und die Schwester des Grafen Ulrich. Mit diesem in heiliger Furcht des Herrn erzogen und zu aller Gottseligkeit angeleitet, verehelichte sie sich mit dem Markgrafen Marquard dem Jüngeren von Kärnten. Nur kurze Zeit lebte sie im Ehestand. Nach dem frühzeitigen Tod ihres Gemahls verteilte sie all ihr Hab und Gut an die Armen und wallfahrtete als arme Pilgerin nach Jerusalem, um dort ihre Lebenstage zu beschließen. An der heiligen Stätte diente sie nach dem Beispiel der heiligen Frauen aus den Zeiten des heiligen Hieronymus dem Herrn in Wachen und Beten und beschloss ihr gottgeheiligtes Leben den 11. November 1029. Ihr Grab verherrlichte der Herr durch viele Wunder, die auf ihre Fürbitte daselbst gewirkt wurden. Auf die Nachricht von ihrem seligen Tod fasste auch ihr Bruder, Graf Ulrich, in seinem hohen Greisenalter den Entschluss, nach Jerusalem zu wallfahrten; allein es wurde ihm missraten, und er, beschloss, wie wir gesehen, seine Tage im Frieden zu Ebersberg.

 

12. November

 

Der heilige Josaphat, Bischof und Martyrer von Polozk,

+ 12.11.1632 - Fest: 12. November

 

Eigentlich hieß der Heilige von heute Johannes und mit dem Familiennamen Kunczewitsch, ein Pole also. Den Namen Josaphat legte sich Johannes später selbst zu, als er 1604 zwanzigjährig zu Wilna in ein Kloster eintrat.

 

Kann man denn auch Josaphat heißen? Ist nicht Josaphat ein Tal in der Nähe von Jerusalem, wo dereinst am Jüngsten Tag das Weltgericht stattfinden soll? Wohl, das stimmt, denn beim Propheten Joel, Kapitel 4, Vers 12 steht geschrieben: „Es sollen sich aufmachen und heraufkommen die Völker ins Tal Josaphat, denn da will ich zu Gericht sitzen.“ Das ist das Tal Josaphat, und so erinnert uns der Name heute bereits an das Evangelium vom letzten Sonntag des Kirchenjahres über das Jüngste Gericht, auf das wir stets vorbereitet sein sollen; denn, so heißt es dort, „wie der Blitz vom Ausgang ausgeht und bis zum Niedergang leuchtet, ebenso wird es mit der Ankunft des Menschensohnes sein“. Blitzartig wird das Gericht der Ewigkeit eintreten, und deshalb muss man stets darauf gerichtet sein. Josaphat ist indessen nicht nur ein Ortsname, sondern auch ein Personenname, und der Tagesheilige heißt nun einmal Josaphat.

 

Johannes Kunczewitsch hatte das Glück, eine gute Mutter zu besitzen, die ihm früh vom lieben Heiland, von der Mutter Gottes, vom Schutzengel und von den Heiligen erzählte. Da konnte es geschehen, dass dem Jungen, wenn die Mutter vom Leiden und Sterben des göttlichen Erlösers sprach, helle Tränen über die Backen liefen. Es waren heilige Tränen, und nie braucht sich ein Kind der Tränen zu schämen, die ihm aus mitleidsvollem Herzen unwillkürlich in die Augen treten, wenn es die Geschichte vom sterbenden Heiland hört oder liest. Der ganze Himmel freut sich über die Tränen und über das Kind, das sie vergießt.

 

Johannes sollte anfänglich Kaufmann werden; er kam in die Lehre, und der Lehrherr gewann den aufgeweckten, braven jungen Mann bald so lieb, dass er ihn, weil er kinderlos war, an Sohnes Statt annehmen und zum Erben von Geschäft und Vermögen einsetzen wollte. Da hätte sich Johannes also leicht ein schönes und bequemes Leben machen können, aber er war klüger und verzichtete auf das angebotene Erbe und ging, wie bereits erwähnt, ins Kloster. Das war nicht schlecht getan, denn von der Welt sagt ein Sprichwort: „Die Welt ist eine Insel, darinnen vier Festungen: Goldberg, Neideck, Hohenzorn und Haderwick.“

 

Im Kloster hieß Johannes fortan Pater Josaphat. Der junge Mönch studierte viel und betete noch mehr und war bald ein Muster aller klösterlichen Tugenden, so dass ihn die Mitbrüder zum Abt erwählten, und einige Zeit später wurde Josaphat im Alter von achtunddreißig Jahren zum Erzbischof von Polozk ernannt. Niemand ahnte, dass der kraftvolle junge Kirchenfürst damals die Scheitelhöhe des Lebens längst überschritten hatte und dass die Abendwolken dunkel und schwer sich über ihm sammelten. Fünf Jahre später nämlich wurde Erzbischof Josaphat um des katholischen Glaubens willen auf gräuliche Art ermordet. Das kam folgendermaßen:

 

Das Erzbistum Polozk lag auf der damaligen Grenze zwischen Polen und Russland. Zwar waren die Russen auch Christen, aber sie hatten keine Gemeinschaft mit dem obersten Hirten in Rom. Im Gegenteil, sie bekämpften den Papst und alle Katholiken auf jede erdenkliche Art. Seiner Pflicht entsprechend, ließ es sich Erzbischof Josaphat angelegen sein, die Russen zum einzig wahren römisch-katholischen Glauben hinüberzuziehen. Nicht ohne Erfolg tat er es, denn er war gelehrt und machte alle Gegner schnell mundtot. Dazu war er in seinem ganzen Wesen und Auftreten ein Edelchrist, der keine Forderungen an die Leute stellte, die er ihnen nicht auch selbst vorlebte. Seine ungemessene Wohltätigkeit schließlich gewann ihm alle Herzen. So kam es, dass mit der Zeit viele Irrgläubige zur Mutterkirche zurückkehrten.

 

Über die Erfolge des Erzbischofs geriet natürlich die Gegenseite in hellen Zorn, der allmählich in eine regelrechte Raserei ausartete, und als der verleumdete und verfolgte Oberhirte einst in der Kirche betete, drang eine verhetzte Rotte in das Bischofshaus und misshandelte die Angehörigen des verhassten Mannes. Da lief Josaphat hinzu und sagte: „Ihr sucht doch mich, hier bin ich.“ Bei diesen Worten stürzten sich alle auf den einen mit Stöcken und Lederriemen, und schließlich spaltete einer der Unholde dem mutigen Bischof mit dem Beil den Schädel, eindeutig um des römisch-katholischen Glaubens willen.

 

Das war der glorreiche Tod des heiligen Bischofs und Blutzeugen Josaphat, und weil er auf diese Weise zu Tod kam, findet man heute, auf ihn gedeutet, das Evangelium vom guten Hirten.

 

Der heilige Lebuin (Lebvinus/Liafwin),

Priester und Missionar bei Deventer,

Apostel der Friesen und Westfalen,

+ 12.11.773 – Fest: 12. November

 

England, die Mutter zahlloser Heiligen jener Zeit, war auch die Heimat des heiligen Lebuin oder Liafwin. Schon von früher Jugend weihte sich Lebuin ganz dem Dienst Gottes, so dass man auf ihn die Worte Salomos anwenden konnte: „An seinen Übungen erkennt man den Knaben, ob seine Werke rein und recht sind.“ Mit den zunehmenden Jahren vermehrte sich sein heiliger Eifer, so dass es keine Tugend gab, die in seinem unschuldigen Leben nicht hervorleuchtete.

 

Nachdem Lebuin die Priesterweihe empfangen hatte, zügelte er noch mehr seine Augen vor jedem gefährlichen Blick, seine Ohren vor ungeziemenden Reden, seine Zunge vor eitlem Geschwätz und unpassenden Scherzen, sein Gang war demütig und züchtig, seine ganze Haltung ehrfurchtgebietend. Seine tägliche Übung bestand darin, Gott aufs eifrigste zu verehren, zu wachen und zu beten, die heiligen Wissenschaften zu pflegen, die Regungen des Fleisches mit Fasten zu zähmen und die geistlichen Obliegenheiten im Tempel zu verrichten.

 

Als einst der eifrige Diener Gottes inbrünstig flehte, der Herr möge ihm offenbaren, wie er ihm am besten dienen könne, hörte er eine Stimme, die ihn ermahnte, dass er an der Issel, einem Fluss in Friesland, sein apostolisches Werk beginnen solle. Freudig folgte Lebuin dem Wink des Allerhöchsten, verließ sein Vaterland und reiste nach Utrecht, wo sich der heilige Abt Gregor außerordentlich über den Entschluss Lebuins erfreute und ihm den heiligen Marcellin, einen geborenen Engländer und Zögling des Kollegs in Utrecht, zugesellte, damit er ihn zur Issel begleitete.

 

Lebuin nahm seinen ersten Wohnsitz in dem Dorf Wilp, wo ihn eine katholische Witwe, namens Avenhild, gastfreundlich aufnahm. Dort predigte der Heilige mit einem solchen Eifer, dass sich in kurzer Zeit viele Bewohner taufen ließen, denen er eine Kapelle baute, um dort das heilige Messopfer zu feiern und die katholische Lehre zu verkünden. Bald fasste die Kapelle die Menge der Gläubigen nicht mehr. Deshalb baute er auf der anderen Seite des Flusses, wo jetzt die Stadt Deventer steht, eine größere Kirche und daneben eine Wohnung. Fast kein Tag erschien, wo sich nicht mehrere Menschen taufen ließen und ein christlich-frommes Leben begannen. Die Liebenswürdigkeit, die Herzensreinheit, die Freigebigkeit gegenüber den Armen und eigene Enthaltsamkeit des Heiligen zogen die Herzen des Volkes mächtig an.

 

Als die heidnischen Sachsen vernahmen, dass die benachbarten Friesen bereitwillig die christliche Lehre annahmen, fielen sie mit großer Heeresmacht in deren Land, verwüsteten Deventer mit Feuer und Schwert und mordeten die Christen, die nicht flüchteten. Lebuin würde dem Mordstrahl nicht entgangen sein, wenn ihn die mächtigere Hand Gottes nicht gerettet hätte. Nach dem Abzug der Sachsen baute Lebuin die eingeäscherte Kirche zu Deventer wieder auf und fasste den kühnen Entschluss, unter den ungezähmten Sachsen selbst das Evangelium zu verkünden.

 

Während die Edellinge, die Freien und Volksmänner der Sachsen zu Marcklo in der Grafschaft Hoya an der Weser eine Volksversammlung abhielten, um über Krieg und Frieden zu beraten, Streitigkeiten zu schlichten und Recht zu sprechen, erschien plötzlich Lebuin in ihrer Mitte und redete zu der erstaunten Versammlung: „Merket auf und wisset, dass der Herr, der Schöpfer Himmels und der Erde, des Meeres und aller Dinge, der einzig wahre Gott ist. Er hat uns gemacht, nicht wir selbst, und es ist kein anderer, außer ihm. Die Bildnisse, die ihr als Götter verehrt, sind Gold und Silber, Erz, Stein und Holz, sie leben nicht, bewegen sich nicht, fühlen nicht, denn sie sind Werke von Menschenhand. Der allein gute, gerechte und barmherzige Gott hat mich zu euch gesandt, dass ihr euren früheren Irrtum bereut und euch aufrichtig zu ihm kehrt. Wenn ihr ihn gläubig anerkennt, Buße tut und euch taufen lasst und seine Gebote gehorsam haltet, so wird er euch von allen Übeln bewahren, den Frieden schenken, mit zeitlichem Überfluss erfreuen und im zukünftigen Leben mit ewigen Gütern beglücken. Wenn ihr aber seine heilsamen Vorschriften für nichts achtet und den Irrtum eures verdorbenen Herzens nicht bessern wollt, so wisset, dass euch die Strafgerichte Gottes ereilen werden.“

 

Über die kühne Rede des verhassten Missionars wurden die Sachsen derart ergrimmt, dass sie Pfähle aus den Zäunen rissen, um den verwegenen Eindringling tot zu schlagen. Einige indes wurden im Herzen gerührt, und unter ihnen sprach der Fürst Boto: „Hört, ihr Männer! Wir nahmen die Gesandten der Normannen, Slaven und Friesen ehrenvoll auf und entließen sie reich beschenkt. Seht, hier ist der Gesandte des höchsten Gottes, der uns die Gebote des Lebens und unseres Heils bringt, und von uns nicht allein verhöhnt und verachtet, sondern auch beleidigt und mit dem Tode bedroht wird. Wie groß die Macht seines Auftraggebers sei, zeigt klar seine wunderbare Rettung aus euren Händen. Daher werdet ihr auch erfahren, wie wahr seine Drohungen sein werden, die er im Namen seines Gottes uns ankündigt.“ Durch diese Drohworte wurden die Wütenden eingeschüchtert und man beschloss allgemein, niemand solle den Gesandten Gottes angreifen, unbehelligt könne er gehen, wohin er wolle.

 

Unterdessen kehrte Lebuin in die Gegend der Issel zurück und erschöpfte sich in apostolischen Arbeiten. Den ersehnten Martertod erlitt er nicht, jedoch stand er ohne Blutvergießen eine Art beständigen Martertodes aus, denn er kreuzigte täglich seinen Leib, litt Hunger und Durst, Kälte und Blöße, fastete, wachte und betete ohne Unterlass. Abwechselnd ging er von den Friesen zu den Westfalen, predigte beiden Völkern die wahre Religion und Frömmigkeit und wird mit Recht beider Lehrer und Apostel genannt.

 

Lebuin starb um das Jahr 770, am 12. November, und wurde in dem von ihm erbauten Tempel zu Deventer begraben. Drei Jahre später machten die Sachsen unter Widukind einen Einfall in Holland, verwüsteten die Kirche zu Deventer, fanden aber das Grab des Heiligen nicht. Nachdem Karl der Große die Sachsen vertrieben hatte, schickte Abt Gregor den heiligen Ludger, damals noch Diakon der Kirche zu Utrecht, nach Deventer, um unter dem Schutt der eingeäscherten Kirche die Reliquien des heiligen Lebuin aufzusuchen. Dieser erschien in der Nacht dem heiligen Ludger und zeigte ihm die Stelle seines Grabes, das in der Tat am anderen Morgen dort aufgefunden wurde. An Wundern reich ruhen die Gebeine des heiligen Lebuin in der Stiftskirche, die nach seinem Namen benannt wurde.

 

Der heilige Kunibert, Bischof und Bekenner von Köln,

+ 12.11.663 – Fest: 12. November

 

Köln am Rhein wurde von alters her das „heilige Köln“ oder auch das „deutsche Rom“ genannt, weil es als eine der ältesten Städte auf deutscher Erde auch dem christlichen Glauben zuerst seine Tore öffnete, weil sein Boden besprengt ist mit dem Blut der elftausend Jungfrauen, des heiligen Gereon und seiner Genossen, und weil so viele heilige Bischöfe den Metropolitansitz mit dem Glanz ihrer Tugenden, Wissenschaften und Verdienste verherrlicht haben. Als erster Bischof von Köln wird ja der heilige Maternus genannt, ein Schüler des Apostels Petrus. Dem mutigen Verteidiger des christkatholischen Glaubens auf der Synode zu Sardica (347), dem Kölner Bischof Euphrates, folgte der heilige Severin. Zur Zeit des Königs Dagobert des Großen aber saß der vielberühmte heilige Kunibert auf dem Kölner Stuhl, und hat sich als Bischof und Staatsmann große Verdienste um die Kirche und das Volkswohl erworben.

 

Kunibert wurde an der Mosel im Bistum Trier von frommen Eltern, namens Krallo und Regina, geboren und am Hof des Königs Dagobert I. von Austrasien erzogen. Seinen Sinn auf das Himmlische richtend, widmete er sich dem geistlichen Stand und wurde wegen seiner hervorragenden wissenschaftlichen Bildung, wegen seiner Frömmigkeit, Umsicht, Geschäftsgewandtheit und Charakterfestigkeit als der Würdigste am 25. September 623 zum Bischof von Köln geweiht.

 

Als Bischof entfaltete Kunibert die ganze Kraft seines Geistes, um den Glauben seiner Bistumsangehörigen zu befestigen und religiösen Eifer überall zu verbreiten. Im Jahr 625 sehen wir ihn als einen der mutigsten und entschiedensten Kirchenfürsten auf der großen Synode zu Reims für Wahrheit und Recht eintreten. Am bedeutendsten und nachhaltigsten wurde seine Wirksamkeit, als er nach dem Abtreten des heiligen Arnulph von Metz im Jahr 628 Ratgeber des jungen Königs Dagobert I. wurde. In Verbindung mit Pipin von Landen regierte er jetzt, während Dagobert im Königreich Neustrien residierte, Austrasien gerecht und kräftig, und verblieb in dieser hohen Stellung auch später, als Dagobert im Jahr 633 die Krone des mit ihm unzufriedenen Austrasien an seinen erst dreijährigen Sohn Siegbert III. abgegeben hatte. Kunibert erzog den jungen Fürsten in der Furcht Gottes, in Tugend und Frömmigkeit, so dass er später unter die Heiligen versetzt worden ist. Auch verstand er es, den Adel und die Geistlichkeit so in Eintracht zu verbinden, dass dem Volk das erbaulichste Beispiel gegeben wurde. Durch seinen Einfluss bei den Königen Dagobert und Siegfried erreichte er die Stiftung der Klöster Cougnon, Stablo und Malmedy. Auch suchte er die noch heidnischen Friesen für die Kirche Jesu zu gewinnen, wozu der Kölnischen Kirche das Kastell Utrecht geschenkt wurde, jedoch hatten die Bemühungen der ausgesandten Glaubensboten wenig Erfolg. In Westfalen erwarb er die Stadt Soest mit ihrem ausgedehnten Gebiet für die Kölnische Kirche.

 

Nach Siegberts Tod im Jahr 656 zog sich Kunibert in sein Bistum zurück, unzufrieden über den neuen Hausmeier Grimoald, der den unmündigen Sprössling Siegberts, Dagobert II., heimlich nach Irland entfernte, ihn für tot ausgab und die Krone seinem eigenen Sohn zu verschaffen suchte. Doch noch in demselben Jahr 656 siegte Chlodwig II., König von Neustrien, der Oheim des noch immer für tot gehaltenen Knaben Dagobert, über den Thronräuber und vergab jetzt Austrasien an seinen Sohn Childerich II. im Jahr 658. Kunibert, obgleich hochbetagt, musste auch die Leitung dieses jungen Prinzen wieder übernehmen, bis er am 12. November 663 in die wohlverdiente ewige Ruhe einging.

 

An seinem Ende konnte Kunibert mit inniger Genugtuung auf sein langes Leben zurückblicken, von dem er vierzig Jahre auf dem bischöflichen Stuhl zu Köln zum Segen der Kirche und zum Heil des Staates in unermüdlicher Tätigkeit Gott geopfert hatte. Sein Leichnam wurde in der Klemenskirche, die er selbst für die Bequemlichkeit der Schiffer am Rheinufer erbaut hatte, feierlich beigesetzt, und bald begann man, ihn als einen Heiligen zu verehren und sein Gedächtnis alljährlich am 12. November zu feiern. An die Stelle der Klemenskirche ließ Erzbischof Konrad von Hochstaden im 13. Jahrhundert die jetzige ansehnliche Kirche zu Ehren des heiligen Kunibert selber erbauen. Im romanischen Stil aufgeführt, wurde sie in demselben Jahr 1248 vollendet, wo der Grundstein zum Kölner Dom gelegt wurde.

 

Der heilige Nilus, Einsiedler und Kirchenvater,

+ 4. Jahrhundert - Fest: 12. November

 

Nicht Adel und Ehrenstellen, nicht Reichtum und Glück haben den Namen des heiligen Nilus berühmt gemacht; aber dass er alle diese irdischen Vorzüge aus Liebe zu Gott hinopferte, und sich mit dem reinsten Herzen Jesu anschloss, hat ihm die Verehrung aller Zeiten erworben. In seiner Einsamkeit wusste er sich so verborgen vor den Augen der Welt zu halten, dass uns sogar seine in der Wüste geführte Lebensweise unbekannt ist. Alles, was wir von diesem großen Diener Gottes wissen, beschränkt sich daher auf einige allgemeine Züge. Man glaubt allgemein, dass er von Ancyra in Galatien gebürtig war, und, nach seinen Schriften zu urteilen, eine vorzügliche Erziehung genossen hat, dabei jedoch mehr zur Gottseligkeit, als zu hoher Gelehrsamkeit herangebildet worden sei. Es würde schwer sein, die Zeit zu bestimmen, wo er den heiligen Chrysostomus sich zum Lehrer wählte; doch scheint dies zu Antiochien geschehen zu sein, wohin der Ruf des heiligen Lehrers ihn mochte gezogen haben, als er der Welt entsagte.

 

Der heilige Nilus verehelichte sich mit einer Frau, die seiner würdig war, und zeugte zwei Kinder. Er lebte seiner hohen Geburt gemäß, und wurde vom Kaiser zur Würde eines Präfekten oder Statthalters von Konstantinopel erhoben. Die am Hof des Arkadius herrschenden Laster setzten das zarte Gewissen des Nilus in Schrecken, und er fürchtete in das allgemeine Verderbnis hineingezogen zu werden, und das Verlangen, allein für Gott zu leben, machte auf seine Seele einen so lebhaften Eindruck, dass er sich entschloss, die Welt auf immer zu verlassen. Seine gottselige Ehefrau, die er zärtlich liebte, und von der er ebenso zärtlich wieder geliebt wurde, gab gegen das Jahr 390 ihre Einwilligung zu seiner beabsichtigten Lebensweise. Er ließ ihr das jüngste der Kinder, eine Tochter, überzeugt, dass sie unter einer solchen Aufsicht in allem Guten heranwachsen werde. Seinen Sohn Theodul nahm er mit sich. Beide zogen sich in die Wüste Sinai zurück, wo sie den Übungen der Gottseligkeit sich weihend, große Kämpfe mit den Feinden des Heils zu bestehen hatten. (Nach einigen griechischen Handschriften haben sich die Gattin und die Tochter des heiligen Nilus in ein großes Frauenkloster nach Ägypten begeben.) Die freien Augenblicke verwandte der heilige Nilus zur Abfassung verschiedener Schriften, die bis heute erhalten sind, und als ein bleibendes Denkmal seiner erhabenen Tugend, und von seinen seltenen Rednergaben zeugen. Der hohe Begriff, den man von der Heiligkeit des Dieners Gottes hatte, bewog viele, selbst aus den höheren Ständen, ihn um Rat zu fragen, und wir sehen aus seinen Briefen, dass niemand besser als er die Lehre des Evangeliums und die Grundsätze des inneren Lebens kannte.

 

Die Werke des heiligen Nilus sind zu wichtig, als dass wir nicht in deren Einzelheiten eingehen sollten; und die daraus hervorstrahlenden Züge seiner edlen und tugendhaften Seele werden über seine Lebensgeschichte einen lieblichen Glanz verbreiten.

 

In der Abhandlung von dem Klosterleben zeigt er aus Beispielen des alten Gesetzes, dass es allzeit Menschen gegeben hat, die durch eine belehrende Lebensweise und eine gänzliche Weltentsagung nach Vollkommenheit gestrebt haben. Der geistliche Kampf, sagt er, wodurch wir unsere Leidenschaften bezähmen, um den neuen Menschen anzuziehen, ist die Kunst der Künste; allein wir dürfen nie im Streit ermüden, sondern müssen im heiligen Eifer des Tugendkampfes beharren. Jesus Christus ist vom Himmel auf die Erde gekommen, uns den Weg zu zeigen, der zur wahren Glückseligkeit führt, und den die alten Philosophen nicht gekannt haben. Die ersten Christen ahmten in allen Dingen ihrem göttlichen Meister nach; allein nach und nach erkaltete dieser Eifer. Damals sah man manche Christen die Welt verlassen, den Reichtümern und Vergnügen entsagen, um leichter ihre Leidenschaften zu unterdrücken, und sich besser in der Übung aller Tugenden zu vervollkommnen. Unglücklicher Weise beharrte aber dieser in seinem Ursprung so heilige Stand nicht in seinem hohen Streben, sondern wurde durch die Laster seiner Glieder entstaltet. Kraftvoll erhebt sich der Heilige gegen die Unordnungen der Klostergenossen, und empfiehlt ihnen nicht nur in der angeführten Abhandlung, sondern auch in seinen anderen asketischen Werken, die Armut, den Gehorsam, die Demut, den Frieden und die Eintracht.

 

Das Buch vom Gebet enthält vortreffliche Lehren. Zuerst müssen wir, sagt der Heilige, die Gabe des Gebets und der Tränen begehren. Den Heiligen Geist müssen wir anrufen, damit er in unseren Herzen jene reinen und glühenden Wünsche errege, die allzeit erhört werden. Unsere Seele muss in Bezug auf die Geschöpfe blind und stumm sein, und unser Herz frei von jeder ungeordneten Neigung. „Willst du recht beten, so verleugne dich selbst zu jeder Stunde . . . Bist du geduldig im Leiden, so wirst du froh sein im Gebet . . . Liebst du Gott, so hast du die große Kunst des Gebetes, und betest du recht, so wirst du Gott immer mehr lieben . . . Wie das Sehen der vollkommenste Sinn, so ist das Gebet die göttlichste Tugend . . . Gelangst du im Gebet zu einer Freude, die alle Freuden übersteigt, so bist du zum wahren Gott gelangt.“

 

Die in der Welt leben, sind nicht minder zum Gebet verpflichtet, als die sich besonders dem Dienst Gottes geweiht haben. Ihr Gebet kann aber nur dann wirksam sein, wenn sie damit die Mäßigkeit, die Demut, die Mildtätigkeit, die Verachtung der Erdengüter verbinden.

 

Der Heilige untersucht auch die Frage, ob die Lebensweise der Einsiedler derjenigen vorzuziehen sei, die in Klostergenossenschaften innerhalb der Städte von gottgeweihten Männern geführt werden, und erklärt sich für das Erstere. Bei dieser Behauptung setzt er jedoch voraus, dass die Einsiedler unter einem erfahrenen Meister geprüft worden sind. Denn sie müssen großer Schwierigkeiten gewärtig sein. Er selbst hatte die heftigsten Versuchungen bestehen müssen, aber er unterlag nicht, weil er sich kräftigte durch frommes Lesen, eifriges Gebet, durch Psalmengesang, durch öftere kniefällige Verdemütigungen vor Gott, durch Geduld, Erniedrigung und das Kreuzzeichen. Er empfahl anderen, dieselben Waffen zu gebrauchen, wenn sie ähnliche Versuchungen empfinden sollten. In seinen Abhandlungen über die bösen Gedanken, über die Hauptsünden, u.a.m., zeigt er geeignete Mittel an zur Ausrottung aller Laster. Vor allem hebt er die Gefahr eitler Ehrsucht und des Müßiggangs hervor. Man erkennt, sagt er, dass ein Ordensmann mit diesem letzteren Laster angesteckt ist, wenn er leicht die Augen von dem Buch abwendet, um die ihn umgebenden Gegenstände zu betrachten; wenn er vom kleinsten Geräusch schon an seine Tür hingezogen wird; wenn er träge oder eilig sich seiner obliegenden Pflichten entledigt; wenn er seine Andachtsübungen leichtsinnig aufgibt, um neue zu haschen, und vieles anfängt, ohne eins zu beenden; wenn er auf Neuigkeiten lauert, und hin und her läuft, selbst unter dem Vorwand die Kranken zu besuchen, weil er weniger aus Liebe, als aus Selbstbefriedigungssucht handelt. „Ein Ordensmann, der nicht in seiner Zelle verschlossen bleibt, ist einem ausgetrockneten in die Wüste verpflanzten Zweig vergleichbar, der, da er keine Wurzel fassen kann, niemals Frucht hervorbringen wird.“ Jene, deren Beweggrund eitle Ruhmbegierde ist, vergleicht der Heilige mit einer Angelleine, die man ins Wasser wirft, und die sogleich verschwindet, wie ein durchlöcherter Beutel, der nichts von dem Hineingelegten behält. Die eitle Ruhmbegierde ist wie eine unter dem Wasser verborgene Klippe; wenn wir daran scheitern, so ist es um alle unsere Tugenden geschehen. „Wer diesem Laster ergeben ist, betet gerne öffentlich; wer es aber besiegt hat, betet lieber und freudevoller im Verborgenen. Ein Tor zeigt seine Schätze, und reizt dadurch die Gier der Räuber. Verbirg sorgfältig deine Reichtümer, weil der Weg, den du gehst, mit Räubern besetzt ist. Dann kannst du ganz gesichert sie genießen.

 

Der heiliges Nilus bestand in der Wüste eine sehr schmerzliche Prüfung. Die Sarazenen erschlugen viele Einsiedler des Sinai, und führten den jungen Theodul, des Nilus Sohn, mit anderen Gefangenen weg. Nilus suchte ihn nun aller Orten, und fiel selbst in die Hände dieser Räuber, die ihn jedoch bald wieder entließen. Endlich fand er seinen geliebten Theodul in Eleusa, beim Bischof dieser Stadt, der ihn losgekauft hatte. Mit Freude stellte der Oberhirt dem Vater den Sohn zu, nachdem er jedoch jenen zuvor zum Priester geweiht hatte. Der heilige Nilus zählte damals fünfzig Jahre. Er starb in einem sehr hohen Alter unter Marcians Regierung. Das Jahr und die Umstände von seinem und seines Sohnes Tod sind unbekannt. Seine Reliquien wurden vom Berg Sinai unter der Regierung Justins des Jüngeren nach Konstantinopel gebracht, und nach Nicephor und den Menäen, in der Apostelkirche beigesetzt.

 

Der heilige Renatus, Bischof,

Bekenner und Patron von Angers, Frankreich,

+ 12.11.450 – Fest: 12. November

 

Die Geschichte des heiligen Renatus ist mit so viel Märchenhaften durchflochten, dass es schwer ist, die Wahrheit herauszufinden. Mehrere Schriftsteller haben geleugnet, dass er jemals auf dem bischöflichen Stuhl von Angers gesessen sei. Allein die Überlieferung dieser Kirche sagt: er sei ein Schüler des heiligen Maurillus, und Bischof von Angers gewesen, von wo er auf den bischöflichen Stuhl von Sorrento in Italien gekommen ist, und später seien seine Reliquien nach Angers zurückgebracht worden. Zu welcher Zeit diese Versetzung geschah, ist ungewiss. Man weiß jedoch, dass der Leib des heiligen Bischofs im 9. Jahrhundert schon zu Angers aufbewahrt wurde. Gegenwärtig liegt er in der Kathedralkirche, deren Patron der heilige Renatus, nebst der allerseligsten Jungfrau ist. Sein Hauptfest wird zu Angers am 12. November gefeiert. Derselbe Heilige wurde auch zu Paris in den Kirchen von St. Eustache und des Collegiums von Navarra verehrt.

 

Der heilige Ämilian von Cogolla,

Priester und Einsiedler in Spanien,

+ 12.11.574 – Fest: 12. November

 

Der heilige Ämilian, von armen Eltern geboren, hütete in seiner Jugend die Herden. In seinem 20. Lebensjahr übergab er sich der Leitung eines heiligen Einsiedlers namens Felix, der zu Bilibie, bei Najara sich aufhielt. In den Wegen der Vollkommenheit unterrichtet, kehrte er an seinen Geburtsort in Aragonien zurück. Die vielen Besuche seiner Bekannten bewogen ihn aber, sich in die disterzischen Gebirge zurückzuziehen, die sich bis zum Land der alten Cantabern erstreckten. In dieser Abgeschiedenheit widmete er sich den strengsten Bußübungen. Da ihn jedoch auch da der Glanz seiner Tugenden verriet, weihte ihn der Bischof von Tarragona zum Priester, und nötigte ihn, die Seelsorge von Vengege zu übernehmen. Seine Treue in Erfüllung seiner Pflichten, und seine Liebe zu den Armen zogen ihm Feinde zu. Einige seiner Mitbrüder, die ihm seinen Eifer nicht nachahmen wollten, beschlossen seinen Untergang, um einen Mann, der sie durch seine Heiligkeit beschämte, nicht vor Augen zu haben. Es gelang ihnen auch, den Bischof des Sprengels gegen ihn einzunehmen. Ämilian wurde genötigt seine Seelsorge zu verlassen. Er unterwarf sich dem Willen Gottes, der ihn prüfte, und kehrte freudig in seine Einsamkeit zu seiner früheren Lebensweise zurück. Wie früher war er auch jetzt ein Vater der Armen und der treue Ratgeber aller Bedrängten. Die Fastenzeit hindurch blieb er in seiner Zelle eingeschlossen, und sah niemand als einen Menschen, der ihm die notwendige Speise brachte. Die Wundergabe, mit der ihn Gott auszeichnete, verlieh seinem Namen die verdiente Ehre. Er starb in einem hohen Alter, um das Jahr 574, und wurde in die Kapelle seiner Einsiedelei beerdigt. Man glaubt, dass die seinem Leichenbegängnis beiwohnenden Ordensmänner seine Schüler waren. Ungefähr 50 Jahre nach seinem Tod erbaute man ein Kloster an dem Ort, wo seine Kapelle oder Einsiedelei stand. Gegen die Hälfte des 11. Jahrhunderts wurden seine Reliquien in das Tal verlegt, wo das Krankenhaus für die Ordensmänner stand, und man erbaute daselbst ein zweites Kloster; und jetzt noch wird der Leib des Heiligen daselbst aufbewahrt. Dieses Kloster gehört gegenwärtig zum Bistum Calahorra, in Altkastilien, drei Meilen von der Stadt Najara. Das Fest des heiligen Ämilian, den die Benediktiner zu ihrem Orden rechnen, wird an diesem Tag begangen.

 

Der heilige Livin,

Bischof und Märtyrer zu Eschen und Patron von Gent, Belgien,

+ 12.11.659 – Fest: 12. November

 

Livin war ein frommer und gelehrter Bischof aus Schottland, der nach Flandern schiffte, den Heiden das Evangelium zu verkündigen. Bevor er dieses wichtige Werk begann, wollte er sich auf besondere Weise dem Herrn weihen. In dieser Absicht betete er dreißig Tage lang auf dem Grab des heiligen Bavo zu Gent, und brachte an jedem das heilige Messopfer dar. Nachdem er sich so feierlich dem Herrn geweiht hatte, fing er an das Wort des Lebens zu verkündigen, und bekehrte eine große Menge Heiden in den Bezirken von Alost und Hattem. Zu dem heiligen Bavo hatte er allzeit eine besondere Andacht, und da er in seiner Jugend in der Dichtkunst sich geübt hatte, verfasste er eine Elegie zu Ehren dieses Heiligen, der einige Jahre vorher gestorben war.

 

Die Heiden ermordeten den heiligen Livin zu Eschen im Jahr 659. Man begrub ihn zu Hattem, eine Meile von Gent. Im Jahr 1006 wurden seine Reliquien nach Gent in das Kloster zum heiligen Petrus versetzt. Der Name des heiligen Livin steht auf diesen Tag im römischen Martyrologium.

 

Der heilige Paternus,

Ordensgeistlicher von St. Pierre le Viv, Märtyrer von Sens, Frankreich,

+ 12.11.726 – Fest: 12. November

 

Paternus, geboren im Bezirk von Coutances, bewies von Jugend auf einen unglaublichen Eifer für die Übungen der Armut, der Verdemütigungen und für strenge Bußwerke. Aus Verlangen nach gänzlicher Abgeschiedenheit verließ er das Kloster zum heiligen Paternus in Avranches, verlebte einige Zeit zu Yonne, im Bistum Sens im Kloster zum heiligen Petrus, und zog sich darauf in das nicht weit davon entfernte Kloster St. Pierre le Vif zurück. Allein die Ehrenbezeigungen, mit denen man seiner Tugend huldigte, verleideten ihm auch bald diesen Aufenthaltsort. Er entschloss sich daher, wieder in das Kloster von Yonne zurückzukehren, in der Hoffnung, daselbst verborgener leben zu können. Doch Gott ließ ihn nicht mehr dahin gelangen. Er wurde im serginischen Forst von Räubern, die er zu einem besseren Lebenswandel ermahnte, getötet. Man setzt seinen Tod gegen das Jahr 726. Nach dem damaligen Zeitgebrauch, wo man den frommen Personen, die eines gewalttätigen und ungerechten Todes starben, den Märtyrernamen erteilte, wurde auch Paternus als Märtyrer verehrt. Seine Reliquien brachte man im 10, Jahrhundert in das Kloster zum Erlöser in Bray-sur-Seine.

 

Der heilige Rufus,

1. Bischof und Bekenner von Avignon, Frankreich,

+ 12.11.290 ? – Fest: 12. (14.) November

 

Wie es scheint, war der heilige Rufus von Geburt ein Römer und lebte im dritten Jahrhundert. Von seinem Leben ist uns nichts bekannt. Sein Name steht unter dem 12. November in den Martyrologien von Beda, Ado und Usuard, und im römischen. Sein Fest wird aber zu Avignon am 14. Eben dieses Monats gefeiert. Die Kathedralkirche von Avignon bewahrt seine Reliquien. Eine berühmte Kongregation regulierter Chorherren trug einst seinen Namen.

 

(Die vom heiligen Chrodegand zu Metz eingeführte Regel wurde von den meisten Kathedralkirchen Frankreichs im 11. Jahrhundert angenommen. Sie schrieb das gemeinschaftliche Leben, unter besonderen Satzungen, und den Gehorsam gegenüber einem Obern vor. Nach und nach verließ man aber diese Lebensweise wieder. Unter anderem wichen auch die Kanoniker von Avignon davon ab. Vier von ihnen zogen mit Zustimmung ihres Bischofs Benedikt, und ihrer Mitbrüder an die Kirche zum heiligen Justus an der Stadtmauer, wo die Reliquien des heiligen Rufus aufbewahrt wurden. Der Bischof, das Kapitel und Berengar, der Graf von Avignon, traten ihnen durch eine Urkunde vom 1. Januar 1038 diese Kirche ab. Bald schlossen sich mehrere eifrige Kanoniker aus verschiedenen Kirchen ihnen an, und so erhielt die vom heiligen Rufus benannte Kongregation ihren Ursprung. Sie hat der Kirche 4 Päpste, mehrere große Bischöfe, und viele durch Wissenschaften und Tugenden ausgezeichnete Männer gegeben. Bald gründeten sie auch Einrichtungen in Frankreich, Italien, Spanien, in Norden, in Griechenland, zu Tunis und Algier. Unter dem Oberhirtenamt von Hadrian VI. stiftete ein Engländer, aus eben diesem Orden und Abt zu St. Rufus, ein Ordenshaus in Norwegen, wo er als Legat hingesandt worden war. Als das Kloster zum heiligen Rufus bei Avignon durch die Albigenser zerstört worden war, verlegten die Kanoniker 1140 ihren Sitz in ein ihnen angehörendes Priorat zu Valence in Dauphiné. Dieses Haus wurde dann der Hauptsitz des Ordens, der immer von einem regulierten Abt geleitet wurde. Da jedoch in den letzten Zeiten die Kongregation von St. Rufus nicht mehr zahlreich genug war, wurde sie noch vor der Revolution aufgehoben, und die Einkünfte des Hauptortes so verteilt, dass das Bistum von Valence die des Abtes, und die dortige Kathedralkirche die des Konvents erhielt.)

 

13. November

 

Der heilige Didakus von Alkala, Spanien, Laienbruder,

+ 12.11.1463 - Fest: 13. November

 

Bei dem Heiligen vom heutigen Tag, einem Spanier, ist bereits der Name nicht ohne Interesse, denn Didakus heißt er auf Latein, spanisch aber lautet der Name Diego, wobei auch das e vollsilbig ausgesprochen wird, also Di-e-go. Das ist auf deutsch Jakob, und Jakob wollen wir daher den Tagesheiligen auch nennen.

 

Jakob war ein Armeleutekind, lernte weder lesen noch schreiben, wohl aber früh fleißig arbeiten, was sicher kein Fehler ist, denn Kinder, die zeitig zu rechter Arbeit angehalten werden, entwickeln sich später nicht leicht zu verspielten Menschen, wohl aber zu lebenstüchtigen Frauen und Männern.

 

Weil Jakobs Sinn nicht auf die Welt stand, ging er ins Kloster. Dort war er Koch und Küchenmeister.

 

Weil Bruder Jakob viel mit Gott verkehrte, teilte sich auch Gott ihm mit und gab dem ungelehrten Klosterbruder mit der Zeit ein solches Wissen um die übernatürlichen Dinge, dass selbst berühmte Gottesgelehrte nicht mehr mitkamen, sondern bei Bruder Jakob in die Schule gingen, der seine Kenntnisse übrigens nicht mühsam zu lernen brauchte, sondern von Gott eingegossen erhielt, wie man Öl in eine Lampe gießt, damit sie leuchte.

 

Später hat Bruder Jakob eine Zeitlang als Missionar unter den Heiden auf den Kanarischen Inseln an der Westküste Afrikas mit gutem Erfolg gewirkt. Noch später kam er als Krankenpfleger nach Rom. Da hat er viele gesund gemacht, oft durch ein einfaches Kreuzzeichen oder durch Öl, das er der Ampel entnahm, die vor dem Muttergottesaltar brannte. Die Leute behaupteten damals steif und fest, der Klosterbruder wirke Wunder. Die Aussage ist sicher nicht von der Hand zu weisen, denn mit Gottes Hilfe geschehen auf die Fürbitte der Heiligen Wunder zu allen Zeiten.

 

Als Bruder Jakob ein alter Mann geworden war, kehrte er nach Spanien heim, um dort zu sterben. Bevor er starb, musste er noch manche schmerzhafte Krankheit durchmachen. Schließlich schlug aber auch für ihn die letzte Stunde. Von Augenblick zu Augenblick verlangsamte sich der Atem und setzte endlich ganz aus, so dass die Mitbrüder, die am Sterbelager knieten und beteten, der Meinung waren, er sei bereits verschieden. Doch da öffnete Bruder Jakob noch einmal groß die Augen und lachte aus vollem Herzen, und als man ihn fragte, warum er denn lache, gab er zur Antwort: „Ich hätte nicht geglaubt, dass es im Paradies solch schöne Blumen gibt, wie ich sie soeben sah.“ Mit diesen Worten und dem Lächeln auf den Lippen ging Bruder Jakob gleich darauf hinüber in den Himmel, in den er kurz zuvor bereits einen Blick hatte werfen dürfen.

 

Der heilige Stanislaus Kostka von Polen, Novize SJ,

+ in Rom 15.8.1568 – Fest: 15. August und 13. November im Jesuitenorden

 

Wie schön und anmutvoll erscheint eine Lilie, die vom Tau des Himmels befeuchtet und von der Morgensonne beschienen, ihren Glanz und süßen Duft ausgießt. Aber noch schöner ist eine jugendliche Seele, die, mit himmlischer Gnade erfüllt, von Tag zu Tag sich herrlicher entfaltet in Tugend und Gottesfurcht. Eine solche prächtige Blume im Garten Gottes war der heilige Stanislaus, der am 28. Oktober 1550 zu Kostka in Polen das Licht der Welt erblickte. Sein Vater, Johannes Kostka, und seine fromme Mutter, Margareta Kriska, stammten aus einem alten Adelsgeschlecht. Der kleine Stanislaus wuchs in Unschuld und frommen Übungen heran und hatte eine solche zarte Schamhaftigkeit, dass er in Ohnmacht fiel, wenn er ein unkeusches Wort hörte.

 

Im Jahr 1564 kam Stanislaus mit seinem älteren Bruder Paul ins Konvikt der Jesuiten nach Wien, um sich weiter auszubilden, und zeichnete sich durch Eifer im Gebet und Studium, durch seine Zurückhaltung und Unschuld so sehr aus, dass ihn alle seine adeligen Mitschüler lieb gewannen. Doch schon nach zwei Jahren wurde das Konvikt vom Kaiser aufgehoben, und Stanislaus musste mit seinem Bruder Paul aus Mangel an Platz in einem lutherischen Haus Kost und Wohnung nehmen. Der fromme junge Mann widmete alle seine Zeit dem Studium und Gebet, fastete viel und suchte seine einzige Erholung im Besuch des Allerheiligsten in der Jesuitenkirche und im Preis der Himmelskönigin.

 

Die Demut und Zurückhaltung, die Enthaltsamkeit und Schweigsamkeit, die allsonntäglichen Beichten und Kommunionen seines jüngeren Bruders waren dem adelstolzen, genusssüchtigen Paul ein Dorn im Auge. Unaufhörlich quälte und beschimpfte und verhöhnte er ihn, schlug ihn und trat ihn mit Füßen. Auch sein Hofmeister tadelte ihn als Betbruder, der weniger auf feine, adelige Manieren achte, als auf seinen schwärmerischen Hang zu frommen Übungen. Stanislaus ertrug alle Unbilden mit himmlischer Geduld, aber mehr und mehr stieg in ihm der Wunsch auf, der Welt gänzlich zu entsagen und in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Er teilte deshalb seinem frommen Beichtvater seinen Entschluss mit und bat den Ordensprovinzial Laurentius Magnus um Aufnahme in den Jesuitenorden. Es wurde ihm die Aufnahme unter der Bedingung gewährt, dass seine Eltern einwilligten, aber auf diese durfte er nicht rechnen.

 

Infolge der Fasten, Nachtwachen und ständigen Quälereien durch seinen Bruder, ergriff ihn im Jahr 1566 eine tödliche Krankheit. Stanislaus verlangte sehnlichst nach den heiligen Sterbesakramenten, aber weder der protestantische Hausherr, noch sein Bruder und Hofmeister ließen sich bewegen, sein Begehren zu erfüllen. Im tiefsten Seelenschmerz flehte Stanislaus zur heiligen Barbara, sie möge ihm die Gnade des heiligen Sakramentes verschaffen. Seine Bitte wurde erhört. Um Mitternacht erschien ihm die heilige Barbara, begleitet von zwei Engeln, die ihm die heilige Kommunion reichten. Bald darauf erschien ihm die Mutter Gottes, legte das Jesuskind in seine Arme, tröstete ihn und mahnte ihn, in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Welche Freude mochte das Herz des frommen jungen Mannes in jener seligen Stunde bewegen.

 

Bald genas Stanislaus von seiner schweren Krankheit und begehrte Aufnahme in den Jesuitenorden. Der Provinzial verweigerte ihm aber die Aufnahme, bis er die Genehmigung seiner Eltern eingeholt habe. Darauf riet ihm ein frommer Priester, den Provinzial von Oberdeutschland, Petrus Canisius, oder den Ordensgeneral Franz Borgias in Rom zu Rate zu ziehen. Stanislaus sah diesen Rat als einen Wink vom Himmel an. Als ihn sein Bruder wieder hart behandelte, sprach er zu ihm: „Du zwingst mich, Bruder, dass ich dir entlaufe, und du wirst es bei unseren Eltern zu verantworten haben.“ Hierauf legte er seine Kleider ab, hüllte sich in ein Bettlergewand, hörte noch die Heilige Messe und begab sich auf die Reise mit dem festen Vorsatz, niemals zurückzukehren, und sein Brot so lange zu erbetteln, bis er Aufnahme in den Jesuitenorden gefunden hätte. Nach einigen Stunden jagten sein Bruder, der Hofmeister und Hauswirt ihm nach, holten ihn ein, erkannten ihn aber nicht. Stanislaus kam wohlbehalten nach Augsburg und da er den heiligen Petrus Canisius dort nicht fand, eilte er zu ihm nach Dillingen.

 

Um seinen Beruf zum Ordensleben zu prüfen, befahl ihm der Ordensobere, die Hausarbeiten im dortigen Kolleg zu verrichten und freudig verrichtete der Noviz die niedrigsten Dienste. Nach kurzer Zeit schickte ihn Petrus Canisius mit zwei Jesuiten und Empfehlungsschreiben nach Rom zum Ordensgeneral Franz Borgias. Am 28. Oktober 1567 trat Stanislaus in das Noviziat. Wer kann die unendliche Freude beschreiben, die jetzt das Herz des frommen jungen Mannes bewegte? Sein Vater schrieb ihm Briefe voll der härtesten Vorwürfe, er beantwortete sie mit kindlicher Ehrfurcht und bewunderungswürdiger Weisheit, zog aber den Willen Gottes jedem anderen Willen vor.

 

Als Noviz lebte Stanislaus wie ein Heiliger, himmlischer Friede lag in seinem Antlitz, Engelsunschuld strahlte aus seinen Augen, seine Demut, sein Gehorsam, sein Gebetseifer, seine kindliche Fröhlichkeit erregten die Bewunderung aller. In der Anbetung des heiligsten Sakramentes und bei der heiligen Kommunion genoss er ein solches Übermaß von Wonne, dass er oft in Verzückung geriet und einem Engel des Himmels glich. Seine Liebe und Verehrung zur Himmelskönigin kannte keine Grenzen, denn ihr verdankte er seinen Eintritt in den Orden. Den Rosenkranz legte er nicht aus den Händen und in seine Unterredungen flocht er immer das Lob Mariens. Sein ganzes Leben war ein fortgesetztes Gebet, eine strenge Bußübung und ein unermüdliches Ringen nach Vollkommenheit, ein inniges Sehnen nach dem Himmel.

 

Im ersten Jahr seines Noviziats und in den ersten Tagen des Monats August unterredete sich Stanislaus mit dem Pater Emanuel und rief in heiliger Entzückung aus: „O mein Vater! Welch ein seliger Tag war es für die Heiligen, als die allerseligste Jungfrau in den Himmel aufgenommen wurde. Ich bin überzeugt, dass sie alle Jahre, so wie wir, durch ein besonderes Jubelfest dieses Andenken erneuern und ich hoffe zuversichtlich, der ersten Feierlichkeit, die sie wieder begehen werden, beiwohnen zu können.“ Niemand dachte an die Erfüllung dieser Vorhersage. Er aber schrieb am Fest des heiligen Laurentius nach der heiligen Kommunion einen Brief an die Himmelskönigin, in dem er sie innig bat, ihn aus diesem Tal der Tränen hinweg zunehmen und an ihrer Himmelsfreude teilnehmen zu lassen, und er legte diesen Brief auf seine Brust. Schon am Abend fühlte er sich krank und sagte: „Ich werde von meinem Bett nicht mehr aufstehen.“ Am 14. August empfing er freudestrahlend die heilige Wegzehrung und letzte Ölung, brachte einige Zeit im Gebet zu und küsste mit inniger Zärtlichkeit das Bildnis der Mutter Gottes. Hierauf begehrte er ein Kruzifix, hielt es fest in der Hand, dankte dem Heiland für alle Gnaden, die er je in seinem Leben empfangen hatte, und küsste mit heiliger Inbrunst die fünf Wunden. Gefragt, ob er zum Sterben bereit sei, rief er aus: „Bereit ist mein Herz, o Gott, bereit ist mein Herz.“ Jetzt erschien ihm die Himmelskönigin mit einer großen Schar heiliger Jungfrauen, und den Namen Jesu und Maria auf den Lippen hauchte er seine reine Seele aus im Frührot des 15. August 1568, im achtzehnten Lebensjahr.

 

Papst Klemens VIII. sprach ihn selig, Papst Benedikt XIII. nahm ihn zugleich mit dem heiligen Aloysius im Jahr 1726 in das Verzeichnis der Heiligen auf. Viele Wunder verherrlichten sein Grab.

 

Der heilige Volkwin / Volquin,

1. Abt und Bekenner von Sichem, Thüringen,

+ um 1170 – Fest: 13. November

 

Als der heilige Bernhard die deutschen Länder durchzog und mit seinem zündenden Wort die einen zum Kreuzzug gegen die Sarazenen begeisterte, um mit bewaffneter Hand das heilige Land zu befreien, die anderen zum Streben nach Tugend und Vollkommenheit entflammte, entschlossen sich viele fromme Männer und Frauen, die trügerische Welt zu verlassen, um in einsamer Klosterzelle alle Gedanken und Werke der Ehre Gottes und dem Heil der Seele zu weihen. Zu diesen gottbegeisterten Männern gehört auch der heilige Volquin.

 

Angezogen von der außerordentlichen Tugend und Gottseligkeit des heiligen Bernhard, der sehr viele Menschen zu seiner Nachfolge und zum Eintritt in den von ihm gegründeten Zisterzienserorden bewog, verließ Volquin die Pfarrstelle, die er bisher in Westfalen verwaltet hatte, um den Weg der Vollkommenheit zu beschreiten. Seine Probezeit legte er im Kloster Walkenried in Thüringen ab, und stieg in kurzer Zeit in allen Stufen der Heiligkeit zu einer solchen Höhe, dass er schon zu Lebzeiten des heiligen Bernhard zum ersten Abt des Klosters Sichem in Thüringen im Jahr 1141 erwählt wurde.

 

Die verschiedensten Tugenden traten bei Volquin in bewunderungswürdiger Weise hervor. Auch in seiner Abtwürde besuchte er fortwährend die Gefängnisse, die Krankenspitäler, die Hütten der Armen, die Wohnungen der Witwen und Waisen, und mit zuvorkommender Liebe traf er Fürsorge, dass den Bedürftigen nichts mangele. Die Pilger und Reisenden, die ihr Weg zum Kloster Sichem führte, nahm er nicht nur sehr gastlich auf, sondern wusch auch eigenhändig und demütig ihre Füße, indem er die Mahnung des göttlichen Heilandes auf sich bezog: „Wenn ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr einander die Füße waschen.“ Für Gott und himmlische Dinge war er derart eingenommen, dass er alles Irdische verachtete und sein einziges Vergnügen nur in der Betrachtung und Erstrebung übernatürlicher und ewiger Güter fand. Reich an Tugenden und glänzend durch viele Wunder, ging er zur himmlischen Glückseligkeit ein am 13. November um die Mitte des 12. Jahrhunderts.

 

Die reichsunmittelbare Zisterzienser-Abtei Walkenried wurde gleich dem Kloster Sichem im Westfälischen Frieden säkularisiert und als Reichslehn dem Hause Braunschweig überlassen.

 

Der heilige Homobonus, Kaufmann zu Cremona,

+ 13.11.1197 – Fest: 13. November

 

Der heilige Homobonus war der Sohn eines Kaufmanns zu Cremona in Italien. Sein Familienname war Tucinge; sein Taufname aber Homobonus, Gutmensch, der schon anzukündigen schien, was er einst werden wird. Zum Kaufmann bestimmt, erhielt er auch eine diesem Gewerbe entsprechende Erziehung. In den Lehren und Beispielen seines Vaters fand er die schönsten Beweggründe zur Redlichkeit, Gottesfurcht und Tugend. Von Kindheit an bewies er einen großen Abscheu selbst gegen jeden Schein der Ungerechtigkeit, er würde lieber sein ganzes Vermögen verloren, als die geringste Sünde begangen haben. Seinen Stand sah er als eine von Gott ihn angewiesene Beschäftigung an, und erfüllte treu die ihm obliegenden Pflichten aus Gehorsam gegenüber dem Willen des Himmels, so wie aus Gerechtigkeitsgefühl gegenüber sich und seiner Familie, und gegenüber den Menschen. Nach dem Willen seiner Eltern verehelichte er sich mit einer tugendhaften Frau, die ihn in der Führung des Hauswesens unterstützen konnte. Die gute Ordnung, die unter seinen Hausgenossen herrschte, war ein Beweis von der Wachsamkeit und Heiligkeit des Hausvaters.

 

Durch diese verschiedenen Mittel heiligte sich der Diener Gottes in seinem Stand. Es entging ihm keine Gelegenheit, wo er die christlichen Tugenden ausüben konnte; die Widersprüche, die er zu erdulden hatte, vermochten nicht seine Seelenruhe zu trüben, denn er ertrug sie in stiller Ergebung und Demut. Auf Unannehmlichkeiten antwortete er durch sanftes Stillschweigen oder liebevolle Gegenvorstellungen, denen selbst seine Gegner nicht zu widerstehen vermochten. Er war sich selbst so vollkommen abgetötet, dass man zu Cremona sagte, er sei ein Mensch ohne Leidenschaft.

 

Seine Liebe zu den Armen kannte keine Grenze. Nach dem Tod seines Vaters, der ihm ein ansehnliches Vermögen hinterließ, wurden seine Almosenspenden noch reichlicher. Er suchte die Armen in ihren Hütten auf, und bestrebte sich bei Linderung ihrer leiblichen Not, sie zugleich zur Besserung ihres Lebens anzuregen. Seine Gattin machte ihm zuweilen Vorwürfe, seine Familie müsse durch seine allzu häufigen Almosen in Armut geraten; allein er entgegnete ihr, die beste Weise sein Geld anzulegen, sei, es den Armen geben, denn dadurch werfe es hundertfache Zinsen, wie Jesus Christus es selbst versprochen habe. In seiner Lebensgeschichte liest man auch, seine außerordentlichen Wohltätigkeitswerke seien oft durch Wunder verherrlicht worden, und Gott habe ihm die Gabe verliehen, seine zur Linderung menschlicher Not bestimmten Spenden zu vervielfachen.

 

Mit der Wohltätigkeit verband Homobonus zugleich die Enthaltung und Abtötung. Dabei wusste er die treue Erfüllung seiner Berufspflichten mit der heiligen Übung des Gebets zu vereinbaren. Dieser so beglückenden Erhebung der Seele zu Gott widmete er einen beträchtlichen Teil seiner Zeit, und wenn er durch äußere Geschäfte zerstreut schien, vereinigte er durch fromme Seufzer und Schussgebetchen sein Herz mit dem Vater im Himmel; so dass alle Orte, wo er sich befand, für ihn Orte des Gebetes waren. Um Mitternacht stand er jedes Mal auf, wohnte der Mette in der Kirche zum heiligen Ägidius bei, und erst am Morgen kehrte er nach dem Hochamt in seine Wohnung zurück. Seine Andacht wirkte, besonders beim heiligen Messopfer, so fühlbar auf alle, die ihn sahen, dass sie immer erbaut die heilige Stätte verließen. In demütiger Zerknirschung lag er, bis der Priester zum Altar trat, vor einem Bild des Gekreuzigten. Seine Beispiele und seine Reden bekehrten viele Sünder. Die Sonntage und Feste des Herrn und der Heiligen widmete er einzig dem Gebet, und betend ging er hinüber zum Empfang der Tugendbelohnungen. Am 13. November 1197 wohnte er seiner Gewohnheit gemäß der Mette bei, und blieb vor einem Kruzifix auf den Knien liegen, bis der Priester die heilige Messe anfing. Beim Gloria in excelsis streckte er seine Arme aus. Kurz nachher beugte er sich mit seinem Angesicht zur Erde nieder. Die Anwesenden glaubten, er habe dies andachtshalber getan. Als man aber wahrnahm, dass er beim Evangelium nicht aufstand, trat man ihm näher, und bemerkte, dass er nicht mehr lebte.

 

Sicard, Bischof von Cremona, untersuchte den Heldenmut der Tugenden, die der gottselige Homobonus in seinem Leben geübt hat, so wie die Zuverlässigkeit der von ihm gewirkten Wunder, und begab sich mit mehreren ehrwürdigen Personen nach Rom, um dessen Heiligsprechung nachzusuchen, die auch Innocentius III. durch seine Bulle von 1198 gab. Der Leib des Heiligen wurde 1356 erhoben, und in die Kathedralkirche von Cremona versetzt. Sein Haupt blieb aber in der Kirche zum heiligen Ägidius. Der berühmte Vida von Cremona hat einen Hymnus zu Ehren des heiligen Homobonus, Patron seines Vaterlandes, verfasst.

 

Die Bruderschaft der Kaufleute von Lyon wählte eben diesen Heiligen, weil er in seinem sterblichen Leben demselben Geschäft wie sie sich gewidmet hatte, zu ihrem Patron.

 

Die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Menschen beweisen, dass er zum Arbeiten geboren ist; zu arbeiten ist er auch als Glied der menschlichen Gesellschaft schuldig. Es wäre ungerecht, wenn er, zu den gemeinschaftlichen Lasten nicht beisteuernd, doch von dem gemeinschaftlichen Gewinn genießen wollte. Ein den Lustbarkeiten und Vergnügungen gewidmetes Leben ist demnach eines vernünftigen Geschöpfes, und noch vielmehr eines Christen unwürdig. Man beobachte jene, die keine ernste Beschäftigung haben, und man wird finden, dass ihnen ihr Leben selbst eine Last ist. Die von Natur aus tätige Seele bedarf der Übung, und kein Mensch kann glücklich sein, wenn er sich nicht eine Art von Beschäftigung zu machen weiß. Diese Wahrheit gewinnt noch an Kraft und Eindringlichkeit, wenn man von der Sinnlichen zur sittlichen Ordnung übergeht. Doch dabei wird es der Bemerkung nicht bedürfen, dass Gewerbe, die zur Sünde verleitet, jederzeit verboten sind. Die anderen müssen nach Verhältnis ihrer Nutzbarkeit für die Gesellschaft, und der in ihnen sich darbietenden Gelegenheiten zur Tugendübung geschätzt werden. Man kann sie alle heiligen, wenn man sie auf Gott, das große Ziel und Ende aller erschaffenen Dinge bezieht. Jedes Gewerbe greift ein in den allgemeinen Plan der Vorsehung, und der macht sich vor Gott strafbar, der die ihm nach seinem Beruf obliegenden Pflichten nicht erfüllt. Die mechanischen Künste zielen zwar ihrer Natur nach nicht nach Erweckung der Tugend; allein sie werden doch für alle verdienstlich, die sie durch Religionsgründe und christliche Tugendübungen veredeln. Diese Tugenden sind übrigens die Frucht des Gebetes, der Betrachtung des göttlichen Gesetzes und der Selbstbewachung. Wir müssen uns daher allzeit einige Augenblicke für diese gottseligen Übungen vorbehalten, und ihnen sogar den Vorzug geben, wenn sie hier und da mit einigen Geschäften des gewöhnlichen Lebens nicht vereinbarlich wären. Diese Augenblicke werden uns auch nie fehlen; finden wir doch solche für unsere Lustbarkeiten und Vergnügungen! Wir sollen heilig werden, und nur auf dem Weg inniger Gottergebenheit können wir es werden.

 

Der heilige Mitrius, Märtyrer zu Aix, Frankreich,

+ 284 – 305 – Fest: 13. November

 

Der heilige Gregor, der eine ehrenvolle Erwähnung von dem heiligen Mitrius (französisch Saint Merre) macht, weist auf seine Lebensgeschichte hin, die uns aber nicht überliefert ist. Es scheint, der heilige Mitrius habe zu Aix in Provence unter Diokletians Regierung den Märtyrertod erlitten. Er soll mehrere sehr grausame Folterqualen nicht nur mutvoll, sondern sogar freudig bestanden haben. Er ist der Hauptpatron von Aix, wo man ihn am 13. November verehrt. Sein Name steht auf diesen Tag in den Martyrologien. Wir lesen auch beim heiligen Gregor von Tours, dass Gott das Grab des heiligen Mitrius durch verschiedene Wunder verherrlichte.

 

 

Der heilige Brictius, Bischof von Tours,

+ 444 – Fest: 13. November

 

Brictius, geboren in Tours, wurde in dem Kloster und unter der Leitung des heiligen Martin herangebildet. In der Folge aber verfiel er in Lauigkeit und Stolz, und verursachte seinem Lehrer manchen Kummer. Der heilige Martin sagte jedoch voraus, dass er sich bekehren und sogar ihm auf dem bischöflichen Stuhl von Tours nachfolgen werde. Und wirklich wurde er um das Jahr 400 zum Bischof von Tours erwählt. Nach empfangener Weihe führte er den musterhaftesten Lebenswandel. Gott ließ ihn aber seine früheren Fehler durch Trübsale büßen. Sein guter Name wurde durch Verleumdung angefeindet, und es kam so weit, dass ihn das Volk aus der Stadt vertrieb. Er begab sich nach Rom, und blieb da mehrere Jahre, bis er durch Geduld über die Bosheit seiner Feinde siegte. Er wurde wieder in sein Bistum eingesetzt, und stand ihm, bis zu seinem 444 erfolgten Tod als ein Heiliger vor. Sein Andenken wurde ehedem in Frankreich hoch verehrt. Die Protestanten Englands haben auch seinen Namen in ihren Kalendern gelassen.

 

Der heilige Abbo, Abt von Fleury und Märtyrer von Gascogne,

+ 13.11.1004 – Fest: 13. November

 

Abbo oder Albo stammte aus dem Orleanais. Seine Bildung erhielt er im Kloster Fleury, oder St. Benedikt an der Loire, wo er auch die Gelübde ablegte. Er besaß für seine Zeit große Gelehrtheit, doch zeichnete er sich noch mehr durch seine Tugenden aus. Auf Ersuchen des heiligen Oswald, des Bischofs von Worchester, der auch im Kloster Fleury als Ordensmann gelebt hatte, schiffte er nach England über, und wurde der Klosterschule von Ramsey vorgesetzt. Nach seiner Rückkehr in sein Kloster Fleury, wurde er zum Abt erwählt, und führte da eine vortreffliche Zucht ein. Wegen des hohen Rufes seiner Heiligkeit und Einsichten, in dem er stand, fragte man ihn von allen Orten her um Rat. Tapfer verteidigte er die Rechte seiner Abtei gegen den Bischof von Orleans, und verfasste hierüber eine Rechtfertigungsschrift an die Könige Hugo Capet und dessen Sohn Robert. Der letztere sandte auch den gelehrten Abt nach Rom, um mit dem Papst wegen wichtiger Angelegenheiten zu unterhandeln, und der Erfolg rechtfertigte die getroffene Wahl.

 

Im Jahr 1003 erbaute man wieder das Kloster Squirs oder Reole, im Bistum Bazas, das während der Einfälle der Normänner zerstört worden war. Da dieses Haus von Fleury abhing, begab sich der heilige Abbo dahin, um die Ordnung daselbst einzuführen. Einige Zeit danach machte er, aus eben dieser Absicht, eine zweite Reise dahin. Bei dieser Gelegenheit verlor er aber das Leben in einem Streit, der sich zwischen seinen Begleitern und den Gascognern erhob. Während er die erhitzten Gemüter zu besänftigen versuchte, und seinen Dienern sogar Unrecht gab, durchbohrte ihn ein Gascogner mit einer Lanze, woran er 1004 starb. Da seine Heiligkeit durch verschiedene Wunder sich erwies, verehrte man ihn als einen Märtyrer. Sein Fest steht an diesem Tag in den Martyrologien Frankreichs, und in dem der Benediktiner.

 

14. November

 

Der heilige Laurentius, Erzbischof von Dublin,

+ in Frankreich 14.11.1181 – Fest: 14. November

 

Dieser heilige Erzbischof war der Sohn eines reichen und mächtigen Fürsten von Leinster in Irland und wurde in seinem zehnten Lebensjahr dem König Dermith von Meath als Geisel übergeben, später aber den Händen des Bischofs von Glendonoch, der ihn in der Gottesfurcht erzog. Er zählte noch nicht ganz fünfundzwanzig Jahre, als ihn die Mönche von Glendonoch zu ihrem Abt erwählten, und nach dem Tod des Erzbischofs Gregor von Dublin setzte man ihn als Würdigsten auf den erledigten Oberhirtenstuhl. Mit unermüdlicher Tätigkeit erfüllte er seine apostolischen Pflichten und wachte sorglich über sich und die ihm anvertraute Herde. Vor allem verbesserte er die Sitten der Geistlichkeit und suchte nur echte Religionsdiener dem Herrn zu weihen. Im Jahr 1163 bewog er die weltlichen Kanoniker seiner Domkirche, die Vorschrift der regulierten Chorherren anzunehmen und legte selbst das Ordensgewand an. Er war rastlos in der Verkündigung des göttlichen Wortes, eifrig im Gebet, strenger Enthaltsamkeit ergeben, ein mildtätiger Vater der Armen. Damit er im Guten nicht erkalte, zog er sich von Zeit zu Zeit in das Kloster Glendonoch zurück und nahm dort seine Wohnung in einer in der Nähe liegenden Grotte. Zu seiner Zeit eroberten die Engländer einen großen Teil Irlands, und König Heinrich II. kam 1172 selbst nach Dublin, um die Huldigung zu empfangen. Angelegenheiten seines Bistums führten den Heiligen später nach Canterbury, wo gerade der Hof sich aufhielt, und hier geschah es, dass ein Geistesgestörter, als er an den Altar trat, die Messe zu beginnen, ihm einen so gewaltigen Streich auf das Haupt versetzte, dass er zu Boden stürzte. Als der Erzbischof wieder zur Besinnung gekommen war, verlangte er Wasser, segnete es mit dem Kreuzzeichen und verlangte hierauf, dass man damit seine Wunde auswusch. Alsbald hörte das Blut zu fließen auf, und er las die Heilige Messe. Papst Alexander III. versammelte zur Verbesserung der Kirchenzucht und Ausrottung der Irrlehren 1179 in Rom das dritte Konzil von Lateran. Mit dreihundert anderen Bischöfen erschien auch Laurentius dabei und wurde vom Oberhaupt der Christenheit zum Legaten im Königreich Irland ernannt. Von Rom heimgekehrt fand er sein Bistum von einer schrecklichen Hungersnot betroffen, die drei Jahre anhielt. Fortan speiste er täglich dreihundert Ortsarme und fünfzig Fremde. Dabei ernährte er oft zu gleicher Zeit mehrere hundert von ihren Müttern verlassene Kinder. Als zwischen dem irischen Häuptling Deronog und Heinrich II. Feindschaft ausbrach, übernahm er die Rolle des Versöhners und reiste dem König bis in die Normandie nach, um den Frieden wieder herzustellen. Kurz darauf wurde er von einer heftigen Krankheit befallen und sah sich genötigt im Kloster der regulierten Chorherren von Eu Zuflucht zu nehmen. Hier starb er am 14. November 1181 und wurde in der Abteikirche begraben. Papst Honorius III. reihte ihn 1226 den Heiligen an. Die Stadt Eu erwählte ihn zu ihrem Hauptpatron.

 

Der selige Serapion, Priester und Martyrer in Algier,

+ 14.11.1240 – Fest: 14. November

 

Der selige Serapion aus dem Orden der heiligen Maria de Mercede zur Erlösung der gefangenen Christen, Martyrer in Algier, war der erste seiner Genossenschaft, der sein Blut für den Glauben vergoss. Zu Ende des 12. Jahrhunderts in England geboren trug er als junger Mann die Waffen und machte unter dem Befehl des Herzogs von Österreich in Spanien einen Feldzug gegen die Mauren mit. Später trat er in die Dienste des Königs Alphons IX. von Kastilien, verließ sie aber wieder, um sich dem Orden de Mercede einverleiben zu lassen, der um diese Zeit von dem heiligen Petrus Nolascus begründet worden war. Er wurde von seinen Obern öfters dazu ausersehen, den Ungläubigen das Lösegeld für die Gefangenen zu überbringen, und war in der Ausführung dieser Aufträge stets glücklich. Der heilige Stifter übertrug ihm die Leitung der Novizen, aber im Drang, den neuen Orden auch in sein Vaterland zu verpflanzen, bat er um die Erlaubnis, nach England überschiffen zu dürfen und erhielt sie. Unterwegs fiel er in die Hände von Seeräubern, die ihn arg misshandelten und zuletzt ins Meer warfen. Mit der Hilfe Gottes erreichte er dennoch die Küste und begab sich nach London, dann nach Irland und Schottland, ohne aber hier die gehofften Erfolge erreichen zu können. Nach Spanien zurückgekehrt wurde er mit noch einem Bruder von dem heiligen Petrus Nolascus zu den Mauren in Algier geschickt, konnte jedoch, da er nicht mit hinlänglichen Mitteln ausgestattet war, nur fünfundachtzig spanische Sklaven loskaufen. Die der übrigen Nationen, als sie sich verlassen sahen, gingen zu ihm und stellten ihm kläglich ihre traurige Lage vor, sowie die Gefahr, in der ihr Glaube unter den fortwährenden Quälereien schwebte. Gerührt hierdurch schickte er seinen Gefährten nach Spanien zurück, um dort neue Summen zu holen, während er selbst als Tröster der Gefangenen in Algier zurückblieb. Sein heiliger Wandel und seine heldenmütige Aufopferung machten solchen Eindruck auf einige Muselmänner, dass sie sich von ihm taufen ließen. Aber diese Bekehrungen erregten in dem Grad den Zorn des Königs von Algier, dass er den Diener Gottes ergreifen und in einen finsteren Kerker werfen ließ. Hier wendete man, um ihn abtrünnig zu machen, gegen ihn häufig wie bei den Mohammedanern übliche Bastonade an. Er aber pries während der grausamen Hiebe Gott mit lauter Stimme und äußerte ebenso laut seinen Abscheu gegen den Lügenpropheten der Ungläubigen. Als der König vernahm, dass der Gefangene den großen Muhamed gelästert habe, verurteilte er ihn zum Tod und überließ ihn der Wut des Pöbels. Die rasende Menge zog den Heiligen aus dem Kerker hervor und hing ihn zwischen zwei Pfählen kopfüber auf, so dass seine Füße und Hände die Gestalt eines Andreaskreuzes bildeten. In dieser Lage schnitten ihm die Unmenschen die Glieder stückweise vom Leib. Während dieser entsetzlichen Marter dankte er Gott und bat für die armen Gefangenen, die tränenüberströmt dem Leiden ihres Wohltäters und Freundes zusahen. Er errang die Palme im Jahr 1240, und die zahlreichen Wunder, die Gott nach seinem Tod durch ihn wirkte, verschafften ihm in Spanien alsbald die kirchliche Verehrung. Selbe wurde 1728 vom Papst Benedikt XIII. bestätigt.

 

Der heilige Dubricius, Bischof von Landaff, England,

+ 14.11.522 – Fest: 14. November

 

Mitten in dem Verderbnis, das vor dem Einfall der Angelsachsen unter den alten Briten eingerissen war, erweckte Gott heilige Hirten, die durch Wort und Beispiel ihre Landsleute zur Buße anmahnten. Unter die Zahl dieser Gottesmänner gehört auch Dubricius, dessen Hauptwirkungskreis South-Wales war. Er war auf der Insel Miserbdil geboren worden, nahe bei dem Fluss Guy. Zuerst war der Heilige in der Provinz Warwick aufgetreten. Er hat die Heiligen Schriften zu Hentlan erklärt und eine zweite Schule zu Moch-res errichtet. Von allen Gegenden Britanniens kamen Schüler zu ihm, so dass er schließlich um die Tausend um sich versammelt sah. Unter ihnen waren der heilige Samson, der heilige Teliaus und viele andere, von denen manche durch Tugend und Wissenschaft berühmt zur bischöflichen Würde erhoben wurden. Die der Bildung seiner Schüler gewidmete Sorgfalt hinderte ihn jedoch nicht, seine eigene Heiligung zu wirken, und auf die Stimme des Geistes Gottes in der Einsamkeit und im Gebet zu horchen. Auf einer um das Jahr 446 gehaltenen Synode weihte ihn der heilige German zum Bischof von Landaff. Und als er 495 auf den erzbischöflichen Stuhl von Caerleon versetzt wurde, erhielt er den heiligen Teliaus zum Nachfolger im Bistum Landaff. In einer 512 zu Brevi gehaltenen Synode legte er schließlich sein Erzbistum zu Gunsten des heiligen David nieder, und zog sich zurück auf die Insel Bardsey oder Euly, an der Küste der Provinz Caernarvon, wo er kurz danach starb und begraben wurde. Man liest bei Camden und anderen Schriftstellern, dass zwanzigtausend Heilige, das heißt zwanzigtausend Einsiedler oder Klostergeistliche, auf dieser Insel begraben seien. In der Folge wurden die Reliquien des heiligen Dubricius nach Landaff gebracht.

 

Der heilige Sidonius,

Abt und Bekenner von Jumieges (Caux, Normandie), Frankreich,

+ 14.11.689 – Fest: 14. November

 

Der heilige Philibert, der Abt von Jumieges, sandte einige seiner Mitbrüder wegen verschiedener Liebeswerke nach Irland. Sidonius oder Saens, ein junger Irländer, wurde durch die Tugenden dieser Gottesmänner so ergriffen, dass er sich ihnen bei ihrer Rückkehr nach Frankreich anschloss, und sich in das Kloster Jumieges aufnehmen ließ. Abtötung und Demut waren die Tugenden, denen er vorerst nachstrebte, und bald wurde er ein Muster für die Frömmigkeit des Hauses. Sein Ruf drang bis zum heiligen Audonus, dem Erzbischof von Rouen, und an den Hof des Königs Theodorich III. Audonus, unterstützt durch die Mildtätigkeit des Fürsten, stiftete in der Landschaft Caux, um das Jahr 674, ein Kloster, und erkor den heiligen Sidonius zu dessen ersten Abt. Der heilige Bischof schloss mit dem heiligen Ordensmann Freundschaft, so dass der ihn in den schwierigsten Angelegenheiten zu Rate zog, und ihn zum Gefährten wählte auf einer Wallfahrtsreise nach Rom. Der heilige Sidonius starb um das Jahr 689. Seine Abtei wurde im 9. Jahrhundert, während der normannischen Kriege, zerstört. In den letzten Zeiten stand an diesem Ort ein von der Abtei St. Vandregesil abhängiges Priorat, das, so wie der sechs Meilen von Rouen entlegene Marktflecken, den Namen des Heiligen beibehielt. Neben diesem Priorat gab es auch noch eine nach dem Heiligen benannte Zisterzienserabtei zu Unserer Lieben Frau von St. Saens.

 

15. November

 

Der heilige Albert Magnus Bollstädt, Bischof und Kirchenlehrer,

+ 15.11.1280 - Fest: 15. November

 

Albert, ein Schwabe aus dem Rittergeschlecht von Bollstädt, wurde im Jahr 1193 in Lauingen an der Donau geboren. Von seiner Kindheit und Jugend weiß man heute nichts mehr. Wenn man aber die Bücher liest, zwanzig dicke und große Bände, die er geschrieben hat, so kommt man zu der Überzeugung, dass sich Albert in jungen Jahren nicht ausgeruht hat, sondern weit durch die Welt gewandert ist, denn in allen Dingen weiß er gut Bescheid. Er muss scharfe Augen gehabt haben, die sich durch den Schein nicht trügen ließen, sondern den Menschen bis tief hinein ins Herz schauten und den Sachen bis auf den letzten Grund gingen. Von Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit ist bei Albert nicht die geringste Spur zu finden. Deshalb ist er auch der größte Gelehrte deutscher Sprache im Mittelalter geworden.

 

Als Student an der italienischen Hochschule Padua trat Albert in den damals noch jungen Dominikanerorden ein und kam zur weiteren Ausbildung nach Köln am Rhein. Die Legende weiß zu berichten, dass Albert anfangs im Lernen nicht gut voran kam. Da sei ihm – er war ein großer Marienverehrer – die Mutter Gottes erschienen und habe ihm gesagt, sie wolle ihm helfen, aber vor seinem Tod werde er alle Weisheit wieder vergessen zum Zeichen dafür, dass die Gelehrtheit eine besondere Gnade des Himmels gewesen sei. Man kann sich denken, dass Albert daraufhin mächtige Fortschritte im Lernen machte, denn derjenige, dem die Mutter Gottes unter die Arme greift, springt mit der gleichen Leichtigkeit über die größten Berge von Schwierigkeiten, wie ein Kind über die Steine am Straßenrand hüpft. Man merke sich also wieder einmal mehr, dass man sich mit Vertrauen an die Mutter Gottes halten muss.

 

Als Albert ausgelernt hatte, wurde aus dem Schüler ein Lehrer, und er lehrte nacheinander an den hohen Schulen zu Hildesheim, Freiburg im Breisgau, Regensburg, Straßburg, Paris und zuletzt und am längsten in Köln. Er unterwies die Studenten über alle Dinge, die es vom Himmel bis unter der Erde gibt, und sprach tief und hoch und gründlich von Gott und von den Engeln und Heiligen. Er sprach von Sonne, Mond und Sternen, von Wolken und Wind, von Vögeln und Fischen und von allem, was auf Erden kreucht und fleucht, von Fels und Stein und Gras und Halm und Wasser und Land. Und er sprach natürlich auch von den Menschen, dass sie vor Gott alle gleich sind und dass deshalb keiner den anderen unterdrücken oder bedrängen darf und dass die Reichen den Armen helfen müssen. Das und vieles andere mehr lehrte Albert die Studenten, die immer nur staunten, dass ein einzelner Mann so gelehrt sein konnte, wie Albert es war.

 

Einmal befand sich unter Alberts Schülern einer, der so steif war, dass er kaum ein Wort zu sagen wusste. Die anderen nannten ihn deswegen den stummen Ochsen. Albert aber, der den stummen Ochsen bald durchschaut hatte, meinte zu dem Studentengerede: „Wartet nur ab, der Ochse wird einmal seine Stimme erheben, dass sie auf der ganzen Erde bis zum Ende der Welt zu hören ist.“ Albert hat Recht behalten, denn der stumme Ochse war der heilige Thomas von Aquin, ein Schüler, der dem großen Meister gleich war und der ihn später im scharfen Denken noch übertraf, ihn aber in der Vielseitigkeit des Wissens nicht erreichte. Heute noch erklingt die Stimme des stummen Ochsen in allen Schulen, in denen sich junge Männer auf den Priesterstand vorbereiten.

 

Zwischendurch war Albert zeitweilig Ordensoberer, und er musste die ihm unterstellten Klöster visitieren; das bedeutet, dass er überall nach dem Rechten zu schauen hatte. Die Klöster lagen aber weit auseinander. Von Riga an der Ostsee bis Konstanz am Bodensee und von dieser langen Strecke aus noch kreuz und quer durch das Land. Alle Wege hat Albert zu Fuß gemacht in Regen, Wind und Schnee und Gluthitze. Das war eine Leistung, die ihm so leicht keiner nachmacht. Zwei Jahre lang war Albert auch Bischof von Regensburg, aber über alles glücklich fühlte er sich, als er mit Erlaubnis des Papstes wieder nach Köln an die Schule zurückkehren durfte, denn nichts tat er lieber als unterrichten. Für immer wird es sein größtes Verdienst bleiben, dass er die weltliche Weisheit dem göttlichen Glauben unterordnete.

 

Einige Zeit vor dem Tod des Heiligen, im achtundachtzigsten Lebensjahr, geschah es, dass Albert, der glänzende Lehrer, mitten im Unterricht vor Hunderten von Studenten auf einmal stockte und stotterte und nicht mehr weiterkam und gar nichts mehr wusste und wie ein Kind zu reden begann. Da lächelte er verträumt vor sich hin und zog sich in die stille Klosterzelle zurück und wollte mit keinem Menschen mehr reden, sondern sich einzig nur auf den Tod vorbereiten, der nach der Ankündigung der Mutter Gottes von damals nahe war.

 

So hat Albert, der Lehrer der Weisheit, am Ende des Lebens die höchste Weisheit geübt, die darin besteht, dass man sich mit aller Sorgfalt auf die Ewigkeit vorbereitet.

 

Der heilige Leopold III. Babenberg, Markgraf von Österreich,

+ 15.11.1136 – Fest: 15. November

 

Der heilige Leopold, von seiner Jugend an „der Fromme“ genannt, war ein Sohn Leopolds III., des Schönen, und Ithas, Kaiser Heinrichs III. Tochter, und wurde am 29. September 1073 zu Melk an der Donau geboren. Schnell entwickelte er die Früchte der guten Erziehung, die ihm seine Eltern angedeihen ließen. Jedermann bewunderte an dem fürstlichen jungen Mann die Fülle der Tugenden, die ihn zierte, seine Nüchternheit, Keuschheit, Zurückgezogenheit, Bescheidenheit, Selbstbeherrschung, Gebetsliebe und Freude am Lesen geistlicher Bücher, besonders der Heiligen Schrift, und versprach sich großen Segen für das Vaterland, wenn er einmal zur Regierung gelangen würde. Er war erst vierundzwanzig Jahre alt, als die schwere Bürde des Herrscheramtes auf seine Schultern gelegt wurde. Im Gefühl der menschlichen Schwäche flehte er zum Himmel um Segen und Erleuchtung, und diese Gaben wurden ihm reichlich zuteil. Er waltete im vollen Sinn des Wortes mit Gott, und sein Hof wurde der Sitz der Gerechtigkeit, Wohltätigkeit und jeder christlichen Tugend. Die Geschichtsschreiber jener Zeit entwerfen ein schönes Bild von dem Glück, das Österreich unter dem Zepter Leopolds genoss. Doch so sorgsam er auch seinen Fürstenpflichten nachkam, verlor er bei der Leitung der zeitlichen Geschäfte doch nie das Ewige aus dem Auge. Es gibt nicht mehr als ein göttliches Gesetz für die Hohen und Niederen der Erde, und beide können nur auf ein und demselben Weg zur Seligkeit gelangen. Diese wichtige Erkenntnis bewog ihn, sein Leben nach der für alle Menschen gegebenen Richtschnur zu regeln. Er wohnte fleißig dem Gottesdienst bei, empfing oft die heiligen Sakramente und hielt treu an der damals hart bedrängten Kirche. Agnes, die Tochter des Kaisers Heinrich IV., mit der er sich in seinem dreiunddreißigsten Jahr vermählt hatte, war ihm eine gleichgesinnte, eifrige Teilnehmerin an allen Werken der Gottseligkeit. Sie hielten miteinander häufig eine Andacht, auch bei der Nacht, trugen Sorge, dass jeder an ihrem Hof das Leben nach den Vorschriften der christlichen Religion einrichtete, und gingen überall mit dem besten Beispiel voran. Ihre Ehe wurde mit neunzehn Kindern gesegnet, von denen elf am Leben blieben und in der Furcht des Herrn erzogen zu hohen Würden, teils geistlichen, teils weltlichen gelangten. Der Eifer für Gottes Ehre beseelte das fromme fürstliche Paar in dem Grad, dass es auf seine Kosten fast alle baufälligen Kirchen im Land wieder herstellte, auch zwei herrliche Klöster neu gründete, das zu Neuburg am Kahlenberge und das zum heiligen Kreuz im Tal Sattelbach. Von der Demut, dieser Grundlage aller Heiligkeit, gab Leopold vielfältig Beweise. Recht augenfällig trat diese Tugend an ihm hervor, als 1125 auf dem Tag zu Mainz die Kurfürsten ihn zum Kaiser erwählen wollten. Denn da bat er kniefällig und unter vielen Tränen, einem anderen, tauglicheren Fürsten diese Würde zu übertragen. Bei aller Frömmigkeit, bei aller Milde und Güte zeigte er aber gleichwohl Heldenkraft, wo es galt, sein Land und sein Recht gegen feindliche Angriffe zu verteidigen. Vierzig Jahre hindurch hatte der treffliche Fürst sein Volk ruhmvoll beherrscht, als er im Herbst 1136 schwer erkrankte und nach würdiger Vorbereitung am 15. November des Todes verblich. Sein Hintritt erfüllte Österreich mit unsäglicher Trauer. Die Leiche wurde im Kloster Neuburg feierlich beigesetzt, und schon in den ersten Tagen erfolgten beim Grab zahlreiche Wunder an Kranken und Presshaften. Die Heiligsprechung Leopolds unternahm Papst Innocenz VIII. im Jahr 1484. Österreich ehrt ihn als seinen ersten Landespatron.

 

Der heilige Machutus, Bischof von Aleth, Bretagne, Frankreich,

+ 15.11.565 – Fest: 15. November

 

Der heilige Machutus (auch Machutes, Maclovius, Macliavus und französisch: Malo, Maclou und Mahout genannt) war ein Sohn Wents oder Gwents, eines britischen Edelmannes, der in der Provinz der Siluren lebte, die später seinen Namen erhielt, und jetzt Montmouth heißt. Er ließ Castel-Went, jetzt Chepstowe, am Fluss Wye, erbauen. Seine Gemahlin Derwele, war eine Verwandte Ammons und Ubrafels, der Väter des heiligen Samson und des heiligen Maglorius. Diese Einzelheiten finden wir in den alten Akten des heiligen Machutus.

 

Unser Heiliger erblickte das Tageslicht im Tal Lan-Carvan, in der Grafschaft Glamorghan. Seine Mutter war dorthin gereist, das vom heiligen Cadoc daselbst gestiftete Kloster zu besuchen, dessen dritter Abt der heilige Brendan war. Er war vor kurzem dem Ellenius in dieser Würde gefolgt.

 

Der heilige Machutus erhielt die Taufe durch den heiligen Brendan, der ihn auch später in den Wissenschaften und in der Gottseligkeit heranbildete. Das Kloster Lan-Carvan war besonders nach dem Tod des heiligen Jltut eine berühmte Schule geworden. Der heilige Machutus empfing da, vom heiligen Brendan vorgestellt, die heiligen Weihen. Als Priester schiffte er nach Armorika oder Bretagne über. Man sagt sogar, er habe, zum Regionarbischof geweiht, sein Vaterland verlassen. Er landete auf einer kleinen Felseninsel, wo ein heiliger Einsiedler, Aaron mit Namen, lebte, der ebenfalls dahin aus Großbritannien gekommen war. An diesem Ort wurde später die Stadt St. Malo erbaut.

 

Obgleich die Stadt Aleth den britischen Fürsten von Domnonea und den Königen von Frankreich unterworfen war, die sich zum Christentum bekannten, waren doch die meisten ihrer Einwohner damals noch Heiden. Der heilige Machutus verließ daher im heiligen Bekehrungseifer seine stille Einsamkeit und verkündigte den Ungläubigen und der kleinen Zahl der im Land wohnenden Christen, die Lehre des Evangeliums. Er wollte die einen vom Irrtum zurückführen, und die anderen in der Wahrheit besser unterrichten. Sein Bekehrungswerk begann er gegen Ende der Regierung Juduals, des Fürsten von Domnonea. Nach Juduals Tod wurde die Herrschaft unter dessen Kinder verteilt. Judhael, der älteste Sohn, war der Vater des heiligen Judicael, des späteren Königs von Domnonea. Haeloch oder Haleou, der zweite, wurde Graf von Aleth.

 

Der heilige Machutus hatte anfangs vieles zu erdulden von diesem Fürsten; endlich aber gelang es ihm, dessen Vorurteile zu zerstreuen, und dessen Schutz bei seinem gottseligen Unternehmen zu erlangen. Seine Heiligkeit, begleitet von der Wundergabe, siegte über die Hartnäckigkeit der verstocktesten Sünder. Er stand 40 Jahre der Kirche von Aleth als Bischof vor, die er ohne Unterlass durch Rede und Beispiel unterrichtete. Ebenso arbeitete er an seiner eigenen Heiligung durch anhaltendes Gebet, sowie durch Wachen, Fasten und andere Bußübungen. Er wusste jeden Augenblick zu seinem und anderer Heil zu benützen. Selbst auf seinen Reisen redete er entweder von Gott, oder betete Psalmen zu dessen Lob. Es gelang ihm, beinahe alle Heiden seines Bistums zu bekehren; auch gründete er viele Kirchen. Nach Aarons Tod übernahm er ebenfalls die Leitung des Klosters, das sich auf der Insel gebildet hatte, und sehr zahlreich geworden war.

 

Nach dem Tod Haelochs, des Grafen von Aleth, erregten einige Übelgesinnte eine so heftige Verfolgung gegen den Heiligen, dass er durch die Flucht entrinnen musste. Das Schiff, mit dem er abgesegelt war, landete an Aquitaniens Küste. Da begab sich der heilige Machutus in die Stadt Saintes, deren Bischof Leontius ihn mit großer Ehrfurcht aufnahm. Nachdem er kurz hierauf nach Aleth zurückberufen wurde, suchte er sich seines bischöflichen Amtes zu entledigen. Er ernannte den heiligen Gudwal (Der heilige Gudwal stammte aus dem Land Wales. Er wird am 6. Juni verehrt. Seine Reliquien wurden im 10. Jahrhundert in das Kloster St. Peter von Gent gebracht, wo man sie mit großer Verehrung aufbewahrte) zu seinem Nachfolger, und kehrte nach Saintes zurück, um sich dort ungestört zur Reise in die Ewigkeit vorzubereiten. Er starb am 15. November um das Jahr 565.

 

Seine Reliquien befanden sich lange in der Kirche seines Namens, außerhalb der Mauern von Saintes, bis sie im 9. Jahrhundert nach St. Malo übertragen wurden. Im folgenden Jahrhundert versetzte man sie aus Furcht vor den Normännern nach Paris, wo sie zuerst in der Kirche des Palastes, dann in der des heiligen Maglor aufbewahrt wurden. Später kamen sie größtenteils in die Abtei St. Victor; doch erhielten auch das Seminar zu St. Maglor, in Paris, sowie St. Malo, Saintes, Rouen, Pontoise und andere Orte einige Teile dieser geheiligten Überbleibsel.

 

Das Kloster der Insel Aaron wurde in eine Kathedrale umgeändert, und mit regulierten Kanonikern versehen, als der gottselige Johann von la Grille, Bischof von Aleth, im Jahr 1141 den bischöflichen Sitz dahin verlegte. Anna von Bretagne befestigte die Insel, auf der die Stadt St. Malo steht. Die ehemalige Stadt Aleth ist gänzlich zerstört.

 

Der heilige Leontius II., Bischof und Bekenner von Bordeaux,

+ 15.11.565 – Fest: 15. November

 

Der heilige Leontius, mit dem Beinamen „der Jüngere“, um ihn von einem anderen Leontius, seinem Vorgänger auf dem bischöflichen Stuhl von Bordeaux zu unterscheiden, wurde um das Jahr 410 zu Saintes geboren. Er stammte aus einem der edelsten Häuser in Aquitanien. In seiner Jugend tat er Waffendienste gegen die Westgoten in Spanien und im narbonnensischen Gallien. Man bewog ihn die Placidina zu heiraten, die unter ihre Vorfahren den heiligen Sidonius und Kaiser Avitus zählen konnte. Wegen seiner unbescholtenen Lebensweise, seiner reinen Sitten, seiner Gerechtigkeitsliebe, seiner Frömmigkeit und seiner Almosen wurde er in späteren Jahren des bischöflichen Amtes würdig erachtet. Das Volk und die Geistlichkeit von Bordeaux erwählten ihn nach dem Tod von Leontius I., oder des Älteren, im Jahr 541 zu ihrem Oberhirten. Von dieser Zeit an betrachtete er seine Gemahlin Placidina nicht mehr anders als eine geliebte Schwester, und sie, ganz der Gottseligkeit ergeben, fand ihre höchste Wonne den gottgeweihten Gemahl in allen guten Werken, so viel sie vermochte, zu unterstützen. Leontius verwendete seine beträchtlichen Güter zum Bau vieler Kirchen, die er auch mit den erforderlichen Einkünften versah, und unter denen auf seinen Gütern besonders bemerkt zu werden verdienen, die zum heiligen Martin von Tours, und zum heiligen Vincentius von Agen; dann die zum heiligen Nazarius, zum heiligen Dionysius und zu der allerseligsten Jungfrau in Bordeaux; endlich die zum heiligen Eutropius von Saintes, in der Stadt dieses Namens.

 

Man findet einen Leontius von Bordeaux unter den Bischöfen des 4. Konzils von Orleans. Es ist wahrscheinlich, dass dies Leontius der Ältere war. Dem sei jedoch wie ihm wolle, unser Heiliger, der dem 5. Konzil eben dieser Stadt nicht beiwohnen konnte, schickte den Priester Vincentius dahin. In eigener Person erschien er aber auf dem 2. und 3. Konzil von Paris, die 551 und 557 gehalten wurden. Im Jahr 565 versammelte er auch ein Konzil aus seiner Provinz zu Saintes, worin Emerius, Bischof dieser Stadt, abgesetzt wurde, da dessen Weihe, weil ohne Zuziehung des Metropoliten, also gegen die Kanons des letzten Konzils von Paris geschehen, gesetzwidrig war. Man wählte an dessen Stelle den Priester Heraklius von Bordeaux. Als jedoch die Urkunde dieser Wahl dem König Charibert vorgelegt wurde, geriet er in großen Zorn, wies den Abgesandten von seinem Angesicht, und schickte ihn in die Verbannung. Er wollte, dass Emerius, obgleich er keinen anderen Rechtsgrund als ein Dekret des Königs Clotar hatte, im Besitz des bischöflichen Stuhls von Saintes verbliebe, und die Bischöfe, die zu dessen Verurteilung mitgewirkt hatten, wurden mit einer Geldstrafe belegt. In der Folge glich sich jedoch die Sache aus, und der heilige Leontius selbst erkannte Emerius als Bischof von Saintes an. Er starb um das Jahr 565, und wird an diesem Tag zu Bordeaux verehrt; allein sein Name steht in keinem Martyrologium. Es scheint nicht, dass Placidina, obgleich sie einen sehr heiligen Lebenswandel geführt hat, jemals in der Kirche öffentlich als Heilige verehrt worden wäre.

 

Der heilige Eugen, Märtyrer von Paris,

+ 2. Jahrhundert – Fest: 15. November

 

Der heilige Eugen, Schüler des heiligen Dionysius, erster Bischof von Paris, litt den Märtyrertod kurz nach seinem gottseligen Meister, zu Deuil, in Paris, und wurde daselbst begraben. In der Folge brachte man seine sterbliche Hülle in die Abtei St. Denys. Wir lesen bei Mariana, dass des Heiligen Reliquien, wenigstens zum Teil, im Jahr 1148 nach Toledo, in Spanien, gebracht worden seien. Aus Versehen hat man diesen heiligen Blutzeugen mit dem frommen und gelehrten Bischof von Toledo verwechselt, der denselben Namen führte.

 

Eugen von Toledo starb 657, nach zwölfjähriger bischöflichen Amtsführung. Dieser durch vorzügliche Heiligkeit ausgezeichnete Oberhirt stand dem 9. und 10. Konzil von Toledo vor. Er hat mehrere Epigramme über fromme Gegenstände, und ein Gedicht über das Werk der sechs Tage, oder über die Schöpfung, hinterlassen. Der heilige Ildefons, sein unmittelbarer Nachfolger, erwähnt seiner mit Lob.

 

Einige Schriftsteller verteidigen auch die Überlieferung der Kirche von Toledo, der heilige Eugen, von dem hier die Rede ist, müsse Eugen II. genannt werden, und der heilige Eugen, Schüler des heiligen Dionys von Parias, habe in Spanien das Evangelium gepredigt, sei erster Bischof von Toledo gewesen, und habe in dieser Stadt den Märtyrertod erlitten.

 

Der heilige Paduin, Abt und Bekenner bei Le Mans, Frankreich,

+ 15.11. 6. Jhd. – Fest: 15. November

 

Der heilige Paduin (französisch Pavin), gebürtig in der Landschaft Maine, verließ in seiner Jugend die Welt, um sich in der Abgeschiedenheit Gott zu weihen. Der Name des Klosters, in das er sich verschlossen hatte, ist jedoch unbekannt. In der Folge zog man ihn aus seiner Einsamkeit hervor, und machte ihn zum Prior des Klosters zum heiligen Vincentius bei Mans, das der Diözesanbischof Domnulus hatte erbauen lassen. Mit einer vorzüglichen Heiligkeit verband Paduin eine seltene Rednergabe, wodurch es ihm gelang, Geist und Herz seiner Zuhörer der Wahrheit zu öffnen, und sie zu gottgefälligen Menschen umzuschaffen.

 

Als der heilige Domnulus ein Kloster mit einem Spital unter Anrufung der allerseligsten Jungfrau, zwischen dem Fluss Sarte und dem Landgut Beaugé erbaute, und Ordensmänner dahin schickte, übergab er die Leitung desselben unserem Heiligen mit der Abtswürde. Paduin war für die neue Genossenschaft ein schönes Beispiel der Demut, des Eifers, der Geduld und der Nächstenliebe, bis er am 15. November gegen Ende des 6. Jahrhunderts starb. Sein Name steht unter diesem Tag im Martyrologium Frankreichs und in dem der Benediktiner.

 

Der heilige Desiderius,

Bischof und Bekenner von Cahors, Frankreich,

+ 15.11.654 – Fest: 15. November

 

Der heilige Desiderius (französisch: Saint Didier oder Géry) wurde im Bezirk von Albi gegen das Jahr 580 aus einer edlen gallischen Familie geboren, und mit seinen zwei Brüdern Rusticus und Siagrius am Hof Clotars II. erzogen. Rusticus, der in den geistlichen Stand trat, wurde Diakon an der Kirche von Rodez, dann Abt oder Vorsteher der königlichen Kapelle und zuletzt Bischof von Cahors. Siagrius erhielt die Grafschaft Albi, und die höchste obrigkeitliche Würde in Marseille.

 

Desiderius machte große Fortschritte in den Wissenschaften, und erwarb sich einen berühmten Namen durch seine Beredsamkeit. Als Bewahrer der besonderen Kasse des Königs bewies er eine bewunderungswürdige Uneigennützigkeit. Er lebte am Hof wie der strengste Ordensmann; die von seinen Amtsgeschäften erübrigte Zeit widmete er dem Gebet, dem Lesen der heiligen Bücher, und der Betrachtung des göttlichen Gesetzes. Er untersagte sich alle weltlichen Lustbarkeiten, die so leicht das Menschenherz vergiften. Durch die Reden und Beispiele mehrerer damals am Hof lebender heiligen Männer, als: eines heiligen Arnulf, eines heiligen Audon, eines heiligen Eligius, wurde er mit jedem Tag mehr zur Tugend angefeuert. In diesen frommen Gesinnungen bestärkten ihn die Briefe seiner frommen Mutter Erchenefreda. Sie empfahl ihm besonders die Gegenwart Gottes nie aus den Augen zu verlieren, ihn stets zu fürchten und zu lieben, alles zu vermeiden, was ihn beleidigen könnte, dem König getreu zu sein, die zu lieben, mit denen er leben müsse, und sie durch seinen Lebenswandel zum Guten anzuregen.

 

König Dagobert schenkte, wie vorher sein Vater Clotar, dem heiligen Desiderius ein großes Vertrauen. Er überhäufte ihn sogar mit neuen Ehrenstellen. Und als sein Bruder Siagrius gestorben war, ernannte er ihn zu seinem Nachfolger, jedoch mit der Bedingung, dass er am Hof verbleiben müsse. Einige Zeit danach wurde Rusticus, Desiderius anderer Bruder, von einigen Bösewichten in Cahors gemeuchelt. Dieser Frevel wurde nach Gebühr bestraft. Als man hierauf zu Cahors erfuhr, dass der König gerne Desiderius als Nachfolger seines Bruders Rusticus auf dem bischöflichen Stuhl sähe, beeiferten sich die Geistlichkeit und das Volk, ihn zu ihrem Oberhirten zu erwählen. Der bei dieser Gelegenheit vom König erlassene Beschluss ist zu merkwürdig, als dass wir ihn hier nicht anführen sollten.

 

„Dagobert, König der Franken, an die Bischöfe, Herzoge und an das ganze Volk Galliens.

 

Wir müssen Sorge tragen, damit unsere Wahl vor Gott und den Menschen wohlgefällig sei; und weil uns der Herr die Leitung der Königreiche anvertraut hat, dürfen wir nur denen die Würden übertragen, die sich auszeichnen durch die Weisheit ihres Wandels, durch die Rechtschaffenheit ihrer Sitten und durch den Adel ihrer Geburt. Da wir demnach erkannt haben, dass Desiderius, unser Schatzmeister, sich von seiner Jugend auf durch seine Frömmigkeit ausgezeichnet hat, wie ein wahrer Krieger Jesu Christi, unter der Dienstkleidung der Welt; und dass der gute Geruch seiner englischen Sitten, des wahrhaft priesterlichen Wandels sich bis in die entferntesten Provinzen verbreitet hat, so gewähren wir den Wahlstimmen der Bürger und Äbte (Man muss unter den Äbten die Vorsteher der geistlichen Genossenschaften verstehen. Es waren damals nach dem Verfasser der Lebensgeschichte des Heiligen noch keine Klöster zu Cahors.) von Cahors, dass er ihr Bischof sei. Wir glauben, dass dies die Wahl und der Wille Gottes ist, dem wir folgen, weil wir uns selbst Gewalt antun, indem wir uns eines so notwendigen Beamten berauben. Allein was es auch kosten mag, wir müssen den Kirchen Hirten verschaffen, welche die von uns ihren Sorgen anvertrauten Völker, nach Gottes Willen leiten. Daher wollen und befehlen wir, dem Begehren der Bürger gemäß, und nach unserem mit dem ihrigen übereinstimmenden Willen, dass Desiderius zum Bischof geweiht werde, damit er für uns und für alle Stände der Kirche bete; und wir hoffen, dass Gott durch das Verdienst der Gebete eines so heiligen Oberhirten, und ein langes Leben verleihen werde.“

 

Diese Urkunde ist vom April 629.

 

Desiderius widmete sich als Bischof mit ganzer Seele seinem erhabenen Amt; er arbeitete unermüdlich an der Ausrottung des Lasters und an der Begründung des Reiches der Tugend; jedem Unglücklichen versuchte er Hilfe zu leisten, und benutzte sein Ansehen einzig zur Beförderung der Ehre Gottes und zur Unterstützung der Armen. Die bestehenden Kirchen schmückte er gemäß ihrer hohen Bestimmung mit neuen Verschönerungen, und ließ, wo es zweckdienlich war, neue erbauen. Vor ihm waren noch keine Klöster in Cahors; er stiftete daher zwei in dieser Stadt. Das erste davon, das nicht weit vom bischöflichen Palast entfernt lag, und dem heiligen Amandus von Rodez gewidmet war, bestimmte er zu seiner Grabstätte. Seinem Beispiel folgten nun mehrere Gläubige bei Stiftung von Klöstern, die teils die Regel des heiligen Columban, teils die des heiligen Benedikt annahmen, die man damals, soviel möglich, zu vereinigen suchte. Es scheint ein Irrtum zu sein, dass man unter die damals errichteten auch das Kloster Moissac gezählt hat; man setzt dessen Stiftung gewöhnlich in Clodwigs Zeiten. Unser Heiliger dehnte seinen Eifer sogar bis in die Landschaft Albigeois aus, wo er gleichfalls mehrere fromme Anstalten errichtete.

 

Sein hohes Alter und seine Körpergebrechen mahnten ihn endlich an sein herannahendes Ende; er machte deshalb sein Testament, worin er seine Kirche zur Erbin aller seiner Güter machte, der er zugleich aber auch die Unterhaltung der von ihm ernährten Armen empfahl. Er starb im Bezirk von Albi am 15. November 654. Sein Leib wurde nach Cahors gebracht, und in der Kirche zum heiligen Amandus beigesetzt. An seinem Grab sind mehrere Wunder geschehen. Zu Cahors steht eine nach dem heiligen Desiderius benannte Pfarrkirche; allein sein Leib ist nicht mehr dort.

 

Das Bistum Cahors war ehemals ein Suffraganat von Bourges; später aber kam es unter Albi, das unter Ludwig XIV. zu einem Erzbistum erhoben wurde.

 

Wir haben noch Briefe, die der heilige Desiderius geschrieben hat, oder die ihm von den berühmtesten Personen seiner Zeit geschrieben worden. Sie beweisen, dass der heilige Bischof für seine Zeit keine geringen Kenntnisse besaß; sie beweisen aber auch zugleich, dass man zu seiner Zeit den guten Geschmack und das gute Latein nicht mehr kannte.

 

16. November

 

Der heilige Otmar, Abt und Bekenner von St. Gallen,

+ 16.11.759 - Fest: 16. November

 

Othmar, ein heiliger Abt zu St. Gallen aus dem 8. Jahrhundert, stammte aus einem vornehmen Geschlecht Allemaniens und kam schon im Kindesalter durch seinen Bruder nach Chur in Graubünden an des Grafen Viktors Hof, wo er eine gute Erziehung genoss und sich sowohl durch Talent und Fleiß, als auch und zwar noch weit mehr durch sein andächtiges und frommes Wesen auszeichnete. Gottes Gnade und seine Herzensneigung zog ihn in den Priesterstand. Das wahrhaft priesterliche Leben führte ihn bald an eine Kirche, genannt zum heiligen Florin, wo er mit aller Liebe und Treue und mit großem Segen und Ruhm den heiligen Dienst verrichtete. Dies bewog Waltram den Grafen Thurgaus in zu berufen, das durch allerhand Unfälle zerrüttete Kloster St. Gallen wiederherzustellen. Dafür musste zu größerer Sicherheit die Zustimmung des Königs in Frankreich nachgesucht werden, die dazu auch gegeben wurde. Dies geschah unter Karl Martel, Pipins Vater, im Jahre 720. So wurde Othmar Abt zu St. Gallen. Da gab es freilich für den Diener Gottes viele Sorgen, viel Arbeit und manche Beschwerde. Aber die Liebe Gottes half die Bürde tragen und Gottes Wohlgefallen und Segen begleitete seinen treuen Diensteifer. Was nötig war, wurde mit Gottes und guter Leute Aushilfe gebaut, das Eigentum des Klosters durch stehende gerechte Verwaltung gesichert, die gegenwärtigen Mönche erbaut und zur Vollkommenheit angeleitet, das Kloster mit mehreren neuen Ordensgliedern, angezogen durch seine hervorleuchtende Regelmäßigkeit und das Beispiel des frommen Abtes, vermehrt und so der äußere und innere Bestand des Klosters für die Zukunft gesichert. St. Gallen blühte auf unter Othmar, sein Beispiel war die lebendige Ordensregel und die Klostertugend trat ins Leben. Der Heilige hatte bei aller Sorge für das Zeitliche sein Herz bei Gott. Denn er liebte das Gebet, jede freie Stunde wurde dazu verwendet Er war äußerst demütig, floh die Ehre vor der Welt und alles Großtun. Er hielt seinen irdischen Menschen in strenger Zucht, fastete viel, dass er oft, seiner Gewohnheit nach, zwei Tage während den vorzüglichen Fasttagen keine Speise genoss. Dem Beten und Fasten setzte er heilige Betrachtung in Nachtwachen bei. Aber das ist noch nicht alles, was ihn so ehr- und liebenswürdig machte. Er bewies seine große Liebe Gottes und die Ausübung seiner Demut und Verleugnung in der Liebe gegen seinen Nächsten und besonders gegen die Armen, dass er in dieser Hinsicht jedem anderen großen Almosengeber an die Seite gestellt werden darf. Er pflegte die Armen selbst und gab ihnen, was er erübrigen konnte. Für die Aussätzigen ließ er eine eigene Wohnung bauen, pflegte sie, stand oft bei Nacht auf, ihre Geschwüre, ihre Wunden zu reinigen, sie mit Speise zu laben und mit Gottes Wort zu trösten. Einst war er bei Pipin dem König und dieser schenkte ihm bei der Abreise viele Goldstücke. Der fromme Abt aber war kaum zum Palast hinaus gekommen, so war das Geld bis auf wenige Stücke schon in den Händen der Armen. So fromm und heilig führte Othmar die Abtenstelle durch vierzig Jahre. So groß aber immer seine Heiligkeit war, so wurde dennoch sein inwendiges Gottesleben erst kurz vor seinem Tod sichtbar, nämlich ein Glaube, der, wie ein Kind in der Mutter Schoß, ebenso in Gott ruht, eine Abgestorbenheit in sich selbst, die zu allem Andrang von außen schweigt, Heldentugenden eines vollendeten Christen. Die Veranlassung dazu war folgende: Durch Anstiftung des Teufels, des Feindes alles Guten, wie Walefrid Strabo, Abt der Reichenau, in der Lebensbeschreibung dieses Heiligen sagt, wurden zwei Landvögte des Thurgaus Warinus und Ruthard Todfeinde des Abts zu St. Gallen. Sie sahen mit neidischen Augen auf den aufblühenden Wohlstand des Klosters, und griffen mit gierigen Herzen und gewaltigen Händen nach dessen Gut. Othmar konnte und durfte nicht schweigen zur ungerechten Verkürzung des Klostergutes und der Gefahr der künftigen Auflösung aus Mangel des Unterhalts. Er führte Klage beim König in Frankreich gegen die Gaugrafen. Der König befahl die Aufhebung der Ungerechtigkeit und Wiedererstattung. Stattdessen aber wurde aller Zorn auf den Abt geladen und seine Absetzung und Entfernung beschlossen. Und wie? Die Bosheit nahm Zuflucht zur Lüge und Verlästerung, und fand ein taugliches Werkzeug an einem Ordensgenossen namens Lambert. Das gab ihrer Sache mehr Schein, dem Heiligen aber mehr Schmerz, vom Sohn des Hauses selbst verraten zu werden. Der bösartige Mönch streute als Gerücht aus: Othmar habe eine Weibsperson geschändet. Dies wurde zur Klage erhoben, ein geistliches Gericht zu Konstanz über den Angeklagten versammelt und Othmar musste erscheinen. Die falsche Anklage wurde bezeugt von dem Elenden und der Unschuldige, erst durch das zudringliche Bitten seiner Freunde bewogen, sprach nichts zu seiner Rechtfertigung, als dieses: „Ich bekenne, dass ich Gott vielfach beleidigt habe, aber nicht durch dieses Laster; dafür nehme ich Gott zum Zeugen.“ Der Unschuldige wurde verurteilt und gefangen gehalten. Mittlerweile ergriff Gottes Richterhand den Verleumder. Ein jähes Fieber befiel ihn, zog seinen Leib zusammen, dass er mit gekrümmten Leib nur die Erde, nimmer aber den Himmel anschauen konnte. Sein Gewissen war der Dolmetsch dieser Plage und zwang ihn, Gottes Gericht über ihn und die Unschuld des misshandelten Heiligen wiederholt zu bekennen. Aber das so auffallende Zeichen an dem Verleumder änderte nichts an der Misshandlung des heiligen Abtes. Mit Gewalt hatten ihn die Gaugrafen schon vor der Anklage und dem Verhör in Konstanz, da er die Fortsetzung der Ungerechtigkeit dem König anzeigen wollte, auf der Reise aufgefangen und eingesperrt. Jetzt drangen sie mit Gewalt auf seine Entfernung. Im Gefängnis ließ man ihn beinahe vor Hunger verschmachten. Nun kam er nach Stein am Rhein, wo ihm ein Gutsbesitzer auf der Insel Werth zu wohnen erlaubte. Da lebte nun der Heilige zwar dem Leibe nach in großer Not, aber die Seele lebte umso feuriger und eifriger in Gott. Nach zwei Jahren rief der Herr die verschmähte Unschuld in die Heimat der Liebe und des ewigen Lebens am 16. November 761. Der Leichnam lag zehn Jahre auf der Insel, wurde dann auf Gottes Mahnung hin von den Mönchen zu St. Gallen erhoben, unverwest befunden und in das Kloster zurückgebracht, wo er nun in der Klosterkirche ruht und Gott mit Wunderzeichen seinen Diener verherrlicht.

 

O Unschuld, weine nicht, wenn es dir auf der Erde übel geht! Es ist ein Auge im Himmel, das alles sieht, ein Ohr, das auf alles achtet, und ein Herz, das alles wahrnimmt, was dir wohl oder weh tut.

 

Der heilige Waltger, Graf und Stifter von Kloster Herford, Westfalen,

+ 16.11.825 – Fest: 16. November

 

Waltgers Wiege stand auf dem uralten Ahnensitz Dornberg in der Nähe von Bielefeld, wo er frühzeitig unter den Augen seines Vaters Dedda und seiner Mutter Hedwig in guten Sitten und Heiligkeit aufwuchs. Sein Großvater Adolf gehörte zu jenen Edelingen Westfalens, die vom heiligen Bonifatius auf seiner Durchreise nach Friesland im Evangelium unterrichtet und getauft worden waren. Der Glaube Adolfs ging auf seinen Sohn Dedda über, der zur Zeit der Kämpfe Widukinds für den alten heidnischen Götzendienst seine christliche Religion mit seiner Gemahlin standhaft hielt, aber nur im Verborgenen, um nicht in den feindlichen Fehden seine Güter und sein Leben zu verlieren. Von der Frömmigkeit seiner Eltern wich Waltger nicht ab. Weder die Berühmtheit seines erlauchten Geschlechtes, noch der Glanz und die Würde seines ererbten Grafenstandes, noch seine sehr reichen Besitztümer konnten ihn zum Stolz oder zur Ausschweifung verleiten. Je mehr ihn der Himmel mit Glücksgütern überhäuft hatte, desto geringer schätzte er die Erdengüter, indem er beständig den Ausspruch Davids erwog: „Glücklich der Mann, der seine Hoffnung auf den Namen des Herrn setzt und nicht achtet auf die Eitelkeiten und Torheiten!“

 

Als der Westfalen- und Sachsenherzog Widukind den katholischen Glauben angenommen hatte, schloss Waltger mit ihm das innigste Freundschaftsbündnis und gründete auf seinen Rat die Kirche zu Herford nebst dem berühmten Frauenstift, das eine vorzügliche Pflanzschule der heiligsten Frauen wurde.

 

Nach dem Tod seiner Eltern beschloss Waltger im ehelosen Stand zu verbleiben und sein reiches Erbe zum Bau und Unterhalt eines Klosters zu verwenden. Nachdem Kaiser Ludwig ihm um das Jahr 816 die Erlaubnis dazu erteilt hatte, warf er sich auf die Knie nieder und flehte zu Gott, er möge ihm einen passenden Platz zeigen, wo er zu Ehren der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter eine Kirche bauen solle. Kaum hatte er sich vom Gebet erhoben, so erschien ihm eine schneeweiße Kuh, die auf jedem Horn eine brennende Kerze trug, dem Waltger voran ging und ihm den Platz für den zu erbauenden Tempel zeigte. Sogleich wurden dort die Bäume gefällt, die Felsen geebnet und in kurzer Zeit war dort eine Kirche gebaut, wo jetzt noch die Waltgers-Kirche mit der Überschrift steht: „Waltger, der Fürst dieses Landes, ist der Gründer der Kirche zu Herford.“

 

Um seinem edlen Werk den Schutz des Himmels zu sichern, sann er darauf, die Reliquien einiger Heiligen zu gewinnen. Da England einst eine große Menge Heiliger hervorbrachte, und der König dieses Landes ihm geneigt war, so ergriff er den Pilgerstab und kam glücklich nach England. Der König ging bereitwillig auf seinen Wunsch ein und als Unterpfand seiner vorzüglichen Verehrung schenkte er seinem Gast die Reliquien des heiligen Oswald, des ehemaligen englischen Königs und Märtyrers, zugleich mit dessen Schwert, das sich im Kampf gegen die Feinde des christlichen Glaubens bewährt hatte. Wer war froher, als Waltger, den die empfangenen Unterpfänder reicher machten, als alle Schätze und Reichtümer seiner Ahnen. Voll Dang gegenüber dem gütigen König beschleunigte er seine Rückreise in die Heimat, errichtete ein Stift für 14 gottgeweihte Jungfrauen, gab ihnen all sein Vermögen und behielt für sich selbst nur zwei Präbenden, aus deren Einkünften der um Christi willen arm Gewordene sein Leben anständig fristen konnte. Die erste Äbtissin, die er dem neuen Kloster vorsetzte, war seine blutsverwandte Swala, eine Frau vom höchsten Adel und ausgezeichneter Klugheit, unter deren weiser Leitung das neue Jungfrauenstift bald in allen Tugenden leuchtete.

 

Der neuen Kirche fehlte nur noch der kaiserliche Schutz, um sie vor den Geierklauen der Feinde zu sichern. Deshalb begab sich Waltger zu Fuß und im schlichten Reiseanzug zum Kaiser Ludwig dem Frommen, der sich gerade in Westfalen aufhielt, um einen Schutzbrief von ihm zu erbitten. Als der Kaiser ihn sah, hielt er ihn anfangs für einen Bettler, als er ihn aber genauer ansah, wunderte er sich, und fragte, warum er, ein Mann von so hohem Adel, in einem so gewöhnlichen Anzug erscheine? Waltger beugte sein Knie und entgegnete: „Mein Kaiser, ich habe nur Eine Tochter, die Kirche in Herford, der ich all mein Vermögen übertragen habe. Ich bitte, dass du sie mit deinem kaiserlichen Ansehen befestigst, und was meine Schwäche nicht vermag, aus dem Schatz deines Vermögens freigebig hergebest.“ Gern sicherte der Kaiser der Genossenschaft seinen beständigen Schutz und verlieh ihr dieselben Rechte und Privilegien, deren sich das Jungfrauenstift zu Soissons in Frankreich erfreute. Von der Zeit an blühte in Herford die Religion in dem Maße, dass zahlreiche Töchter von Fürsten und Grafen dort zusammenströmten, um mit Verachtung weltlicher Dinge Gott allein zu dienen.

 

Was soll ich noch von den übrigen Tugenden Waltgers hinzufügen? Nachdem er alle Sorge für seine Stiftung aufgewandt hatte, brachte er den Rest seines Lebens in frommen Übungen zu. Sein ganzes Bestreben war, in Nachtwachen und Gebeten Gott zu dienen, sein Fleisch mit Fasten und Enthaltsamkeit zu kreuzigen, den Gelüsten einen Zaum anzulegen, den Bedrückten und Leidenden zu helfen, das Irdische zu verachten, das Himmlische zu betrachten, der Welt abzusterben, Gott zu leben und das Feuer göttlicher Liebe durch fortwährende Betrachtungen zu entzünden. Was die Welt an Freude bot, wollte er nicht berühren, nur die Herrlichkeit des Himmels war sein Streben. Und weil man nur durch die Pforte des Todes zum ewigen Leben gelangt, war es sein einziges Sehnen, bald von den Banden des Fleisches befreit zu werden und die weltabgewandten Augen im erwünschten Tod zu schließen. Als ihn ein hitziges Fieber befiel und von Tag zu Tag zunahm, stärkte er sich frühzeitig mit der heiligen Wegzehrung und den übrigen Sakramenten der Kirche und krönte den irdischen Lebenslauf mit einem seligen Ende am 16. November 825. Sein Leib wurde während der Heiligen Messe in der von ihm erbauten Kirche zu Herford beigesetzt. Häufige Wunder und Zeichen verherrlichten sein Grab. Nur zwei will ich hier nennen.

 

Ein Wolf hatte einer vornehmen Frau, namens Bebeca, den Sohn geraubt. Die geängstigte Mutter, die öfters die himmlische Hilfe Waltgers erfahren hatte, erhob ihre Hände zum Himmel und beschwor den Heiligen, sie und ihren Sohn zu beschützen. Ihr Vertrauen täuschte sie nicht. Denn wie sie später aus dem Mund ihres Sohnes erfuhr, ließ ihn der Wolf zu derselben Stunde aus seinen Zähnen los, bewachte ihn drei Tage mit mütterlicher Sorgfalt und brachte ihn ohne die geringste Wunde zurück. – Ein glaubensloser Mensch spottete über dieses und andere Wunder des heiligen Waltger und nannte sie Altweibergeschwätz. Gott schlug ihn zur Strafe in der nächsten Nacht mit höchst schmerzlichen Geschwüren, gegen die sich alle ärztliche Hilfe fruchtlos erwies. Da kam er zur Einsicht, dass sein pestartiges Leiden die Strafe für seinen Frevel sei. Er bereute sein Unrecht, rief den heiligen Waltger inbrünstig um Hilfe an und versprach Besserung. Sogleich verließ ihn der Schmerz, und in wenigen Tagen erhielt er seine volle Gesundheit wieder.

 

Der heilige Edmund von Canterbury, Erzbischof,

+ 16.11.1240 – Fest: 16. November

 

Der Segen des heiligen Edmund

 

Es war in einer Novembernacht des Jahres 1240. In einer Zelle der regulierten Chorherren zu Soisoy in Frankreich lag Edmund Rich, der heilige Erzbischof von Canterbury und Primas von England, auf dem Sterbebett. Bei ihm wachte sein treuergebener Kaplan Bertrand zu seiner Pflege und Bedienung. Der Kranke hatte eben nach seiner Gewohnheit sich die Stirn mit dem Namen Jesus bezeichnet, als er sich zu Bertrand wandte mit der Mahnung: „Sei darauf bedacht, jeden Abend vor dem Schlafengehen die Worte: Jesus von Nazareth, König der Juden – er meinte die Anfangsbuchstaben der lateinischen Worte Jesus Nazarenus Rex Judaeorum – auf deine Stirn zu zeichnen.“ Und dann erzählte der Erzbischof in demütiger Vertraulichkeit seinem Kaplan das wunderbare Vorkommnis, von dem dieser sein frommer Brauch sich herschrieb.

 

„Als ich“, so lautete seine Erzählung, „zu Oxford die niederen Schulen besuchte, gingen eines Tages meine Kameraden vor die Stadt hinaus, um auf einer Wiese zu spielen, und ich schloss mich ihnen an, weil ich nicht als Sonderling erscheinen wollte. Während indes meine Mitschüler sich mit dem Spiel vergnügten, ging ich, mit frommen Gedanken beschäftigt, im angrenzenden Wäldchen allein spazieren. Plötzlich sah ich vor mir einen überaus holdseligen Knaben, der mich beim Namen nannte und freundlich grüßte. Betroffen von der Erscheinung und dem Gruß, blieb ich stillschweigend stehen. Da sagte der Knabe: „Edmund, kennst du mich nicht?“ Worauf ich in aller Einfalt antwortete: „Nein, ich erinnere mich nicht, jemals dich gesehen zu haben.“ Darauf der Knabe: „Das wundert mich, dass du mich nicht kennst. Sitze ich doch in der Schule neben dir zu deiner Rechten, und wo immer du hingehst, bin ich als dein Gefährte bei dir. Schau mir ins Angesicht und beachte, was auf meiner Stirn geschrieben steht!“ Bewundernd blickte ich auf und las auf seiner Stirn in leuchtenden Buchstaben die Worte: „Jesus von Nazareth, König der Juden.“ Dann fuhr die Erscheinung fort: „Edmund, ich bin der, dem zuliebe du dich so oft durch Fasten kasteist, und von dessen Güte du den Lohn dafür erwartest. Sei versichert, all das Begehrenswerte, das dir deine Mutter versprach, wenn du treu bis ans Ende ausharrst, wird dir mehr als hundertfältig zuteilwerden.“ Nun machte mir der Knabe die Zeichen auf meine Stirn und sprach: „Bezeichne dich oft mit diesen Buchstaben und denke dabei an mich!“ Nach diesen Worten verschwand der Knabe sowie der Glast, der ihn umstrahlt hatte. Den Platz, wo die Erscheinung stattfand, erfüllte ein lieblicher Wohlgeruch, mein Herz aber durchdrang eine unaussprechliche Freude und Wonne, die mich über die Wirklichkeit der göttlichen Heimsuchung nicht in Zweifel ließen.

 

Ich folgte daher der höheren Weisung und seitdem habe ich die Gewohnheit, mich nicht bloß auf der Stirn häufig mit dem heiligen Namen zu bezeichnen, sondern auch meine Sinne und Glieder auf diese Weise zu segnen.“

 

Des heiligen Erzbischofs Erzählung, sein Beispiel und seine ausdrückliche Aufforderung verfehlten ihre Wirkung auf Bertrand nicht. Auch er eignete sich die Gewohnheit an, sich in der Weise zu segnen, wie er es so oft bei Edmund gesehen hatte. Der fromme Brauch fand dann bald vielfach bei Laien und Geistlichen Eingang, da sowohl Bertrand in seiner Biographie des Erzbischofes als auch zwei andere Vertraute des Heiligen in ihren Lebensbeschreibungen desselben von dieser wunderbaren Erscheinung und der Gewohnheit Edmunds berichten.

 

Hier haben wir wohl den Ursprung der früher weitverbreiteten Gebetsformel, die unter dem Namen „Segen des heiligen Edmund von Canterbury“ bekannt ist, und also lautet: „Jesus von Nazareth, König der Juden!“

 

Dieser siegreiche Titel verteidige uns vor allen Übeln! Heiliger Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, unsterblicher Gott! Erbarme dich unser!

 

17. November

 

Der heilige Gregor "der Wundertäter",

Bischof von Neucäsarea im Pontus,

+ 17.11.271 - Fest: 17. November

 

Der Beiname des heiligen Gregor deutet darauf hin, dass wir es hier mit einer echten Legende zu tun haben. Gregor ist allerdings eine geschichtliche Person, er lebte im 3. Jahrhundert, war von Geburt kein Christ, bekehrte sich als junger Mann zum Christentum, wurde Priester und später der erste Bischof in seiner Heimatstadt Neu-Cäsarea am Schwarzen Meer. Bischof Gregor war ein gelehrter Mann, der auch Bücher geschrieben hat, die noch vorhanden sind und aus denen hervorgeht, dass er klug und ernst war und genau den Glauben besaß, der nach den Worten von Jesus Christus Berge versetzen kann.

 

Mit einem versetzten Berg beginnt denn auch die eigentliche Legende des Heiligen. Die Geschichte ereignete sich folgendermaßen. Gregor wurde, wie erwähnt, der erste Bischof in seiner Vaterstadt. Als er das hohe Amt antrat und seine Christen zählte, stellte es sich heraus, dass es ganze siebzehn waren. Selten hat ein Bischof eine solch kleine Herde zu hüten gehabt, aber was klein ist, kann wachsen, und so ging es auch mit dem Senfkörnlein der jungen Christengemeinde in Neu-Cäsarea. Durch die Wohltätigkeit, die Liebenswürdigkeit und die Predigt des Bischofs nahm die Zahl der Gläubigen schnell zu, und bald ergab sich die Notwendigkeit, eine größere Kirche zu errichten, die Raum für alle bot.

 

Man begann also mit dem Bau. Und während man baute, vervielfältigten sich die Bekehrungen derart schnell, dass das neue Gotteshaus, wenn man so weiterbaute, bei der Fertigstellung bereits wieder zu klein gewesen wäre. Notgedrungen musste man daher den Bau noch während des Baues erweitern. Das war leicht gesagt, aber schwer zu bewerkstelligen, denn ein angrenzender Berg stoppte alle Vergrößerungspläne. Da war wirklich guter Rat teuer.

 

Bischof Gregor überlegte mit dem Baumeister und sprach mit den Maurern, aber alle erklärten ihm nur, dass man entweder auf den Erweiterungsbau verzichten oder den Berg verschieben müsse. Weil letzteres nach menschlichem Ermessen undenkbar war, lächelten die Handwerker spöttisch, als sie diese unmögliche Möglichkeit erwähnten. Der Bischof lächelte nicht, vielmehr kam ihm plötzlich der Gedanke an die Worte von Jesus Christus in den Sinn, von denen das Evangelium berichtet. Es heißt da:

 

Habt Glauben an Gott! Wahrhaft, ich sage euch, wer zu diesem Berg sagt: „Heb dich hinweg und stürz dich ins Meer!“ und wer dabei in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass alles, was er sagt, geschehen werde, dem wird es in Erfüllung gehen. Darum sage ich euch: Bei allem, was ihr auch im Gebet erflehen möget, glaubt nur, dass ihr es erhaltet, so wird es euch zuteilwerden.

 

An diese Worte dachte Bischof Gregor in seinen Bausorgen, und gleich war es ihm klar, dass gebetet werden musste. Da betete er, betete aber nicht so oberflächlich, sondern betete, wie Heilige beten, ohne Unterlass und mit einem Vertrauen, das noch fester war als Felsgestein. Er betete, in seinem Zimmer auf den Knien liegend, die ganze Nacht hindurch und erinnerte Jesus Christus an sein Wort, dass ein vertrauensvolles Gebet Berge versetzen könne. Erst als der Morgen graute, erhob sich der stürmische Beter, feierte in der gleichen Meinung die heilige Messe und legte sich anschließend nieder, um nach der durchwachten Nacht ein Stündchen zu ruhen.

 

Kaum jedoch lag Gregor im ersten Schlaf, da wurde er plötzlich geweckt. Es klopfte einer draußen an der Zimmertür so heftig und laut, dass man meinen konnte, es donnere, und eine Stimme – es war die Stimme des Baumeisters – rief: „Herr Bischof, komm, komm schnell! Es hat sich etwas Seltsames zugetragen! Herr Bischof, komm, komm schnell!“

 

Gregor aber beeilte sich gar nicht, denn was geschehen war, wusste er bereits. Als er mit dem Baumeister den Bauplatz erreichte, sah er, dass sein Gebet Wirklichkeit geworden war. Der Berg hatte sich zurückgeschoben und sogar noch mehr Platz freigegeben, als eigentlich nötig war. Die Maurer lächelten nicht mehr spöttisch, und alle Leute aus der Stadt waren gekommen, und auf das Wunder hin bekehrten sich bis auf siebzehn, die nicht Christen werden wollten. So mussten die Pläne noch einmal vergrößert werden, und es stellte sich heraus, dass der Berg so weit zurückgegangen war, wie es der zweimal vergrößerte Bauplan verlangte.

 

Noch andere Wunder von ähnlicher Art wirkte Bischof Gregor in Menge. Daher heißt er auch Wundertäter. Das schönste Wunder jedoch, das er vollbrachte, war das Wunder von dem versetzten Berg.

 

Die heilige Gertrud, Äbtissin von Helfta,

+ 17.11.1302 – Fest: 17. November

 

Unter dem Namen Gertrud verehrt die Kirche mehrere Heilige. Am 17. März feiert sie das Andenken an die heilige Gertrud, die Tochter Pipins von Landen und Ittas, die dem Kloster Nivell in Braband als Äbtissin vorstand und am 17. März 659 im jugendlichen Alter von 33 Jahren starb. Eine andere heilige Gertrud war die Tochter der heiligen Elisabeth, Landgräfin von Thüringen. Sie starb als Äbtissin des Prämonstratenserinnen-Ordens zu Altenburg am 13. August im Jahr 1297. Von den beiden genannten ist verschieden die heilige Gertrud, geboren zu Eisleben in der Grafschaft Mansfeld aus dem gräflichen Geschlecht von Hackeborn, die leibliche Schwester der heiligen Mechthilde. Ihre frommen Eltern schickten die kaum fünfjährige Tochter in das Benediktinerinnenkloster Rodalsdorf, wo sie, wie an Alter, so an Weisheit und Gnade zunahm. Die höchst talentvolle Gertrud erwarb sich einen so großen Reichtum an Kenntnissen und Wissenschaften, besonders im Verständnis der Heiligen Schrift, dass die gelehrtesten Männer sie um Aufschluss baten und ihre hohe Einsicht bewunderten. Am liebsten unterhielt sie sich im Zwiegespräch mit Jesus im heiligsten Altarsakrament und seiner lieben Mutter Maria, und von ihnen sprach sie so begeistert, dass die Glut ihres Herzens alle Zuhörer erwärmte.

 

An Gertrud bewährte sich das Wort des Herrn: „Gott widersteht den Hoffärtigen, nur den Demütigen gibt er seine Gnade.“ Sie hielt sich selbst so gering, dass sie zu sagen pflegte: „Ich halte es für ein besonderes Wunder, dass die Erde mich, die unwürdigste Sünderin noch trägt.“ Wegen dieser Tugend der Demut würdigte sie Gott vieler Verzückungen und Offenbarungen und mahnte sie, sie aufzuschreiben. Diese göttlichen Mitteilungen sind noch heute eine Fundgrube himmlischer Weisheit und ein Sporn christlicher Tugenden. Je mehr Gott seine auserwählte Tochter auszeichnete, desto mehr übte sie sich in Fasten, Nachtwachen und strengen Bußübungen.

 

Wegen ihrer Demut, ihrer pünktlichen Beobachtung der Ordensregeln hatten sie alle Ordensschwestern sehr lieb und wählten sie, obgleich sie kaum 30 Jahre zählte, zur Äbtissin. Bald darauf zog sie mit ihren Schwestern nach dem Kloster Helfeda (Helfta), wo sie bis zu ihrem Tod blieb. Trotz ihrer Würde betrachtete sie sich als die Magd aller. Deshalb gewann sie auch die Herzen aller Mitarbeiterinnen, die unter einer solchen Leitung unermüdlich nach Vollkommenheit strebten. Aber nicht nur innerhalb ihrer Klostermauern, sondern auch in weiteren Kreisen verbreitete ihre Güte vielen Segen. Alle Bedrängte nahmen in leiblicher und geistiger Not ihre Zuflucht zu der guten Äbtissin, und keiner verließ sie ohne Trost und Hilfe. Als einst die Bauern im Frühling wegen des andauernden Winterfrostes ihren Acker nicht bestellen konnten und eine Missernte befürchteten, ersuchten sie Gertrud um ihre Fürbitte bei Gott. Sie betete bei ihrem himmlischen Bräutigam um Erbarmen, und sogleich trat das heiterste Wetter ein. Als die Leute einst des langwierigen Regens wegen ihre Ernte nicht einbringen konnten, nahmen sie wieder ihre Zuflucht zu Gertrud. Auf ihr Gebet heiterte sich sogleich der Himmel auf, so dass die Ernte glücklich vollendet wurde.

 

So sehr Gertrud durch ihre Amtsgeschäfte und durch die Ansprüche vieler Menschen belästigt wurde, so betrachtete sie doch als wichtigstes Geschäft den innigen Verkehr mit Jesus und seiner heiligen Mutter. Dafür erfreute sie der liebe Heiland mit der Gabe der himmlischen Anschauung und vieler Offenbarungen. Einst betrachtete sie vor der heiligen Kommunion ihre Unwürdigkeit, setzte aber ihr Vertrauen auf Gottes Güte und sprach: „Was hilft ein längerer Aufschub? Wenn mir auch tausend Jahre zur Vorbereitung vergönnt wären, ich vermöchte mich doch nicht würdig vorzubereiten, weil ich aus mir selbst gar nichts habe, was eine so würdige Vorbereitung bewirken könnte. Mit Demut und Vertrauen will ich ihm daher entgegen gehen, und wenn mich der Herr sieht, wird er wohl durch seine Liebe bewogen, mir das entgegenzusenden, wodurch ich würdig vorbereitet erscheinen möge.“ Mit dieser Betrachtung ihrer Armseligkeit schritt sie zaghaft dem Altar zu. Da erschien ihr der Heiland, sah sie mit den Augen seiner erbarmenden Liebe an und sandte ihr entgegen seine Unschuld, mit der er sie wie mit einem schneeweißen Gewand bekleidete, seine Demut, womit er sich herablässt zu den Unwürdigsten, sein Verlangen, womit er nach der Umarmung der Menschenseele begehrt, ferner seine Liebe, mit der er sich zu den Seelen herablässt, endlich sein Vertrauen, das es eine Wonne nennt, bei den Menschenkindern zu sein. – Einst betrachtete sie vor der heiligen Kommunion, mit welchem Fleiß man den Mund bewahren müsse, der unter allen Gliedern des Leibes gewürdigt ist, das kostbarste Geheimnis Christi zu empfangen. Sie wurde durch folgendes Gleichnis belehrt: „Wenn jemand seinen Mund nicht von eitlen, falschen, hässlichen Worten und Nachreden bewahrt und also unbußfertig zum Tisch des Herrn geht, der nimmt Jesus ebenso auf, wie einer, der seinen Gast beim Eintritt in sein Haus mit Steinen bewirft.“ „Wer dies liest“, sagt hier die Heilige, „der betrachte mit Seufzen, wie wenig eine so große Grausamkeit und eine so große Güte zusammen passen, und wie abscheulich es ist, dass derjenige, der voll Sanftmut zum Menschen kommt, um sein Heil zu wirken, so grausam von dem, den er selig machen will, verfolgt werde. Und so kann man auch von allen Sündern urteilen.“

 

Mit ihrer Liebe zu Jesus im allerheiligsten Altarsakrament hielt ihre Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria gleichen Schritt. Am Fest Mariä Verkündigung sah Gertrud in der Verzückung, wie Jesus sich zu seiner Mutter neigte und in ihr jene Wonne erneuerte, wie sie sie bei seiner Menschwerdung erfuhr. Dabei hielt sie eine kostbare Belehrung über die fromme Meinung, in der man das Ave Maria beten soll. Bei den Worten: „Gegrüßet seist du, Maria“ soll man zu Gott bitten um Trost für alle Bedrängten, bei den Worten: „Voll der Gnade“ um das Verlangen nach Gnade für diejenigen, die sie dringendst bedürfen, bei den Worten: „Der Herr ist mit dir“ für alle Sünder um Bußfertigkeit und Liebesreue, bei den Worten: „Du bist gebenedeit unter den Frauen“ um die Gnade der Beharrlichkeit im angefangenen frommen Leben, bei den Worten: „Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes“ für alle Auserwählten um die Gnade der Vollkommenheit, zum Schluss dieses Gebetes soll man beifügen: „Jesus, du Abglanz der Herrlichkeit des Vaters und Ebenbild seiner Wesenheit.“

 

Die flammende Liebe zu Jesus ergriff das Herz der heiligen Gertrudis immer mächtiger, je näher sie dem Tag kam, der sie auf immer mit ihrem himmlischen Bräutigam vereinigen sollte. Bereits hatte sie vierzig Jahre lang das Kloster geleitet und ihrem Amt alle Ehre gemacht. Nachdem sie täglich in frommen Betrachtungen und Gebeten mit ihrem Herrn verkehrt hatte, wurde sie ihm auch in den Leiden ähnlich. Ihre letzte Krankheit war ein fortwährendes Hinschmachten in der Liebe Jesu. Obgleich ihre Zunge gelähmt, einer ihrer Füße fast erstorben war und heftige Schmerzen ihren ganzen Körper durchzuckten, so ließ sie sich doch noch täglich in die Kirche führen, um der Heiligen Messe beizuwohnen und die heiligen Sakramente zu empfangen. Das Feuer der Liebe zehrte alle ihre Kräfte auf. Während alle ihre geistlichen Töchter ihr Sterbebett umstanden und in Tränen zerflossen, erschien Jesus und Maria mit sehr vielen Engeln und Heiligen, himmlischer Wohlgeruch erfüllte die Zelle und unbeschreibliche Freude verklärte das Antlitz der Sterbenden. Ein Priester las ihr die Leidensgeschichte Jesu vor. Bei den Worten: „Er neigte sein Haupt und gab seinen Geist auf“, führte ihr himmlischer Bräutigam ihre schöne Seele in das Paradies ewiger Wonne am 17. November 1302.

 

Die Offenbarungen der heiligen Gertrud sind von dem frommen Kartäusermönch Johann Lansperch herausgegeben worden und bieten noch heute der betrachtenden Seele himmlisches Manna.

 

18. November

 

Der heilige Maximus, 7. Bischof und Bekenner von Mainz,

+ 5. Jhd. ? - Fest: 18. November

 

Maximus war der Nachfolger des heiligen Luzius II. auf dem bischöflichen Stuhl zu Mainz, nach dessen Martertod unter Konstanzius dem Günstling der Arianer, unter dem Papsttum des Liberius ungefähr im Jahr 354. Er war in Mainz von christlichen Eltern geboren worden, von ihnen erzogen im katholischen Glauben und bewahrt sowohl von der Ansteckung des Heidentums als der Ketzerei der Arianer, unter denen sie vermischt leben mussten. Gottselige Priester vollendeten diese Erziehung sowohl in Frömmigkeit als in der Wissenschaft des Heils, worin er sich vor vielen anderen auszeichnete. Er wurde Priester, ein Eiferer des Glaubens und Bischof der Stadt. Selbst in aller Demut, Armut und Andacht ein Beispiel der Gottseligkeit, verkündete er mit Wort, mit Schrift und mit seinem Leben, bald im Geheimen, bald öffentlich, in und außerhalb von Mainz, Jesus den Gekreuzigten, den Heiden Torheit, den Juden Ärgernis, unter Spott und Schmach, Armut und Verfolgung. Der Abt von Trithenheim meldet von ihm in der Lebensbeschreibung: „In dieser Zeit war bei den Deutschen kein Bischof gelehrter und heiliger befunden, als Maximus, der mit solcher Lebensunschuld und Gottesgelehrtheit das Gesetz Gottes festgehalten, es gegen den Irrtum der Ketzer mit Wort und Schrift verteidigt und die Verfolgung, gegründet in göttlicher Liebe, ohne Furcht bestanden hat. Siebenmal haben ihn die Arianer von Mainz vertrieben, siebenmal führte Gott ihn wieder zu seiner Herde zurück. Ein Mann im Sturm ohne Kleinmut, ohne Verdrossenheit, niemals gebeugt und niemals überwunden.“ Er starb im hohen Alter, bestimmte vor seinem Hinscheiden den Sydonius, einen Lebens- und Gefahrgenossen, zu seinem Nachfolger im Jahr 378. Sein Leichnam ruht in St. Albans Stiftskirche.

 

Der heilige Odo, Abt und Bekenner von Cluny,

+ 18.11.942 – Fest: 18. November

 

Der heilige Odo, Abt des Benediktinerordens zu Cluny in Frankreich, wurde 879 aus adeligem Geschlecht geboren und empfing im Alter von neunzehn Jahren die Tonsur nebst einem Kanonikat an der Kirche von Tours. Sodann begab er sich nach Paris und vollendete dort innerhalb von vier Jahren seine theologischen Studien. Nach Tours zurückgekommen verschloss er sich in eine Zelle, um einzig sich der Betrachtung zu widmen. Zu dieser Zeit las er die Regel des heiligen Benedikt, und alsbald war sein Entschluss gefasst, sich ebenfalls unter das süße Joch derselben zu begeben. Nach drei Jahren harter Prüfung entsagte er seinem Kanonikat und nahm im Kloster Beaume das Ordenskleid. Was er mit sich brachte, war eine Bibliothek von hundert Bänden, damals ein großer Schatz. Als der Abt Berno von Cluny starb, nötigten ihn die Bischöfe des Landes, die Leitung dieses Klosters nebst der von Massay und Deols zu übernehmen. Odo führte in den genannten Genossenschaften die Regel des heiligen Benedikt in ihrer ganzen Reinheit ein, und auch mehrere andere Klöster nahmen seine Verbesserungen an und unterwarfen sich seiner Führung, wodurch die Kongregation von Cluny, eine der blühendsten und zahlreichsten, entstand. Der Heilige war ein Mann der Liebe und behandelte, obwohl gegen sich selbst hart, seine Untergebenen nur mit Liebe. Öfters pflegte er zu sagen, wenn er sollte verdammt werden, so möchte er es lieber wegen gütiger Nachsicht, als wegen unbescheidener Strenge sein. Bei allen, die ihn kannten, in hoher Achtung stehend wurde er selbst von Päpsten und Fürsten geschätzt und in mancherlei Anliegen zu Rate gezogen. Er verehrte mit besonderer Andacht den heiligen Martin von Tours. Daher ließ er sich, als er seine Todesstunde nahe fühlte, in diese Stadt bringen, wo er am 18. November 942 starb und in der Kirche des heiligen Julian begraben wurde.

 

Der heilige Romanus, Exorzist und Märtyrer von Antiochia,

und der heilige Barula, Junge und Märtyrer von Antiochia,

+ 18.11.303 – Fest: 18. November

 

Die heiligen Romanus und Barula sind Märtyrer zu Antiochia. Romanus war Exorzist in einem Flecken unweit von Cäsarea in Palästina. Beim Ausbruch der Christenverfolgung unter Diokletian verließ er seinen Wohnort und zog im Land herum, die Gläubigen zur Ausdauer in den Drangsalen zu ermahnen. Sein Eifer führte ihn bis nach Antiochia in Syrien, und als er im Gerichtshof daselbst wahrnahm, dass einige gefangene Christen zu wanken anfingen, befeuerte er sie mit lauter Stimme, ihrem Bekenntnis treu zu bleiben. Der Statthalter Asclepiades, erzürnt über solche Kühnheit, ließ ihn ergreifen und verurteilte ihn zum Feuertod. Dem Kaiser, der während der Verhandlungen zu Antiochia anlangte, schien diese Strafe noch nicht hart genug, und er befahl, dem Märtyrer vor der Hinrichtung erst noch die Zunge aus dem Hals zu schneiden. Aber was geschah? Der so verstümmelte Romanus redete jetzt schier geläufiger als vorher und dankte mit vernehmlichen Worten dem Allmächtigen, der solche über die Naturkräfte erhabenen Wunder tut. Die Heiden waren bestürzt, die Christen jubelten. Um weiterer Aufregung zuvorzukommen, ließ Diokletian den Heiligen in das Gefängnis zurückführen, wo er an seinen Ketten aufgehängt und erdrosselt wurde.

 

Mit der Geschichte dieses Blutzeugen bringt sein Lebensbeschreiber Prudentius die eines Jungen, namens Barulas in Verbindung. Romanus hatte während seines Verhörs dem Richter gesagt, die Lehre von der Einheit Gottes sei so tief in der Natur des Menschen gegründet, dass ihre Wahrheit selbst von unmündigen Kindern erkannt werde. Um das zu erweisen, wendete er sich an den ihm zunächst stehenden Jungen und fragte ihn, ob es vernünftiger sei, an einen einzigen Gott zu glauben oder mehrere Götter zu verehren? Und der Kleine antwortete ohne Verzug: „Es ist nur ein Gott und Jesus Christus ist sein Sohn.“ Der Richter, ergrimmt so beschämt worden zu sein, ließ den jungen Bekenner grausam mit Ruten stäupen und sodann enthaupten. Die Mutter sprach ihrem Söhnlein während der Peinigung unaufhörlich Mut zu und sah, über die Gefühle der Natur sich erhebend, ruhig, ja sogar freudig auf dessen Vollendung hin.

 

19. November

 

Die heilige Elisabeth, Landgräfin von Thüringen,

+ 19.11.1231 - Fest: 19. November

 

Die heilige Elisabeth, in Ungarn geboren, kam mit vier Jahren nach Thüringen. Dort ist sie auf Schloss Wartburg groß geworden. Zu keiner Zeit hat sie sich etwas darauf eingebildet, dass sie Königstochter war und Fürstin werden sollte. Als Mädchen war sie einfach und gläubig zugleich, und oft hat sie ihre kleine Krone, den Ring und die Perlenschnur vor einem Kreuz Jesus Christus ehrend zu Füßen gelegt.

 

Sehr früh ist Elisabeth die Frau des Landgrafen Ludwig von Thüringen geworden. Sie lebten in einer sehr glücklichen Ehe, so wie zwei Königskinder, die sich sehr lieb haben, und bekamen drei Kinder. Selten sind ein Mann und eine Frau so froh übereinander gewesen als Ludwig und Elisabeth von Thüringen im Kreis ihrer Kinder. So groß war das Glück, dass Elisabeth alles Liebe und Gute den leidgeprüften Menschen ihrer Zeit weitergeben wollte.

 

Elisabeth wurde zum leuchtenden Vorbild der schenkenden und dienenden Nächstenliebe. Alles gab sie mit Liebe her, Geld und Gut, Getreide und Brot, Speise und Kleider und sich selbst dazu, denn sie scheute weder Wind noch Wetter noch Hitze noch Frost noch Weg noch Steg, um überall im Land den Armen und Notleidenden zu helfen. Die Fürstin Elisabeth selbst reinigte den Kranken die verlausten Betten und die schmutzigen Zimmer, nahm sich der Waisen an und ließ ein Spital für Aussätzige bauen, und als sie einmal einen Hund sah, der einen allzu schweren Karren keuchend mit letzter Kraft den Berg hinauf zog, da löste sie dem Tier die Riemen und spannte sich selbst vor den Wagen.

 

Die Legende erzählt, dass Ludwig einmal Elisabeth auf einem Gang im Schnee überraschte und sie scherzend fragte, was sie so schwer unter dem Mantel trägt. Lächelnd gab Elisabeth den Scherz zurück und sagte, es seien Rosen mitten im Winter. Und als Ludwig lieb den Mantel zurückschlug, war Elisabeths Scherzwort zur Wirklichkeit geworden. Rosen, weiß und rot, blühten mitten im Winter im Korb unter ihrem Mantel.

 

So erzählt die Legende, und wenn es auch nur Legende ist, so spricht sie doch Wahrheit, denn wo immer ein Mensch, von Gott angeleitet, anderen, die in Not und Armut und Krankheit und Gebrechen und Kummer und Sorgen leben, mit Rat oder Tat am Leib oder an der Seele hilft, da blühen Rosen, weiß und rot, sogar mitten in Eis und Schnee.

 

Viel Leid ist später über Elisabeth gekommen. Früh starb ihr Mann. Von harten Menschen wurde sie aus dem Haus vertrieben. In einem Stall hat sie gewohnt. Eine Frau, der sie zuvor viel Gutes ohne Ende erwiesen hatte, stieß sie verächtlich in eine Pfütze am Weg. Man nahm ihr die Kinder und tat ihr viel andere böse Dinge an. Doch das alles trug Elisabeth nach Art der Christen als starke Frau, aber als man ihr verbot, Almosen zu spenden, und sie sich dem Gebot fügen musste, da wollte ihr Herz vor Kummer brechen.

 

Wie muss man doch diese herrliche Frau selig preisen, deren größtes Leid darin bestand, dass sie anderen nicht mehr helfen durfte!

 

Die heilige Elisabeth starb am 17. November 1231 in Marburg.

 

* * * * * * *

 

Das Leben des heiligen Elisabeth nach Ferdinand Heitemeyer von 1889:

 

Im Garten Gottes blühen die schönsten Blumen: Das Veilchen der Demut, die Lilie der Keuschheit, die Rose der Liebe, das Immergrün der Hoffnung, der Rittersporn des Starkmutes, die Sonnenblume himmlischen Strebens, die Passionsblume der Leidensfreudigkeit und tausend andere, die das Auge und Herz des Beschauers erfreuen. Ein solcher Gottesgarten voll der lieblichsten und duftigsten Tugendblüten war das Herz der heiligen Elisabeth. Bis in die spätesten Zeiten wird der Glanz und Duft dieser schönsten Blüte Deutschlands hochgeschätzt und geliebt sein.

 

Der fromme König Andreas II. von Ungarn und seine edelmütige Gemahlin Gertrud von Meran und Andechs wurden im Jahr 1207 durch die Geburt eines holden Kindes erfreut, das in der heiligen Taufe den Namen Elisabeth, d.h. „die Gottgeweihte“, empfing. Schon früh zeigte sich die Gnade Gottes an dem Kind, denn kaum fing es an zu sprechen, so ertönte der süße Name Jesus von seinen Lippen und es war seine Lust, die Tränen der Armen durch herzliches Mitleid und reichliche Gaben zu trocknen. In dem Kind schien dem ganzen Land ein Glücksstern aufgegangen zu sein, denn Friede und Segen ergoss sich seit seiner Geburt über das Königreich.

 

Im Jahr 1211 erschien eine Gesandtschaft des mächtigen und berühmten Landgrafen Hermann I. von Thüringen und Hessen unter Führung des edlen Ritters Walter von Varula am Hof des Königs von Ungarn, und bat für den jungen elfjährigen Landgrafen Ludwig um die Hand der kleinen Elisabeth. König Andreas willigte ein und übergab dem Gesandten sein vierjähriges Kind, damit es, der Sitte jener Zeit gemäß, am Hof ihres Verlobten erzogen würde. In einem goldgestickten Gewand, in einer silbernen Wiege liegend und mit reichen Schätzen ausgestattet, von dreizehn ungarischen Edelfräulein und vielen Rittern begleitet, kam Elisabeth glücklich auf der Wartburg bei Eisenach an. Ungemeiner Jubel herrschte am Hof des Landgrafen und alle bewunderten die Schönheit und Anmut des Kindes. Unter großen Feierlichkeiten, die die berühmtesten deutschen Meistersänger mit ihren Liedern verherrlichten, fand die Verlobung des elfjährigen Prinzen Ludwig mit Elisabeth statt.

 

Mitten unter den Freuden des Hoflebens entfaltete Elisabeth die schönsten Tugenden. Alle ihre Gedanken und Bestrebungen waren auf Gott gerichtet. So oft sie konnte, kniete sie am Altar der Schlosskapelle nieder und überließ sich frommen Gebeten und Betrachtungen. Fand sie die Kapelle verschlossen, so küsste sie andächtig das Schloss, die Tür und äußere Mauer aus Liebe zu Jesus, der im Tabernakel wohnte. Gern ging sie mit ihren Gespielinnen auf den Gottesacker und mahnte sie: „Erinnert euch, dass wir einst nichts als Staub sein werden! Darum lasst uns Gott lieben! Kniet nieder und sprecht mit mir: „Herr, durch deinen grausamen Tod und durch deine geliebte Mutter Maria erlöse diese armen Seelen von ihrer Pein! Herr, durch deine heiligen Wunden mach uns selig!“ Wer zu ihr von Gott und seinen heiligen Geboten redete, dem schenkte sie ihre volle Aufmerksamkeit. Nichts lernte sie so gern, als Gebete und betete täglich eine Anzahl derselben. Wurde sie am Tag daran verhindert, dann holte sie in der Nacht das Versäumnis nach. Den engelreinen Jüngling Johannes wählte sie zu ihrem besonderen Beschützer und schlug niemand eine Bitte ab, der sie im Namen dieses heiligen Apostels anflehte. Eine grenzenlose Barmherzigkeit hegte sie gegenüber allen Armen und Kranken. Alles Geld und alle Lebensmittel, die sie erhaschen konnte, brachte sie den Notleidenden. Sie ließ dafür ein Vaterunser oder Ave Maria beten.

 

Mit dem Tod des Landgrafen Hermann begann für die neunjährige Elisabeth eine schwere Prüfungszeit. Während seines Lebens durfte niemand die zärtlich von ihm geliebte Königstochter in ihren frommen Andachtsübungen stören, als er aber gestorben war, hatte sie von der Witwe, der Landgräfin Sophie, und deren hoffärtigen Tochter Agnes vieles zu leiden und bekam die bittersten Vorwürfe wegen ihrer Demut, Einfalt und Gottinnigkeit. Voll Spott und Gift sagten sie ihr, sie habe nichts Fürstliches an sich und eigne sich wohl zu einer einfältigen Dienstmagd oder Klosterfrau, nicht aber zu einer Fürstin.

 

Einst befahl die Landgräfin am Mariä Himmelfahrtstag den beiden Prinzessinnen Agnes und Elisabeth, ihre schönsten Kleider anzulegen, ihre goldenen Kronen aufzusetzen und mit ihr nach Eisenach zum Hochamt in die Liebfrauenkirche zu gehen. Dies geschah. Kaum aber knieten alle drei vor dem großen Kruzifix, als Elisabeth schweigend ihre Krone abnahm, auf dem Boden niederkniete, und den Zipfel ihres Mantels mit Tränen benetzte. Sophie und Agnes machten ihr bittere Vorwürfe, doch Elisabeth erwiderte sanftmütig: „Vor meinen Augen hängt mein Gott und König mit einer scharfen Dornenkrone, und ich elendes Geschöpf sollte vor ihm mit einer kostbaren, goldenen Krone erscheinen? Sollte ich ihn verhöhnen? Ach, das kann ich nicht!“

 

Elisabeth duldete alle Kränkungen und Feindseligkeiten der Landgräfin und ihrer Tochter gottergeben. Während sie mit dem Plan umgingen, die ungarische Königstochter in ein Kloster zu stecken oder zu ihrem Vater heimzuschicken, erhob Elisabeth ihre Hände zu Gott und sprach: „Herr, dein Wille geschehe!“ Dann wartete sie ruhig ab, was Ludwig beschließen würde. Ludwig aber blieb seiner Verlobten getreu und er liebte sie wegen ihrer Tugend und Frömmigkeit von Tag zu Tag mehr. Einst sprach er zum Grafen Varula, indem er seine Hände gegen den nächsten Berg ausstreckte: „Wenn dieser Berg da ganz von Gold wäre und mir allein gehören sollte, aber ich müsste Elisabeth dafür lassen, - ich täte es nicht. Ich liebe sie und werde sie heiraten.“

 

Sobald Ludwig das zwanzigste Lebensjahr erreicht hatte, nahm er im Jahr 1220 die dreizehnjährige Elisabeth unter großen Feierlichkeiten zur Ehe. Ein so frommes, schönes und glückliches Ehepaar hat die Welt selten gesehen. Ihre innige Liebe zueinander tat der Liebe Gottes keinen Abbruch, beide ermunterten sich zu Werken der christlichen Nächstenliebe und nannten sich, wie in der frühen Kindheit, nur Bruder und Schwester.

 

Ludwig war ein Mann von seltener Schönheit, seine blonden Haare wallten reich über Nacken und Schultern, seine Wangen blühten im Rot der Unschuld, sein Auftreten war würdevoll, Anmut und Heiterkeit lagen auf seinem Antlitz. Mit seiner leiblichen Schönheit und Würde wetteiferte seine Frömmigkeit. Täglich hörte er die Heilige Messe. Er war ein Beschützer der Unschuld, ein strenger Richter über die Gottlosen, ein Freund der Frommen, ein freigebiger Wohltäter der Armen. Oft besuchte er das Kloster Reinhardsbrunn, das seine Vorfahren gebaut hatten, beschenkte und tröstete die Kranken im Kranken- und Pilgerhaus, das damals bei jedem Kloster stand, und ahmte in viele Stücken dem Leben der Mönche nach. Sein Volk liebte ihn sehr, und im ganzen Land herrschte Eintracht und Sicherheit.

 

Elisabeth vereinte mit ihrer Jugend Hoheit und Würde. Von bräunlichem Angesicht, schwarzem Haar, schlankem Wuchs, würdevollem Gang, nahm sie durch ihre freundlichen Mienen und ihr gütiges herablassendes Wesen alle Herzen für sich ein. Unter ihren fürstlichen Kleidern trug sie ein Bußgewand, jeden Freitag und jeden Tag in der Fasten ließ sie sich aus Liebe zum leidenden Heiland von einer vertrauten Magd geißeln, den Andachtsübungen und der Armenpflege widmete sie sich nach Herzenslust und erbaute durch ihre innige Andacht bei jedem Gottesdienst das Volk. Oft stand sie in der Nacht auf und betete lange und inbrünstig. In Speisen und Getränken tat sie sich viel Abbruch. Oft stand sie von der reichsten Tafel hungrig und durstig auf, oder, wenn es ihr Gemahl nicht bemerkte, nahm sie nur Wasser und Brot.

 

So streng und hart Elisabeth sich selbst behandelte, so liebreich war sie gegenüber ihren Mitmenschen, besonders gegenüber den Dürftigen und Siechen. Soviel ihr Gemahl ihr auch an Geld und Lebensmitteln überließ, es reichte ihrer Freigebigkeit nicht zu. Zuweilen beraubte sie sich ihrer eigenen Kleider, um den Notleidenden helfen zu können. Als sie einst schon alles fortgegeben hatte, flehte sie ein Dürftiger noch dringend um ein Almosen an. Da nahm sie einen ihrer mit Edelsteinen besetzten Handschuhe und gab ihn dem Dürftigen. Ein junger Ritter kaufte ihn den Handschuh ab und steckte ihn als Unterpfand des göttlichen Schutzes an seinen Helm. Auf dem Todesbett versicherte er, dass er seine Rettung in den Schlachten, seinen Ruhm und seine Siege diesem Andenken der heiligen Elisabeth verdanke.

 

Nicht zufrieden, den Armen an ihrer Pforte Gaben auszuteilen, suchte sie auf weiten und beschwerlichen Wegen die Bedürftigen in ihren Hütten auf, scheute nicht den Schmutz und die verpestete Luft, pflegte die Kranken, tröstete die Bekümmerten, hob die Kinder der Armen aus der Taufe, wachte bei den Leichen und folgte ihnen zum Grab. Besonders nahm sie sich der Aussätzigen an, die von den Gesunden sorgfältig gemieden wurden. Sie wusch ihnen Hände und Füße, kniete demütig vor ihnen nieder und küsste ihre Wunden und Geschwüre. Eines Tages schleppte sie einen Aussätzigen in ihr Schloss, reinigte ihn und legte ihn, da sonst kein Platz mehr übrig war, in das Bett ihres Gemahls. Inzwischen kehrte der Landgraf zurück und seine Mutter klagte ihm zürnend: „Komm und schau, ich will dir ein Wunder von deiner Elisabeth zeigen!“ Aufgeregt eilte er in sein Schlafgemach und fragte: „Frau, wer ist da in meinem Bett?“ Zugleich riss er die Decke weg und – o Wunder! – statt des Aussätzigen erblickte er in seinem Bett das Bild des Gekreuzigten. Sprachlos vor Erstaunen steht er da, weint, küsst Elisabeth und spricht: „Meine liebe Schwester, solche Gäste lege nur oft in mein Bett, das ist mir wohl zu Dank. Lass dich von niemand in der Ausübung deiner Tugenden irre machen!“

 

Als sie einst den Berg hinabging und Fleisch, Brot und Eier für ihre Armen unter dem Mantel trug, begegnete ihr Ludwig und fragte sie neugierig: „Lass sehen, was du trägst!“ Während er ihren Mantel zurückschlug, sah er nur rote und weiße Rosen, die schönsten, die er je gesehen hatte, und doch war die Zeit der Blumen längst vorüber. Über ihrem Haupt schwebend sah er ein leuchtendes Kruzifix, weshalb er an dieser Stelle daraufhin eines aufrichten ließ.

 

Im häuslichen Kreis war Elisabeth immer heiter und wohlgemut, spann mit ihren Dienerinnen Wolle und verfertigte Leinen für ihren Bedarf und für die Armen. Ihren Gemahl liebte sie mit unaussprechlicher Zärtlichkeit, saß neben ihm am Tisch und begleitete ihn trotz ungestümer Witterung auf seinen kleinen Reisen. Musste er auf längere Zeit die Wartburg verlassen, so legte sie schwarze Witwenkleider an bis zu seiner Heimkehr. Oft unterhielt sie sich mit ihrem Gemahl über die Liebe zur Armut um Christi willen. Sie pflegte dann ärmliche Kleider anzulegen, ihr Haupt mit einem zerrissenen Schleier zu bedecken und im prophetischen Geist sprach sie: „So werde ich einhergehen, wenn ich um Gottes Willen arm und elend sein werde.“ Einst überraschten sie vornehme Herren in ihrem ärmlichen Anzug. Ihr Gemahl geriet in die peinlichste Verlegenheit, sie aber trat nach kurzem Gebet unbefangen vor die Herren und diese konnten sich nicht sattsehen an der reizenden Schönheit, an dem Prachtgewand von himmelblauer Seide und dem Perlengeschmeide der Tochter ihres Königs. Wie zärtlich sorgt doch Gott für die Seinigen! Gerührt über diesen Gnadenerweis Gottes rief der fromme Landgraf aus: „Wahrlich, unser Gott ist ein sehr guter Gott! Es ist ehrenvoll, einem solchen Herrn zu dienen, der den Seinen so getreulich zu Hilfe kommt. Auch ich will von diesem Tag an immer mehr sein Knecht sein.“ Er hielt Wort und bemühte sich, seiner heiligen Gattin möglichst ähnlich zu werden.

 

Um diese Zeit kamen die ersten Franziskanerbrüder nach Deutschland und kehrten auf der Wartburg ein, erzählten gar vieles von ihrem Ordensstifter, dem heiligen Franziskus von Assisi, und wie auch Weltleute an ihrem Orden teilnehmen könnten; denn der Heilige Vater habe für diese den Dritten Orden gestiftet. Elisabeth erbat sich und erhielt von ihrem Gemahl die Erlaubnis, sich in diesen Orden aufnehmen zu lassen. Sie war das erste Mitglied dieses segensreichen Ordens in Deutschland. Der heilige Franziskus schickte der Fürstin, die die Armut so lieb hatte, seinen alten Mantel als Unterpfand seiner Hochachtung, und Elisabeth trennte sich erst im Tod von diesem kostbaren Andenken.

 

Mit ungefähr siebzehn Jahren verlor Elisabeth ihren Beichtvater. Ihr Gemahl wandte sich an den Papst um einen guten Seelenführer. Dieser empfahl ihr den frommen und gelehrten Meister Konrad von Marburg, dessen gewaltiger Feuereifer und musterhafter Wandel viel zur Unterdrückung der albigensischen Ketzerei beigetragen hatte. Elisabeth legte ihm im Jahr 1225 das Gelübde des Gehorsams ab für alle Dinge, die nicht dem Recht der heiligen Ehe widerstrebten, sowie auch das Gelübde, für den Fall, dass sie ihren Gemahl überlebe, im keuschen Witwenstand zu verbleiben.

 

Als der Landgraf im Jahr 1225 mit dem Kaiser auf dem Reichstag zu Cremona in Italien weilte, entstand im Thüringer Land eine furchtbare Hungersnot, so dass die Leute Gras und Wurzeln aßen und die Wege mit Leichen bedeckt waren. Voll des innigsten Mitleids verteilte Elisabeth den ganzen Schatz des Landgrafen unter die Armen, ließ die Vorratskammern öffnen und speiste täglich 900 Arme, ließ zu dem Krankenhaus am Fuß der Wartburg noch zwei Krankenhäuser in Eisenach bauen und ging täglich selbst den beschwerlichen Weg, „Kniebrecher“ genannt, um die Kranken zu pflegen, die Betten zu reinigen, den Sterbenden im Todeskampf beizustehen. Zuletzt verkaufte sie noch ihre Edelsteine und Kostbarkeiten, um keinen Armen abweisen zu brauchen. Als der Landgraf heimkehrte und die Verwalter über die Verschwendung seiner Gemahlin klagten, wies er sie mit den schönen Worten zurück: „Wenn mir nur Eisenach mit der Wartburg und Naumburg bleibt, dann kann meine Elisabeth in Gottes Namen verschenken, wem, was und wann sie will. Almosen macht niemand arm.“

 

Gott hatte die frommen und edelmütigen Edelleute mit einem Söhnlein und drei Töchtern beschenkt. Barfuß trug Elisabeth jedes Kind beim ersten Ausgang selbst zur Kirche, um es Gott aufzuopfern. Aber bald wurde das Familienglück getrübt; denn der Kaiser erließ einen Aufruf zu einem Kreuzzug in das Heilige Land. Im Herbst 1227 musste Ludwig den Kaiser begleiten und übertrug die Regierung seinem Bruder Heinrich. Der Abschied Elisabeths von ihrem teuren Gemahl war ein herzzerreißender, da sie ahnte, dass sie ihn nicht wiedersehen werde. Schon bald erkrankte Ludwig und starb zu Otranto in Italien eines seligen Todes. Wer möchte die Trauer schildern, die die liebende Gattin bei der Todesnachricht ergriff? Nur im Gebet fand sie Stärke, den bitteren Leidenskelch zu trinke, den Gott ihr darreichte. Sie sollte den Kelch bis zur Hefe leeren.

 

Heinrich, der Bruder des verstorbenen Landgrafen, verstieß sofort Elisabeth mit ihren vier Kindern wie eine nichtswürdige Verbrecherin von der Wartburg und erklärte sie aller Güter verlustig. Weinend stieg die verlassene Witwe mitten im rauen Winter von der Wartburg herab, ihr jüngstes Kind auf den Armen, die anderen drei von ihren Frauen geführt. Vergebens klopfte sie an alle Türen in Eisenach. Niemand öffnete ihr; denn alle fürchteten den Zorn des neuen Landesherrn, der den strengen Befehl erlassen hatte, weder Elisabeth noch ihre Kinder in ein Haus aufzunehmen. Vor Frost erstarrt, von Hunger gequält, erlaubte ihr endlich ein Wirt, in einem Schweinestall zu übernachten. Die Königstochter, die in einer silbernen Wiege nach Eisenach kam, saß dort jetzt auf einem Haufen halbverfaulten Strohs. In ihrer Not betete sie zu Gott und ein wunderbarer Friede ergoss sich in ihre Seele. Um Mitternacht hörte sie in dem von ihrem Gemahl Ludwig gestifteten Franziskanerkloster zur Mette läuten. Sogleich eilte sie mit ihren Kindern zur Kirche und bat nach der Andacht die Mönche, ein Te Deum zu singen, um Gott zu danken für die Trübsal, die er über sie verhängte. Bis zu Tagesanbruch blieb sie in der Kirche. Dann bettelte sie an den Türen um ein Obdach und Speise und Trank für ihre Kinder. Nach langem vergeblichen Umherlaufen erbarmte sich ihrer ein armer Priester, aber auch da vertrieben sie ihre Feinde. Arme Leute nahmen ihr nun heimlich ihre Kinder ab und verpflegten sie, sie selbst ernährte sich mit Spinnen. Als Elisabeth einst mit einer schweren Bürde über einen schmutzigen Bach ging, trat ihr ein boshaftes Bettelweib entgegen, die viele Wohltaten von ihr empfangen hatte, stieß sie in das Wasser und sagte spottend: „Da liege, du Närrin! Du hast es nicht verstanden, Landgräfin zu sein; jetzt hast du, was dir gebührt!“ Elisabeth ertrug diese Schmach geduldig und sagte beim Aufstehen lächelnd: „Das ist dafür, dass ich einst Gold und Edelsteine trug.“ Jesus erschien ihr, tröstete sie und nannte sie seine Schwester und Freundin. Die Mutter Gottes nahm ihre Hände zwischen die ihrigen und sprach: „Willst du meine Tochter sein, so will ich deine Mutter sein!“

 

Nach einiger Zeit erfuhren Elisabeths Verwandten ihre unwürdige Behandlung, und ihr Oheim Egbert, Bischof von Bamberg, wies ihr das Schloss Bodenstein zum Wohnsitz an, trug väterliche Sorge für sie und ihre Kinder und gedachte sie dem Kaiser Friedrich II., der seine Gemahlin vor kurzem verloren hatte, zu vermählen. Aber die verstoßene Bettlerin hatte sich bereits einem edleren Bräutigam, Jesus Christus, verlobt.

 

Nach einiger Zeit kehrten die thüringischen Ritter aus dem Gelobten Land zurück und brachten die Leiche ihres geliebten Landesherrn von Otranto nach Bamberg, von da nach Reinhardsbrunn. Empört über die schmachvollen Unbilden, die man ihrer Landesfürstin angetan hatte, zwangen sie Heinrich, das Witwengut herauszugeben, ein Leibgeding von 500 Mark Silber zu zahlen, und ihrem Sohn Hermann die Nachfolge zu sichern. Elisabeth umarmte ihren ehemaligen Todfeind und ließ keinem ihrer Beleidiger das Unrecht vergelten.

 

Um ihrem Heiland möglichst gleichförmig zu werden, verließ Elisabeth ihren Palast und bezog eine arme Lehmhütte neben der Franziskanerkirche zu Marburg, legte am Karfreitag die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab, ließ sich ihr schönes Haar abschneiden, empfing das graue Büßerkleid, umgürtete sich mit einem Strick, und flehte zu Gott inbrünstig um drei Gaben, nämlich um Kraft, Schimpf und Verleumdungen der Menschen geduldig zu ertragen, dann um gänzliche Verachtung aller irdischen Güter, endlich um Abnahme ihrer übermäßigen Liebe zu ihren Kindern. Ihr frommer, aber auch sehr strenger Beichtvater Konrad unterstützte sie in ihrem Streben nach Vollkommenheit. Ihr Sohn Hermann wurde zur Erziehung auf das Schloss Kreuzberg gebracht, ihre Töchter fanden Unterkunft im Kloster Altenburg, wo die jüngste, Gertrud, später Äbtissin wurde; die älteste heiratete den Herzog von Brabant, die mittlere starb früh. Auch von ihren ältesten und vertrautesten Leidensgefährtinnen Isentrude und Guda musste sie sich trennen. Nach dem Beispiel ihres seraphischen Vaters Franziskus lebte fortan die Königstochter in der äußersten Armut, um dem Heiland möglichst gleichförmig zu werden. Wie früher waren die Armen und Kranken ihre liebsten Freunde. Sie ließ zu Marburg ein Hospital bauen und verrichtete dort täglich die niedrigsten und ekelhaftesten Dienste. Sie küsste sogar die scheußlichsten Wunden und tat für die Elenden mehr, als eine Mutter für ihre Kinder tun kann. Für diese außerordentliche hingebende Liebe belohnte sie Gott mit der Wundergabe. Ein taubstummer und gelähmter Junge lag einst vor der Tür des Spitals, das sie mit Tagesanbruch zu besuchen pflegte. „Was fehlt dir, mein liebes Kind?“ fragte sie zärtlich. Da der Junge auf ihre wiederholten Fragen schwieg, sprach sie traurig: „Im Namen Jesu sage mir, was dir fehlt!“ Der Junge stand auf, lobte Gott und war von all seinen Leiden befreit. – Ein an Händen und Füßen Verstümmelter rief ihr einmal zu: „Eilet, Frau! Ich bin aus Reinhardsbrunn, wo euer Gemahl begraben liegt. Aus Liebe zu seiner Seele helft mir! Betet für mich!“ Mit überirdischer Zärtlichkeit sah Elisabeth den Unglücklichen an, und siehe, von Stunde an war er gesund. – Ein Blinder bat um ihr Gebet. „Bete du selbst mit!“ entgegnete sie und ließ ihn neben sich hinknien. Je inniger sie betete, desto heller wurden seine Augen, bis er ganz deutlich sah. Dann erhob sie sich und sprach: „Nun musst du Gott dienen, fleißig arbeiten und jede Sünde meiden.“ – Zur Winterzeit wünschte ein Kranker einen Fisch. Elisabeth ging zur nächsten Quelle und betete: „O Herr Jesus Christus, ist es dein Wille, so gib mir einen Fisch für den armen Kranken!“ Sogleich fand sie in dem Eimer, mit dem sie Wasser schöpfte, einen großen Fisch, den sie dem Armen mit Freuden brachte.

 

Um diese Zeit kamen Gesandte ihres Vaters, der von ihren Leiden gehört hatte, und luden sie ein, an den königlichen Hof zu Budapest zu kommen. Als der ungarische Gesandte sie in der niedrigen Lehmhütte, in gesticktem Kleid, beim Wollspinnen antraf, weinte er bitterlich und sprach: „Hat man je eines Königs Tochter Wolle spinnen sehen? Wer hat euch in dieses Elend versetzt?“ „Niemand – antwortete Elisabeth freundlich – als der reichste Sohn des himmlischen Vaters, der mich durch sein Beispiel gelehrt hat, den Reichtum zu verachten und die Armut mehr zu lieben, als alle Schätze der Welt. Dabei fehlt es mir an nichts und ich bin ganz glücklich. Sagt meinem Vater, er solle sich meinetwegen nicht betrüben, sondern sich vielmehr freuen, dass er eines seiner Kinder im Dienst des Königs des Himmels und der Erde hat. Nur um eins bitte ich, dass er für mich bete und beten lasse, ich will es auch für ihn tun mein Leben lang.“

 

Mehr und mehr schälte sich Elisabeth von der Welt los und teilte ihre Zeit zwischen Gebet und Betrachtung und christlichen Liebeswerken. Öfters erschien ihr ein Engel, der einst zu ihr sprach: „Ich bringe dir keine Krone mehr; denn du leuchtest vor Gott, der dich selbst mit göttlichen Ehren krönen will.“ Oft zeigte sich ihr der göttliche Heiland selbst von Angesicht zu Angesicht und tröstete sie. Erwachte sie aus ihren Verzückungen, dann glänzte ihr Angesicht wunderbar und ihre Augen leuchteten gleich Sonnenstrahlen. Dauerten solche Verzückungen länger, dann bedurfte sie keiner irdischen Nahrung mehr; die heilige Kommunion allein reichte für sie hin. Sie weinte viel, aber es waren mehr Tränen der Wonne, als der Trauer.

 

Die Stunde nahte, nach der sich Elisabeth so lange gesehnt hatte, die Stunde der ewigen Vereinigung mit ihrem himmlischen Bräutigam. Jesus Christus erschien ihr lichtumflossen und sprach zu ihr mit sanfter Stimme: „Komm zu mir, du auserwählte Braut, meine süße, liebe Freundin, gehe ein in die Wohnung, die dir von Ewigkeit bereitet ist. Ich will dich selbst hineinführen.“ Voll Freuden ging Elisabeth noch einmal zu ihren Kranken und Armen, segnete sie und teilte, was sie noch hatte unter sie aus. Dann begab sie sich zu ihrem kranken Beichtvater und nannte ihm die Stunde ihres Todes. Vier Tage später ergriff sie ein heftiges Fieber und quälte sie 14 Tage. Nach Empfang der heiligen Sterbesakramente schenkte sie der treuen Dienerin Guda ihre letzte und liebste Habe, den armen Mantel des heiligen Franziskus und sprach den Wunsch aus, in der Hospitalskirche begraben zu werden. Dann geriet sie in Verzückung, sang wunderbar schön, und ihr Antlitz verklärte sich derart, dass die Umstehenden den Glanz kaum ertragen konnten. Freudig rief sie aus: „O Maria, komm mir zu Hilfe! Der Augenblick ist da, wo der Allmächtige seine Freunde zur Hochzeit ladet. Es naht der Bräutigam, die Braut zu holen.“ Dann hieß sie mit leiser Stimme alle Still sein, neigte ihr Haupt wie zu sanftem Schlummer und ging hinüber zu den Chören der Engel und Heiligen in der Nacht des 19. November 1231. Sogleich verbreitete sich in der Hütte ein außerordentlicher Wohlgeruch und in den Lüften hörte man einen himmlischen Gesang. Die Heilige hatten eben ihr 24. Lebensjahr erreicht.

 

Unbeschreiblich war die Trauer des Volkes und das Wehklagen der Armen über das Hinscheiden ihrer größten Wohltäterin. Die Spuren früherer Leiden waren vom Angesicht der Leiche verschwunden, die Wangen waren sanft gerötet. Unter wunderbarem Gesang aus der Höhe wurde die Leiche begraben. Unzählige Wunder verherrlichten ihren Namen: Blinde wurden sehend, Lahme gehend, Fallsüchtige, Verwachsene, Rasende, Verwundete wurden geheilt, Tote erweckt. Daher erhob sie schon vier Jahre nach ihrem Tod Papst Gregor IX. zur Ehre des Altares. Unbeschreiblich war die Freude des deutschen Volkes über diese Ehre. Mehr, als eine Million Menschen strömten aus den deutschen Ländern, aus Ungarn, Böhmen, Frankreich, Spanien und Italien zusammen, um der Erhebung der Leiche beizuwohnen. Ein lieblicher Wohlgeruch stieg aus dem Grab empor. Der heilige Leib war noch ganz unversehrt. Kaiser Friedrich setzte der Heiligen eine goldene Krone aufs Haupt und führte ihre drei Kinder zum Opfer. Aus den reichen Spenden wurde eine prachtvolle Kirche gebaut. Zu Ehren der heiligen Elisabeth wurden in allen Ländern Europas und selbst jenseits des Meeres Kirchen, Klöster und Spitäler erbaut und noch heute eifert der Elisabethen-Verein der Heiligen in Werken der christlichen Liebe und Barmherzigkeit nach.

 

Trittst du jetzt in die schöne Elisabethen-Kirche zu Marburg, so findest du nicht mehr zahllose Pilgerscharen, du siehst keinen Priester am Altar, in der schönen Grabkapelle bemerkst du noch die Spuren von den Knien der Pilger, aber vergebens suchst du die Gebeine der Heiligen. Ein Nachkomme der heiligen Elisabeth, Landgraf Philipp von Hessen, der vom katholischen Glauben abfiel und Luthers Lehre annahm, riss unter gemeinem Spott und Hohn die Reliquien seiner Ahnfrau aus ihrer Ruhestätte und niemand weiß, wohin sie gekommen sind. Auch auf der Wartburg zeigt sich keine Spur mehr von dem Walten der Heiligen. Doch in dem Herzen des katholischen Volkes lebt die Verehrung der lieben heiligen Elisabeth fort und ihr schönes Beispiel hat schon Tausende zur Nachfolge und dem Weg der christlichen Liebe und des Erbarmens gegenüber Armen und Kranken entflammt. Heilige Elisabeth, bitte für uns, dass wir dir mehr und mehr in Werken christlicher Barmherzigkeit nachfolgen!

 

Die heilige Elisabeth gelangte zu dem hohen Grad der Vollkommenheit, indem sie folgende 12 Lebensregeln ihres Beichtvaters Konrad genau befolgte:

 

1. Ertrage geduldig Verachtung in freiwilliger Armut.

 

2. Lass dir die Armut am Herzen liegen.

 

3. Lass fahren menschlichen Trost und die Lüste des Fleisches.

 

4. Sei barmherzig gegenüber dem Nächsten.

 

5. Danke Gott dafür, dass er dich durch seinen Tod von der Hölle und dem ewigen Tod erlöst hat.

 

6. Trage dein Kreuz in Geduld aus Liebe zum Gekreuzigten.

 

7. Habe Gott stets in deinem Herzen und in deinen Gedanken.

 

8. Weihe Leib und Seele ganz deinem Gott.

 

9. Erinnere dich, dass du ein Geschöpf Gottes bist, und bestrebe dich, ewig mit ihm vereinigt zu werden.

 

10. Was du willst, dass es dir die Menschen tun, tue auch ihnen.

 

11. Denke immer an die Kürze des menschlichen Lebens. Strebe immerfort nach dem himmlischen Leben.

 

12. Bereue stets deine Sünden und flehe zu Gott, dass er sie dir vergebe.

 

20. November

 

Die heilige Jungfrau Mechtildis, Äbtissin in Helfta,

+ 19.11.1299 - Fest: 20. November

 

Die heilige Mechtildis war gebürtig aus Eisleben in Obersachsen und stammte mit ihrer heiligen Schwester Gertrudis aus dem Haus der Grafen von Hackeborn, die nahe verwandt waren mit Kaiser Friedrich II. Mechtildis wurde bei den Benediktinerinnen von Rodalsdorf in der Diöcese Halberstadt erzogen. Von Jugend an bewies sie eine große Sittenreinheit und Abneigung gegen alle Welteitelkeiten. Ihr Gehorsam entzückte ihre Vorsteherinnen; sie verrichtete jederzeit mit derselben Freude und Pünktlichkeit alles, was ihr aufgetragen wurde. Ihre Liebe zur Abtötung erstaunte alle, die sie kannten. Nie schmeichelte sie ihrem Körper und obwohl sie von schwächlicher Leibesbeschaffenheit war, enthielt sie sich dennoch des Weines und des Fleisches. Ihre Demut vermied alles, was Aufsehen erregen konnte; sie verbarg mit gleicher Sorgfalt ihre Tugenden, wie andere ihre Laster den Augen der Menschen zu entziehen streben.

 

Niemals wollte sie ihre Einsamkeit verlassen und als sie das Alter erreicht hatte, wo sie sich Gott durch Gelübde weihen konnte, legte sie diese im Kloster Rodalsdorf ab. Einige Zeit danach schickte man sie nach Dießen in Bayern, wo sie Vorsteherin des dortigen Klosters wurde. Bald führte sie da die Übung der erhabensten Tugenden ein. Völlig überzeugt, dass man ohne gewissenhafte Beobachtung aller Ordensregeln umsonst die klösterliche Vollkommenheit zu erreichen streben würde, ermahnte sie ihre Schwestern, denselben sich unbedingt zu fügen und lieber der zu jeder Verrichtung bestimmten Zeit zuvorzukommen, als sich aus Nachlässigkeit die geringste Verspätung zu erlauben.

 

In dem Kloster Edelstetten in Schwaben war damals große Lauigkeit eingerissen. Der Bischof des Sprengels befahl deshalb der heiligen Mechtildis, dahin zu gehen und sich dem guten Werk der Verbesserung zu unterziehen. Sie aber gab verschiedene Gründe vor, um diesen Auftrag wieder los zu werden, und nahm sogar zu Bitten und Tränen ihre Zuflucht. Es war aber alles umsonst. Sie musste gehorchen. Kaum war sie in der neuen Klostergemeinde angekommen, so führte sie dort in kurzer Zeit wieder die vollkommenste Ordnung ein. Niemand konnte der vereinten Kraft ihrer Sanftmut und ihres Beispiels widerstehen. Sie war streng gegen sich und voll der Güte gegen andere. Sie wusste ihren Untergebenen durch Beobachtung der Regeln Liebe für dieselben einzuflößen, und schlug jenen Mittelweg ein, der darin besteht, dass man die menschliche Schwachheit schont, ohne die Bande der Pflicht zu lockern. Ihre Ermahnungen begleitete immer jener Geist der Liebe, der die Tugend angenehm macht. Sie verpflichtete ihre Schwestern zur strengsten Klausur und hielt sie von aller Gemeinschaft mit Weltleuten abgesondert; dadurch bewahrte sie die Nonnen vor dem Geist der Zerstreuung, deren gewöhnliche Folgen sind, dass die Liebe erkaltet und der Eifer erlischt.

 

Mechtildis hatte kein anderes Bett, als ein wenig Stroh. Ihre Nahrung war sehr einfach und sie aß nur, was zur Erhaltung des Körpers unumgänglich notwendig war. Sie teilte ihre ganze Zeit zwischen Gebet, Lesen und Handarbeit ein und beobachtete das strengste Stillschweigen. Der Geist der Zerknirschung, von dem sie beseelt war, erpresste ihren Augen einen nie versiegenden Tränenstrom. Zu keiner Zeit sagte sie sich von der Regel los, nicht einmal am Hof des Kaisers, wohin sie sich in Angelegenheiten ihres Klosters hatte begeben müssen. Wenn sie einer Krankheit wegen das Bett hüten musste, war ihr größter Schmerz, dass sie nicht mit den anderen Schwestern dem Gebet und Nachtgottesdienst beiwohnen konnte. Sie starb zu Dießen am 19. November 1299, andere Quellen sagen am 29. März, nicht lange nach dem Jahr 1300 und noch vor ihrer Schwester, der heiligen Gertrudis. Ihr Name wurde niemals in das römische Martyrologium aufgenommen; man findet ihn aber in den Kalendern, jedoch an sehr verschiedenen Tagen.

 

Die heilige Mechthilde von Hackeborn, Nonne in Helfta,

+ 19.11.1299 - Fest: 20. November

 

Die siebenjährige Gräfin Mechthilde von Hackeborn war vor Freude außer Rand und Band. Sie lief durch das ganze Schloss, zunächst zu den alten Großeltern, dann zu den Dienstmädchen in die Küche und dann zu den Knechten im Stall und erzählte allen mit strahlenden Augen, dass Vater und Mutter zu einem Besuch ihrer Schwester Gertrud ins Kloster Rodersdorf fahren wollten, und sie dürfe mitreisen. Selten ist ein Kind so froh gewesen wie damals Mechthilde von Hackeborn.

 

Am anderen Morgen kämmte die Frau Gräfin ihrer Tochter das blonde Haar, zog ihr das beste Kleid an und ermahnte sie, wie es viele Mütter tun, sich nur nicht schmutzig zu machen; denn auf dem weißen Stoff sähe man gleich den kleinsten Fleck. Natürlich versprach Mechthilde, wie es Kinder tun, hoch und heilig, achtzugeben und vorsichtig zu sein. Dann setzten sich Vater und Mutter mit der Tochter in den Wagen, der Kutscher knallte mit der Peitsche und schnalzte mit der Zunge. Die Pferde zogen an, und eines kleinen Mädchens Traum ging selig in Erfüllung. Lange noch winkte Mechthilde mit dem Taschentuch zurück und niemand ahnte, und sie selbst auch nicht, dass dieser Abschied ein Abschied für immer war.

 

Einige Stunden später gelangten sie nach schneller Fahrt in Rodersdorf an. Da sah Mechthilde ihre Schwester Gertrud wieder. Wie ganz anders sah sie aus als damals, als sie das elterliche Schloss verließ! Das lange weite Ordenskleid stand ihr vornehm und feierlich, und weil sie bereits Äbtissin war, führte sie einen hohen goldenen Hirtenstab. Mechthilde konnte nur staunen, und ehrfürchtig wie im Gebet strich sie scheu über das Kleid der Äbtissin hin.

 

Mittlerweile waren die Eltern mit Gertrud ins Gespräch gekommen und unterhielten sich über hundert Dinge, für die Mechthilde nicht das geringste Interesse hatte. Deshalb huschte sie in einem günstigen Augenblick heimlich aus dem Zimmer und wanderte durch die Gänge und Säle des Klosters. Und wenn Mechthilde einer der ernsten würdigen Ordensfrauen begegnete, machte sie ehrfurchtsvoll einen Knicks und sagte: „Gelobt sei Jesus Christus!“, und über die Höflichkeit der kleinen Besucherin erfreut, antwortete jede Schwester lächelnd mit den Worten: „In Ewigkeit. Amen.“

 

Schließlich kam Mechthilde in die Klosterkirche, kniete hin, betete erst ein Weilchen und ging dann umher und schaute sich die Altäre und Bilder an, und alles gefiel ihr sehr gut. Da erklang auf einmal zart und feierlich Orgelspiel durch den hohen heiligen Raum. Im langen Zug schritten die weißen Nonnen einher, allen voran mit dem goldenen Hirtenstab Mechthildes Schwester Gertrud. Die Äbtissin setzte sich auf den Thron, und nachdem die Nonnen zunächst schön und würdevoll vor dem Allerheiligsten das Knie gebeugt hatten, schritten sie an ihre Plätze. Sie sangen das Gotteslob, festlich und feierlich, einmal einzeln und dann wieder alle zusammen, und die Orgel spielte dazu schöner, als die Nachtigallen schlagen. Mechthilde, die alles sah und hörte, glaubte, im Himmel zu sein, und beschloss bei sich, nicht mehr heimzukehren, sondern für immer im Kloster zu bleiben.

 

Als Vater und Mutter gegen Abend aufbrechen wollten, war Mechthilde verschwunden. Jedes Rufen war umsonst. Alle Schwestern suchten nach ihr, ohne sie zu finden, bis endlich eine der Nonnen auf den Gedanken kam, auf der Orgelbühne nachzuschauen. Und richtig, da hatte sich die Gesuchte versteckt. Durch nichts aber, weder durch Versprechungen noch durch Drohungen, war Mechthilde zu bewegen, mit heimzufahren. Vater und Mutter schimpften mit ihr, bis Gertrud den Streit entschied und sagte, die Eltern sollten die Kleine einige Tage im Kloster lassen, sie werde schon wieder vernünftig, wenn sie am eigenen Leib erfahre, dass das Ordensleben nicht bloß in Gesang und Orgelspiel, sondern auch in Nachtwachen und Fasten und harter Arbeit besteht.

 

Gesagt, getan. Die Eltern fuhren heim. Mechthilde blieb und musste vom ersten Tag an alle Strengheiten des Ordenslebens mitmachen, aber sie hielt tapfer aus, legte später, als sie alt genug dazu war, die heiligen Gelübde ab und wurde eine solch eifrige und tugendhafte Ordensfrau, dass sie in wundervollen Visionen schon auf der Erde Jesus Christus öfters sehen durfte.

 

Dass die heilige Mechthilde, die im Jahr 1299 starb, so hoch begnadet wurde, dürfte wohl der Tatsache zuzuschreiben sein, dass sie sich ganz Gott weihte und lebenslang an dieser Weihe festhielt.

 

Der heilige Eadmundus, König und Märtyrer von England,

+ 20.11.870 – Fest: 20. November

 

Der heilige Eadmundus, König der Ostangeln in England und Märtyrer, wurde am Weihnachtsfest 855, damals noch sehr jung, auf den Thron seiner Väter erhoben und im Schloss Bures gekrönt. Seine sittlichen und religiösen Eigenschaften machten ihn zum Muster eines guten Fürsten. Er hasste die Schmeichler und Ohrenbläser und fürchtete das Getriebe der menschlichen Leidenschaften. Fern von Stolz und Hoffart ging sein ganzer Ehrgeiz dahin, den Frieden zu erhalten und das Glück seiner Untertanen zu sichern. Daher sein Eifer für die gewissenhafte Pflege der Gerechtigkeit und Beförderung der guten Sitte. Er war der Vater seiner Untertanen, besonders der Armen, der Beschirmer der Witwen und Waisen, die Stütze aller Schwachen. Den Glanz dieser Tugenden erhöhte noch seine Frömmigkeit. Fünfzehn Jahre hatte er glücklich regiert, als die Dänen ins Land einfielen, die im Übermaß ihrer Wut und Grausamkeit und noch mehr aus Hass gegen den christlichen Namen aller Orten die Kirchen und Klöster zerstörten und die Priester, Ordensmänner und Nonnen ermordeten. Edmund erlag der Übermacht der Barbaren und geriet in ihre Gefangenschaft. Mit schweren Ketten beladen führte man ihn vor das Zelt des Heerführers Hinguar, der ihm zumutete, dem Glauben zu entsagen. Er aber antwortete, dass die Religion ihm teurer als das Leben sei, weshalb er nie einwilligen werde, den Gott zu beleidigen, den er anbete. Auf dieses banden ihn die ergrimmten Heiden an einen Baum und schossen mit Pfeilen nach ihm, wodurch sein ganzer Leib mit Wunden bedeckt wurde. Endlich ließ ihm Hinguar das Haupt vom Rumpf trennen. Also endete der Diener Gottes am 20. November 870. Seine Heiligkeit wurde durch verschiedene Wunder bezeugt, und an dem Ort, wo er das Märtyrium erlitten hat, gründete man in der Folge ein Priorat, das seinen Namen trug.

 

Der heilige Bernward, Bischof von Hildesheim,

+ 20.11.1022 – Fest: 20. November

 

Der heilige Bernward bildet mit seinem Nachfolger, dem heiligen Godehard, ein Doppelgestirn, das bis in die spätesten Zeiten dem Bischofsstuhl zu Hildesheim zur höchsten Zierde gereichen wird. Die Zeit seiner Geburt fällt in die Mitte des zehnten Jahrhunderts, wo die mächtigen Ottonen aus dem edlen Volk der Sachsen die Kaiserkrone trugen und ihre ritterlichen Züge nach Italien unternahmen und eine enge Verbindung mit der Hauptstadt der Christenheit und dem Land tausendjähriger Bildung unterhielten.

 

Bernwards Großvater mütterlicherseits war der Pfalzgraf Athelbero von Sachsen, sein Oheim Volkmar, Bischof von Utrecht, sein Vater (Graf Dietrich?) wird, vielleicht seines frühen Todes wegen, nicht genannt, seine Geschwister waren Graf Tammo, Thietburg und Judith, später Äbtissin von Ringelheim. Seine ersten Kinderjahre verlebte Bernward auf dem Schloss Sommerschenburg im Herzen des Sachsenlandes, wo er um das Jahr 952 das Licht der Welt erblickte. Da seine Mutter früh Witwe geworden war, so schickte ihn sein Oheim Volkmar an den Bischof Osdag von Hildesheim, der den Jungen der Leitung des Priesters Thangmar, des Vorstehers der blühenden Domschule, übergab. Unter diesem ausgezeichneten Lehrer entfalteten sich Kunst und Wissenschaft so herrlich, dass die Söhne der ersten Familien des Landes, z.B. der spätere Kaiser Heinrich II., der große Bischof Meinwerk von Paderborn, dort erzogen wurden. Dieser Thangmar begleitete von nun an als Lehrer, Freund und Ratgeber Bernward auf allen seinen Wegen, schloss ihm die Augen und schrieb auch die Geschichte seines ehemaligen Schülers und Bischofs.

 

Wie Thangmar seinen talentvollen Schüler unterrichtete, drückt er in den Worten aus: „Ich nahm ihn auch zuweilen mit mir, wenn ich in Geschäften des Herrn Bischofs das Domkloster verließ. Häufig brachten wir den ganzen Tag, während wir ritten, mit wissenschaftlichen Übungen zu, indem wir bald eine nicht weniger umfangreiche Lektion lasen, als wenn wir in der Schule dazu Muße hätten, bald dichtend uns unterwegs am Versmaß vergnügten, dann wieder unsere Übung in die Palästra der Prosa versetzten, zuweilen einfach den Inhalt des Gelesenen erörterten und häufig mit künstlichen Vernunftschlüssen uns abmühten. – Fast keine Stunde, nicht einmal die der Erholung, konnte ihn der Untätigkeit beschuldigen, und obgleich sein Geist von lebhaftem Feuer für jede höhere Wissenschaft entzündet war, verwandte er nichtsdestoweniger doch auch viel Fleiß auf die leichteren Künste, die wir die mechanischen nennen. Im Schreiben tat er sich besonders hervor, die Malerei übte er mit Feinheit; er war ausgezeichnet in der Kunst, Metalle zu bearbeiten, edle Steine zu fassen und in jeglicher Herrichtung, wie es auch später durch viele prächtige Gebäude, die er erbaute, zu Tage trat.“

 

Die Kunst und Wissenschaft stand damals noch im Dienst und im Gottesfrieden der Kirche und hatte keine andere Bestimmung, als Verherrlichung des christlichen Gottesdienstes. Deshalb lag Bernward alles daran, Kunst und Wissenschaft mit Liebe und Beharrlichkeit zu pflegen. Außerdem entwickelte der aufstrebende junge Mann eine außerordentliche Tüchtigkeit und Gewandtheit in allen Staatsgeschäften, so dass sein Großvater, der Pfalzgraf Athelbero, ihn bis zu seinem Lebensende nicht mehr von sich ließ und ihn als seine rechte Hand gebrauchte.

 

Nach Beendigung seiner wissenschaftlichen Studien ging Bernward nach Mainz, wo er im Haus des Erzkanzlers des Deutschen Reiches freundschaftliche Aufnahme fand. Willigis erteilte ihm die höheren Weihen, nachdem er sich „durch die Strenge seiner Sitten und die Rechtschaffenheit seines Lebens von seinen Fortschritten im geistlichen Leben überzeugt hatte.“ In Mainz hatte der Dombau im Jahr 978 begonnen und bot Bernward erwünschte Gelegenheit seine Kenntnisse in der Baukunst zu erweitern.

 

Um 987 starb Pfalzgraf Athelbero. Bernward, der schon einen ehrenvollen Ruf seines Oheims Volkmar aus kindlicher Liebe zu seinem Großvater ausgeschlagen hatte, erhielt von der Kaiserin Theophanu einen glänzenden Ruf zur alten karolingischen Pfalz in Nymwegen, um die Erziehung ihres minderjährigen Sohnes, des Kaisers Otto III., zu übernehmen. Bernward den kaiserlichen Jungen dergestalt, dass er wunderbare Fortschritte im Lernen machte und zur Übernahme der Regierungsgeschäfte befähigt wurde. Am kaiserlichen Hof fand der Kunstsinn Bernwards die reichlichste Nahrung, denn was die Kunst Italiens und des Morgenlandes Schönes geschaffen hatte, bot sich im Kaiserpalast den Augen des Beschauers dar. Hier wirkten mit Bernward zusammen als Freunde, Ratgeber und Lehrer des jungen Kaisers der kunstgebildete und staatskluge Willigis von Mainz, und Gerbert, der spätere Papst Sylvester II., in griechischer Sprache und Kunst erfahren, in Philosophie und Naturkunde seine Zeit weit überragend.

 

Nach dem Tod des Bischofs Gerdags erwählte die Geistlichkeit Hildesheims Bernward zum Bischof. Erzbischof Willigis weihte ihn 993. Jetzt konnte der neue Kirchenfürst ungehindert seine Wirksamkeit für sein Bistum, für Kunst und Wissenschaft und Tugend entfalten. Zunächst war es seine Sorge, sein Bistum gegen die räuberischen Einfälle der heidnischen Normannen zu schützen. Deshalb legte er an den Marken seines Sprengels die festen Burgen Wirinholt und Mundsburg an, bevölkerte die wüsten Orte mit Ansiedlungen und legte den Grund zu Städten. Seinen Bischofssitz umzog er mit Mauern und Türmen, dass „seinesgleichen an Schönheit und Sicherheit im ganzen Sachsenland nicht zu finden war.“ Hildesheim verehrt in ihm seinen zweiten Gründer.

 

Wie Bernward sein Land gegen feindliche Einfälle schützte, so eifersüchtig wahrte er auch seine bischöflichen Rechte. Sieben Jahre lang widerstand er den Eingriffen des Erzbischofs Willigis in betreff des Klosters Gandersheim, und der mächtige Kurfürst sowohl, wie die stolze Äbtissin des Klosters, die Königstochter Sophia, mussten sich endlich dem unerschütterlichen Vertreter seines Rechts beugen. In dieser Angelegenheit ging Bernward selbst nach Rom zum Kaiser und zum Papst Sylvester II. und dämpfte durch sein Ansehen und heroisches Handeln einen Aufstand der rebellischen Tiburtiner und Römer. Mit seiner Entschiedenheit setzte er auch die Wahl Heinrich II. durch, den er und Willigis zum König salbten.

 

Bernward hat sich unsterbliche Verdienste für die politische Größe Deutschlands erworben, aber noch herrlicher sind die Lorbeeren, die er sich durch sein frommes, gotterfülltes Walten als geistlicher und mildtätiger Vater der Seinen, durch seine Pflege der kirchlichen Künste und Wissenschaften und durch seinen Eifer für die Zierde der Gotteshäuser erworben hat. Er gründete Schulen und förderte die geistige Entwicklung des Volkes, in der Domschule entfaltete sich eine außerordentliche wissenschaftliche Tätigkeit. Die Heilige Schrift und andere wertvolle Bücher ließ er abschreiben. Er selbst schrieb ein mathematisches Werk und ein wertvolles Buch über Alchemie. Er selbst übte das Geheimnis, Metalle zu scheiden und zu mischen, praktisch aus, er war Künstler und Förderer der Kunst im ausgedehntesten Sinne des Wortes. Was an Metallarbeiten aus Bernwards Zeit noch erhalten ist, erregt die Bewunderung aller Kunstkenner. Seine Christussäule mit Darstellungen des Lebens Jesu, die bronzenen Flügeltüren am Dom, sein goldenes Kreuz, seine beiden reichverzierten Leuchter aus einer eigentümlichen Mischung von Gold, Silber und Eisen und andere Kunstgegenstände sichern Bernward für alle Zeiten einen ehrenvollen Namen in der Kunstgeschichte. Von den Malereien und Mosaiken, womit er den Dom zierte, ist leider nichts geblieben, weil sie im Brand vernichtet wurden.

 

Der fast siebzigjährige Bischof erlebte noch die große Freude, dass er sein Lieblingswerk, die Abteikirche des heiligen Michael, so weit vollendet sah, dass er die Weihe am 29. September 1022 zugleich mit der Weihe der Christussäule vornehmen konnte. Bernwards Freund, Bischof Benno von Oldenburg, geriet bei dieser Einweihung so sehr ins Gedränge, dass er nach wenigen Tagen starb. Der Tod, der die beiden Freunde getrennt hatte, sollte sie nur zu bald wieder vereinigen.

 

Am 1. November verfügte Bernward testamentarisch über sein bedeutendes Privatvermögen zu Gunsten der Michaelsabtei, 10 Tage später erkrankte er und empfing in der Martinuskapelle aus der Hand des Abtes Goderamm das Benediktinerkleid und legte die Ordensgelübde ab und ging am 20. November zum besseren Jenseits hinüber. Sein Leib wurde in der Krypta jener Kirche in demselben Steinsarg beigesetzt, den er schon zu Lebzeiten für sich bereitet hatte. Leuchtende Wunder verherrlichten das Grab des allgeliebten Oberhirten. Deshalb versetzte ihn der Papst am Sonntag vor Weihnachten 1192 feierlich unter die Zahl der Heiligen.

 

In seiner Demut hatte Bernward sich selbst die Grabschrift verfasst:

 

„Bernward war ich voreinst, ein gebrechlicher Mensch. Es umschließet

Jetzt mich der grausige Sarg, Asche nur bin ich und Staub.

Weh! nicht war ich gewachsen der Pflicht des erhabensten Amtes,

Aber der Seele sei Ruh, singet ihr Amen dazu!“

Benno, Bischof von Meißen, verfasste ihm folgendes Lobgedicht:

„Siehe die Gruft sie umschließt das Gebein Bernwardus, des Bischofs,

Jenes erhabenen Mannes, der uns ein Wunder erschien,

Der wie ein leuchtender Stern in der Heimat Krone geglänzt hat,

Würdig erfunden von Gott, hoch von den Menschen geliebt;

Denn stets ist er der Kirche der trefflichste Bischof gewesen.

Lohn es Emmanuel ihm, lohn es ihm Michaels Huld!

Endlich am zwanzigsten Tag in dem elften der Monate tauscht er

Für dies irdische Sein glücklich den Himmel sich ein.“

 

21. November

 

Mariä Opferung

 

Der heilige Gelasius I., Papst und Bekenner von Rom,

+ 21.11.496 – Fest: 21. November

 

Der heilige Gelasius I., Papst von 492 bis 496, war Römer, lebte zu einer Zeit, da die Welt unter der Herrschaft entweder heidnischer oder ketzerischer Fürsten seufzte. Der griechische Kaiser Anastasius war der Irrlehre des Eutyches ergeben, Theodorich in Italien ein Arianer und Clodwig der Frankenkönig noch nicht getauft. Nichts desto weniger leitete er die Kirche mit soviel Klugheit und Hochherzigkeit, dass er weder dem Ansehen seines Stuhles etwas vergab, noch auch die Verfolgung dieser Machthaber sich zuzog. Er trug Sorge, die Festtage, die Liturgie, das Stundengebet und den ganzen äußeren Gottesdienst in Ordnung zu bringen. 495 oder 496 hielt er zu Rom ein Konzilium, dem 72 Bischöfe beiwohnten. In ihm wurde bestimmt, welche Bücher zur Heiligen Schrift gehören und welche nicht. Auch beschloss man, die Entscheidungen der vier bisher gehaltenen allgemeinen Konzilien von Nicäa, Konstantinopel, Ephesus und Chalcedon als kanonische Schriften anzunehmen. Ferner wurden die Schriften der heiligen Cyprian von Karthago, Gregor von Nazianz, Basilius, Athanasius, Cyrill, Johannes Chrysostomus, Theophilus von Alexandria, Hilarius von Poitiers, Ambrosius, Augustinus, Hieronymus, Prosper und der Brief des heiligen Papstes Leo des Großen an den Patriarchen Flavian gutgeheißen. Zugleich wurden die unechten Schriften benannt und von den echten gesondert, die ketzerischen aber verdammt. Es sind mehrere Werke von diesem frommen und gelehrten Papst auf uns gekommen, darunter ein Buch von den zwei Naturen in Jesus gegen die Nestorianer und Eutychianer, eine Abhandlung gegen den Senator Andromachus, der das unsittliche Fest der Luperkalien wieder einführen wollte, und ein Sakramentarium. Um die unter seiner Herde eingeschlichenen Manichäer zu entdecken, befahl er, dass die heilige Kommunion unter zwei Gestalten empfangen werden solle. Dieses setzt voraus , dass man vorher die Kommunion unter zwei Gestalten nicht für notwendig erkannt habe, nach dem Ausspruch Jesu: „Wer dieses Brot isst, wird ewig leben.“

 

22. November

 

Die heilige Cäcilia, Jungfrau und Martyrin von Rom,

+ 22.11.229 - Fest: 22. November

 

Die heutige Gedächtnisfeier der heiligen Jungfrau und Martyrin Cäcilia kündet bereits vor dem Beginn der Adventszeit das nahende Weihnachtsfest an. Um die Krippe dessen, der aus dem jungfräulichen Schoß der reinsten Mutter Maria geboren wurde, blühen vor und nach Weihnachten, von November bis Februar, schön wie Rosen und Lilien, die altchristlichen Jungfrauen und Martyrinnen Cäcilia, Katharina, Barbara, Luzia, Anastasia, Agnes und Agatha. Kinder waren sie noch, als sie, rein und unberührt, im Martertod dahinwelkten, um für immer im Gedächtnis der Menschen, rosenrot und lilienweiß, an der Wiege des Königs der reinen Seelen weiterzublühen. Die heilige Cäcilia ist in dem jungfräulichen Blütenkranz jugendlicher Blutzeuginnen die erste.

 

In einer altadeligen Familie wurde Cäcilie etwa um das Jahr 150 zu Rom geboren. Früh empfing sie, vielleicht durch eine christliche Magd bekehrt, die heilige Taufe. Die heidnischen Eltern waren einsichtig genug, die Tochter wegen des Glaubens nicht zu belästigen. Ihr Verhalten änderte sich aber, als eines Tages, angezogen durch die Anmut des Mädchens, ein heidnischer junger Mann von hoher Geburt, Valerian mit Namen, um Cäcilias Hand anhielt. Die Eltern, die sich durch den Antrag des vornehmen Bewerbers geehrt fühlten, sagten zu, und weil nach dem damaligen Brauch die Kinder nicht gefragt wurden, ob und wen sie heiraten wollten, musste sich Cäcilia der elterlichen Entscheidung fügen, obwohl sie sich längst im heiligen Gelöbnis der jungfräulichen Keuschheit dem reinsten und schönsten Bräutigam, Jesus Christus, verlobt hatte, dem allein ihre zarte und innige Mädchenliebe gehörte.

 

Überaus feierlich wurde unter Flöten- und Harfenklang Cäcilias Hochzeit mit Valerian begangen. Fröhliche Gäste füllten das Haus, das in Blumen schwamm. Von allen Blumen die schönste war Cäcilia im weißen seidenen Kleid, im hauchzarten Schleier und grünem Myrthenkränzlein. Mit Edelsteinen war das Brautgewand wie übersät, und am Hals trug Cäcilia eine Perlenkette, von denen jede ein Vermögen darstellte, und noch kostbarere Perlen hingen an ihren Wimpern, Tränen, die Cäcilia weinte, weil der Bräutigam Valerian, wie edel und männlich schön er auch war, bei weitem nicht an den edelsten und schönsten Bräutigam Jesus Christus heranreichte.

 

Der Tag verging. Das Fest verrauschte. Es wurde Abend, und nur die Musik spielte noch innig und zart, als Cäcilia und Valerian das Brautgemach betraten. Der Bräutigam strömte über von Glück, denn Roms schönste Frau war sein eigen geworden. Mit seligem Blick näherte er sich der Gattin, um sie liebend zu umfangen. Doch Cäcilia wich zurück und gestand dem Gemahl, dass sie längst einem anderen verlobt war. Deshalb dürfe er sie nicht anrühren. Ein Engel stehe neben ihr, der sie vor ihm schütze. Da stutzte Valerian. Zorn stieg in ihm auf. Er fühlte sich betrogen, und mit barschem Ton verlangte er, den Engel zu sehen. „Du wirst ihn sehen“, entgegnete Cäcilia, „sobald du ein Christ bist. Geh vor die Stadt zu den Katakomben! Bestelle den Leuten dort einen Gruß von mir! Man wird dich zu Papst Urban führen, der dich unterrichtet und tauft, und wenn du getauft bist, komm heim, und du wirst den Engel sehen, der neben mir steht.“

 

So sprach Cäcilia, und Valerian, den es drängte, das Geheimnis zu lüften, das ihn umgab, tat, wie ihm geraten war. Während die Gattin betete, ging der Gatte zu Papst Urban und wurde getauft, und als er im weißen Taufgewand zurückkam, sah er neben der betenden Gattin den Engel stehen, dessen Kleid weiß wie Schnee war und dessen Angesicht leuchtete wie der Blitz. Zwei duftende Kränze trug der Engel in den Händen, einen Kranz von Lilien und einen von Rosen. Den Lilienkranz reichte er der Braut und den Rosenkranz dem Bräutigam und sagte dabei, beide sollten ihren Kranz mit reinem Herzen und in keuscher Liebe bewahren. Dann schied Gottes Bote, und Cäcilia und Valerian feierten eine Brautnacht, wie sie reiner und schöner selten gefeiert wird, denn nun glühten ihre Herzen in der einen gleichen Liebe zum göttlichen Heiland, und in der Heilandsliebe liebten sie sich herzlich und innig. Nie sind junge Eheleute so glücklich gewesen, wie Cäcilia und Valerian es in ihrer Brautnacht waren.

 

Doch nicht lange sollte das irdische Glück der beiden heiligen Seelen dauern. Bald brach eine Christenverfolgung aus, und Valerian wurde mit seinem Bruder Tiburtius, den er mittlerweile bekehrt hatte, um des Glaubens willen hingerichtet. Einige Zeit später erwarb auch Cäcilia die Siegespalme der Blutzeugen. Erst sollte sie im heißen Dampf eines Badezimmers erstickt werden. Als ihr die Marter aber nichts antat, wurde sie zum Tod durch Enthauptung verurteilt. Der Scharfrichter traf schlecht. Drei Schläge führte er aus, und Cäcilia lebte immer noch. Da ließ man sie liegen, und erst nach drei schmerzvollen Tagen gab sie den Geist auf. Was mag es wohl ein Fest im Himmel gewesen sein, als sie sich, mit dem Gatten Valerian wieder vereinigt, beim Heiland einfand, und dieses Fest dauert heute noch an bis in alle Ewigkeit.

 

Schön wie ein Lied ist die Legende der heiligen Cäcilia, und weil in der schönen Legende viel von Musik die Rede ist, wurde Sankt Cäcilia die Patronin der Sänger und Musiker. Als solche sollen wir sie ehren, wobei wir nicht vergessen wollen, dass das schönste Lied, das der Mensch zum Lobe Gottes singen kann, in einem reinen Leben besteht, wie die heilige Cäcilia es vorgelebt und vorgesungen hat.

 

23. November

 

Der heilige Klemens I., Papst, Apostelschüler und Märtyrer von Rom,

+ 23.11.100 – Fest: 23. November

 

Der heilige Clemens I., Papst von 91 bis 100 und Märtyrer, war in Rom geboren, seinem Geschlecht nach aber ein Jude. Wenigstens sagt er selbst in seinen Briefen, er stamme von Jakob ab. Seine Bekehrung wird dem heiligen Petrus zugeeignet, den er in Cäsarea traf. Auch mit Paulus stand er im innigen Kontakt. Er begleitete den Apostel im Jahr 62 nach Philippi und teilte dort seine Drangsale. Derselbe nennt ihn auch seinen Mitarbeiter und setzt ihn unter die Zahl jener, deren Namen im Buch des Lebens geschrieben seien. Nach Rom zurückgekehrt nahm ihn der heilige Petrus unter seine Jünger auf, und er zeigte sich solchen Glückes würdig, denn er war nicht nur ein Schüler der Apostel, sondern auch der Erbe ihres Sinnes und Wandels. Um das Jahr 91 bestieg er den Stuhl Petri, der vor ihm Linus und Cletus eingenommen hatten. Aber so sehr auch sein Name in der ältesten Kirche gefeiert wird, wissen wir von seiner neunjährigen Wirksamkeit als Papst doch nicht mehr, als dass er sieben Notare in Rom bestellte, die alle Reden, Taten und Kämpfe der Märtyrer aufzeichnen mussten, viele Glaubensboten nach Syrien, Frankreich und andere Länder sendete und selber mit größtem Eifer und Segen an der Bekehrung der Heiden arbeitete. Eine in der Gemeinde von Korinth entstandene Spaltung verursachte seinem väterlichen Herzen herbes Leid, und er erließ an die Korinther ein Schreiben, das so hoch in Ehren gehalten wurde, dass man es noch im 4. Jahrhundert öffentlich in den Kirchen neben der Heiligen Schrift vorlas. Dies liefert den Beweis, dass Rom von jeher als der Mittelpunkt der katholischen Kirche und der dortige Bischof als das allgemeine Oberhaupt anerkannt wurde. Die Verfolgung, die Domitian im vorletzten Jahr seiner Regierung gegen die Christen erhob, wütete besonders in Rom, und dort wurden viele Gläubige, darunter selbst einige aus der kaiserlichen Familie, gemartert und hingerichtet. Eine schwere Last von Sorgen lag damals auf den Schultern des heiligen Papstes, dem die Drangsale der Seinigen das Herz durchschnitten und als treuem Hirten die Pflicht oblag, die Herde in der Standhaftigkeit des Glaubens festzuhalten und für den Kampf zu stärken. Unter Nerva genoss die Kirche den Frieden, aber im Jahr 100 gebot Kaiser Trajan, der doch in anderen Beziehungen Mäßigung und Gerechtigkeitsliebe zeigte, eine neue Christenschlächterei. Es ist kaum zu bezweifeln, dass Clemens damals den Leidenskelch getrunken und sein Blut für Jesus vergossen habe. Rufin, der Papst Zosimus und das Konzil von Bazas (452) legen ihm ausdrücklich den Namen Märtyrer bei. Auch steht er als Märtyrer in dem alten Messkanon der Kirche. Über die Art seiner Pein und seines Todes sind aber nur unverbürgte Sagen auf uns gekommen. Dem römischen Martyrologium zufolge wäre er nach Chersonesus (am äußersten Südwestzipfel der Halbinsel Krim am Schwarzen Meer in der heutigen Ukraine) verbannt und dort später mit einem Anker am Hals ins Meer gestürzt worden. Zu Rom steht eine alte, ihm zu Ehren erbaute Kirche. Er wird auch zu den "„apostolischen Vätern“ gerechnet und hat mehreres geschrieben, wovon noch zwei Briefe als echt vorhanden sind.

 

* * *

 

„Wenn du mich liebst, weide meine Lämmer!“ Mit diesen Worten, durch die einst der Heiland Petrus zum sichtbaren Oberhaupt der Kirche ernannt hat, beginnt die heutige Messfeier. Damit ist schon gesagt, dass der heilige Klemens, dessen Fest wir begehen, ein Nachfolger des heiligen Petrus auf dem Bischöflichen Stuhl zu Rom war. In der Reihe der Päpste hat Klemens an vierter Stelle von 92 bis 101 das Schifflein Petri durch die Stürme der dritten Christenverfolgung unter Kaiser Trajan umsichtig und mutvoll gesteuert.

 

Es war eine glorreiche Zeit, denn es verging kaum ein Tag, an dem nicht christliche Helden um des Glaubens willen Gut und Blut für Christus hingaben. Damit die Schicksale der Blutzeugen, ihre herrlichen Bekenntnisse vor den Richtern und die edle Gesinnung, mit der sie in den Tod gingen, nicht in Vergessenheit gerieten, ordnete Klemens an, dass alle Nachrichten über die heiligen Martyrer genau und wahrheitsgetreu aufgeschrieben werden sollten. Auch hat Papst Klemens an die Christengemeinde in der griechischen Stadt Korinth einen Brief gesandt, in dem er die Gläubigen zur Eintracht mahnte. Teile aus dem Brief sind in früheren Jahrhunderten als Episteln in der Heiligen Messe verlesen worden, wie es heute noch mit den Briefen der Apostel geschieht. Das ist alles, was die Geschichte über den dritten Nachfolger des heiligen Petrus berichtet. Wo aber die Geschichte aufhört, beginnt die Legende, und die Klemenslegende ist schön.

 

In einem Marmorsteinbruch fern von Rom auf der Halbinsel Krim am Schwarzen Meer beginnt die Klemenslegende. Dort schafften in brennender Sonnenglut unter den sausenden Peitschenhieben erbarmungsloser Wachmannschaften zweitausend Christen, die, aus der Heimat verbannt und zu Zwangsarbeit verurteilt, für die kaiserlichen Prachtschlösser schwere Marmorblöcke losbrechen und zersägen mussten. Es war ein bitteres Geschick. Als aber eines Tages, ebenfalls als Verbannter und Häftling, Papst Klemens unter ihnen erschien, wandelte sich das traurige Los in helle Freude, denn nun weilte ein Priester und Bischof, sogar der oberste Bischof, bei ihnen, der sie tröstete und stärkte in der Mühsal, der ihnen das Brot des göttlichen Wortes und in der heiligen Eucharistie das Brot des Lebens reichte. Von Stund an trugen alle leichter an dem schweren Kreuz, das auf den Schultern lastete. Wenn aber die christlichen Helden den greisen Papst bedauerten, weil auch er die menschenmordende Sklavenarbeit verrichten musste, so pflegte Klemens zu antworten: „Ohne meine Verdienste sandte mich der Herr zu euch, um an eurer Krone teilzuhaben.“ Wahrlich, da war ein Held der anderen wert.

 

Besonders litten die gequälten Christen unter dem Mangel an Wasser, das sie bei der großen Hitze zum Trinken und in ziemlicher Menge auch zum Zersägen der Marmorblöcke benötigten. Zwei Stunden weit musste man das Wasser herholen. Da ging Papst Klemens an einem Feierabend auf einen nahen Hügel, um dort zu beten, und während er betete, erschien ein Lamm, unter dessen Vorderfüßen sich eine Quelle auftat. Da war die Not beendet, und groß war die Freude unter den Helden. Die Heiden in jener Gegend aber bekehrten sich daraufhin zum wahren Glauben.

 

Natürlich meldeten die Aufseher den Vorfall nach Rom, und vom Kaiser kam der Befehl, Papst Klemens solle mit einem eisernen Anker um den Hals ins Meer geworfen werden. Also geschah es. Als aber Klemens den Gang zum Meer antrat, beteten die bedrängten und betrübten Christen: „Herr Jesus, rette ihn!“, und Klemens betete dagegen: „Vater, nimm meinen Geist auf!“ War da nicht wieder ein Held der anderen wert?

 

Es geschah also, dass Papst Klemens mit einem Anker um den Hals ins Meer versenkt wurde, und nachher beteten die Gläubigen, am Ufer auf den Knien liegend, Gott möge ihnen wenigstens den Leichnam des Helden an den Strand spülen, damit sie ihn ehrenvoll bestatten könnten. Was aber ereignete sich? Das Meer wich vom Land zurück, und die Christen gingen trockenen Fußes hinaus und stießen auf eine marmorne Kapelle, von Engelshand errichtet, und in der Kapelle erblickten sie ein marmornes Grabmal, und darin lag im Schmuck seiner Würde der heilige Papst Klemens.

 

So endet die schöne Klemenslegende.

 

24. November

 

Die heiligen Flora und Maria,

Jungfrauen und Märtyrinnen von Cordoba, Spanien,

+ 24.11.851 – Fest: 24. November

 

Flora, aus der Ehe einer christlichen Mutter mit einem muhamedanischen Vater geboren, nahm heimlich die wahre Religion an und wurde deshalb von ihrem eigenen Bruder beim Kadi (Richter) angezeigt, der sie unbarmherzig schlagen ließ. Nach dieser Misshandlung gab man sie ihrem Bruder zurück, damit er sie nötige, dem Christentum zu entsagen. Es gelang ihr aber zu entweichen und sich zu einer Schwester in Ossaria zu flüchten. Einige Zeit darauf kam sie jedoch wieder nach Cordoba zurück, wo sie öffentlich zum Gebet die Kirche des heiligen Märtyrers Acisclus besuchte. Dort traf sie eine Benediktinernonne, namens Maria, die Schwester des Diakons und Mönches Walabonsus, dessen als Märtyrer am 7. Juni gedacht wird. Die zwei Jungfrauen voll des Eifers für den Glauben kamen überein, sich selbst anzuzeigen und vor den Kadi zu stellen. Dieser schloss sie nun in ein dunkles Loch ein, in dem man Frauen schändlichen Wandels festzuhalten pflegte. Der heilige Eulogius, der dazumal ebenfalls im Kerker lag, schickte ihnen seine „Ermahnung zum Martertum“. Später vom Kadi einem neuen Verhör unterworfen wurden sie zum Tod verurteilt und am 24. November 851 enthauptet.

 

Der heilige Chrysogonus von Rom, Märtyrer zu Aquileja,

+ 24.11.305 – Fest: 24. November

 

Die Kirche hat den Namen des heiligen Chrysogon in den Messkanon eingereiht. Dieser heilige Märtyrer wurde in Rom verhaftet, lange in Kerkerhaft festgehalten, und in Aquileja während der diokletianischen Verfolgung enthauptet. Seine in das Meer geworfene Leiche sollen Fische ans Land getragen haben. Der heilige Zoilus, ein Priester, hat den heiligen Chrysogonus in seinem Haus begraben. Sein Name steht in dem alten Kalender von Karthago aus dem 5. Jahrhundert, so wie in allen seit jener Zeit geschriebenen abendländischen Martyrologien. Auch wird in einem unter Papst Symmachus gehaltenen Konzil und in den Briefen des heiligen Gregor des Großen eine Kirche erwähnt, deren Patron er war. Diese Kirche ist ein Kardinalspriestertitel. Man bewahrt darin das Haupt des heiligen Chrysogonus, sein Leib aber liegt in Venedig.

 

Der heilige Portian, Sklave und Abt von Miranda, Frankreich,

+ 24.11.533 – Fest: 24. November

 

Der heilige Portian (saint Pourcain) brachte seine ersten Jugendjahre in der Sklaverei zu. Als er später aber die Freiheit erhielt, nahm er in einem unfern der Wohnung seines vorigen Gebieters gelegenen Kloster das Ordenskleid. Nach des Abtes Tod wurde er seiner vorzüglichen Tugenden wegen zum Vorsteher der Genossenschaft gewählt. Seinen christlichen Heldenmut bewährte er in außerordentlichen Bußübungen.

 

Im Jahr 520 verheerte Theodorich, der König von Austrasien, die Landschaft Auvergne. Der heilige Portian erwirkte jedoch, zur Verminderung der allgemeinen Trübsale, den Gefangenen die Freilassung, indem er den feindlichen König durch seine Gegenwart dazu bewog.

 

Der Diener Gottes starb in einem hohen Alter um das Jahr 540, und seine Heiligkeit wurde nach dem Bericht des heiligen Gregor von Tours, durch verschiedene Wunder bestätigt. Das Kloster nahm seinen Namen an, und ihm hat die Stadt St. Pourcain, in Auvergne, ihre Entstehung zu verdanken. Dieses Kloster ist aber schon längst verschwunden, und in letzter Zeit befand sich dort bloß ein der Abtei Tournus in Burgund untergebenes Priorat.

 

Ein Teil der Reliquien des Heiligen kam in die Kirche zum heiligen Martin zu Laigle, in der Normandie, und ein anderer in die Kirche seines Namens in Auvergne. Unser Heiliger wird am 24. November im römischen Martyrologium genannt.

 

Der heilige Augustin Schöffler, Missionspriester und Märtyrer,

+ 1.5.1851 – Fest: 24. November

 

Das hinterindische Kaiserreich Anam, an der Ostküste Asiens gelegen, in dem das Christentum seit 1614 festere Wurzeln zu schlagen begonnen hatte, kann sich fast, was Dauer und Grausamkeit der Verfolgung der heiligen Religion anlangt, dem alten römischen Reich an die Seite stellen. Die Erlasse aus der fünften Verfolgung (1847-1883) unter Kaiser Tu-Duk und ihre Ausübung stehen hinter den Grausamkeiten eines Decius oder Diokletian nicht zurück. So bestimmen die Gesetze von 1851: „Die europäischen Priester werfe man in die Tiefe des Meeres oder der Flüsse zur Ehre der wahren Religion. Die Anamitischen Priester, mögen sie das Kreuz mit Füßen treten oder nicht, sollen mitten entzwei gehauen werden, auf dass jedermann erkenne, wie streng das Gesetz sei.“

 

Das erste Opfer dieses Erlasses gegen die Christen war Augustin Schöffler, nach Name und Herkunft ein Deutscher, der sozusagen erst in der elften Stunde berufen worden war. Was er doch erst kurze Zeit in Anam.

 

Mittelbronn in Deutsch-Lothringen, Kreis Saarburg, ehemals zur Diözese Nancy gehörig, ist die Heimat des Heiligen. Nach Abschluss seiner Studien in Nancy trat Augustin im Jahr 1846, ungeachtet des Widerstandes seiner Eltern, in die Genossenschaft der auswärtigen Missionen ein und trug auch bald seinen Oberen die Bitte vor, nach Tongking, dem nördlichen anamitischen Königreich, gesandt zu werden. Dass dort eben die Träger des Namens Christi verfemt und zum Tode gesucht wurden, das scheint für den gottliebenden Priester gerade den Wunsch rege gemacht zu haben, auf diesem gefährdeten Punkt des göttlichen Weinberges sich opfern zu dürfen. „Welch eine Gnade würde das sein“, schrieb er einmal, „wenn auch mich das Schwert der Verfolgung treffen würde!“ „Bisher hatte ich es nicht gewagt, um diese Gnade zu bitten, aber jetzt biete ich Jesus täglich mein Blut im heiligen Opfer an als Gegengabe für jenes, das er für uns vergossen hat.“ Am 1. August 1847 reiste Schöffler von Antwerpen aus in die Mission ab. Fünf Monate dauerte die mühevolle Fahrt; sie bedeutete allein schon ein Opfer. Gefährlich war die Landung; doch sie gelang. Nachdem sich der junge Missionar im Gebrauch der anamitischen Sprache zu behelfen gelernt hatte, nahm ihn der Apostolische Vikar, Bischof Retord, auf seinen Reisen in der Provinz Ke-Bang mit sich, um ihn mit der apostolischen Lehr- und Lebensweise bekannt zu machen. „Tag und Nacht predigen wir“, schrieb Schöffler über diese Erstlingserfolge nach Hause, „wir hören Beichte und singen feierliche Ämter bei einem ungeheuren Zulauf von Christen und sogar Heiden. Jesus und Maria haben unsere Bemühungen gesegnet, denn wir haben eine weit reichere Ernte zu verzeichnen als in irgendeinem der vergangenen Jahre.“ Über die selbstständige Arbeit des jungen Missionars und seine Erfolge im Bezirk von Xu-Doai Ende 1849 und 1850 berichtet Bischof Retord mit großer Anerkennung. Dabei hatte Schöffler viel von Krankheit zu leiden, und es fehlte in drei Fällen nur wenig, dass er in den Armen seines Oberhirten gestorben wäre. So reifte der Opferwille des heiligen Märtyrers immer hingebungsvoller heran; nur allzu bald nahm der Herr das Opfer des Lebens entgegen, das sein treuer Diener so oft schon und so freudig angeboten hatte.

 

Im Jahr 1850 bereits schien sein Los entschieden. Bischof Retord und Schöffler mussten vor den Verfolgern flüchten und drei Tage und Nächte in einer Barke auf dem Roten Fluss zubringen. Sie waren dann nach Ke-Nap geflohen, hier aber entdeckt und umzingelt worden. Nur durch die List der Christen, die sich in größter Sorge und Erregung auf die Verfolger warfen und sie durch Unterhandlung hinhielten, war es gelungen, Bischof und Missionar zu retten. Jetzt aber, am 1. März 1851, sollte wenigstens Augustin seinen Feinden nicht mehr entrinnen. Der Polizeikommissar hatte von dem Aufenthalt eines Europäers in Bau-No und seiner Abreise in die nördlichen Orte Kunde erlangt. Er beschloss seine Gefangennahme und stellte zu dem Zweck Leute auf die Lauer, während er selbst mit anderen in der Umgegend anscheinend eine Hirschjagd hielt. Den Christen waren die Absichten der Heiden wohl bekannt. Sie erlagen aber der Täuschung, insofern sie glaubten, jene würden zur Ausführung ihres Vorhabens die Nachtzeit wählen. Daher wurde beschlossen, Schöffler sollte noch bei Tag abreisen und ihm ein einheimischer Priester mit zwei Zöglingen vorausgehen. Diese wurden von den vermeintlichen Jägern aufgegriffen und, da sie einige zur Spendung der Sakramente nötige Gegenstände mit sich führten, als Freunde des Missionars erkannt und hinter dichtes Gebüsch abgeführt. Schöffler, der von dem Geschehenen nicht in Kenntnis gesetzt werden konnte, ging den ihm auflauernden Häschern in die Schlinge. Seine Begleiter entflohen in vollem Lauf. Ruhig stand er inmitten der Soldaten, die unwillkürlich inne hielten. Als der Anführer Befehl gab, ihn zu peitschen, fragte Augustin gelassen: „Warum denn, ich leiste eurer Gewalt doch keinen Widerstand!“ Er wurde gebunden und zusammen mit den vorher Gefangenen zur Polizei geführt. Der Beamte, dem es um Gewinn zu tun war, forderte einen Gold- und hundert Silberbarren, das ist 12000 Franken und ließ sich nicht von dem Glauben abbringen, einen reichen Europäer vor sich zu haben. Da schien plötzlich ein Freudestrahl über Schöfflers Antlitz zu huschen. „Nun denn“, sprach er, „wenn ihr eine so große Summe wollt, so gebt meinen Freunden die Freiheit, dass sie das Geld holen können. Ich bleibe inzwischen zum Unterpfand da.“ Die Gefangenen wurden freigegeben; sie kamen natürlich nie wieder. Wohl versuchte der eingeborene Priester von den Christen einiges Lösegeld zusammenzubringen, doch ließ man ihn nicht mehr in die feindliche Gewalt zurückkehren, sondern brachte ihn in Sicherheit. Das wollte ja auch der edle Missionar. Mit Klugheit hat er die hinterhältigen Beamten überlistet, die ihn und die Seinen auch nach Zahlung des schwersten Lösegeldes nicht freigelassen hätten. August Schöffler bietet uns das Bild heroischer Hingabe und heldenmütiger Selbstaufopferung für die Seinen, er ist ja ein getreues Abbild des guten Hirten, der sein Leben hingibt für seine Schafe.

 

Nun war das Leben doppelt verwirkt. Indessen wurde er vor Gericht und im Gefängnis menschlich behandelt. Die Geschenke, die sein guter Oberhirte den Beamten geben ließ, verschafften ihm manche Milderung. Weder Foltern noch Fesseln kamen in Anwendung. Doch war ihm der Verkehr mit der Außenwelt völlig abgeschnitten, um keinen Anlass zu einem Befreiungs- oder Fluchtversuch zu geben. Nur mit Mühe gelang es einem Katecheten als Soldat verkleidet zu dem Heiligen zu gelangen und ihm Briefe mehrerer Missionare zu überbringen. Ungleich größeren Trost und Freude verursachte ihm der Besuch eines einheimischen Priesters, der als Optiker und Brillenhändler verkleidet zu dem Gefangenen vorzudringen vermochte und ihm die Gnade der heiligen Sakramente brachte. Frohen Sinnes trug er seine Gefangenschaft. Er versuchte sogar in heiligem Seeleneifer seine Umgebung mit den christlichen Glaubenswahrheiten bekannt zu machen.

 

Endlich kam der Tag, der dem Heiligen die Märtyrerpalme reichen sollte. Es war der erste Mai. Der Mandarin ließ gleich zwei Regimenter zusammenziehen, um die Christen einzuschüchtern. Die Wegführung des Missionars rief selbst unter den Dienstleuten und Gefangenen großen Schmerz hervor, so sehr hatte er sich durch seine Güte und Geduld die Liebe aller erworben. Der Blutzeuge des Herrn hingegen empfand eine unaussprechliche Freude. Er warf seine Sandalen weg, um schneller dem Tod entgegengehen zu können, und schritt triumphierend zwischen zwei Kompagnien zu je fünfzig Mann strahlenden Antlitzes und erhobenen Hauptes einher, seine Ketten hoch in die Höhe haltend und innig betend. Der größte Teil der ihn umgebenden Volksmenge war von Bewunderung ergriffen. „Welch ein Held“, sagten die Leute, „er geht zum Tod wie andere zu Festlichkeiten.“ Am Hinrichtungsort kniete der Märtyrer einen Augenblick zum Gebet nieder, nahm sein kleines Kruzifix und küsste es dreimal mit liebeerfülltem Herzen. Dann zog er sein Oberkleid aus, schlug das Hemd bis auf die Schulter zurück und sagte zum Scharfrichter: „Tut schnell Eure Pflicht.“ Doch die Hand des Henkers zitterte; zweimal hob er das Schwert und ließ es wieder sinken, erst beim dritten Streich fiel das Haupt. Die Zuschauer, beinahe alle Heiden, stürzten sich, statt wie es sonst üblich war davon zu laufen, auf den Märtyrer, stritten sich um seine Kleider, seinen Turban und den Strick, womit seine Hände gebunden waren. Selbst das Gras riss man aus, das von seinem Blut besprengt worden war. Das Volk erkannte eben gut, dass man hier nicht einen Verbrecher zu Tode geführt, sondern einen Helden, einen Heiligen, von dem alles ehrwürdig und heilbringend ist. Das Haupt des heiligen Märtyrers wurde in die Tiefe des nahen Flusses geworfen, wo es trotz aller Bemühungen der Christen nicht mehr aufzufinden war, der am Ort der Hinrichtung aber begrabene Leib konnte wieder erhoben und ehrenvoll beigesetzt werden.

 

Die feierliche Seligsprechung von 77 Märtyrern aus Anam und China durch Papst Leo XIII. fand am 27. Mai des Jubeljahres 1900 statt und seine Heiligsprechung 1988 durch Papst Johannes Paul II. Sein Fest wird am 24. November gefeiert.

 

„Die Feier zu Ehren der Märtyrer besteht in der Nachahmung ihrer Tugenden. Etwas Leichtes ist es, die Märtyrer zu ehren; aber etwas Großes, ihren Glauben und ihre Geduld nachzuahmen.“ (St. Augustinus)

 

25. November

 

Die heilige Katharina, Jungfrau und Martyrin von Alexandria,

+ 25.11.307 ? - Fest: 25. November

 

Katharina stammte aus königlichem Geschlecht und wurde im 4. Jahrhundert in der Gelehrtenstadt Alexandrien geboren. Reich war sie und schön; aber weit mehr als Reichtum und Schönheit schätzte sie die Wissenschaft. Tag und Nacht lernte sie und las viele Bücher. Auch wurde sie nicht müde, auf die gelehrten Reden weiser Männer zu lauschen, und über alles, was sie hörte, dachte sie nach. So kam es, dass sie mit der Zeit unvorstellbar klug wurde und auf alle Fragen, die man an sie richtete, eine gute Antwort wusste. Die Leute staunten über sie und vermochten es kaum zu begreifen, dass ein Mädchen so klug sein konnte.

 

Was Katharina wusste, war allerdings nur irdische Wissenschaft, denn sie war eine Heidin, die von der himmlischen Weisheit noch nichts gehört hatte. Von einem Einsiedler wurde sie im wahren Glauben unterrichtet und zum Christentum bekehrt. Da erkannte sie, dass der heilige Apostel Paulus Recht hatte, als er schrieb, die Weisheit dieser Welt sei vor Gott nur Torheit. Ohne Unterlass las Katharina in den heiligen Schriften und wurde dadurch auch in den Wahrheiten der heiligen Religion so bewandert, dass sie sich schließlich nirgendwo besser auskannte als im Katechismus.

 

Um jene Zeit brach in Alexandrien eine Christenverfolgung aus, und auch Katharina sollte gezwungen werden, vor einem Götzenbild im Tempel Weihrauch zu streuen. Sie tat es aber nicht, vielmehr setzte sie dem Kaiser, der zugegen war, mit klugen und tapferen Worten auseinander, dass der Götzendienst Lug und Trug sei.

 

Der Kaiser erzürnte sich über die Rede, aber widerlegen konnte er sie auch nicht, und weil er sich selbst nicht mehr zu helfen wusste, ließ er die gelehrtesten Männer aus der Stadt, fünfzig an der Zahl, zusammenrufen und trug ihnen auf, die Weisheit des Christenmädchens zu besiegen.

 

Anfangs hatte Katharina einen harten Stand, denn sie sah sich allein fünfzig Männern gegenüber, aber Gottes Weisheit sprach aus der klugen Jungfrau, und sie redete so hell und klar, so warm und überzeugend, dass nicht sie von den Gelehrten, sondern die Gelehrten von ihr besiegt wurden. Samt und sonders bekehrten sich die Männer zum Christentum.

 

Da kannte des Kaisers Wut keine Grenzen mehr. Katharina wurde gegeißelt und in den Kerker geworfen. Zwölf Tage lang ließ man sie ohne Speise und Trank, aber ein Engel erschien und stärkte sie. Dann sollte Katharina zu ihrer Peinigung auf ein Rad gespannt werden, das mit krummen Messern versehen war. Doch kaum hatte sie das Marterwerkzeug berührt, da brachen die Speichen, und das Rad sprang auseinander. Schließlich wurde die heldenhafte Blutzeugin enthauptet, und als sie tot war, kamen Engel, nahmen den heiligen Leib, trugen ihn nach dem Berg Sinai und begruben ihn dort, wo einst Gott auf zwei steinernen Tafeln die wahre und einzige Weisheit der Zehn Gebote verkündet hat.

 

Von dieser Zeit an wird die heilige Katharina als die Patronin der Gelehrten hoch geehrt, und das geschieht mit Recht, denn dadurch, dass sie sich in der wahren Religion gut auskannte, hat sie die höchste Weisheit gefunden, die es gibt. Die höchste Weisheit lernt man aus dem Katechismus.

 

Die heilige Betha

(Elisabeth von Reute, Gute Beth, Elsbeth Achlerin, Bona: die Gute),

Nonne von Reute,

+ 25.11.1420 – Fest: 25. November

 

Manch schönes Blümchen blüht auf einsamer Heide oder auf steiler Bergeshöhe ungesehen von den Augen der Weltmenschen, die nur der Glanz einer prunkenden Blüte anzieht, aber das Auge des Himmels blickt mit Wohlgefallen auf das einsame Blümchen und der Tau des Himmels erquickt es über Nacht. Einer solchen lieblichen und duftigen Blüte glich die Jungfrau, deren Gedächtnis der heutige Tag feiert.

 

In der Stadt Waldsee in Schwaben lebte ein ehrbarer Bürger, namens Hans Achler, dem seine fromme Gattin mehrere Kinder schenkte, von denen die am 25. November 1386 geborene Tochter in der heiligen Taufe den Namen Elisabeth erhielt. Dieses Kind wuchs in wunderbarer Anmut und Liebenswürdigkeit heran und übertraf alle ihre Freundinnen an Unschuld, Frömmigkeit und himmlischen Streben.

 

Zur blühenden Jungfrau gereift, trat sie in den Dritten Orden des heiligen Franziskus, sagte den Lüsten der Welt für immer Lebewohl und strebte mit freudigem Mut nach höherer Vollkommenheit. Da aber das Gesinde in ihrem Elternhaus öfters ausgelassene Reden führte, und das zarte Gewissen der unschuldigen Jungfrau Schaden zu leiden fürchtete, verließ sie ihre Heimat, eingedenk der Worte des göttlichen Heilandes: „Willst du vollkommen werden, so verlasse Vater und Mutter, Schwester und Bruder und alles, was du hast und komm und folge mir nach!“ Die Eltern waren über die Entfernung ihrer Tochter sehr ungehalten und entzogen ihr jegliche Hilfe. Elisabeth oder „die gute Betha“, wie man sie gewöhnlich nannte, sah sich genötigt, das Weben zu erlernen, um damit ihren Lebensunterhalt zu gewinnen, aber der Lohn war so gering, dass sie kaum ihr Leben fristen konnte. Gar oft nahm sie auf, was Hund und Katze übrig ließen, um mit dieser elendesten Speise ihren Hunger zu stillen.

 

Ihr langjähriger Beichtvater richtete für sie und einige andere fromme Schwestern ein Klösterchen in Reute bei Waldsee ein, damit sie vollkommener Gott dienen können. Hier lebte sie bis zu ihrem seligen Tod und wurde in wunderbarer Weise von Gott begnadigt. All ihr Tun vereinigte sie mit dem bitteren Leiden Jesu Christi. Spann sie, so betrachtete sie mit großem Mitleid, wie ihr himmlischer Bräutigam unbarmherzig mit Stricken gebunden und geschlagen und an den Haaren gerissen wurde, trug sie Holz, so dachte sie an das schwere Kreuz, das Christus zum Kalvarienberg schleppte, war sie allein, so erinnerte sie sich der Verlassenheit Jesu von seinen Jüngern. Sie versenkte sich so tief und mitleidig in das Leiden des göttlichen Heilandes, dass sie in übermäßigem Seelenschmerz erkrankte. Nach einiger Zeit brach ihr die linke Seite auf und es floss reichlich Blut heraus. Darauf erhielt sie die Wundmale Christi in Händen und Füßen. Um ihr Haupt bildete sich ein Wundenkranz, als ob sie mit Dornen gekrönt sei. Zu gleicher Zeit wurde ihr ganzer Körper vom Scheitel bis zur Fußsohle mit so viel Wunden bedeckt, als ob sie mit scharfen Geißeln zerschlagen worden wäre. Besonders an den Freitagen, und in der Fastenzeit an jedem Tag, floss reichlich Blut aus ihren Wundmalen und wurde von vielen Personen beobachtet. Wenn man mit ihren Qualen Mitleid empfand, pflegte sie zu sagen: „Ach, Herr, schone mich nicht. Gib mir dein Leiden zu erkennen und auch zu empfinden, so viel wie möglich. Hier in der Zeit kann niemand dein Leiden ergründen, aber am Jüngsten Tag wird es offenbar, den Guten zu ewiger Freude, den Bösen zu ewiger Verdammung.“ In ihren unermesslichen Leiden rief sie oft aus: „O Herr, ich danke dir für deine Gnade, dass du mir dein heimliches inniges Leiden, das vielen gelehrten und ungelehrten Menschen verborgen ist, offenbart hast.“ Es wurde ihr von Christus auch offenbart, dass ihm die Dornenkrone außer vielen anderen kleineren Wunden besonders sieben tiefe Dornenstiche versetzt habe. Diese Wunden erschienen auch an ihrem Haupt.

 

In der Betrachtung des Leidens Christi wurde die gute Betha oft im Geist verzückt. Dann lag ihr Leib ohne Empfindung und Bewegung, ohne Atem und Gebrauch der Sinne zwei oder drei Tage, dann brach ihr blutiger Schweiß aus, und wenn man sie fragte, wo sie so lange gewesen sei, erzählte sie von der Seligkeit, die sie empfunden habe in der Anschauung des dreieinigen Gottes und im Verkehr mit Maria und den Seligen des Himmels. Als man ihr entgegnete, warum sie denn in jener Freude nicht geblieben sei, antwortete sie, je mehr Tugenden einer auf Erden gewinne, desto herrlicher sei der Lohn.

 

Öfters hörte die gute Betha ein Vöglein so süß singen, dass ihr vor Freude das Herz zerspringen wollte. Ging sie zum Tisch des Herrn, so verharrte sie gewöhnlich längere Zeit in seliger Verzückung. Immer war ihr aber das Mitleid mit dem kreuztragenden Bräutigam ihrer Seele lieber, als die Verzückung. Nach dem Grund gefragt, antwortete sie: „Nach dem Schauen kann der Begnadete leicht in geistliche Hoffart verfallen, so dass er alles Verdienst verliert, aber im Leiden Christi bleibt man im Leiden und Verdienen.“

 

Am St. Katharinentag war die gute Betha geboren, an demselben Tag starb sie auch in einem Alter von 34 Jahren. Als sie ihr Ende nahe fühlte, sprach sie zu ihrem Beichtvater und ihren Mitschwestern: „Zündet die Kerzen an und lest mir die Leidensgeschichte Jesu.“ Bei den Worten: „Er gab seinen Geist auf“, verschied sie ruhig und selig am 25. November 1420. Vor ihrem Tod sprach ihr frommer Beichtvater zu ihr: „Gute Betha, bitte unseren Herrn, dass er die große Gnade offenbar mache, die er dir in dieser Zeit erwiesen hat.“ Sie erwiderte: „Ich will Gott mit größtem Fleiß bitten, dass es immer offenbar werde. Man hat das Leben Christi und Mariä und der zwölf Boten und anderer Heiligen; ich bin ein armer Mensch.“ Aus diesen Worten kann ihre tiefe Demut erkannt werden.

 

26. November

 

Der heilige Konrad von Konstanz, Bischof und Bekenner,

+ 26.11.976 - Fest: 26. November

 

Um das Jahr 900 wurde in Schwaben ein Grafensohn geboren, Konrad mit Namen, der als der heilige Konrad im Gedächtnis der Nachwelt fortlebt. Als Patron der schönen und altehrwürdigen Stadt Konstanz am Bodensee und als Patron des großen Erzsprengels Freiburg im Breisgau wird der Heilige namentlich in Baden, aber auch in den angrenzenden Ländern vom katholischen Volk alljährlich am 26. November gefeiert.

 

Gute Eltern gaben dem jungen Grafen in strenger Liebe eine gediegene christliche Erziehung, die an der Domschule zu Konstanz Fortsetzung, Vollendung und Krönung erhielt. Nur damit waren Vater und Mutter nicht einverstanden, dass sich Konrad für die geistliche Laufbahn entschied. Lieber hätten sie es gesehen, dass aus ihm ein tüchtiger Staatsmann, mächtig in Wort und Tat, geworden wäre. Es kam ihnen daher schwer an, der Berufswahl des Sohnes zuzustimmen. Überreich aber hat Gott das Opfer der Eltern belohnt, denn aus ihrem Konrad wurde ein Heiliger, und das ist ein Ruhm, der alle irdischen Ehren weit überstrahlt.

 

Der schwäbische Grafensohn empfing die heilige Priesterweihe, wurde Domherr, und mit gut dreißig Jahren war er Bischof von Konstanz. Für Konstanz war der junge tatkräftige Bischof, der sich zudem an Leib und Seele als ein rechtwinkeliger Mann erwies, vonnöten, denn Konstanz war zu der Zeit das größte Bistum in Deutschland und reichte von Stuttgart im Norden bis tief in die Alpenberge der Schweiz und vom Rhein bis weit nach Bayern, und weil Eisenbahn, Autos und Flugzeuge noch unbekannte Dinge waren, hatte der Bischof von Konstanz auf den Firmungsreisen Spitzenleistungen zu vollbringen, die heute noch Aufsehen erregen können. Da war wohl ein junger und kräftiger Bischof recht am Platz.

 

Zweiundvierzig Jahre lang hatte Bischof Konrad die Firmungsreisen landauf und landab gemacht, hat dabei überall seiner Pflicht gemäß nach dem Rechten gesehen und war ein treuer Hirte und Hüter der Herde Christi. In Konstanz erbaute er drei Kirchen und ein Spital, und dass er dabei arm wurde, sah er als eine Ehre an. Dreimal wallfahrtete Konrad zum Heiligen Land, um an den Stätten, wo der liebe Heiland lebte, seiner gemütstiefen Christusliebe Genüge zu tun. Am 26. November 975 starb Bischof Konrad von Konstanz, aber im gleichen Augenblick, da die Geschichte über ihn schweigt, beginnt die Legende goldene Fäden um die Person des Heiligen zu spinnen.

 

Mit einem Jungen, der Gebhard hieß, beginnt die Konradslegende. Gebhard, der Sohn des Grafen von Bregenz, war Domschüler in Konstanz und gehörte natürlich auch zu den Edelknaben des lieben Heilandes, worunter die Messdiener zu verstehen sind. Eines Tages leistete sich Gebhard einen echten Messdienerstreich. Eben war ein bischöfliches Amt gewesen, bei dem Gebhard fromm und mit Ehrfurcht, wie es sich gehört, diente. Als sich nachher die Kirche geleert hatte, setzte sich der Domschüler, in der Meinung, es sei niemand mehr zugegen, in vollem Messdienerornat auf den bischöflichen Thron, saß da recht würdevoll, machte Verbeugungen nach rechts und nach links und gab mit der Hand langsam und feierlich den bischöflichen Segen, vorschriftsgenau nach drei Seiten hin. Bischof Konrad, der für den Kommuniondank unbemerkt noch hinter einem Pfeiler kniete, hatte Gebhards Tun beobachtet, und schelmisch lächelnd rief er dem Domschüler, der beim Klang der bekannten Stimme erschrocken auffuhr, die Worte zu:

 

„Junge, du hast dich zu früh auf den Thron gesetzt. Warte noch ein Weilchen! Erst wenn nach mir dort ein anderer saß, bist du an der Reihe.“

 

So sprach der gute Bischof Konrad, und also geschah es auch. Gebhard von Bregenz wurde Konrads zweiter Nachfolger auf dem Bischofsstuhl zu Konstanz und wurde ebenso wie Konrad ein Heiliger. Also können auch Messdiener Bischöfe und Heilige werden.

 

Weiter berichtet die Legende, dass dem heiligen Konrad einst am Osterfest nach der heiligen Wandlung eine Spinne, die man damals noch als giftig ansah, in den Kelch fiel. Was tat Sankt Konrad? Aus Ehrfurcht gegenüber dem Blut des Herrn entfernte er das Tier nicht, sondern trank es bei der heiligen Kommunion mit dem heiligen Blut. Solche Ehrfurcht bezeigen heilige Menschen dem lieben Heiland im Altarsakrament.

 

Schließlich muss noch kurz erwähnt werden, was die Legende von der Engelweihe in Einsiedeln berichtet. Als nämlich Bischof Konrad die neuerstellte Kirche dortselbst einweihen wollte, tat es an seiner Statt in der Nacht vorher der Heiland selbst in Begleitung der Mutter Gottes und vieler Engel und Heiligen. Deshalb ist Maria Einsiedeln in der Schweiz ein Gnadenort, wie es in dieser Art keinen zweiten gibt.

 

Der heilige Silvester, Abt und Ordensstifter, Italien,

+ 26.11.1267 - Fest: 26. November

 

Man findet insgesamt sieben Heilige und einen Seligen mit dem Namen Silvester. Der bekannteste war ein Papst, der heutige ist ein Abt. Der Papst Silvester schließt am 31. Dezember das bürgerliche Jahr, und der Abt Silvester, dessen Fest wir heute begehen, steht am Schluss des Kirchenjahres.

 

Wenn man an einen Abt denkt, stellt man sich einen weißhaarigen Mann im langen faltenreichen Klosterkleid vor, der den irdischen Dingen entrückt ist und der uns fremd gegenübersteht. Bei diesem Gedanken darf man jedoch nicht vergessen, dass der alte Abt einmal jung war und mit Auge und Ohr und mit Wonne und Lust das Leben und die Erdendinge liebte wie alle Menschen. Geradeso verhielt es sich mit dem Heiligen vom heutigen Tag.

 

Silvester Guzzolini, ein Italiener, wurde um das Jahr 1177 als Spross eines reichen und angesehenen Adelsgeschlechtes geboren. Über der Kindheit stand hell und warm wie die Sonne die Liebe guter Eltern. Als junger Mann studierte Silvester auf der Hochschule zu Bologna die Rechtswissenschaft, und weil er einmal ein tüchtiger Mann werden wollte, war er fleißig und strebsam für drei. Trotzdem konnte man von Silvester Guzzolini nicht sagen, dass er ein Stubenhocker und Bücherwurm war, denn der junge Mann gab sich gern den Freuden der Welt hin, liebte den Scherz und die Geselligkeit und galt viel als guter Tänzer und drolliger Spaßmacher.

 

Da schied plötzlich Silvesters bester Freund aus dem Leben. Gestern strotzte er noch von Gesundheit, heute starb er, und drei Tage später begrub man ihn. Bevor man den Verstorbenen in die Erde senkte, sah sich Silvester ihn noch einmal an, lange und gründlich, und es schien, als habe der Tote dem Lebenden unhörbar, aber eindringlich etwas Ernstes gesagt, denn bald nach dem Begräbnis des Freundes verließ Silvester die Welt mit ihrer Lust und Pracht, ging in die Einsamkeit, gründete ein Kloster und stiftete nachher einen neuen Orden. Betend und büßend verbrachte er den Rest des Lebens, betätigte sich auch eifrig in Predigt und Beichthören und war dabei ein inniger Verehrer des eucharistischen Heilandes und der lieben Mutter Gottes, bis er im Alter von neunzig Jahren seine heilige Seele in die Hände des Schöpfers zurücklegte.

 

Silvester hat sich also auf die stumme Zwiesprache hin, die er mit dem verstorbenen Freund im offenen Sarg hielt, von aller Pracht und Lust der Welt freigemacht. Welche ernsten Worte mag denn damals wohl der Tote dem Lebenden gesagt haben?

 

Die Antwort auf die Frage ist nicht schwer, denn alle Verstorbenen reden die gleiche Sprache von der Vergänglichkeit und Nichtigkeit der Erdendinge und davon, dass nur eins notwendig ist, und diese einzige Notwendigkeit besteht darin, dass der Mensch seine Seele rette.

 

Der heilige Petrus, Patriarch und Märtyrer von Alexandria,

+ 26.11.311 – Fest: 26. November

 

Der heilige Petrus, Patriarch zu Alexandria und Märtyrer, den Eusebius die Zierde der Bischöfe und einen vortrefflichen Lehrer der christlichen Religion nennt, wurde im Jahr 300 auf den Stuhl der genannten Stadt erhoben und stand seiner Kirche zu einer Zeit vor, wo einerseits die heidnischen Kaiser blutige Gesetze zur Austilgung des Glaubens erließen, andererseits Irrlehren und Spaltungen unter der Herde Jesu selbst Verderben stifteten. Aber je größer die Gefahr war, desto mehr Eifer zeigte er für die Aufrechterhaltung der Kirchenzucht, desto sorgsamer hielt er Wache über die ihm anvertrauten Seelen. Es gab damals für die Bekenner nur die Wahl zwischen Tod und Abtrünnigkeit. Darum ermunterte der heilige Bischof die Seinigen, mit Gebet sich zu stärken, und flößte ihnen Trost und Mut ein. Und so ertrug weitaus die Mehrzahl der Christen zu Alexandria die Verfolgung mit Standhaftigkeit und erbebte nicht vor der Folter und dem Richtschwert. Schier größere Sorge noch, als die Wut der Heiden, machte dem frommen Patriarchen das große Ärgernis, das Meletius, der unwürdige Bischof von Lycopolis, gab, als er vom wahren Glauben abfiel und Urheber des nach ihm genannten Schisma wurde, das durch hundertundfünfzig Jahre den Frieden der Kirche störte. Der Abtrünnige konnte seinen Unfug zu jener Zeit ohne Störung ausüben, weil die rechtmäßigen Bischöfe von der heidnischen Obrigkeit vertrieben worden waren, und Petrus selbst in der Wüste Zuflucht gesucht hatte. Unter seinen Anhängern gewahrte man auch jenen Arius, der späterhin als das Haupt der Ketzer in der Kirchengeschichte zu einer so traurigen Berühmtheit gelangte. Der heilige Epiphanius erzählt uns, dass Petrus unter der Regierung des Kaisers Galerius Maximian des Glaubens halber eingekerkert, bald aber wieder in Freiheit gesetzt worden sei. Doch Maximin Daja erneuerte 311 die Christenverfolgung, und als er nach Alexandria kam, ließ er den Patriarchen ergreifen und ohne alle Gerichtsformen enthaupten. Mit ihm starben als Märtyrer viele Priester und Bischöfe.

 

27. November

 

Der heilige Eremit Barlaam, Priester, Einsiedler in Vorderindien,

+ 27.11.383 ?,

und Josaphat, Prinz und Bekenner von Indien,

+ 27.11. 383 ?

Fest: 27. November

 

„Ich werde vernichten die Weisheit der Weisen, und vereiteln die Klugheit der Klugen“, sprach einst Gott durch Jesaja. Dies sehen wir erfüllt in folgender Legende, die den heiligen Johannes von Damaskus zum Verfasser hat.

 

Es geht die Sage um in den alten Geschichten von Indien, dass sich aus den Wüsten Thebais einige Einsiedler bis in das Land der Hindus begaben und dort Christus-Bekenner aus allen Kasten gewannen, deren viele sich, wie ihre Apostel aus Ägypten, in der Einsamkeit göttlicher Beschauung widmeten. Ihre Zahl war nicht gering, und Fürsten fingen an, der neuen Religion ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Da erhob sich Abener, ein gewaltiger König (in Indien an den Grenzen Persiens), zur Verfolgung der Christen. Er ehrte Brama (ihren Gott) und verschmähte keine Blume sinnlicher Vergnügen. So reich sein Staatsschatz war, und seine Kleidung von Gold und Edelsteinen strotzte, so arm war seine Seele an Weisheit. Darum sagte ihm einer der Fürsten, der befragt wurde, warum er Christ geworden sei: „In meiner Jugend wurde ein Wort in meine Seele gelegt, das fasste Wurzel, ging auf und brachte Frucht zu seiner Zeit; das Wort aber ist: die Menschen sind so törichten Sinnes, dass sie das, was ist, verachten, als wenn es nicht wäre; aber was nicht ist, lieben, als ob es etwas sei. Wer das Wesen der Dinge nicht verkostet hat, der wird die Natur des Vergänglichen nicht kennen. Kann man aber das für Nichts schätzen, was man nicht kennt? Du, o König! Du hast dein Herz an das Nichts geheftet, wie magst du denn das Nichts verachten lernen?“ Dem König wurde sein Wunsch erfüllt, er erhielt einen Sohn, dem gab er den Namen Josaphat. Und weit umher ging die Sage, Vischnu (der große Gott der Inder) sei in Josaphat Mensch geworden; denn himmlisch schön und einer Gottheit ähnlich war seine Bildung. Die Stunde der Geburt wurde am Himmel geschaut, und einer der Sterndeuter weissagte in der Versammlung der Weisen dem König: „Größer wird der Sohn werden, als der Vater, und eine viel tausendmal größere Monarchie wird er beherrschen; den Thron seiner Herrlichkeit wird er aber in einem anderen Reich aufschlagen.“ Der königliche Vater ahnte aber, dass sein Sohn die Seuche der neuen Religion ergreifen werde. Er sperrte ihn daher in einen Palast einer entfernten Stadt. Alles, was das Leben verschönert, umgab ihn, und sogleich wurde alles entfernt, was den Liebling mit dem Ungemach der Sterblichen bekannt machen könnte. Der Junge wuchs. Immer edler und reizender wurde seine Gestalt, immer mehr entfaltete sich seine schöne Seele. Er wurde auch stark wie ein Löwe, erfahren in der Weisheit der Braminen, in der Wissenschaft der Perser, ein Gegenstand der Bewunderung für die Lehrer und seinen Vater. Doch war dem Sohn nicht wohl, immer eingesperrt zu sein; er fragte nach der Ursache und entdeckte sie durch Geschenke von einem Bediensteten: der Vater fürchte, er möchte von der Seuche der Christen angesteckt werden, und sei ihnen abhold, und lasse sie umbringen, wo er einen finde. Da wurde Josaphat nachdenklich, traurig und kränklich. Der Vater kam zu ihm, und der Sohn sagte: „Warum soll ich nicht ausgehen dürfen, meine Lebenstage in Kummer und Traurigkeit verleben?“ Und der König gab ihm, wiewohl traurig, die Erlaubnis außerhalb des Palastes spazieren zu gehen; jedoch befahl er voller Sorge jeden Anblick des menschlichen Elends von ihm fern zu halten, und alles, was ihn erschrecken könnte. Josaphat ritt nun aus im glänzenden Wagen, mit großem Hofstaat, vor ihm her Musik und Schauspiel; aber nebenbei standen trotz aller Vorsicht, so fügte es Gott, ihm vor den Augen zwei Bettler, einer aussätzig, der andere blind, in ärmlicher, das Elend verratender Gestalt. Der Prinz fragte mit Bedacht: „Was sind das für Leute und welche Lebensweise führen sie?“ Und eine Frage folgte der anderen: „Woher das? Wie lange das? Sind noch viele, die so leben?“ Man gab ihm kluge, aber nicht beruhigende Antworten, und der Prinz wurde immer ernster und betrübter, so dass seine Lebensfarbe welkte. Bald danach erblickte er einen Greis und mit ihm das abzehrende Alter und das Ende des Lebens. Da fiel Nacht in die Seele Josaphats, er sah die Gebrechen des Lebens, die Krankheiten, den Tod in der Nähe, und nach dem Tod was? – Das wusste er nicht. Schwerer Kummer lag auf seinem Herzen; doch er verbarg ihn vor seinem Vater.

 

In den Einöden von Sennaar lebte ein Priester in stätem Umgang mit Gott. Groß war sein Geist und sein Herz eine Wohnstätte des Heiligen. Barlaam (so war sein Name), sah in einem Gesicht den Königssohn Josaphat, vernahm den Willen Gottes, machte sich auf und kam in Kaufmannskleidung in seine Residenzstadt, ging zu seinem Hofmeister und sagte: „Dein Knecht bringt aus fernem Land einen überaus köstlichen Edelstein, der seines gleichen nirgends findet, und er hat die Eigenschaft, den Geistigblinden das Auge der Weisheit zu öffnen, das Ohr zu schärfen, die Töne einer anderen seligen Welt zu hören, Seelenkrankheiten zu heilen, die feindseligen Geister des Abgrunds zu vertreiben.“ „Fremdling!, sprach der Hofmeister, hättest du nicht ein so ehrliches Gesicht, ich glaubte, du spottest.“ „Noch eins darf ich nicht vergessen“, versetzte der Kaufmann, „nur schuldlose Seelen und reine Augen vermögen den Wunderstein zu schauen, jeder andere würde vollends daran erblinden.“ „So bringe den Stein dem Prinzen“, entgegnete der Diener, „der hat eine kindliche Seele und ein reines Auge; das meine ist trüb, und die Seele befleckt“, und führte ihn zum Prinzen. Dem Josaphat war in diesem Augenblick gar wundersam ums Herz, ein großes Verlangen und große Hoffnung liefen durch seine Gefühle, er wusste nicht, was es sei, und doch war ihm sein Heil nahe. Er hieß den Kaufmann neben sich sitzen und, als sie allein waren, den Stein aufweisen. Da stand Barlaam auf und sprach: „Sonne deines Reiches! Auch ich habe einen König, der gab mir den Stein und sagte: Das Himmelreich ist gleich einem Sämann“ (Mt 13). Er deutete ihm das Gleichnis und wendete es an mit der Erklärung: „wer immer den Samen im guten Erdreich aufnimmt, der wird am Sonnenlicht aufwachsen, und selbst durch die Kraft des Wundersteines zum Licht werden, und vielfache Frucht bringen. An der Tüchtigkeit ist es gelegen, bewähre dieselbe, damit mich der weite Weg aus meiner Heimat nicht gereue.“ Josaphat: „Schon lange ist es wie Feuer in mir, ich werde noch verzehrt werden, wenn sich nicht eine Gottheit erbarmend meiner annimmt und Balsam in meine Seele gießt. Mich dünkt, du bist kein gemeiner Mensch, sondern ein Bote unseres Gottes, meine wunde Seele zu heilen.“ Barlaam: „In den Tagen der Vorzeit regierte ein mächtiger König. Einmal saß er im goldenen Wagen voll Majestät, wie die Gestirne den Mond, so umflossen ihn seine Höflinge. Auf einmal sprang er auf vom goldenen Sessel, warf sich nieder vor zwei Männern, die hager, zerrissen und schwarzen Angesichtes ihm begegnen, berührte den Saum ihres Kleides, und ehrte sie. Die Höflinge schämten sich, und sein Bruder bedeutete ihm, er hätte seiner Majestät vergessen, und die Höflinge geärgert. Des Abends befahl der König vor dem Palast seines Bruders die Totenposaune zu blasen, wie es Sitte war, wenn jemand dem Tod bestimmt war. Der Bruder erschrak und rüstete sich zum Tod. Des Morgens erschien er im Trauergewand mit seiner ganzen Familie vor dem Thron des Königs und weinte. Da sprach der König: O Unbesonnener! Wenn du dich von einem Boten deines Bruders so entsetzt, da du doch unschuldig bist, und gleiches Blut in deinen Adern fließt; warum ärgerst du dich, dass ich Ehrfurcht habe vor den Gesandten Gottes, die mir sündigen Menschen den Tod und die Ankunft des Herrn lauter verkünden, als Posaunenschall? Der Prinz ging getröstet nach Hause. Der König ließ aber 4 Kisten machen, 2 mit Gold überziehen und mit goldenen Schlössern vermachen, 2 mit Pech übergießen und mit Stricken zubinden; dann berief er den ganzen Hofstaat zu sich, und fragte: welche Kisten mögen wohl größeren Reichtum verschließen? Da war nur eine Stimme: „Die goldenen!“ Der König winkte, die Kisten wurden geöffnet, und sieh! Die goldenen enthielten nur Totenknochen und gräulicher Gestank stieg von ihnen auf; die anderen enthielten Balsam, Gold und Edelstein, und lieblicher Duft ging von ihnen aus. Alles verwunderte sich, und der König sprach: „Ihr Toren pflegt alles nur nach dem Schein zu schätzen. Ich ahnte in den zwei elenden Menschen eine königliche Seele voller Schönheit; darum habe ich sie vorgezogen denen, welche mit königlichem Gewand eine unkönigliche Seele bedecken. Prinz! Tue auch dergleichen.“ Josaphat: „Du bringst mich durch deine Rede in Erstaunen. Wer bist du, Seliger? Und wer ist dieser König, der dir das Gleichnis vom Samen gegeben hat?“ Barlaam: „Dieser König ist der König aller Könige. Von ihm geht Unsterblichkeit aus. Sein Thron ist hoch über alle. Der Glanz seines Thrones ist so groß, dass niemand, der ihn anschaut, am Leben bleibt. Er ist der dreimal Heilige, der Gott über alle Götter, der Unbegreifliche, der in Menschengestalt erschienen ist.“ Nun fuhr Barlaam fort und erzählte die Schöpfung des Paradieses, die Sünde, die Erlösung durch Christus, Als der Königssohn das alles vernommen hatte, wurde seine Seele voll Licht und Freude, er sprang vom Thron auf, fiel Barlaam in die Arme, weinte und sagte: „Wenn ich nicht irre, du Gesandter Gottes, so ist das der Wunderstein, den nur reine Seelen und reine Augen zu schauen vermögen, denn siehe! auf deine Rede ist Nacht und Trauer in meiner Seele verschwunden. Sind das nun die Kräfte des Wundersteines, oder weiß dein Geist von noch größeren Dingen?“ Barlaam: „Du hast mich recht verstanden, o Königssohn! Das Angesicht Gottes, das vor der Welt verborgen war, das ist endlich erschienen und offenbar geworden. Das Christentum ist der Wunderstein; höre ferner von seiner Kraft!“ Da erklärte er die Taufe, die Buße, das Wesen des Himmelreiches, den Glauben, den heiligen Wandel, die Auferstehung zum Gericht, die ewige Vergeltung. Josaphat: „Heiliger Mann, was soll ich tun, auf dass ich selig werde?“ Barlaam: „Tue Buße, und lasse dich taufen zur Vergebung der Sünden: so wirst du die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Dieser wird dich immer näher zur Erkenntnis des lebendigen Gottes bringen. O wie töricht ist der Mensch, der dem Fabelwerk glaubt, dem Nichts traut und das Leben von sich stößt!“ Auch dieses gab er durch ein Gleichnis zu verstehen. Nach vielen schönen Gesprächen wurde endlich dem Prinzen Barlaams Name bekannt, und jener verwunderte sich sehr wegen dessen strenger Lebensweise, und dem männlichen Streit gegen das Böse. „Aber“, sagte der Prinz, „wo nehmt ihr Speise und Kleider her in der Wüste?“ Barlaam: „Kräuter und Baumfrüchte, am Tau des Himmels befeuchtet, sind unsere Nahrung, und erhalten wir Brot on einem frommen Bruder, so essen wir es mit Danksagung gegenüber Gott. Schaffelle und raues Tuch ist unser Kleid.“ Josaphat: „Wo hast du dein Kleid gelassen?“ Barlaam riss das Oberkleid auf und stand da in gar dürftiger Bedeckung. Josaphat sah ihn schweigend an, erbarmte sich der Armut, und bot ihm und seinen Brüdern viele schöne Kleider an. Barlaam: „Das schickt sich nicht, den Leib mit schönem Gewand zu zieren, da man das Kleid des Ungehorsams ausgezogen und Christus angezogen hat, überdies mit dem Mantel himmlischer Fröhlichkeit bedeckt ist.“ Josaphat empfing darauf die Taufe. Und nachdem beide Freunde lange gebetet hatten, nahm Balaam Abschied von Josaphat, mit dem Versprechen, ihn wieder zu sehen, ließ ihm auf seine Bitte den Mantel zurück, und bezog seine Einöde.

 

Die Bekehrung Josaphats wurde bekannt, und von einem Bediensteten dem König berichtet. Dieser wurde überaus traurig und wollte Barlaam durch Marter zwingen, seinem Sohn die Religion der Väter wieder zurückzugeben; allein Gott hatte ihn schon dem Ansinnen und Zorn des Königs entzogen und in Sicherheit gebracht. Da bestellte der König nacheinander einen Weltweisen und einen Schwarzkünstler, die durch eitle Vernunftschlüsse und Zauberei dem Sohn die neue Religion verleiden und die alte Religion wieder beibringen sollten. Allein weil das Licht größer war, als die Finsternis, so wurden beide ebenfalls für Christus gewonnen. Daraufhin wurde eine andere Verführungskunst angewandt: weibliche Personen wurden ihm als die einzigen Aufwärter gelassen, sie sollten durch ihre Reize den Prinzen verführen. Aber Gott wachte über ihn und zeigte ihm in einem Traum auf einer Seite die herrlichsten Lustgärten, und auf der anderen Seite einen feurigen Kerker. Eine Stimme deutete ihm das Gesicht: „Jener ist den Reinen, dieser den Unreinen bestimmt, die sich mit Lüsten beflecken.“

 

Und wie im König das Reich des Satans herrschte, so glänzte im Sohn der Wunderstein des Christentums im siebenfachen Glanz hervor. Der Vater wurde des vergeblichen Kampfes gegen Josaphats siegende Entschlossenheit müde, teilte mit ihm das Reich, um nicht ganz seine Liebe zu verlieren. König Josaphat pflanzte das Kreuz in seine Standarte und auf die Türme der Hauptstadt; seine christliche Milde gewann ihm das Herz der Untertanen und sein Eifer ihre Seelen für Gott. Wie Abener das Leben ausgenossen, er starb in hohem Alter, in ihm der Satan, und da er merkte, seine Götter können ihm nicht helfen, über Josaphat aber sei die Hand des Herrn, schrieb er ihm eigenhändig: „Sohn des Himmels und auch der meine! Schwarze Gedanken steigen in meiner Seele auf und rauben mir alle Süßigkeit des Lebens. Ich habe meine Augen aufgetan und gesehen, wie alle meine Herrlichkeit sich zum Untergang neigt, während dir die Sonne ewiger Glorie hienieden schon aufgeht. Ich habe in das Buch meines Lebens geschaut und finde darin nichts als eitle Torheit und Sünde; ich habe mein Angesicht vom Licht der Wahrheit abgewandt, das Heil von mir gestoßen, nur meine Begierden zu Göttern gemacht. Sohn!, rette deinen Vater vor der nahen Verzweiflung, reiße mich heraus aus meiner fürchterlichen Ungewissheit des Lebens oder des Todes!“ Durch den Sohn wirkte Gottes Gnade in dem Vater, und durch den, welcher zum Heil in die Welt kam, wurde der Vater zum Himmel wiedergeboren. Abener starb wenige Jahre nach seiner Taufe in den Armen seines Sohnes, und Josaphat regierte an seiner Statt das ganze Reich. Nach vierzig Lebensjahren wurde Josaphat des irdischen Reiches müde, seine Seele suchte ein anderes Reich, sein Geist einen anderen Thron in einem anderen Land. Er übergab das Reich dem Barachias, einem frommen Christen, nahm rührend Abschied von seinem Volk, und eilte heimlich der Wüste zu. Er fand endlich einen Einsiedler, der ihm Barlaams Zelle zeigte. Dieser, von Gott gemahnt, erkannte den Josaphat, fiel ihm in die Arme, und nahm ihn zum Gefährten des Lebens in seine Höhle auf. Aber nicht lange ging es, Barlaam starb, Josaphat schloss ihm die Augen und begrub ihn neben der Höhle. Josaphat lebte in strenger Buße, in stätem Umgang mit Gott, wurde vieler Gesichte gewürdigt, die ihm das ewige Leben und dessen Herrlichkeit aufschlossen. Er sah auch Barlaams Herrlichkeit, seines Vaters Krone und die seine, die ihm bereitet war. Heilige Sehnsucht löste ihn auf, sein Geist entschwand der Erde und wurde aufgenommen in das ewige Himmelreich. Bei dreißig Jahren lebte er noch in der Wüste, das Kreuz des Herrn zur Erlösung betrachtend, seine Heilkraft in der Seele aufnehmend. Jener Einsiedler, der ihn zu Barlaam geführt hatte, begrub ihn, und brachte den Verlauf des Lebens dem Barachias zur Nachricht.

 

Außer Jesus Christus dem Gekreuzigten ist kein Heil. Hast du das erfahren? Und wenn nicht, so ist er vergeblich für dich gekreuzigt worden.

 

Verleihe, o Herr, durch die Fürbitte des heiligen Barlaam und Josaphat, dass wir aus ihren Beispielen lernen, die Wohltat unseres Glaubens zu schätzen, die Welt zu fliehen, das Zeitliche zu verachten und Gott und das Ewige allein zu suchen. Amen.

 

Der heilige Virgilius, Abt und Bischof von Salzburg,

+ 27.11.784 – Fest: 27. November

 

Virgilius entstammte einer angesehenen Familie in Irland. Als Jugendlicher widmete er sich mit rastlosem Eifer den Wissenschaften, unterließ jedoch nicht, seine Seele mit den herrlichsten Tugenden zu schmücken. Bald glänzte er unter den gelehrtesten und frömmsten Männern seines Vaterlandes als bewundertes Vorbild. Zum Priester geweiht, zog ihn eine flammende Sehnsucht zu den heiligen Stätten Palästinas und zum Mittelpunkt des kirchlichen Lebens, in das ewige Rom. Auf Golgatha und am Grab der heiligen Apostelfürsten wollte er glühende Begeisterung für einen Entschluss schöpfen, sein Leben der Verkündigung des Evangeliums unter heidnischen Völkern zu weihen. In Begleitung von Lullus, Alto und mehreren anderen frommen und gelehrten Männern trat er seine Pilgerreise an, fand am Hof des fränkischen Reichshofmeisters Pipin die gastlichste Aufnahme und wurde wegen seiner Gelehrsamkeit dort zwei Jahre aufgehalten. In den gelehrten Gesprächen, die Pipin sehr liebte, stellte Virgilius die damals unerhörte Behauptung auf, die Erde sei nicht eine flache Scheibe, wie man noch allgemein glaubte, sondern eine Kugel, die ringsum von Menschen bewohnt werde, eine Behauptung, sie 700 Jahre später die Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus zur Gewissheit erhob. Seine Zuhörer verstanden ihn nicht, einige verdächtigten ihn gar als Ketzer beim Papst. Virgilius verteidigte seine Ansicht vor dem Papst so einleuchtend, dass dieser ihn in Ehren entließ.

 

Damals lebte am fränkischen Hof als Gefangener der bayerische Herzog Odilo. Virgilius bot all sein Ansehen bei Pipin auf, um dem Herzog eine gute Behandlung und wahrscheinlich auch die Freiheit zu verschaffen. Als in der Folge Virgilius nach Bayern kam, nahm ihn Odilo sehr wohlwollend auf und übertrug ihm die Abtei St. Peter und das Bistum Salzburg im Jahr 745. Der demütige Diener Gottes weigerte sich indes, die bischöfliche Würde anzunehmen, er begnügte sich mit der Abtei und ließ die bischöflichen Amtsverrichtungen durch seinen Landsmann, den Chorbischof Dobda, vornehmen. Die Beschwerden der Verwaltung des Bistums trug er freudig und eifrig zum Segen des Volkes.

 

Erst nach 22 Jahren ließ er sich durch die dringenden Bitten der umliegenden Bischöfe und des gläubigen Volkes bewegen, sich zum Bischof weihen zu lassen. Seine erste bischöfliche Verrichtung war die Einweihung der später so berühmt gewordenen Muttergotteskirche zu Altötting, die Graf Günther von Chiemgau hatte erbauen lassen. Im Jahr 767 begann er den Bau einer prächtigen Domkirche mit vier Türmen, leitete selbst den Bau und ermunterte die Hunderte von Arbeitern zum Fleiß. An jedem Samstag ließ er ein Gefäß mit Geld hinstellen, aus dem jeder Handwerker seinen Lohn nahm, aber, wunderbar! keiner konnte mehr daraus entnehmen, als ihm zukam. Im Jahr 773 weihte der Heilige das herrliche Gotteshaus, das als ein Wunder der Baukunst angestaunt wurde, unter großen Feierlichkeiten ein und ließ die Gebeine des heiligen Rupert und zweier seiner Schüler von der Klosterkirche St. Peter in das neue Münster übertragen, wo sie noch jetzt ruhen. Zur Besorgung des Gottesdienstes stellte er zwölf Weltpriester an, damit die Mönche in St. Peter ungehinderter das Christentum verbreiten könnten.

 

Nachdem Virgilius die Angelegenheiten seines Bistums geordnet hatte, drängte ihn die Liebe zum Heil der Seelen, sich mit allen Kräften dem Missionswerk zu weihen und den Heiden das Licht des Glaubens anzuzünden. Seinem Wunsch kam der Herzog Chitomar von Kärnten entgegen, der früher am bayerischen Hof die christliche Religion kennen gelernt hatte und nichts sehnlicher begehrte, als auch seinem Volk die Segnungen des Christentums zuzuwenden. Der heilige Virgilius schickte sich gerade selbst zu einer anderen Missionsreise an und sendete deswegen statt seiner den vortrefflichen Landbischof Modestus nebst mehreren anderen Priestern nach Kärnten mit der Vollmacht, nach Gutbefinden Kirchen zu bauen und Priester zu weihen. So wurde das schöne Kärntnerland für den Glauben gewonnen. Unterdessen zog Virgilius bis an die Grenzen von Ungarn, verkündete den Heiden das Evangelium, stärkte die Getauften im Glauben und bewog den bayerischen Herzog Thassilo, das Kloster Kremsmünster zu gründen und mit Benediktinern zu bevölkern, die noch heute segensreich für das ganze Salzkammergut wirken. Zwei seiner Mönche entdeckten die Heilquellen von Gastein, in denen schon so viele Kranke und Presshafte Genesung gefunden haben. Um den Wohlstand des Volkes zu fördern, ließ er die alten Erzgruben des Landes wieder ausbeuten. Eine blühende Schule errichtete er auf der Insel im Chiemsee und scheute keine Mühe, das zeitliche und geistige Wohlergehen seiner Untergebenen zu fördern.

 

Am Abend seines tatenreichen Lebens unternahm der greise Bischof noch einmal eine Visitationsreise durch sein ausgedehntes Bistum und zeichnete seine Schritte mit Wohltun. Er hatte seinen Kräften zu viel zugetraut. Erschöpft und krank kehrte er heim. Als er die Stadt Salzburg von fern sah, rief er im Vorgefühl seines nahen Todes aus: „Dies ist meine Ruhe, hier will ich wohnen ewiglich!“ Vereint mit seinem göttlichen Erlöser in der letzten Wegzehrung, legte er sein todmüdes Haupt nieder und entschlief sanft am 27. November 784. Papst Gregor IX. versetzte ihn im Jahr 1233 unter die Zahl der Heiligen. Zu seinem wunderreichen Grab pilgern noch heute die dankbaren Bewohner des Salzburger Landes.

 

Die heilige Bilhildis, Äbtissin zu Altmünster bei Mainz,

+ 27.11.690 oder 734 – Fest: 27. November

 

Auf dem Schloss Hochheim am Main wohnte der hochangesehene Edelherr Iberich, den Gott mit drei gottesfürchtigen und edelmütigen Töchtern beschenkte. Hildegardis und Renildis entsagten frühzeitig der Welt, um in den ernsten Klostermauern ihre jungfräuliche Reinheit dem göttlichen Bräutigam zu weihen. Gern wäre Bilhildis, die um das Jahr 625 das Licht der Welt erblickte, dem Beispiel ihrer lieben Schwestern gefolgt, aber ihr Vater schickte sie zunächst zu ihrer Base in Würzburg, wo sie in Übung aller christlichen Tugenden aufwuchs.

 

Als Bilhildis in Jugendfülle und Schönheit prangte, überredete sie ihr Vater, sich mit dem Herzog Hettan von Thüringen zu verloben. Hettan war noch ein Heide, aber in der Hoffnung, ihn für den christlichen Glauben zu gewinnen, willigte die gottesfürchtige Jungfrau ein, und vermählte sich, ungefähr 17 Jahre alt, mit dem Herzog.

 

Schon im ersten Jahr ihrer glücklichen Ehe musste Herzog Hettan dem Frankenkönig in den Krieg folgen. Seine junge Frau Bilhildis zog sich nach Mainz zurück, wo sie einen Sohn gebar, der indes nur wenige Tage lebte. Zu diesem Mutterschmerz gesellte sich bald die Trauerbotschaft, dass ihr Gemahl im Krieg sein junges Leben verloren habe. Diese schweren Prüfungen innerhalb weniger Monate bestärkten die fromme Witwe in ihrem ehemaligen Plan, die trügerische Welt zu verlassen und sich einzig dem Dienst des Höchsten zu weihen. Alle Anträge zur Wiederverheiratung, alle Lockungen der Welt wies sie entschieden ab. Mit Zustimmung ihres Oheims, des Bischofs Riegbert von Mainz, stiftete sie daselbst das Altmünsterkloster und lebte darin als Äbtissin bis zu ihrem seligen Tod unausgesetzt den Werken der Andacht und Wohltätigkeit. Sie starb im Ruf der Heiligkeit am 27. November gegen Ende des 7. Jahrhunderts. Ihr Fest wird in der Mainzer Diözese an ihrem Sterbetag gefeiert.

 

Der heilige Jakobus Intercisus (der Zerschnittene),

Beamter und Märtyrer von Persien,

+ 27.11.421 – Fest: 27. November

 

Der heilige Jakobus Intercisus, Märtyrer in Persien, war in der Stadt Bethlapeta aus vornehmen Geschlecht geboren und stand wegen seiner Geistesgaben und Geschäftstüchtigkeit beim König Isdegerdes in hoher Gunst. Der König war anfänglich dem Christentum, zu dem auch sein Diener sich bekannte, nicht abgeneigt, aber der unbesonnene Eifer eines Fanatikers, der einen heidnischen Tempel in Brand gesteckt hatte, machte ihn anderen Sinnes. Er kündigte der Religion Jesu den Krieg an, und Jakob war schwach genug, seinem Bekenntnis untreu zu werden, um seine Stellung am Hof nicht zu verlieren. Daraufhin erklärten ihm Mutter und Gattin, dass sie an ihm fortan keinen Teil mehr haben wollten, was einen erschütternden Eindruck auf ihn machte. Er dachte nun ernstlich über die Schwere seines Frevels nach und mied den Hof und alles, was ihn aufs Neue hätte in Versuchung bringen können. Der neue König Barannes, von seiner Sinnesänderung unterrichtet, bestellte ihn in den Palast, um ihn zur Rede zu stellen, und Jakob bekannte mutvoll, dass er wieder Christ sei und seinen Herrn nimmer verlassen werde. Der König, außer sich vor Zorn, versammelte die Großbeamten und Richter des Reiches und trug ihnen auf, eine Todesart zu ersinnen, um diesen Feind der Landesgötter nach Verhältnis seiner bisherigen hohen Würden zu bestrafen, sofern er dem Christentum nicht abschwöre. Man kam überein, ihm langsam Glied für Glied vom Leib abtrennen zu lassen, und dieses grausame Urteil wurde auch buchstäblich vollzogen, ohne dass die Standhaftigkeit des Bekenners während der mehrere Stunden andauernden Pein im Geringsten zum Wanken gebracht worden wäre. Vielmehr ließ er bei jedem neuen Schnitt neue Ausrufungen zum Lob Gottes vernehmen. Als alle Finger von den Händen, alle Zehen von den Füßen abgelöst waren, rief er den Henker heiter, fast scherzend zu: „Nun die Zweige gefallen sind, hauet auch den Stamm um!“ Hierauf wurden ihm mit Beilen auch die Hände, Arme und Füße abgehauen. Aber der so aller Glieder beraubte Rumpf lebte noch immer und fuhr fort, den Herrn zu preisen, bis ein Schwerthieb über den Nacken seinem Leiden ein Ende machte. Jakob errang die Krone der Blutzeugen am 27. November des Jahres 421. Die Christen sammelten seine zerstreuten Überreste und legten sie samt dem Rumpf in eine Urne. Der Verfasser seiner Akten, ein Augenzeuge des ganzen Herganges, schließt die Erzählung desselben mit den Worten: „Wir flehten alle die Fürsprache des glückseligen Jakob an.“

 

28. November

 

Der heilige Einsiedler Stephanus, der Jüngere,

Martyrer von Konstantinopel,

+ 28.11.764 - Fest: 28. November

 

Der heilige Stephanus, mit dem Beinamen der Jüngere, einer der vorzüglichsten Märtyrer, die unter der Verfolgung der Bilderstürmer ihr Blut für den katholischen Glauben vergossen haben, wurde zur Zeit des Kaisers Anastasius, im Jahr 714, zu Konstantinopel geboren. Seine wohlbemittelten und sehr frommen Eltern gaben ihm eine sehr gottesfürchtige Erziehung. Er wurde von Jugend auf sorgfältig in der Lehre unseres heiligen Glaubens unterwiesen und früh mit den heiligen Schriften, so wie besonders auch mit den Schriften des heiligen Chrisostomus bekannt gemacht, und durch ihre Lesung nicht nur in der wahren Glaubenslehre befestigt, sondern auch gleicherweise zu einem gottseligen Leben ermuntert. Ungefähr in seinem 16. Lebensjahr übergaben ihn seine Eltern der Leitung eines frommen Einsiedlers auf dem nicht weit entfernten Berg St. Aurenzius, Johannes mit Namen, der dort der Vorsteher vieler Einsiedler war, die in kleinen, auf dem Berg zerstreuten Zellen wohnten, und zusammen eine klösterliche Gemeinde bildete. Stephanus wurde von Johannes bald in diese Anzahl aufgenommen, und sein besonders geliebter Jünger. Er übte sich streng in innerlicher und äußerlicher Abtötung, ging zwar, da indessen sein Vater starb, wieder auf einige Zeit nach Konstantinopel, verkaufte aber dort seine Güter, teilte das Erlöste unter die Armen, versorgte seine Mutter und eine Schwester in ein Kloster nach Pythinien, und kehrte dann wieder zu seinem lieben Lehrmeister Johannes in die Einsamkeit zurück. Nachdem aber auch dieser, gleichsam in seinen Armen verschieden war, ihm vorhin noch die Drangsale der Bilderstürmer vorhergesagt hatte, wurde Stephanus, jetzt beiläufig 30 Jahre alt, von den Einsiedlern zum neuen Vorsteher erwählt. Er versah sein Amt auf eine Weise, dass er seinen Untergebenen vorzüglich durch das Beispiel eigener Gottseligkeit voranleuchtete. Er wohnte, wie sein Vorgänger, auf dem Gipfel des Berges in einer engen Zelle, bedeckt mit einem Schafsfell, mit einem Bußgürtel umwunden, teilte seine Zeit zwischen Gebet, frommen Übungen und Handarbeit mit Bücherabschreiben und Netzemachen, und erwarb sich nicht nur seinen dürftigen Unterhalt, sondern auch noch etwas zur Unterstützung anderer. Als sich aber in der Folge die Menge seiner Jünger bedeutend vermehrte, übergab er in der Demut seines Herzens sein Vorsteheramt einem gottesfürchtigen Mann, Marinus mit Namen, und verfügte sich in eine entlegene Zelle, die nicht einmal ein Dach hatte. Seinen Jüngern, die ihn über seine strenge Lebensweise befragten, gab er zur Antwort: „Meine Kinder, glaubt mir, der Weg zum Himmel ist schmal, und eng die Tür“, und da sie ihm wenigstens ein Obdach machen wollten, lehnte er es mit den Worten ab: „Es ist mein Trost, allezeit den Himmel zu sehen.“

 

Um diese Zeit brach aufs Neue eine heftige Verfolgung gegen die Katholiken aus, wegen der Verehrung der heiligen Bilder. Der bilderstürmerische Kaiser Konstantin Kopronymus hatte ein unrechtmäßiges Konzilium von den Bischöfen seiner Partei versammeln lassen, um die Verehrung der Bilder zu verdammen, und bemühte sich auf allerlei Art, und selbst auf die grausamste Weise, den falschen Beschluss des Kaisers durchzusetzen. Da der heilige Stephanus bei den Mönchen und Einsiedlern in großem Ansehen stand, und diesen, da sie ihn darüber nach Rat fragten, anriet, in die Wüste zu entweichen, um dem Ungewitter zu entgehen, so versuchte der Kaiser auch ihn auf seine Seite zu bringen. Er schickte einen vornehmen Mann zu ihm, um ihn zur Annahme dessen, was das falsche Konzilium beschlossen hatte, zu bewegen, und ließ ihm zum Zeichen seiner Hochachtung und Freundschaft Datteln und Feigen überreichen. Allein Stephanus erwiderte herzhaft: „Ich kann die Entscheidung des unrechtmäßigen Konziliums nicht unterschreiben. Ich will mir den Fluch des Propheten nicht zuziehen, und süß nennen, was bitter ist. - - Das Öl des Sünders soll mein Haupt nicht fett machen; hätte ich auch nur noch so viel Blut, als ich in meine hohle Hand fassen kann, so will ich es für die Verehrung der Bilder vergießen.“

 

Der Kaiser ergrimmte über diese Antwort und ließ den Heiligen durch hingesendete Soldaten aus seiner Zelle reißen und in ein Kloster unten am Berg gefangen setzen, wo er mit anderen zugleich mit ihm Verhafteten sechs Tage lang ohne Speise, am siebenten aber wieder frei gelassen wurde, weil der Kaiser eben jetzt gegen die Bulgaren zu Felde ziehen musste. Stephanus kehrte in seine Zelle zurück. Seine Heiligkeit gebot auch den Soldaten Ehrfurcht, sie empfahlen sich beim Abschied seinem Gebet.

 

Indessen schien man entschlossen, alle Mittel anzuwenden, um unseren, für den wahren Glauben so wichtigen, bei dem Volk höchst angesehenen Heiligen in bösen Ruf zu bringen und eine scheinbare Ursache zu seinem Tod zu finden. Man bestach eine Sklavin, ihn eines schändlichen Umgangs mit einer vornehmen, gottseligen Witwe anzuklagen. Diese Witwe wurde grausam gegeißelt, um sie zum Geständnis des angeblichen Verbrechens zu zwingen, und da sie dessen ungeachtet hoch beteuerte, dass sie unschuldig und Stephanus ein Heiliger sei, sperrte man sie in ein Kloster, wo sie bald darauf starb. Hierauf beredete der Kaiser, der verboten hatte, Novizen in die Klöster aufzunehmen, einen jungen Menschen aus seinen Vertrauten, durch eine niederträchtige, höchst unwürdige Betrügerei bei dem heiligen Abt um das Ordenskleid anzuhalten. Der Betrüger, der seine Rolle unvergleichlich gut zu spielen wusste, gab sich für einen verfolgten Menschen aus, dessen Heil in größter Gefahr wäre, und sagte zu dem Diener Gottes, er würde dem höchsten Richter für seine Seele Rechenschaft geben müssen, wenn er ihm den Zufluchtsort sich zu retten, verweigerte. Der heilige Stephanus, der die Kunst zu betrügen nicht verstand, ließ sich durch das verstellte Flehen des Heuchlers betrügen, und nahm ihn schließlich an. Aber bald nach seiner Aufnahme entwich er verabredeter Weise mit dem Ordenskleid zum Kaiser. Dieser machte nun Gebrauch von dem Betrug; Er führte den vermeinten Mönch ins Amphitheater, beklagte sich beim Volk über den Ungehorsam gegen sein Verbot, ja über die Verwegenheit sogar seine treuen Dienstleute zu entführen, wessen sich Stephanus schuldig gemacht habe. Diese Beschuldigung verfehlte nicht ihren Zweck. Der Pöbel wurde aufgebracht, dass er das Ordenskleid des Betrügers in Stücke zerriss und mit Füßen trat. Indessen schickte der Kaiser auf den Berg St. Aurenzius eine Schar Bewaffneter, die die Mönche und Einsiedler verjagten, die Gebäude und die Kirche plünderten, anzündeten und bis auf den Grund zerstörten. Den heiligen Stephanus aber rissen sie aus seiner Zelle, schlugen, verhöhnten, bespuckten und misshandelten ihn vielfach auf unmenschliche Weise. Darauf wurde er unweit von Konstantinopel in ein Kloster eingesperrt und mehrere Bischöfe von der bilderstürmerischen Partei nebst anderen Beamten zu ihm hingesendet, um ihn zu verhören und eines andern zu bereden. Stephanus antwortete ihnen aber auf alles, was sie vorbrachten, mit solcher Weisheit und mit solchem Mut, dass sie beschämt dem Kaiser die Antwort zurückbrachten: „Herr, wir sind überwunden. Man kann der Wissenschaft und den Gründen dieses Mannes nicht widerstehen. Überdies verachtet er Drohung und Tod.“ Hierauf verbannte der Kaiser ihn ins Elend und bestimmte zu dessen Verbannungsort die Insel Prokones am Hellespont. Vor seiner Abreise dahin heilte der heilige Stephan noch den von den Ärzten aufgegebenen Obern des Klosters. An seinem Verbannungsort wählte er sich eine entlegene Höhle zu seinem Aufenthalt und nährte sich von Kräutern. Bald versammelten sich auch seine vertriebenen Jünger wieder um ihn her und bildeten bei ihm eine neue klösterliche Gemeinde, wo ihn auch seine Mutter und Schwester besuchten. Der Diener Gottes übte sich immer mehr in außerordentlicher Strenge, wirkte viele Wunder, gab der Wahrheit Zeugnis, und erklärte sich bei allen Gelegenheiten für die Verehrung der heiligen Bilder. Daher ließ ihn der Kaiser nach zwei Jahren wieder eilfertig zurück berufen, zu Konstantinopel mit Banden und Eisen geschlossen in einen schon mit sehr vielen Mönchen angefüllten Kerker werfen und nach einigen Tagen vor sich führen, wo er mit Unwillen zu ihm sprach: „Tritt man denn Jesus mit Füßen, wenn man die Bilder mit Füßen tritt? Warum hältst du uns denn für Ketzer?“ Anstatt der Antwort nahm der Heilige eine Münze mit dem Bild des Kaisers und fragte die Umstehenden: „Was verdiente wohl der, der dies Bildnis des Kaisers mit Füßen treten würde?“ – „Die härteste Züchtigung!“ riefen sie. „O Blinde“, sagte darauf der Heilige, „wer das Bild eines irdischen Fürsten entehrt, ist strafwürdig; und der soll nicht strafwürdig sein, der das Bild des himmlischen Königs ins Feuer wirft?“ – Obgleich man hierauf nichts zu antworten vermochte, so wurde doch sein Tod beschlossen; er sollte enthauptet werden. Aber gleich darauf befahl der Kaiser, ihn zu Tode zu geißeln. Da aber denen, die dazu den Auftrag hatten, der Mut fehlte, diese grausame Tat ganz zu vollziehen, und der Kaiser hörte, dass Stephanus noch lebe, sprach er wütend: „Kann ich denn diesen Mönch nicht los werden?“ Hierauf liefen einige zum Kerker, schleppten den Heiligen mit Stricken an den Füssen durch die Gassen der Stadt, schlugen ihn und warfen mit Steinen auf ihn. Als der Heilige bei der Kirche des heiligen Theodorus sein Haupt aus Ehrfurcht neigte, rief einer: „Sehet, er will noch ein Martyrer werden“, und schlug ihm mit einem Stück Holz das Hirn ein. Und so gab er, als ein Opfer und Blutzeuge für die katholische Wahrheit, seinen Geist in die Hände des Heiligen aller Heiligen den 28. November um das Jahr des Herrn 768.

 

Später hat das Konzil von Trient hat für die katholische Kirche genau bestimmt: „Die Bildnisse Christi, der Gottesmutter Maria und anderer Heiligen soll man vorzugsweise in den Kirchen haben und beibehalten, ihnen die gebührende Ehre und Ehrerbietung erweisen. Nicht als glaube man, es wohne in ihnen die Gottheit, oder eine Kraft, weshalb sie verehrt werden sollen, oder als solle man etwas von ihnen erbitten, oder sein Vertrauen auf die Bildnisse heften, wie es sonst bei den Heiden geschah, die auf die Götzen ihre Hoffnung setzten, sondern weil die Ehre, die ihnen erwiesen wird, auf die Urbilder, die sie vorstellen, zurückfällt, so dass wir durch die Bildnisse, die wir küssen und vor denen wir unser Haupt entblößen und uns niederwerfen, Christus anbeten, und die Heiligen, die sie vorstellen, verehren.

 

Durch die Geschichten der Geheimnisse unserer Erlösung, die man durch Gemälde oder andere Vorstellungen ausdrückt, wird das Volk unterrichtet in den Glaubensartikeln, zu deren Erbauung und beständiger Ausübung wir verpflichtet sind. Dann entspringen aus allen Heiligenbildern große Früchte, nicht nur weil das Volk an die Wohltaten und Gunstbezeigungen, die ihm von Christus erteilt werden, erinnert wird, sondern auch weil die göttlichen Wunder durch die Heiligen und heilsamen Beispiele den Augen der Gläubigen vorgestellt werden, auf dass sie für dieselben Gott danken, nach dem Beispiel der Heiligen ihr Leben und ihre Sitten einrichten und zur Anbetung und Liebe Gottes und Übung der Frömmigkeit angefeuert werden.“

 

Der heilige Jakobus Piceni de Marchia, Priester von Neapel,

+ 28.11.1476 – Fest: 28. November

 

Der heilige Jakobus Picenus, Bekenner aus dem Orden des heiligen Franziskus, wurde zu Montebrando in der Mark Ancona von Eltern niedrigen Standes aber gottesfürchtigen Sinnes geboren. Ein Priester aus der Nachbarschaft brachte ihm die Anfangsgründe der lateinischen Sprache bei. Die Wissenschaften erlernte er auf der Hochschule von Perugia, und dort gewann er durch seinen Fleiß und sein gesittetes Benehmen die Gunst eines angesehenen Edelmannes in dem Grad, dass er ihm die Erziehung seines Sohnes anvertraute, ja, als er später nach Florenz übersiedelte, ihn auch dahin mit sich nahm. Jakob lebte mitten unter dem Geräusch der Welt in frommer Geistessammlung und heiliger Gebetsübung und fand dabei solche Wonne, dass er sich endlich entschloss, den Klosterstand zu wählen. Als ihn einst auf einer Reise der Weg an der Kirche Portiuncula vorüber führte, trat er ein und fühlte sich von der Andachtsglut der Söhne des heiligen Franziskus so erbaut, dass er in ihre Genossenschaft aufgenommen zu werden begehrte. Gern gewährte man ihm seine Bitte und schickte ihn zur Erstehung der Prüfungszeit in das bei Assisi gelegene Kloster „zu den Gefängnissen“. Da war es nun, wo er den Grund zu jener hohen Heiligkeit legte, die er in der Folge erreichte. Nach vollendetem Noviziat kehrte er in das Kloster Portiuncula zurück, fortan den Brüdern als ein Muster des Gebetseifers, der Abtötung, des Gehorsams, der Demut und der Herzensreinheit vorleuchtend. Am Seelenheil seiner Mitmenschen arbeitete er mit unermüdlicher Tätigkeit. Seine Kanzelreden waren einfach, aber kräftig und salbungsvoll. In Mailand führte er durch eine Predigt 36 dem Laster ergebene Frauen auf den Weg der Buße. Man wollte ihn nun zum Erzbischof dieser Stadt haben, aber er ergriff die Flucht, und als man ihn einholte, ließ er nicht ab zu flehen, bis man ihn in dem Stand eines armen Ordensmannes beließ. Er begleitete auch den heiligen Johannes Capistranus auf mehreren seiner Missionen in Deutschland, Böhmen und Ungarn und wurde in das letztgenannte Land dreimal vom apostolischen Stuhl ausgeschickt. Die von Gott ihm verliehene Wundergabe gab ihm eine neue Glorie, zumal als er den Herzog von Calabrien und den König von Neapel durch sein Gebet von gefährlichen Krankheiten heilte. Zu damaliger Zeit erhob sich ein großer Streit zwischen den Franziskanern und Dominikanern. Es handelte sich um die Frage, ob das Blut Jesu Christi, so während seines Leidens von seinem Körper getrennt worden, allzeit hypostatisch mit dem Wort vereint war. Jakob wurde, als habe er das geleugnet, vor die Inquisition gezogen, ging aber ehrenvoll aus der Untersuchung hervor. Er starb im Dreifaltigkeitskloster bei Neapel am 28. November 1479 in einem Alter von neunzig Jahren und wurde in der Kirche S. Maria Nuova zu Neapel begraben. Seine Heiligsprechung erfolgte 1726 unter Benedikt XIII., der selbst Augenzeuge von den auf seine Fürbitte gewirkten Wundern war.

 

29. November

 

Der heilige Saturninus, Bischof und Martyrer von Toulouse, Frankreich,

+ 29.11.250 ? - Fest: 29. November

 

Der heilige Saturnin gehört unter die Apostel und berühmten Märtyrer Frankreichs. Er wurde unter Papst Fabian mit den anderen Glaubensboten von Rom aus nach Gallien gesendet, um die Leuchte des Glaubens, da, wo sie schwach war, zu stärken, und da, wo noch Finsternis war, aufzustellen. Schon auf dem Weg dorthin streute er den heiligen Samen aus. Im Jahr 250 kam er nach Tolosa, eine reiche und abgöttische Handelsstadt in Languedok, wo die Römer auch ein Kapitol, d.h. einen großen Göttertempel hatten. Da, inmitten der Götzenverehrer, nahm er eine bleibende Wohnung, und zündete in Kraft des Heiligen Geistes das Licht des Evangeliums an, die Finsternis des Heidentums zu vertreiben. Die apostolische Predigt und die Wunder gewannen dem Herrn aus der Stadt und ihrer Umgegend eine gläubige Herde. Der Fürst der Finsternis, der im Kapitol seine Herrschaft mit Orakeln und Lügenwerk ausübte, fühlte die Nähe dessen, der gekommen war, sein Werk zu zerstören, er fühlte die Übermacht Jesu Christi und verstummte vor dem Mund Gottes. Vergeblich opferten, beteten, beschwuren die Götzenpriester ihren sonst so sprechfertigen Gott, er gab weder Antwort noch ein anderes Zeichen. Der stumm gewordene Gott machte viel Redens bei seinen Anhängern. Sie sahen den Saturninus gar oft beim Kapitol vorübergehen, wenn er von seiner Wohnung in die Kirche hinging, die die Gläubigen zu ihrer Versammlung und zum Dienst Gottes erbaut hatten, um des heiligen Amtes zu pflegen. Da legte man die Schuld auf die Christensekte und deren Anführer Saturninus, und beschloss zur Versöhnung ihres stumm gewordenen Gottes denselben ihm durch den Tod zu opfern. Da nun einst, gerade zur Zeit, als ein Opferstier zum Tempel geführt wurde, auch Saturnin mit einem Priester und zwei Diakonen beim Kapitol vorübergehen wollte, und viel Volk zur Opferfeier zugegen war, rief einer aus dem Volk: „Da kommt der Feind der Götter, ergreift ihn, entweder soll er den Göttern opfern, oder sterben!“ Sogleich stürmte das Volk auf ihn zu, der Priester und die Diakonen konnten entkommen. Saturnin wurde aber ergriffen und aufs Kapitol geschleppt, dass er opfern sollte.

 

Mit lauter Stimme rief er, entschlossen für seinen Jesus lieber zu sterben, als Ihn mit einer Sünde zu beleidigen: „Ich kenne den einigen, wahren Gott. Dem werde ich Opfer des Lobes bringen! Ich weiß, dass eure Götter böse Geister sind, denen ihr nicht sowohl durch eitle Opfer der Tiere, als durch den Tod eurer Seelen dient. Wie könnt ihr aber wollen, dass ich solche fürchte, von denen ihr, wie ich höre, sagt, dass sie Angst haben vor mir?“

 

Entflammt durch diese Worte ergriff ihn das Volk, band ihn bei den Füßen mit einem Seil, das es um den Leib des Opferstieres band, und trieb diesen mit Stachelstecken die Stufen des Kapitols hinab. Das Haupt des Martyrers wurde zermalmt und die Treppe bespritzt mit dem Gehirn. Der Stier schleifte die Leiche, bis das Seil zerriss. Das Jahr seines Martertodes kann nicht bestimmt angegeben werden.

 

Es wurde nicht dem männlichen Geschlecht, sondern dem weiblichen um ihres größeren Glaubens willen die Ehre, die Leiche des Martyrers zu beerdigen. Die Männer aus der gläubigen Herde waren erschrocken, zwei Frauen ermutigt durch den Geist des Heiligen wagten es, den Leichnam aufzuheben, und ihn in der Nähe zu begraben. Nach Verlauf einiger Zeit erbaute ein gewisser Hilarius, ein dortiger Bischof, eine Kapelle über seiner Grabstätte. Im 4. Jahrhundert veranlasst durch die Wunder und die dahin strömende Menge der Verehrer begann der heilige Silvius ein dortiger Bischof den Bau einer großen prachtvollen Kirche, die dessen Nachfolger der heilige Exsuperius vollendete, und die Reliquien des heiligen Saturninus dorthin übersetzte.

 

Wo es Licht ist, muss die Finsternis weichen, wo der Glaube ist, müssen die Werke des Teufels aufhören. Wer noch der Sünde dient, dient dem Satan als Knecht, und diese Knechtschaft ist der Tod der Seelen.

 

Jesus hat es seinen Jüngern vorausgesagt, dass sie von der Welt werden gehasst und verfolgt werden, und dass die Welt glauben wird, sie leiste Gott einen Dienst, wenn sie die Christen unterdrückt und tötet. Diese Voraussage traf an dem heiligen Saturnin und an den anderen heiligen Märtyrern buchstäblich ein. Auch gegenwärtig werden die Guten von den Bösen auf allerlei Art verfolgt. Der Geist der Welt ist dem Geist Gottes und den heiligen Grundsätzen des Evangeliums ganz entgegen gesetzt. Nie, sagt der heilige Augustin, wird die Verfolgung aufhören; die Guten sind also stets bereit, von den Bösen zu leiden; dies wird so fortdauern bis zum Ende der Welt. Suchen wir daher Gott allein zu gefallen; richten wir unser Betragen nach der Lehre des Evangeliums ein; leiden wir alle Übel mit Geduld und sogar mit Freude. Christus sei unser Leben, und sein Kreuz sei unser Ruhm.

 

O Gott, der du den heiligen Saturnin für seine Arbeiten und seinen Martertod im Himmel belohnst, verleihe uns auf seine Fürbitte, dass wir der Heiligkeit deiner Lehre durch Worte und Handlungen unerschrocken Zeugnis geben. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

 

30. November

 

Der heilige Andreas, Apostel und Martyrer zu Paträ,

+ 62 ? - Fest: 30. November

 

Im Mittelpunk des Kirchenjahres steht die Erinnerung an das Erlösungsopfer Christi, die Erinnerung an jenes Opfer, das sich in unblutiger Weise bei der Heiligen Messe wiederholt. Überaus sinnvoll ist es daher, dass sich heute an der Wende des Kirchenjahres wiederum hoheitsvoll vor unserem Blick ein Kreuz erhebt, jenes Kreuz, an dem der heilige Apostel Andreas in ehrenvoller Angleichung an den Tod unseres Herrn und Meisters den Martertod erlitt.

 

Andreas, Sohn des Jonas und Bruder des Simon Petrus, ein Fischer aus Kapharnaum, wurde am Wasser groß, und dem See galt von früh an seine Liebe. Zu rudern und zu segeln, zu fischen und zu fangen und im Sturm kraftvoll zu bestehen, das war des Jungen Lebenselement. Stark wurde er dabei und arbeitstüchtig und mutig, ganz das, was sein Name besagt, denn Andreas heißt auf Deutsch schlichtweg „der Mann“. Was ist es doch eine Lust, wenn sich ein Junge schon als Mann fühlt und sich als Mann bewährt! So war es bei Andreas. Bei harter Arbeit galt er bereits als Mann, als er noch ein Junge war.

 

Es war eine gärende Zeit, als der junge Mann Andreas am See Genezareth das Fischerhandwerk betrieb. Die heidnischen Römer herrschten im Land, und silbern glänzten ihre Siegeszeichen in den Städten und Dörfern und an allen Straßen. Tief krallte der römische Adler die scharfen Fänge ins Fleisch und in die Seele des unterjochten Volkes. Damals erreichte die Messiashoffnung in Israel den Höhepunkt. Nur vom Messias sprach man mehr, und in allen Häusern und Hütten, in allen Zelten, auf allen Wegen und an allen Lagerfeuern erklang in unvorstellbarer Sehnsucht das Lied: „Tauet, Himmel, den Gerechten! Wolken, regnet ich herab!“

 

Da erhob sich am Ufer des Jordan ein Prophet. Johannes war sein Name. Die Leute meinten, dass er der Messias sei, aber er war es nicht, denn er war nur der Bote, der vor dem Messias herging und ihm den Weg bereitete. Johannes war nur die Stimme des Rufenden in der Wüste, und einer der ersten, der den Ruf vernahm und annahm, war der Fischer Andreas vom See Genezareth. Andreas wurde des Täufers Jünger, Schüler und Diener, tat wie dieser, fastete und büßte und harrte und wartete auf den, der da kommen sollte, und unter der Predigt des Vorläufers entzündeten sich in seinem Herzen die Adventskerzen, eine nach der anderen, und bald brannten alle vier Adventskerzen zugleich, als der Prophet am Jordan die Worte sprach: „Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt. Dieser ist es, der nach mir kommen wird, obgleich er vor mir gewesen ist. Ich bin nicht würdig, ihm die Schuhriemen aufzulösen.“

 

So sprach Johannes, der Vorläufer des Herrn, und es war die Zeit erfüllt. Hier endlich schaltet sich das heutige Festevangelium ein:

 

In jener Zeit stand Johannes da mit zweien seiner Jünger. Als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: „Seht, das Lamm Gottes!“ Die zwei Jünger hörten ihn so sprechen und folgten Jesus. Da wandte sich Jesus um, und da er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: „Was sucht ihr?“ Sie antworteten ihm: „Meister, wo wohnst du?“ Er sprach zu ihnen: „Kommt und seht!“ Sie gingen mit ihm und sahen, wo er wohnte, und sie blieben jenen Tag bei ihm. Es war um die zehnte Stunde. Einer von den beiden, die dies von Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus.

 

So weit das Evangelium. Andreas ist also der Erstgenannte von den heiligen Zwölf, und mit dem anderen, dessen Namen verschwiegen wird, gehört Andreas auch zu den Zuerstberufenen der Apostel. Es war aber der andere der heilige Evangelist Johannes. Was Andreas und Johannes an jenem Tag, den sie beim Heiland verbringen durften, erlebt haben, darüber ist nichts aufgeschrieben. Es ist jedoch leicht, sich vorzustellen, dass das Erlebnis der beiden überaus beglückend gewesen sein muss. Sicher ist es auf alle Fälle, dass Andreas seitdem mit Leib und Seele und mit allen Fasern des Herzens dem Herrn verbunden war, denn wer einmal den lieben Heiland kennengelernt und seine Milde und Güte an sich erfahren hat, der ist ihm bis in den Tod für immer und ewig in heiliger Freundesliebe verfallen.

 

So war es bei Andreas. Drei Jahre folgte er mit den anderen Aposteln dem Heiland auf allen Wegen, und nach der Himmelfahrt Jesu verkündete er die Frohbotschaft im heutigen Südrussland, auf dem Balkan und in Griechenland, bis er, der Erstberufene von den heiligen Zwölf, auch als einer der ersten am 30. November des Jahres 60 den Martertod erlitt. An einem schrägen Kreuz, das man seitdem das Andreaskreuz nennt, besiegelte er seine Heilandstreue mit dem eigenen Blut.

 

Das Kreuz des heiligen Andreas schließt also das vergangene Kirchenjahr und steht am Beginn des neuen, um uns daran zu erinnern, dass das Kreuz im Mittelpunkt unseres Glaubens steht. Niemand auch könnte wohl besser als Andreas den Advent einleiten, denn wie er mit dem Täufer harrte und wartete auf den, der da kommen sollte, so muss unsere Sehnsucht in den nächsten Wochen auf den lieben Heiland gerichtet sein, mit jedem Tag und mit jeder Adventskerze, die angezündet wird, mehr und mehr.

 

O Heiland, reiß den Himmel auf!

Herab, herab vom Himmel lauf!

Reiß ab vom Himmel Tür und Tor!

Reiß ab, wo Schloss und Riegel vor!

 

Der heilige Tudwal (Tugdual, Tugal, Tudal), Prinz, Mönch und Bischof von Treguier,

in Bretagne, Frankreich,

+ 30.11.553 – Fest: 30. November

 

Das Vaterland des heiligen Tudwal war Großbritannien. Er verließ seine Heimat, begab sich nach Armorika, und stiftete in der Grafschaft Leon das später unter dem Namen Lan-Pabu bekannte Kloster. In der Folge erbaute er auch das von Trecor. Einige Zeit nachher wurde das zweite Kloster zu einem Bistum erhoben, und nahm nachher den Namen Treguir an. Man erwählte mit Einstimmung des Königs Childebert von Paris um das Jahr 532 den heiligen Tudwal zu dessen Vorsteher. Der heilige Bischof musste wegen seines Eifers von den Gottlosen viele Verfolgungen leiden, und starb am 30. November 553. In Frankreich tragen mehrere Kirchen seinen Namen, hauptsächlich aber verehrt man ihn in der Bretagne, zu Laval und Chartres. Die Bretagner nennen ihn gewöhnlich den heiligen Pabut (Pabut bedeutet Papa. Dieser Name war zur Zeit unseres Heiligen nicht bloß dem Papst vorbehalten. Die Bretagner gaben ihn dem heiligen Tudwal, ihre Verehrung für dessen Tugend auszudrücken). Die Kapelle des alten zu Paris für das Bistum Treguier gestifteten Collegiums war unter seinem Namen geweiht.

 

Der heilige Trojan, Bischof und Bekenner von Saintes, Frankreich,

+ 6. Jahrhundert – Fest: 30. November

 

Der heilige Trojan wurde um das Jahr 511 auf den bischöflichen Sitz von Saintes, einer Stadt des zweiten Aquitaniens, erhoben. Wir ersehen durch den heiligen Gregor von Tours, dass er durch seine Tugenden und Wunder berühmt war, und dass man schon bei seinen Lebzeiten Andenken von ihm wie kostbare Reliquien aufbewahrte. Seine Einsichten haben ihm ebenfalls einen großen Ruhm erworben. Als Eumerius, Bischof von Nantes, in seinem Bistum ein Kind fand, das sich nicht erinnerte getauft worden zu sein, sondern nur, dass man ihm das Haupt mit einer Leinwand eingehüllt habe, fragte er den Heiligen um Rat, wie er mit diesem Kind verfahren solle. Trojan teilte ihm mit, das leinene Tuch, womit des Kindes Haupt eingehüllt worden war, sei ein zweideutiges Zeichen, und gab folgenden Bescheid: „Es ist verordnet, dass wer sich nicht erinnert getauft zu sein, wenn niemand beweisen kann, dass er es wirklich ist, so bald als möglich die Taufe empfangen solle, es möchte uns sonst Rechenschaft über diese Seele abgefordert werden, wenn sie dieses Sakraments beraubt bliebe.“ Er starb spätestens im Jahr 532, weil Eusebius, sein Nachfolger, dem 2. Konzil von Orleans 533 beiwohnte. Seine Grabstätte erhielt er neben Bibian oder Vivian, einem der ersten Bischöfe von Saintes, an dessen Grab häufig Wunder geschahen. An diesem Tag steht sein Name im römischen, sowie im Adou`schen und Usuard`schen Martyrologium.

 

(Den Gebrauch der Leinwand, womit man das Haupt der Neugetauften einhüllte, führte man ohne Zweifel wegen des Chrisams ein, womit das Haupt gesalbt wurde. Auch bei der Firmung war ein ähnliches Tuch oder eine Kopfbinde üblich. Ein Gelehrter spricht von dem Käppchen, Cappa, Caputium, Capnilla, Mitra, Birrus, womit der gesalbte Oberteil des Hauptes an einem Neugetauften bedeckt wurde, und von dem Tuch Sabanum, worin das Kind lag, oder womit es nach der Taufe abgetrocknet wurde. Das Haupt des Neugetauften blieb an einigen Orten acht Tage, an anderen kürzere Zeit mit diesem Käppchen bedeckt. Später wurde der Chrisam mit Baumwolle abgetrocknet, und der Gebrauch des leinenen Tuches oder Käppchens hörte auf.)