Heilige im Mai

 

1. Mai

 

Der heilige Josef, der Arbeiter, Nähr- und Pflegevater Jesu Christi,

+ 30 ? - Fest: 19. März

 

„Es hat Heilige gegeben“, schreibt Kardinal Newman, „die unserem Herrn näher standen, als Märtyrer oder Apostel. Doch da eben diese heiligen Personen ganz aufgingen in dem Strahlenglanz seiner Glorie und in ihm sich ganz verloren, und da sie während ihres irdischen Wandels sich nach außen nicht hervortaten, so schenkte man ihnen lange Zeit weniger Aufmerksamkeit. Als aber verhältnismäßig ruhige Tage kamen, stiegen allmählich jene leuchtenden Gestirne am kirchlichen Himmel empor. Sie mussten deshalb so spät erst aufsteigen, weil sie so ganz besonders herrlich waren.

 

Der heilige Joseph bietet das treffendste Beispiel für das Gesagte. Hier ist das klarste aller Beispiele für den Unterschied zwischen Glaubenslehre und Andacht. Wer hatte durch die Vorzüge seiner Stellung (zu Christus) und das Gewicht der (in den Evangelien uns überlieferten) Zeugnisse einen größeren Anspruch, schon frühzeitig unter den Gläubigen eine Anerkennung zu finden, als er? Ein Heiliger der Heiligen Schrift, der Pflegevater unseres Herrn, war er der Gegenstand allgemeinen und unbedingten Glaubens für die ganze christliche Welt von Anfang an. Und doch ist die Andacht zu ihm verhältnismäßig späten Ursprungs.“

 

In der Liste der kirchlich und festlich verehrten Heiligen tritt der heilige Joseph erstmals in einem Martyrolog der schwäbischen Benediktinerabtei Reichenau um das Jahr 850 auf. Erst im 15. Jahrhundert wird seine Verehrung volkstümlich. Sein Fest erscheint 1479 zum erstenmal im römischen Brevier. Papst Pius IX. erklärte im Jahr 1870 den heiligen Joseph zum Schutzpatron der Kirche; sein Schutzfest am Mittwoch nach dem 2. Sonntag nach Ostern wurde seit 1847 in der ganzen Kirche gefeiert. „Weil nun der 1. Mai in der heutigen Welt als Tag der Arbeit begangen wird, hat Papst Pius XII. diesen Tag zum Fest des heiligen Joseph des Arbeiters bestimmt. Damit soll er geehrt, aber auch die Würde der menschlichen Arbeit bewusst gemacht werden. Joseph hat als Handwerker gearbeitet und für seine Familie das Brot verdient. Die Arbeit, wie sie heute von der Masse der Arbeiter getan und auch erlitten wird, ist sehr verschieden von der Arbeit in der alten Welt. Aber immer geht es darum, dass der Mensch, indem er die Kraft seines Körpers und seines Geistes einsetzt, sein eigenes Leben verwirklicht, seine Persönlichkeit entfaltet und das Leben in dieser Welt lebenswert oder doch erträglicher macht. Der Christ weiß außerdem, dass er seine Arbeit von Gott her und zu Gott hin tut.“ (Schott)

 

Fromme Andacht und Verehrung nimmt gerne ihre Zuflucht zu ihm, als dem mächtigen und hilfsbereiten Schutzheiligen des inneren (religiösen) Lebens und eines guten Todes.

 

Wie gut man daran tut, sollen uns heute zwei große Josephsverehrer aus der Welt der lieben Heiligen, die hl. Theresia von Jesus und der hl. Alfons von Liguori, lehren.

 

I.

 

Welche großen Gnaden die hl. Theresa (+1582) vom hl. Joseph für sich und ihre Schwestern erlangt hat.

 

Im 6. Kapitel der Selbstaufzeichnungen aus ihrem Leben schreibt die Heilige unter anderem:

 

„.... Zu meinem Fürsprecher und Herrn erwählte ich den glorreichen hl. Joseph und empfahl mich ihm recht inständig. Und in der Tat: ich habe klar erkannt, dass dieser mein Vater und Herr es gewesen ist, der mich sowohl aus meiner damaligen Not, als auch aus anderen noch größeren Nöten, die meine Ehre und das Heil meiner Seele betrafen, gerettet und mir sogar mehr noch verschafft hat, als ich ihn zu bitten gewusst.

 

Ich erinnere mich nicht, ihn bis jetzt um etwas gebeten zu haben, was er mir nicht gewährt hätte. Ja, es ist zum Erstaunen, welch große Gnaden mir Gott durch die Vermittlung dieses Heiligen verliehen, und aus wie vielen Gefahren Leibes und der Seele er mich durch ihn befreit hat. Anderen Heiligen scheint der Herr die Gnade gegeben zu haben, nur in einem bestimmten Anliegen helfen zu können; dieses glorreichen Heiligen aber habe ich in allen Stücken als Nothelfer kennen gelernt. Ich glaube, der Herr will uns zeigen, dass er ihm auch im Himmel alles gewähre, was er von ihm begehrt, gleichwie er ihm auf Erden als seinem Pflegevater untertänig war. Dies haben auch einige andere Personen erfahren, denen ich geraten habe, sich ihm zu empfehlen.

 

Jetzt ist die Zahl derer, die diesen Heiligen aufs neue verehren, schon groß, und sie finden alle die Wahrheit des hier Gesagten an sich bestätigt. Seinen Festtag trachtete ich stets mit aller Festlichkeit zu begehen, soweit mir dies nur möglich war.

 

Ich möchte jedermann zureden, diesen glorreichen Heiligen zu verehren, weil ich aus vieler Erfahrung weiß, wie viele Gnaden er bei Gott erlangt. Niemals habe ich jemand kennengelernt, der eine wahre Andacht zu ihm trug und durch besondere Übungen ihm diente, an dem ich nicht auch einen größeren Fortschritt in der Tugend wahrgenommen hätte; denn er fördert die Seelen, die sich ihm anempfehlen, gar sehr. Ich glaube, es ist schon etliche Jahre her, dass ich jedesmal an seinem Festtag etwas von ihm begehre, und immer sehe ich meine Bitte erfüllt. Ist sie nicht ganz rechter Art, so lenkt er sie zu etwas Besserem für mich.

 

Wäre ich eine Person, deren Schriften ein Ansehen hätten, so wollte ich gern die Gnaden, die dieser glorreiche Heilige mir und anderen Personen schon erwiesen hat, im Einzelnen recht umständlich erzählen. Ich bitte nur um der Liebe Gottes willen: wer immer meinen Worten nicht glauben will, wolle es selber versuchen; dann wird er aus Erfahrung innewerden, welch großen Nutzen es bringt, wenn man sich diesem glorreichen Heiligen empfiehlt und ihn andächtig verehrt.

 

Insbesondere sollten jene, die dem innerlichen Gebot ergeben sind, ihm allzeit mit Liebe zugetan sein; denn ich weiß nicht, wie man sich der Königin der Engel erinnern und jener Zeit gedenken kann, in der sie mit dem Kind Jesus so vieles ausgestanden hat, ohne dem hl. Joseph für die Wohltat des Beistandes, den er ihnen geleistet hat, Dank zu erstatten. Wer etwa seinen Lehrmeister zur Unterweisung in der Übung des innerlichen Gebetes findet, der wähle sich als solchen diesen glorreichen Heiligen und er wird keinen Irrweg gehen.

 

Soweit die hl. Theresia in dem von ihr selbst geschriebenen Leben; es gehört zum Schönsten und Tiefsten, was je über die Josephsverehrung gesagt wurde. Fügen wir dem noch einen Denkspruch aus ihren „Geistlichen Ermahnungen“ hinzu:

 

„Wenn du auch viele Heilige zu Fürbittern hast, so verehre doch als solchen ganz besonders den heiligen Joseph; denn er verlangt viel von Gott.“

 

Von diesem Vertrauen beseelt, weihte die hl. Theresia 15 ihrer neugegründeten Klöster dem hl. Joseph. Und nicht ohne sichtbaren Erfolg!

 

Gar oftmals erfuhr die Heilige den Vaterschutz des hl. Joseph an sich und an den ihr Anvertrauten. So berichtet eine der Nonnen, die ehrw. Anna von Jesus, von einer gefahrvollen Reise nach Beas im Jahr 1575 unter anderem:

 

„Am letzten Tag dieser Reise verirrten sich die Führer inmitten der Sierra-Morena, so dass sie sich nicht mehr zurechtfanden. Die Wagenführer versicherten, dass wir verloren seien und unmöglich aus diesen gewaltig hohen Felsen, in die wir uns verirrt hatten, herauskommen könnten. Da befahl unsere heilige Mutter Theresia den acht Nonnen, die sie begleiteten, Gott und unseren heiligen Vater Joseph zu bitten, unser Führer zu sein. Eben hatte sie uns diese Mahnung gegeben, als aus dem Hintergrund einer tiefen Höhle, die man vom Gipfel der Felsen aus kaum unterscheiden konnte, ein Mann, seiner Stimme nach ein Greis, kräftig zu rufen begann: Haltet an, haltet an! Ihr seid verloren! Wenn ihr weiter fahrt, stürzt ihr in die Abgründe.

 

Auf diesen Ruf hin hielten wir an. Die Priester und Weltleute, die uns begleiteten, schenkten der Stimme Gehör und fragten: Vater, was ist zu tun, um dieser Gefahr zu entrinnen? Und die Stimme antwortete, man müsse sich nach einer bestimmten Seite hinwenden. Alle erblickten darin ein Wunder, dass die Wagen jene Stelle passieren konnten. Einige wollten beim Anblick dieses Wunders die Person suchen, die in so liebenswürdiger Weise gesprochen hatte.

 

Unterdessen sagte die Mutter mit großer Rührung und unter Tränen zu uns: Ich weiß nicht, warum wir sie gehen ließen; es war ja mein heiliger Vater Joseph. Sie werden ihn nicht finden! Wirklich kamen die Leute mit dem Bemerken zurück, sie könnten nichts von diesem Mann finden, obwohl sie in der Höhle gewesen seien, aus der die Stimme gekommen war.“

 

II.

 

Was der hl. Kirchenlehrer Alfons von Liguori vom Tod des heiligen Joseph schreibt.

 

Kostbar ist in den Augen des Herrn der Tod seiner Heiligen (Psalm 113,15). Betrachte wie der hl. Joseph, nachdem er Jesus und Maria so treu gedient hatte, im Haus zu Nazareth auf dem Sterbebett lag. Engel umgaben ihn; der König der Engel, Jesus Christus, saß auf der einen, Maria auf der anderen Seite des armen Bettes, und in so süßer und so heiliger Gesellschaft verließ er voll himmlischen Friedens diese elende Welt.

 

Sanft und kostbar war sein Tod in Gegenwart Mariens, in Gegenwart eines solchen Sohnes, der zugleich sein Erlöser war. Wie hätte auch der Tod dem bitter vorkommen können, der in den Armen des ewigen Lebens starb? Niemand ist imstande auszudrücken oder zu begreifen, welche Akte der Ergebung, welche Flammen der Liebe die Worte des ewigen Lebens, die ihm bald Jesus, bald Maria, in diesen letzten Augenblicken seines Lebens zusprachen, im Herzen des heiligen Joseph bewirkt haben.

 

Deshalb scheint die Meinung des hl. Franz von Sales, der hl. Joseph sei aus reiner Liebe zu Gott gestorben, sehr wohl begründet. Weil Joseph immer heilig gelebt hatte, so war sein Tod ruhig, sanft, ohne Angst, ohne Furcht. Selig ist der, dem dieser große Heilige in solch entscheidenden Augenblicken beisteht. Da der hl. Joseph in den Armen Jesu und Mariens gestorben ist und da er das Jesuskindlein bei der Flucht nach Ägypten vom Tode errettet hat, so hat er das Recht erlangt, unser besonderer Sterbepatron zu sein und seine treuen Diener gegen die Gefahren des ewigen Todes zu schützen.

 

Mit Recht, heiliger Joseph, ist dir ein so seliger Tod zuteil geworden, nachdem du dein ganzes Leben hindurch so heilig gelebt hast. Ich verdiene um meiner vielen Sünden willen einen unseligen Tod; aber wenn du mir beistehst, werde ich nicht verloren gehen. Du warst nicht nur der Freund, sondern sogar der Beschützer und Nährvater dessen, der mich dereinst richten wird. Jesus wird mich nicht verdammen, wenn du ein gutes Wort für mich einlegst. Nach Maria wähle ich dich, o heiliger Joseph, zu meinem Fürsprecher und Beschützer.

 

Um der süßen Gesellschaft willen, die Jesus und Maria dir auf Erden leisteten, beschütze mich solange ich lebe, und bewirke, dass ich mich nie wieder von Gott durch den Verlust seiner Gnade trenne! Um des Beistandes willen, den Jesus und Maria dir in den letzten Augenblicken deines Lebens leisteten, steh mir bei in meiner Todesstunde, damit ich einst von dir und Jesus und Maria in den Himmel geleitet, dir daselbst danken und in deiner Gesellschaft Gott die ganze Ewigkeit hindurch loben und preisen könne!

 

Heiligste Jungfrau Maria, meine Hoffnung! Du weißt es, dass ich durch die Verdienste Jesu Christi und durch deine Vermittlung einen seligen Tod und das ewige Leben hoffe. O meine Mutter! Verlass mich nie und steh mir besonders in der Stunde meines Todes bei. Erlange mir die Gnade, dass ich dich und Jesus alsdann anrufe und liebe!

 

Geliebter Heiland! Der du eines Tages mein Richter sein wirst, vergib mir alle Beleidigungen, die ich dir zugefügt habe. Ich bereue sie von ganzem Herzen; aber vergib mir alsbald, vergib mir, ehe die Stunde meines Todes eintrifft, die zugleich die Stunde des Gerichtes ist. O, ich Unglückseliger! Wie viele Jahre habe ich verloren, in denen ich dich nicht geliebt habe! Gib mir die Gnade, dass ich dich liebe, dass ich in der Zeit, die mir noch übrig bleibt, eine große Liebe zu dir trage! Und wenn die Stunde kommt, in der ich dieses Leben verlassen und in die Ewigkeit eingehen soll, dann lass mich in brennender Liebe zu dir sterben. Ich liebe dich, meinen Heiland, meinen Gott, meine Liebe, mein Alles! Ich bitte um nichts anderes als um die Gnade, dich zu lieben; ich wünsche, ich begehre in den Himmel zu kommen, um dich aus allen Kräften die ganze Ewigkeit hindurch lieben zu können. Amen.

 

Am Fest des heiligen Joseph liest man in der Kirche die Geschichte des Joseph, der Erlöser Ägyptens genannt wurde, weil er dieses Land von den Schrecknissen der Hungersnot befreit hatte. Aber unser Heiliger hat noch weit größeren Anspruch auf diesen Titel, weil ihn Gott auserwählt hatte, dem Erlöser der Welt, den ein grausamer Machthaber töten wollte, das Leben zu retten.

 

„Gehet zu Joseph“, sagte der Pharao zu den Ägyptern. Ist es nicht so, als würden wir eine innere Stimme vernehmen, die auch uns sagt: gehe zu Joseph, wende dich mit Vertrauen an ihn? Welche Bitte wird der menschgewordene Gott dem ablehnen, der für ihn Vater war und dem er auf der Erde gehorsam sein wollte?

 

Welch ein gottseliges Leben führten Maria und Joseph in ihrer Hütte! Immer genossen sie die liebenswürdige Gegenwart Jesu! Immer glühte die zärtliche Liebesflamme aus ihrem Herzen ihm entgegen! Immer arbeiteten und lebten sie für ihn! Sie allein könnten uns sagen, welchen Eindruck das Glück, ihn zu sehen, ihn zu hören, ihn zu besitzen, auf ihre Seele machte. Was für ein himmlisches Leben! Ein Vorgeschmack der himmlischen Ewigkeit! Welch göttliche Unterhaltung! Aber auch wir können ungeachtet unserer Schwachheit, Maria und Joseph nachahmen und an ihrem Glück, wenigstens einigermaßen, Anteil nehmen. Dies geschieht, wenn wir immer in Gottes Gegenwart leben, die heilige Gewohnheit uns aneignen, uns oft mit Jesus zu unterhalten und über seine unendliche Güte Betrachtungen anzustellen, um in uns das heilige Feuer seiner Liebe zu entzünden. Lieben wir Jesus Christus? Die ihn lieben, nehmen seinen Geist an, ahmen sein Beispiel nach, suchen in allem Gott und sehen die Zeit als verloren an, die sie nicht für ihn oder zu seiner Ehre verwendet haben.

 

Wie viele nützliche und heilsame Lehren können wir aus den wenigen Handlungen ziehen, die wir vom heiligen Joseph wissen. Wo kann man die Sanftmut, die Liebe und die Klugheit besser kennen lernen, als wenn man sein Betragen betrachtet, das er zur heiligsten Jungfrau hatte, als er sie schwanger sah, ohne das Geheimnis zu kennen? Wie ergeben war er da in den göttlichen Willen! Wie schnell und blind gehorchte er den Befehlen, die er von Gott empfing! Wie fest musste sein Glaube sein, mit dem er die Menschwerdung des göttlichen Wortes, dieses wunderbarste aller Geheimnisse, glaubte, ungeachtet all dessen, was die Sinne dagegen sagen mochten! Wie arm und zufrieden lebte er als Handwerker von der Arbeit seiner Hände, obwohl er doch den König der Herrlichkeit in seinem Haus und die Mutter Gottes, die Königin der Engel, zur Gemahlin hatte! Mit einem Wort: Alles war groß an diesem Heiligen.

 

So ist auch die Herrlichkeit groß, die er im Himmel genießt. Groß ist schließlich die Kraft seines Schutzes im Leben und im Tod für alle, die zu ihm ihre Zuflucht nehmen, und sich vornehmen, seine Tugenden nachzuahmen. Was wird dieser große Heilige vom menschgewordenen Sohn Gottes nicht für uns erhalten, dem er auf Erden gerne und froh gehorcht hat?

 

Jesus sehen, ihn hören und ihn besitzen, was für ein Glück war das für Maria und den hl. Joseph! Aber auch wir können dieses Glück bis zu einem gewissen Grad haben, wenn wir in Gottes Gegenwart leben, wenn wir uns bei der heiligen Messe, bei der hl. Kommunion und vor dem Tabernakel mit Jesus unterhalten. Betrachten und erwägen wir Josephs Liebe, ahmen wir seine Beispiele nach, suchen wir in allem Gott. Bitten wir diesen Heiligen, dass er uns von Gott eine glückliche Sterbestunde erlange.

 

Heiliger Vater Joseph, ich bitte dich, stehe mir bei wenn ich sterbe und erlange mir die Gnade, dass Jesus und Maria mir und meinem letzten Hinscheiden zu Hilfe eilen und meine Seele zu sich in die ewige Wohnung aufnehmen wollen!

 

Die heilige Isidora, Jungfrau und Nonne zu Tabena, Ägypten,

+ 1.5.365 - Fest: 1. Mai

 

Wenn man im Sommer über Feld und Flur geht, so sieht man unter allen Gewächsen keine, die eine so unscheinbare und geringe Blüte haben wie das Getreide und der Weinstock. Aber keine Pflanze in der Welt ist für die Menschheit kostbarer, als gerade diese zwei, denn aus ihnen kommt Brot und Wein, sie verwandeln sich im Menschen zu Fleisch und Blut, und verwandeln sich auf dem Altar in den lebendigen Leib Jesu Christi. Dass nun der Schöpfer gerade den Pflanzen, die das Kostbarste erzeugen, die kleinste, schier farblose Blüte gegeben hat, wird gewiss seine Bedeutung haben. Diese arme Blüte bedeutet die Demut und bedeutet, dass, wo etwas Kostbares und Herrliches wird, es jedes Mal in Demut anfängt und erscheint.

 

In Ägypten gibt es eine Gegend, die Thebais heißt. Dort waren in den ersten Jahrhunderten des Christentums eine Menge Klöster und Einsiedler, die ein gottseliges Leben führten. Auch ein Kloster für Frauen befand sich dort, in dem mehr als dreihundert Frauen beisammen wohnten, um Gott zu dienen. Unter diesen lebte eine Frau, namens Isidora, oder wie sie von anderen genannt wird, Amma. Es scheint nun, dass in diesem Kloster mit all seinen Frömmigkeitsübungen eben doch nicht bei allen der wahre, christliche Geist durchgedrungen war. Isidora wurde nämlich hier so verächtlich behandelt, dass die anderen Klosterfrauen nicht einmal mit ihr essen wollten, man hielt sie für halb blödsinnig, für ein ungeschicktes Geschöpf, an dem jeder seine üble Laune auslassen zu dürfen glaubte. Isidora blieb allezeit in der Küche. Sie begnügte sich zu ihrer Nahrung mit dem, was noch in dem Geschirr übrig geblieben war, das sie nach dem Essen der übrigen in der Küche ausspülte. Statt des Schleiers, wie ihn die übrigen Nonnen trugen, hatte Isidora nur einige alte Tuchfetzen um den Kopf gewickelt.

 

Bei aller verächtlichen Begegnung von anderen hörte man aber die gute Jungfrau niemals murren oder klagen, viel weniger aber hat sie je eine andere im geringsten beleidigt. Allein obschon sie still und geduldig jedem zu Diensten war, wurde sie dennoch oft hart behandelt. Manche Klosterfrauen schimpften sie eine dumme Person, eine Närrin und gaben ihr zuweilen sogar Stöße und Schläge, ja, manche sagten ihr den größten Schimpf ins Gesicht, sie sei vom Teufel besessen.

 

Zu derselben Zeit lebte nicht sehr weit von dem Kloster ein Einsiedler, mit Namen Pyoter. Der war überaus fromm und berühmt wegen seiner Heiligkeit. Es ist aber der Hochmut eine Sünde, der selbst solche Menschen oft schwer versucht und in große Gefahr bringt, die sonst mit allen anderen Sünden fertig sind, d.h. nicht mehr davon angefochten werden. So scheint auch dieser Einsiedler durch das große Ansehen, das im sein heiliger Wandel bei den Leuten erworben hatte, verleitet worden zu sein, bisweilen mit Wohlgefallen seine eigene Tugendhaftigkeit zu betrachten. Gott aber wollte seinen sonst treuen Diener nicht in der Gefahr zugrunde gehen lassen. Dem Einsiedler wurde deshalb eine Offenbarung zuteil, in der ihm gesagt wurde: „Warum bildest du dir etwas ein? Gehe in das Frauenkloster, dort wirst du eine Jungfrau finden, die ihren Kopf mit schlechten Tüchern eingebunden hat; diese ist besser als du. Denn obwohl sie fortwährend von vielen beschimpft und verhöhnt wird, so hat sie doch ihr Herz niemals von Gott abgewandt; du aber sitzt da in deiner Hütte still und kommst nirgends hin, durchstreichst aber mit Gedanken und Gemüt alle Städte und Länder.“

 

Pyoter machte sich alsbald auf den Weg und ersuchte die Vorsteher des Klosters um die Erlaubnis, hineingehen zu dürfen. Obwohl es nicht üblich war, dass Männer ein Frauenkloster betraten, wurde dennoch das Begehren des Einsiedlers bewilligt, nicht nur, weil er ein alter Mann war, sondern auch weil man ihm wegen seiner bekannten Heiligkeit großes Vertrauen schenkte. Als Pyoter in das Frauenkloster eingeführt war, begehrte er, dass ihm alle Schwestern des Klosters vorgeführt und gezeigt würden. Das geschah; er schaute sich um, fand aber unter den versammelten Frauen keine einzige, die so aussah, wie sie ihm die Offenbarung bezeichnet hatte. Schließlich sprach er: „Lasst mir sämtliche Schwestern herbeikommen, denn meines Erachtens sind nicht alle gegenwärtig.“ – Sie aber gaben ihm zur Antwort: „Wir haben nicht mehr als noch eine einzige Schwester, die jederzeit in der Küche sich aufhält, die ist aber nicht recht bei Verstand.“ – Der heilige Pyoter erwiderte: „Führt mir auch diese her, damit ich sie ebenfalls sehe.“ – Diesem Befehl nachzukommen, wurde Isidora aus der Küche hereingerufen. Sie wollte aber nicht gehen, wahrscheinlich aus Schüchternheit; da sprachen die Schwestern: „Komme nur herein, denn der Gottesmann Pyoter begehrt dich zu sehen.“

 

Als sie nun dem berühmten Einsiedler vorgeführt wurde und er die schlechten Tücher um ihren Kopf sah, warf er sich ihr zu Füßen und sprach: „Ich bitte, gib mir den Segen.“ – Die Jungfrau war über dieses Benehmen erschrocken und warf sich selbst auf die Erde nieder und sprach: „Vielmehr, Herr, gib du mir den Segen.“ – Hierüber verwunderten sich alle Schwestern und sagten: „Heiliger Vater, tue dir doch selbst keine solche Schmach an, denn diese Person ist ganz töricht.“ Pyoter versetzte hingegen: „Ihr vielmehr seid nicht gescheit, meine Schwestern, diese ist meine und eure Meisterin und ich bitte Gott, ihr am Tage des Gerichtes in den Verdiensten gleich befunden zu werden.“

 

Als die geistlichen Jungfrauen das aus dem Mund eines Mannes, der wegen seiner Heiligkeit so berühmt war, vernommen hatten, waren sie überaus erstaunt, besonders die, die mit der demütigen Jungfrau bisher so übel umgegangen waren. Auf einmal hatte sich, wie man im Sprichwort sagt, das Blatt gewendet. Isidora, die erst noch allgemein verachtete Klosterschwester, wurde jetzt von den anderen Nonnen mit den größten Ehrenbezeugungen behandelt. Die sie vorher für eine verächtliche Kreatur angesehen hatten, lagen jetzt vor ihren Füßen und baten sie um Verzeihung wegen der ihr zugefügten Schmach und Beleidigungen. Ja, die Bußfertigkeit und Reue war so groß, dass sie öffentlich bekannten, was sie gegen Isidora gesündigt hätten. Die eine sagte, dass sie die gottselige Jungfrau mit Spülwasser übergossen habe, die andere bekannte, wie sie ihr öfters Backenstreiche gegeben habe, die dritte beweinte herzlich, dass sie dieser unschuldigen Tochter manchmal aus Mutwillen scharfen Senf in die Nase gesteckt habe, andere bekannten offenherzig andere Arten von Quälereien und Lieblosigkeiten, die sie ihr zugefügt hatten.

 

Endlich, nachdem der heilige Pyoter sein Gebet für alle diese Klosterjungfrauen verrichtet hatte, ging er wieder fort, seiner Zelle zu, bereichert mit einem neuen Schatz der himmlischen Weisheit, die er von einer um Christi willen törichten Jungfrau erlernt und gewonnen hat. Allein bei dieser Sache war niemanden übler zu Mute, als der heiligen Isidora selbst. Sie war des Ruhmes und der Ehre, die ihr in dem Kloster jetzt angetan wurde, nicht gewohnt. In ihrer Demut konnte sie die vielfältigen Entschuldigungen, das immerwährende „um Verzeihung bitten“ nicht ertragen. Damals aber waren die Klostersatzungen anders als jetzt, und es war nicht verboten, wozu Isidora sich nun entschloss. Damit sie nämlich ruhig in verborgener Demut und Vergessenheit leben könnte und ihre Tugend bei den vielen Ehrerweisungen nicht in Gefahr komme, hat sie sich heimlich davongemacht. Wo sie aber hingekommen ist, oder wie sie später gestorben ist, hat bis jetzt kein Mensch erfahren.

 

Wenn du für einfältig oder dumm von anderen gehalten wirst und darum manchmal Spottreden und verächtliche Begegnungen erleiden musst, so sei nicht betrübt darüber, viel weniger lasse Zorn und Gehässigkeit im Herzen aufkommen. Gerade, wenn du von der Welt so recht gering geachtet wirst und dabei fromm und brav lebst, giltst du desto mehr bei Gott. Denke nur zuweilen an die heilige Isidora und sei auch so still und willig und gut, wenn dich andere hochmütig behandeln. Wer aber mit Geistigbehinderten, Taubstummen, Körperbehinderten oder sonst von der Natur geringer ausgestatteten Menschen zu tun hat, der möge sie ja nicht geringschätzen. Vielleicht ist manches unter diesen scheinbar einfältigen Menschen, das mehr wert vor Gott ist wegen seiner Unschuld, Demut und Gutmütigkeit, als alle wir vermeintlich gescheiten und vornehmeren Leute. Vergiss ja die geringe Blüte des Getreides und der Rebe nicht. Die schöne blühende Rose gibt eine armselige Hagebutte als Frucht und die prächtig blühende Tulpe gibt gar keine Frucht.

 

Der heilige Peregrin Laziosi von Forli,

italienischer Priester aus dem Servitenorden OSM,

+ 1.5.1345 – Fest: 1. Mai

 

Papst Martin IV. hatte den heiligen Philippus Benizzi nach Forli, einer Stadt in der Landschaft Romagnola als apostolischen Prediger gesendet, um durch die Kraft seines Wortes und durch die Heiligkeit seines Lebens die Bürger dieser Stadt, die in beständiger Feindschaft unter sich und im hartnäckigen Widerstand gegen den Papst lebten, zu versöhnen und zur Unterwürfigkeit gegen den Heiligen Stuhl zu bewegen. Allein der Heilige fand nur verstockte Herzen und grausame Misshandlungen für die Bemühungen seines Eifers. Die Einwohner der Stadt fielen über ihn her, jagten, mit Steinen und Stöcken bewaffnet, den lästigen Prediger von einem Stadtviertel zum andern, schlugen und verhöhnten ihn. Unter ihnen zeichnete sich ein junger Mann, Peregrin Laziosi, einziges Kind einer sonst angesehenen und vornehmen Familie von Forli, durch Mutwillen und Rohheit besonders aus. Er ging so weit, dass er sich mit frecher Miene dem heiligen Mann näherte und ihm einen Backenstreich versetzte. Allein gerade dieser mutwillige junge Mann sollte aus den verblendeten Einwohnern von Forli die erste Frucht des Eifers des heiligen Philippus und die erste Beute der Mutter der Barmherzigkeit sein, der der Heilige, als besonderer Verehrer der schmerzhaften Mutter und als Mitglied des Ordens ihrer Diener (Serviten), sein schwieriges Werk besonders empfohlen hatte. Die Demut und engelgleiche Geduld des Verfolgten, mit der er all die Misshandlungen und Beschimpfungen litt, hatten ihren Eindruck auf das Gemüt des jungen Laziosi nicht verfehlt und ihn zum Nachdenken gebracht, und als er den heiligen Mann vor den Toren der Stadt, bis wohin man ihn verfolgt hatte, auf den Knien die Blindheit der verstockten Bürger beweinen sah und ihn laut um die Bekehrung seiner Verfolger und Feinde beten hörte, da konnte er dem Zug der rufenden Gnade nicht länger widerstehen. Er eilt Philippus nach, wirft sich ihm zu Füßen und bittet ihn unter Tränen um Verzeihung. Der Heilige umarmte ihn liebevoll und versicherte ihn nicht nur seiner vollkommenen Verzeihung, sondern tröstete ihn auch durch sanfte Worte. Er ermahnte ihn zur Änderung seines bisherigen Lebens und ermunterte ihn, durch aufrichtige Buße die Verzeihung seiner Sünden von Gott zu erlangen. Um desto sicherer Gnade hierfür zu erhalten, sollte er seine Zuflucht zu Maria nehmen und sie lebenslang besonders verehren, was Peregrin, der schon aus einem reißenden Wolf in ein sanftes Lamm verwandelt war, aufrichtigen Herzens zu tun versprach.

 

Bei seiner Rückkehr in die Stadt erschien er ganz verändert. Er mied die Gesellschaft seiner Jugend- und Sündengenossen, ertrug still und demütig ihren Spott über seine veränderte Lebensweise, ging oft in die Kirchen und betete in ihnen sehr lange, um Gottes Barmherzigkeit für sein vergangenes und zukünftiges Leben über sich zu erbitten. Besonders gerne besuchte er ein Bild der gebenedeiten Jungfrau, das man in der Kirche zum heiligen Kreuz verehrte, und bat da oft und mit Inbrunst die barmherzige Mutter, auch an ihm, dem bisher so ungehorsamen Kind, Mutterstelle zu vertreten, und ihm den Weg zu zeigen, den er gehen soll, um seine Seele in Sicherheit zu bringen. Man erzählt, es sei auch hier gewesen, wo ihm die Mutter Gottes erschien und befahl, nach Siena zu gehen und sich unter ihre Diener aufnehmen zu lassen. Er tat es mit Einwilligung seiner Eltern und erhielt aus den Händen seines Retters, des heiligen Philippus Benizzi, der damals oberster Vorsteher des Ordens war, das Klein der „Diener Mariens“. Er verlebte in dem Orden noch zweiundsechzig Jahre in strengster Buße und in der innigsten Dankbarkeit und Andacht zu Maria. Der heilige Peregrin übte zwar viele Abtötungen zu Ehren der schmerzhaften Mutter, aber besonders merkwürdig ist jene, dass er sich dreißig Jahre hindurch niemals niedersetzte. Wurde er ganz ermüdet und kraftlos, so suchte er nur dadurch einige Erholung und Erleichterung, dass er sich an einen Stein etwas anlehnte. Der Herr verherrlichte den frommen Diener Mariens mit vielen Wundern im Leben und nach seinem Tod, und die Kirche verehrt ihn seit 1726 als einen Heiligen des Himmels. Sein Gedächtnis wird am 1. Mai gefeiert. 

 

Gebet des heiligen Athanasius am 1. Mai

 

Vernimm, o allerheiligste Jungfrau Maria, unser Gebet, und denke an uns. Lass uns teilnehmen an deinen Schätzen und an der Gnadenfülle, die du genießt. Der Erzengel begrüßt dich und nennt dich voll der der Gnaden. Alle Völker preisen dich glückselig, die himmlischen Chöre lobsingen dir. Auch wir, die wir noch hier auf Erden leben, auch wir rufen dir zu: Gegrüßet seist du, Gnadenvolle, der Herr ist mit dir. Bitte für uns, o Mutter Gottes, unsere Gebieterin, unsere Königin. Amen.

 

Zu Gott

 

O Gott, der du deiner Kirche die heiligen Apostel zu Vätern und Grundsäulen gegeben hast, verleihe uns die Gnade, ihre Lehren und ihre Beispiele zu befolgen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Sigismund

 

O Gott, der du durch die Sünde beleidigt, durch die Buße aber besänftigt wirst, wende auf die Fürbitte deines heiligen Märtyrers Sigismund die Geißeln deines Zornes, die wir unserer Sünden wegen verdienen, gnädig von uns ab, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

In Frankreich wurde durch eine Verordnung des Königs Ludwig IX. im Jahr 1472 geboten, dass man um die Mittagsstunde durch das ganze Königreich die seligste Jungfrau durch das Angelus Domini oder der Engel des Herrn anrufen solle. Es war diese Andacht in Rom schon zuvor durch Papst Calixtus III. im Jahr 1456 eingeführt worden. 

 

2. Mai

 

Die heilige Jungfrau und Martyrin Wiborata, Reklusin von St. Gallen,

+ 2.5.926 - Fest: 2. Mai

 

Wiborata stammte aus einer alten Familie in Schwaben. Sie schien von ihren ersten Jahren an auf eine besondere Weise von der Gnade des Himmels begünstigt zu sein. Ihre Eltern bewunderten ihre erhabene Tugend und ließen ihr vollkommene Freiheit, sich allen Religionsübungen hinzugeben. Im väterlichen Haus lebte sie wie in einem Kloster und besuchte jeden Morgen barfuß die wohl eine halbe Stunde entlegene Kirche. Nach ihrer Heimkehr verschloss sie sich in ihrem Zimmer, um sich da in Gottes Gegenwart dem Lesen, dem Gebet und der Arbeit zu widmen. Sie mied nicht nur die auswärtigen Gesellschaften, sondern auch die unnützen Gespräche mit den Hausgenossen. Sie war aber in allem ihren Eltern gehorsam und unterstützte sie in ihrem Alter mit einer Bereitwilligkeit und Liebe, die bewunderungswürdig war. Die Eltern gestatteten ihr auch die Freiheit, ehelos zu bleiben, denn darum hatte Wiborata sie inständig gebeten.

 

Als ihr Bruder Hitto in den geistlichen Stand trat, empfand Wiborata die herzlichste Freude. Während seines Aufenthaltes im Kloster St. Gallen, in das er gegangen war, um sich da der Gottesgelehrtheit zu widmen, war sie ihm nicht nur Schwester, sondern wahre Mutter, indem sie für alle seine Bedürfnisse sorgte und ihn mit Kleidungsstücken versah, die sie selbst hergestellt hatte. Kaum erblickte sie ihn als Priester, so zog sie sich zu ihm zurück, in der Hoffnung, sich da besser dem Dienst Gottes und des Nächsten widmen zu können. Nichts war erbaulicher, als der Eifer, mit welchem Bruder und Schwester alles ausübten, was sie zur Vollkommenheit führen konnte. Ihre Wohnung verwandelte sich gleichsam in ein Krankenhaus. Die gottselige Wiborata bot jedem hilflosen Kranken ihre Pflege an, und nicht selten sah man sie auf ihren eigenen Schultern Sterbende herbeitragen und mit milder Hand bis zum Ende ihres Lebens pflegen. Sie erledigte die niedrigsten Krankendienste und wusste dennoch alle ihre Arbeiten in ein unablässiges Gebet umzuwandeln, so dass sie in ihrer Person Maria und Martha zugleich darstellte.

 

Um diese Zeit unternahmen die zwei frommen Geschwister miteinander eine Wallfahrt nach Rom, um die Gräber der heiligen Apostel zu besuchen. Auf dieser Reise übte Wiborata alle Bußwerke, und was sie von ihrem Unterhalt ersparen konnte, verteilte sie unter die Armen. In der Hauptstadt der Christenheit flossen heiße Tränen auf die Gräber der Heiligen, deren Fürbitte sie erflehten.

 

Nach ihrer Rückkehr sprach die Heilige zu ihrem Bruder so kraftvoll über die Gefahren, denen man in der Welt ausgesetzt ist, dass er sich dazu entschloss, diese auf immer zu verlassen. Er nahm daher das Ordenskleid in der Abtei zum hl. Gallus. Wiborata blieb in der Welt, ohne jedoch ihren Regeln und ihrem Geist zu erliegen. Sie kasteite ihren Leib durch Enthaltsamkeit, Wachen und Fasten. Die Prüfungen, denen ihre Treue durch Verleumdung ausgesetzt wurde, dienten nur dazu, die Neigungen ihres Herzens immer mehr und mehr zu läutern.

 

Auf einer Reise, die sie um das Jahr 887 in die Abtei St. Gallen mit Salomon, dem Bischof von Konstanz, machte, entschloss sie sich, ihrem alten Wohnort zu entsagen. Sie ließ sich nieder auf einem Berg in der Nähe der Abtei und schloss sich in eine Zelle neben der Kirche des heiligen Georgius ein. Die Zerstreuungen, denen sie hier durch häufige Besuche ausgesetzt war, erregten in ihr das Verlangen, sich der Lebensweise der Klausnerinnen zu widmen. Der Bischof von Konstanz weihte demnach für sie eine Zelle neben der Kirche zum heiligen Magnus, in einiger Entfernung von der Abtei St. Gallen, und schloss sie auch mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in diese ein. Ihre Wunder und Weissagungen machten ihren Namen bald berühmt.

 

Hier nahm sie auch ein Mädchen von vornehmem Stand, namens Rachilda, zu sich, das mit einer Krankheit, die man für unheilbar erklärte, behaftet war. Ihre Eltern wollten sie in der Hoffnung nach Rom führen, sie würde da durch die Fürbitte der heiligen Apostel ihre Gesundheit erhalten. Als Wiborata von diesem Vorhaben erfuhr, ließ sie Rachilda zu sich führen und nahm sie als ihre geistliche Tochter an. Sie tröstete sie und erbat ihr von Gott die vollkommene Gesundheit. Rachilda, die von ihrer geistlichen Mutter an die Übungen der Beschauung gewöhnt worden war, lebte danach auch als Klausnerin weiter.

 

Wiborata nahm noch Wendilgardis auf, die Enkelin des Kaisers Heinrich, die man für eine Witwe hielt, in der Meinung, dass ihr Gemahl, Graf Udalrich oder Vodalrich, im Krieg getötet worden sei. Es kostete sie anfangs sehr viel Mühe, sich an die strengen Übungen der Lebensweise zu gewöhnen, die sie sich gewählt hatte. Endlich gelang es ihr, sich zu besiegen; und mit Freude übte sie die härtesten Abtötungen. Der Bischof von Konstanz gab ihr den Schleier und weihte sie gänzlich dem Herrn. Plötzlich erschien der bisher für tot gehaltene Udalrich, als man ihn am wenigsten erwartete. Er hatte endlich seine Freiheit von den Ungarn oder Slaven erlangt, die ihn zum Gefangenen gemacht hatten. Die Bischöfe hielten eine Synodalversammlung und entschieden, dass das klösterliche Gelübde nicht verhindere, ihm seine Gemahlin wiederzugeben. Wendilgardis kehrte daher wieder in die Welt zurück, versprach jedoch, ihre Gelübde zu halten, wenn sie ihren Gemahl überleben sollte. Sie starb aber, als sie einen Sohn gebar, der dem Herrn geweiht und später Abt zu St. Gallen wurde.

 

Da die Ungarn ihre Überfälle in das Land erneuerten, wollte Wiborata nicht, wie man ihr geraten hatte, die Flucht ergreifen; und das kostete sie das Leben. Die Barbaren wurden, weil sie bei ihr kein Geld fanden, erbittert, und versetzten ihr mit einem Beil drei Hiebe auf den Kopf, woran sie am 2. Mai 925 starb. Papst Klemens II. setzte ihren Namen im Jahr 1047 feierlich in das Verzeichnis der Heiligen. Rachildis lebte noch einundzwanzig Jahre nach ihr; aber ihr Leben war, weil sie unausgesetzte Krankheiten zu erdulden hatte, ein fortgesetztes Sterben. Die Reliquien dieser beiden Heiligen wurden in der Kirche zum heiligen Magnus beigesetzt. Den Namen der heiligen Wiborata findet man in den Martyrologien von Deutschland und in denen der Benediktiner.

 

Der selige Konrad von Seldenbüren,

Stifter von Engelberg in der Schweiz, Laienbruder, Märtyrer,

+ 2.5.1126 – Fest: 2. Mai,

und die seligen Äbte Adelhelm I. von Engelberg,

+ 25.2.1131 – Fest: 25. Februar,

und Frowin von Engelberg,

+ 27.3.1178 – Fest: 27. März

 

Das Geschlecht der Edlen von Seldenbüren (Sellenbüren) könnte man ein Geschlecht der Klostergründer nennen. Schon um das Jahr 945 hatte Reginbert im Schwarzwald das Kloster St. Blasien gegründet, das unter dem großen Abt Gerbert im 18. Jahrhundert eine so großartige Blüte erleben sollte. Heinrich von Seldenbüren gründete 1030 das Kloster Muri im Aargau, das nach der Aufhebung im 19. Jahrhundert vom Staat als Armenanstalt eingerichtet wurde. Wenn nun der junge Konrad die Bilder der ehrwürdigen Ahnen staunend betrachtete und in müssigen Stunden in der alten Burgchronik blätterte, kann es uns dann wundern, wenn auch er einem Reginbert oder Heinrich nicht nachstehen wollte? Der Gedanke Gott eine Stätte des Lobes zu bereiten, den Menschen einen Ort des Gebetes und der Fürbitte, den Armen einen Quell des Trostes und der Erquickung, den auf den rauen Höhen und in den schneeigen Tälern Verirrten ein rettendes Dach, der Welt einen Hort der Kunst und Wissenschaft zu schaffen, dieser Gedanke wollte ihm nicht mehr aus dem Kopf. Immer wieder dachte er daran, wie er die Mittel schaffen könne, auf seinen Ritten und Jagden suchte er nach einem geeigneten Ort, ja manchmal glaubte er schon den weihevollen Klang der Psalmen vom Chor der Mönche her zu hören. Konrad befand sich wieder einmal auf einem solchen Ritt, er war von seiner Seldenburg am Westfluss der Albis bei Zürich über den Zuger- und Vierwaldstättersee gekommen und hatte sich von Stans aus mühsam durch die wilden Schluchten hinaufgearbeitet, über Grafenort bis an den Fuß des Engelbergs. Die Gegend gefiel ihm und ohne langes Bedenken war sein Entschluss gefasst: Hier sollte sein Lebenswerk erstehen. Freudigen Herzens ritt er wieder zu Tal auf seine verstreuten Gehöfte, und was dort an Kräften irgendwie entbehrlich war, musste hinauf auf die Berge, um Stein und Holz herzurichten für den Klosterbau. Bald herrschte auf den unbewohnten Höhen frisches, reges Leben; durch die stille Einsamkeit riefen menschliche Stimmen, hallte das Eisen der Äxte, die die Baumriesen stürzten, und der Meißel, der die Steine bearbeitete. Endlich war ein ansehnlicher Fleck gerodet, die Grundmauern wurden tief in die Erde gesenkt und bald erhob sich das Kloster im Rohbau. An der Stelle, wo einst der Waldbär seine Höhle bewohnt hatte, wurde der Hauptaltar errichtet. Der 1. April 1120 wird von der ältesten Chronik von Engelberg als Gründungstag überliefert.

 

Kloster und Kirche waren fertig, die toten Mauern warteten nur noch, dass man sie belebte. Konrad hatte inzwischen schon Umschau gehalten unter den Klöstern, aus denen er die Mönche für seine Stiftung nehmen sollte. Damals entfaltete gerade St. Blasien im Schwarzwald eine fruchtreiche Tätigkeit in der Besiedelung und Neugründung von Klöstern; im Mutterkloster selbst herrschte musterhafte Zucht und Ordnung. Ein Ahne Konrads hatte es vor 200 Jahren gegründet. St. Blasien also konnte Konrad seine Gründung wohl übergeben und hatte dabei die sichere Gewähr, dass sie sich bald selbstständig in die Höhe arbeiten könne. Adelhelm, der später der erste Abt des Klosters wurde, zog mit zwölf in der Ordenszucht erprobten Mönchen in das neue Kloster ein. Noch ist im Klosterarchiv die Urkunde vorhanden, datiert vom 22. November 1122, gemäß der „der edle Mann Konrad . . . den Ort Engelberg selbst mit allen gegenwärtigen und späteren gesetzlichen Gerechtsamen und Zugehörden . . . auf dem Altar der heiligen Maria Gott dem Herrn . . . als unanfechtbares Eigentum des genannten Klosters dem Vater Adelhelm und seinen Nachfolgern . . . abgetreten, überantwortet und übergeben“ hat. Diese Übergabe geschah in damaliger Zeit in einer sehr sinnvollen Zeremonie. Der Eigentümer nahm nämlich ein Rasenstück oder etwas Erde von seinem Grundstück, das er vergeben wollte, trug es in die Kirche und legte es auf den Hochaltar, in dem die Reliquien der Kirchenpatrone eingeschlossen waren und übergab dadurch sein Eigentum Gott und den Heiligen gleichsam persönlich als Geschenk und als Gegenstand ihres Schutzes. Das anwesende Volk wurde dabei in einer feierlichen Erklärung von dem Geschehenen in Kenntnis gesetzt und als Zeuge für alle Zukunft und gegen jedermann angerufen. Um seinem großen Werk das Schlusssiegel aufzudrücken, erwirkte Konrad noch Schutzbrief und Privilegien von Papst Kalixt II. und Kaiser Heinrich V. Seitdem hat sich der Gottespreis der Bergeshäupter vereinigt mit dem Gotteslob der Mönche. Wenn der Sturm um die Felsengrate jagt und seine langgezogenen Weisen singt, dann ertönen im Chor der Mönche die feierlichen Klänge des Chorals; wie die Berge ihre Riesenhände bittend zum Himmel recken, so falten sich still in den Zellen der Brüder die müden Hände zum Gebet, hier hat die Natur mit dem Menschen eine Harmonie gefunden. Konrad hatte dem Schöpfer der ganzen weiten Welt ein Werk der Ehre bereitet und das war auch sein eigentliches Ziel, das war sein Lebensberuf: Gott zu Ehren alles tun und das Heil des Nächsten wirken. Was außerhalb dieses Zieles lag, das war ihm Sünde, das durfte und wollte er nicht tun. Aber je konsequenter Konrad diesen Gedanken durchdachte, desto mehr kam es ihm zum Bewusstsein, wie der ganze Mensch mit all dem Seinen zu Gottes Ehre geschaffen sei; weil aber das Fleisch so schwach sei, dass der Mensch in der Welt dieses Ideal niemals vollkommen verwirklichen könne, so müsse er sich zum ausschließlichen Dienst Gottes von der Welt absondern. Konrad verbarg sich nicht vor diesem Gedanken und der Folgerung, die sich daraus für ihn ergab, denn Denken und Tun war ihm eins: er trat in das von ihm gegründete Kloster unter Abt Adelhelm als einfacher Laienbruder ein. Sein jungfräulicher Leib sollte nunmehr allein Gott zu Ehren seine Kräfte verzehren. Seinen freien Sinn beugte er voll Demut unter das Joch des Gehorsams; die Hand, die einst nur den Degen des freien Mannes geführt hatte, griff zur gewöhnlichen Arbeit seiner Knechte, er, der einst durch Berge und Tal, durch die wilde Schlucht und den dunklen Wald dem Wild nachjagt hatte, ging nur mehr dorthin, wohin der Obere ihm befahl. Gott gewährte ihm die Gnade, dass er in diesem Gehorsam sich selbst zum Schlachtopfer bringen durfte. Ein weltlicher Nachbar des Klosters beanspruchte einige Grenzgebiete des Klosters als sein Eigentum. Abt Adelhelm hatte nun keinen besseren Zeugen für die Rechtmäßigkeit seines Besitzes als Konrad, den einstigen Besitzer dieser Gebiete. Ihn schickte er deshalb, den unseligen Streit zu schlichten. Konrad ging willig und gerne hin, um das gottgeweihte Gut zu verteidigen. Beide legten die strittigen Punkte des Prozesses klar, als man dann auf die Auseinandersetzung über sie einging, wurde Konrad unversehens vom anderen angefallen. Aus zwei tiefen Wunden blutend, stürzte Konrad zusammen um als ein Märtyrer der Gerechtigkeit zu sterben, am 2. Mai 1126. Seine Leiche wurde im Triumphzug nach Engelberg zurückgetragen und im Chor der Kirche beigesetzt. In der neuen Kirche ruhen die Überreste des seligen Stifters seit 1743 in einem altarähnlichen Aufbau links vom Eingang der Kirche. Auf seine Fürbitte hin geschahen an seinem vielbesuchten Grab zahlreiche Gebetserhörungen.

 

Der selige Stifter war tot, doch über seinen Gebeinen hob sich das Werk. Die Klostergebäulichkeiten erhielten einen stattlichen Umfang, man legte auch schon in der Umgegend neue Gehöfte an, um dem fruchtbaren, aber noch gänzlich ungepflegten Boden mühsam das tägliche Brot abzuzwingen. Abt Adelhelm war es, der elf Jahre lang mit unermüdlichem Eifer die Gemeinde leitete und die wirtschaftliche Hebung des Klosters betrieb. Doch ging er in dieser Sorge um die äußere Sicherstellung des Klosters nicht auf. Er war ein Mann voll Tugend und Heiligkeit, dem seine Zeit die Gabe der Prophezeiung nachrühmte und den die Nachkommen als Seligen verehrten. Als Todestag bezeichnet das Sterbebuch den 25. Februar 1131. Seine spärlichen Gebeine wurden 1743 in ein Grabmal, ähnlich dem des Stifters in der Seitenkapelle rechts vom Eingang eingeschlossen.

 

Noch tatkräftiger und energischer als Adelhelm wirkte der gottselige Abt Frowin, der von 1143 bis 1178 das Kloster leitete. Er besaß ein besonderes Talent, sowohl anderen Arbeitsgebiete zu eröffnen, wie auch selbst sie zu pflegen. Im Kloster richtete er eine Schule ein, wie sie in allen größeren Klöstern des Mittelalters zur gewöhnlichen Einrichtung gehörte, eine Schule für den Nachwuchs des Klosters, dann eine zweite für die Söhne der Adeligen. Die Mönche, die in der Schule keine Beschäftigung fanden, mussten in der geräumigen Schreibstube alte Handschriften abschreiben. Man kann es fast kein Schreiben mehr nennen, das war schon ein fein säuberliches Malen, das ihre ganze Fingergelenkigkeit, ihre Geduld und Ausdauer, ihr künstlerisches Zartgefühl, ihre kindliche Phantasie beanspruchte; ja nicht wenige haben uns darin, besonders in den kunstvoll verzierten Anfangsbuchstaben, den sogenannten Initialen, ein Stück ihrer Seele überliefert. Das Ziel, das Frowin bei allen Beschäftigungen verfolgte, war die Vermeidung des Müßiggangs, der aller Laster Anfang auch im Kloster ist, den der heilige Ordensvater Benedikt mit solcher Schärfe aus dem Kloster verbannt wissen will. Abt Frowin ging selbst mit dem besten Beispiel voran. Obwohl die ganze Last der Klosterverwaltung auf ihm lag, obwohl er sein reich entwickeltes Innenleben in keiner Weise verkümmern ließ, fand er doch noch Zeit, seine Gedankenfülle auf dem Pergament festzuhalten. Seine bekanntesten Schriften sind die über das Gebet des Herrn und über den freien Willen. Unter Abt Frowin, Todestag 27. März 1178, steht Engelberg wohl auf dem Höhepunkt seiner ersten Blüteperiode. Und das Fundament zu dem hocherwachsenen Bau bildeten die Grundsätze, die Konrad einst das Kloster hatten gründen lassen: Gottes Ehre und der Seelen Heil.

 

Gottes Ehre und der Seelen Heil, das ist der einzige echte Inhalt eines christlichen Lebens. So wie wir Menschen nun einmal sind, müssen wir uns nehmen: den immerwährenden Zwiespalt zwischen Geist und Fleisch können wir nicht aufheben. Wir werden es immer wieder erleben müssen, dass das Leibliche in uns die Oberhand zu gewinnen sucht, dass wir oft schmählich von ihm überwältigt werden. Aus uns allein werden wir dem Geist nie zum Sieg verhelfen können. Das kann nur einer, der uns rein und stark geschaffen, der uns erlöst hat, der kann uns heiligen, kann uns stärken, kann uns selig machen. Ihm allein also gebührt alle Ehre. Ihm soll unsere Lebenskraft, Leib wie Geist geweiht sein, ihm wollen wir mit der ganzen Schöpfung ein großes Loblied singen: „Ehre sei Gott in der Höhe!“ „Und Friede den Menschen auf Erden“ schließt sich unwillkürlich daran. Friede aber lässt sich nur dann im Menschenherzen nieder, wenn die Seele sich gefunden hat in Gott. Dass wir den Menschen auf den Weg zu Gott verhelfen, das ist also unsere zweite Aufgabe, die sich folgerichtig aus der ersten ergibt. Seelen zu Gott zu führen, das ist die Krone der Nächstenliebe.

 

Gebet am 2. Mai

 

O meine heilige Fürsprecherin, ich freue mich mit dir, dass du schon im Hafen und am Ziel deiner Sehnsucht angelangt bist: wo du nicht mehr des Glaubens bedarfst, da du die göttliche Schönheit selbst schaust, wo du nicht mehr hoffen musst, da du das höchste Gut schon besitzt. Siehe, schon genießt du deinen Gott, zu dessen Anschauung du jetzt gelangt bist, nachdem du ihn auf Erden so sehr geliebt, nachdem du dich so sehr nach ihm gesehnt hast. Deine Liebe ist jetzt gesättigt, es gibt für dein liebendes Herz keinen Wunsch mehr, der noch unerfüllt wäre. O meine Heilige, hab Mitleid mit mir, der ich mich noch mitten im Sturm befinde. Bitte für mich, damit ich meine Seele rette und dahin gelange, mit dir vereinigt deinen Gott zu lieben, den geliebt zu sehen du so innig verlangst. Amen.

 

Zu Jesus Christus

 

Herr Jesus Christus, wir glauben, dass du von Ewigkeit her Gott, dass du mit dem Vater eben desselben Wesens bist. Lass uns durch unsere Worte und alle unsere Werke zeigen, dass wir dem Evangelium folgen und uns auch im Leiden glücklich schätzen, dass wir deine Schüler sind. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Mecheln wurde im Jahr 1627 vom Erzbischof die Bruderschaft des Rosenkranzes errichtet. In Haag wurde im Jahr 1456, und zu Valenciennes im Jahr 1473 eine Versammlung der Ordensritter vom goldenen Fließ gehalten.

 

3. Mai

 

Der heilige Alexander I., Papst und Martyrer von Rom,

+ 3.5.119 – Fest: 3. Mai

 

Alexander I., Papst von 109 bis 119, gewann durch seinen Eifer und seine hingebende Liebe Tausende für das Christentum, besonders aus den Reihen des römischen Adels. Unter diesen Bekehrungen ist besonders merkwürdig die des Stadtpräfekten Hermes mit seinem ganzen Haus und des Tribuns Quirinius. Von ihm rühren manche Anordnungen her, die heut zu Tage noch in der Übung der Kirche sind. So gebot er, dass bei der heiligen Messe nur Brot und Wein dargebracht werden sollen, und zwar gewässerter Wein wegen des Blutes und Wassers, das aus der Seitenwunde Christi floss. Auch stammt von ihm der Gebrauch, das Wasser mit gesegnetem Salz zu weihen (Weihwasser). Auf die Nachricht von den Fortschritten, die die neue Lehre zu Rom machte, sendete Kaiser Hadrian den Kriegsobersten Aurelian dahin, die Christen zu vertilgen. Alexander wurde mit vielen anderen verhaftet und traf im Kerker die Priester Eventius und Theodulus, die schon länger im Gefängnis in Ketten lagen. Nachdem Quirinius, der die Gefangenen bewachen sollte, selber den Glauben angenommen hatte, konnte der heilige Papst das Werk der Bekehrung und Taufe ungestört im Kerker fortsetzen. Doch nicht lange blieb das Aurelian verborgen, der nun zuerst Quirinius und Hermes nach grausamen Martern enthaupten, und hierauf Alexander, Eventius und Theodulus in einen feurigen Ofen werfen ließ. Als ihnen die Flammen nicht schadeten, ergrimmte der Machthaber noch mehr und gebot, dass man den beiden Priestern die Köpfe abschlage, Alexander aber ließ er Glied für Glied mit Stichen durchbohren, bis er seinen Geist aufgab. Der Name des Martyrers ist in den Canon der heiligen Messe aufgenommen worden.

 

Der heilige Ansfried (Aufried), Bischof und Bekenner von Utrecht OSB,

+ 3.5.1010 – Fest: 3. Mai

 

Graf Ansfried von Brabant war ein tapferer Degen, was nicht bloß die auswärtigen Feinde des Vaterlandes, sondern auch ganz besonders die zahlreichen Räuberbanden fühlen mussten, die damals die Niederlande beunruhigten, und die er in ihren Schlupfwinkeln aufsuchte und aus dem Land verjagte, oder zur gerechten Strafe zog. Er war auch ein Mann des Rates und von hoher Weisheit. Nichts von Wichtigkeit wurde entschieden, ohne dass der Graf zu Rate gezogen wurde. Der Kaiser, Heinrich II., schätzte und liebte ihn, und bediente sich seiner Erfahrung und Klugheit in den Reichsgeschäften sowohl, als auch in Privatangelegenheiten. Seine Gerechtigkeitsliebe, seine Tatkraft wurde allgemein anerkannt, und er von allen Gutdenkenden hoch geachtet, von den Schlechten gefürchtet. Dabei war das Herz dieses Mannes von den innigsten Gefühlen der Frömmigkeit durchdrungen, und sie gab sich in allen seinen äußerlichen Handlungen und in seiner ganzen Lebensweise kund. Die Zeit, die er den weltlichen Geschäften entziehen konnte, widmete er dem Gebet und frommer Lesung. Er wurde dadurch mit dem Inhalt der heiligen Schriften so vertraut, dass er auch die gewöhnlichen Gespräche mit Beispielen und Aussprüchen derselben würzte. Sein Leben glich zu Zeiten, wo er nicht im Feld war oder öffentliche Angelegenheiten zu schlichten hatte, dem eines Mönches. Dieser ernste Mann hatte in seinem Herzen die zärtliche Liebe eines Kindes zu Maria. Seine Ergebenheit der heiligen Jungfrau gegenüber und sein Vertrauen in ihren mächtigen Schutz gab er unter anderem öffentlich bei folgender Gelegenheit zu erkennen.

 

 

Ein Bote war ins Lager des Kaisers, wo sich auch Aufried befand, gekommen mit der Nachricht vom Tod Balduins, des Bischofs von Utrecht. Der Kaiser führte, nachdem er einige Zeit nachgedacht hatte, Aufried beiseite und drang in ihn, da er seine Frömmigkeit und nicht gewöhnlichen Kenntnisse so gut wie seine Tapferkeit kannte, sich die heiligen Weihen geben zu lassen und den erledigten bischöflichen Stuhl einzunehmen. Der Graf machte alle Einwendungen, die ihm seine Demut eingaben. Da er aber sah, dass der Kaiser auf seinem Ansinnen beharrte und alles anwenden würde, es durchzusetzen, bat er für den Augenblick nur, sich mit seinen Freunden beraten zu dürfen, um so sicherer nach dem Willen Gottes handeln zu können. Er glaubte wohl auch, auf diese Weise sich dem Antrag seines Kaisers entziehen zu können, ohne ihn zu beleidigen. Aber die Freunde hielten es dem Willen Gottes gemäß, dass er sich den Wünschen des Kaisers füge, und so unterwarf er sich denn. Als er sich vor ihm erklärt, und der Kaiser mit Freude seine Bereitwilligkeit vernommen hatte, gürtete der tapfere Kriegsmann sein Schwert von den Lenden, legte es auf den Muttergottes-Altar und sprach mit bewegter Stimme: „Bisher habe ich dieses Zeichen irdischer Ehre und Macht getragen und es gebraucht, die Armen und Witwen zu schützen, nun übergebe ich selbes und übertrage mit ihm diesen Schutz meiner Herrin und Frau, der heiligen Jungfrau Maria, durch deren Verdienst und Fürbitte ich das Heil meiner Seele erlangen möge!“ Alle Anwesenden waren zu Tränen gerührt. Und so vertauschte denn dieser Streiter Mariens das Schwert mit dem Hirtenstab, den Helm mit der Infel (Mitra), und bekämpfte mit Gebet und Bußübungen gefährlichere Feinde, als er ehedem mit Schwert und Lanze bekämpft hatte. Seine reichen Besitzungen verwendete er zur Unterstützung der Armen und zur Gründung und Verbesserung gottseliger Stiftungen. Der Herr, der für seine Lieblinge das Ehrengeschenk der Leiden aufbewahrt und sie vor ihrem Hingang in die ewige Heimat auch von den Makeln zu reinigen sucht, von denen in diesem Tal der Verbannung auch die Tugend nicht gänzlich frei bleibt, ließ den frommen Bischof das Augenlicht verlieren. Er zog sich in die Einsamkeit zurück, nahm das Ordenskleid des heiligen Benedikt, und endete sein gottseliges Leben auf dem Frauenberg (Heiligenberg), nicht weit von der Stadt Amersford, wo er zu Ehren der heiligen Jungfrau ein Benediktiner-Kloster gestiftet hatte. Sein Andenken fällt auf den heutigen Tag. 

 

Die Auffindung des heiligen Kreuzes

 

Osterjubel klingt und singt in dieser Zeit froh und festlich durch die gesamte Kirche rings um die Erde, denn Christus, der Siegerheld auf Golgatha, herrscht nun als König vom Thron des Kreuzes aus über Himmel und Erde.

 

Kreuz des Glaubens, Baum der Treue,

Einzig du an Ehren reich,

Denn an Zweigen, Blüten, Früchten

Ist im Wald kein Baum dir gleich.

Teures Holz, o teure Nägel!

Teure Last für uns ihr tragt.

 

Christus ist der Osterkönig, und weil das Kreuz es war, mit dem er den großen Sieg über Satan und Sünde errungen hat, ist es durchaus in der Ordnung, dass die Anhänger des großen Königs Christus auch das Kreuz hoch in Ehren halten.

 

Wechselvoll sind die Geschicke des Kreuzes Christi gewesen.

 

Die Geschichte berichtet, dass sich Christi Freunde in der ersten Aufregung, die der Kreuzigung Jesu folgte, und in den harten Verfolgungen, die gleich darauf einsetzten, um das kostbare Marterholz des heiligen Kreuzes nicht bemühen konnten. Man wusste nur, dass das Kreuz an einer Stelle verscharrt wurde, wo man später wie zum Hohn ein Götzenstandbild errichtete.

 

Darüber vergingen fast dreihundert Jahre, und erst als der römische Kaiser Konstantin unter dem Kreuz, das ihm als glückverheißendes Zeichen am Himmel erschienen war, in blutiger Schlacht seine Gegner niedergerungen hatte und damit auch der Sieg des Christentums endgültig besiegelt war, da wandte sich die allgemeine Aufmerksamkeit erstmals wieder dem wahren Kreuz Christi zu.

 

Des Kaisers Mutter, die verehrungswürdige heilige Helena, reiste nach Jerusalem und leitete persönlich die Ausgrabungen. Drei Kreuze fand man im Boden vor. Weil man nicht wusste, welches von den drei Kreuzen das Kreuz Christi war, legte man sie der Reihe nach einer schwerkranken Frau auf. Die beiden ersten Kreuze erwiesen sich als wirkungslos, aber als das dritte Kreuz die Kranke berührte, war sie auf der Stelle gesund. Ein Teil des wahren Kreuzes Christi blieb in Jerusalem, ein zweiter Teil kam nach Konstantinopel und ein dritter nach Rom.

 

Von jenem Stück, das in Jerusalem blieb, wurden im Lauf der Zeit viele kleine und kleinste Splitter abgetrennt und an Pilger oder an Kirchen verschenkt. Wie viele Partikelchen man nun aber auch von der großen Kreuzesreliquie in Jerusalem löste, sie selbst nahm deswegen, wie die Legende berichtet, nicht im geringsten ab, und so ist es zu verstehen, dass es auf der Welt zahlreiche Kreuzesreliquien gibt, die alle zusammen viel mehr als nur ein Kreuz ausmachen. Glücklich aber ist jede Kirche zu nennen, die auch nur die kleinste Kreuzesreliquie besitzt, denn wie klein sie auch sein mag, so war sie doch ein Werkzeug unserer Erlösung.

 

O Kreuz, du Hoffnung, sei gegrüßt,

Aus dem uns Osterfreude fließt,

Mehr´ allen Frommen Gottes Huld

Und tilge aller Sünden Schuld!

 

Als damals vor über sechzehnhundert Jahren das wahre Kreuz Christi aufgefunden worden war, erließ Kaiser Konstantin das Gesetz, dass das Kreuz nie mehr zur Hinrichtung gebraucht werden durfte. So wurde aus dem Kreuz, das ehedem ein Holz der Schmach war, ein verehrungswürdiges Ruhmeszeichen, und wenn heute Heiden und Ungläubige das Kreuz auch schmähen, die Christen werden es allezeit hoch in Ehren halten bis zu jenem Tag, der der letzte der Weltgeschichte ist. Dann wird auf den Wolken des Himmels Christus und mit ihm, hellsten Glanzes voll, auch das Kreuz erscheinen als Zeichen der ewigen Verwerfung für diejenigen, die es im Leben verworfen haben. Für diejenigen aber, die es verehrt und geliebt haben, wird es in jener Stunde zum unbeschreiblich beseligenden Zeichen dafür, dass ihr ewiger Ostertag begonnen hat.

 

Gebet zu Maria um einen guten Tod am 3. Mai

 

O Maria, du wunderbare Zuflucht der elenden Sünder, o meine wunderbare Mutter, stehe mir um des Schmerzes willen, den du beim Tod deines Sohnes am Kreuz ausgestanden hast, mit deiner Barmherzigkeit bei, wenn meine Seele dereinst diese Welt verlassen muss. Vertreibe alsdann alle höllischen Feinde und komm und nimm meine Seele auf und übergib sie dem ewigen Richter. O meine Königin, verlasse mich nicht!  Du musst nach Jesus, mich in jenem furchtbaren Augenblick stärken. Bitte deinen göttlichen Sohn, er möge mir die Gnade gewähren, dass ich alsdann deine Füße umfasse und ich meine Seele in seine heiligen Wunden übergebe und ausrufe: Jesus und Maria, euch schenke ich mein Herz und meine Seele. Amen. 

 

Zu Gott

 

O Gott, der du bei der wunderbaren Auffindung des heiligen Kreuzes die großen Wunder deines Leidens erneuert hast, verleihe uns dadurch alle Hilfe zum ewigen Leben, der du lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Utrecht wurde das vom Bischof Afridus im Jahr 1008 gebaute Benediktiner-Kloster und die Kirche zur Ehre der allerseligsten Jungfrau eingeweiht.

 

4. Mai

 

Der heilige Florian, Offizier und Martyrer von Lorch, Österreich,

+ 4.5.304 – Fest: 4. Mai

 

Zur Zeit, als die römischen Kaiser Diokletian und Maximian grausame Verfolgungsmaßregeln gegen die Christen erließen, schickte der römische Statthalter Aquilinus in Oberösterreich seine Häscher aus, um nach Christen zu spähen und sie zur Marter auszuliefern oder zum Abfall vom Christenglauben zu bewegen. Bereits starben vierzig Gläubige des Martertodes, die übrigen flohen in die Gebirge und Wälder, um der Verfolgung zu entgehen.

 

Florian, ein römischer Soldat, gebürtig aus Zeisenmauer (Kloster-Neuburg) bei Wien, stand damals in der Garnison Lorch, der Hauptstadt von Oberösterreich. Kaum hatte er die Trauerkunde von dem Mordbefehl der römischen Tyrannen und von dem Martertod der vierzig Christen vernommen, da entbrannte in seinem Herzen die heilige Begierde, für seinen Christenglauben sein Blut zu opfern und dadurch die wankelmütigen und eingeschüchterten Gläubigen zum glorreichen Kampf und zur Treue und Beharrlichkeit im Glauben zu stärken. Als er eben über die Ennsbrücke in die Stadt Lorch ging, traten ihm Soldaten entgegen, die mit ihm unter einer Fahne standen. Aus ihrem Mund erfuhr er, dass sie ausgesandt seien, um Christen zu fangen. Unerschrocken sprach er zu ihnen: „Warum sucht ihr nach anderen? Seht, ich bin ein Christ. Geht hin und meldet es dem Statthalter!“ Sogleich verhafteten ihn die Soldaten und führten ihn vor Aquilinus. Der versuchte den angesehenen und beliebten Offizier Florian anfangs durch Schmeicheleien zu bewegen, den Befehlen der Kaiser zu gehorchen und den Göttern zu opfern. Florian entgegnete, niemals werde er den falschen Göttern opfern, er sei bereit, für Christus jede Qual zu leiden. Aquilinus drohte ihm mit der Folter. Der Heilige aber hob seine Augen zum Himmel und betete: „Mein Herr und mein Gott! Auf dich habe ich gehofft, dich kann ich nimmermehr verleugnen, für dich will ich kämpfen und mein Leben opfern. Gib mir Kraft zum Leiden und nimm mich in die Zahl deiner auserwählten Kämpfer auf, die vor mir deinen Namen bekannt haben!“ Als Aquilinus den edlen Kämpfer so beten hörte, spottete er: „Wie magst du so unsinnig reden und den Befehlen der Kaiser trotzen?“ Ihm erwiderte Florian: „Du hast Gewalt über meinen Körper, aber über meine Seele vermagst du nichts; denn über sie hat Gott allein Macht. Ich gehorche meinem Kaiser, wie es einem guten Soldaten geziemt, niemand aber wird mich bewegen, dass ich den Götzen opfere.“ Wutentbrannt ließ der Statthalter ihn entkleiden und mit Stöcken schlagen. Mitten in der Qual rief Florian: „Wisse, dass ich keine deiner Qualen fürchte! Lass einen Scheiterhaufen anzünden und ich werde ihn willig im Namen Christi besteigen!“ Wieder schlugen ihn die Schergen, dass das Blut zur Erde strömte. Florian wankte nicht. Heiter lächelnd sprach er: „Nun bringe ich meinem Herrn und Gott ein wahres Opfer dar, der mich stärkt und zu dieser Ehre erhebt.“ Da befahl der Tyrann, mit spitzigen Stacheln ihm das Fleisch herauszureißen, aber in den furchtbarsten Qualen blieb Florian standhaft und wohlgemut.

 

Als der grausame Statthalter alle seine ausgesuchten Martern an dem freudigen Starkmut des Heiligen scheitern sah, befahl er den Henkersknechten, ihm einen Stein an den Hals zu binden und ihn in die Enns zu stürzen. Florian dankte Gott für diese Gnade und ging fröhlichen Mutes der Brücke zu. Dort wurde ihm ein Stein an den Hals gebunden, und nachdem ihm die Henker noch eine kurze Frist zum Gebet gewährt hatten, kniete er nieder und empfahl in glühender Andacht seine Seele dem Herrn. Unwillig über diesen Verzug, lief ein fanatischer Heide herbei und stieß mit roher Gewalt den Heiligen in den Fluss hinab. Dies geschah am 4. Mai 304 (297). In demselben Augenblick erblindete der grausame Heide mit beiden Augen. Die mitleidigeren Wogen des Flusses hoben den Heiligen empor und trugen ihn samt dem schweren Stein an einen erhöhten Platz am Ufer. Ein mächtiger Adler schwang sich aus den Wolken hernieder und verteidigte den heiligen Leichnam gegen jede Verunehrung von Seiten der Heiden. In der Nacht nach seinem Tod erschien der heilige Märtyrer einer frommen Frau, namens Valeria, und zeigte ihr den Ort an, wo er begraben sein wollte. Die Frau nahm einen mit zwei Ochsen bespannten Wagen, lud den heiligen Leichnam auf und fuhr ihrem Landgut zu. Aber die Ochsen konnten nach einer Strecke Weges vor Durst nicht weiterkommen. In dieser Not flehte sie kniend Gott um Hilfe an. Sogleich entsprang eine Quelle frischen Wassers aus dem Boden und erfrischte die durstenden Tiere, die nun munter weiterzogen. Auf ihrem Landgut legte die fromme Frau mit größter Andacht den heiligen Leichnam in ein schönes Grab und seitdem verherrlichte Gott seinen treuen Diener durch zahllose Wunder, die auf seine Fürbitte geschahen.

 

Über dem Grab des heiligen Florian wurde nach der Verfolgungszeit eine Kapelle, später eine prächtige Kirche nebst Benediktinerkloster gebaut. Nach Zerstörung des Klosters durch die Hunnen stellte Engelbert, Bischof von Passau, dasselbe wieder her und räumte es den Augustiner-Chorherren ein, unter denen es zu einem der schönsten Klöster Österreichs aufblühte. In der Nähe von Linz prangt noch heute das berühmte Kloster St. Florian majestätisch auf einer Anhöhe.

 

Die Reliquien des heiligen Florian wurden in der Folge nach Rom übertragen und mit den Überresten der Blutzeugen Stephanus und Laurentius vereinigt. Nachdem im 11. Jahrhundert Polen von den Tartaren und Preußen verwüstet worden war, erhielt der König Casimir im Jahr 1184 vom Papst Lucius III. einige Reliquien des heiligen Florian, die vom Bischof Gedeon in der neuerbauten prächtigen Kirche zum hl. Florian in Krakau feierlich beigesetzt wurden. Sein jener Zeit wird der heilige Florian als Schutzpatron Polens, wie als Patron des Bistums Wien verehrt. Auch gilt der heilige Florian als Patron in Feuersgefahr und Kriegsnöten, und wird deshalb gewöhnlich in kriegerischer Rüstung abgebildet, wie er ein Gefäß mit Wasser auf lodernde Flammen gießt. Als einst ein Kohlenbrenner in den brennenden Kohlenhaufen fiel, rief er den heiligen Florian um Hilfe an, und stieg unverletzt aus den Flammen.

 

Die achtzehn seligen englischen Kartäuser-Märtyrer,

+ 1535 bis 1540 – Fest: 4. Mai

 

Im Jahr 1886, am 29. Dezember, dem glorreichen Todestag des heiligen Thomas, Erzbischofs von Canterbury, wurde in Rom ein Dekret veröffentlicht, in dem 54 Märtyrer selig gesprochen wurden, die unter Heinrich VIII. und Elisabeth in den Jahren von 1535 – 1583 zum Teil unter entsetzlichen Qualen hingemordet worden waren. Unter diesen sind im Dekret achtzehn Kartäuser namentlich aufgeführt, die durch Heinrich VIII., den Abtrünnigen, zur Krone des Martyriums gelangten.

 

Im Jahr 1534 sollten alle Untertanen von 16 Jahren an erklären, dass die Ehe des Königs ungültig und die neue, mit einem Hoffräulein der verstoßenen Königin vollzogene, rechtmäßig sei. Die übergroße Mehrzahl gab befriedigende Antwort, wie es ja „in jenem überaus verdorbenen Jahrhundert beinahe ein Wunder war, für Christus zu sterben“, sagt der Kartäuser Mauritius Chauncy, der die Leiden seines Priors und Mitbruders Johannes Houghton beschrieben hat. So kamen denn auch in die Kartause von London königliche Kommissäre und verlangten Zustimmung zu des Königs Vorgehen. Und da die Antwort des Priors, er habe über des Königs Tun und Lassen nicht zu richten, nicht genügte, wurde er und der Prokurator (Verwalter) des Klosters im Monat Mai 1534 im Gefängnis verwahrt, bis sie auf Gutachten gelehrter Männer entlassen wurden. In der Nacht vor der Entlassung hatte der ehrwürdige Prior einen Traum des Inhalts, dass sie innerhalb eines Jahres wieder dahin zurückkehren werden. Und dies war mehr als ein Traum.

 

Im Anfang des Jahres 1535 mussten alle den König als das höchste geistliche Haupt der englischen Kirche erklären, widrigenfalls sie als Hochverräter die diesen bestimmte Todesstrafe erleiden müssten. Nun wusste der Prior der Kartause, dass es jetzt auf Leben und Tod gehe und in feurigen Worten ermahnte er die Seinigen zum Kampf. In eifriger Vorbereitung auf die kommenden Dinge hielten sie ein Triduum ab, bei dem alle am ersten Tag eine Lebensbeichte ablegten, am zweiten einander nach vorausgegangenem Gebet kniefällig um Verzeihung baten; am dritten Tag wurde ein Heiliggeistamt gehalten, wobei alle, auch die Brüder außerhalb der Kirche, ein wunderbares schönes Säuseln der Luft vernahmen und zugleich mit himmlischem Trost erfüllt wurden. Zur selben Zeit kam auch der Prior Robertus Lawrence der Kartause Schönental und ein dritter Prior, Augustin Webster, um die Zeitlage sich zu besprechen.

 

Man vereinbarte sich, zum Vertreter des Königs zu gehen und um Erleichterung bezüglich des Eides zu bitten. Er ließ sie aber kurzerhand ins Gefängnis werfen und nach einer Woche auf ihre Verweigerung des Eides hin zur Todesstrafe verurteilen. Grausam war die damalige Strafe für Majestätsverbrecher. Auf einer niederen Pritsche angefesselt, wurden die drei Prioren auf den Richtplatz geschleppt. Dort wurde zuerst der Prior der Londoner Kartause Johannes Houghton gehenkt, nachdem er zuvor vom Henker die Erlaubnis erhalten hatte, einen kurzen Psalm zu beten, der ausklang in die Worte: „In deine Hände empfehle ich meinen Geist.“ Alsdann wurde er noch lebend heruntergelassen, in roher Weise ausgezogen, es wurden seine Schamteile weggeschnitten, der Unterleib aufgeschlitzt, die Eingeweide herausgenommen und all dies ins Feuer geworfen; alsdann das Herz weggerissen. Bei all dem war der Prior bei voller Besinnung und betete ständig; und mit den Worten „guter Jesus, was machst du mit meinem Herzen“, gab er den Geist auf. Mit der gleichen Standhaftigkeit wurden hierauf die zwei anderen Prioren gemartert. Das geschah am 4. Mai 1535 und zwar wie auch bei den heiliggesprochenen Thomas Morus und Kardinal Fisher an einem Dienstag, der bekanntlich der Verehrung der Apostel und besonders der Apostelfürsten geweiht ist.

 

Drei Wochen darauf wurden wieder drei nunmehrige Vorsteher der Londoner Kartause gefangen gesetzt und vierzehn Tage lang mit eisernen Ketten an Hals und Beinen an Säulen gebunden, so dass sie jeglichem Ungemach der Natur und der Witterung ausgesetzt waren. Hierauf vor Gericht gestellt, bekannten sie aufs standhafteste ihre Romtreue und wurden der gleichen Todesart teilhaftig. Noch jung an Jahren, aber gereift an Geist, voll der Gnade und Tugend, von vornehmer Herkunft – einer, Pater Sebastian Newdigate, war sogar im königlichen Palast erzogen worden -, gingen sie zum Tod wie zu einem Gastmahl in der Hoffnung des ewigen Lebens am 29. Juni 1535.

 

Mit den übrigen Kartäusern glaubte man dadurch zum Ziel zu kommen, dass man ihnen weltliche Vorsteher gab, die sie auf alle Art drangsalierten. Und als sie trotzdem fest blieben, wurden am 4. Mai 1536 vier Brüder verbannt in weit entlegene Kartausen, von denen zwei Priester am 11. Mai 1537 ebenfalls gehenkt wurden. Von den Zurückgebliebenen wurden zehn Brüder, das heißt drei Priester, ein Diakon und sechs Laienbrüder, anfangs Juni 1537 in den Kerker geworfen, wo sie infolge des entsetzlichen Schmutzes und Gestankes vom Juni bis September nacheinander starben bis auf einen, der wie sein Prior am 4. August 1541 gehenkt und gemartert wurde.

 

Solch ein Märtyrertod musste aber auch verdient sein. Und wahrhaft die Londoner Kartause war hierfür geradezu ein Muster. Der erst 43jährige Prior ging in allen Tugenden mit heiligem Beispiel voran. In feurigen Worten ermahnte er oft die Seinen zum eifrigen Chorgebet, das so langsam verrichtet wurde, dass die Nachtwachen gewöhnlich mindestens fünf Stunden dauerten. Man sagte allgemein: „Wenn ihr wollt den Gottesdienst andächtig gefeiert sehen, so eilet zur Kartause.“ Es lebten in der Kartause Brüder, die beim Gebet schwebend gesehen wurden. Die Gabe der Tränen und der Zerknirschung war fast allgemein, vorab beim Pater Prior. Ein edler Wetteifer in der Erstrebung der Tugenden herrschte, so dass oft Weltleute, die aus der Kartause zurückkehrten, unter Tränen sagten: „Wahrlich, Gott ist an diesem Ort.“

 

Beachten wir dies wohl besonders in unserer gewitterschwülen Zeit. Dem Kampf für den Glauben muss der Kampf für das Leben nach dem Glauben vorausgegangen sein; sonst könnte leicht die Rechnung falsch sein und zur Zeit der Not nicht genügend Eifer für Gott und Verachtung des Irdischen vorhanden sein.

 

Der selige Ladislaus von Gilnovius, Priester von Warschau,

+ 4.5.1505 – Gedenktag: 4. Mai

 

Der gottselige Ladislaus von Gielniow wurde in diesem Flecken Polens, im Bistum Gnesen, geboren. Er hatte das Glück, unter der Zahl der Franziskanergeistlichen zu leben, die der heilige Johannes von Kapistran sowohl durch seine Lehren als seine Beispiele zur Vollkommenheit emporleitete. Er hatte sich von seiner frühen Jugend an dem Herrn geweiht. Der Eifer für Gottes Ehre bewog ihn, nach Ablegung seiner Gelübde, mit 12 Gefährten eine Mission bei den tatarischen Kalmücken zu unternehmen, die dem Heidentum oder den Irrtümern Muhameds anhingen. Allein die Schwierigkeiten, die ihnen der Großfürst von Russland in den Weg legte, hinderten den Erfolg ihrer gottseligen Bemühungen. Als Ladislaus hierauf wieder nach Polen zurückgekehrt war, widmete er sich ausschließlich der Erfüllung seiner Ordenspflichten. Sein Gehorsam war erstaunlich, als Guardian des Klosters in Warschau, und als Provinzial seines Ordens bewährte er eine vollendete Klugheit. Seine Tugend und Beredsamkeit erwarben ihm einen großen Ruf als Prediger. Als er an einem Karfreitag vom Leiden des Heilands predigte, wurde er beim Aussprechen des Namens Jesus entzückt, und im Angesicht des ganzen Volkes über die Kanzel erhoben. Bald darauf befiel ihn eine Krankheit, an der er 1505 zu Warschau starb. Gott offenbarte nach Ladislaus Tod die Verdienste und Heiligkeit seines Dieners auf eine so glänzende Weise, dass ihn die Polen und Litauer zu einem ihrer ersten Patrone erwählten. Papst Benedikt XIV. hat gestattet, dass man ihn als selig verehre. Der Orden des heiligen Franziskus begeht das Fest am 22. Oktober.

 

Aus dem Marianischen Festkalender, Regensburg 1866:

 

Von Geburt ein Pole, studierte Ladislaus auf der Hochschule in Krakau, wo eben Johann von Kapistran den Orden des heiligen Franziskus einführte. In Warschau ließen sich die ersten frommen Ordensbrüder nieder und hier trat auch Ladislaus ein. Hier wurde er bald zum Priester geweiht und nährte und pflegte als solcher die Andacht zu Maria in überaus hohem Grad besonders durch Abbeten des Rosenkranzes. Ladislaus wurde Provinzial-Vikar und wirkte äußerst segensreich auf seine Klostergemeinde wie auch nach außen hin auf das gläubige Volk ein. Er trug viel zur festeren Begründung der neuen Ansiedlung bei und alle seine Werke verrieten den mächtigen Schutz des Himmels, unter dem er stand. An Verdiensten reich nahm ihn der Herr zu sich am 4. Mai 1501. Von den vielen Wundern, die am Grab dieses unermüdlichen Dieners Gottes und Mariens gewirkt wurden, finde eins der merkwürdigsten hier seine Stelle:

 

Anna Mirkowska hatte aus der Heimat die Nachricht erhalten, dass ihre beiden Eltern an der Pest gestorben seien. Die liebende Tochter wurde dadurch so von Schmerz erfüllt, dass sie Tag und Nacht weinte und nicht mehr zu trösten war. Durch das Übermaß der Trauer zog sie sich aber ein anhaltendes Kopfweh, und durch das immerwährende Weinen ein solches Augenübel zu, dass sie schließlich auf beiden Augen vollends erblindete. Dadurch erreichte nun der traurige Zustand der Verwaisten den höchsten Grad und sie hatte nicht mehr allein über den Tod der Eltern, sondern auch über ihre gegenwärtige Lage zu trauern und noch mehr für ihre Zukunft zu fürchten. Doch die Mutter der Barmherzigkeit hatte Mitleid mit der Armen, die sowohl zuerst durch körperliches Leiden zur Erkenntnis der Fehlerhaftigkeit einer so übermäßigen und zu natürlichen Trauer gebracht und dann, am Geist geheilt, auch vom leiblichen Übel befreit werden sollte. Am dritten Tag nach ihrer völligen Erblindung, der der Gedächtnistag des heiligen Bonaventura war, hatte sie folgenden Traum. Es schien ihr, als käme eine Frau von übermenschlicher Schönheit und Würde, in der sie die Königin des Himmels erkannte, begleitet von Engelsscharen auf sie zu, die sie tröstete und mit freundlicher Stimme ihr riet, sich zum Grab des seligen Ladislaus Gilnow in Warschau zu begeben, ihre Sünden zu beichten und die heilige Kommunion zu empfangen: nur so, und durch kein anderes Mittel, würde sie das verlorene Augenlicht wieder erlangen. Durch diesen Traum belehrt und ermuntert, ließ sie sich an den bezeichneten Ort bringen und daselbst, nachdem sie sich durch eine reumütige Beicht gereinigt hatte, das heilige Messopfer für sich entrichten. Als sie an der Messe am Grab des Seligen teilnahm und inbrünstig betete, erhielt sie zur Zeit der heiligen Wandlung auf dem rechten Auge das Sehvermögen und konnte bei der Elevation die heilige Hostie in den Händen des Priesters deutlich erkennen, nachdem sie aber die heilige Kommunion empfangen hatte, sah sie zu ihrer größten Freude auch auf dem linken wieder. 

 

Gebet nach dem heiligen Andreas von Kreta am 4. Mai

 

Ich grüße dich, o Gnadenvolle! Du bist die Ursache unseres wahren Trostes. Durch dich ist das Urteil unserer Verdammung widerrufen, und in ein erbarmungsvolles Wort der Gnade umgewandelt worden. Ich grüße dich, o vortrefflichste und wahrhaft gebenedeite Jungfrau, die du zum Tempel der Herrlichkeit Gottes und zum geheiligten Palast des Königs der Himmel erwählt worden bist. Dein jungfräulicher Schoß ist das königliche Lager, in dem die Menschheit Jesu Christi mit der Gottheit so glücklich vereinigt wurde. In dir wurde Gott mit dem Menschen wieder ausgesöhnt. Du bist das Kleinod des unsterblichen Lebens, der Himmel in dem die Sonne der Herrlichkeit über dem Gesichtskreis dieses Lebens zu leuchten begann, die himmlische Bundeslade des eingefleischten Wortes. Ich grüße dich, Mutter und Gebärerin deiner eigenen Freude, du bist in Wahrheit die einzig Gebenedeite, weil du vor allen deines Geschlechtes für würdig befunden worden, Mutter deines Schöpfers zu sein. Alle Geschlechter preisen dich selig, die Könige loben dich, die Fürsten huldigen dir, die Vornehmsten des Volkes tragen dir ihre Bitten vor, und die heiligen Jungfrauen rechnen es sich zur Ehre, dir zu folgen. O Maria, wenn ich auf dich vertraue, werde ich selig sein.Wenn ich unter deinem Schutz stehe, habe ich nichts zu fürchten. Denn der Herr hat in deine Hände gelegt die Waffen des Heils, die er denen übergibt, die er selig machen will. Amen. 

 

Zu Gott

 

Vermehre, o himmlischer Vater, die Zahl tugendhafter Mütter, damit durch sie deine treuen Anbeter sich mehren, aus dem Kreis der Familien und aus der Mitte aller deiner Kinder jedes Ärgernis entfernt werde, und alle durch Jesu Blut Erkaufte durch ein reines Leben zu dir gelangen. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Florian

 

Wir bitten dich, o Gott, beschütze uns durch die Fürbitte des heiligen Martyrers Florian von allen Gefahren der Seele und des Leibes, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag hielten die Annonciaden das Fest des von der seligsten Jungfrau im Tempel zu Jerusalem im zwölften Jahr des Alters gefundenen Jesus. An eben diesem Tag wurde im Jahr 553 der Anfang des fünften Allgemeinen Konzils gemacht, in dem die seligste Jungfrau als eine wahre Mutter Gottes gegen die Ketzerei des Nestorius von neuem erklärt worden ist.

 

5. Mai

 

Der heilige Godehard / Gotthard, Bischof und Bekenner von Hildesheim,

+ 5.5.1038 – Fest: 5. Mai

 

Gottes Vorsehung erwählt oft das Kleine, um damit Großes zu erreichen. Dies sehen wir recht deutlich im Leben des heiligen Godehard oder Gotthard. Er wurde um das Jahr 960 zu Reichersdorf in Niederbayern von frommen, aber armen Bauersleuten geboren. Frühzeitig schickten ihn seine Eltern in die Klosterschule von Niederaltaich, die wegen der Wissenschaft und Frömmigkeit seiner Bewohner in hohem Ansehen stand. Godehard zeichnete sich vor allen seinen Mitschülern durch Fleiß, Bescheidenheit, Sittsamkeit und tüchtige Fortschritte in den Wissenschaften aus. Alte Gemälde stellen ihn dar, wie er als Ministrant im Eifer des Gehorsams über die Wasser der ausgetretenen Donau trockenen Fußes gegangen sei und glühende Kohlen im Chorröckchen, ohne es zu verbrennen, herbeigeholt habe. Der Erzbischof Friedrich von Salzburg, der ein Stift vom Herzog von Bayern zu Lehen trug, nahm den vielversprechenden Jungen an seinen Hof und ließ ihn drei Jahre lang in den höheren Wissenschaften unterrichten.

 

Nachdem Godehard vom Bischof Pilgrin von Nassau zum Diakon geweiht war, kehrte er nach Altaich zurück und erhielt – so groß war die Liebe und das Vertrauen zu ihm – die Vorstandschaft an der Münsterkirche. Der Herzog Heinrich von Bayern wandelte im Jahr 990 Niederaltaich in ein Benediktinerkloster um. Sogleich nahm Godehard das Ordenskleid und zeichnete sich durch seinen strengen Bußeifer, durch Demut, Gottesliebe und Berufstreue so sehr aus, dass ihn seine Ordensbrüder nach dem Tod des ersten Abtes Erchanbert zu dessen Nachfolger erwählten. Unter seiner ebenso kräftigen als weisen Leitung entfaltete sich das Klosterleben in Altaich zur schönsten Blüte und ein solcher Segen wurde sichtbar, dass der Herzog und spätere Kaiser Heinrich II. in Verein mit den Bischöfen ihm die Reform der Klöster Tegernsee, Hersfeld und Kremsmünster übertrug. So schwierig diese Aufgabe war, so gelang es ihm doch durch Gottvertrauen, Gebet und erbauliches Beispiel die gesunkene Ordenszucht wiederherzustellen, die Missbräuche abzuschaffen, einen neuen Ordensgeist einzupflanzen und christlich-religiöse Bildung und Gesittung zu fördern. Vierundzwanzig Jahre rastloser Tätigkeit, vielfacher Sorgen und Kämpfe hatte Godehard mit dem glücklichsten Erfolg auf die Umgestaltung dieser Klöster verwendet. Er sehnte sich nach Ruhe, um seine letzten Lebenstage in der Stille seines geliebten Klosters Altaich sich auf einen seligen Tod vorzubereiten und für die Blüte in Kunst und Wissenschaften an seiner geliebten Klosterschule Sorge zu tragen. Allein Gott wollte den demütigen Nachfolger des heiligen Benedikt noch auf einen höheren Leuchter stellen.

 

Wie die Legende erzählt, hatte Godehard ein wunderbares Traumgesicht. Er sah sich selbst unter einem großen Ölbaum im eifrigen Lesen sitzen. Fremde, würdige Männer kommen im Namen des Königs, den Baum zu verpflanzen, aber je tiefer sie graben, desto tiefer und verzweigter finden sie die Wurzeln. Da hauen sie mit Äxten die Wurzeln ab, und plötzlich erwächst aus jeder Wurzelfaser, die stehen geblieben war, ein neuer Sprössling, dass ein Ölwald den ganzen Raum erfüllt und von nah und fern Leute kommen und Pflanzenreiser für ihre Gärten holen. Dieses Traumgesicht sollte bald zur Wahrheit werden. Der schon sechzigjährige Godehard wurde aus der Ruhe seines Klosters, an dem er mit unendlicher Liebe hing, noch einmal in ein neues Feld verpflanzt, doch sein geistiger Nachwuchs trieb üppig und freudig und seine Schüler trugen die Keime, die er gepflegt hat, und den Ruhm ihres Lehrers in die weitesten Kreise.

 

Der heilige Bischof Bernward von Hildesheim war im Jahr 1022 gestorben. Kaiser Heinrich II., der gerade in seiner sächsischen Pfalz Grona Hof hielt, lenkte sofort sein Auge auf seinen geliebten Abt Godehard, und obwohl dieser sich anfangs gegen eine so späte Versetzung in ein fremdes Land und einen neuen Wirkungskreis sträubte, so ließ er sich doch endlich durch den Wunsch des Kaisers und die Bitten der Bischöfe bewegen, die Wahl, die er für eine göttliche Bestimmung hielt, demütig anzunehmen. Der Mainzer Erzbischof Aribo weihte im Advent 1022 Godehard zum Bischof von Hildesheim.

 

Hatte Godehard schon als Abt seines lieben Klosters Altaich auf die Verbesserung der Schulen, auf den Eifer im Studium, auf die Zierde der Gotteshäuser durch christliche Kunstwerke großen Fleiß verwandt, so ließ er als Bischof das gleiche Ziel nicht aus den Augen. Viele Kirchen baute er neu auf, die alten und schmucklosen zierte er aus und befahl streng die Reinlichkeit in Tempeln, kirchlichen Geräten und Gewändern. Die Geistlichen hielt er zu wissenschaftlichem Streben, strenger Zucht und gediegener Frömmigkeit an. Für die Armen opferte er seinen letzten Heller. Das von ihm gegründete Spital besuchte er fleißig, tröstete die Gebrechlichen und stand den Sterbenden bei. Den Landstreichern und trägen Bettlern gestattete er aber höchstens zwei Tage Aufenthalt und mahnte sie ernst zu ordentlicher Lebensweise.

 

Aus seinem Antlitz leuchtete Gottesliebe, Menschenfreundlichkeit und Herzensreinheit, sein ganzer Lebenswandel war eine stumme, aber eindringliche Predigt an das Volk.

 

So liebreich und nachgiebig der heilige Bischof sonst war, so vergab er doch nichts von seinen Rechten. Als Aribo, der Erzbischof von Mainz, ihm die Gerechtsame über das Kloster Gandersheim streitig machen wollte, verteidigte Godehard sein Recht mit aller Entschiedenheit und Klugheit und brachte es dahin, dass Aribo sein Unrecht einsah und ihn um Verzeihung bat.

 

Siebzehn Jahre hatte Godehard den Hirtenstab geführt und unermüdlich gearbeitet. In einem Alter von 74 Jahren sehnte er sich nach nichts mehr, als aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein. Nachdem er die vierzigtägige Fasten noch streng gehalten hatte, empfing er die heiligen Sterbesakramente, , ließ sich von vier Chorknaben die heiligen Tagzeiten vorsingen und gab während des Psalmengesanges am 5. Mai 1038 seinen Geist auf.

 

Seine Leiche wurde im Hildesheimer Dom beigesetzt.

 

War der heilige Godehard schon bei Lebzeiten durch die Gabe der Wunder von Gott ausgezeichnet, so wallfahrteten nach seinem Tod zahllose Menschen zu seinem Grab, um in ihren Anliegen durch die Fürbitte des Heiligen Erhörung zu finden. Papst Innocenz II. versetzte ihn im Jahr 1131 unter die Heiligen. Ihm zu Ehren erhob sich bald nach der Heiligsprechung im Süden der Stadt eine Benediktinerabtei mit herrlicher byzantinischer Kirche, die mit der Bernwardschen Michaelskirche im Norden der Stadt Hildesheim die alte Bischofsstadt gleichsam unter ihre schützenden Flügel nimmt.

 

Der Name des heiligen Godehard wurde weit über die Grenzen von Bayern und Sachsen hinaus gefeiert. Auf der Höhe des Gotthardpasses, der von ihm den Namen trägt, betete vor Zeiten der deutsche Kaufmann und Pilger in der ihm geweihten Kapelle. Im Dom zu Mailand hörte er an Godehards Namensfest sogar in einer eigenen Präfation seine Tugenden und Taten preisen, fand im Dom zu Genua eine Kapelle und eine Bruderschaft, die älteste der Stadt, zu Ehren des heiligen Bischofs. Ungarn, Polen und Holland errichteten Denkmale und Statuen zu Ehren des heiligen Godehard.

 

Der selige Nunzio Sulprizio, Schmiedelehrling,

+ 5.5.1836 – Fest: 5. Mai

 

Die Jugend unserer Zeit, besonders die Arbeiterjugend, ist gar vielen Gefahren und Verführungen aller Art ausgesetzt, die ihr von den Lehren des Unglaubens und einer widerchristlichen Sittenlosigkeit drohen. Sie braucht Schutzwehren, die sie vom Untergang retten, sie bedarf leuchtender Beispiele, die noch immer voll größerer Macht auf die jungen Herzen wirkten als Worte der Mahnung; lebendige Vorbilder muss sie vor Augen sehen, die in der Kraft ihres Glaubens und dem Glanz jungfräulicher Sittenreinheit zur Nachahmung hinreißen. Ein solch herrliches Jugendvorbild, ein „getreues Abbild ihres himmlischen Schutzpatrons“ St. Aloisius, ist der junge Arbeiter, der am 1. Dezember 1963 durch Papst Paul VI. seliggesprochene Nunzio Sulprizio. Der große Arbeiterfreund Papst Leo XIII. selbst stellte ihn schon vor der Seligsprechung der Jugend als Muster vor. So schreibt der soziale Papst: „Seit seiner zartesten Jugend nahm sich Sulprizio den heiligen Aloisius zum Muster und bemühte sich ihn in dem Geist der Abtötung, der Geduld, der Demut und des Gebetes nachzuahmen und so reich an Verdiensten und jung wie er entschlief er im Ruf der Heiligkeit.“

 

Nicht an einem Fürstenhof und nicht im Kloster hat sich der neue aloisianische Jüngling die Heiligkeit erworben. Nunzio war das Kind ganz armer Eltern aus Pesco Sansonesco im Abruzzengebirge von Mittelitalien. Mit sechs Jahren war er schon eine Waise. Die einzige Stütze, die ihm noch geblieben war, einige mitleidige, gute Großmutter, nahm ihm Gott der Herr auch noch hinweg, um den Kleinen schon in den frohen Jahren der Kindheit in die früh, aber stürmisch reifende Schule der Leiden zu nehmen. Der eltern- und vermögenslose Junge wurde zu einem Oheim gebracht, einem rohen, grausamen Schmied. Für ihn galt der arme Junge nur so viel, als er ihm verdienen helfen konnte. Eine volle, kostenlose Arbeitskraft sollte ihm der arme Neffe abgeben. Erziehung, Lehre, Fortbildung waren dem gewissenlosen Menschen unbekannte, religiöse Betätigung und Frömmigkeit überflüssige Dinge. Darum ließ er den Jungen ferner nicht mehr die Schule besuchen, sondern überhäufte ihn vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit Arbeiten, die seine Kräfte weit überstiegen. Ob im Sommer die Glühhitze unerträglich war, oder ob im Winter in der rauen Gebirgsgegend das schlimmste Wetter hauste, Nunzio musste hinaus und weite Wege zurücklegen, um die Aufträge seines Meisters zu erledigen. Bald kamen dazu noch die gröbsten Misshandlungen. Der jähzornige Oheim geriet bei den geringsten Anlässen in Wut. Konnte Nunzio auch mit dem besten Willen nicht allen Launen entsprechen, so musste er es immer schwer büßen. Der Schmied ergriff das erste beste Stück Eisen oder Werkzeug, das ihm in die Hände fiel, und schlug damit unbarmherzig auf den bedauernswerten Lehrling los oder warf ihn zu Boden und traktierte ihn mit den Füßen, bis er bewusstlos dalag. Die Gesellen standen ihrem Meister an Rohheit kaum nach. Doch das Schlimmste für Nunzio waren die gottlosen und unzüchtigen Reden und Zoten jener Menschen, die er Tag für Tag über sich ergehen lassen musste. Oft hielt er sich die Ohren zu oder verbarg sich in einer Ecke, um von den Unterhaltungen nichts zu verstehen.

 

Durch die Überanstrengung und die mangelhafte Nahrung wurde die Gesundheit Nunzios untergraben. Er magerte zusehends ab. Am linken Bein bildete sich ein großes Geschwür. Schließlich konnte der Arme nicht mehr gehen. Doch der gefühllose Meister nahm keine Rücksicht und zwang ihn nun den ganzen Tag am Blasebalg zu stehen, und als ihm hierzu die Kräfte versagten, band man ihn an die Blasebalgkette fest. Häufige Ohnmachtsanfälle stellten sich ein. Aber trotz der grausamen Behandlung hörte man Nunzio niemals klagen. Keine Vorwürfe gegen seine Peiniger kamen über seine Lippen. Nie verlor er seine Sanftmut oder seinen heiteren Sinn.

 

Als Nunzio gänzlich arbeitsunfähig geworden war, ließ ihn der Schmied endlich in das Armenhospital von Aquila bringen. Die gute Pflege brachte aber nur etwas Linderung, eine Heilung war ausgeschlossen. So musste Nunzio wieder entlassen werden. Die Quälereien gegen den nutzlosen Arbeiter begannen jetzt aufs Neue. Mochte der Leidende auch halbtot zusammenbrechen, er musste arbeiten. Doch unerschütterlich blieb er bei seinem Entschluss, alles mit größter Geduld zu ertragen. „Ich will ein Heiliger werden, ein großer Heiliger, und zwar in kurzer Zeit“, so ermunterte er sich selbst oft in schweren Stunden. Zu einem Heiligen gehört vor allen Dingen Charakterfestigkeit. In der Schmiede von Pesco Sansonesco bestand Nunzios Charakter die Feuerprobe.

 

Endlich nach sechs langen Leidensjahren kam für den vergessenen, misshandelten Waisenjungen die Erlösung. Ein anderer Onkel in Neapel erfuhr von der traurigen Lage Nunzios, nahm ihn zu sich und stellte ihn seinem Vorgesetzten vor, dem Obersten Felix Wochinger, einem durch seine Frömmigkeit und Wohltätigkeit bestbekannten Mann, dem Namen nach wohl deutscher Abstammung. Tief ergriffen von dem Anblick und der Leidensgeschichte des unschuldigen Dulders, entschloss sich Wochinger, ihm fortan ein väterlicher Beschützer zu sein. Der Kranke wurde in ein Spital gebracht und aufs Beste gepflegt. Für die Heilung des Körpers freilich war es zu spät. Es war Knochenfraß entstanden. Aber die schöne Seele des reinen, im Leid erstarkten jungen Mannes erstrahlte in der besseren Wertschätzung seiner Mitmenschen in hellstem Glanz. Nunzio war bald der Liebling des ganzen Hospitals. Aus seinem Antlitz leuchtete die Unschuld und, trotz größter Schmerzen, eine nie versiegende Heiterkeit. Er schleppte sich an die Betten der anderen Kranken und tröstete und ermunterte sie. Wie geschickt verstand er es, in seine Unterhaltungen ganz ungezwungen religiöse Ermahnungen einzuflechten, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Besonders erbaute er durch seine innige Andacht zur heiligen Eucharistie und zur allerseligsten Jungfrau. Wie alle reinen Seelen war er ein großer Liebhaber des Gebetes. Man konnte ihn öfters des nachts vor seinem Bett kniend finden.

 

Nachdem Oberst Wochinger seinem Schützling auch mehrmals die Heilkraft der Bäder von Ischia sorglich hatte zukommen lassen, ließ er ihn nach ungefähr zwei Jahren in sein eigenes Schloss bringen, nicht nur um alles für den lieben Kranken tun zu können, sondern auch um persönlich Gelegenheit zu haben, Zeuge der Heldentugend eines Heiligen zu sein. „Wie könnte ich,“ sagte er so schön, „über die Prüfungen klagen, die der Herr mir schickt, wenn Nunzio sich fast das Notwendigste versagt, um auch anderen etwas zufließen zu lassen, und dabei so schlicht bemerkt: Was? Sollten diese Armen des Herrn nicht auch etwas bekommen?“

 

Unter so liebenden Augen und trefflichster Pflege schien es fast, als ob dem siechen Jüngling das Leben sich von Neuem hoffnungsvoll zeigen würde. Schon keimten Pläne: Ordensmann wollte er werden und ein Priester des Herrn. Doch forderte Gott nur noch ein Opfer als Krönung seines Dulderlebens, das Opfer eben dieses Lebens. Und Gottes Wille war auch der seinige. Darauf allein war sein Herz gerichtet; wie vordem Not und Menschenbosheit, so vermochten jetzt Lebensgenüge und Menschengunst ihn nicht vom unverrückbaren Ziel abzubringen: Heilig werden in kurzer Zeit! Seinem Bußeifer genügte sogar die Fülle des auferlegten Leidens noch nicht. Er übernahm noch freiwillige Abtötungen. So hohem Mut und hochherzigem Sinn begegnete Gott auch mit außerordentlichen Gunstbezeigungen.

 

Die gottgesetzte Aufgabe war vollendet. Neunzehn Jahre hatte der stille Dulder erreicht. Am 5. Mai 1836 nahm er Abschied von dieser Welt, die ihm so viel Leid und doch so überselige Freude gebracht hat. Auf ein Muttergottesbild blickend, rief er aus: „Schaut doch, wie schön sie ist!“ So ging er in ein besseres Leben ein. Die Kunde von seinem Tod rief in Neapel eine wahre Wallfahrt nach dem neuen Schloss hervor. Die rötlich gefärbte Wunde soll einen süßen Duft verbreitet haben. Zahlreiche Gebetserhörungen haben auf Anrufung des ehrwürdigen Nunzio stattgefunden. Unter den Bittstellern um seine Seligsprechung waren selbst hohe weltliche Würdenträger, wie Ferdinand II., König von Neapel.

 

Die Tugend ist eben liebenswürdig, wo sie erscheint. Die Tugend gedeiht überall, in jeder gesellschaftlichen Stellung, in jedem Alter, in jeglichem Gesundheitszustand. Habe nur den Mut zum Heiligwerden, auch unter anscheinend ungünstigsten Verhältnissen! Es eilt!

 

Gebet nach dem heiligen Ephräm am 5. Mai

 

Unbefleckte und allerreinste Jungfrau Maria, Königin der Welt, unsere allergütigste Gebieterin! Du bist über alle Heiligen erhoben, du bist die einzige Hoffnung unserer Väter und die Freude der Heiligen. Durch dich sind wir mit Gott ausgesöhnt worden. Du bist die mächtigste Fürsprecherin der Sünder, ein sicherer Hafen für die Schiffbrüchigen, der Trost der Welt, das Lösegeld der Gefangenen, das Heil der Kranken, die Freude der Betrübten, die Zuflucht der Sünder, das Heil der ganzen Welt. O große Königin, Mutter meines Gottes, bedecke uns mit den Flügeln deiner Barmherzigkeit und erbarme dich unser. Wir haben uns dir übergeben, wir haben uns deinem Dienst geweiht, wir tragen den Namen deiner Diener, darum lasse nicht zu, dass wir zugrunde gehen. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im Jahr 1581 hat Papst Gregor XIII. auf diesen Tag denen in die Rosenkranz-Bruderschaft Aufgenommenen vollkommenen Ablass erteilt, wenn sie auf die Feste der 15 Geheimnisse die Kirche ihrer Bruderschaft besuchen, und alle erste Sonntage eines jeden Monats der gewöhnlichen Prozession beiwohnen würden. Die Feste der 15 Geheimnisse sind folgende: Mariä Verkündigung, Heimsuchung, Weihnachten, Dreikönigtag, Lichtmess, Gründonnerstag, Karfreitag, Kreuzauffindung, Kreuzerhöhung, das Fest der Dornenkrone, Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt Christi, Himmelfahrt Mariä, Allerheiligenfest.

 

6. Mai

 

Der heilige Johannes von Damaskus, Priester und Kirchenlehrer,

+ 6.5.749 – Fest: 6. Mai

 

In Johannes Damaszenus mit dem Ehrennamen Chrysorrhoas (der „Goldströmende“, „Goldredende“) erstand der alten Kirche des Morgenlandes nochmals ein gewaltiger Geistesmann und Wortführer, während rings ein immer tieferer Verfall der geistigen und wissenschaftlichen Regsamkeit um sich griff. Er kam aus einer christlichen Familie in Damaskus, die inmitten der religiösen Verheerungen des siegreich vordringenden Islams treu den Glauben der Väter bewahrt hat. Der Vater Sergius stand im sarazenischen Staatsdienst und bekleidete ein hohes Steueramt, das sich später auf den Sohn vererbte. Er wünschte dem kleinen Johannes, der frühzeitig so ungewöhnlich reiche Geistesanlagen an den Tag legte, außer einer tiefen religiösen Herzensbildung auch eine höhere wissenschaftliche Ausbildung zu geben. Doch die äußeren Verhältnisse schienen diesem Wunsch große Schwierigkeiten entgegenzusetzen. Da führte ihm die Vorsehung wunderbarerweise einen geeigneten Mann zu. Unter den von Seeräubern gefangenen Christensklaven auf dem Markt von Damaskus befand sich nämlich auch ein Mönch aus Kalabrien, namens Kosmas, der in den weltlichen wie heiligen Wissenschaften gleich trefflich unterrichtet war. Sergius, der bereits so vielen Gefangenen die Freiheit verschaffte, kaufte auch ihn los. Da er auf seine reichen Kenntnisse aufmerksam wurde, nahm er ihn in sein Haus auf und vertraute ihm die Erziehung und den Unterricht seines Sohnes an. Welche Tugend- und Wissensfortschritte Johannes an der Hand seines Lehrers machte, davon sollte der ganze christliche Erdkreis Zeuge werden.

 

Nach des Vaters Heimgang und des Lehrers Weggang, der sich ins Kloster des heiligen Sabas bei Jerusalem zurückzog, riefen zunächst die verschiedenen Irrlehren den mutigen Streiter der christlichen Wahrheit und kirchlichen Rechtgläubigkeit auf den Plan. In Wort und Schrift schwingt jetzt der Damaszener die scharfe Geistesklinge gegen sie. Insbesondere aber taucht seine überragende Gestalt im sogenannten Bilderstreit auf. Der griechische Kaiser Leo der Isaurier hatte nämlich durch zwei Verordnungen „die Entfernung aller Bilder der Heiligen, Martyrer und Engel“ sowie die Vernichtung aller Bilder Christi und der Gottesmutter befohlen. Ein allgemeiner Bildersturm setzte infolgedessen durch die ganze griechische Kirche ein. Er rief überall große Aufregung in den Gemütern, in manchen Gegenden sogar förmlicher Aufruhr hervor. In Konstantinopel selbst war es der heilige Patriarch Germanus, der lieber abdanken als dem Befehl sich beugen wollte; im Abendland die Päpste Gregor II. und III., die trotz schwerster Bedrohungen und Anfeindungen den Bannfluch über die Bilderstürmer verhängten. Unter allen Gottesgelehrten aber wurde der heilige Johannes von Damaskus der unerschrockenste und unermüdlichste Vorkämpfer der kirchlichen Lehre von der Verehrung der Bilder Christi und der Heiligen. Mit Wort und Feder führte er gleich nachdrücklich und erfolgreich den Kampf gegen die ebenso verkehrte wie gewalttätige Irrlehre. Seine drei Verteidigungsschriften über die Bilderverehrung gehören zum Besten, was je darüber geschrieben wurde. Er unterscheidet hier scharf zwischen der Gott allein gebührenden „Anbetung“ und der auch dem heiligen Geschöpf zukommenden „Verehrung“. Alle und jede dem Bild erwiesene Ehre beziehe sich auf den durch das Bild Dargestellten. Auch den erzieherischen Wert der Bilder hob er hervor: sie vergegenwärtigen die Tatsachen der Erlösung und die Tugendbeispiele der Heiligen, sind Bücher für den des Lesens Unkundigen und Predigten für den frommen Beschauer.

 

Eine spätere, freilich unzuverlässige Legende weiß zu erzählen, der Kalif habe auf ein verleumderisches Schreiben Kaisers Leo hin dem Glaubensstreiter als Hochverräter die rechte Hand abhauen lassen, sie sei ihm aber auf sein Flehen vor dem Gnadenbild der heiligen Jungfrau bei Nacht wiederum wunderbar hergestellt worden.

 

Immer mehr hatte es den Heiligen aus dem Lärm der Großstadt und dem Getriebe der Welt in die Ruhe und den Frieden der klösterlichen Einsamkeit gezogen. Nach dem Jahr 730 setzte er das Vorhaben in die Tat um. Er verteilte sein ansehnliches Vermögen unter die Armen und Kirchen, wanderte in ärmlicher Kleidung mit seinem Halbbruder Kosmas nach Jerusalem und zog sich von da, seinem Lehrer folgend, ins nahe Kloster des heiligen Sabas zurück. Der Abt stellte ihn unter die Leitung eines älteren, seelenerfahrenen Mönches. Dieser schärfte dem Novizen als Grundbedingung des geistlichen Lebens vor allem die Abtötung der äußeren Sinne, insbesondere das Stillschweigen, ferner den Verzicht auf den Eigenwillen und die Übung der Armut im Geist ein. Um die beiden Grundpfeiler, auf welchen letztere beruhen, d.i. seinen Gehorsam und seine Demut zu prüfen, schickte ihn der Seelenleiter einmal nach Damaskus, um geflochtene Körbe zu verkaufen, und setzte noch dazu deren Preis so ungewöhnlich hoch an, dass er ihm den Unwillen und Schimpf der Einkäufer eintragen musste. Der demütige Mönch brachte willig das Opfer dieser Selbstverleugnung. Schweiß- und staubbedeckt schritt er mit den Körben auf dem Rücken unter dem Spott der Leute durch die Stadt, die so lang den Glanz seiner vornehmen Geburt, seiner hohen Stellung und seines wissenschaftlichen Rufes bewundert hatte. In seiner großen Demut und Selbstverachtung hielt er sich auch des Priesteramtes nicht würdig. Erst nach langem Widerstreben vermochte ihn der Patriarch von Jerusalem zu bewegen, sich die Priesterweihe geben zu lassen.

 

Nachdem seine Tugend, seine mönchische Entsagung so glänzende, ja heroische Proben bestanden hatten, durfte er mit Erlaubnis seiner Obern wiederum das fruchtbare Feld wissenschaftlicher und schriftstellerischer Tätigkeit bebauen, auf dem er sich so heimisch wusste. Die reifste Frucht und die berühmteste Schöpfung seines Geistes wurde nun unter seinen zahlreichen Werken die dreiteilige Schrift „Quelle der Erkenntnis“, worin er die geistigen Errungenschaften der christlichen Vorzeit, die Lehren der Konzilien und der bewährtesten griechischen Väter in einem gedrängten Gesamtbild zusammenschloss. Dieses Werk blieb durch mehr als ein Jahrtausend hindurch bis zum heutigen Tag das klassische Lehrbuch der Gottesgelehrsamkeit in der ganzen morgenländischen Kirche. Unsterblichen Ruhm erwarb er sich insbesondere auch als Dichter. Vor seinen religiösen Liedern mussten selbst die Gesänge des berühmten Liederdichters Romanus aus den gottesdienstlichen Büchern der griechischen Kirche weichen.

 

Der Heilige starb um das Jahr 749 und wurde nahe dem heiligen Sabas zu Grabe gebettet. Seine Verdienste bleiben nicht ohne Anerkennung von Seiten der dankbaren Nachwelt. Schon das 7. Allgemeine Konzil von Nicäa 787 ehrte sein Andenken und feierte ihn namentlich als den Hauptvorkämpfer der religiösen Bilderverehrung. Noch in jüngster Zeit aber würdigte Papst Leo XIII. seine wissenschaftlichen Verdienste um die ganze Kirche, indem er ihn im Jahr 1890 feierlich in die Zahl der Kirchenlehrer aufnahm.

 

Wissenschaft ohne Tugend bläht auf (1 Kor 8,1). Nur über dem Grund und im Bund tiefer, echter Tugend baut sie auf und wird zu einem überfließenden Strom des Segens zum Nutzen und zur Glaubensstärkung des einzelnen wie der Kirche.

 

Der heilige Johannes vor der Lateinischen Pforte

 

Von dem heiligen Apostel Johannes, dem Lieblingsjünger des Heilandes, sind zwei Feste verzeichnet, am 27. Dezember und am 6. Mai. Am 27. Dezember ist das Hauptfest, und als Nebenfest feiert heute die Kirche das Gedächtnis an das Martyrium des Heiligen, denn obwohl Johannes als einziger von den Aposteln eines natürlichen Todes starb, zählt er trotzdem, wie die Legende berichtet, zu den Martyrern.

 

Johannes hatte noch einen leiblichen Bruder unter den Aposteln, und es war dieser Bruder der heilige Jakobus der Ältere. Als eines Tages der liebe Heiland vor den Jüngern und dem Volk wieder einmal von dem Glanz und der Herrlichkeit seines kommenden Reiches viel und schön geredet hatte, trat die Mutter der beiden genannten Apostel vor Jesus hin und legte ihm die etwas aufdringliche Bitte vor, ihren Söhnen dereinst in seinem Reich einen hohen Platz zu seiner Rechten und zu seiner Linken zu verleihen. So sind nun einmal die Mütter, dass sie für die eigenen Kinder immer etwas Besonderes haben wollen, und es ist auch gut, dass sie so sind, denn aus vielen Kindern würde wohl gar nichts werden, wenn ihnen nicht eine liebende Mutter sorgend zur Seite stände.

 

Übrigens hat der liebe Heiland die Bitte jener Mutter nicht übel genommen, sondern herrlich erfüllt, denn Jakobus und Johannes thronen längst im Himmelreich zur Rechten und zur Linken des ewigen Königs, aber bis sie dorthin gelangten, mussten sie doch einen anderen Weg gehen, als es sich ihre Mutter träumte. Deshalb fragte der Heiland auch, anstatt der bittenden Mutter eine unmittelbare Antwort zu geben, die beiden Apostel: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?“ „Ja“, antworteten wie aus einem Mund frisch und keck Jakobus und Johannes, „ja, das können wir.“ Dabei ahnten sie noch nicht, dass mit dem Kelch das bittere Leiden des Herrn und ihr eigenes Martyrium gemeint war. „Gut“, schloss Jesus die Unterredung, „ihr werdet meinen Kelch trinken.“ Mit diesen Worten sagte der Meister den beiden Jüngern das Martyrium voraus.

 

Die Zukunft hat dann auch gezeigt, dass alles genau nach den Worten Jesu eintraf. Jakobus erlitt den Martertod, und Johannes wurde ebenfalls gemartert, aber er überstand die Marter und starb später eines natürlichen Todes.

 

Als nämlich unter dem finsteren und tückischen Kaiser Domitian die zweite römische Christenverfolgung ausbrach, wurde Johannes, der letzte noch lebende Jünger Jesu, in seiner Bischofsstadt Ephesus aufgegriffen und nach Rom verbracht. Weil er sich selbstredend weigerte, den Göttern zu opfern, ließ ihn der Kaiser zuerst geißeln und dann in einen Kessel voll kochenden Öls werfen. Johannes jedoch machte das Zeichen des Kreuzes über den Kessel und entkräftete damit Feuer und Glut, so dass ihm das siedende Öl nichts antat, vielmehr ging er verjüngt und gestärkt aus dem todbringenden Ölbad hervor. Da packte den abergläubischen Kaiser das Grauen, er schickte den Apostel auf die kleine Insel Patmos in die Verbannung, und als der Verfolger kurz hernach ermordet wurde, kehrte Johannes nach Ephesus zurück, wo er hochbetagt im Alter von über neunzig Jahren eines natürlichen Todes starb. Jene Stelle aber, an welcher der Lieblingsjünger das Martyrium erlitt, befand sich in Rom vor dem sogenannten Lateinischen Tor. Daher der Name des Festes Johannes vor der Lateinischen Pforte.

 

Zum Schluss der heutigen Legende soll noch eine kleine Anwendung gemacht werden. Wie nämlich der heilige Johannes verjüngt und gestärkt aus dem Kessel siedenden Öls hervorging, so ähnlich ergeht es dem Menschen bei der heiligen Beichte. Sicher kann einem unter Umständen die Beichte bitter vorkommen, wenn man aber mutig und ehrlich die Sünden bekannt hat, so fühlt man sich wieder frisch und froh.

 

Der heilige Peter Nolaskus,

Priester und Stifter des Ordens von der Erlösung der Gefangenen,

+ 25.12.1256 – Fest: 6. Mai

 

Er stammte aus einer der ersten Familien in Languedok (Frankreich), war im Jahr 1189 geboren und erhielt von seinen Eltern eine treffliche Erziehung. Von Jugend auf hatte er sich durch seine zärtliche Liebe gegenüber den Armen ausgezeichnet. Man erzählt, er habe jeden Morgen dem ersten besten Notleidenden, dem er begegnete, ein Almosen gereicht, ohne zu warten, bis dieser ihn darum ansprach. Kaum fünfundzwanzig Jahre alt, erschien er am Hof zu Barcelona als ein Muster aller Tugenden. Ein hochherziger Gedanke fing hier an, seine Seele in Anspruch zu nehmen. Das Gerücht von den guten Werken und von den Wohltaten des durch Johann von Matha gestifteten Ordens, das auch zu seinen Ohren gekommen war, hatte seinem Herzen den lebhaftesten Wunsch eingeflößt, einen ähnlichen zu gründen, denn auch er trauerte bei dem Anblick der in der Sklaverei der Mauren in Spanien und Afrika schmachtenden Christen und er wollte sein ganzes Vermögen zu ihrer Loskaufung verwenden. Er ging daher aus, um überall einen heiligen Kreuzzug der Großmut und der Hingebung für die Loskaufung der Gefangenen zu predigen. Es flossen ihm beträchtliche Summen zu. Diese aufgehäuften Gaben bildeten gleichsam die Grundlage zur Errichtung eines heiligen edlen Gebäudes, das ist zur Stiftung des Ordens von der Barmherzigkeit. Der Ursprung dieses Ordens, wie er von den glaubwürdigsten Schriftstellern erzählt wird, ist besonders rührend.

 

Gegen das Jahr 1215 fühlte Petrus Nolaskus sich von einem so lebhaften Mitleid mit den armen, in der Gefangenschaft der Mohamedaner und Barbaren befindlichen Christen, dass er sich vornahm, sein Vermögen ihrer Befreiung zu widmen. Aber wie groß war sein Erstaunen und seine Überraschung, als, während er die zur Ausführung dieses Werks der Barmherzigkeit erforderlichen Maßnahmen traf, die heilige Jungfrau ihm eines nachts erschien, um ihm zu sagen, es sei der Wille Gottes, dass er sich der Errichtung eines Ordens widme, dessen Mitglieder durch ein förmliches Gelübde sich verbindlich machen sollten, der Loskaufung der Gefangenen sich zu weihen.

 

Der König nahm den neuen Orden unter seinen Schutz, und bot seinen eigenen Palast zum ersten Gebrauch an. Die Zeremonie der Installation fand 1223 am Tag des heiligen Laurenz statt. Peter legte in die Hände des Bischofs Berengar das Gelübde ab, sein Vermögen, und wenn es sein müsse, seine Freiheit für die Loskaufung der Gefangenen zu opfern. Das Volk nahm diese Hingebung mit lautem Beifall auf. Es war für Barcelona ein frohes, heiliges Fest. Dreizehn Edelleute entsprachen dem Aufruf Peters und zogen das blaue Gewand an, worüber ein Skapulier und das aragonische Wappen als Symbole der Reinheit, des Glaubens und der Tapferkeit getragen wurden.

 

Man kennt den Verlauf der Geschichte des Petrus Nolaskus. Vierhundert, der Freiheit wiedergegebene Gefangene waren die Frucht eines ersten Versuchs von Ausflügen in die Königreiche Valencia und Granada, die er mit einem anderen der Brüder Erlöser nacheinander durchzog. Er vervielfältigte seine Liebesfahrten nach den spanischen Küsten, immer mit dem nämlichen Glück, und schiffte über die Meere, um bis nach Algier zu gehen. Hier geschah es, dass er, nach zahlreichen Erfolgen und nach einem unerschrockenen Widerstand gegen die Drohungen der Kadis, auch seinerseits in Fesseln geschlagen, und wie Johann von Matha auf einer gebrechlichen Barke den Wellen des Meeres preisgegeben wurde. Aber Gott übernahm es, den neuen Heiligen zu leiten und ihn in den Hafen zurückzuführen. Als Peter Nolaskus seine Kräfte abnehmen fühlte, und nicht mehr zu den Ungläubigen wandern konnte, war er glücklich, als ihm erlaubt wurde, an der Pforte des Klosters zu Barcelona die Almosen ausspenden zu dürfen, denn nun konnte er wenigstens die Armen sehen, ihnen Rat erteilen und sie unterrichten.

 

Er starb am Fest der Geburt des Herrn im Jahr 1256 im siebenundsechzigsten Jahr seines Lebens. Papst Urban VIII. sprach in heilig. 

 

Gebet des heiligen Bonaventura am 6. Mai

 

O liebste Jungfrau Maria, Himmel und Erde sind deiner Wohltaten voll. Wie ich einen überaus barmherzigen Herrn an Jesus habe, so habe ich an dir eine höchst barmherzige Mutter, denn eine Mutter von großer Güte bist du für alle, die dich anrufen. Darum flehe ich aus ganzem Herzen zu dir, und freue mich über deine große Barmherzigkeit. Alle Geschlechter segnen dich, weil alle Geschlechter durch dich gesegnet worden sind. Stehe mir bei, o fruchtbare Mutter, damit ich durch dich die Frucht des ewigen Lebens erlange. Sei mir, o Liebste, behilflich, dass der ewige Vater mir die Gnade verleihe, ohne Ende zu genießen die wunderbarste Frucht deines Leibes, Jesus, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

 

Zu Gott

 

O Gott, nur die Demütigen gefallen dir. So gib uns denn die Gnade, dass wir alles fürchten, was die Demut in uns vermindern kann, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Johannes

 

O Gott, du siehst, dass wir allenthalben von Übeln umgeben und beunruhigt sind. Wir bitten dich, verleihe, dass wir auf die Fürbitte deines heiligen Apostels und Evangelisten Johannes vor ihnen geschützt werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Das heilige Bildnis der seligsten Jungfrau, bei dem der heilige Johannes Damaszenus  mit Tränen betete, und die abgehauene Hand wieder frisch erhalten hat, ist im Jahr 1349 von Konstantinopel nach Venedig gebracht, zuerst in die Kirche des Klosters von St. Nikolaus, und dann im Jahr 1503 in die Kirche der heiligen Johannes und Paulus in eine Kapelle übersetzt worden, wo es noch heutzutage verehrt wird.

 

7. Mai

 

 

Die selige Gisela, Königin von Ungarn und Äbtissin in Passau,

+ 7.5.1060 – Fest: 7. Mai

 

Den inständigen Bitten des Herzogs Heinrich II. nachgebend, hatte der heilige Wolfgang die Erziehung der herzoglichen Kinder übernommen. Im prophetischen Blick in die Zukunft der Zöglinge hatte er den jungen Heinrich stets den König, seinen Bruder Bruno aber den Bischof und ihre Schwester Gisela die Königin genannt. Kein Sterblicher konnte dazumal noch ahnen, dass die Kinder eines Vaters, der nach mehrmaliger Rebellion fast nur aus Gnaden des Kaisers Herzog war, zu einer so hohen Stufe auf Erden sich erschwingen würden. Allein eine weit höhere Stufe haben sie mit der Gnade des Herrn erstiegen im Angesicht der Kirche Gottes. Den Kaiser Heinrich verehrt die Kirche als einen heiligen Fürsprecher bei Gott. Die fromme Königin Gisela verehrt sie als eine „Heilige“ oder als eine „Selige“, und in beiden erkennt sie Vorbilder eines heiligen Lebens in treuer Nachfolge des Heilandes.

 

Heinrich der Heilige und seine Schwester Gisela haben indessen noch eine ausgezeichnete Bedeutung in der Geschichte Ungarns. Ihnen dankt dieses Land die Anfänge der christlichen Kultur und die Feststellung einer höheren, auf den Wahrheiten des Glaubens begründeten Ordnung. Denn bis auf diese Zeit hin hatte dieses Magyarenvolk fast alle Einflüsse des Christentums von sich abgewehrt und sich in seiner ursprünglichen Wildheit erhalten.

 

Bis zum Jahr 955 hielt sich dieses Volk, das früher in Scythien seine Heimat gehabt, dann westwärts vorgedrungen war und die Hunnen aus ihren Sitzen verdrängt hatte, für unüberwindlich. In Augsburg hatte man ihm eine derbe Lektion bezüglich seiner Besiegbarkeit gelesen, und von da an war es etwas zahmer geworden. Was man an dem rohen Raubvolk respektieren musste, das war sein geordnetes Familienleben, sein Abscheu vor der Vielweiberei, seine gesetzlich geordnete Erbfolge.

 

Nach der demütigenden Zurechtweisung, die sie in Augsburg erhalten hatten, waren sie etwas empfänglicher für das Christentum geworden. Den Bemühungen des Bischofs Adalbert von Prag, der im Jahr 997 als Missionar unter den Preußen, Litauern und Ruthenen den Martertod erlitt, und des heiligen Piligrin von Passau gelang es, eine größere Zahl dieses Volkes zum Glauben zu bekehren. Der Herzog Geisa wurde für das Christentum gewonnen und ließ sich taufen. Allein er war kein entschiedener Christ und nahm es mit der Religion nicht sehr ernst. An heidnischen Opfern fand er noch immer Gefallen und beteiligte sich an ihnen, wie am christlichen Gottesdienst. Als ihm der heilige Bischof Adalbert darüber Vorwürfe machte, erklärte er ihm: Ich bin reich genug für beide Religionen.

 

Die Magyaren wollten ein besonderes Christentum, wollten ausgezeichnet sein vor den Slaven, die sie unterjocht hatten, und verabscheuten eine Abhängigkeit, ja selbst eine Gleichstellung mit den Deutschen. Wäre der Herzog auch weit entschiedener für das Christentum gewesen, als er nicht war, so hätte er dies wohl nicht offenbaren dürfen. Das Nomadenvolk war noch nicht empfänglich für die Segnungen der Religion des Heils. Erst als unter Geisas Regierung die Raubzüge allmählich aufhörten, und ein Teil der Bevölkerung zu den Arbeiten des Friedens, zur Bebauung des Landes sich bequemte, war der religiösen Erhebung des Volkes der Weg gebahnt.

 

Allein neben dieser natürlichen Vorbereitung für die Aufnahme des Christentums finden wir auch eine unmittelbar von Gott geleitete, höhere Vorbereitung. Der Sohn des mächtigen und reichen Herzogs Geisa, der spätere König Stephan der Heilige, hatte von Kindheit an sein Herz der christlichen Religion zugewendet und hatte sie gründlich kennen und ernstlich üben gelernt. Ein großes Verdienst an der christlichen Erziehung des Prinzen hatte ein Graf aus Apulien, namens Deodat, der Taufpatenstelle vertrat, als der heilige Bischof Adalbert dem Stephan die Taufe erteilte, und dann in der Folge seine Erziehung leitete.

 

Als Geisa schon im Jahr 993 den vom heiligen Glauben erleuchteten und mit christlichem Mut begeisterten Sohn zum Mitregenten erklärte, gewann das Christentum allmählich große Fortschritte im Land. Deodat gründete das Kloster Tota und erbaute, von Stephan unterstützt, viele Kirchen, an denen Seelsorger und Verkünder des Glaubens angestellt wurden.

 

Der fromme Mitregent trat alsbald in ein inniges Verhältnis mit dem Bayernherzog, Heinrich dem Heiligen. Dieser erkannte die Christianisierung Ungarns als das sicherste Mittel, sein Land vor den heillosen Raubzügen von Osten her zu verwahren, und bot alles auf, an diesem großen Werk Mitarbeiter zu sein. Er verhieß dem jungen Mitregenten seine Schwester Gisela als Gattin, vermittelte die Erhebung Ungarns zu einem selbstständigen Königreich und zu einer von Deutschland unabhängigen Kirchenprovinz.

 

Wir haben im Leben des heiligen Piligrin gesehen, wie unter diesem Bischof Passaus das alte Erzbistum Lorch wiederhergestellt, und wie ihm ganz Ungarn untergeben wurde. Jetzt wurde Passau wieder dem Erzbistum Salzburg untergeordnet, Lorch als Erzbistum aufgehoben, und für Ungarn ein eigenes Erzbistum in Gran errichtet. Dadurch wurde die Furcht vor einer Abhängigkeit von den Deutschen, dieser Hemmschuh für die Ausbreitung des Christentums in Ungarn, entfernt und dem Nationalgefühl der Ungarn auf erlaubte Weise geschmeichelt.

 

Indessen erhielt Stephan wirklich die Gisela zur Ehe. Es geschah dies im Jahr 994 oder 995. Die fromme Gattin kam aber nicht allein aus Bayern. In ihrem Gefolge waren die tapferen alemannischen Grafen Wolger und Hedrik mit dreihundert schwerbewaffneten Bayern, der edle Hermann von Nürnberg und mehrere andere Deutsche, die Lehengüter im Land erhielten. Schon unter Geisa hatten sich die Grafen Hunt und Pazman aus Schwaben und der edle Alemanne Wencelin von Wasserburg am Bodensee in Ungarn angesiedelt. So wurde in Ungarn von Bayern aus das Christentum ausgebreitet, und eine kirchliche Ordnung im Land begründet.

 

Nach dem Tod seines Vaters Geisa (997) nahm Stephan die Zügel der Alleinherrschaft in die Hand. Vor allem wollte er Frieden mit seinen Nachbarn. Darum wurden alle Fehden beendigt, damit er all seine Kraft auf Bekämpfung des Heidentums im Land verwenden konnte. Hier gab es noch viele Reste des alten Heidentums. Die Elemente wurden in abgöttischer Weise verehrt. Zeichendeuter und Zauberer trieben ihr Unwesen. Alte Frauen weissagten und gewannen durch ihre schwarzen Künste das Vertrauen der Unwissenden. Bei Freuden- und Totenopfern wurde geschwelgt, und den Pferden, zumal den weißen, wurde abergläubische Verehrung erwiesen.

 

Die rohen Heiden sammelten sich um einen Mächtigen des Reiches, der Zegzard hieß. Ihre Menge war der Streitkraft Stephans massenhaft überlegen. Der christliche Herzog rüstete sich durch Gebet und Fasten zum Kampf. Es kam zu einer blutigen Schlacht. Die himmlischen Heerscharen stritten für den Heiligen. Die fromme Gisela erflehte im Gebet den Sieg. Die Rebellen wurden geschlagen. Stephan gab Gott die Ehre und schrieb der Fürbitte des heiligen Martin von Tours den Sieg zu. Zum Dank für den erhaltenen Sieg gründete er auf der Stelle, wo die Schlacht geschlagen wurde, ein Kloster zu Ehren des heiligen Martinus, der selbst aus diesem Land stammte. Gisela aber beschenkte das Kloster mit den kostbarsten Ornaten und wurde Mitstifterin dieser gottgeweihten Pflanzstätte des Christentums.

 

Jetzt hatte das Heidentum in Ungarn seinen Todesstoß erhalten. Der Friede war hergestellt. Die Überwundenen fügten sich der höheren Macht. Von den Missionaren wurde mit Segen gearbeitet. Nun wurde der Abt des neuerrichteten Klosters aus dem St. Martinskloster nach Rom gesendet, dass er dem Oberhaupt der Kirche von den Fortschritten des Christentums unter den Magyaren Nachricht gebe und die kirchlichen Angelegenheiten ordne.

 

Dieser Abt, Astricus mit Namen, erwarb neben der Bestätigung der neugegründeten Bistümer, seinem Herzog auch den Titel und die Krone eines Königs von Ungarn, der fortan den Herrschern des Landes vom Papst Sylvester II. gegeben wurde. Am 15. August des Jahres 1000 wohnte Stephan mit seiner Gemahlin Gisela dem hochfeierlichen Gottesdienst in der Metropole Gran bei. Bei dieser Feierlichkeit wurde er als König von Ungarn und Gisela als Königin gekrönt, und die seligste Jungfrau und Gottesmutter Maria wurde als die Patronin des neuen Königreiches erklärt.

 

Um diese Zeit kam der uns bekannte heilige Einsiedler Günther an den Hof des heiligen Stephan. Das fromme Beispiel und der heilige Ernst des treuen Dieners Gottes machten einen guten Eindruck auf den König. Wo dieser in wichtigen Angelegenheiten eines Rates bedurfte, rief er den gotterleuchteten Einsiedler aus Bayern zu sich. Auf den Rat Günthers erbaute der König das Kloster Bakony-Beel, erteilte ihm volle Freiheit von allen Abgaben und besetzte es mit Jüngern des gottseligen Günther. Das bisher ganz verwilderte Land trug bald die herrlichsten Früchte.

 

An dieser Umgestaltung des Landes hatte die fromme Königin Gisela einen großen Teil. Sie hatte es vom Anfang an als ihre Aufgabe erkannt, ihr ganzes Haus wie sich selber dem Herrn zu heiligen, damit der Name des Herrn erkannt und verherrlicht werde, wo man die Früchte des wahren Glaubens an ihr mit Augen sah. Ihre größte Freude war, Kirchen und Klöster zu gründen und die Wohnstätten des Herrn und seiner Diener mit der notwendigen Zierde auszustatten. Für das Heiligtum des Herrn webten und stickten ihre fleißigen Hände. Was sie nur immer sich selber absparen konnte, verwendete sie, wenn nicht die Not der Armen es in Anspruch nahm, auf die Ausstattung der Gotteshäuser. Von ihrem eigenen Vermögen hatte sie den Bau der prachtvollen Kathedrale zu Weszprim ausführen lassen. Dies war ihr Lieblingswerk. Obwohl gegen alle Kirchen des Landes freigebig, kannte doch ihre Freigebigkeit dieser Kirche gegenüber keine Grenzen. Sie bedurfte es auch am meisten.

 

Bei dieser Sorgfalt für das Haus des Herrn vergaß sie durchaus nicht, was sie ihrem eigenen Haus schuldig war. Mit himmlischer Weisheit leitete sie die Erziehung ihrer Kinder. Mit göttlicher Geduld ertrug sie es, als sie all ihrer Kinder bis auf den einzigen Sohn Emmerich beraubt wurde, und mit heldenmütiger Aufopferung verpflegte sie ihren Gemahl in seiner dreijährigen, schweren Krankheit. Ihre größte Sorgfalt wendete sie nun der Erziehung ihres geliebten Sohnes zu. Der Erfolg zeigte, wie segensreich ihre Bemühung gewesen war. Der Sohn der gottseligen Gisela, Emmerich, bewahrte das Gewand der Unschuld und errang schon als Jüngling eine hohe Stufe christlicher Vollkommenheit. In der Ehe bewahrte er die Jungfräulichkeit, und nach einer kurzen Pilgerfahrt wurde er aufgenommen in die himmlische Heimat. Die Kirche verehrt ihn als einen Heiligen. Er hatte mit seinem Vater die Abtei Altofen gestiftet und zu ihrem Bau griechische Steinmetze und Künstler berufen. Dieser Stiftung ihres heiligen Sohnes wendete die fromme Gisela nach dessen frühzeitigem Tod ganz besondere Aufmerksamkeit zu. Sie versah sie mit den prachtvollsten Ornaten, von denen viele die Arbeit ihrer eigenen Hände waren.

 

Mit mannhafter Seelengröße und mit kindlicher Ergebung hielt die fromme Königin den härtesten Schlag aus, der sie treffen konnte, den Tod ihres königlichen Gemahls. Am Fest der Aufnahme der seligsten Jungfrau 1038 bestand der treue Kämpfer für die Ehre seines Herrn den letzten Kampf. Langsam hatte die Krankheit seine Kraft aufgerieben. Geistig gestärkt durch die heiligen Sterbesakramente gab er, umgeben von den Prälaten Ungarns, seinen Geist auf. Die Hände zum Himmel erhoben, übergab er sich und sein Reich in die Hände des höchsten Königs durch die Hände der glorreichen Königin des Himmels.

 

Nach dem Tod Stephans des Heiligen kamen über die Kirche Ungarns und über die königliche Witwe schwere Heimsuchungen. Der Nachfolger Stephans, König Peter, konnte sich nicht lange auf dem Thron erhalten. Die übermütigen, noch heidnisch gesinnten Großen des Reichs erregten einen Aufstand gegen ihn. Er rettete sich durch die Flucht. Alle seine Räte und Diener wurden wie Schlachtvieh niedergehauen. Jetzt ergriff auch die fromme Königin die Flucht. Der glaubenstreue Erzbischof von Gran begleitete sie. Verstoßen von dem Land, dem sie nur Wohltaten erwiesen hat, das durch sie in religiöser und bürgerlicher Hinsicht so sehr gehoben war, begab sie sich wieder in ihr Heimatland, nach Bayern, im Jahr 1042.

 

Das Kloster Niedernburg in Passau, das schon im 8. Jahrhundert gegründet und im Jahr 1010 von ihrem Bruder, Heinrich dem Heiligen restauriert worden war, wurde ihr Zufluchtsort. Hier lebte sie als arme Klosterfrau, denn die undankbaren Ungarn hatten sie all ihrer Güter und Besitzungen beraubt. Sie fühlte sich glücklich in ihrer Armut und unterzog sich freudig den niedrigsten Arbeiten und allen religiösen Übungen im Kloster. Dann wurde sie als Äbtissin des Klosters erwählt, und versah dieses Amt bis zu ihrem seligen Hinscheiden am 7. Mai 1070 in einem Alter von neunzig Jahren.

 

Als die Ungarn später wieder zur Besinnung gekommen waren, sahen sie ein, wie viel sie der gottseligen Gisela zu danken hatten. Sie wallfahrteten in ganzen Scharen zum Grab der seligen Königin. Dieses Grab ist im Kloster Niedernburg, das jetzt die Englischen Fräulein bewohnen, neben dem ihrer Muhme Helika, der ersten Äbtissin dieses Klosters nach seiner Restauration durch Kaiser Heinrich II. Eine öffentliche Verehrung durch einen kirchlichen Ausspruch ist ihr noch nicht zuerkannt. Desungeachtet wird sie von den Schriftstellern die „selige“ oder die „heilige“ Gisela genannt.

 

Gebet am 7. Mai

 

O lieblichste Mutter, habe Erbarmen mit mir und lass nicht zu, dass mich dein Sohn wegen meiner Undankbarkeit und wegen des Missbrauchs seiner Güte verwerfe. Erlange mir die Gnade, dass ich von heute an mein Herz losmache von den Eitelkeiten der Welt, jede Sünde sorgfältig meide, das Geschäft meines Heils in Ordnung bringe und im Dienst Gottes bis zum Ende verharre. Amen. 

 

Zu Gott

 

Gott der Wahrheit und der unerschütterlichen Kraft, rüste die Diener deiner Kirche und alle deine Kinder mit jenem Mut aus, der weise, aber standhaft das Unrecht bekämpft, und die verderbliche Leidenschaft durch dein heiliges Gesetz besiegt, damit Ordnung und Sittenreinheit wieder auf Erden einkehren, und in den Menschenkindern wieder dein Ebenbild herstellen. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag wurde zu Aubert-Villiers nahe bei Paris ein großes Fest unter dem Namen Mariä, einer Frau der Tugenden, gehalten. Das Bildnis von diesem Fest, das sich in dieser Pfarrkirche sich befindet, ist wegen vieler bis auf den heutigen Tag fortdauernder Wunder in großer Verehrung. 

 

8. Mai

 

Erscheinung des heiligen Erzengels Michael

 

Dieses heutige Fest wurde von der Kirche angeordnet und eingesetzt zur Erinnerung an eine wunderbare Erscheinung des heiligen Michael um das Jahr 495 auf dem Berg Gargano in Süditalien. Seit jener Zeit nahm die Verehrung des heiligen Michael einen mächtigen Aufschwung, eine Verehrung, die bis heute fortdauert und auch zu Recht fortdauert, denn Sankt Michael nimmt unter den himmlischen Geistern eine hervorragende Stellung ein.

 

Gleich zu Beginn der Schöpfung wird der Name dieses Fürsten unter den Engeln rühmend genannt, denn Michael war es, der an der Spitze der guten Engel den Kampf gegen Luzifer und seinen Anhang siegreich bestand.

 

Später wurde Sankt Michael der Schutzherr des Auserwählten Volkes im Alten Bund, den die Heilige Schrift den großen Fürsten nennt, der für die Söhne seines Volkes einsteht. In gleicher Weise gilt Michael im Neuen Bund als der Schutzgeist der Kirche Christi. Im Schuldbekenntnis wurde früher bei jeder heiligen Messe sein Name zweimal genannt, und wenn im feierlichen Hochamt der Priester bei der Opferung Weihrauch in das Rauchfass einlegte, so rief er dabei den heiligen Michael an und betete, wie man in den gleichbleibenden Teilen der heiligen Messe nachlesen konnte: „Auf die Fürsprache des heiligen Erzengels Michael, der zur Rechten des Rauchopferaltares steht, und all seiner Auserwählten möge der Herr diesen Weihrauch segnen und als lieblichen Wohlgeruch annehmen.“

 

Bei der Totenmesse hieß es im Opferungslied: „Herr Jesus Christus, König der Herrlichkeit, bewahre die Seelen aller verstorbenen Gläubigen vor den Qualen der Hölle und vor den Tiefen der Unterwelt, bewahre sie vor dem Rachen des Löwen, dass sie nicht hinabstürzen in die Finsternis. Vielmehr geleite sie Sankt Michael, der Bannerträger, in dein heiliges Licht.“

 

Der heilige Erzengel Michael ist demnach auch der Patron der Sterbenden und der abgeschiedenen Seelen, die er an dem höllischen Drachen vorbei in das Licht des Himmels einführt. Aus diesem Grund sind ihm mancherorts die Friedhofskapellen geweiht. Nicht ohne Interesse ist ferner die Tatsache, dass sich in vielen mittelalterlichen Kirchen ein Michaelsaltar findet, der seinen Platz stets auf der Westseite hat. Man hatte nämlich die Vorstellung, dass sich im Westen, von wo aus mit dem Untergang der Sonne die Finsternis einsetzt, auch das Reich des Fürsten der Finsternis ausdehne, gegen den der Lichtfürst Michael Welt und Menschen schützen sollte.

 

Ganz besonders aber hat es Sankt Michael von jeher den Deutschen angetan. Früh schon wurde er der Schirmherr des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Mit seinem Bild war das Reichsbanner geziert, und mit einem kraftvollen Michaelslied auf den Lippen zogen ehedem die deutschen Heere in die Schlacht:

 

Unüberwindlich starker Held, Sankt Michael!

Komm uns zu Hilf, zieh mit zu Feld!

Hilf uns hie kämpfen, die Feinde dämpfen,

Sankt Michael!

 

Bei der allgemeinen Beliebtheit, der sich der heilige Michael erfreut, ist es nicht verwunderlich, dass ihn ebenso manche Berufsstände zum Schutzpatron erwählten wie die Soldaten und Ritter und die Kaufleute und Apotheker, ferner schützt sein Schild vor Blitz und Ungewitter. Auch die Geisteskämpfer, die katholischen Zeitungsleute, sehen in Sankt Michael den mächtigen Schirmer.

 

So nimmt der heilige Erzengel Michael in der Verehrung des katholischen Volkes eine hervorragende Stellung ein. Seine helle Lichtgestalt soll am heutigen Tag allen Katholiken eine eindringliche Mahnung sein, gegen alles Finstere, Gemeine und Niedrige mutig zu kämpfen und stets und überall für alles Lichte, Hohe und Heilige einzutreten.

 

Die gottselige Klara Fey,

Stifterin der Genossenschaft vom Armen Kinde Jesu,

+ 8.5.1894 – Gedenktag: 8. Mai

 

Nicht immer ist man so glücklich, die Seele unserer auserwählten Diener Gottes genau betrachten zu können. Nur selten lässt sich das Geheimnis des Herzens eines Heiligenlebens vom ersten Aufkeimen bis zur Blüte und reifen Frucht aufdecken und verfolgen, wenn nicht etwa vertraute Zeitgenossen oder eigene, das innere Leben erschließende Schriften ein sicheres Urteil erlauben. Das Leben und Werden der gottseligen Mutter Klara Fey können wir nun aus ihren eigenen Äußerungen wie aus ihrer praktischen Wirksamkeit bis ins Innerste verfolgen. Da zeigt sich als geheimnisvolle Anziehungskraft, als Mittelpunkt ihres ganzen Denkens und Lebens, als die Wurzel, aus der alle ausgezeichneten Tugenden emporsprossten, als die Quelle ihres gottgeeinten, heiligen Wandels eine „Übung“, eine einzige Übung, die sie fast sechzig Jahre fortsetzte und zu immer reicherem Erfolg entwickelte: Die Übung des Lebens in der Gegenwart Gottes, und zwar des sakramentalen Gottes unserer Altäre.

 

Klara Fey, geboren am 11. April 1815 in Aachen, war das Kind einer angesehenen, begüterten und braven Familie. Schon mit fünf Jahren verlor sie den Vater; die Mutter Katharina leitete ihr Erziehung in echt christlichem Geist. Einfluss auf ihre Entwicklung übte in jener Zeit auch die Dichterin und Konvertitin Luise Hensel, die als Lehrerin an der Realschule wirkte, die Klara besuchte. Nach Abschluss ihrer Ausbildung führte die hochgesinnte Jungfrau im häuslichen Kreis ein ihrer Geistesrichtung entsprechendes, zurückgezogenes, wohlgeordnetes, mit nützlicher Tätigkeit ausgefülltes Leben, dem echte Frömmigkeit und christliche Nächstenliebe den Stempel aufdrückten. Eifrige Lektüre, nicht von Romanen, sondern der Heiligen Schrift, der Leben und Lehren der Heiligen und anderer geistlicher Bücher förderten die innere Weiterentwicklung. Die Kunstfertigkeit in feinen Handarbeiten übte sie an Paramenten für die Pfarrkirche. Eine zarte Gewissenhaftigkeit zeichnete sie aus, besonders im Reden über den Nächsten. „Ach, lasst uns doch nicht sündigen,“ mit diesen Worten machte sie Gesprächen gegen die Liebe ein Ende. Oftmaliger Kommunionempfang brachte stärkende Nahrung für das Seelenleben und führte die heilsbegierige Jüngerin des Heilandes in ihrem Sinnen und Lieben immer näher zum eucharistischen Zelt. Der Besuch und die Unterstützung von Kranken und Armen war ihr eine liebe Beschäftigung, eine Gott schuldige und aus Liebe zu Gott zu verrichtende Berufsaufgabe. Und wirklich sollte die Liebestätigkeit für den Nächsten, und zwar in der bestimmten Richtung der Sorge für die Jugend, ihr künftiger Beruf werden. Bald zeigte es sich, wie die Vorsehung sie dazu führte.

 

Unter den Arbeiterkindern der aufblühenden Industriestadt Aachen herrschte eine traurige Verwahrlosung. Klaras Bruder Andreas, der Kaplan in der Pfarrei St. Paul in Aachen war – ein zweiter Bruder hatte sich dem Redemptoristenorden zugewendet -, machte seine Schwester und ihre Freundinnen, die sich ihren Liebeswerken angeschlossen hatten, auf diesen Missstand aufmerksam. Noch am gleichen Sonntagabend wurde von den jugendlich begeisterten Fräuleins beschlossen, eine Schule für arme Kinder zu gründen. Der Entschluss wurde auch wirklich am 3. Februar 1837 ausgeführt. Klara Fey war damals 22 Jahre alt. In dem Kreis der „heiligen Fräulein“, wie sie von den Aachenern genannt wurden, ragten Anna von Lommessem, später Ordensfrau vom Heiligen Herzen, und die nachmaligen Ordensstifterinnen Pauline von Mallinckrodt und Franziska Schervier hervor. Über diese so ausgezeichneten Gefährtinnen wie über die Herzen der Kinder besaß Klara Fey, obwohl zart und kränklich, durch ihre Ruhe, Klugheit und Sanftmut einen tiefen, nachhaltigen Einfluss. Wie es in solchen Fällen, bei einem von jungen, frommen Mädchen unternommenen Werk begreiflicherweise geschieht, war das Urteil der Welt zunächst nicht gerade günstig. Indessen war Kopf und Herz dieser Wackeren von etwas anderem eingenommen als von einem „Spiel, das sich von selbst aufhören würde“, noch weniger waren sie „verrückt“, wie die ganz Liebenswürdigen meinten. Sie hörten nicht auf. Das Unternehmen entwickelte sich segensreich und führte ganz unmerklich zur Gründung einer neuen religiösen Genossenschaft. Wie so oft in der Geschichte der Orden zeigt sich auch hier die sanfte, sichere Führung des Geistes Gottes, der das Kleine und Verborgene erwählt und in stiller Entwicklung Großes daraus erwachsen lässt.

 

Am 1. Februar 1844 verließ Klara Fey das Elternhaus und begann mit drei Freundinnen ein gemeinsames Leben. Ohne Wahl war sie die anerkannte Oberin; denn schon seither ging jede mit dem, was sie drückte, zu ihr, um sich beraten zu lassen. Das Leben war ein klösterliches; die Gelübde wurden in privater Form abgelegt. Nach persönlicher Vorstellung in Berlin und Audienz bei der Königin erfolgte unter Überwindung mancherlei Schwierigkeiten im Dezember 1845 die staatliche Anerkennung der Genossenschaft und bald hernach die kirchliche Gutheißung. Die vorläufige Bestätigung der Genossenschaft durch Rom wurde erst nach eingehender, langer Arbeit an den Statuten 1862 und die endgültige durch Dekret von Papst Pius IX. vom 12. Mai 1869 erteilt, während die letzte entscheidende Bestätigung der Regel erst 1888 erfolgte. Dem Namen des „Armen Kindes Jesu“ entsprechend, war der erste Zweck der Genossenschaft „arme, verlassene und verwahrloste Kinder aufzunehmen“. Aber ohne dass man es wollte, ja gegen den anfänglichen Willen der Stifterin, drängten die Verhältnisse auch zur Übernahme der höheren Mädchenbildung. Immer reicher und vielseitiger gestaltete sich die äußere Tätigkeit. Da finden wir in den verschiedenen Niederlassungen, deren es jetzt (1928) 38 mit über 600 Schwestern sind: Erziehungsanstalten für Waisenkinder, Armenschulen, Krippen, Kindergärten, Mädchen- und Knabenhorte, Paramentenstickereien, Handarbeitsschulen, Handelskurse, Lyzeen, Frauenschulen, eine Studienanstalt, Heime für kaufmännische Gehilfinnen und Beamtinnen, Weiterbildung schulentlassener Mädchen der arbeitenden Stände zu Dienstmädchen und Hausfrauen. All diese vielfache Tätigkeit ist geeint im Geist des armen Kindes Jesus, der alles durchdringt und belebt. „Zu Jesus führen“ ist Leitgedanke.

 

Das meiste des Entstandenen, das gottgesegnete, rasche Aufblühen der Genossenschaft, die Bestätigung der Regel sah Mutter Klara selber noch werden. Als Gründerin und ständige Generaloberin während 44 Jahren hatte sie mit der Leitung des ausgedehnten, schließlich sich über Deutschland, Österreich, Holland, Belgien, England und Frankreich sich erstreckenden Kongregation eine ganz außerordentliche Aufgabe zu lösen. Nur einer außerordentlichen Persönlichkeit, wie Klara Fey es war, konnte dies gelingen. Dabei gab ihr Gott freilich auch hervorragende Mithelfer zur Seite, ihren Bruder, Direktor Andreas Fey, ihren Seelenführer, den erleuchteten und frommen Pastor Wilhelm Sartorius, und den Bischof Johann Theodor Laurent, apostolischen Vikar von Luxemburg, zuletzt Direktor des Mutterhauses. Mutter Klara war aber die Seele des Ganzen, eine ausgezeichnete Verwalterin und Vorsteherin mit wahrhaftiger „Mutterliebe“ wie nicht minder eine tieffromme, strenge, demütige, von allem losgeschälte und doch alle führende und begeisternde Ordensfrau. „Ihre hohe, kräftige Gestalt, ihr schönes, so ausdrucksvolles Antlitz mit kräftig hervortretenden Züge regte zur Ehrfurcht an und imponierte jedem. Auf wen die Mutter ihr klares, unendlich seelenvolles Auge richtete, dem ging das Herz auf. Welche Milde, welche Güte bei so wahrer Seelengröße!“ Ihren Geist, „den Geist der Freude und des Friedens, den Geist der Barmherzigkeit mit anderen und der Gewissenhaftigkeit mit sich selbst, den Geist christlicher Einfachheit, verbunden mit heiligem Eifer für alles Gute“, diesen Geist, dieses Beispiel drückte sie ihren geistlichen Töchtern auf, die in kindlicher Ergebenheit und beispielloser Liebe an ihr hingen.

 

Mitten im Aufstieg drohte der Sturm des unseligen Kulturkampfes die Wirksamkeit und den Bestand des Ganzen, so viel Segen verbreitenden Werkes zu vernichten. So weit ging die Verblendung der Feinde der katholischen Kirche, dass sie nicht einmal gottgeweihte Jungfrauen ihre Dienste der Liebe den armen Kindern des Volkes mehr zuwenden ließen! Undankbares Vaterland! Wird Gott ein solches Verbrechen an armen Kindern ungesühnt lassen? In unserer Zeit erkennen wir Gottes strafende Hand. Mutter Klara aber zeigte damals ihren ganzen aufrechten Glaubensmut, unwandelbare Ruhe ohne Klagen und eine kluge Voraussicht. Sie richtete ihre Blicke nach dem Ausland, um dort ihren Schwestern neue Wirkungsstätten zu eröffnen. In Simpelveld im Holländischen, an der Landesgrenze nahe bei Aachen, erstand in den Jahren 1876 bis 1878 ein neues, schönes, geräumiges Mutterhaus, das an Berühmtheit das Aachener aufgelöste noch weit übertreffen sollte. Auch nach erfolgter Neubegründung der Tochterhäuser im Rheinland von 1887 an blieben die Schwestern vom Armen Kinde Jesu ihrer neuen Heimat und dem so herrlich gediehenen Mutterhaus bei Simpelveld treu. Hier fand auch die starke Frau und doppelte Begründerin ihrer Genossenschaft ihre letzte Ruhestätte.

 

Woher nahm dieses fruchtbare Leben der gottseligen Jungfrau seine Kraft und Ausdauer, was gab ihm sein ganz eigenes Gepräge, seine Heiligkeit?

 

Schon im 20. Lebensjahr wurde Klara Fey durch Redemptoristen und Karmelitessen auf die heilige Theresia aufmerksam gemacht. Von dieser großen Lehrerin des inneren Lebens lernte sie die fortwährende Vereinigung mit Gott kennen. Ihr Seelenführer Sartorius führte sie dann immer mehr in die Lehre des heiligen Franz von Sales von der Sammlung in Gott ein, wozu ihm ja auch die heilige Theresia die Anregung gegeben hatte. Die gottselige Mutter Klara aber gab dieser Sammlung, dem Wandel in Gott, noch die besondere Richtung auf das heiligste Sakrament des Altares. Gott ist überall, am nächsten aber ist er der Seele des Menschen, die er erschaffen, deren Leben und Dasein er ist, in der er wohnt. Diese Gegenwart Gottes muss die Seele mit Freude und Wonne erfüllen. Im Andenken an ihn muss der ganze Wandel rein und vollkommen werden, heilig die Gedanken, vorsichtig die Worte, vollendet die Werke. Wie aber gelangt man zu dieser Vereinigung mit Gott? Du musst, sagt die Lehrmeisterin der Übung selbst, allmählich diese selige Gewohnheit zu erringen streben. Du musst jeden Morgen diese Übung dir vorsetzen und mittags und abends dich fragen, ob wohl eine halbe Stunde vergangen ist, wo du nicht an deinen Herrn gedacht hast, der mit dir ist, und musst ihn um Verzeihung bitten, wenn du ihn lange allein gelassen hast. Wenn du den Herrn recht liebst, wirst du auch treu und beständig an ihn denken. Die Übung soll ohne Zwang und Unruhe geschehen. Sie ist eine Gnade des Heiligen Geistes, der ein ruhiges, sanftes, demütiges Herz begehrt, um es mit ihr zu erfüllen.

 

Der Gott, vor dessen Angesicht wir im Glauben wandeln, ist aber der „Gott mit uns“, Emmanuel, der Gott des Altares. „Der Kern und Mittelpunkt ist Jesus im allerheiligsten Sakrament.“ Er hat gesagt: „Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“ Durch die heilige Kommunion will der Herr nicht vorübergehend in uns wohnen; sein Aufenthalt ist ein beständiger. Er begleitet uns den ganzen Tag mit seiner Gnade und ist am Abend noch da, um uns in der Nacht zu beschützen. Darum sollen wir uns bemühen, so zu beten und zu arbeiten, als ob wir eben erst den Herrn empfangen hätten. So wird alles vollkommen. „Es lebe Jesus in unseren Herzen, aber stets, aber so, wie er durch sein Sakrament in uns einkehrte: ich bitte ihn darum um seines Namens willen und dass wir bei ihm bleiben und in und mit und von ihm leben.“ Darum andächtige wirkliche Kommunion, oftmalige Sehnsucht danach, häufige geistliche Kommunion! Das war die „Übung“ der Mutter Klara. Oft, wenn sie in ungezwungener Weise und aufs anziehendste sich mit den Schwestern unterhielt, konnte man, etwa alle Viertelstunden, sehen, wie sie, ihr selbst unbewusst, - sonst hätte sie es ängstlich verborgen – eine kleine Wendung des Hauptes machte, wie ihr Blick leuchtender wurde und einen ganz innigen, sprechenden Ausdruck annahm. So galt von ihr, was sie einmal von der heiligen Katharina von Siena sagt: „Der Herr hat ihr ins Ohr gesagt: „Denke du an mich, und ich denke an dich.“ Sie hat dieses Wort verstanden und hat ihren Bräutigam festgehalten mit allen Affekten ihres liebenden Herzens. Und, wie hat sie Frucht getragen durch den Allmächtigen, auf den sie sich stützte! Das war die schwache Jungfrau, die im Innersten ihres Herzens nichts kannte als Christus, unsern Herrn, die nur an ihn dachte und von ihm sich leiten ließ.“

 

Das war auch Klara Fey, die geistliche Mutter und Leiterin Tausender von Seelen, ein Abbild ihrer Patronin, der heiligen Klara mit der Monstranz. Durch die Vereinigung mit dem Gott ihres Herzens und dem Gott der Altäre ist sie geworden, was der Diözesanbischof Roermond nach ihrem Tod am 8. Mai 1894 von ihr bezeugte: „Sie war ein lebendiges Beispiel eines starken Glaubens, einer seltenen Frömmigkeit, eines echt christlichen Sinnes, kurz aller christlichen und klösterlichen Tugenden.“

 

Der Seligsprechungsprozess wurde 1916 Eingeleitet.

 

Versuche diese „Übung“ der Sammlung und Vergegenwärtigung Gottes! Es geht trotz aller äußeren Beschäftigung. Mache die Übung ruhig, allmählich, ohne Gewalt, aber beharrlich. „Das eine Auge muss beschäftigt sein im Dienst des Nächsten, das andere muss unverwandt auf den Bräutigam gerichtet sein.“

 

Update: Klara Fey wurde am 6. Mai 2018 im Aachener Dom seliggesprochen. 

 

Der heilige Arsenius, Diakon und Einsiedler in Ägypten,

+ 449 – Fest: 8. Mai

 

Arsenius, von Geburt ein Römer, war aus einer mit mehreren Senatorenhäusern verwandten Familie entsprossen. Er wurde mit großer Sorgfalt erzogen, und von Kindheit an bewies er glühenden Eifer für die Tugendübung. Er erwarb sich vielseitige Kenntnis der griechischen und lateinischen Literatur, und drang tief in den Geist der göttlichen Schriften ein. Da er den geistlichen Stand erwählt hatte, erhielt er die Diakonenweihe, und ging sodann in Rom mit einer Schwester die Wege der Gottseligkeit.

 

Kaiser Theodos der Große, der angelegentlich einen Mann suchte, dem er die Erziehung seiner Kinder anvertrauen könnte, wandte sich an Kaiser Gratian, und bat ihn, sich über die von ihm zu treffende Wahl mit dem römischen Bischof zu besprechen. Dieser redete zu ihm von Arsenius auf eine so vorteilhafte Weise, dass er daraus schloss, er müsse alle Eigenschaften besitzen, die Theodosius zu verlangen schien. Gratian schickte ihn daher nach Konstantinopel. Der Kaiser empfing ihn mit großen Ehrenbezeigungen, erhob ihn zur Senatorenwürde, und befahl, ihn als den Vater seiner Kinder, zu deren Vormund und Lehrer er ihn ernannte, zu ehren. Er wies ihm ein prachtvolles Gefolge an, und gab ihm zu seinem Beruf hundert prachtvoll gekleidete Diener.

 

Als eines Tages der Kaiser die Prinzen während der Studienzeit besuchte, und sie sitzend antraf, während Arsenius stehend mit ihnen redete, wurde er darüber nicht nur augenblicklich ungehalten, er nahm sogar seinen Kindern auf einige Zeit ihre Ehrenzeichen, und befahl, dass sie während der Lehrstunden stehen und Arsenius sitzen sollte.

 

Arsenius hatte stets einen unwiderstehlichen Hang zur Abgeschiedenheit; und dieser Hang verstärkte sich von Tag zu Tag wegen des Prunkes und der Zerstreuungen, die mit seinem Amt verbunden waren. Titel und Ehrenstellen waren ihm eine unerträgliche Bürde. Endlich fand er um das Jahr 396 eine Gelegenheit, die Bande, die ihn an den Hof knüpften, zu zerbrechen. Als Arcadius, eines der kaiserlichen Kinder, einen bedeutenden Fehler begangen hatte, ahndete er denselben mit unerbittlicher Strenge. Dies verdross den jungen Prinzen, und er wurde nur noch halsstarriger. Arsenius nützte diesen Anlass, um den seit Jahren her gemachten Plan, die Welt zu verlassen, in Ausführung zu bringen. Als er eines Tages nach seiner Gewohnheit ein inbrünstiges Gebet verrichtete, um den Willen Gottes zu erkennen, vernahm er eine Stimme, die ihm zurief: „Arsenius, fliehe die Gesellschaft der Menschen, und du wirst leben.“ Ohne Verzug befolgte er den Befehl des Himmels, bestieg ein Schiff, das eben nach Alexandrien absegelte: von da ging er in die Wüste Scete, um sich dem Einsiedlerleben zu widmen. Dieses trug sich um das Jahr 394 zu. Arsenius hatte damals sein vierzigstes Jahr erreicht, nachdem er elf an dem Hof zu Konstantinopel zugebracht hatte.

 

Da er in allen Dingen nur Gott zu gefallen suchte, verdoppelte er seinen Gebetseifer, um noch besser zu erkennen, was der Herr von ihm verlangte. Als er nun eines Tages betete, hörte er eine Stimme, die ihm abermals sagte: „Arsenius, fliehe, schweige, ruhe; dieses sind die Grundlagen des Heils“; nämlich: dies sind die Hauptsachen, die man befolgen muss, um das Heil zu erlangen. Zufolge dieser zweimal wiederholten Ermahnung, verschloss er sich in eine weit entlegene Zelle, um keine Besuche annehmen zu müssen; sogar seine eigenen Brüder sah er nur selten. Wenn er in die Kirche ging, die ungefähr dreißig Meilen von seiner Wohnung entfernt lag, stellte er sich hinter einen Pfeiler, um von niemanden bemerkt zu werden und selbst niemanden zu sehen.

 

Indessen ließ Theodosius, der durch des Arsenius Flucht äußerst bestürzt war, zu Wasser und zu Land die genauesten Nachforschungen anstellen, um ihn zu entdecken: bald darauf aber musste er sich in das Abendland begeben, um den Tod Valentinians II. zu rächen, und einen Aufruhr zu dämpfen, an dessen Spitze Eugenius und Arbogast standen. Er starb zu Mailand 395 an der Wassersucht, und hinterließ das morgenländische Reich seinem Sohn Arcadius. Dieser Fürst gab die Stelle eines ersten Ministers einem gewissen Rufin, der Präfectus Prätorio war, und ihm, da er sein Hofmeister gewesen, niederträchtig geschmeichelt hatte. Doch vergaß er auch den Arsenius nicht, und wollte ihn an den kaiserlichen Hof berufen, um dessen weise Räte zu befolgen. Als er erfuhr, dass er in der Wüste Scete sich aufhalte, schrieb er ihm einen Brief, um sich in dessen Gebete zu empfehlen; auch überließ er ihm die Einkünfte von Ägypten, um damit die Klöster zu versehen, und die Armen zu unterstützen, wie er es für dienlich halte: der Heilige aber, der allen zeitlichen Vorteilen das Glück in der Einsamkeit zu leben vorzog, in der er ohne Zerstreuung seine Sünden beweinen, und sich zum Hintritt in die Ewigkeit vorbereiten konnte, begnügte sich damit, dass er dem Gesandten des Kaisers mündlich antwortete: „Ich bitte Gott, dass er uns allen unsere Sünden verzeihen möge. Was die Verurteilung des Geldes anlangt, bin ich keineswegs geeignet, dieses Geschäft über mich zu nehmen, weil ich der Welt abgestorben bin.“

 

Was ihm beim Eintritt in die Wüste begegnete, verdient zur Erbauung des Lesers hier angeführt zu werden. Als er das erste Mal vor den Ältesten oder den Obern der Mönche von Scete erschien, und nun Erlaubnis erhielt, unter ihrer Leitung Gott zu dienen, übergaben sie ihn der Aufsicht des heiligen Johannes, der Zwerg genannt. Dieser setzte sich abends mit seinen Brüdern nieder, um die geringe Mahlzeit zu genießen, den Arsenius aber ließ er stehen mitten in der Versammlung, ohne seiner zu achten. Dieses war in der Tat eine harte Prüfung für einen Hofmann; allein sie hatte in ihrem Gefolge eine zweite, die noch weit empfindlicher war. Unter der Mahlzeit nimmt der heilige Johannes ein Stück Brot, wirft es Arsenius vor die Füße, und sagte ihm ganz gleichgültig und trocken, er möge es essen, wenn er Lust dazu habe. Arsenius wirft sich auf die Erde nieder und isst es in dieser Stellung. Der heilige Johannes, durch ein solches Betragen entzückt und erbaut, ließ es bei dieser Prüfung bewenden, und nahm ihn freudig auf. „Kehrt nun heim“, sagte er dann zu den Brüdern, „in eure Zellen mit dem Segen des Herrn. Betet für uns. Dieser Mann passt für das Einsiedlerleben.“

 

Arsenius zeichnete sich vor allen Einsiedlern aus durch seine Demut und seinen Eifer. Im Anfang erlaubte er sich, ohne jedoch daran zu denken, gewisse Dinge, an die er in der Welt gewohnt war, und die, wiewohl an sich ganz unschuldig, dennoch etwas Leichtsinn und Behaglichkeit zu verraten schienen, wie z.B. die Gewohnheit, die Füße übereinander zu legen. Die Alten, die ihn überaus hochschätzten, wollten ihn nicht in einer öffentlichen Versammlung, wo die Brüder zur Konferenz eingeladen waren, darauf aufmerksam machen. Allein der Abt Pemen oder Pastor bediente sich folgender List: Er kam mit einem Mönch überein, dass dieser jene Stellung einnehme, und dann von ihm darüber zurechtgewiesen würde, als sei sie der Eingezogenheit zuwider: was auch geschah. Der Mönch hörte die Rüge geduldig an, ohne ein Wort zu seiner Entschuldigung zu sagen. Arsenius merkte wohl, dass es ihm auf mittelbare Weise gelte; und von nun an hatte er ein aufmerksames Auge auf sich selber, und suchte sich zu bessern.

 

Unter allen Mönchen von Scete war keiner so ärmlich gekleidet wie er. Er wollte dadurch jene äußere Pracht sühnen, in der er vordem am Hof gelebt hatte. An den Werktagen flocht er Matten aus Palmblättern, und hatte stets ein Tuch auf seinem Schoß, um die Tränen, die beständig seinen Augen entflossen, abzuwischen. Niemals schüttete er das Wasser aus, in das er seine Palmblätter tauchte, mochte es auch einen noch so widerlichen Gestank von sich geben, sondern füllte es nur mit frischem auf. Als ihn jemand um die Ursache dieses Benehmens fragte, erwiderte er: „Durch diesen üblen Geruch muss ich mich abtöten für die Sinnlichkeit, die mich bewogen hatte, wohlriechende Dinge zu gebrauchen, als ich noch in der Welt lebte.“ Um seinen von ihm sogenannten alten Geschmack an überflüssigen Sachen zu sühnen, beschränkte er sich auf die unbedingteste Armut, so dass er in einer Fieberkrankheit einige ihm nötige Unterstützung anzunehmen sich gezwungen sah. Er dankte Gott, dass er ihn würdig erachtet, in seinem Namen von den Gläubigen unterstützt zu werden. Seine Krankheit war von langer Dauer, und der Priester der Einöde ließ ihn in seine Wohnung, die nahe bei der Kirche war, tragen. Man brachte ihn auf ein kleines Bett von Tierhäuten, und legte ein Kissen unter sein Haupt. Als ihn einer der Mönche besuchte, nahm er Ärgernis daran, dass er ihn so liegend fand, und fragte, ob dies der Abt Arsenius sei. Der Priester zog ihn auf die Seite, und befragte ihn, welches Geschäft er im Dorf getrieben habe, bevor er Mönch wurde. „Ich war Hirte“, entgegnete dieser, „und konnte kaum meine Labsucht erschwingen.“ Da antwortete der Priester: „Sieh da den Abt Arsenius; als er noch in der Welt lebte, war er Vater der Kaiser. Er hatte in seinem Gefolge hundert Sklaven in Seide gekleidet, und mit goldenen Armbändern und Gürteln geschmückt; er hatte ein weiches und prächtiges Lager. Du aber, in der Welt ein Hirte, befandest dich weit unbequemer als jetzt.“ Der gute Mönch, durch diese Worte gerührt, warf sich nieder und sagte: „Verzeih mir, mein Vater, denn ich habe gesündigt; ich erkenne, dass Arsenius auf dem wahren Weg der Demut wandelt.“ Dann entfernte er sich innigst erbaut.

 

Einer der kaiserlichen Hofbeamten brachte eines Tages dem Arsenius das Testament eines verwandten Senators, der vor seinem Ableben ihn zum Erben eingesetzt hatte. Der Heilige nahm das Testament, und wollte es zerreißen, hätte nicht der Beamte sich zu dessen Füßen geworfen, und ihn gebeten, dieses nicht zu tun, weil er sonst Gefahr liefe, sein Leben zu verlieren. Arsenius zerriss es also nicht; weigerte sich aber, das ihm zugedachte Gut anzunehmen: „Ich bin“, sagte er, „vor meinem Verwandten gestorben; ich kann demnach unmöglich sein Erbe sein.“

 

Wiewohl man keine genaue Kenntnis seiner Fastenübungen hat, so lässt sich dennoch denken, dass sie außerordentlich streng mussten gewesen sein. Man schickte ihm für das ganze Jahr nur ein gewisses Maß Getreide, das die Ägypter Thallin nennen (Das Thallin war ein kleines Maß aus Palmblättern gefertigt, dessen man sich für die Pflanzen bediente). Nicht nur kam er damit aus, sondern teilte noch seinen Jüngern davon mit, wenn sie ihn besuchten. Brachte man ihm eine Erstlingsfrucht, so kostete er sie, und dankte Gott dafür; doch aß er davon nur so viel, als nötig war, um dem Vorwurf der Sonderbarkeit vorzubeugen. Bei strenger Enthaltsamkeit genügt der Natur ein kurzer Schlaf. Daher brachte Arsenius oft ganze Nächte im Gebet zu. Wenn seine Kräfte erschöpft waren, schlief er einen Augenblick sitzend, worauf er wieder seinen Übungen sich unterzog. Daniel, einer seiner Jünger, berichtet uns, er habe an den Samstagen, beim Sonnenuntergang, begonnen mit aufgehobenen Händen zu beten, und sein Gebet des andern Morgens erst beschlossen, wenn die Sonnenstrahlen in sein Angesicht zu leuchten anfingen. Seine Liebe zu dieser heiligen Übung, wie auch die Furcht vor den Gefahren der Eitelkeit, flößte ihm den glühendsten Eifer für die gänzliche Absonderung von der Welt ein. Er hatte zwei Jünger, die bei ihm lebten, und die auswärtigen Geschäfte führten: der eine hieß Alexander, der andere Zoilus. In der Folge bekam er einen dritten, namens Daniel. Alle drei wurden berühmt durch ihre Heiligkeit und Klugheit. Im Leben der Väter der ägyptischen Wüsten wird ihrer oft gedacht.

 

Arsenius sah ungerne die Fremden, die ihn zu besuchen kamen, indem er, wie er sagte, nur deshalb von seinen Augen Gebrauch machen wollte, um den Himmel zu schauen. Eines Tages begab sich Theophilus, Patriarch von Alexandrien, mit einem Hofbeamten und einigen anderen Personen, in seine Zelle, und bat ihn sich über geistige Gegenstände mit ihm zu unterhalten: da fragte er sie alle, ob sie entschlossen wären, das zu halten, was er ihnen sagen würde. Sie antworteten bejahend. Da sagte der Heilige: „Wohlan! So bitte ich euch, mich, an welchem Ort meinen Aufenthalt ihr erfahren möget, ruhig zu lassen, und auch selber die Mühe zu ersparen, mich aufzusuchen.“ Als ihn der Patriarch Theophilus ein anderes Mal fragen ließ, ob er ihm seine Tür öffnen würde, wenn er ihn zu besuchen käme, erwiderte Arsenius: „Ja, wenn er allein kommt; bringt er aber andere Personen mit sich, so bleibe ich nicht hier, sondern ziehe an einen anderen Ort.“

 

Eine römische Matrone, namens Melania, hatte eigens die Reise nach Ägypten unternommen, um Arsenius zu sehen, und sah ihn durch Vermittlung des Patriarchen Theophilus, als er eben aus seiner Zelle ging. Sie hatte ihn nicht sobald erblickt, als sie sich ihm zu Füßen warf. Da sagte ihr der Diener Gottes: „Eine Frau soll nie ihr Haus verlassen. Du hast eine weite Reise gemacht über das Meer, um in Rom sagen zu können, du habest Arsenius gesehen, und dadurch in den anderen dieselbe Neugier zu erregen.“ Melania, die immer noch auf den Knien lag, und ihre Augen zu erheben sich nicht getraute, beschwur ihn, ihrer zu gedenken, und für ihr Seelenheil zu beten. „Ich bitte Gott,“ erwiderte Arsenius, „dass ich niemals an dich denken möge.“ Melania, durch diese Antwort sehr niedergeschlagen, kehrte zurück nach Alexandrien. Der Patriarch redete ihr aber Trost zu, indem er ihr die letzten Worte des Heiligen dahin auslegte: „Er betet,“ sagte er, „er möchte deine Person vergessen, weil du eine Frau bist; anlangend deine Seele, so zweifle nicht, dass er sie inständig dem Herrn empfehlen werde.“

 

Nie besuchte Arsenius seine Brüder. Er begnügte sich damit, dass er in ihrer Gemeinschaft den geistlichen Konferenzen beiwohnte. Als der Abt Markus eines Tages im Namen sämtlicher Einsiedler von ihm wissen wollte, warum er also ihre Gesellschaft fliehe, entgegnete er: „Gott weiß, wie sehr ich euch alle liebe. Ich fühle aber, dass ich nicht zugleich mit Gott und mit den Menschen sein kann. Es ist mir also nicht erlaubt, den einen zu verlassen, um mit den anderen zu reden.“ Dieses hinderte ihn aber nicht, seinen Brüdern tugendlehren zu erteilen, und wirklich haben wir von ihm noch verschiedene Apoghtegmen, die sich unter denen der Väter befinden. Man hörte ihn oft sagen: „Es hat mich immer ein wenig gereut, dass ich mich mit den Menschen unterhalten, nie aber, dass ich das Stillschweigen beobachtet habe.“ Häufig führte er jene Worte im Mund, die der heilige Euthimius und der heilige Bernhard in der Folge stets wiederholten, um sich zur Tugend anzueifern: „Arsenius, warum hast du die Welt verlassen, und warum bist du hierhergekommen?“ Als man ihn eines Tages fragte, warum er, da er doch in den Wissenschaften so bewandert sei, sich Unterricht und Lehren von einem Mönch erteilen lasse, der nie mit einem Fuß das Feld der Literatur betreten habe, erwiderte er: „Ich kann die Wissenschaften der Griechen und Römer, bin aber noch im Alphabet der Wissenschaft der Heiligen, in welcher dieser vermeinte Unwissende ein vollendeter Meister ist.“ Ungeachtet seiner tiefen Kunde der göttlichen Schriften und der Grundsätze der christlichen Vollkommenheit, vermied er jede Gelegenheit zum Reden, indem er vorzog, von anderen sich unterweisen zu lassen, um nicht in die Sünde der Eitelkeit zu fallen; und dies ist der Grund der Demut und aller übrigen Tugenden.

 

Evagrius von Pontus, der, nachdem er sich zu Konstantinopel durch seine Gelehrsamkeit hohen Ruhm erworben, und zuerst nach Jerusalem begeben hatte, von wo er 385 in die Wüste von Nitria gezogen war, drückte in Gegenwart des Heiligen sein Befremden aus, dass so viele Gelehrte keine Fortschritte in der Tugend machen, während eine Menge Ägypter, die nicht einmal lesen könnten, eine so erhabene Stufe der Beschaulichkeit erschwingen. Da gab ihm Arsenius folgenden Aufschluss: „Die Ursache, warum wir in der Tugend nicht voranschreiten, ist, weil wir uns mit jenem äußeren wissenschaftlichen Punkt begnügen, der nur geeignet ist, das Herz aufzublähen, während jene guten Ägypter ihre Schwäche, ihre Blindheit, ihr Elend wahrhaft erkennen, und dieser Erkenntnis zufolge mit glücklichem Gelingen an der Erlangung der Tugend arbeiten.“ Oft begegnete es dem heiligen Arsenius, dass er mit betränten Augen ausrief: „Herr, verlasse mich nicht, ich habe nichts getan, was dir wohlgefällig sein könnte. Allein ich beschwöre dich durch deine unendliche Barmherzigkeit, mir beizustehen, auf dass ich nun anfange, dir als treuer Knecht zu dienen.“

 

Die Alten haben, wenn sie mit ihm redeten, vorzüglich bemerkt, dass er fast beständig Tränen vergoss. Diese entquollen jener Sehnsucht, womit er ohne Unterlass der glorreichen Ewigkeit entgegenharrte, und jenem Geist der Zerknirschung, mit dem er unaufhörlich die Fehler seines vergangenen Lebens, und die kleinen Vergehen, die täglich seiner Schwachheit entschlüpften, beweinte. Er fand aber in seinen Tränen eine unaussprechliche Wonne, wie man leicht ablesen konnte von der wundervollen Heiterkeit, die immerdar sein Antlitz bestrahlte. Übrigens haben alle Heiligen dasselbe erfahren. „Wenn du von Tränen hörst“, sagt der heilige Chrysostomus bei dieser Gelegenheit, „so denke dir nur nicht das Bild des Harmes; sie sind süßer als alle Süßigkeiten, die man in der Welt genießen mag.“ Der heilige Augustin drückt sich auf dieselbe Weise aus: „Die Tränen der Andacht haben eine Süßigkeit, welche die falschen Freuden der Bühne nicht gewähren.“ Der heilige Johannes Climakus legt wunderschön die Früchte der Tränen dar, die die Diener Gottes vergießen, und sagt unter anderem: „Ich bin erstaunt, wenn ich die Wonne betrachte, womit eine heilige Zerknirschung unsere Seele überschüttet. Wie mögen demnach wohl fleischliche Menschen nur Traurigkeit und Betrübnis darin erblicken? Gleich dem Wachs, das den Honig umschließt, enthält sie eine unversiegbare Quelle himmlischer Süßigkeiten. Gott besucht und tröstet unsichtbarer Weise die im heiligen Schmerz zermalmten Herzen.“

 

Arsenius gab folgende Antwort einer Person, die ihn über die Mittel befragte, die sie anzuwenden habe, um einer heftigen Versuchung, welche unreine Gedanken in ihr erweckten, los zu werden: „Was taten die Madianiten? Sie schmückten ihre Töchter, und führten sie den Israeliten vor, ohne jedoch diesen irgendeine Gewalt anzutun. Die treuen Diener Gottes, die die Madianiten mit Strenge behandelten, und in ihrem Blut ihre Treulosigkeit und frevelnde Absichten wuschen, fielen nicht in das Laster. Tue also desgleichen in Bezug auf deine bösen Gedanken, dränge sie mutig zurück, und züchtige dich selber, dass du auch nur durch eine unwillkürliche Empörung des Fleisches versucht worden bist.“

 

Dieser große Heilige lebte in steter Erinnerung an den Tod und das Gericht: daher rief Theophilus, Patriarch von Alexandrien, der sich immer zu sehr mit Geschäften überhäuft hatte, vor seinem Hinscheiden aus: „Glückseliger Arsenius, dass du diesen Augenblick stets vor Augen hattest!“

 

Die beständigen Tränen, die Arsenius vergoss, hatten ihn nicht entstellt; es strahlte sogar aus seinem Äußeren etwas Himmlisches, das aus der Ruhe seiner Seele, und aus jener nie unterbrochenen Vereinigung mit Gott durch die Bande des Gebetes herrührte. Man bewunderte an ihm eine gewisse anmutige Schönheit, über die jene milden Züge von Würde und Sanftmut, die er bis in seinen Tod behielt, neuen Glanz verbreiteten. Er war schlank und wohl gebildet. In seinem hohen Alter aber beugte ihn etwas die Bürde der Jahre. Er hatte weiße Haare und einen schneeweißen Bart, der bis auf den Gürtel hinabfloss. Der heilige Johannes Climakus, der ihn als ein vollendetes Muster aufstellt, vergleicht ihn mit einem Engel, und sagt, dass, wenn er mit so großer Sorgfalt die Gesellschaft der Menschen floh, es darum geschah, um nicht etwas Kostbareres – seinen Gott – der seine ganze Seele erfüllte – zu verlieren. Zufolge jener Abschälung von der Erde, behauptet Arsenius, die Hauptpflicht eines Mönches bestehe darin, dass er sich nicht in zeitlichen Angelegenheiten mische, und sich niemals erkundige, was in der Welt vorgeht.

 

Er hatte sein vierzigstes Jahr erreicht, als er den Hof verließ. Eine gleiche Anzahl Jahre brachte er in der Wüste Scete zu, ausgenommen, dass er um das Jahr 395 sie auf einige Zeit verlassen musste, wegen der Einfälle der Maziken, eines wilden Volkes in Lybien. Nachdem die Gefahr vorüber war, kam er wieder in seine Zelle zurück, wurde aber um das Jahr 434 abermals genötigt, bei einem zweiten Einfall derselben Barbaren, die mehrere Einsiedler ermordeten, die Flucht zu ergreifen. Anfänglich zog er auf den Felsen Troe, auch Petra genannt, unweit von Memphis, und zehn Jahre später nach Kanope bei Alexandrien. Da er aber die Zerstreuungen, die ihm die Nähe dieser großen Stadt verursachte, nicht ertragen konnte, kehrte er wieder nach Troe zurück, wo er auch starb.

 

Als er seinem Ende sich nahe fühlte, sagte er seinen Jüngern: „Ich bitte, eure Liebe, mir eines zu gewähren, dass ihr nämlich nach meinem Tod beim heiligen Opfer meiner gedenkt. Möchte ich doch, wenn ich in meinem Leben etwas getan habe, das meinem Gott wohlgefällig sein sollte, ihn durch seine Barmherzigkeit besitzen!“ Da seine Jünger sehr betrübt waren, als er zu ihnen redete wie einer, der auf immer Abschied nimmt, fügte er bei: „Meine Stunde ist noch nicht herangekommen, ich werde euch davon Kunde geben. Wenn ihr aber zulasst, dass man irgendetwas von mir als eine Reliquie aufbewahrt, so werdet ihr dafür verantwortlich sein vor dem Richterstuhl Jesu Christi.“ Da sie in Verlegenheit waren, wie sie ihn mit den üblichen Zeremonien begraben könnten, sagten sie ihm, in Tränen zerfließend: „Was sollen wir tun, Vater! Denn wir wissen nicht, wie man die Toten bestattet?“ – „Bindet mir“, erwiderte er ihnen, „einen Strick an den Fuß, schleift dann meinen Leichnam auf die Bergspitze, und lasst ihn allda liegen.“ Da er in den letzten Zügen liegend weinte, befragte ihn einer der Brüder um die Ursache. „Warum weinst du, mein Vater?“ sagte er ihm. „Du fürchtest dich also zu sterben, gleich anderen Menschen?“ – „Ich bekenne“, antwortete er ihnen, „dass ich vor Schrecken erbebe, und dass mich diese Furcht nie verlassen habe, seit ich in der Einöde wohne.“ So fürchten selbst die wahren Diener Gottes seine Gerichte. Allein dieses Gefühl begleitet immer eine wonnevolle Zuversicht auf das göttliche Erbarmen. Es ist mehr oder weniger lebhaft, je nach der Wirkung des heiligen Geistes, der seine Gaben zum Heil der Auserwählten verschiedenartig austeilt. Dieser Furcht ungeachtet, gab daher Arsenius in ungetrübter Ruhe seinen Geist auf. Sein glückseliger Tod ereignete sich um das Jahr 449. Er war fünfundneunzig Jahre alt, und hatte fünfundfünfzig in den Wüsten zugebracht. Als ihn der Abt Pemen sterben sah, rief er mit betränten Augen aus: „Glücklicher Arsenius, dass du, solange du auf Erden warst, über dich weintest! Die hier nicht weinen, werden ewig weinen drüben im anderen Leben.“

 

Die durch ihre Tugenden preiswürdigsten Ordensmänner haben in allen nachfolgenden Jahrhunderten Arsenius als das vollendetste Muster der Vollkommenheit angesehen. Der große heilige Euthimius suchte ihm in allen seinen Übungen nachzuahmen, und dessen Demut, Milde, Gleichmut, Wachsamkeit, Zerknirschung, Enthaltsamkeit, Liebe zur Einsamkeit und zum Gebet, Gottes- und Nächstenliebe, Eifer, Bescheidenheit, und jene Tugendheldenmütigkeit, die mit solchem Glanz in allen seinen Werken strahlte, in sich abzubilden.

 

Der heilige Arsenius wird im römischen Martyrologium unter dem 19. Juli genannt.

 

Gebet am 8. Mai

 

Weil ich weiß, dass du an reinen, jungfräulichen Seelen das größte Wohlgefallen hast, so gelobe ich dir, dass ich die Tugend der standesmäßigen Keuschheit mein ganzes Leben lang mit aller Sorgfalt bewahren werde. Aber ach, ich bin ein sehr schwaches Geschöpf und keinen Augenblick sicher vor dem Fall. Ich trage einen argen Feind in mir selbst, den Stachel des Fleisches, der mir vielfache Versuchungen bereitet. Ich lebe in einer verdorbenen Welt, die nichts unterlässt, mir die kostbare Perle der Keuschheit zu rauben. Ich leide Angriffe vom Satan, der nicht müde wird, mich zu verfolgen und ins Verderben zu stürzen. Aber du, allerkeuscheste Mutter, kannst mir helfen. Dir fehlt es nicht an Macht, mich gegen alle meine Feinde zu verteidigen und ihre Angriffe zu Schanden zu machen. Zu dir nehme ich also meine Zuflucht, dich inständigst bittend, du wollest mir bei jeder unreinen Anfechtung eiligst zu Hilfe kommen und mich aufrichten, ermutigen und stärken, dass ich den Geist der Unlauterkeit allezeit besiege. Ich hoffe zuversichtlich, dass ich mich einmal unter den reinen Seelen befinden werde, die im Himmel dein Lob ewig verkünden. Amen.

 

Zu Gott

 

Flöße doch, o himmlischer Vater, allen Eltern und Erziehern hohen Sinn für ihr wichtiges Amt ein, und gib ihnen jene Liebe zu dir und ihren Zöglingen, durch die sie allein tüchtig gemacht werden, die ihrer Pflege Anvertrauten nützlich für die Menschheit und würdig des Himmels zu bilden. Amen.

 

Zum heiligen Erzengel Michael

 

Heiliger Michael, erhabener Schutzgeist des Paradieses, dessen Fürbitte jeden ins Reich der Himmel einführen kann, bitte unablässig für mich, auf dass meine Seele stets deinem Dienst recht eifrig ergeben ist, wie auch der Verehrung meines heiligen Schutzengels und aller heiligen Engel Gottes, damit ich mich auch einst in meinem Tod eurer Hilfe erfreuen, und nach dem Tod mit euch Gott ewig loben und preisen möge. Amen. 

 

Gebet des heiligen Arsenius

 

Herr, verlass mich nicht. Ich habe nichts getan, was dir wohlgefällig sein könnte. Ich bitte dich aber dringend durch deine unendliche Barmherzigkeit, steh mir bei, damit ich jetzt anfange, dir treu zu dienen. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag wurde im Jahr 1622 mit großer Feierlichkeit vom Papst Gregor XV. zu Rom das wunderbare Bildnis empfangen, das die heiligste Mutter Gottes in Anbetung des neugeborenen Heilands vorstellt, das man zu Straconitz in Böhmen zur Zeit des Krieges gegen die Ketzer fand, und wegen des herrlichen am 8. November 1620 auf dem weißen Berg bei Prag erhaltenen Sieges das "Muttergottesbild vom Sieg" genannt hat. Das Bildnis wurde mit viel Andacht in die St. Pauluskirche zu Rom übertragen. 

An eben diesem Tag hat auch im Jahr 1570 eine geistliche Jungfrau zu Avila in Spanien das durch eine Krankheit verlorene Gesicht, unter dem Gebet vor einem alten und berühmten Bildnis der seligsten Jungfrau, durch ein augenscheinliches, sogleich vom Bischof Mendoza untersuchtes und anerkanntes und mit achttägiger Feierlichkeit begangenes Wunder plötzlich erhalten.

 

9. Mai

 

Der heilige Gregor von Nazianz,

Erzbischof und Kirchenlehrer von Konstantinopel,

+ 9.5.391 ? - Fest: 9. Mai

 

Am 27. Mai des Jahres 380 machten die Einwohner der märchenschönen Stadt Konstantinopel – was stets das Zeichen einer gewaltigen Enttäuschung ist – große Augen und lange Gesichter.

 

Zu Tausenden säumten die Leute die Straßen und füllten dichtgedrängt die Gehsteige. Alles, was Beine hatte, war herbeigeströmt, denn niemand wollte sich das prachtvolle Schauspiel entgehen lassen, wie der neue Erzbischof Gregor seinen feierlichen Einzug in die oströmische Kaiserstadt hielt.

 

Da nahte auch die Spitze des Zuges, zuerst Polizei, dahinter mit goldglänzenden Helmen fünf Löschzüge der Feuerwehr, dann die städtischen Behörden mit dem Oberbürgermeister und die Hochschule mit Lehrern und Studenten.

 

Es folgten mit dröhnendem Schritt Soldaten zu Fuß, ein ganzes Regiment. Reiter schlossen sich an, markige Gestalten. Dann sprengten auf feurigen Pferden Offiziere und Generäle heran, und hinter ihnen kam, ebenfalls hoch zu Ross, Kaiser Theodosius selbst.

 

Gleich hinter dem Kaiser wurde das große Kreuz der Bischofskirche getragen. Dann schritten – es war ein prächtiger Anblick – in langer Reihe die unentbehrlichen Messdiener daher. Ihnen folgten scharenweise Ordensleute und Priester, und ganz zum Schluss kam unter goldenem Traghimmel – die große Enttäuschung.

 

Aber nein! Das sollte der neue Erzbischof sein? Nach dem, was von Gregors Geistesgröße bisher erzählt worden war, hatte man sich ihn als einen hochragenden majestätischen Herrn vorgestellt. Was da aber unter dem Traghimmel bescheiden einherging, war ein verhutzeltes Männlein mit einem Schneidergewicht von neunundneunzig Pfund. Welch eine Enttäuschung!

 

Zum Glück hinderte die Enttäuschung die neugierigen Zuschauer nicht, sich dem Zug anzuschließen und den Dom zu betreten. Da standen die Leute im weiten Gotteshaus, Mann an Mann, Kopf an Kopf, und nachdem der neue Erzbischof erst eine Weile vor dem Altar gebetet hatte, stieg er, hurtig wie ein Wiesel, auf die Kanzel, machte das Kreuzzeichen und begann zu reden. Schon beim zweiten Satz, den er sprach, hätte man das Aufklingen einer Stecknadel, die zu Boden fiel, vernehmen können, so still war es in der Kirche, und Gregor redete . . . Ei, wie der reden konnte! Wie eine feurige Pfingstzunge schwebte der Mann auf der Kanzel. Hie und da erhob sich der eine oder andere von der Bank, auf der er saß, um den Prediger besser sehen zu können. „Sitzenbleiben! Sitzenbleiben!“ riefen diejenigen, die hinter ihnen standen, und weil die Aufgeforderten nicht folgten, kletterten die Rufer hoch auf die Bänke. Mit einem Wort gesagt, das verhutzelte Männchen mit dem Schneidergewicht war ein Redner von Gottes Gnaden.

 

Nazianz in Kleinasien war Gregors Heimat. Auf einem heiligen Stamm war er erblüht, denn Vater und Mutter und ein Bruder und eine Schwester werden ebenfalls als Heilige verehrt. In jungen Jahren besuchte Gregor die berühmtesten Hochschulen der damaligen Zeit. Dort eignete er sich mit eisernem Fleiß jenes umfassende Wissen an, das ihn später als Redner und auch als Schriftsteller und Dichter auszeichnete. Seine Schriften und Gedichte sind heute noch vorhanden und geben Kunde von der Kunst des Wortes, die er im hohen Maß besaß. Übrigens gilt der heilige Gregor als der Patron der Dichter.

 

Noch auf einen weiteren Umstand in Gregors Leben muss hingewiesen werden. Es verband ihn nämlich seit der Jugendzeit mit dem großen Bischof und Kirchenlehrer Basilius, von dem Herrliches berichtet wird, eine tiefe und echte Freundschaft. Beider Herzen waren aufeinander bis zum Gleichklang abgestimmt. Was der eine redete, dachte der andere und umgekehrt. Einer diente dem anderen als Vorbild, und über vierzig Jahre dauerte die Freundschaft, bis Basilius als erster starb.

 

Um das Lebensbild des heiligen Gregor abzuschließen, sei noch kurz erwähnt, dass er die letzten Jahre seines Lebens in der Einsamkeit verbrachte und sich mit der Abfassung von Büchern beschäftigte, durch die er für alle Zeiten nach den Worten des Evangeliums ein Licht wurde, das, auf den Leuchter gestellt, allen leuchtet, die im Hause sind.

 

Der heilige Beatus, 1. Missionar in der Schweiz am Thursee,

+ 9.5.112 – Fest: 9. Mai

 

Das tapfere, freiheitsliebende Volk der Schweiz rühmt sich, einen Apostelschüler in seinen schönen Bergen aufgenommen und von ihm die Wahrheit und Gnade des Christentums empfangen zu haben. Dieser Schweizerapostel ist der heilige Beatus. Vor seiner Bekehrung hieß er Suetonius, stammte aus einer vornehmen Familie Schottlands, zeichnete sich durch Wohlgestalt, wie durch sein gesittetes, feines Benehmen vorteilhaft aus und reiste als junger Mann zu seiner weiteren Ausbildung nach Italien. In Mailand lernte er den Apostel Barnabas kennen, wurde von ihm im Christentum unterrichtet und getauft und fühlte sich in der Liebe und Gnade Jesu Christi so glücklich, dass er sich den Namen „Beatus“, d.h. der Glückselige, geben ließ. Als Christ reiste er nach Rom, sah dort den Apostelfürsten Petrus, erhielt von ihm die Priesterweihe und den Auftrag, den Helvetiern (Schweizern) das Evangelium zu verkünden.

 

Von dem Diakon Achates begleitet, verließ Beatus das schöne, anmutige Italien und überstieg unter unsäglichen Beschwerden die schneebedeckten Alpen. Seine Liebe zu Gott und den Menschenseelen, sein lebendiger Glaube und sein seliges Gottvertrauen waren sein einziger Reichtum. Was er vormals an Vermögen besaß, hatte er unter die Armen verteilt. Mit einem langen Rock bekleidet und einen Pilgerstab in der Hand kam er durch das Aartal bis zum Herzen des Schweizerlandes, zum Waldstätter See. Überall, wohin er kam, im Aargau, Solothurn, Bern, Thurgau und Luzern, streute er den Samen des Evangeliums, forderte die Bewohner des Landes zur Buße auf, stellte ihnen die Torheit ihres Götzendienstes vor Augen und mahnte sie, die heilbringende Lehre des Gottessohnes anzunehmen. Die schlichten Leute überzeugten sich bald, dass der fremde Prediger nichts anderes begehre, als das Heil ihrer Seelen, denn Geschenke nahm er nicht an. Mit seinem Freund Achates nährte er sich von der Arbeit seiner Hände, er flocht Fischreusen, Weidenkörbe und Binsenmatten, von deren Erlös er spärlich lebte. Gegen jedermann zeigte er Freundlichkeit, Wohlwollen und Dienstfertigkeit, Unbilden und Verfolgungen ertrug er heiter und gelassen, Beleidigungen verzieh er von Herzen, seine Geduld und Sanftmut ließen sich nie erschüttern. Durch Gebet und Handauflegung machte er viele Kranke gesund, und außerordentliche Zeichen bestätigten ihn als einen Gottesmann, den das Volk bald als seinen Vater ehrte und liebte. Immer mehr drang die rechte Gotteserkenntnis in die Seelen, sie nahmen die Lehre Jesu freudig an und rissen ihre Götzentempel nieder.

 

Von den anmutigen Gestaden des Vierwaldstätter Sees wandte sich Beatus zu den rauen Gebirgsgegenden des Thuner und Brienzer Sees, um auch dort den armen Bergbewohnern das Brot des Lebens zu brechen. Die biederen, einfachen Landleute nahmen ihn gastlich auf, hörten mit Freuden seine Lehre, entsagten dem Götzendienst und wurden eifrige Bekenner der ewigen Wahrheit.

 

Nachdem Beatus in allen Schweizergauen das Evangelium verkündet und durch sein heiliges Leben selbst die verwildertsten Heiden umgewandelt hatte, sehnte er sich, hochbetagt, nach Ruhe. Er hörte von einer schauerlichen Einöde, wohin sich niemand wagte, weil dort ein furchtbarer Drache hauste. Beatus bat einen Schiffer, ihn und seinen Freund Achates über den Thuner See an das jenseitige Gestade zu setzen. Der Schiffer trug Bedenken, weil ein starker Sturm wehte und die Wogen schäumend brandeten. Sobald sie aber ins Schiff stiegen, legte sich der Sturm und das Wasser bot eine spiegelklare Fläche.

 

In der Mitte des Berges fand Beatus eine Felsenhöhle, aus der ihm der Sage nach ein furchtbarer Drache, seit langem der Schrecken der ganzen Umgegend, schnaubend und mit aufgesperrtem Rachen entgegenkam. Beatus machte das heilige Kreuzzeichen und der Drache fuhr in den See hinab und ward nicht mehr gesehen.

 

Die Felsenhöhle wählte Beatus zu seiner Wohnung, um fortan sich unter Fasten, Bußwerken und Gebet auf eine glückselige Ewigkeit vorzubereiten. So große Verdienste sich Beatus erworben, so hielt er sich doch in seiner Demut für den unwürdigsten Diener Gottes und benetzte oft sein raues Lager mit Tränen. Die Wurzeln und Früchte der Wildnis waren seine Nahrung. Trotz dieser einfachen und abgetöteten Lebensweise erreichte er, wie die frommen Altväter der Wüste, ein hohes Greisenalter.

 

Neunzig Jahre war Beatus alt, als ihn ein heftiges Fieber befiel. Er erkannte, dass die Stunde seiner Heimkehr gekommen sei, und bat seinen Freund Achates, die Männer der Nachbarschaft an sein Sterbebett zu rufen. Sie kamen und standen voll tiefer Betrübnis am Sterbelager ihres Wohltäters und geistlichen Vaters. Er begrüßte sie freundlich mit den Worten: „Meine lieben Leute und Kinder in Christus! Vor meinem Hinscheiden möchte ich noch einiges zu euch reden. Erinnert euch an das, was ich euch so oft gesagt habe: es ist mit dem Tod des Gläubigen ganz anders, als mit dem Tod des Ungläubigen. Die Ungläubigen haben nach diesem Leben nichts Gutes zu hoffen, ihrer wartet die Verdammnis. Allein der Tod des wahren Christen ist nur ein sanfter Schlaf, er geht durch den Tod in die ewige Freude ein. So bleibt denn standhaft im christlichen Glauben! Lasst weder durch Unglauben, noch Irrlehre, noch Sünde euch von Jesus Christus abwendig machen! Lebt, wenn euch euer ewiges Heil lieb ist, eurem christlichen Beruf gemäß. Gottes Segen sei und bleibe mit euch und dem ganzen Land! Amen.“

 

Dann umarmte er Achates und sprach zu ihm: „Lieber Sohn und langbewährter Freund Achates! Wir wollen nicht trauern, vielmehr beide dem treuen Gott danken, dass wir unter seinem Beistand so viele Jahre im Glauben und in der Liebe ein Herz und ein Sinn geblieben sind, dass wir immer friedlich miteinander gelebt, Leid und Freude miteinander geteilt, die Mühseligkeiten gemeinsam übertragen und die Anfechtungen überwunden haben. Wie könntest du dich auch, mein guter Achates, darüber betrüben, dass Gott mich jetzt aus diesem vergänglichen Leben zum ewigen seligen Leben ruft? Lass es also geschehen und ergib dich in Gottes heiligen Willen! Entsetze dich nicht über meinen Tod und bekümmere dich nicht, dass ich jetzt sterbe! Es ist einmal Gott so gefällig und gereicht zum Heil meiner Seele. Ich gehe dir jetzt auf dem Weg voran, du folgst mir in kurzem nach. Vergiss daher meine väterlichen Ermahnungen nicht, bleibe deinem christlichen Beruf treu und befleiße dich aller Gottseligkeit. Befestige durch Wort und Beispiel die neubekehrten Christen im Glauben und erhalte sie dem Herrn! Wache und bete und bereite dich mit allem Fleiß auf deine Sterbestunde vor! Was meinen hinfälligen Leib anbetrifft, so begrabe ihn, wenn meine Seele davon wird abgeschieden sein, neben dieser Höhle, die ich die zum Erbteil hinterlasse. Ich scheide dahin in der gewissen Hoffnung der Auferstehung, der Herr wird auch meinen Leib wieder zum Leben erwecken.“

 

Der sterbende Greis faltete seine Hände, erhob seine Augen gen Himmel und sprach: „Herr, du guter und getreuer Gott! Du hast mich erlöst, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ Mit diesen Worten entschlief er sanft am 9. Mai 112, neunzig Jahre alt.

 

Achates begrub ihn neben der Höhle, die fortan im Mund des dankbaren Volkes „Beatushöhle“ hieß. Gott verherrlichte die Ruhestätte seines treuen Dieners durch viele wunderbare Gebetserhörungen. Deshalb erbauten die Christgläubigen dort eine Kapelle, zu der zahlreiche Pilger wallfahrteten. Als aber die neue Lehre der Reformatoren des 16. Jahrhunderts auch in die Schweiz eindrang, wurden die Gebeine des heiligen Beatus nach Luzern in die Stiftskirche des heiligen Leodegar übertragen, wo sie alljährlich an den vier höchsten Festen zur Verehrung der Gläubigen ausgesetzt werden.

 

Die selige Karolina Gerhardinger, Mutter Maria Theresia von Jesu,

die Gründerin der Kongregation der armen Schulschwestern

von Unserer Lieben Frau,

+ 9.5.1879 – Gedenktag: 9. Mai

 

Dieser Text wurde verfasst von einer Armen Schulschwester:

 

Es war vor rund 200 Jahren, im Herbst 1824. Wieder öffneten sich die Pforten des Mädchenschulhauses zu Stadtamhof und wieder nahmen die drei jugendlichen Lehrerinnen die Arbeit auf, die sie als heiliges Vermächtnis ihrer eigenen Lehrerinnen, der durch die Säkularisation ausgewiesenen Chorfrauen De Notre Dame (Unserer Lieben Frau), überkommen hatten. Wie ein Gottesruf war es ihnen gewesen, als 1809 der würdige Dompfarrer und spätere Bischof von Regensburg, Michael Wittmann, sie zum Lehramt erkoren und sie in der Folgezeit wissenschaftlich und praktisch dafür vorgebildet hatte. Bald waren sie es in tiefster Seele innegeworden, dass sie nach Gottes Willen zeitlebens den Kindern des Volkes und mit besonderer Hingabe den armen und ärmsten dienen sollten. Wittmanns Vaterauge hatte seither über ihnen gewacht und seine Führerhand hatte ihnen Weg und Ziel gewiesen. Diejenige aus ihnen, die Wort und Wink des gotterleuchteten Priesters am vollkommensten verstand und die er hinwiederum für seine weitschauenden Pläne am geeignetsten erachtete, war Jungfrau Karolina Gerhardinger.

 

Als gelehrige Schülerin hatte sich Karolina schon in der Kindheit und ersten Jugend erwiesen. Am 20. Juni 1797 wohlhabenden Schiffsmeisterseheleuten vom Himmel geschenkt, gab die Kleine schon frühe Beweise seltener Befähigung und einer so innigen Frömmigkeit, dass sie bereits mit neun Jahren zur ersten heiligen Kommunion zugelassen wurde. Mit unverwandter Aufmerksamkeit und ungewöhnlichem Ernst folgte sie in der Schule jeglichem Unterricht; auch zu Hause ließ sie sich keine Gelegenheit zu lernen entgegen. Wenn abends der Vater und die Schiffsknechte von den Donauländern und der Kaiserstadt erzählten, waren das für die lernbegierige Karolina Geographiestunden voll Farbe und Leben und der Vater wusste dem einzigen Kind keinen höheren Feriengenuss zu bereiten, als es nach Wien mitzunehmen. In jener Schreckensnacht vom 23. zum 24. April 1809, da Napoleon die Stadt Regensburg mit Brandkugeln beschießen ließ, folgte Karolina unaufgefordert dem Vater auf den Speicher und ruhte nicht, bis er sie auf seine Schultern hob, damit sie „den Tumult besser sehen könne“. Aus ihren späteren Erzählungen geht hervor, dass sie den Vorgängen in der Stadt und auf der Brücke mit der Ruhe des ernsten Beobachters, wie mit der Anteilnahme des zartfühlenden Kindes gefolgt war. „Geschichte erleben“ bedeutete das dem mutigen Mädchen. Der Werktagsschule entwachsen, half Karoline der Mutter in Haus und Geschäft. Sie übte diese kindliche Pflicht mit kindlicher Liebe, aber auch mit bewundernswerter Umsicht. War sie im Elternhaus die emsige Martha, so war und blieb sie in Wittmanns Schule die still lauschende Maria, ob nun der Meister mit seinen auserlesenen Schülerinnen Bischof Sailers Werk: „Über Erziehung für Erzieher“ durchnahm oder ob er ihnen die Lebensregeln vom „Magdsein im Lehramt“ ans Herz legte. Als 1825 der gefeierte Lehrer der neueren Erziehungskunst, bei aller Aufopferung und Liebe zum Volk, seine weltberühmte Anstalt aufzulösen genötigt war, hatte der Gedanke von der „Armkindererziehung“ im Schulhaus zu Stadtamhof längst eine Heimstadt gefunden und waren die Pläne zur Stiftung einer grundsätzlich christlich-religiösen Erziehungsanstalt bereits mit deutlichen Strichen in die Seele derjenigen gezeichnet, die an dem Werk Gottes weiterbauen und es ein langes Menschenalter hindurch betreuen sollte.

 

Mit der ihr eigenen Energie ging Karolina daran, das „Magdsein im Lehramt“ auch praktisch zu üben; sie band sich sogar durch private Gelübde. Aber zwischen dem ersten schüchternen Suscipe (Nimm an!) in der St.-Mang-Kirche zu Stadtamhof und der rechtlichen, feierlichen Ablegung der ewigen Gelübde in der bischöflichen Hauskapelle zu Regensburg musste noch ein volles Jahrzehnt verstreichen, das die Lehrerinnen von Stadtamhof in Abgeschiedenheit von der Welt zur Vorbereitung für ihren Doppelberuf nützten. Gemeinsam lebend, wirkend und betend, waren die Jungfrauen bereits klösterliche Lehrerinnen, lange bevor sie das Ordenskleid trugen, und weil sie nach Wittmanns Lehre und Beispiel es in nichts besser haben wollten als die Armen, waren sie damals bereits arme Schulschwestern. Ihre geringen leiblichen Bedürfnisse besorgte seit 1825 die Schiffsmeisterswitwe, „Mütterlein Franziska“, und ihr Weniges teilten sie freigebig mit den hungernden und frierenden Kindern. Sie versäumten nichts von dem, was der heranwachsenden weiblichen Jugend das Fortkommen im Leben erleichtern und ihr in den sittlichen Gefahren Schutz und Stütze gewähren konnte, pflegten besonders auch Handarbeiten und Singen und sammelten die Feiertagsschülerinnen in einer Marianischen Kongregation. Es konnte nicht ausbleiben, dass sich die Aufmerksamkeit des Diözesanklerus der Stadtamhofer Schule in dem Maße zuwandte, als Jungfrau Karolina Gerhardinger weit über Regensburg hinaus durch ihre trefflichen Lehr- und Erziehungserfolge bekannt wurde. Bischof Wittmann dankte Gott für das Aufblühen des Vereins; er sollte es aber nicht mehr erleben, dass sich in ihm ein Kloster auftat. 1833 legte der todkranke Bischof die Sorge für die junge Genossenschaft und die Vorarbeiten für die neue Ordensregel in die Hand seines Freundes Sebastian Job. Der edle Priester weilte seit Jahren als k. k. Hofkaplan in Wien; aber mit der liebevollen Zähigkeit des Oberpfälzers war er seiner bayerischen Heimat treu geblieben und seinen rastlosen Bemühungen und namhaften Geldopfern ist es vor allem zuzuschreiben, dass die Räumlichkeiten des ehemaligen Franziskanerklosters in seiner Vaterstadt Neunburg v. W. für die Zwecke der Jobsche Schulstiftung umgebaut wurde. Indessen schrieb Job selbst sein Büchlein: „Geist und Verfassung des Institutes der armen Schulschwestern“, um darin zunächst jene Punkte in gesetzmäßige Form zu bringen, durch die sich der neue klösterliche Verein von dem alten Notre-Dame-Orden unterscheiden sollte, nämlich die strengere Übung der Armut und des Bußlebens, die Errichtung von Häusern mit ganz beschränkter Schwesternzahl und die einheitliche Leitung aller Häuser durch eine Generaloberin. Jungfrau Karolina aber, seit 24. Oktober 1833 in Neunburg, tat die notwendigen Schritte, dem neuen Institut die Anerkennung seitens der höchsten geistlichen und weltlichen Behörden zu erwirken. König Ludwig I. von Bayern überreichte ihr in einer Privataudienz die unter dem 22. März 1834 ausgefertigte Urkunde über die landesherrliche Bewilligung. Wenige Tage hernach, am 26. März, erteilte Bischof Schwäbl von Regensburg den armen Schulschwestern die oberhirtliche Gutheißung, genehmigte das Jobsche Statut und bestellte Jungfrau Karolina zur Vorsteherin.

 

Es war im Herbst 1834. Zum ersten Mal öffneten sich die Pforten des Mädchenschulhauses von Neunburg v. W. und Karolina Gerhardinger begann damit das neue große Erziehungswerk der Armen Schulschwestern Unserer Lieben Frau. Am ersten Adventsonntag wurde das Klösterlein eingeweiht und in die kleine Hauskapelle zog der eucharistische Heiland ein. „Durch ihn, mit ihm und in ihm“ sollte Mutter Theresia von Jesus – so hieß Jungfrau Karolina seit ihrer Gelübdeablegung am 16. November 1834 – ihr Lebenswerk zu einem glücklichen Ende führen. Am Weißen Sonntag 1836 erhielten die zwei getreuen Stadtamhofer Gefährtinnen bei ihrer Einkleidung auf Jobs ausdrücklichen Wunsch hin die Namen Maria und Josepha, damit die Erinnerung an die Armutsliebe und den arbeitsfreudigen Gehorsam im Häuschen von Nazareth nie aus dem Gedächtnis der Klosterbewohner schwinden könne. Von da an kehrten Einkleidung und Gelübdeablegung jedes Jahr wieder, anfangs im Stammhaus zu Neunburg, sodann seit 1844 im neuen Mutterhaus zu München. Nicht so fast der drückende Raummangel im Neunburger Klösterlein als vielmehr die ungünstige Verkehrslage des Städtchens und die weite Entfernung von geistlichen und weltlichen Behörden hatten es Mutter Theresia als unabweisbare Pflicht erscheinen lassen, dem Orden ein neues Mutterhaus zu schaffen. Dank der Vermittlung Ludwigs I., des königlichen Wiederherstellers so vieler alter Klöster, konnte sie das ehrwürdige Klarissenkloster bei St. Jakob am Anger zweckmäßig instandsetzen und damit auch dem jungen Ordensnachwuchs in der Landeshauptstadt reiche Bildungsmöglichkeiten eröffnen. Der nun einsetzende Aufschwung in Außen- und Innenarbeit und die staunenswert rasche Ausbreitung des zeitgemäßen Institutes für die Heranbildung der weiblichen Jugend ist ganz das Lebenswerk der ehrwürdigen Mutter Theresia. Bald erstreckte sich das Arbeitsgebiet der Genossenschaft über Bayern hinaus nach Westfalen, Schlesien und Baden; später wurden die Schulschwestern auch nach Ungarn und Österreich berufen.

 

Nirgends aber nahm der Orden eine so ungeahnte Entwicklung als in den Vereinigten Staaten Nordamerikas. Dorthin war der deutsche Auswandererstrom abgeflossen und die deutschen Missionare, vorwiegend Redemptoristen, suchten für ihre Pfarrschulen geeignete Lehrkräfte zu gewinnen. Mutter Theresia selbst geleitete 1847 die ersten Schwestern nach dem fernen Westen, machte dreimal die Fahrt über den Ozean und durch den noch völlig unwegsamen Urwald, überzeugte sich in saurer Pionierarbeit von der Eigenart des dortigen Schulbetriebs, pflog die notwendigen Verhandlungen und bestellte der Schwesternschaft in Maria Karolina Fries eine Ordensvikarin, wie die amerikanischen Verhältnisse sie erheischten. Diese hohe Kultur- und Missionsarbeit des Ordens veranlasste König Ludwig I. auch für das Mutterhaus „seiner Schulschwestern“ in Baltimore einen reichlichen Baustein zu spenden und das Unternehmen durch den Ludwigsmissionsverein fördern zu lassen.

 

Mutter Theresia hat in der Kraft Gottes mehr gearbeitet als andere; sie war in ihrer opfervollen Arbeit die große Kreuzträgerin geworden, die nur von der Höhe des Kreuzes aus den weitverbreiteten Orden überschauen, nur in der Kraft des Kreuzes ihre Arme bis hinüber nach den Häusern am Missouri und an den Hängen des Felsengebirges ausbreiten konnte. Kein Punkt der heiligen Regel war so heißumstritten worden wie der von der einheitlichen Leitung des Gesamtordens durch eine Generaloberin. Aber die willensstarke Frau hatte, in Demut unbeugsam, auf dieser Einheit bestehen müssen, weil in der Einheit die Kraft des Ordens grundgelegt, in der Mannigfaltigkeit der Einzelpersönlichkeiten die richtige Besetzung der verschiedenen Ämter gewährleistet und in der schwesterlichen Liebesgemeinschaft jede Möglichkeit gegenseitiger Unterstützung gegeben war. Nach sieben Jahren leidvollen Harrens hielt die Generaloberin das päpstliche Genehmigungsdekret in Händen. Der 21. Juli 1865 bedeutete den Ostertag ihres Lebens. Nun war die Aufgabe gelöst, die ihr von Bischof Wittmann und Vater Job auf die Seele gebunden worden. Durch volle einunddreißig Jahre hatte sie unter Mühen und Sorgen, Beten und Büßen an diesem Werk gearbeitet. Nun ruhte es auf dem Felsen Petri. Wie oft war Mutter Theresia ein Ziel des Widerspruchs gewesen, angefangen von dem ersten misslungenen Versuch zur Wiederbelebung des Klosters Unserer Lieben Frau in Stadtamhof bis zu dem schmerzensreichen Ringen um die Ordensregel! Sie hatte mit dem Völkerlehrer bezeugen können, dass das Los, aber auch das Geheimnis alles echten Führertums ist: „Mit Christus gekreuzigt sein.“

 

So in ihrem Leben dem Gekreuzigten gleichförmig geworden, scheint sie sich es erbetet zu haben, an einem Freitag nach dreistündigem Todeskampf sterben zu dürfen. Der 9. Mai 1879 war der Todestag der leiderprobten Dulderin. Ihre Seele war zu tief in den sterbenden Weltheiland versenkt, als dass sie noch ein Auge, eine Empfindung gehabt hätte für das, was um sie her vorging. Der apostolische Nuntius kniete an ihrem Lager; er betete das kirchliche Sterbegebet und sprach tiefergriffen das erste Requiescat in pace. „So möchte ich auch sterben,“ sagte er, „dieser Tod ist mir Trost für das ganze Leben.“ Die geistlichen Töchter küssten die erkalteten Hände der entschlafenen Mutter und in der Stille des Herzens erneuerten sie ihre Gelübde, nach der Regel des heiligen Augustin und den vom Heiligen Stuhl approbierten Konstitutionen des Ordens der Armen Schulschwestern zu leben, wie die Ordensstifterin es sie gelehrt und ihnen vorgelebt hatte. Die stille Gruft des Mutterhauses nahm deren sterbliche Überreste auf.

 

Segen ruht auf dem Werk der Mutter. Wie hat sich in kaum hundert Jahren das enge Schulhaus zu Stadtamhof, wie hat sich das Stammklösterlein zu Neunburg geweitet! Dem Hauptmutterhaus in München sind gegenwärtig zehn Mutterhäuser in außerbayerischen Landen unterstellt; dort werden 1700 Aspirantinnen und Kandidatinnen herangebildet, um dereinst in den Schwesternkreis aufgenommen werden zu können. 8500 Schwestern sind in den elf Ordensprovinzen diesseits und jenseits des Ozeans tätig für das Heil der Jugend. Wie schlagen alle Herzen höher und zukunftsfroher bei der Nachricht, die der Frühling 1925 in das Land gehen ließ, die vorbereitenden Schritte zur Seligsprechung der ersten Generaloberin Maria Theresia Gerhardinger seien im Gang! Die Seligsprechung selbst erfolgte am 17. November 1985 durch Papst Johannes Paul II.

 

Ein kostbares Erbgut hat die zeitlebens „gelehrige Schülerin“ des Heilandes, die Lehrerin aller klösterlichen Tugenden, die „Arme Schulschwester“, in der tiefste Demut und höchste Kraft geeint waren, ihren geistlichen Töchtern hinterlassen: Wittmanns Lebensregeln vom Magdsein im Lehrberuf. Noch heute steht über dem Eingang zu den Kandidaturräumen des Mutterhauses mit großen Lettern geschrieben: „Siehe, ich bin eine Magd des Herrn!“

 

Der heilige Pachomius, Abt und Ordensstifter

(Stifter der Mönchsorden) zu Tabenna in Ägypten,

+ 14.5.347 – Fest: 9. Mai

 

War der heilige Antonius der Schöpfer des Mönchlebens, so ist Pachomius sein Gesetzgeber und eigentlicher Stifter. Er hat zuerst die Anachoreten, die Einsiedler, zu einem gemeinsamen Leben nach bestimmten Regeln und Gesetzen zusammengeführt, er hat die Mönche zu Zönobiten, zu Zusammenlebenden (vom griechischen koinos = gemeinsam und bios = das Leben), gemacht. Seine Regel wurde auch für die Klöster des Abendlandes maßgebend. Denn St. Benedikts Werk ist durchaus vom Geist des großen Pachomius beseelt.

 

Die Oberthebais, Oberägypten, war die Heimat des Pachomius. Die Eltern waren noch Heiden, aber der junge Kopte, der in den Kenntnissen seines Landes sorgfältig unterrichtet wurde, zeigte schon früh eine auffallende Liebe zur Reinheit und Abneigung gegen den ägyptischen Götterdienst. Es wird erzählt, dass einst ein Götzenbild, das Orakel Weissagungssprüche gab, in Gegenwart des kleinen Pachomius verstummte und die Priester den bestürzten Eltern erklärten, daran sei der kleine Feind der Götter, ihr Sohn, schuld.

 

In jener Zeit ließ Kaiser Konstantin zu einem Krieg gegen Maxentius auch in Ägypten die kräftigsten jungen Männer zum Felddienst ausheben. Der kaum zwanzigjährige Pachomius wurde mit anderen jungen Leuten den Eltern entrissen und auf ein Schiff gebracht, das sie den Nil hinabführte. Die armen Jünglinge waren sehr niedergeschlagen, schlecht verpflegt und streng behandelt. Da erschienen eines Abends, als das Schiff bei der Stadt Esna anlegte, mitleidige Einwohner und brachten den hungrigen Rekruten Speise und Trank und allerlei Labung, die sie ihnen in gar liebenswürdiger Weise und unter ermunternden Trostesworten reichten. Pachomius staunte über diese innige Herzlichkeit der Leute, die ganz anders zu sein schienen wie die übrigen Menschen. Wer sie wohl sein mochten? Christen, so hörten sie, seien es, die es sich zur besonderen Pflicht machten, armen Unglücklichen zu helfen. Neugierig forschte der junge Ägypter weiter der christlichen Lehre nach, von der ihm hier zum ersten Mal Kunde wurde und die so ganz seinen Herzenswünschen entsprach. In einem innigen Aufblick zu Gott gelobt er, wenn er aus dieser Not befreit und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen würde, alle Tage seines Lebens einzig dem Dienst des Allerhöchsten zu weihen. Noch sollte er sich aber in der Prüfung bewähren müssen. Aus den Städten wie aus der Reisegesellschaft drängte sich von allen Seiten die Sünde mit ihren Verlockungen an den jungen Mann heran. Doch mannhaft widerstand er. Immer stärker nur wurde die Sehnsucht nach einer vollen Hingabe an Gott im christlichen Glauben. Solches Verlangen gefiel Gott. Überraschend kam die Nachricht, dass die angeworbenen Truppen zu entlassen seien.

 

Pachomius schlug nun bei Schenesit (Chenoboskia) in einer Ruine, nahe bei einer christlichen Kirche, seinen Wohnsitz auf und empfing bald nach gewissenhafter Vorbereitung durch ein echt christliches Leben die heilige Taufe. Noch glühender wurde dadurch sein Eifer. Bei einer ansteckenden Krankheit widmete er seine ganze Kraft den Leidenden. Um noch tiefer in die christliche Askese eingeführt zu werden, bat er den in jener Gegend hochangesehenen Einsiedler Palämon, ihn als Schüler anzunehmen. Doch dieser wehrte ab. „Du kannst nicht Mönch werden,“ sprach er, „das ist ein zu schwerer Beruf. Viele haben begeistert angefangen, brachen aber bald zusammen und entsagten dem Einsiedlerleben.“ Pachomius ließ nicht nach mit der Bitte, einmal einen Versuch mit ihm zu machen. Da stellte ihm der Meister vor, wie hart seine Lebensweise sei, wie er täglich faste, wie nur Brot und Salz seine Nahrung seien, wie er halbe, ja ganze Nächte im Gebet zubringe. Aber nur noch eindringlicher flehte Pachomius, bis er endlich von Palämon das Mönchsgewand erhielt.

 

Der Schüler zeigte sich seines Lehrers würdig. Mochten die Anforderungen, die dieser stellte, noch so hoch sein, Pachomius kam ihnen nach. Allen Lehren und Übungen des frommen Meisters sich in Gehorsam unterwerfend, nahm der hochstrebende junge Mann so sehr in gottgefälligem Wandel zu, dass Palämon nicht aufhörte, Gott für einen so eifrigen und heiligen Jünger zu danken. Aber auch Pachomius wusste seinerseits dankbar den unermesslichen Wert einer trefflichen Seelenleitung zu schätzen. Zugleich aber begann er bald die großen Gefahren zu erkennen, die den auf sich selbst angewiesenen Einsiedlern drohten. Wo mehrere beisammen sind, stützt einer den anderen. Was aber, wenn nach dem ersten frischen Eifer über den durch die übermäßigen Anstrengungen körperlich und seelisch geschwächten jungen Mann große Versuchungen und Schwierigkeiten hereinbrechen? Vielfach hatten sich ja die Einsiedler enger aneinandergeschlossen. Aber es fehlte ihnen doch die wohltätige Einrichtung, durch eine gemeinsame maßvolle, allen Anforderungen gerecht werdende Regel fest miteinander verbunden zu sein. Ganz erschüttert wirkte gerade damals der tiefe Fall eines Einsiedlers, der in stolzer Vermessenheit sich zu den größten Heiligen zählen zu dürfen glaubte.

 

Nicht ohne besondere Einsprechung von Gott ließ sich Pachomius ums Jahr 326 in der Einöde von Tabenna nieder, um hier gleichgesinnte Brüder zu einem gemeinsamen Leben zu sammeln. Palämons Zustimmung und Rat leitete dabei den neue Pfade Suchenden. Anfangs war es nur sein leiblicher Bruder Johannes, der sich ihm anschloss, um Christ und Mönch zu werden. So gingen beide Brüder nun gemeinschaftlich auf die Erstürmung des Himmelreiches aus. Seinen Beruf klar erkennend, hielt Pachomius in Geduld, in strengster Selbstverleugnung und außerordentlicher Abtötung aus. Schließlich sah er sich mit herrlichem Erfolg gekrönt. Es kamen drei Schüler, dann mehr; die Zahl stieg auf dreißig, fünfzig, hundert, und noch immer meldeten sich neue Ankömmlinge. Wiederholt musste Tabenna umgebaut werden. Ein zweites Kloster entstand in Pabau; schließlich wurden es fünf.

 

Die sinnige Legende lässt die neue Regel, nach der alles geleitet wurde, durch einen Engel dem Pachomius überbracht werden. Ernste Lesung der Heiligen Schrift, ausdauerndes Gebet und eine reiche Lebenserfahrung waren der Nährboden auf dem diese Pachomianische „Engelregel“ entstand. Schon Antonius, der Vater der Einsiedler, hat die Neuerung des gemeinsamen Lebens nach der Regel des Pachomius eine herrliche Tat gepriesen. Eine straffe Ordnung und Gliederung beherrscht das Ganze. Auf dem Gehorsam baut es sich auf. An der Spitze steht der Generalvorsteher als Leiter des gesamten Verbandes. Er bestellt die Oberverwalter und seine Gehilfen, die für die leiblichen Bedürfnisse zu sorgen haben; er ernennt die Oberen der einzelnen Klöster. Das Amt ist lebenslänglich. Pachomius selbst wurde Tabennas erster „Vater“ (Abt). Die einzelnen Klöster selbst bestanden wiederum aus einer Anzahl kleinerer Häuser mit etwa zwanzig Insassen, die nach dem Anwachsen der Mitgliederzahl und der notwendigen Arbeitsteilung den gleichen Dienstgeschäften angehörten. Jedes Haus hatte einen eigenen Aufseher. Diese besonderen Ordnungen, z.B. der Mattenflechter, der Weber, der Köche, Bäcker, Bücherabschreiber, der Krankenwärter, finden sich gemeinsam in der Kirche und bei Tisch zusammen. Dieser bestand in der Hauptsache aus Brot, Käse, Obst, eingesalzenen Fischen und Lattich. Warmes gekochtes Gemüse musste zwar täglich aufgetragen werden, aber nur Greise, Kränkliche und Kinder nahmen davon. Diese Kinder wurden von den Eltern den Klöstern zur Erziehung übergeben, so dass schon damals die später so glänzend sich entwickelnde Bestimmung der Orden als Unterrichts- und Erziehungsstätten sich in ihren Anfängen zeigte.

 

Einem Mönch, den der heilige Pachomius in das Amt eines Vorstehers einwies, gab er die Lehre: „Beobachte du zuerst die Satzungen, damit die Brüder sie ebenfalls genau beobachten.“ An diesen Grundsatz hielt sich der Abt selber. Wie ein Kind unterwarf er sich dem Vorsteher des Hauses, in dem er war. Nie beanspruchte er für sich etwas Besonderes, auch dann nicht, wenn er krank war. Beim Aufführen der Klostermauern, beim Holzfällen, Sammeln des Schilfes legte er Hand an. Als Oberer hielt er in allen Anforderungen an die Mönche das richtige Maß und nahm stets Rücksicht auf das menschliche Unvermögen. Er war eben ein großer Menschenkenner und darum auch ein vorzüglicher Ordensstifter und Vorsteher. Beinahe täglich, oft sogar zweimal im Tag, hielt er den Seinen geistliche Unterweisungen und suchte sie vor allem in die Kenntnis der Heiligen Schrift und der Glaubenswahrheiten einzuführen. Darum mussten auch alle Mönche das Lesen erlernen, um das Evangelium lesen und betrachten zu können.

 

Dem umsichtigen, liebevollen und gütigen „Vater“, der in seiner Demut aber, wie er oft sagte, sich doch nie Vater seiner Mitbrüder zu nennen wagte, brachten deshalb auch die Pachomianer eine außerordentliche Verehrung entgegen. Noch auf dem Sterbebett bewies er seine Selbstverleugnung und zarte Rücksichtnahme auf die Ordensbrüder. Da ihm die schwere Decke sehr lästig wurde, bat er den Krankenwärter um eine leichtere. Als er aber die große Erleichterung, die ihm dadurch zuteilwurde, merkte, sprach der Todkranke zu dem Wärter: „Nimm sie sofort weg; es geziemt sich nicht, dass ich es irgendwie besser habe als meine Brüder. Als ein getreues Abbild des guten Hirten starb der Heilige am 9. Mai 346. Ein herrliches Gestirn des altchristlichen geistlichen Lebens war mit ihm untergegangen.

 

Ein großer Vorzug im Ordensstand ist die ständige Leitung durch die Oberen. Johannes Climakus sagt: „Wie ein Wanderer, so vorsichtig er auch sein mag, ohne Führer oft den Weg verlieren und sich verirren kann, so wird auch der, der in seinem Leben und Wandel sein eigener Führer ist, irre gehen und sich ins Verderben stürzen, wie vollkommen er auch in seiner weltlichen Weisheit sein mag.“

 

Gebet am 9. Mai

 

Heiligste Jungfrau Maria, meine Hoffnung, du weißt es, dass ich durch die Verdienste Jesu Christi und durch deine Vermittlung einen seligen Tod und das ewige Leben hoffe. O meine Mutter, verlasse mich nie und stehe mir besonders in der Stunde meines Todes bei. Erlange mir die Gnade, dass ich dich und Jesus alsdann anrufe und liebe. Amen. 

 

Zu Gott

 

O Gott, du Liebhaber des Friedens, gib unseren Herzen friedliebende Gesinnungen ein, damit wir das Band der Ewigkeit nie stören, und einst den ewigen Frieden genießen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Tournai wurde im Jahr 1213 die Hauptkirche unter dem Titel der göttlichen Mutter eingeweiht. Dieses Fest wurde jährlich am heutigen Tag in der ganzen Stadt gefeiert. Der heilige Gregor erzählt in der 18. Rede, dass die heilige Justina durch die Fürbitte der Mutter Gottes begehrt habe, von der Gefahr, in der ihre Reinheit sich befand, errettet zu werden. 

 

10. Mai

 

Die heiligen Märtyrer Gordian, Martyrer von Rom,

+ 10.5.362,

Epimachus, Martyrer von Alexandria,

+ 12.12.350,

und Glyzeria, Martyrin von Heraclea, Thracien,

+ 13.5.177 ?

Fest: 10. Mai

 

Die Namen der beiden heiligen Märtyrer Gordian und Epimachus kommen schon im sechsten Jahrhundert in allen Kalendern der lateinischen Kirche vor. Epimachus litt mit einem anderen Christen mit Namen Alexander im Jahr 350 zu Alexandria. Man warf beide in ein scheußliches Gefängnis, aus dem man sie später herauszog, um sie mit Ruten zu peitschen und ihre Seiten mit eisernen Haken zu zerreißen. Man verbrannte schließlich den einen und den andern in lebendigem Kalk.

 

Gordian wurde im Jahr 362 unter dem abtrünnigen Julian des Glaubens wegen zu Rom enthauptet und sein Leib in einer Gruft begraben, in die man auch den des heiligen Epimachus legte, als man ihn von Alexandria nach Rom gebracht hatte.

 

Die heilige Glyzeria, eine hochadelige, christliche Jungfrau und Märtyrin zu Heraklea in Thrazien unter dem Kaiser Antonin, trat, als die Heiden das schändliche Fest der „brennenden Fackeln“ feierten, auf öffentlichem Platz hervor und sagte, indem sie ihre Stirn mit dem heiligen Kreuz bezeichnete, dass sie keine andere Fackel nötig habe, worauf sogleich die Statue des Jupiters zusammenstürzte. Sie überstand nachher die grausamsten Martern, wobei sie ein Engel Gottes tröstete und stärkte, bis sie durch den Biss eines wilden Tieres ihren Geist aufgab im Jahre Christi 177. – Wahrlich, wir kennen den Wert des Kreuzes nicht! –

 

Der selige Nikolaus Albergati, Kartäuser, Bischof und Kardinal,

+ 9.5.1443 – Gedenktag: 10. Mai (3. März)

 

Wenn dich dein Weg einmal in eine Kartause führt, dann wird dir sicher unter den Bildnissen berühmter Mönche, die da und dort die Wände schmücken, eines auffallen: ein Mönch im weißen Ordenskleid, das Haupt bedeckt mit dem roten Kardinalshut. Und wenn du näher hinsiehst, dann wirst du auch die Aufschrift finden: B. Nic. Albergati. Das ist unser Seliger.

 

Geboren wurde er zu Bologna im Jahr 1375 als der Sohn hochangesehener Eltern. Sein Vater war Advokat, seine Mutter die Tochter eines berühmten Professors der Rechtswissenschaft an der Universität von Bologna. Was Wunder, wenn der junge Nikolaus, dem die Liebe zur Rechtswissenschaft so gleichsam als Erbstück in die Wiege gelegt wurde, in die Fußstapfen seines Vaters trat und die Advokatenlaufbahn erwählte. Seine Vaterstadt gab ihm hierzu die beste Gelegenheit, denn die Universität von Bologna erfreute sich der besten Rechtslehrer und war lange Zeit hindurch ein Hauptanziehungspunkt für alle der Rechtswissenschaft Beflissenen. Frühzeitig erwarb sich denn auch unser Nikolaus die akademischen Grade und nun stand ihm eine glänzende Laufbahn in der Welt offen.

 

Aber die Vorsehung hatte es anders beschlossen. Nicht der Welt, sondern der Kirche sollte Albergati sein Talent zuwenden. Nicht im Dienste hochmütigen Parteigezänkes, sondern in demütigem Gehorsam sollte sein Ruhm bestehen. Eine jener Fügungen Gottes, die man gewöhnlich Zufall nennt, gab die erste Anregung. Als er eines Tages von der Jagd heimkehren wollte, überraschte ihn ein Unwetter, das ihn nötigte, in einem Kartäuserkloster Unterschlupf zu suchen. Das Unwetter entwickelte sich zu einem Orkan, so dass an eine Heimkehr am gleichen Tag nicht zu denken war. Nikolaus musste also, wohl oder übel, sich dazu verstehen im Kloster zu übernachten. Als dann gegen Mitternacht die Glocke ertönte, die die Mönche zum Chorgebet rief, entschloss sich unser Seliger – mehr aus Neugierde als aus Frömmigkeit – dem Chorgebet beizuwohnen. Hier war es nun, wo die göttliche Gnade anknüpfte. Der ernste Gesang, die nächtliche Stille, die Eingezogenheit der Mönche, alles das machte einen so tiefen Eindruck auf ihn, dass er sich entschloss Kartäuser zu werden. Am anderen Morgen trug er dem Prior seine Bitte vor, die ihm denn auch gewährt wurde. Zuvor galt es jedoch noch Schwierigkeiten zu überwinden, denn die Eltern waren mit seinem Berufswechsel keineswegs einverstanden. Endlich gaben sie seinem Drängen und Bitten nach. Niemand war nun glücklicher als unser junger Advokat und ohne Zögern machte er sich auf den Weg nach seiner geliebten Einsamkeit. So empfing er denn in seinem zwanzigsten Lebensjahr das Ordenskleid. Mit welchem Eifer er den religiösen Übungen oblag, mit welcher Gewissenhaftigkeit er alle Vorschriften des Ordens befolgte, geht am besten daraus hervor, dass er bald nach Ablauf seiner Probezeit zu den wichtigsten Ämtern befördert wurde. So sieht ihn das Jahr 1407 als Prior der Kartause von Bologna. War er schon als einfacher Mönch ein Muster, an dem seine Mitbrüder sich erbauen konnten, so bemühte er sich jetzt um so eifriger, mehr durch Beispiel als durch Worte, anderen vorzustehen. Einmal auf den Leuchter gestellt, sollte aber sein Licht nicht nur die weltabgeschlossenen Zellen einer Kartause erhellen. Der Leuchter sollte höher gestellt werden, dass sein Licht über die ganze Kirche sich verbreitete.

 

Nachdem im Jahr 1416 Johannes, der Bischof von Bologna, gestorben war, wählten Klerus und Volk einstimmig den Prior der Kartause zu seinem Nachfolger. Sprachlos vor Schrecken und Betrübnis empfing er die Nachricht. Mit Aufwendung aller ihm zu Gebote stehenden Mittel suchte er die Würde von sich abzulenken; aber vergeblich. Sein Ordensgeneral selbst stellte sich auf die Seite der Bologneser und so musste er denn im heiligen Gehorsam Würde und Bürde übernehmen. „Der Jünger ist nicht über dem Meister; jener aber wird vollkommen sein, wenn er ist wie sein Meister.“ An diese Worte des Heilandes wird unser Seliger gedacht haben und dabei hat ihm das Bild seines Ordensstifters, des heiligen Bruno, vor Augen geschwebt, der auch im Gehorsam gegen den obersten Hirten der Kirche seine Herde und seine geliebte Einsamkeit verlassen musste. Ist doch der Gehorsam die erste Tugend der Ordensperson und überhaupt der Prüfstein jeglicher Tugend.

 

Es war am 4. Juli 1417, als Albergati in der Kartäuserkirche von Bologna die bischöfliche Weihe erhielt. Als Bischof hörte er nicht auf, Kartäuser zu sein. Er trug stets die vollständige Ordenskleidung, hielt sein nächtliches Stundengebet, schlief auf einem Strohsack und beobachtete alle vom Orden vorgeschriebenen Fasten. So hoffte er die göttliche Gnadenhilfe in reicherem Maße auf sich herabzuziehen, um mit um so mehr Frucht am Heil der ihm anvertrauten Herde arbeiten zu können. Und an Arbeit sollte es ihm nicht fehlen. Denn dass unter den Wirren der damaligen Zeit im Allgemeinen und dem Parteigezänk seiner Vaterstadt im Besonderen der religiöse Geist seiner Herde benachteiligt wurde, ist leicht einzusehen. Hier eine Besserung zu schaffen, lag ihm vor allem am Herzen. Unermüdlich verkündete er das Wort Gottes von der Kanzel herab, eingedenk der Mahnung des Apostels: „Weise zurecht, tadle, ermahne mit aller Geduld und Lehrweisheit!“ Mit diesem Hirteneifer verband er aber auch eine ebenso große Hirtenliebe. Gleich seinem Namenspatron, dem heiligen Nikolaus von Myra, gab es auch für ihn keine Not, die er nicht zu heben oder doch zu lindern versucht hätte. Sein Zartgefühl fand auch den Weg zu den verschämten Armen, die er heimlich auf jede Art unterstützte. Ganz besonders aber nahm er sich der gefährdeten Jungfrauen an. Er scheute keine Ausgabe, wenn es galt, ihnen durch eine passende Aussteuer zu einer anständigen Heirat zu verhelfen. Dass bei einer solchen Amtswaltung bald sein Lob in aller Munde war, ist begreiflich. Papst Martin V. musste wohl noch andere Geistesschätze in unserem Seligen entdeckt haben. Er machte ihn zum Kardinal und übertrug ihm die wichtigsten Geschäfte. Das gleiche Vertrauen schenkte ihm dessen Nachfolger Eugen IV. Sein Gerechtigkeitssinn, gepaart mit Klugheit und Milde, machten ihn besonders geeignet, Zwistigkeiten zu schlichten. So sehen wir ihn denn als päpstlichen Legaten in Venetien, in Frankreich, in Deutschland. Auf dem Konzil von Basel führte der Kardinal Albergati den Vorsitz. Ebenso leitete er die Vorarbeiten zu den Konzilien von Ferrara und Florenz.

 

Mitten in seiner Tätigkeit wurde der Selige von Gott abberufen. In Siena, wohin er den Papst begleitet hatte, warf ihn ein altes Übel aufs Krankenlager, von dem er sich nicht mehr erheben sollte. Er hatte noch den Trost, in den Armen eines Mitbruders, des Priors der Kartause von Florenz, seine Seele auszuhauchen. Es war der 9. Mai 1443. Seine sterbliche Hülle wurde auf seinen Wunsch im Kloster von Florenz zur letzten Ruhe bestattet. Sein Fest wird am 10. Mai und 3. März gefeiert. Papst Benedikt XIV. ließ den seligen Kartäuser-Kardinal in das römische Martyrologium eintragen, eine Ehre, die gewöhnlich nur den Heiligen zuteilwird. Damit bestätigte er 1744 die Verehrung dieses Seligen.

 

Der heilige Johannes von Avila,

spanischer Priester und Missionar, Kirchenlehrer,

+ 10.5.1569 – Fest: 10. Mai

 

Unter den eifrigsten Dienern der erhabenen Gottesmutter nimmt Johann von Avila eine hervorragende Stelle ein. An Maria wies er stets die Seelen, die dem Verderben am meisten ausgesetzt waren.

 

Als einst eines seiner Beichtkinder von dem Gedanken verfolgt wurde, seine Frau zu töten, riet ihm Johann von Avila, vertrauensvoll vor einem verehrten Bildnis Mariens zu beten. Die Versuchung wich und dieser Unglückliche gewann den Seelenfrieden wieder, den er verloren hatte. Er war für alles, was die Verehrung und Verherrlichung der heiligen Jungfrau betraf, so sehr entzückt, dass er eines Tages in einer Predigt sich nicht scheute, zu sagen, dass er, wofern man in Granada eine schöne Kirche zu Ehren Mariens errichten wolle, auf seinen Schultern alle zu diesem Bau erforderlichen Steine beizutragen sich verpflichtete. Dieser heldenmütige Vortrag brachte auf seine Zuhörer einen so lebhaften Eindruck hervor und rührte sie dermaßen, dass sie sich sogleich entschlossen, den Tempel zu bauen, von dem der fromme Apostel eben zu ihnen gesprochen hatte und sie führten den Bau mit solchem Fleiß aus, dass er in kurzer Zeit vollendet wurde. Unter anderen Gunstbezeigungen, mit denen Maria den Eifer ihres treuen Dieners belohnen wollte, offenbarte sie ihm den Tag und die Stunde des Todes. Und als er seine letzte Stunde kommen sah, erhob er die Augen zum Himmel und rief mit ersterbender Stimme: „O jungfräuliche Maria, die du im Angesicht Gottes weilst, gedenke, vor ihm unsere Sache zu verfechten.“ Bis zu seinem letzten Atemzug hörte er nicht auf, voll Liebe den wunderbarsten Namen Mariens, der Hoffnung der Christen, der Trösterin der Betrübten, der Vermittlerin eines glückseligen Todes, zu flüstern.

 

Papst Paul VI. hat Johann von Avila am 31.5.1970 heiliggesprochen und Papst Benedikt XVI. erhob ihn am 7.10.2012 zu Kirchenlehrer. 

 

Gebet am 10. Mai

 

O göttliche Frau und Beherrscherin der Menschen und Engel, die du deiner unbeschreiblichen Hoheit vergessend, und aus Begierde, Gott zu gefallen, den Menschen gehorcht hast, und dem göttlichen Gesetz dich in allen Dingen, wozu du als die Mutter des Herrn auch nicht verpflichtet warst, vollkommen unterworfen und nach der innerlichen Stimme des Heiligen Geistes alle Regungen deines Herzens gerichtet hast, bitte für mich Sünder, dass ich im Gehorsam und in der Untertänigkeit gerne mit dir lebe, und meinem stolzen Geist auf immer entsage. Ich weiß zwar wohl, dass ich mit meinem Eigensinn und mit meiner Eitelkeit werde streiten müssen. Aber du, o mildselige und gütige Jungfrau, kannst für mich alles erhalten. Durch deine Hilfe werde ich meine unordentlichen Gemütsregungen siegreich überwinden. Amen. 

 

Zu Gott

 

Du hast uns, unendlich guter Gott, durch deinen eingeborenen Sohn den Weg zu dir gezeigt. Lass doch niemals zu, dass wir durch die verderbliche Selbstsucht von dir uns entfernen. Stärke uns im schweren Kampf gegen uns selbst, und führe uns durch den mühevollen Weg der Selbstverleugnung zur ewigen Vereinigung mit dir in deinem Reich. Amen.

 

Zur heiligen Glyzeria

 

Heilige Jungfrau, bezeichne mich, so oft ich in Gefahr stehe, Gott zu beleidigen, am meisten aber in meinem letzten Todeskampf, mit dem Zeichen des heilbringenden Kreuzes, auf dass dadurch alle Nachstellungen des Teufels vernichtet, und ich, nachdem ich sicher und getreu im Dienst Gottes verharre, zum Triumph der seligen Ewigkeit möge eingeführt werden. Amen. 

 

Zu Jesus

 

O mein Jesus, du wolltest leiden, und so in deine Herrlichkeit eingehen. Gib, dass auch wir auf dem Weg des Leidens zu den ewigen Freuden gelangen. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im Leben des heiligen Antonius wird angemerkt, dass man ihn schon in der Kindheit gar oft nur in der Kirche im Gebet vor dem Bildnis der seligsten Jungfrau fand, deren Offizium er auch als Erzbischof, neben vielen anderen Gebeten, täglich betete. Er war für ihre Ehre so eifrig, dass er einen Ketzer, der sie gelästert hatte und sich nicht bekehren wollte, aufs schärfste abstrafen ließ.

 

11. Mai

 

Der heilige Gangolphus, Jäger und Martyrer zu Varennes, Frankreich,

+ 11.5.760 - Fest: 11. Mai

 

Auf seiner Pilgerfahrten einer kam

Der heilige Gangolph in Kampanien

Zu einem Brunnen, kostete des Wassers

Und lobte Gott! es war so kühl und klar.

 

Des Brunnens Eigener kam daher und sprach:

Um hundert Pfenning ist der Brunn mir feil.

Der Heil´ge gab die hundert Pfenninge.

Zog fröhlich seines Wegs, gelanget endlich

Zu seiner Heimat in Burgundia,

Und fand die Gattin vor der Türe sitzen.

 

Frau, sprach er, freue dich, was uns gefehlt,

Hab ich gefunden in Kampania,

Den schönsten Brunnen weit und breit im Reich.

Um hundert Pfenning hab ich ihn gekauft.

 

Tor, sprach das Weib, was hilft ein Brunnen uns,

Der dreißig Meilen weit von hier entspringt?

 

Ruhig sprach Gangolph: Hast du nicht gelesen,

Was Christus sprach: So einer Glauben hat,

Nur eines Senfkorns groß, und spricht zum Berge:

„Berg, hebe dich von hinnen!“ folgsam wird

Der Berg sich heben. Solchem Wort vertrauend,

Hab ich den Quell gekauft in fernem Lande.

 

So sprach der fromme Pilger, nahm den Stab,

Stieß kräftig in den Grund hin – und im Nu

Sprang klafterhoch der schöne Wasserstrahl

Empor, kühl, silberhell, krystallenklar.

 

Noch immer springt und rinnt die Quelle dort;

Doch in Kampania war sie verschwunden.

 

Es war dieser heilige Gangolphus der Sohn einer der edelsten Familien Burgunds. Seine Eltern erzogen ihn sorgfältig in der christlichen Tugend. Er liebte in seiner Jugend zwar die Jagd; sah aber diese Übung nur als ein Mittel zur Vermeidung des Müßiggangs an, dessen Folgen so verderblich sind. Da er von Natur mutvoll und tapfer war, trat er unter dem König Pipin in den Kriegsdienst. Die Furcht Gottes aber begleitete ihn überall und er erlaubte sich nie etwas, das den Lehren des Christentums entgegen gewesen wäre.

 

Seine Gattin war ihm ganz unähnlich, frech und sittenlos. Sie ergab sich der schändlichsten Ausschweifung und zwang ihren Gemahl, sich von ihr zu trennen. Nach diesem widmete er sich strengen Bußübungen und liebte die Armen so zärtlich, dass er einen großen Teil seiner Einkünfte zur Erleichterung ihrer Not verwandte. Die böse Frau fürchtete sich, ihr Ehegatte möchte sich vor der Obrigkeit beklagen. Sie bewog also den Gefährten ihrer Laster, den unschuldigen Gangolph umzubringen. Dieses vollbrachte der Ruchlose den 11. Mai im Jahr 760.

 

Der heilige Mamertus,

Erzbischof und Bekenner von Vienne in Dauphine, Frankreich,

+ 11.5.477 - Fest: 11. Mai

 

Der heilige Mamertus folgte dem Simplizius auf dem bischöflichen Stuhl von Vienne. Er war im 5. Jahrhundert eines der glänzendsten Lichter der gallischen Kirche. Er verband mit großer Wissenschaft eine besondere Heiligkeit, die sich durch die Gabe der Wunder kund machte. Seiner Frömmigkeit hat man die Einsetzung der öffentlichen Gebete zu verdanken, die unter dem Namen Bitt-Tage bekannt sind. Folgendes war dazu die Veranlassung.

 

Durch Zulassung Gottes geschah es, dass das Volk durch Krieg und verschiedene andere Plagen hart bedrückt wurde. Viele Feuersbrünste, häufige Erdbeben und wilde Raubtiere, die sogar bei hellem Tag in Dörfer und Städte eindrangen, verbreiteten Schrecken und ermahnten laut zur Buße. Die Gottlosen schrieben diese Ereignisse dem Zufall zu. Die Weisen aber sahen sie an als Wirkungen des göttlichen Zornes, der ihnen völligen Untergang drohe.

 

Mitten unter diesen Drangsalen gewährte Gott dem Glauben des heiligen Mamertus einen Augenscheinlichen Beweis seines Wohlgefallens und seiner Güte. Eine schreckliche Feuersbrunst, der man nicht Einhalt tun konnte, drohte die Stadt in einen allgemeinen Schutthaufen zu verwandeln. Der heilige Bischof schickte sein Gebet zum Himmel und das Feuer erlosch augenblicklich. Dieses Wunder benützte er dazu, die Sünder zu ermahnen, dass sie von ihren Unordnungen ablassen, sie durch Buße sühnen und den Arm Gottes durch jede Art guter Werke entwaffnen möchten. In der Osternacht brach ein zweiter Brand aus, der die Stadt mit neuem Schrecken erfüllte. Der heilige Bischof nahm, wie gewöhnlich, zu Gott seine Zuflucht, warf sich vor dem Altar auf die Knie nieder, und die Flammen erloschen, wie der heilige Avit sagt, auf wunderbare Weise. In dieser Nacht war es auch, wo er den frommen Plan fasste, öffentliche Bittgänge anzuordnen, welche jedes Jahr drei Tage lang verrichtet werden sollten. Sein Zweck dabei war, den erzürnten Himmel zu besänftigen. Diese Bittgänge bestanden in Psalmengesang, im Sündenbekenntnis und im Gebet, das mit Fasten, Tränen und Herzenszerknirschung begleitet sein sollte. Diese heilige Anordnung blieb nicht allein auf den Kirchensprengel von Vienne beschränkt, auch der von Klermont, wo der heilige Sidonius Apollinaris Bischof war, nahm sie schon vor dem Jahr 475 an, worauf sie bald in der ganzen abendländischen Kirche eingeführt wurde.

 

Der Heilige hatte einen Bruder, der jünger war als er. Diesen weihte er zum Priester und teilte mit ihm die Arbeiten seines Hirtenamtes; er hieß Mamertus Klaudianus. Der heilige Sidonius Apollinarius sah diesen als das größte Talent seines Jahrhunderts an, denn er war in allen Wissenschaften bewandert und im Stande, auf alle ihm vorgelegten Fragen zu antworten und alle Irrtümer zu bekämpfen. Allein seine Bescheidenheit und Tugend erwarben ihm noch größere Hochschätzung, als alle seine Kenntnisse. Er starb um das Jahr 474, nachdem er seinem Bruder wichtige Dienste geleistet hatte.

 

Vom übrigen Leben des heiligen Bischofs von Vienne haben wir keine weitere Kenntnis. Er starb 477. Sein Name befindet sich im römischen Martyrologium.

 

Der heilige Franziskus de Hieronymo,

aus der Gesellschaft Jesu, Volksmissionar, Priester von Neapel,

+ 11.5.1716 – Fest: 11. Mai

 

Franz wurde geboren in Grottaglia bei Tarent in Süditalien am 17. Dezember 1642. Er stammte aus einer braven bürgerlichen Familie und war das älteste von elf Geschwistern. Schon früh zeigten sich bei ihm die Spuren seiner späteren Heiligkeit. Die größte Freude des Jungen war, Almosen zu reichen. Eines Tages, so lautet die liebliche Erzählung, hatte er Brot aus dem Schrank genommen, um es den Armen zu bringen. Die Mutter begegnete ihm auf der Straße, sah das Brot in seinen Händen und gab ihm einen strengen Verweis, dass das für die Kinder zu Hause bestimmt sei. „Ach, Mutter,“ antwortete der Kleine, „fürchte nicht, dass den anderen etwas mangelt; schau nur im Schrank nach.“ Und wirklich, die Mutter fand, dass nichts fehlte.

 

Schon in der Jugend hatte Franz eine besondere Andacht zum Heiland im heiligen Altarsakrament. In aller Frühe, wo die übrigen zu Hause noch schliefen, ging er zur Kirche und verharrte lange Zeit in frommem Gebet. Aus seinem Angesicht strahlte die engelgleiche Unschuld. Im sechzehnten Lebensjahr wurde er durch die Tonsur der Kirche geweiht. Am 18. März 1666 erhielt er die Priesterweihe. . Bald darauf gaben die Jesuiten ihm eine Anstellung als Präfekt bei den Zöglingen ihres Kollegs zu Neapel. Diese erkannten gleich, dass ein Heiliger bei ihnen die Aufsicht führte, denn der junge Priester war ein Muster der Vollkommenheit. Keine Unart der Schüler reizte ihn zum Zorn, er war liebevoll zu allen. Einen Teil der Nacht brachte er vor dem Tabernakel kniend im Gebet zu. Er übte ernste Abtötung durch Fasten, Geißelung und andere Strengheiten. Etwa fünf Jahre hatte er sein Amt verwaltet, als die göttliche Gnade in ihm den Wunsch erregte, in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Wohl erhob sein Vater ernstlich Schwierigkeiten, aber Franz beruhigte ihn und trat am 1. Juli 1670 im Alter von 28 Jahren ins Noviziat. Nachdem er die Studien vollendet und die Professgelübde abgelegt hatte, bat er um die Sendung nach Japan, in der Hoffnung, dort die Martyrerpalme zu pflücken. Aber die Oberen hielten ihn in Neapel und ernannten ihn zum Leiter der Volksmissionen. Obwohl zart von Körperbau und schwach von Gesundheit, arbeitete der seeleneifrige Missionar allein so viel, als mehrere zusammen kaum hätten vollbringen können. Und das volle vierzig Jahre lang. „Ich will mich so lange fortschleppen, als noch ein Atemzug in mir ist. Ein Lasttier bin ich; unter der Last will ich sterben.“ So sprach der treue Arbeiter des Herrn. Er predigte in Städten und Dörfern, den Gefangenen, den Galeerensträflingen und den Soldaten. Gott unterstützte seine Worte durch zahlreiche Wunder, indem er Zukünftiges voraussagte, zu gleicher Zeit an verschiedenen Orten sich befand, Kranke heilte, das Mehl wunderbar vermehrte, ganz auffallende Bekehrungen machte. Er war unermüdlich, wo es galt Kranke zu trösten, Sterbenden beizustehen, Feindschaften zu schlichten, Arme zu unterstützen. Bei den feierlichen Generalkommunionen an jedem dritten Samstag des Monats nahmen oft fünfzehn, ja zwanzig Tausend teil. Besonderes Gewicht legte er auf die Exerzitien des heiligen Ignatius. Er hielt sie für Priester, für Ordensleute, für fromme Vereine, für Studenten in Kollegien und Seminarien. Viel hatte er zu leiden von Seiten der bösen Geister und ruchlosen Menschen. Aber alles ertrug er mit unbesiegbarer Geduld. Als ein Gefangener ihm einen Schlag versetzte und sogleich die grässlichsten Schmerzen im eigenen Arm fühlte, heilte Franziskus ihn durch ein Kreuzzeichen und ließ ihn dann eine reumütige Beicht ablegen. Gott verlieh dem Heiligen in auffallender Weise die Gabe, auf verkehrte Wege geratene Frauen aus der Sünde zu retten. Als man ihm vorwarf, seine Arbeit sei nutzlos, da solche Personen doch bald wieder die Lasterbahn beträten, antworte er: „Ich erfahre das Gegenteil. Sollte ich aber auch keinen anderen Gewinn haben, als dass ich eine einzige solche Seele von der Hölle rette, so wäre alle meine Mühe gut angewandt.“

 

Bei den wunderbaren Erfolgen, bei den zahlreichen Anerkennungen von Hoch und Nieder blieb Franziskus immer der demütige Ordensmann und nannte sich den größten Sünder. Wenn er misshandelt und verleumdet wurde, so freute er sich und meinte, er habe noch viel Ärgeres verdient. Als er auf dem Sterbebett lag und große Pein litt, sagte er: „Gott hat mir diese Schmerzen geschickt und ich nehme sie herzlich gerne an; sie mögen sich tausendfach vermehren; es ist alles nichts gegen das, was ich verdient habe.“

 

„Nennen Sie zum Nutzen der Mitmenschen die größte Gnade, die Ihnen Gott im Leben erwiesen hat“, gebot ihm sein Oberer. Beschämt und mit Tränen in den Augen gibt der Sterbende die ganz bestimmte Antwort: „Ich habe immer getan, was ich konnte. Und das ist das größte Gnadengeschenk des Herrn: Ich habe in meinem ganzen Leben einzig und allein und allezeit nichts anderes gesucht als die Ehre Gottes, ohne je etwas für mich zu verlangen.“

 

Gott ließ es auch zu, dass der Heilige noch vor dem Tod einen Kampf mit dem bösen Feind zu bestehen hatte. Aber durch die Hilfe der lieben Gottesmutter, die er während des ganzen Lebens so innig verehrt hatte, blieb er Sieger und sagte zum Krankenwärter: „Nun steht es gut.“ Darauf stimmte er den Lobgesang Magnifikat an. Er starb ganz ruhig am 11. Mai 1716 im Alter von 74 Jahren. Im Jahr 1839 wurde er von Papst Gregor XVI. in die Schar der Heiligen eingereiht.

 

Der heilige Franz von Hieronymo gibt uns die schöne Lehre: Je demütiger und selbstloser jemand ist, desto höher steht er bei Gott und den Menschen. Das Veilchen der Demut blüht und duftet nur bei den Kindern Gottes.

 

Gebet am 11. Mai

 

Heilige Jungfrau Maria, Mutter Gottes, meine Mutter, empfiehl mich deinem Sohn und bewirke mir Verzeihung für alle Beleidigungen, die ich ihm zugefügt habe. Erlange mir die Gnade, ihn nie wieder zu beleidigen. Verzeihe mir, geliebter Jesus, aus Liebe zu Maria und zum heiligen Joseph, und gib mir die Gnade, dich eines Tages im Himmel zu schauen, damit ich dich dort loben, damit ich deine Schönheit und Güte preisen kann, die dich bewogen hat, aus Liebe zu mir ein kleines Kind zu werden. Ich liebe dich, unendliche Güte, ich liebe dich, mein Jesus, mein Gott, meine Liebe, mein Alles! Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Mamertus

 

Verleihe uns, o Gott, auf die Fürbitte des heiligen Mamertus die Gnade, dass wir die zeitlichen Übel als Strafen aus deiner Vaterhand annehmen, der Sünde entsagen und vor allem dein Reich suchen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag um das Jahr 330 hat Konstantin der Große die zum anderen Sitz des Reichs bestimmte Stadt Byzanz von den in dem Allgemeinen Konzil zu Nicäa versammelten Vätern einweihen, und unter den Schutz der Mutter Gottes stellen lassen. Die Bischöfe hielten nach geschlossenem Konzil acht Tage lang Prozessionen und öffentliche Gebete, unter täglicher Aufopferung des heiligen Messopfers, und nannten die Stadt das neue Rom oder vom Namen des Stifters Konstantinopel. So sah das Königreich Ungarn die seligste Jungfrau als Patronin an, und setzte auf seine goldenen Münzen das Bildnis der Gottesmutter, mit der Unterschrift: Patrona regni Hungariä. So war vor Zeiten das Königreich England ihr gewidmet. So hat Ludwig XIII. die Stadt Paris und das ganze Frankreich ihrem Schutz unterstellt. Die Kirchen, die ihrem Namen geweiht sind, sind fast unzählig, zu Rom allein zählt man deren gegen 46.

 

12. Mai

 

Der heilige Pankratius, Junge und Martyrer von Rom,

+ 12.5.304 - Fest: 12. Mai

 

Dreier Martyrer und einer heiligen Jungfrau gedenkt heute die Kirche. Nereus, Achilleus, Pankratius und Domitilla heißen sie. Es ist eine ganze Prozession, und mit Recht singt man bei ihrem Anblick: „Dich lobpreist, Herr, der Martyrer strahlendes Heer.“

 

Von den vier Tagesheiligen soll hier jener näher beschrieben werden, der mit vierzehn Jahren sein Blut im Martertod für den wahren Glauben vergossen hat. Es ist der heilige Pankratius.

 

Pankratius war nach der Legende in Kleinasien daheim. Dort erblickte er als Spross eines reichen Hauses im Jahr 290 das Licht der Welt. Heidnisch wie die Eltern war auch er. Früh starben dem Jungen der Vater und die Mutter weg. Ein Onkel nahm sich des Verwaisten an, und eines Tages packten beide, der Onkel und der Neffe, die Koffer und wanderten hinaus in die weite Welt nach Rom, der reichen herrlichen Kaiserstadt an den Ufern des Tiber.

 

Wie es jedem ergeht, der vom Land in die Großstadt kommt, so erging es damals auch dem vierzehnjährigen Pankratius. Die Augen liefen ihm über vom Schauen. Alles war schön in Rom, alles ohne Ausnahme: die Kaiserburg mit dem goldenen Dach, die Paläste der Millionäre, die Tempel, das große steinerne Ringtheater und so weiter. Am meisten Gefallen fand Pankratius an den Soldaten, denen er auf Schritt und Tritt begegnete, und wenn gar die kaiserliche Garde mit klingendem Spiel vorüberzog, so geriet der Junge rein aus dem Häuschen.

 

Bald darauf brachte es eine Gelegenheit mit sich, dass Pankratius mit einem der Gardeoffiziere, mit dem prächtigsten von allen, Bekanntschaft machte und Freundschaft schloss. Sebastian hieß der Offizier. Es war ein lieber Mensch, der interessant zu erzählen verstand, von Christus, der Mensch wurde und Gott blieb, der den Menschen Erlösung brachte, der heilig und groß war im Leben, wunderbar in seiner Lehre und über alles hoch und erhaben in seinem Sterben. Am dritten Tage sei er glorreich von den Toten auferstanden, sei vierzig Tage später in den Himmel aufgefahren, und von dort werde er am Ende der Welt zurückkehren, um zu richten die Lebendigen und die Toten.

 

Das alles und noch vieles andere, was Jesus tat und lehrte, erzählte der Gardeoffizier Sebastian dem jungen Freund, und dabei redete er mit einer Glut der Begeisterung, die einfach mitriss. Bald sprachen die beiden Freunde, sooft sie sich trafen, nur noch von Christus. Pankratius erhielt Unterricht im christlichen Glauben, und am darauffolgenden Karsamstag befand auch er sich in der Reihe der Täuflinge. Sebastian war sein Pate. Ein heiliger Schauer durchrieselte den Jungen, als man ihm nach der Taufe das lange weiße Taufkleid überwarf und die mahnenden Worte zurief: „Nimm hin das weiße Kleid und bringe es unbefleckt vor den Richterstuhl unseres Herrn Jesus Christus, damit du das ewige Leben habest.“ Im gleichen Augenblick und mehr noch kurz danach beim Empfang der ersten heiligen Kommunion im Osteramt nahm sich Pankratius fest vor, die Taufgnade und die Taufunschuld unversehrt zu bewahren, und ganz und gar entsprach es seiner Überzeugung, was er im Verein mit den anderen Täuflingen und Erstkommunikanten sang:

 

Mit dem Herzen, mit dem Munde

Schwören wir in dieser Stunde,

Jesus ewig treu zu sein.

Nimmer werde je gebrochen,

Was wir Jesus heut versprochen,

Ewig treu uns ihm zu weih´n.

 

An Ostern fand die hehre Feierstunde statt, und wenige Wochen später bereits kam für Pankratius die Stunde der Bewährung. Herrlich hat er sich bewährt. Nachdem erst sein Pate, der heilige Sebastian, glorreich das Martyrium bestanden hatte, kam die Reihe an Pankratius. Der Kaiser selbst bemühte sich, ihn vom Glauben abzubringen, tätschelte ihm die Wange und versprach ihm goldene Berge. Pankratius jedoch entgegnete ihm: „Spare dir deine Mühe! Wenn ich auch erst vierzehn Jahre alt bin, meinen Jesus lasse ich nicht. Das habe ich ihm geschworen, und meinen Eid halte ich heilig.“ So sprach der jugendliche Held und erlitt kurz darauf den Martertod durch Enthauptung. Man schrieb damals den 12. Mai 304.

 

Pankratius hat also seinen Treueschwur gehalten.

 

Die selige Imelda Lambertini von Bologna, Nonne,

Patronin der Erstkommunionkinder,

+ 12.5.1333 – Fest: 12. Mai

 

Das Leben der Seligen Imelda, die von Papst Pius X. zur Patronin der Erstkommunionkinder erhoben wurde, soll hier erzählt werden.

 

Im Jahr 1321 wurde der hochgeachteten Familie Lambertini in Bologna ein Mädchen geboren, das bei der heiligen Taufe den Namen Magdalena erhielt. Es war ein Gnadenkind alle Tage seines kurzen Lebens und gleich seiner heiligen Namenspatronin hat es „viel geliebt“. Die erste Kindheit der kleinen Magdalena glich einem einzigen klaren Frühlingsmorgen. Zärtliche Elternliebe umgab sie und die Sorge ihrer edlen Mutter hielt jeden schädlichen Einfluss von der reinen Kinderseele fern. Schon beim ersten Erwachen der Vernunft gab sich Magdalena Gott mit rückhaltloser Liebe hin. Sie betete gerne und oft kniete sie vor ihrem Hausaltärchen, um hier heilige Lieder zu singen oder den Rosenkranz zu beten. Die Früchte dieser kindlichen Frömmigkeit waren Engelsinn und Engelsitte. Kein Wunder, dass der Heilige Geist diese edle, großmütige Kinderseele erwählte, um in ihr die Wunder seiner Gnade zu wirken.

 

Als Magdalena zehn Jahre alt war, bat sie, von der Gnade Gottes angeregt, ihre Eltern, sie zur Erziehung in ein Kloster zu geben. Sie wünschte nämlich so sehr, gleich dem Kind Maria im Haus des Herrn heranzuwachsen, um hier in klösterlicher Stille Gott ungeteilt dienen zu können. Die Eltern wollten aber von der Bitte des Kindes nichts wissen, sie konnten ja ihren Liebling nicht entbehren, der ihnen immer nur Freude bereitete und der Sonnenschein des Hauses war. Magdalena, den Willen Gottes erkennend, ließ in ihren Bitten nicht nach und dem bescheidenen, aber inbrünstigem Flehen ihres Herzenskindes konnten die Eltern nicht lange widerstehen. So sah sich Magdalena, früher als sie gehofft, am ersehnten Ziel.

 

Vor den Toren Bolognas stand damals das Dominikanerinnen-Kloster „Santa Maria Magdalena“. Dort suchte und fand das Kind Aufnahme. Freudig öffneten die weißen Schwestern das Klosterpförtlein, war ja Magdalena der Ruf ihrer Frömmigkeit schon vorangeeilt. Nach damaliger Sitte erhielten die Kinder, die in Klöstern erzogen wurden, das Ordenskleid und änderten auch ihren Namen, ohne jedoch dem Orden irgendwie anzugehören. So wurde auch Magdalena mit dem Krem-Habit der Dominikanerinnen bekleidet und um ihr frisches Kindergesichtchen legte sich der weiße, gefaltete Schleier. Wohl wegen ihrer Sanftmut und Liebenswürdigkeit erhielt sie den Namen Imelda, der so viel als „wie Honig“ bedeutet. So schwer Imeldas zartfühlendem Herzen der Abschied von den lieben Eltern fiel, so war ihr doch, als sei das alte Kloster ihre eigentliche Heimat. Alles entzückte sie da. Mit heiliger Freude schloss sie sich den Nonnen an, wenn sie zum täglichen Psaltergebet schritten, und im Chor sang sie mit ihrem hellen Kinderstimmchen, wie es die Englein nicht besser gekonnt hätten. Sie beobachtete die Ordensregeln, soweit ihr dies gestattet wurde, mit größter Genauigkeit und war auch durch ihren Gehorsam, ihre Liebe zum Stillschweigen und zu kleinen Abtötungen selbst den ältesten Klosterfrauen zum Vorbild. Vor allem aber zeichnete sie sich durch eine ungewöhnlich innige Andacht zum allerheiligsten Altarsakrament aus. Ganze Stunden verbrachte sie vor dem Tabernakel, um die Liebe Jesu zu betrachten, und hier vor den Strahlen der göttlichen Gnadensonne erschloss sich die Knospe ihres Herzens zur Rose der heiligsten, reinsten Gottesliebe. Sie hörte täglich die heilige Messe mit großer Andacht, wenn aber dann die Kommunionglocke schellte, die Schwestern zum Tisch des Herrn traten und Imelda allein im Chor zurückbleiben musste, weinte sie oft bitterlich, so groß war ihr Verlangen nach der heiligen Kommunion. In der Erholungszeit gesellte sich Imelda regelmäßig zu jenen Schwestern, die am Morgen kommuniziert hatten, und wurde nicht müde über das Glück der heiligen Kommunion zu sprechen. Oft fragte sie in heiliger Einfalt: „O sagt und erklärt mir doch, wie man Jesus empfangen kann und nicht ob dieses Glückes stirbt“. Mit der Zeit wurde Imeldas Verlangen nach der heiligen Kommunion so hinreißend, dass sie ihre Schüchternheit überwand und zum Priester des Klosters mit der Bitte ging, ihr die erste heilige Kommunion zu gewähren. In jener Zeit war es aber unerhört, dass Kinder vor dem 14. Jahr kommunizierten. Auch dieser Priester meine, Imelda, die erst elf Jahre zählte, sei nicht verständig und unterrichtet genug und schlug ihre Bitte kurzweg ab. Imelda unterwarf sich ohne Erwiderung, sie war zu sehr gewohnt, im Priester Gottes Stellvertreter zu sehen; ihr Schmerz und ihre Sehnsucht wurden aber nur umso größer. So verging wieder einige Zeit. Imelda fuhr fort in der Übung aller Tugenden, und in der ständigen Glut ihrer Liebessehnsucht wurde das letzte Fleckchen irdischer Schwäche in ihrem Herzen getilgt.

 

Das Fest Christi Himmelfahrt des Jahres 1333 war gekommen. Am Morgen des freudvollen Feiertags war Imeldas Verlangen nach dem Heiland größer denn je. Wieder ging sie zum Spiritual, um mit erneuter Inbrunst zu bitten; wieder wurde sie abgewiesen. In Tränen aufgelöst, begab sich Imelda zum Festgottesdienst in den Chor. Da von Menschen keine Hilfe zu hoffen war, klagte das arme Kind dem Heiland sein Herzeleid, und wie beredt wurde es in seinen liebevollen Klagen! „O Jesus, o mein himmlischer Bräutigam“, seufzte sie, „willst Du denn wirklich, dass Deine kleine Magd sich verzehre in Sehnsucht nach Dir, ohne dass ihre Wünsche jemals befriedigt werden? Die Klosterfrauen haben mir doch oft von Deiner Vorliebe für die Kinder erzählt und hast Du nicht selbst gesagt: „Lasset die Kleinen zu mir kommen und wehret es ihnen nicht!“ Warum willst Du jetzt nicht zu mir kommen, da ich auch ein Kind bin und Dich so inbrünstig liebe? O gib mir, ich beschwöre Dich, nur ein einziges Krümlein von diesem Lebensbrot und ich werde gesättigt werden. Und wenn Du mich dessen nicht für würdig erachtest, so gib, dass ich sterbe, denn ich will nicht mehr leben ohne Dich!“ Inzwischen waren alle Klosterfrauen zum Tisch des Herrn getreten. Imelda dies sehend, barg ihr Haupt in den Händen, sie meinte, ihr Herzlein müsse vor Liebessehnsucht brechen.

 

Jetzt war aber der Augenblick gekommen, da der Heiland dem drängenden Verlangen des Kindes nicht mehr widerstehen konnte und musste er es selbst durch ein Wunder befriedigen. Durch die dämmernde Kirche fluteten Strahlen von Licht und über Imelda erschien eine Hostie und blieb über des Kindes Haupt in der Luft schweben. Imelda blickte auf, ein seliges Lächeln überflog ihr Antlitz und anbetend warf sie sich vor der heiligen Hostie nieder. Die Klosterfrauen, starr vor Staunen und Ehrfurcht, riefen eilig den Priester herbei. Er kommt, sieht das Wunder und versteht seine Bedeutung. Schnell entschlossen nimmt er eine Patene und nähert sich der heiligen Hostie. Diese lässt sich leise auf die Patene nieder, der Priester ergreift sie und reicht sie dem Gnadenkind, das in seligem Entzücken die Augen schließt, das Haupt neigt und wie in tiefer Anbetung versunken liegen bleibt. Wer kann sagen, was in diesem Augenblick in Imeldas Seele vor sich ging? Wer ahnt die Gnadenwunder dieser heiligen Kommunion? – Die Klosterfrauen vereinigten ihre mit Imeldas Danksagung und stundenlang wagten sie nicht, das Gnadenkind zu stören. Endlich aber naht die Oberin. Imelda muss sich nun ausruhen, sich stärken nach der Seelenerregung dieser Stunden; sie ruft leise, lauter – Imelda rührt sich nicht, - sie befiehlt – das Kind will nicht hören. „O Imelda“, mahnt da die Oberin, „immer hast du gefolgt und heute willst du nicht gehorchen!“ – Umsonst! – Da heben die Klosterfrauen Imelda auf und ein toter Engel ruht in ihren Armen. Schon vor Stunden, ja im Augenblick der ersten heiligen Kommunion musste Imelda gestorben sein. So viel Glück hatte ihr Herz nicht fassen können. Im ersten Kuss des Heilands war auch der Schleier der sakramentalen Gestalt vor ihrem entzückten Auge gefallen und der Heiland hatte seine liebende Braut heimgeholt zur ewigen Kommunion dort im Himmel.

 

Die selige Johanna von Portugal,

Prinzessin, Nonne, Seligsprechung: 1693, * 6.2.1452 in Lissabon,

+ 12.5.1490 in Aveiro – Gedenktag: 12. Mai

 

Johanna, Prinzessin von Portugal, verdient in die Reihe der berühmtesten Königinnen gestellt zu werden. Diese Prinzessin war mit allen Vollkommenheiten begabt, die einer Königin Glanz verleihen und ihr die Bewunderung der ganzen Welt zuwenden können. Sie besaß aber auch, was noch höheren Wert hat, die Tugenden, die zur Heiligkeit führen. Ihre zärtliche Verehrung Mariä war eine der schönsten Perlen ihrer Krone und die reichlichste Quelle der besonderen Gnaden, die sie in den bedenklichsten Lagen ihres Lebens vom Himmel empfing.

 

Als nun Alphons V., ihr Vater, siegreich und mit der Beute seiner überwundenen Feinde beladen aus Afrika zurückkehrte, zog sie ihm in ihrem reichsten und schönsten Schmuck entgegen. Sie gewahrte Bald den Eindruck, den sie auf sein Herz machte. Auch hatte sie sich mit dem kostbaren Putz der Üppigkeit und der Eitelkeit nur bekleidet, um ihr frommes Vorhaben leichter zu Ziel zu führen, indem sie eine Bitte an ihn stellte, die niemand vermuten konnte, der nicht ihre unvergleichliche Tugend kannte. Denn wer hätte sonst glauben mögen, dass eine Prinzessin so voller Reize und in solchem Maße würdig, die Gemahlin des ersten Monarchen der Welt zu werden, bei einem allgemeinen Freudenfest einen sieggekrönten Vater, den sie mehr als sich selbst liebte, um nichts anderes bitten sollte, als um die Erlaubnis, in einen Orden zu treten, um Gott ihre Jungfräulichkeit zu weihen. Hätte man das Herz des Königs mit einem tödlichen Pfeil durchbohrt, die Wunde würde ihn nicht empfindlicher geschmerzt haben, als diese so unerwartete Bitte. Da er jedoch von einer tiefen Gottesfurcht beseelt war, hatte er nicht den Mut, diese Bitte abzuschlagen, sondern, wie wenn ihm die Sprache genommen worden wäre, stand er da, ohne ein einziges Wort erwidern zu können. Die fromme Prinzessin, die in dem Schweigen ihres Vaters ein Zugeständnis und eine stumme Einwilligung erblickte, beeilte sich, ihre Angelegenheiten zu ordnen, um das Herannahen des Tages zu beschleunigen, an dem sie die Welt würde verlassen können, um sich in das Kloster zu verschließen.

 

Die fromme Prinzessin kostete mit langen Zügen die Süßigkeiten der Einsamkeit in ihrem Kloster zu Aveiro, ohne auch nur zu argwöhnen, dass man je daran denken könnte, ihren Entschluss rückgängig zu machen.

 

Nach Alphons Tod wurde Johann II., sein Sohn, von Karl VIII., König von Frankreich, angelegentlich angegangen, ihm seine Schwester zur Gemahlin zu geben. Die Liebe dieses Fürsten zu Johanna, deren Schönheit er kannte, hatte in seinem Herzen tiefe Wurzeln gefasst.

 

Nach der Ankunft der Abgesandten begab sich der König selbst in das Kloster zu Aveiro, um die Prinzessin, seine Schwester, zur Annahme der Hand des Königs von Frankreich zu bestimmen, allein er fand sie unbeugsam und unerschütterlich in ihrem Beruf. Er führte so rührende Vernunft- und Beweggründe an, dass die unglückliche Prinzessin, um nicht zu unterliegen, ihn um Ruhe bat bis zum folgenden Tag, damit sie sich bei ihrer gütigen Mutter, der Himmelskönigin, und ihrem geliebten Sohn, den sie schon vor langer Zeit zu ihrem einzigen Bräutigam erwählt hatte, Rat einholen könne. Sobald Johanna sich wieder in ihrer Zelle allein befand, warf sie sich vor einem Marienbild nieder, das sie in ihrem Betzimmer hatte, und beschwor unter Tränen, die den Boden benetzten, die Mutter der schönen Liebe bei allem, was sie im Himmel und auf der Erde Teures hat, ihr zu Hilfe zu kommen und sie in einer so großen Gefahr nicht zu verlassen. Was für ein Wunder! Kaum hatte sie ihr Gebet begonnen, als sie in ihr Herz himmlischen Frieden und Trost herabströmen fühlte und ihr Geist von aller Unruhe befreit war.

 

Am folgenden Tag kehrte der König, ihr Bruder, der von tausend Besorgnissen gepeinigt, kein Auge hatte schließen können, zu seiner Aufgabe zurück. Und da er vermutlich einen neuen Angriff versuchen zu müssen glaubte, hielt er eine Antwort auf jeden Einwurf bereit, den man ihm entgegensetzen konnte. Als er aber auf dem Angesicht seiner Schwester nur Ruhe und Heiterkeit erblickte, hoffte er eine für sein Anliegen günstige Antwort. Hätte man nach dem Anschein urteilen dürfen, so wäre seine Erwartung nicht getäuscht worden. Allein die Folge zeigte, dass Johanna im Einverständnis mit dem Himmel stand, denn sie sagte zu ihrem Bruder, dass, wenn der König Karl, der sie mit seiner Werbung beehre, noch am Leben sei, sie bereit sein werde, in sein Begehren einzuwilligen. Damit waren beide zufrieden. Der König kehrte mit größter Eile in sein Reich zurück. Kaum aber war er dort angekommen, als er die Nachricht vom Tod Karls VIII., seines innigsten Freundes erhielt, der schon zu der Stunde vor Gott erschienen war, in der die fromme Johanna das Wort aussprach, das er mit so großer Ungeduld erwartet hatte.

 

Johanna starb am 12. Mai 1490 in Aveiro und wurde im Kloster Aveiro bestattet. Sie wurde 1693 von Papst Innozenz XII. seliggesprochen. Obwohl sie bis heute nicht heiliggesprochen wurde, wird sie in Portugal als die Heilige Prinzessin Johanna verehrt.

 

Gebet am 12. Mai

 

Heilige Mutter Maria. Du bist zwar von dieser Welt gegangen, aber du vergisst nicht uns elende Pilger, die wir n diesem Tränental bleiben müssen, wo so viele Feinde uns bekämpfen, die nichts mehr wünschen, als uns für die ganze Ewigkeit unglücklich zu machen. Ach, um der Verdienste deines heiligen Todes willen, erlange uns die Gnade, dass wir die Anhänglichkeit an die irdischen Dinge immer mehr und mehr verlieren, dass Gott uns unsere Sünden verzeihe, dass wir Gott lieben und bis an unseren Tod in seiner Gnade verharren. Amen. 

 

Zum heiligen Pankratius

 

Hilf mir durch deine Fürbitte, heiliger Junge, auf dass ich die Weisheit des Himmels, die du durch dein Beispiel gelehrt hast, recht und vollkommen lerne, nämlich lieber alles verlieren zu wollen, als Christus. Teurer als alle Schätze und Freuden der Welt sei mir Christus, damit ich nur in seiner Liebe lebe und sterbe. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Herrliche Lobsprüche legt der heilige Germanus der seligsten Mutter Gottes in seinen Reden bei: er nennt sie "Trost der Christen, die mächtigste Ermunterung der Betrübten, die allzeit bereite Zuflucht der Sünder". Durch sie gelangt man zur Seligkeit, wird von den Übeln befreit, und erhält die Gnade. Sie hat ein mütterliches Zutrauen und Fürbitte bei ihrem Sohn, und macht uns, die sich nicht getrauen den Himmel anzuschauen, ihm angenehm, erwirbt uns bei ihm das Heil und errettet uns von der Hölle.

 

13. Mai

 

Unsere Liebe Frau vom heiligsten Sakrament

 

Der heilige Servatius, 10. Bischof von Tongern und Maastricht,

+ 13.5.384 - Fest: 13. Mai

 

Vom heiligen Servatius, Bischof von Tongern, wird erzählt, dass er den heiligen Athanasius, als der vom Kaiser nach Gallien verbannt worden war, ehrenvoll aufnahm und dem Verfolgten großmütig alle Beihilfe angedeihen ließ; ferner, dass er auf dem Konzil von Sardica (347) einen heiligen Eifer für den Glauben der Kirche bewies. Er war auch unter der Zahl der auf Befehl des Kaisers Constantius zu Rimini versammelten Bischöfe und widersetzte sich mit aller Kraft dem Streben der Arianer. Da sich die rechtgläubigen Bischöfe durch ein verfängliches Glaubensbekenntnis von den Irrlehrern hatten hinters Licht führen lassen, versuchte Servatius nach Kräften den Fehler wieder gut zu machen und den Übeln vorzubeugen, die daraus entspringen konnten. Seinem Gebet, seiner liebreichen, zum Herzen dringenden Belehrung gelang es, gar viele der Verführten wieder mit der Kirche zu vereinigen.

 

Wie der heilige Gregor von Tours schreibt, sagt Servatius den Einfall der Hunnen in Gallien vorher und versuchte den göttlichen Zorn durch Wachen, Fasten, Tränen und Gebete zu besänftigen. Bald darauf erschienen die Barbaren wirklich am Rhein, und es war kein Heer da, welches das Land gegen ihre furchtbare Macht hätte beschützen können. In dieser Not versammelten sich die Bischöfe und Edlen Galliens, einen heiligen Mann zum Grabe der Apostelfürsten in Rom zu entsenden, damit er ihre Fürbitte für das bedrohte Vaterland erflehe. Die Wahl fiel auf Servatius, der sich der weiten und gefahrvollen Reise bereitwillig unterzog. Der eilige betete drei Tage und Nächte in der Kirche der Apostel, ohne zu essen und zu trinken oder sonst wie seinem Körper eine Erholung zu gönnen. Schließlich übermannte den Übermüdeten der Schlaf, und nun sah er im Traum einen strahlenden Thron, auf dem Christus selbst sich niederließ, umgeben von den Chören der Engel. Zu den Füßen des Heilandes knieten die Apostel Petrus und Paulus und schienen den Herrn inständigst zu bitten. Nach einiger Zeit erhob sich Petrus, ging zu Servatius heran und sprach: „Mann Gottes, warum hörst du nicht auf, mich zu drängen? Wisse, dass der Herr unabänderlich beschlossen hat, Gallien und andere Länder den Heiden preiszugeben, als Strafe für die Sünden der Christen, die zu ihm gen Himmel riefen. Kehre heim, bestelle dein Haus und lass dein Grab bereiten, denn deine Augen werden die Verheerungen nicht mehr schauen, die über Gallien hereinbrechen. Die Stadt Maastricht wird Gott deinetwegen verschonen, damit du Ruhe im Grab haben sollst.“

 

Dem göttlichen Willen demütig sich ergebend, trat Servatius ungesäumt die Rückreise nach Tongern an, kündete den Seinigen mit tränenden Augen das Gericht Gottes an, damit sie zu ernstlicher Buße bewegt würden, und traf sodann alle Anstalten zu seiner Grabesfahrt nach Maastricht. Geistlichkeit und Volk kamen zu ihm und baten wehklagend: „Heiliger Vater, verlass uns doch nicht, da der Feind vor der Tür ist!“ Servatius aber verwies sie auf den Ausspruch Gottes und ging nach Maastricht, wo er kurz vor dem Einfall der Hunnen selig entschlief. Das römische Martyrologium sagt, dass der Schnee, wenn er zur Winterszeit ringsum das Land einhüllte, doch niemals den Grabhügel des Heiligen bedeckte. Dieses Wunder konnte man lange Jahre sich wiederholen sehen, bis endlich eine Kirche über der Stätte erbaut wurde. Tongern wurde von den Hunnen so gänzlich zerstört, dass es nie wieder zu seinem alten Glanz sich erhob, während Maastricht verschont blieb, so dass die Nachfolger des heiligen Servatius fortan hier ihren bischöflichen Sitz nahmen.

 

Der selige Ellengar (Ellinger), Abt von Tegernsee,

+ 13.5.1056 (oder 18. Juni) – Fest: 13. Mai

 

Ob wohl alle, die in der Weltgeschichte einen großen Namen haben, wirklich die großen sind und wahrhaftig mehr geleistet haben als die ungezählten Kleinen, auf denen der Fluch der Bedeutungslosigkeit lastet wie ein druckschweres Zentnergewicht? Ob es nicht bei Gottes Endgericht einmal herauskommt, dass das arme Mütterlein im Winkel mit seinem Rosenkranz größeren Einfluss gehabt hat auf den Lauf der Weltgeschichte als ein Cäsar oder ein Napoleon? Die in der Welt die Verachtetsten waren und offenkundig in allem Missgeschick hatten, können leicht im Reich Gottes die Größten sein und manch einer der mächtigen Weltherrscher wird in der Ewigkeit ihnen dankbar die Hand drücken und ein kräftiges Vergeltsgott sagen müssen für das, was diese unbekannten Lenker der Weltgeschichte für sie an Gebet und Werken der Geduld aufgeopfert haben.

 

Ich meine, gar viele, die nach dem Jahr 1000 bis gegen die Mitte des 11. Jahrhunderts lebten und einen klangvollen Namen haben, müssen einmal im Himmel einen Dankbesuch machen beim seligen Abt Ellengar von Tegernsee. Dem ist auf Erden schier alles missglückt, was er begonnen hat; und wenn ihm irgendwo und irgendwann einmal etwas gelang, später hat es sich ein anderer zugemessen; am Ende seiner Mühen aber ist er gar noch da gestanden als ein Missetäter, bis man an seinem Grab erkannte, dass man einen Heiligen unschuldig verfolgt hatte.

 

Ellengar, Ellinger, mag zwischen 980 und 990 geboren sein. Er selber schreibt in einem Brief, dass er ein Landsmann des gelehrten Mönches Froumund von Tegernsee sei. Aber leider wissen wir dessen Heimat auch nicht. Zweifellos ist Ellengar am Hof eines Erzbischofs für das Priestertum herangebildet worden. Davon erzählt er selber in einem Brief, der nicht sehr lange nach dem Brand Tegernsees im Jahr 1035 geschrieben sein kann. Von diesem ungenannten Erzbischof – in Frage können nur kommen Bardo von Mainz, ein Verwandter der damaligen Kaiserin Gisela, Gemahlin Konrads II., oder Bischof Thietmar von Salzburg – war er zum Priester geweiht worden, hatte ihm als Kaplan gedient, und wenn Ellengar vom Jahr 1017 bis 1026 und noch einmal von 1031 bis 1041 als Abt von Tegernsee erscheint, mag ihn der ungenannte Erzbischof kraft seines Einflusses beim kaiserlichen Hof für jene verantwortungsvolle Stelle empfohlen haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist Ellengar vor seiner Ernennung zum Abt noch nicht Mönch gewesen, sondern hat erst kurz vor seiner Abtweihe Profess gemacht, ein Fall, der in jener Zeit nicht selten war. Für Ellengar war das hohe Amt mehr Bürde als Würde, denn die Mönche, die er zu Tegernsee antraf, waren zwar nicht eben schlimm, aber auch gerade keine Eiferer für das Gesetz des Herrn: und wie schwer man sich mit diesen lauen Leuten tut, kannst du dir unschwer vorstellen. Um so mehr Eifer scheint Ellengar selbst gehabt zu haben, denn alsbald hören wir in den Nachrichten aus jener Zeit von Klagen, die die Mönche über die Strenge des neuen Abtes erhoben. Unter feindseligen Menschen, deren verärgerte Stimmung deutlich aus ihren Mienen spricht, ruhig aushalten, ist anerkanntermaßen kein leichtes Stück. Vielleicht bist du schon selber in einer solchen Lage gewesen und kannst es dem armen Ellengar lebhaft nachfühlen, wie ihm mag zumute gewesen sein! Um so größer aber ist das Werk, so einer nicht nur gelassen auf dem harten Posten ausharrt, sondern sogar es sich angelegen sein lässt aus den steinernen Herzen einen Funken von Eifer herauszuschlagen. Es muss als hohe Ruhmestat Ellengars gepriesen werden, dass sich unter seiner Regierung Zucht und Ordnung im Kloster bedeutend hoben. Eines der Mittel, die er anwandte, darf nicht verschwiegen werden: er lenkte den Sinn der Mönche auf das Studium hin, das die Seele vor vielen Schäden bewahrt. Mit Ellengar hebt die Blütezeit Tegernsees auf dem Gebiet der Wissenschaften an, auf dem von allen Gelehrten die bleibende Bedeutung des Klosters gesucht wird. Der Abt gründete nämlich eine neue Schule. Als kluger, wohl rechnender Mann sorgte er auch dafür, dass die neue Schöpfung nicht so rasch verfalle: er legte es dem frommen Ritter Adalbero von Sachsenkam nahe, durch eine ausreichende Stiftung für den Bestand der Schule zu sorgen. Auch von Kaiser Heinrich dem Heiligen erbat er sich Spenden für diesen Zweck und erhielt sie auch. Aber das alles zählte nichts in den Augen jener Mönche, die für ein strengeres Klosterleben nicht zu haben waren. Für seine Mühen statteten sie ihm einen sonderbaren Dank ab: sie hetzten in so geschickter Weise gegen ihn und brachten es schließlich fertig, dass er von den geistlichen und weltlichen Vorgesetzten seines Amtes enthoben wurde. Und nun zeigte sich die Größe seiner Seele. Er hätte dem undankbaren Tegernsee den Rücken kehren können – hättest du es in seiner Lage nicht getan? Ellengar bewies aber, dass ihm das Gebot der Feindesliebe nicht bloß auf den Lippen schwebte, sondern ins Herz gewachsen war. So blieb er also in Demut als einfacher Mönch zu Tegernsee und machte sich dort seinen Feinden nützlich, insonderheit durch Abschreiben von Büchern. Fünf Jahre verbrachte er in dieser Trübsal. Soll uns das nicht ein kraftvoller Antrieb sein, in Geduld und Demut auszuharren, wenn wir etwa auch einmal von unseren Feinden, Gegnern, Neidern in ein armseliges Winkelchen gedrückt werden und dort länger uns bescheiden müssen als uns lieb sein kann? Wie oft kommt es im Leben vor, dass einer um seine gute Stelle gebracht wird von missgünstigen Leuten. Dann mag er sich getrösten, dass er das gleiche Schicksal erlitten hat wie der selige Ellengar. Mag er dann auch stark sein und seine Sache Gott befehlen wie er!

 

Denn nicht immer kann man sich mit Sicherheit damit trösten, dass auf Regen Sonnenschein folgt. In trüben Sommern reißt wohl manchmal der Nebelschleier und die kraftvolle Sonne macht uns frohe Hoffnung auf viele lichte Tage. Aber bald ziehen die alten drohenden Wolken wieder am Horizont herauf und sagen uns, dass wir zum Dulden ebensogut geboren sind wie zur Freude. So war es auch in Ellengars Leben. Im Jahr 1031 wurde Ellengar wieder in seine Rechte als Abt von Tegernsee eingesetzt, um doch nach zehn Jahren wieder abgesetzt und vertrieben zu werden. Zunächst entfaltete er in Tegernsee und Benediktbeuren eine reiche Tätigkeit als Wiederhersteller der klösterlichen Lebensordnung. Aber auch um die zeitliche Wohlfahrt der ihm anvertrauten Herde kümmerte er sich ohne Unterlass. Indes gerade in dem Augenblick, da das Kloster glänzend dastand, zeigte sich, dass Ellengar zu den Lieblingen Gottes gehörte, die durch Leiden sich ihre herrliche Krone verdienen müssen: im Jahr 1035 brannte sein schönes Kloster gänzlich ab. Was man den Flammen entriss, raubten im folgenden Jahr die Diebe. Ellengars Lebenswerk war vernichtet. Und wäre es bloß dies gewesen! Die alten Feinde des eifrigen Abtes standen wieder auf und versuchten ihn zu stürzen. Sie behaupteten, die Schuld am großen Brandunglück trage er. Leider hatten sie nur allzu großen Erfolg. Der Bischof von Freising, der Erzbischof von Salzburg und endlich Kaiser Heinrich III. ließen sich von den Anklägern so gegen Ellengar einnehmen, dass er sich umsonst verteidigte. Er wurde am 3. Oktober 1041 wieder abgesetzt. Nun muss dabei eins eigens festgehalten werden: während der Zeit, da seine Feinde gegen ihn gehetzt und seinen Sturz betrieben hatten, war er nicht müßig gewesen. Er hatte Kloster und Kirche neu gebaut. Und nun ein solcher Dank für alle seine Mühen! Der harte Spruch seiner Richter verlangte von ihm überdies, dass er die Stätte seines Wirkens verlasse und in die Verbannung nach Niederalteich an der Donau gehe. Dort lebte er noch fünfzehn Jahre in stiller Zurückgezogenheit. Neben Gebet und anderen geistlichen Übungen widmete er sich abermals der Fertigung von Handschriften. Gott gab ihm noch den Trost, dass er in seinem Todesjahr in seine Klosterheimat zurückkehren konnte. Jetzt erst erkannten die Mönche von Tegernsee, dass sie einen heiligen Dulder verfolgt hatten und säumten nicht, ihm die gebührenden Ehren zu erweisen, umso mehr, als an seinem Grab besondere Gebetserhörungen stattfanden.

 

Von Ellengar mögen wir lernen den erhabenen Königsweg des Kreuzes zu gehen, weil er der sicherste von allen Himmelswegen ist. Wer ihn gehen darf, ist so recht ein vertrauter Freund Gottes. Ein solcher arbeitet nicht für sich allein, sondern muss durch geduldiges Ertragen seiner Misserfolge vielen Seelen Gnade vor Gott verdienen, dass sie nicht verloren gehen. Beim Gericht wird die Welt mit Staunen zu ihnen aufblicken und sagen: „Die sind es, die wir verachtet haben, siehe, wie sind sie gezählt unter die Heiligen Gottes!“

 

Ellengar wurde im Jahr 1236 seliggesprochen.

 

Der heilige Johannes der Stillschweigende,

Bischof von Colonia und Einsiedler in Palästina,

+ 13.5.558 – Fest: 13. Mai

 

Dieser Liebhaber des Stillschweigens und der Einsamkeit war im Jahr 454 zu Nikopolis in Armenien geboren. Schon als Kind verlor er seine Eltern und erhielt hierdurch große Güter, die er aber zu frommen Zwecken verwendete.

 

Als er achtzehn Jahre alt war, erbaute er eine Kirche zu Ehren der allerseligsten Jungfrau, und ein Kloster, in das er sich mit zehn anderen einschloss, die ebenso gottesfürchtig wie er leben wollten. Gebet, Arbeit und Schweigen waren die Hauptaufgaben, die er ihnen und sich selber stellte. In Demut und Abtötung lebten sie ihre Tage dahin.

 

Obwohl erst achtundzwanzig Jahre alt, erhob ihn der Bischof von Sebaste, der die Tugenden des Johannes erkannte, auf den bischöflichen Stuhl von Colonia in Armenien. Hier setzte er sein einfaches, demütiges, enthaltsames Leben fort wie ehedem im Kloster. Neun Jahre lang stand er seinem hohen und schweren Beruf vor, sorgte für die Notleidenden, beförderte durch Wort und Werk die Frömmigkeit seiner Anbefohlenen, insbesondere die Marienverehrung. Da siegte in ihm die Liebe zur Einsamkeit über die Hirtensorge. Er legte das Bistum nieder, besuchte die heiligen Orte in Jerusalem und zog sich dann in die Genossenschaft des heiligen Sabas zurück, die in der Nähe wohnte und einhundertfünfzig Einsiedler zählte.

 

Hier erhielt er nun die Obsorge über die Fremden und Pilger. Bald danach aber wurde ihm gestattet, in gesonderter Einsiedelei zu leben. Hier machte er neue Fortschritte in Fasten und Abtötung. Nur zweimal in der Woche begab er sich zum gemeinschaftlichen Gebet in die Gesellschaft der übrigen Einsiedler. Sein Stillschweigen hielt er in seiner Abgeschiedenheit wie im Umgang strenger als je. Ja er steigerte später diese Übung, die zur Geistesversammlung sehr viel beiträgt, noch höher, und lebte später vier Jahre lang ohne mit einem Menschen zu reden, als mit dem, der ihm Nahrung brachte. 

 

Gebet am 13. Mai

 

Du, Maria, bist die Mutter der Barmherzigkeit, und verstößt keinen Sünder, der Vertrauen zu dir hat, so elend er auch ist. Du bist die reinste Braut des Heiligen Geistes, besitzt seine ganze Liebe, und alles, um was du ihn bittest, gewährt er dir. Ach bitte ihn für mich, dass er mir meine vielfältige Untreue, meinen Leichtsinn und den Missbrauch seiner Gnaden verzeiht, mein Herz zerknirscht und in ihm das Feuer der göttlichen Liebe entzündet, mich stärkt in allen Versuchungen, mich entflammt zu Tugendübungen und guten Werken, und mich bis ans Ende im Stand der Gnade erhält. O Maria, liebevollste Mutter, dies hoffe ich von dir, dies erwarte ich von deiner Güte, und will dir dafür dankbar sein zeitlich und ewig. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Johannes

 

O Gott, der du dem heiligen Johannes eine so große Liebe zum Stillschweigen verliehen hast, verleih uns auf seine Fürbitte die Gnade, die Zeit zu schweigen zu beobachten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Rom hat am heutigen Tag im Jahr 607 Papst Bonifatius IV. den von Markus Agrippa 25 Jahre vor Christi Geburt erbauten herrlichen Tempel, Pantheon genannt, von allen Götzenbildern gereinigt, und zur Ehre der seligsten Jungfrau und aller heiligen Märtyrer eingeweiht. Diese Kirche wird wegen ihrer runden Form alla Rotonda genannt, ist sehr schön, und so breit als hoch.

 

14. Mai

 

Der heilige Bonifatius, Martyrer zu Tarsus in Cilicien,

+ 14.5.290 - Fest: 14. Mai

 

Der heilige Bonifatius, dessen die Kirche heute gedenkt, ist nicht zu verwechseln mit dem anderen Bonifatius, dem Apostel der Deutschen. Sodann ist von dem heutigen Bonifatius zu berichten, dass er zu den „Drei Gestrengen Herren“ gehört. Was soll das heißen?

 

Schau, wenn sich um diese Jahreszeit die Sonne wieder kräftiger durchdringt, so lösen sich unter ihren wärmenden Strahlen hoch im Norden mächtige Blöcke vom ewigen Eis, di als sogenannte Eisberge hinaus ins Meer fahren und für Europa noch einmal kurz vor dem Sommer gerade zu der Zeit Nachtfröste bringen, da in der Natur weitgehend die Blüte eingesetzt hat, und wenn darüber der Frost kommt, so kann es um die Ernte geschehen sein.

 

Die Maifröste sind daher sehr gefährlich und sehr gefürchtet. Gewöhnlich treten sie am 12., 13. und 14. Mai auf, und weil die Bauern im Mittelalter die Wetterregeln nach den Heiligen benannten, erhielten die drei Heiligen, deren Fest auf die erwähnten Tage fällt, den Namen die „Drei Gestrengen Herren“. Auch heißen sie wohl die „Eisheiligen“. Das ist natürlich nicht so zu verstehen, dass man den drei Heiligen die Schuld an den Nachtfrösten gab, im Gegenteil, man rief vielmehr ihre Fürbitte dagegen an, aber die unguten Namen sind nun einmal an ihnen hängengeblieben.

 

Die „Drei Gestrengen Herren“ sind der heilige Pankratius, von dem vorgestern erzählt wurde, ferner der heilige Servatius, ein ehemaliger Bischof von Maastricht im heutigen Holland, und drittens der heilige Bonifatius, der die Dreierreihe der Eisheiligen schließt. Von morgen ab ist daher mit Nachtfrost kaum noch zu rechnen. Von morgen ab kann man auch Bohnen legen und Tomatensetzlinge ins Freie pflanzen.

 

Vom heiligen Bonifatius heißt es, dass er anfänglich ein ausschweifendes Leben geführt habe. Was ist denn das, ein ausschweifendes Leben? Leute, die ein ausschweifendes Leben führen, brauchen an sich keine bösartigen Menschen zu sein, es sind im Gegenteil nicht selten gutmütige und gutherzige Frauen und Männer, aber es fehlt ihnen die Willensstärke. Leicht verfallen sie dem Trunk und der Sittenlosigkeit, und weil sie an ihrem schwachen Willen keinen Halt haben, fallen sie immer tiefer diesseits und möglicherweise auch jenseits vom Tod in den Abgrund hinab. Es sind bedauernswerte Menschen.

 

Bonifatius führte also anfänglich ein ausschweifendes Leben. Er hat zu viel getrunken, Glücksspiele hat er getrieben, und auch sonst war er nicht vorbildlich. Dazu wollte es das Unglück, dass er in seiner Stellung als Güterverwalter der Fürstin Aglae zu Rom eine Herrin über sich hatte, die keinen Strich besser war als er selbst. Allerdings muss man den beiden zugutehalten, dass sie es als Heiden nicht besser wussten, und auch das muss zu ihrem Lob gesagt werden, dass sie sich überaus mildtätig gegenüber den Armen und Notleidenden benahmen. Diese gute Eigenschaft mag ihnen wohl die Gnade der Bekehrung verschafft haben, denn der liebe Gott lässt keine gute Tat unbelohnt.

 

Die Bekehrung der beiden begann damit, dass die Fürstin Aglae zufällig von der Wunderkraft der Martyrerreliquien hörte. In Rom wurden die Christen damals nicht verfolgt, wohl aber in Kleinasien. Deshalb schickte Aglae ihren Güterverwalter dorthin, damit er ihr Reliquien beschaffe. Bonifatius reiste ab, gelangte nach Tarsus und kam gerade recht, um Zeuge eines richterlichen Verfahrens gegen zwanzig Christen zu sein, die gleich darauf heldenmütig für den Glauben mit schweren Martern gequält wurden. Da schlug für Bonifatius die Gnadenstunde, und Gott zahlte ihm hundertfältig heim, was er den Armen Gutes getan hatte. Das Beispiel der Martyrer überzeugte ihn von der Wahrheit des christlichen Glaubens, und durch die Hilfe von oben gestärkt, brachte der bisher willensschwache Mann die Kraft auf, sich ebenfalls als Christ zu bekennen und sich den Helden bei zugesellen, mit denen er den Todesstreich empfing am 14. Mai 290. Auch die Fürstin Aglae bekehrte sich und führte bis ins hohe Alter ein vorbildliches Leben. Da hatte also den beiden das Wohltun reichliche Zinsen gebracht.

 

Gebet am 14. Mai

 

O Maria voller Gnade,

Hilf, dass mir der Feind nicht schade,

Dass ich möge nach der Zeit

In der ew`gen Seligkeit,

O du Krone der Jungfrauen,

Dich und deinen Sohn anschauen.

 

Zu Gott

 

Barmherziger Gott, verhüte es gnädig, dass deine Geduld uns im Sündigen dreister macht, sondern bewirke, dass wir vielmehr durch die Betrachtung deiner Langmut in deine Vaterarme zurückeilen, und von dir in Gnaden aufgenommen werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zum Sohn Gottes

 

Entzünde wieder, o Herr, in den Herzen deiner Kinder das heilige Feuer, das die ersten Christen durchglühte. Dies wäre das kräftigste Mittel, nicht nur unser eigenes Heil zu sichern, sondern auch unsere Brüder und Schwestern aus dem sittlichen Verderben zu retten. Bilde unter uns heilige Christengemeinden, damit deine Kirche in allen ihren Gliedern dich verherrlicht, und dereinst ewig sich bei dir erfreut. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der heilige Bischof Pomponius, dessen Fest man heute begeht, hat zu Neapel im Namen der seligsten Jungfrau Maria Major eine herrliche Kirche erbaut, wie in seinem Leben zu lesen ist. 

  

15. Mai

 

Maria, Trösterin der Betrübten

 

Der heilige Johannes Baptist de La Salle,

Priester und Ordensstifter von Frankreich,

+ 7.4.1719 - Fest: 15. Mai

 

Früher, vor dreihundertundfünfzig Jahren etwa, gab es wohl schon Schulen, aber wenige und bloß in den großen Städten. Weil die Lehrer in diesen Schulen im Gegensatz zu heute von den einzelnen Schülern ein hohes Schulgeld forderten, konnten nur die reichen Kinder am Unterricht teilnehmen. Den armen Kindern dagegen blieben die Türen zu den Schulzimmern verschlossen. Dass sich diese Zustände zum lebenslänglichen Nachteil der Ärmeren auswirken mussten, liegt auf der Hand; denn Wissen ist Macht, dachten die Reichen, und darum taten sie vielfach auch alles, was sie konnten, um die Armen in der Unwissenheit zu erhalten. Dumme Leute kann man nämlich leichter ausbeuten als gescheite.

 

Um diese Missstände abzustellen, haben zwei katholische Priester, die beide von der Kirche als Heilige verehrt werden, die ersten Armenschulen mit unentgeltlichem Unterricht gegründet, Joseph von Calasanza in Italien und Johannes Baptist de La Salle in Frankreich.

 

Am 30. April 1651 wurde Johann Baptist de La Salle, der Sohn eines adeligen hohen Staatsbeamten, geboren und mit siebenundzwanzig Jahren erhielt er die heilige Priesterweihe. Und bald darauf glaubte er sich von Gott berufen, „die Armen in der christlichen Lehre zu unterrichten und die jungen Leute auf dem Weg zur Wahrheit zu festigen“.

 

Daher gründete Johannes Baptist de La Salle zu Reims die ersten Freischulen. Gleich von Anfang an kamen viele Kinder. Es war ein Glück, dass sich neben den Schülern auch gutgesinnte Männer einfanden, die den Unterricht unter sich aufteilten und die sich später zu einem religiösen Orden vereinigten, zum Orden der Schulbrüder, der im Dienst der Kinder und Jugendlichen Unvergängliches leistete und immer noch leistet.

 

Der heilige Johannes Baptist de La Salle ist also dadurch für alle Zeiten ein großer Wohltäter der kleinen Leute geworden, dass er auch den Armen den Besuch der Schule ermöglichte. Doch die Kinder verdanken ihm noch mehr; denn er war es auch, der den Schülern den Unterricht um vieles leichter gemacht hat. Früher hatten es die Kinder in der Schule nämlich noch erheblich schwerer, als sie es heute haben.

 

Es war so, dass man gleich nach der Aufnahme in die Schule zuerst einige Wochen Latein lernen musste, und dann redeten die Lehrer nur noch Latein, fragten lateinisch ab, und die Schüler mussten auf Latein antworten. Da konnte man eben nur schwer mitkommen. Wie dankbar sollten daher die Kinder dem heiligen Johannes Baptist de La Salle sein, der als erster die Muttersprache im Unterricht einführte. Dadurch ist das Lernen sicher um vieles leichter und erfolgreicher geworden.

 

Der heilige Johannes Baptist de La Salle war es aber auch, der als erster den Kindern gute und tüchtige Lehrerinnen und Lehrer besorgt hat. Vorher war es mit den Lehrern schon so eine Sache. An eine besondere Ausbildung für den Lehrberuf dachte noch niemand. Lehrer wurde, wer sonst nichts werden konnte. Der Lehrerstand galt vielfach als die letzte Zuflucht arbeitsscheuer Menschen, die selbst kaum schreiben und lesen konnten. Weil diese unwissenden Lehrer selbst nicht viel wussten, konnten sie den Schülern auch nur wenig beibringen. Da hat der heilige Johannes Baptist de La Salle wieder durchgegriffen und hat als erster Lehrerschulen gegründet, in denen die Lehrerinnen und Lehrer erst selbst einmal fleißig studieren mussten und eine gute Ausbildung für den Lehrberuf erhielten. So ist es gekommen, dass heutzutage die Lehrerinnen und Lehrer sehr klug sind und deshalb auch aus Schülern kluge Leute machen können, allerdings nur dann, wenn die Schüler auch fleißig sind. Das ist die Voraussetzung.

 

Der heilige Johannes Baptist de La Salle, der am 7. April 1719 gestorben ist und den Papst Pius XII. im Jahr 1950 zum Patron aller Lehrerinnen und Lehrer erklärt hat, war also ein gottbegnadeter Schulmann, dem heute noch alle Kinder zu großem Dank verpflichtet sind.

 

Der heilige Isidor, Bauer und Bekenner von Madrid,

+ 15.5.1130 - Fest: 15. Mai

 

Der heilige Isidor, der um das Jahr 1100 lebte, war weder ein Großbauer noch ein Kleinbauer auf dem eigenen Land, sondern ein armer Pächter, der in der Nähe der spanischen Hauptstadt Madrid ein Gut bewirtschaftete. Nicht ein Hälmchen von all dem Gras und Korn, das auf den Äckern und Wiesen wuchs, war Isidors Eigentum, sondern das alles und auch das Vieh in den Ställen, die Pferde, die Kühe und die Kälber, die Ziegen und die Schafe, die Gänse und die Enten und die Hühner, all das gehörte dem reichen Baron von Vergas, der in Madrid ein großes Haus besaß. Isidor aber musste für den Herrn schuften auf dem steinigen, staubigen Boden unter der unbarmherzig brennenden Sonne des Südens, so dass er sich alle Tage im eigenen Schweiß badete und mit der Zeit das Aussehen einer gedörrten Birne annahm.

 

Wer so viel arbeiten muss wie Isidor, kann sich aber leicht selbst verlieren, indem er beim ständigen Arbeiten Gott und die eigene Seele vergisst und ein Sklave der Arbeit wird. Isidor entging der Gefahr dadurch, dass er jeden Tag in der Frühe zum Gottesdienst ging. Auch betete er sehr oft beim Arbeiten auf dem Feld und im Stall. Entweder verrichtete er Stoßgebete oder er kniete ein Weilchen vor einem der vielen Bildstöcke, die er an allen Enden des Gutes aufgestellt hatte.

 

Einmal verklagten neidische Nachbarn Isidor bei seinem Herrn und erzählten ihm, dass Isidor vor lauter Kirchengehen und Beten die Äcker und die Weiden verkommen lasse. So gut machten die üblen Hetzer ihre Sache, dass der Besitzer des Hofes ganz zornig wurde und in der Frühe des nächsten Tages den Pächter bereits erwartete, als er nach der heiligen Messe die Kirche verließ. Dort bekam er natürlich ein gewaltiges Donnerwetter von seinem Herrn zu hören. Isidor schwieg, und erst am Schluss der langen Strafrede bat er ihn, mit ihm auf das Feld zu gehen. Widerwillig ging der Pachtherr mit Isidor aufs Feld, und als die beiden am Ziel ankamen, sah Baron von Vergas auf dem Acker ein Gespann mit weißen Zugtieren, das, von einem Engel geführt, in geraden, tiefen Furchen den Boden auflockerte.

 

Das ist die erste Legende aus dem Leben des heiligen Isidor, deren Sinn darin zu liegen scheint, dass Gott denjenigen, der gut und gerne betet, bei der Arbeit nicht im Stich lässt.

 

Nun kommt die zweite Legende an die Reihe, die ebenso schön ist wie die erste.

 

Obwohl Isidor arm war, gab er trotzdem noch ärmeren Menschen von seinem Wenigen etwas ab. Kein Bettler entfernte sich unbeschenkt von seiner Tür. Selbst zu den Tieren war der gute Mann voll Barmherzigkeit.

 

Einmal ging Isidor in Begleitung eines Nachbarn mit einem Sack Getreide auf dem Rücken zur Mühle, um das Korn mahlen zu lassen. Es war mitten im Winter, und der Schnee bedeckte fußhoch den Boden. Da sah der Heilige auf einem Baum am Weg etwa hundert hungernde Vögel. Der Anblick tat seinem feinfühligen Herzen weh. Mit einem Ruck entledigte er sich seiner Last, räumte mit den Händen den Schnee weg, griff tief in den Sack und streute den Vögeln reichliches Futter hin. Als ihm dann der Begleiter, ein hartherziger Mann, sein Tun tadelte und ihn ausschimpfte, lachte der Heilige nur, ohne ein Wort zu entgegnen. Wie aber musste der Nachbar staunen, als es sich nachher zeigte, dass der Müller aus Isidors halbem Sack zwei Säcke voll von feinstem Mehl mahlte, während der eigene volle Sack Korn nur einen halben Sack schlechtes Mehl ergab.

 

So berichtet, wie gesagt, die Legende, Gott wollte durch das Wunder zeigen, wie angenehm es in seinen Augen ist, wenn sich die Menschen auch gegenüber den Tieren barmherzig erweisen. Und wer dies recht bedenkt, kommt von selbst zu der Einsicht, dass die Tierquäler in Gottes Augen so richtig Böses tun.

 

Der heilige Isidor ist übrigens der Schutzpatron Madrids und der Bauern.

 

Die heilige Dympna von Irland, Prinzessin und Martyrin in Brabant,

+ 7. Jahrhundert – Fest: 15. Mai

 

„In Brabant wird heute gefeiert das Fest der heiligen Jungfrau und Martyrin Dympna, einer Tochter des Königs in Irland, die ihr Vater wegen des Glaubens Christi und Bewahrung der Jungfrauschaft hat enthaupten lassen.“ Soviel meldet das römische Marterbuch am heutigen Tag. Ihre Eltern waren Heiden. Sobald sie aber die Wahrheit des christlichen Glaubens erkannte, hat sie sich ohne des Vaters Wissen taufen lassen. Von derselben Stunde an verschwand in ihr alle Liebe zu irdischen Ergötzungen, Ehren und Gütern, und sie trachtete allein nach dem Ewigen. Nach dem Tod ihrer Mutter wollte der König, ihr Vater, zur zweiten Ehe schreiten. Die Prinzessin war überaus schön, anmutig und holdselig im Umgang, und der König selbst trug eine ungeziemende Liebe zu ihr. Daher verfiel er auf den unerhörten, gottlosen Gedanken, sie zur Ehe zu nehmen. Er hatte kein Bedenken, so etwas seiner Tochter zu eröffnen.

 

Ach, wie verleitet doch die unlautere Liebe, wenn man sich von ihr beherrschen lässt. „Wenn man sich von dieser verdammlichen Liebe einnehmen lässt,“ sagt der heilige Chrysostomus, „so wird man vom Satan in so schwere und viele Laster geführt, als der Satan nur verlangt.“ . . . „Wer lange darin verharrt, der fährt fort zu sündigen, so lange er lebt. Denn das unreine Feuer sagt niemals: Es ist genug.“ So lehrt der heilige Rupert.

 

Dympna erstaunte über eine so unnatürliche Absicht, und verwies dem Vater mit allem Ernst seine Vermessenheit. Der Vater ließ nicht nach, setzte ihr mit Schmeicheln, Liebkosen und Versprechen, endlich auch mit den heftigsten Drohungen zu, und das ohne Unterlass. Sie stellte ihm vor Augen, was sie nur konnte: das entsetzliche Ärgernis der Untertanen, die unaussprechliche Abscheulichkeit seines Vorhabens, die göttlichen Strafgerichte, die Verantwortung vor dem Richterstuhl Gottes, den bevorstehenden Tod der Sünde, und endlich die ganze Ewigkeit und den furchtbaren Tod der Seele durch die Sünde. Allein der betörte Vater wurde hierdurch nicht abgeschreckt, sondern sagte ihr voller Wut: „Du sollst, und du musst tun, was ich haben will. Es muss sein.“ Die keusche Prinzessin fürchtete also, er würde ihr Gewalt antun. Sie wendete demnach ihre Augen gen Himmel, rief Gott mehr mit Seufzen als Worten an. Dann sprach sie zum Vater: „Wenn es denn sein soll und muss, so erlaube mir einen Verschub von vierzig Tagen, damit ich alles richten kann, was zu einem so großen Werk vonnöten ist.“ Damit war der König ganz vergnügt, und gedachte nicht an das was die keusche Prinzessin suchte. Dympna berief alsobald Geribert zu sich, einen sehr frommen Priester, von dem sie getauft wurde, und fragte ihn um Rat, was diesmal zu tun wäre. Der Priester antwortete, es sei kein anderes Mittel übrig, als die Flucht. Er selbst wolle sie sicher führen in ein anderes Land. So war sie es zufrieden. Sie versah sich mit Geld, und machte sich in fremder Kleidung mit dem Priester und einem getreuen Diener in der Nacht vom Hof hinweg, bestiegen ein Schiff, und kamen unter göttlichem Geleit ganz glücklich nach Antwerpen. Von da begab sie sich in ein nahe gelegenes Dorf, Chelen mit Namen, ließ unweit davon in einem Gebüsch ein kleines Hüttlein für sich, und ein anderes für den Priester zurichten, wo sie ein mehr englisches als menschliches Leben führte.

 

Der Vater, als er von der Flucht seiner Tochter Nachricht bekommen hatte, raste und tobte vor Zorn einem wilden unbändigen Tier gleich, und schickte seine Diener in alle Gegenden, die Entflohene aufzusuchen. Weil aber alle Mühe vergebens war, setzte er sich selbst mit einem Gefolge Bewaffneter zu Schiff, und landete aus Verhängnis Gottes eben zu Antwerpen an. Da sandte er seine Diener in alle umliegenden Dorfschaften, seine Tochter zu erfragen. Zwei derselben kamen eben in das Wirtshaus, aus dem Dympna sich von Zeit zu Zeit ihre Nahrung bringen ließ. Als sie nun ihr Mittagessen, das sie daselbst genossen hatte, bezahlten, betrachtete der Wirt die Münze und sprach: „Ich habe solche Münzen schon mehrfach gesehen, weiß aber nicht, was sie eigentlich wert sind.“ Die Diener wurden aufmerksam und fragten, von wem er solche Münzen bekommen hätte? Der Wirt offenbarte, was er wusste. Die Diener mutmaßten allsogleich, diese fremde Person müsste eben diejenige sein, die sie suchten, erkundigten sich daher ganz genau wegen des Ortes ihres Aufenthaltes, liefen alsdann eilends zu dem König, und zeigten ihm alles an, was sie erfahren hatten. Der König, voller Freude, eilte ohne Verzug an den ihm angezeigten Ort, wo er auch seine Tochter wirklich angetroffen hat. Dympna erblasste anfangs und zitterte vor dem Anblick ihres Vaters, aber nachdem sie ihr Herz zu Gott erhoben hatte, fasste sie einen ganz bewunderungswürdigen Mut. Der Vater verwies ihr die genommene Flucht, und wiederholte sein altes gottvergessenes Begehren, befahl auch dem Priester Geribert, der eben dazu kam, er sollte Dympna zur Einwilligung bereden. „Was,“ sagte der fromme Priester, „ich soll zu einem so teuflischen Laster raten? Lieber will ich tausendmal sterben. Dir vielmehr, o König, rate, dich ermahne, ja dir befehle ich im Namen Gottes, dass du von deinem vermessenen Begehren abstehst, und den Zorn Gottes nicht mit Gewalt über dich ziehst.“ Hierüber wurde der König zornig über alle Maßen, stieß den Priester hinaus, und ließ ihn in Stücke zerhauen. Alsdann setzte er auf ein Neues seiner Tochter sowohl mit Schmeicheln und Liebkosen, als mit entsetzlichem Drohen zu. Weil aber sie sich heldenmütiger als jemals widersetzte, und mit gen Himmel gewendeten Augen wiederholte, dass sie tausendmal lieber den Tod ausstehen, als in sein Begehren einwilligen wollte, kam der Vater in seiner Wut so weit, dass er einem seiner Bedienten befahl, ihr das Haupt abzuschlagen, sowohl weil sie eine Christin war, als weil sie dem Vater nicht gehorsam sein wollte.

 

Einige schreiben, der Vater selbst habe sie ermordet, weil die Bedienten eine solche Untat nicht ausüben wollten. Gewiss ist, dass sie durch das Schwert ihr Leben geopfert hat. Der gottvergessene Mörder ließ die zwei Leiber in ihrem Blut liegen und gingen davon. Die benachbarten Einwohner des Dorfes haben beide mit allen Ehren begraben, und Gott verherrlichte ihr Grab durch Wunderwerke. Das bewog die Geistlichkeit, ihre heiligen Leiber zu erheben. Da man nun die Erde ausgeworfen hatte, traf man zwei aus weißem Marmor gehauene Särge an, von denen man zuverlässig hält, sie seien nicht von Menschen, sondern von Engeln verfertigt worden. In dem einen lag der Leib des heiligen Geribert, den man anfangs in die Stadt Xanten, später nach Sohnbek im Klevischen gelegen überbracht hat. In dem anderen war der Leib der heiligen Dympna. Der verblieb zu Chelen so lange, bis nach einigen Jahren der Bischof von Kammerich ihn abermals hat erheben, in einen von Silber und Gold ausgearbeiteten und mit kostbaren Steinen besetzten Kasten mit aller Ehrenbezeigung hat legen, und in eine zur Gedächtnis der heiligen Martyrin erbauten Kirche hat übersetzen lassen. Man pflegt diese heilige Jungfrau und Martyrin vorzustellen, wie sie an einer Kette den bösen Geist gefesselt hält, anzuzeigen die große Gewalt, die ihr Gott über die bösen Geister gegeben hat, weil bei ihrem Grab sehr viele Besessene befreit worden sind.

 

Gebet am 15. Mai

 

O Maria, Mutter Christi, ich komme zu dir in tiefster Ehrfurcht und mit kindlichem Vertrauen. Du hast Christus geboren, den großen Propheten, das Licht der Welt: o, bitte für mich, dass ich stets im Licht des Glaubens lebe und alle meine Christen- und Standespflichten gewissenhaft erfülle. Du hast Christus geboren, den König des Himmels und der Erde, dessen Reich ewig währt: o, erlange mir die Gnade, dass ich ein guter Untertan deines Sohnes bin und ihm anhange in unwandelbarer Liebe und Treue bis zu meinem letzten Atemzug. Du hast Christus geboren, den Hohenpriester in Ewigkeit, der sich für die sündige Welt am Kreuz geopfert, und der sein blutiges Opfer alle Tage bis zum Ende der Zeiten auf unseren Altären unblutiger Weise erneuert: o, wende deine barmherzigen Augen zu mir und bitte deinen Sohn, dass er mir und allen Menschen die Früchte seines großen Opfers in Gnaden zuwenden wolle. O Mutter Christi, verlass mich nicht, bis ich einmal so glücklich bin dich mit den Heiligen im Himmel zu preisen. Amen. 

 

Zu Gott

 

Gib uns, o Gott, den Geist, den du dem heiligen Isidor gegeben hast, damit wir dich durch unsere Arbeit ehren, deinen Segen empfangen und uns heiligen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zum Heiligen Geist

 

Lehre uns, o göttlicher Geist, die himmlischen Wahrheiten ernsthaft und unablässig betrachten, damit sie tief in unsere Herzen sich einprägen, und wir jeden Tag inniger mit Gott vereinigt, allen Anhänglichkeiten an das Irdische entsagen, um einst den Gefahren dieser Welt entronnen, in Zuversicht das Ewige zu besitzen. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Sophia

 

Verleihe uns, o Gott, auf die Fürbitte der heiligen Sophia, dass wir unseren Glauben standhaft bekennen und nach ihm leben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

 Am heutigen Tag im Jahr 1550 hat Heinrich II., König in Frankreich, der Hauptkirche zu Boulogne, die wegen vieler dort durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau gewirkten Wunder berühmt ist, ein sehr schönes Mutter-Gottes-Bild und vier große Ampeln, von kunstvoller Arbeit aus Silber, verehrt.

 

16. Mai

 

Der heilige Andreas Bobola, Priester in Polen,

aus der Gesellschaft Jesu, Märtyrer,

+ 16.5.1657 – Fest: 16. Mai

 

Der heilige Andreas wurde 1590 in der Grafschaft Sandomir geboren. Er war der Spross einer erlauchten Familie Polens, die sich von jeher durch ihre treue katholische Gesinnung ausgezeichnet hatte. Daher erhielt auch der kleine Andreas eine echt christliche Erziehung und legte bald eine tiefe Frömmigkeit und Tugend an den Tag. Gott belohnte ihn dafür mit der Gnade des Ordensberufes. Neunzehn Jahre alt, trat er in das Noviziat der Jesuiten in Wilna ein und entfaltete hier einen beharrlichen Eifer Christus ähnlich zu werden in Armut und Verdemütigung, Kreuz und Leiden. Nach Ablegung der ersten Gelübde studierte der heilige Andreas sieben Jahre Philosophie und Theologie und lehrte zwei Jahre an einem Gymnasium der Gesellschaft Jesu mit großem Geschick und segensreichem Einfluss auf die Erziehung der Jugend. Im Jahr 1622 zum Priester geweiht, wirkte er zuerst in Wilna mit hingebendem Seeleneifer an der Bekehrung der Sünder und Irrgläubigen. Als die Stadt von der Pest heimgesucht wurde, nahm Bobola sich in so opferwilliger Liebe der armen Kranken an, dass er zuletzt selbst von der Seuche ergriffen wurde. Gott hatte ihm aber einen glorreichen Tod vorbehalten. Er war nun mehrere Jahre lang Oberer der Jesuiten in Bobruisk an der Beresina und erhielt dann als Wirkungskreis Podlesien. Diese Provinz sollte zwei Jahre hindurch der Schauplatz seiner großen apostolischen Arbeiten und schließlich auch seines ruhmvollen Todes sein.

 

Polen war damals von endlosen Wirren und Kämpfen heimgesucht, die im Grunde genommen um die Religion ausgefochten wurden. Besonders suchte das russische Schisma mit Gewalt über Polen und die katholische Kirche Herr zu werden. Kosaken und Moskowiter (Stockrussen) fielen immer wieder in Polen ein und suchten auf ihren Streifzügen besonders die Klöster als die Hauptstützen der katholischen Kirche zu vernichten. Viele Priester und Ordensleute, darunter 30 bis 40 Jesuiten, fielen als Opfer der Kosaken für ihren Glauben. Unter solchen Verhältnissen nun entfaltete der heilige Andreas die eifrigste Aposteltätigkeit. In mühevollen Wanderungen zog er von Ort zu Ort. Wasser und Brot war oft seine einzige Nahrung, der freie Himmel sein Obdach. Gott segnete die Arbeiten und Mühen seines Dieners mit reichem Erfolg. Verstockte Sünder bekehrten sich, die Guten strebten eifriger nach Vollkommenheit und viele Schismatiker kehrten zu katholischen Glauben zurück. Bei den Feinden erregte der eifrige „Seelenjäger“, wie man ihn nannte, durch diese Bekehrungen grimmige Wut, und sie beschlossen, ihn vor allen anderen unschädlich zu machen. Eine Horde Kosaken machten sich auf, den verhassten Pater zu fangen. Sie fanden ihn auf einem Weg bei der Stadt Janow. Der Blutzeuge erhielt zwei heftige Hiebe auf die Schultern, die ihn zu Boden warfen. Sofort wurde er wieder emporgerissen, an einen Baum gebunden und mit den schweren russischen Knuten so unmenschlich gegeißelt, dass das Blut in Strömen zu Boden rann. Nachdem sich so die erste Wut der Rotte entladen hatte, hieben sie ihm zähe Ruten solange um den Kopf, bis die Knochen bloßlagen. Mit dieser Dornenkrone geschmückt, wurde nun der heilige Andreas nach Janow geschleppt. Man suchte ihn zu bewegen, zum Schisma überzutreten. Er aber ermahnte und beschwor die Kosaken, zum katholischen Glauben zurückzukehren. Voll Zorn darüber versetzte ihm der Anführer einen furchtbaren Säbelhieb, den der Pater mit dem Arm auffing. Verwundet sinkt er zu Boden und beteuert für seinen Glauben leiden und sterben zu wollen. Das zum Himmel erhobene Auge des Betenden ärgert einen der feigen Henker, und ein Dolchstoß beraubt ihn des Auges. Alles das war nur der Anfang noch schrecklicherer Grausamkeiten.

 

Der Martyrer wurde jetzt in eine nahe Schlächterei geschleppt und dort auf einer Bank ausgestreckt. Mit Fackeln von harzigem Holz brannten ihm die Unmenschen an Brust und Seiten die Haut ab. Mit teuflischem Hohn schnitt ihm einer der Mörder die Tonsur aus der Kopfhaut aus, und in ähnlicher Weise wurden seine priesterlichen Hände verstümmelt, um sie in seinem Blut „um so besser zu salben“. Diese Qualen überwand der Heilige mit der heldenhaftesten Geduld und wies alle Drohungen und alle Lockungen zum Abfall vom Glauben mit heiliger Standhaftigkeit ab. Alle Schmerzen entlockten dem Dulder nur immer innigere Gebete, die er in heldenmütiger Liebe wie der Heiland am Kreuz auch für seine Peiniger zum Himmel sandte. Diese unüberwindliche Sanftmut und Festigkeit steigerte die Wut der Kosaken zur Raserei. Sie schnitten ihm die Haut vom Rücken und pressten kleingehacktes Stroh in die Wunde. Sie trieben ihm spitze Holzsplitter unter die Nägel der Finger und Zehen. Sie verstümmelten ihm Nase und Ohren, und durch eine große Wunde im Nacken rissen sie ihm die Zunge heraus, das Werkzeug seiner Gebete und Predigten. Sie sahen das Herz des Sterbenden noch schlagen und trieben einen großen Nagel hinein, um es zum Stillstand zu bringen und ihm den letzten Tropfen Blut zu rauben. Noch schlagen sie mit Säbeln auf den gemarterten Leib ein, als die Engel seine Seele bereits im Triumph zum Himmel geleiten. Durch dieses grausame Martyrium, eines der entsetzlichsten, über das wir in der neueren Kirchengeschichte lesen, krönte der heilige Andreas Bobola am 16. Mai 1657 sein Leben.

 

Gott verherrlichte seinen heiligen Leib durch viele Wunder. Großes Aufsehen erregte die amtliche Eröffnung des Sarges im Jahr 1719. Die Leiche des Martyrers war nicht im Geringsten zersetzt, obgleich schrecklich verstümmelt. Dabei war er an einem feuchten Ort beerdigt, wo viel später begrabene Leichen schon ganz in Verwesung übergegangen waren, so auch die hölzernen Särge, der des Heiligen nicht ausgenommen, wie auch seine Kleider. Der Körper war vollkommen unversehrt, die Haut frisch und glatt, die Glieder nicht steif wie bei Toten, sondern biegsam und gelenkig. Im Volk breitete sich die Verehrung des heiligen Martyrers rasch aus, und durch die auffallendsten Erhörungen wurde der Zulauf zu seinem Grab so stark, dass die Apotheker von Pinsk darüber klagten, sie könnten ihre Arzneien nicht mehr verkaufen, weil alle Kranken zum Grab des Pater Bobola gingen und sich von ihm heilen ließen. Die Reliquien wurden 1803 nach Polock übertragen, wo sie 1920 von den Bolschewiken geraubt und in ein Museum nach Moskau gebracht wurden. Dem diplomatischen Geschick Pius IX. gelang es, die Reliquien zurückzuerhalten. Sie sind jetzt in der Kirche al Gesù in Rom. Am 20. Oktober 1853 erfolgte endlich die Seligsprechung durch Papst Pius IX. und die Heiligsprechung am 17. April 1938 durch Papst Pius XI. des glorreichen Blutzeugen, der eine glänzende Zierde der Kirche und der Gesellschaft Jesu ist.

 

Zehn Monate vor dem glorreichen Ende des heiligen Andreas Bobola, in diesen bitteren Verfolgungen, erlangten die Palme des Martyriums auch die Diener Gottes Norbert, Hippolyt, Anselm, Eustach und noch 18 bis 21 andere Brüder aus dem Orden des heiligen Johannes von Gott. Um den wahren Glauben zu bewahren, haben sie nach der Schlacht der Schweden und der Brandenburger gegen die Polen vom 28. bis 30. Juli 1656 unter den Händen der Irrgläubigen, teils Schweden, teils Moskowitern zu Warschau, Lublin und Lowitsch durch verschiedene Arten der Martern und Qualen das irdische Leben mit dem ewig glückseligen vertauscht.

 

Aus dem fruchtbaren Samen dieser ersten Martyrerblüten der Barmherzigen Brüder erstarkte der Orden in Polen zu einer großen Provinz mit vielen Spitälern, die 200 Jahre lang eine gesegnete Wirksamkeit entfalteten, bis sie schließlich in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts russisch-orthodoxer Unduldsamkeit zum Opfer fielen. Nur der dem russischem Einfluss entzogene Konvent zu Krakau erhielt sich und bildet jetzt (1928) mit drei anderen aus Schlesien zugeteilten Häusern wieder eine neu erstandene polnische Provinz.

 

Was gab dem heiligen Andreas und den übrigen Glaubenszeugen solche Heldenkraft? Die Liebe zu Jesus. „Blut und Leben für den König!“ Das ist das Geheimnis der starkmütigen Seelen. Darin liegt auch deine Kraft zu sittlicher Größe!

 

Gebet nach dem heiligen Andreas von Kreta am 16. Mai

 

O Mutter der Barmherzigkeit, besänftige durch dein Gebet den gerechten Zorn deines Sohnes, und erwirke bei ihm, dass er sich meiner erbarme und mich in meinen Nöten nicht verlasse. Als du auf Erden lebtest, nahmst du einen kleinen Raum ein, jetzt aber, da du im höchsten Himmel thronst, sieht dich die ganze Welt als die allgemeine Versöhnerin an. Weil du so gütig bist, dasjenige nicht zu verachten, wodurch ich dich zu ehren suche, so gewähre meinem, wenn auch schwachen Diensteifer den Beistand deines Gebetes, das mir wünschenswerter und kostbarer ist, als alle Schätze der Welt, deines Gebetes, das mich mit Gott versöhnt und mir reichliche Gnaden zum Fortschreiten in der Tugend erwirkt, deines Gebetes, das mich tröstet in jeglicher Not, die Anschläge meiner Feinde vereitelt und ihre Rüstungen überwindet. O Maria, auf dich setze ich mein Vertrauen, nach Gott gründe ich auf dich meine Hoffnung, verlass mich nicht im Leben und im Tod. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag ist der selige Simon Stock, sechster General der Karmeliten und sehr eifriger Diener der seligsten Jungfrau, zum besseren Leben, ungefähr 100 Jahre alt, verschieden. Er hat die erste Sabbats-Bulle, wie man erzählt, erhalten, ist vor und nach seinem Tod durch Wunder berühmt geworden, und zu Bourdeaux im Jahr 1265 gestorben. Der heilige Johannes von Nepomuk hat, wie man erzählt, das zeitliche Leben als ein Kind, und den glückseligen Martertod durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau erhalten.

 

17. Mai

 

Der heilige Paschalis Baylon,

Laienbruder und Bekenner von Villa Reale, Spanien,

+ 17.5.1592 - Fest: 17. Mai

 

Wenn die Mitte des Maimonats einmal vorüber ist und unter der warmen Sonne die Blumen zahlreicher und prachtvoller zu blühen beginnen, dann ist auch jenes Fest nicht mehr fern, das wir uns ohne Blumen gar nicht denken können, das heilige Fronleichnamsfest. Heute schon werden wir an die bevorstehende Großfeier erinnert, denn in der heiligen Messe begehen wir das Gedächtnis eines Heiligen, der in vorbildlicher Weise ein eifriger Verehrer des Heilandes im Tabernakel war und der deswegen später zum himmlischen Patron aller Verehrer des Allerheiligsten Altarsakramentes erklärt wurde. Es ist der heilige Paschalis Baylon.

 

In Spanien, wo Paschalis im Jahre 1540 geboren wurde, ist es Brauch, die Kinder nach den Heiligen oder nach den Festen zu benennen, welche an ihrem Geburtstag gefeiert werden. Weil nun der Heilige des heutigen Tages am Pfingstsonntag geboren wurde und das Pfingstfest auch Pascha Pentekostes, auf deutsch Hochostern heißt, nannte man ihn Paschalis. Paschalis bedeutet also den österlich-pfingstlichen Mann. Es ist das ein wirklich schöner Name.

 

Oster- und Pfingstmenschen müssten wir alle immer sein, wir, die wir vom Heiland erlöst wurden und vom Heiligen Geist geheiligt werden.

 

Paschal, der österlich-pfingstliche Mensch, nach seinem Heimatort Bayol zubenannt, war armer Leute Kind und musste, sehr jung noch, das Vieh hüten. Gern hätte er die Schule besucht, um lesen und schreiben zu lernen, aber für den Schulbesuch fehlten Zeit und Geld, und einen Schulzwang wie heute gab es damals noch nicht. Paschal wusste sich indessen zu helfen, indem er andere, die schreiben und lesen konnten, bat, es ihm beizubringen.

 

Beim Hüten achtete Paschal vor allem darauf, dass das Vieh auf dem Weg von und zur Weide nicht vom fremden Acker naschte. Geschah es trotz aller Vorsicht seinerseits doch, so hielt er den Besitzer des Feldes von seinem eigenen Lohn schadlos. So gewissenhaft beobachtete der Junge das siebte Gebot.

 

Als Paschal vierundzwanzig Jahre alt war, ging er ins Kloster und wurde Franziskanerbruder. Die Laienbrüder nehmen den Ordenspriestern, damit sie sich ungestörter dem Predigen und Beichthören widmen können, die Hausarbeiten ab, und dadurch tun sie etwas sehr Verdienstvolles. So hat es auch Paschal gemacht; er hat den Garten besorgt, Holz zerkleinert, gewaschen, geschneidert und den Küster- und Türdienst versehen. Vor keiner Arbeit hat er sich gedrückt, nur das Leid hat ihn manchmal arg gequält, dass er bei dem Übermaß an Arbeit, die er besorgen musste, zu wenig Zeit zum Beten fand. Das hat ihn geschmerzt, und deswegen hat er oft halbe Nächte betend durchwacht.

 

Vor allem war es der liebe Heiland im Sakrament, um den sich immerwährend bei Tag und Nacht die Gedanken des frommen Bruders in Andacht und Verehrung bewegten. Wo er ging und stand, was er tat und sagte, stets blieb sein Herz bei dem, dessen Liebe ihn beseligte und ausfüllte, und vielhundertmal im Tag grüßen Stoßgebete, heiß und innig, den guten Freund im Tabernakel. Sein Leben war wie eine ewige Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes. Es war ein schönes Leben, dieses Leben des österlich-pfingstlichen Menschen; es war ein glückliches Leben, glücklich für Zeit und Ewigkeit.

 

Damit auch uns solch ein schönes Leben in steter Vereinigung mit dem Heiland im Sakrament beschieden sein möge, beten wir heute mit der Kirche:

 

„O Gott, du ziertest deinen heiligen Bekenner Paschalis mit wunderbarer Liebe zu den hochheiligen Geheimnissen deines Leibes und Blutes, so gib in deiner Gnade, dass wir aus diesem göttlichen Mahl dieselbe Fülle des Geistes wie er schöpfen dürfen. Amen.“

 

Der selige Petrus Lieou, Gärtner und Katechet, Märtyrer in China,

+ 17.5.1834 – Gedenktag: 17. Mai

 

Die Kraft des christlichen Glaubens leuchtet in den Bekennern der neueren Zeit in derselben ungebrochenen Lebensfreude und Erhabenheit wie in den ersten Verfolgungen des römischen Heidentums. Nur ein Gefühl der Bewunderung kann uns erfassen, wenn wir das Lebensbild eines einfachen Mannes aus dem heidnischen Reich China vor unseren Augen erstehen lassen, der erst in schwerem Kampf mit seinen Eltern um den Glauben ringen muss, der um dieses Gutes wegen eine langjährige, entbehrungsreiche und leidensvolle Verbannung duldet und schließlich im hohen Alter noch freiwillig die Hände nach der Palme des Martyriums ausstreckt.

 

Kwej-Yang-Fu, die Hauptstadt der Provinz Kweitschou, ist der Geburtsort wie auch die Todesstätte des seligen Lieou oder, wie er auch genannt wird, Quen-Yen. Buddha war der Gott seiner Jugend und die Ahnen, die bei den Chinesen in fast göttlichen Ehren stehen, gaben seinem Streben die Ideale. Doch ließ ihm Gott bald die wahren, ewigen schauen. Ein seinem elterlichen Haus benachbarter Christ, Xaver Quang, hatte Lieou ob seiner trefflichen Eigenschaften liebgewonnen. Er zog ihn an sich, sprach gelegentlich über religiöse Dinge und zeigte ihm die Wahrheit des Evangeliums. Klar trat dem Jüngling die hohe Überlegenheit des Christentums über den Buddhismus entgegen. Gottes Gnade fand in dem unverdorbenen Herzen des jungen Mannes einen offenen Nährboden. Nachdem er einmal die Wahrheit erkannte, tat er auch den entscheidenden Schritt: er empfing die Taufe, obwohl er wusste, dass er sich dadurch den unversöhnlichen Groll seines stockheidnischen Vaters zuziehen würde. Dieser entlud denn auch seinen ganzen bisher den Christen geltenden Hass auf seinen „ungeratenen Sohn“. Bitten, Drohungen, Vorwürfe, Schläge und andere Unbilden wurden nicht gespart. Doch Petrus blieb Christ, und der Vater ergab sich schließlich.

 

Nach diesem ersten siegreich überstandenen Kampf erhoben sich andere mächtigere Feinde, die dem mutigen Streiter härter und länger zusetzten, die staatlichen Verfolger. Einige Zeit konnte Petrus, der das Gärtnereigeschäft betrieb, ungestört in seiner Vaterstadt leben. Wohl wurde er im Jahr 1797 als Christ bei der Behörde angegeben und, den Verordnungen gemäß, mit anderen Christen nach Peking in die Gefangenschaft gebracht. Seinem am kaiserlichen Hof einflussreichen Gönner Quang gelang es aber, ihm nach einigen Monaten die Freiheit wieder zu erwirken. Indessen setzte die Verfolgung Kaiser Kia-Kings 1811 erst mit ganzer Schärfe ein. Im dritten Jahr, wo sie am heftigsten um sich griff, wurde Lieou aufs Neue von einem Heiden angezeigt, in Ketten nach Peking gebracht und, weil er sich weigerte, dem christlichen Glauben zu entsagen, zusammen mit einer beträchtlichen Anzahl Leidensgefährten in die Verbannung nach der Tatarei geschickt.

 

Das war nun nicht ein einfaches Ausgewiesensein von der Heimat und den Angehörigen, es war Verurteilung zur Sklaverei in ihrer schlimmsten Art, ein Martyrium, das nicht nur Stunden und Tage, das viele Jahre hindurch mit körperlichen und seelischen Qualen auf die christlichen Dulder einwirkte und geeignet war, auch die Kräftigsten zu zermürben und, wenn nicht Gottes Gnade sie stützte, wankend zu machen. Lieous Herr war ein grausamer, herzloser Tatar, der seinen Sklaven mehr wie ein Tier als wie einen Menschen behandelte. Petrus litt Unsägliches, litt schweigend und geduldig, wie ein Christ, der den Geist Jesu Chisti vollkommen erfasst und in sich aufgenommen hat. Gütig verzieh er seinem Peiniger. Die schweren Misshandlungen erschütterten schließlich die Gesundheit Lieous so sehr, dass er krank und zur Arbeit unfähig wurde. Da war er dem Herrn nur mehr eine Last, die man abwirft. So lag der arme und doch glückliche Christ im dreizehnten Jahr seiner Gefangenschaft auf der Straße, frei, wie das ausgebrauchte Geschirr auf dem Scherbenhaufen, allein, hilflos, fern der Liebe der Seinen, unter Fremden, denen der Christensklave wertlos, nur der Verachtung wert war. Er wäre dem Verderben anheimgefallen, hätte nicht des himmlischen Vaters Güte über seinem Kind gewacht, um es zu noch größerer Prüfung, damit aber auch zu noch größerer Herrlichkeit zu berufen. Eine mitleidige Familie erbarmte sich des Verstoßenen, pflegte ihn und brachte ihn so wieder zu Kräften.

 

Um diese Zeit, 1827, erhob sich in der Tatarei ein Aufstand gegen den neuen Kaiser Tao-Kuang. Die Aussichten standen gut. Für die Christen wäre es eine günstige Gelegenheit gewesen, sich der Empörung anzuschließen und die Freiheit zu erringen. Doch von der Art sind wahre Christen nicht. Sie kennen nur den Weg des Rechtes, nicht den der bloßen Nützlichkeit. Die Urchristen in der römischen Arena grüßten die Kaiser und beteten für die, die sie zum Tode führten. Die Martyrer der Tatarei dachten nicht weniger edel. Sie standen treu zu den kaiserlichen Truppen, halfen ihnen zum Sieg und widerlegten so schlagend den Vorwurf der Treulosigkeit gegen Kaiser und Reich. Für solche Tugend klang auch im Herzen des Heiden eine Saite an. Tao-Kuang gab aus Dankbarkeit den verbannten Christen die Freiheit wieder. Frohlockend kehrten sie zu den Ihrigen zurück. Petrus Lieou konnte seine Gattin und zwei Söhne unter Tränen der Freude und dem Dankgebet gegen Gott in seine Arme schließen. Im Frieden des häuslichen Glückes heilten die Wunden der Verbannung, eine ruhige, ungestörte Zukunft schien dem in der Treue Erprobten gesichert. Aber eben diese Treue gegen Gott und den Kaiser hatte der wahre „Herr des Himmels“ mit einer köstlicheren, dauernden Krone zu belohnen beschlossen.

 

Eine Tat der Liebe gab den Anlass, dass der selige Lieou noch sein Leben dem Herrn zum Opfer hingeben durfte. Im öffentlichen Krankenhaus zu Kwej-Yang-Fu starb ein armer Christ. Der buddhistische Vorsteher traf Vorbereitungen, ihn nach seiner Art bestatten zu lassen, fand aber bei Petrus und seinen Söhnen und anderen Christen, die eine christliche Leichenfeier forderten, Widerstand. Darüber erbost, verklagte sie der Vorsteher wegen Störung der gesetzlichen Ordnung. Der Stadtpräfekt ließ sie ohne weiteres verhaften, nur Lieou wurde wegen seines hohen Alters – er zählte etwa vierundsiebzig Jahre – verschont. Das schmerzte aber den guten Mann, der das Los seiner Kinder teilen und sie in der Standhaftigkeit bestärken wollte. So nahm er Abschied von seiner ihm gleichgesinnten Frau und versuchte in das Gefängnis der Christen Einlass zu bekommen. Doch die Wächter wiesen ihn ab. Nun mischte er sich als Gärtner, mit einem Korb Gemüse am Arm, unter die Verkäufer, die täglich den Gefangenen Nahrung brachten. Schon eingelassen, wurde er aber von einem Soldaten erkannt und verhaftet. Zum dritten Mal trug der Mutige jetzt um des Namens Jesu willen die Fesseln. Werden sie ihm diesmal die lang ersehnte Gnade des Todes für seinen Herrn und Gott bringen? Freudig und trostvoll sah er ihm entgegen. Doch ist das noch die Sprache eines Menschen oder die des Geistes von oben, den ja der Heiland denen versprochen hat, die seinetwegen vor den Richterstühlen stehen werden? Als der Mandarin den greisen Bekenner fragte, weshalb er denn in das Gefängnis eingedrungen sei, gab dieser die treffende Antwort: „Wenn es ein Verbrechen ist, sich zur christlichen Religion zu bekennen, so bin ich schuldbarer als meine Söhne und muss daher wenigstens gerade so bestraft werden wie sie. Ich habe sie ja zu Christen gemacht, denn ich habe sie in der christlichen Religion unterrichtet. Es falle daher die Strafe auf mich. Bin ich aber nicht strafbar, so sind es auch meine Söhne und ihre Frauen nicht, und ihr müsst ihnen dann die Freiheit geben.“ Zehn schwere Backenstreiche waren die Strafe für die freimütige Sprache. Der Selige aber dankte den Soldaten für die erhaltenen Schläge. Noch verwunderlicher war es, dass aus dem Gefängnis frohe Lieder erklangen. Die Soldaten staunten, Petrus aber verstand diese Töne. Sein Wort und Beispiel hat den Christen den Mut gestärkt und die Hoffnung auf die himmlische Freiheit mächtig gehoben. Bald traf sie das Urteil der Verbannung.

 

Willig und freudig nahmen die christlichen Gefangenen die Kunde von der Verhängung einer langen, schweren Leidenszeit auf. Einer nur war bis zur Vergießung von Tränen schmerzlich betrübt, Lieou, ihr verehrter Vater und Lehrer, der wiederum das Los seiner Söhne und Gefährten nicht sollte teilen dürfen. Wie wahr und innig konnte er darum flehen! „Du wirst nach Lan-Lou gehen,“ entschied der Richter. Nun war der treue Alte zufrieden. Der Weg nach Lan-Lou führte zur Richtstätte. Seinen altersmüden Füßen mutete man nur den kurzen Weg zum Ziel zu, seine jüngeren Freunde durfte er auf längerem, steinigem Aufstieg vertrauensvoll der Hand der gütigen Vorsehung überlassen. Sie zur Ausdauer und Beharrlichkeit immer wieder zu ermutigen, sich selbst aber auf das letzte Stündlein bestens vorzubereiten, benützte der edle christliche Lehrer die wenigen Monate bis zum Eintreffen der kaiserlichen Urteilsbestätigung. Am 17. Mai kam sie an. Sie lautete für Lieou auf sofortige Erdrosselung wegen Rückfalls in das Bekenntnis der christlichen Religion und Verbreitung derselben.

 

So stand der Selige wohlbereitet auf dem Höhepunkt seines schönen, opfer- und verdienstreichen Lebens. „Ich bin bereit“, das war auch sein letztes Wort auf dem Richtplatz, nachdem er sich kniend im Gebet dem Herrn zum Opfer gebracht hatte. Noch einmal drückte er sich das Zeichen der Erlösung auf Stirn, Mund und Brust, dann vollzog der Henker sein Werk und in kurzer Frist entrang sich die freie Seele dem gewaltsam entlebten Leib des Christen.

 

Doch siehe! Auch der Himmel will sein Wohlgefallen zeigen an der Glaubenstreue dieser neuen Heldenchristen. Noch hielten die Schergen den Strick in der Hand, da zeigte sich über dem Martyrer eine leuchtende Kugel. Staunend blickten alle in die Höhe und schauten, wie der wunderbare Lichtball sich langsam herniedersenkte, die Todesstätte umkreiste, über dem Seligen ruhen blieb, ihn mit sonderbarem Glanz übergießend und nach einigen Minuten verschwand. Vor Schrecken fast erstarrt, sahen Richter, Soldaten und Zuschauer das wunderbare Schauspiel. Doch noch mehr des Staunens! Ein schönes blendendweiß gekleidetes Knäblein trat zu dem Toten, trocknete mit weißem Linnen das Blut, das aus Mund und Nase träufelte und verschwand ungesehen, wie es gekommen war. Die Anwesenden ergriff nun eine allgemeine Panik. Erschreckt über diese unerklärlichen Ereignisse flohen sie eilends von der unheimlichen Stätte. Die Schergen, die nach zwei Tagen den Leib des Martyrers noch biegsam fanden, gestanden einander: „Es ist wunderbar, dieser Mensch scheint nicht tot zu sein.“ „Die christliche Religion ist gewiss eine gute.“ Das geschah im Jahr des Heiles 1834.

 

Der Ruf des Seligen verbreitete sich in der ganzen Gegend. Sein Grab wurde viel besucht, und Gebetserhörungen der verschiedensten Art verherrlichten den Martyrer. Hatte doch Gott selbst augenscheinlich seinen Diener bezeugt. Soll der Allmächtige, der in den ersten Anfängen des Christentums seinen Getreuen das Siegel der Beglaubigung so oft wunderbarerweise aufgedrückt hat, in den Heidenländern, denen erst in unseren Zeiten das Licht der Wahrheit zu leuchten beginnt, nicht gleich sieghaft seinen Namen unter den Völkern verherrlichen? Freuen wir uns des Wunderzeichens vom Himmel. An seiner Beglaubigung zu zweifeln, wäre nicht recht, da es ein Geschichtsschreiber berichtet, dem sichere Quellen und die Akten des Seligsprechungsprozesses, der im Jahr 1900 vollendet wurde, zur Verfügung standen.

 

Ehre dem Glaubenszeugen, Ehre dem treusorgenden Vater, der inmitten einer feindlichen Umwelt, sich selbst vergessend, das Seelenheil der Seinen zu sichern weder Gefahr noch Tod scheut! Der älteste Sohn starb kurz nach dem Vater noch im Gefängnis, der andere zog mit Frau und Schwägerin in die Verbannung. „Glückselig alle, die da fürchten den Herrn, die wandeln auf seinen Wegen! . . . Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock an den Wänden deines Hauses, deine Kinder wie Ölbaumsprossen um deinen Tisch herum. Siehe also wird gesegnet der Mann, der den Herrn fürchtet.“ (Psalm 127)

 

Gebet am 17. Mai

 

Würdigste Mutter unseres Herrn Jesus Christus, Maria, Königin Himmels und der Erde, die du den Schöpfer aller Kreaturen in deinem allerheiligsten Leib zu tragen verdient hast, dessen anbetungswürdigsten Leib ich heute genossen habe: würdige dich, o Königin der Engel, bei ihm mich zu vertreten, dass, wenn ich aus Unwissenheit, Nachlässigkeit oder Bosheit wider dieses heiligste Sakrament etwas begangen habe, dieses alles durch deine Bitten mir gütig verzeihe dein göttlicher Sohn Jesus Christus, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Paschal

 

O Gott, der du dem heiligen Paschal die Gefahren des Reichtums und die Vorteile der Armut hast zu erkennen gegeben, verleihe uns auf seine Fürbitte, dass wir nie nach den vergänglichen Gütern dieser Erde trachten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Auf den heutigen Tag wurde im Jahr 1319 der Orden der Olivetaner oder vom Berge Oliveto in Italien vom Papst Johannes XXII. unter der Regel des heiligen Benedikt gut geheißen. Der Stifter dieses Ordens, Bernardus Tolomei, der die wunderbare Herstellung seines Gesichts der Fürbitte der seligsten Jungfrau zuschreibt, setzte den Orden unter den Schutz der Mutter Gottes. Der Orden zählt zu dieser Zeit gegen 80 Abteien in Italien.

 

18. Mai

 

Der heilige Deogratias (hl. Felix von Cantalicio), Italien,

Laienbruder der Kapuziner,

+ 18.5.1587 - Fest: 18. Mai

 

Es gibt einen Heiligen, der so gar nicht in unsere Zeit hineinpasst: Der heilige Deogratias. Der Kapuzinerorden feiert sein Fest am 18. Mai. Natürlich hieß er nicht von Geburt an so, es ist ein Name, den die Leute ihm gaben, weil sie ihn passend fanden. Eigentlich hieß Deogratias Felix und war ein Bauernsohn. 1515 wurde er in der Nähe von Rom geboren und in seiner kleinen Welt gab es nicht einmal eine Schule. Felix konnte lebenslang weder lesen noch schreiben; trotzdem rühmte er sich, wenigstens sechs Buchstaben zu kennen, fünf rote und einen weißen. Die fünf roten waren für ihn die heiligen fünf Wunden Jesu, und der sechste war das Unbefleckte Herz Mariä. Das war die ganze Weisheit, über die Felix verfügte, aber sie reichte, um aus ihm einen Heiligen zu machen. Die Heiligkeit hängt also nicht unbedingt davon ab, dass man lesen und schreiben kann, wohl aber hängt sie davon ab, dass man von Jesu Wunden die Geduld und vom unbefleckten Herzen Mariä die Dankbarkeit erlernt. Felix musste als Kind das Vieh hüten, und vom zwölften bis zum dreißigsten Lebensjahr war er als Knecht bei einem Bauern tätig. Dann trat der eifrige Beter als Laienbruder bei den Kapuzinern ein. Als er sich im Kloster vorstellte und um Aufnahme bat, führte der Obere Felix vor ein Kreuz, an dem der Heiland in Blut und Wunden hing, und fragte ihn: „Verstehst du das?“ Felix nickte mit dem Kopf zum Zeichen dafür, dass er den Sinn der Frage verstand und zugleich bejahte. Über vierzig Jahre bis zum letzten Tag seines Lebens verbrachte Felix im Kapuzinerorden. Seine Tätigkeit bestand darin, dass er mit dem Bettelsack auf dem Rücken durch Rom wanderte und um milde Gaben für die Armen und auch für die Mitbrüder bettelte, denn die Kapuziner besaßen weder Eigentum noch festes Einkommen. Tag um Tag tat es der Bruder, vierzig Jahre lang, treu und unverdrossen, und wenn er ein Almosen erhielt, sagte er „Deogratias“, eigentlich „Gott sei Dank“, aber eher so wie unser „Vergelt’s Gott!“. Das sagte er aber nicht so oberflächlich, kalt und geschäftsmäßig, sondern innig und herzlich und freundlich und fröhlich, dass sich die Leute schon im Voraus auf sein schönes „Vergelt’s Gott!“ freuten. Und so nannte man ihn allgemein einfach den Bruder Deogratias. Weil Felix auch sehr kinderlieb war, brauchte er sich nur auf der Straße sehen zu lassen, und gleich war er von Kindern umringt, mit denen er sang und spielte. Aus allem, was der Bruder tat und sagte, strahlte eine große Heiligkeit hervor, so dass selbst Kardinäle und Bischöfe den Hut vor dem schlichten Mann zogen, wenn sie ihm auf der Straße begegneten.

 

Der heilige Theodotus, Martyrer von Ancyra, Galatien,

+ 18.5.303 - Fest: 18. Mai

 

Theodotus war aus Ancyra, der Hauptstadt Galiciens, und hatte seine Erziehung einer gottseligen Jungfrau, namens Tekusa, zu verdanken. Nachdem er in den Ehestand getreten war, errichtete er eine Schenke und fing an, Wein zu verkaufen. Der Gefahren ungeachtet, denen man bei einem solchen Geschäft sich ausgesetzt findet, blieb er immer gerecht, mäßig und eifrig in Ausübung der Christenpflichten. Fasten, Beten und Almosengeben war seine Wonne. Er war aber nicht nur Helfer der Armen, sondern er brachte auch Sünder zur Buße und ermutigte sogar mehrere Gläubige zur Erduldung des Martertodes. Gott schenkte ihm die Wundergabe, und man liest in seinen Akten, dass er Kranke heilte, indem er über ihnen betete oder sie mit seiner Hand berührte. So lebte er in Ausübung heiliger Werke, bis im Jahr 303 unter den Kaisern Diocletian und Maximian die bekannte furchtbare Christenverfolgung ausbrach. Theodotus ließ sich dadurch nicht Schrecken, weil er stets wie ein Mensch gelebt hatte, der sich bereitet, sein Blut für Christus zu vergießen. Während viele Gläubige ihr Heil in der Flucht suchten, blieb er in Ancyra, stand den Bekennern in den Gefängnissen bei und begrub die Leichname der Martyrer, obgleich dieses bei Todesstrafe verboten war. Der Statthalter hatte befohlen, alle Lebensmittel, bevor sie auf dem Markt feilgeboten würden, den Götzen zu opfern, und so mussten die Christen entweder Hungers sterben oder von dem, den Götzen geweihten, Brot und Fleisch essen. Theodotus hatte sich glücklicher Weise mit einem großen Vorrat von Getreide versehen, das nicht durch die gottesschänderischen Zeremonien der Heiden befleckt war. Er verkaufte es ohne Gewinn an seine Glaubensgenossen und verschaffte ihnen dadurch Lebensmittel, die sie genießen konnten, ohne ihr Gewissen zu verletzen. Auf diese Weise wurde die Schenke Theodot´s in eine Zufluchtsstätte für die Christen umgewandelt und in einen Ort des Gebetes, wo sich die Gläubigen versammelten, um den wahren Gott zu verehren. Da fanden zugleich die Kranken Verpflegung, die Fremden eine sichere Herberge. Die Furcht, entdeckt zu werden, hielt den Heiligen nicht ab, bei jeder Gelegenheit seinen Eifer für die Ehre Gottes an den Tag zu legen.

 

Einige Stunden von Ancyra stand eine Burg, Malus genannt. Theodotus kam aus besonderer Fügung der Vorsehung gerade in dem Augenblick dorthin, als man die Überreste des Körpers des heiligen Martyrers Valens, der zum Feuertod verurteilt worden war, in den Fluss Halys werfen wollte. Er hatte das Glück, sich diese kostbaren Reliquien zu verschaffen, und nahm sie mit, um sie an einen sicheren Ort zu verwahren. Während seiner Abwesenheit von Ancyra hatte der Statthalter sieben Jungfrauen des Glaubens wegen verhaften lassen, unter denen sich auch jene Tekusa befand, die an unserem Heiligen Mutterstelle vertreten hatte. Man trieb mit den Dienerinnen Gottes den schändlichsten Mutwillen und führte sie zu dem Teich der Diana hinaus, wo sie ganz entblößt den schamlosen Augen des Pöbels preisgegeben wurden. Als Theodotus nach seiner Rückkehr davon hörte, schloss er sich mit einigen anderen Christen in einem der Patriarchenkirche nahe gelegenen Haus ein und flehte auf den Knien unablässig zu Gott, dass er die Jungfrauen siegreich aus allen Prüfungen hervorgehen lassen möge. Gegen Mittag kam die Nachricht, dass die Martyrinnen standhaft ausgehalten hätten und im Teich ertränkt worden seien. Daraufhin warf sich Theodotus von Neuem auf die Knie und dankte dem Himmel mit lauter Stimme für die Erhörung seines Gebetes. Am anderen Tag abends ging er mit Polybius und Theocharides zum Teich, und es gelang ihm mit Hilfe eines furchtbaren Ungewitters, das die Wache von ihrem Rundgang abhielt, die heiligen Leiber aus dem Wasser zu ziehen, worauf er sie bei der Kirche der Patriarchen beerdigte. Während dieser Handlung hörte er vom Himmel eine Stimme, die ihm zurief: „Sei guten Mutes, Theodotus! Der Herr hat deinen Namen unter die Martyrer geschrieben!“

 

Am folgenden Tag geriet die ganze Stadt in Bewegung bei der Kunde, man habe die Leichname der sieben Jungfrauen entwendet. Wo ein Christ sich zeigte, wurde er verhaftet und auf die Folter gelegt. Als Theodotus erfuhr, dass so viele Unschuldige dieser Tat wegen der Marter ausgesetzt seien, trat er selber vor den Statthalter und gab sich als den Urheber an. Theoktenes, so hieß der Statthalter, versprach ihn straflos zu halten, wenn er Christus entsagen würde. Der Heilige aber erhob in seiner Antwort die Größe, Herrlichkeit und Macht Jesu und zeigte zugleich das Gottlose und Abgeschmackte des Götzendienstes, indem er die schändlichen Laster, die den Göttern von den Dichtern und Geschichtsschreibern beigelegt werden, genau aufzählte. Hierüber gerieten die Heiden in schreckliche Wut, und die Priesterinnen der Diana, die eben beim Statthalter sich befanden, wurden in eine solche Raserei versetzt, dass sie sich die Haare ausrauften, ihre Kleider zerrissen und ihre Kronen, die sie auf dem Haupt trugen, zu Boden warfen und in Stücke zertraten, mit heiseren Stimmen Gerechtigkeit gegen den Feind der Götter fordernd.

 

Theodotus wurde nun auf die Folter gespannt und die anwesenden Heiden drängten sich herbei, ihn zu peinigen, um so ihren Eifer für ihre Götzen an den Tag zu legen. Einer löste den anderen ab. Sie zerrissen seinen Leib mit eisernen Krallen, gossen Weinessig über die Wunden und hielten brennende Fackeln an dieselben. Als der Martyrer einmal das Gesicht ein wenig vom Dampf des schmorenden Fleisches abwendete, rief ihm der Statthalter zu: „Ist das der Mut, dessen du dich zuvor gerühmt hast?“ Der Heilige erwiderte: „Du irrst dich sehr, wenn du meine Bewegung der Feigherzigkeit zuschreibst. Erfinde neue Martern, damit du siehst, welche Kraft Jesus denen einflößt, die für ihn leiden. Erkenne, dass, wer von der Gnade des Erlösers aufrecht erhalten wird, über alle Gewalt der Menschen erhaben ist.“ Der ergrimmte Statthalter ließ ihm jetzt die Zähne mit Steinen einschlagen; der Martyrer aber sagte: „Du kannst mir auch noch die Zunge abschneiden lassen; Gott hört selbst das Stillschweigen seiner Diener.“ Daraufhin wurde er in das Gefängnis zurückgebracht. Als er über den Platz ging, deutete er auf seinen ganz zerfleischten Leib, sagend: „Es ist billig, dass man solche Opfer dem Heiland bringe, der zuerst für uns gelitten hat?“

 

Fünf Tage danach ließ ihn der Statthalter wieder vor sich führen. Man spannte ihn erneut auf die Folter und öffnete alle seine Wunden. Dann legte man ihn auf die Erde, welche ganz mit glühenden Ziegelstücken bedeckt war. Aber auch diese furchtbare Pein konnte die Standhaftigkeit des Heiligen nicht erschüttern. Der Statthalter, beschämt, dass er mit all seinen Marterwerkzeugen gegen den Diener Christi nichts vermöge, befahl endlich, ihm den Kopf abzuschlagen. Auf dem Weg zur Richtstätte wendete sich Theodotus an die Christen, die ihn begleiteten, und sprach: „Weint nicht über meinen Tod, sondern preist vielmehr den Herrn, der mich zu einer glücklichen Vollendung meiner Laufbahn geführt und mir den Sieg über den Feind verliehen hat. Wenn ich droben bin bei ihm, werde ich mich vertrauensvoll an ihn wenden und für euch bitten.“ Nachdem er dieses gesagt, empfing er mit Freuden den Todesstreich. Sein Leichnam sollte verbrannt werden, aber den Scheiterhaufen umgab plötzlich ein so blendendes Licht, dass niemand ihm zu nahen getraute, um ihn anzuzünden. Da ließ der Statthalter die Überreste des Martyrers von Soldaten umstellen. Gott aber fügte es, dass in der Nacht ein frommer Priester, namens Fronto, vorüber kam und die Wächter vom Wein berauscht und schlafend fand. Also gleich belud er den Esel, den er bei sich hatte, mit dem heiligen Leib und entführte ihn zu der Burg Malus, wo man in der Folge Theodotus zu Ehren eine Kirche baute.

 

Gebet am 18. Mai

 

O meine liebenswürdige Königin, ich freue mich darüber, dass du durch deine heilige Reinheit und Schönheit deinem Gott so angenehm bist, und danke Gott, dass er dich vor aller Schuld bewahrt hat. O meine Königin, weil die ganze heilige Dreifaltigkeit dich so lieb hat, so wende auch deine barmherzigen Augen auf meine arme Seele, die mit so vielen Sünden beladen ist, und erlange mir bei Gott Verzeihung meiner Sünden und die ewige Seligkeit. Amen. 

 

Zu Gott

 

Verleihe uns, o Herr, dass wir in Einfalt und Unschuld unseres Herzens leben, wegen der du den heiligen Felix mit so herrlichen himmlischen Gaben auf Erden bereichert, und im Himmel zu großer Herrlichkeit erhoben hast, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Getäuscht von der verderblichen Eigenliebe, wollen manche in ihrer Lauheit und in verkehrtem Streben sich mit ihren Standespflichten entschuldigen und beruhigen. Rette sie doch, gütiger Gott, aus diesem gefährlichen Irrtum. Du hast alle durch deinen Sohn, unseren Erlöser, zu deiner Kindschaft berufen, hast alle bestimmt, dir in der Vollkommenheit ähnlich zu werden. Erleuchte sie doch und alle, die dein sind, durch dein himmlisches Licht, und stärke uns durch deine alles vermögende Gnade, dass wir in allen Verhältnissen des Lebens unser ewiges Heil als unser höchstes und notwendigstes Ziel vor Augen haben, und unwandelbar danach strebend, es glücklich erreichen. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Unter anderen Gnaden, die die seligste Jungfrau dem heiligen Felix einem Kapuziner, dessen das römische Martyrologium heute gedenkt, bewiesen hat, war die deutliche Einladung zum Himmel und Übergabe des Kindleins Jesus in seine Arme, wie in seiner Lebensbeschreibung erzählt wird. 

 

 19. Mai

 

Der heilige Papst Cölestin,

+ 19.5.1296 - Fest: 19. Mai

 

Das Leben schlägt manchmal Purzelbäume. Richtig bunt geht es manchmal zu.

 

Da lebte einmal im 13. Jahrhundert irgendwo in Italien ein armer Bauernjunge, dessen einzige Sehnsucht es war, Priester zu werden. Viel hat er darum gebetet, und sein Gebet fand auch insofern Erhörung, dass er unter großen Opfern der Familie studieren konnte. Selten mag es wohl einen fleißigeren Studenten gegeben haben als diesen Jungen, der Peter hieß. Tag und Nacht lernte er, und so konnte es nicht ausbleiben, dass seine Nerven unter dem Übermaß an Arbeit litten. Peter benahm sich also unvernünftig, und die Folgen blieben nicht aus. Denn als er beinahe ausstudiert hatte, verlor er die Gewalt über die Nerven, schreckte vor der Verantwortung, die mit dem Priestertum verbunden ist, zurück, verließ die Welt und wurde Einsiedler.

 

Man muss es allerdings als ein Glück bezeichnen, dass Peter in die Einsamkeit ging, denn in der freien Natur kamen die Nerven zur Ruhe. Bald sah er wieder klarer und ließ sich auch die heilige Priesterweihe erteilen. Er blieb aber nicht in der Welt, sondern kehrte in die Einöde zurück, um als Einsiedler Gott zu dienen und den Mitmenschen zu helfen, die in wachsender Zahl Trost, Rat und Hilfe bei ihm suchten. Allmählich geriet Peter in den Ruf, dass er ein heiliger Mann sei. Und so kam es, dass sich ihm Gleichgesinnte anschlossen, um bei ihm die Heiligkeit zu erlernen. Damit war der Grundstock zu einem neuen Orden gelegt.

 

Die Zeit verging. Jahr reihte sich an Jahr. Peter wurde älter und älter. Mit Freude und Sehnsucht dachte er an den Tod, der nicht mehr in weiter Ferne war, denn schon lagen achtzig Jahre hinter ihm.

 

Da geschah etwas Merkwürdiges. Eines Tages näherte sich Peters weltferner Klause auf dem Berg Morrone ein festlicher Zug. Zwei Könige ritten feierlich voran. Kardinäle und Bischöfe, Fürsten und Ritter und eine unübersehbare Menge Menschen strömten hinterher. Der Einsiedler glaubte zu träumen, er bekam es mit der Angst zu tun und rannte in den tiefsten Wald hinein. Die Leute liefen aber hinter ihm her und fingen ihn ein. Da stand nun der weltfremde alte Mann vor den hohen Herren. Plötzlich traten die Könige, die Kardinäle, Bischöfe, Fürsten und Ritter vor ihn hin, verbeugten sich tief und machten ihm die Mitteilung, dass er zum Papst gewählt worden war.

 

Der alte Mann war fassungslos, aber nicht etwa aus Freude, sondern aus Verwirrung, denn wie konnte er, der nur die kleine Welt seiner Einsamkeit kannte, die weltweite Kirche leiten. Das konnte nicht gut gehen, und es ging auch nicht gut. Zwar wurde Peter trotz seines Sträubens zum Bischof geweiht und unter dem Namen Cölestin V. zum Papst gekrönt, hielt aber seinen Einzug in Rom allen Vorstellungen zum Trotz auf einem Esel. Bald leuchtete es allein Einsichtigen ein, was er selbst von Anfang an wusste, dass er nämlich als achtzigjähriger Mann, der die Welt nicht kannte, der großen Aufgabe des päpstlichen Amtes nicht gewachsen war. Aus dem glücklichen Einsiedler entwickelte sich ein unglücklicher Papst, der sich, von Heimweh verzehrt, aus dem Glanz, der ihn umgab, nach der armen Klause auf dem stillen Berg Morrone zurücksehnte.

 

Nach fünf Monaten rief Papst Cölestin alle Kardinäle zusammen, setzte sich, mit der dreifachen Krone geschmückt, in vollem päpstlichen Ornat vor ihnen auf den Thron und las ein Schriftstück ab, das er selbst geschrieben und unterschrieben hatte. In dem Schriftstück stand, dass Papst Cölestin abdanke. Kaum hatte der Papst die Lesung beendet, da erhob er sich, schritt die Stufen des Thrones hinab, nahm die dreifache Krone vom Haupt, entkleidete sich der päpstlichen Gewänder, stand da plötzlich vor den Kardinälen im alten zerrissenen Einsiedlergewand und lachte laut vor seliger Freude. Achtzehn Monate später, am 19. Mai 1296, starb der Heilige.

 

Es geht also manchmal kunterbunt zu. Aber alle Purzelbäume, die das Leben schlägt, haben nichts zu bedeuten, wenn man wie Papst Cölestin mit dem letzten Purzelschlag im Himmel landet.

 

Der heilige Crispinus Fioretti von Viterbo, italienischer Kapuzinerbruder,

+ 19.5.1750 – Festtag: 19. Mai

 

Klein sein vor den Menschen durch Demut und Zurückgezogenheit, groß sein vor Gott durch tatkräftiges christliches Tugendleben, darin besteht der kürzeste Weg, wenigstens „kleine Heilige“ zu werden.

 

„Unser kleiner Heiliger“ hieß in der Stadt Viterbo, zum ehemaligen Kirchenstaat gehörig, ein kleiner Ministrant, der in den Kirchen der Stadt mit engelhafter Andacht den Altardienst versah. Besonders an Marienfesten, an den Ehrentagen „seiner himmlischen Mutter“, schien der fromme Ministrant ganz von himmlischer Liebesglut und Freudigkeit vergeistigt. Große Hoffnungen setzten die Väter des Jesuitenkollegs auf diesen ihren Musterschüler, wie er so „zunahm an Weisheit und Alter und Gnade vor Gott und den Menschen“. Doch Gottes Ratschlüsse weisen oft andere Wege als die Pläne der Menschen. Die Eltern in ihren bescheidenen Vermögensverhältnissen beschlossen, das langdauernde Studium ihres Sohnes in die Erlernung des Schusterhandwerkes umzuändern, und der junge Student vertauschte gehorsam die geliebten Bücher mit Schusterahle und Hammer.

 

Die franziskanische Predigt des guten Beispiels sollte nun auch im Leben unseres Heiligen eine merkwürdige Wendung bringen. Der heilige Ordensstifter Franziskus befahl bekanntlich einmal einem Bruder, mit ihm predigen zu gehen. In heiliger Sammlung gingen beide durch die belebten Straßen von Assisi und kehrten wieder in das Kloster zurück. „Vater,“ sprach der Bruder zu dem Heiligen, „wann willst du denn eine Predigt halten?“ Da belehrte ihn St. Franziskus, dass sie durch ihr gutes Beispiel bereits genugsam gepredigt hätten.

 

Bei allgemeinen Bittprozessionen in der Stadt um Abwendung von Misswachs sah der Heilige die Kapuzinernovizen, wie sie trotz der großen Volksmenge ganz in sich versunken und innerlich gesammelt, wie entrückt dieser Welt, an den Bittwallfahrten teilnahmen. Dieses Beispiel erschien ihm als eine Verwirklichung des Rates des heiligen Franziskus, dass der Ordensmann immer in seiner Klause bleiben müsse, indem der Leib die Zelle darstelle und darin die Seele als Einsiedler wohne. Die Sehnsucht der Seele nach diesem inneren Herzensfrieden gab den Ausschlag zur Bitte um Aufnahme in den Kapuzinerorden, die nach mancherlei Prüfung gewährt wurde. Mit dem Eifer eines bereits erprobten Ordensmannes oblag der junge Laiennovize Crispin den klösterlichen Übungen in Gebet, Arbeit und Buße und ließ sich durch die vielfachen Schreckbilder und listigen Angriffe des bösen Geistes nicht in seinem beharrlichen Tugendfortschritt irremachen. Während die meisten Seelen durch die sogenannten „Kinderkrankheiten“ des geistlichen Lebens, durch Überdruss, Unmut, Missmut und Verzagtheit ewig im Kindesalter stehen bleiben oder gar wieder vom Streben nach christlicher Vollkommenheit entmutigt abstehen, zwang sich Bruder Crispinus durch unablässige Abtötung auf dem Kreuz- und Himmelsweg des Ordenslebens vorwärts und himmelwärts. Seine trefflichen, geistlichen Aussprüche lassen einen kleinen Einblick tun in seine praktische Aszese. Von den Ordensgelübden pflegte er mit größter Ehrfurcht und Begeisterung zu reden: „Du, o Herr, wolltest an ein peinliches Kreuz mit drei eisernen Nägeln geheftet werden, und mich, deinen niedrigsten Knecht, wolltest du vermöge deiner Barmherzigkeit mit drei goldenen Nägeln an das süße und liebliche Kreuz des Ordensstandes geheftet sehen.“ Bei seiner erschreckenden körperlichen Abtötung bewahrte er einen gewissen heiligen Humor, und wenn sein armes Fleisch wieder recht unter die Gewalt des Geistes und der Gnade gebeugt werden sollte, bekam es zuerst eine Anrede: „Höre, was ich dir jetzt sage: zwischen mir und dir wird kein Friede sein; du bist mir allzu viel Tier. Aber ich werde dich zu zügeln und zu zähmen wissen.“ Den Mitbrüdern gegenüber suchte er seine Lebensstrenge also zu rechtfertigen: „Ihr Brüder wisst nicht, was für ein Tier mein Leib ist. Er ist eine Schlange, bei der es nicht hinreicht, sie durch Kälte zu töten. Denn kaum fühlt sie den ersten Sonnenstrahl, so wird sie wieder warm und fällt in ihre Wut zurück und könnte mich vergiften. Deshalb muss ich, so lange der Leib nicht gestorben ist, auf der Hut sein und ihn in Zucht halten mit einem festen Stock in der Hand.“

 

Bruder Crispinus fasste seine äußeren und inneren Erfahrungen in Sprüche zusammen, die er bei Gelegenheit wiederholte, z.B. „Wer Gott nicht liebt, ist ein Tor.“ – „O mein Herr Jesus Christus! Lass mich bei dieser Arbeit kein anderes Ziel haben als dich!“ – „So groß ist das Gut, das ich erwarte, dass mir alle Pein lieb ist.“ – „Das Grab ist eine Schule, die alle jene Toren zum Verstand bringen mag, die an der Welt und nicht an Gott hangen.“ Die eigene Himmelssehnsucht pflegte der Selige auszudrücken, wenn er am Abend gewöhnlich freudig sagte, dass, Gott sei Dank, wieder ein Tag dahin wäre, der ihn einen Schritt näher der Ewigkeit bringe.

 

Eine übernatürliche Nächstenliebe trieb den unermüdlichen Bruder zu unzähligen Werken der leiblichen und geistlichen Barmherzigkeit, ohne Achtung auf Erfolg oder Misserfolg. Dank oder Undank. Jede Beleidigung von Seiten der Mitmenschen betrachtete er als willkommene Tugendprobe zur Geduld und Sanftmut. Auf die Frage, wie man diese Seelengleichmütigkeit erlangen könne, gab Crispinus den Rat: „Bruder, um nicht zornig zu werden, merke dir diese drei Worte: leiden, schweigen, beten! Um sie aber wohl zu behalten, muss man sie lernen mit Fasten. Denn, wenn ein Dunst von der Galle in das Gehirn aufsteigt, vergisst man sie allsogleich.“

 

Das reiche Tugendleben trotz des einfachen äußeren Lebensganges des Heiligen weist noch besonders zwei Merkmale auf, das ist seine ständige, himmlische Heiterkeit und die kindliche Verehrung seiner „himmlischen Mutter“. Diese heilige Freudigkeit und Frohsinnigkeit trotz aller Widerwärtigkeiten und Bußübungen verlieh dem Heiligen einen staunenswerten Einfluss auf Weltleute. Er wollte kein sonderbarer rauborstiger Heiliger sein, sondern alle für die Schönheit und das Glück des vollkommenen Lebens gewinnen. Ein hochgelehrter Priester fragte ihn einst, ob er denn gar nichts von Anfechtungen und Geistesbedrängnissen zu leiden habe. Crispinus antwortete mit demütiger Offenheit: „Wenn ihr wüsstet, wie oft mich der Feind anficht, ihr würdet staunen. Allein ich jage ihn sogleich davon, indem ich die Lehre des heiligen Paulus an die Epheser anwende, wo er sagt, wir sollen uns in unserem anhaltenden Kampf ermuntern durch die liebliche Melodie der Hymnen, der Psalmen und geistlichen Lieder. Wenn ich das tue, so verschwindet der Feind wie der Rauch im Winde.“ Die von Jugend gepflegte Verehrung der lieben Mutter Gottes erreichte bei dem Heiligen eine tiefe Inbrunst und heilige Kindlichkeit; in jedem Anliegen ging er mit felsenfestem Vertrauen zu seiner himmlischen Mutter und wurde oftmals wunderbar erhört. In traurigen Pestzeiten ließ er von seiner himmlischen Mutter Körbchen mit Früchten segnen und trug sie zu den Kranken; die Ärzte erklärten, der arme, greise Kapuzinerbruder richte mit seinen paar Oliven mehr aus als sie mit ihrer Kunst und ihren Hilfsmitteln. Von einem dieser Krankenbesuche kam er selbst todkrank heim und Verschied mit Anrufung Jesus und Mariens selig im Alter von 82 Jahren. Crispinus wurde am 26. August 1806 von Papst Pius VII. seliggesprochen. Für Papst Johannes Paul II. war es am 20. Juni 1982 die erste Heiligsprechung.

 

„Kleine Heilige“ müssen wir alle werden. Es ist dieses Vollkommenheitsstreben durchaus kein Ding der Unmöglichkeit. Die „großen Heiligen“ waren auch Menschen wie wir, mit Fehlern, Schwachheiten, Versuchungen. Aber sie haben den Mut und die Geduld nicht verloren und durch Gottvertrauen und Gottergebenheit, Abtötung, Demut und Geduld und Freude einen kleinen Himmel sich schon auf dieser Welt geschaffen und den ewigen großen Himmel sich noch dazu verdient. Heilige Freudigkeit und Herzensfrohsinn sind sowohl Belohnung für die Tugend als auch ein starkes Hilfsmittel zum Vorwärtsstreben. Gewiss ist zum Tugendleben viel Mut und Demut, Großmut und Opfermut notwendig, aber auch ebenso viel Freudigkeit; denn ein Heiliger, der traurig ist, sagt einmal der heilige Franz von Sales, ist ein trauriger Heiliger.

 

„Erbauliche Züge aus dem Leben des seligen Crispin von Viterbo“

(Aus: Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)

 

Die ersten Eindrücke, die man in der Kindheit empfängt, verwischen sich niemals ganz, und oft üben sie auf die ganze übrige Lebenszeit einen mächtigen Einfluss aus. Wir haben eine Probe hiervon aus dem Leben des seligen Crispin von Viterbo, eines Laienbruders aus dem Kapuziner-Orden.

 

Er war erst fünf Jahre alt, als seine fromme Mutter ihn am Tag von Mariä Verkündigung in die Kirche Unserer Lieben Frau von der Eiche führte. Sie kniete vor dem wundertätigen Bild nieder, das man dort verehrt, und nachdem sie ihn Marien geweiht hatte, sagte sie zu ihm, indem sie ihm ihr Bild zeigte: „Sieh, mein Kind, hier ist deine Mutter, schenke dich ihr in diesem Augenblick. Liebe sie von ganzem Herzen und ehre sie als deine Herrin.“

 

Diese Worte machten auf den Seligen einen solchen Eindruck, dass er sie von da ab nur seine Mutter und seine Herrin nannte. Sobald er zu den Unterscheidungsjahren gekommen war, fastete er an den Tagen ihrer Feste und nahm an den Samstagen nur Wasser und Brot zu sich.

 

Seine fromme Mutter hatte ihn auch gelehrt, in allen Gefahren zu seiner mächtigen Beschützerin seine Zuflucht zu nehmen.

 

Als er zehn Jahre alt war, tat man ihn bei einem seiner Oheime, einem Schuhmacher, in die Lehre. Am Abend an jedem Samstag gab ihm dieser Oheim, wenn er mit seiner Arbeit zufrieden war, ein kleines Stück Geld. Der glückselige Junge rannte auf den Markt und kaufte da einen Blumenstrauß. Alsdann trug er ihn zu einer Bildsäule, oder zu irgendeinem Bild der heiligen Jungfrau, und blieb den ganzen Sonntagvormittag und ministrierte in dieser Kirche mit einer engelhaften Andacht bei den Messen.

 

Einige Zeit darauf trat er in ein Kloster, und zwar zum großen Leidwesen seiner Eltern. Nachdem er Profess getan hatte, schickte man ihn ins Kloster im Tolsa-Gebiet, wo er Koch wurde. Er errichtete der heiligen Jungfrau einen Altar in der Kirche und trug Sorge, ihn immer mit so frischen und wohlriechenden Blumen zu verzieren, dass die Luft davon ganz durchduftet war.

 

Später wurde er nach Albano geschickt. Das erste, was er tat, war, dass er in seiner Küche ein schönes Bild der Mutter Gottes aufstellte, das er mit Blumen bekränzte, und vor dem er gerne betete. Wenn man zu ihm kam, so führte er die Besucher vor dieses Bild, und rezitierte ihnen die schönen Stanzen, die Tasso in seinem befreiten Jerusalem Marien geweiht hatte.

 

Clemens XI. besuchte den armen Bruder Koch gar gerne. Eines Morgens ging er in sein Kloster, um die Heilige Messe zu hören. Er ließ Wachs dahin tragen und befahl, man solle auch zwei Kerzen für die Mutter Gottes des Bruders Crispin dazulegen. Diese Gabe war eine Anspielung auf einen ganz neuerlichen Vorfall, den man ihm erzählt hatte.

 

Ein vornehmer Herr aus Brescia hatte dem Seligen für seinen Altar zwei prächtige in Seide gestickte Blumen zum Geschenk gemacht. Einige junge Leute, die in die Kirche gingen, stahlen die Blumen, was dem Bruder Crispin großes Leid verursachte, wegen des Mangels an Ehrfurcht, den sich diese jungen Leute gegen die Mutter Gottes hatten zu Schulden kommen lassen, für die diese Blumen doch bestimmt gewesen waren. Pater Damasceni, der bei Clemens XI. sehr beliebt war, gab ihm bald darauf zwei Kerzen. Der Selige zündete sie auf seinem Altar an und ging in den Garten, um Gemüse zu holen. Pater Damasceni ließ alsbald die Kerzen wegnehmen, so dass der Bruder bei seiner Rückkehr glaubte, man habe sie wieder gestohlen. Er beklagte sich darüber bei der heiligen Jungfrau auf die rührendste, treuherzigste Weise: „Ei was!“ sagte er zu ihr mit einer ganz kindlichen Vertrautheit, „gestern die Blumen und heute die Kerzen. Mutter, du bist wahrlich zu gut. Eines Tages werden sie dir dein Kind vom Arm herabnehmen und du wirst dich nicht getrauen, etwas dagegen zu sagen. Ja ja, ich sage ich dir, ich wiederhole es dir, und werde es dir tausend Mal sagen, du bist so gut, dass sie dir am Ende noch dein Kind nehmen werden.“

 

Pater Damasceni, der sich versteckt hatte, hörte seine liebevollen Vorwürfe, ohne dass der Selige ihn sehen konnte. Er trat wieder in die Küche, gab ihm die Kerzen zurück, und verließ ihn, voll Bewunderung über die so lebhafte, so vertrauende Zärtlichkeit, die der Diener Gottes zu Maria hegte.

 

Crispin wurde am 13. November 1668 geboren und starb am 19. Mai 1750. 

 

Der selige Alkuin, Abt, Diakon und Gottesgelehrter,

+ 19.5.804 – Gedenktag: 19. Mai

 

Der Titel „selig“ kommt Alkuin nicht zu auf Grund einer kirchlichen Verehrung, denn eine solche hat er in eigentlichem Sinn nie besessen. Wohl aber haben ihn schon die Schriftsteller der folgenden Jahrhunderte mit diesem Titel ausgezeichnet und der hochgelehrte Benediktiner Mabillon hat nach ihrem Vorgang seine Lebensbeschreibung in sein großes Werk über die Heiligen des Benediktinerordens aufgenommen. Auch in unserer Legende dürfte er da mit Recht einen Platz behaupten, denn abgesehen von der Lauterkeit seines Charakters und der Reinheit seines Strebens hat er auch der Kirche Gottes in Deutschland mannigfache Dienste erwiesen.

 

Alkuin war ein Angelsachse, ein Landsmann der heiligen Bonifatius. Von seinen Eltern ist nichts weiter bekannt. Er wuchs auf an der Klosterschule in York, wo er den Unterricht zweier berühmter Lehrer, der späteren Erzbischöfe Egbert und Aelbert, genoss. Aelbert insbesondere schenkte er das ganze Vertrauen und die Liebe seines jugendlichen Herzens. Sein Gehorsam gegen diesen seinen Lehrer war musterhaft, nichts tat er ohne sein Wissen. Ihm offenbarte er die geheimsten Regungen seines Herzens, so dass er ohne Schaden über die Klippen der Entwicklungsjahre hinwegkam. Aelbert hinwiederum schätzte in Alkuin seinen begabtesten und gebetseifrigsten Schüler. Naturgemäß weckte das den Neid der Mitschüler, die es Alkuin auch fühlen ließen. Er nahm auch da seine Zuflucht zu seinem väterlichen Freund und der riet ihm, „glühende Kohlen auf das Haupt seiner Widersacher zu sammeln“. Alkuin folgte diesem Rat, und wenn er merkte, dass einer gegen ihn etwas habe, warf er sich nach der Regel des heiligen Benedikt sofort seinem Mitschüler zu Füßen und bat ihn seinerseits um Verzeihung. Auf die Dauer konnten sie einer solchen Demut nicht widerstehen. Und als Alkuin zum Diakon geweiht und selbst als Lehrer aufgestellt wurde, war die Freude allgemein. Im Jahr 778 endlich, als Aelbert den erzbischöflichen Stuhl bestieg, übernahm Alkuin die Oberleitung der Klosterschule.

 

Das Jahr 781 brachte den Wendepunkt seines Lebens. Auf einer Reise nach Rom lernte ihn zu Pavia des Frankenreiches Herrscher, Karl der Große, kennen und suchte ihn sofort zu gewinnen. Aber alle Schätze, die er ihm anbot, wies Alkuin zurück. Einzig die Rücksicht auf den Nutzen, den er der Kirche Gottes mit seinem Wissen bringen konnte, bewog ihn schließlich an den Hof Karls des Großen überzusiedeln; seit 793 hat er seine Heimat überhaupt nicht mehr gesehen. Zuerst leitete Alkuin die Palastschule in Aachen und Karl der Große selbst ließ sich von ihm in die ersten Geheimnisse der Buchstaben und Zahlen einweihen. Seine fruchtreichste Tätigkeit aber entfaltete er später als Abt von St. Martin in Tours, nachdem Karl ihn seinem Wunsch gemäß endlich hatte dorthin ziehen lassen. Die meisten gelehrten Bischöfe und Mönche von Deutschland und Frankreich empfingen dort aus seinem Mund die Lehren der Weisheit. Sein berühmtester Schüler ist wohl Rhabanus Maurus, der spätere Erzbischof von Mainz, den selbst wieder der Ehrentitel „Deutschlands Schulmeister“ ziert.

 

Was seine Schüler so zu Alkuin hinzog, war nicht bloß sein ausgebreitetes Wissen und seine ausnehmende Lehrbefähigung, sondern vor allem die sittliche Kraft seines ganzen Wesens. Schon sein Unterricht und seine vielen Briefe zeigen einen starken sittlichen und religiösen Einschlag, bei ihm selbst wog letzterer durchaus vor. Gewiss, er schätzte die Wissenschaften, „ungestört an den Bücherschreinen zu sitzen“ galt ihm „ein süßes Leben“ und darum wollte er von Politik oder gar von einer Herrschaft nichts wissen. Auch der Reichtum übte keinen Reiz auf ihn aus. Als Abt von St. Martin hatte er über 20.000 Knechte zu gebieten, er war einer der begütertsten Großherren des Reiches. Aber er sah in seinem Reichtum nur eine Gefahr für sein Seelenheil und fühlte sich frei von jeder Anhänglichkeit daran. „Es ist etwas anderes die Welt besitzen, etwas anderes von ihr gefangen sein. Man kann Reichtümer haben und doch nicht haben, entbehren und doch haben,“ erwidert er einmal auf den Vorwurf eines Gegners. Die Freiheit des Geistes gegenüber all dem Vergänglichen und Irdischen ist wohl der hervorstechendste Zug von Alkuins Persönlichkeit. Selbst die Wissenschaft vermochte ihm diese Geistesfreiheit nicht zu beschränken; sie war ihm nur Mittel zum Zweck, eine Dienerin der ewigen Weisheit. „Der menschlichen Seele Schönheit und Zier ist das Streben nach jener Weisheit, in der Gott geehrt und geliebt wird.“

 

Alkuins Geistesfreiheit hatte seine Wurzel in seiner Demut. Nach außen offenbart sich uns dieselbe vor allem in seiner schriftstellerischen Bescheidenheit. Der gefeiertste Gelehrte Europas ist dankbar für jedes Wort der Kritik: „Nie blieb ich mit der Gnade Gottes hartnäckig auf einem Irrtum bestehen und traute eigener Einsicht; nie war ich so, dass ich besserer Einsicht nicht gefolgt wäre.“ In seinem Innenleben und seinem Verkehr mit Gott zeigte sich die Demut des seligen Alkuin als tiefgewurzeltes Bewusstsein der eigenen Sündhaftigkeit, als aufrichtige Herzenszerknirschung. Dem heiligen Benedikt von Aniane sagte er, er bete täglich: „Herr, verleihe mir meine Sünden zu erkennen und rechte Buße zu tun, und dann verzeih mir meine Sünden!“ Mit dem Alter wuchs sein Armsündergefühl und bestimmte ihn schließlich dazu, die letzten Tage seines Lebens ganz dem Gebet und der Bußübung zu weihen. Kein Wunder, wenn Gott seinen Diener jetzt auch mit äußeren Zeichen der Heiligkeit begnadete, ihm die Geheimnisse der Menschenherzen und der Zukunft entschleierte und seinem Segen krankheitverscheuchende Kraft gab. Auch einen großen Brand seines Klosters löschte er einmal durch sein Gebet. Für seine Mönche waren solche Gnadenerweise ein Grund mehr, in ihrem Abt Christus den Herrn zu ehren und zu lieben. An und für sich wirkte ja schon die bloße Persönlichkeit des nahezu blinden Greises derart, dass jeder Mönch und Klosterschüler sich hütete ihm irgendwie zu missfallen.

 

Schön ist, was uns vom Tod des seligen Alkuin berichtet wird, es ist der Tod eines heiligen Gelehrten. Jeden Tag betete er in der Kirche an dem Platz, den er sich für sein Begräbnis ausersehen, das Magnifikat mit der Adventantiphon: „O clavis David . . . O Schlüssel Davids, komm und führ aus dem Kerkerhaus den Gefangenen, der sitzt in Finsternis und Todesschatten!“, dann ein Vaterunser mit dem Psalmvers: „Wie ein Hirsch nach den Wasserquellen, so lechzt meine Seele nach dir, mein Gott!“ Sein sehnlichster Wunsch war, am Tag des Heiligen Geistes aus dieser Welt zu scheiden. Und wirklich, am hohen Pfingstfest nach dem Frühchor, zur selben Stunde, wo er sonst zur Heiligen Messe sich zu bereiten pflegte, entschwebte seine Seele in den Himmel, um vereinigt mit allen heiligen Diakonen Gottes unergründliche Tiefen zu erforschen und zu preisen.

 

 

Ein Gelehrter gleich Alkuin kann nicht jeder Christ sein, die Gaben des Geistes sind verschieden. Aber Hochschätzung für wahre Wissenschaft soll jeder hegen und ihre Pflege befördern, denn wahre Wissenschaft führt zu Gott. Wir wollen darum unsere katholischen Gelehrten und Studenten unterstützen, auch durch materielle Hilfe. Vor allem aber wollen wir mannhaft eintreten für die christliche Schule. Christliche Schulen wollte ja der große Kaiser Karl und sein Lehrer Alkuin dem deutschen Volk schenken, christliche Schulen als feste Bollwerke gegen das germanische Heidentum.

 

Der heilige Ivo Helory, Priester und Bekenner von Lohanec in Frankreich,

+ 19. Mai 1303 – Fest: 19. Mai

 

Ein schlichtes und doch wunderbares Priesterleben ist das des heiligen Ivo. Er war geboren am 17. Oktober 1253 in der Bretagne in Nordfrankreich. Diese tiefreligiöse, ehemals von Britannien her bevölkerte Provinz, deren Bewohner, die Bretonen, ihren Glauben und ihre Sitten allezeit mit Heldenmut verteidigten, verehrt den Heiligen als ihren besonderen Patron. Die Tage seiner Kindheit verlebte Ivo in Unschuld und Frömmigkeit. Ein Hauptverdienst hieran hatte seine fromme Mutter, die des Öfteren zu ihm sagte, er solle so leben, dass er ein Heiliger werde.

 

In seinem vierzehnten Lebensjahr bezog Ivo die Universität Paris, um sich den höheren Studien zu widmen, die ihn dort zehn Jahre lang in Anspruch nahmen, die er dann aber auch in Orleans noch fortsetzte. Während dieser ganzen Zeit – also in den gefährlichsten Jahren des Lebens – bewahrte Ivo Sittenreinheit und Tugend, ja er legte sogar das Gelübde der Keuschheit ab und trat dem Dritten Orden des heiligen Franziskus bei. In seiner vom Studium freien Zeit oblag er mit heiligem Eifer den Übungen der Andacht und der Barmherzigkeit gegen den Nächsten. Dass es einen so gearteten jungen Mann zum Dienst des Heiligtums hinzog, ist nicht verwunderlich, aber Priester zu werden, daran dachte Ivo aus Demut trotzdem nicht. Er wollte sich mit den niederen Weihen begnügen, die er denn auch empfing. Erst auf Befehl seines Bischofs ließ er sich unter Tränen zum Priester weihen. Wegen seiner umfassenden Kenntnisse, namentlich in der kirchlichen Rechtswissenschaft, wurde er zum Vorstand des bischöflichen Gerichtes ernannt. In dieser Eigenschaft nahm er sich besonders der Armen, Witwen und Waisen mit der größten Liebe und Uneigennützigkeit an, so dass er den ehrenvollen Beinamen „Der Anwalt der Armen“ erhielt. Aber seiner Demut und seinem apostolischen Seeleneifer sagte diese Würde und Tätigkeit nicht zu. Ivo wollte auch ein apostolisch armes und strenges Leben führen und unmittelbar am Heil der Seele arbeiten. Daher ließ er sich von jenem ansehnlichen Amt entheben und nahm mit demütiger Freude nacheinander zwei Landpfarreien an, zuerst Trédrez, dann Lohanec, wo er acht Jahre wirkte, beide in der Diözese Treguier in der unteren Bretagne. Als einfacher Seelsorger erwies er sich nun aber auch als ein wahrer und getreuer Nachfolger des göttlichen guten Hirten. Vor allem machte er sich ihm in seiner persönlichen Lebensweise ähnlich, indem er sie so arm als möglich gestaltete und durch vieles und strenges Fasten die Sinnlichkeit unter das Gesetz des Geistes beugte. Sein Bett war Reisig oder der blanke Boden, sein Kissen ein Band der Heiligen Schrift.

 

Je strenger aber dieser heilige Pfarrer gegen sich selbst war, um so nachsichtiger und freigebiger war er gegen andere. Insbesondere standen ihm auch hier wieder die Armen am nächsten. Er schien ohne sie gar nicht sein zu können und hatte täglich einige in seinem Haus und an seinem Tisch. Auch die Fremden beherbergte und bediente er mit aller Liebe und Demut. Daher erschien erwiesenermaßen eines Tages Christus selbst in Bettlergestalt an seinem Tisch und zeigte sich zuletzt auf einige Augenblicke im vollen Glanz seiner göttlichen Majestät. Diese Nächstenliebe war aber die Frucht seiner Gottesliebe, die sich vor allem durch die höchste Gebetsfreude und -innigkeit kundgab. Seine Andacht bei der heiligen Messe war die eines Engels. Gott belohnte sie unter anderem dadurch, dass, als Ivo eines Tages bei der Wandlung der heiligen Gestalten emporhob, eine feurige Kugel von wunderbarem Glanz sie umschwebte.

 

Als er in der Fastenzeit des Jahres 1303 eine große körperliche Schwäche merkte, schonte er sich keineswegs, sondern verdoppelte im Gegenteil seinen Eifer und seine Anstrengungen. Fast bis zum letzten Augenblick seines Lebens stand er seinen Pfarrkindern mit Rat und Tat zur Verfügung. Endlich rief der göttliche Hohepriester diesen seinen getreuen Diener zum ewigen Lohn am 19. Mai des genannten Jahres in der Oktav des Festes Christi Himmelfahrt. Auf Grund vieler Wunder wurde Ivo Helory im Jahr 1347 durch Papst Klemens VI. heiliggesprochen. So war geschehen, was einst seine Mutter gewünscht hatte.

 

Fremde liebevoll aufnehmen und beherbergen gehört zu den sieben leiblichen Werken der Barmherzigkeit, die im christlichen Leben so wichtig sind und nach denen der göttliche Richter sogar einst das Urteil über uns sprechen wird, wie er dies im Evangelium vom jüngsten Gericht selbst deutlich ankündigt. Also unterlassen wir ja nicht nach Möglichkeit und Gelegenheit die Hungrigen zu speisen, die Durstigen zu tränken, die Nackten zu bekleiden, die Fremden zu beherbergen, die Gefangenen zu erlösen, die Kranken zu besuchen, die Toten zu begraben! Was insbesondere die Barmherzigkeit und Gastfreundschaft gegen Fremde betrifft, durch die sich der heilige Ivo so auszeichnete, so legt sie uns auch der heilige Paulus ausdrücklich ans Herz mit den Worten: „Befleißet euch der Gastfreundschaft! (Römer 12,13) Und ein alter Wahrspruch lautet: „Kommt ein Gast, so kommt Christus.“

 

Gebet am 19. Mai

 

O beste Mutter, verlass mich nicht in meinen Bedrängnissen, bitte deinen Sohn, dass er das Kreuz, unter dessen Bürde ich seufze, von meinen Schultern nimmt, oder mir doch ausdauernde Geduld gibt, es mit Standhaftigkeit zu tragen, solange es ihm wohlgefällt. Die Zahl meiner Lebenstage wird immer geringer. Bald vielleicht schlägt meine letzte Stunde, die mein Schicksal für die ganze Ewigkeit entscheidet. O Mutter meines Herrn und Erlösers, sei mir Licht, Schutz und Trost in jener verhängnisvollen Stunde, verteidige mich gegen alle Anfälle des bösen Feindes und erwirke mir die Gnade der Beharrlichkeit, dass ich einen guten Kampf kämpfe, eines guten Todes sterbe und das Glück habe, dir für deine Liebe und Barmherzigkeit im Himmel zu danken. 

 

Zu Gott

 

O Gott, der du den heiligen Petrus Cölestinus zur päpstlichen Würde erhoben und ihn gelehrt hast, der Hoheit dieser Würde die Demut vorzuziehen, verleihe gnädig, dass wir nach seinem Beispiel alles Irdische verachten und glücklich zu den Belohnungen gelangen, die du den Demütigen verheißen hast, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im Leben des heiligen Petrus Cölestin, dessen Fest man heute feiert, wird gelesen, dass ihm die seligste Jungfrau mit dem heilen Johannes dem Evangelisten erschienen sei, als er gerade in einem geistlichen Buch mit Aufmerksamkeit las.

 

20. Mai

 

Der heilige Bernhardin von Siena, Priester und Bekenner,

+ 20.5.1444 - Fest: 20. Mai

 

An Mariä Geburt im Jahre 1380 kam Bernhardin als Kaufmannssohn zu Siena in Mittelitalien zur Welt. Weil er mit sechs Jahren bereits Vollwaise war, sorgten in der Folgezeit ein paar Tanten für den Jungen, der stets wie ein Wiesel umher lief, ständig heiter und fröhlich zwitscherte wie ein Spatz und immer auch einen Streich im Sinn hatte. Er war sozusagen der Schrecken seiner Tanten. Aber trotzdem konnte man ihm nicht böse sein, weil man über seine Ideen eher lachen musste. Nur wenn die Kameraden wüste Reden führten und fluchten, da machte Bernhardin nie mit. Solche Worte ekelten ihn förmlich an.

 

Als Bernhardin zwanzig Jahre alt war, kam die Pest nach Siena. Viele Menschen starben an dieser ansteckenden und damals unheilbaren Krankheit. Aus Furcht vor der Ansteckung kümmerte sich niemand um die Kranken. Das konnte Bernhardin nicht mit ansehen. Todesmutig pflegte er die Leidenden, stand den Sterbenden bei und begrub die Toten, wochenlang.

 

Man muss es als ein Wunder ansehen, dass der heldenhafte Krankenpfleger und Totengräber nicht selbst von der Pest ergriffen wurde. Aber wenn ihn die Seuche auch verschonte, so brach er doch infolge der Überanstrengung im Dienst der Nächstenliebe zusammen. Er schwebte lange Zeit zwischen Leben und Tod, und als er doch wieder gesund wurde, hatte er, der die Schrecken des Todes bei sich und bei vielen anderen erlebt hatte, von der Welt genug. Bernhardin trat in den Franziskanerorden ein. Mit vierundzwanzig Jahren erhielt er die heilige Priesterweihe, und dann vergrub er sich in die Einsamkeit und las das Buch der Bücher, die Heilige Schrift. Zehnmal las er das Buch von der ersten bis zur letzten Seite, langsam und besinnlich, und trank dabei den Strom des Gotteswortes in sich hinein, so dass er ganz davon erfüllt wurde. Dann verließ er die stille Klosterzelle und wanderte von Kanzel zu Kanzel durch Mittelitalien als der größte Prediger seiner Zeit.

 

Es war damals eine brutale und böse Welt. Hass und Feindschaft regierten überall. Mord und Totschlag galten als Alltäglichkeiten. Spielwut, Maßlosigkeit, Trunksucht waren die Regel. Die Armen wurden unterdrückt und getreten, und die Wucherer ließen sich Zinsen bis zu achtzig Prozent zahlen. Mit einem Wort gesagt, man hatte die Zehn Gebote Gottes abgeschafft und dadurch die Säulen umgestürzt, auf denen die Welt steht. Der Bankrott der Menschheit stand vor der Tür.

 

Bernhardin von Siena war es, der den drohenden Bankrott verhütete. Mit dem Ernst und der Wucht eines Propheten geißelte er auf ungezählten Kanzeln überall im Land die herrschenden Laster. In großen Scharen drängte sich das Volk zu den Predigten des feurigen Franziskaners, der unerschrocken und ohne Pause den Zehn Geboten durch sein Wort wieder Geltung verschaffte. Nicht selten ereignete es sich, dass die Leute nach Bernhardins zündenden Reden Spielkarten und Würfel, schlechte Bücher und Bilder und anderes unnützes Zeug auf den Marktplätzen öffentlich verbrannten.

 

Da traten an die Stelle der ausgelassenen Gelage kirchliche Festfeiern und an die Stelle brutaler Volksbelustigungen Prozessionen und Wallfahrten. Darlehnskassen, die Bernhardin einrichtete, unterbanden den grauenhaften Wucher. Für die Armen und Kranken gründete er Heime und Pflegestätten. Der Sittenlosigkeit begegnete er dadurch, dass er sich eifrig für die Verehrung der Gottesmutter Maria einsetzte. Und den weitaus größten Erfolg hatte er gegen das grobe Schimpfen und Fluchen zu verzeichnen, denen er den heiligsten Namen Jesus entgegenstellte. Bernhardin von Siena war es, der die Andacht zum Namen Jesus mächtig gefördert hat. Von ihm stammt übrigens das bekannte Namen-Jesus-Zeichen IHS, das in den katholischen und evangelischen Kirchen und auf Bildern oft zu finden ist und das man in Deutschland mit „Jesus, Heiland, Seligmacher“ deutet.

 

Im Namen Jesus hat Bernhardin von Siena stets gepredigt, und in diesem Namen hat er die großartigen Erfolge errungen, mit denen sein Wirken gesegnet war. Sein Wirken war aber auch deswegen begnadet, weil hinter den Worten des Predigers ein heiliger Mensch stand. Als ihn, den erfolgreichsten Redner seiner Zeit, einst ein Priester fragte, auf welche Art man am besten predige, gab Bernhardin die bedeutsame Antwort: „Tue selbst zuerst, was du lehrst, dann ist dein ganzes Leben eine Predigt.“

 

Der gottselige Bartholomäus Holzhauser, Priester,

+ 20.5.1658 – Gedenken: 20. Mai

 

Bartholomäus Holzhauser, der Sohn eines Schuhmachers zu Laugna, in Schwaben (24.8.1613) fühlte von Jugend auf Antrieb und Neigung, sich den Studien zu widmen, um einst als Priester des Herrn zum Heil der Seelen wirken zu können. Er hatte sie wirklich in Augsburg begonnen, aber die Pest, die in dieser Stadt ausgebrochen und so viel Jammer und Elend in ihrem Gefolge hatte, entzog ihm seine Wohltäter, und er sah sich gezwungen, Augsburg zu verlassen und wieder ins väterliche Haus zurückzukehren, wo er nun sich mit den anderen Brüdern den häuslichen Arbeiten und dem Handwerk des Vaters unterziehen musste. Aber die Neigung des Jungen konnte nicht unterdrückt werden. Er hörte nicht auf mit Vorstellungen und Bitten, bis er von seinen Eltern endlich die Erlaubnis zur Fortsetzung der Studien erlangte. Bei ihrer Armut und bei der großen Zahl ihrer Kinder (Bartholomäus hatte noch zehn Geschwister) konnten sie ihn wenig unterstützen, und er war ganz auf Gott und gutmütige Menschen angewiesen. Rührend ist es, zu lesen, wie der junge Student bei seinem Abgang aus dem elterlichen Haus vom Vater kein anderes Reisegeld erlangen konnte, als eine Denkmünze, die ungefähr zwei Kreuzer galt. Von der Mutter erhielt er einen Rosenkranz. Sie fügte ihrem Geschenk die dringende Ermahnung bei, Bartholomäus sollte öfters und andächtig Gebrauch von ihm machen, und sich stets Gott, der heiligsten Jungfrau und dem heiligen Schutzengel im Gebet empfehlen. „Sieh, mein Sohn,“ sprach sie, „wir können dir wenig geben; da du von allen menschlichen Hilfsmitteln entblößt bist, so musst du dich um so mehr durch guten Lebenswandel und durch eifriges Gebet der Hilfe des Himmels würdig und fähig machen.“

 

So wanderte nun der Junge, arm an zeitlicher Habe, aber doch voll Gottvertrauen, Eichstädt zu, wo die Väter der Gesellschaft Jesu die lateinischen Schulen leiteten, hoffend bei ihnen Aufnahme und in der Stadt Wohltäter zu finden. Aber ach! Seine Hoffnung wurde enttäuscht. Er wurde abgewiesen. So sehr ihn dies auch betrübte, so fand er doch im Gebet und in der Erinnerung an die Ermahnungen der Mutter bald neuen Mut, und er entschloss sich, sein Glück in dem nahen Neuburg an der Donau zu versuchen. Daselbst angekommen, erfuhr er, dass auch ärmeren Jungen eine schöne Gelegenheit zum Studieren geboten sei, indem unter der Leitung der Jesuiten in der Stadt ein Haus sei, die Präbende genannt, in dem arme Studenten Aufnahme und Verpflegung fänden. Hoffnung hierzu dürften sich besonders jene machen, die musikalische Kenntnisse besäßen. Er wurde in die Präbende aufgenommen, wo er zur Bedienung der anderen Musiker so lange verwendet wurde, bis er sich die nötigen musikalischen Kenntnisse erworben hatte, was bei dem gründlichen Unterricht, den er hier genoss, und bei seinem Fleiß und eifrigem Gebet um höheren Beistand bald der Fall war.

 

Als er seine Vorstellungen vollendet hatte und die Zeit gekommen war, wo er sich zur Wahl eines bestimmten Lebensstandes entschließen sollte, nahm er seine Zuflucht zum Vater der Lichter, von dem, wie von einer nie versiegenden Quelle, gute Gedanken und heilige Werke kommen. Er verdoppelte mit erhöhtem Eifer, so viel dies noch möglich war, seine Gebete, und vermehrte seine Besuche der heiligen Gottesmutter in ihrer Kirche, in der Absicht, sie möchte den vielen Gnaden, die sie ihm dort seither zu Teil habe werden lassen, auch diese beifügen, dass sie ihm ein höheres Licht zur Wahl seines Lebensstandes von Gott erbitten möge.

 

An dieser heiligen Stätte wollte er auch sein erstes heiliges Messopfer feiern, als er im Jahr 1639 in Eichstädt zum Priester geweiht worden war, um da, wo er schon längst im häufigen Gebet Gott sein Herz zu opfern gewohnt war, ihm auch den heiligen Leib seines menschgewordenen Sohnes zu opfern.

 

Von zartester Jugend an war Bartholomäus Holzhauser der heiligen Jungfrau mit innigster Andacht ergeben, und hatte ihr mit solcher lebhaften Zuneigung alle Gefühle seines Herzens geweiht, dass dieses sein Herz nur aus Liebe zu Maria zusammengesetzt schien, wie sich sein Lebensbeschreiber ausdrückt. Er fasste keinen Entschluss, ohne ihn vorher mit Maria zu besprechen, er unternahm kein Werk, ohne es ihr anbefohlen, ohne es in die Hände seiner geliebtesten Frau und Königin gelegt zu haben: Maria war sein geheimer Rat, sein Sachverwalter, sein Schutz, seine Mutter.

 

Oft unternahm er nicht minder weite als beschwerliche Reisen, um Orte, die Maria besonders geweiht und durch ihre Gnadenerweisung berühmt geworden waren, zu besuchen. Besonders zog ihn seine Andacht und Liebe zur Gottesmutter nach Maria-Einsiedeln in der Schweiz und nach Altötting in Bayern. Wenn er in Ingolstadt die Alumnen seines Institutes, die dort studierten, besuchte, und wie schon gesagt, in der Liebfrauenkirche die heilige Messe las, mussten sie alle ohne Ausnahme bei ihr erscheinen.

 

Es ist nicht auszusprechen, mit welcher Andacht er die Feste der heiligen Jungfrau feierte, besonders aber war es das Fest Mariä-Opferung, das er mit der größten Innigkeit beging, weil er sich an eben diesem Tag im Jahr 1642 mit seinen Priestern zum gemeinschaftlichen Leben verbunden hatte. Und wie er ihre Vereinigung dem besonderen Schutz der mächtigsten Himmelskönigin zuschrieb, so weihte er ihr auch sich und sein Institut. Allen Aggregierten machte er es zur Pflicht, der heiligen Jungfrau täglich den Tribut von gewissen Gebeten und Andachtsübungen zu entrichten. Zugleich setzte er als Regel fest, dass sie am frühen Morgen, sobald sie das Lager verlassen, in Gemeinschaft, zu Ehren eben derselben heiligen Jungfrau und ihres Bräutigams des heiligen Joseph gewisse Gebete und Litaneien beteten. Die Mitglieder, die noch nicht zu den kanonischen Tagzeiten verbunden waren, mussten alle Tage zu verschiedenen Stunden wenigstens den sogenannten Marianischen Kurs dafür verrichten. Überdies hatte er festgesetzt, dass sie täglich den dritten Teil des heiligen Rosenkranzes hinzufügten, wobei sie nach seiner Anleitung bei jedem Zehner die gute Meinung erneuerten und bei jedem englischen Gruß, wenn sie den Namen Jesus aussprechen, ein Geheimnis aus dem Leben des Erlösers betrachteten. Die Meinung, die er den Seinen für jede Abteilung des heiligen Rosenkranzgebetes vorschrieb, und welche seine Lebensgeschichte ausführlich berichtet, zeigt, wie seine Liebe alle Menschen umfasste, und wie er alle ihre Bedürfnisse in seinem Herzen trug, zugleich auch, wie innig überzeugt er war, dass alle Gnaden, die von Gott dem Menschen zukommen, durch die Hände der gütigen und mächtigen Jungfrau ihnen mitgeteilt werden.

 

In diesem Vertrauen, in dieser zarten Liebe zu seiner himmlischen Schutzfrau gab Bartholomäus Holzhauser auch seinen Geist in die Hände seines Gottes durch die Hände Mariens, nach einer dreiwöchigen, sehr schmerzhaften Krankheit im Jahr 1658, am 20. Mai, im 45. Jahr seines Lebens. 

 

Gebet nach dem hl. Franziskus von Assisi am 20. Mai

 

Ich begrüße dich Maria, Mutter Gottes, immer Jungfrau, allerheiligste Königin, in der die ganze Fülle der Gnaden und alles Gute sich findet, keine unter allen deines Geschlechtes vermag dich an Heiligkeit und Würde zu erreichen. Du bist die Tochter und Magd des himmlischen Vaters, des großen Königs. Du bist von ihm erwählt zur Mutter seines vielgeliebten Sohnes. Du bist die Braut des Heiligen Geistes, des Trösters. Sei gegrüßt, du Palast, Tempel und Mutter unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Ich bewundere die Tugenden, mit denen du ausgerüstet bist, und habe das sehnlichste Verlangen, sie, so viel mir mit Gottes Hilfe gegönnt ist, ebenfalls in Ausübung zu bringen. Du, die du so mild und liebevoll bist, bitte Jesus, deinen geliebtesten Sohn, für mich, und beschwöre ihn durch seine unendliche Barmherzigkeit und durch die Kraft seiner heiligsten Menschwerdung und seines bitteren Todes, dass er mir meine Sünden verzeihe und mir Gnade gebe, mein Heil zu wirken. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürsprache des heiligen Bernhardin

 

O Herr, der du dem heiligen Bernhardin eine besondere Liebe zu deinem heiligsten Namen verliehen hast, gib uns durch seine Verdienste und auf seine Fürbitte den Geist deiner Liebe, der du lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Gebet des heiligen Bernhardin

 

Wenn ich bete, so steige ich im Geist zu dir, mein Gott, empor. Und um was soll ich zu dir beten, als um die Liebe? Um sie betete der Prophet, als er flehte: "Lehre mich deinen Willen tun, weil du mein Gott bist!" Wohne du in meinem Herzen: Dies sei der Inhalt meines Gebetes. Dies eine ist die Liebe, und zwar die ausharrende Liebe, und jenseits die Ewigkeit der seligen Liebe. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Was der heilige Bernhard von Siena für eine große Andacht zur seligen Jungfrau trug, hat sein Leben genug angezeigt. Gott ließ ihn an dem Tag Mariä Geburt auf die Welt kommen und an demselben Tag taufen. In der Kindheit gewöhnte er sich an ihre Verehrung, ging an Mariä Geburt in den Ordensstand, machte an eben diesem Tag Profession, las seine erste Messe, hielt seine erste Predigt, und suchte durch seine Predigten und Schriften die Andacht zu ihr auf alle Weise zu befördern.

 

21. Mai

 

Der heilige Hospitius, Einsiedler bei Nizza, Frankreich,

+ 21.5.681 - Fest: 21. Mai

 

An den äußersten Grenzen der Landschaft Provenza in Frankreich erstreckt sich die Halbinsel Villa-Franka in das Meer. Auf dieser, eine halbe Meile von Nizza entfernt, stand ein alter verödeter Turm, der durch den heiligen Hospitius berühmt wurde. Hospitius war aus der ägyptischen Wüste zurückgekehrt, wohin ihn sein Eifer, im Guten vollkommen zu werden, getrieben und wo er alle Einsiedler besuchte und ihre strenge Lebensweise beobachtet hatte. Nun wollte er in seinem Vaterland sich diesen Bußübungen ergeben und wählte diesen Turm zu seinem künftigen Aufenthalt. Voll des Vertrauens und der Herzhaftigkeit, die von der göttlichen Liebe zu entspringen pflegt, schloss er sich in dieses halb zerfallene Gemäuer ein, um sich mit niemanden, als mit Gott allein zu beschäftigen, und sein äußeres Leben nach der äußersten Strenge einzurichten, die ihm durch Gottes Gnade zu üben möglich sei. Von derselben Zeit an glich sein Leben einem immerwährenden Wunder. Man sah ihn mit einer schweren Kette belastet und mit einem rauen Bußkleid angetan, das ihn bei jeder Leibesbewegung verwundete, so dass sein ganzer Leib wie eine Wunde war. Seine Nahrung war Brot und einige Dattelkerne. Während der Fasten aber aß er nichts als ungekochte bittere Wurzeln. Einige Stunden beschäftigte er sich mit Handarbeit, wenige schlief er, die ganze übrige Zeit brachte er im Gebet zu.

 

Der Ruf seines heiligen Lebens und seiner Strenge breitete sich überall aus. Man kam von allen Orten, um diesen Einsiedler zu sehen, der, wie man sagte, Im Beten, Fasten und Bußwerken alle ägyptischen Eremiten übertreffe. Die Menge und Unbescheidenheit des zudringlichen Volkes nötigten ihn, sich enger einzuschließen. Er ließ den Eingang seines Turmes zumauern. Nur eine kleine Öffnung blieb, um durch sie den nötigen Unterhalt zu empfangen und jenen zu antworten, die ihn befragten oder seinem Gebet sich empfahlen.

 

In der Nähe dieser Einsiedelei war ein Kloster, dessen Mönche sehr fromm und bescheiden waren. Diese ehrten den heiligen Einsiedler und ließen sich durch seine Ermahnungen und Zusprüche leiten. Sie nannten ihn nicht anders als ihren Vater oder Abt und machten seit seiner Ankunft im geistlichen Leben große Fortschritte.

 

Der heilige Hospitius hatte die Gabe der Weissagung. Er sagte den Einfall der Lombarden lange vorher, ermahnte das Landvolk, dass sie sich und ihr Hab und Gut in die Stadt retten sollten. Seine Freunde im benachbarten Kloster flohen auf seine Warnung und nahmen alle geweihten Geschirre mit sich. Sie baten ihn flehend und weinend, er möge auch mit ihnen kommen und so der Gefahr entgehen. Er aber sprach, sie zu trösten: „Gehet hin, meine Kinder, und entflieht dem bevorstehenden Gewitter und seid meiner unbesorgt! Die Feinde werden mich sehr bedrängen, aber das Leben werden sie mir nicht nehmen. Ihr aber habt alles zu befürchten, wenn ihr euch nicht durch die Flucht errettet.“ Der Erfolg zeigte die Wahrheit und Gründlichkeit seiner Weissagung. Die Barbaren, nachdem sie im Jahr 575 das Hochgebirge erstiegen hatten, verbreiteten sich von Genua bis in die Provenza. Eine herumschweifende Horde kam auch nach Nizza und auch zu dem Turm des heiligen Einsiedlers. Sobald Hospitius den Tumult hörte, zeigte er sich an der Öffnung und sah auf sie herab. Die Feinde umringten den Turm, fanden aber keinen Eingang. Es stiegen also einige auf das Dach, brachen durch und gelangten so zur Zelle des Heiligen. Sie entsetzten sich beim Anblick seiner schauerlichen Wohnung und bewunderten sein sanftes Gesicht und seinen milden Blick. Aber aus den schweren Ketten, die ihn fesselten, urteilten sie, er sei ein großer Missetäter. Deswegen lästerten sie ihn und fragten ungestüm, welches Verbrechen ihn hierher gebracht habe. Der demütige Hospitius antwortete: „Die Menge und Größe meiner Übeltaten ist unbeschreiblich.“ Darauf schwang einer sein Schwert und wollte dem Heiligen den Kopf zerspalten. Aber der Arm erstarrte dem Mörder, in die Höhe gestreckt muss er ihn halten, und ihm entfällt das Schwert zur Erde. Seine Kriegsgefährten schreien erschrocken, wenden sich zu dem Heiligen und bitten um Hilfe. Dieser segnete den erstarrten Arm mit dem heiligen Kreuz und augenblicklich wurde er gesund. Durch dieses Wunder rührte ihm Gott sein Herz und machte es für die Gnade empfänglich. Er wurde gläubig und blieb bei dem Heiligen und wurde später ein Mönch in dem nahen Kloster. Der heilige Gregorius, Bischof von Turon, der diese Geschichte beschrieben hat, hat diesen selbst gekannt und seine wunderbare Heilung und Bekehrung aus seinem Munde vernommen.

 

Nachdem die Barbaren sich zurückgezogen hatten und das Land Ruhe erhielt, wurden diese Begebenheiten weit umher bekannt. Die Hochschätzung und Verehrung des Heiligen wuchs und alles redete von dem heiligen Einsiedler und von weither kamen Leidende und baten um seinen Segen.

 

Ein Bürger von Angres verlor, als Folge einer schweren Krankheit, Gehör und Sprache. Er entschloss sich zu einer Wallfahrt nach Rom, um bei den Gräbern der heiligen Apostel und Blutzeugen Christi eine Linderung zu erflehen. Auf seiner Durchreise in der Provenza hörte er von den Wundertaten des heiligen Hospitius. Er konnte seinem Drang nicht widerstehen, ihn zu sehen. Als er sich dem Ort näherte und seine Begleiter in seinem Namen den Heiligen um seinen Segen baten, streckte Hospitius seinen Arm aus dem Fenster zu ihm, nimmt ihn bei den Haaren und zieht ihn zu sich, legte ihm einige Tropfen geweihten Öls auf die Zunge, goss ihm einige auf das Haupt und sprach: „Im Namen unseres Herrn Jesu Christi sollen sich deine Ohren öffnen und die Macht, die den Teufel aus dem stummen und gehörlosen Menschen getrieben hat, gebe dir deine Sprache wieder.“ Jetzt fragte er ihn: „Wie heißt du?“ Der Kranke, der eine plötzliche Veränderung in sich fühlte und den neue Lebenskraft durchdrang, rief mit lauter Stimme seinen Namen und mit gen Himmel gerichteten Augen schrie er frohlockend: „Der Herr sei ewig gebenedeit, der durch seinen Diener ein so großes Wunder gewirkt hat! Ich war im Begriff nach Rom zu reisen, hoffend bei den heiligen Aposteln Hilfe zu finden, und sieh, hier habe ich den heiligen Paulus, den heiligen Petrus, den heiligen Laurenz in der Person dieses Einsiedlers gefunden.“

 

Kaum hatte man sich über dieses Wunderwerk vom Erstaunen erholt, als ein Blindgeborener, mit Namen Dominikus, herbeigeführt wurde. Der Diener Gottes fragte ihn: „Begehrst du sehend zu werden?“ . . „Ach“, antwortete der Blinde, „ich weiß nicht, was sehen ist, weil ich in meinem Leben noch nie etwas gesehen habe! Doch sagt man mir so vieles davon, dass ich auch ein Verlangen habe, die Wohltat des Sehens zu genießen.“ Der heilige Einsiedler machte mit geweihtem Öl ein Kreuz über seine Augen und sprach: „Deine Augen sollen sich im Namen Jesu Christi unseres Erlösers eröffnen!“ Kaum waren diese Worte gesprochen, so hatte Dominikus sein vollkommenes Gesicht. Aber er war so erstaunt über das Licht und eine Menge Gegenstände, die er wahrnahm, dass er kein Wort sprechen konnte. Die Umstehenden freuten sich und verwunderten sich über dieses Mirakel mehr als über das erste; und der Ruf dieses heiligen Mannes verbreitete sich deshalb so weit, dass man sogar von den äußersten Enden des Morgenlandes Kranke und Krüppel herbeitrug, die alle nach empfangenem Segen gesund und Gott lobend heimkehrten.

 

Nachdem der heilige Hospitius fünfzehn Jahre in diesem Turm verlebt hatte, hat ihm Gott das nahe Ende seines Lebens kundgetan. Er sendete zu dem Vorsteher des Klosters und bat, dass er die vermauerte Tür aufbrechen solle und dem Augustadius, Bischof von Nizza, berichten lasse, er werde in drei Tagen sterben. Von diesem Hirten der Kirche begehrte er die heiligen Sakramente zu empfangen. Die Nachricht von dem nahen Tod des Dieners Gottes war schnell verbreitet und erweckte großes Leid. Ein Bürger von Nizza kam eilends herbei, um den Heiligen wenigstens noch einmal zu sehen. Als er durch das Fenster der Zelle den Einsiedler erblickte, rief er ganz erschrocken aus: „Mein Gott, wie ist es möglich, dass du mit Ketten so gefesselt, zernagt von Ungeziefer, abgehärmt vom Fasten und geplagt von so grausamer Strenge so viele Jahre leben konntest?“ Der Heilige antwortete: „Derjenige, dem zu lieb ich dieses gelitten habe, konnte mir Kräfte geben, solche zu überstehen, ja sogar mit himmlischem Trost versüßen.“

 

Am letzten der drei Tage ließ er sich die Ketten vom Leib nehmen, brachte einige Stunden auf der Erde liegend, betend und weinend zu. Dann erhob er sich, legte sich auf eine Bank und mit gen Himmel erhobenen Augen und Händen dankte er Gott für alle empfangenen Gnaden; empfahl seine Seele in die Hände seines Erschaffers und verließ ganz sanft das Zeitliche, am 21. Mai 581. Kaum war seine Seele aufgenommen, verschwand das Ungeziefer und sein Körper wurde ganz rein und der Bischof bestattete ihn mit viel Ehre.

 

Gebet am 21. Mai

 

Wunderbare Königin, wie schön ist der Name, den dir die dich liebenden Seelen geben, wenn sie voll Zärtlichkeit zu dir rufen: Liebliche Mutter, du bist wahrhaft liebenswürdig, du süße Königin meines Herzens, deine Schönheit hat selbst deinen Gott zur Liebe zu dir entflammt. Der heilige Bonaventura sagt, dass dein Name allen, die dich lieben, so lieblich klingt, dass, wenn sie ihn nennen oder nur nennen hören, der Wunsch dich zu lieben in ihnen erwacht und vermehrt wird. Es geziemt sich also, o meine liebenswürdigste Mutter, dass ich dich liebe. Aber es genügt mir nicht, dich auf eine gewöhnliche Weise zu lieben. Ich will dich auf Erden und dereinst im Himmel nach Gott über alles lieben. Nimm an diesen meinen innigen Wunsch, o Maria, und zum Zeichen, dass du ihn liebevoll angenommen hast, erlange mir von Gott diese Liebe, um die ich dich bitte, denn je mehr man dich liebt, desto mehr liebt man auch Gott. O liebliche Mutter, ich liebe dich, und will dich lieben zeitlich und ewig. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Märtyrer

 

O Gott, lass uns das Andenken an die heiligen Märtyrer nützlich werden. Gib uns auf ihre Fürbitte ausharrenden Mut in allen unseren Leiden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zum heiligen Hospitius

 

Bitte für mich, heiliger Dulder, dass ich doch auch lerne, alle meine Schmerzen und Leiden zur Liebe Gottes anzuwenden. Mögen immerhin meine Schmerzen zunehmen, wenn nur auch die Liebe Gottes in mir zunimmt, damit ich so unter Schmerzen und Liebe zum Tod gelange, und dass ich dann diesem Schreckensort entrinne, wo keine Liebe mehr sein wird, sondern nur ewige Qual. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Auf diesen Tag wird die Stiftung des Ordens der geistlichen Jungfrauen, die Annunciaden von der heiligen Maria genannt werden, gesetzt. Die selige Königin Johanna de Valois hat im Jahr 1500 den Anfang in diesem Orden gemacht.

 

22. Mai

 

Die heilige Julia, Jungfrau, Sklavin und Martyrin von Korsika,

+ 22.5.625 - Fest: 22. Mai

 

Genserich, König der Vandalen, ein eifriger Verfechter des Arianischen Irrtums, verfolgte mit unmenschlicher Grausamkeit die katholischen Christen. Das Land um Rom bis an das äußerste Italien wurde von ihm, der keine Barmherzigkeit kannte, in eine Wüste verwandelt. Rom selbst wurde gerettet, weil Genserich in Papst Leo – der Macht des Höchsten nicht widerstehen konnte, in dessen Hand die Ratschläge und alle Gewalt der Könige ist.

 

Im Jahr 439 nach Christi gnadenreicher Geburt, zog er in Karthago ein. Mehrere Tage wurde die Stadt geplündert. Die Heiligtümer der Kirche wurden nicht verschont; alle Reichen und Angesehenen dieser Stadt fielen durch die Schärfe des Schwertes, oder wurden vertrieben, oder als Leibeigene auf öffentlichem Markt verkauft.

 

Unter denen war auch eine sehr schöne und vornehme junge Frau, Julia mit Namen. Sie war ihrer Frömmigkeit und ihres christlichen Eifers wegen in der ganzen Stadt bekannt. Ein syrischer Kaufmann Eusebius erhandelte sie und führte sie mit sich in sein Vaterland. Obwohl von Jugend auf gewohnt sich bedienen zu lassen, befleißigte sie sich in freudigem Gehorsam anderen zu dienen aus Liebe zu Jesus Christus, dem sie ihren Leib und ihre Seele für immer geopfert hatte. „Gott hat es nun so über mich verhängt, ihm will ich mit unerschütterlichem Vertrauen mich überlassen, er wird mich leiten und schützen. Sein heiligster Wille wird alles zum Besten leiten.“ Das waren ihre Tröstungen.

 

Oft betrachtete Julia ihren gekreuzigten Heiland, seine namenlose Pein und Marter, und brannte vor Begierde, auch zu seiner Ehre leiden und sterben zu können. – Ihre Sittsamkeit, ihre Sanftmut, ihr Fleiß im Dienst ihres Herrn und ihr Verstand gewannen ihr die Zuneigung des Eusebius in kurzer Zeit und in so hohem Grad, dass er oft sagte, er wollte lieber all sein Hab und Gut, als diese seine Sklavin verlieren. Eusebius sprach ihr oft zu, nicht zu streng zu fasten, – sie fastete täglich, den Sonntag ausgenommen – und sich mehrere Vergnügungen zu erlauben. Julia aber sah wohl ein, dass nur durch eine anhaltende Strenge gegen sich selber sie zur Überwindung aller Versuchungen und Gefahren, die ihr in ihrer Umgebung beständig drohten, gelangen könnte. Doch mehr, als ihre ängstliche Behutsamkeit, ihr Stillschweigen und das sorgfältige Vermeiden aller Gefahr, schützte sie ihr Ernst und eine überall feste und sich gleichbleibende Entschlossenheit, vor Verletzung ihrer jungfräulichen Ehre; und diese edlen Gaben verlieh ihr der Himmel in so hohem Maße, dass auch die sittenlosesten und frechsten Menschen sich in ihrer Gegenwart keine unzüchtigen Gebärden, ja nicht einmal ein unanständiges Wort erlaubten.

 

Alle Zeit, die ihr der mühselige Dienst übrig ließ, brachte Julia mit Lesen einiger geistlicher Bücher zu, die sie insgeheim von Karthago mitgenommen hatte, im Gebet und in der Betrachtung des bitteren Leidens und des schmerzhaften Todes Jesu Christi. Das Bildnis des Gekreuzigten verwahrte sie beständig an ihrer Brust. War sie allein, so nahm sie es hervor, kniete vor ihm, benetzte es mit Tränen, und bat öfters: „Christus, du Sohn Gottes, lass mich doch auch mein Blut für dich vergießen, wie du es unschuldiger Weise für mich arme Sünderin vergossen hast.“ Da betete sie dann auch zu der allerheiligsten Jungfrau: „O heilige Mutter Gottes, deren Seele das Schwert des Schmerzes durchdrang, flehe doch zu deinem allerliebsten Sohn, dass er mich, ihm ähnlich, durch den Martertod in seine Herrlichkeit einzugehen würdige.“ Es wurde aber zunehmend unwahrscheinlicher, dass sie ihres Glaubens wegen den Martertod erleiden sollte. Denn von Tag zu Tag wuchs die Hochachtung ihres Herrn und die Ehrerbietung aller Hausgenossen vor einer Religion, die Julia mit so vielen und so großen Tugenden ausschmückte.

 

Wahrscheinlich hatte sie in kurzer Zeit viele ihrer Hausgenossen zum christlichen Glauben bekehrt. Da nahm aber Eusebius eine lange Reise in Handelsgeschäften vor. Julia musste ihn nebst anderer Dienerschaft auf der Reise begleiten. Nahe bei Kasto in Korsika ließ Eusebius die Anker werfen; und da er vernahm, dass die Einwohner, die meistens Heiden waren, ein großes Fest halten, wollte er ihm ebenfalls beiwohnen. Eusebius war mit all den heidnischen Schiffsleuten in einen großen heidnischen Tempel gegangen, wo man soeben dem Götzen einen Ochsen zum Opfer schlachtete.

 

Während, nach vollendetem Opfer, sich alles der ausgelassensten Freude überließ und man aß und trank, während Musik gemacht und Lieder auf das Lob der Götter gesungen wurden, da kamen zufällig Leute des Statthalters an das Meergestade und sahen da im Schiff des Eusebius eine Frau, die am Boden kniend ihre Hände andächtig betend faltete. Darüber sich verwundernd, hinterbrachten sie es ihrem Herrn, dem Statthalter, und da fand es sich, dass es Julia, die christliche Sklavin des Eusebius, war, die den Götzendienst verabscheuend, während des Götzenfestes im Schiff geblieben war und da zum Gott der Christen betete. Felix, der Statthalter der Insel, ein eifriger Anhänger des Götzendienstes, sagte zu Eusebius, den er bereits zu sich an die Tafel geladen hatte: „Warum gestattest du es, dass jemand von deinen Leibeigenen unsere Götter verachtet und den Gott der Christen anbetet?“ Darauf erwiderte Eusebius: „Erlauchter Felix! Glaube ja nicht, dass ich mich nicht schon seit mehreren Jahren eifrigst bemüht habe, diese meine Magd von diesem Glauben abwendig zu machen, aber umsonst. Weil sie aber sonst ein unsträfliches Leben führt, mir sehr treu dient und mit viel Verstand meinem ganzen Hauswesen wohl vorsteht, so habe ich schließlich abgelassen auf sie einzureden, dass sie ihren Aberglauben aufgebe.“

 

„Das ist aber nicht recht“, versetzte Felix, „du solltest sie entweder entlassen oder zwingen, dass sie den Göttern opfere.“ „Von ihrem Glauben abwendig machen“, sagte Eusebius, „kann ich sie nicht, daneben ist sie mir so lieb geworden, dass ich sie nicht gern entlassen möchte.“ Felix antwortete darauf: „Verkauf sie mir, Eusebius! Und bestimme den Kaufpreis; oder wenn du kein Geld dafür nehmen willst, so magst du dir unter meinen Sklavinnen für sie vier aussuchen, die dir am besten gefallen werden.“ Eusebius spricht: „Dein ganzes Vermögen würde mir nicht ausreichen dafür, was meine Sklavin wert ist, auch würde ich lieber alles, als sie verlieren.“

 

Felix sah wohl, dass er auf diesem Weg nichts ausrichte und nahm daher seine Zuflucht zu einer List. Während der Mahlzeit setzte er dem Eusebius so sehr und anhaltend mit Wein zu, dass er ihn völlig berauschte und so um alle Besinnung brachte. Darauf ließ er durch seine Sklaven Julia zu sich führen, damit er sie zum Götzendienst verleite oder aber öffentlich beschäme und beschimpfe. Felix redete die Heilige, als sie vor ihm erschien, mit sanften Worten folgendermaßen an: „Bilde dir nicht ein, dass man deiner spotten wolle. Ich habe von deiner Jugend viel rühmen gehört. Du bist eines besseren Glückes wert und sollst nicht länger eine Sklavin bleiben. Zu deinem Glück will ich dir verhelfen, nur musst du dich entschließen, in unserm Tempel den Göttern ein Opfer zu bringen. Willst du dann auf dieser Insel bleiben, so werde ich dich nach deiner adeligen Herkunft und nach deinen ausgezeichneten Geistes- und Leibesgaben vorteilhaft verheiraten; wenn nicht, so will ich dich auf meine Unkosten bringen lassen, wohin du verlangst.“ Julia antwortete mit ehrerbietigen Worten, aber kühn und unerschrocken: „Mir fehlt die wahre Freiheit nicht, da ich das Glück habe, Christus zu dienen; denn nur wo sein Geist ist, da ist Freiheit. Ich verlange keinen anderen Stand und kein anderes Glück hienieden, indem ich die höchste Glückseligkeit, die allein eine Glückseligkeit zu heißen verdient, jenseits im Himmel erwarte. Deine Götzen aber verachte ich und zittere vor dem Gedanken, ihnen Ehre zu erweisen; denn du sollst wissen, ich bin eine Christin und auch bereit für meinen Glauben zu sterben.“ Felix vergaß sich völlig vor Zorn, da er seine Götter im Angesicht aller Leute so sehr beschimpft sah, und befahl daher den Umstehenden, die Slavin ins Angesicht zu schlagen. Julia, blutend aus Nase und Mund, sprach: „Mein Gott und Erlöser ist auch mit Backenstreichen geschlagen worden und wie freue ich mich seiner Schmach teilhaftig zu werden!“ Noch wütender, sich so verhöhnt zu sehen, befiehlt Felix, Julia auf die Folter zu spannen und mit Stricken zu schlagen. Unter den gräulichsten Martern schrie sie laut zu Gott: „Sei ewig gebenedeit, mein Gott, mein Heiland, wegen der großen Barmherzigkeit, die du mir schenktest! O ich Glückselige! Wenn ich doch leiden könnte, wie du gelitten hast. Wie man mir die Haare ausrauft, so hat man dein heiliges Haupt mit Dornen gekrönt; wie man mich mit Stöcken schlägt, hat man deinen heiligen Leib mit Ruten- und Geißelhieben ganz zerrissen! Wie man mich mit Schimpf- und Schmachworten überhäuft, so bist du mit Unbilden gesättigt worden. Preis dir, o Gott, Allmächtiger, der du mir Gnade gibst, zu deiner Ehre zu leiden!“ Während all diesen und anderen Worten, die Julia bei der Marter sprach, war ihr Angesicht fröhlich, ja mit einem himmlischen Glanz verklärt. Felix, ganz außer sich vor Wut, ließ alsdann einen Galgen aufrichten und die Heilige daran aufhängen. Als Julia den Galgen erblickte, rief sie freudig aus: „O Jesus Christus! O Übermaß der Gnade und Erbarmung Gottes! Ich glaubte, du erachtest mich arme Sünderin nicht für würdig, gleich dir und zu deiner Ehre am Galgen zu sterben, wie du am Kreuzesholz für alle gestorben bist; o mein Gott, nimm gnädig auf das Opfer meines Lebens, das ich dir hier darbringe. Erbarme dich aber auch dieser blinden Leute, verzeih ihnen meinen Tod und erleuchte sie durch deinen heiligen Geist!“ Kaum hing sie am Galgen, so gab sie ihren Geist auf. – Die Zeugen ihres Todes wurden nun auf einmal von einer unaussprechlichen, unerklärbaren Angst getrieben und ergriffen in aller Eile die Flucht. Eusebius, vom Rausch erwacht, kam zu spät, um seine teure Sklavin zu retten und weinte neben ihrer Leiche.

 

Zur selben Zeit wurde den Mönchen eines benachbarten Klosters auf der nahen Insel Gorgona oder St. Margaretha von den heiligen Engeln der Tod der heiligen Julia geoffenbart und ihnen befohlen, den Leichnam zu begraben. Die Mönche begaben sich alsbald auf ein Schiff, landeten in Korsika, und fanden den Leichnam der Heiligen, lösten ihn vom Galgen und führten ihn zurück zu ihrem Kloster. Die Mönche der nahen Insel Kapria oder Kabrera begleiteten mit ihren Palmzweigen in den Händen und unter Psalmengesang den Leichnam in die Kirche des Klosters, wo er in ein kostbares Grab gelegt wurde. Da ruhte er bis im Jahr 763, als der König der Longobarden Desiderius ihn ausgraben und in seinem Gebiet in Meszia in die neue Kirche des von ihm erbauten schönen Frauenklosters übersetzen ließ, wo seine Tochter Angelberga Äbtissin war. Später wurde diese Kirche viel kostbarer und neu erbaut und von da an die Julia-Kirche genannt.

 

An dem Ort in Korsika, wo die Heilige am 22. Mai den Martertod erlitt, ist eine Quelle. Über diese wurde eine Kapelle erbaut. – In unterschiedlichen Anliegen sprachen die Hilfesuchenden die heilige Julia um ihre Fürbitte bei Gott an; und Gott verherrlichte die Heilige durch wunderbare Gebetserhörungen.

 

Die heilige Rita, Witwe und Augustinernonne von Cascia in Italien,

+ 22.5.1457 – Fest: 22. Mai

 

Diese große Wundertäterin des Augustinerordens hat zwar schon vor sechshundert Jahren gelebt und auch gleich nach ihrem Tod sich durch ihre wunderbare Hilfe in Bedrängnissen das Vertrauen des katholischen Volkes erworben, dennoch ist sie eine moderne Heilige, deren Verehrung sowohl wie ihre Wunderkraft gerade in neuerer Zeit immer mehr zuzunehmen scheint. Ist es ja auch erst unserer Zeit vorbehalten gewesen, dieser Seligen, obwohl sie von Anfang an die Liebe und das Vertrauen der Gläubigen aller Länder genoss, durch das kirchenamtliche Zeugnis den Titel und die Krone einer Heiligen zu verleihen. Leo XIII. hat unsere Rita am 24. Mai 1900 heiliggesprochen. Was die Lebensgeschichte dieser „Rose von Cascia“ so wundervoll, was ihr Charakterbild so anziehend für alle macht, ist wohl das ihr besonders eigene Merkmal, dass sie ein Beispiel heroischer Tugend für alle Stände ist, eine leuchtende Frauengestalt im Weltkleid wie im Ordensgewand, ein Spiegelbild für die christlichen Jungfrauen, die Ehefrauen und Mütter, die Ordens- und Krankenschwestern. Und das ist Rita geworden durch treue Nachfolge des leidenden Heilandes auf dem Opfer- und Leidensweg nach Kalvaria.

 

Umbrien, die gottgesegnete Landschaft Mittelitaliens, ist das Heimatland, Rocca Porena, das durch fast überhängende Berge von der Welt abgesperrte Dörfchen, der Geburtsort, Cascia aber ist das glückliche Städtchen, nach dem die Heilige den Namen führt „Rita von Cascia“. Ihre Geburtszeit fällt um 1381. Ihre Eltern Anton und Amata Mancini standen in einfachen bürgerlichen Verhältnissen und waren durch Tugend und Rechtlichkeit angesehen. Von ihrem Beispiel angezogen, lebte auch Rita still und zufrieden in ihrem Stand, jede Kleiderpracht verabscheuend, gehorsam den Geboten Gottes und jedem Wink der Eltern, mitleidsvoll mit den Armen, musterhaft durch ihre Frömmigkeit und ihr ehrfurchtsvolles Verhalten im Gotteshaus. Ja sogar Fasten und nicht geringe Abtötungen waren dem unschuldigen Kind nichts Unbekanntes. Bald macht es sich eine Einsiedlerklause zurecht, ein abgelegenes Kämmerchen im Haus, um da ganz allein sein zu können mit dem lieben Jesus. Da war es vor allem das bittere Leiden unseres Herrn, um das sich die Gedanken und Herzensempfindungen der heranwachsenden Jungfrau bewegten, da empfand sie unter reichlichen Tränen und dem lebhaftesten Mitgefühl jenen Frieden und jene himmlische Freude, die die Gnade, und nur sie allein selbst aus der Bitterkeit zu ziehen vermag. Unter der Leitung ihres himmlischen Lehrmeisters erkannte Rita immer deutlicher die Täuschung des Irdischen und die Eitelkeit der sinnlichen Freuden und Vergnügungen. So war in ihr der Entschluss zur Reife gelangt, die Welt zu verlassen und zu den Augustinerinnen nach Cascia zu gehen.

 

Im Plan der Vorsehung war es unserer vorbildlichen Heiligen vorerst anders bestimmt. Sie sollte der Welt zeigen, wie man auch inmitten der Haus- und Familiensorgen sich die christliche Vollkommenheit zum Ziel setzen soll und sie erreichen kann. Die Eltern glaubten ihr einziges Kind, den Trost und die Stütze des Alters nicht verlieren zu können. Von ihren Bitten und Tränen gerührt, verschob Rita aus kindlicher Liebe und Folgsamkeit die Ausführung ihres Plans. Aber, um dem Kind den Weg ins Kloster völlig abzuschneiden, drängten die Eltern auf Verehelichung. Rita flehte und weinte, sie umzustimmen, und rang in inbrünstigem Gebet um Erleuchtung und Hilfe zum Herrn. Gott ließ sie erkennen, dass es sein Wille sei, den Eltern hierin zu gehorchen. Und wie kam es? Bald hätten die Eltern ihr geliebtes Kind wieder lieber hinter den friedlichen Klostermauern gesehen. Der von ihnen selbst auserlesene Schwiegersohn war äußerst zornmütig und aufbrausend und nicht fähig, in der Hitze sich zu beherrschen. Da wurde denn die Geduld und die Selbstbeherrschung der jungen Frau auf eine harte und lange Probe gestellt. Ist sie wohl deswegen schon von Jugend auf mit Vorliebe in die Schule des Gekreuzigten gegangen, um nun den ihr aufgelegten Kreuzweg auch mit Mut und Ausdauer verfolgen zu können? Gekränkt und beschimpft, vergalt sie nicht Gleiches mit Gleichem. Das empörendste Unrecht, die schlimmste Misshandlung brachte sie nicht aus der Fassung. Schimpf- und Drohworte des tobenden Gatten beantwortete sie nicht wieder mit gereizten und nur wieder aufreizenden Reden. Rita stellte dem allen eine unbesiegliche Sanftmut entgegen. Immer wieder suchte sie die schlimme Naturanlage des Mannes richtig zu behandeln und sich in sie zu schicken, soweit die Gefälligkeit gegen ihn mit der christlichen Sitte in Einklang blieb. War das ein schweres Ringen, ein eigenartiger Wettstreit zwischen auffahrendem Zorn und engelgleicher Sanftmut, zwischen Gewalttätigkeit und Gefälligkeit, zwischen Hartem, herrischem Druck und demütigem Dulden! Der Sieg blieb schließlich der Güte und Sanftmut der schwachen Frau. Der Mann begann sein Unrecht einzusehen und tat alles, um sich selbst zu beherrschen. Zum unaussprechlichen Trost Ritas gestaltete sich das erst so stürmische Eheleben ruhiger und friedvoller.

 

Doch nun kam eine andere harte Heimsuchung, ein furchtbarer Schlag für die schon so viel geprüfte Frau. Achtzehn Jahre waren schon seit Ritas Verheiratung verflossen, da geschah es eines Tages, dass ihr Gatte von feindlicher Hand ermordet wurde. Die schreckliche Nachricht ließ Rita bewusstlos zusammenbrechen. Auch die Heiligen unterliegen den Schwächen der Natur, fühlen wie alle Menschen ihre Eindrücke und Forderungen. Rita sah sich einem Abgrund von Trübsal gegenüber. Aber ihre durch Leiden gestählte Seele suchte und fand in Gott die Kraft, sich aufrecht zu halten. In christlichem Edelmut verzieh sie von Herzen dem Mörder ihres Mannes, ja legte für ihn Fürbitte ein, dass nicht die ganze Strenge der Gerechtigkeit ihn treffe. Das war Heldenkraft; aber selbst sie sollte die „starke Frau“ noch überholen. Frauenleid ist groß, Mutterleid noch größer, weil ja auch Mutterliebe die größte Liebe ist, neben und mit der Gottesliebe. Rita war Mutter von zwei Söhnen, und diese waren ganz dem Vater nach geartet. Sein heißes Blut und schlimmes Beispiel waren in ihnen wirksam. Die Sorgen und Mühen, die Furcht und Angst der frommen Mutter um eine gute Erziehung ihrer Kinder waren so viel und groß als sie eben sein müssen bei einer Mutter, die sich ihrer Pflicht voll bewusst ist, die anvertrauten Kinder für den Himmel zu erziehen. Der gewaltsame Tod ihres Vaters wollte nun mit einem Mal ihr langes mühevolles Erziehungswerk wieder gänzlich erschüttern. Den ohnedies heißblütigen Söhnen des Südens, zumal jener früheren Zeiten, wo die Hand zum Selbstschutz so leicht sich an die Dolchklinge legte, galt vielfach die Blutrache nicht als Untat, eher als Pflicht der Angehörigen eines Ermordeten. Nun erst diese Söhne, denen ein ausnehmend zornmütiger Vater sein Naturell vererbt hatte! Sie schwuren, nicht eher zu ruhen, bis der Mörder ihres Vaters in seinem Blut vor ihnen liege. Wer kann nun die Herzensangst der Mutter erfassen! Sie bat und beschwor die beiden geliebten Söhne, sie stellte ihnen alle Grundsätze des Rechtes und der Religion vor Augen. Umsonst! Mit Schaudern sah sie dem Tag entgegen, der ein neues namenloses Unglück für ihre Familie bringen konnte. Sie, die schon das ungewisse Los ihres so jäh dahingerafften Gatten in der anderen Welt folterte, musste nun vor der gleichen, ihren Schmerzenskindern drohenden Gefahr erzittern. Wer hat größeres Verständnis für eine solche Gefahr als eine Mutter, eine heilige Mutter! Wird ihr ein Opfer zu schwer werden, ein solches Unglück, das einzige Unglück, das es für den Menschen überhaupt gibt, von einem geliebten Kind abzuwenden? Heißestes Gebet aus blutendem Herzen genügt der Mutterangst nicht. Opfer wollte sie bringen, die schwersten; die Söhne selber, ihr irdisches Leben wollte sie opfern, wenn sie nur vor der schrecklichen Sünde, wenn nur ihre Seelen vor der ewigen Verdammnis bewahrt blieben. Und siehe, Gott nahm das heldenhafte Opfer des Mutterherzens an. Jakob und Paul, die beiden, wurden von einer Krankheit befallen und starben nacheinander, nicht befleckt von der blutigen Untat.

 

Nun stand Rita allein, eine Martyrermutter, die um Gottes und höherer Güter willen ihre Kinder hingegeben hat! Mochte sie nun auch nur für Gott allein leben, mochte ihre Liebe in Werken der Barmherzigkeit, wie sie das ja auch seither schon stets getan hatte, nun noch mehr den armen Mitmenschen schenken, ihr Herz blieb nicht ganz befriedigt. Unwiderstehlich zog sie nun wieder das Ordensleben an. Darum suchte sie demütig im Kloster der Töchter des heiligen Augustin in Cascia um Aufnahme nach. Dass aber die dortigen Nonnen es ablehnten, eine Witwe in ihre jungfräuliche Gemeinschaft aufzunehmen, finden wir begreiflich. Und doch war es gerade das Augustinerinnenkloster von Cascia, dessen religiöses Leben durch die heilige Rita gehoben und dessen Name durch sie in aller Welt bekannt werden sollte. Was nach menschlicher Weise mit natürlichen Mitteln nicht erreichbar scheint, weiß Gott mit seinen Kräften der Übernatur in Wirklichkeit zu setzen. Rita hatte sich auf dem gewöhnlichen Weg der Prüfungen des Menschenlebens so hoch zum Himmlischen emporgerungen, dass nun auch des Himmels Wunderkräfte nach Gottes Gnadenwahl in ihrem Leben zu spielen beginnen. In einer Nacht, wo sie wieder gar innig zu ihren heiligen Patronen, dem heiligen Johannes dem Täufer, dem heiligen Ordensvater Augustin und dem heiligen Nikolaus von Tolentino, dem eifrigen Augustiner-Volksmissionar (gestorben am 10. September 1306), um Hilfe in ihrem hoffnungslosen Anliegen flehte, da erschienen ihr diese und führten sie als himmlische Brautführer ins Kloster zu Cascia ein, ein ganz eigenartiges Ereignis, wie es sonst in der an merkwürdigen Vorgängen so reichen Geschichte der Heiligen kaum mehr zu finden ist.

 

Als Ordensfrau erfüllte Rita alle Vorschriften des Ordens mit ganzer Hingabe, die ihre Kraft und Ausdauer aus einer vollendeten Gottesliebe schöpfte. Gerühmt wird an der heiligen Rita besonders die Liebe zum Stillschweigen, ohne das ja der Geist der Sammlung und des Gebetes nicht gut bestehen kann. Die Übung des bereitwilligsten Gehorsams war eine ununterbrochene. Die Armut liebte sie so sehr, dass sie während der 44 Jahre ihres Klosterlebens nur ein einziges Ordenskleid brauchte, das freilich oft geflickt werden musste, dessen langes Aushalten aber wohl kaum auf natürlichen Bedingungen allein beruhen konnte. Um das Gelübde der Keuschheit möglichst vollkommen beobachten zu können, nahm die Heilige täglich dreimal die Geißelung vor, fastete viel, an den Ordensfesten bei Wasser und Brot, und mischte noch an Freitagen, des gekreuzigten Erlösers eingedenk, ein sehr bitteres Kraut unter ihre Speisen. Gott ließ es zu, dass seine treue Dienerin gerade um die Tugend der Herzensreinheit die heißesten und langwierigsten Kämpfe und die schwersten Versuchungen auszustehen hatte. Wurden diese gar zu heftig, so hielt die heroische Kämpferin ihre Hand über das Feuer und ermunterte sich selbst mit den Worten: „Rita, wenn du dies Feuer nicht erdulden kannst, wie wirst du dann in den höllischen Flammen aushalten können, die allen denen bereitet sind, die im Leben vom Feuer der Unlauterkeit entzündet sind?“ Solch außerordentliche Mittel, zu denen die Heiligen griffen, brauchen ja nicht nachgeahmt werden. Das Beispiel der heiligen Ordensfrau lehrt uns aber, wie auch die Bestgesinnten und Frömmsten nicht gegen Versuchungen wider diese Engelstugend gefeit sind, dass diese aber mit Gottes Gnade und beharrlichem Ringen in ihrem ungetrübten Glanz bewahrt werden kann.

 

Ein Gegenstand war es besonders, aus dem die Seele der heiligen Rita zeitlebens ihre Nahrung zog: Das Leiden Christi. Ihr ganzes geistliches Leben war von der liebenden Verehrung des Gekreuzigten beherrscht. Dort floss die Quelle ihrer Gnaden und Heiligkeit. Schon in ihrer Abtötung trug sie Christi Kreuz körperlich an sich. Seelisch gewahrte man eine fortschreitende Umgestaltung in den Gekreuzigten. Rita gehörte aber auch zu den bevorzugten Gnadenkindern, die der Herr zum wirklichen Mitleiden mit sich erhob. Einmal, im Jahr 1443, von tiefem Mitgefühl ergriffen, flehte sie, vor einem Kruzifix in der Klosterkapelle kniend, den Gekreuzigten inständig an, ihr einen einzigen Dorn aus seiner Krone zu senden, damit sie sein Leiden teilen und ihn trösten könne. Da fühlte sie unter einem durchdringenden Schmerz ihre Stirn verwundet werden. Wie ein Dorn drang es ein. Bald sollte die große Dulderin innewerden, was es heißt, Anteil am Leiden Christi zu haben. Immer größer wurde die Wunde und verbreitete überdies einen starken, pestartigen Geruch, selbst Würmer bildeten sich darin. Während sonst die Stigmatisierten die Kreuzigungswundmale des Herrn an sich trugen und mitlitten, wurde die heilige Rita das Abbild des dornengekrönten Heilandes, und was noch vielfach empfindlicher war, das Abbild des mit Schmach bedeckten, von den Menschen ausgestoßenen Erlösers. Gleich Hiob war die Arme geschlagen. Der Geruch der stets eiternden Wunde verscheuchte ihre Umgebung. Wie eine Ausgestoßene musste sie sich in ihre einsame Zelle zurückziehen. Zur leiblichen Qual war die Seelenqual der Verachtung und Schmach gekommen. Die Stirnwunde blieb bis zu Ritas Tod und schloss sich nur einmal vorübergehend, im Jubiläumsjahr 1450, wo die Heilige mit ihren Schwestern die Pilgerfahrt nach Rom mitmachte.

 

Der treuen Kreuzträgerin gab der Leidensbräutigam noch kurz vor ihrem Scheiden aus der Welt einen besonderen Erweis seiner Liebe. Wie er der heiligen Märtyrin Dorothea Rosen aus dem Himmel sandte, so erfreute er auch die starkmütige Märtyrin der Liebe mit gleicher duftiger Gabe, die aber der kalten Erde entsprosste, die ihre wohltätige Hand in ihrer Jugend bebaut hatte. Es war Mitte Januar, wo sie einer sie besuchenden Verwandten befahl: „Wenn du nach Rocca Porena kommst, dann gehe in den Garten meines Hauses, pflücke dort eine Rose und bringe sie mir.“ Und wirklich! An den vor Winterkälte starrenden Sträuchern fand sich ein grüner Zweig mit frischer, schönfarbiger Rose.

 

„Der Herr führt den Gerechten auf rechten Wegen, zeigt ihm das Reich Gottes, bereichert ihn bei seinen Mühen und segnet seine Arbeiten.“ (Weisheit 10,10) Die der Herr auf die Wege seiner engsten Nachfolge im Reich Gottes auf Erden geführt hat, ihr erschien er nun mit seiner heiligsten Mutter und zeigte ihr an, dass sie nach drei Tagen in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen werde. Am 22. Mai 1457 erfolgte der selige Hinübergang. Rita zählte 76 Jahre. Hatte Gott seine getreue Dienerin schon im Leben wunderbar bereichert und auch ihrem mächtigen Fürbittgebet gar oft Erhörung zugesprochen, jetzt nach dem Eingang in die ewige Herrlichkeit gewährt der Allgütige der Verklärten, als Erfüllung und Segnung ihrer Lebensarbeit, einen staunenswert reichen Rosenregen wunderbarer Gnadenerweise auf ihre Verehrer herabsenden zu dürfen. Zunächst ist es der Leib der Heiligen selber, das Werkzeug ihrer Buße und ihres Tugendlebens, den Gott verherrlichte. Als unverdächtiger, gewissenhafter Augenzeuge versichert uns der neueste Herausgeber einer Lebensbeschreibung „der Wunderrose von Cascia“, Augustinerpater Hugolin, dass er am 10. Oktober 1913 den ehrwürdigen Leib der heiligen Rita hat schauen können, wie er, der ohne einbalsamiert zu sein, in feuchter Erde ist bestattet worden, nach über 450 Jahren noch gut erhalten ist. Die Gebeine sind von Haut und Muskeln umgeben, das Antlitz etwas blass vom Alter, der Mund ist ein wenig geöffnet. Die Augen sind nicht eingesunken, sondern haben ihre natürliche Wölbung behalten und sind halb geöffnet, so dass die schwarzen Augensterne sichtbar werden. Merkwürdig ist hierbei, dass die Augen 171 Jahre hindurch geschlossen waren. Gelegentlich der Seligsprechungsfeierlichkeiten im Jahr 1628 aber öffneten sie sich zum größten Erstaunen der anwesenden Volksmenge.

 

Merkwürdig ist auch der Wohlgeruch, den der Leib der Heiligen oft verbreitet. Besonders wird er an ihrem Fest wahrgenommen. Dieser wunderbare Wohlgeruch, der oft auch schon Kranken die Gnade der Heilung andeutete, wurde wiederholt geprüft, wie alle anderen wunderbaren Ereignisse, und erst wieder am 25. Februar 1896 amtlich bestätigt.

 

Zahlreich und auffallend sind die Wunder, die Krankenheilungen und mannigfachsten Gebetserhörungen, die auf Anrufen der heiligen Rita erfolgten, von ihrem Tod angefangen bis in unsere Tage hinein. In hoffnungsloser Lage, in den verzweifeltsten Fällen nehmen die Gläubigen ihre Zuflucht zu ihr und finden Erhörung, so dass die heilige Rita „die Heilige des Unmöglichen“, die „Helferin in verzweifelten Fällen“ genannt wird. Die vielen unumstößlich beglaubigten Gebetserhörungen geschehen gerne durch Anwendung und andächtigen Gebrauch von geweihten Ritabildchen und Medaillen, von Ritabrot, -Rosen und -Öl (aus der Lampe in ihrem Heiligtum).

 

Da St. Rita als Frau in der Welt wie als Ordensfrau mit Vorliebe die armen Kranken gepflegt hat, ist sie die “Patronin der Krankenfürsorge“ geworden. Der Dritte Orden des heiligen Augustin in Würzburg nennt seine Krankenschwestern „Ritaschwestern“. Anderen dienen, stets offene Augen für die Not, offenes Herz zur mitleidigen Teilnahme, offene Hände in werktätiger Liebe haben, das ist das Zeichen des wahren Jüngergeistes Jesu Christi. „Alle deine Wege sind Barmherzigkeit.“

 

Die gottselige Renata, Herzogin von Bayern,

+ 22.5.1602 – Fest: 22. Mai

 

In der Zeit des allgemeinen kirchlichen Niederganges und politischer Wirrnisse hatte Bayern das Glück, tugendhafte und charakterfeste Fürsten zu besitzen. Herzog Wilhelm V., der 1579 zur Regierung kam, führt mit Recht den Beinamen der Fromme. Von väterlicher Liebe für seine Landeskinder beseelt, bewirtete er täglich zwölf der ärmsten Leute an seiner Tafel, versorgte jedes Jahr 72 Arme mit Kleidern und gab allen Dürftigen Arzneien und Lebensmittel, so viel er konnte. Als er 1598 freiwillig von der Herrschaft zurücktrat, lebte er heilig und abgeschieden wie ein Kartäuser. Von ihm und seinem Sohn, dem Kurfürsten Maximilian, konnte der Erzbischof Antonius von München 1880 beim Wittelsbacher Jubiläum mit vollem Recht sagen, dass sie eine die gewöhnlichen Grade weit überragende Frömmigkeit besaßen.

 

Die Gemahlin Wilhelms des Frommen, die Mutter des großen Kurfürsten, Renata, geborene Herzogin von Lothringen, führt öfters die Bezeichnung „selig“. Indessen hat die Kirche nicht über sie geurteilt. Wir müssen ihr aber nachrühmen, dass sie ein Muster heiligen Lebens gewesen ist.

 

Als Kind war Renata immer kränklich, und selbst die Ärzte hatten alle Hoffnung auf eine Wiedergenesung aufgegeben. Da nahm sie ihre Zuflucht zu höherer Hilfe. Sie gelobte eine Wallfahrt nach Loretto in Oberitalien. Darauf verfiel sie in einen todesähnlichen Schlummer. Die ersten Worte, die sie nach ihrem Erwachen sprach, waren „Gloria tibi, Domine!“ (Ehre sei dir, o Herr!) Die Krankheit war vorüber. Sie war und blieb von nun an gesund. Sie beschloss nun das ihr von Gott so wunderbar geschenkte Leben ganz zu seiner Ehre zu verwenden. Nie ließ sie das Ziel aus den Augen und sich stets nur vom Geist Gottes leiten, der in reinen Seelen seine Wohnung hat. Noch Jungfrau, verbreitete sie allenthalben den Glanz ihrer Tugenden und Gottseligkeit.

 

Im Jahr 1568 vermählte sich Renata, die Würde und Anmut und reiche Talente auszeichneten, mit Herzog Wilhelm von Bayern. Einer der ausgezeichnetsten Kirchenfürsten jener Zeit, Kardinal Otto von Truchseß, Bischof von Augsburg, hatte die Ehe unter großer Feierlichkeit eingesegnet. Die Pracht dieser Feier wurde mehrfach besungen und beschrieben. Sie sollte dem Bayernland zu neuem Segen gereichen. Die gottselige Herzogin wurde Mutter von zehn Kindern, von denen besonders zwei weittragenden und wohltätigen Einfluss auf ihre Zeitgenossen ausübten und die größten Verdienste um den katholischen Glauben sich erwarben: Kurfürst Maximilian und Herzogin Magdalena.

 

Diese Prinzessin Magdalena, das letzte Geschenk der frommen Ehe Renatens, tat sich vor allen Kindern durch eine besondere Frömmigkeit hervor. Vorzüglich erzogen – ein Verdienst der Eltern – sprach sie nicht nur geläufig Latein, sondern hatte auch Fertigkeit im Italienischen, Spanischen und Französischen. In Gottes Vorsehung war es gelegen, dass diese treu-katholische Fürstin die Gemahlin eines protestantischen Regenten, des Herzogs Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, aus der älteren Wittelsbacher Linie wurde. Vor ihrer Vermählung hatte Magdalena eigenhändig das katholische Glaubensbekenntnis niedergeschrieben und trug es stets als Urkunde ihrer Glaubenstreue bei sich. Unablässiges Gebet um die Rückkehr ihres Gemahls zur Mutterkirche, ihr eigenes musterhaftes religiöses Leben, eifriges Forschen des Herzogs Wolfgang selber, besonders Studium des Katechismus des heiligen Petrus Canisius führten den Herzog zur Wahrheit des katholischen Glaubens. Welche Freude für die fromme, gottselige Magdalena! Als der Herr sie am 25. September 1628 abrief, hatte sie den Trost, neben ihrem Gemahl auch viele ihrer Untertanen zur katholischen Religion zurückgekehrt zu sehen, besonders in Düsseldorf und der Umgebung, das damals zu Pfalz-Bayern gehörte. Ein protestantischer Adeliger tat über Magdalena den Ausspruch: „Diese gottselige Fürstin könnte die Anrufung der Heiligen, wie sie bei den Katholiken gebräuchlich ist, gar wohl rechtfertigen. Zu ihr, die so voll Barmherzigkeit ist, könnte ich meine Zuflucht nehmen, und ich bin gewiss, dass sie mir keine Bitte versagen würde.“

 

Diese trostvollen Erfolge hatte die Mutter, die edle Renata, nicht mehr erlebt. Nachdem sie ihrem Gemahl Wilhelm so zahlreiche Nachkommenschaft gegeben und ihre mütterlichen Pflichten aufs gewissenhafteste erfüllt hatte, gelobten beide Ehegatten gänzliche Enthaltsamkeit. Dieses Gelöbnis festigte die opferfreudige, sich selbst abgestorbene Frau durch ein noch strengeres Leben, als sie es bisher schon führte. Das Wort des Apostels: „Die Christus angehören, kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierlichkeiten“ hatte sich tief ihrem Herzen eingeprägt, als sicheres Geleitwort ihres heiligen Lebens. Ihren leiblichen Bedürfnissen gönnte sie nur das Notwendigste. Sie genoss so wenig, dass die Ärzte es als ein Wunder erklärten, wie sie mit so wenig Nahrung das Leben fristen könne. Ihre ganze Zeit widmete sie den Arbeiten ihres Berufes, dem Gebet und den Werken der Barmherzigkeit. Die Unterweisung der Ihrigen geschah mit solch zärtlicher Liebe, dass sie jedermann, der sie zu hören das Glück hatte, daran erbauen musste. Im Wohltun war sie eine mitleidige, alle mit weitem Herzen umfassende Mutter der Armen. Als Vorbild hatte sie sich die heilige Elisabeth von Thüringen erwählt, diese lieblichste Erscheinung aus der Zeit des höfischen Lebens in Deutschland. Unter dem Schutz dieser Patronin gründete sie das Elisabethenspital in München, wozu sie aus ihrem eigenem Vermögen 20.000 Dukaten verwendete. Ihren Gemahl unterstützte sie in der Stiftung des Herzogsspitals, des Kranken- und Waisenhauses. Dem Herzog gleich speiste auch sie täglich zwölf arme Frauen an ihrer Tafel, sie voll Liebe und Demut bedienend, und kleidete alljährlich zweiundsiebzig Arme. Sie ging selbst zu den Kranken in die armseligen Hütten, um Zeugin der Not zu sein und um gründlich und in der rechten Art abhelfen zu können. Herzog Wilhelm sagte öfters von seiner liebe- und mitleidsvollen Gemahlin: „Will man die Liebe malen, so muss man das Porträt der Herzogin fertigen, denn in ihr sind alle vom Apostel angegebenen Eigenschaften der Liebe vereint.“

 

Wie das Leben dieser frommen Frau war auch ihr Sterben. Seit der Thronentsagung ihres Gemahls hatte sich beider Leben zu einem völlig zurückgezogenen in der Maxburg gestaltet. Obwohl die Ärzte den Gesundheitszustand Renatens für gut ansahen, sprach sie selbst von ihrem Tod als nahe bevorstehend. Um sich darauf vorzubereiten, trat sie mit Herzog Wilhelm eine Wallfahrt nach Ebersberg zu Ehren des heiligen Sebastian und dann nach Altötting zur lieben Mutter Gottes an, um Abschied zu nehmen von ihrer treuen Beschützerin im Leben und um ihr das letzte Stündlein anzuempfehlen. Und wirklich hatte die Uhr ihres Lebens schon zum letzten Schlag ausgehoben. Gerade hier, in der heiligen Kapelle, während noch die gottselige, in rührender Beharrlichkeit der Gnadenmutter ergebene Verehrerin den Dank des Herzens der Schutzherrin ihres Lebens und Landes an den Stufen des Gnadenthrones niederlegte, meldete sich ein Fieber an. Niemand hielt es für gefährlich. Die Herzogin aber erkannte den Boten, der ihr den Hingang und die selige Vereinigung mit Gott ankündete. Am 22. Mai 1602 ging sie zur ewigen Belohnung ins andere Leben hinüber. Ihr Leib ruht in der von ihrem Gatten erbauten St. Michaels-Kirche in München. Das Herz der edlen Verstorbenen, die allgemein wie eine Heilige verehrt und wie eine Mutter, die man verloren hat, betrauert wurde, behielt der fromme Herzog Wilhelm als kostbare Reliquie für sich zurück. War dies doch die eine Hälfte seines eigenen Herzens, da beide wirklich nur ein Herz und eine Seele waren.

 

„Auch bei der größten Geldnot soll man keine Kosten sparen, damit in der Pflege der Kranken nichts versäumt werde. Man darf nicht zu sehr fühlen, dass darum das Vermögen vermindert werde. Es kehrt alles mit Zinsen zurück. Wer den Kranken in heiliger Meinung pflegt, pflegt Gott den Herrn selbst. Wer hier sparsam sät, wird auch sparsam ernten. Die lebendigen Tempel des Heiligen Geistes zu unterstützen, um ihren Einsturz zu verhüten, ist ein größeres Verdienst als Altäre zu erneuern. Stürzen diese, so lassen sich neue errichten; aber das Leben des Kranken kannst du nicht mehr zurückrufen. Es lässt sich nicht sagen, wie sehr unter dem Leiden des Körpers die Schwäche der Seele zunimmt. Tätest du nicht das Möglichste für ihn, so würde ihn ein zweifaches Übel drücken, seine Krankheit und deine Lieblosigkeit.“ (hl. Ignatius v. L.)

 

Der selige Johannes Bapt. Machado,

Priester und Märtyrer von Japan aus der Gesellschaft Jesu

und seine Gefährten Leo und Matthias,

+ 22.5.1617 – Fest: 22. Mai

 

Der selige Pater Machado wurde auf einer der Azoreninseln geboren. Noch nicht siebzehn Jahre alt, trat er 1597 in die Gesellschaft Jesu ein. Auf seine Bitten wurde er gleich nach dem Noviziat in die Mission geschickt und machte seine Studien zu Goa und zu Makao. 1609 kam er nach Japan. Zuerst war er tätig an den Höfen von Meako und Fuszima, dann in Cicongo und Bigen. Bei der allgemeinen Verbannung, die damals die Missionare traf, blieb er in Nagasaki und wirkte heimlich auf einigen Inseln. Aber von falschen Freunden verraten, fiel er in die Hände der Häscher. Als er zum Tode verurteilt wurde, sagte er: „Drei Tage rechne ich als die glücklichsten meines Lebens, den meiner Aufnahme in die Gesellschaft Jesu, den meiner Verhaftung und endlich diesen, wo es mir vergönnt ist mein Leben für meinen Heiland dahinzugeben.“ Am Gestade des Meeres bei Nagasaki wurde er am 22. Mai 1617 enthauptet.

 

Sein Gefährte Leo Tanaka stammte aus einer christlichen japanischen Familie und wurde von seinen frommen Eltern schon als Kind den Missionaren der Gesellschaft Jesu anvertraut. Später als Katechet der Gesellschaft zum Begleiter des Paters Machado bestimmt, folgte er ihm beständig auf allen apostolischen Reisen. Auf der Insel Goto wurde er mit ihm verhaftet. Er hatte Gelegenheit zu fliehen, aber er wollte lieber das Los seines Meisters teilen als den Schein einer Verleugnung des Glaubens auf sich zu laden. Der selige Leo Tanaka erinnert hierin an den heiligen Laurentius, der, als Papst Xystus zum Martertod geführt wurde, unter Tränen ausrief: „Wohin gehst du, Vater, ohne deinen Sohn?“ Er erhielt zur Antwort: „Nach drei Tagen wirst du mir folgen.“ Als Tanaka sah, dass ihm die ersehnte Marterkrone nicht zuteilwerden sollte, hörte er nicht auf unter heißen Tränen sich solcher Ehre für unwürdig zu bekennen. Doch sein Wunsch sollte bald erfüllt werden. Zehn Tage später wurde er auf einer Insel der Provinz Omura verhaftet und verurteilt. Freudig bot er sein Haupt dem Henker dar.

 

Am 22. Mai starb drei Jahre später der selige Matthias von Arima eines schrecklichen Martertodes. Er war der Gefährte und Katechet des Paters von Couros, der als Provinzial der Gesellschaft Jesu auch die Verwaltung der Diözese besorgte. Während der Verfolgung bediente dieser sich unseres Seligen zu gefahrvollen Sendungen. Einmal fragte er ihn, ob er wohl, wenn er eingefangen würde, die Missionare, deren Zufluchtsstätten er alle kannte, verraten werde. „Lieber lasse ich mir“, antwortete Matthias, „das Fleisch stückweise vom Leibe reißen, als dass ich jemanden verraten würde.“ Es waren keine leeren Worte. Von den Häschern ergriffen und vor den Statthalter geführt, spannte man ihn auf die Folter, um eine Aussage zu erpressen. Er blieb stumm. Da wandten die Henker die schreckliche Wassertortur an, d.h. sie füllten ihm den Leib gewaltsam mit Wasser und kneteten und schlugen ihn dann in entsetzlicher Weise. Mehrmals wiederholten sie diese Marter. Dann gaben sie ihm Faustschläge ins Gesicht, gossen ihm geschmolzenes Blei über den Rücken. Aber der Selige blieb stumm. Ermüdet ließen die Henker ab, um am folgenden Morgen die Marter fortzusetzen. Als sie ihn aber tot fanden, schlugen sie den Kopf vom Leib und stellten ihn aus mit der Inschrift: „Dieser ist hingerichtet, weil er Christ ist und die Missionare nicht hat verraten wollen.

 

Die seligen Leo und Matthias geben uns das Beispiel von Gefährten und Katecheten, die ihrem Missionar treu waren bis zum Tod, ja durch ihre Treue die Marterkrone erlangten. Sei auch du der Kirche treu, selbst im Kleinsten. Das bringt dir die Krone des Lebens.

 

Der selige Johann Forest, Franziskaner-Priester und Märtyrer in England,

+ 22.5.1538 – Festtag: 22. Mai

 

Unter allen Blutzeugen, die unter dem abtrünnigen König Heinrich VIII. in England für den katholischen Glauben starben, erlitt dieser Selige die grausamste Todesart. Vater Forest wurde zusammen mit dreiundfünfzig anderen englischen Märtyrern am 9. Dezember 1886 von Papst Leo XIII. seliggesprochen.

 

Johannes Forest war mit siebzehn Jahren in den Franziskanerorden getreten, hatte als Mönch in Oxford seine Studien gemacht und erscheint später als angesehener Prediger bei der berühmten Londoner Kirche St. Pauls Kreuz. Eine Zeitlang war er Quardian des Klosters der strengeren Regel zu Greenwich und Beichtvater der Königin Katharina. Auch beim König muss er in hohem Ansehen gestanden haben. Denn als dieser 1532 den Franziskanerobservanten heftig zürnte, weil zwei von ihnen in seiner Gegenwart sich erkühnten gegen die Ratgeber des Königs und seinen unchristlichen Ehehandel zu predigen, da gelang es Forest durch persönliche Einwirkung auf Heinrich die bereits beschlossene Unterdrückung der Observantenklöster noch einmal hintanzuhalten. Doch gab es in seinem eigenen Kloster feindselig Gesinnte, die an den gewissenlosen Ratgeber des Königs Cromwell fleißig über Forest berichteten. So fiel auch er in Ungnade. Als dann Heinrich VIII. 1534 seinen Bruch mit Rom vollendete, da mussten die Franziskanerobservanten, die als der einzige Orden von Anfang an mit Mut und Entschiedenheit für die Rechte des Papstes und der Königin eingetreten waren und deren begeisterter Lobredner früher der König selbst gewesen war, seine Rache kosten. Die Mönche wurden durch königliche Visitatoren auf alle Weise drangsaliert und sämtliche sieben Observantenklöster im August 1534 aufgehoben. Der selige Johann Forest kam in längere Haft, ob in einem Kloster oder staatlichen Gefängnis ist ungewiss. Gefasst sah er dem Äußersten entgegen. In einem Brief ermuntert die Königin Katharina ihren ehemaligen Beichtvater, sich der kurzen Qual mit Mut und Freude zu unterziehen. Der Gefangene drückt in seiner Antwort die Sehnsucht aus, bei Christus sein zu können. Indessen finden wir den seligen Bekenner zu Anfang 1538 wieder in Freiheit und friedlich im Kloster der Minoriten zu London leben, treu seiner Regel und unverdrossen tätig in der Seelsorge. Dass er sich diese Freiheit dadurch erwirkt haben soll, dass er sich, wie so viele andere Ordensleute und Prälaten, zum Eid auf die Erbnachfolge der Elisabeth in der Regierung und auf die geistliche Suprematie (Oberherrschaft) des Königs verstanden habe, ist weder glaubhaft noch erwiesen. Selbst ein anglikanischer Geschichtsschreiber weist auf die Unwahrscheinlichkeit hin, dass er, der einstige Provinzial, eines der hervorragendsten Mitglieder des Klosters von Greenwich, dessen Mönche alle sich 1534 so standhaft erwiesen haben, als der einzige sich dem Eid gefügt hätte. Im Verlauf von 1538 erlagen allein 32 Franziskaner den Leiden des Kerkers. Man wird Johann Forest wohl, nach anfänglich strenger Haft, freie Bewegung im Londoner Minoritenkloster, dessen Vorsteher ganz im Dienst der Regierung stand, unter der Bedingung gegeben haben, dass er sich den äußeren Verhältnissen füge. Diese stillschweigende Anerkennung könnte Forest selbst im Auge gehabt haben, wenn er später beim Verhör ausgesagt haben soll, dass er „den Bischof von Rom in seinem äußeren, nicht aber in seinem inneren Menschen verleugnete“. So schwieg Forest nach außen, aber laut predigte sein heiligmäßiger Wandel im katholischen Geist. Was er nicht offen sagen durfte, das Schrieb er ohne Scheu nieder. Er verfasste eine Schrift: „Über die Autorität der Kirche und des Papstes“, worin er den König scharf tadelte, dass er ohne Beruf sich den Titel: „Oberhaupt der Kirche Englands“ angemaßt habe. Noch war die Schrift nicht gedruckt, aber schon hatte Heinrich VIII. davon erfahren. Indessen gab der kluge und musterhafte Ordensmann keine Handhabe zu einer Anklage. Dazu wollte man nun seine seeleneifrige Tätigkeit im Beichtstuhl benützen. Besondere Spione wurden abgerichtet, ihm Gewissensfragen vorzulegen. Einem gelang es endlich, dem Beichtvater eine bestimmte Erklärung darüber zu entlocken, dass der König nicht das geistliche Haupt der Kirche sein könne. Hierüber bestärkte noch der Selige sein vermeintliches Beichtkind durch viele Stellen aus der Schrift.

 

Kurz hernach, Ende März 1538, wurde Forest gefänglich eingezogen und angeklagt, „er habe vielen Untertanen des Königs in geheimer Beicht erklärt, der König sei nicht oberstes Haupt der Kirche“. Seine Kerkerhaft war streng. Aber in allen Verhören weigerte er sich festen und unerschütterlichen Sinnes, auch nur um Haaresbreite von der Lehre der römisch-katholischen Kirche abzuweichen. Lieber wollte er den Tod und die furchtbarsten Qualen erdulden. Wiederholt schickte der König an den noch immer sehr angesehenen Gefangenen und ließ ihm Verzeihung und die höchsten Ehrenstellen anbieten, wenn er von seiner Treue gegen den Papst lassen wollte. Umsonst. Der königliche Tyrann wurde dadurch so erzürnt, dass er sich mit der für Hochverrat gewöhnlichen Todesstrafe nicht zufrieden erklärte, sondern wünschte, Forest dem Feuertod, der Strafe für die Ketzer, zu überliefern. Für den charakterlosen anglikanischen Erzbischof Cranmer, dem der Auftrag zufiel, war es keine schwere Aufgabe, den Franziskaner der Irrlehre, in seinem Sinn, als schuldig zu erweisen. Er legte ihm vier Thesen, theologische Behauptungen, vor, die offenbare katholische Wahrheiten enthielten. Nur eine über die Nachlassung der ewigen Strafe durch die Buße war nicht klar gestellt, durfte darum weder einfach angenommen noch auch verworfen werden. Der siebzigjährige Greis, durch wochenlange schwere Kerkerhaft geschwächt, scheint diesen Satz als unrichtig abgewiesen zu haben. Denn die Gegner triumphierten, Forest habe einen katholischen Glaubenssatz geleugnet, also „seine Irrtümer abgeschworen“. Schon bestimmte man den Tag, wo er in aller Form auf öffentlichem Platz Widerruf seines bisherigen Glaubens leisten sollte. Unterdessen aber hatte der Märtyrer, dem man, wie es scheint, durch Erleichterung der Haft entgegenkommen wollte, Gelegenheit gefunden, sich durch die heiligen Sakramente zu stärken. Mitgefangene Priester wussten Wege und Mittel, heimlich das heilige Messopfer zu feiern. Forest verweigerte ganz entschieden die Abschwörung. Nun wurde er des Rückfalls in die Ketzerei schuldig erklärt.

 

Die Qualen des Scheiterhaufens aber genügten noch nicht. Sie sollten für das arme Opfer noch bitterer, für den gemeinen und vornehmen Pöbel Londons noch würziger gemacht werden. Man stand gerade in der Zeit eines fanatischen Vernichtungswahnes gegen die bisher in England in hoher Verehrung gestandenen Gnadenbilder. Da wurde von einem Kommissär gemeldet, die einfältigen Leute glaubten, ein alter Heiliger von Nordwales, namens David, dessen Bild große volkstümliche Verehrung genoss, besitze die Macht, seine Schützlinge von den Qualen der Hölle zu befreien. Das passte ja vorzüglich zu der Lehre, die man dem verhassten Franziskaner unterschob. Ja von dem großen hölzernen Bildnis des Heiligen ging auch die Prophezeiung, es werde dereinst einen ganzen Wald verbrennen (Wald heißt auf englisch forest). Nur der Weissagung musste man doch zur Erfüllung verhelfen und den Forest mit dem Holz des walesischen Gnadenbildes verbrennen. Ein anglikanischer Kirchengeschichtsschreiber mein sogar, der nichtswürdige Cromwell habe von Anfang an den Prozess des ehrwürdigen Ordensmannes nach dieser Richtung geleitet. Die Gottlosen trieben mit dem Ernstesten und Heiligsten des Menschen, mit seinem Tod und seinem Glauben, ihren Spaß und Spott. Ganz London eilte am 22. Mai 1538 auf das Schmiedfeld hinaus. Cromwell selbst, der Lordmayor (Bürgermeister), Herzöge und Lords waren zugegen. Wie zu einem Faschingsspiel hatte man Vorbereitungen getroffen. Der hohe Galgen war mit Spottversen in großen Buchstaben geziert. Die von ihm herabhängenden Ketten mit Ringen waren bestimmt, das arme Opfer um die Mitte des Leibes und unter den Armen zu umschließen und so über dem Feuer in Schwebe zu halten. Der Abtrünnling Latimer, häretischer Bischof von Worcester, hielt eine Donnerrede gegen den Papst. Am Schluss fragte er den vor ihm stehenden Märtyrer, ob er leben oder sterben wolle. „Ich will sterben,“ antwortete mutig der Selige, „lasst euren Grimm an mir aus! Vor sieben Jahre hättet ihr um euer Leben keine solchen Reden zu predigen gewagt wie jetzt. Und wenn ein Engel vom Himmel herabkäme und mich eine andere Lehre lehrte als jene, die ich als Kind gelernt habe, so würde ich ihm nicht glauben. Nehmt mich, schneidet mich in Stücke, Glied für Glied, brennt mich, hängt mich, tut, was ihr wollt! Ich will von nun an meinem Glauben treu bleiben.“ Weiter ließ man ihn nicht reden. Er wurde in die Ringe geschlossen. Das unter ihm knisternde Feuer wurde mit den Spänen des Heiligenbildes zu heller Glut angefacht. In namenlosem Schmerz bäumte sich der Blutzeuge Christi unwillkürlich auf und suchte, sich an den Ketten emporhebend, dem Feuer zu entrinnen. Aber kein Wort um Gnade an seine Henker, kein Wort der Verleugnung, das man so gern gehört hätte, kam von seinen Lippen. Nur das Gebet: „Im Schatten deiner Fittiche werde ich hoffen, bis die Bosheit vorübergeht“ (Ps 56) hörte man ihn oftmals flüstern. Länger als eine halbe Stunde dauerte die entsetzliche Todesqual. Endlich erlag der Leib im Tod und der Selige schwang sich zu Gott empor, als würdiger Genosse der größten Märtyrer aus den ersten christlichen Zeiten.

 

Auch die Märtyrer hatten mit der menschlichen Schwäche zu ringen, erlagen ihr sogar bisweilen, auch sie spürten die ganze bittere Qual des Todes. Sie fanden aber die himmlische Kraft der Beharrlichkeit in dem, zu dem sie riefen: „Erbarme dich meiner, o Gott, denn auf dich verlasse ich mich. Auf deiner Flügel Schatten hege ich Zuversicht, bis die Gefahr vorüber ist. Zu Gott, dem Höchsten, rufe ich, zu Gott, meinem Wohltäter. Er sandte mir Hilfe vom Himmel und übergab meine Verfolger der Schmach.“ (Ps 56,2-4)

 

Gebet am 22. Mai

 

Meine liebste Mutter, auch ich bin einer, der pilgert im Tal der Tränen und täglich deines Schutzes und Beistands bedarf. Ich nehme also meine Zuflucht zu dir und bitte dich vertrauensvoll du wollest mir stets deinen mütterlichen Schutz angedeihen lassen. Ich gelobe dir, dass ich mich für deine Güte dankbar bezeigen und von den Gütern und Gnaden, die ich durch deine Vermittlung von Gott erhalte, jederzeit einen guten Gebrauch machen werde. Mein unablässiges Streben wird sein, nach deinem Beispiel Gott in guten wie in schlimmen Tagen mit gleicher Treue zu dienen, damit ich nach diesem vergänglichen Leben eingehen darf in die Freuden des ewigen Lebens. Amen. 

 

Zu Gott

 

Allmächtiger Gott, der du die heilige Julia auf verschiedene Art geprüft und bewährt gefunden hast, verleihe uns die Gnade, dass wir durch die genaue Erfüllung unserer Standespflichten und durch unsere Geduld im Leiden dir gefallen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Die heilige Julia, deren Leben heute beschrieben wird, hat in ihrer Sklaverei durch eifriges Gebet sich zur Marter vorbereitet, insbesondere aber zur Fürbitte der seligsten Jungfrau ihre Zuflucht genommen, um sie zu erhalten. 

 

23. Mai

 

Der heilige Bischof und Märtyrer von Langres Desiderius, Frankreich,

+ 23.5.411 - Fest: 23. Mai

 

Der heilige Desiderius war aus einem vornehmen Geschlecht in der Gegend von Autun in Gallien um die Mitte des sechsten Jahrhunderts geboren. In früher Jugend schon widmete er sich den Wissenschaften, in denen er glänzende Fortschritte machte. Er kam nach Vienne. Da verehrte er den Erzbischof Ramatus wie einen Vater und wurde von ihm wie ein Sohn geliebt, sorgfältig unterrichtet in der Wissenschaft des Heils und geleitet auf der Bahn der Tugend. Er widmete sich dem Dienst der Kirche, anfänglich in den niederen Verrichtungen, dann als Diakon. Sein Eifer für die Ehre Gottes und für das Heil der Gläubigen war sehr groß und ganz unbefleckt sein Wandel. Deswegen wurde er nach dem Tod des Erzbischofs Verus, um das Jahr 594 zum Oberhirten der Kirche in Vienne bestellt. Die eifrige Amtsverwaltung und die Heiligkeit des Lebens erregte den Neid einiger seiner Mitbrüder. Dazu kam der Hass der Königin Brunehild, der ihm die bitterste Verfolgung und die schwersten Drangsale einbrachte.

 

Brunehild war die Tochter des Visigothischen Königs Athanegild, vermählt mit dem Austrasischen König Siegebert, der im Jahr 595 nahe bei der Stadt Doruik von erkauften Meuchelmördern getötet wurde. Während der Regierung ihres Sohnes Childebert und ihrer Enkel Theudebert und Theuderich maßte sich eine große Gewalt in der Reichsverwaltung an und überließ sich dabei einer sehr ausschweifenden Lebensweise. Nach der Erzählung einiger Geschichtsschreiber soll sie selbst mit ihrem Neffen, dem Meroveus, einem Sohn des Königs Chilperichs, in blutschänderischer Verbindung gelebt haben. Der heilige Desiderius verurteilte mit großem Nachdruck ihre Vergehen und erklärte, wie einst Johannes der Täufer, ihre Verbindungen für unerlaubt und sündhaft. Dadurch reizte er den Zorn der wollüstigen Frau und entflammte gegen sich ihre Rachsucht. Diese zu befriedigen, versuchte sie Hohe und Niedere, die Bürgerlichen und die Soldaten gegen den gottseligen Bischof einzunehmen. Sie ließ nichts unversucht, mancherlei Beschuldigungen und Anklagen gegen ihn aufzubringen und durch falsche Zeugen bestätigen zu lassen. Es wurde eine Versammlung von Bischöfen nach Chalons an der Saone berufen, die, irregeleitet durch die Anklagen und die falschen Zeugnisse, den Desiderius des heiligen Amtes enthob, worauf er um das Jahr 603 auf eine Insel verbannt wurde.

 

Gott war in diesem fremden Aufenthaltsort sichtbar mit seinem Diener, wie einst mit dem Josef in Ägypten, und bestätigte dessen Unschuld und Heiligkeit durch mehrere wundervolle Werke, die er durch ihn geschehen ließ. Die Bewohner der Insel bewiesen ihm große Verehrung und er stiftete unter ihnen großen Segen durch das heilige Evangelium. Nach vier Jahren wurde er zurück berufen zu seiner Kirche nach Vienne. Unbeschreiblich war der Jubel, mit dem er von seiner gläubigen Herde empfangen wurde. Unzählige Menschen strömten dem geliebten Hirten entgegen vor die Stadt, in die sie ihn unter lautem Freudengeschrei begleiteten.

 

Das Hass der Brunehild war aber noch nicht erloschen und noch nicht gestillt ihre grenzenlose Rachlust, im Gegenteil noch mehr angeflammt durch die große Verehrung, die dem Mann Gottes allgemein bewiesen wurde. Ein Beamter der Stadt Vienne ließ sich von ihr gewinnen und zum verabscheuungswürdigen Werkzeug ihrer Rache gebrauchen. Er quälte auf alle ihm mögliche Weise nicht allein den Bischof, sondern auch dessen Geistlichkeit. Jeder Anlass, die Diener Gottes zu lästern, zu verleumden oder auf was immer für eine andere Art sie zu drängen, war dem niederträchtigen Mann willkommen. Jede Schwierigkeit und jeder Kummer, die er ihnen verursachen konnte, verschaffte seinem bösen Herzen große Freude. Eines Tages ließ er zwölf Kirchendiener ergreifen, sie in Fesseln legen und in ein tiefes Gefängnis werfen, in dem sie lange Zeit schmachten mussten. Jede Verwendung für ihre Rettung blieb fruchtlos. Desiderius flehte für sie zu Gott ohne Unterlass. Gott erhörte sein Flehen, erbarmte sich seiner Knechte und erlöste sie auf wunderbare Weise. In einer Nacht stand der heilige Severus, der vor vielen Jahren als Priester zu Vienne gestorben war, im Gefängnis mitten unter ihnen, weckte sie auf vom Schlaf, löste ihre Fesseln und führte sie sie, wie einst der Engel Gottes den Petrus, aus dem Kerker. Sie gingen in die Kirche des heiligen Stephanus, wo das Grab des heiligen Severus war, dankten da, und priesen Gott für die Errettung, und dann zu Desiderius, dessen Freude unaussprechlich groß war. Groß war auch die Freude und der Jubel des gesamten gläubigen Volkes.

 

Der König Theuderich bezeigte große Verehrung für den Erzbischof. Er schickte Abgeordnete zu ihm mit der Bitte, dass er sich an sein Hoflager bemühen wolle, weil er in einer wichtigen Sache sich mit ihm zu beraten wünsche. Desiderius erschien und riet dem König auf die deshalb an ihn gestellte Frage, dass er sich verehelichen solle, wobei er die Worte des Apostels anführte: „Ein jeder Mann habe seine Frau, und eine jede Frau ihren Mann. Gott wird die Ehebrecher verdammen und die Entehrer seines Tempels zu Grunde richten.“ Dadurch wurde die Brunehild noch mehr als je zuvor gegen den Erzbischof erbittert. Denn sie hatte bisher die Verehelichung des Königs immer verhindert, aus Furcht, ihr Ansehen würde leiden, wenn eine Königin am Hofe wäre. Zudem musste sie sich durch die Erklärung des heiligen Mannes auch selbst in ihrer ärgerlichen Lebensweise sehr getroffen fühlen. Die Gottlose fasste den Entschluss, den Erzbischof töten zu lassen, und bestellte zur Ausführung des Mordes drei von ihren Günstlingen, die ebenso gottlos wie sie selbst waren. Diese lauerten dem Desiderius überall auf, selbst an den Kirchentüren, um ihn in ihre Gewalt zu bekommen und den Todesstreich ihm versetzen zu können. Die mörderischen Nachstellungen blieben dem Erzbischof nicht unbekannt. Dessen ungeachtet behielt er frohen Mut, setzte sein Vertrauen auf Gott, und war bereit, um des Herrn willen sein Blut zu vergießen. Er wurde schließlich ins Gefängnis geworfen und bald darauf bis an die Grenzen von Lyon geschafft. In der Gegend von Lyon, unweit des Flusses Chalorone, wurde er von Beffanus, Gasifredus und Beton angefallen, so hießen die oben erwähnten Günstlinge der Brunehild. Der Erzbischof warf sich auf seine Knie, betete und reichte dann freudig seinen Nacken dar, den Todesstreich zu empfangen. Er war von gläubigem Volk umgeben, das ein lautes Jammergeschrei erhob und seiner mit großem Eifer der Liebe sich annahm. Allein unvermutet wurde von einem der Mörder ein Stein geschleudert, der den Kopf des Desiderius traf und ihn zur Erde stürzte. Bald darauf rannte ein anderer herzu und schlug mit einem Pfahl den Heiligen vollends tot – im Jahr 608.

 

Die Leiche wurde ehrenvoll beerdigt an dem Ort, der heutzutage St. Didier heißt, und sein Grab durch vielfältige Wunder verherrlicht.

 

Wenige Jahre danach nahm die grausame Brunehild ein grausames Ende. Sie wurde gefangen und ihrem Gegner, dem König Klotar, vorgeführt, der sie drei Tage auf das schmerzlichste peinigen ließ, danach auf ein Kamel setzen, in der ganzen Armee zur Schau herumführen, endlich mit den Haaren, einem Arm und einem Bein an den Schweif eines unbändigen Pferdes binden und zu Tode schleifen ließ.

 

Gebet am 23. Mai

 

O Mutter der Barmherzigkeit, du stehst Gott jetzt so nahe, als Königin der ganzen Welt bist du auf einen so erhabenen Thron gesetzt. Sättige dich an der Herrlichkeit deines Jesus und lass uns, deinen Dienern das, was dir übrig bleibt, zukommen. Du bist schon so glücklich, an der Tafel deines Gottes Zutritt erlangt zu haben, indes wir hier auf Erden gleichsam unter deinem Tisch gleich armen Hündchen liegen und dich um Barmherzigkeit anrufen. Bitte für uns! Amen.

 

Zum heiligen Desiderius

 

Bitte auch für mich, heiliger Bischof, und erwecke mir die Gnade, dass mich keine menschliche Rücksicht jemals von den ewigen Dingen abhalten möge. Drücke die erhabenen Aussprüche des großen Gottes tief in mein Herz ein, auf dass ich unter ihrer Anleitung in allen Dingen so handle, damit sie mich dann nach dem Ende meines irdischen Lebens hingeleiten mögen zu Gott, dem Grund und Ursprung aller Dinge. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag wurde im Jahr 431 das Allgemeine Konzil zu Ephesus zur Ehre der allerseligsten Jungfrau gegen den Nestorius, der ihr die Würde einer Mutter Gottes rauben wollte, angesagt.

 

24. Mai

 

Maria, Hilfe der Christen

 

Maria vom Wege

 

Der heilige Vincenz von Lerin, Priester und Mönch,

+ 24.5.450 – Fest: 24. Mai

 

Vincenz, der heilige, in Gallien, dem heutigen Frankreich geboren, erhielt eine gelehrte Erziehung und machte in den Wissenschaften große Fortschritte. Er widmete sich zuerst dem Kriegsdienst und zeichnete sich darin aus. Aber, wie er es selbst sagt, bald dachte er über die Eitelkeit der irdischen Dinge nach und beschloss, in der Religion einen sicheren Hafen zu suchen, um den Stürmen der Welt zu entgehen. Eine kleine abgelegene Insel war der Ort, den er sich zum Aufenthalt wählte. Nach Genadius war es das berühmte Kloster Lerin. Vincenz verglich die flüchtigen Augenblicke der Zeit mit dem Wasser einer Quelle, das nie mehr zurückkehrt, deshalb ließ er keinen einzigen unbenützt vorübergehen. – Auf der anderen Seite erwog er, dass es nicht hinreichend sei, gut zu leben, sondern dass man auch den Glauben besitzen müsse, die Grundlage aller christlichen Tugend. Er empfand einen lebhaften Schmerz, als er den Schoß der Kirche durch Irrlehren zerrissen sah. Sein Gehorsam der Kirche gegenüber und seine Kenntnisse in der Religion schützten ihn vor dem Gift der Irrlehre. Anders aber verhielt es sich mit den Gläubigen, deren Glauben noch wankend oder deren Unterricht nicht fest genug war. – Um sich gegen die falsche Lehre zu wahren und den Schwachen, die schon das Unglück gehabt hatten, sich verführen zu lassen, die Augen zu öffnen, schrieb er mit ebenso großer Klugheit als Kraft und Beredsamkeit ein Buch mit dem Titel: Commonitorium, oder Warnung gegen die Irrlehrer. – Dieses Werk wurde im Jahr 434, drei Jahre nach dem Konzil zu Ephesus, verfasst, das die Irrlehre des Nestorius verdammte, und Vincenz bekämpfte hier alle Irrlehrer seiner Zeit, aber besonders die Nestorianer und Apollinaristen. Die Grundsätze, die er hier aufstellte, können gegen alle Irrlehrer mit Erfolg angewandt werden. – Der Heilige verbirgt seinen wahren Namen aus Demut und nimmt den Namen Peregrinus oder Pilger an, weil er sich als Pilger oder Fremdling auf Erden betrachtete und nennt sich den letzten unter allen Dienern Gottes. In diesem Werk stellt er die Grundregel auf, die von allen alten Kirchenvätern angenommen ist, dass man als katholischen Lehrsatz ansehen müsse, was an allen Orten, zu allen Zeiten und von allen Gläubigen geglaubt wurde. – Nach dieser Regel will er die streitigen Glaubenspunkte entschieden haben. Wir besitzen so ein leichtes Mittel, uns gegen die willkürliche Erklärung der heiligen Schriften zu verwahren, d.h. wir müssen diese immer nach der Tradition der Kirche auslegen, die uns an einem sicheren Faden zur Erkenntnis der Wahrheit führt, so dass wir uns nie verirren können. Und wirklich enthält die von den Aposteln überlieferte Tradition den wahren Sinn der göttlichen Aussprüche und jede Neuerung im Glauben ist ein gewisses Merkmal der Irrlehre. – In Sachen der Religion müssen wir nichts so sehr fürchten, als denen Gehör zu schenken, die eine bisher unbekannte Lehre vortragen. „Diejenigen“, sagte er, „die es einmal gewagt haben, einen Glaubensartikel anzugreifen, werden bald auch an die übrigen gehen und was ist das Ende einer solchen angeblichen Verbesserung in der Religion?“ Durch solche Neuerungen kommt es schließlich so weit, dass man die katholische Lehre entweder ganz abändert oder vielmehr zerstört. Er verbreitet sich sodann mit großem Scharfsinn und einer wunderbaren Schönheit des Stils über das göttliche Amt der Kirche, die heilige Grundlage des Glaubens rein und makellos zu bewahren. Von den Irrlehrern sagt er, dass sie überall die Heilige Schrift anzuführen versuchen. Es gibt fast kein Blatt in ihren Schriften, wo man nicht einen biblischen Text findet, aber sie gleichen darin den Quacksalbern, die um ihre Tropfen anzubringen, ihnen die Kraft zuschreiben, unfehlbare Heilung zu bewirken, und den Giftmischern, die ihre tödlichen Tränke unter betrügerischen Namen verbergen. Sie ahmen dem Vater der Lüge nach, der, während er den Sohn Gottes versuchte, die Heilige Schrift anführte. Wenn sich, fährt er fort, über den wahren Sinn einer Stelle, die den Glauben betrifft, ein Zweifel erhebt, so muss man zu den Vätern seine Zuflucht nehmen, die in der Gemeinschaft der katholischen Kirche gelegt haben und darin gestorben sind. – Durch ihre Lehre wird man bald die Wahrheit entdecken. Wir dürfen indes nur als unbedingt gewiss annehmen, was von allen, oder beinahe von allen Vätern geglaubt worden ist und dann kommt ihre Übereinstimmung dem Ausspruch eines Generalkonzils gleich.

 

Hat einer eine Lehre, die fast allen übrigen widerspricht, so muss man, so heilig und gelehrt er auch gewesen sein mag, seine Ansicht als die eines einfachen Privatmenschen betrachten und nicht als den allgemeinen Glauben der Kirche. Ist ein strittiger Punkt auf einem Generalkonzil entschieden worden, so wird diese Entscheidung unantastbar und trägt alle Merkmale an sich, um daran zu glauben. Dies sind die allgemeinen Grundsätze, die der heilige Vincenz von Lerin in seinem Werk aufgestellt hat, und sie haben immer als mächtige Waffen gegen alle Irrlehren gedient. – Der Heilige starb unter der Regierung Theodosius II. und Valentius III. gegen Ende des Jahres 450 und seine Reliquien werden zu Lerin aufgehoben.

 

Der heilige Simeon Stylites der Jüngere,

+ 24.5..592 - Fest: 24. Mai

 

Der heilige Simeon in Antiochia in Syrien entwich, so wie der heilige Johannes der Täufer, schon mit sechs Jahren in die Wüste. Er lebte dort in Gemeinschaft mit himmlischen Geistern, einzig nur von ihrer himmlischen Speise ernährt. Nachdem er auf solche Weise sechs Jahre zugebracht hatte, ging er in ein Kloster, in dem er im beschaulichen Leben eine solche Vollkommenheit erreicht hatte, dass er dann auf Einladung seines Lehrmeisters eine hohe Säule unter freiem Himmel bestieg, auf der er, mit Leib und Seele über der Erde erhoben, bei jedem Wetter 45 Jahre lang aufrecht stehen blieb, und wie eine „Stimme des Rufenden in der Wüste“ seinem verdorbenen Zeitalter Buße predigte, bis er von seiner Säule in den Himmel aufgenommen wurde im Jahre Christi 592.

 

Steh fest und aufrecht; aber sieh zu, dass du nicht fällst!

 

Bitte für mich, großer heiliger Bußprediger, dass ich mich hier in diesem Leben auf dem rechten Weg immer so aufrecht halte, damit ich nicht falle, und dass ich mich durch Beten und Fasten in vertraulichen Umgang mit den himmlischen Geistern setze, damit ich ihre Tröstungen und himmlische Erquickungen schon im Tod verkosten und nach meinem Tod dann auf ewig genießen möge!

 

Die heilige Johanna von Chusa,

Gemahlin des Schatzmeisters von Herodes, 

+ 1. Jahrhundert – Fest: 24. Mai

 

Wir wissen von dieser Heiligen nur das, was uns der heilige Evangelist Lukas von ihr aufgezeichnet hat. Besonders beziehen sich in seinem Evangelium zwei Stellen auf sie. In der ersten heißt es: „Es begab sich, dass Jesus von einer Stadt und von einem Flecken zum anderen reiste, und das Reich Gottes predigte, und die Zwölf mit ihm; und etliche Frauen, die er von bösen Geistern und Krankheiten geheilt hatte, nämlich Maria, die Magdalena genannt wird, aus der sieben Teufel ausgefahren sind, und Johanna, die Frau des Chusa, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihm mit ihrem Vermögen dienten.“ An der anderen Stelle aber lesen wir: „Die Frauen, die mit ihm (Jesus) aus Galiläa gekommen waren, sahen das Grab an, und wie sein Leib hineingelegt wurde. Danach kehrten sie um, und bereiteten Spezereien und Balsam. Am Sabbat ruhten sie nach dem Gesetz. Am ersten Tag nach dem Sabbat aber gingen sie sehr früh zu dem Grab, und brachten Spezereien, die sie bereitet hatten. Sie fanden den Stein vom Grab hinweg gewälzt. Und da sie hinein gingen, fanden sie den Leib des Herrn Jesus nicht. Und es begab sich, als sie deswegen bestürzt waren, siehe, da standen zwei Männer in glänzenden Kleidern neben ihnen. Da sie aber furchtsam wurden, und ihr Gesicht zur Erde senkten, sagten diese zu ihnen: Was sucht ihr den Lebendigen unter den Toten? Er ist nicht hier sondern auferstanden. Erinnert euch, was er zu euch sagte, als er noch in Galiläa war, da er sprach: Es muss geschehen, dass des Menschen Sohn in die Hände der Sünder überliefert und gekreuzigt werde, und am dritten Tag wieder auferstehe. Und sie erinnerten sich dieser Worte. Und da sie von dem Grab zurückkehrten, verkündigten sie dieses alles den Elf und allen übrigen. Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria des Jakobus und die übrigen Gefährtinnen, die es zu den Aposteln sagten.“ Den Namen dieser heiligen Johanna findet man schon in den ältesten Marterbüchern aufgezeichnet. Wie lange sie nach der Auferstehung des Heilands gelebt, und was sie zuletzt für ein Schicksal gehabt habe, ist nicht bekannt.

 

Was für eine Liebe und Sorgfalt für Jesus zeigte die heilige Johanna. Sie sorgte aus ihren Mitteln für seinen Unterhalt. Wie glücklich war sie! Sind es aber nicht auch wir, wenn wir aus Liebe zu Jesus, Armen Gutes tun? Welche Treue, welchen unerschrockenen Mut bewies sie. Sie scheute sich nicht, sich als eine Schülerin des Gekreuzigten zu zeigen. Wenn man Jesus so innig liebt, so fragt man nicht, ob man von der Welt gesehen wird. Wie ahmen wir ihre Güte, ihr Wohlwollen, ihre Liebe nach?

 

Gebet am 24. Mai

 

O Maria, unbefleckte Mutter, ich bin ein schwaches Geschöpf und kann den Schatz der Reinheit jeden Augenblick verlieren. Ich nehme daher meine Zuflucht zu dir, und bitte dich demütig, mich nicht zu verlassen, sondern mir, solange ich lebe, deinen mächtigen Schutz zu gewähren. Wache über mich, wenn ich allein bin, damit ich nichts denke und tue, was der heiligen Reinheit zuwiderläuft. Wache über mich, wenn ich unter Menschen bin, damit meine Augen nichts sehen, meine Ohren nichts hören, meine Zunge nichts redet, was die Keuschheit verbietet. Wache über mich in der Stunde der Versuchung, damit ich mich alsbald mit heiligem Unwillen abwende von jeder unreinen Vorstellung oder Begierde, kräftig kämpfe und vollkommen siege. Wache über mich bei Tag und bei Nacht, in all meinem Tun und Lassen, damit ich immer Gott vor Augen habe und die Keuschheit unbefleckt bewahre. Amen. 

 

Zu Gott

 

Bewahre uns, o Geist der Wahrheit, die uns vom Himmel gebrachte Gabe des Glaubens. Unterrichtet durch die auf den Felsen gegründete Kirche, nehmen wir mit demütigem Geist alle uns geoffenbarten Glaubenslehren auf, weil die ewige Wahrheit sie geoffenbart hat. Verleihe uns, himmlischer Vater, wir bitten dich durch die unendlichen Verdienste deines göttlichen Sohnes, in der Unwandelbarkeit dieses heiligen Glaubens zu leben und zu sterben. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Johanna

 

O Gott, du tust uns immer Gutes. Gib uns auf die Fürbitte der heiligen Johanna die Gnade, dass wir uns recht wohltätig gegenüber unseren Mitmenschen beweisen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

25. Mai

 

Die heilige Maria Magdalena von Pazzi von Florenz,

Karmeliter-Nonne, Mystikerin,

+ 25.5.1607 - Fest: 25. Mai

 

Die Heilige vom heutigen Tag hieß mit dem Familiennamen Pazzi. Das Wörtchen „von“ deutet darauf hin, dass sie vom Adel war. Der Taufname lautete Katharina, während Maria Magdalena der Ordensname ist, denn mit siebzehn Jahren entsagte das junge Mädchen der Welt, trat in den strengen Orden der Karmelitinnen ein und verbrachte den Rest des Lebens bis zum Tod am 25. Mai 1607 in einem Kloster der Heimatstadt Florenz. Aus der Jugendzeit der Heiligen werden einige Vorkommnisse erzählt, die der Wiedergabe wert sind.

 

Da wird zunächst berichtet, dass Katharina von Pazzi schon als Kind es nicht ausstehen konnte, dass böse und bittere Worte über den Nächsten ausgesprochen wurden. Solche Reden taten ihrem Herzen so weh, dass sie bisweilen darüber weinen musste, und dass sie selbst über andere Kinder abträglich gesprochen hätte, war ganz undenkbar. Nie auch gab sie ein Geheimnis preis, das man ihr unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraut hatte.

 

Weiter wird erzählt, dass Katharina von Pazzi ihr Butterbrot an arme Mitschülerinnen verschenkte, und während andere Kinder diejenigen, die in der Klasse wegen Dummheit aufgefallen waren, in den Unterrichtspausen auslachten und verspotteten, nahm sich Katharina ihrer liebevoll an und sprach ihnen Mut zu.

 

Auch das war ein auffallender Zug bei Katharina von Pazzi, dass sie sich schon in früher Kindheit vom lieben Heiland im Allerheiligsten Altarsakrament angezogen fühlte. Gern weilte sie in der Kirche, und immer kam sie so zeitig zur heiligen Messe, dass sie in der ersten Bank Platz fand, um nahe beim Tabernakel zu sein. Ganz groß aber war Katharinas Freude am hohen Tag der ersten heiligen Kommunion, die sie im Alter von zehn Jahren empfing. Nie im Leben hat sie das Glück dieser Stunde vergessen, und was sie da bei der Erneuerung des Taufgelübdes versprach, hat sie bis zum Tod treu gehalten und hat dem Satan, seiner Hoffart, seiner Lust und allen seinen Werken widersagt und hat Gottes Gebote treu beobachtet. Katharina gehörte zu jenen edlen Menschen, die den Treueschwur vom Erstkommuniontag lebenslang halten.

 

Um dem lieben Gott noch besser dienen zu können, verließ Katharina von Pazzi die Welt und ging ins Kloster. Aus dem reichen Mädchen wurde eine arme Ordensfrau. Schwester Maria Magdalena, wie sie nun hieß, genoss in den ersten zwei Jahren einen unbeschreiblichen Herzensfrieden. Später wendete sich allerdings das Blatt, denn ohne die Bewährung kann niemand heilig werden. Die Prüfungen aber, die über Maria Magdalena kamen, bestanden in grauenhaften Versuchungen zu allen möglichen Sünden. Es bleiben demnach auch die Heiligen von Versuchungen nicht verschont, und eben dadurch, dass sie den Versuchungen widerstehen, gelangen sie zur Heiligkeit.

 

Damals nun ereignete es sich eines Tages, dass Schwester Maria Magdalena stundenlang unter heftigen Anfechtungen gegen die heilige Reinheit litt. Dieser Zustand dauerte fast fünf Jahre: Versuchungen der Gotteslästerung, der Verzweiflung, der Unreinheit, der Essbegierde, des Ungehorsams und ähnlicher Sünden, Belästigungen von Seiten der bösen Geister, Entziehung des fühlbaren Trostes inmitten aller Kämpfe. Alles vereinigte sich, sie mit entsetzlichen Peinen zu quälen, in denen sie nur durch den Hinblick auf das Kreuz, durch Demut und Gehorsam aufrechterhalten wurde. Nachdem sie die Versuchung siegreich überwunden hatte, erschien ihr, wie auch sonst oft, der liebe Heiland, und als Schwester Maria Magdalena den Herrn traurig fragte, wo er denn während der quälenden Anfechtungen gewesen sei, erhielt sie zur Antwort: „Da war ich mitten in deinem Herzen.“ So sagte der Heiland, und aus diesen Worten geht hervor, dass nicht die Versuchung, sondern nur die Einwilligung darin Jesus aus dem Herzen vertreibt. Es ist gut, dass man sich die Tatsache merkt.

 

Am Pfingstfest des Jahres 1590 war ihre Prüfungszeit vorbei; nach der heiligen Kommunion strahlte ihr Antlitz von außerordentlicher Freude und, ihren Oberinnen die Hand drückend, sprach sie zu ihnen: „Das Ungewitter ist vorüber; dankt und preist mit mir meinen liebenswürdigen Schöpfer.“

 

Seit dem hatte sie nie mehr ähnliches zu bestehen. Ihre Seele, durch und durch gereinigt von Sünden und von aller ungeordneten Selbstliebe und zu einer uneinnehmbaren Burg Gottes befestigt, wurde mehr und mehr mit den außerordentlichsten Gnaden geschmückt und zu einem Tempel eingeweiht, auf dessen Altar eine solche Gottesliebe flammte, dass das Feuer derselben oft auch auf den Körper überströmte; da lud sie dann alle Welt ein, mit ihr die ewige Liebe zu lieben. Oft ergriff sie das Bild des Gekreuzigten, küsste es und rief aus: „O Liebe! Warum wird doch die Liebe nicht geliebt, von ihren eigenen Geschöpfen nicht erkannt! O mein Jesus! Hätte ich doch eine Stimme, die zu ertönen vermöchte bis an die äußersten Enden der Welt! Dass ich verkünden könnte, wie deine Liebe erkannt, geliebt und als das einzige wahre Gut geschätzt werden soll.“

 

Aus dieser Liebe Gottes entsprang ihr unaussprechlicher Schmerz über alle Beleidigungen Gottes, zu deren Sühnung sie Gott ihre glühenden Gebete und die schwersten Bußübungen aufopferte, und ihr unausgesetztes Flehen um die Bekehrung der Sünder, Irrgläubigen, Heiden und besonders auch der unwürdigen Priester.

 

Deshalb lebte sie äußerst streng und achtete kaum mehr auf ihren Körper. Sie, die Jungfrau aus vornehmen Haus, ging mit bloßen Füßen und bediente sich der schlechtesten Kleider. Ihre gewöhnliche Nahrung bestand aus Wasser und Brot, und selbst dieses zu genießen, musste sie oft durch den Gehorsam gezwungen werden. Zur Ruhe gerufen rief sie: „Wie soll ich ruhen können, wenn ich bedenke, dass Gott auf Erden so schwer beleidigt wird! O Liebe, nur aus Gehorsam zu dir will ich es tun und um mich nach deinem heiligen Willen zu richten.“ Sie geißelte sich nicht selten mit einer eisernen Kette bis aufs Blut und schlief beständig auf hartem Boden, eine zarte, kränkliche Frau, die die Ehren und Reichtümer und Genüsse der Welt leicht hätte haben können!

 

Ihrer Liebe zu Gott und zu den Seelen entquoll die zarte und unermüdliche Tätigkeit, mit der sie zuerst als Lehrerin der Klostermädchen, dann als Novizenmeisterin und zuletzt als Unterpriorin wirkte. Sie legte dabei eine wahrhaft übernatürliche Weisheit und Klugheit in der Seelenleitung an den Tag und tat öfter den Ausspruch, „die Werke der Liebe seien weit allen Ekstasen, Visionen, Offenbarungen und ähnlichen Dingen vorzuziehen; denn diese letzteren seien allein nur ein Geschenk Gottes, durch die Liebeswerke aber unterstütze man sozusagen Gott selber“. Ein anderes Mal sagte sie: „Es gibt nichts Süßeres als die Erfüllung des göttlichen Willens.“

 

Magdalena war stets ein Muster der Demut und des Gehorsams, der Liebe zu den Mitschwestern und der genauesten Beobachtung aller Ordensregeln; sie wollte getreu sein im Kleinsten wie im Größten. Dafür empfing sie wieder besondere Gnaden vom Herrn, außergewöhnliche Kenntnisse göttlicher und künftiger Dinge, die Gabe der Krankenheilungen und Prophezeiungen, eine besondere göttliche Vorsehung und Leitung in ihrem Leben, oft bis in die kleinsten Dinge; außergewöhnliche Gunsterweise Gottes wurden ihr zuteil, wie sie hier nur wenigen Dienern Gottes gegeben werden: sie empfing in ihrer Seele die Wundmale des Herrn und seine Dornenkrone; dann wurde sie mit ihm vermählt, ihr Herz hatte eingehen dürfen in sein Herz und durfte teilnehmen an der göttlichen Reinheit.

 

In den letzten Jahren ihres Lebens hatte die Heilige durch Krankheiten viel zu leiden; sie litt gerne und betete, obwohl nach Gott sich sehnend, aus Leidenshunger um längeres Leiden ohne Trost; oft sprach sie: „Herr, nicht sterben, sondern leiden!“ Ihren Schwestern gab sie die schönsten Ermahnungen, jeder besondere. Allen aber prägte sie vornehmlich drei Dinge ein: die heiligen Regeln fleißig zu beobachten, die Armut zu lieben und die gegenseitige Liebe zu bewahren. Mit innigster Andacht empfing sie die heilige Ölung und ein letztes Mal die heilige Kommunion. Dann entfloh ihre reine Seele am 25. Mai des Jahres 1607 zu Gott, eine der schönsten Blumen im Garten der heiligen Kirche, ausgezeichnet durch Reinheit und Gottesliebe.

 

Der Ruf ihrer Heiligkeit zog eine ungeheure Menge zu ihrer Leiche. Als man nach einem Jahr das Grab öffnete, fand man den Leib unversehrt. So wird er heute noch in einem kostbaren Kristallsarg in ihrer Vaterstadt gezeigt. Im Jahr 1626 erfolgte ihre Seligsprechung durch Papst Urban VIII., im Jahr 1669 die Heiligsprechung durch Klemens IX. Sie wird dargestellt im Karmeliterkleid mit einer Dornenkrone und einem brennenden Herzen als Symbol ihrer Gottesliebe, oft auch betend vor dem heiligsten Herzen Jesu, das ihr in übernatürlichen Gesichten gezeigt wurde; sie hatte es innigst geliebt und verehrt als Quelle aller Gnade.

 

Ais dem Marianischen Festkalender:

 

Die Geburtsstadt dieser Heiligen, die gar vornehme und fromme Eltern hatte, war Florenz. Sie zeichnete sich schon in ihrer Kindheit durch eine zärtliche Verehrung für Maria aus. Sie ergriff alle Gelegenheiten, arme Kinder den englischen Gruß zu lehren.

 

Schon im Alter von 16 Jahren trat sie in das Kloster Sankt Maria des Anges, wo sie am Fest der Unbefleckten Empfängnis als Novize aufgenommen wurde. Einen Monat darauf nahm sie mit dem Ordensgewand der Karmelitinnen den schönen Namen Maria Magdalena an. Als der Tag ihrer Profess herangekommen war, wollte sie, obgleich schwer krank, vom Krankenzimmer in die Kirche gebracht werden, wo sie vor dem Altar der Gottesmutter unter Tränen und der Bewunderung der ganzen Klostergemeinde, die sie durch ihre engelhafte Inbrunst erbaute, ihr Gelübde ablegte. Kaum war die Zeremonie beendet, als sie in Verzückung versetzt und vollkommen geheilt wurde.

 

Die heilige Maria Magdalena unterließ es nie, täglich die Tagzeiten und den Rosenkranz zu beten. Auch versäumte sie nicht, dem Salve Regina nach jeder Abteilung des Gottesdienstes beizuwohnen.

 

Der Himmelskönigin gab sie die lieblichsten Namen. Sie nennt sie ihre Mutter, ihre Gebieterin, in ihren Verzückungen ihre ganz liebenswürdige Mutter. Ihre erfindungsreiche Frömmigkeit gab ihr jeden Augenblick irgendeine neue Weise an die Hand, wodurch sie ihr ihre Liebe bezeigen konnte. Und sie benahm sich ihr gegenüber mit der innigsten Vertraulichkeit.

 

Um die Tugendhaftigkeit der seraphischen Heiligen Magdalena von Pazzi zu läutern und zu mehren, ließ Gott zu, dass sie einige Zeit hindurch den lebhaftesten und demütigendsten Versuchungen unterworfen wurde. Unter anderem fühlte sie sich eines Tages mehr als gewöhnlich vom Stachel des Fleisches beunruhigt, weshalb sie sich ihrer göttlichen Mutter zu Füßen warf, und sie unter Tränen beschwor, sie aus diesen unseligen Kämpfen ohne eine Verletzung ihrer Jungfräulichkeit siegreich hervorgehen zu lassen. Kaum hatte sie ihr Gebet beendigt, als ihr die Himmelskönigin mit leuchtender Glorie umgeben erschien und sie zweier Dinge versicherte: 1) habe sie in diesen gefährlichen Versuchungen die göttliche Majestät nicht im geringsten beleidigt, 2) werde ihr Sieg vermöge des Mutes, mit dem sie gekämpft hat, noch vollständiger werden. Alsdann bedeckte sie sie mit einem weißen Schleier, wie um ihr das Ende dieser demütigenden Prüfung anzukündigen und in der Tat fand sie von diesem Augenblick an ihre Sinne in dem Maße gebändigt, dass sie von deren Seite keinen Aufruhr mehr zu befürchten hatte, und ihre Einbildungskraft bis zum Ende ihres Lebens von keiner unlauteren Vorstellung mehr befleckt wurde.

 

Im Jahr 1585, am Vorabend des Festes Mariä Verkündigung, hatte Magdalena eine Verzückung, während der sie lange über die Keuschheit der Königin der Jungfrauen sprach, indem sie auf eine wunderbare Weise folgenden Text der Schrift erläuterte: „Die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. Siehe, ich bin eine Magd des Herrn. Im Anfang seiner Wege war ich in Gottes Händen.“ Einige Jahre später hatte sie am Vorabend von Mariä Himmelfahrt eine Verzückung, die zwölf Stunden währte.

 

Am 1. Juli 1587 nahm Magdalena von Pazzi in einer Verzückung ein Bildnis Mariä, das im Betsaal des Noviziates sich befand, und begab sich in das Krankenzimmer an das Bett einer Schwester, die von einer tödlichen Krankheit befallen worden und von schrecklichen Krämpfen gepeinigt wurde. Sie machte über die Kranke das Zeichen des Kreuzes mit dem Bildnis der heiligen Jungfrau und rief mit zum Himmel erhobenen Augen: „O mein Gott, dein Wille geschehe!“ Kaum hatte sie diese Worte gesprochen, als alle Schmerzen der Schwester aufhörten. Sie stand sogleich auf, nahm einige Nahrung zu sich und kehrte zu ihren gewöhnlichen Beschäftigungen zurück.

 

In einer anderen Zeit führte Maria Magdalena eine ihrer Schwestern, die von einem gräulichen Geschwür verzehrt wurde, vor den Altar der heiligen Jungfrau, und nachdem sie mit Inbrunst gebetet hatte, erwirkte sie von Maria die vollkommene und augenblickliche Heilung einer Wunde, die allen Bemühungen der Ärzte Trotz geboten hatte.

 

 

Viel geprüft durch Leiden und Versuchungen sollte sie endlich gewürdigt werden, den ewigen Lohn für ihre treuen Kämpfe zu erlangen. Als sie dem Tod nahe, den Beichtvater sich erbat, schickte sich der eben an, die Heilige Messe zu lesen. Voll Gottvertrauen gebot er ihr, in christlichem Gehorsam mit dem Sterben abzuwarten, bis er geendet hätte. Es fügte sich so und mit den heiligen Sakramenten versehen schied die fromme Braut des Herrn am 25. Mai 1607 in einem Alter von zweiundvierzig Jahren aus dieser Zeitlichkeit. 

 

Der heilige Papst Gregor VII.,

+ 25.5.1085 - Fest: 25. Mai

 

Am ehesten kommt man an den heiligen Papst Gregor VII. heran, wenn man vom Kirchengebet im Schott ausgeht. Es heißt da nämlich, „Gott habe ihn mit ausdauernder Kraft gestärkt, damit er die Freiheit der Kirche schütze“. War denn die Freiheit der Kirche bedroht? Ja, die Kirche lag damals in Ketten. Das ist so zu verstehen, dass sich die Kaiser und Könige jener Zeit unerlaubterweise in die kirchlichen Angelegenheiten einmischten. Die weltlichen Herren maßten sich zum Beispiel das Recht an, in ihren Ländern die Bischöfe zu ernennen, obwohl es doch klar auf der Hand liegt, dass dieses Recht nur dem Papst als dem Nachfolger des heiligen Petrus zusteht, dem allein Christus das Hirtenamt übertragen hat.

 

Die Kaiser und Könige setzten sich also über das päpstliche Recht hinweg. Das wäre an sich noch nicht schlimm gewesen, wenn die weltlichen Herren gute, fähige, fromme und würdige Männer ohne Ansehen der Person zu Bischöfen ernannt hätten. Das taten sie aber teilweise nicht, vielmehr erhoben sie diejenigen zu den hohen Kirchenämtern, die sich am tiefsten vor ihnen duckten oder ihnen am meisten Geld für die Verleihung der Bischofswürde boten. Die kirchlichen Stellen wurden also regelrecht verschachert, und man schaute nicht einmal darauf, ob der Käufer überhaupt Priester war. Dass solche Mietlinge die Herde Christi nicht hüten konnten, ist leicht einzusehen, und dass sie ungeheures Unheil anrichteten, ist ebenso klar. Die Kirche war demnach ihrer Freiheit in der Besetzung der obersten Kirchenämter beraubt. Das war die Zeit, in der Gregor VII. lebte.

 

Hildebrand hieß Gregor VII., bevor er Papst wurde. Als Sohn eines Schreiners wurde er 1021 in Italien geboren und in Rom in einem Kloster erzogen. Später trat er in den Benediktinerorden ein. Bald tauchte er in der Umgebung des Papstes auf, und fünf Päpsten, die sich rasch nacheinander in der Leitung der Kirche folgten, diente er als Ratgeber und Gehilfe. Als einer von diesen fünf Päpsten, Gregor VI., nach Köln am Rhein verbannt wurde, aß auch der Mönch Hildebrand mit seinem Herrn das Brot der Fremde, bis er selbst am 22. April 1073 unter dem Namen Gregor VII. den päpstlichen Thron bestieg. Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Papstes bestand darin, dass er alle diejenigen, die fürderhin ohne seine ausdrückliche Zustimmung kirchliche Amtsstellen verkauften oder kauften, mit dem Bann und mit dem Ausschluss aus der Kirche bedrohte. Es war eine mutige Tat, aber derjenige, der sie vollführte, hatte damit in ein Nest von Wespen gegriffen, die ihn, solange er lebte, nicht mehr zur Ruhe kommen ließen.

 

Gregors gefährlichster Widersacher war der deutsche König Heinrich IV., der sich in der Geschichte nicht des besten Rufes erfreut, denn er war ein leidenschaftlicher, hemmungsloser Mensch, der nicht immer gerade Wege ging. Dieser Mann kümmerte sich nicht einen Deut um die päpstliche Verordnung, sondern setzte nach wie vor Bischöfe ein und ab, und als der Papst väterlich mahnte und warnte, erhielt er von Heinrich einen groben Brief mit der verächtlichen Anschrift „An den Mönch Hildebrand“, und weiter standen in diesem Brief die bösen Worte: „Steig herab von deinem Sitz, ich befehle es dir.“

 

Was konnte der Papst da anderes tun, als den frechen Absender zu bannen? So geschah es auch. Heinrich IV. wurde von der Kirche ausgeschlossen, und die Untertanen kehrten sich von ihm ab. Da ging der König scheinbar in sich, reiste in höchster Not nach der Burg Canossa in Italien, wo sich Gregor VII. gerade aufhielt, und bat den Papst, ihn aus dem Bann zu lösen. Hochherzig wurde der Bitte entsprochen, aber Heinrich IV. meinte es anscheinend nicht ehrlich, denn als er nach Deutschland zurückkehrte, trieb er es ärger noch als vorher. Schließlich setzte er sogar den Papst ab und zog mit einem Heer gegen Rom, so dass Gregor VII. in die italienische Stadt Salerno flüchten musste, wo er im folgenden Jahr starb. Die letzten Worte des großen Mannes lauteten: „Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehasst, deshalb sterbe ich in der Verbannung.“

 

Nach außen hin musste Gregor VII. seinen Zeitgenossen als ein Besiegter erscheinen, in Wirklichkeit aber war er doch der Sieger, denn heute ernennt einzig nur der Papst die Bischöfe, und damit ist ein für allemal auch die Gewähr gegeben, dass nur solche Männer zu den höchsten kirchlichen Würden emporsteigen, die des hohen Amtes würdig sind.

 

Der heilige Papst Urban I., Märtyrer,

+ 25.5.233 – Fest: 25. Mai

 

Der heilige Urban folgte im Jahr 223, dem dritten der Regierung des Kaisers Alexander, dem heiligen Calixtus auf dem Stuhl des Apostelfürsten nach. Obgleich Alexander, von Natur ein sanfter Fürst, den Christen geneigt war, wurden diese doch an verschiedenen Orten, entweder durch das Volk oder die Statthalter verfolgt. In den Akten der heiligen Cäcilia wird gesagt, Papst Urban habe den Märtyrern Mut zugesprochen und eine große Menge Götzendiener zum Glauben bekehrt. Er starb, nachdem er sieben Jahre auf dem apostolischen Stuhl gesessen hatte, und wird im Sakramentarium des heiligen Gregor, im Martyrologium des heiligen Hieronymus, das Florentinius herausgegeben hat, und in der Liturgie der Griechen, Märtyrer genannt. Nach Fortunat, und nach mehreren alten Messbüchern scheint man im sechsten Jahrhundert in Frankreich sein Fest mit viel Andacht gefeiert zu haben. Man beerdigte ihn im Prätextatischen Kirchhof. In alter Zeit lag an der appischen Straße, beim Ort seines Begräbnisses, eine unter seinem Namen geweihte Kirche.

 

Im Jahr 821 entdeckte man die Leiber der heiligen Cäcilia, und der heiligen Tiburtius, Valerianus und Urbanus. Papst Paschal versetzte sie in die Kirche der heiligen Cäcilia. Leo IV. sandte der Kaiserin Irmengard, der Gemahlin Lothars I., den Schädel der heiligen Cäcilia samt den Leibern der heiligen Päpste Sixtus und Urban, und diese Fürstin gab sie um das Jahr 840 in die Abtei der Chorfrauen, die sie zu Erstein im Elsass gestiftet hatte. Kaiser Karl IV., der 1553 in diese Provinz kam, lies den Sarg, in dem der Leib des heiligen Urban lag, öffnen, und schickte einige seiner Reliquien nach Prag. Man darf diesen Heiligen aber nicht mit einem anderen Heiligen desselben Namens verwechseln. Man hat bewiesen, dass der heilige Urban, von dem es sich hier handelt, derselbe sei, dessen Leib von Papst Nikolaus I. im Jahr 862 an die Mönche von St. German zu Auxerre geschickt worden, und dessen Reliquien später im Kloster von St. Urban, im Bistum Châlons-sur-Marne, aufbewahrt wurden.

 

Die heilige Magdalena Sophie Barat, Nonne und Ordensstifterin,

Gründerin der Ordensfrauen vom heiligsten Herzen,

+ 25.5.1865 – Fest: 25. Mai

 

„Wer den Geist der heiligen Theresia im neunzehnten Jahrhundert tätig sehen will, der lese und studiere das wunderbare Leben der heiligen Magdalena Sophie Barat (sprich: Barah). Es ist darin sozusagen mit Händen zu greifen, dass jene hochragenden Größen von Heiligkeit auch heute noch in der Kirche erstehen, gerade so gut wie in der Vorzeit.“ So beginnt Pater Kempf den kurzen Lebensabriss der Heiligen. Theresiengeist, tätig für die Zeitbedürfnisse, erfüllte Mutter Barat.

 

Als Tochter eines Böttchers und Weinbauers am 12. Dezember 1788 in Joigny, der französischen Provinz Burgund, geboren, war Magdalena Sophie ein überaus schwächliches aber feuriges Kind. Ein unwiderstehlicher Hass gegen jede Lüge und ein zartfühlendes, für äußere Eindrücke empfängliches Herz zeichnete sie aus. Als einst der Pfarrer den Kindern im Beichtunterricht erklärte, dass sie nur immer einen wahren Reueschmerz über ihre Sünden haben sollten, dann würde der liebe Gott gewiss ihre Sünden verzeihen, da erhob sich die kleine Sophie, um laut vor der ganzen Kinderschar ihr Sündenbekenntnis abzulegen. Der Priester hieß sie natürlich innehalten, die demütige Selbstanklage hatte ihm aber eine gottbegnadete Seele geoffenbart. Die schwere Zeit der französischen Revolution, die so Schreckliches für die Kirche im Gefolge hatte, war für das heranwachsende Mädchen eine tiefeinwirkende Erziehungsschule. Der elf Jahre ältere Bruder Sophiens hatte sich für den geistlichen Stand entschieden und bereits die Subdiakonatsweihe empfangen, musste nun aber eine Stelle als Privatlehrer annehmen. Das gab ihm Gelegenheit, auch seiner Schwester gediegenen Unterricht zu erteilen. Mit jugendlichem Eifer ging dabei der brüderliche Lehrer zu Werke und unterzog auch ihre Charakter- und Herzensbildung einer Schulung. Doch Ludwig Barat wurde als Kleriker verraten und in das Gefängnis in Paris geworfen, 1793, von dem damals der gerade Weg aufs Schafott führte. Doch wie durch ein Wunder erhielt er anfangs 1795 die Freiheit wieder, wohl als Frucht des flehenden Gebetes der Seinen zum heiligsten Herzen Jesu. Sofort ließ er sich heimlich zum Priester weihen. Er zog nach Paris und nahm wiederum seine Schwester Sophie zu sich, um ihre unterbrochene Ausbildung zu vollenden. Es leitete ihn der Gedanke, sie zu befähigen, an der Erziehung der weiblichen Jugend mitzuarbeiten, um wieder christliches Leben in den Familien zu pflegen. Dabei übte er sie mit allzu entschiedener Strenge, der noch die Erfahrung und Klugheit fehlten, in den harten Weisen und Wegen eines frommen Lebens. Das gewissenszarte Mädchen ertrug mit nicht zu erschütterndem Vertrauen und hingebender Liebe die strenge Härte ihres Leiters, der unerbittlich jede Regung des Eigenwillens an ihr rügte. So sehr überließ sie sich allen Arten körperlicher Buße, dass selbst ihre Gesundheit darunter zu leiden begann. Ehe der Ruf Gottes an sie erging, andere Seelen auf dem Weg der Vollkommenheit zu leiten, musste sie selbst die rauen Pfade des Kreuzes kennenlernen und die Klippen, die hier auf den Unerfahrenen lauern. Und Gott rief.

 

Es kam von Wien der heiligmäßige Pater Varin, der Obere einer Priestergemeinde, der „Gesellschaft des heiligsten Herzens“, der Nachfolger des gottseligen Leonor Tournely. Nach der Regel des heiligen Ignatius lebend, arbeiteten sie der Wiedererstehung seines Ordens vor. Ludwig Barat wurde ein eifriger Mitarbeiter. Als Varin von Ludwigs Schwester hörte, dass sie gut unterrichtet sei, auch die Kirchenväter im Lateinischen lese und sich bereit halte, in ein Kloster, wahrscheinlich zu den Karmeliterinnen, zu gehen, da schien es ihm, als ob der Herr ihm diese bescheidene Jungfrau zuführe, um durch sie ein Werk auszuführen, dessen Begründung er und Pater Tournely bisher vergeblich versucht hatten, nämlich die Gründung eines Frauenordens, der sich besonders um die Erziehung der Kinder der höheren Stände annehmen sollte, um durch sie neue Glaubenswärme in die erkalteten Familien zu bringen. Sophie Barats Sinn ging wohl auf Sühne und Buße im Karmel, nicht aber darauf, selbst Ordensstifterin zu werden. Aber dem von heiligem Seeleneifer erfüllten Priester gelang es die nicht weniger von Glaubensgeist durchdrungene Jungfrau zu überzeugen, dass zu den stillen und immer wirksamen Mitteln der Abtötung und des Gebetes nun noch neue der öffentlichen Tätigkeit hinzukommen müssten, um dem lieben Erlöser wieder die Herrschaft über die Herzen zu sichern. Am 21. November 1800 weihte sie sich mit noch drei Genossinnen dem heiligsten Herzen. Bald konnten die Schwestern in Amiens ihr erstes Klösterchen mit einer Schule eröffnen. Äußerst klein und bedürftig waren die Anfänge. Aber Pater Varin ließ sich die Heranbildung der Schwestern sehr angelegen sein. Als er der Schwester Magdalena Sophie Barat 1802 die Gelübde ablegen ließ und ihr das Amt einer Oberin auflegte, das sie 62 Jahre lang rühmlichst führen sollte, da lud er ihr ein schweres Kreuz auf mit gar scharfen Kanten. Gott ließ es zu, dass die weibliche Gesellschaft vom heiligsten Herzen in ihren Anfängen arg geprüft wurde, und das empfand am schmerzlichsten die Stifterin und Generaloberin. Aber gerade da bewährte sich aufs trefflichste die sittliche Stärke und Tugendkraft ihrer Seele, die auf einem unerschütterlichen Gottvertrauen gründete. Die Gesellschaft wuchs. Im Jahr 1815 wurden die endgültigen Satzungen, die auf den Regeln des Jesuitenordens beruhen, festgelegt und 1826 vom Papst Leo XII. feierlich bestätigt. Hauptzweck der Gesellschaft der „Frauen des heiligen Herzens“ (Dames du Sacré Coeur) ist die Verherrlichung des Herzens Jesu durch Selbstheiligung nach dem Vorbild des demütigen und sanftmütigen Herzens und die Heiligung des Nächsten durch Erziehung der weiblichen Jugend.

 

Der lebendige, werktätige Glaube der Ehrwürdigen Mutter Barat erweist sie selbst als Heilige. So stark war dieser Glaubensgeist bei ihr, dass Gott ihm Wunder entsprossen ließ. Dazu besaß sie eine erstaunliche, erleuchtete Klugheit, einen weiten Blick, ein großes Verständnis für die Bedürfnisse der Zeit. Selbst in ganz hervorragender Weise für die Erziehung der Kinder geeignet, verstand sie es auch, die Grundsätze, von denen sie sich in dieser schweren Aufgabe leiten ließ, ihren Töchtern mitzuteilen. Mit mütterlicher Liebe umfing sie die Kinder, duldete aber keine Weichlichkeit. Sie lehrte ihre Zöglinge sich selbst entsagen und bereitete sie auf diese Weise am besten vor, dereinst ihre Standespflichten erfüllen zu können.

 

Als Oberin und Leiterin ihrer großen, schließlich 4000 Ordensfrauen zählenden Gesellschaft war ihr ein opferfreudiges Mutterherz eigen, das überall mit mächtiger Triebkraft seinen belebenden Einfluss ausübte. „Sollen die Untergebenen,“ sagte sie, „in uns Christus sehen und wir sie leiten wie er, so müssen wir auch leben wie Christus und leiden wie Christus. Eine Oberin ist die Kreuzträgerin der Genossenschaft. Wollen Sie wissen, was eine gute Oberin ausmacht? Die Abhängigkeit von den Einsprechungen des Heiligen Geistes in all ihrem Wirken. Wir sollen nach Kräften bemüht sein, den Geist Christi in unser Herz aufzunehmen, so dass er Herr und Meister desselben wird. Uns selbst aber müssen wir von allen Geschöpfen losschälen wie eine Dienstmagd, die sich zwar in einen Winkel des Hauses zurückzieht, aber immer dennoch in der Nähe der Herrin bleibt, um deren leisesten Wink befolgen zu können.“

 

Mit unbeugsamer Strenge hielt sie am Geist und der genauen Beobachtung der Regeln der Genossenschaft fest. Beim Besuch eines Klosters brachten ihr einst die Schwestern einen Altarteppich, an dem sie lange Stunden, aber leider mit Hintansetzung wichtigerer Pflichten gearbeitet hatten. Der Generaloberin war das nicht unbekannt. Deshalb hielt sie zuerst an die versammelten Schwestern einen scharfen und feurigen Unterricht über die Pflichten der heiligen Armut und die demütigen Arbeiten des Heilandes zu Nazareth. Dann ließ sie den Teppich hereintragen und sagte ernst: „Liebe Schwestern, wenn wir folgerichtig handeln wollen, so müssen wir entweder den Teppich oder unsere Konstitutionen zerreißen.“ Darauf griff sie zur Schere und begann ganz gründlich das Werk der Zerstörung. „So möge alles verderben, was uns im Geringsten vom Geist unserer Genossenschaft entfernen könnte.“ Darum konnte die treue Mutter auch auf den Gehorsam und religiösen Opfermut ihrer Töchter zählen. „Ich fühle recht wohl,“ gestand sie selbst, „dass eine andere Hand als die meine sie alle leitet . . . Ich habe darüber nachgedacht, warum wohl alle unsere Schwestern eines so sanften Todes sterben. Wir sind gewiss recht elend und armselig. Andererseits aber herrscht in der Genossenschaft ein so vorzüglicher Gehorsam, solche Unterwürfigkeit und Opferfreude, dass dadurch mancherlei Fehler vor Gott gesühnt werden. Ich selbst bin darüber oftmals erstaunt und verwundert. Ein Wort, ein Federstrich, und nicht eine, sondern fünf, zehn Schwestern verlassen augenblicklich alles, ohne auch nur nach dem Warum zu fragen.“ Mit wahrhaft mütterlicher Liebe wachte sie aber auch über ihre Schwestern, besonders über deren gesundheitliches Wohl, während sie gegen sich äußerst streng war. „Sie liebte die Bußübungen wie andere den Zucker,“ äußerte sich ein Missionar, der sie kannte. „Den Tag, an dem wir nichts für Jesus gelitten haben, den können wir als verloren betrachten,“ war ihr Grundsatz.

 

Fast ans Unglaubliche grenzt es, was die heilige Mutter Barat, die noch dazu fast beständigen Leiden unterworfen war, in der Gründung und Verwaltung ihrer Ordensniederlassungen an Arbeitsfülle geleistet hat. Wie oft hat sie Frankreich und Italien im Wagen durchzogen! In Belgien, in der Schweiz, in England und Spanien musste sie, oft auf Krücken gestützt, ihre Visitationsreisen machen. Im Jahr 1843 drang sie in Österreich ein, für Deutschland gründete sie 1847 in Blumental bei Aachen, 1852 in Münster und 1854 in Riedenburg bei Bregenz Klöster. Im Ganzen rief die unermüdliche Stifterin 111 Klöster ins Leben, von denen 86 bei ihrem Tod noch bestanden. Welche Sorgen, welches Leid kosteten ihr jene, die wieder aufgegeben werden mussten! Die Gesellschaft des heiligen Herzens hat später einem Wunsch der seligen Mutter entsprechend, auch die Missionstätigkeit auf außereuropäischen Gebieten aufgenommen.

 

Obwohl erst am 25. Mai 1865 gestorben, wurde Sophie Barat schon am 24. Mai 1908 seliggesprochen. An die hundert Wunder werden in den Prozessakten ausführlich erzählt. Das Heilige Jahr 1925, 24. Mai, das auch der ganze Himmel mitzufeiern schien, brachte ihr die Heiligsprechung.

 

„Die Seele läuft und fliegt voran. Sie fühlt das Kreuz nicht, - ja Kreuz ist für sie nicht mehr Kreuz, sondern der Stab und die Stütze auf der Reise. Der Dorn ist nicht mehr Dorn, er wird zur Krone, die sie aus den Händen des Herrn empfangen hat, und herzlich gern drückt sie sie tief in die Schläfen ein . . . O, wenn schon das Schauspiel einer einzigen Seele, die sich rückhaltlos dem Gnadeneinfluss Jesu Christi überlassen hat, entzückend ist, was würde es sein, wenn eine Gemeinde, eine ganze Genossenschaft sich unumschränkt seiner Leitung hingäbe!“ Worte der heiligen Barat, die das Bild ihrer eigenen Seele zeichnen. 

 

Der heilige Beda der Ehrwürdige - Beda Venerabilis,

Priester von Jarrow, englischer Kirchenlehrer,

+ 25.5.735 - Fest: 25. Mai

 

Der heilige Beda, von Geburt ein Engländer, der um das Jahr 700 lebte, gehört zu den Stillen und bescheidenen Menschen, die nicht viel aus sich machen, sich nicht vordrängen, gern im Hintergrund stehen, deren Leben sich trotzdem wie eine breite Segensspur über die Erde hinzieht.

 

Als siebenjähriger Junge ging Beda ins Kloster und blieb darin bis an sein Lebensende. Erst war er Schüler, dann wurde er Mönch und Priester, schließlich unterrichtete er als Lehrer an der Klosterschule und schrieb Bücher über alle möglichen Dinge, denn durch fleißiges Lernen war er mit den Jahren so klug geworden, dass er als der gelehrteste Mann seiner Zeit angesehen wurde. Es war einzig nur der Fleiß, der ihn zu dem gemacht hatte, was er war. Jeden freien Augenblick, den der Tag ihm bot, nutzte Beda aus zum Lernen. Faulenzerei kannte er nur dem Namen nach. Stets saß er hinter den Büchern. Lernen war lebenslang seine Wonne.

 

Der heilige Beda war aber nicht nur fleißig, sondern auch fromm. Wenn vom hohen Klosterturm die Glocke zum Gottesdienst rief, mehrmals am Tag und einmal in der Nacht, war Beda meist als erster von den Brüdern zur Stelle. Mit ganzer Seele diente er dem Herrn in seinem Heiligtum. Schon die Art, wie er die Kniebeuge machte, war wie eine Predigt, so schön und lehrreich sah es sich an. Stets auch betete und sang er mit den anderen und sprach jedes Wort deutlich aus, und dass er mit dem Nebenmann in der Kirche schwätzte, ist nie beobachtet worden, und ganz undenkbar war es, dass er beim Gebet umhersah, um zu beobachten, was die anderen trieben. Bei ihm war es so, wie es sein soll, dass nämlich beim Beten das Herz vorbeten, der Mund nachbeten und Augen, Hände und Knie mitbeten müssen.

 

Schön war auch Sankt Bedas Tod. Lange vorher litt er bereits schwer an Atemnot, die ihn aber nicht daran hinderte, bis zu seinem letzten Lebenstag Schule zu halten. Die übrige Zeit des Tages und einen Teil der Nacht brachte er während der Krankheit im Gebet zu, damit ihn der Herr bei seinem Kommen wachend finde. Als die körperliche Schwäche zunahm, empfing Beda am Tag vor Christi Himmelfahrt kniend die heiligen Sterbesakramente, ging anschließend in das Klassenzimmer und diktierte den Schülern wie immer. Nur sagte er, sie möchten schneller schreiben als sonst, weil er bald abberufen werde. So sagte er, und er behielt recht, denn am anderen Morgen, am Himmelfahrtstag des Herrn, trat er die eigene Himmelfahrt an. Wieder kniete er auf dem Fußboden seiner Zelle, und als er merkte, dass der Tod neben ihm stand, schlug er über sich noch einmal ein Kreuzzeichen und sagte: „Nun ist alles gut vorüber im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Das waren Bedas letzte Worte, und während der tote Körper noch eine Weile in der knienden Stellung verharrte, zog die Seele himmelwärts am Himmelfahrtstag des Jahres 735. Es war ein schöner Tod.

 

Wohl war das Christentum schon früh nach England vorgedrungen. Aber die Wogen der Völkerwanderung hatten im 4. Und 5. Jahrhundert die hoffnungsvoll aufsprossende Saat wieder überschwemmt und vernichtet. Erst unter Abt Augustin, der gegen Ende des 6. Jahrhunderts mit 40 Gefährten nach England kam, fasste das Christentum auf den britischen Inseln festen Fuß und nahm nun einen raschen Aufschwung. Schon hundert Jahre nach Augustin erreichte es in der überragenden Gestalt des heiligen Beda einen Gipfelpunkt geistiger Bildung. Beda, den die Nachwelt mit dem wohlverdienten Beinamen Venerabilis (der Ehrwürdige) auszeichnete, war die hellste Leuchte seines Jahrhunderts und der Stolz seines Volkes.

 

Die Inschrift auf dem Grab des Heiligen in der Marienkirche zu Dunelm konnte ohne Übertreibung von Beda rühmen, es sei in ihm aus einem entlegensten Ende der Erde eine Leuchte für die ganze Welt aufgegangen. Hat doch kaum ein anderer Gelehrter einen nachhaltigeren Einfluss auf das Geistesleben der späteren Jahrhunderte ausgeübt als Beda Venerabilis.

 

Wenn die Kirche Beda unter die Schar der Heiligen aufnahm und Papst Leo XIII. ihn der Zahl der heiligen Kirchenlehrer beigesellte, so galt diese Verehrung nicht bloß dem gelehrten Professor und Schriftsteller, sondern auch dem Vorbild christlicher Vollkommenheit. In Bedas Leben gibt es keine außerordentlichen Wunderwerke. Seine Heiligkeit bestand darin, dass er die gewöhnlichen Andachts- und Tugendübungen des Ordensmannes mit ungewöhnlicher Vollkommenheit und Heiligkeit verrichtete. Beda lehrt durch sein Leben, dass der Schwerpunkt der Selbstheiligung und Vervollkommnung nicht in den außerordentlichen Taten und Wunderwerken liegt, sondern in den sogenannten kleinen Tugenden. Gute Meinung, starker Opfergeist und reine Gottesliebe vermögen mit Hilfe der Gnade Gottes aus kleinen Steinchen einen Ewigkeitsbau leuchtender Heiligkeit zu errichten. Auch die kleinen Schritte alltäglicher treuester Pflichterfüllung führen zum Berg Gottes und zu den Höhen strahlender Heiligkeit, wenn sie nur beschwingt sind von lauterer Absicht.

 

Gebet am 25. Mai

 

Heilige Maria, du ehrwürdige Jungfrau, ich erwähle dich heute und allezeit zu meiner Schutzfrau und Fürsprecherin, und mache dir das ernsthafte Versprechen, dass ich dir mit aller Treue dienen werde, bis zum letzten Augenblick meines Lebens. Ich werde mich sorgfältig in Acht nehmen, etwas zu denken, zu reden oder zu tun, was deiner Ehre irgend einen Abbruch tun könnte. Ich werde vielmehr stets für deine Ehre eifern und alle meine Kräfte aufbieten, dass dich auch meine Mitmenschen verehren und lieben. Sollte es jemand wagen, gegen dich etwas Ehrenrühriges vorzubringen oder zu unternehmen, so werde ich ihn, wenn es mir anders möglich ist, zurechtweisen und mich bemühen, ihn durch Belehrung und Ermahnung auf bessere Wege zu bringen. Ich bitte dich also demütigst, o heilige Jungfrau Maria, nimm mich zu deinem beständigen Diener an, gewähre mir in allen meinen Anliegen und Versuchungen deinen gnädigen Schutz und stehe mir bei in der Stunde des Todes, dass ich im letzten Kampf glücklich kämpfe und in Frieden scheide. Amen. 

 

Zu Gott

 

Nur das Feuer deiner göttlichen Liebe, o Gott, vermag unser Herz von allem Irdischen zu reinigen und deinen Gnadenströmen zu öffnen. Nichts ist uns schwer, wenn die göttliche Glut in uns brennt. Kein Opfer ist uns zu groß, wenn wir es aus Liebe geben. Stärke und erhalte uns doch in dieser alles vollbringenden Tugend, damit du hier der einzige Grund unseres Strebens und jenseits unsere ewige Glückseligkeit bist. Amen. 

 

 Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Martyrers Urbanus

 

O Herr, lass dir unsere Andacht wohlgefällig sein, und verleihe, dass sie uns durch die Fürbitte des heiligen Papstes Urban, dessen Andenken wir feiern, zum ewigen Leben behilflich sei, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Mitten in den innerlichen Qualen hörte die heilige Magdalena, deren Leben heute beschrieben wird, die ihr Mut zusprechende Stimme Gottes: die Mutter meines eingeborenen Sohnes wird dich beschützen, und sie hat es wunderbar erfahren. 

 

26. Mai

 

Der heilige Philipp Neri, Priester und Ordensstifter von Rom,

+ 26.5.1595 - Fest: 26. Mai

 

Philipp Neri war unter allen frohen Heiligen der fröhlichste. Er konnte ansteckend lachen. Und wo immer er sich zeigte, wurde man von Herzen froh, auch dann und erst recht dann, wenn er, wie es stets der Fall war, aus dem Scherzen allmählich ins Predigen und Beten geriet, denn die Art, wie er predigte und betete, war für Auge, Ohr und Herz der Zuhörer ein wirklicher Genuss.

 

Als Sohn eines Rechtsanwaltes wurde Philipp Neri im Jahre 1515 zu Florenz geboren. Aus dem Kind entwickelte sich mit den Jahren ein junger Mann, der sich nicht nur durch reiches Wissen und feines Auftreten, sondern auch durch gutes Betragen und religiösen Sinn vorteilhaft von seinen Altersgenossen unterschied.

 

Ein reicher kinderloser Onkel Philipps, der ein blühendes Geschäft besaß, setzte den Achtzehnjährigen zum Erben ein und musste bald darauf feststellen, dass der Neffe als Kaufmann unmöglich war, denn von Geld hatte er keine blasse Ahnung. Wo Philipp Armut und Not sah, sprangen ihm die Münzen von selbst aus der Tasche in die Hände der Armen, und als ihn daraufhin der Onkel enterbte, war niemand froher als Philipp.

 

Philipp wanderte nach Rom, wo er bei einer gräflichen Familie die Stelle eines Hauslehrers versah, und zwar lange Zeit, bis er, fünfunddreißigjährig, noch Priester wurde. Ein Priester, der fast fünfzig Jahre hindurch auf neuartige Weise eine begnadete und segensreiche Seelsorge ausübte, so dass er der zweite Apostel Roms genannt wird.

 

Als eifriger Seelenhirt sorgte Philipp für alle Menschen, für Reiche und Arme, für Gute und Böse, für Junge und Alte, für Gesunde und Kranke, aber besonders warm schlug sein Priesterherz ganz besonders für die Kinder, die er alle liebte und die auch ihrerseits ihn gern hatten. Sobald sich Philipp auf der Straße sehen ließ, hatte er eine ganze Horde Kinder um sich, mit denen er plauderte und lachte. Die Jungen und die Mädchen hatten überhaupt keine Scheu vor dem heiligen Mann, eben weil er so lieb war und weil er sogar mit ihnen spielte, bald auf einem der großen Plätze in Rom, bald draußen vor der Stadt in Wald und Wiese. Und bei allen Spielen machte der Heilige fröhlich mit, als wäre er selbst noch ein Junge, ganz gleich, ob es sich um Fußballspielen oder Wettrennen oder Hüpfen oder Sacklaufen handelte. Und alle sagten wie selbstverständlich du zu ihm und redeten ihn auch mutig mit dem Spitznamen Pippo an.

 

Am schönsten war es aber, wenn Pippo nach dem Spiel begann, Geschichten zu erzählen. Pippo kannte unheimlich viele und unheimlich schöne Geschichten. Bevor aber die Geschichten am Ende, wie es sein muss, ernst wurden und in eine Nutzanwendung ausliefen, musste man am Anfang und zwischendurch meistens unbändig lachen. Bei Pippo war es immer schön.

 

Auch bei Pippo in der Kirche und daheim. Sein Haus und die Kirche stand immer allen Kindern offen, besonders den Straßenkindern Roms, und sie durften darin machen, was sie wollten, durften durch die Gänge und über die Treppen rennen oder vom Dachboden bis in den Keller Versteck spielen, durften singen und schreien, alles war gestattet. Und Pippo war kein Spielverderber, sondern machte lustig mit, und wenn die sogenannten vernünftigen Leute dem Heiligen zuredeten, dem Radau endlich ein Ende zu machen und die Kinder wegzuschicken, so antwortete der unverbesserliche Kinderfreund:

 

„Solange die Kinder hier im Haus auf ihre Weise lustig sind, begehen sie keine Sünde, und um sie vor der Sünde zu bewahren, lasse ich sie machen, was sie wollen.“

 

So einer war der Pippo, ein einzigartiger Kinderfreund, und heute noch ist sein Fest alljährlich für die Kinder in Rom ein Anlass zur Freude. Heute noch pilgern die Mädchen und Jungen jedes Jahr in die Trinitarierkirche an Pippos Grab, der vor vierhundertundfünfzig Jahren starb und im Gedächtnis der Menschen unsterblich weiterlebt, weil er ein so lieber und lustiger Kinderfreund war, von dem heute noch die Kinder lernen sollen, dass ihnen nach seiner Ansicht alles gestattet ist, wenn sie bei dem, was sie tun, nur nicht sündigen.

 

Der Diener Gottes Peter Olivaint aus der Gesellschaft Jesu, Märtyrer,

+ 26.5.1871 – Gedenktag: 26. Mai

 

Peter Olivaint (spr. Oliwän) wurde 1816 von einer Offiziersfamilie geboren. Der Geist im Haus war wenig religiös. Das falsche Licht, unter dem freigeistig geleitete höhere Schulen Christentum und Kirche darstellten, entfremdete Olivaint der von Gott geoffenbarten Religion. Eines aber hielt dank der Vorsehung Gottes sein allem Niedrigen abholder Geist bei: die Überzeugung von einem persönlichen Gott und der Unsterblichkeit der Seele, eines sein von der Mutterliebe wachsam behütetes edles Herz: die Tugend unbefleckter Reinheit.

 

Gewisse Studien, die er auf der Universität betrieb – er bildete sich zum Geschichtsprofessor aus – lehrten ihn die segensreichen Wirkungen des Christentums auf die Hebung der Ideen und Sitten er Welt kennen. Jedoch erst in den damals in Paris so allgemein bewunderten Predigten des Paters Lacordaire und des Paters Ravignan, von denen der erstere später Dominikaner wurde, der letztere Jesuit war, fand der junge Mann, was er lange gesucht hatte: die ganze, das Herz befriedigende, göttlich-geoffenbarte Wahrheit. Aus eigener Erfahrung lernte er auch, dass demütiges Gebet der Weg zur vollen Erkenntnis der Wahrheit und zum Glück sei. Beides fand er nach einer demütigen Beicht, die er im Februar 1832 bei Ravignan ablegte.

 

Mit Eifer begann er nun das neue Leben. Den Widerspruch und den Spott seiner ungläubigen Umgebung besiegte er durch Zuvorkommenheit und Opferwilligkeit. Nicht zufrieden damit, selbst Gott gefunden zu haben, suchte er auch andere dem Glauben entgegenzuführen. Es gelang ihm manche seiner Freunde, ja selbst Lehrer zu gewinnen. Auch noch eine andere herrliche Frucht zeitigte sein Glaubenseifer. Im Jahr 1832 wurde in Paris von einigen edlen katholischen Studenten, unter denen der Name Ozanam weltbekannt ist, die sogenannten Konferenzen vom heiligen Vinzenz von Paul gegründet, deren Aufgabe war, die Armen zu unterstützen. Der opferwillige Peter Olivaint ward sofort von diesem echt katholischen Werk angezogen und wurde der eifrigste Mitarbeiter. Im Speisesaal seiner Schule sammelte er die Überreste des Mahles und sparte sich sogar das Brot vom Munde ab, um damit den Armen zu helfen.

 

Mit 25 Jahren hatte Peter seine Studien vollendet und wurde zuerst in Grenoble, dann in Paris als Professor der Geschichte angestellt.

 

Im Frühjahr 1845 trat er in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein, nach dessen Vollendung er die heiligen Gelübde ablegte. 1850 wurde er zum Priester geweiht. Das Ordensleben, dessen Opfergeist er mit der ganzen Entschiedenheit seiner Seele umfasste, war für ihn die unblutige Vorbereitung auf das blutige Martyrium. Obwohl Ordensmann, vergaß er doch die nicht, die ihm in der Welt nahestanden. Seine Briefe aus dieser Zeit atmen neben feuriger Begeisterung für seinen Beruf und glühendem Seeleneifer eine treue Hingabe für seine Mutter und seine Freunde.

 

Von 1852 bis 1865 war Olivaint nacheinander Lehrer, Studienleiter und Rektor im Kolleg der Gesellschaft Jesu von Vaugirard in Paris. Mit seltenem Geschick widmete er sich der Aufgabe, aus den ihm anvertrauten Knaben tüchtige, glaubensstarke Männer zu machen. Aber Pater Olivaint wusste sehr wohl, dass das Haupterziehungsmittel das eigene, gute Beispiel ist. Wenn man sein Tagebuch der Geistesübungen liest, möchte man auf den Gedanken kommen, er sei als Rektor ausschließlich mit seiner eigenen Heiligung beschäftigt gewesen. Alles was er sprach und was er tat, war vom Glaubensgeist verklärt. Unerschöpflich war die Geduld, mit der er das Mühsame seines Amtes, seine schwache Gesundheit und seinen chronischen Rheumatismus ertrug. Tief war seine Demut, mit der er sich selbst vergaß, grausam die Abtötung, mit der er seinen Leib verfolgte.

 

Im Jahr 1865 wurde der Rektor von Vaugirard zum Obern der Niederlassung der Jesuiten in der Straße Sèvres bestimmt. Mit der Hingabe eines Heiligen lebte er den Pflichten eines Amtes als Oberer, der fast täglichen Predigt des Wortes Gottes, der Leitung der Seelen.

 

1871 entstand in Paris infolge der Niederlage Frankreichs der Aufstand der sogenannten Kommune, deren Hass sich besonders gegen die Kirche und die Orden richtete. Das zeigte sich offenkundig in der Eigenschaft der Geiseln, die sie gegen die Regierung von Versailles aushob, waren es doch in unverhältnismäßig großer Anzahl Priester, unter ihnen der Erzbischof von Paris. Der Hass gegen die Kirche brach auch hervor in dem Wutgeheul, das die Opfer auf ihren Todesgängen begleitete: „Nieder mit den Pfaffen!“

 

Auch Pater Olivaint wurde mit vier anderen Priestern der Gesellschaft Jesu gefangen gesetzt. Und warum? Am Jahrestag der Ermordung des Pater Olivaint und seiner Gefährten bezeugte der Prediger: „Es sei die Anschauung der hervorragendsten Männer, dass diese fünf Patres verfolgt und hingeschlachtet worden seien aus Hass gegen den Namen Jesus, den sie mit so großem Ruhm getragen haben.“ Diesem Grund entsprachen die Gedanken und Gefühle des Pater Olivaint, der mehrmals auf sich die Worte anwendete, die die Apostelgeschichte von den Aposteln gebraucht: „Freudig gingen sie hinweg vom Angesicht des hohen Rates, weil sie gewürdigt wurden für den Namen Jesus Schmach zu leiden.“

 

Ungefähr sieben Wochen dauerte die entbehrungsreiche Gefangenschaft. Pater Olivaint benutzte sie, um durch mehr als vierzig Tage die geistlichen Übungen des heiligen Ignatius zu machen. Es war trübes, regnerisches Wetter am Mittag des 26. Mai. In den Straßen der Stadt tobte blutiger Kampf, in dem die Kommune immer mehr zurückgedrängt wurde. Die Gefangenen, zweiundfünfzig an der Zahl, wurden aus dem Gefängnis geholt und unter dem Spott und der Misshandlung einer wilden Menge zum Richtplatz geführt. Der Befehl ertönte, und eine wütende Schlächterei begann, die erst aufhörte, als man des Todes aller Opfer sicher war. Die grässlich entstellten Leichen wurden in eine Grube geworfen. Pater Olivaint hatte eine Kugel ins Herz getroffen. Die rechte Schädelhälfte war ihm weggerissen worden.

 

Bald berichtete man von vielen Wundern, die durch Fürbitte des Pater Olivaint wie an seinem Grab so in verschiedenen Ländern gewirkt wurden.

 

Bist du Vater, Mutter, erziehe deine Kinder zu praktischem Christentum. Und wes Standes immer du sein magst, hüte dich, je den „Kleinen, deren Engel das Angesicht des Vaters im Himmel schauen“, Ärgernis zu geben, sondern ziehe sie durch dein Beispiel hin zur Tugend und zu Gott.

 

Die heilige Marianna von Jesus,

Mystikerin, Nonne des Dritten Ordens des hl. Franziskus,

+ 26.5.1645 – Fest: 26. Mai

 

Marianna von Jesus stammte von vornehmen spanischen Eroberern ab. Sie verlor sehr jung ihre Eltern und wurde von ihrer verheirateten Schwester erzogen. Beim Empfang der ersten heiligen Kommunion im Alter von sieben Jahren legte sie das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit ab. Sie führte im Haus ihrer Schwester ein eremitisches, ausschließlich dem Gebet gewidmetes Leben und ging fast nur zum Empfang der Sakramente aus dem Haus. Mit 14 Jahren gelobte sie ein Leben nach den evangelischen Räten und wurde am 6. November 1639 in den Dritten Orden der Franziskaner aufgenommen. Die Heilige wurde wegen ihrer mystischen Erfahrungen und Prophezeiungen bekannt. Sie besaß auch die Gabe der Unterscheidung der Geister.

 

Marianna von Jesus starb am 26. Mai 1645, nachdem sie sich Gott als Sühneopfer für die Errettung der Stadt Quito vor der Pest angeboten hatte. Ihre sterblichen Überreste wurden in der Jesuitenkirche des hl. Ludwig zu Quito beigesetzt. Am 20. November 1853 wurde sie durch Papst Pius IX. selig- und am 4. Juni 1950 durch Papst Pius XII. heiliggesprochen. Marianna von Jesus ist die erste Heilige der franziskanischen Familie in Lateinamerika. Am 30. November 1945 wurde sie vom Parlament zur Heldin des Vaterlandes erklärt. Ihr Gedenktag ist der 26. Mai. Sie ist Schutzpatronin von Ecuador.

 

Aus dem Marianischen Festkalender:

 

Amerika, das den Heiligenkranz der katholischen Kirche mit seiner Rose von Lima geschmückt hat, hat ihm nun eine neue Zierde in seiner Lilie von Quito eingefügt. Es ist dies nämlich Marianna von Jesus, aus dem Geschlecht der Paredes y Flores, genannt die Lilie von Quito (in Südamerika), die am 17. Oktober 1850 vom Heiligen Vater Pius IX. in die Zahl der Seligen und von Papst Pius XII in die Zahl der Heiligen aufgenommen wurde. Diese fromme Jungfrau, geboren zu Quito den 31. Oktober 1618 an dem der seligsten Jungfrau geweihtem Wochentag (Samstag), hatte schon in der frühesten Kindheit durch die außerordentliche Unschuld und Reinheit ihres Lebens bestätigt, was in ihrer Geburtsstunde in ungewöhnlichem Glanz erstrahlend über dem väterlichen Haus ein hellleuchtender Stern vorgedeutet hatte. Die ersten Worte dieses Gnadenkindes waren: „Ave Maria!“ In ihrem frühesten Lebensalter schon des Hauses Vorbild und schönste Zierde, hatte sie sich mit ihren jungen Gefährtinnen heimlich aus der Heimat entfernt, um bei einer Marien-Kapelle an einem abgelegenen Ort ein einsames, gottgeweihtes Leben zu führen. Nicht weit von Quito nämlich, so erzählt Pater Boerior diese Begebenheit, am Abhang des Pinchincha steht eine Bildsäule der heiligsten Jungfrau Maria. Die Bewohner der Stadt haben sie dahin gesetzt, um sich dadurch gegen die drohenden Gefahren des feuerspeienden Berges zu schützen. Marianna nun gewahrend, dass dieses Bild, sonst so hoch verehrt, jetzt beinahe vergessen sei, dass niemand mehr hingehe es zu begrüßen, oder die kleine Kapelle, wo es aufgestellt war, zu bewahren, beschloss, diese Vernachlässigung wieder gut zu machen, und selbst dahin zu gehen, um dort, ihrem Verlangen nach der Einsamkeit folgend, ein ganz zurückgezogenes Leben zu führen. Ihre kleinen Gefährtinnen, denen sie ihr Vorhaben mitteilte, billigten es ganz und gar und der neue Verein von Einsiedlerinnen beschloss nun: damit sie unerkannt von den Einwohnern Quitos bei der Gnaden-Kapelle wohnen könnten, wollten sie ihr Angesicht mit Glasstückchen aufritzen und Kohlenstaub in die Ritzen streuen, um unkenntlich zu bleiben. Eine von ihnen sollte von Zeit zu Zeit nach Quito geschickt werden, um da im Bettlergewand von Tür zu Tür Brot zu erbetteln für die armen Mägde Mariens – diesen Namen wollten sie sich geben. Gesagt, getan. Donna Girolama, die Schwester Mariannas, in deren Haus sie sich nach dem frühen Tod der Eltern befand, hatte gerade, um etwas Notwendiges zu besorgen, das Haus verlassen, da brachen die Mädchen auf und gingen eilends dem Berg zu. Bereits hatten sie die Stadt ziemlich weit im Rücken und den Wald des Gebirges zur Seite, da sprang aus dem Gebüsch ein wilder Stier mit vorgehaltenen Hörnern auf die Mädchenschar los. Furchtsam sprangen sie in eine nahegelegene Grube, und der Stier sie nicht mehr bemerkend, ging in den Wald zurück. Da die kleine Pilgerschar sich sicher glaubte, kam sie aus ihrem Versteck hervor, die Wallfahrt fortzusetzen. Aber sobald das wilde Tier sie bemerkte, rannte es ihnen aufs Neue entgegen, und so jedes Mal, so oft sie den Versuch, weiter zu gehen, machten. Nach einem kurzen Gebet sprach endlich Marianna zu ihren Gefährtinnen: „Gott will nicht, dass wir uns in die Einsamkeit begeben, er befiehlt, dass wir in unsere Heimat zurückkehren. Ihm müssen wir gehorchen.“ So trat die kleine Schar wieder den Rückweg an und kam ohne weiteren Unfall nach Hause. Marianna wusste sich für diese gesuchte, aber von Gott nicht genehmigte Einsamkeit zu entschädigen. Mit Erlaubnis ihres Beichtvaters bezog sie später, nachdem sie ihr väterliches Erbe unter die Armen verteilt hatte, eine Einsiedelei in dem Haus ihrer Schwester, wo sie, ganz ähnlich der heiligen Rosa von Lima, in Gebet und Betrachtung und in Ausübung der strengsten Bußwerke Jesus, ihrem himmlischen Bräutigam, dem sie sich mit dem Gelübde immerwährender Keuschheit verbunden hatte, und Maria, ihrer geliebtesten Mutter, bis zu ihrem Tod diente. Sie starb sechsundzwanzig Jahre alt am 26. Mai 1645.

 

Später wurde auf dem Platz, auf dem Mariannas und ihrer Schwester Wohnung gelegen war, ein Kloster für Karmeliternonnen gegründet. Oft verspürte man längere Zeit hindurch bald da, bald dort im Kloster lieblichen Wohlgeruch, wie von Lilien ausduftend. Die Bewohner des Gotteshauses und die obrigkeitlichen Personen, die dahin kamen, um von der Tatsache sich zu überzeugen, wussten das wohl zu deuten. Denn gleich am Tag nach ihrem Tod hatte man im Garten des Hauses, der niemals solche Blumen hervorbrachte, eine wohlduftende Lilie gefunden, wunderbar aus dem Bassin erwachsen, in den man aus Verehrung gegenüber der noch lebenden Jungfrau das Blut von einem Aderlass geschüttet hatte, der an ihr vorgenommen worden war. Als man den Stein des Bassins hob, zeigte es sich, dass die Blume ohne irgendwie eine Wurzel zu haben, wunderbar aus dem Blut der Seligen entsprossen war. Man pflückte den Lilienstängel und legte ihn in die Arme einer Statue der allerseligsten Jungfrau. Eine andere Blume wuchs nach, das Volk aber nannte Marianna die Lilie von Quito. Wie sich in ihrem ganzen Leben die innigste Liebe und Verehrung gegenüber der gebenedeiten Mutter des Herrn äußerte, so war es auch am Schluss ihres Lebens und mit Gottes besonderer Zulassung selbst noch nach ihrem Verscheiden. Sterbend bat sie noch, dass man sie zu den Füßen des Altares Unserer Lieben Frau von Loretto in der Jesuitenkirche ihrer Vaterstadt begraben möge. Als man nun die Bahre, auf der die Hingeschiedene Lag, durch das Portal der Kirche gebracht hatte, bemerkte man mit Staunen, wie die Tote ihre Augen öffnete, und auf das Bild Unserer Lieben Frau von Loretto geheftet hielt, das an diesem Tag auf dem Hochaltar zur Verehrung aufgestellt war. 

 

Gebet am 26. Mai

 

Ich verehre dich von ganzem Herzen, o heiligste Jungfrau, über alle Engel und Heilige des Himmels, als die Tochter des ewigen Vaters, und schenke und weihe dir meine Seele mit allen ihren Kräften. Ave Maria.

Ich verehre dich von ganzem Herzen, o heiligste Jungfrau, über alle Engel und Heilige des Himmels, als die Mutter des eingeborenen Sohnes, und schenke und weihe dir meinen Leib mit allen seinen Sinnen. Ave Maria.

Ich verehre dich von ganzem Herzen, o heiligste Jungfrau, über alle Engel und Heilige des Himmels, als die geliebte Braut des Heiligen Geistes, und schenke und weihe dir mein Herz mit allen seinen Gefühlen, indem ich dich bitte, mir von der allerheiligsten Dreieinigkeit alle zu meiner Seligkeit nötigen Mittel zu erlangen. Ave Maria.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Philipp Neri

 

O Gott, der du dem heiligen Philippus eine so große Kenntnis von dem elenden Zustand eines Sünders gegeben hast, lass uns auf seine Fürbitte die Abscheulichkeit der Sünde recht erkennen, damit wir sie auf das sorgfältigste meiden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

In Frankreich wurden an diesem Tag zwei Zisterzienser-Kirchen, eine im Jahr 1262 zu Cercamp, die im Jahr 1141 gebaut worden ist, die andere im Jahr 1149 zu Vaucelles, die im Jahr 1131 gebaut worden ist, zur Ehre der seligsten Jungfrau unter ihrer Anrufung eingeweiht.

 

27. Mai

 

Der heilige Bruno, Bischof von Würzburg,

+ 27.5.1045 – Fest: 27. Mai

 

Der Großvater dieses heiligen Bischofs war Herzog Otto von Franken, der Sohn jenes Herzogs Conrad, der auf dem Lechfeld in der Hunnenschlacht ritterlich gekämpft und den Tod gefunden hat. Die Gemahlin dieses Conrad hieß Luitgardis und war eine Tochter des Kaisers Otto des Großen.

 

Herzog Otto hatte 3 Söhne, Heinrich, Bruno und Conrad. Heinrich folgte seinem Vater als Herzog in Franken. Bruno wurde zuerst Mönch, dann Bischof von Verden und regierte zuletzt als Papst Gregor V. die gesamte Kirche Gottes. Conrad erhielt das Herzogtum Kärnten. Er verehelichte sich mit der Gräfin Mathilde von Querfurt und Mansfeld, und hatte zwei Söhne, nämlich Konrad, der dem Vater als Herzog von Kärnten nachfolgte, und Bruno.

 

Von der Jugendzeit und dem frühen Leben des heiligen Bruno ist nichts bekannt. Am 14. März des Jahres 1033 wurde er auf den bischöflichen Stuhl von Würzburg erhoben. Er wird als ein sehr gelehrter Mann gerühmt, soll mehrere Schriften, unter diesen Erklärungen der Psalmen geschrieben und die wissenschaftliche Bildung seiner Geistlichen mit großem Eifer gefördert haben.

 

Wegen seiner ausgezeichneten Kenntnisse war er auch bei den beiden Kaisern Konrad II. und Heinrich III. sehr in Ehren gehalten und beliebt. Schon im ersten Jahr seines Bistums zog er mit Kaiser Konrad nach Italien und half ihm die Lombardei erobern. Bei der Belagerung von Mailand feierte der heilige Bischof am hohen Pfingstfest das Hochamt. Während dieser Feierlichkeit entstand plötzlich ein solches Donnerwetter, dass alle meinten, der Jüngste Tag komme. Mehrere Menschen wurden vom Blitz erschlagen, viele wurden durch den Schrecken ganz betäubt, und alles rannte voll Verwirrung hin und her. Nur Bischof Bruno blieb ruhig am Altar stehen und vollendete, ohne sich stören zu lassen, das heilige Opfer. Nach der Heiligen Messe begab er sich zum Kaiser und erzählte ihm die Vision, die ihm während des heiligen Opfers geworden war. Der heilige Ambrosius war dem Bischof erschienen und hatte ihm gedroht, es werde der Kaiser mit seinem ganzen Heer zugrunde gehen, wenn er nicht alsbald von Mailand abziehe. Diese Vision und die unter dem Heer ausgebrochene pestartige Krankheit bewog den Kaiser, sogleich mit den Mailändern Frieden zu schließen, nachdem er die gefährlichsten Rebellen der Stadt, die schon in seiner Gewalt waren, hatte enthaupten lassen.

 

In der Teilung des väterlichen Erbes fiel dem frommen Bischof die Herrschaft Sonnerich im Stift Paderborn zu. Dieses sein väterliches Erbteil vermachte er dem Domkapitel in Würzburg, zur Verpflegung der Kanoniker. Auch andere von seinen Erbgütern im Kochergau vermachte der Bischof dem Stift Würzburg.

 

Um diese Zeit war die Domkirche zu Würzburg sehr baufällig geworden. Der edle Bischof unternahm zuerst den Bau seiner Kathedrale im Jahr 1042 und vollführte die Herstellung des herrlichen Tempels ganz auf eigene Kosten, ohne das Einkommen des Stiftes auch nur im Geringsten zu beanspruchen. Schon neun Jahre früher hatte Abt Willemuth die Klosterkirche zu St. Burkhard neu aufzubauen begonnen. Der fromme Bischof unterstützte den Abt in diesem Werk, das gerade vollendet wurde, als man den Bau der Domkirche anfing. Am Pfingstfest des Jahres 1042 nahm Bischof Bruno die Einweihung der neugebauten Klosterkirche vor. Gegenwärtig waren die Bischöfe Suidger von Bamberg (soäter Papst Klemens II.), Heriwart von Eichstädt, Hugo von Beßnitz, Severus von Prag und Adeleg von Zeitz.

 

Im Jahr 1045 musste Bischof Bruno mit Kaiser Heinrich III. nach Ungarn ziehen, um mit ihm die ungarischen Angelegenheiten zu ordnen. Als man unter Linz die Donau hinabfuhr, hatte Bruno, obwohl ganz gesund, eine Ahnung seines nahen Todes. Man kam glücklich bis nach Ips. In der Nähe dieser Stadt stand das Schloss Rosenburg nahe an der Donau. Hier hielt sich der Kaiser mit seinem Gefolge einige Tage auf. Eines Abends begab sich der Kaiser in ein nahe gelegenes Sommerhaus, das hart an der Donau lag und schon sehr baufällig war. Bischof Bruno kam zu ihm. Auf einmal brach der morsche Bretterboden, und beide fielen in das untere Gemach hinunter. Der Kaiser blieb unverletzt. Der Bischof aber wurde so übel zugerichtet, dass man ihn auf das Schloss zurücktragen musste. Er lebte noch acht Tage, bereitete sich zum Tod vor und verschied selig im Herrn am 27. Mai 1045. Es war dies eben das hohe Pfingstfest. Den Leichnam des Heiligen legte man in einen Sarg und brachte ihn nach Würzburg, wo er in der Gruft des von ihm erbauten Domes begraben wurde. Über seinem Grab steht in Stein eingegraben: „Im Jahr des Herrn 1045 den 27. Mai starb der selige Bruno, Bischof und Erbauer dieser Kirche.“ Die Verehrung des heiligen Bischofs nahm in dem Grade zu, als die Wunder an seinem Grab sich mehrten. Im Anfang des 13. Jahrhunderts erscholl der Ruf von den großen Wundern dieses Heiligen durch ganz Deutschland. Im Jahr 1237 stellte Bischof Herman eine Untersuchung der Wunder an und sendete die Ergebnisse nach Rom an Papst Gregor IX. Allein der von Herman begonnene Neubau des Domes nahm alle Aufmerksamkeit und alles Geld in Anspruch. Die Sache blieb in Schwebe. Erst Innozenz IV. soll die Heiligsprechung vorgenommen haben. Im Jahr 1699 wurden die Gebeine des heiligen Bischofs erhoben und der öffentlichen Verehrung der Gläubigen ausgesetzt.

 

Gebet des heiligen Bernhard am 27. Mai

 

Gedenke, o mildreichste Jungfrau Maria, es ist noch niemals gehört worden, dass du jemanden verlassen hättest, der zu dir seine Zuflucht nahm, deine Hilfe anrief und um deine Fürbitte dich gebeten hat. Von diesem Vertrauen beseelt, eile ich zu dir, o Jungfrau der Jungfrauen. O Mutter zu dir komme ich, vor dir erscheine ich seufzend als Sünder. Verschmähe, Mutter des Wortes, meine Worte nicht, sondern höre sie gnädig und erhöre sie. Amen.

(So oft man dieses berühmte, hochbegnadete Gebet des heiligen Bernhard andächtig betet, gewinnt man einen Teilablass, wer es täglich einen Monat lang betet, gewinnt nach würdigem Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altars und Verrichtung des Ablassgebetes einen vollkommenen Ablass. Pius IX. 1846)

 

Zu Gott

 

Durch deine Gnade, o Herr, hoffen wir stets vereint zu bleiben im wahren Glauben mit deinem Apostelfürsten und seinen Nachfolgern. Unterstütze uns aber auch, dass wir jeder Zeit nach der heiligen Lehre, die sie bewahren, unser Leben einrichten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im Jahr 1480 wurde an diesem Tag zu Valenciennes eine Kapelle der heiligsten Mutter Gottes in der Kirche des heiligen Petrus feierlich eingeweiht.

 

28. Mai

 

Der heilige Augustin, Apostel von England, Erzbischof von Canterbury,

+ 26.5.607 - Fest: 28. Mai

 

Es wird berichtet, dass der heilige Gregor der Große, bevor er Papst wurde, auf dem Marktplatz in Rom eine Gruppe von blauäugigen, blondhaarigen Männern antraf, die als Sklaven feilgeboten wurden. Auf die Frage des Heiligen, was das für Leute seien, erwiderte man ihm, es handele sich um kriegsgefangene heidnische Angeln aus dem heutigen England. Am nächsten Tag war Gregor bereits unterwegs, um als Missionar in England zu wirken. Kaum war er jedoch drei Tage auf Fahrt, da rief man ihn zurück, weil man den tüchtigen Mann in Rom nicht missen mochte, und kurze Zeit darauf bestieg der Heimgeholte als Papst den römischen Bischofsstuhl.

 

Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Stellvertreters Christi auf Erden bestand darin, dass er vierzig Mönche als Missionare nach England sandte, damit sie das ausführten, was er selbst als Papst nicht mehr bewerkstelligen konnte. Der von Gregor bestellte Leiter der Missionskarawane war der Abt Augustinus, der gleiche, dessen Fest die Kirche heute begeht.

 

Frohgemut und des Erfolges gewiss, verließen die Männer die Ewige Stadt und gelangten nach langer und beschwerlicher Reise über die Alpen und durch Frankreich an die Küste des Ärmelkanals. Da sahen sie das Meer, das, weil gerade Sturm herrschte, Wellen bis in die Wolken warf. Es war für die Südlandssöhne ein ungewohnter Anblick, und man darf es ihnen nicht übelnehmen, dass sich ihre Begeisterung im Angesicht der tobenden See merklich abkühlte. Noch mehr wurde ihr Gemüt von dem bedrückt, was ihnen die ortsansässigen Küstenfischer von der Wildheit der Angelsachsen erzählten. Man bedauerte sie und sagte ihnen den sicheren Tod voraus. Da legte sich eine bange Furcht auf die Seele der Missionare, und sie verloren ganz und gar den Mut. Lange beratschlagten sie, was zu tun sei, und beschlossen schließlich, dass Augustinus nach Rom reisen, den Papst über die riesengroßen Schwierigkeiten aufklären und bitten solle, sie von ihrem Auftrag zu entbinden.

 

Gesagt, getan. Als aber der Abt Augustinus dem Papst seine Rede vorgetragen hatte, wurde Gregor zwar nicht unwillig, aber er beharrte fest bei dem, was er befohlen hatte. Im Namen Gottes sollten die Missionare nach England übersetzen, sein Segen werde sie begleiten und des Erfolges dürften sie sicher sein. So sprach das Oberhaupt der Kirche, und Augustinus kehrte zu den Gefährten zurück, und als sie die aufmunternden Worte des Papstes vernommen hatten, belebte sich ihr Mut wieder, sie fuhren über das Meer und landeten in England.

 

Gleich nach der Ankunft schickte Augustinus einen Boten zu dem Stammesfürsten Ethelbert und bat ihn um eine Unterredung, die auch gewährt wurde. Weil jedoch Ethelbert noch im Wahn des Heidentums lebte und sehr abergläubisch war, wollte er die Missionare, um sich vor ihren möglichen Zaubereien zu schützen, nicht in seiner Burg, sondern unter einer Eiche auf freiem Feld empfangen.

 

Also geschah es, und als sich Ethelbert inmitten der Stammesgenossen niedergelassen hatte, erschien auch Augustinus mit den Mönchen. Singend und betend kamen sie in feierlicher Prozession, und Augustinus sprach vor dem Herzog und dem Volk. Lange und eindringlich redete er, und als er geendet hatte, sagte Ethelbert, es sei alles gut und schön, was er gesprochen habe, aber er wolle doch lieber bei seinem angestammten Glauben verbleiben. Weil indessen die Missionare von so weit hergekommen seien, um seinem Volk das zu bringen, was ihrer Ansicht nach das Beste sei, dürften sie im Land bleiben und den christlichen Glauben verkünden.

 

So sprach der König, und Augustinus und die Mönche freuten sich über den verheißungsvollen Anfang der Bekehrungstätigkeit, und weil sie durch ihr gutes Beispiel und auch durch Wunder, die Gott auf ihr Gebet hin wirkte, die Wahrheit ihrer Lehre bekräftigten, war ihnen bald Erfolg beschieden. Gleich am ersten Pfingstfest empfing Herzog Ethelbert mit Tausenden von Untertanen die heilige Taufe. Augustinus aber wurde der erste Bischof in England, und als er im Jahr 604 starb, befand sich das Christentum im vollen Siegeslauf. Das ganze Land bedeckte sich mit Kirchen, Klöstern und Schulen, und noch nicht hundert Jahre nach dem Tod des heiligen Augustinus zogen von England aus die großen Missionare Bonifatius, Willibrord und ungezählte andere nach Germanien, um auch den deutschen Volksstämmen den wahren Glauben zu bringen.

 

Im 16. Jahrhundert sind dann die meisten Engländer leider vom katholischen Glauben abgefallen und haben eine Sekte gegründet. Deswegen bittet die Kirche heute den lieben Gott inständig darum, dass doch aus den getrennten Christen bald wieder ein Hirt und eine Herde werden.

 

Gebet am 28. Mai

 

O Maria, Mutter der göttlichen Gnade, die du allen zurufst: "Glücklich der Mensch, der mich hört und der an meiner Tür wacht Tag für Tag, und meiner wartet an den Pfosten meiner Tür." Siehe, in meiner Armseligkeit nehme ich meine Zuflucht zu dir und rufe dich um Schutz und Hilfe an. Du weißt, dass ich in großer Heilsgefahr schwebe, und in jedem Augenblick meinen Gott, meine Seele, die Gnade und den Himmel verlieren kann. Ach, habe Erbarmen mit mir, und lass mir von der Fülle deiner Gnaden auch einen Teil zukommen, damit ich Kraft gewinne, einen guten Kampf zu kämpfen, alle Hindernisse auf dem Weg der Tugend zu überwinden und in der Treue zu meinem Herrn und Gott niemals zu wanken. Entzünde in meinem Herzen das Feuer der göttlichen Liebe, dass ich das Geschäft meines Heils mit anhaltendem Eifer besorge und in der Übung des Guten niemals müde werde. O Mutter der göttlichen Gnade, blicke mit Huld und Liebe auf mich, und sei meine Beschützerin im Leben und Sterben. Amen. 

 

Zu Gott

 

Wir bitten dich, o Gott, verleihe uns die Gnade, dass wir unsere Zeit und Fähigkeiten nach deinem heiligen Willen anwenden, damit wir einst als gute und getreue Knechte in deine Freuden eingehen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Venedig wurde im Jahr 1617 an diesem Tag, als er nämlich auf einen Sonntag gefallen ist, eine überaus feierliche und zahlreiche Prozession mit verschiedenen Reliquien der seligsten Jungfrau gehalten. Bei Donay wurde auch die Kirche der geistlichen Jungfrauen des Zisterzienser-Ordens unter der Anrufung der heiligen Mutter Gottes an diesem Tag eingeweiht.

 

29. Mai

 

Der selige Wilhelm Arnaldi, Priester und Martyrer von Avignonete,

und seine Gefährten,

+ 29.5.1242 – Fest: 29. Mai

 

Im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts sah es in Frankreich und besonders im südlichen Teil des Landes, sehr übel aus. Die Sekte der Albigenser, die sich mit den verderblichen Lehren gegen Kirche und Staat erhoben, trieb dort ihr Unwesen. Die katholischen Gotteshäuser wurden von ihnen in Brand gesteckt und niedergerissen, nachdem man vorher die Altäre entweiht, die Priester misshandelt oder getötet, ja selbst das Heiligste in den Kot geworfen und mit Füßen getreten hatte. Die Päpste, als Hirten über ihre Herde wachend, schickten Prediger und Legaten, um die verirrten Schäflein durch Belehrung und Predigt zum Schafstall Christi zurückzuführen. So war der heilige Vater Dominikus vom Papst Honorius III. zu den Albigensern gesandt worden, und Papst Gregor IX., der nach Honorius den Stuhl des heiligen Petrus bestiegen hatte, sandte Söhne des heiligen Dominikus, Glieder des von diesem Heiligen gestifteten Ordens der Predigerbrüder, nach Südfrankreich, den wahren Glauben durch Predigt und Unterricht zu verkünden. Unter den von Gregor IX. im Jahr 1234 mit der Bekehrung der Ketzer beauftragten Missionaren befand sich auch der selige Wilhelm Arnaldi von Montpellier aus dem Predigerorden. Er war, so berichten uns die Geschichtsschreiber, sehr bewandert in der Heiligen Schrift und im kanonischen Recht, und was noch mehr, ein großer Heiliger. Er war vom Papst zum Inquisitator ernannt worden, d.h. zum geistlichen Richter über die Häretiker, und predigte mit großem Eifer und Erfolg in der Gegend von Toulouse. In seiner Begleitung waren noch zwei andere Dominikaner, Bernard von Ripaforte und Garzias, sowie zwei Franziskaner, ein Benediktiner und einige Weltgeistliche, im Ganzen elf Personen. Gegen Ende des Monats Mai 1242 kamen die Missionare nach Avignonet, einem nicht weit von Toulouse gelegenen Städtchen. Sie machten sich ans Werk und begannen zu predigen und das Volk über die Glaubenswahrheiten zu belehren, um so die Irrtümer, die wie dunkles Gewölk auf den Gemütern lagen, zu zerstreuen, und den Leuten, die sich zumeist aus Unwissenheit dem Irrtum ergeben hatten, das Licht des wahren Glaubens zu verschaffen.

 

Avignonet gehörte damals dem Grafen Raymund VII., der in der Stadt ein Schloss besaß. Die Missionare, die in Folge ihres vom Oberhaupt der Christenheit empfangenen Amtes den ganz besonderen Schutz der Fürsten genossen, in deren Gebiet sie predigten, wohnten im Schloss des Grafen Raymund, waren also seine Gäste. Der Graf hatte auch seinem Verwalter, dem Befehlshaber des Schlosses, befohlen, in seiner Abwesenheit für die Glaubensboten zu sorgen, sie zu beschützen und, wenn es nötig wäre, sie zu verteidigen. Aber es kam anders. Der Verwalter nämlich, Raymund von Alfaro mit Namen, war ein fanatischer Anhänger der Albigenser und von glühendem Hass gegen die katholische Kirche und ihre Bekenner erfüllt. Mit steigendem Groll und Unmut sah er das erfolgreiche Wirken der Prediger, die jeden Tag eine große Menge um ihre Kanzeln versammelten und das Bestehen der Häresie in Avignonet ernstlich bedrohten. Er beschloss bei sich die gewaltsame Beseitigung der Missionare und schickte zu der nicht weit entfernten Burg von Monsegur und einigen anderen Burgen der Umgegend einen Boten, die Ritter mit ihren Kriegsknechten zu Hilfe an dem geplanten Werk zu entbieten. Der Kommandant von Monsegur sagte zu, und am Abend des 28. Mai, am Tag vor Christi Himmelfahrt, verließ ein Trupp Reiter das Schloss Monsegur und schlug die Richtung nach Avignonet ein. Unterwegs gesellten sich von den übrigen Burgen noch andere Reiter zu der Schar, und schweigend ging es fort bis in die Nähe der Stadttore, wo sie in einem Wäldchen Halt machten. Hier wartete ein Bürger aus Avignonet, den man mit noch ungefähr dreißig anderen Albigensern der Stadt in den Plan eingeweiht hatte, und da alles bereit war, führte dieser die Reiter, deren Zahl bis auf hundert angewachsen war, bis in die unmittelbare Nähe des Schlosses. – Die Missionare hatten von einer ihnen drohenden Gefahr nicht die geringste Ahnung und glaubten sich unter dem Schutz des Grafen sicher. Sie befanden sich mit einigen Katholiken aus der Stadt zusammen in dem großen Saal des Schlosses und wollten sich eben von einander trennen, um sich zur Ruhe zu begeben. Da ertönt plötzlich ein großer Lärm. Einen Augenblick später dringt durch die Türen des Saales ein Haufen Bewaffneter, Raymund und Alfaro an der Spitze. Das Krachen der mit Äxten zerschlagenen Türen der Vorzimmer, sowie der Anblick der bewaffneten Schar lässt die Glaubensboten über ihre Lage keinen Augenblick im Zweifel, und sie erkennen, dass ihre letzte Stunde gekommen ist. An Flucht denkt niemand, sondern nach dem Beispiel des seligen Wilhelm knien alle nieder, singen das Te Deum und erwarten so den Tod, den sie ihres Glaubens wegen erdulden sollten. Raymund von Alfaro, der Kommandant des Schlosses, anstatt die Missionare zu schützen und zu verteidigen, schlägt als der erste einen der Glaubensboten nieder und gibt damit seinen Gesellen das Zeichen. – Aber da wurden die Mörder in ihrer blutigen Arbeit gestört. Trotz aller Vorsicht hatte sich die Kunde von einem Überfall der Missionare in der Stadt verbreitet, und eine Anzahl Katholiken war zum Schloss geeilt, um sie zu retten. Sie drangen vor bis in den Saal, wo die Mörder waren, und es gelang ihnen auch, einige der Missionare, darunter den seligen Wilhelm von Montpellier und Stephan von Narbonne, aus dem Schloss in die Pfarrkirche zu flüchten, wo, wie sie meinten, die Heiligkeit des Ortes die Glaubensboten vor der Wut der Häretiker schützen werde. Aber vergebens. Die Mörder lassen die verstümmelten Leichen der im Schlosssaal Gemordeten liegen und eilen in die Kirche, die sie mit wildem Geschrei nach den Geflüchteten durchstürmen. Bald sind sie gefunden und das Blut färbt das Pflaster des Heiligtums. Die Leichen werden verstümmelt; unter anderem wird dem seligen Wilhelm, der durch seine Predigten besonders viele Häretiker bekehrt hatte, die Zunge ausgerissen. Dann verlassen die Mörder die Kirche und kehren zum Schloss zurück.

 

Die Leichname der drei gemordeten Predigerbrüder wurden von den Mitgliedern dieses Ordens nach Toulouse übertragen und in der dortigen Klosterkirche beigesetzt, indes die Franziskaner ihre Mitbrüder und die Geistlichkeit von Toulouse die Leichen der Weltgeistlichen in ihren Kirchen bestatteten. Viele Zeichen, die in dieser Nacht geschahen, sowie mehrere wunderbare Heilungen, die fast unmittelbar nach dem Tod der Glaubensboten auf ihre Fürbitte stattfanden, gaben deutliche Beweise für ihre Heiligkeit und Verherrlichung. – Die Kirche von Avignonet, wo zwei der Martyrer ihr Blut vergossen hatten, war durch die Mordtat entweiht worden und wurde vom Papst mit dem Interdikt belegt: die Türen wurden verschlossen und es durfte kein Gottesdienst in ihr stattfinden. Gegen vierzig Jahre blieb es so. Die Häresie erlosch während dieser Zeit vollständig in Avignonet, wie man annimmt, auf das Gebet der Martyrer, die mit ihrem Blut Zeugnis für den wahren Glauben abgelegt hatten. Nach dieser Zeit schickten die Bewohner der Stadt eine Gesandtschaft an den Papst, um ihm ihre Reue über das Verbrechen zu melden und um Aufhebung des Bannes zu bitten. Der Papst tat es denn auch, und, o Wunder, zur selben Zeit, da der Heilige Vater in Rom den Bann löste, begannen zu Avignonet die Glocken der Kirche von selbst zu läuten und läuteten fort einen Tag und eine Nacht lang. Die mit Schlössern seit vierzig Jahren versperrten Türen öffneten sich den erstaunten Bewohnern von Avignonet, und in der Kirche fand man eine überaus schöne Statue der lieben Mutter Gottes, von der niemand sagen konnte, woher und wie sie dahin gekommen sei. In Folge dieser Ereignisse und der zahlreichen Erhörungen und wunderbaren Heilungen fassten die Bewohner von Avignonet und der Umgegend eine herzliche Verehrung und Andacht zur Mutter Gottes und zu den für den Glauben getöteten Predigern, die sich die Jahrhunderte hindurch bis auf unsere Zeit erhalten hat. Papst Pius IX. bestätigte am 6. Oktober 1866 ihre Verehrung, nachdem sie von den Gläubigen schon längst als Martyrer verehrt und angerufen wurden. Die Kirche aber mit der wunderbaren Statue der Mutter Gottes ist heute ein besuchter Wallfahrtsort, und die vielen Wunder, die dort auf die Fürbitte Mariens und der seligen Martyrer geschehen sind, rechtfertigen den Namen, den Maria dort trägt: „Unsere Liebe Frau von den Wundern“.

 

Der heilige Maximin II., 28. Bischof und Bekenner von Trier,

+ 29.5.349 (?) – Fest: 29. Mai

 

In den Zeiten heftiger Stürme hat der Herr Himmels und der Erde immer große Männer und Frauen erweckt, die mit sicherem Blick und festem Mut das Steuer führten und ihr Schiff durch die brausenden Wogen des empörten Elements glücklich in den rettenden Hafen führten. Zu diesen heldenmütigen Steuermenschen der Kirche Jesu Christi gehört der heilige Maximin, der in den Stürmen des Arianismus seine umfangreiche Diözese Trier vor der Überflutung der Irrlehre schützte und durch Wort und Tat als Retter der Wahrheit erschien.

 

Maximin, einer vornehmen Familie zu Poitiers in Frankreich entsprossen, wurde schon früh dem heiligen Bischof Agritius zu Trier übergeben, der wegen seiner ausgezeichneten Tugenden in hohem Ansehen stand. Unter der sorgfältigen Leitung des heiligen Bischofs wuchs Maximin in Tugenden und Wissenschaften heran, empfing die heiligen Weihen und wurde nach dem Tod des heiligen Agritius im Jahr 332 auf den bischöflichen Stuhl zu Trier erhoben.

 

Um jene Zeit verwüstete die Irrlehre des Arius, der die Gottheit Jesu Christi leugnete, den Weinberg des Herrn in grauenhafter Weise, denn die Ketzer hatten die Kaiser nebst den wichtigsten und einflussreichsten Leuten in ihr Garn gelockt und verübten gegen die treuen Bekenner Jesu Christi Gewalttätigkeiten aller Art. Mit teuflischem Ingrimm verfolgten sie den heiligen Athanasius, den Patriarchen von Alexandrien und eifrigsten Verteidiger der christlichen Wahrheit. Nachdem er sich jahrelang in einer dunklen Höhle vor den Augen seiner Verfolger verborgen hatte, suchte er im Jahr 336 eine Zufluchtsstätte beim heiligen Maximin. Voll innigster Freude nahm er den Flüchtling in sein Haus auf, unbekümmert um die Gefahren, die ihm dafür von der Seite der Ketzer drohten. Zwei Jahre und vier Monate genoss Maximin den freundschaftlichen und belehrenden Umgang mit dem gelehrten und hochverdienten Bekenner Athanasius. Dieser lobt in seinen Schriften den musterhaften Lebenswandel und die heldenmütige Festigkeit seines Gastfreundes, der schon damals die Wundergabe von Gott empfangen hatte. Unter diesen Wundern sei nur eins aufgeführt: Einst reiste er mit dem heiligen Bischof Martin von Tours nach Rom, um die Gräber der Apostel zu besuchen. Ein Esel trug das Gepäck der beiden. Als sie durch einen Wald kamen, fiel plötzlich ein Bär über den Esel her und zerriss ihn. Sogleich befahl der heilige Maximin dem Bären, ihr Gepäck zu tragen, und das wilde Tier gehorchte.

 

Auch der von dem arianischen Kaiser Konstantius seiner Würde entsetzte Bischof von Konstantinopel, der heilige Paulus, fand bei Maximin im Jahr 343 Zuflucht, Schutz und Trost.

 

Da die Irrlehrer erkannten, dass die von ihnen vertriebenen Bischöfe bei dem rechtgläubigen Kaiser Konstanz, der das Abendland beherrschte, die festeste Stütze fanden, so suchten sie ihn zu umgarnen und sandten vier Abgesandte an ihn ab, die ein neues Glaubensbekenntnis vorlegten, in dem sie schlau das Gift der Irrlehre zu verbergen wussten. Aber Maximin enthüllte dem Kaiser, der sich gerade zu Trier aufhielt, die Schleichwege der Arianer und bewog ihn dazu, dass er die Ketzer abwies, standhaft im Glauben verharrte und die verfolgten Bischöfe schützte. Dafür warfen die Arianer ihren ganzen Hass auf Maximin.

 

Auf der Synode zu Mailand im Jahr 345 traf Maximin wieder mit dem heiligen Athanasius zusammen. Die beiden berühmten Oberhirten beklagten voll Trauer die Verwüstungen der Kirche Jesu Christi, und erkannten als das geeignetste Mittel gegen die überhandnehmende Irrlehre ein allgemeines Konzil. Sogleich begab sich Maximin zum Kaiser Konstanz und stellte ihm dringend seinen Plan vor. Der Kaiser zeigte sich bereit, mit seinem Bruder Konstantius in Unterhandlungen zu treten. Nach zwei Jahren kam die Kirchenversammlung zu Sardica in Allyrien, auf den Grenzen beider Kaiserreiche, zustande, und die versammelten 170 Bischöfe berieten unter dem Vorsitz des päpstlichen Gesandten Hosius die Angelegenheiten der bedrängten Kirche. Der heilige Maximin verteidigte mit feuriger Beredsamkeit den alten katholischen Glauben von der Gottheit Jesu Christi und die Beschlüsse des allgemeinen Konzils von Nicäa, und hatte dafür die Ehre, von den abtrünnigen Bischöfen aus ihrer Kirchengemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Er freute sich, um des Namens Christi willen Schmach zu leiden, und fuhr fort, die Wahrheit gegen den Irrtum zu verteidigen, und alle seine Kräfte dem Dienst der einzig wahren Kirche zu opfern.

 

Müde von den ununterbrochenen Kämpfen und Arbeiten in seinem Oberhirtenamt, trauernd über die vielen schweren Wunden, die die arianische Irrlehre der Mutterkirche schlug, sehnte sich Maximin nach der ewigen Ruhe. Noch einmal wollte er seine liebe Vaterstadt Poitiers besuchen, noch einmal seine Verwandtschaft sehen. Dort, wo er das irdische Licht der Welt erblickt hatte, schloss er seine Augen, um fortan im himmlischen Licht zu leben, am 29. Mai 349. Seinen heiligen Leib brachte man nach Trier zurück, wo sich über ihm bald die berühmte Abtei St. Maximin erhob.

 

Der selige Andreas von Chios, Märtyrer von Konstantinopel,

+ 29. Mai 1465 – Fest: 29. Mai

 

Am 29. Mai des Jahres 1465 erlangte zu Konstantinopel eine Grieche, aus Chios gebürtig und Andreas mit Namen, zur Lilie der Reinheit auch die Siegespalme der Martyriums.

 

In seiner Jugend hatte Andreas durch die seligste Gottesmutter Befreiung von krankhaften Zuständen erhalten und zu ihrer Ehre und Nachahmung das Gelübde lebenslänglicher Keuschheit gemacht. Von dieser Zeit an kleidete er sich weiß, damit er schon durch die Farbe der Kleider allzeit an das gemachte Gelübde und an seine Verbindlichkeit gegenüber Gott und der Königin der Jungfrauen erinnert würde.

 

In Konstantinopel, wohin er sich bald nachher begab, wurde er von den Mohammedanern ergriffen und in den Kerker geworfen. Sie versuchten ihn anfangs durch Schmeicheleien und List, und als er standhaft blieb, durch Drohungen zum Abfall vom christlichen Glauben zu bewegen. Da auch sie fruchtlos blieben, wendeten die Ungläubigen die schrecklichsten Martern an. Neun Tage dauerte die unmenschliche Peinigung. Am 20. Mai wurde er mir Ruten und Riemen gepeitscht, am 21. wurde der gestern zerschlagene Rücken mit eisernen Hacken zerfleischt, am 22. wurden ihm die Glieder aus den Gelenken gerissen, am 23. wurde das Fleisch von den Schulterbeinen abgeschunden, am 24. von dem Hinterteil des Leibes mit einem Schermesser das Fleisch langsam abgeschnitten, am 25. geschah dieses an den Schenkeln und am 26. an den Waden, am 27. wurde er an den beiden Seiten unter den Achseln geschunden, am 9. Tag wurde er am ganzen so schrecklich zugerichteten Leib – vom Scheitel bis zu den Füßen – wieder geschlagen und ein Kinnbacken ganz entfleischt.

 

Am ersten Tag, als die Geißelung begann, zitterte er, wie erzählt wird, am ganzen Leib, dann rief er laut: „Jungfrau Maria, stehe mir bei!“ – und nun stand er ruhig und festen Fußes da bis zum Sonnenuntergang. Und so rief er jeden Tag, wenn man mit der Henkerarbeit begann, laut zur heiligsten Jungfrau Maria, und erlitt dann siegreich die entsetzlichen Martern. Am 29. Mai fand man in dem so furchtbar zerrissenen und verstümmelten Leib nicht nur noch Leben, er war auch vollkommen geheilt, und Andreas voll Trost und Heiterkeit. Die Mohammedaner schlugen ihm nun das Haupt ab. Der Leichnam wurde mit Zustimmung des Sultans von den Christen anständig begraben.

 

Georg von Trapezunt, der das Martyrium dieses Griechen beschrieben hat, fügt bei: er habe einige Monate nach dem Tod des Andreas von Chios dessen Leichnam im Grab ganz unversehrt gesehen, dabei hatte das Fleisch eine solche Frische und das Gesicht einen solchen Ausdruck, dass es nicht ein Toter, sondern ein Schlafender zu sein schien. 

 

Gebet des heiligen Germanus am 29. Mai

 

O meine Königin. du bist der einzige Trost, den Gott mir gewährt. Du allein bist jener himmlische Tau, der die Hitze meiner Leiden vermindert. Du bist ein Licht für meine Seele, wenn sie von Finsternis umgeben ist. Du bist meine Führerin auf meiner Reise durchs Leben, meine Kraft in meiner Schwachheit, mein Schatz in meiner Armut, das Heilmittel für meine Wunden, mein Trost, wenn ich vor Kummer weine. Du bist meine Zuflucht in meinem Elend, die Hoffnung meines Heils. Amen. 

 

Zu Jesus Christus

 

Göttlicher Heiland, verleihe uns die Gnade, unser Leben in allem nach den Lehren des Glaubens einzurichten, zu dem wir uns bekennen. Wir werden dann nicht nur unser Heil wirken, sondern auch unsere Schwestern und Brüder zu dir, der Quelle alles Heils, durch die Kraft des Beispiels führen. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Arras wurde in diesen Tagen die berühmte Kerze, die Bischof Lambert dort von der seligsten Mutter Gottes zur Heilung einer tödlichen Seuche soll zugekommen sein, von den Vornehmsten der Stadt mit großem Gepränge aus der hierzu erbauten Kapelle in die Hauptkirche der Mutter Gottes hinübergetragen, und nach vollendeter Andacht mit derselben Feierlichkeit zurückgebracht. Wenn man zur Zeit des wütenden Brandfeuers, das vom Jahr 1089 über 250 Jahre viele tausend Menschen angegriffen und durch innerlichen Brand schwarzen Kohlen ähnlich gemacht hat, das mit einigen Wachstropfen dieser Kerze gleichsam gesegnete Wasser getrunken hat, ist man vom Tod errettet worden. Papst Clemens VIII. hat nach genau untersuchter Sache im Jahr 1579 jenen, die diese Kapelle besuchen würden, Ablass erteilt. Man sagt, der heilige Bernardus sei, diese Wunderwerke zu sehen, nach Arras gekommen.

 

30. Mai

 

Der heilige Ferdinand, König von Kastilien und Leon,

+ 30.5.1252 - Fest: 30. Mai

 

Der heilige Ferdinand wurde um das Jahr 1199 geboren. Seine Eltern, König Alphons von Leon und Berenguela von Kastilien, mussten sich auf Befehl des Papstes Innocens III. trennen, weil sie, im dritten Grad blutsverwandt, eine nach kirchlichen Gesetzen ungültige Ehe eingegangen hatten; ihre Kinder jedoch, zwei Söhne und zwei Töchter, wurden für rechtmäßige anerkannt. Berenguela ging zu ihrem Vater, dem König Alphons X. von Kastilien, und wurde nach dessen Tod Erbin des Reiches. Allein sie machte ihre Rechte nur geltend, um sie auf ihren Sohn zu übertragen, der damals achtzehn Jahre alt war. Auch auf dem Thron bewies Ferdinand seiner Mutter, die ihn musterhaft erzogen hatte, die größte Achtung. Er heiratete auf ihren Rat 1219 Beatrix, die Tochter des deutschen Kaisers Philipp, die vortrefflichste Prinzessin jener Zeit. Dieser Ehe entspross eine zahlreiche Nachkommenschaft, sieben Prinzen und drei Prinzessinnen. Noch nicht lange regierte Ferdinand, als sein eigener Vater, der von dem übelgesinnten Grafen Alvarez aufgehetzt worden war, ihn mit den Waffen in der Hand angriff. Der fromme Sohn erschauderte vor solch einem Krieg und ließ nichts unversucht, den Vater zu besänftigen. Unter anderem schrieb er ihm: „Woher dein Zorn gegen mich? Soll ich glauben, dass du dich über mein Glück betrübst? Ich meine, du solltest dich darüber eher freuen; denn es gereicht dir ja zur Ehre, einen Sohn zu haben, der den Zepter von Kastilien führt, weshalb kein anderer König dich feindlich überfallen wird, da er den Sohn fürchten muss, der seinen Vater in der Not nicht verlässt. Wirst du mich beunruhigen, so schadest du dir nur selbst. Ich könnte dir mehr Unruhe und Sorge machen in deinem Reich, als ein anderer Fürst der Welt; allein ich halte es für unerlaubt und strafbar, da du mein Herr und Vater bist, und ich will so lange dulden, bis du selbst das Unrecht erkennst, das du an mir verübst.“ Alvarez, der Veranlasser des Krieges, geriet in die Gefangenschaft Ferdinands, der aber, weit entfernt von jeder Rache, ihn sogleich auf freien Fuß stellte. Zum Dank dafür schürte der Graf erneut den Brand. Aber Gott selbst stritt für den ehrfurchtsvollen Sohn und schlug den Ohrenbläser mit einer schweren Krankheit. Nun kam es bald zu einem Ausgleich, und Ferdinand besiegelte den Frieden mit dem Vater durch die rasche Hilfe, die er ihm gegen die Mauren leistete.

 

Nachdem die Ruhe wieder hergestellt war, traf der junge König die besten Anstalten, das ihm anvertraute Volk wahrhaft glücklich zu machen. Er wählte zu seinen Räten Männer von erprobter Klugheit und Rechtschaffenheit, unter denen Rodriguez, Erzbischof von Toledo, als Großkanzler von Kastilien an der Spitze stand. Mit seinem Beistand entwarf Ferdinand weise Gesetze, demütigte den Übermut der Großen, reinigte das Land von Räubern und Mördern und gründete zur besseren Pflege des Rechts den später so berühmt gewordenen Gerichtshof, „den königlichen Rat von Kastilien“. Er selbst reiste persönlich im Reich umher, um Recht zu sprechen. Niemals belastete er seine Untertanen mit außergewöhnlichen Abgaben. Als er zum Krieg gegen die Mauren rüstete, gab ihm ein Höfling den Rat, zur Deckung der Kosten neue Steuern auszuschreiben; aber Ferdinand schien dieses ungerecht, und er antwortete mit edlem Unwillen: „Bewahre mich der Himmel vor solchen Anträgen! Die göttliche Vorsehung kann mir auf andern Wegen helfen. Ich fürchte weit mehr die Flüche einer armen Frau, als das ganze Kriegsheer der Mauren.“ Man kann in Wahrheit sagen, dass des Königs Herz bloß ein einziges Gefühl durchglühte, die Liebe zu Gott und zu seinen Untertanen. In seiner Liebe zu Gott tat er alles für die Ehre des Allerhöchsten und zur Sicherung und Wahrung des Glaubens. Sein größtes Werk war die Befreiung eines großen Teils von Spanien von der drückenden Sklaverei der Mauren. Er verwendete er die Siegesbeute nicht zur Mehrung des Glanzes seines Hofstaates, sondern zur Gründung von Bistümern und Klöstern, zur Erbauung prachtvoller Domkirchen und anderer Gotteshäuser und zu anderen ähnlichen Zwecken. Den Rittern von Calatrava schenkte er ganze Städte unter der Bedingung, sie gegen die Ungläubigen zu verteidigen. Er war es, der die Orden des heiligen Franziskus und Dominikus zuerst in Spanien einführte und dadurch der Kirche eine neue Stütze gab.

 

Im Jahr 1225 zog er zum ersten Mal gegen die Ungläubigen ins Feld und griff Aben Mahomed, den Fürsten von Baeza an, den er zwang, ihm Tribut zu geben. Noch furchtbarer wurde er den Mauren, als er 1230 nach dem Tod seines Vaters die Krone von Leon erbte und diese mit der von Kastilien vereinigte. Seine Siege grenzten jetzt ans Wunderbare; aber nicht Ehrgeiz und Habsucht trieben ihn zum Kampf. Die Reinheit seiner Absicht sprach er durch die Worte aus: „Gott, der du die Herzen durchforschst, du weißt, dass ich deine und nicht meine Ehre suche. Ich will mir nicht vergängliche Reiche erwerben, sondern die Kenntnis deines Namens ausbreiten.“ Unter seinen Soldaten versuchte er Gottesfurcht und echte Frömmigkeit zu erhalten; denn nur die verleihen wahren Mut. Der heilige König gab allen fortwährend das Beispiel aller Tugenden. Er hielt die Fasten aufs Genaueste, trug ein Bußkleid in Gestalt eines Kreuzes und brachte ganze Nächte im Gebet zu, besonders dann, wenn eine Schlacht bevorstand. Im Heer wurde allezeit das Bildnis der göttlichen Mutter, der Helferin der Christen, mitgetragen, und Ferdinand selbst hatte ein kleines Marienbild am Hals hängen. Seine glühende Verehrung der heiligen Jungfrau gründete sich besonders auf das Gefühl der Dankbarkeit, weil er durch die Fürbitte der Himmelskönigin von einer tödlichen Krankheit geheilt worden war, die ihn als Prinzen in einem Alter von elf Jahren befallen hatte. Der Erzbischof Rodriguez wich nie von seinem königlichen Herrn, wenn er in den Krieg zog; er und seine Priester besorgten den Gottesdienst im Lager und sorgten für das Seelenheil der Soldaten. Man sah sie Beichte hören, die Kommunion austeilen, die Kranken und Verwundeten pflegen mit leiblicher und geistlicher Hilfe.

 

Unter der Leitung eines so gottesfürchtigen Feldherrn waren die spanischen Krieger unüberwindlich, und oft geschah es, dass das Heer sich der wunderbarsten Hilfe des Himmels zu erfreuen hatte. Dies war besonders der Fall, als im Jahr 1234 Ferdinands Sohn, der Infant Alphonso, mit 1500 Mann bei Xeres eine wohl siebenmal stärkere Armee des Königs von Sevilla schlug und dabei nur neunzehn Soldaten und einen Ritter verlor. Mehrere gefangene Ungläubige sagten aus, dass sie an der Spitze des christlichen Heeres den heiligen Apostel Jakob, den Schutzpatron von Spanien, auf einem weißen Ross in der Waffenrüstung eines Ritters gesehen hätten. Mitten in seinem Siegeslauf wurde Ferdinand zu Anfang des Jahres 1236 durch die Botschaft von dem Tod seiner Gemahlin Beatrix in Trauer versetzt; er empfand diesen Schlag sehr tief, ließ sich aber dadurch nicht in seinen Pflichten als Christ und König stören. Er nahm die große Stadt Cordova ein, die seit fünfhundert Jahren in den Händen der Ungläubigen gewesen war, und hielt dort am Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus seinen Einzug. Sogleich ließ er die Hauptmoschee, die von 1200 Säulen getragen wurde, in eine christliche Kirche zu Ehren der heiligen Jungfrau zurückverwandeln und errichtete in ihr wieder den ehemaligen Bischofsstuhl. Al Mansur, der Fürst von Cordova, hatte auf den Schultern der Christen die Glocken aus der Jakobskirche von St. Compostella zur Moschee bringen lassen; Ferdinand ließ nun die Mauren auf ihren Schultern die Glocken wieder nach Compostella zurücktragen.

 

Eine der schwierigsten, aber auch glänzendsten Eroberungen war die von Sevilla, der festesten und bevölkerungsreichsten Stadt Spaniens und des wichtigsten Platzes der Mauren. Die Belagerung dauerte sechzehn Monate, was aber nicht verwundert wenn man hört, dass diese Stadt eine zweifache sehr hohe und dicke Ringmauer und 166 Streittürme hatte. Mehr als einhunderttausend Mauren verteidigten diese Mauern, denen Ferdinand nur ein verhältnismäßig kleines Heer gegenüber stellen konnte. Aber nun zeigte sich, was Einsicht, Tapferkeit und Beharrlichkeit unter dem Segen Gottes vermögen. Das gewaltige Sevilla musste sich am 23. November ergeben. Als Arataf, der Statthalter der Ungläubigen, mit den Seinigen auszog, schaute er von seiner Anhöhe noch einmal zur Stadt zurück und rief mit Tränen aus: „Nur ein Heiliger konnte mit so wenig Soldaten eine solche Feste bezwingen. Es kann nur durch das Zutun des Himmels geschehen sein, dass Sevilla den Mauren entrissen wurde.“ Ferdinand ordnete nach der Einnahme der Stadt feierliche Dankgebete an und ließ die Domkirche so prächtig wieder aufbauen, dass sie keinem Gotteshaus in der Christenheit nachsteht.

 

Während der Belagerung von Sevilla wurden dem Herzen des heiligen Königs durch den Tod seines ersten Rates und Freundes Rodriguez und den seiner geliebten Mutter Berenguela zwei sehr schmerzliche Wunden geschlagen, und nur in der Religion fand er Trost, die ihn auch in den sonstigen Unfällen, von denen kein menschliches Leben frei ist, aufrecht erhielt. Er wusste seine Leidenschaften immer zu beherrschen, war streng gegen sich, aber nachsichtig und gütig gegen andere und zeigte in seiner ganzen Lebensweise, dass auch ein König ein sehr gewissenhafter und frommer Christ sein könne und dass sich die Pflichten der Religion sehr wohl mit denen eines Herrschers vereinigen lassen.

 

Eben rüstete er sich, die Mauren in Afrika selbst, im Herzen ihrer Macht, anzugreifen, als ihm der Engel des Herrn das Schwert aus der Hand nahm. Über die bedenkliche Krankheit, die den geliebten Fürsten befallen hatte, geriet ganz Spanien in Bestürzung; nur er blieb ruhig und bestätigte seine volle Ergebung in den Willen des Allerhöchsten auch jetzt. Er legte eine reumütige, vollständige Beichte von seinem ganzen Leben ab und begehrte die Sakramente. Als der Bischof von Segovia in Begleitung der Geistlichkeit mit dem Allerheiligsten in das königliche Gemach trat, stand der erlauchte Kranke vom Bett auf, warf sich, einen Strick um den Hals und das Kruzifix in den Händen, auf die Knie und rief: „Herr, wie habe ich verdient, dass du selbst zu mir kommst? Du hast aus Liebe zu mir so viel gelitten, und ich armer Sünder, was habe ich für dich getan? O sieh nicht auf meine Unwürdigkeit, sondern sieh darauf, wer du bist, und erbarme dich meiner.“ Nachdem er die Himmelsspeise empfangen hatte, ließ er seine Kinder herbeirufen und gab ihnen seinen Segen und die rührendsten und heilsamsten Ermahnungen. Ehe seine letzten Augenblicke herannahten, wurde er noch durch eine überirdische Erscheinung getröstet und sprach, die Augen zum Himmel gewendet: „Herr, du hast mir ein Reich gegeben, wie ich es zuvor nicht hatte, und größere Ehre und Macht, als ich verdiente. Für alles sage ich dir Dank und lege es jetzt wieder dir zu Füßen; auch meine Seele übergebe ich dir.“ Unter den Gebeten der Bischöfe und Priester neigte er sein Haupt und verschied, als sie eben das Te Deum sangen – am 30. Mai 1252. Er hatte 53 Jahre gelebt und 35 regiert. Seine Leiche ruht zu Sevilla vor dem Bild der Gottesmutter, die er so sehr geliebt hatte. Gott verherrlichte den frommen Helden im Grab durch zahlreiche Wunder, weshalb Papst Clemens X. ihn 1671 unter die Heiligen versetzte.

 

* * * 

 

Als der katholische König Ferdinand – erzählt Mariä Stammbuch – sich viele Jahre hoch bemühte, wie er die herrliche Stadt Granada von den ungläubigen Mauren wiederum erobern und bekommen möchte, hat er endlich bei der hochwürdigen Mutter Gottes Fürbitte und Hilfe gesucht, und mit samt seiner Königin Isabella verlobt: wenn er bemeldete Stadt sollte siegreich glücklich einnehmen, wollte er die vornehmste Kirche dieser Stadt zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis Mariä weihen lassen.

 

Im Jahre Christi 1492 den 1. Januar hat Ferdinand darauf wirklich diese mächtige Stadt glücklich erobert, der maurische König ergab sich dem Sieger, und räumte ihm alle bedeutenden Orte und Plätze ein. Am 2. Januar sodann wurde eine große Anzahl gefangener Christen, darunter auch viele Priester waren, frei gelassen, welche sämtlich Gott und seiner siegreichen Mutter Lob sangen und unter Freudentränen zu den Ihrigen heimkehrten. Statt des Halbmondes, den die muhamedanischen Mauren auf die Kirchtürme gepflanzt hatten, setzte der Erzbischof das heilige Kreuz dorthin. Und jedermann hielt dafür, dass dieser Sieg und diese Freude einzig durch die Hilfe und Fürbitte der unbefleckten Jungfrau Maria gewonnen worden sei.

 

Noch im höheren Grad als dieser König von Spanien erfuhr ein anderer Ferdinand 350 Jahre später die Hilfe Mariens, der König von Neapel nämlich, dieses Namens der zweite, und zwar wurde ihm der besondere Beistand der seligsten Jungfrau gerade im entscheidenden Augenblick des Übergangs von dieser Welt ins Jenseits.

 

Es war im Mai des Jahres 1859. An einem Sonntag um 3.30 Uhr morgens erklärte König Ferdinand seiner Familie, dass dieser Tag sein letzter auf dieser Erde sein würde. Seine Physiognomie hatte den Ausdruck sanfter Freude, mit ruhiger und fester Stimme ordnete er an, dass man die Vorbereitungen für die große Reise veranstalte. Der Erzbischof von Patrasso, der dem König während seiner Krankheit geistlichen Beistand geleistet hatte, wurde zu ihm gerufen. Er glaubte, des Königs Ende sei noch nicht so nahe. Ferdinand ersuchte ihn das Weihwasser und das Rituale bereit zu halten und die drei Kerzen anzuzünden, die er für die letzte Stunde aufbewahrt hatte: Die Lichtmesskerze, die Kerze vom heiligen Grab, und die vom heiligen Haus von Loretto.

 

Der letzte Augenblick nahte, der König allein wusste es, er war darob so glücklich, dass er sich über seine Freude Vorwürfe machte und den Erzbischof fragte, ob es erlaubt sei, sich über einen Hingang zu freuen, durch den alle die Seinigen so unglücklich würden. Der fromme Prälat beruhigte ihn darüber und sagte ihm kurz die Worte des heiligen Paulus: ich wünsche aufgelöst und mit Christus vereinigt zu sein. Als er wieder ruhig geworden war und den letzten Segen des Heiligen Vaters durch den Telegraphen erhalten hatte, küsste der König unablässig ein auf Seide gedrucktes Bild der heiligen Jungfrau und drückte es an sein Herz. Er rief diese zarte Mutter an, deren ergebenster Sohn er seit seiner zartesten Kindheit stets gewesen war. Auf sie setzte er alle seine Hoffnungen, aus ihr schöpfte er jeden Trost, durch ihre Gnade war ihm der Tod lieber als das Leben, denn durch sie hoffte er bald den Himmel zu erreichen und sich der Gegenwart der heiligsten Dreifaltigkeit zu erfreuen.

 

Die letzten Worte dieses frommen Königs enthalten eine tiefe Lehre für alle: sie werden ein Trost den Guten, ein Verdammungsurteil den Ungläubigen sein:

 

Ich bitte, sprach er, für meine Frau, meine Kinder, meine Verwandten, für mein Land, mein Volk, für meine Freunde und Feinde, für die Sünder und für alle.

 

Nach zwanzig Minuten feierlicher Stille, während deren er sich mehr und mehr mit dem Herrn vereinigte, streckte er eine Hand nach der Königin aus, die andere nach dem Erzbischof, neigte zweimal sanft sein Haupt, dann wandte er sich rechts, befahl Gott seine Seele und verschied.

 

Gebet am 30. Mai

 

O meine heilige Fürsprecherin, die du durch deine große Demut das Herz deines Gottes verwundet hast. Erlange auch mir die heilige Demut, damit ich, gleichwie du, meinem hier auf Erden so demütigen Jesus ähnlich werde, damit ich ihn mit dir vereint dereinst im Himmel sehen und lieben kann. Amen.

 

Zu Jesus Christus

 

O Herr, der du die Zungen der Kinder sprechen machst, um Männer zu beschämen, gieße doch über Junge und Alte deinen Heiligen Geist aus, der sie lehre und dazu antreibe, wonach sie auf Erden einzig zu trachten haben. Amen. 

 

Zu Gott

 

Wir bitten dich, o Gott, dass wir, die wir das Andenken an den heiligen Felix feiern, uns in der ewigen Glückseligkeit auch seiner Gesellschaft erfreuen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Durch die Andacht zur heiligsten Mutter Gottes ist der heilige Ferdinand in jüngeren Jahren beim Leben erhalten, in den Feldzügen vor allen Gefahren behütet, und mit herrlichen Siegen über die Ungläubigen beglückt worden.

 

31. Mai

 

Maria, Mittlerin aller Gnaden

 

Mariä Königtum

 

Maria, Königin aller Heiligen

 

Unsere Liebe Frau vom Heiligsten Herzen

 

Maria, Mutter der Schönen Liebe

 

Maria, Königin der Apostel - Samstag vor Pfingsten

 

Die heilige Helmtrud,

Reklusin (Klausnerin) von Neuenheerse bei Paderborn,

+ 31.5.950 – Fest: 31. Mai

 

Schon in den ersten christlichen Jahrhunderten fühlten sich gottinnige Seelen gedrungen, dem störenden Geräusch und den verlockenden Gefahren der Welt zu entfliehen, um in den schaurigen Höhlen der Wüste, oder in einer elenden Binsenhütte, oder in einer armen Klosterzelle ungestört in Gebet und Betrachtung, in Nachtwachen und nützlichen Beschäftigungen Gott zu dienen und sich auf eine glückselige Ewigkeit vorzubereiten. Gleich den Vätern der Wüste entschlossen sich auch fromme Jungfrauen, ein weltabgeschiedenes Leben in Gott zu führen und traten entweder in einen von der Kirche gutgeheißenen Orden, oder, wo ein Orden noch kein Kloster besaß, bauten sie sich, möglichst unmittelbar an der Kirche, eine Zelle oder Klause, in der sie ihr ganzes Leben zubrachten. Eine solche Klause war ganz aus Steinen gebaut, war zwölf Fuß lang und breit, hatte drei Fensterchen, von denen das eine zum Chor der Kirche mündete, und durch das die Klausnerin die heilige Kommunion empfing. Durch das andere auf der entgegengesetzten Seite erhielt sie ihre Nahrung, durch das dritte, das immer mit Glas oder Horn geschlossen sein musste, strömte das nötige Tageslicht herein.

 

Eine solche Klausnerin war die heilige Helmtrud, auch Hiltrud genannt. Sie war zu Heerse im Bistum Paderborn geboren und erzogen worden. Zeigte sie schon in früher Jugend eine unvergleichliche Frömmigkeit und Unschuld, so beschloss sie als Jungfrau, sich ganz von dem Getriebe der Welt zurückzuziehen und in verborgener Zelle mit Gott allein zu verkehren. Wie viele Tugenden sie sich in den engen Mauern ihrer Klause erwarb, einen wie hohen Grad der Vollkommenheit sie erreichte, ist Gott allein bekannt, aber das wenige, das uns von ihr berichtet worden ist, lässt uns auf ihre hervorragende Heiligkeit schließen.

 

Einst erschien ihr die heilige Jungfrau und Märtyrin Kordula, eine Gefährtin der heiligen Ursula, in außerordentlicher Anmut, mit heiterem Antlitz und angetan mit einem schimmernden Gewand, geschmückt mit Lilien und Rosen. Die demütige Dienerin Gottes erstaunte bei diesem Anblick und hielt sich einer solchen Erscheinung nicht würdig. „Woher kommt mir diese Gnade“, sprach sie, „dass eine solche Jungfrau sich herablässt, zu mir zu kommen, besonders da ich noch den Gesetzen des sündigen Fleisches unterworfen bin, während du zum Himmel erhoben bist und von seiner Verderblichkeit weißt?“ Die heilige Kordula begrüßte mit den lieblichsten Worten die erstaunte und wegen einer solchen unerwarteten Erscheinung kaum des Wortes fähige Klausnerin und eröffnete ihr die Ursache ihrer Ankunft: „Wisse“, sprach sie, „dass ich eine aus jener heiligen Jungfrauenschar bin, die unter der Leitung und dem Zuspruch der heiligen Ursula den mörderischen Pfeilen der Hunnen erlagen und Köln mit ihrem Blut und Martyrium verherrlichten. Ich überlebte zwar um eine Nacht den Triumph unserer Gesellschaft im Tod für Christus, jedoch am anderen Tag stellte ich mich, begierig nach gleichem Triumph und Tod, freiwillig den Mördern entgegen, starb so für Christus, und verließ weder meine Schwestern, noch verlor ich die Marterkrone. Da nun ganz Köln den Tag des ruhmreichsten Kampfes, in dem meine Mitschwestern ihr Leben für Christus hingegeben haben, aufs höchste ehrt, aber meines Namens nicht gedenkt, so verkünde du in meinem Auftrag den Nonnen, die andächtig unsere Gebeine bewachen, dass sie in der Folge einen Tag nach der jährlichen Gedächtnisfeier meiner Mitschwestern auch meinen Reliquien einige Verehrung erweisen.“

 

Als Helmtrud nach ihrem Namen fragte, erhob die Erscheinung das blumengekrönte Haupt und auf ihrer Stirn war mit deutlicher Schrift der Name Kordula zu lesen. Als hierüber nach Köln berichtet und das Zeugnis durch die allbekannte Heiligkeit Helmtruds bestätigt wurde, entstand seit dieser Zeit der Gebrauch in jener Kirche, dass der auf das Fest der heiligen Ursula folgende Tag der Verehrung der heiligen Kordula geweiht wurde.

 

Die gotterleuchtete, tugendreiche und vom Volk hochverehrte Jungfrau Helmtrud schloss ihr Leben am 31. Mai und wurde zu Heerse begraben, wo an ihrer Grabstätte einst sehr häufig Blinde ihr Gesicht, Lahme ihre geraden Glieder, Kranke die Gesundheit und vom bösen Feind Besessene Befreiung erhielten. Der durchgedrehte, gottlose Herzog Christian von Braunschweig ließ im dreißigjährigen Krieg auch zu Heerse die geweihten Gräber aufreißen und in der Kirche umherstreuen. Die erschreckten und tiefbetrübten Jungfrauen des dortigen Stiftes sammelten die Gebeine wieder und gaben ihnen einen würdigen Platz in der Kirche.

 

Der selige Pilegrim / Pilgrin / Peregrinus,

Bischof und Bekenner von Passau,

+ 31.5.991 – Fest: 31. Mai

 

Das Bistum Passau, eines der ältesten in Mitteldeutschland, kann sich vieler ausgezeichneter Kirchenfürsten rühmen. Einer der geistreichsten, tugendhaftesten und tätigsten war Pilgrin oder Peregrinus. Er entstammte dem berühmten Geschlecht der Grafen von Pechlarn, erhielt seine höhere Ausbildung bei den Kanonikern von Niederalteich und gewann einen reichen Schatz von Kenntnissen in der Religion wie in den profanen Wissenschaften.

 

Wegen seiner hervorragenden Geistes- und Herzenseigenschaften ernannte ihn Papst Benedikt VII. im Jahr 971 zum Bischof von Passau und schenkte ihm wegen seiner Verdienste um die Bekehrung Ungarns das Pallium. Pilgrin reiste auf die Bitten der frommen Herzogin Savalta selbst nach Ungarn, um das Christentum, das durch die heidnischen Horden der grausamen Hunnen verdrängt worden war, von neuem zu begründen. Er sandte eine Anzahl frommer Mönche dorthin, um den heiligen Wolfgang, der bereits in diesen Gegenden predigte, im Missionswerk zu unterstützen. Der Erfolg war ein höchst gesegneter, denn in kurzer Zeit ließen sich 5000 Ungarn taufen. Zum Unterricht der Neubekehrten verfasste Pilgrin selbst einen Katechismus. An den Papst übersandte er ein Glaubensbekenntnis, ähnlich dem athanasianischen, ausgezeichnet durch Schönheit der Sprache und bündigen Inhalt.

 

Für die tüchtige Ausbildung der Geistlichen seines Sprengels besorgt, stiftete er zu Passau eine höhere Schule, die in kurzer Zeit zu hohem Ruhm gelangte. Durch seine treue Hingabe an die kaiserlichen Ottonen erwarb er für sein Bistum und deren Bürger verschiedene Vorrechte, z.B. Zollfreiheit auf allen Flüssen des Deutschen Reiches, die Befreiung von allen öffentlichen Abgaben und eigene Gerichtsbarkeit. Er führte Ansiedler in die von den Ungarn entvölkerten Länder und gewährte ihnen außerordentliche Wohltaten, um die tiefen Wunden wieder zu heilen, die der unselige Krieg geschlagen und Passau fast zu Grunde gerichtet hatte. Seine Hirtensorge erstreckte sich über Ungarn bis nach Mähren. Als diese Länder aber bald ihre eigenen Bistümer erhielten, beschränkte er seine Tätigkeit zumeist auf Passau, sorgte indes auch für tüchtige Oberhirten in anderen Diözesen. Durch seine Verwendung beim Kaiser Otto I. erhielt der heilige Wolfgang den Oberhirtenstab von Regensburg. In Niederalteich führte er wieder die Benediktiner ein, deren Wirken sich allerorten so segensreich für Kultur, Kunst und Wissenschaft erwies.

 

Ein Freund alter Sagen und selber liederkundig, ließ er durch Meister Konrad, einen Kanoniker an der Domkirche, die deutschen Volkslieder von König Etzel und Dietrich, sowie die Siegfriedsage, sammeln und die Taten vieler Ahnen sorgfältig beschreiben. Aus dieser Arbeit entstand das Nibelungenlied, das großartigste deutsche Heldengedicht. Pilgrin selbst wird in dieser Epopöe verherrlicht als ein hochberühmter Bischof in Wort und Tat, glänzend durch Wissenschaft, Frömmigkeit und Seeleneifer nicht minder, als durch seine hohe Geburt.

 

Unter ihm wurden im Jahr 977 die Reliquien des heiligen Bischofs und Märtyrers Maximilian nach Passau übertragen. Er selbst starb im Ruf der Heiligkeit am 31. Mai 991, von der Mit- und Nachwelt bewundert als liebenswürdiger Mensch, als gründlicher Gelehrter, als seeleneifriger Oberhirt und tatkräftiger Kirchenfürst. Seine ehrwürdigen Überreste erhielten in der Domkirche ihre Ruhestätte neben den Gebeinen des heiligen Maximilian und Valentin, gingen aber in dem verheerenden Brand im Jahr 1181 zu Grunde.

 

Der heilige Felix von Nikosia, Sizilien, Kapuziner,

+ 31.5.1787 – Fest: 31. Mai

 

Das Streben nach christlicher Vollkommenheit erscheint vielen oft als ein recht kompliziertes Zauberkunststück, und weil sie diese vermeintliche Geheimlehre nicht besitzen, lassen sie sich durch dies listige Trugspiel des Teufels ganz vom Tugendleben abschrecken. In Wirklichkeit stellen sich die gefürchteten „Höhenpfade“ der Heiligkeit als ein recht einfacher Weg zum Himmel in wahrer Nachfolge Jesu Christi dar, wie jedes Heiligenleben es erweist. Auf ein paar kurze Grundsätze lässt sich die praktische Gottesgelehrsamkeit der Wissenschaft der Heiligen zurückführen und diese heißen in der biblischen Dreizahl: Kämpfend vorwärts, betend aufwärts, stetig himmelwärts!

 

Kämpfend vorwärts hieß die geistliche Losung auch für den heiligen Felix zu Beginn seines Tugendstrebens. Wohl hatte der fromme junge Mann in stetem, opfervollem Kampf seine jugendlichen Leidenschaften der Herrschaft des Geistes und der Gnade unterworfen und galt allgemein als ein Muster der Sittsamkeit, Bescheidenheit und des religiösen Ernstes. Allein Gottes Vorsehung fügte es, dass er sich durch eine lange Geduldsprobe von acht Jahren seinen Beruf und die Aufnahme in den Kapuzinerorden durch beharrliches Bitten und einen musterhaften Lebenswandel erst erkämpfen musste. Endlich des kostbaren Gnadengeschenkes teilhaftig, wirkte Bruder Felix mit den Ordensgnaden getreulich mit, um in wehtuendem Untergehen immer mehr sich selbst und seinen bösen Neigungen abzusterben und in den Gnaden und ihren Tugendwirkungen eine geistige Auferstehung zu feiern. Nach drei Lebensgrundsätzen richtete er sein Tugendstreben ein: Das Herz los von der Welt – hin zu Gott, ohne Teilung, ohne Rückbehalt. Selbstverdemütigung und heilige Freude über die Verachtung von anderen. Ständige Abtötung und Buße, um dem gekreuzigten Heiland gleichförmig zu werden. – Gewiss widerstrebte dieser heroischen Selbstentäußerung der natürliche Mensch, suchte durch allerlei Kniffe seine niedere Eigenliebe durchzusetzen. Bruder Felix wusste, dass das Himmelreich Gewalt brauche und nur solche, die Gewalt anwenden, es erstürmen. Die innere und äußere Buße überwand bald in siegreichem Kampf die giftige Schlange der dreifachen bösen Begierlichkeit. Heilige Wachsamkeit und beharrliches Vorwärtsstreben vermieden jeden bewussten Fehler, verbesserten allmählich mit Zeit und Geduld und heiliger Energie auch die Unvollkommenheiten. Damit hatte sich die Seele des eifrigen Bruders den Aufstieg in die höheren Regionen des geistlichen Lebens erkämpft, wo Gottesgnade aufwärts trägt. Denn gerade im inneren Leben ist Menschenmühe das eine, Gottessegen das andere.

 

Betend aufwärts stieg der Heilige durch die verschiedenen Stufen und Grade der inneren Begnadigung. Wohl konnte die äußerlich erscheinende engelhafte Sammlung und Entrücktheit der Sinne während des Gebetes und der Betrachtung, der Geist der Andacht und der ständige Wandel in Gottesgegenwart bei der zerstreuenden Arbeit der Sammelgänge durch die Stadt Nikosia auf das hohe mystische Innenleben schließen lassen. Aus dieser geheimnisvollen Überwelt des Glaubens, der Gnade und Liebe Gottes trat dann gelegentlich der Heilige mit der Gabe der Weissagung und Wunder, selbst wieder sich verdemütigend, dass Gott ihn zum Werkzeug besonderer Gnadengeschenke gemacht.

 

Stetig himmelwärts! Die Beharrlichkeit entscheidet über die endgültige Siegeskrone im geistlichen Kampf. Wie viele Seelen haben sich schon zu hoher Stufe emporgearbeitet. Plötzlich ermattet und entmutigt sind sie langsam wieder erdwärts gesunken. Dieser großen Gefahr im Streben nach christlicher Vollkommenheit war sicher Bruder Felix wohl bewusst, und er suchte ihr zu begegnen durch viel Gebet, demütige Wachsamkeit gegenüber den geringsten Fehlern, durch heilige Freudigkeit und Dankbarkeit für Gottes Gnaden. Nach dreiundvierzig Jahren eines heiligmäßigen Lebens im Bußkleid des heiligen Franziskus sprach der Heilige das Schlussamen seines irdischen Gebetes, um es im ewigen Alleluja fortzusetzen.

 

Auch gutgewillte Seelen lassen sich oft von zwei Fehlern im geistlichen Leben schwer schädigen, der eine, mit dem auch der heilige Ignatius zu kämpfen hatte, ist die Furcht vor der langen Dauer dieses Strebens nach Vollkommenheit. Die Heiligen geben dafür den Rat, sich zu trösten, man habe ja bloß immer einen Tag vor sich, den man mit Gottes Hilfe gut zubringen sollte; jedem Tag genügt seine Plag. Der andere Fehler ist die schnellauftretende Entmutigung, wenn der Berg der Vollkommenheit nicht in einem Ansturm genommen werden kann. Hier gilt es eine gewisse demütige Selbstbescheidung anzuwenden, die sich trotz aller Energie und Opferwilligkeit bewusst bleibt, der Weg zum Himmel werde langsam und mühsam gegangen und wahr ist das Wort der Nachfolge Christi: „Wenn wir jedes Jahr nur einen Fehler beseitigten, wie bald wären wir vollkommen.“

 

Der Kapuzinerbruder Felix wurde am 12. Februar 1887 von Papst Leo XIII. selig- und am 23. Oktober 2005 von Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen.

 

Die selige Mechthild von Andechs, Äbtissin von Dießen und Edelstetten,

+ 31.5.1160 – Fest: 31. Mai

 

„Im Jahr 1468 nach der jungfräulichen Geburt unseres Herrn, am Fest der heiligen Martyrer Gordianus und Epimachuns (10. Mai), wurden die Gebeine der seligen Mechthild unverwest gefunden, gar geziemend eingeschlossen in einem Steinsarg tief unter der Erde. Fleisch und Kleider waren schon gänzlich zerfallen, nur der Schleier, wodurch sie sich einst Christus als Braut geweiht, wurde noch am Haupt befestigt gefunden. Sie lag aber dort im Staub der Erde bereits 308 Jahre.“ So meldet ein alter Chronist über die Erhebung der seligen Mechthild von Dießen. – Das Fleisch war eine Speise der Würmer geworden, die Kleider ein Raub des Moders: aber unvergänglich blieb das Zeichen ihrer Jungfrauschaft, das Zeugnis Christi für seine reine Braut.

 

Mechthild war erst fünf Jahre alt, da wurde sie von ihren Eltern – ihr Vater war der hochmächtige Graf Berthold von Andechs – im Kloster Dießen Gott dargebracht. In Eintracht dienten dortselbst dem Herrn Chorherren und Chorfrauen nach der sogenannten Regel des heiligen Augustin. Wie eine wohlgepflegte Lilie wuchs das Mädchen heran, und als ihr Kelch sich bereits zu vollem Liebreiz entfaltet hatte, bekräftigte sie durch feierliches Gelübde den Weiheakt ihrer Eltern. Genaueres wissen wir über ihr Leben in Dießen nur sehr wenig. Aber wie der Mönch Engelhard von Langheim, der ein Menschenalter nach ihrem Tod das Leben der Seligen beschrieb, erzählt, wollte sie schon bei Lebzeiten nicht das Geringste von ihren Angelegenheiten an die Öffentlichkeit gelangen lassen. Demut und größte Zurückgezogenheit waren immer die besten Schutzmauern jungfräulicher Reinheit. Und alles, was uns aus dem Leben der Seligen an Einzelzügen berichtet wird, ist ein Ausfluss dieser Tugenden. Von der Welt wollte Mechthild nichts wissen. Wenn ihre fürstlichen Brüder sie besuchten, so mussten sie froh sein sie überhaupt zu Gesicht zu bekommen, so schnell huschte sie aus dem Sprechzimmer wieder hinaus. Jene verargten ihr das keineswegs, sondern behandelten sie stets mit größter Ehrfurcht und nannten sie ihre Herrin. Aber das war auch wieder so ein Titel, den die Selige um ihr Leben nicht leiden konnte. Als sie zur Meisterin (Priorin) gewählt worden war, wollte sie durchaus nicht mit domina (Herrin), sondern nur mit soror (Schwester) angeredet werden.

 

Das größte Kreuz schickte Gott ihrem demütigen Sinn, als sie 1143/44 zur Äbtissin des Frauenstiftes Edelstetten berufen wurde, um das zuchtlos gewordene und wirtschaftlich heruntergekommene Kloster wieder in die Höhe zu bringen. Mechthild wollte nicht hören. Da kam von Rom eine Bulle des Papstes Anastasius, abgefasst in gar scharfen Worten. „Es gelangte zu uns die Kunde, dass du die Last der Abtei nicht auf dich nehmen willst, obwohl du kanonisch dazu berufen wurdest; dass du dich weigerst anderen zu dienen, während doch Christus nicht gekommen ist sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen. Weil es also besser ist zu gehorchen als zu opfern, . . . befehlen wir dir, dass du das Joch Christi, nämlich die Verwaltung der Abtei auf keinen Fall zurückweisest und dem Auftrag unseres ehrwürdigen Bruders, des Bischofs von Augsburg, unter keinen Umständen zu widerstreben wagest.“ Einem solchen Schreiben gegenüber blieb der demütigen Mechthild kein anderer Ausweg mehr übrig. Sie übernahm also die Verwaltung des Stiftes ohne sich jedoch die Weihe als Äbtissin geben zu lassen. Sie hoffte dadurch Titel und Ehren einer solchen vermeiden zu können. Erst auf die Vorstellung hin, dass sie sonst die Rechte des Klosters nicht nachdrücklich genug werde vertreten können, willigte sie auch in diese Plage ein. Aus dem gleichen Grund finden wir sie einmal auf einem Reichstag in Regensburg bei Friedrich Barbarossa, obwohl sie sonst nicht aus den schützenden Klostermauern zu bringen war.

 

Bald zeigte sich, dass Edelstetten keine bessere Mutter hätte finden können. Zunächst sorgte die selige Mechthild für die Hebung der regulären Zucht, indem sie die Klausur einführte, die in dem Kanonissenstift bis dahin nur wenig beobachtet worden war. Die vielen Besuche seitens der adeligen Verwandten hörten damit auf, und anstatt mit Rittern und feinen Herren sich zu unterhalten, verkehrten die Schwestern wieder mit Gott und seinen heiligen Engeln. Einige wollten zwar die Reform nicht annehmen, aber die meisten folgten ihrer gewählten Äbtissin auf dem steilen Weg zum Leben. Eigentlich streng war Mechthild ohnehin bloß gegen sich selbst und zwar pflegte sie die Abtötung um so mehr, je höher an Würde sie über die anderen gestellt war. Persönlich äußerst bedürfnislos sorgte sie wie eine zärtlich liebende Mutter für das Wohlergehen der ihr anvertrauten Töchter und gewährte ihnen alle Erleichterungen, die mit den Ordenssatzungen vereinbar waren.

 

Ein besonderes Mittel der Heiligung war für die selige Mechthild die Beherrschung der Zunge. Nur einmal entschlüpfte ihr ein unbedachter Ausruf und den hat sie mit vielen Tränen beweint. Lachen hat man sie während ihres Lebens überhaupt nie gesehen. Aber gerade deshalb hat sich auch an ihr die Seligpreisung des Heilands erfüllt: „Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.“ Das war kurz vor ihrem Sterben. In Todesahnung war sie wieder nach Dießen zurückgekehrt, das durch die reichen Schenkungen ihres Vaters gleichsam zur Familienstiftung geworden war und wo dieser selbst 1151 als Laienbruder das Zeitliche gesegnet hatte. Während nun die Brüder und Schwestern ihr Sterbelager umstanden, schluchzte sie plötzlich laut auf und dann lachte sie bei vollem Bewusstsein ein helles Freudenlachen. Und von da ab lag sie da so fröhlich, als sie schon die Pracht des himmlischen Hochzeitsmahles schaue. Offenbar hat sie die seligste Jungfrau vor sich gesehen, weil sie betete: „Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir!“ Und dann erscholl wieder ihr helles, fröhliches Lachen. Bald darauf entschwebte ihre Seele, die eben noch durch den Empfang des heiligsten Sakramentes gestärkt worden war, in die Umarmung ihres göttlichen Bräutigams. Ihr Leib wurde vor dem Altar des heiligen Johannes des Täufers beigesetzt, am 31. Mai 1160.

 

Gar manche Wunder verherrlichten das Grab der Seligen und gaben von ihrer Heiligkeit Zeugnis. Die Gläubigen riefen ihre Fürbitte vor allem gegen Wetter und Hagelschlag an. Eigentümlich ist, dass man ihre Haare, die sie unter Berufung auf den heiligen Paulus als eine Zierde der Jungfrau während ihres Lebens nie hatte schneiden lassen, gegen heranziehende Gewitter hängte und sie dadurch zum Weichen brachte.

 

„Lasset auch uns die Heilige bitten, dass sie durch die Verdienste ihrer Heiligkeit uns bewahre vor den Wetterstürmen der Versuchungen, uns durch ihre Fürbitte schütze gegen die feurigen Schlingen des Teufels . . . Es erflehe uns die heilige Mechthild die Gnade des Heiligen Geistes, sie vertreibe allen Zorn, sie sänftige den Neid, sie ersticke den Hass, sie drücke nieder den Hochmut . . . Sie vermehre den Glauben, mache reich unsere Hoffnung, lasse wachsen unsere Liebe, damit wir den einst schauen, der die Liebe selbst ist, Gott, der in jener Güte seiner Auserwählten lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. (Gebet des ältesten Lebensbeschreibers.)

 

Gebet am 31. Mai

 

Ave Maria voller Gnad`,

Kein` Sünd` dich je blecket hat,

Vor allen Frauen jeder Zeit

Bist du, o Jungfrau, benedeit.

Drum seufzen wir, wir Kinder dein,

Zu dir, zu dir, o Jungfrau rein.

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Martyrin Petronilla

 

Wir bitten dich, o Gott, verleihe uns durch die Fürbitte deiner heiligen Jungfrau Petronilla, dass wir dir mit einem keuschen Leib dienen, und mit einem reinen Herzen gefallen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zu Gott

 

Mein Gott, wie oft habe ich dich eitlen Götzen, die ich in meinem Herzen aufgestellt habe, nachgesetzt, sooft ich nämlich Sünder wurde. Aber von nun an will ich meinen Glauben durch Werke der Liebe zu beleben suchen, und dir mein ganzes Herz auf immer einräumen, ich bitte um Gnade dazu, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Als im Jahr 1475 die Stadt Köln wegen des zwischen dem Kaiser Friedrich III. und dem Herzog Karl von Burgund fortdauernden Krieges in großer Gefahr des äußersten Unglücks sich befand, hat sich der Vorsteher des Dominikanerklosters daselbst durch ein öffentliches Gelübde verbunden, die Andacht des heiligen Rosenkranzes zu erneuern, und zu verbreiten, wenn die seligste Jungfrau die bevorstehende Gefahr von der Stadt abwenden würde. Und siehe, eben zu der Zeit, da die Stadt in augenscheinlicher Gefahr schwebte, wurde der Friede zwischen beiden augenblicklich unterzeichnet.