Heilige im März

 

1. März

 

Der heilige Suitbert d.Ä., Bischof und Bekenner in Friesland,

+ 1.3.713 - Fest: 1. März

 

Der heilige Suitbert gehörte zu den ersten Missionaren, die über den Rhein vorstießen. Jahrhundertelang blühte bereits das Christentum in den Ländern links des Rheins, während rechts des Rheins immer noch das Heidentum herrschte. Alle Versuche der Missionare, Christi Fahne, das Kreuz, über den Fluss zu tragen, scheiterten an der Wildheit der ortsansässigen Volksstämme, bis eines Tages Suitbert auftauchte und mutig den Rhein überschritt.

 

Suitbert war von angelsächsischer Herkunft. Als junger Mann verließ er die Heimat, ging nach Irland, wurde Mönch und schloss sich dem heiligen Willibrord an, als dieser die Mündung des Rheins aufsuchte, um unter den dortigen Friesen missionarisch zu wirken. Bald danach trennte sich Suitbert jedoch von Willibrord, erhielt die Bischofsweihe und zog mit einigen Gefährten in das Land zwischen Ruhr und Lippe.

 

Mit großer Klugheit begann der Missionar das Bekehrungswerk, denn von Anfang an war sich Suitbert darüber im Klaren, dass er durch eine bloße Verkündigung der frohen Botschaft nichts ausrichten konnte. Wenn er bei den misstrauischen Menschen zwischen Ruhr und Lippe Erfolg haben wollte, so musste er ihnen das Christentum, bevor er es lehrte, erst im Gebet und in der Arbeit vorleben.

 

Deswegen kaufte Suitbert Land auf, rodete es, legte Äcker und Weiden an, trieb Pferde- und Rinderzucht Wenn man ihn anfänglich auch verlachte und verspottete, weil das, was er tat, nach germanischer Auffassung nicht als ehrenhafte Männerarbeit, sondern als Frauenarbeit galt, so verstummten die Witze über den sonderbaren Fremdling mit der Zeit immer mehr. Suitberts reiche Kornkammern und prachtvolle Viehwirtschaft erweckten nämlich bei den Einwohnern Interesse und Nachahmung. Bald bahnten sich freundschaftliche Beziehungen an. Mit Rat und Tat half der ausländische Mönch den Nachbarn, und langsam, aber merklich wuchs der Wohlstand im Land.

 

Da war es an der Zeit, dass Sankt Suitbert neben Roggen, Hafer und Gerste Gottes Wort aussäte. Und im aufgelockerten Erdreich ging auch diese Saat prächtig auf und brachte viel Frucht. Gotteshäuser entstanden, Schulen wurden gegründet, und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sich das Volk zwischen Ruhr und Lippe in seiner Gesamtheit zum christlichen Glauben bekennen werde. Der Glaubensbote Suitbert hatte ganze Sämannsarbeit geleistet, und die Kornkammern der Kirche füllten sich aufs Neue mit reichen Garben.

 

Auf diese Weise war durch den heiligen Suitbert erstmals das Kreuz mit Erfolg über den Rhein getragen worden. Wenn auch ein Sachseneinfall wieder alles, was die Missionare mühsam aufgebaut hatten, vernichtete und das Bekehrungswerk um weitere hundert Jahre verzögerte, so hatte Suitbert doch wenigstens einen festen Grund gelegt, auf dem sich später das Christentum siegreich und machtvoll entwickeln konnte.

 

Die letzten Lebensjahre verbrachte der alternde Glaubensbote auf der Rheininsel Kaiserswerth in der Nähe von Düsseldorf, wo er hart an der Grenze seiner zusammengebrochenen Mission ein Kloster gründete. Dort starb er am 1. März 713, ohne dass sich seine Hoffnung erfüllte, das zerstörte Lebenswerk wiederaufzurichten. Aber was er mit Tränen gesät hatte, haben andere später mit Freuden geerntet. Was immer ein Mensch Gutes tut, kann nie restlos untergehen.

 

Der heilige Felix III., Papst und Bekenner zu Rom,

+ 1.3.492 – Fest: 1. März

 

Papst Felix III. war aus einer der ältesten römischen Familien entsprossen und der Urgroßvater des heiligen Gregor des Großen. Er widmete sich von Jugend an der Frömmigkeit und den geistlichen Wissenschaften und als er das gehörige Alter hatte, wurde er zum Priester geweiht und zum Kardinal der römischen Kirche erhoben. In dieser Würde zeichnete er sich durch einen solchen heiligen Eifer aus, den Frieden der christlichen Kirche und die Reinheit ihrer Lehre zu erhalten, dass er mit Übereinstimmung aller Bischöfe zum obersten Kirchenhirten erwählt wurde. Während seiner Regierung herrschten in der Kirche Jesu große Unruhen und heftig und ungestüm waren die Angriffe, die sie zu erschüttern drohten. Nicht nur allein König Odoacer versuchte die Freiheit der Kirche dadurch zu beschränken, dass er die freie Wahl der römischen Päpste bestritt und diese wichtige Stelle mit seinen Favoriten besetzen wollte, sondern auch die Bischöfe Acacius in Konstantinopel, Petrus Mongus in Alexandria und Petrus Fullo in Antiochia verweigerten dem Papst Felix den Gehorsam und beredeten sogar den Kaiser Zeno, sich ganz von der abendländischen Kirche zu trennen. Der heilige Felix, der es mit Ermahnungen und Bitten versuchte, diese verderbliche Trennung zu verhindern, hielt schließlich im Jahr 484 eine Synode in Rom und entsetzte den Mongus, Bischof von Alexandria, seiner Würde und belegte ihn als einen Anhänger der Irrlehrer mit dem größeren Kirchenbann. Diesem Urteil der Kirche widersetzten sich hartnäckig die Bischöfe von Konstantinopel und Antiochia. Sie verteidigten und schützten gegen alle kirchlichen Rechte den Mongus und hielten mit ihm Kirchengemeinschaft. Papst Felix sah sich genötigt, um die Einheit und den Frieden wieder herzustellen, im Jahr 486 Gesandte nach Konstantinopel zu schicken, die aber auf den Befehl des Kaisers während ihrer Reise gefangen genommen und durch Misshandlungen so weit gebracht wurden, dass sie sich selbst mit der Gegenpartei des Papstes vereinigten. Der heilige Felix ließ die Sache neuerdings durch eine Versammlung von 77 Bischöfen genau untersuchen, die nicht nur den Acacius nebst seinen Anhängern, sondern auch die treulosen römischen Gesandten und den Kaiser als Ungehorsame und Ruhestörer von der Gemeinschaft der Kirche ausschlossen. Der Beschluss dieser Synode wurde den Mönchen in Konstantinopel zugeschickt, die es noch mit der römischen Kirche hielten, und als sie ihn dem Acacius bekannt machten, ließ er alle Ordensmänner dieses Klosters ermorden.

 

Der heilige Papst Felix regierte als ein wachsamer Hirt der Kirche Gottes neun Jahre, weihte 31 Bischöfe, 28 Priester und 5 Diakone und verwendete große Summen auf die Verschönerung der Gotteshäuser. Die Kirche des heiligen Agapetus erbaute er ganz neu, bekehrte viele Arianer zum katholischen Glauben und starb im Ruf der Heiligkeit am 1. März im Jahr 492. Sein Leichnam wurde in der Kirche des heiligen Paulus beerdigt.

 

Der heilige Albin, Bischof zu Angers, Frankreich,

+ 1.3.549 – Fest: 1. März

 

Der heilige Albin wurde im Jahr 459 aus einer vornehmen Familie in der Bretagne geboren und weihte sein Herz von früher Jugend an Gott und der Tugend. Aus Liebe zu Jesus verschmähte er Reichtum und Ansehen vor den Menschen und wählte die Erniedrigung und Armut in dem Kloster Cincillacum in Anjou. Sein Eifer in Erfüllung der strengen Ordensregel, seine Demut und ununterbrochene Abtötungen, sein Wachen und Streben nach Vollkommenheit erwarben ihm bald die Ehrfurcht aller Ordensmänner in einem so hohen Grad, dass sie ihn nach dem Tod ihres Abtes zu dessen Nachfolger erwählten. 25 Jahre verwaltete er dieses Amt zur Wohlfahrt des Klosters und zum Seelenheil aller Mönche mit christlicher Klugheit und Frömmigkeit und wurde schließlich zum Bischof in Angers erhoben. Diese Würde trat er mit einer Demut und Andacht an, dass ihn die Gläubigen für eine himmlische Erscheinung hielten. Stets lebend im Geist vor Gott durch Gebet und heilige Betrachtungen führte er ein strenges Büßerleben, um seine Sinnlichkeit ganz zu unterdrücken und führte seine Gläubigen durch Lehre und Beispiel zur christlichen Vollkommenheit. Mit tätigster Liebe milderte er das Elend der Armut und jeder Bedrängte und Unglückliche fand bei ihm Trost und Unterstützung. Sein Mitleiden mit Verlassenen und Kranken war so groß, dass er öfters zur Linderung ihrer jammervollen Lage Wunder wirkte. So ging der Heilige eines Tages, als er außerhalb der Stadt Kranke besuchte, am Landhaus Gegina vorbei und hörte von drinnen ein heftiges Geschrei. Er eilte hinein, weil er ein Unglück vermutete, und fand die Eltern in wütender Verzweiflung vor der Leiche ihres Sohnes, eines sonst gesunden Jungen, der die einzige Hoffnung ihres Alters war. Mit innigster Rührung tröstete er die Unglücklichen und warf sich vor dem Leichnam auf die Erde, flehte unter vielen Tränen zu Gott um Erbarmen für die trostlosen Eltern und dann erhob er sich voll des Vertrauens und erweckte den Toten zum Leben. Bald darauf besuchte er ein Kloster, in dem er öfters mehrere Tage in der stillen Einsamkeit zubrachte und auf dem Heimweg begegnete ihm ein Blinder, der ihm vertrauensvoll schon von weitem zurief, sich seiner zu erbarmen. Der Heilige bezeichnete ihn mit dem Kreuz, berührte seine Augen und er war plötzlich geheilt.

 

Übrigens zeichnete sich der heilige Albin durch einen rastlosen Eifer für die Erhaltung der reinen Lehre Jesu aus und verteidigte sie nicht nur mutig auf der 3. Kirchenversammlung zu Orleans gegen die offenbaren Feinde der Kirche, sondern auch gegen mehrere Bischöfe, die lau und nachlässig in der Verwaltung ihres heiligen Amtes waren. Als nämlich Albin einige von ihnen, die ketzerische Grundsätze verbreiteten, von der Kirchengemeinschaft ausschloss und andere Bischöfe ihn bedrängten, den Kirchenbann aufzuheben und sie wieder in seine Herde aufzunehmen, weigerte er sich das zu tun. Da gebrauchten die anderen Gewalt und Zwang gegen Albin, so dass er zu ihnen sprach: „Möge es Gott verhüten, dass ich Unwürdige an den Gnadenmitteln der Kirche Anteil nehmen lasse! Und solltet ihr mich, dessen Pflicht es ist, die Wahrheit zu verteidigen, zu dieser Ungerechtigkeit gewaltsam zwingen, so wird Gott seine Kirche vor Entehrung schützen.“ Auf dieses Ereignis, das seine Seele bis in den Tod betrübte, erkrankte der Heilige und verschied am 1. März des Jahres 549, nachdem er 25 Jahre und sechs Monate mit größtem Ruhm sein Bistum verwaltet hatte. Der heilige German, Bischof von Paris, beerdigte den Leichnam mit Feierlichkeit und an seinem Grab wurden sogleich drei Wassersüchtige und zwei Blinde, die dem Begräbnis beiwohnten, geheilt.

 

Der heilige Herkulanus, Bischof und Martyrer von Perugia, Italien,

+ 7.11.547 – Fest: 1. März

 

Wenn man von vielen und guten Früchten mit Gewissheit auf eine schöne Blüte schließen kann, so lässt sich auch mit Gewissheit sagen, dass der heilige Herkulanus seine Jugendjahre in Reinheit des Herzens, im Wachen und Gebet und in brennender Liebe zu Gott und den Menschen verlebt haben müsse. Die Geschichtsschreiber sagen uns von seiner Jugend nichts, nur erwähnen einige, dass er aus Syrien oder Deutschland nach Italien als ein Benediktinermönch im Jahr 534 gekommen sei und sich längere Zeit zu Spoleto aufgehalten habe. In dieser Stadt widmete er sich mit Bewilligung des dortigen Erzbischofs Britius der Seelsorge. Er besuchte täglich die Krankenhäuser und sprach den Leidenden heilsamen Trost zu, er predigte mit rührender Beredsamkeit das Wort Gottes, so dass er die verhärtetsten Sünder zur Reue brachte und verbreitete unter den Einwohnern von Spoleto einen hohen Grad von Sittlichkeit und Liebe zur Tugend. Dabei lebte er so fromm und heilig, so demütig und arm, dass jedermann seinen Namen mit Ehrfurcht nannte und dass ihn der Erzbischof wegen seiner großen Verdienste zum Oberhirten der bischöflichen Kirche zu Perugia ernannte. Der Diener Gottes bereitete sich mehrere Wochen hindurch unter Gebet, Fasten und heiligen Betrachtungen auf den Empfang der bischöflichen Weihe vor und trat dann das heilige Amt, erfüllt mit dem Geist Gottes, mit größtem Eifer und zum Segen der Menschen an. Mit einem Herzen voll Demut, Liebe und Sanftmut umfasste er seine Geistlichen und führte sie durch sein Beispiel zur Vollkommenheit des christlichen Lebens. Seine Gläubigen hingen an ihm mit Ehrfurcht und Liebe und Vertrauen, wie dankbare Kinder an einem zärtlichen Vater, und die Armen, Witwen und Waisen vergaßen unter seinem Schutz ihr vorheriges Elend und weinten jetzt Tränen der Freude. Ein leuchtendes Muster in allen Tugenden, erzog er für die Kirche in Perugia die eifrigsten und gottseligsten Priester, unter denen sich besonders der heilige Floridus auszeichnete, und beschloss schließlich sein heiliges Leben als Blutzeuge.

 

Im Jahr 547 umschloss der grausame König der Goten, Totilas, Perugia mit seinem Kriegsheer und erst nach einer langwierigen Belagerung nahm er die Stadt durch Sturm. Von Wut entbrannt, plünderten und raubten und mordeten die siegtrunkenen Krieger und Perugia wurde durch Feuer und Verheerung in einen Steinhaufen verwandelt. Unter den vielen, die unter den Händen der Barbaren eines martervollen Todes starben, befand sich auch der heilige Bischof Herkulanus. Er hatte den Martyrern während ihrer Leiden unerschrocken Mut zugesprochen und sie zur Standhaftigkeit ermuntert. Deswegen schleppten ihn die Feinde an seinen grauen, ehrwürdigen Haaren durch die Gassen der Stadt unter den unmenschlichsten Misshandlungen in ihr Lager und enthaupteten ihn. Erst nach vierzig Tagen wurde sein Leichnam ganz unverletzt gefunden, das Haupt mit dem Körper vereinigt, wie der heilige Papst Gregor versichert und in der Peterskirche zu Perugia beerdigt.

 

2. März

 

Der heilige Ceadda, Bischof der Mercier zu Lindisfarne, England,

+ 2.3.673 – Fest: 2. März

 

Ceadda, ein Bruder des heiligen Ceddus, Bischof der Angelsachsen in London, war aus Northumberland gebürtig und widmete sich schon in seinen Jugendjahren unter der Leitung des heiligen Aidanus dem klösterlichen Leben. Wegen seiner hohen Kenntnisse und vortrefflichen Tugenden wurde er zum Abt des Klosters Lestingaheu erwählt und bald darauf vom König Alschfried zum Erzbischof von York ernannt. Winus, der einzige Bischof in England, der damals nach den Kirchengesetzen gültig geweiht war, erteilte ihm die bischöfliche Weihe und Ceadda verwaltete das heilige Amt mit einem solchen Eifer, dass er nicht nur in seinem Bistum unzählige Seelen für die Lehre Jesu gewann, sondern auch, wie einst die Apostel, in größter Armut und zu Fuß mehrere Provinzen durchzog und das Evangelium predigte zur Bekehrung der Sünder und zur Bekräftigung der Frommen.

 

Um diese Zeit war es, in der sich die englische Kirche wegen des Tages der Osterfeier von der römischen getrennt hatte und außer dem Bischof Winus, wie eben erwähnt, keiner der englischen Bischöfe nach den kanonischen Satzungen geweiht war. Deswegen sandte der Papst Vitalianus den Theodorus, dem er selbst die bischöfliche Weihe erteilt hatte, als seinen Gesandten nach England, um die dort herrschenden Irrtümer, besonders wegen der Osterfeier, zu berichtigen und die Bischöfe, die sich durch ein heiliges Leben und durch Wachsamkeit über ihre Herden ausgezeichnet hatten, durch die Macht des obersten Hirten der Kirche Gottes gültig zu weihen und im Besitz ihrer Bistümer zu bestätigen. Zuerst berief er den Erzbischof Ceadda zu sich und gab ihm einen Verweis, dass er gegen die apostolischen Satzungen ein Bistum verwalte. Der demütige Heilige antwortete ihm: „Immer habe ich mich des heiligen Amtes unwürdig gehalten und wenn ich nicht durch den Gehorsam wäre dazu gezwungen worden, würde ich es nie angenommen haben. Bereitwillig und mit dem tiefsten Gehorsam unterwerfe ich mich dem Urteil der heiligen Kirche und des Statthalters Jesu und trete als der Mindeste der Brüder in mein Kloster zurück.“ Theodorus erkannte aus dieser Rede die Demut und Heiligkeit des Dieners Gottes und weil unterdessen der Papst auf den erzbischöflichen Stuhl von York schon einen anderen bestimmt hatte und Bulfhere, der König der Mercier, einen frommen und eifrigen Mann zum Nachfolger des gestorbenen Bischofs Jaruman verlangte, bestätigte er den heiligen Ceadda als Bischof von Mercien und Lindisfarn.

 

Der neue Oberhirt hatte in kurzer Zeit durch seine Predigten und noch mehr durch sein anziehendes Beispiel eine solche Änderung der Sitten und Ordnung des Gottesdienstes zustande gebracht, dass ihm der König aus Dankbarkeit ein Landgut mit fünfzig Familien schenkte, wo der Heilige ein Kloster erbaute und viele Jünger in der Gottseligkeit unterrichtete. Sein bischöflicher Sitz war zwar in Lichfield, aber gewöhnlich wohnte er im Kloster, wenn es seine Geschäfte zuließen. Zweieinhalb Jahre hatte er mit dem segensreichsten Erfolg sein Amt verwaltet, als ihm sein naher Tod geoffenbart wurde. Er betete eben in seiner Zelle, als sein Jünger Owin himmlische Stimmen darinnen hörte und sie von einem überirdischen Glanz umgeben sah. Nach einer halben Stunde verschwand diese Erscheinung und der heilige Bischof kam aus seiner Zelle und befahl dem Owin, alle Mönche und Brüder aus der Kirche zu ihm zu berufen. Als sie um ihn versammelt waren, betete er mit ihnen und ermahnte sie dann zur Einigkeit und gegenseitigen Liebe, zur strengen Beobachtung der Ordensregel und verkündigte ihnen sein nahes Ende. Der Jünger fragte den Heiligen, was der Gesang und der helle Glanz bedeutet hätten, und Ceadda belehrte ihn, dass ihm Engel erschienen seien, die ihm seinen Tod nach sieben Tagen eröffnet hätten und dass er unter ihnen seinen längst verstorbenen Bruder gesehen habe. Wirklich verschied er am Ende des siebenten Tages unter dem Gebet voll Sehnsucht nach dem Himmel am 2. März des Jahres 673. Bei seinem Grab geschahen viele und große Wunder.

 

Die heilige Agnes von Prag (von Böhmen), Klarissin,

+ 6.3.1282 – Fest: 2. März

 

Im 44. Psalm spricht der Herr, der göttliche König und Bräutigam, zur Menschenseele: „Vernimm es, Tochter, und sieh und neige dein Ohr und vergiss dein Volk und deines Vaters Haus! Und sehnen wird der König sich nach deiner Schönheit!“ Zu jenen heiligen Seelen, an denen diese Worte der Schrift in besonders deutlicher und erbaulicher Weise zur Wahrheit wurden, gehört auch die heilige Agnes von Prag. Sie erblickte das Licht der Welt im Jahr 1205 und war von Geburt an eine Königstochter. Der Böhmenkönig Primislaus Ottokar I. war ihr Vater, ihre fromme Mutter überdies eine Tante der heiligen Elisabeth von Ungar. Schon als kleines Kind zeigte Agnes einen auffallenden Hang zur Frömmigkeit und zum Verkehr mit Gott. Aber zufolge ihrer hohen Abkunft schien sie zu nichts weniger berufen als zu einem stillen, frommen Leben. Vor allem war damit zu rechnen, dass die Großen der Erde seiner Zeit sich um die Hand der Königstochter bewerben würden. Und in der Tat war sie nacheinander für nicht weniger als vier dieser Großen als Ehegattin in Aussicht genommen, zuletzt sogar vom deutschen Kaiser Friedrich II., als dessen Gemahlin gestorben war. Aber Agnes war inzwischen auch in der Schule einer Heiligen gewesen, nämlich der heiligen Hedwig, verwitweten Herzogin von Polen, die in das Zisterzienserinnenkloster zu Trebnitz eingetreten und dessen Vorsteherin war. Diesem Kloster wurde die böhmische Prinzessin in ihrem dritten Lebensjahr zur Erziehung übergeben mit dem Erfolg, dass sie ihrer heiligen Lehrmeisterin in allem getreulich nachzufolgen sich entschloss. Später kam dann Agnes in das Kloster Doxan in Böhmen, woselbst sich ihre Tugend und Heiligkeit vollends aufs herrlichste entfaltete. Als sie nun die Jahre erreicht hatte, da sie zu den mit ihr geplanten fürstlichen Ehebündnissen Stellung nehmen konnte und musste, lautete ihre Entscheidung unbedingt ablehnend. Sie wollte einzig und allein Jesus Christus als Braut angehören. Da sich aber der Ausführung dieses heiligen Entschlusses immer wieder neue Schwierigkeiten entgegenstellten, so wandte sich Agnes zuletzt an Papst Gregor IX. um Hilfe, der dann auch für die freie Standeswahl der Prinzessin eintrat, derzufolge sie nach ihrem Herzenswunsch auf jedes irdische Eheband verzichten durfte. Auch der Kaiser war dessen zufrieden, „weil sie, wie er sagte, keinen Menschen ihm vorgezogen habe sondern den König des Himmels.“ Nunmehr von allen irdischen Befürchtungen und Rücksichten frei tat Agnes auch noch den letzten Schritt zur vollkommenen Verwirklichung ihres Ideals: Sie verließ die Welt überhaupt und trat in den Ordensstand ein und zwar wurde sie eine Jüngerin der heiligen Klara von Assisi, also ein Mitglied des zweiten Ordens des heiligen Franziskus. Es war nämlich um diese Zeit die Kunde von demselben auch nach Böhmen gedrungen und Agnes sowie ihr Bruder, der König, erbauten deshalb zu Prag ein Klarissenkloster, wohin dann auf Anordnung des Papstes die heilige Klara selbst aus ihrem Kloster Sankt Damian bei Assisi fünf Schwestern sandte. Zu diesen gesellte sich nun auch Prinzessin Agnes mit sieben anderen vornehmen Jungfrauen, die gleich ihr auf die Regel der heiligen Klara Profess machten. In dem armen rauen Ordenskleid fühlte sich Agnes jetzt hundertmal glücklicher als ehedem in ihren kostbaren Fürstengewändern. Sie leuchtete aber auch allen ihren Mitschwestern als Muster jeglicher Tugend voran. Darum widerstrebte es ihrer Demut sehr, als ihr vom Papst selbst das Amt der Äbtissin übertragen wurde. Sie ließ sich daher nie mit diesem Titel, sondern nur mit „älteste Schwester“ anreden. Ganz im Geist der heiligen Ordensstifterin wachte Agnes besonders über die reine und strenge Beobachtung der seraphischen Armut. Zur Anerkennung ihrer Heiligkeit verherrlichte sie Gott schon bei Lebzeiten durch die Wundergabe, so dass sie z.B. sogar eine verstorbene Nichte wieder ins Leben zurückrief. Am 6. März des Jahres 1282 gelangte sie endlich zur ewigen Vereinigung mit ihrem göttlichen Bräutigam und wurde vom Volk sofort als Selige des Himmels verehrt. Und diese Verehrung wurde von Papst Pius IX. feierlich bestätigt. Die Heiligsprechung erfolgte am 12. November 1989 durch Papst Johannes Paul II.

 

Die heilige Agnes zog die himmlische Brautschaft jeder irdischen vor und sie wurde durch den Eintritt in den Ordensstand eine geistliche Braut des Herrn im eigentlichen Sinn. Im weiteren Verstehen ist aber auch jede christliche Seele eine solche Braut und zwar durch die heiligmachende Gnade. Solange die Seele in ihr sich befindet, besteht auch das glückselige geistige Brautverhältnis zwischen ihr und dem Heiland, das wie in Psalm 44 so auch schon beim Propheten Hosea angedeutet ist mit den Worten: „Ich verlobe mich mit dir in Gerechtigkeit und Recht und in Erbarmung und Gnade und ich verlobe mich dir in Treue, damit du erkennst, dass ich der Herr bin.“ (2,19-20) Darum, christliche Seele, hüte dich vor der schweren Sünde, damit du immer eine glückliche Braut deines Erlösers sein kannst!

 

Der selige Karl der Gute, Prinz und Märtyrer in Flandern,

+ 2.3.1127 – Fest: 2. März

 

Es gab vor mehreren hundert Jahren eine Zeit, in der die Leute sich allgemein angetrieben fühlten, in das gelobte Land zu ziehen und den Sarazenen das heilige Grab und die Stadt Jerusalem zu entreißen. Zu dieser Zeit lebte ein junger Graf, namens Karl, in Flandern, ein Sohn des heiligen Canut, des Königs von Dänemark, und seiner Frau Aliza von Flandern. Auch er zog, sobald er Kriegsdienste tun konnte, in das heilige Land, um gegen die Feinde des Christentums zu streiten. Später kehrte er nach Flandern zurück, wo sein Oheim Robert die Regierung führte. Dieser starb bald darauf, desgleichen dessen Sohn Balduin. Karl war dem Balduin zu Lebzeiten ein so treuer Ratgeber und lieber Freund gewesen, dass er von ihm zu seinem Erben über Flandern eingesetzt wurde.

 

Da nun Karl Fürst von Flandern war, bekam er Krieg mit den benachbarten Fürsten, hauptsächlich auf Anstiften der Witwe seines verstorbenen Oheims Robert. Obgleich aber Karl mit großer Übermacht angegriffen wurde, so siegte er durch die Hilfe Gottes über alle Feinde ohne vieles Blutvergießen. Sie fürchteten sich von nun an so sehr, dass keiner mehr sich getraute, Krieg gegen ihn zu beginnen.

 

Sein Geschichtsschreiber sagt nun weiter, er sei nicht imstande mit Worten zu sagen, wie vortrefflich Karl im Frieden sich benommen habe. Er sei Gott ergeben und Gehorsam gegenüber der Kirche gewesen. Besonders aber habe er mit außerordentlicher Bescheidenheit jeden Tadel und Vorwurf, wenn er Fehler begangen hatte, aufgenommen und sein Benehmen danach gebessert. Er dankte noch denen, die ihn tadelten, und bat sie um ihr Gebet, damit ihm die Gnade Gottes helfe, von allen Fehlern frei zu werden. Er war für die öffentliche Wohlfahrt besorgt wie ein Vater. Als einmal zwei Jahre der Missernte eintraten und große Teuerung und Not herrschte, schenkte er seinen Feldarbeitern einen großen Teil der Früchte, die er auf seinen Feldern geerntet hatte. Damit die armen Leute das Getreide preiswerter bekommen könnten, verbot er im ganzen Land das Bierbrauen während der teuren Zeit und die Bäcker mussten die bisherigen Brote in zwei Hälften backen, damit wer kein ganzes kaufen konnte, um das halbe Geld wenigstens etwas bekam.

 

Weil es aber sehr viele gab, die damals sehr bedürftig waren, so verteilte der christliche Graf die Armen hundertweise auf seinen verschiedenen Höfen im Land und ließ ihnen dort ihre tägliche Nahrung geben. Wenn er in eine Stadt oder in ein Dorf kam, liefen ihm zahllos viele Hilfsbedürftige zu, an die er Lebensmittel, Geld und Kleider meist mit eigener Hand verteilte. Zu Ypern verteilte er einmal an einem Tag siebentausendachthundert Brote. Er brachte es nicht über das Herz jemanden leer ausgehen zu lassen, weshalb er manchmal selbst seine kostbaren Kleider auszog, um sie zu verschenken. Er hatte das herzlichste Mitleid mit allen, die er auf irgendeine Weise bedrängt sah, und ermahnte oft auch andere vermögende Leute, sie möchten eine solche Gelegenheit, Gutes zu tun, wie zu dieser teuren Zeit, nicht ungenutzt vorübergehen lassen, sondern jetzt reichlich zu säen, damit sie jenseits auch einmal reichlich ernten.

 

Wie aber der selige Karl gegenüber Armen und Bescheidenen gleichsam ein Lamm war, so war er gegenüber Hochmütigen ein Löwe. Besonders übte er alle Strenge gegen solche, die den Armen unterdrückten, weshalb er überall, wo man ihn nicht liebte, gefürchtet wurde. Deshalb bekam er aber auch unter den schlechten Menschen heftige Feinde, die ihn tödlich hassten, weil sie durch ihn an ihren Übeltaten gehindert waren.

 

Es lebte zu Brügge damals ein hochgestellter Mann, namens Bertulf. Er hatte sich große Reichtümer gesammelt, und es wurde ihm von Freunden, Verwandten und anderen Leuten deshalb sehr geschmeichelt und alle Dienste angeboten. Dadurch wuchs nun der Hochmut des Bertulf unmäßig. Einmal bekam sein Neffe mit einem anderen angesehenen Mann Streit, in den sich dann auch Bertulf mit seinem übrigen Anhang mischte. Er trieb die Sache so weit, dass sie gemeinschaftlich das Eigentum und Haus jenes Mannes überfielen und alles zerstörten. Der Graf Karl ließ nun den Bertulf vor sich laden, um sich zu verantworten. Allein dieser stellte sich nicht, sondern häufte Verbrechen auf Verbrechen. Da nämlich der selige Karl gerade in Frankreich abwesend war, so sammelte Bertulf eine Anzahl Kriegsknechte und verwüstete nach Art der Raubritter in jener Zeit das Land, raubte und mordete ringsumher.

 

Als der Graf nach Flandern zurückgekommen und die Gräueltaten des Bertulf erfahren hatte, ließ er die Barone des Landes zusammenkommen, um sich mit ihnen zu beraten, was zu tun sei. Sie fassten miteinander den Beschluss, dass vor allem der Graf selbst das Land bereisen solle. Er begab sich alsbald auf die traurige Wanderschaft. Er sah hier zerstörte Wohnungen und dort manche Leute, die gänzlich ausgeraubt waren. Der Graf konnte sich beim Anblick dieses Elends der Tränen nicht enthalten.

 

Unterdessen zettelten aber die Missetäter, die das Land verwüstet hatten, eine Verschwörung gegen das Leben des Grafen an in der Hoffnung, durch seinen Tod der drohenden Strafe zu entgehen. Es kam zwar das Gerücht von diesem Plan dem Grafen zu Ohren, allein sein gutes Herz wollte solches nicht glauben.

 

Eines Morgens stand er auf, wusch sich die Hände und verrichtete seinen Gottesdienst, wie er es täglich in der Frühe gewöhnt war. Er teilte nämlich jedes Mal, bevor er in die Kirche ging, mit eigenen Händen das Almosen aus. Und weil seine Andacht zu Christus besonders groß war, so übte er diesen Dienst Christus zu lieb und zu Ehren barfuß, trug selbst die Gaben zu jedem Armen und küsste ihm die Hände. Seit kurzem hatte er außerdem noch eine neue Übung hinzugefügt: er kleidete täglich fünf Arme. Wenn er dieses Opfer der Barmherzigkeit dargebracht hatte, so ging er in die Kirche, warf sich vor dem Altar der heiligen Mutter Gottes nieder, hielt hier seine Andacht, die er gewöhnlich mit den sieben Bußpsalmen schloss, zur Sühne für seine Verfehlungen.

 

Da nun der Graf in solcher Weise seiner Gewohnheit gemäß betete, kamen einstmals die Verschwörer in die Kirche, stellten sich hinter ihn und der Neffe des Bertulf spaltete ihm mit mächtigem Hieb die Stirn, so dass das Gehirn auf den Boden herausquoll. Alsbald liefen auch die anderen herbei und schlugen mit ihren Schwertern noch auf ihn, so dass ihm noch der Arm durchgehauen wurde, womit er kurz vorher einer armen Frau eine Unterstützung gereicht hatte.

 

Es ist ein wunderlicher Zwiespalt in den Gedanken der Menschen. Viele glauben gern, dass das, was Gott jenen schickt, die ihn lieben, zum Besten gereiche, aber was böse Menschen einem anhaben, meinen sie, sei nichts als Unglück und Böses, und das könne einem nicht zum Besten gereichen, denn das komme eben von Menschen und nicht von Gott. Wer so etwas meint, der hat auch keinen religiösen Trost und nimmt und trägt es nicht im christlichen Geist, so oft ihn von anderen Menschen Verfolgung oder Leid trifft. In Wahrheit verhält es sich aber anders: Gott lässt freilich dem Menschen den freien Willen, d.h. der Mensch kann sich vornehmen, Gutes oder Böses zu tun, wie er will. Er kann innerlich in der Seele das Gute oder Böse tun, niemand hindert ihn daran. Aber darum kann er nicht auch nach Belieben äußerlich tun oder ausführen, was er will und sich vorgenommen hat. Die Ausführung hängt von Gott ab. Wenn daher ein böser Mensch sich vornimmt, einem guten Christen zu schaden, so wird es Gott nur dann zulassen, wenn es dem Christen zum Seelenheil dienlich sein kann. Und wenn dies nicht der Fall ist, so wird Gott die Ausführung hindern. Herodes wollte das Kind Jesus schon töten, später wurde dem Heiland auch noch nach dem Leben gestrebt, aber Gott vereitelte alle bösen Pläne. Da hingegen die von Gott bestimmte Zeit gekommen war, ließ es Gott zu, dass sein Sohn in die Hände der Sünder fiel und von ihnen gekreuzigt wurde. Dasselbe sehen wir auch in der Geschichte des seligen Karl. Wäre es diesem Haus nicht zum Heil gewesen, auf solche Weise seinen Tod zu finden, so hätte Gott ganz gewiss seinen Mördern etwas in den Weg gelegt, dass sie an ihrem Mordanschlag behindert worden wären. Allein ein solcher Tod war gerade noch die schönste glorreiche Krone eines gottesfürchtigen Lebens, wie es der selige Karl geführt hatte. Er wurde getötet mitten in Werken der Frömmigkeit und wurde getötet um der Gerechtigkeit willen, die er ausüben wollte gegen die Missetäter. Der hl. Augustinus sagt aber: „Nicht die Pein macht den Menschen zum Märtyrer, sondern die Ursache, warum er gepeinigt wird“, wenn er nämlich Gottes wegen sich peinigen lässt. Und so war es also eine Belohnung vonseiten Gottes, dass der selige Karl das erlangte, was sich schon zahllos viele Heilige gewünscht haben, nämlich den Märtyrertod.

 

Wenn ihm aber dieser Tod auch zur Verherrlichung gereichte, so haben seine Mörder dennoch die volle schwere Blutschuld auf der Seele. Hören wir noch, wie es ihnen ergangen ist. Die Vergeltung brach nämlich in wenigen Tagen über sie herein.

 

Nachdem der Graf ermordet war, schien Bertulf und sein Anhang allein die Herrschaft im Land zu besitzen. Da entschloss sich ein rechtschaffener Edelmann, namens Gervasius, diese Missetäter anzugreifen. Er überfiel mit ungefähr 30 Reitern die Residenz, die Stadt Brügge. Obgleich nun die Anhänger des Bertulf viel zahlreicher waren, gerieten sie in Schrecken und flüchteten sich in das feste Schloss der Stadt. Die Bürger der Stadt hielten alsbald zu Gervasius und erwischten noch einen Soldaten und einen Knecht des Bertulf, die am Mord des Grafen teilgenommen hatten. Diese mussten einen qualvollen Tod erleiden und wurden dann vor den Augen der Belagerten im Schloss in einen Graben voll Unrat geworfen. – Ein reicher Mann, namens Isaak, der auch besonders teilgenommen hatte am Mord des Grafen, hatte sich in einem Kloster verborgen, wurde entdeckt und dann aufgehenkt.

 

Die Burg, in der Bertulf mit seinem übrigen Anhang sich verschanzt hatte, wurde gestürmt, so dass ihnen kein Zufluchtsort mehr übrigblieb als gerade die Kirche, in der sie den Grafen ermordet hatten, und die sich innerhalb der Burg befand. Bertulf ließ sich nachts an einem Seil von der Höhe herab, um zu entfliehen. Nach einiger Zeit wurde er aber gefunden und unter den ärgsten Misshandlungen durch das Volk zum Galgen geschleppt. Nachdem er erwürgt war, wurde sein Leichnam auf das Rad geflochten. Nach hartnäckiger Gegenwehr ergaben sich die Übrigen in der Kirche und auf dem Turm, und wurden dann als Gefangene in enge Kerker eingekerkert. Als man die Schuldigen ausgelesen hatte, wurden ihrer siebenundzwanzig, einer nach dem andern, mit gebundenen Händen von einem Turm herabgestürzt.

 

Karl der Gute wurde 1884 von Papst Leo XIII. seliggesprochen.

 

3. März

 

Die heilige Kunigunde von Lützelburg, Deutsche Kaiserin,

+ 3.3.1040 - Fest: 3. März

 

Luxemburg, früher Lützelburg genannt, ist nicht nur eine sehr schöne, sondern auch eine sehr alte Stadt. Mitten darin findet man, an einem Abhang gelegen, die letzten Überreste eines Turmes aus grauer Zeit. Weil die Ruine in ungeheurer Vergrößerung ziemlich Ähnlichkeit mit einem eingestürzten Zahn aufweist, heißt sie im Volksmund „der hohle Zahn“. Dort stand vor über tausend Jahren das Stammschloss der mächtigen Grafen von Luxemburg. Dort wurde Kunigunde als die Tochter des Grafen Siegfried geboren, wurde fein und vornehm erzogen, und als sie mit der Zeit zu wunderbarer Schönheit erblühte und ins heiratsfähige Alter kam, stellten sich bei ihr mehr Freier ein, als sie Finger an beiden Händen hatte.

 

Die schöne luxemburgische Grafentochter brauchte also nur zu wählen, und man kann nicht sagen, dass ihr die Wahl eine Qual bereitete. Mit sicherem Griff zog sie aus der Menge der Bewerber sofort den besten heraus, den Bayernherzog Heinrich, der nach außen hin zwar etwas rau tat, inwendig aber wie reines Gold war. Der heilige Erzbischof Willigis traute das fürstliche Paar, und kurze Zeit später krönte der gleiche Willigis in Paderborn Heinrich zum deutschen König und Kunigunde zur Königin. Das geschah im Jahr 1002, und zwölf Jahre später empfingen beide in Rom aus der Hand des Papstes die Kaiserkrone. Damit war die Grafentochter aus dem Felsenhorst in Luxemburg zur höchsten Frau in Deutschland emporgestiegen. Zwanzig Jahre lang zierte eine Heilige den deutschen Kaiserthron. Wo aber Heilige leben und wirken, da gedeiht das Gute zu hundertfältiger Frucht.

 

Es ist das unbestrittene Verdienst der heiligen Kaiserin Kunigunde, dass sich an ihrer Seite auch der Gemahl zum Heiligen entwickelte; denn Heinrich wurde später als einziger aus allen deutschen Kaisern von der Kirche heiliggesprochen.

 

Kunigundes und Heinrichs Heiligkeit zeigte sich aber weniger in dicken Gebetbüchern mit großen Kreuzzeichen als vielmehr in christlichen Werken. Landauf und landab wanderte das heilige Kaiserpaar pflichtgemäß von Stadt zu Stadt durch ganz Deutschland. Während Heinrich als Herrscher und oberster Richter überall nach dem Rechten sah und für Frieden und Eintracht unter dem Volk sorgte, ging Kunigunde in die Spitäler und Schulen und übte mit königlicher Freigebigkeit die Nächstenliebe. Von dem hohen Sinn der Kaiserin legt auch die Tatsache ein glänzendes Zeugnis ab, dass sie im deutschen Land an die tausend Kirchen entweder neu errichtete oder wiederherstellte. Kunigunde war nicht nur von Herzen gläubig, sondern auch durch die Tat.

 

Da es aber manche Menschen lieben, das Strahlende schwarz zu machen und das Große in den Staub zu ziehen, wagten sich auch an die hohe, heilige Kaiserin Verleumder heran und bezichtigten sie in hinterhältiger Weise der Treulosigkeit gegen den Gemahl. Und der glaubte sogar eine Zeitlang dem gemeinen Geschwätz. Das waren bittere Tage und Wochen für die beiden heiligen Ehegatten. Kunigunde betete viel und forderte schließlich von sich aus zum Beweis ihrer Unschuld ein Gottesurteil, wie es damals Sitte war. Man legte zehn glühende Pflugscharen nebeneinander, und die Kaiserin schritt mit bloßen Füßen darüber hinweg, ohne sich auch nur im Geringsten zu verbrennen. Da galt ihre Unschuld als erwiesen. Als aber der Kaiser daraufhin die Verleumder zum Tod verurteilte, setzte sich Kunigunde so lange für sie ein, bis ihnen Heinrich Leben und Freiheit zurückschenkte. Auf diese Weise übte die heilige Kaiserin christliche Rache, die nach dem Vorbild des gekreuzigten Heilandes darin besteht, dass man allen Feinden von Herzen verzeiht.

 

Die heilige Kunigunde überlebte den heiligen Gemahl noch um viele Jahre, die sie in christlicher Trauer um ihn und in Werken der Nächstenliebe verbrachte, bis auch sie die irdische Krone mit der weit kostbareren Himmelskrone vertauschen durfte. Nach dem Tod des Kaisers im Jahre 1024 legte sie im Kloster zu Kauffungen, nicht weit von Kassel in Hessen, das sie einige Jahre zuvor zum Dank für die Genesung in einer schweren Krankheit erbaut hatte, ihre Krone zu den Füßen Jesu nieder und verschenkte ihre reichlichen Güter zum Trost der Armen, zur Stiftung der Bistümer und zur Zierde der Kirchen. Fünfzehn Jahre brachte sie in diesem Kloster noch zu, ohne jemals eine leitende Stelle anzunehmen. Sie lebte allein für ihre gekreuzigte Liebe unter Beten, Betrachten und Handarbeiten. Sie verrichtete die geringsten Dienste und besuchte und pflegte sorgfältig die Kranken. Wer nicht arbeitet, so pflegte sie mit dem Apostel zu sagen, der soll auch nicht essen. Schließlich fiel sie in eine schwere Krankheit und verlangte sogleich die heiligen Sakramente. Als sie kurz vor ihrem Tod ein kostbares, von Gold schimmerndes Tuch zur Bedeckung ihres Leichnams bemerkte, sprach sie noch mit halb gebrochener Stimme: „Hinweg mit diesem Tuch, es ist ein fremder Schmuck! Durch kostbare Kleider bin ich mit einem irdischen Bräutigam, durch geringe Gewänder aber mit dem himmlischen vermählt worden. Nackt und bloß kam ich aus dem Leib meiner Mutter und ebenso arm will ich wieder zu Staub werden.“ Sie starb am 3. März 1040.

 

Auf ihr Verlangen wurde sie ohne allen Prunk in ihrem armen Ordenskleid zu Bamberg neben ihrem Gemahl begraben. Papst Innocenz III. nahm sie im Jahr 1200 in die Zahl der Heiligen auf.

 

Der heilige Marinus, Soldat und Martyrer von Cäsarea,

und der heilige Asterius, Senator und Martyrer von Cäsarea,

+ 3.3.263 – Fest: 3. März

 

Im Jahr 263 unter der Regierung der Kaiser Valerius und Gallienus, als gerade Papst Dionysius auf dem römischen Stuhl saß, hatte nach der Versicherung des Eusebius, Bischof zu Cäsarea, die Verfolgung der Christen aufgehört und die Gläubigen genossen den lange entbehrten Frieden. Damals befand sich im kaiserlichen Kriegsheer zu Cäsarea in Palästina ein angesehener Mann, Marinus mit Namen, der sich durch seinen Heldenmut zu einer hohen militärischen Würde emporgeschwungen hatte und von einem seiner Gefährten deswegen beneidet wurde. Der Gefährte begab sich aus boshafter Rachgier zum Obersten des Kriegsheeres, Achivus mit Namen, und verklagte den Marinus, dass er ein Christ sei und mit Verachtung von den vaterländischen, unsterblichen Göttern spreche. Achivus berief den Beschuldigten zu sich und erschrak, als der freimütig bekannte, er bete den einzigen und wahren Gott an und würde es für das größte Verbrechen seines Lebens halten, falschen, erdichteten Götzen Weihrauch zu streuen. Der Oberste wollte den braven Krieger schonen und ermahnte ihn zum Abfall vom Christentum, wozu er ihm drei Stunden Bedenkzeit ließ. Marinus ging zu dem Bischof Theoteknus und bat ihn um seinen Rat. Dieser führte ihn in die Kirche, nahm in eine Hand das heilige Evangelium, in die andere das Schwert des Kriegers, und sprach: „Wähle nach deinem Gewissen!“ Und als Marinus ohne alles Zaudern das Evangelium nahm, setzte der Oberhirt mit hoher Freude hinzu: „Behalte das, was du gewählt hast, bis zu deinem Tod und der allmächtige Gott wird dich stärken, dass du im Kampf ausharrst und für den Verlust der Erdengüter die Herrlichkeit im Reich der Geister genießt. Gehe im Frieden!“

 

Bald darauf erklärte Marinus im öffentlichen Verhör, dass er lieber tausendmal sterben, als seinen Jesus verleugnen wolle, und wurde dann nach unmenschlichen Peinigungen auf der Folter enthauptet. Der Hinrichtung wohnte Asterius, ein reicher und angesehener Ratsherr in Cäsarea, bei, der den Leichnam des Martyrers vor allen Heiden mit seinem Mantel bedeckte, ihn mit Ehrfurcht auf seine Schultern nahm und ihn feierlich in seiner Wohnung in der Erde bestattete. Deswegen wurde er noch am gleichen Tag vor Gericht geführt, wo er standhaft seinen Glauben bekannte und als Blutzeuge sein Leben vollendete.

 

Die heiligen Hemiterius und Cheledonius,

Soldaten und Martyrer von Calahorra, Spanien,

+ 284-305 – Fest: 3. März

 

Die Brüder Hemiterius und Cheledon dienten als ausgezeichnete Krieger bei den römischen Legionen, die zu Leon in Spanien ihr Lager hatten und als im Jahr 298 eine grausame Christenverfolgung entstand, entschlossen sie sich, das Kriegsheer zu verlassen und den Gläubigen in den Gefängnissen zu dienen und den Martyrern während ihrer Leiden Mut zuzusprechen. Sie verlangten deswegen von dem Obersten des Heeres ihre Entlassung und sprachen: „Wir haben bisher dem Kaiser mit Treue gedient, aber die Ungerechtigkeit, mit der er die unschuldigen Christen verfolgt, und sie zwingt, Holz und Steine göttlich zu verehren, können wir nicht mehr ruhig mitansehen.“ Sie begaben sich nach Calagurrim, wo sie ohne Furcht Jesus den Gekreuzigten predigten und die Martyrer zur Standhaftigkeit ermunterten. Sie wurden sogleich in das Gefängnis geschleppt, mit Hunger gequält, und da alle Versuche, sie zum Abfall zu bewegen, fruchtlos waren, zum Martertod verurteilt. Als sie auf dem Richtplatz standen und noch einmal das Bekenntnis ihres Glaubens an Jesus ablegten, wurden sie, erzählt Prudentius, von einer glänzenden Wolke umgeben und die Martyrer fielen von dieser himmlischen Erscheinung auf ihre Knie und riefen: "„Allmächtiger und starker Gott, nimm gnädig an das Opfer, das wir zu deiner Verherrlichung zu vollbringen bereit sind! In deine Hände, o Jesus und Heiland, empfehlen wir unsere Seelen! Vereinige uns mit dir und deinen Heiligen im ewigen Vaterland!“ Das heidnische Volk, das die Richtstätte umgab, wurde beim Anblick dieses überirdischen Glanzes von einer plötzlichen Furcht erfüllt und selbst der Henker bebte. Nur als der Richter ihn beschimpfte, ergriff er das Schwert mit zitternden Händen und enthauptete die Heiligen, die mit Sehnsucht den Todesstreich erwarteten.

 

Fromme Christen beerdigten ihre Leichname in der Stille und an ihren Gräbern geschahen so viele Wunder in Heilung der Kranken und Besessenen, dass sich eine große Anzahl Heiden zum Christentum bekehrte.

 

Die gottselige Maria Columba Schonath,

stigmatisierte Jungfrau aus dem Dominikanerorden,

+ 3.3.1787 – Gedenktag: 3. März

 

Der St.-Kunigunden-Tag ist für Bamberg hoher Festtag. An eben diesem Tag hat auch ein anderes reichbegnadetes Kind des Frankenlandes seinen Geburtstag für das himmlische Vaterland, die Dominikanerin Maria Columba Schonath. Mit Katharina Emmerich, der gnaden- und leidensreichen Augustinernonne von Dülmen, teilt diese nicht weniger merkwürdige Dominikanernonne vom Heilig-Grab-Kloster in Bamberg ganz wesentliche Einzelzüge und Lebensumstände. Beide haben ein Leben des Kreuzes, der Erniedrigung und der Sühne geführt und die schwersten Leiden und Bußwerke für die Mitwelt, für die Sünder, die Sterbenden, die armen Seelen auf sich genommen. Beide haben darum auch als vorläufige Belohnung ihrer Treue besondere Gnadengaben erhalten, durften in geheimnisvoller Weise mit den Himmlischen in Verkehr treten und in gleich mystischer Art mit an dem Leiden und Sterben Christi teilnehmen. Katharina Emmerich, die bekanntlich die Gabe hatte, ihr sonst ganz unbekannte Personen zu schauen, hatte in ihren Gesichten tatsächlich auch Kenntnis von ihrer fränkischen Leidensgefährtin. Sie sagt von ihr: „Ich sah die Dominikanerin Columba Schonath von Bamberg unbeschreiblich demütig, schlicht und einfältig. Ich sah sie mit ihren Zeichen, d.i. den Wundmalen, alles arbeiten und tun. Ich sah sie in ihrer Zelle betend auf dem Gesicht liegen wie tot. Ich sah sie auch in dem Bett und dass ihre Hände bluteten und Blut auch von der Stirn unter dem Schleier hervorlief. Ich habe sie das Abendmahl nehmen sehen, und wie die Gestalt eines kleinen leuchtenden Kindes auf der Hand des Priesters zu ihr ging. Ich habe auch Gesichte gesehen, die sie gehabt hatte. Dieses sehe ich vor oder neben ihr in einem Bild vorgehen, während ich sie liegend oder betend sehe. Ich sah sie ein Cilicium (Bußhemd) und auch eine Kette um den Leib tragen, bis es ihr verboten wurde . . .“ So spricht die eine gottgeliebte Seherin über ihre gleichgeartete Mitschwester. Da ist es erklärlich, wenn jetzt, da die Dülmer Stigmatisierte durch den bevorstehenden Abschluss des kirchlichen Prozesses mit der Ehrenkrone der Seligen geschmückt werden soll, auch die Erinnerung an die Bamberger durch Erforschung und Aufsuchen geschichtlicher Akten und Herausgabe einer neuen zuverlässigen Lebensbeschreibung geweckt wird. Im Scheßlitzer Juraland hat man schon immer das Andenken der heiligmäßigen Dominikanerin geehrt, während an der Stätte ihrer Ruhe in Bamberg manch fromme Verehrer Hilfe und Trost suchen und gefunden haben.

 

Das am 11. Dezember 1730 im Dorf Burgellern geborene Müllerskind Maria Anna Schonath nahm in der Einsamkeit der unverfälschten Natur jene Gefühlstiefe in sich auf, die zur Erfassung des Übernatürlichen geeignet macht. Schon in der Schulzeit erschien ihm das Jesuskindlein im Schlaf und tröstete die Kleine in ihren kindlichen Kümmernissen. Eine kernig-fromme Mutter behütete Mariannens Jugend. Am Vorabend der ersten heiligen Kommunion des Kindes stand die Mutter bis in die Nacht hinein am Bett der Glücklichen, sie auf die hohe Gnade vorbereitend. Von dem inneren Glück dieses Tages gestand Marianne später selbst: „Mein Herz wurde mir wie von einem Feuer entzündet; vor Freude konnte ich mich den ganzen Tag nicht fassen.“ Gehorsam, Kindesliebe, Ehrfurcht vor den Vorgesetzten und inniger Gebetsverkehr mit Gott ließen in dem Kind eine echte Frömmigkeit erblühen. Prüfung im Leid sollte es schon frühzeitig läutern und vorbehaltlos in die Hände des göttlichen Hirten führen. Mariannens teuerstes Vorbild unter den Irdischen, die geliebte Mutter, starb mit dem mütterlichen Segen und der sorglichen Mahnung an ihre Kinder auf den Lippen: „Habt nur Gott vor Augen, so wird euch nichts fehlen! Er wird keinen verlassen, der ihm zu gefallen sucht.“ Und Marianne erkannte dies alsobald in herrlichster Weise. Als sie, die Schafe auf einsamen Wiesengrund hütend, unter Tränen dem heißen Wunsch nachhing, bald mit dem geschiedenen Mütterlein in der Ewigkeit wieder vereint zu werden, gewahrte sie im Gesicht eine lichte Wolke, die, sich öffnend, ihre lichten Strahlen auf das Feld ergoss. Ein Kindlein mit einem Schäferstab erschien ihr und redete sie an: „Willst du mich lieben und mir treu bleiben bis an das Ende deines Lebens, so will ich dich führen zu meinen Schäflein, zu denen, die mir nachfolgen und weiden auf dem Weg des Kreuzes und Leidens.“ Das sollte der mystisch begnadeten Jungfrau wunderbarer Lebensberuf sein: als Opferlamm dem himmlischen Lamm schon auf Erden zu folgen auf den verborgenen, vom Himmelstau befruchteten Auen des Sühneleidens. Nach einigen Jahren machte sie an den Stufen des Altares dem Heiland das Versprechen, keinem anderen Bräutigam auf der Welt gehören zu wollen als ihm. Und die starkmütige Jungfrau hielt treu, was sie gelobt, gegen alle Anfechtungen. Ebenso treu blieb ihr der ewige Bräutigam mit zahlreichen, außerordentlichen Gunstbezeigungen. Endlich, nachdem sie Jahre hindurch an verschiedenen Klosterpforten vergeblich angeklopft hatte, fand sie im Heilig-Grab-Kloster zu Bamberg Aufnahme, wie ihr das der heilige Ordensstifter Dominikus selber in einem Gesicht gezeigt hatte. Während des Probejahres legte sie überraschende „Beweise der Frömmigkeit, Gottergebenheit und Unschuld an den Tag und machte immerwährende Fortschritte auf dem Weg der religiösen Vervollkommnung“. Am 24. September 1754 legte die gottselige Jungfrau als Laienschwester Maria Columba die heiligen Gelübde ab. Ein langersehntes Ziel war erreicht. Ein neues eröffnete sich ihr, die Gottesschule körperlichen und seelischen Leidens, gleich wunderbar ob der himmlischen Geduld der mystischen Kreuzträgerin wie der herrlichen, übernatürlichen Belohnungen des grundgütigen Kreuzesbräutigams.

 

Anfänglich befiel Schwester Columba eine große körperliche Schwäche in allen Gliedern, wobei sie oft bewusstlos wurde. Als sie einmal in solchem Zustand die Treppe hinabfiel, erlitt sie eine Verschlimmerung der ganzen gesundheitlichen Verhältnisse. Monatelang lag sie darnieder. Frostanfälle schüttelten sie stundenlang, Fieberhitze hinwiederum peinigte den Körper wie mit Feuerqualen. An einem Karfreitag, wo sie zwei solcher Fieberstürme auszuhalten hatte und geduldig dem Gottessohn sich aufopferte, sah sie, im Geist entrückt, den heiligen Dominikus, der ihr das Kreuz entgegenhielt mit den Worten: „Küsse die Wunden des Herrn; das soll dein Trost sein!“ Sie tat es. Da hörte sie weiter die Stimme des Heiligen: „Öffne deinen Mund; hier kannst du deinen Durst löschen!“ Aus des Heilandes Seitenwunde fiel ein Blutstropfen auf ihre Zunge. Den ganzen Tag fühlte sie weder Durst noch Schmerz. Doch das Leiden mehrte sich wieder. Blutbrechen und Erstickungsgefahr setzten ein, die schmerzende linke Seite brach auf und verursachte eine handgroße Wunde, die Columba verheimlichte. Zahlreiche Geschwüre zeigten sich am Arm. Trotzdem versuchte die Leidensträgerin immer wieder zu arbeiten. Der Arzt war machtlos gegen die Übel und erklärte, die Kranke würde eines schmerzlichen Todes sterben müssen. Doch nachdem der treue Beschützer, der Heilige „mit dem Stern auf der Stirn“, ihr wiederum erschienen und sie gesegnet hatte, wurde sie von diesem Leiden gänzlich befreit.

 

Nach einiger Zeit vollster Gesundheit traten andere Leiden ganz mystischer Art auf. Am Freitag, den 30. September 1763, erschien der begnadeten Seherin der göttliche Heiland als Schmerzensmann. Columba, tief erschüttert über den sich ihr bietenden Anblick, bemitleidete zu innerst den armen Herrn. Plötzlich verspürte sie an ihrem Haupt die heftigsten Schmerzen. Eine unsichtbare Dornenkrone wurde um es gewunden, so dass eine starke Geschwulst ihr Stirn und Schläfen zermarterte. Nach zwei Wochen, wieder an einem Freitag, sah sie in der Vision den blutschwitzenden Heiland am Ölberg. In der Besorgnis, es möchten wiederum an ihrem Körper äußerlich sichtbare Leidensspuren auftreten und ihr Verlegenheit vor den Mitschwestern bereiten, bat sie dringend den Herrn, ihr keine auffallenden Leiden zu geben. Da erhielt sie die Antwort: „Ich habe nicht meinen, sondern den Willen meines Vaters erfüllt. So sollst auch du gehorsam sein und dich ganz meiner Führung überlassen.“ Wie unbegreiflich, o Herr, ist dein Erbarmen mit den armen Menschenkindern! Wie gar schwer aber erscheint gerade inmitten der wunderbarsten Gnadenflut der Gehorsam, wenn er der Demut und Verborgenheit zu widerstreiten scheint. Schier regelmäßig, meist an Freitagen, litt nun die Hochbegnadete die einzelnen Begebenheiten der heiligen Passion des Herrn mit durch. Einmal kam es ihr vor, als würde ihr Herz von Lanze und Schwert durchstochen und endlich aus dem Leib gerissen. Sie sah den Heiland vor sich, der zwei Herzen in den Händen hielt und sprach: „Mein Herz ist verwundet mit Liebe und Schmerzen. Willst du mir gleichförmig werden, so musst du auch hierin mir folgen.“ Von einem feurigen Strahl aus Jesu Herzen wurde das ihrige getroffen, worauf es der Herr wieder in ihre Seite setzte. Nach dieser Vision fühlte sie in ihrem Innern eine so übermäßige Hitze, als ob ihr Leib in Flammen läge.

 

Der 9. Dezember 1763, wieder ein Freitag, brachte der duldenden Leidensbraut das „Glanzgeschmeide“ des himmlischen Bräutigams. In der Vision durfte sie den furchtbaren Vorgang der Kreuzigung Christi schauen. Jeder Hammerschlag ging ihr durch Mark und Bein. In stummem Entsetzen lag sie da – ein Bild des Leidens, ein Abbild des Gekreuzigten selbst. Seufzend krümmte sie den Leib und die Arme; von ihrem Mund rangen sich laute Wehrufe. Als Columba nach dreistündigem Leidenskampf die Arme seitwärts ausstreckte, sah sie aus den Händen des Erlösers je einen blutigen Strahl ihr blitzartig in die Hände schießen, die sie im gleichen Augenblick durchbohrt fühlte. Mit krampfhaft zusammengezogenen Fingern wand sie sich zuckend vor den anwesenden Augenzeugen, die an Händen und Füßen der Ekstatischen die blutigen Malzeichen erblickten. Gegen Nachmittag 1 Uhr drang ihr ein blitzender Speer in die Seite, so dass sie laut rief: „O dieser Stich, er hat mein Herz durchdrungen!“ Als Columba um 3 Uhr zu sich kam und die Male an ihren Händen wahrnahm, versteckte sie diese in Beschämung unter der Bettdecke. Doch war die Stigmatisation zu gut von vielen Zeugen gesehen worden und wurde auch nachher an verschiedenen Tagen unzweifelhaft gesehen, worüber genaue Aufzeichnungen gemacht wurden. Zudem ergoss sich aus den Wundmalen regelmäßig an Freitagen reichlich Blut, wovon gar oft der Boden gerötet wurde. Gewöhnlich konnte Columba an solchen Tagen nicht die geringste Nahrung zu sich nehmen. Die Lebensmöglichkeit der Dulderin bei solchen Blutverlusten schien ans Wunderbare zu grenzen. Gar oft auch verbreiteten die Wundmale einen süßen Duft, was sie in peinlichste Verlegenheit versetzte. Da ihr überdies die Neugierde und Beurteilung der Mitwelt sehr lästig und ihrer Seelenruhe und Demut gefährlich zu sein schien, bat sie oftmals Gott, er möchte ihr die Wundmale nehmen, wobei sie gerne die Schmerzen als Geschenk seiner göttlichen Liebe behalten wollte. Wegen dieser Bitte empfing sie in einer Vision vom 2. Mai 1766 vom lieben Heiland Vorwürfe: „Du willst dich schämen, meine Zeichen zu tragen? Nicht deinetwegen, sondern der Welt wegen sollen sie offenbar werden, wann und wie ich will. Deine Bitte wird dir gewährt werden, noch nicht in diesen Jahren. Vieles wirst du noch zu leiden haben; doch sieh mich an, der unschuldig alle Schmach, Pein und Schmerzen getragen hat, und lass nicht ab, für das Heil der Seelen zu wirken.“

 

Damit hat der gütige Heiland selber den Beruf und die ganze Bedeutung der stigmatisierten Jungfrau von Bamberg ausgesprochen. In die Schar der gezeichneten Brautseelen Christi berufen, sollte sie eine Brücke schlagen zwischen dem Diesseits und dem Jenseits, den Sündern hier den glücklichen Übergang, den armen Seelen dort den Ausgang aus den Peinen der Läuterung schaffen, durch eigene Sühneleiden, in engster Verbindung mit Christi Leiden. Qualvoll waren die Peinen, ganz unbegreiflich qualvoll, die Columba litt. Sie wurde von den armen Seelen geradezu umdrängt; alle wollten ihre Hilfe und drückten in allerlei Gestalten, Erscheinungen und Lichtern ihr heißes Begehren aus. Sie sah den fürchterlichen Ort des Reinigungsfeuers, aber auch die durch ihre Hilfe befreiten Seelen, wie sie von den Engeln in die Höhen des Himmels erhoben wurden.

 

Für dieses selbstlose, liebreiche Eingehen auf Christi Sühneleiden empfing die gottselige Kreuzesbraut vom Herrn die wunderbarsten Gnadengaben. Als sie einmal den Tod des Herrn im Geist schaute und miterlebte, erging von den schmerzverzerrten Lippen des Herrn die eindringliche Frage an Sie: „Suchst du wirklich in diesem Leben keinen anderen Trost als den meinigen?“ Die hochherzige Seele antwortete voll Demut: „Mit deiner Gnade begehre ich nichts, als mit dir zu leiden.“ Für dieses Gelöbnis wurde ihr herrlicher Lohn zuteil. Der Gekreuzigte löste seine Durchbohrte Hand vom Kreuzesbalken, segnete seine auserwählte Jüngerin und sprach auf ein Kruzifix deutend: „Dies soll dein Trost sein, wenn du von allen verlassen sein wirst. Ich will es dir mit einem Zeichen hinterlassen, dass du in allen Schmerzen des Leibes und der Seele dich dessen erinnern kannst. Behalte es, solange du lebst!“ Als nachher eine anwesende Schwester das Kreuz von seinem Standort herabnahm, da Columba im ekstatischen Zustand meinte, das Kruzifix habe Blut geweint, musste die Schwester wahrheitsgetreu feststellen, dass aus den Augen und der Seite des Bildes Blut geflossen war. An dem Tuch, mit dem die Seherin es abwischte, fand sich frisches Blut. Diese merkwürdigen Blutungen stellten sich noch öfter ein und sind vielfach bezeugt. Am 11. Oktober 1764 blutete der Bildkörper an der ganzen Oberfläche so stark, als würde ein lebendiger Leib gegeißelt. Später geschah es einmal, dass sich das Kreuz, obwohl es in einem großen Postament feststeckte, der innig betenden zuneigte. Erschrocken fing sie es auf und drückte lange das kostbare Kleinod an ihr brennendes Herz. Der Herr aber gab ihr die Verheißung: „Wenn du treu bleibst, so will ich die zur Martyrin meiner Liebe machen.“ Das wunderbare Kreuz ist noch heute die herrlichste Zier des Chores der Englischen Fräulein in Bamberg.

 

Was würden der gottseligen Ordensfrau diese und noch viele andere auffallende Gnadenerweise Gottes, die zum Heil der Mitwelt, für sie mehr zur Prüfung gegeben waren, ihr genützt haben, wenn sie nicht in ihrem Tugendleben sich in vorzüglicher Weise bewährt hätte? Heroisch war ihre Geduld im Leiden. Demut und Gehorsam, diese unerlässlichen Erfordernisse der Heiligkeit, besaß sie in hohem Grad. Was kostete es der Dienerin Gottes, die nichts sehnlicher wünschte, als „verborgen zu sein vor der ganzen Welt“, für große Überwindung, ihre außerordentlichen Zustände im Auftrag der Oberen zu offenbaren und aufzuschreiben! In all die peinlichen Untersuchungen und harten Prüfungen der geistlichen Behörden, in die Missachtung und Verkennung übelwollender Mitmenschen „schickte sie sich in strenger Unterwürfigkeit, Demut und Glaubensstärke, und kein Mangel war an ihrem Verhalten zu finden“. So sagt ein amtliches Urteil. Als ihr auf höhere Weisung auch das blutende Kruzifix genommen werden sollte, sprach sie das schöne Wort: „Dieses Kreuz kann man von mir trennen, nicht aber ihn, den ich im Herzen trage und den ich im allerheiligsten Altarsakrament anbete.“ Ja, ihr einziger Lebensunterhalt war ein wahrhaftes, stetiges Wandeln in Gottes Gegenwart, ein ständiges Vereinigtsein mit dem unbegreiflichen Schöpfer der Welt. Columbas Sinnen und Trachten war wie gefesselt von ihm mit unsichtbaren Ketten. Das Jesuskindlein, das die Beglückte einmal in ihrem Herzkämmerlein schaute, als sie ans Krankenbett gebunden war, sagte ihr: „Im Garten deines Herzens, wo du mich eingeschlossen siehst, da sollst du dich aufhalten und dahin sollst du gehen! Da sollst du durch deine Leiden und deine Schmerzen die Dornen dieses Zaunes herausreißen und durch das Verdienst deines Leidens den Garten mit Rosen bepflanzen, bis du damit fertig, im himmlischen Rosengarten mit mir völlig vereint wirst.“

 

Am 3. März 1787 rüstete sich die engelreine Taube (lateinisch Columba) zum Flug in die ewige Heimat. Nachdem sie den Herrn nochmals unter Brotsgestalt empfangen hatte, erlitt sie unter bitteren Schmerzen, ihrem gekreuzigten Meister ähnlich, einen dreistündigen Todeskampf. Auf ihren Wunsch betete man die Gebete zu Ehren der heiligen fünf Wunden. Während der Worte: „ . . . durch die heilige Wunde deiner rechten Hand, erbarme dich unser, o Jesus,“ streckte die Sterbende den rechten Arm aus, und es floss Blut aus der rechten Handwunde. Desgleichen ergoss sich jeweils Blut aus den übrigen Wundmalen. Beim Gedächtnis der Seitenwunde Jesu krachte ihre Seite unter weithin hörbarem Geräusch. Es war, als ob wirklich eine Lanze zwischen die Rippen in ihren Leib eindringen würde. Im gleichen Augenblick, früh 4 Uhr, ging ihre opfergeschmückte, hochgemute Seele ihrem vielgeliebten himmlischen Bräutigam entgegen, der sie eingereiht haben wird in die Jungfrauenschar, die ihm folgend das ewig neue Lied singt, das nur die zu singen vermögen, die ihre Kleider im Blut des Lammes gewaschen haben.

 

Möge es unserer Zeit, einer Zeit der schweren Prüfung unseres Volkes, beschieden sein, zu erreichen, was jene frühere mit ihrer Scheu vor dem Übernatürlichen versäumte, den Seligsprechungsprozess dieses leidensstarken Kindes unseres Volkes zum Erfolg zu führen. Das Seligsprechungsverfahren wurde am 15. Mai 1999 vom Bamberger Erzbischof Dr. Karl Braun eröffnet.

 

Jesus, der Jungfrauen Krone du,

Ein Bräutigam voll Herrlichkeit,

Gibst deinen Bräuten Glanzgeschmeid´.

 

4. März

 

Der heilige Kasimir, Prinz und Bekenner von Polen,

+ 4.3.1484 - Fest: 4. März

 

Schön ist es und auch recht erbaulich, dass fast jedes christliche Land durch einzelne Frauen oder Männer aus fürstlichem Geblüt im Heiligenkalender vertreten sind, Deutschland beispielsweise durch den heiligen Kaiser Heinrich und die heilige Kaiserin Kunigunde. Frankreichs Zierde ist der heilige König Ludwig. Norwegen stellt den heiligen König Olaf, Böhmen den heiligen König Wenzel, Ungarn den heiligen König Stephan und so weiter.

 

Zu den Heiligen aus fürstlichem Haus gehört auch der heutige Tagesheilige Sankt Kasimir, Prinz von Polen, Herzog von Litauen und erwählter König von Ungarn. Von ihm sagt lobend die Epistel: „Selig der Mann, der ohne Makel erfunden wurde, der dem Golde nicht nachging und nicht auf Geld und Reichtum seine Hoffnung setzte.“

 

Man muss sich wundern, dass dem heiligen Kasimir solche Weisheit nachgerühmt wird, denn als er am 4. März 1484 an der Auszehrung starb, war er gerade vierundzwanzig Jahre alt. Gewöhnliche Menschen kommen sonst erst viel später und manche überhaupt nie dahinter, dass Geld und Reichtum nur eitel Schein und Blendwerk sind und dass allein ein Gott wohlgefälliges Leben den Menschen für Zeit und Ewigkeit glücklich machen kann. Kasimir gehörte zu denen, die schon mit jungen Jahren klug werden. Zwei Dinge waren es besonders, die ihn auszeichneten, nämlich die Liebe zum gekreuzigten Heiland und die Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria.

 

Als der kleine Kasimir zum ersten Mal von dem bitteren Leiden und Sterben Jesu Christi erfuhr, erging es ihm, wie es bei diesem Anlass jedem Kind ergeht, in dessen Brust ein warmfühlendes Herz schlägt. Die Tränen liefen dem Prinzen die Wangen hinunter, und fest nahm er sich vor, jede Sünde zu meiden, weil die Sünden die bittere Ursache der Schmerzen des Heilandes sind. Darüber hinaus verzichtete Kasimir, sooft es unauffällig geschehen konnte, gern auf den vollbesetzten Tisch im königlichen Elternhaus. Süßigkeiten schlug er fast immer aus. Zuweilen geschah es auch, dass er anstatt im warmen Bett auf dem kalten Fußboden schlief. All diese Opfer nahm der jugendliche Prinz auf sich, um dadurch das bittere Leiden und Sterben des lieben Heilandes zu ehren und ihm so sein schweres Kreuz tragen zu helfen.

 

Empfindungen und Vorsätze dieser Art drängen sich uns gern auf, wenn wir die Leidensgeschichte des Herrn lesen oder hören. In solchen Augenblicken ist die Gnade ganz in der Nähe, und wenn wir da dem Ruf der Gnade folgen und wie der Polenprinz dem Heiland durch kleine Opfer unsererseits das schwere Kreuz auf dem bitteren Kreuzweg tragen helfen, so kann es geschehen, dass wir ebenfalls Heilige werden.

 

Neben der Nachfolge des gekreuzigten Heilandes zeichnete den heiligen Polenprinzen Kasimir eine innige Verehrung der lieben Mutter Gottes aus. Als man hundertzwanzig Jahre nach dem Tod das Grab des Heiligen öffnete, fand man unter dem Kopf des unverwesten Leichnams ein Schriftstück, auf das Kasimir eigenhändig ein Marienlied niedergeschrieben hatte, das er im Leben immer wieder mit Vorliebe zum Lob und Preis der lieben Mutter Gottes gesungen und gebetet hatte. Es ist eins der schönsten Marienlieder überhaupt und beginnt mit den Worten: „Alle Tage sing und sage Lob der Himmelskönigin...“ Schön und sinnreich wäre es, wenn man das liebe Lied gleich im Anschluss an die heutige Legende im Gesangbuch suchen und es durch alle Strophen bis zum Ende singen würde; denn ein Marienlied ist ein Labsal für die Seele und tut dem katholischen Herzen wohl. Eigentlich sollte man doch jeden Tag ein Marienlied singen!

 

Der heilige Lucius, Papst und Martyrer von Rom,

+ 4.3.254 – Fest: 4. März

 

Der heilige Lucius wurde am Ende des zweiten Jahrhunderts geboren und war ein Sohn des Porphyrius Lucinus. In Hinsicht seines Geburtsortes sind die Kirchengeschichtsschreiber nicht einig. Nach einigen und selbst nach dem römischen Martyrologium, soll er in Rom an der appischen Landstraße, nach anderen aber zu Lucca geboren sein und deswegen ein Römer genannt werden, weil er von Jugend an sich in Rom aufgehalten habe. Mit unermüdlichem Eifer und ausgezeichnetem Erfolg bildete er sich in den Heilswissenschaften und wurde schließlich zum Priester geweiht. Seine Tätigkeit für die Verherrlichung Gottes und für die Wohlfahrt der Kirche Jesu beweist die große Ehrfurcht und das allgemeine Zutrauen, das er sich bei den Gläubigen und besonders bei der Geistlichkeit in Rom erworben hatte, denn einstimmig wählten sie ihn nach dem Tod des heiligen Papstes Cornelius zu dessen Nachfolger am 19. Oktober im Jahr 253. Lucius verwaltete sein Amt mit apostolischer Wachsamkeit und Treue und war wegen seiner Frömmigkeit und gründlichen Gelehrsamkeit allgemein beliebt. Er verfolgte mit Strenge das Laster der Unmäßigkeit und führte selbst ein armes, abgetötetes Leben. Alle seine Einkünfte wies er zur Linderung des Elends der Notleidenden an und jeder Betrübte fand bei ihm Trost, jeder Verlassene Hilfe. Zur Beförderung des Seelenheils und damit den Gläubigen zu jeder Zeit das Wort Gottes gepredigt werden könnte, weihte er für die Kirche in Rom sieben Bischöfe, die zugleich die Obliegenheit auf sich hatten, den jeweiligen Oberhirten der Kirche mit Rat und Tat in der heiligen Amtsführung zu unterstützen. In Hinsicht der Ordnung und Feierlichkeit beim Gottesdienst machte er die trefflichsten Verordnungen, und er war der erste, der den Diakonen die noch jetzt übliche Levitenkleidung – Dalmatik – zu tragen erlaubte. Der tätige Eifer des heiligen Papstes zur Verbreitung und Erhaltung der Kirche Christi blieb den Feinden des Lichtes und der Wahrheit nicht lange verborgen und sie bewirkten während der Verfolgung des Kaisers Valerian, dass er in das Elend verwiesen wurde. Weil er aber von der heiligen Vorsehung dazu auserwählt war, mit seinem Blut für die Wahrheit Zeugnis zu geben, kam er aus der Verbannung wieder zurück, ermunterte noch einige Zeit die Gläubigen zur Standhaftigkeit im Glauben, bekämpfte unerschrocken die Irrlehre der Novatianer und wurde dann erneut gefangen gesetzt und, da er durch keine Marter zum Abfall gebracht werden konnte, enthauptet am 4. März 255. Er regierte die Kirche Gottes nur ein Jahr, vier Monate und sechzehn Tage. Aber auch in dieser kurzen Zeit hatte er sich nach dem Zeugnis des heiligen Cyprian unsterbliche Verdienste erworben.

 

Die heilige Walburgis (Walburga),

1. Äbtissin von Neuenheerse bei Paderborn,

+ 4.3.880 – Fest: 4. März

 

Die heilige Walburgis, von der hier die Rede ist, ist nicht zu verwechseln mit der berühmten Gründerin des Klosters Heidenheim, der Schwester der heiligen Glaubensboten Willibald und Wunibald, deren Reliquien zu Eichstätt das wunderbare Walburgis-Öl ausschwitzen. Unsere Walburgis entstammte einer Adelsfamilie in Westfalen und war eine Schwester des seligen Luthard, des dritten Bischofs von Paderborn.

 

Schon in früher Jugend beschloss Walburgis, ihre Jungfräulichkeit Gott zu weihen und mit mehreren anderen Jungfrauen ganz dem Dienst Gottes zu obliegen. Zu diesem Zweck verwendete sie ihr reiches Erbgut, um zu Heerse, einige Meilen von Paderborn, ein Kloster nebst einer Kirche zu bauen. Ihr bischöflicher Bruder erwirkte ihr auf der Synode zu Worms die Genehmigung. So begann der Bau im Jahr 868. Nach Vollendung des Klosters wurde Walburgis zur Äbtissin gewählt, nicht so sehr, weil sie das Kloster gegründet hatte, vielmehr weil sie an Tugenden und Verdiensten alle übrigen Jungfrauen überragte. Ihr Bruder Luthard empfahl sie dem heiligen Rembert, dem Erzbischof von Bremen, mit dem sie in freundschaftlichem Briefwechsel stand, dessen Rates sie sich bediente und dessen heiligem Leben sie nachfolgte. Es ist uns noch ein Brief des heiligen Rembert an die heilige Walburgis und deren Genossenschaft erhalten, der als Muster einer schönen und kraftvollen Ermahnung hier folgen soll:

 

„Rembert, der geringe Knecht der Herde Gottes, seiner lieben Tochter Walburgis und den übrigen Jungfrauen und Bräuten Christi Heil im Herrn! Der Bruder Adelgar sagte mir nach seiner Rückkehr von euch, dass ihr betrübt seid, weil ihr so selten einen Brief von mir erhieltet. Um dieses wieder gut zu machen, glaubte ich euch nichts Besseres schreiben zu können, als dass ich euch ermahne, in eurem Streben nach Heiligkeit zu verharren. Wollet ihr zur höchsten Herrlichkeit gelangen, dann müsst ihr euren Leib und eure Seele durch jegliche Tugend vor dem Verderben schützen, die innere Reinheit pflegen und nähren und die äußere Keuschheit vor jedem Verderben bewahren. Wenn ihr dieses Geschenk durch die Gnade Gottes erlangt zu haben glaubt, dann müsst ihr, wie die Heilige Schrift ermahnt, euch in allem verdemütigen, und ihr werdet Gnade finden vor Gott. Auf diesem Wege werdet ihr zu Christus, eurem Herrn und Bräutigam gelangen, der selbst gesagt hat: „Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen.“ Hütet euren Geist vor aufgeblähtem Stolz, eure Gedanken fliegen nicht unbemerkt an Gottes Augen vorüber. Gott schaut ins Innere, was den Geist aufbläht, und er lässt es äußerlich hervortreten, damit er es ablege. Der Herr spricht durch den Propheten Hosea zu den Israeliten: „Der Geist der Unzucht ist mitten unter ihnen und sie haben ihn nicht erkannt.“ Und um zu zeigen, sagt der heilige Gregor, dass die Wollust im Hochmut wurzele, fügt er hinzu: „Und du wirst den Stolz Israels nicht ungestraft lassen.“ Er scheint sagen zu wollen: Die Schuld, die durch Überhebung des Geistes im Innern verborgen war, wird in der Begierlichkeit des Fleisches ans Tageslicht treten. Deshalb müsst ihr die Demut überwachen, um die Reinheit und Keuschheit bewahren zu können. Denn wenn der Geist sich vor Gott beugt, erhebt sich das Fleisch nicht sündhaft über den Geist. Dem Geist ist ja die Herrschaft über das Fleisch anvertraut, aber er muss in Unterwürfigkeit unter Gott sein Recht ausüben. Denn wenn er seinen Herrn stolz verachtet, dann kündigt ihm mit Recht das Fleisch den Krieg an. Daher kommt es, dass lange geübte Enthaltsamkeit plötzlich aufhört, daher die gewöhnliche Erscheinung, dass eine bis ins Alter bewahrte Jungfräulichkeit noch verletzt wird. Weil man die Demut des Herzens verlässt, so verachtet der gerechte Richter die Reinheit des Leibes und gibt zuweilen durch öffentliche Sünden die Verworfenheit derer zu erkennen, die er im Geheimen schon längst verworfen hat. Denn wer plötzlich ein lange bewahrtes Gut fortwirft, bewahrte in seinem Innern eine Bosheit, woraus jener böse Entschluss plötzlich hervorbrach, und durch sie war er auch da schon dem allmächtigen Gott fremd, als er noch durch Reinheit des Körpers mit ihm verbunden zu sein schien. – Dies, geliebte Töchter, habe ich nicht geschrieben, als ob ich etwas von Hochmut und eitlen Rühmen an euch wahrgenommen hätte, sondern weil ich wünsche, dass ihr zu jenen gehören möchtet, von denen geschrieben steht: „Sie folgen dem Lamm, wohin es geht.“ Wenn ich beklage, dass viele gefallen sind, so wünsche ich, dass ihr vorsichtig lebt und dass unser Herr und Bräutigam zu euch sagen möge: „Ganz schön bist du, meine Freundin, und keine Makel ist an dir.“ Folgt daher dem Lamm in seinen Geboten, auf dass ihr ihm auch folgen könnt im ewigen Leben, und singt das Lied, das niemand singen kann, als der Jungfrauenchor. Dies hat schon der heilige Augustinus auseinandergesetzt, indem er die Jungfrauen ermahnt: „Harrt aus, Gottes heilige Söhne und Töchter, Mütter und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, harrt aus bis ans Ende. Lobt lieblicher den Herrn, an den ihr öfters denkt; hofft umso glücklicher auf ihn, je eifriger ihr ihm dient; liebt ihn umso glühender, je mehr ihr ihm zu gefallen sucht! Die Lenden umgürtet, die brennenden Lampen in den Händen, erwartet den Bräutigam, wenn er zur Hochzeit kommt!“ Wenn ihr mit eingeht zur Hochzeit des Lammes, dann werdet ihr zum Klang der Zither ein neues Lied singen, das niemand singen kann, als ihr. So schaute es in der Geheimen Offenbarung der Jünger, der geliebt war vom Lamm, der auch an der Brust des Herrn ruhen durfte. Auch euch schaut er in der Schar der zwölfmal zwölftausend Jungfrauen, die unbefleckt an Leib und Seele die Harfe spielten vor dem Herrn. Folgt dem Lamm, dem jungfräulichen! Folgt dem Lamm, wohin es auch gehe, in Jungfräulichkeit des Herzens und Fleisches! Was ist Folgen anders, als Nachahmen? Petrus sagt: „Christus hat für uns gelitten und uns ein Beispiel gegeben, auf dass ihr seinen Fußspuren folgt.“

 

Der heilige Bischof Rembert scheint noch mehrere derartige Briefe an Walburgis geschrieben zu haben, aber durch die Ungunst der Zeit sind sie nicht erhalten geblieben. Alle Lehren und Ermahnungen ihres Seelenführers prägte die heilige Äbtissin ihrem Gemüt und ihrem Leben so tief ein, dass sie der heilige Bischof seine liebe Tochter zu nennen pflegte.

 

Die heilige Walburgis starb in ihrem Kloster Neuenheerse am 4. März 880 gottselig im Herrn. Noch heute sieht man ihr Grab in einer Seitenkapelle der dortigen Kirche.

 

5. März

 

Der heilige Johann Joseph vom Kreuz, Franziskaner in Neapel, Priester,

+ 5.3.1734 - Fest: 5. März

 

Er wurde in der Stadt Ischia von frommen Eltern aus dem adeligen Geschlecht von Calosirto geboren. Er sah und hörte von seinen Eltern und den Menschen, mit denen seine Eltern ihn und seine 6 Geschwister umgeben hatten, nur Gutes. Darum war die Erziehung dieser 7 Kinder so gesegnet, dass 6 von ihnen in einen Orden eintraten. Von früher Kindheit an liebte Johann Joseph das Gebet, das Stillschweigen und die Einsamkeit. Er hatte sich im hinteren Teil des Hauses ein Zimmerchen gewählt und blieb dort einsam in der Zeit, die er nicht in der Kirche oder Schule zubrachte. Er lernte da seine Schulaufgaben und verwendete die übrige Zeit zum Gebet und zur Lesung frommer Bücher. Das heiligste Altarsakrament besuchte er so oft er nur konnte und fastete zur Ehre Mariens jeden Samstag und an allen Vorabenden ihrer Festtage bei Wasser und Brot - und das bereits im Alter von 10 bis 12 Jahren. Nie aß er etwas außerhalb der Mahlzeiten und war streng gegen sich selbst mit Geißeln und Bußgürteln, die er sich selbst anfertigte. Er traf sich niemals mit Kindern in seinem Alter, weil er wusste, dass da die Unschuld nicht lange unverletzt bleibt. Seine Liebe zu Gott erfüllte den Jungen mit Eifer, andere zu unterrichten, an alles Gute zu erinnern und vor Sünden, als dem größten Übel, zu warnen. Den Armen, die er zärtlich liebte, gab er alle guten Speisen, all sein Taschengeld und alles, was er als Geschenk erhielt. Mit 14 Jahren hielt er täglich schon lange Betrachtungen.

 

In diesem Alter empfand er auch schon ein inniges Verlangen, in ein Kloster eines strengen Ordens zu gehen, und er betete viel, damit ihm Gott zu erkennen gebe, in welches er gehen sollte. Er betete in dieser Absicht auch eine eigene neuntägige Andacht. In diesen Tagen kamen Franziskaner von der strengen Art, die der heilige Peter von Alcantara eingeführt hatte, nach Ischia und in das Haus des Herrn von Calosirto. Da lernte der fromme Sohn sie und ihre Lebensart kennen und war ganz begierig darauf, in diesen Orden einzutreten. Doch wollte er vorher seiner Berufung ganz sicher sein und reiste mit Einwilligung seiner frommen Eltern selbst nach Neapel, um sich mit erleuchteten Männern darüber zu beraten. Sobald er aber vom Willen Gottes überzeugt war, verließ er ohne zu warten die Welt mit allen ihren Hoffnungen und trat, noch nicht 16 Jahre alt, in das Kloster der Franziskaner ein. Da er sich seinen Klosternamen selbst wählen durfte, wählte er den Namen Johann, weil er am 24. Juni eingekleidet wurde, den Namen Joseph, weil er diesen Heiligen besonders verehrte, und den Zunamen „vom Kreuz“, weil er Kreuz und Leiden schon damals liebte. Das raue Ordenskleid, das er erhielt, schätzte er mehr als Purpur, nannte es sein Hochzeitskleid und zog es bis zu seinem Tod, 65 Jahre lang, nicht mehr aus.

 

Der neue Novize bewährte sich schon am Anfang seines geistlichen Lebens als ein Muster der Abtötung und Vereinigung mit Gott und war strenger gegen sich als alle seine Mitbrüder. Umso nötiger fand es sein Novizenmeister, ihn zu prüfen. Darum legte er ihm die schwersten Übungen der Demut und Selbstverleugnung auf. Johann Joseph übernahm sie mit Freude und bewies, dass er diese Tugenden, die Grundlagen aller wahren Frömmigkeit, mit Gottes Gnade schon lange sich erworben habe. Seine Oberen ließen ihn, nachdem er sich durch die feierlichen drei Gelübde Gott und dem Orden schon geopfert hatte, noch drei Jahre im Noviziat, damit sein Beispiel auch andere Ordensneulinge entzünden möge. Er wählte sich nach Jesus, unserem allgemeinen Urbild, den heiligen Franz von Assisi und den heiligen Peter von Alcantara zu besonderen Vorbildern. Wie dieser, trug er oft den ganzen Tag Steinchen im Mund, um sich an das Stillschweigen zu gewöhnen. Er schlief schon damals nur drei Stunden jede Nacht. Er trank keinen Wein und aß kein Fleisch und keinen Fisch mehr, nichts mehr, das dem Gaumen gut schmeckte, und übte andere Strengheiten. Aber bei allen seinen Abtötungen hielt er sich genau an den Willen seiner Oberen und unterließ nie das Mindeste von den gewöhnlichen Ordensübungen. Diese Abtötungen belohnte ihm Gott mit himmlischem Trost, besonders im Gebet und in den Betrachtungen.

 

Um diese Zeit erhielten die Franziskaner zu Piedimonte, einem Flecken in Terra di Lavoro, ein Marienkirchlein mit einem schlechten Haus, das die Väter Serviten verlassen hatten. Da mussten sie nun ein Kloster bauen und dieser Bau wurde dem jungen Bruder Johann Joseph übertragen. Er führte den Bau genau nach der Vorschrift des heiligen Peter von Alcantara: jede Zelle wurde 7 Fuß lang, 6 breit und 8 hoch. Der demütige Bauführer machte zugleich den Handlanger und verrichtete die schwersten Arbeiten, ungeachtet der harten Bußwerkzeuge, mit denen sein Leib ausgerüstet war, so dass oft das Blut zur Erde rann. Als das Kloster gebaut war, herrschten in demselben beständige Einsamkeit, lange Betrachtungen, langes Chorgebet und eine sehr strenge Lebensart. Und Bruder Johann Joseph tat es auch den frömmsten Vätern zuvor. Jetzt fing Gott auch schon an, ihn mit außerordentlichen Gnaden auszuzeichnen. Er hatte sich durch seine harten Arbeiten und Abtötungen eine solche Brustschwäche zugezogen, dass er Blut spuckte. Lange hielt er dieses Leiden geheim, weil er sich des Leidens freute. Allein da er dem Chor und anderen Verrichtungen nicht mehr nachkommen konnte, bat er Gott unter Mariens Fürbitte um Hilfe, und seine Brust wurde in einem Augenblick so gestärkt, dass er im ganzen Leben keinen Anfall von diesem Übel mehr hatte. Auch wurde er schon um diese Zeit (was in der Folge öfter geschah) verzückt und in der Luft schwebend gesehen, denn da man ihn im ganzen Kloster gesucht hatte, sahen ihn endlich seine Mitbrüder in der Kirche so hoch erhoben, dass er mit dem Haupt das Gewölbe berührte.

 

Gerne wäre der Selige in diesem Kloster und in diesem Stand eines einfachen Klosterbruders immer geblieben, vergessen von der ganzen Welt, allein seine Vorgesetzten wollten, dass er Priester werde und er gehorchte. Um sich auf das Amt der Seelsorge besser vorbereiten zu können, baute der Selige in einem Wäldchen, das an das Kloster stieß, bei einem Kirchlein 5 Einsiedeleien, in welche sich die Brüder nachher oft zurückzogen, um sich nach harten Arbeiten für das Heil der Seelen im Geist zu erneuern und wieder für neue Arbeiten zu stärken. War die Strenge im Kloster schon groß, so übertrifft es fast unsere Vorstellungen, wie streng sie hier gebraucht wurde. Das Wäldchen war mit einer Mauer umgeben, damit niemand sich den Einsiedlern nahen, und ihre Geistesversammlung stören konnte. Den ganzen Tag hörte man nicht ein Wort, nur an gewissen Tagen kamen sie zusammen, um sich von göttlichen Dingen zu unterreden und gegenseitig ihren Eifer noch mehr zu entflammen.

 

Johann Joseph war einer der ersten, der hier wohnte, ehe er die heilige Priesterweihe empfing. Fest in der Wissenschaft der Heiligen gegründet und vom Feuer des Heiligen Geistes durchglüht, fing der Selige seine Arbeiten im Weinberg des Herrn an. Aber bald musste er dieses Kloster und seine neuen Arbeiten verlassen und öfter Novizenmeister und Guardian, einmal auch Definitor und Provinzial werden. Als Novizenmeister bildete er seine Ordensneulinge mehr durch sein Beispiel, als durch Worte, hielt sie aber mit allem Eifer zu großer Strenge an. Einst starb einer seiner Novizen, der am meisten strenge Abtötungen geübt hatte. Johann Joseph geriet nun in Furcht, ob er von seinen Anfängern, die erst aus der weichlichen Welt in den Orden gekommen sind, nicht mehr Strenge forderte, als ihre Kräfte tragen konnten. Sein zartes Gewissen wurde hart bedrängt, bis ihm der gestorbene Novize erschien und ihm dankte, dass er ihn aus dem tiefen Schlamm seiner Sünden herausgezogen und die Seligkeit des Himmels erringen half, und ihn ermunterte, seine Novizen auf dem Weg der Liebe und Strenge weiter zu leiten wie bisher. Als Guardian (Oberer des Klosters) übte er noch alle Arten der Demut: er fegte das ganze Kloster, grub den Garten um, trug Holz und Wasser in die Küche und verrichtete andere niedrige Dienste im Haus. Öfter zog er sich nach Piedimonte, wo er dreimal Guardian war, in die Einsamkeit der Einsiedelei zurück, um sich ruhiger mit Gott zu vereinigen. Gott half ihm, solange er dieses Amt führte, in Not öfter auf eine wunderbare Weise. In einem Jahr großer Teuerung war einmal alles Brot unter die Armen verteilt: Der Guardian wusste es und empfahl seine Brüder dem Herrn. Da der Chor kaum vollendet war, brachte eine unbekannte Person Brot, so viel man brauchte. Ein anderes Mal fand man in gleicher Not an der Pforte Brot in einem Korb, obwohl man im neugefallenen Schnee keinen Fußtritt bemerkte. So geschah es auch einige Male mit dem Wein und dem Gemüse. Als Provinzial (Oberer aller Klöster dieses Ordens in dem Land) bemühte er sich die vorgeschriebene Strenge in allen seinen Klöstern zu erhalten. Er untersuchte alle und machte alle Reisen mit bloßen Füßen, obwohl diese mehrere offene Wunden hatten. Er nahm nirgends eine Erfrischung an und machte in jedem Kloster die niedrigsten Verrichtungen und Bußwerke mit. Die Tugend und Zufriedenheit seiner Mitbrüder von innen und die Achtung der Menschen gegenüber dem Orden von außen nahm unter seiner Amtsführung immer mehr zu.

 

Um den Ämtern, die er so sehr fürchtete, zu entgehen, wendete er sich nach Rom und erhielt ein päpstliches Breve, dass er aller Ämter enthoben und nie mehr gewählt werden soll. Nun vermehrte er noch seine Strengheiten, so als wenn er bisher noch nichts getan hätte. Doch da er nun schon 24 Jahre lang nichts Warmes gegessen hatte, drohte ihm eine Wassersucht. Der Arzt stellte seine Gesundheit zwar wieder her, schrieb ihm aber vor, dass er das Heilbad in seiner Vaterstadt Ischia besuchen, täglich eine warme Suppe essen und kein Wasser mehr trinken sollte. Dieser Verordnung zufolge, aß er jetzt jeden Tag eine warme Suppe, der er aber durch Zusatz von Wermut und durch Einstreuung von Asche allen Geschmack wegnahm. Weil ihm der Arzt verbot, Wasser zu trinken, und seine Liebe zur Armut ihm verbot, Wein zu trinken, trank er nun gar nicht mehr bis zu seinem Tod – 30 Jahre lang. Eine erstaunliche Abtötung in einem so warmen Land. Da er nun mehr Ruhe hatte, arbeitete er desto mehr in der Seelsorge. Er war unermüdlich im Beichtstuhl und bekehrte viele große und verhärtete Sünder. Er brachte ganze Tage und Nächte am Krankenbett zu. Er wurde von allen Seiten um Rat gefragt, stiftete überall Frieden, wo dieser gestört war, und wurde von mehreren Bischöfen gerufen, damit er in vielen Frauenklöstern den Eifer, der ausgegangen war, wieder entfachte. Er entflammte alle Herzen zur Tugend und leitete viele zur Vollkommenheit.

 

Sein Leben war ein Lieben und seine Liebe war eine stille Vereinigung mit Gott. Er kam in die Kirche zum hochwürdigsten Gut, sooft er konnte, blieb da, solange er konnte, und entfernte sich immer nur mit Schmerz. Er unterwies viele Jungen in der lateinischen Sprache und legte in ihre Herzen einen tiefen Grund von Gottesfurcht, um sie für die Studien vorzubereiten. Täglich gab er den Kranken das, was eigentlich ihm als Speise zubereitet wurde, und trug als Guardian dem Bruder Pförtner auf, keinen Armen ungespeist und ungetröstet gehen zu lassen. Er betete viel für jede Not des Nächsten und jedes Anliegen der Kirche, besonders für Sünder und Sterbende. Öfter erwies ihm Gott auf sein Bitten hin die Gnade, dass die Kranken gesund wurden und er dafür ihre Krankheiten erhielt.

 

Voll des christlichen Kindersinnes war er gehorsam, ohne eigenen Willen, wie ein Kind, obgleich seine späteren Oberen früher seine Novizen oder Untergebenen gewesen sind. Ebenso gehorsam war er in seinen Krankheiten den Hausbrüdern, die ihn zu bedienen hatten. Die Armut liebte er wie seine Mutter. Sein Habit, den er 65 Jahre lang trug, war voller Flecke. Als ihn ein Fürst fragte, warum er so geflickt daher gehe, sagte er: „Jeder nach seinem Stand. Eure Durchlaucht tragen Stickereien von Gold und Seide: des Bettlers Stickerei sind Flecke.“ Aber seine Keuschheit war ohne einen Flecken und seine Zurückgezogenheit so groß, dass er die Augen niemals erhob. Er war die lautere Demut und dabei sehr einfallsreich, seine Tugenden und seine höheren Gaben zu verbergen. Zu allen armen Kranken ging er mit Freude, aber keine Einladung und kein Bitten konnte ich dazu bewegen, den Vizekönig und seine Gemahlin zu besuchen. Er fürchtete nämlich, dadurch an der Demut einen Schaden zu erleiden. Wenn er als Provinzial reiste, durfte sein Begleiter nie sagen, dass er der Provinzial, sondern nur, dass sie arme Franziskaner wären.

 

Seine Buße und Abtötung dient, wenn schon nicht ganz zur Nachahmung, doch ganz sicher zur Beschämung unserer Weichlichkeit und Lauigkeit. Sich zu geißeln war schon in früher Jugend seine gewöhnliche Übung, in reiferen Jahren und im Alter schlug er noch unbarmherziger auf seinen Leib los. Von seinem zwanzigsten bis in sein vierzigstes Jahr trug er ein Kreuz mit eisernen Spitzen auf seiner Brust, ein noch größeres mit zwei Reihen von Nägeln trug er auf dem Rücken, mit einer Schnur von Rosshaaren verbunden. Später musste er es seiner Krankheit wegen weglassen. Dann trug er einen Bußgürtel, wie ein Reibeisen, den er noch bei seinem Tod am Leib trug. Ähnliche Bußgürtel hatte er mehrere, die er wechselte, damit sein Leib sich nicht an eine Marter gewöhnte. Dafür hatte er von Gott reichlich Gnade, Wunder zu wirken und künftige Dinge vorauszusagen. Man hat sogar Beispiele, dass er an zwei Orten zugleich war.

 

Die letzten Jahre konnte er nicht mehr ausgehen. Da war denn sein Beruf, für die Kirche Gottes und für einzelne Stände und Glieder der Kirche zu leben und zu leiden. Und diesem heilsamen Beruf entsprach er mit aller Treue, empfing jede Woche öfters die heiligen Sakramente und bereitete sich mit allem Eifer auf seinen Tod vor, der am 5. März 1734, im 80. Jahr seines Alters, erfolgte. Im Jahr 1789 wurde er in die Zahl der Seligen eingeschrieben und 1839 heiliggesprochen.

 

Der heilige Gerasimus, Einsiedler-Abt am Jordan, Palästina,

+ 5.3.475 – Fest: 5. März

 

Der heilige Gerasimus wurde am Ende des vierten Jahrhunderts in Lycien von christlichen Eltern geboren und begab sich als Jüngling in das gelobte Land, wo er als Einsiedler am Jordan längere Zeit ein gottesfürchtiges Leben führte, bis er von den damaligen Ketzern zum Irrtum verleitet wurde, als Theodosius gegen die Kirchenversammlung von Chalcedon alles in Bewegung setzte. In der Folge bekehrte ihn der heilige Euthymius wieder zum katholischen Glauben und von diesem Zeitpunkt an unterhielt er eine innige Freundschaft mit den frommen und heiligen Männern Sabas, Johannes dem Stillschweigenden und Theoctistus. Tag und Nacht beweinte er die Sünde, die er durch seine Zustimmung zum Irrtum gegen Gott und die Kirche begangen hatte und büßte sie durch ein reuevolles, asketisches Leben. Bald verbreitete sich der Ruf des frommen Einsiedlers in ganz Palästina und viele Jünger sammelten sich um ihn und verlangten, unter seiner Leitung zur Gottseligkeit zu gelangen. Der heilige Gerasimus gab ihren Bitten nach und wählte siebzig heilsbegierige junge Männer zu seinen Schülern, denen er am Jordan Zellen errichtete und ihnen sehr strenge Regeln für ihre künftige Lebensweise vorschrieb. Fünf Tage in der Woche waren sie zum strengsten Stillschweigen verpflichtet, arbeiten und abwechselndes Wachen und Beten waren ihre Beschäftigung. Nur am Sonntag nach dem feierlichen Gottesdienst erhielten sie etwas Wein und gekochte Kräuter, die übrige Zeit lebten sie von Datteln, Brot und Wasser. Einige unter diesen Einsiedlern, besonders der heilige Abt selbst, brachten es in ihren Abtötungen so weit, dass sie die ganze vierzigtägige Fasten hindurch nichts anderes genossen, als täglich die heilige Kommunion, und doch dabei so gesund und stark blieben, dass sie die ganze Nacht heilige Psalmen sangen und am Tag die beschwerlichsten Arbeiten verrichten konnten. Am Ende jeder Woche musste jeder aus der Genossenschaft das einliefern, was er an hölzernen Geschirren, Körben und anderen Geräten verfertigt hatte, weil alles zum Besten der Armen und zur Unterhaltung der Pilgrime verwendet wurde.

 

Mehrere Kirchengeschichtsschreiber erzählen vom heiligen Abt Gerasimus, dass er einst in der Wüste einem Löwen, der heulend zu ihm kam, einen Dorn aus der Pfote zog, der dann stets bei ihm blieb und den Esel, der den Einsiedlern das nötige Wasser herbeitrug, auf der Weide vor den wilden Tieren schützte. Als am 5. März im Jahr 475 Gerasimus starb, legte sich der Löwe auf sein Grab, nahm keine Nahrung mehr zu sich, bis er nach einigen Tagen unter heulen und Betrübnis sein Leben endigte.

 

6. März

 

Die heiligen Perpetua und Felizitas, Martyrinnen von Karthago,

+ 7.3.203 - Fest: 6. März

 

Hier haben wir es mit zwei großen Heiligen zu tun, die wir zwar verehren, aber kaum nachahmen können. So hoch stehen sie durch ihre Glaubenskraft und durch ihren Bekennermut über uns. Perpetua und Felizitas gehören in der Tat zu den glorreichsten Blutzeugen Christi.

 

Perpetua war eine vornehme und hochgebildete junge Frau von zweiundzwanzig Jahren und Mutter eines kleinen Kindes. Felizitas dagegen gehörte dem Sklavenstand an, war ebenfalls verheiratet und schenkte im Kerker kurz vor dem Martertod einem Mädchen das Leben.

 

Perpetua und Felizitas waren noch nicht getauft, aber im Glauben unterrichtet, als im Jahr 202 die fünfte der zehn römischen Christenverfolgungen sie überraschte. Die beiden Frauen erhielten, weil sie des Christentums verdächtig waren, zunächst Hausarrest. Gleich kam Perpetuas Vater, der kein Christ war, zu seiner Tochter und flehte sie an, sich nicht als Christin anzugeben, um wenigstens im Interesse ihres Kindes das Leben zu retten. Auf ein Gefäß im Zimmer zeigend, sagte Perpetua: „Vater, siehst du den Krug da? Kann man behaupten, dass der Krug kein Krug ist?“ „Nein, das kann man nicht.“ Also kann auch ich mich nicht anders nennen als das, was ich bin, nämlich eine Christin.“ So sprach die Heldin Perpetua.

 

Nachdem dann die beiden mutigen Frauen in der Zeit des Hausarrestes heimlicherweise die heilige Taufe empfangen hatten, warf man sie einige Tage später in einen düsteren Kerker. Die Gefängniszelle war überfüllt, die Hitze unausstehlich und der Gefangenenwärter grausam. Über Felizitas aber kamen gerade damals die Schmerzen, die über jede Mutter kommen, wenn sie einem Kind das Leben schenkt. Es war so arg, dass die junge Frau laut aufstöhnte. Trotzdem verspottete sie der herzlose Wächter und sagte verachtend zu ihr: „Wie wirst du erst schreien, wenn du den wilden Tieren vorgeworfen wirst!“ Da richtete sich die Gequälte auf und gab dem Spötter die schöne Antwort: „Wisse, jetzt leide ich selbst, dann aber wird ein anderer in mir sein, der für mich leidet, weil ich zu seiner Ehre leide.“ Felizitas wollte damit sagen, dass ein Christ, wenn er für den Glauben leidet, durch die Gnade reichlich gestärkt wird und deswegen alle Qualen aushalten kann.

 

Nachdem Felizitas ihrem Kind im Kerker das Leben geschenkt hatte, nahm eine andere Christin, dadurch hochgeehrt, das Mädchen zu sich und hat es großgezogen. Die beiden Heldinnen aber wurden dem Richter vorgeführt, und weil sie sich weder durch gute noch durch böse Worte bewegen ließen, vom Glauben abzufallen, lautete das Urteil auf Tod.

 

So kam das glorreiche Ende. Vor Tausenden von herzlosen Zuschauern wurden die beiden Frauen einer wilden Kuh vorgeworfen, die sie auf die Hörner nahm und böse zurichtete. Mit zerfetzten Kleidern und tiefen Wunden lagen die Frauen auf dem Schlachtfeld Christi. Mit letzter Kraft richtete sich Perpetua auf und zog das Gewand, das zerrissen war, zurecht, mehr besorgt um ihre Scham als um ihren Schmerz.

 

Nachdem im Zirkus das wilde Tier von den beiden Frauen abgelassen hatte, wurden sie schließlich enthauptet. Es ereignete sich dieser glorreiche Sieg am 6. März 203 zu Karthago in Nordafrika. Der Ruhm dieser beiden christlichen Heldinnen wird nie erblassen.

 

Der selige Ollegarius, Erzbischof von Tarragona, Spanien,

+ 6.3.1137 – Fest: 6. März

 

Ollegarius wurde im Jahr 1061 in Katalonien geboren und war der Sohn eines Beamten gleichen Namens beim Grafen von Barcelona. Seine Mutter hieß Gailla, eine fromme Dame aus dem gotischen Geschlecht, die ihren Sohn in der Gottesfurcht erzog und über seine Wissenschaftliche Bildung und seine Unschuld sorgfältig wachte, dass er als ein reiner junger Mann sich dem Dienst Gottes weihte und in den geistlichen Stand trat. Er wurde zuerst Chorherr bei der Kirche der heiligen Eulalia in Barcelona und erwarb sich durch seine Frömmigkeit einen solchen Ruhm, dass ihn der Bischof Bertrandus, der das Kloster zum heiligen Adrian stiftete, zum Prior ernannte. Dieses Amt übte er aus so lange zur Erbauung der Ordensmänner und zur Wohlfahrt des Klosters aus, bis Raymund, der Bischof von Barcelona, von den Mauren auf der Insel Mallorca erschlagen und Ollegarius zu dessen Nachfolger erwählt wurde. Der demütige Diener Gottes weigerte sich standhaft gegen diese Würde und als er täglich von der Geistlichkeit und vom Volk belästigt wurde, die bischöfliche Weihe zu empfangen, entfloh er heimlich aus dem Kloster mit dem Entschluss, in einer Einöde zu leben. Aber er wurde auf der Flucht eingeholt und durch ein Schreiben des Papstes Paschal II. ernstlich ermahnt, dass bischöfliche Amt zu übernehmen. Durch Wachsamkeit über die ihm anvertrauten Seelen und durch seinen heiligen Eifer, die Ehre Gottes zu befördern, stellte er sich allen als ein Muster eines apostolischen Oberhirten dar und übertraf noch weit die Erwartungen, die man sich von ihm gemacht hatte, als sein Wirkungskreis erweitert wurde. Damals schlug Graf Raymund die Mauren und entriss ihrer Herrschaft das Gebiet und die Stadt Tarragona, und da er keinen Würdigeren wusste, die durch die Sarazenen verheerte und gänzlich unterdrückte christliche Religion wieder herzustellen, übergab er dieses Erzbistum dem eifrigen Bischof Ollegarius. Papst Gelasius II. bestätigte ihn in dieser Würde und übertrug ihm zusätzlich, da er ihm das Pallium sandte, die Verwaltung der Diözese von Tortosa. Der für das Seelenheil so unermüdete Erzbischof stellte in seinen drei Bistümern in kurzer Zeit die größte Ordnung und christliche Sitten her, und als er alle Kirchen mit frommen und geistreichen Priestern versehen hatte, begab er sich nach Rom zur Kirchenversammlung von Lateran, wo er das meiste dazu beitrug, dass ein Kreuzzug gegen die Sarazenen zur Eroberung von Spanien und des gelobten Landes zu Stande kam.

 

Mit einem unerschrockenen Mut verteidigte Ollegarius die Freiheit und die Güter seiner Kirchen und brachte selbst den Grafen Raymund dahin, dass er eine ungerechte Steuer, die er von den Kirchengütern zog, widerrief und noch vor seinem Tod sich für den Orden der Tempelherren erklärte. Auf einer Versammlung der Mächtigen von Spanien im Jahr 1125 ließ er die Unverletzlichkeit der spanischen Kirche von Seite der weltlichen Macht beschwören, führte den Tempelorden im ganzen Königreich ein und bewirkte bei dem Sohn des verstorbenen Grafen Raymund, dass er für die Tempelherren in Barcelona ein Kloster errichtete. Im Jahr 1130 wohnte er als einziger unter allen spanischen Bischöfen der Kirchenversammlung von Clermont bei, die Papst Innocenz II. gegen den Gegenpapst Anacletus ausgeschrieben hatte. Nach seiner Rückkehr vollendete er den Bau der prächtigen Kirche der heiligen Thekla in Tarragonien, verbesserte und zierte verschiedene andere Gotteshäuser in seinen Bistümern und brachte die Stiftung des großen Krankenhauses zu Barcelona in Ordnung. Auf einer Versammlung seiner Bischöfe sagte er seinen nahen Tod voraus und starb am 6. März des Jahres 1137, nachdem er all sein Vermögen den Kirchen und Armen vermacht hatte, im Ruf der Heiligkeit. Auf die vielen Wunder, die bei dem Grab des vollendeten Dieners Gottes geschahen, suchte im Jahr 1280 Peter, König von Aragonien, seine Heiligsprechung bei Papst Martin nach. Aber seine Bitte wurde nicht erfüllt, weil er wegen ungerechter Besitznahme Siziliens mit dem Kirchenbann belegt war. Da sich aber die Verehrung des frommen Ollegarius unter den Gläubigen so sehr verbreitete, dass ihm in Barcelona allenthalben Altäre errichtet wurden, bat das Domkapitel im Jahr 1602 und 1606 neuerdings zu Rom um seine Heiligsprechung, die aber wieder nicht erfolgte, obschon ihn Papst Clemens VIII. selbst einen Heiligen nannte.

 

Der heilige Fridolin, Missionar und Gründer von Kloster Säckingen,

+ 6.3.540 – Fest: 6. März

 

Der erste Apostel des Schwabenlandes ist der heilige Fridolin. Er stammte aus einem berühmten Adelsgeschlecht Südschottlands, erhielt früh einen gründlichen Unterricht in den Wissenschaften, entsagte allem irdischen Reichtum und Ansehen, wurde Priester und zog predigend durch die Städte und Dörfer seiner Heimat. Seine Bemühungen waren mit Segen gekrönt und überall fand er Liebe und Bewunderung. Da Fridolin befürchtete, dass so viel Lob den Ehrgeiz und Hochmut in ihm erwecken könnte, so verließ er seine Heimat, um in einem fremden Land Gottes Ehre und der Menschen Heil zu fördern.

 

Nach längerer Wanderung nahm er seinen Aufenthalt zu Poitiers in Frankreich, wo einst der große Kirchenvater Hilarius gelebt und gewirkt hatte. Das Kloster lag seit der Völkerwanderung in Trümmern und selbst die Reliquien des Heiligen waren unter den Trümmern begraben. Fridolin wünschte nichts mehr, als die Wiederauffindung der Reliquien und die Wiederherstellung der Kirche des heiligen Hilarius. Nach langem, inbrünstigem Gebet kündigte ihm der Heilige in einer nächtlichen Erscheinung die baldige Erfüllung seines Wunsches an. Der Bischof unterstützte bereitwillig seine eifrigen Bemühungen, ernannte ihn zum Abt des verfallenen Klosters, und beide baten den König Chlodwig I. um Unterstützung ihres Unternehmens. Der König gewährte ihre Bitte und beschenkte sie reichlich. Friedolin war so glücklich, die Reliquien des heiligen Hilarius im Schutt zu finden und Kirche und Kloster wieder herzustellen.

 

Nachdem Fridolin geraume Zeit dem Kloster zu Poitiers vorgestanden hatte, erschien ihm der heilige Hilarius und forderte ihn auf, das in Poitiers begonnene Werk seinen zwei Neffen zu überlassen, er selbst soll mit einem Teil der gefundenen Reliquien nach Alemannien wandern, dort sei eine vom Rhein umflossene Insel das von Gott bestimmte Ziel seiner apostolischen Reisen.

 

Unter Trauer und Klagen des Volkes und der Mönche verließ Fridolin die Stadt, kam an die Mosel und erbaute das Hilariuskloster Helera (jetzt Eller bei Cochem). Darauf ging er nach dem Elsass und gründete zu Straßburg ebenfalls eine Hilariuskirche. Nach langem Umherwandern in Burgund und der Schweiz, wo er überall das Wort Gottes verkündigte und eine blühende Christengemeinde unter dem Schutz des heiligen Hilarius (abgekürzt Glarus) gründete, fand er endlich die ersehnte Rheininsel an der Stelle, wo jetzt Säckingen liegt. Die Bewohner benutzten die Insel als Weideplatz für ihr Vieh. Während Fridolin einen Platz für die Kirche und das Kloster suchte, fassten die Leute Argwohn, die Fremden möchten ihre Herden stehlen, fielen mit Stöcken über sie her und jagten sie fort.

 

Fridolin flüchtete sich zum Frankenkönig, der ihm durch eine Schenkungsurkunde die Insel überwies und jedem mit dem Tod drohte, der dem Missionar feindlich entgegentrete. Mit diesem Sicherheitsbrief versehen, kehrte der Heilige mit einigen Jüngern zurück und begann den Bau eines Klosters. Bei einem wohlhabenden Mann jener Gegend suchte er Obdach, aber die Frau des Mannes verweigerte ihm der schlechten Zeiten wegen die Unterkunft. Während Fridolin die Zankrede über sich ergehen ließ, kam der gütige Hausherr Wacher herbei, gebot seiner Frau Schweigen und nahm Fridolin gütig auf. Kurz darauf gebar die Frau ein Töchterlein, zu dem der Fremdling als Pate bestellt wurde trotz des Widerspruches der Frau. Je mehr sie aber Fridolin kennen lernte, desto höher achtete sie ihn, ja sie bat ihn sogar, dass er ihre heranwachsende Tochter unterrichte. – Diese Tochter war die erste, die in das später dort errichtete Frauenkloster eintrat und ihre väterliche Mitgift für das Kloster verwandte.

 

Nach dem Tod des Königs Dietrich bereiteten die Bewohner des linken Rheinufers dem Abt Fridolin neue Schwierigkeiten und beanspruchten die Insel, die sie bei niedrigem Wasserstand watend erreichen konnten, als ihr Eigentum. Sie bestellten aus ihrer Mitte Schiedsrichter, von denen Fridolin kein günstiges Urteil hoffen durfte. Vertrauensvoll legte er seine Sache in Gottes Hand, kniete in der Nacht vor dem Urteilsspruch am Ufer nieder und betete, Gott möge den Strom auf die linke Seite wenden. Als am anderen Morgen die Richter und das Volk erschienen und die wunderbare Veränderung sahen, erkannten sie, dass Fridolin von Gott gesandt sei, baten ihn um Verzeihung und behandelten ihn fortan mit Ehrerbietigkeit.

 

Nachdem die Hindernisse überwunden waren, baute Fridolin zwei Klöster für Mönche und Nonnen, nahm Novizen auf, sorgte für strenge Zucht und pflegte den Geist der Frömmigkeit und Tugend bei seinen Untergebenen durch Wort und Beispiel. Wie die vormals wüste Insel sich in einen anmutigen, fruchtbaren Garten verwandelte, so wuchs die ausgestreute Saat des göttlichen Wortes herrlich in den Seelen der Landesbewohner weit und breit, denn Fridolin durchpilgerte den Schwarzwald, Baden und Württemberg um das Christentum überallhin zu verbreiten. Das Volk wallfahrtete gern zum Kloster Fridolins, manche ließen sich dort nieder und so entstand die Stadt Säckingen. Das Kloster Fridolins war das erste in Schwaben und wurde eine Pflanzschule der christlichen Lehre für weite Kreise.

 

Für den Unterhalt der Gründung hatte der kinderlose Ursus von Glarus Fridolin zum Erben seines Vermögens eingesetzt. Nach Ursus Tod wollte dessen Bruder Landolt das Vermächtnis nicht anerkennen, obwohl er es früher getan hatte. Fridolin forderte sein Recht, aber der Richter verlangte vom Kläger lebende Zeugen für die Gerechtigkeit seiner Ansprüche. Fridolin versprach sie ihm. Er eilte nach Glarus, ließ in Gegenwart vieler Menschen das Grab des Ursus öffnen und befahl dem Toten im Namen Gottes aufzustehen. Ursus richtete sich sogleich auf und ging mit Fridolin zum Gericht. Todesschrecken durchschauerte alle, als der Auferstandene mit hohler Stimme sprach: „Bruder Landolt, warum raubst du mein Eigentum, das ich mit deiner Zustimmung dem Abt Fridolin geschenkt habe?“ Landolt erwiderte zitternd: „Verzeihe mir, bester Bruder! Nicht nur dein Eigentum will ich vollständig zurückgeben, sondern auch mein ganzes Vermögen dazu.“ Er hielt Wort. Gott preisend führte Fridolin den Toten zu seiner stillen Gruft zurück und wirkte ungehindert Großes und Unvergängliches, bis er hochbetagt sein Leben am 6. März 540 beschloss. Durch die Fürbitte des Heiligen geschahen viele Wunder, und zahllose Menschen pilgerten zu seinem Grab in Säckingen. Der Kanton Glarus verehrt ihn dankbar als seinen Landespatron und führt im Wappen sein Bild, das ihn als Pilger im Mönchsgewand auf sprossenden Rosen wandernd darstellt, ein passendes Sinnbild für seine vielseitige Wirksamkeit, da er nicht nur die Wildnis in blühendes Land verwandelte, sondern auf die Herzen roher und heidnischer Völker zu den schönsten Blüten christlicher Tugenden heranbildete. Der heilige Fridolin gibt uns einen schlagenden Beweis, wieviel ein einziger Mensch zu erreichen vermag, wenn eine flammende Gottesliebe sich mit mächtiger Tatkraft und unbeugsamer Ausdauer verbindet.

 

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Wie erschrak das anwesende Volk, als auf das Gebet des heiligen Fridolin die Totengruft des Ursus sich öffnete, die modernde Leiche neues Leben erhielt und an der Hand des Heiligen zum Gerichtshof eilte, um Zeugnis für die Wahrheit abzulegen! Wie entsetzte sich Landolt, als er seinen längst verstorbenen Bruder leibhaftig vor sich stehen sah und aus seinem Mund die bittersten Vorwürfe wegen seiner Ungerechtigkeit hörte! Weit grauenvoller wird das Weltgericht werden, wo sich auf den Schall der Posaune alle Gräber öffnen und alle Völker aller Zeiten vor dem Richterstuhl des Allgerechten und Allwissenden erscheinen müssen, wo die Sünden eines jeden Menschen offenbar werden vor der ganzen Welt und das Endurteil gesprochen wird. Stellen wir uns dieses Weltgericht unserem Geist vor!

 

Der heilige Thietmar, Bischof und Bekenner von Minden, Westfalen,

+ 6.3.1206 – Fest: 6. März

 

Die ausgezeichneten und leuchtenden Tugenden des heiligen Thietmar sind mehr dem Himmel bekannt, als der Erde, denn aus seinem Leben ist uns nur wenig überliefert, aber dieses Wenige reicht hin, uns eine hohe Verehrung zu diesem Heiligen einzuflößen.

 

Thietmar war von Geburt ein Bayer und zeichnete sich durch ein umfangreiches Wissen und durch große Frömmigkeit derart aus, dass er nach dem Tod des Bischofs Anno, des Grafen von Blankenburg, im Jahre 1185 zu dessen Nachfolger auf dem Bischofsstuhl zu Minden ernannt wurde. Anfangs regierte er in Ruhe und Frieden, als aber nach dem Tod Kaiser Heinrichs IV. der Herzog Philipp von Schwaben und Otto, der Sohn Heinrichs des Löwen, sich um die Kaiserkrone stritten, wurde Westfalen und das ganze Römische Reich in Mitleidenschaft gezogen. Diese Streitigkeiten begannen im Jahr 1198 und setzten sich unter mancherlei Wechselfällen fort bis 1207, wo nach vielen beklagenswerten Verwüstungen Philipp unter dem Mordstahl fiel.

 

In dieser bewegten Zeit führte Thietmar die Herrschaft der Kirche von Minden mit solcher Umsicht, Treue und Festigkeit, dass er zu den ausgezeichnetsten und heiligsten Bischöfen Westfalens gezählt werden muss. Seine Gefühle und Neigungen zügelte er mit dem Zaum der Vernunft, so dass er den Menschen abgelegt zu haben schien. Seine besondere Sorge im Hirtenamt ging dahin, dass er sein Leben nicht nur von jedem Fehler rein erhielt, sondern auch mit dem Glanz der vorzüglichsten Tugenden schmückte, denn er wusste, dass auch die Bischöfe das Wort des heiligen Bernhard angehe: „Bedenke, dass du sein musst ein Bild der Gerechtigkeit, ein Spiegel der Heiligkeit, ein Muster der Frömmigkeit, ein Bekenner der Wahrheit, ein Verteidiger des Glaubens, ein Lehrer der Völker, ein Führer der Christen.“

 

Seinem Leib gestattete Thietmar auch im vorgerückten Alter nicht viel, ja er quälte ihn durch häufiges Fasten und Enthaltung von Speise und Trank so sehr, dass er vor der Zeit aufgerieben wäre, wenn ihn Gott nicht auf wunderbare Weise gestärkt hätte. Als er einst am Karfreitag den heiligen Dienst vollendet hatte und diesen Tag nach seiner alten Gewohnheit bei Wasser und Brot fasten wollte, obgleich seine herabgekommenen Körperkräfte eine solche Strenge nicht mehr ertragen konnten, verwandelte sich das aus dem Brunnen geschöpfte Wasser in Wein. Er wies diesen köstlichen Trank zurück und verlangte Wasser. Wieder und wieder verwandelte sich das frisch geschöpfte Wasser in Wein. Der heilige Bischof meinte, der Diener betrüge ihn, stand deshalb vom Tisch auf, beobachtete den Diener genau und ließ von neuem vor seinen Augen Wasser aus dem Brunnen schöpfen, damit keine Täuschung unterlaufen könnte. Als er wieder bemerkte, dass sich das Wasser in Wein verwandelt habe, nahm er den Trank als eine Himmelsgabe mit tiefster Gemütsbewegung und dankte Gott, dass er ihn trotz seiner Unwürdigkeit mit einem so wunderbaren Getränk gestärkt habe.

 

Während der Amtsführung Thietmars und ohne Zweifel unter seiner tätigen Beihilfe gründete sein Blutsverwandter Simon, Propst an der Kathedralkirche zu Minden, das Nonnenkloster in Neudorf. Nachdem er 21 Jahre unter schwierigen Zeitverhältnissen sein bischöfliches Amt ruhmvoll und segensreich geführt hatte, starb der heilige Thietmar am 6. März 1206 und wurde in der Domkirche begraben, wo viele Wunder sein Andenken verherrlichten.

 

Der heilige Chrodegang, Bischof und Bekenner von Metz,

+ 6.3.766 – Fest: 6. März

 

Einer der verdientesten und ausgezeichnetsten Männer seiner Zeit war der heilige Chrodegang. Er war um das Jahr 712 im Haspengau im Bistum Lüttich aus einem der vornehmsten fränkischen Familien geboren und im königlichen Palast erzogen. Zu St. Trond in der Abtei des heiligen Trudo ausgebildet, stand er im Ruf höchster Gelehrsamkeit und Frömmigkeit. Er erwarb sich so sehr das unbegrenzte Vertrauen des allgewaltigen Frankenherzogs Karl Martell, dass er ihn zum Reichskanzler und im Jahr 737 zum ersten Minister erhob. Obgleich er am Hof zu leben genötigt war, führte er dennoch ein strenges, von jeder weltlichen Genusssucht weit entferntes Leben. Er wurde, während er sich nur das Unentbehrlichste gestattete, der Wohltäter jedes Hilfsbedürftigen und ein Vater der Armen. Nach der Schilderung seines Biographen war er „ein in jeder Hinsicht hervorragender Mann, von schöner Gestalt, beredsam, der vaterländischen wie der lateinischen Sprache gleich mächtig, ein Förderer des Klosterlebens, ein Tröster und Beschützer der Witwen und Waisen.“

 

Nach dem Tod Karl Martells wurde Chrodegang am 1. Oktober 742 zum Bischof von Metz erwählt, doch musste er Pipin dem Kurzen das Versprechen geben, dass er seine Dienste als Staatsminister fortführe. Der heilige Mann wusste beide Würden miteinander aufs Beste zu vereinigen und blieb in seiner doppelt hohen Stellung ein Beispiel der Demut, der Einfachheit und Gottesfurcht, ein ebenso treuer Diener der Kirche wie des Staates. Als Pipin den Königsthron der Franken bestiegen hatte, sandte er Chrodegang an Papst Stephan III., der von den Langobarden schwer bedrängt wurde, um ihn einzuladen, in Frankreich so lange eine Zufluchtsstätte zu nehmen, bis er den Übermut der Langobarden gebeugt hätte. Glücklich geleitete Chrodegang den Heiligen Vater über die Alpen nach der Champagne, wo ihn Pipin mit seiner ganzen Familie und den Großen des Reiches ehrfurchtsvoll empfing und ihm das Kloster St. Denis bis zum glücklichen Ausgang seiner Angelegenheit zur Verfügung stellte. Pipin, den der Papst zum König salbte, sandte im Jahr 753 den Bischof Chrodegang zum Langobardenkönig Aistulph, um ihn zu beschwören, seine Feindseligkeiten gegen Rom einzustellen und dem Heiligen Stuhl die ihm entrissenen Besitzungen zurückzugeben. Chrodegang entledigte sich seines Auftrages mit der vollen Kraft seiner Beredsamkeit, doch vermochte er nichts gegen den unbeugsamen Aistulph. Da ließ Pipin den wortbrüchigen Langobarden die volle Schwere seines sieggewohnten Armes fühlen, zwang ihn zur Herausgabe seines Raubes und gab dem Heiligen Vater sein rechtmäßiges Besitztum zurück.

 

Während der umsichtige Bischof und Kanzler Chrodegang für das Wohl der Kirche und des Staates mit gleichem Eifer sorgte, lag ihm besonders die Herstellung einer strengen Kirchenzucht am Herzen, und nichts schien ihm geeigneter, die Wissenschaft und Frömmigkeit unter der Geistlichkeit zu fördern, als das gemeinschaftliche Leben. Nach dem Beispiel der heiligen Bischöfe Eusebius Vercelli und Augustinus von Hippo versammelte Chrodegang die Geistlichkeit von Metz um seine bischöfliche Kirche zu einem gemeinschaftlichen, kanonischen Leben, errichtete geräumige Gebäude in der Nähe der Kathedralkirche, in denen die Geistlichen, Kanoniker genannt, unter der unmittelbaren Aufsicht des Bischofs gemeinschaftlich ihr Brevier beteten, gemeinschaftlich aßen und wohnten und sich mit Wissenschaften beschäftigten. So verwandelte er das Kapitel seiner Kathedrale in eine religiöse Genossenschaft, für die er eine eigene, aus 34 Kapiteln bestehende Regel schrieb, deren erstes die Demut als die Grundfeste aller übrigen Tugenden empfiehlt. Chrodegang ist demnach der Wiederhersteller des kanonischen Lebens in der katholischen Kirche, und nach seinem Beispiel gründeten die Bischöfe Deutschlands, Frankreichs und Englands an ihren Kathedralen ähnliche Kanonikate. Die Regel Chrodegangs, die sich durch Einfalt, Frömmigkeit und strenge Ordnung empfiehlt, übte einen höchst segensreichen Einfluss auf das kirchliche Leben.

 

Auch um die würdige Feier des Gottesdienstes erwarb sich Chrodegang hohe Verdienste. Mit bedeutenden Kosten verschönerte er die Kirchen St. Stephan und St. Peter zu Metz, ließ die abgebrannte Kirche zu Verdun wiedererbauen, gründete das Kloster St. Peter an der Mosel und das zu Gorze in Lothringen und besetzte beide mit Benediktiner-Mönchen, errichtete das berühmte Stift Lorsch im Bistum Worms und gab ihm seinen Bruder Gundeland zum Abt. Von Papst Paul I. erhielt er drei heilige Leiber zum Geschenk. Die Reliquien des heiligen Märtyrers Nazarius übertrug Chrodegang nach Lorsch, die des heiligen Gorgonius und Nabor verehrte er den beiden anderen Klöstern St. Peter und Gorze. Alle seine Stiftungen versah der umsichtige und wohltätige Oberhirt mit reichlichen Gütern.

 

Um ihn für seine großen Verdienste zu belohnen, übersandte ihm Papst Stephan III. das Pallium und übertrug ihm das Recht, sämtliche Bischöfe in ganz Frankreich weihen zu dürfen.

 

Nachdem der heilige Bischof Chrodegang 23 Jahre dem Bistum Metz vorgestanden, für die wissenschaftliche und sittliche Bildung der Geistlichen, für die Feier des Gottesdienstes durch Einführung des römischen Kirchengesanges und für das religiöse Leben unsterbliche Verdienste gewonnen, ging er zur wohlverdienten Ruhe ein am 6. März 766. Sein Leib wurde seinem Willen gemäß im Kloster Gorze bestattet.

 

Die heilige Koleta (Nicolette) Boilletta,

Nonne (Klarissin) und Ordensstifterin von Gent,

+ 6.3.1447 – Fest: 6. März

 

Diese Heilige war schon ein Gnadenkind unmittelbar durch ihre Geburt, denn sie wurde ihrer Mutter geschenkt, als diese bereits 60 Jahre zählte und bisher überhaupt jeder Aussicht auf Kindersegen entbehrt hatte. Der Geburtsort Koletas aber war die Stadt Corbie in Flandern. Schon als Kind legte sie einen ungewöhnlichen Ernst an den Tag und befliss sich der Nächstenliebe, des Gebetes und der Enthaltsamkeit. Als sie, älter geworden, sich dessen bewusst wurde dass sie ein schönes Angesicht habe, bat sie Gott, er möge es entstellen, damit es niemand Anlass zur Sünde sein. Andererseits aber bat sie den Herrn auch in ihrem vierzehnten Lebensjahr, er möge ihrem Körper, der im Wachstum zurückgeblieben war, die erforderliche Größe verleihen und siehe, beide Bitten fanden Erhörung. Noch in der Welt befindlich, wurde sie doch schon himmlischer Verzückungen und Erscheinungen gewürdigt. Nach dem Tod ihrer Eltern verteilte sie ihr Vermögen unter die Armen und trat in den Dritten Orden des heiligen Franziskus ein, wo sie noch viel mehr als bisher ein Leben der Selbstverleugnung und Bußstrenge führte. Indes war ihr von der göttlichen Vorsehung eine ganz eigenartige Aufgabe zugewiesen: nämlich den Klarissenorden (Orden der heiligen Klara), dessen Zucht und Strenge da und dort nachgelassen hatte, zu reformieren. Eine schwierige und heikle Sache! Und wie sollte gerade Koleta, die doch nur dem Dritten Orden angehörte, dazu berufen sein? Daher zögerte sie auch zunächst, sich dieser Aufgabe zu unterziehen. Als sich aber der Wille Gottes wiederholt und in unzweideutiger Weise kundgab, ging sie mutig ans Werk.

 

Koleta trat nun vor allem selbst in den Klarissenorden über und legte im Jahr 1406 zu Nizza vor Kardinal de Luna Profess ab. Von ihm erhielt sie alle nötigen Vollmachten zu der beabsichtigten Reform. Sie führte diese auch ungeachtet aller Schwierigkeiten mit bewunderungswürdiger Klugheit und Tatkraft durch. Es entstand auf Grund dieser Tätigkeit Koletas sogar ein neuer Zweig des Klarissenordens, der nach ihr den Namen Koletinerinnen bekam und hauptsächlich in ihrer Heimat selbst, in Frankreich, Verbreitung fand. Dem Tugendleben der Heiligen tat aber dieses arbeitsreiche äußere Wirken keinen Eintrag. Sie beobachtete die strengste Armut – ganz im Geist des heiligen Franziskus und der heiligen Klara – und war stets voll der Liebe den Nächsten gegenüber, voll Geduld, Demut und Sanftmut. Dafür war sie aber auch so erleuchteten Geistes, dass sie zukünftige Dinge voraussagen und über die Glaubenswahrheiten in wunderbar tiefsinniger Weise sprechen konnte. Schon im Jahr 1412 war sie Äbtissin (zu Besancon) geworden und in dieser Stellung starb sie auch wohlvorbereitet, geduldig und bußfertig, jede Erleichterung in ihrer Krankheit von sich weisend, zu Gent in Flandern am 6. März 1447. Papst Pius VII. hat sie im Jahr 1807 unter die Zahl der Heiligen versetzt.

 

Die heilige Koleta war in ihrer Jugend auf ihre körperliche Schönheit nicht nur nicht eitel, sondern trat ihr sogar feindlich entgegen. Wohl sind auch die Vorzüge der Natur Gaben Gottes, für die man ihm danken und die man gut anwenden muss, aber im Vergleich zur unsterblichen Menschenseele und zum Seelenheil kommt ihr Wert kaum in Betracht. Da dürfen sie dann auch zurückgesetzt, missachtet und bekämpft werden, besonders wenn sie uns etwa direkt Anlass zur Sünde wären. Das ergibt sich aus den Worten des Heilandes: „Wer sein (natürliches) Leben gewonnen hat, wird es verlieren, und wer es verloren hat um meinetwillen, wird es gewinnen.“ (Mt 10,39) Ja, es ist keineswegs unser Schaden, wenn wir die Natur um des Seelenheiles willen zu kurz kommen lassen: Wir werden überreich dafür im Himmel entschädigt werden.

 

Die heilige Rosa von Viterbo, Terziarin, III. Orden OFM, Mystikerin,

+ 6.3.1252 – Fest: 6. März

 

Die heilige Rosa, die von ihrer Vaterstadt Viterbo in Italien den Beinamen hat, war die Tochter eines frommen Ehepaares und diente von zarter Kindheit an dem Herrn mit einer Vollkommenheit, an der sich große Diener Gottes erbauten. Alle Eitelkeiten der Welt ekelten sie an. Sie unterzog sich als schwaches Mädchen schon den strengsten körperlichen Bußübungen und widmete sich inständig dem Gebet, besonders dem der Betrachtung. Der Herr gab sein Wohlgefallen an der ausgezeichneten Tugend der kleinen Rosa dadurch auffallend zu erkennen, dass er auf ihr Gebet eine verstorbene Anverwandte wieder ins Leben zurückrief. Ihr Anblick allein forderte jeden, der ihr begegnete, zur Liebe jungfräulicher Reinheit auf, die sie als den höchsten Schatz ganz unbefleckt bewahrte. Ihre Liebe zu den Armen hatte etwas Außerordentliches. Als sie eines Tages zur Winterszeit ihnen heimlich Brot bringen wollte, das sie sich vom Munde abgespart hatte, begegnete ihr der Vater und befahl, ihm zu zeigen, was sie so verborgen trage. Sie öffnete das Tuch, und anstatt des Brotes zeigten sich die schönsten Rosen. Voll Sehnsucht nach der heiligen Einsamkeit wählte sie sich ein abgelegenes Kämmerlein des Hauses zum Aufenthalt, schloss sich dort wie in einen Kerker ein und verrichtete unausgesetzt harte Bußwerke und heiße Gebete, um von Gott für die Kirche den Frieden zu erflehen, der durch Kaiser Friedrich II. auf betrübende Weise gestört wurde. Durch die anstrengende Abtötung verfiel sie in eine lebensgefährliche Krankheit, in der sie durch eine Erscheinung der allerseligsten Jungfrau begnadet wurde und den Auftrag erhielt, in den dritten Orden des heiligen Franziskus zu treten. Sie tat dies sogleich nach der Genesung und trug nach Kräften bei, dass viele Menschen von ihren Verirrungen zurückkehrten und sich an das sichtbare Oberhaupt der Kirche fest und treu anschlossen, weshalb sie mit der ganzen Verwandtschaft vom Kaiser aus der Stadt vertrieben wurde und erst nach dessen Tod, den sie im prophetischen Geist genau vorausgesagt hatte, wieder dahin zurückkehren konnte. Im Alter von 16 Jahren suchte sie die Aufnahme im Nonnenkloster zur heiligen Maria von den Rosen nach, wurde jedoch wegen ihrer Dürftigkeit abgewiesen. „Was ihr der Lebenden versagt, werdet ihr der Gestorbenen gerne bewilligen“, sprach sie zu den Nonnen, und kehrte ruhig und getrost in ihr Kämmerlein zurück, wo sie noch gegen zwei Jahre als würdige Braut Jesu verlebte, bis sie voll der Verdienste in ihrem 18ten Lebensjahr gottselig entschlief. Dreißig Monate nach der Beerdigung wurde auf Befehl des Papstes Alexander IV., der sich gerade zu Viterbo aufhielt, ihr Leichnam erhoben, noch vollkommen erhalten und beugsam gefunden, und dann in der Kirche jenes Klosters, das ihr die Aufnahme verweigert hatte, nachher aber nach ihr benannt wurde, mit größter Feierlichkeit beigesetzt. Sie starb um das Jahr 1252.

 

7. März

 

Der heilige Theophilus, Bischof und Bekenner von Nikomedia,

+ 7.3.845 – Fest: 7. März

 

Der heilige Theophilus, der den Beinamen Theophorus hat, wurde im Morgenland geboren. Er kam in seiner Jugend nach Konstantinopel, wo ihn der heilige Tharasius, als er noch geheimer Minister am kaiserlichen Hof war, mit größter Sorgfalt sowohl in allen Wissenschaften als in der christlichen Frömmigkeit zu einem der hoffnungsvollsten Jünglinge heranbildete. Als sein ehrwürdiger Lehrer wegen seiner hohen Tugenden und gründlichen Gelehrsamkeit zum Patriarchen von Konstantinopel erwählt wurde, verließ der fromme Theophilus die Kaiserstadt und begab sich aus Sehnsucht nach einem einsamen Leben in ein Kloster am Schwarzen Meer, wo er sich ganz dem Gebet und der Betrachtung himmlischer Wahrheiten weihte. Im Gefühl seiner tiefen Demut übertraf er bald an Gehorsam, der Selbsterniedrigung und Abtötung die geübtesten Ordensmänner und der Ruf seiner Kenntnisse in den Heilswissenschaften und seines heiligen Lebens verbreitete sich so sehr, dass er auf einstimmiges Verlangen der Christen zu Nikomedia zum Bischof dieser Stadt gewählt wurde. So ungern er die stillen Mauern seines Klosters verließ, in dem er so selige Tage im Umgang mit Gott verlebte, so empfing er doch, ohne sich zu weigern, nach einer strengen Selbstprüfung und genauen Vorbereitung die bischöfliche Weihe und trat mit einem glühenden Eifer für die Ehre Gottes und das Seelenheil seiner Herde das heilige Amt an. In seiner Kirche und besonders unter seinen Geistlichen führte er die alte, heilige Kirchenzucht der apostolischen Zeiten ein. In Nikomedia bemerkte man bald die seligen Früchte, die nur aus der wahren Frömmigkeit und aus der reinen Liebe zu Gott und den Mitmenschen entspringen. Nach dem Tod des heiligen Tharasius wurde Nicephorus zum Patriarchen in Konstantinopel erwählt, und weil damals der Kaiser Leo Armenus die Kirche Christi verfolgte, indem er alle Bilder der Heiligen und die Altäre zerstörte, berief der heilige Oberhirt die katholischen Bischöfe und besonders den eifrigen Theophilus, dass sie vor dem Kaiser die Verehrung der heiligen Bilder verteidigten. So deutlich und klar die versammelten Kirchenväter aus den apostolischen Überlieferungen und aus den ältesten Urkunden der Kirche bewiesen, dass die Bilderverehrung kein Götzendienst sei, so wurden sie doch verfolgt. Der heilige Theophilus musste auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers seinen bischöflichen Sitz verlassen und in das Elend wandern. Dreißig Jahre lang lebte er in Carien am Fluss Meander in der größten Armut und starb schließlich am 7. März im Jahr 845 im Ruf der Heiligkeit. Zwei Jahre danach wurde sein Leichnam nach Nikomedia gebracht und in der bischöflichen Kirche beigesetzt.

 

Der heilige Johannes von Gorze, Benediktinerabt,

+ 7.3.974 – Fest: 7. März

 

Der Anfang des 10. Jahrhunderts bezeichnet eine trübe Zeit in der Geschichte des Reiches Gottes. Aber je schwärzer die Nacht, umso heller und hoffnungsreicher leuchten die Sterne. Die Klöster lagen in Asche und Trümmern, die Klostergüter waren im Besitz adeliger Herren, die die wenigen Mönche, die vielleicht noch ihr Dasein fristeten, in Elend und Hunger verkommen ließen. Da erweckte Gott starke Männer, die mit äußerster Zähigkeit gegen diese Zustände ankämpften und in Kraft ihrer Heiligkeit unüberwindliche Hindernisse besiegten. Eine solche Gestalt war der heilige Johannes von Gorze.

 

Johannes war der Sohn ziemlich wohlhabender Pächtersleute in der Gegend von Metz. Im Kloster St. Mihiel wurde er zum Kleriker herangebildet. Er hatte aber seine Studien noch nicht abgeschlossen, als sein Vater starb und er die Verwaltung des Familienerbes übernehmen musste. Hier eignete er sich jene Geschäftsgewandtheit an, die ihm später von großem Nutzen war. Zum Mann herangereift, wurde er zum Pfarrer an der Kirche des heiligen Laurentius in Fontenay bestellt. Mit erneutem Eifer warf er sich jetzt auf das Studium der heiligen Wissenschaften und suchte engeren Kontakt mit heiligen Personen, um selbst in der Heiligkeit voranzuschreiten. Eines Tages merkte er zufällig an einer zarten Klosterjungfrau, namens Geisa, ein härenes Bußhemd. Ganz erschüttert von diesem Anblick rief er aus: „Weh mir elendem Feigling, soviel Zeit habe ich schon vertan in unfruchtbarem, ja verworfenem Leben!“ Mit dem ganzen Feuer seines Naturells erfasste er nun ebenfalls die Übung der Abtötung, besonders pflegte er das strengste Fasten, mit dem Schlaf führte er einen beständigen Krieg. Nachdem er eine Wallfahrt zu den Heiligtümern Italiens gemacht hatte, ließ er sich als Einsiedler im Argonnenwald nieder. Gleichgesinnte Männer gesellten sich ihm bei. Da aber der Ort für eine Klostergemeinschaft zu unwirtlich und unfruchtbar war, beschlossen sie nach dem Süden zu ziehen und unter dem heiteren Himmel Italiens eine Stätte des Gebetes und der Kulturarbeit zu gründen. Als aber Bischof Adalbero von Metz davon hörte, ließ er so heilige und reformeifrige Männer nicht aus dem Land. Auf ihren Wunsch hin gab er ihnen die gänzlich verfallene und heruntergewirtschaftete Abtei Gorze zur Wiederherstellung. 933 zogen die Brüder ein. Abt Einold übertrug Johannes die Sorge für die gesamte Klosterwirtschaft und da konnte sich nun die Klugheit und Umsicht des Heiligen bewähren. Unglaublich waren die Schwierigkeiten, die er hatte, um wenigstens einiges Klostergut von den adeligen Herren herauszubekommen. So schickte ihn einst der Abt und der Konvent zum burgundischen Grafen Boso, um ungerecht angeeigneten Gorzeschen Besitz von ihm zurückzufordern. „Packt Euch auf der Stelle fort!“ war die Antwort, die er von ihm erhielt. Aber unerschrocken erwiderte der Heilige: „Ich kann das besorgen. Aber immer andere, mehr an Zahl und stärker an Macht, werden an Stelle der Vorausgehenden treten und vor ihrem Gebell werdet ihr, solange ihr lebt, keine Ruhe mehr haben.“ Schließlich drohte ihm der Rasende in heller Wut: „Mit deinen Gliedern sollst du mir büßen!“ Und Johannes antwortete mit seiner sich gleichbleibenden Ruhe: „Das könntet Ihr ja leicht tun: mir bereitet Ihr dadurch keinen allzu großen Schmerz. Wenn Ihr mich zum Beispiel der Augen beraubt, dann befreit Ihr mich von großer Sorge und Arbeit. Ich kann mich ruhig hinsetzen und mich ganz in die Psalmen und die Betrachtung versenken.“ Schon wollte ihn der Wüterich wirklich ergreifen lassen, da rettete ihn das Dazwischentreten der Gräfin vor grausamer Verstümmelung und dem Tod. Sie ließ ihn wieder nach Gorze zurückgeleiten. Dass der Graf aber schließlich doch dem Verlangen der Mönche nachkommen musste, dafür sorgte Gott. Kaum hatte der Heilige das Schloss verlassen, befiel Boso eine schwere Krankheit, so dass er schon glaubte, er müsse sterben. In seiner Not schickte er einen Boten an Johannes. Und als er kam, rief er ihm gleich entgegen: „Du sollst die Besitzungen haben, die du gefordert hast, und wenn etwas verschleudert ist, will ich es mit echtem Gold bezahlen.“ Vom selben Augenblick an fühlte sich der Graf wieder besser.

 

Nun könnte man glauben, dass der heilige Johannes bloß im Verkehr mit der Außenwelt solche Schwierigkeiten gehabt und dass seine Mitbrüder ihn wegen seiner erfolgreichen Verwaltung hochgeehrt hätten. Aber das geschah erst nach Jahren. Auch mit den Minderbrüdern musste Johannes oft größte Geduld üben, besonders wenn ihn sein Prior recht hart anließ oder die Mönche ihn unverständig als einen Geizhals und Heuchler tadelten. Schweigen und mit noch größerer Liebe für seine Mitbrüder sorgen, das war die Vergeltung und die Waffe des Heiligen. Wunderbar ist auch, dass Johannes trotz seiner Unmenge von äußerer Arbeit in nichts nachließ von seiner früheren Strenge und seinem Gebetseifer. Da er bei Tag nicht seinen Andachtsübungen nachgehen konnte, weilte er oft ganze Nächte in der Kirche. Seine Nahrung war gewöhnlich ein Stücklein Brot und ein Trunk Wasser. Erst später, als sein geschwächter Körper die Last der Verwaltung nicht mehr tragen konnte, milderte er auf Befehl des Abtes seine Strenge.

 

Mit der Zeit fand das Wirken des Heiligen auch seine Anerkennung. 953 vertraute ihm der deutsche König Otto der Große eine Gesandtschaft an den Hof des Kalifen Abderrahman nach Cordoba an. Johannes hatte sich selbst dazu gemeldet in der geheimen Hoffnung, er könnte auf diesem Weg der Marterkrone teilhaftig werden. Der Kalif begegnete ihm mit stärkstem Misstrauen und suchte ihn durch mancherlei Drohungen zu bewegen unverrichteter Dinge heimzukehren. Aber die Zähigkeit des heiligen Johannes bewährte sich auch hier. Drei Jahre lang wich er nicht, bis der Kalif seinerseits einen Gesandten nach Deutschland geschickt und dieser wieder zurückgekehrt war. Eine solche Ausdauer erregte die Bewunderung des Kalifen. Er ließ den Mönch vor seinem Angesicht erscheinen. In seinem Ordenskleid trat er vor den Muselman, der ihn sehr gnädig aufnahm und ihn vor allen auszeichnete. In der Folge gewährte der Araberfürst dem bescheidenen Mönch noch mehrmals Audienz, um mit ihm als Freund sich zu unterhalten. Schließlich sandte er ihn mit vielen Ehren wieder in seine Heimat.

 

In Gorze starb einige Jahre darauf Abt Einold und wen anderen hätten die Brüder an seine Stelle setzen sollen als den eigentlichen Neubegründer des Klosters, den heiligen Johannes? Über seine Tätigkeit als Abt ist uns kein Bericht mehr erhalten. Am 7. März 974 schied er nach kurzer Krankheit von hinnen. An seinem Sterbelager standen die Äbte der Klöster von Metz und Umgebung und boten ihm den Trost, dass der Geist seiner Reform auch nach seinem Tod weiterleben werde.

 

„Geduld überwindet alles“ hat einst der heilige Petrus geschrieben. Für diese Ausdauer und Konsequenz ist uns der heilige Johannes ein Vorbild. Vor allem muss sich diese Ausdauer gegen uns selbst richten. Wir dürfen nicht nachlassen im Kampf gegen uns selbst, in der Unterjochung unseres Leibes und unseres Willens. Willensmenschen haben immer eine gewisse Herbheit an sich, die muss gemildert werden durch Liebe. Eiserner Wille vermählt mit Liebe ist aber dann unüberwindlich.

 

8. März

 

Der heilige Johannes von Gott, Ordensstifter von Granada, Spanien,

+ 8.3.1550 - Fest: 8. März

 

Fastenzeit ist Bußzeit; aber wenn sich ein Sünder bekehrt und Buße tut, so ist über ihn im Himmel mehr Freude als über neunundneunzig Gerechte, die nicht Buße tun wollen.

 

Johannes von Gott hat sich bekehrt und Buße getan.

 

Johannes wurde als Sohn eines portugiesischen Bauern im Jahr 1495 geboren. Warum er mit acht Jahren bereits daheim durchbrannte, ist nicht bekannt. Nur dass er durchbrannte, ist bekannt. Weit kam der Junge mit den kurzen Beinen nicht. Bald zwang ihn der Hunger, die Schweine eines reichen Herrn zu hüten. Wer nun meint, Johannes hätte in dieser Lage so gehandelt wie der verlorene Sohn im Evangelium, der irrt sich. Nein, Johannes kehrte nicht heim, sondern lief immer weiter in die Welt hinein. Bald war er Soldat und bald wieder Schäfer oder Knecht und dann wieder Soldat im steten Wechsel. Als Landsknecht mit Spieß und Hellebarde, mit Armbrust und Hakenbüchse wanderte der lose junge Mann lustig durch Spanien, Ungarn und Polen, trank, fluchte, würfelte und plünderte nach Landsknechtsart landauf und landab, bis er eines Tages allein und ohne Schutz wütenden Bauern in die Hände fiel, die ihn aus Rache für die ewigen Plünderungen der Söldner an den nächsten Baum aufknüpfen wollten. Zwar konnte sich Johannes im letzten Augenblick vor dem Tod retten, aber vom Soldatenleben hatte er für immer genug.

 

Der verlorene Sohn kehrte endlich heim. Johannes, dem der Schreck vor dem Strick, dem er gerade entlaufen war, noch tief in den Gliedern saß, kam daheim durch die Meldung vom Tod der Eltern ganz aus der Fassung. Denn er war es doch, der ihren Kummertod verursacht und verschuldet hatte. Zugleich packten ihn auch das Entsetzen über das schlechte Leben, das er geführt hatte, und die Furcht vor Gottes Gericht, das ihm bevorstand. Johannes wurde schwermütig und erforschte immerfort ängstlich sein Gewissen.

 

Lieb hat es da die göttliche Vorsehung gefügt, dass Johannes gerade in dieser verzweifelten Lage einem heiligen Priester, dem seligen Johannes von Avila begegnete. Der beruhigte ihn, nahm ihm die Angst vom Herzen und wies ihm den richtigen Weg aus der Not. Er sagte ihm nämlich, dass er durch ein Leben im Dienst der barmherzigen Liebe vieles wiedergutmachen könne, was verkehrt gewesen sei.

 

Johannes verstand sofort, was gemeint war. Vom gleichen Tag an führte er ein Leben, das einzig schön ist. Bald war er weitum als gütiger Armenvater bekannt. Alles was er besaß verteilte er an die Notleidenden. Dann erbettelte er Geld und baute ein Spital, in das er alle unentgeldlich aufnahm, die arm und krank waren. Von früh bis spät bediente er wie ein barmherziger Samariter die Pfleglinge, reinigte Zimmer, Gänge und Treppen, richtete die Betten zurecht, verband die Wunden, betreute auf alle Art die Kranken, ermunterte und tröstete sie und bereitete sie auf den Empfang der heiligen Sakramente vor. Täglich tat Johannes das mit unverdrossenen Eifer und restloser Hingabe zwölf Jahre lang bis zu seinem Tod.

 

Als Johannes sich eines Abends, nachdem er den Tag hindurch ohne Pause den Kranken gedient hatte, übermüdet in seine Zelle zurückziehen wollte, um wenigstens ein Weilchen zu ruhen, brachte man ihm zu später Stunde noch einen unbekannten Bettler ins Haus, dessen Füße nur noch eiternde, übelriechende Beinstümpfe waren. Mutig überwand Johannes die bleierne Müdigkeit und den aufsteigenden Ekel, und mit einer Liebe, wie sie nur Heilige aufbringen können, machte er sich daran, die Wunden des Fremden mit warmem Wasser zu waschen. Und während er es tat, leuchteten plötzlich auf dem Fußrücken des Bettlers die heiligen Wundmale Christi auf. Da fiel Johannes, hingerissen von diesem Glück, vor dem unbekannten Bekannten auf die Knie und stammelte mit vor Freude zitternden Lippen die Worte: „Das bist du ja, Herr!“ Doch da war der Fremde bereits verschwunden.

 

Der heilige Johannes von Gott, der später den segensreichen Orden der Barmherzigen Brüder stiftete, hat für seine verfehlte Jugendzeit dadurch Buße getan, dass er dem Heiland, der heute noch in den Armen und Kranken weiterleidet, voll Liebe gedient hat.

 

Die heiligen Philemon und Apollonius (Diakon) und ihre Gefährten,

Martyrer von Antinoe, Ägypten,

+ 8.3.277 – Fest: 8. März

 

Im Jahr 310 wurde die Verfolgung des Kaisers Maximian gegen die Christen im morgenländischen Reich am wütendsten. Denn er gab den Befehl, dass jeder Bekenner des christlichen Glaubens ohne weiteres Verhör sollte hingerichtet werden. Unter allen heidnischen Landpflegern war Arianus zu Thebais der grausamste. Ohne Zögern suchte er die Gläubigen auf und ließ sie unter den heftigsten Qualen ermorden. Ascla und Leonides waren die ersten Opfer seiner unbändigen Wut. Während ihre zerstümmelten Leichname noch auf dem Richtplatz lagen, wo alle Mordwerkzeuge aufgestellt waren, führte die Gerichtsdiener die angesehensten Christen der Stadt herbei, zu denen Arianus mit stolzer Miene sprach: „Ihr habt die Wahl, entweder den Göttern zu opfern, oder euer Leben unter Henkershand zu verlieren.“ Sogleich traten 37 Bekenner hervor und wählten der Martertod. Aber Apollonius ein Diakon geriet bei dem Anblick der fürchterlichen Leiden der Martyrer in einen solchen Schrecken, dass er sich zurückzog und dem Flötenspieler Philemon, der ein Götzendiener war, viel Geld versprach, wenn er mit ihm Kleider wechseln und statt seiner opfern würde. Aus niederer Gewinnsucht willigte er ein und ging zu dem aufgerichteten Götzenaltar, um das Opfer zu verrichten. Zum Zeichen, dass er ein Christ wäre, machte er zuvor das Kreuz. Aber durch die Gnade Gottes plötzlich verändert, bekannte er, statt den Göttern zu huldigen, Jesus als den wahren Gott. Zornig rief ihm der Landpfleger zu: „Unsinniger! Hast du nicht soeben das schreckliche Ende derer gesehen, die sich zu opfern weigerten?“ Philemon erwiderte: „Ihre heldenmütige Standhaftigkeit hat auch mich entflammt, dass ich für den Namen Jesus zu sterben wünsche.“ Schon wollte ihm der Richter das Todesurteil sprechen, als Theon, ein Bruder des Philemon, auf die Bühne trat und sprach: „Du irrst dich, Landpfleger! Dieser ist mein Bruder, der sich durch die Versprechungen dieses Christen hat betören lassen, statt seiner den Göttern zu opfern. Jenen strafe, meinen verführten Bruder aber überlasse mir, dass ich ihn wieder zur Besinnung bringe.“ Sogleich wurde nun Apollonius zum Richter geführt, der durch die Standhaftigkeit des Philemon gestärkt, unerschrocken das Bekenntnis ablegte, dass er ein Christ sei. Arianus befahl, ihn schmerzlich zu geißeln und dann zu weit größeren Martern in einem Gefängnis aufzubewahren, aber dem Philemon versprach er Ansehen und Würden nebst der Gnade des Kaisers, wenn er Jesus öffentlich verleugnen und lästern würde. Doch der weigerte sich, ein solches Verbrechen zu begehen, und er wurde grausam geschlagen und mit schweren Ketten gefesselt durch die ganze Stadt geführt, wo er vom heidnischen Volk die größten Misshandlungen erdulden musste. Bei seiner Rückkehr rief ihm der Richter spottend zu: „Philemon, wo ist denn dein Gott, dass er dir nicht zu Hilfe kommt und dich von deinem Unglück befreit?“ Und zugleich ließ er ihn an einen Baum hängen und mit Pfeilen nach ihm schießen. Unzählbare Pfeile flogen nach dem Martyrer, aber er flehte zu Gott, seine unendliche Macht den Ungläubigen zu zeigen, und er blieb unverletzt. Zum Staunen aller Anwesenden fielen die Pfeile entweder auf die Erde oder sie hingen unbeweglich in der Luft. Vor Wut näherte sich Arianus dem Baum, um die Sache genau zu untersuchen. Und als er seine Augen emporhob, fiel ein Pfeil plötzlich aus der Luft und durchbohrte ihm das rechte Auge.

 

Von Angst und Schmerzen gefoltert, wälzte er sich auf dem Krankenlager, und rief heulend um Hilfe. Und da ihm diese die Kunst seiner Ärzte nicht gewährte, ließ er den Philemon aus dem Kerker zu sich führen und bat ihn, er möchte zu seinem mächtigen Gott um seine Heilung beten. Aber der Martyrer schlug ihm das ab, weil er fürchtete, er möchte ihn aus Dankbarkeit freilassen. „Wenn ich gestorben bin“, sprach er, „so gehe zu meinem Grab, reinige mit der Erde dort dein Auge und rufe Jesus gläubig an, und du wirst geheilt werden.“ Darüber ergrimmte der Heide und ließ Philemon und Apollonius enthaupten, denn, dachte er bei sich, hat der Christ die Wahrheit gesagt, so erhalte ich mein Gesicht wieder, wenn nicht, so hat er ohnehin den Tod verdient. Fromme Christen beerdigten die Leichname der Martyrer mit größter Ehrfurcht. Schon am folgenden Tag ließ sich der Landpfleger zu den Gräbern führen und nachdem er den Namen Jesus mit Andacht ausgesprochen und sein verwundetes Auge mit Erde gereinigt hatte, wurde es geheilt. Gerührt durch dieses Wunder, bekehrte er sich sogleich zum Christentum und verkündete öffentlich die Macht des wahren Gottes. Diese plötzliche und auffallende Bekehrung eines bisher so heftigen Feindes des Christentums machte großes Aufsehen. Als Kaiser Maximian davon Nachricht erhielt, schickte er sogleich vier Gerichtsdiener mit dem Auftrag ab, den Meineidigen zu ergreifen und vor ein öffentliches Gericht zu stellen, wobei er selbst erschien. Arianus bekannte freimütig, dass er ein Christ sei und dass keine Marter ihn zur Verleugnung des wahren Glaubens zwingen werde. Darüber ergrimmte der Kaiser und ließ den Bekenner mit schweren Ketten binden und ihn mit einem großen Stein am Hals in einen tiefen Brunnen stürzen und sprach: „Wir wollen sehen, ob ihn sein Gott aus meinen Händen befreien kann.“

 

In der folgenden Nacht erwachte der Kaiser und erblickte einen wundervollen Glanz in seinem Zimmer. Er sprang von seinem Lager auf und sieht, Arianus lag im köstlichstem Schmuck in seinem Gemach und neben ihm der große Stein, mit dem er ihn hatte versenken lassen. Vor Angst und Wut brüllte Maximian und als seine Leibwächter herbeieilten, schrie er laut auf: „Seht die teuflischen Künste und die Zaubereien der Christen, die sie durch die Macht ihres Gottes ausüben!“ Aber die Wächter erkannten durch dieses Wunder die Wahrheit der christlichen Religion. Sie schimpften den Kaiser einen Grausamen, der aus Bosheit das Blut unschuldiger Menschen vergieße, und legten schließlich selbst das Bekenntnis ihres Glaubens an Jesus ab. Da ließ sie Maximian in Säcke stecken, die mit Sand gefüllt wurden, und zusammen mit dem Leichnam des Martyrers Arianus in die Tiefe des Meeres versenken. Ihre Leichname trugen Delphine an das Ufer und die christlichen Einwohner zu Antinoum, einer Stadt in Ägypten, beerdigten sie in ihrer Domkirche.

 

9. März

 

Die heilige Witwe Franziska von Rom, Witwe, Ordensstifterin,

+ 9.3.1440 - Fest: 9. März

 

Wie es dem lieben Heiland erging, der nach bitterem Leiden arm am Kreuz verschied, so ähnlich ergeht es ausnahmslos den Heiligen, denn nur in der Schule des Kreuzes kann man heilig werden.

 

Auch bei der heiligen Franziska Romana war das der Fall. Eigentlich hieß sie Franziska Bussi und stammte aus Rom, wo sie in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts geboren wurde. In Rom verbrachte sie das ganze Leben bis zu ihrem Todestag am 9. März 1440. Deswegen nennt man sie zum Unterschied von den vielen anderen Heiligen, die ebenfalls Franziska hießen, Franziska Romana, das heißt Franziska aus Rom.

 

Schön war Franziskas Kindheit, denn sie war die Tochter eines reichen Hauses und hatte eine gute christliche Mutter, von der sie früh Frömmigkeit und Wohltun lernte.

 

Allzugern wäre das junge Mädchen ins Kloster gegangen, um dem lieben Gott allein anzugehören, aber der Vater hatte die Tochter bereits einem adeligen jungen Mann versprochen, und da musste sie sich nach damaligem Brauch fügen.

 

Franziskas Gatte war zwar kein böser Mensch, aber ein Heiliger war er auch nicht. Dass sich trotzdem das Familienleben glücklich gestaltete, verdankt er einzig der Klugheit seiner Frau, die ihn stets als das Oberhaupt des Hauses achtete, ihn liebevoll und zuvorkommend behandelte, ihm nicht widersprach und ihm ruhig und vornehm und fein nur dann die Meinung sagte, wenn er gut gelaunt war. So kam es, dass es in dieser Ehe während vierzig Jahren nie Zank und Streit gab, obwohl Mann und Frau eigentlich nicht zueinander passten.

 

Darüber hinaus war Franziska auch eine tüchtige Hausfrau, die überall nach dem Rechten sah, die mit Sparsamkeit den Haushalt führte, bei allen Arbeiten selbst Hand anlegte und von früh bis spät mit unermüdlichem Fleiß sorgte und schaffte. Wohl besuchte Franziska täglich auf ein Stündlein die eine oder andere Kirche in Rom, um sich Sorgen und Kummer vom Herzen herunterzubeten, aber ihre Hausfrauenpflichten kamen dabei nicht zu kurz. Meisterlich verstand sie es, Gebet und Arbeit zu vereinen.

 

Franziska war also eine kluge Gattin und eine tüchtige Hausfrau. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass die sechs Kinder, die ihr der liebe Gott im Lauf der Zeit schenkte, an ihr eine sehr gute und verständige Mutter hatten, die sie mit herzlicher Liebe umfing und an Leib und Seele treu für sie sorgte.

 

Eines Tages wurde Franziskas Gatte in einem Straßenkampf schwer verletzt. Als er endlich dank der aufopfernden Pflege der Gattin wiederhergestellt war, musste er Hals über Kopf vor seinen Gegnern flüchten. Der älteste Sohn geriet in jahrelange Gefangenschaft und wurde nach Neapel verschleppt. Ein weiterer Sohn, Johannes mit Namen, der Mutter Liebling, starb innerhalb von drei Tagen an der Pest, und ihm folgten mit kurzen Abständen die restlichen vier Kinder im Tod nach. Zu allem Unglück plünderten die Widersacher des Gatten die Wohnung vollständig aus. Da blieb von allem Glück nichts mehr übrig. Gottes Prüfungsstunde hatte ihr geschlagen, schwer und bang, und wenn in einer solchen Lage der Mensch nicht verzagt und versagt, so wird in der Schule des Kreuzes schnell ein Heiliger aus ihm.

 

Bei Franziska von Rom traf das zu. Die herrliche Frau hielt allen Schlägen tapfer stand. Wohl weinte sie manchmal, aber sie betete noch mehr, und im Gebet fand sie die Kraft, um sich herum eine neue Familie zu gründen, die Herrgottsfamilie der Kranken, Krüppel, Waisen und Armen, denen sie half, die sie pflegte, für die sie bettelte. Als ihr bei dieser Tätigkeit bald die Arbeit über den Kopf wuchs, gesellten sich ihr gleichgesinnte Frauen zu, die sich zu einem neuen Orden im Dienst der christlichen Nächstenliebe zusammenschlossen. So wurde die heilige Franziska Romana, die als Gattin, Hausfrau und Mutter sich glänzend bewährt hatte, auch noch Ordensstifterin. Der hellste Ruhm jedoch, der sie umstrahlt, rührt allerdings daher, dass sie in der Schule des Kreuzes eine Heilige wurde.

 

Es sei noch erwähnt, dass die heilige Franziska der Gnade gewürdigt wurde, ständig neben sich den Schutzengel zu sehen, der sie überallhin begleitete, in Zweifeln beriet, vor dem Bösen warnte, zum Guten anspornte und der sie am 9. März 1440 aufforderte, ihm in den Himmel zu folgen.

 

Gott belohnte die Demut der Heiligen durch Gesichte und durch die Gabe der Prophezeiung. Man liest in ihrem Leben und in dem Prozess ihrer Heiligsprechung über den, oben erwähnten, vertrauten Umgang mit ihrem Schutzengel.

 

Ihr Herz wurde jedes Mal tief ergriffen, wenn sie über das Leiden und Sterben unseres Heilandes Betrachtungen anstellte. Und während der heiligen Messe war sie so in Gott versenkt, dass sie, besonders nach der heiligen Kommunion, wie unbeweglich auf ihren Knien lag. Sie hatte eine zärtliche Andacht zum heiligen Johannes dem Evangelisten, aber eine noch größere zur allerseligsten Jungfrau, die sie zur Patronin ihres Ordens gewählt hatte.

 

Schließlich wurde Franziska selbst von einer schweren Krankheit befallen, an der sie starb. Sie sagte ihre letzte Sunde voraus, empfing die heiligen Sakramente und gab ihren Geist auf im Alter von 56 Jahren. Gott offenbarte ihre Heiligkeit durch Wunder, und zwar so, dass sie schon unmittelbar nach ihrem Tod öffentlich als eine Heilige verehrt wurde, obgleich ihre Heiligsprechung erst im Jahre 1608 erfolgte. Ihren Leib sieht man in Rom in einem prachtvollen Sarg und begeht dort ihr Fest mit großer Feierlichkeit.

 

Der heilige Gregor von Nyssa, Bischof und Bekenner, Kappadocien,

+ 9.3.400 – Fest: 9. März

 

Der heilige Gregor wurde im Anfang des 4. Jahrhunderts zu Cäsarea in Kappadocien aus einer heiligen Familie geboren. Er war der jüngste Bruder des heiligen Basilius des Großen, dem er auch seine vorzügliche wissenschaftliche Bildung verdankte. Er hatte sich durch seine Gelehrsamkeit bei seinen Mitbürgern einen hohen Ruf erworben und verehelichte sich schließlich Theosebia, einer ansehnlichen jungen Frau, mit der er bis zu ihrem Tod in einer keuschen Ehe lebte. Wegen seiner ausgezeichneten Tugenden wurde er zum Bischof von Nyssa erwählt. Dieses Amt verwaltete er mit einem solchen Eifer und mit so großer Sorgfalt wachte er für die Erhaltung der reinen Lehre Jesu, dass ihn der Kaiser Valens, der der arianischen Irrlehre zugetan war, von seinem bischöflichen Sitz verjagte und in das Elend verwies. Acht Jahre lang lebte der Heilige, entfernt von seiner Herde, in der Verbannung. Schließlich wurde sein Flehen und seine Geduld in Not und Kummer belohnt. Die heilige Vorsehung fügte es, dass er zur Freude der Gläubigen wieder in sein Bistum zurückkam, wo er mit erneutem Mut für die Rechte der Kirche kämpfte und die Religion Jesu gegen die Angriffe der Irrlehrer verteidigte. Bald danach wohnte er der Kirchenversammlung zu Antiochia bei, auf der er sich durch seine Wissenschaften und seinen apostolischen Eifer unter allen anwesenden Bischöfen auszeichnete. Nach Beendigung der Versammlung besuchte er seine heilige Schwester Maorina, der er auf ihrem Sterbebett Trost zusprach. Auf der Kirchenversammlung zu Konstantinopel widerlegte er den Ketzer Eunomius vollkommen und weil damals unter den Bischöfen im Pontus große Unordnungen und Misshelligkeiten obwalteten, wurde er und Helladius von den versammelten Vätern zu Richtern über sie gewählt, bei der Gelegenheit er alle Mittel, ja persönliche Besuche anwendete, um Frieden und Einigkeit unter den entzweiten Gemütern zu bewirken.

 

Der heilige Gregor von Nyssa war ein helles Licht in der Kirche Christi und seinem Eifer in Verbreitung und Erhaltung der reinen Lehre gebührt ein unsterbliches Lob. Mehrere, und unter ihnen besonders der heilige Gregor von Nazianz, tadeln ihn, dass er sich bei feierlichen Gelegenheiten, besonders bei den Begräbnissen der Kaiserin Flaccilla und ihrer Tochter Pulcheria zu sehr der Wohlredenheit beflissen habe. Aber dieser Tadel betrifft nur den Strom seiner Beredsamkeit und hat keinen Bezug auf sein heiliges und tätiges Leben. Als die allgemeine Kirchenversammlung zu Konstantinopel vollendet war und von dem Patriarchen von Jerusalem dringende Klagen geführt wurden, dass in seinem Bistum die Arianer so große Verwüstungen angerichtet hätten, machte der heilige Gregor eine Reise dahin und bekehrte durch seine eindringliche Beredsamkeit Unzählige für die Wahrheit des Christentums. So wirkte er mit rastloser Tätigkeit für die Wohlfahrt der Kirche und für das Seelenheil seiner Mitmenschen. Er starb in einem hohen Alter am 9. März um das Jahr 400.

 

Der heilige Dominikus Savio, Salesianer Seminarist von Turin,

+ 9.3.1857 - Fest: 9. März

 

Das größte Gotteshaus, das es in der Welt gibt, ist die Peterskirche in Rom. Am 6. März 1950 war der gewaltige Dom voll von Menschen. Fast nur Jungen waren es, dreißigtausend an der Zahl, die aus allen Ländern hergereist waren, um an einem einzigartigen Fest teilzunehmen. An diesem Tag wurde nämlich einer ihresgleichen, ein fünfzehnjähriger Junge, feierlich von der Kirche seliggesprochen. Dominikus Savio hieß er.

 

Dominikus Savio war der Sohn eines italienischen Dorfschmieds. Geboren wurde er im Jahre 1841. Weil er einen hellen Kopf hatte, lernte er spielend. Bald wurde er Messdiener. Das hatte seine Schwierigkeiten, denn Dominikus war damals noch so klein, dass er das Messbuch nur dann fassen konnte, wenn er sich ganz vorn auf die Fußzehen stellte. Umso besser aber wusste er die Messgebete. Nicht den geringsten Fehler machte er da. Langsam, klar und deutlich sprach er Wort für Wort so aus, dass der Priester, dem er bei der heiligen Messe diente, nie über ihn zu klagen brauchte.

 

Zu der Zeit, da Dominikus Savio jung war, herrschte noch der Brauch, dass die Kinder erst mit zwölf Jahren zur ersten heiligen Kommunion geführt wurden. Weil Dominikus aber über sein Alter klug und fromm war, machte man bei ihm eine Ausnahme, und so empfing er schon mit sieben Jahren die erste heilige Kommunion. Sein Erstkommuniontag war und blieb für ihn zeitlebens der schönste Tag. Treu hat er die Vorsätze gehalten, die er sich damals aufschrieb; denn diesen Vorsätzen gemäß ist er oft zu den heiligen Sakramenten gegangen, hat den lieben Heiland und die Mutter Gottes alle Tage innig verehrt und wollte lieber sterben, als eine schwere Sünde tun. Ob er vielleicht gerade deswegen schon mit so jungen Jahren ein Heiliger geworden ist?

 

Dominikus Savio wollte Priester werden, und obwohl er nie Priester wurde, weil er zu früh starb, ist er doch schon Priester gewesen dadurch, dass er unter seinen Mitschülern wie ein Priester gewirkt hat.

 

Da kamen eines Tages zwei Kameraden heftig in Streit. Der eine hatte den andern schwer beleidigt. Beide verabredeten sich zu einem regelrechten Zweikampf. Jeder sollte fünf schwere Steine auf den Gegner werfen dürfen. Dominikus Savio wurde gebeten, den Schiedsrichter zu spielen. Gern war er dazu bereit, allerdings nur unter der Bedingung, dass jeder der beiden Streithähne zuerst auf ihn einen Stein werfe, und zwar müssten sie beide auf seinen Kopf zielen. Diese Bedingung wirkte auf die Heißsporne wie ein kalter Wasserstrahl, sie nahmen Vernunft an und versöhnten sich. So wirkte Dominikus Savio, obwohl er nicht Priester war, doch schon wie ein Priester; denn wer dafür sorgt, dass Streitende sich wieder vertragen, der ist wie ein Priester.

 

Als einmal das Allerheiligste Sakrament zu einem Kranken getragen wurde, knieten sich alle Leute, wie es sein soll, auf der Straße nieder. Nur ein Soldat blieb stolz und steif stehen. Allzugern hätte Dominikus es gesehen, dass auch dieser Mann sich niederkniete und dem Heiland im Sakrament seine Verehrung bezeigte. Doch wie konnte er, der Junge, dem Soldaten Vorschriften machen! Was tat er? Er nahm sein Taschentuch, breitete es auf dem Boden aus und lud den Mann mit einem Blick ein, sich niederzuknien. So freundlich benahm er sich dabei, dass der Soldat tatsächlich seiner Aufforderung nachkam.

 

Es ist eigentlich zu bedauern, dass Dominikus nicht Priester wurde, sondern mit fünfzehn Jahren bereits gestorben ist. Er war wohl zu gut für die Welt, aber vom Himmel aus wirkt er heute noch dadurch weiter, dass er durch sein Beispiel zeigt, wie auch Kinder gleich einem Priester wirken können.

 

Die heilige Katharina von Bologna, Klarissin,

+ 9.3.1463 – Fest: 9. März

 

Diese Heilige wurde am 8. September 1413 zu Bologna in Italien aus vornehmem Geschlecht geboren und von ihren Eltern, besonders der frommen Mutter, zur Gottesfurcht und zu jeder anderen Tugend erzogen. Als sie eine Zeitlang am markgräflichen Hof zu Ferrara der Prinzessin Margareta als Gesellschafterin dienen musste, blieb sie auch in dieser Stellung sittenrein und fromm. Nachdem aber ihre Herrin sich verheiratet hatte, sagte Katharina mit Freuden der Welt Lebewohl und trat in das Klarissenkloster zu Ferrara ein. Sie war jetzt 20 Jahre alt. Als Ordensfrau wurde sie für alle anderen Nonnen ein leuchtendes Vorbild in allen Tugenden, besonders in der Demut, im Gehorsam, im Gebetseifer und in der Nächstenliebe. Sie verrichtete mit Vorliebe die niedrigsten Arbeiten. Auf den Befehl der Oberin hätte sie sich einmal ohne Zögern ins Feuer gestürzt, wenn er nicht sofort zurückgenommen worden wäre. Im Krankendienst schreckte sie vor keiner, auch noch so ekelhaften Wunde oder Krankheit zurück. Auch hatte sie das größte Mitleid mit den Sündern und empfahl sie immer wieder der göttlichen Barmherzigkeit. Im Gebet kostete sie oft wunderbaren himmlischen Trost. Bei der heiligen Messe hörte sie eines Tages Engelstimmen das dreimalige Sanktus singen. Der heilige Thomas von Canterbury und der heilige Franziskus erschienen ihr und sie durfte des ersteren Hand küssen und des letzteren Wundmale sehen und verehren. Ihr von Gott erleuchteter Geist erkannte sowohl in der Gegenwart verborgene und auch zukünftige Dinge. Das heilige Leben der Klarissen zu Ferrara, besonders das Katharinas, veranlasste die Bewohner von Bologna, in ihrer Stadt ebenfalls ein Kloster vom Orden der heiligen Klara zu gründen und sich von Ferrara Schwestern hierfür zu erbitten. Da wurde nun Katharina erwählt, mit fünfzehn Nonnen sich dorthin zu begeben und die Leitung des neuen Klosters zu übernehmen. Nur widerstrebend nahm sie die Würde an, erfüllte aber dann ihre Amtspflichten mit dem Eifer und der Gewissenhaftigkeit einer Heiligen, so zwar, dass sich immer mehr fromme Jungfrauen um sie scharten. Ihre Lieblingsandachten waren die Betrachtung des Leidens Christi, die Anbetung des heiligsten Altarsakramentes und die zärtliche Verehrung der Mutter Gottes. Sie wurde vieler himmlischer Offenbarungen gewürdigt, die sie aufzeichnete und versiegelt ihrem Beichtvater übergab. Darin warnt sie auch weise und eindringlich vor den falschen Offenbarungen und trügerischen Erscheinungen, die nicht von Gott, sondern vom Teufel kommen, der sich ja bekanntlich oft in einen Engel des Lichtes verwandelt. Eine auch jetzt noch zeitgemäße Warnung! Sie gesteht freimütig, mehrmals auch selbst getäuscht worden zu sein. Als die Heilige fünfzig Jahre alt geworden war, erachtete sie der Herr für würdig, zum Empfang des ewigen Lohnes abgerufen zu werden. Sie war schon seit 28 Jahren immer kränklich gewesen. Nun fiel sie in eine tödliche Krankheit, von der sie nicht mehr aufstehen sollte. Nachdem sie ihren Mitschwestern viele heilsame und liebevolle Ermahnungen gegeben und die heiligen Sakramente in erbaulichster Weise empfangen hatte, starb sie selig am 9. März 1463. Ihr Leichnam strömte einen wunderbaren Wohlgeruch aus und war noch 18 Tage nach der Beerdigung unverwest. Er ist es auch noch heute. Zahlreiche Wunder verherrlichten das Grab der Heiligen, denen zufolge sie schon von Papst Klemens XI. als verehrungswürdig erklärt, 1724 aber von Benedikt XIII. heiliggesprochen wurde. Ihre Grabstätte in Bologna wird stets von vielen Andächtigen und Pilgern besucht.

 

Merken wir uns von den Lieblingsandachten der heiligen Katharina vor allem mit Rücksicht auf die heilige Fastenzeit die Betrachtung des Leidens Christi. Wie könnten und dürften wir der unendlichen Schmerzen vergessen, die unser göttlicher Freund für uns erduldet, des Blutes, das er aus allen Teilen seines heiligen Leibes für uns vergossen hat, endlich des bitteren und schmachvollen Kreuzestodes, den er erlitten und wodurch er uns erlöst? „Erkenne, o Mensch“ – sagt der heilige Augustinus – „wieviel du wert und was du demnach schuldig bist! Und wenn du die so große Erhabenheit deiner Erlösung betrachtest, so soll gerade sie dich auch zur Scham wegen deiner Sünden antreiben.“

 

10. März

 

Die vierzig heiligen Martyrer zu Sebaste

Fest: 10. März

 

Es war im Jahr 320. Wieder einmal wurden die Christen um des Glaubens willen grausam verfolgt. Damals lag zu Sebaste in Armenien an den Grenzen des Römerreiches ein Regiment Soldaten in Garnison. Auch Christen befanden sich unter den Kriegern, vierzig an der Zahl, prachtvolle Männer, tadellos im Dienst, mutig im Kampf, fromm und gottesfürchtig dazu, und zuhöchst stand bei ihnen die Treue zum wahren Glauben in Ehren. Als sie daher beim Ausbruch der neuen Christenverfolgung dem General vorgeführt und von ihm aufgefordert wurden, Treubruch an Christus zu verüben, bäumten sich alle vierzig wie ein Mann gegen die schändliche Zumutung auf. Wohl wären sie bereit, sagten sie, Kerker, Marter und Tod auf sich zu nehmen, nur das dürfe man von ihnen nicht verlangen, dass sie durch den Abfall vom Glauben die Ehre des christlichen Namens verlören.

 

Das war ein herrliches Bekenntnis, und bei diesem Bekenntnis blieben die vierzig edlen Christusjünger auch, als der General sie gleich darauf beim Wort nahm. Mit Stöcken wurden sie geprügelt. Man ohrfeigte sie und schlug ihnen dabei die Zähne ein. Dann legte man ihnen eiserne Ketten an und sperrte sie ohne Speise und Trank tagelang ein. Sie aber freuten sich über die Unehre, die ihnen angetan wurde, weil sie wussten, dass Schmach um des Glaubens willen die höchste Ehre des Christen ausmacht.

 

Es sollte jedoch noch schlimmer kommen. Da sich die vierzig heiligen Helden durch keine Marter von der Treue zu Christus abschrecken ließen, verurteilte sie der General zum Tod durch Erfrieren. Es war nämlich Winter und die Kälte war so bitter, dass die Leute selbst unter den dicksten Wollkleidern noch fröstelten. Trotzdem zog man den vierzig heiligen Christusjüngern die Uniform aus und brachte sie auf das Eis eines Teiches, der bis auf den Grund gefroren war. Dort sollten sie sterben. Eine Soldatenwache, die in einem warmen Haus am Rand des Teiches lag, hatte dafür zu sorgen, dass keiner der vierzig Helden entfloh. Nur wer von ihnen, durch die Kälte bezwungen, den christlichen Glauben aufgeben wollte, durfte die Gefährten auf dem Eis verlassen und das Wachthaus aufsuchen, wo ein warmes Bad und Speise und Trank für den Abtrünnigen bereitstanden. Das war eine letzte große Versuchung für die Helden, die immerfort füreinander beteten, dass doch keiner von ihnen untreu werde.

 

„Herr!“, so lauteten ihre Worte, „Herr! Zu vierzig sind wir für den Glauben an dich in den Kampf gegangen. Zu vierzig lass uns auch die Krone der Herrlichkeit erringen! Lass nicht einen an dieser Zahl fehlen, die du durch dein vierzigtägiges Fasten geheiligt hast."

 

So beteten die Helden auf dem Eis immerfort, drei Tage und zwei Nächte lang.

 

In der dritten und letzten Nacht hatte dann einer aus der Schar der Wachtsoldaten ein Gesicht. Er sah vom Wachthaus aus, wie ein Licht vom Himmel her sich auf den Teich niederließ. Goldene Kronen glänzten und funkelten in dem Licht. Neununddreißig waren es. Sooft der Seher sie auch zählte, stets waren es neununddreißig. Er wunderte sich darüber, dass es nur neununddreißig waren, aber gerade in diesem Augenblick beobachtete er, wie sich einer von der Schar auf dem Eis trennte und, vom Glauben abfallend, das Wachthaus aufsuchte, das er allerdings nicht mehr erreichte, weil er nach wenigen Schritten tot zusammenbrach. Das alles sah der Wächter, und als er es gesehen hatte, bekannte auch er sich als Christ, ging auf das Eis und gesellte sich den Christushelden zu, um für den Abtrünnigen einzuspringen und die heilige Zahl Vierzig vollzumachen. Gleich darauf sahen alle, wie vom Himmel her noch eine weitere Krone, die vierzigste, niederstieg.

 

Auf diese Weise vollendeten im Jahr 320 vierzig christliche Soldaten glorreich das Martyrium für den Glauben.

 

Der heilige Simplicius, Papst und Bekenner von Rom,

+ 10.3.483 – Fest: 10. März

 

Es lebte zu Tivoli im römischen Gebiet ein Geschlecht, das sich durch vorzügliche Gottseligkeit auszeichnete. Aus diesem stammte der heilige Simplizius. Sein Vater ließ ihn in der Furcht und Zucht Gottes und in den Wissenschaften aufziehen. Er wurde seiner Frömmigkeit, Weisheit und Liebenswürdigkeit wegen zu Rom unter die Geistlichkeit aufgenommen und für eine Zierde derselben gehalten, wie die Geschichtsschreiber der Päpste von ihm melden. Alle Schritte seines Lebens waren von Gottesfurcht und Liebe geleitet. Achtung und Zutrauen zu ihm wuchsen ständig und so wurde er nach dem Tod des heiligen Papstes Hilarius am 5. März 467 einstimmig zu dieser hohen Würde gewählt.

 

Damals war die Christenheit in keinem guten Zustand, denn die meisten großen Herren und Regenten der Welt waren entweder noch ungläubig, oder sie waren von Irrlehren verführt und deren Beschützer. Aber noch weit mehr als dieses war für die Kirche Gottes ärgerlich und gefährlich der Abfall und die Treulosigkeit mehrerer Kirchenvorsteher. Einige Patriarchen im Orient und einige Bischöfe des Abendlandes verfielen aus Ehrgeiz und Habsucht auf Abwege, verfälschten die Glaubensregel, setzten sich über die Kirchenzucht hinweg, beunruhigten die Kirche Gottes, waren dem sonst gläubigen Volk zum Ärgernis und in Folge dessen nahm das gottselige Leben zusehends ab. Es war also in dieser Zeit darum zu tun, ob der apostolische allein seligmachende Glaube in der Welt noch weiter erhalten, bewahrt und fortgepflanzt, und die Wege des Heils ungestört, freudig und eifrig betreten werden könnten und sollten. Das war nun die große Aufgabe und die schwere Pflicht für den heiligen Simplizius.

 

Da er nun zum Stellvertreter Jesu Christi auf Erden und zum Vater der Gläubigen bestellt war, so suchte er aus allen Kräften, getrieben von der göttlichen Liebe zum Erlöser und den Gläubigen, sein Amt nach apostolischer Vorschrift würdig und treu vor Gott zu führen und zur allgemeinen Erbauung zu verwalten. So übernahm er alle Sorge und Arbeit seines großen und schweren Berufes zur Ehre Gottes und zum Heil der ganzen Christenheit. Groß war sein Kummer, groß seine Sorge, aber noch größer sein Eifer und seine Arbeit.

 

Wie ein guter Hausvater in sein ganzes Hauswesen eingreift, alles überblickt, anordnet, besorgt und der erste und letzte bei der Arbeit ist, wie er jetzt Belehrung, Rat, Ermahnung, Hilfe erteilt, jetzt wieder Schaden, Gefahr, Ärgernis abwendet, da ermuntert, dort nachhilft, hier tröstet und anderswo rettet, bald belohnt, bald züchtigt, wie es die Leitung des Hauses erfordert: so machte es der fromme Diener Gottes auf dem päpstlichen Stuhl für die Kirche Gottes.

 

Vor allen anderen stellte er sich selbst als ein Muster der Glaubenstreue und der Gottseligkeit dar. Man hätte ihn sehen sollen, wie er so gottergeben, so andächtig, so demütig, so innerlich, so bußfertig vor Gott lebte, gleichwie in einer Zelle. Die Sünden des Volkes lagen ihm so schwer auf seinem Herzen, als wenn er allein alle Sünden der Welt büßen, er allein Gott versöhnen, er allein Gottes Gnade über die heillose Welt herab erflehen müsste, wie es nach dem Ausspruch der Propheten des Priesteramtes ist solches zu tun. Er lehrte mit Wort und Tat, dass nur Sünde den Glauben zerstöre und Gottes Gnaden zum Heil der Seelen verhindere. Man müsse also durch Buße und Gebet, durch demütigen Gehorsam das Kleinod des heiligen Glaubens und der heilschaffenden göttlichen Gnade zu erflehen, zu bewahren und fortzupflanzen suchen.

 

Wie er nun durch das Beispiel der Gottergebenheit der ganzen Kirche vorleuchtete, so suchte er auch das gläubige Volk und besonders die Priesterschaft zu gleicher Glaubenstreue und heiligem Eifer zu entflammen. Er drang darauf, der Priester solle die Einfalt des Glaubens mit Demut und Liebe schmücken und vereinigen und so den Gläubigen vorangehen. Die Gläubigen hingegen sollen nach der Ermahnung des Apostels Paulus durch Gehorsam im Glauben und Bereitwilligkeit zu allem Guten in der Liebe sich der Gnade Gottes teilhaftig und des Heils würdig machen. Zu Rom belehrte, ermunterte, ermahnte er selbst die Geistlichkeit und das Volk und an andere Orte der Christenheit schickte er Hirtenbriefe, um den göttlichen Glauben und die Liebe zu offenbaren und zu beleben.

 

Alles Gute schätzte und ehrte er, auch die guten Gläubigen und vor allem die frommen Priester. Dem Bischof Zeno zu Sevilla, von dem er das Zeugnis eines heiligen Lebens und Eifers hatte, gab er den Auftrag, über die Kirchen Spaniens zu wachen. So musste ihm Ehre vor den Menschen die Ehre vor Gott befördern.

 

Den Bischof Severus beauftragte er im Jahre 475, er solle dem Gaudentius, Bischof zu Ausinium, weil er ungültige Weihen erteilt habe, die Vollmacht zu weihen wegnehmen, und stattdessen die Weihen erteilen. Er solle ihn den Bußgesetzen unterwerfen, zur Wiedererstattung des Kirchengutes anhalten, ihm nur den vierten Teil geistlicher Einkünfte zum nötigen Lebensunterhalt lassen und die übrigen Teile des kirchlichen Einkommens zum Unterhalt der Geistlichen, der Kirchen und Armen verwenden.

 

Mit gleichem Ernst, mit welchem er für das Gute lebte, hasste er auch jede Sünde, jede Untreue Gott und seiner heiligen Kirche gegenüber. Er verabscheute und bestrafte den Ehr- und Geldgeiz als die Quelle des Unglaubens, der Gottlosigkeit und jeder Widersetzlichkeit gegen Gott und seinen heiligen Willen. Deswegen hielt er streng auf die Kirchenzucht und die Verordnungen, die von Conzilien und heiligen Vätern der Kirche waren gemacht worden, weil ohne diese nicht nur keine Ordnung, sondern auch keine Wirksamkeit, kein Bestand und kein Fortgang des Heils möglich ist.

 

Dieser Eifer für Gott und seine heilige Kirche zeichnete den heiligen Simplizius hervorragend aus und machte ihn zum Felsenmann, an welchem alle List und Gewalt sowohl der Mächtigen dieser Erde, als auch der Irrlehrer und untreuer Bischöfe scheiterte.

 

Als aber der wachsame Hirt bei aller Mühe und Sorgfalt dennoch erfahren musste, dass durch Treulosigkeit einiger stolzer Bischöfe im Orient die Irrlehre des Eutyches überhandnahm, und die Kirchensatzungen verachtet und übertreten wurden, so verursachte ihm solcher Abfall das größte Herzensleid und die meiste Arbeit. Er hielt deswegen, um die Reinheit des Glaubens und das Ansehen der Kirchensatzungen als Gesetz für die Kirche aufrecht zu erhalten, zu Rom ein Conzilium, in welchem die Irrlehren des Eutyches verdammt, die Kirchensatzungen eingeschärft und Eutyches, Dioskorus von Alexandrien und Timotheus Elurus als hartnäckige Irrlehrer von der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen wurden. Darauf hat er den Kaiser Zeno bewegt, dass die Gesetze des Kaisers Basilius gegen die katholische Religion aufgehoben und Petrus der Walker samt anderen acht ketzerischen Bischöfen, die die Ruhe der Kirche gestört hatten, von ihren Würden abgesetzt wurden.

 

Dadurch hat sich aber auch der fromme Papst die Krone seines Verdienstes aufgesetzt und sich als treuer Hirte bewährt, den Glauben und die Kirchenzucht erhalten, Gottes Gesetz der Welt eingeschärft und die Gläubigen gestärkt, so dass die heilige katholische Kirche dieses alles neben Gott und seiner Gnade dem Eifer und der Sorgfalt, dem Gebet und den Verdiensten des heiligen Simplizius verdankt.

 

Auf ein so heiliges Leben folgte auch für den treuen Diener Gottes ein seliges Ende. Der Hirt aller Hirten Jesus Christus nahm ihn zu sich im zwölften Jahr seiner päpstlichen Regierung am 10. März 483. Seine heiligen Gebeine werden in Tivoli, seinem Geburtsort, aufbewahrt, und Gott verherrlichte das Andenken an ihn mit vielerlei Gnaden.

 

11. März

 

Der heilige Sophronius, Patriarch und Bekenner von Jerusalem,

+ 11.3.639 – Fest: 11. März

 

Die Kirchengeschichtsschreiber übergehen sowohl das Vaterland als auch die Jugendjahre dieses Heiligen mit Stillschweigen. Sie erwähnen ihn erst als er zu einem Sophisten geworden war, ein Gelehrter, der Weltweisheit und Beredsamkeit verbindet, als ihm der berühmte Johannes Moschus sein Buch „geistliche Weide“ widmete. Er war ein Schüler und getreuer Gefährte dieses Gelehrten auf allen seinen Reisen durch Palästina und Ägypten. In Alexandria wurde er vom heiligen Cyrus, dessen Lebensgeschichte am 31. Januar beschrieben wird, in einer Augenkrankheit geheilt, was der Anlass dazu war, dass er ein Mönch wurde und dann die Marterakten der heiligen Blutzeugen Cyrus und Johannes aus Dankbarkeit verfertigte. Wegen seiner Gelehrsamkeit und ausgezeichneten Frömmigkeit würdigte ihn der heilige Johannes der Armenpfleger, Patriarch von Alexandria, seines besonderen Vertrauens und seiner Liebe. Und Sophronius beschrieb nach dessen Tod sein heiliges Leben.

 

Damals traf die morgenländische Kirche ein schweres Unglück, denn die Perser überfielen mit mächtigen Kriegsheeren Palästina und verheerten alles mit Feuer und Schwert. Als sie sich Alexandria in Ägypten nahten, entflohen die Einwohner der Grausamkeit eines blutdürstigen Feindes. Auch der heilige Sophronius begab sich mit seinem ehrwürdigen Lehrer Johannes Moschus und den übrigen Ordensmännern auf die Flucht und kamen nach einer äußerst beschwerlichen Reise kurz vor dem Tod des heiligen Papstes Deusdedit in Rom an. Da wohnten sie bis zum Jahr 620, wo sie wieder nach Palästina zurückkehrten und den Leichnam des Moschus, der unterdessen in Rom gestorben war, aus Ehrfurcht mit sich nahmen. Bei ihrer Ankunft im Gelobten Land hatte Heraklius Jerusalem schon erobert und die Feinde zurückgetrieben. Der heilige Sophronius erhielt als Gelehrter den Auftrag, die von den Persern in der heiligen Stadt zerstreuten kirchlichen Akten und andere wichtige Werke der heiligen Väter wieder zu sammeln und in Ordnung zu bringen. Dieses schwere Geschäft vollendete er durch seinen unermüdlichen Eifer so vollkommen und erwarb sich durch seine Demut und Frömmigkeit so sehr die Ehrfurcht und Liebe der Geistlichen und des Volkes, dass sie ihn im Jahr 634, nach dem Tod des Patriarchen Modestus, einstimmig zu dessen Nachfolger erwählten. Sogleich beim Antritt des heiligen Amtes versammelte er in Jerusalem die ihm untergebenen Bischöfe und machte die vortrefflichsten Verordnungen zur Aufrechterhaltung der alten, heiligen Kirchenzucht und besonders zur Unterdrückung der monothelitischen Irrlehren. Rastlos kämpfte er gegen die Angriffe der Irrlehrer auf die reine Lehre Jesu nicht nur in den ihm untergeordneten Bistümern, sondern schrieb auch deswegen dringende Briefe an den Patriarchen Sergius in Konstantinopel, der sich wegen der Verdammung der Irrlehrer an Papst Honorius wendete. Wegen seines heiligen Eifers in der Verteidigung der Kirche musste Sophronius viele Unbilden und Verfolgungen dulden. Diese Leiden wurden noch vermehrt, als die Sarazenen die benachbarten Länder überfielen und selbst Jerusalem einnahmen. Der Kummer über das Unglück und die Zerstörung der heiligen Stadt brach dem Heiligen das Herz und er starb am 11. März im Jahr 639.

 

Der heilige Vindizian, Bischof von Arras und Cambrai,

+ 11.3.705 – Fest: 11. März

 

Das Gebiet von Artois in Nordfrankreich ist im schrecklichen 1. Weltkrieg oft genannt worden. Viele unserer Soldaten ruhen dort in fremder Erde, die auf lange Jahre die Spuren erbitterter Kämpfe zwischen den Völkern tragen wird. Friedlichere Spuren hat dort ein geistiger Kämpfer hinterlassen, der vor dreizehnhundert Jahren lebte und dem Land durch sein seltenes Tugendbeispiel und seinen mutigen Kampf gegen Sünde und Ungerechtigkeit eine glücklichere Berühmtheit verschaffte. Schon sein Name Vindizian, was Beschützer, Verteidiger, Rächer bedeutet, war ein glückliches Vorzeichen, dass er die Kirche wider ihre Feinde schützen und verteidigen und die Verletzung ihrer Rechte und ihrer Diener in christlicher Weise rächen würde.

 

Vindizian wurde in Bullecourt bei Bapaume um das Jahr 620 geboren. In Unschuld verging seine Kindheit. Gottesfurcht und gute Bildung waren das köstlichste Erbteil, das ihm seine verständigen Eltern hinterließen, wertvoller als die ansehnlichen irdischen Erbgüter. Sie hatten ihn für einige Zeit dem heiligen Eligius, Bischof von Noyon und Tournay, übergeben, der ihn im geistlichen Leben und im Studium der Heiligen Schrift bildete. Dieser große Bischof hatte auf dem der Heimat des Vindizian benachbarten, noch heute nach ihm Mont St. Eloi benannten Berg eine Einsiedelei erbauen lassen, die er gerne besuchte, um dort desto freier die Luft der Ewigkeit zu atmen. Hier schöpfte auch Vindizian aus der geistvollen Unterhaltung, dem Unterricht und trefflichen Beispiel des Meisters wie aus einer überfließenden Quelle die Wissenschaft des Heils, die Kenntnis und Übung der vorzüglichsten christlichen Tugenden. Nach Arras zurückgekehrt, trat der junge Mann in den Klerus dieser Kirche ein unter dem heiligen Bischof Autbert (+ 668), Fest: 13.12.) dessen treffliches Beispiel ihn noch mehr vervollkommnete.

 

Das Ansehen und die Hochachtung Vindizians ob seiner Tugenden, besonders der Sanftmut, des Eifers für das Wohl des Nächsten, der Mäßigkeit und Keuschheit stieg immer mehr. Nicht minder wurde auch seine Weisheit und seine Fähigkeit in Verwaltungssachen geschätzt. Als der heilige Armand, Bischof von Mastricht, nach Arras kam, um über den letzten Willen der heiligen Richtrud vor ihrem Eintritt ins Kloster Marchienne zu entscheiden, da wurde auch Vindizian als Berater beigezogen. Seine Geschicklichkeit bewährte sich so sehr, dass Bischof Autbert ihn zur Verwaltung der Diözese Arras heranzog und ihn als Generalvikar während der Zeit aufstellte, in der er zu Cambrai seines Amtes waltete. Beide Kirchen standen damals unter einem Bischof. In solcher Stellung hat Vindizian sicher auch mit Rat und Tat an der Errichtung der berühmten Abtei des heiligen Vedast (St. Vaast) mitgewirkt. Als dann der heilige Autbert am 13. Dezember 669 starb, da fand das gläubige Volk von Arras und Cambrai in der Hoffnung großen Trost, in Vindizian als Nachfolger einen vollen Ersatz für den schweren Verlust zu erhalten. Der neue Bischof enttäuschte auch nicht. Schritt er doch in allem in den Spuren seines großen Vorgängers. Er war ein Vater der Seinen, voll der gleichen Zärtlichkeit, ein ebenso liebenswürdiger Hirte, gleich wachsam und uneigennützig wie Autbert. Was dieser begonnen hatte, wie den Bau von Spitälern und Klöstern, so das von St. Vasst, vollendete Vindizian getreulich im Geist seines Vorbildes.

 

In mehrfacher Weise hatte Vindizian Gelegenheit, als Verteidiger und Wiederhersteller verletzten Rechtes aufzutreten. Eine fromme, adelige Jungfrau Maxellendis war von Harduin aus Cambrai wegen Bewahrung ihrer jungfräulichen Reinheit ermordet worden. Gott, der seine Heiligen liebt und die Ehre dieser Martyrin der Jungfräulichkeit erhöhen wollte, gab dem eifrigen Bischof innerlich die Anregung, den Leib der heiligen Jungfrau von seiner ersten Begräbnisstätte in Pomeriolas nach Candri, an den Ort zu übertragen, wo sie gemartert worden war. Wie König David freudig und Gott in Liedern preisend die heilige Arche in die heilige Stadt einführte, so nahm auch Vindizian in seliger Herzenswonne und mit großer äußerer Pracht diese Übertragung vor und hielt dabei die Lob- und Ehrenrede auf die Martyrin.

 

Noch schrecklichere Verbrechen schrien nach Sühne. Der rachsüchtige Hausmeier (Reichsregent) Ebroin, der mit König Theodorich III. wieder zur Macht gelangt war, verfolgte den heiligen Bischof Leodegar von Autun, der unter dem vorigen König Childerich als Hausoberster bestellt war, mit unversöhnlichem Hass. Unmenschliches musste der Martyrer des Rechtes im Kerker dulden. Die weltlichen Großen und die Bischöfe, denen Ebroin ebenfalls abgeneigt war, planten eine Versammlung in Compiegne. Ebroin versuchte den König Theodorich zu überreden, sie zu verbieten. Die Synode kam dennoch zustande und traf verschiedene für das allgemeine Wohl nützliche Anordnungen. Der heilige Vindizian war es besonders, der durch seine bewundernswerte Gewandtheit sowohl die Großen und die Bischöfe, wie auch den König zu gewinnen und zu vereinen wusste. Der König begabte sogar seine Kirche von Arras mit reichlichen Gütern und Freiheiten und machte sie exempt, frei von weltlicher Oberherrschaft.

 

Doch Ebroin ruhte nicht, bis er den verfolgten Leodegar vollends aus dem Leben geschafft hatte. Dafür traf ihn später selber eines Mörders Hand. König Theodorich war nicht ganz unschuldig an dem Frevel, der an dem Heiligen und zugleich an der bischöflichen Würde war begangen worden. Die Bischöfe hielten es für notwendig, dass der Fürst dieses große Ärgernis sühne, um die Sittengewalt und das Ansehen der Kirche aufrecht zu erhalten. Wer aber sollte die so gefährliche Aufgabe übernehmen, dem König offen und frei sein großes Verbrechen vorzuhalten und ihn zur Buße zu mahnen? Sie fanden unter ihnen keinen tauglicheren als den heiligen Vindizian, weil seine anerkannte Tugend und Heiligkeit allein imstande war, auf einen so sittenlosen Hof Eindruck zu machen. Der Heilige unternahm es. Voll Mut und Gottvertrauen sprach er vor dem König und seiner Umgebung mit solcher Glut der Beredsamkeit, dass er gleich von Anfang an, nicht ohne sichtbaren Beistand des Heiligen Geistes, die Gemüter aller zu gewinnen vermochte. Pflicht des Priesters sei es, so führte der Redner unerschrocken aus, einen Schuldigen zu mahnen, damit er nicht in der Sünde sterbe und mit ihm auch der Priester Strafe erleide. Pflicht sei es für den König gerechterweise auf die Mahnung zu hören. Das mit seinem Wissen an Leodegar begangene Verbrechen sei so groß und verabscheuungswürdig, dass die auf der Synode versammelten Bischöfe nicht wussten, wie die schwere, dem Recht geschlagene Wunde zu heilen sei. Unerlässlich sei es für den König, sich wieder mit Gott zu versöhnen, seine Schuld einzusehen und mit Hiob, dem Gerechten, zu sprechen: „Nicht verhehle ich nach Menschenart meine Sünde oder verberge in meiner Brust meine Missetat.“ Ja er müsse wie König David in einem ähnlichen Fall öffentlich seine Schuld bekennen mit den Worten: „Kommt lasst uns anbeten und niederfallen vor dem Herrn und weinen vor ihm, der uns gemacht hat.“ So werde der König dann auch mit David vom Himmel das Wort zu hören verdienen: „Weil dich deine Sünde reute, so hat der Herr sie hinweggenommen, du wirst nicht sterben!“

 

Vindizians Mahnrede war vom vollen Erfolg begleitet. So bußfertig unterwarf sich der Getadelte dem Strafurteil, dass man zweifeln konnte, ob Vindizian freimütiger war im Strafen oder Theoderich bereitwilliger im Gehorchen. Der König unternahm nicht nur als rechtliche Sühne die Gründung einiger Klöster, wichtiger noch war die Änderung seines Lebenswandels.

 

Am Ende seiner Tage zog sich der fromme Bischof in ein Landhaus zurück, um sich ganz der Vorbereitung auf den Tod zu widmen. In Betrachtung des Himmlischen kostete er schon im Voraus seine Herrlichkeiten. Nochmals rief ihn eine wichtige Angelegenheit nach einem Ort seiner Diözese, nach Brosselles. Hier ergriff den mehr als achtzigjährigen Mann ein bösartiges Fieber, dem er am 11. März 705 erlag.

 

Eine schwere Berufsaufgabe, eine peinliche Pflicht mit entschlossenem Mut und festem Gottvertrauen unternommen, lässt guten Erfolg hoffen, weil der Segen des Opfers sich mit der Kraft von oben verbindet.

 

12. März

 

Der heilige Gregor der Große, Papst und Kirchenlehrer von Rom,

+ 12.3.604 - Fest: 12. März (3. September)

 

Sankt Gregors Lebenslauf ist von nicht gerade alltäglicher Art, denn dass einer zunächst Oberbürgermeister von Rom und später Papst wird, ist nur ein einziges Mal in der Weltgeschichte vorgekommen, und das war bei Gregor der Fall.

 

Vornehm und reich waren Gregors Eltern. Weit mehr jedoch als Vornehmheit und Reichtum war für die innere Entwicklung ihres Sohnes von Gewicht, dass die Eltern ein christgläubiges Leben führten. Anfänglich verfolgte Gregor die Beamtenlaufbahn und brachte es bei seiner Tüchtigkeit mit dreißig Jahren zum Oberbürgermeister der Weltstadt Rom. Weil er von rechter Römerart war, klug und umsichtig, versah er das Amt zum Segen für das Volk. Als er aber nach dem Tod des Vaters zum Erben eines Riesenvermögens wurde, verschenkte er zunächst einige Millionen an die Armen, mit dem Rest gründete er sechs Klöster auf der Insel Sizilien. Dann trat er zum allgemeinen Bedauern von seinem Posten zurück und bat um Aufnahme in das siebte von ihm gestiftete Kloster zu Rom. Derjenige, der bisher in Samt und Seide gekleidet einherging, fühlte sich glücklich, ein schlichtes Mönchsgewand zu tragen.

 

Kurze Zeit nur durfte Gregor in der Stille des Klosters leben, denn bald danach schickte ihn der Papst als seinen Gesandten an den Kaiserhof nach Konstantinopel. Nachdem er dort einige Jahre erfolgreich zum Segen der Kirche gewirkt hatte und heimgerufen wurde, erwählten ihn die Mitbrüder zum Abt.

 

Als in jener Zeit Abt Gregor einst über den Marktplatz in Rom ging, stieß er auf eine Gruppe von Männern, die als Sklaven zum Verkauf angeboten wurden. Damals war es nämlich der Kirche noch nicht geglückt, die Sklaverei abzuschaffen. Die Männer aber, die, als Gregor über den Platz ging, gerade angeboten wurden, waren stattliche Gestalten. Gleich erkundigte sich der Abt nach ihrer Herkunft, und als er hörte, dass es Angelsachsen aus dem heutigen England seien, und außerdem erfuhr, dass dieses Inselvolk noch im Heidentum lebte, sprach er das vielsagende Wort, dann wolle er aus den Angeln Engel machen. Schon am nächsten Tag war Gregor als ein Mann der frischen, frohen Tat auf dem Weg nach England, um dort als Missionar zu wirken. Nur drei Tage weit reiste er, dann rief ihn der Papst durch Eilboten in die Ewige Stadt zurück, denn auf einen solchen Mann wollte der Stellvertreter Christi nicht verzichten.

 

Kurze Zeit später war Gregor selbst Papst, und eine der ersten Amtshandlungen, die er vornahm, bestand darin, dass er Missionare nach England schickte, die das Volk zum Christentum bekehren sollten. Und wenn später englische Missionare die deutschen Volksstämme für Christus eroberten, so verdanken wir das Glück, Christen zu sein, dem heiligen Gregor.

 

Überhaupt hat Sankt Gregor als Papst so großartig gewirkt, dass er mit Papst Leo I. allein in der langen Reihe der Päpste den Beinamen „der Große“ erhielt. Streng war er und gütig und heilig in seiner Lebensführung. Gregor war es auch, der den nach ihm benannten Gregorianischen Gesang in der Kirche einführte, wie wir ihn beim feierlichen Hochamt singen. Vor 1400 Jahren, im Jahr 604, starb Papst Gregor der Große.

 

Im Blick auf die Universalkirche vertrat Gregor den Grundsatz liturgischer Vielfalt. Der Gedanke, die römische Liturgie als Einheitsliturgie für die ganze katholische Kirche zu propagieren, lag ihm fern. Gregor der Große war vielmehr ein Anwalt regionaler Vielfalt. Als "Mönchspapst" nannte sich Gregor "Knecht der Knechte Gottes", was bis heute Bestandteil der päpstlichen Titel blieb.

 

Die Armenfürsorge wurde ein wichtiges Element seines Pontifikats. Die Getreideversorgung der damals wohl noch immer etwa einige Zehntausend Einwohner zählenden Stadt Rom, die eigentlich dem Kaiser oblag, war mangelhaft, weshalb er die riesigen Ländereien der Kirche in Süditalien und Sizilien neu organisierte und bewirtschaften ließ. Zu Anfang jeden Monats fand eine allgemeine Verteilung von Lebensmitteln statt. Ebenso mahnte Gregor die anderen Bischöfe, dass der Hungernde nur dann für die Predigt empfänglich sei, wenn ihm zuvor eine "helfende Hand" gereicht wurde. Almosen betrachtete er als Gott dargebrachtes Opfer, das letztlich Gnade im Gottesgericht erwirkt.

 

Gregor schrieb den Begriff "Papst" als ausschließliche Amtsbezeichnung für den Bischof von Rom fest. Mit ihm trat das Papsttum von der Spätantike ins Mittelalter über.

 

Die Heiligsprechung erfolgte 1295 durch Papst Bonifatius VIII. Seine Attribute sind die Tiara, Buch, Taube, Arme bedienend. Er ist Patron des kirchlichen Schulwesens, der Bergwerke; des Chor- und Choralgesanges; der Gelehrten, Lehrer, Schüler, Studenten, Sänger, Musiker, Maurer, Knopfmacher; gegen Gicht und Pest.

 

Der heilige Theophanes, Abt und Martyrer von Konstantinopel,

+ 12.3.818 – Fest: 12. März

 

Theophanes wurde in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts in Konstantinopel aus einer der reichsten und vornehmsten Familien geboren. Seine Eltern, Isaacius und Theodota, standen am kaiserlichen Hof in so großem Ansehen, dass der Kaiser die Erziehung ihres Sohnes ganz übernahm und ihn wie sein eigenes Kind behandelte. Theophanes erhielt eine fürstliche Bildung und wurde teils wegen seiner körperlichen Schönheit, teils wegen der glänzenden Fortschritte, die er in den Wissenschaften machte, allgemein bewundert. Aber der allenthalben ausgezeichnete junge Mann bewahrte sein Herz bei allen Schmeicheleien der Großen vor dem Stolz auf Menschengunst und vergängliche Würden und strebte in seiner Demut nach christlicher Weisheit. Ganze Nächte hindurch las er in den heiligen Schriften und in den Werken der Kirchenväter und hielt in einsamen Stunden ernsthafte Betrachtungen darüber, um den Willen Gottes in Hinsicht der Heiligung und Vervollkommnung des Menschen deutlich zu erkennen. Dadurch, und besonders durch innerliches Gebet, wurde er bekräftigt, gegen die Laster des Zeitgeistes und gegen die Verführungen eines ausschweifenden Hofes zu kämpfen und sein Gemüt in englischer Reinheit zu bewahren. Als er ein Mann geworden war, musste er sich auf eindringliches Bitten seiner Eltern entschließen, sich zu verehelichen. Aber im Angesicht Gottes machte er dabei den Vorsatz, dass er dieses Opfer des kindlichen Gehorsams nicht auf Kosten seiner Seelen-Reinheit bringen wolle. Nachdem das feierliche Hochzeitsfest vollendet war, begab er sich mit seiner jungfräulichen Braut in ein einsames Zimmer, wo er sich auf die Knie warf und Gott im stillen Gebet um seinen Beistand zu seinem Vorhaben anflehte. Dann sprach er mit heiliger Begeisterung von der Hinfälligkeit des menschlichen Lebens, von der Kürze und Eitelkeit des irdischen Genusses und schilderte schließlich das Glück, die Seelenruhe eines reinen, keuschen Herzens mit so lebendigen Farben, dass ihm seine Gemahlin an die Brust sank und unter Freudentränen ausrief: „Ja, Mann der Liebe, wir wollen Enthaltsamkeit geloben und einst als reine Seelen vor dem Thron des heiligsten Gottes erscheinen!“ Plötzlich erleuchtete ein glänzender Lichtstrahl das Zimmer, himmlische Wohlgerüche verbreiteten sich in ihm und die Heiligen fielen auf ihr Angesicht und beteten den gegenwärtigen Gott an.

 

Schon am folgenden Tag verteilten sie ihr ganzes Vermögen unter die Armen und machten heimlich Anstalten, Konstantinopel zu verlassen und entweder in einem Kloster oder in einer Einöde sich dem Dienst Gottes zu weihen. Mit Schrecken vernahm der Vater der Braut, der durch das Ansehen des Theophanes den einstigen Glanz seines Hauses wieder herzustellen sich Hoffnung gemacht hatte, diese Nachricht. Sogleich ging er zum Kaiser Leo und bat ihn unter Tränen, durch seine Macht den so erniedrigenden Entschluss seines Schwiegersohnes zu verhindern. Der Kaiser, der die Gelehrsamkeit und hohen Tugenden des Theophanes als sein Werk ansah und für ihn schon die höchsten Würden bestimmt hatte, geriet in Zorn und drohte seinem Liebling, wenn er von seinem unsinnigen Vorhaben nicht abstehen würde, ihm die Augen ausstechen zu lassen. Zugleich sandte er ihn wegen wichtiger Staatsgeschäfte nach Cyzicum, einer asiatischen Stadt in Mysien, damit er der Einsamkeit entrissen, unter häufigen und anstrengenden Arbeiten seinen vorigen Entschluss vergessen möchte. Mit Freude machte sich Theophanes auf die Reise, denn er sah sie als eine günstige Gelegenheit an, aus der Nähe des Kaisers zu kommen und so seinem heiligen Beruf desto ungehinderter folgen zu können. Als er in Mysien angelangt war, begab er sich dort in das Kloster Sigrianes und eröffnete sein Herz einem heiligen Mönch, Gregorius mit Namen. Aber der ermahnte ihn, zuerst die Geschäfte seines Kaisers zu vollenden und unterdessen dem Willen Gottes alles anzuvertrauen.

 

Nach drei Jahren starb Kaiser Leo IV. und Theophanes erhielt seine Entlassung aus dem Staatsdienst. Voll Sehnsucht eilte er nach Konstantinopel, um seine geliebte Braut aus dieser verführerischen Stadt abzuholen. Nachdem er ihr ein Kloster erbaut und sie den heiligen Schleier genommen hatte, ging er wieder nach Sigrianes zurück und wählte das klösterliche Leben. Die Ordensmänner staunten über seine Enthaltsamkeit und Demut, über seinen tiefen Gehorsam und ununterbrochenen Eifer, mit dem er die heiligen Schriften las. Seine Tugenden erwarben ihm die Ehrfurcht und Liebe aller und nach dem Tod des Abtes wählten sie ihn zu dessen Nachfolger. Aber der Heilige floh diese Würde und wählte seinen Aufenthalt in der Nähe vom Kloster auf einem Berg, wo er sich von der Handarbeit ernährte und durch sein heiliges Beispiel viele Landleute zur Gottseligkeit führte. Erst dann, als ein anderer Abt erwählt war, kehrte Theophanes wieder in sein Kloster zurück, wo er sich Tag und Nacht dem Dienst der Kranken und Armen widmete und viele ihm anvertraute Jünglinge in den Heilswissenschaften und in der christlichen Frömmigkeit erzog, bis sich das große Unglück für die Kirche Jesu ereignete, das Leo V., einer der schändlichsten Regenten, auf dem morgenländischen Kaiserthron kam. Mit List und Betrug suchte er die Gläubigen zur Irrlehre zu verführen, denn er war einer der wütendsten Bilderstürmer und zerstörte Altäre und Kirchen. Alles zitterte vor dem Ungeheuer und wer es wagte, seiner Gottlosigkeit Einhalt zu tun, der verschmachtete entweder in den Gefängnissen vor Hunger oder er verurteilte ihn zu einer gewaltsamen Todesart.

 

In diesem jammervollen Zeitpunkt der Verfolgung entschloss sich der heilige Theophanes, obwohl er sehr schwach und krank war, eine Reise nach Konstantinopel zu machen, um den Kaiser entweder auf andere Gesinnungen zu bringen, oder sein Blut im Kampf für die Wahrheit zu opfern. Als Leo seine Ankunft vernahm, ließ er ihm durch einen Gesandten eröffnen, dass, wenn er die kaiserlichen Verordnungen gegen den Bilderdienst unterzeichnen würde, er nicht nur sein Kloster mit Reichtümern, sondern auch alle seine Anverwandten mit Ämtern und Würden überhäufen wolle. Würde er sich aber zum Gegenteil entschließen, so sei Schande und Unglück sein und seiner Freunde Los. Der Heilige antwortete auf diesen Antrag, dass ihn weder Reichtümer noch Strafen von der Liebe zu Gott trennen können. In einer mündlichen Unterredung überzeugte sich Leo vollkommen von der Standhaftigkeit des Theophanes und da weder Versprechungen noch Drohungen auf ihn den geringsten Eindruck machten, verurteilte er ihn zum ewigen Gefängnis, wo ihm nur so viel Brot und Wasser gereicht werden durfte, dass er im immerwährenden Hunger schmachten musste, aber doch nicht sterben konnte. Zwei Jahre ertrug der fromme Dulder bei seinem kränklichen Körper diese grausame Strafe, als ihn der Tyrann nach der Insel Samothracien verwies, wo er am 23. Tag nach seiner Ankunft am 12. März des Jahres 818 selig verschied und von Gott sowohl im Leben, als nach seinem Tod mit unzähligen Wundern verherrlicht wurde.

 

Der heilige Maximilian von Theveste, Numidien, Märtyrer,

+ 12.3.295 – Fest: 12. März

 

Dieser selige Märtyrer, von dem uns echte Akten erhalten sind, gehörte der ruhmreichen nordafrikanischen Kirche an und wird Maximilian von Theveste, einer Bischofsstadt Numidiens, genannt, zum Unterschied von dem uns bekannten Maximilian von Lorch, dem Apostel von Steiermark. In seiner Person bewundern wir ein Beispiel der Festigkeit, die einem Christen eigen sein soll in der Ablehnung und Zurückweisung alles dessen, was das Gewissen verbietet. Die Gewissenhaftigkeit und Glaubenstreue des überdies noch ganz jugendlichen Maximilian sind umso höher zu werten, als sie sich in einer Sache betätigten, deren Unerlaubtheit nicht so ganz unzweifelhaft feststand. Der christliche Glaube verbot seinen Anhängern an sich nicht die Teilnahme am Soldatenstand und dem Kriegshandwerk. Auch in diesem Stand kann man gut christlich leben. Der Dienst der Waffen unter den heidnischen Bannern in der römischen Kaiserzeit hatte aber doch für den Christen viele Gewissensbeschwernisse im Gefolge. Ganz abgesehen von dem Fahneneid, musste der Soldat oft heidnisch-religiösen Veranstaltungen beiwohnen, vor Götzentempeln Wache stehen, den Tag des Herrn entheiligen, er musste mit einem Wort die Standarte eines Jupiter, eines Mars, einer Pallas Athene und anderer Kriegsgötter ehren und anerkennen, denen er bei der Taufe feierlich entsagt hatte. Obwohl nun unter jenen Verhältnissen eine Bewahrung des christlichen Glaubens mit dem Heeresdienst schier unvereinbar schien, beschränkten sich doch die Lehrer der Kirche darauf, zu erklären, dass jene, die schon vor ihrer Bekehrung dem Heer angehörten, darin verbleiben könnten, dass es dagegen einer gewissen Preisgabe des christlichen Glaubens gleichkomme, sich nach der Taufe unter die heidnischen Fahnen einreihen zu lassen (Tertullian).

 

Das war die allgemeine Anschauung der Gläubigen, als im Jahr 295, im elften der Regierung Diokletians, auf dem öffentlichen Platz von Theveste ein Christ namens Fabius Viktor mit seinem Sohn Maximilian vor dem Statthalter, dem Prokonsul Dion, zur Verantwortung gezogen wurde. Der Aushebungskommissar Pompejan brachte vor, Viktor, der Vorsteher einer gewissen Soldatenabteilung, sei zur Rekruteneinstellung verpflichtet, habe aber versäumt seinen eigenen Sohn, der im Waffenfähigen Alter stehe, einzureihen. Er beantragte, den jungen Mann zu messen, um ihn in die kaiserlichen Truppen aufzunehmen. Bei den Römern waren nämlich die jungen Leute, besonders jene, deren Väter dem Soldatenstand angehörten, verpflichtet, eine gewisse Zeit zu dienen. Bei ihrer Stellung wurden die größten und tauglichsten ausgewählt und zu diesem Behuf zuvor gemessen. Das sollte nun auch mit Maximilian geschehen. Schon auf die erste Frage des Prokonsuls nach seinem Namen antwortete der junge Mann mit dem festen Bekenntnis des christlichen Glaubens. „Es ist ohne Belang, meinen Namen zu wissen. Ich bin ein Christ und als solcher nicht in der Lage, die Waffen zu führen.“ Man stellte ihn ans Maß, an einen in die Erde eingerammten Pfahl, der die Maße enthielt. Wieder beteuerte er: „Ich kann nicht Soldat sein. Ich will nichts Unrechtes tun und nicht gegen mein Gewissen handeln. Ich bin Christ.“ Die Messung ergab indessen, dass er hinreichend groß wäre und so befahl der Prokonsul, ihn zu bezeichnen. Man brannte nämlich dem Rekruten ein Zeichen in die Haut ein und verpflichtete ihn, eine Erkennungsmarke, eine bleierne Münze mit dem Namen des Kaisers, auf den der Soldat eingeschrieben wurde, um den Hals zu tragen. Eine solche Zeichnung sah der gewissenhafte Maximilian schon als eine Art Bekenntnis zum heidnischen Leben und Wesen an. Deshalb sträubte er sich mit aller Macht, diese Zeremonie an sich vornehmen zu lassen. „Ich nehme das Zeichen nicht an. Ich habe schon das Zeichen Christi, meines Gottes, empfangen“, war die entschiedene Ablehnung des charaktervollen jungen Mannes. Dion: „Das wünsche ich, dass du es tust; das wäre mein Glück, mein Ruhm.“

 

Der Prokonsul befahl nun den Beamten, den Rekruten gewaltsam zu zeichnen. „Ich nehme das Zeichen der Welt nicht an“, widerstrebte dieser wieder. „Und wenn du es mir dennoch gibst, so verwische ich es wieder, weil es für mich nichts gilt. Ich bin ein Christ, ich darf kein Zeichen an mir tragen neben dem Zeichen des Heils meines Herrn Jesus Christus, des Sohnes des lebendigen Gottes, den du nicht kennst, der für unser Heil gelitten, den Gott für unsere Sünden dahingegeben hat. Diesem dienen wir Christen alle, diesem Fürsten des Lebens, diesem Urheber des Heils folgen wir.“ Doch Dion ließ nichts unversucht. Er forderte den Vater Viktor auf, seinem Sohn zuzureden. „Mein Sohn besitzt Urteil genug, er weiß, was ihm gut ist“, war die Antwort des christlichen Vaters. Da redete Dion dem jungen Mann mit aller Güte zu, er möge doch nicht seine große Jugend zugrunde richten, im Gefolge der kaiserlichen Herren Diokletian und Maximian seien die besten Christen und leisteten ohne Gewissensbedenken Kriegsdienste. Er möge doch nicht solch ehrenhaften Dienst verachten. So bedrängte die Versuchung den mutigen Sohn eines tapferen Kriegsmannes. Auch ihm schlug das jugendliche feurige Herz für Ehre und Ruhm, die Treue gegenüber dem kaiserlichen Herrn war ihm nicht minder heilig. Aber ein höherer Kriegsherr verlangte Treue und Gefolgschaft. Ihm zu dienen, war ungleich größere Ehre, erhabenerer Ruhm. Danach allein verlangte Maximilian, nichts machte ihn wankend. „Jene Kriegsmannen der Kaiser werden wissen, was sich für sie schicke, ich bin ein Christ, ich kann mich nicht zu einer unrechten Tat entschließen. Ich kann sterben, aber zugrunde gehen kann mein junges Leben nicht. Denn wenn ich aus der Welt scheide, wird meine Seele ewig leben mit Christus meinem Herrn.“ Einundzwanzig Jahre erst zählte dieser zielbewusste Streiter Christi, Jahre, in denen der Drang und die Sehnsucht nach Lebensbetätigung sich erst zu entfalten beginnt. Doch seine Erkenntnis vom Zweck des Erdenlebens, als des Kampffeldes zur Erringung des ewigen Lebens, war vollgereift wie die eines Mannes von vieljähriger Erfahrung. Unverrückt schaute er nach dem letzten Ziel aus.

 

Als der Prokonsul sah, dass es ihm nicht gelingen werde, die Überzeugung Maximilians zu brechen, ließ er seinen Namen wieder aus der Einschreiberolle löschen und verurteilte ihn, anderen zum abschreckenden Beispiel, weil er in Ungehorsam den Dienst im Heer verweigerte, zum Tod durch Enthauptung. Ein freudiges „Gott sei Dank“ aus tiefem Herzen war die Bekräftigung des Urteilspruches seitens des christlichen Helden. Auf dem Weg zum Richtplatz rief er seinen Führern zu: „Eilet, meine lieben Brüder, eilet aus allen Kräften, um bald den Herrn schauen zu können! O, dass er auch euch eine gleiche Krone verleihe!“ Frohbewegt wie einer, dem ein großes Glück begegnet, sprach er zu seinem Vater: „Gib dem Scharfrichter das neue Gewand, was du mir für den Krieg hast fertigen lassen. Ich werde auf dich in der anderen Welt in heiliger Gemeinschaft warten, dann können wir zusammen uns freuen in der Glorie mit dem Herrn.“ So bot er sein Haupt dem Richterbeil.

 

Eine Frau, Pompejana mit Namen, erwarb den Leichnam des heiligen Märtyrers, brachte ihn nach Karthago und bestattete ihn unter dem Hügel bei dem Märtyrer Cyprian. Sein Vater aber war glücklich, dass er dem Herrn ein solches Opfergeschenk vorausschicken durfte, dem er bald selbst nachfolgen sollte. Man glaubt, dass Fabius Viktor bald danach mit der Märtyrerpalme geschmückt worden ist. Nur weiß man nicht, welcher von den vielen Märtyrern mit dem Namen Viktor, deren Andenken in der afrikanischen Kirche in Ehren gehalten wurde, dieser Viktor ist.

 

Durch die Taufe sind wir Glieder Christi geworden. Bei der Firmung aber hat uns der Bischof in besonderer Weise das Zeichen Christi auf die Stirn gedrückt und dadurch in die Scharen der Streiter Christi eingereiht. Daraus erwächst für uns die Pflicht, jeden anderen Dienst in der Welt, der dem Seelenheil Gefahr bringt oder den Dienst Gottes unmöglich macht, abzuweisen und zu fliehen. Man kann nicht zwei Herren dienen. Festigkeit und Beharrlichkeit in den christlichen Grundsätzen ist oberstes Erfordernis des dem göttlichen Herrn geschworenen Fahneneides. „Ich bezeichne dich mit dem Zeichen des Kreuzes und stärke dich mit dem Chrisam des Heils“, lautet die sakramentale Formel bei der Spendung der Firmung. Auch der Ritterschlag des Bischofs deutet auf ein „offenes, freimütiges, herzhaftes, tapferes und unerschrockenes Bekenntnis des christlichen Glaubens.“

 

13. März

 

Die heilige Euphrasia (Rosina), Nonne in der Thebais, Ägypten,

+ 13.3.410 – Fest: 13. März

 

Nach christlichem Brauch wird uns bei der heiligen Taufe ein Name gegeben, der Taufname, und die Kirche will, dass der Name eines Heiligen dazu gewählt werde, nicht weltliche Namen oder gar Namen von alten Heidengöttern usw. Denn der Christ soll an dem Heiligen, auf dessen Namen er getauft ist, an seinem Namenspatron, einen Fürsprecher bei Gott im Himmel und für sein Leben auf Erden ein Vorbild zur Nachahmung haben.

 

Die Heiligenlegende kennt wohl eine heilige Roselina, Rosula, Rosa und Rosalia, aber eine heilige Rosina ist in keinem Heiligenverzeichnis zu finden; und doch ist der Name Rosina ein auch in gut christlichen Gegenden gewöhnlicher Taufname, und die auf ihren Namen Getauften feiern das Fest der heiligen Rosina am 13. März, und sie tun recht daran. Die Sache verhält sich nämlich so.

 

Am 13. März feiert die Kirche das Fest der heiligen Jungfrau Euphrasia. Ihr Name wurde in den Heiligenlegenden und Martyrerbüchern oft verwechselt mit dem Namen einer anderen heiligen Jungfrau, Euphrosyna (obwohl die beiden Namen in der griechischen Sprache, der sie angehören, durchaus nicht dasselbe bedeuten), deren im römischen Martyrologium am 1. Januar gedacht, und deren Fest bei den beschuhten Karmeliten am 12., bei den unbeschuhten Karmeliten am 13. Februar gefeiert wird, als einer Heiligen des Karmeliterordens. Den Namen Euphrosyna verkürzte dann der Volksmund zu Rosina, wie er es mit so vielen Namen (Magdalena, Katharina, Christina usw.) getan hat, und dabei blieb es. Es ist auch gar nicht notwendig, zum vollen Namen Euphrosyna, oder zum richtigen Namen Euphrasia zurückzukehren, ebenso wenig als jemand, der Aloys heißt, daran denkt, seinen Namen zu ändern, weil der Name des heiligen Aloysius eigentlich Ludwig gewesen war. Viel nützlicher wird es sein, eine kurze Lebensgeschichte der heiligen Rosina oder Euphrasia zu hören.

 

Euphrasia wurde im Jahr 380 zu Konstantinopel geboren, das einzige Kind hochangesehener und tugendhafter Eltern. Ihr Vater Antigonus hatte eine wichtige Stelle am Hof des Kaisers Theodosius inne und war mit ihm nahe verwandt. Ihr Mutter, die heilige Euphrasia die Ältere, war ihm an Geburt und Tugend gleich. Sie brachten ihr Töchterlein gleich nach der Geburt Gott zum Opfer und verpflichteten sich für die übrigen Lebenstage durch ein Gelübde zur Enthaltsamkeit, um Gott ungeteilt dienen zu können. Aber Antigonus starb, nachdem kaum ein Jahr seit Ablegung dieses Gelübdes verflossen war, eines seligen Todes, und man riet der jungen Witwe sich wieder zu verehelichen. Euphrasia aber verwarf alle Vorschläge solcher Art. Sie verließ im Gegenteil später heimlich Konstantinopel und zog sich mit ihrer Tochter nach Ägypten zurück, wo sie ausgedehnte Besitzungen hatte. Dort ließ sie sich in der Nähe eines großen Frauenklosters von ausgezeichneter Zucht und Strenge nieder.

 

Die kleine Euphrasia fühlte sich von den Beispielen der frommen Ordensfrauen mächtig angezogen. Sie redete hierüber mit der Mutter und begehrte von ihr, als eine Gnade, die Erlaubnis, Gott in dem Kloster dienen zu dürfen. Die heilige Mutter weinte vor Freude, in ihrem heiligen Kind solche Wirkungen des Geistes Gottes wahrzunehmen. Sie willigte gern in die Bitte ein und stellte bald darauf selbst ihr Kind der Oberin des Klosters vor. Diese gab der kleinen Euphrasia ein Bild des Gekreuzigten in die Hände. Sie küsste es ehrfurchtsvoll und sprach: „Ich gelobe für die Zeit meines Lebens, mich meinem Heiland allein zu weihen.“ Die Mutter führte hierauf das Kind vor ein anderes Bild des Gekreuzigten und betete mit aufgehobenen Händen: Nimm, o Herr, dies Kind unter deinen Schutz. Es liebt und sucht nur dich, und empfiehlt sich daher nur dir allein.“ Dann sprach sie zur Tochter: „Möge der Herr, der die Berge auf unerschütterlichen Grundfesten baute, dich für immer in der Zucht seines heiligen Namens bestärken.“ Nach diesen Worten übergab sie das Kind der Oberin und verließ weinend das Kloster.

 

Bald darauf verfiel die heilige Mutter in eine tödliche Krankheit und kurz vor ihrem Ende erteilte sie der Tochter noch folgende Ermahnung: „Fürchte Gott, ehre deine Schwestern und betrachte dich als ihre Dienerin. Denke nie daran, was du in den Augen der Welt gewesen bist, noch sage zu dir selbst, dass du aus dem Blut der Kaiser entsprossen bist. Sei demütig und arm auf Erden, damit du verdienest, der Herrlichkeit und der Schätze des Himmels teilhaftig zu werden.“

 

Nach dem Tod der Mutter wollte Kaiser Theodosius die junge Euphrasia aus dem Kloster holen lassen, da er sie dem Sohn eines Senators zur Ehe versprochen hatte. Euphrasia ließ ihm antworten: „Wolltest du wohl, unüberwindlicher Kaiser, da du weißt, wie ich meinem Heiland versprochen habe, in ewiger Keuschheit zu leben, dass ich mein Versprechen breche, um mit einem sterblichen Menschen mich zu verbinden, der bald die Speise der Würmer sein wird? Ich bitte dich bei der Gunst, mit der du meine Eltern beehrt hast, über die Güter, die sie mir hinterlassen haben, zum Besten der Armen, Waisen und Kirchen zu verfügen. Gib allen meinen Sklaven die Freiheit und gewähre meinen Beständern den Nachlass alles dessen, was sie mir schuldig sind, damit ich, frei von zeitlichen Sorgen, Gott ungehindert dienen kann. Bitte den Herrn, dass er mich allzeit seiner würdig mache. Die nämliche Gnade wage ich von der Kaiserin, deiner Gemahlin, zu begehren.“ Der Kaiser weinte, als er ihn las, und auch die Senatoren weinten, als er ihnen vorgelesen wurde, und sagten zu Theodosius: „Sie ist des Antigonus und der Euphrasia würdige Tochter. Sie ist eine Zierde des erlauchten Blutes, das in ihren Adern fließt. Sie ist der würdige Spross eines so tugendhaften Stammes.“ Theodosius tat pünktlich, wie im Brief begehrt wurde.

 

Euphrasia strebte nun, von allen irdischen Sorgen frei, mit jedem Tag nach höherer Vollkommenheit. Sie hatte viele Kämpfe zu bestehen, aber sie wurden ihr Gelegenheit zu ebenso vielen Siegen. Durch Offenherzigkeit und Gehorsam gegenüber der Oberin überwand sie alle Feinde. Innere Leiden aber und die große äußere Strenge der Klosterregel genügten dem Bußeifer dieser unschuldigen Seele nicht, sondern sie legte sich noch viel größere Enthaltsamkeit auf. Oft brachte sie zwei oder drei Tage, zuweilen sogar eine ganze Woche ohne jegliche Nahrung zu. Dabei war sie mild und sanft im Umgang, auch gegen die gröbsten Beleidigungen unempfindlich, und voll unverdrossener Freudigkeit in den niedrigsten Diensten und Arbeiten des Klosterlebens.

 

Euphrasia starb am 13. März 410 in einem Alter von 30 Jahren. Vor und nach ihrem Tod wurde sie von Gott durch Wunder verherrlicht.

 

Der heilige Sabinus, Martyrer von Hermopolis, Ägypten,

+ 13.3.287 – Fest: 13. März

 

Als Kaiser Diokletian zur Verfolgung und Unterdrückung der Christen in grausamsten Verordnungen im ganzen Römischen Reich bekannt machte, erregten auch die Götzendiener in Ägypten eine wütende Verfolgung gegen die Bekenner Jesu. Wer von den Christen sein Leben retten wollte, musste auf Vermögen und Güter verzichten und sich in Wüsten und Einöden verbergen. In dieser unglücklichen Zeit lebte zu Hermopolis, einer Stadt in Ägypten, ein angesehener Mann Sabinus, der aus fürstlichem Geblüt entsprossen, mehr durch seine Frömmigkeit und christlichen Tugenden, als durch seine hohe Geburt berühmt war. Weil er befürchtete, seine Freunde und Angehörigen möchten durch die unmenschlichen Peinen, zu denen die Christen verurteilt wurden, zur Verleugnung ihres Glaubens gebracht werden, entfloh er mit ihnen aus der Stadt und hielt sich an einem einsamen Ort in einem engen Haus auf, wo sie ununterbrochen durch Gebet und strenges Fasten zu Gott um den Frieden der Kirche flehten. Ihr Aufenthalt wurde schließlich durch einen Bettler verraten, der vom heiligen Sabinus unzählige Wohltaten genossen hatte. Eben waren alle zum Gebet versammelt, als die Soldaten in das Haus eindrangen, die unschuldigen Christen gefangen nahmen und besonders den Sabinus mit schweren Ketten fesselten und ihn wie einen Verbrecher vor das Gericht des Statthalters schleppten. Damals beherrschte mehrere ägyptische Provinzen Arianus, ein eifriger Götzendiener, nach Willkür, weil ihm der Kaiser wegen seiner grausamen Gemütsart uneingeschränkte Gewalt gegeben hatte. Er wohnte in Hermopolis. Und als er den Sabinus erblickte, den er schon seit längerer Zeit als einen tugendhaften Mann hasste, schrie er ihm entgegen: „Opfere den unsterblichen Göttern und gehorche dem Kaiser, oder der qualvollste Tod wartet deiner.“ Ihm erwiderte der heldenmütige Bekenner: „Es ist dir und jedem bewusst, dass ich allezeit die Gesetze des Kaisers achtete und ein getreuer Untertan war. Aber Götzen anzubeten, die in ihrem Leben die schändlichsten und lasterhaftesten Menschen waren, verbietet mir meine Religion und Vernunft.“ Glühend vor Zorn über diese Frevelworte, befahl Arianus, ihn an eine Säule im Zeughaus zu hängen und seinen Körper so grausam zu zerfleischen, dass die abgeschlagenen Glieder auf dem Boden herum lagen. Bei diesem schrecklichen Anblick rief der Heide: „Wirst du dich noch nicht entschließen, den Göttern zu huldigen, um noch schwereren Qualen zu entgehen?“ Aber der Martyrer antwortete ihm mit freudiger Miene: „O du Unglücklicher und Verblendeter! Wie kannst du glauben, dass mich ein vergängliches und kurzes Leiden zu einem anderen Entschluss bewegen könne, wenn ich daran denke, welche fürchterlichen und immerwährenden Strafen Jesus, der Richter der Lebendigen und Toten, für die Lasterhaften bestimmt hat?“

 

Beschämt durch die Standhaftigkeit des Sabinus, ließ ihn der Statthalter von der Säule herabnehmen und auf ein Schiff bringen, das nach Antinopolis fuhr, und er selbst schiffte sich nach dieser Stadt ein. Weil er noch immer glaubte, er würde diesen ansehnlichen, von Heiden und Christen geehrten Mann noch zum Abfall bewegen. Das Schiff, auf dem sich Sabinus befand, kam bald in Antinopolis an, und er wurde blutend aus allen Wunden auf den Richtplatz hingelegt. Da hörte er vom herumstehenden Volk, dass ein Seesturm entstanden sei und dass Arianus in großer Lebensgefahr schwebe. Nun erhob der heilige Martyrer seine Augen zum Himmel und flehte: „Barmherziger und starker Gott! Vielleicht wird der Ungläubige durch deine Gnade noch zu deiner Erkenntnis geführt. Errette also sein Leben. Aber lasse ihn nicht eher in den Hafen gelangen, bis er, auch wider seinen Willen, den heiligen Namen deines göttlichen Sohnes Jesus bekennt und verherrlicht.“ Kaum hatte er sein Gebet vollendet, als sich der Sturm von allen Seiten erhob, und die Schiffleute erklärten, dass sie sich der Willkür der Wellen überlassen müssen. Da gebot Arianus in seiner Todesangst, dass, wer zuerst nach Antinopolis kommen sollte, zu Sabinus gehe und ihn bitte, er möchte seinen Gott um Hilfe aus dieser Gefahr anrufen. Und wirklich gelang es einem Seemann, den Hafen zu erreichen, und sogleich kam er zu dem heiligen Martyrer und trug ihm seine Bitte vor. Aber er antwortete: „Begib dich zurück zu deinem Herrn – es wird dir kein Unglück geschehen – und sage ihm, dass er nicht eher der Gefahr entkomme, als bis er schriftlich bekennt, Jesus sei der wahre und ewige Gott.“ Seinen gewissen Tod vor Augen schrieb Arianus zitternd und zähneknirschend folgende Worte: „Es ist nur ein einziger wahrer Gott, den Sabinus verehrt, nämlich Jesus Christus.“ Und sogleich wurde der Sturm gestillt und die Wellen beruhigt. Dieses auffallende Wunder erzählt, neben anderen Geschichtsschreibern, auch der ehrwürdige Kardinal Baronius, der Gelehrsamkeit und Scharfsinn genug hatte, das er keine abergläubischen Märchen niederschrieb.

 

Das Gebet des Martyrers hatte den boshaften Arianus wohl vom Tode befreit, aber nicht zur Erkenntnis des wahren Gottes gebracht. Er schämte sich im Gegenteil des Bekenntnisses, das er in der Angst abgelegt hatte. Als er in der Stadt angekommen war, hielt er öffentliches Gericht, beschuldigte den Sabinus der Zauberei und ließ ihn an einen Pfahl binden und seinen ohnehin zerfleischten Körper mit Fackeln brennen. Der Heilige litt mit übermenschlicher Geduld diese Qualen und eröffnete seinen Mund nicht zur geringsten Klage. Da aber selbst die herumstehenden Heiden laut über diese viehische Grausamkeit murrten, befahl der Statthalter, den Martyrer mit einem Stein am Hals in die Fluten zu stürzen. Sabinus vernahm mit Frohlocken sein Todesurteil, ermahnte die Christen zur Standhaftigkeit in Leiden und Verfolgungen, und bat sie zuletzt, seinen Leichnam nach drei Tagen vom Ufer abzuholen und ihn christlich zu beerdigen. Er vollendete die Marter am 13. März im Jahr 287. Seiner Vorhersage gemäß fanden am dritten Tag die Gläubigen seine sterblichen Überreste und beerdigten sie mit Ehrfurcht in der Nähe der Stadt Hermopolis.

 

Die heilige Kennoca (Kennocha), Jungfrau in Schottland,

+ 13.3.1007 – Fest: 13. März

 

Sanftmut, Sittsamkeit, Demut und Liebe zum Himmlischen, waren die Tugenden, die diese Heilige schon von ihrer Kindheit an schmückten. Da sie die einzige Tochter und Erbin eines reichen und edlen Hauses war, wurde sie von vielen Jünglingen zur Ehe begehrt. Allein sie verwarf alle ihre gemachten Anträge, um sich ganz allein Gott zu widmen. Aus dieser Ursache ging sie in ein Kloster der Grafschaft Fife. Der Geist der Armut und des Gebets, begleitet von einer bewunderungswürdigen Reinheit des Herzens, führte sie in kurzer Zeit zu einer hohen Vollkommenheit. Ihr Name wurde auch durch Wunder berühmt, die Gott auf ihr Gebet wirkte. Sie starb 1007, in einem sehr hohen Alter. In Schottland wurden ehehin mehrere Kirchen unter der Anrufung ihres Namens geweiht. Unter anderen ist eine bei Glasgow, die noch St. Kennoches-Kirk, das heißt, Kirche der heiligen Kennoca genannt wird. Die Schottländer hielten vor Alters ihre Reliquien in hohen Ehren. Im Brevier von Aberdeen findet man ein Gebet zu ihr. Der Name der heiligen Kennoca steht auch im Kalender von Adam King.

 

14. März

 

Die heilige Mathilde, Königin, Gemahlin König Heinrich I.,

+ 14.3.968 - Fest: 14. März

 

Das Leben der großen heiligen Frau und Königin Mathilde lässt sich passend in die drei Worte Palmsonntag, Karfreitag und Ostern zusammenfassen.

 

Es war da also einmal vor vielen hundert Jahren ein Edelfräulein aus dem Geschlecht des Sachsenherzogs Widukind mit Namen Mathilde. Zu Herford in Westfalen wurde das Mädchen von Klosterfrauen in den Wissenschaften und zu allen fraulichen Tugenden erzogen, und als sich mit den Jahren bei Mathilde zu der Schönheit der Seele auch eine hohe körperliche Anmut gesellte, geschah es, dass sich der Ruf von ihr weitum im Land verbreitete. Da erschien der junge Herzog Heinrich von Sachsen und begehrte Mathilde zur Frau, und bald feierten die beiden Hochzeit.

 

Einige Jahre später wurde Herzog Heinrich von Sachsen von den Fürsten des Landes zum deutschen König gewählt, und damals wurde dann auch aus seiner Gattin, der Herzogin, die Königin Mathilde.

 

Es war eine herrliche Königin. Wenn sich Mathilde, die ohnehin von hoher Frauenschönheit war, bei den großen Feierlichkeiten des Reiches, in Prunkgewänder gekleidet und mit einer goldenen Krone auf dem Haupt, dem Volk zeigte, so brach ein Beifall aus, der lebhaft an den Sturm der Begeisterung für den Heiland am Palmsonntag erinnerte. Dabei war Mathilde auch als Hausfrau ein Spiegel für alle Frauen, tüchtig und arbeitsam. Als Landesmutter nahm sie sich sorglich und mit vieler Liebe der Armen und Bedrängten an. Die eigenen Kinder, drei Jungen und zwei Mädchen, erzog sie zu christlichen Menschen, und ihrem königlichen Gemahl diente sie so hingebend, dass das Glück ihrer Ehe nie getrübt wurde. Diese Tatsache hat König Heinrich selbst noch auf dem Sterbebett anerkannt, als er von seiner guten Lebensgefährtin Abschied nahm und sagte: „Ich danke Gott, dass er dich, meine liebe Frau, noch länger zum Wohl unserer Kinder am Leben lässt, und das haben deine Treue und Tugend gar sehr verdient.“

 

Dreiundzwanzig Jahre lang hatte Mathildes Eheglück wie ein strahlender Palmsonntag gedauert. Dann brach nach dem Tod des Gatten der Karfreitag über sie herein, der die edle Frau umso schmerzlicher traf, weil ihr das Leid, das sie heimsuchte, von den eigenen Kindern zugefügt wurde. Die beiden Töchter, gut verheiratet, haben der Mutter nie Sorge bereitet, und Bruno, der jüngste Sohn, war zeitlebens Mathildes Freude und Sonnenschein, und gerade er wird ihr ewiger Ruhm bleiben; denn die Kirche verehrt auch ihn, den einstigen Erzbischof von Köln, als Heiligen. Die zwei anderen Söhne aber, Otto und Heinrich, haben der Mutter aufs Herz getreten.

 

Zunächst kämpften die beiden Brüder jahrelang in erbitterten Bürgerkriegen, die viel unnötiges Leid über das Volk brachten, um die Thronfolge. Machtlos stand Mathilde den Kampfhähnen gegenüber. Sie konnte nur beten und mahnen, und als sich die beiden schließlich versöhnten, geschah es in einer gemeinsamen Empörung gegen die Mutter, die sie wegen ihrer Wohltätigkeit gegen die Armen und Notleidenden der Verschwendung bezichtigten. Es kam so weit, dass die ungeratenen Söhne der Mutter alles Eigentum wegnahmen und sie in ein Kloster verbannten. Klaglos hat Mathilde das Leid jahrelang getragen, hat geweint und gebetet, bis die Kinder endlich zur Einsicht kamen und reumütig die verstoßene Mutter zurückriefen. Da kam über die alternde Königin ein letztes Glück wie strahlender Sonnenuntergang nach einem regenschweren Tag. Als Mathilde schließlich am 14. März 968 starb, starb mit ihr, durch Leid geläutert, eine Frau, die eine Heilige war und deren Todestag ihr die Auferstehung zum ewigen Leben brachte.

 

Die heilige Pauline von Schwarzburg (auch von Thüringen),

Witwe, Stifterin von Kloster Paulinzella, Reklusin in Thüringen,

+ 14.3.1113 – Fest: 14. März

 

Thüringen, jetzt Diasporagebiet, besaß im Mittelalter mehrere heilige Stätten. Am romantischen Flusslauf der Schwarza, wenn der Wanderer vom Trippstein aus das einzig schöne Bild von Schwarzburg mit seinem Schloss genossen hat, begegnen ihm, von Blankenburg aus nach Westen weiter marschierend, nach einer kleinen Steigung der Straße, mitten in eine grüne Wiese gebettet, umlagert von einigen Häusern, eingeschlossen ringsum von Tannenwald, die Ruinen der alten Abteikirche Paulinzelle. Mächtige Wände und Pfeiler ragen empor, aber kein schirmendes Dach breitet sich mehr darüber. Sonne und Sterne schauen neugierig in diese stille Welt hinein, und wenn des Nachts das milde Licht des Mondes das Ganze übergießt, mag es wie ein Bild aus der Märchenwelt erscheinen. Da, wo einst das Chor mit dem Hochaltar stand, ist nun der Zutritt unbehindert. Eine breite Lücke klafft hier auf. Rechts und links ragen hohe Pfeiler empor, zwölf an der Zahl, die zum Teil ausgebessert und mit eisernen Bändern versehen sind. So hat man die mächtige Ruine zu stützen und zu erhalten versucht. Und sie verdient es, denn sie ist vielleicht die bedeutendste und glänzendste ihrer Art in Deutschland, ein ganz hervorragendes Baudenkmal romanischer Kunst aus dem Anfang des zwölften Jahrhunderts. Der Zugang von Westen führt durch ein baulich merkwürdiges Tor ins sogenannte Paradies, in die Vorkirche, neben dem sich noch der eine Turmstumpf erhebt mit einer alten Glocke. Halb in die Erde eingesunken, ruht zur Linken ein großes Steinbecken, einst wohl für das Weihwasser dienend. Im linken Seitenschiff, dessen äußere Mauer, im Gegensatz zur anderen Seite, noch erhalten ist, ruhen angelehnt sechs alte, großenteils verwitterte Grabsteine, deren Bilder noch einigermaßen zu erkennen sind. Wo einst der Hochaltar in seiner Pracht sich erhob, zur Seite des Benediktusaltars, ruhen noch heute im Schoß der Erde die Reste der merkwürdigen Frau, die mit einer geradezu männlichen Kraft und Beharrlichkeit das Ziel ihres Lebens durchzuführen wusste, die Stiftung des nach ihr benannten Doppelklosters Paulinzelle.

 

Die Einführung der Reformation durch die Schwarzburger Grafen 1533 war der Beginn des Untergangs für das Kloster. Johann V. Schidt war von 1528 bis 1541 der letzte Abt von Paulinzelle und versuchte noch einen tapferen, aber fruchtlosen Widerstand gegen die drohende Auflösung. Die Güter wurden durch Verfügung der weltlichen Gerichte verpachtet oder zwangsverwaltet. Der Kirchenschatz und alle Besitzungen des Klosters wurden eingezogen. Später dann, während der Bauernkriege, wurde das Kloster geplündert und im weiteren Verlauf der Reformation gänzlich aufgehoben. Nach der Aufhebung begann natürlich der allmähliche Verfall der gesamten Anlage des Klosters und vorhandene Sandsteine wurden für andere bauliche Zwecke entwendet: Das einst so segensreiche Kloster Paulinzelle wurde schließlich zu einem Steinbruch. Im 17. Jahrhundert brach in der gesamten noch vorhandenen Anlage ein verheerendes Feuer aus und im Anschluss daran verkamen die Reste zur völligen Ruine.

 

Die heilige Pauline ist eine Zierde ihres längst erloschenen Geschlechtes, das dem Stamm der Käfernburger Grafen, der Stifter von Kloster Georgental, angehörte. Schon der Vater Moricho, Truchsess am Hof des unglücklichen Heinrich IV., entsagte nach dem Tod seiner Gattin allen weltlichen Ehren und suchte und fand den Frieden im bekannten Kloster Hirsau im Schwabenland. Die Tochter Pauline, eines der vier Kinder, war auf Wunsch der Eltern zweimal vermählt. Den ersten Gatten verlor sie als Opfer einer Feuersbrunst. Dann vermählte sie sich abermals mit einem hochangesehenen Ritter Udalrich von Schraplan. Aber die Reize der Welt hatten nie Macht über die junge Gräfin von Schwarzburg gewonnen, deren Herz von frühester Kindheit an Gott gehörte. Ihr Kleid war auffallend schlicht und ärmlich, auf Reisen benützte sie ein minderwertiges Lasttier zum Reiten. Der zweite Gemahl Ulrich, der ihre Gesinnung teilte, legte ihr bei ihren Werken der Buße und christlichen Barmherzigkeit nichts in den Weg, er tadelte sie mit keinem Wort, wenn sie die Kranken pflegte, ihr Geschmeide an Arme verschenkte oder bei großer Tafel sich insgeheim mit Aschenbrot und Wasser begnügte.

 

Mit ihm und einigem Ingesinde unternahm Pauline eine Wallfahrt nach Rom, die sie sogar bis zum weit entlegenen Kompostella, dem berühmten Heiligtum des heiligen Jakobus in Spanien, ausdehnte. Starkmütigen Herzens ertrug sie die großen Gefahren einer damals so weiten und so beschwerlichen Fahrt. Durch ihre Geistesgegenwart rettete sie auf sinkendem Schiff sich und die Ihrigen aus den Fluten der Garonne. Nach der Rückkehr in die Heimat lebten die Gatten in Merseburg, wo Paulinens Onkel Bischof war. Mit dem Tod des Gatten 1108 kam ihr Wunsch, Gott in klösterlicher Abgeschiedenheit zu dienen, zum Durchbruch. Sie wählte unter ihren Gütern ein abgelegenes Waldtal des Längwitzgaues aus zwischen Rudolfstadt und Arnstadt. Hier gründete Pauline eine Maria-Magdalena-Kapelle und daneben für sich und ihre geringe Umgebung eine Klause. So war sie zunächst eine der Reklusen, wie sie in der Geschichte des heiligen Bonifatius eine Rolle spielen. Bald folgten ihr auch ihre Töchter. Ihr Sohn Werner dagegen machte ihr viel Kummer, da er ein ganz weltliches Leben führte. Aber das Gebet und die Tränen der Mutter besiegten auch ihn. Zum Zeichen seiner entschlossenen Umkehr zündete er seine Burg an und gesellte sich als dienender Bruder dem frommen Verein seiner Mutter bei. Allmählich erweiterte sich die Stätte des Gebetes. Strenges Bußleben in Verbindung mit emsiger Arbeit, besonders in Weben und Sticken, war der Grundzug der bescheidenen Niederlassung.

 

Doch der Plan Paulinens ging weiter. Sie erstrebte die Gründung eines eigentlichen Klosters, und zwar eines Doppelklosters, wie es deren in Thüringen schon mehrere gab. Schon bisher hatten einige Mönche aus Hirsau die geistliche Leitung der Vereinigung besorgt. Die Zahl der Jungfrauen und Mönche wuchs. Da Pauline aus dem Nebeneinander der beiden für die Zukunft Unzuträglichkeiten fürchtete, siedelte sie die Nonnen in der engen Waldschlucht in der Nähe an. Den bisherigen Platz überließ sie den Mönchen, für die sie ein vollständig eingerichtetes Kloster stiften wollte. Manche mühsame Reise unternahm Pauline, um die Mittel dafür sicherzustellen. Schließlich machte sie sich 1111 abermals auf den Weg nach Rom, um vom Papst selbst Zustimmung und Segen für ihre geplante Gründung zu erbitten. Papst Paschal II. nahm die Pilgerin huldvoll auf, empfing von ihr eine kunstvoll gestickte Stola und gab Ratschläge und Segen mit auf den Weg. Obwohl auf dem Rückweg ein schwerer Unfall sie traf, da sie durch den Sturz mit dem Pferd sich einen unheilbaren Armbruch zuzog, begann sie doch ihr Werk. Noch im gleichen Jahr wurde der Grundstein zur Kirche gelegt. Jetzt galt es auch noch den geistigen Bau zu begründen. Auf ihre Bitte sagte man ihr von Hirsau Mönche zu. Darum machte sie sich im Winter 1112 mit ihrem Sohn Werner und einigen Begleitern wiederum auf den Weg, um die ihr zugewiesenen Mönche unter dem neuen Abt in die thüringische Heimat zu führen. Sie gelangte aber nicht mehr ans Ziel. Im Kloster Münsterschwarzach bei Würzburg erkrankte sie schwer und musste im Armenhospiz liegen bleiben. Doch sagte ihr eine innere Stimme, dass sie den Tod nicht sehen würde, bis ihr Wunsch erfüllt sei. Ihre Begleiter setzten unterdessen die Reise fort. Als diese am 13. März 1113 zurückkehrten, trafen sie Pauline in den letzten Zügen. Voll Freude und Verehrung begrüßte die Stifterin den neuen Abt Gerung. Am folgenden Morgen empfing sie aus seiner Hand nochmals die heilige Wegzehrung, dann gab sie ihre Seele dem allmächtigen Schöpfer zurück. Ihre irdische Hülle führten die Mönche in das Kloster mit heim und bestatteten sie zunächst in der Maria-Magdalena-Kapelle. Das schon begonnene Werk wurde rüstig gefördert. Mächtig stiegen die Mauern des Klosters und der Kirche empor. Doch noch einmal kam die Stiftung ins Wanken. Man glaubte schon, der Platz sei doch nicht günstig gewählt. Schon war man aufgebrochen, um in der Nähe von Querfurt das Werk von neuem zu beginnen, schon hatte man den Leichnam Paulines heimlich erhoben und versteckt mit sich geführt, da kehrte man doch, vielleicht infolge vielseitigen Widerspruchs, zurück und vollendete das begonnene Werk. Das Doppelkloster trat ins Leben, doch gedieh das Nonnenkloster weniger, während das der Mönche sich bedeutend entwickelte. Paulines irdische Reste aber wurden vor dem Hochaltar nahe dem Nebenaltar des heiligen Benediktus eingebettet, wo sie heute noch ruhen sollen.

 

Über 400 Jahre hat Kloster Paulinzelle die Kultur in der Waldwildnis Thüringens verbreitet in stiller, unverdrossener Arbeit, zeitweilig auch bekannt durch seine Klosterschule. Da wurde die ruhige Entwicklung unterbrochen durch den furchtbaren Sturm des Bauernkrieges, der gerade in Thüringen so viele Ruinen schuf. Zwar ging es Paulinzelle erträglicher als anderen heiligen Stätten. Es wurde gründlich ausgeplündert, aber nicht in einen Trümmerhaufen verwandelt wie Reinhardsbrunn, das der lieben heiligen Elisabeth als Begräbnisstätte ihres Gemahls so teuer war, Georgental und andere Klöster. Doch als die Klosterinsassen zurückkehrten, legten die Schwarzburger Grafen, also Glieder aus der Familie der Stifterin, 1534, ihre schwere Hand auf den Klosterbesitz, und trotz allen Einspruches gelang es ihnen, sich an diesem Gut zu bereichern. Seitdem ist Paulinzelle verödet. Die Klostergebäude verfielen. Die großartigen Ruinen der ehemaligen Stiftskirche aber sind noch immer ein einzigartiges Grabdenkmal und Erinnerungszeichen für die heilige Pauline von Schwarzburg.

 

„Ich habe euch auserwählt und habe euch gesetzt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe!“ (Joh 15,16) Ja, noch Jahrhunderte erzählen von den Früchten der auserwählten Gotteskinder. Wenn die Bosheit der Menschen sie zerstören will, so „reden die Steine davon“. Die köstlichsten Früchte der Heiligen aber reifen für die Ewigkeit und sind unvergänglich, wie Gott, der ihr Gedeihen gab. Am eucharistischen Tisch unserer Gotteshäuser wählt Gott auch dich unter Tausenden aus. Da gehe hin und bringe Frucht, bleibende Frucht, unvergänglich für die Ewigkeit. Auch mit Gaben für den Bau von Kirchen in der Diaspora könntest du dir Erinnerungszeichen, Denkmale errichten, die unzerstörbar sind auf Gottes ewiger „Lohn“tafel.

 

Der heilige Leobin, Bischof und Bekenner von Chartres in Frankreich,

+ 14.3.557 – Fest: 14. März

 

Der heilige Leobin, geboren in Poitiers, trat in seinem Vaterland in den Klosterstand. Sein Fleiß in Erlernung der theologischen Wissenschaften erwarb ihm große Kenntnisse in den Wahrheiten des Heils. 8 Jahre nach Ablegung seiner Gelübde begehrte er die Erlaubnis, den heiligen Avit, der in Percha wohnte, zu besuchen und erhielt sie. Zuerst begegnete er dem heiligen Diakon Carileph, der ihm heilsame Lehren erteilte, unter anderen, dass er nie in einem kleinen Kloster bleiben solle, weil man da gewöhnlich den Gehorsam wenig beobachte, indem jeder Herr sein wolle. Dann suchte er den gottseligen Avit auf, der in einer Einsiedelei wohnte. Dieser Heilige wollte ihn aber noch nicht bei sich behalten, sondern gab ihm die Weisung noch einige Jahre in einer Klostergenossenschaft zuzubringen, und dann wieder zu ihm zu kommen.

 

Unser Heiliger fasste den Entschluss, sich in die berühmte Abtei von Lerins zurückzuziehen. Allein er änderte ihn, und ließ sich bei Lyon, auf der Insel Barbe nieder, wo er unter der Leitung des Abtes Lupus, der in einem großen Ruf der Heiligkeit stand, lebte. Da die Mönche aus Furcht, in die Hände der Franzosen zu fallen, die den Burgundern den Krieg erklärt hatten, alle die Flucht ergriffen, blieb der heilige Leobin, und ein frommer Greis zurück. Indessen bemächtigten sich die französischen Truppen der Insel Barbe. Die Soldaten ergriffen den frommen Alten und fragten ihn, wo man den Schatz der Genossenschaft verborgen habe. Dieser wies sie in seinem Schrecken an Leobin, den sie auf die Weigerung, das Geheimnis seiner Brüder zu verraten, auf die grausamste Weise misshandelten.

 

Der heilige Leobin verband sich danach mit zwei anderen Einsiedlern, und kam nach Perche zurück, um da unter der Leitung des heiligen Avit zu leben. Dieser Heilige nahm sie alle drei mit väterlicher Liebe auf, und gab ihnen Stellen in seinem Kloster. Dem heiligen Leobin übertrug er die Aufsicht über den Keller, die er auch bis zum Tod des heiligen Avit behielt. In der Folge zog er sich in die Wüste von Charbonnieres zurück, wo er entfernt von allem Umgang mit der Welt, fünf Jahre zubrachte. Etherius, der Bischof von Chartres, der von des Einsiedlers Heiligkeit in Kenntnis gesetzt wurde, weihte ihn zum Priester, und setzte ihn als Abt über das Kloster Brou, in Perche. Dem heiligen Albin, dem Bischof von Angers, der den heiligen Cäsarius von Arles besuchte, gab er ihn dann zum Reisegefährten. Leobin wünschte nun seine Tage zu Lerins beschließen zu können. Allein der heilige Cäsarius überredete ihn, wieder in das Kloster Brou zurückzukehren. Im Jahr 544 folgte er dem Bischof Etherius von Chartres nach, und erfüllte treu alle Pflichten eines guten Hirten, bis er 557 starb. Er hatte dem 5. Konzil von Orleans, und dem 2. von Paris beigewohnt. (Das 1. Dieser Konzilien wurde 549 und das andere 551 gehalten.) Sein Haupt bewahrt man in der Kathedralkirche von Chartres, die übrigen Teile seines Leibes wurden von den Calvinisten 1568 verbrannt. Der Name des heiligen Leobin steht im römischen Martyrologium auf den 15. September. (Übertragung der Gebeine.) Allein sein Fest wird in der katholischen Kirche nun mehr am 14 März und im Bistum Chartres zwei Mal des Jahres gefeiert, nämlich am 14. März und am 15. September.

 

Der heilige Bonifacius, Bischof von Ross in Schottland,

+ 14.3.630 – Fest: 14. März

 

Glühender Eifer für das Heil der Seelen bewog diesen Heiligen, Italien zu verlassen, um im nördlichen Großbritannien das Evangelium zu predigen. Da er bei der Mündung der Tees ans Land gestiegen war, baute er daselbst eine Kirche unter Anrufung des heiligen Petrus. Eine zweite baute er zu Tellein (drei Meilen von Alect), und eine dritte zu Nestennet (diese Kirche wurde von den regulierten Chorherren des heiligen Augustin bedient, da die Klöster in Schottland zerstört waren). Seine Predigten brachten in den Provinzen Angus, Buchan, Elgin, Murray und Roß, wundervolle Wirkungen hervor. Nachdem er Bischof von Roß geworden war, stiftete er mehrere Kirchen in dieser Provinz, und Religion und Gottesfurcht blühten allenthalben herrlich unter seinem Hirtenstab auf. Er starb um das Jahr 630. Im Brevier von Aberdeen liest man, dass er 150 Kirchen oder Bethäuser gestiftet, und dass Gott nach seinem Tod viele Wunder auf seine Fürbitte gewirkt habe.

 

15. März

 

Der heilige Klemens Maria Hofbauer, Priester von Wien,

+ 15.3.1820 - Fest: 15. März

 

Als ein etwas verspätetes Weihnachtsgeschenk wurde am Stephansfest des Jahres 1751 dem Ackersmann Hofbauer und seiner Gattin Maria zu Taßnitz in Mähren als neuntes von zwölf Kindern ein Junge in die Wiege gelegt, das am gleichen Tag in der heiligen Taufe den Namen Hans erhielt. Mit sechs Jahren verlor Hans den Vater durch den Tod, und die herzensgute Mutter hatte ihre liebe Not, um für die zwölf Kinder den Lebensunterhalt zu verdienen. Hans wäre gerne Priester geworden, aber die Not im Elternhaus verhinderte es, dass sich der schöne Jungentraum bald erfüllte.

 

Hans kam zu einem Bäcker in die Lehre. Immer noch wünschte er sich von ganzem Herzen, dass er einmal Priester werde, und innig betete er jeden Tag um diese Gnade. Wo aber ein Junge mit solch einem Sinn, wie es damals der Hans Hofbauer tat, beharrlich und treu um das Priestertum bittet, da hilft der liebe Gott gern nach und macht das scheinbar Unmögliche möglich. Aus dem Bäckerlehrling ist auch schließlich noch ein Priester geworden, ein heiliger Priester, dessen Wirken von Segen überfloss.

 

Weit war allerdings Hans Hofbauers Weg bis zu den Stufen des Altars. Aus dem Bäckerlehrling wurde zunächst ein Klosterdiener, aus dem Klosterdiener ein Einsiedler mit dem neuen Namen Klemens, aus dem Einsiedler wieder ein Bäckergeselle in Wien, der nebenbei des Nachts Latein lernte, bis er schließlich mit einem Freund zu Fuß nach Rom wanderte. Dort trat er in einen gerade gegründeten Redemptoristenorden ein, vollendete die Studien und erhielt mit vierunddreißig Jahren als Lohn seiner unentwegten Treue die heilige Priesterweihe. Endlich durfte er Jesus Christus unter dem Schleier der Gestalten von Brot und Wein in Händen tragen.

 

Vierunddreißig Jahre war also Pater Hofbauer alt, als er die Priesterweihe empfing, und vierunddreißig Jahre Priestertum waren ihm bis zu seinem Tod noch beschieden. Mehr als die Hälfte der Zeit wirkte der Heilige in Warschau, der Hauptstadt von Polen. Es war ein harter Beginn in Armut und bitterer Not. Obwohl der Heilige selbst Not litt, gründete er ein Waisenhaus und bettelte für sich und für die Waisenkinder. Als ihn einmal auf einem Bittgang einer, den er um eine milde Gabe bat, ins Gesicht spuckte, wischte sich Pater Hofbauer ruhig das Gesicht ab und sagte: „Das war für mich, und nun geben Sie mir bitte auch eine Kleinigkeit für meine Waisenkinder!“

 

Da war der Spötter besiegt, gab alles Geld her, das er bei sich trug, und kam obendrein am andern Tag, um eine Lebensbeichte abzulegen. So handeln die Heiligen, und deswegen ist auch ihr Wirken reich gesegnet.

 

Vor allem war es Pater Hofbauer ein Anliegen, den Gottesdienst würdig zu feiern, und wenn er predigte, gingen seine Worte den Zuhörern tief zu Herzen. Bald predigte er alle Tage. Immer größer wurde der Zulauf der Gläubigen. Im Beichtstuhl, den er wegen des Andranges kaum noch verlassen konnte, erntete der seeleneifrige Priester hundertfältige Frucht. Das verlotterte Warschau erhielt durch Pater Hofbauer wieder ein christliches Gesicht.

 

Auf die gleiche Art und mit dem gleichen Erfolg wirkte der Heilige später als Caritasapostel, Prediger und Beichtvater in Wien, der Hauptstadt von Österreich. Er hatte eine eigene Art, die Seelen an sich zu ziehen und für Christus zu gewinnen. Rastlos wirkte er, denn er meinte, solange man lebe, müsse man auch arbeiten und Gutes tun.

 

Als Pater Hofbauer acht Tage vor dem Tod zum letzten Mal im Beichtstuhl saß, sah ein Mann, der in der Nähe war, wie sich auf einmal die Kirchentür öffnete. Weißgekleidete Gestalten mit Blumenketten in den Händen traten im langen Zug herein und zogen winkend am Beichtstuhl des Heiligen vorüber, der sich mit einem seligen Lächeln auf dem Gesicht hinausbeugte und sagte: „Ja, ich komme, ich komme.“

 

Weil der heilige Klemens Maria Hofbauer lebenslang trotz aller Hindernisse mit unverbrüchlicher Treue den Weg ging, den der liebe Gott ihm vorgezeichnet hatte, deshalb ist aus dem armen Bäckerlehrling ein berühmter Heiliger geworden.

 

Großstadtapostel, Helfer und Begleiter,

Lehrer und Mahner, Menschenfreund und Streiter,

nimm, Pater Klemens, unser Lob entgegen,

mach es zum Segen.

 

Als sich der Mensch zum Herrn der Welt erklärte

und die Vernunft ins Gegenteil verkehrte,

standest du auf, den Schöpfer zu verkünden,

in dem wir gründen.

 

Als sich die Herrscher an der Kirche stießen

und nur den eignen Maßstab gelten ließen,

lehrtest du aufrecht, ohne Scheu vor ihnen,

beten und dienen.

 

Du hast der Kirche neue Kraft gegeben.

Du halfst den Menschen, Gottes Reich zu leben.

Tausende dankten dir mit Wort und Taten.

Sie wurden Saaten.

 

Großstadtapostel, Helfer und Begleiter,

Lehrer und Mahner, Menschenfreund und Streiter,

lenk, Pater Klemens, heute unsre Schritte,

führ uns zur Mitte.

 

Die heilige Luise Marillac, Witwe Le Gras,

Mitbegründerin der Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern,

+ 15.3.1660 – Fest: 15. März

 

Die Frauenkongregation der Barmherzigen Schwestern, dieser liebliche Blütenzweig am Baum der Kirche, ist ganz der Erlöserliebe des göttlichen Samaritans entsprungen. Es ist etwas Uraltes, so alt wie die Mutterliebe der Kirche, die sie aus dem Heilandsherzen selber empfangen hat. Und doch war es wieder etwas ganz Neues in der Geschichte des kirchlichen Ordenswesens, als der heilige Vinzenz von Paul, der große Erwecker und Förderer aller Liebeswerke, am 29. November 1633 die Genossenschaft begründete. Neu war, dass gottgeweihte Jungfrauen nicht in streng abgeschlossenen Klöstern, sondern, wo es nottat, auch zu zweit mitten unter Weltleuten wohnten, dass sie die Armen und Kranken nicht bloß in den Spitälern und Armenhäusern bedienten, sondern das Elend in seinen Winkeln und Wohnungen aufsuchten. Es war damit ein Orden gegründet, „dessen Klöster“, nach dem Ausdruck des Stifters, „die Krankenhäuser, dessen Zelle die arme Herberge, dessen Kirche die Pfarrkirche, dessen Gänge die Verkehrsstraßen sein sollten, der als Klausur den Gehorsam, als Gitter die Furcht Gottes und als Schleier die heilige Bescheidenheit haben sollte“.

 

Mitbegründerin des großen Werkes der Liebe, die ausführende Hand des heiligen Vinzenz war die heilige Luise (Ludowika) von Marillac.

 

Im Jahr 1591 aus dem edlen altfranzösischen Geschlecht der Marillac geboren, erhielt Luise nach dem frühen Tod ihrer Mutter teils im Kloster Poissy, wo eine Verwandte war, teils in Paris eine sehr sorgfältige Erziehung. Es war auf feine Geistesbildung abgesehen, so dass ihr Latein und Philosophie, wie auch die Kunst und ihre Betätigung im Malen nicht fremd blieben. Aber auch der Sinn fürs wirkliche Leben und die Übung der christlichen Tugend wurde sorgsam gepflegt. Luises geistvolle Bildung und köstliche Lebensart befriedigte ihren teuren Vater so sehr, dass er sie in seinem Testament seinen „größten Trost auf Erden nennt, von Gott gegeben für seinen Geistesfrieden in den Trübsalen des Lebens“. Glücklicher Vater, der sich eines solchen Kindes erfreuen kann!

 

In der Familienüberlieferung wird aus Luises Jugend ein sehr merkwürdiges Ereignis erzählt, das uns den besonderen Schutz der göttlichen Vorsehung für sie, aber auch ihre frühzeitige barmherzige Liebe bekundet. Bei einer Reise über Land ob des schlechten Weges gezwungen, mit ihren Brüdern vom Wagen auszusteigen, sah sie sich von einer Menge Zigeuner umschwärmt. Luise fühlte großes Mitleid mit den zerlumpten Kindern, schenkte einem Jungen ein Geldstück und fügte einige freundliche Worte hinzu, so dass dieser sich über so selten erlebte Freundlichkeit warm berührt fühlte. Im Schloss angekommen, sehnte sich Fräulein Marillac, ermüdet von den Anstrengungen der Reise, nach Ruhe. Mit dem Schlaf kämpfend, beschloss sie, den Rosenkranz, den sie vor dem Schlafengehen zu beten gewohnt war, zu unterlassen und am nächsten Tag mit mehr Andacht nachzuholen, als sie ein leises Geräusch im Zimmer zu vernehmen glaubte. Obwohl sie nichts wahrnehmen konnte, vermochte sie doch sich der einmal erregten Furcht nicht zu entschlagen; sie ergriff den Rosenkranz und kniete auf den Betstuhl nieder. Da fallen zufällig ihre Augen auf die schon zurückgeschlagenen Vorhänge des Bettes und sie glaubt einen kurzen Augenblick zwei Augen unter dem Bett hervorleuchten zu sehen, zugleich hört sie einen leisen Schlag an die Bettstätte, der von dem schnell sich zurückziehenden Kopf herrühren musste. Am ganzen Körper zitternd, ließ sie ihr Auge unbeweglich auf dem einen Punkt haften. Was sollte sie tun? Sie war so weit von der Tür entfernt, dass, wollte sie auch eiligst jemand zu Hilfe rufen, der Räuber sie leicht vorher ergreifen konnte. Im Vertrauen auf die liebe Mutter Gottes betete sie nun laut, wie von oben eingegeben, nicht um Erhaltung ihres Lebens, sondern um Gnade und Reue für die Bösen, die Gott nicht kennen. Dann rief sie mit lauter Stimme: „Komm, böser Mensch, komm aus deinem Schlupfwinkel hervor, damit ich dir nach Jesu Gebot Gutes erweise. Komm heraus! Willst du mir Böses, so ich dir nur Gutes.“ Wie groß war ihr Erstaunen, als statt eines Räubers der kleine Zigeuner zum Vorschein kam, den sie am Nachmittag beschenkt hatte. Er hätte bei Nacht die Haustür öffnen und seine Diebsgesellen einlassen sollen. Da er selber nur ein armer, verführter Junge, ohne Bosheit, war, entließ ihn das gutmütige Fräulein mit einer ernstlichen Mahnung ungestraft. Da nahm der Kleine im Gefühl der Dankbarkeit eine Kapsel vom Hals und gab sie seiner Wohltäterin mit dem Bedeuten, wenn sie wieder einmal in ähnliche Gefahr käme, so möge sie nur den Namen Agnes aussprechen, so würde ihr nichts zuleide geschehen. Als darauf das Gerücht von dem nächtlichen Abenteuer auch der Königin Maria von Medici zu Ohren kam, ließ sie durch ihren Sekretär Anton Le Gras Erkundigungen einziehen. Wie war dieser aber betroffen und freudig erregt, als er in der gezeigten Kapsel jene erkannte, die seine Mutter mit dem Bildnis der heiligen Agnes und dem von ihrer Hand geschriebenen Namen seinem Bruder Gabriel umgehängt hatte, der beim Einsturz einer Mühlenbrücke verschwunden war. Le Gras forschte nun dem kleinen Zigeuner nach und es stellte sich heraus, dass es wirklich sein Bruder war, der seinerzeit von einem Bandenführer aus dem Wasser gezogen, mitgenommen und zu allerlei Künsten war abgerichtet worden. Der Wiedergefundene wurde ein Schüler des heiligen Vinzenz, dem er auf der Bahn christlicher Liebe folgte. Luise aber erfasste gerade bei dieser Gelegenheit, obwohl noch ein Kind mit vierzehn Jahren, schon lebhaft den Gedanken ihrer nachmaligen Betätigung der Nächstenliebe. „Ich bin überzeugt“, sagte sie sich, „wenn es Zufluchtsstätten für diese kleinen Opfer des Lasters und der Armut gäbe, so würden sie statt Übeltäter gutgesinnte und fleißige Menschen werden.“

 

Die Zeit der Standeswahl kam und Luise Marillac war geneigt bei den Kapuzinerinnen einzutreten. Ein frommer Ordensmann aber, den sie zu Rate zog, hielt sie hierfür nicht kräftig genug. „Ich glaube“, meinte er, „Gott hat andere Absichten mit Ihnen.“ So war es auch. Sie, die berufen war, den leidenden Mitmenschen die helfende Hand und den Nöten der Welt Heilmittel zu bieten, sollte auch inmitten der Welt stehen und vor allem den weltlichen Ständen zum Vorbild werden. So vermählte sie sich mit dem genannten königlichen Sekretär Le Gras, der aus einer Familie stammte, die sich die Ausübung der Werke der Barmherzigkeit zur besonderen Lebensaufgabe gemacht zu haben schien.

 

Ohne irgendeine Pflicht des Hauses zu versäumen, verlegte sich die mitleidsvolle Frau von den ersten Jahren ihres Ehestandes an auf den Besuch der Kranken in ihrer Pfarrei, brachte ihnen Lebens- und Heilmittel, machte ihre Betten, tröstete sie durch erhebende Zusprüche, bereitete sie auf die heiligen Sakramente vor und sorgte selbst noch für die Aufbahrung der Gestorbenen. Ihr immer mehr wachsender Eifer für die Werke der Liebe veranlasste sie, auch andere Frauen dafür zu gewinnen, so dass sie schon damals für sich den Versuch begann und Pläne entwarf, die später durch den gottbegeisterten Vinzenz von Paul zur Wirklichkeit wurden.

 

Wenn ein Geistesmann sagt, die Verbindung einer tiefen Innerlichkeit mit der größten Geschäftsüberbürdung sei das Geheimnis einer großen Persönlichkeit, dann ist auch Luise Le Gras unzweifelhaft eine große Persönlichkeit. Sie hütete sich von Anfang an vor jeder Veräußerlichung. Keine größere Freude gab es für sie, als sich durch die Betrachtung mit Gott zu vereinigen und durch geistliche Übungen sich dem Verkehr mit der Welt zu entziehen. Ihr geistlicher Berater, der berühmte Bischof von Belley, Johann Peter Camus, der innigste Freund des heiligen Franz von Sales, glaubte sie hinsichtlich der geistlichen Exerzitien sogar zur „Mäßigung“ mahnen zu müssen, da ihre „zu große geistliche Begierde hierin der Zurückhaltung bedürfe“. Ihr ganzes Wesen und Handeln war einfach und natürlich. Ihre Tugend und Bescheidenheit wusste sie vor den Augen Unberufener zu verbergen. Vor Gottes Augen aber war ihr Leben tief innerlich, ganz vom Geist des Glaubens getragen. Und doch hatte diese glaubensstarke Frau gerade gegen den Glauben an das Dasein Gottes und die Unsterblichkeit der Seele einmal lange und heftige Versuchungen zu ertragen. Aber in den schwersten Stürmen wurde sie durch die Kraft des Heiligen Geistes, den sie innig anrief, aufrecht gehalten und schließlich auch an seinem Hochfest während der Feier der heiligen Geheimnisse befreit.

 

Noch eine empfindliche Prüfung oder besser eine treffliche Vorschule für die späteren Liebeswerke im Dienst der Leidenden sollte die gottinnige Frau durchmachen. Ihr Gatte erkrankte drei bis vier Jahre vor seinem Tod häufig und wurde dadurch in seiner Gemütsart sehr übel gelaunt und verdrießlich. Da erwies ihm denn die liebevolle und getreue Gattin eine noch teilnehmendere Herzensgüte und Nachgiebigkeit in der Liebe, um den Geist zu beruhigen und die Schmerzen zu versüßen. Ihre sorgsame Pflege und die rührende Art, Trost zu spenden, bewirkte, dass schließlich Herr Le Gras, als es zum Scheiden kam, mit wahrhaft christlichen Gesinnungen das Opfer des Lebens brachte, im Dezember 1625. Um sich ganz auf die Werke der Frömmigkeit und der Liebe verlegen zu können, verpflichtete sich die gottselige Witwe durch ein Gelübde, das sie jährlich am Tag der heiligen Monika unter reichlichen Gnaden erneuerte, im Witwenstand zu bleiben. Ihrem einzigen Sohn hatte sie eine vorzügliche Erziehung gegeben, so dass er als königlicher Rat im Münzwesen Anstellung fand. Sie selbst aber wurde vom Bischof von Belley zur besseren Leitung dem heiligen Vinzenz übergeben, der nun ihrem inneren Leben und ihrer äußeren Lebensgestaltung mit gleicher Milde wie Festigkeit die großen die großen Richtlinien gab. Vom mächtigen Beispiel des heiligen Mannes noch mehr wie bisher für alle Werke der christlichen Liebe begeistert, wollte die ergebene Schülerin sich alsbald durch ein unwiderrufliches Gelübde dazu verpflichten. Aber Vinzenz ging nur Schritt für Schritt vor. Er ließ sie eine Art Noviziat durchmachen mit all den üblichen Übungen. Als er sie hinreichend in ihrem Entschluss befestigt glaubte, nahm er ihr Anerbieten zum Dienst der Armen an und gesellte sie den Arbeiten seiner Missionen bei. Er sandte sie aufs Land zu den seit 1617 schon bestehenden „Vereinen der christlichen Liebe“. Da sammelte sie die Frauen, gab ihnen die erforderlichen Unterweisungen in Erfüllung ihrer guten Werke, suchte zu beleben, was erkaltet, wiederherzustellen, was verfallen war, und gründete neu, wo das Bedürfnis danach rief. Im Jahr 1630 unternahm sie die Bildung dieser Vereine auch für die Hauptstadt, deren Arme gewiss nicht weniger bedauernswert und bedürftig waren als jene des Landes, denen bisher die Fürsorge des Vaters Vinzenz allein gegolten hatte.

 

Die Arbeit der Vereinsmitglieder konnte aber auf die Dauer den Anforderungen nicht genügen. Der heilige Vinzenz gelangte zu der Anschauung, dass Dienerinnen unumgänglich notwendig wären, die frei von eigenen häuslichen Sorgen sich einzig dem Beruf hingeben könnten, den Kranken und Armen zu dienen. Einige Landmädchen bewarben sich auch dafür. Um sie zur Ausübung des Krankendienstes zuverlässig heranzubilden und die Möglichkeit zu schaffen, bei sich darbietendem Bedürfnis immer einige in Bereitschaft zu haben, glaubte er sie zu einer religiösen Gemeinde unter Leitung einer Oberin vereinigen zu müssen. Für dieses Amt aber fand Vinzenz niemand mehr geeignet als Frau Le Gras, bei der er seit so vielen Jahren eine vollendete Klugheit, eine musterhafte und andauernde Frömmigkeit nebst brennendem Eifer erkannt hatte. Zunächst war es ihr eigenes Haus in der Pfarrei St. Nikolaus, in dem die Kongregation der Töchter der christlichen Liebe, der Dienerinnen der Armen, 1633 ihren Anfang nahm, über die der Himmel seither so sichtlich seinen Segen ausbreitete, dass sie alle Welt mit dem Wohlgeruch Christi erfüllte.

 

Die Kongregation, für die sich die Vorsteherin in demütigster Unterordnung unter den großen Organisator gänzlich zum Opfer brachte, gedieh. Die Kräfte wuchsen, wie die Bedürfnisse sich mehrten. Und was fand nicht alles Platz im weiten Herzen des Heiligen! Wer anders musste da mit ihm die Liebe wie die Mühen teilen, als seine geliebten geistlichen Töchter! Da war das Elend der Findelkinder, worauf die heilige Luise, von tiefstem Mitleid bewegt, den Vater aller Hilfsbedürftigen selber hinwies. Er hinwiederum übertrug ihnen die Obsorge für die Galeerensträflinge. Im Spital zu Angers setzten die heldenmütigen Jungfrauen ihr Leben im Dienst der Pestkranken ein. Man berief sie im flandrischen Krieg zur Pflege der Verwundeten nach Nantes und Calais, 1652 wieder halfen sie die Bedrängnisse des Bürgerkrieges lindern. In Paris entstand ein großes Krankenhaus für die Armen, Heimstätten für alte Handwerker usw. Überall aber, wo die Schwestern sich opferten, da musste auch die Mutter mit ihrer Liebe und Sorge sein. Der christlichen Witwe, die nur über eine schwache Gesundheit und anfangs nur über geringe Mittel verfügte, fließt auf den Rat des zweiten Elias das Öl der Caritas reichlich genug, um all die Gefäße der Not, die sich öffnen, füllen zu können. Über mehr als dreißig Orte Frankreichs und selbst auf auswärtige Länder, als erstes Polen, dehnt sie das Werk der Barmherzigkeit aus.

 

Mutter Luise stellte hohe Anforderungen an ihre Töchter. Ihre trefflichen Unterweisungen hatten nicht nur eine gediegene berufliche Ausbildung, sondern besonders auch die geistliche Vervollkommnung im Auge. „Ihr sucht die Kranken auf“, sprach sie einmal, „so wie es der Heiland tat. Er zog ja von Flecken zu Flecken . . . Habt ihr es schon bedacht, meine Töchter, was es heißt, tun, was Gott getan hat? Müsst ihr da nicht auch vollkommen sein, wahre Engel im Fleisch. Wollt ihr nach Vollkommenheit streben, müsst ihr daran arbeiten, euch selber abzusterben. Was für große Dinge sage ich euch doch mit diesen Worten! Könnte ich sie nur mit meinem eigenen Blut für euch niederschreiben!“ Besonders prägte sie ihnen die gegenseitige Liebe und die „heilige Herzlichkeit“ und teilnehmende Güte gegenüber den Nächsten ein. „Ihr müsst euch gegenseitig lieben als Schwestern, die Jesus Christus durch seine Liebe verbunden hat, und ihr sollt beherzigen, weil Gott euch auserwählt und zusammengeführt hat, um ihm alle in derselben Weise zu dienen, dass ihr darum auch alle insgesamt wie ein von demselben Geist beseelter Körper sein und euch als Glieder eines und desselben Leibes betrachten müsst.“ Mutter Luise nahm eben auch das eigene religiöse Leben und ihren Beruf sehr ernst. Darum war sie auch immer heiteren und fröhlichen Mutes, selbst in späteren Jahren, wo sie viel kränklich war, und Altersgebrechen und Sorgen schwer auf ihr lasteten. Die Herzlichkeit, Einfachheit und Fröhlichkeit waren auch die Tugenden, die sie im Schwesternkreis heimisch zu machen sich alle Mühe gab.

 

Nachdem die Regel der Kongregation sich durch lange Jahre bewährt hatte, veranlasste Mutter Luise 1651 den heiligen Stifter die Statuten zur kirchlichen Approbation einzureichen. Das erlangte Billigungsdekret des Erzbischofs von Paris ging aber hernach zu Verlust und so wurden im Januar 1655 die Vereinigung (Kongregation) und ihre Regeln und Vorschriften nochmals approbiert unter dem Titel „Dienerinnen der Armen“ und unter der Leitung des Generalsuperiors der „Mission“. Am 8. August 1655, also nach erst 22 Jahren seit der Begründung, vollzog St. Vinzenz im Mutterhaus St. Lazarus den feierlichen Akt der amtlichen Errichtung, wobei er der seligen Mutter Ludowika Le Gras das Amt einer Oberin auf Lebenszeit übertrug.

 

Nur noch fünf Jahre trug sie die Last. Schon hatte sie 68 Lebensjahre erreicht. In ihrer letzten Krankheit litt sie schwer, aber mit großer Geduld und Ergebung. Den letzten Muttersegen vor ihrem Tod, am 15. März 1660, haben die Barmherzigen Schwestern sorgsam aufgezeichnet: „Meine teuren Schwestern“, sprach sie mühsam, „ich flehe immer zu Gott um seinen Segen für euch und bitte ihn, er möge euch die Gnade der Beharrlichkeit in eurem Beruf geben, auf dass ihr ihm so dient, wie er es von euch verlangt. Gebt euch große Mühe im Dienst der Armen. Gebt euch aber besonders Mühe, gut zusammen zu leben in großer Einigkeit und Herzlichkeit. Liebt einander, um die Liebesvereinigung und das Leben unseres Herrn nachzuahmen. Und bittet auch inständig die allerseligste Jungfrau, sie wolle eure einzige Mutter sein!“

 

Erst unsere Zeit hat der ersten Tochter des heiligen Vinzenz die Verherrlichung durch die Kirche gebracht. Unter Leo XIII. wurde ihr durch Einleitung des Seligsprechungsprozesses am 10. Juni 1895 der Titel einer Ehrwürdigen zuerkannt. Benedikt XV. hat Ludowika Le Gras am 9. Mai 1920 seliggesprochen, und Pius XI. am 11. März 1934 heiliggesprochen.

 

Als Grundsatz für die Werke der Liebe sprach die Heilige aus: „Jesus Christus hat uns die christliche Liebe gelehrt, um unser Unvermögen zu ersetzen, ihm in seiner Person einen Dienst zu leisten. An seiner Statt hat er uns den Nächsten gegeben. Darum erwecke ich das Verlangen in mir, ihn, so viel ich nur immer kann, in der Person der Armen zu ehren.“

 

Der selige Wilhelm Hart, Priester und Märtyrer in England,

+ 15.3.1583 – Gedächtnis: 15. März

 

Ein Zeitgenosse schildert den seligen Hart in einem Brief als „einen jungen Mann voll Unschuld und Bescheidenheit und als einen gelehrten und heiligen Priester, der für die Kirche Christi und das Ansehen seines Stellvertreters glorreich sein Blut vergoss.“

 

In Somersetshire geboren, erwarb sich Wilhelm Hart mit seinen glänzenden Talenten eine vorzügliche Bildung. Eine glückliche Laufbahn in der Welt tat sich ihm auf. Um des Glaubens willen aber entsagte er allem und begab sich ins englische Seminar von Douay in Nordfrankreich und bald darauf nach Reims. Nachdem er in den Bädern von Spa umsonst Heilung eines heftigen Steinleidens gesucht hatte, unterzog er sich einer schmerzhaften Operation, um sein Leben dem Dienst der Kirche zu erhalten. Im englischen Kolleg zu Rom vollendete Hart seine theologischen Studien, empfing die Priesterweihe und wurde dann 1581 mit 46 Gefährten, von denen nicht weniger als dreizehn die Martyrerkrone erlangten, nach England zurückgeschickt.

 

Harts Wirksamkeit in und um York war ungemein gesegnet. Er hatte ein seltenes Talent zu predigen und einen überaus gewinnenden Umgang, so dass man ihn einen zweiten Campion (1. Dezember) nannte. Auch hinsichtlich der Gewandtheit seiner Feder gab er jenem trefflichen Streiter nichts nach. Zu diesen natürlichen Gaben gesellte sich eine zarte Frömmigkeit und ein glühender Eifer für die Ausbreitung des Glaubens. Bei der heiligen Messe zerfloss er manchmal in Tränen innigster Andacht. Eine ganz besondere Liebe wendete er den um des Glaubens willen gefangenen Brüdern zu, mit denen die Gefängnisse von York angefüllt waren.

 

Bei einem dieser Liebeswerke entkam der eifrige Priester nur mit knapper Not den Häschern. Es war am 22. Juli 1582, als der selige Wilhelm Lacey, der mit Hart den Gefangenen einen nächtlichen Gottesdienst hielt, verhaftet wurde. Dem seligen Hart gelang es, über den Wall in den Schlossgraben hinabzuklettern und durch dessen morastiges Wasser, das ihm bis an den Hals reichte, den Verfolgern zu entkommen. Allein nur wenige Monate waren ihm mehr gegönnt. In der Nacht nach dem Weihnachtsfest drangen die königlichen Spürhunde in sein Zimmer und ergriffen ihn, während er schlafend im Bett lag. Aus dem Schlummer auffahrend, rief er ihnen zu: „Hütet euch, Hand an mich zu legen; ich bin Priester und mit dem heiligen Chrisam gesalbt. Tretet zurück, ich will mich selbst ankleiden und euch willig folgen.“ Nach dem Verhör vor dem Präsidenten der Grafschaft wurde der Blutzeuge in einen unterirdischen Kerker des Schlosses von York geworfen, in dem er bis zu seinem Tod verblieb.

 

Wie gewöhnlich, versuchten auch bei Wilhelm Hart die anglikanischen Geistlichen alles, um den Bekenner zum Abfall vom katholischen Glauben zu bewegen. Schon hofften sie auf Erfolg und erlaubten ihm, sich die Werke des heiligen Augustinus in den Kerker bringen zu lassen. Eifrig forschte der Gefangene nach der Wahrheit. In den Auszügen aber, die er aus Augustin machte, bewies er mit aller Klarheit, dass der scharfsinnige Kirchenlehrer hinsichtlich der wirklichen Gegenwart Jesu Christi im heiligsten Altarsakrament, der sühnenden Kraft des heiligen Messopfers, der Fürbitte der Heiligen, des Verdienstes der guten Werke, , des Fegfeuers, der Wirksamkeit des Gebetes für die Verstorbenen eben den katholischen Glauben vertrat. Diesen Auszug aus Augustin schickte der Selige an den anglikanischen Dekan und den Rat von York. Vor diesen gerufen, zwang er dem Dekan das Geständnis ab, dass Augustin und mit ihm das ganze christliche Altertum, was den Glauben an die Gegenwart Christi in der Eucharistie betrifft, auf Seiten der Katholiken stehe und auch in der Lehre vom Fegfeuer und anderem nicht der protestantischen Ansicht sei. Wegen seiner Reise nach dem Kontinent und seiner priesterlichen Tätigkeit in England, die Hart vor Gericht offen bekannte, wurde er des Hochverrats schuldig erklärt und zu der hierfür festgesetzten furchtbaren Todesstrafe verurteilt. Die Antwort des Seligen war der Lobspruch Hiobs: „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen; wie es dem Herrn gefallen hat, so ist es geschehen! Der Name des Herrn sein gebenedeit!“

 

Diese hochgemute Stimmung des Dankes und der Glückseligkeit durchweht auch ein Brief, den Hart wenige Tage vor seinem Tod an seine Mutter richtete. „Es ist mir unmöglich“, so schreibt er unter vielem anderen, „für meine Liebe, Hochachtung, Anhänglichkeit und Dankbarkeit genügende Worte zu finden, da ich leider nichts anderes tun kann, als meine Dankesschuld einzugestehen. . . Ach, liebe Mutter, warum weinst du, warum wehklagst du? Warum nimmst du dir meinen Ehrentod so sehr zu Herzen? . . . Bedenkst du nicht, wie eitel, wie unbeständig, wie nichtig, wie elend das menschliche Leben ist? Bedenkst du nicht meinen Beruf, meinen Priesterstand, meinen Glauben? Denkst du nicht daran, dass ich an einen Ort voll Freude, voll Glückseligkeit hingehe? Warum also weinen? Warum trauern? Du wirst entgegnen: „Ich weine nicht so sehr wegen deines Todes, als weil du geschleift, gehängt, gevierteilt werden sollst.“ Meine liebe Mutter, das ist mir der angenehmste, der ehrenvollste und glücklichste Tod. Ich sterbe nicht als Verbrecher, sondern für die Wahrheit; nicht wegen Verrates, sondern wegen meiner Religion; nicht wegen eines schlechten Lebens, sondern einzig und allein für meinen Glauben, für mein Gewissen, für meinen Priesterberuf, für meinen gebenedeiten Heiland Jesus Christus. In Wahrheit, hätte ich zehntausend Leben, ich müsste sie eher alle hinopfern, als meinen Glauben verleugnen, meine Seele verlieren, meinen Gott beleidigen. . . Ich stehe auch nicht allein da. Haben doch in jüngster Zeit zwanzig bis zweiundzwanzig Priester, gerechte, tugendhafte und gelehrte Männer, für dieselbe Sache den Tod erduldet.“ So tröstete der glückliche Märtyrer noch weiter seine Mutter und beschwor sie zuletzt, doch nach der alten katholischen Weise Gott zu dienen und als ein Glied des Leibes Christi zu sterben, dann würden sie im Himmel miteinander vereint werden.

 

Als man Hart, auf der Schleife liegend, die Augen zum Himmel erhoben und betend, zum Richtplatz schleppte, grüßten ihn viele Leute freundlich, darunter auch zwei Brüder aus dem adeligen Geschlecht der Ingleby. Sofort wurden sie für diesen Liebesbeweis verhaftet. Freudig bestieg der Selige die Leiter zum Galgen und betete. Als man ihn fragte, ob er für die Königin bete, antwortete er, das habe er stets getan. Er anerkenne sie als Fürstin und wolle ihr in allem gehorchen, was seinen Pflichten als Katholik nicht widerstreite. Anglikanische Prediger überschütteten ihn mit Vorwürfen und Beleidigungen, worauf er mehrmals in Güte bat, ihn die letzten Augenblicke des Lebens in Frieden zu lassen. Die Katholiken aber forderte er auf mit ihm zu beten und ihm Zeugen zu sein, dass er für den katholischen Glauben sterbe. Hierauf wurde er von der Leiter gestoßen und dann dem Urteil gemäß noch lebend losgeschnitten und gevierteilt.

 

So eifrig drängten sich die Katholiken heran, Reliquien des seligen Blutzeugen von der Richtstätte mitzunehmen, dass die Beamten umsonst sich Mühe gaben, es zu verhindern. Tücher wurden in sein Blut getaucht, Teilchen von seinen Gebeinen, Stücke seiner Kleider wurden als große Schätze geachtet. Denn alle hielten ihn für einen Heiligen.

 

Ernstes Streben nach persönlicher Heiligkeit ist zugleich die beste Verherrlichung Gottes. Der selige Wilhelm Hart drückt dies in dem Gebet aus: „Gib, o Jesus, deinem armseligen Diener die Gnade, dass er zur Ehre deines Namens und zu seinem ewigen Seelenheil seinen Lauf vollende. Lenke seine Worte, Gedanken und Werke, dass alle seinem priesterlichen Beruf und seinem göttlichen Amt entsprechen. Gib ihm Geduld im Leiden, Leutseligkeit im Umgang, Weisheit, Klugheit und Standhaftigkeit in allen Verhältnissen, damit auf diese Art dein glorreicher Name verherrlicht werde und unser Glaube erhoben werde. Das gib, mein Jesus, durch dein bitteres Leiden.“

 

Der heilige Zacharias, Papst und Bekenner von Rom,

+ 15.3.752 – Fest: 15. März

 

Zacharias, ein Grieche von Geburt, folgte Papst Gregor III. im Jahr 741 auf dem Stuhl des Apostelfürsten nach. Die Güte und Sanftmut seines Herzens waren höchst bewunderungswürdig. Er rächte sich an seinen Feinden nur durch Wohltaten, und benutzte alle Gelegenheit, um jenen seine Huld zu erweisen, die ihn vor seiner Erhöhung verfolgt hatten. Man sah ihn selbst sein Leben der Gefahr aussetzen während den Verwirrungen, die der Aufruhr der Herzoge von Spoleto und Benevento gegen Luitprand, den König der Langobarden, erregt hatte.

 

Luitprant, der die hohe Heiligkeit des Papstes Zacharias kannte, hatte ihm gegenüber eine besondere Hochachtung. Auf seine Bitte ließ er die während des Krieges gemachten Gefangenen ohne Lösegeld frei, und gab der Kirche von Rom alle Plätze wieder, die ihr in den Bezirken von Narni, Osimo, Numana, Ancona, und Valle-Grande angehört hatten. Da der Heilige einst zu Terni in Gegenwart der Langobarden die heiligen Geheimnisse feierte, erbaute er dieses Volk durch seine außerordentliche Andacht, und flößte ihnen die tiefste Ehrfurcht für das Göttliche und dessen Diener ein. Einige Zeit danach machte er eine Reise nach Pavia, wo König Luitprand sich aufhielt. Seine Absicht war diesen Fürsten zum Frieden und zur Rückgabe mehrerer Plätze für das Exarchat von Ravenna zu bewegen. Der Langobardenkönig verweigerte anfangs das Begehrte, allein zuletzt ergab er sich auf die wiederholten Bitten des heiligen Oberhirten.

 

Zacharias gab bei mehreren Gelegenheiten glänzende Beweise von seinem Eifer und seiner Klugheit. Er traf weise Anordnungen zur Abstellung der Missbräuche, zur Aufrechthaltung der Kirchenzucht, und zur Ausrottung der Zwietracht, die den Frieden mehrerer Kirchen störte.

 

Der heilige Bonifatius, der Apostel von Deutschland, schrieb ihm mehrere Briefe, um sich bei ihm über verschiedene Schwierigkeiten Rat zu holen. In einem dieser Briefe meldet er ihm, dass ein gewisser Priester, Virgilius mit Namen, dahin arbeite, Uneinigkeit zwischen ihm und Odilo, dem Herzog von Bayern, zu stiften, und dass er nebst diesem noch mehrere Irrtümer lehre, wovon die hauptsächlichsten waren, dass es noch eine andere Welt und andere Menschen unter der Erde gebe, oder eine andere Sonne und einen anderen Mond. (Die Meinung derjenigen, von denen es sich hier handelt, war, dass es unter der Erde Menschen gebe, die nicht von Adam abstammten, und nicht durch das Blut Jesu Christi erlöst worden seien. Diese Meinung konnte als irrig verdammt werden, weil sie der Schrift widerspricht.) Zacharias antwortete, man solle ihn absetzen, wenn er darauf beharre, solche Irrtümer zu lehren. Er hatte gewisse Ketzer im Auge, die das Dasein einer Menschengattung behaupteten, die nicht von Adam abstammen, und nicht durch Jesus den Sohn Gottes erlöst worden sind. Übrigens fällte er bei dieser Gelegenheit kein Urteil, weil er dem Virgilius befahl nach Rom zu kommen, damit da seine Lehre geprüft würde. Es hat allen Anschein, dass Virgilius sich rechtfertigte, weil er kurze Zeit danach zum Bischof von Salzburg erwählt wurde.

 

Der heilige Papst bewies eine besonders zärtliche Sorgfalt gegenüber den Unglücklichen. Da er erfahren hatte, dass venezianische Kaufleute Sklaven in Rom gekauft hatten, um sie an afrikanische Mauren wieder zu verkaufen, verwies er ihnen zuerst einen für die Menschheit und Religion so schimpflichen Handel, und erlegte dann die verlangte Summe, um diese Sklaven in Freiheit zu setzen. Die Stadt Rom zierte er mit mehreren prachtvollen Kirchen, machte viele Stiftungen für die Armen und Pilger, und bestimmte ein sehr beträchtliches jährliches Einkommen zum Unterhalt der Lampen in der Kirche zum heiligen Petrus. Er starb am 15. März 752, und wird auf diesen Tag im römischen Martyrologium genannt.

 

16. März

 

Der heilige Heribert, Erzbischof von Köln,

+ 16.3.1022 - Fest: 16. März

 

Am Heiligen Abend des Jahres 999 begab es sich, dass den Kölnern der Mund auf einmal stillstand und dass ihre angeborene Spottlust sang- und klanglos verstummte. Die Ursache des bemerkenswerten Vorgangs war der neue Erzbischof Heribert, der an diesem Tag seinen Einzug in Köln hielt, um im feierlichen Mitternachtsgottesdienst die bischöfliche Weihe zu empfangen.

 

Als die Geistlichkeit und das Volk von Köln ein halbes Jahr vorher die Bischofswahl vollzogen hatten, kannten sie Heribert noch nicht. Sie wussten von ihm nur, dass er ein tüchtiger Mann sein sollte, und das war er auch. Zu Worms aus ritterlichem Geschlecht geboren, hatte er daheim und in einem Kloster bei Metz eine gediegene Ausbildung erhalten. Nach dem Empfang der heiligen Priesterweihe war er, damals keine Seltenheit, in den Staatsdienst übergetreten. Er war der Vertraute des Kaisers und Erzkanzler des Reiches geworden. Alles in allem war er also ein fähiger Mann. Den Umstand, dass er bei seiner Wahl zum Erzbischof von Köln erst dreißig Jahre zählte, empfand man als zeitgemäß, denn kurz zuvor hatte der sechsundzwanzigjährige Papst Gregor V. dem sechzehnjährigen Otto III. zu Rom die deutsche Kaiserkrone aufs Haupt gesetzt. Das war damals wohl eine jugendbewegte Zeit.

 

So standen also am Heiligen Abend des Jahres 999 die Kölner in hellen Scharen am Rhein, um der Landung und dem feierlichen Empfang des neuen Oberhirten beizuwohnen. Unter dem Geläute aller Glocken der Stadt nahte vom hohen Dom her mit fliegenden Fahnen die Prozession, die den Neugewählten abholen sollte. Gleich hinter dem Kreuz schritten die reichen Kaufherren und vornehmen Bürger. Ihnen schlossen sich, hoch zu Ross, die städtischen Rittergeschlechter an. Es folgte ein langer Zug von Ordensleuten. Messdiener, ohne die bekanntlich überhaupt kein kirchliches Fest möglich ist, waren in rauen Mengen vertreten. Die Reihe der Priester im weißen Chorrock schien kein Ende zu nehmen, und den Schluss des Zuges bildeten Bischöfe mit Stab und Mitra. Mit einem Wort gesagt, Köln erlebte wieder einmal einen seiner großen Tage, und die herrschende bittere Kälte konnte der Festtagsfreude kaum Abbruch tun.

 

Doch da naht auf dem Rhein auch schon das Schiff mit dem neuen Oberhirten an Bord. Mit geschickter Hand werfen die Schiffer die Seile aus und befestigen das Fahrzeug an den Rammklötzen des Ufers. Schnell stellt ein hölzerner Landungssteg die Verbindung zwischen Schiff und Hafen her, und dann betritt inmitten der Erzbischöfe von Mainz und Trier der neue Oberhirte von Köln erstmals den Boden seiner Bischofsstadt, ohne allen Prunk, barfuß trotz der bitteren Kälte und in einem solch armseligen Gewand, dass man ihn eher für einen Bettler als für einen Kirchenfürsten halten konnte. Da stand den Kölnern tatsächlich der Mund vor Staunen still, und ihre Spottlust verstummte.

 

Auf diese Weise eroberte sich Erzbischof Heribert gleich im ersten Augenblick das Herz der Kölner. Als es sich dann auch noch zeigte, dass des Erzbischofs Wohltätigkeit keine Grenzen kannte, wären die Kölner für ihn im Notfall durchs Feuer gegangen. Kein Bettler blieb an der Tür des Bischofshauses unbeschenkt. Heribert suchte, als einfacher Priester gekleidet, die Armen und Kranken auf und gab mit vollen Händen. Bei den reichen Leuten der Stadt ordnete er eine Entrümpelung der Speicher und Keller an und schickte den gefundenen Überfluss an Möbeln, Kleidern, Schuhen und Bettzeug in die Häuser der Bedürftigen. Zur Zeit einer Hungersnot richtete der Erzbischof Armenküchen ein. Neben den Kirchen, die Heribert erbaute, errichtete er auch Kranken-, Alters- und Waisenhäuser. Der Ruf von dem wohltätigen Sinn des kölnischen Oberhirten erfüllte bald die ganze Öffentlichkeit, und aus den verschiedensten Teilen der Christenheit strömten die Armen herbei nach Köln zu Bischof Heribert, als der wahre Vater der Notleidenden allen zu helfen suchte. Damals genoss Köln den hohen Ruf und Ruhm, dass in seinen Mauern die christliche Wohltätigkeit am besten geübt und gepflegt werde.

 

Tief betrauert, starb Heribert fünfzigjährig am 16. März 1021. Seine Überreste ruhen bis auf den heutigen Tag in einem kostbaren Schrein, der auf der Außenseite sein Bildnis trägt inmitten zweier Frauengestalten, von denen die eine die Demut und die andere die Wohltätigkeit versinnbildet.

 

Der heilige Julian, Märtyrer von Anazarba, Cilicien,

+ 4. Jahrhundert – Fest: 16. März

 

Julian erblickte das Licht der Welt zu Anazarbus in Cilicien. Sein Vater war Senator in derselben Stadt. Er erlernte die schönen Wissenschaften, und trat später in den geistlichen Stand. Während der diokletianischen Verfolgung fiel er in die Hände eines Richters, der weniger einem Menschen, als einem wilden Tier glich. Als der Richter sah, dass Julians Standhaftigkeit den grausamsten Qualen trotzte, versuchte er ihn durch einen langsamen Martertod zu besiegen. Jeden Tag wurde er vor seinen Richterstuhl geführt, wo, um ihn zu gewinnen, bald Versprechungen, Drohungen und Peinigungen angewandt wurden. Ein ganzes Jahr lang ließ ihn der Richter durch alle Städte Ciliciens schleppen, in der Meinung, ihn dadurch größerer Schande preiszugeben. Aber ohne es zu wissen, erhöhte er dadurch immer mehr den Triumph des Heiligen, verschaffte ihm sogar noch Gelegenheit, durch sein Beispiel und seine Reden die Christen im Glauben zu bestärken.

 

Man erschaudert bei der Erzählung der Martern, die Julian ausstehen musste. Die Schergen zerfleischten dergestalt seinen Leib, dass sein Gebein entblößt wurde und man sogar seine Eingeweide sah. Dann wurde er gegeißelt und mit Wunden bedeckt, die sie mit brennenden und ausgelöschten, aber noch glimmenden, Fackeln berührten. Aber diese verschiedenen Peinigungen vermochten nicht, des Heiligen Standhaftigkeit zu erschüttern. Der Richter gab sich schließlich besiegt, indem er ihn zum Tod verdammte. Jedoch wollte er noch einen neuen Beweis seiner wilden Grausamkeit ablegen. Da er sich gerade in Acga befand, einer Seestadt in Cilicien, befahl er den Heiligen, nachdem man ihn in einen Sack mit Skorpionen, Schlangen und Vipern eingenäht hatte, ins Meer zu werfen. Eusebius berichtet uns, dass der heilige Ulpian zu Tyrus eines ähnlichen Märtyrertodes starb, da man ihn mit einem Hund und einer Natter in einen ledernen Sack schloss und so ins Meer versenkte. Diese Todesart hatten die römischen Gesetze wider die Vatermörder verfügt, allerdings war sie so schauderhaft, dass man sogar vermied, sie an diesen Verbrechern auszuüben.

 

Das Meer aber gab den Leichnam des heiligen Märtyrers den Menschen wieder zurück. Die Gläubigen brachten ihn nach Alexandrien und später nach Antiochien. In dieser Stadt hielt der heilige Chrysostomus die Lobrede des heiligen Julian an seinem Grab, in der er sagt, dass viele bei den Reliquien dieses Heiligen von den Krankheiten des Körpers und der Seele geheilt wurden.

 

Die Märtyrer wollten lieber ihre Güter, ihre Freunde, ja selbst ihr Leben hingeben, als Gott zu verleugnen und ihm die Treue zu versagen. Sie waren alle beseelt vom Geist des großen Apostels, und jeder von ihnen sagte nach seinem Beispiel: „Wer wird mich trennen von der Liebe Jesu Christi? Kronen, Reichtümer, Vergnügen, eure Lockungen werden nicht imstande sein, mich von dem meinem Gott schuldigen Gehorsam loszureißen. Und Ihr Qualen, Kerker, Folterbänke, und du, o Tod, unter welcher Gestalt du dich immerhin mir zeigen magst, ihr werdet nie imstande sein, meine Standhaftigkeit zu erschüttern. Mit einem Wort, nichts wird mich trennen von der Liebe Jesu Christi.“

 

So sollte jeder Christ gestimmt sein. Oft beteuern wir Gott, ihm treu bleiben zu wollen: stimmt aber unser Herz in unsere Beteuerungen vollkommen und immer ein? Und wenn wir zwischen Übertretung der Gesetze Gottes und Verlust einiger zeitlicher Vorteile zu wählen hätten, wie würde unsere Entscheidung ausfallen? Oder geben unsere täglichen Übertretungen nicht deutlich zu verstehen, dass wir oft feigherzige Verräter unserer Pflichten sind?

 

Der heilige Finian, Lobhar oder der Aussätzige genann,

Priester und Mönch in Schottland,

+ 16.3.610 – Fest: 16. März

 

Dieser Heilige lebte gegen Mitte des sechsten Jahrhunderts. Er stammte aus der Familie der Könige von Mounster und war ein Jünger des heiligen Brendan. Er ertrug mit heldenmütiger Geduld die Schmerzen einer grauenvollen Krankheit, von der er den Namen Lobhar oder der Aussätzige bekam. Er stiftete die Klöster Innisfallen, Ardfinnan und Cluain-more-Madoc. In dem Letzteren wurde er nach seinem Tod begraben. Colgan setzt seinen Todestag auf den 2. Februar, erinnert aber dabei, sein Fest sei in den Klöstern, deren Stifter er war, immerhin am 16. März gefeiert worden.

 

Die heilige Eusebia, Äbtissin von Hamay (Hamaige), Diözese Arras, Frankreich,

+ 16.3.680 – Fest: 16. März

 

Diese Heilige wurde geboren im Jahr 637, gegen Ende der Regierung Dagoberts I. Sie war die Tochter eines französischen Edelmannes aus den Niederlanden, Adalbaud mit Namen, und der heiligen Richtrudis, die nach dem Tod ihres Gemahls Äbtissin von Marchiennes wurde. Eusebia wuchs auf unter den Augen der seligen Gertrudis, ihrer Großmutter, die dem Kloster von Hamay oder Hamaige, vorstand. 649 wurde sie zur Nachfolgerin der Äbtissin Gertrudis erwählt. Da sie noch sehr jung war, ließ sie ihre Mutter nach Marchiennes kommen, um sie in der großen Kunst, andere zu regieren und zu leiten, heranzubilden. Nach ihrer Rückkehr aus Marchiennes stand sie ihrer Klostergemeinde mit einer Klugheit vor, die weit über ihr Alter erhaben war. Immerdar gab sie das Beispiel einer tiefen Demut, einer unwandelbaren Sanftmut, einer strengen Enthaltsamkeit, einer unbefleckten Reinigkeit des Leibes und der Seele, und einer vollkommenen Treue in der Beobachtung der Ordensregeln. Ihr glückseliger Tod erfolgte am 16. März 660 oder 680. Die heilige Eusebia wird an diesem Tag in allen Märtyrerbüchern erwähnt.

 

Bei den Bollandisten schrieb ein Unbenannter etwa 200 Jahre nach ihrem Tod das Leben dieser Heiligen auf. Er arbeitete nach alten Urkunden, die von der Zerstörungswut der Normänner gerettet worden sind.

 

Der heilige Gregor aus Armenien, Bischof von Nikopolis,

Klausner zu Pluviers, in Beauce, bei Orleans, einer Provinz in Frankreich,

+ 16.3.1000 – Fest: 16. März

 

Gregor, ein Armenier, verteilte sein väterliches Erbe unter die Armen und zog sich zurück in ein Kloster, unweit der Stadt Nikopolis (alter Bischofssitz von Klein-Armenien, ehemals ein Suffraganat von Sebaste), wo er in der Ausübung der erhabensten Tugenden lebte. Da er in den heiligen Wissenschaften sehr bewandert war, erteilte ihm der Bischof von Nikopolis die Priesterweihe, dessen Nachfolger er auch in der Folge wurde. Die bischöfliche Würde brachte aber nicht die mindeste Änderung in seine bisherige Lebensordnung, denn er wusste die heiligen Übungen, denen er in den stillen Klostermauern oblag, mit dem Amt eines Bischofs trefflich zu vereinen. Er entsagte jedoch aus Demut dem Oberhirtenamt wieder und begab sich mit zwei griechischen Mönchen ins Abendland. Nachdem er lange Zeit in Italien und Frankreich umhergeirrt war, siedelte er sich zu Pluviers in Beauce an, im Bistum Orleans. Etwa eine dreiviertel Stunde entfernt von dieser Stadt erbaute er sich eine kleine Hütte, wo er sieben Jahre lang den außerordentlichsten Bußübungen sich unterzog. Er lebte von Kräutern und Linsen, die er anfeuchtete und an der Sonne aufweichen ließ. Dazu kam noch ein wenig Gerstenbrot. Mehrere Tage in der Woche nahm er gar keine Nahrung zu sich. Mit den Speisen, die ihm wohltätige Leute darreichten, nährte er die Armen in seiner Gegend. Er starb am 16. März im Jahr 1000.

 

Der heilige Abraham, Einsiedler in Syrien,

+ 16.3.360,

und die heilige Maria, seine Nichte, Büßerin, Reklusin bei Edessa in Syrien,

+ 16.3.355 – Fest 16. März

 

Der heilige Abraham wurde zu Chidane, in Mesopotamien, bei Edessa geboren. Seine Eltern, ebenso ausgezeichnet durch ihre Tugend, als durch ihre edle Abkunft, gaben ihm eine vortreffliche Erziehung, und trugen vor allem Sorge, ihm frühzeitig die Liebe zur Tugend zu vermitteln. Sie machten ihm, da er das Alter erreicht hatte, wo er in die Welt eintreten sollte, den Antrag, sich durch die Bande der Ehe mit einer Jungfrau von den seltensten Eigenschaften zu verbinden. Der junge Abraham hätte gerne in beständiger Enthaltsamkeit sein Leben zugebracht, wozu er auch sogar die Erlaubnis seiner Eltern schon begehrt hatte. Allein da er sie nicht erlangen konnte, trat er aus Gehorsam in einen Stand, zu dem er wenig Neigung hatte. Er erhielt aber bald seine Freiheit wieder.

 

Nach der hochzeitlichen Feier und den bei solchen Gelegenheiten üblichen Gastmahlen erklärte er seiner Braut den gefassten Entschluss, in immerwährender Enthaltsamkeit zu leben. Dann ging er heimlich davon und verschloss sich in eine einsame Zelle, die ungefähr eine Stunde von der Stadt Edessa entfernt lag. Es ist nicht zu bezweifeln, dass er hierin auf besondere Eingebung des Himmels gehandelt habe, wenn er nicht wirklich die Beistimmung seiner Gattin erlangt hatte. Seine Eltern und Freunde waren über diese unvermutete Flucht ganz trostlos. Man stellte von allen Seiten die genauesten Nachforschungen an, und doch konnte man erst nach 17 Tagen seinen Aufenthaltsort entdecken. Man bot alles auf, um ihn seiner Braut wieder zuzuführen, allein er blieb unbeugsam, und beteuerte, dass er nie mehr in Gemeinschaft mit der Welt leben wolle. Kaum hatten sich jene entfernt, die ihn entdeckt hatten, als er die Tür seiner Zelle zumauern ließ, bis auf ein kleines Fenster, durch das er die nötigsten Lebensbedürfnisse erhielt.

 

Abraham, nun einzig mit der Betrachtung der ewigen Wahrheiten beschäftigt, wandte alle Augenblicke an Gott zu loben, ihn anzubeten, und seine Barmherzigkeit herabzuflehen. Er hatte die Gabe der Tränen im vorzüglichsten Grad, und war vollkommen von allen Geschöpfen losgetrennt. Er besaß nichts als einen Mantel, ein härenes Bußkleid, und ein kleines Gefäß, dessen er sich zum Essen und Trinken bediente. Die strengste Bußübung war für ihn der süßeste Wonnegenuss, während der 50 Jahre, die er in der Einsamkeit zubrachte, ging er nie in etwas von derselben ab.

 

12 Jahre hatte er diese Lebensweise geführt, als seine Eltern starben. Sie hinterließen ihm bedeutende Güter. Allein weil er allem Umgang mit der Welt gänzlich gesagt hatte, bat er einen tugendhaften Freund, sein Vermögen in Empfang zu nehmen, und es unter die Armen und Waisen auszuteilen. Indessen breitete sich der Ruf von seiner Heiligkeit immer mehr aus, und man strömte von allen Seiten herbei ihn zu sehen, und seine Reden anzuhören, die voll der Salbung, Weisheit und Gnade waren.

 

Bei der Stadt Edessa lag ein kleiner, sehr volkreicher Marktflecken, dessen Einwohner noch dem Götzendienst ergeben waren. Noch keinem der Missionare, die man dahin geschickt hatte, war es gelungen, das Licht des Evangeliums in den dichten Finsternissen anzuzünden, und die einzige Frucht ihrer Arbeiten war, dass sie sich tausend Misshandlungen zuzogen. Der Bischof von Edessa, dem die Bekehrung dieses Marktfleckens immer sehr am Herzen lag, entschloss sich, einen neuen Versuch zu machen. Er warf daher seine Augen auf Abraham, der im hohen Ruf der Heiligkeit stand, weihte ihn, seiner Widersetzung ungeachtet, zum Priester, und erteilte ihm den Auftrag, dieser verirrten Herde den Glauben zu predigen. Während der Reise empfahl der Heilige sein Unternehmen dem Schutz des Himmels. „Herr,“ rief er oft aus, „würdige dich, erbarmungsvolle Blicke auf meine Schwäche zu werfen. Stehe mir bei mit deiner Gnade, damit dein heiliger Name verherrlicht werde! Verlasse, o mein Gott, die Völker nicht, deren Schöpfer du bist!“

 

Als der Marktflecken vor seinen Blicken lag, sah er Rauch von den Götzenopfern aufsteigen. Da vergoss er viele Tränen über des Volkes Blindheit, und verdoppelte seine glühenden Gebete. Kaum war er angelangt, so fing er an, die Lehre Jesu zu predigen, aber niemand wollte ihn hören. Er ließ sich hierdurch noch nicht abschrecken. Die Heiden mochten ihn noch so sehr misshandeln, und aus ihrer Mitte wegtreiben, er kam jedes Mal mit demselben Eifer zurück. Drei Jahre vergingen auf diese Weise. Die Geduld und Sanftmut Abrahams rührten endlich diese Götzendiener. Sie wurden über ein Betragen nachdenkend, das ihnen unbegreiflich schien, und zweifelten nicht, dass der Heilige auf göttlichen Antrieb handle. Sie entsagten nach und nach alle ihrem Aberglauben, und begehrten die Gnade der Taufe. Der Heilige verwandte noch ein ganzes Jahr, um sie im Glauben zu bekräftigen, versah sie dann mit eifrigen Religionsdienern, und kehrte wieder in seine Zelle zurück.

 

Er hatte einen Bruder in der Welt, der kurze Zeit nach seiner Rückkehr starb. Er hinterließ eine noch sehr junge Tochter namens Maria. Der Heilige, der sie zum gottseligen Leben heranbilden wollte, nahm sie in eine Zelle neben der seinigen, um ihr leichter den Unterricht erteilen zu können. Maria machte bald große Fortschritte auf dem Weg der Vollkommenheit, und wurde ein vollendetes Muster der Tugend und Buße. Allein der höllische Feind, der seit längerer Zeit schon auf ihren Untergang sann, fand Mittel, ihr ihre Unschuld zu rauben. Das Werkzeug, dessen er sich bediente, war ein verdorbener Einsiedler, der oft an ihre Zelle kam, unter dem Vorwand sich bei Abraham Rat zu holen. Dieser schändliche Verführer, der in unlauterem Feuer brannte, legte ihrer Keuschheit Fallstricke, und erlangte ihre Einwilligung zur Befriedigung seiner bösen Lust.

 

Kaum aber hatte Maria das Laster begangen, als sie ganz von dem Schrecken desselben ergriffen wurde. Allein statt zu Gott um Verzeihung zu bitten, überließ sie sich den übermäßigsten Schmerzen, und fiel zuletzt in Verzweiflung. Sie zog sich dann in eine von dem Aufenthalt ihres Oheims entlegene Stadt zurück, und ergab sich den schändlichsten Ausschweifungen. Abraham, der nicht wusste, was aus seiner Nichte geworden war, beweinte ihr Unglück mit bitteren Tränen und flehte zu Gott in beständigem Gebet um ihre Bekehrung. Erst zwei Jahre nach ihrer Entfernung erfuhr er ihren Aufenthaltsort. Die Hoffnung, dieses verirrte Schaf wiederzufinden, flößte ihm den Entschluss ein, ihr nachzueilen. Er verließ seine Zelle, legte ein anderes Kleid an, und begab sich in das Haus, in dem seine Nichte wohnen sollte. Er begehrte mit ihr allein zu speisen, und, als sie sich allein befanden, zog er plötzlich die Kopfbedeckung ab, die sein Gesicht unkenntlich gemacht hatte, und redete sie mit einer von Seufzern unterbrochenen Stimme also an: „Maria, meine Tochter, Maria, kennst du mich? Was ist das englische Gewand deiner Jungfrauschaft geworden? Was sind jene Tränen geworden, die du in Gottes Gegenwart vergossen hast? Was sind jene Nachtwachen, jene strengen Bußübungen geworden, welche ehehin deine Wonne waren? Wie bist du, meine geliebte Tochter, in den Abgrund des Lasters gesunken? Warum gestandest du mir nicht deinen Fall? Ich hätte dir geholfen, wieder zur Gnade Gottes zurückzukehren.“

 

Da der Heilige seine Nichte mit Scham bedeckt, und von Schrecken ergriffen sah, ermahnte er sie zärtlich, ihr Vertrauen auf Gott zu setzen. „Verzweifle nicht,“ sagte er zu ihr, „ich nehme deine Sünden auf mich: glaube mir nur, und kehre in deine Einsamkeit zurück. Mein geliebter Ephrem ist wegen deiner trostlos, und betet unaufhörlich für dich. Es ist nichts Befremdendes, dass man im Kampf zur Erde geworfen wird, es ist aber schandvoll, sich nicht mehr zu erheben. Verscheuche das Misstrauen, alle Menschen können fallen, dies ist eine Folge ihrer natürlichen Schwäche. Denke einzig daran, den Beistand der Gnade Gottes zu erbitten. Gott will den Tod des Sünders nicht, sondern dass er sich bekehre und lebe.“ Maria, gerührt durch diese Worte, fasste wieder Mut, und versprach in allem ihrem Oheim gehorsam zu sein. Der Heilige führte sie mit sich in seine Einöde zurück, und verschloss sie in die Zelle, die sie vorher bewohnt hatte. Da brachte sie die 15 letzten Jahre ihres Lebens in der Übung aller Tugenden zu. Tag und Nacht beweinte sie den Verlust ihrer Unschuld, und züchtigte ihren Leib durch strenge Abtötungen. Gott nahm ihre Buße mit Wohlgefallen auf, und verlieh ihr sogar, drei Jahre nach ihrer Bekehrung, die Gabe der Wunder. Endlich starb sie des Todes der Gerechten. Der heilige Ephrem, der sie vor ihrer Beerdigung noch sah, sagt, ihr Angesicht habe in Herrlichkeit zu strahlen geschienen, und eine Schar der himmlischen Geister habe ohne Zweifel ihre Seele in die glücklich seligen Wohnungen hinübergetragen.

 

Der heilige Abraham überlebte seine Nichte noch 5 Jahre. Da sich die Nachricht von seiner letzten Krankheit verbreitet hatte, strömte man von allen Seiten herbei, um seinen Segen zu empfangen. Nach seinem Tod suchten die Christen die Überbleibsel von seinen Kleidern, bei deren Berührung mehrere ihre Gesundheit erhielten, sich zu verschaffen. Dies sind die Ausdrücke des heiligen Ephrem, der Augenzeuge dessen war, was er erzählte. Der Name der heiligen Maria steht in den griechischen Kalendern, jener des heiligen Abraham aber steht nicht nur in den griechischen, sondern auch in den lateinischen und koptischen Kalendern.

 

Der heilige Abraham wusste seine Einöde zu einem Paradies umzuschaffen, weil er Gott in ihr fand, dessen Gegenwart die ganze Glückseligkeit des Himmels ist. Im Genuss der Gegenwart Gottes und der Engel, konnte er sehr wohl des Umgangs der Menschen entbehren. Und wie hätte es ihm an Beschäftigung fehlen sollen? Die Tage und Nächte genügten ihm kaum zur Betrachtung himmlischer Dinge. Während sein Körper mühevolle Arbeiteten verrichtete, war Geist und Herz gänzlich in Gott versenkt. Der Schlaf selbst trennte ihn nicht von seinem Einziggeliebten, weil seine Seele beständig mit ihm vereinigt war. Ein schönes Beispiel für die Christen, die genötigt sind in den Zerstreuungen der Welt zu leben. Sie werden dem heiligen Abraham nachahmen, wenn sie die heilige Gewohnheit sich eigen machen, innerlich stets vor Gott zu wandeln, und dessen Wille zum einzigen Gegenstand ihrer Handlungen, Gedanken und Wünsche zu machen. Durch diese heilige Stimmung werden sie einigermaßen den Engeln ähnlich werden, die vor dem Thron Gottes stehen, für die leben und lieben ein und dasselbe ist. „Die Engel“, sagt der heilige Gregor der Große, „tragen ihr Paradies stets in sich, wohin sie Gott auch senden mag, weil sie nie aufhören mit ihm vereinigt zu sein, und durch ihr stetes Verbleiben im Schoß seiner Unendlichkeit, ihr Amt im Heiligtum seiner Gottheit ausüben.“ Dies ist die Glückseligkeit des Christen, wenn er es versteht, sich mitten in seinem eigenen Herzen eine eigene Einsamkeit zu bilden, die ihn beständig in heiliger Unterhaltung mit Gott leben lässt.

 

17. März

 

Der heilige Patrick (Patricius), Bischof und Bekenner von Down, Irland,

+ 17.3.464 - Fest: 17. März

 

Patrick, der noch vor dem Jahr 400 in Schottland geboren wurde, war in seiner Jugend ein Strolch. Viel bildete er sich darauf ein, dass er schon sechszehn Jahre alt war. Und immer weiter strolchte er von daheim fort durch Wald und Feld, bis er eines Tages an das Meer kam. Dort ging es dann, wie es oft geht, wenn sich Kinder allzu mutig und kühn der Gefahr aussetzen. Patrick wurde von Seeräubern aufgegriffen, nach Irland gebracht und als Sklave verkauft.

 

Trostlos war die Zeit, die dann folgte. Patrick musste im Sommer das Vieh hüten und zur Winterszeit mit den Tieren im Stall schlafen. Kleider hatte er keine am Leib, nur Lumpen, und meistens hatte er großen Hunger. Da hat Patrick es bitter bereut, ein Strolch gewesen zu sein, aber die Reue kam zu spät. Scheinbar kam sie zu spät, denn eigentlich kommt die Reue nie zu spät. Und weil der liebe Gott in seiner Allmacht und Weisheit aus allem Schlechten etwas Gutes machen kann, sollten auch aus Patricks Strolcherei und Sklaverei Heil und Segen für ein ganzes Land und Volk hervorgehen.

 

Nach sechs harten Jahren glückte Patrick die Flucht aus der Gefangenschaft. Nach einer langen abenteuerlichen Fahrt kam er heilfroh bei den Eltern wieder an. Derjenige, der da ankam, war aber nicht mehr der frühere Strolch, sondern ein ernster junger Mann, der bald nach seiner Heimkehr ins Kloster ging und später Priester wurde. Warum er Priester wurde, hat er keinem gesagt, erst am Primiztag gestand er, dass er nur deswegen Priester geworden sei, um als Missionar dorthin zurückzukehren, wo er die sechs schweren Jahre verlebt hatte. Auf christliche Art wolle er an den heidnischen Iren Rache nehmen. Dafür, dass sie ihn gequält hätten, wolle er ihnen das Glück des wahren Glaubens bringen.

 

So hat es Patrick auch gemacht. Fünfzig Lebensjahre waren ihm noch beschieden, und in dieser Zeit ist er mit unermüdlichem Eifer in Irland landauf und landab gereist, hat alle Tage gepredigt und getauft, hat Kirchen und Klöster gebaut. Und als er im Alter von fast hundert Jahren starb, waren alle Bewohner Irlands Christen geworden. Nicht Christen sind sie geworden, bei denen nicht viel dahinter steckt, sondern heilige Christen in solcher Zahl, dass Irland für immer den Ehrennamen „Insel der Heiligen“ erhielt.

 

Was Patrick tat, war christliche Rache, die darin besteht, dass man Böses mit Gutem vergilt. Wer dagegen Böses mit Bösem vergelten will, übt nicht christliche, sondern Rache des Bösen.

 

Zum Schluss gibt uns der heilige Patrick noch einen schönen Gedanken mit auf den Weg.

 

Die Legende berichtet nämlich, dass auf das Gebet des Heiligen hin alle schädlichen Tiere verschwanden, so dass es bis zum heutigen Tag auf Irland, der Insel der Heiligen, weder Schlangen noch Maulwürfe noch Feldmäuse gibt.

 

Es ist eine schöne Legende, und es liegt ein tiefer Sinn darin. Denn jedes christliche Herz soll doch aus Liebe zum leidenden Herrn Jesus Christus eine heilige Insel werden, von der man das schädliche Böse und Fehler sorgfältiger noch als sonst fernhält.

 

Irlands Nationalheiliger – Der Vater des christlichen Mitteleuropa

 

Von Jack White

Zusammenfassung aus „St. Francis Home Journal“

Capuchin College, Harewood Road,

Brookland, Washington, D.C.

 

Im Schiff einer unter Cromwell zerstörten Kirche in Downpatrick in Nordirland liegt der Leib des heiligen Patrick, des Apostels und Nationalheiligen Irlands. Noch kann man die Fundamente der Kirche erkennen, und eine glaubwürdige Überlieferung berichtet, dass in einem Haus neben der Kirche der Heilige am 17. März 465 starb.

 

Die tiefgelegene, gewellte Ebene rundum ist der Bezirk von Antrin, in dem der Heilige einst als Sklavenjunge die Schweine für seinen grausamen heidnischen Herrn, den Gutsherrn Mulchio von Deledidra, weidete.

 

Während der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts und dem Zusammenbruch des römischen Reiches waren die irischen Häuptlinge und Fürsten eine plündernde Bande grausamer Heiden. Unter der Führung roher Kapitäne machten sie Raubzüge an den Küsten Englands und Schottlands. Auf der Suche nach Beute kamen sie auch nach Frankreich, Spanien und Portugal, fingen dort viele Bewohner und verkauften sie als gewöhnliche Knechte an irische Landbesitzer.

 

Auf einem dieser Züge raubte König Nial, Herrscher von Erin, wie Irland damals hieß, in Gallien einen Jungen, nahm ihn mit nach England und verkaufte ihn an Mulchio, einen Gutsbesitzer in Deledidra. Dieser Knabe war der heilige Patrick, dessen sich die Vorsehung als Werkzeug bediente, um das heidnische Irland zu bekehren.

 

Im ersten Teil seiner „Beichte“ erzählt der heilige Patrick, dass er „beim Spielen im Hof seines Vaters vom irischen König Nial gefangen wurde“. Er gibt auch an, dass er 16 Jahre alt war und dass sein Vater Calpronius Richter in der Stadt Tarrabannae war, „in deren Nähe ich gefangen wurde“. (Die heutige französische Stadt Boulogne ist auf den Ruinen von Tarrabannae erbaut).

 

Er erzählt uns weiter, dass er „als Knabe nachlässig in Erfüllung der religiösen Pflichten war“. Die Grausamkeit seines heidnischen Herrn jedoch und die Einsamkeit der sumpfigen Wiesen, auf denen er die Schweine hütete, führten ihn näher zu Gott, und er betete tagsüber hundert Gebete und ebenso viele während der Nacht in der Hütte, durch die der Wind blies.

 

Während er die Schweine hütete, ging es ihm zu Herzen, zu sehen, wie die Leute in Unkenntnis des christlichen Glaubens lebten und starben. Sechs Jahre lang plagte er sich als Sklave. In dieser Zeit lernte er die gälische Sprache. Gegen Ende des sechsten Jahres seiner Gefangenschaft hörte er nachts im Schlaf eine Stimme, die ihn rief und zu ihm sagte: „Patrick, du bist treu in meinen Fußstapfen gegangen. Steh auf, zieh dich an und geh hinunter ans Meer! Dort erwartet dich ein Schiff, das dich in deine Heimat bringen wird.“ Ohne Zögern sprang er aus dem Bett, wandte sich ostwärts und eilte durch die Felder, bis er an die Küste kam.

 

Dort machte er einen Augenblick halt und schaute sich um. Da sah er ein Schiff. Matrosen eilten über das Deck, und er erkannte, dass keine Zeit mehr zu verlieren war. So lief er auf den Hafendamm hinaus und bat den Kapitän, ihn nach Gallien mitzunehmen.

 

„Ich weiß nicht, wer du bist“, fuhr dieser ihn an. „Scher dich fort, bevor ich dir ein Brett an den Kopf werfe.“

 

St. Patrick machte kehrt und eilte die Küste entlang fort. Da hörte er eine Stimme, die ihn zurückrief: „Ich habe mir es überlegt. Komm, ich nehme dich mit!“

 

„Das Herz voller Dankbarkeit gegen Gott“, schreibt er in seiner „Beichte“, „ging ich an Bord des Schiffes, das mit meiner Heimat Handel trieb, und nach drei Tagen erreichten wir das Festland nicht weit von der Stelle, wo ich einst gefangengenommen wurde.“

 

Als er nach ein paar Tagen nach Hause kam, waren seine Eltern überglücklich, ihn wiederzusehen. Freunde und Bekannte kamen, es war ein ununterbrochener Strom von Leuten, die zum Haus gingen, um ihn zu bewillkommnen. Der Junge aber, den die Leute als keinen besonders frommen Knaben gekannt hatten, hatte im Sumpfland von Antrin Gott gefunden und den Entschluss gefasst, Priester zu werden. Er erzählt: „Während ich wieder daheim in meines Vaters Haus war, hörte ich in meinen Ohren die Schreie der irischen Heiden ertönen, die mich zurückriefen, um sie aus der Finsternis des Heidentums und der drückenden Gewalt der Druiden, der keltischen Priester, zu befreien.

 

Mit einem Empfehlungsschreiben seines Heimatbischofs versehen, kam er zum heiligen German von Auxerre, unter dessen Betreuung und Leitung er die Heilige Schrift studierte. Im Alter von 39 Jahren wurde er zum Priester geweiht und lehrte im Kloster von Leirns, einer berühmten Stätte christlicher Erziehung. Dort hörte der heilige German von Patricks Sklaverei und der heidnischen Finsternis, die über Irland lag, die als Insel der Gottlosen bekannt war.

 

Er ließ die Schule von Leirns unter der Obhut des heiligen Patrick zurück und besuchte mit noch zwei Bischöfen Britannien, um die Schäden, die der Irrlehrer Pelagias dort angerichtet hatte, wieder zu beseitigen. In Britannien hörte er weitere Einzelheiten über die Lage des irischen Volkes. Auf seiner Rückreise nach Rom bat er den Papst dringend, nicht länger mit der Entsendung von Missionaren nach Irland zu warten, und empfahl, den heiligen Patrick dorthin zu senden. Aus einem nicht bekannten Grund aber schickte Papst Cölestin einen neugeweihten englischen Bischof namens Palladias nach Irland, um den Heiden das Evangelium zu bringen.

 

Palladias landete im Frühjahr 431 in Wicklow. In einem knappen dreiviertel Jahr gelang es ihm, 2000 Iren zu bekehren, vier Kirchen zu errichten und sechs Priester zu weihen. Als Folge der unaufhörlichen Hetze der Druiden aber wurde er bei der Bevölkerung der Gegend, deren Lebensweise und Sprache ihm fremd waren, sehr unbeliebt und verhasst. Er fürchtete, ermordet zu werden, und fuhr im Dezember 431 von Dublin nach England zurück; sechs Wochen später starb er in Schottland.

 

Als durch einen Brief des Bischofs von Warwick in England die Nachricht vom Fehlschlag des Palladias den Papst erreichte, forderte der heilige German Patrick auf, nach Rom zu kommen, wo er vom Papst huldvoll empfangen wurde. Er empfing die Bischofsweihe und den Bischofsstab, der in Liedern und in der Geschichte Irlands eine so große Rolle spielt. Hierauf nahm ihn der Papst bei der Hand, setzte ihn auf den Stuhl Petri und sprach: „Ich bekleide dich mit den Gewalten eines Missionars. Ziehe in das heidnische Irland und bringe dieses Land der Finsternis zum christlichen Leben!“

 

Drei Tage später brach der heilige Patrick, begleitet von den neu geweihten Priestern Benedikt und Iserninius, z u seiner Reise nach England auf und erreichte die Küste von Wicklow am 10. April 432.

 

Dreimal versuchten er und die beiden jungen Priester, an der zerklüfteten Küste zu landen; jedesmal wurden sie durch feindliche Eingeborene, die von einem halben Dutzend schreiender Druiden angefeuert wurden, vertrieben. Die drei Missionare landeten am folgenden Morgen um 11 Uhr in Balbriggan im nördlichen Teil der Grafschaft Dublin.

 

In seiner „Beichte“ und seinem „Brief an Coroticus“ lesen wir: „Als ein Fischer mir von einem großen alljährlichen Feste erzählte, das an jenem Tag bei Sonnenuntergang gefeiert werden sollte, war mir sofort klar, dass dieses Fest ein heidnischer Gottesdienst war. Ich sprach mit meinen beiden Helfern, und wir beschlossen, unverzüglich nach Tara zu gehen.“

 

In dieser heidnischen Zeit Irlands gehörte es zu dem Götzenfest, ein riesiges Freudenfeuer auf der Mauer des Palastes abzubrennen, wenn der letzte Sonnenstrahl verschwunden war. Es gab auch ein Gesetz, das bei Todesstrafe verbot, dass ein Einwohner des Landes, sei er Fürst oder Bettler, zu Hause, auf dem Feld oder auf den Bergen am Tag vor dem Jahresfest zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ein Feuer anzünde, bevor dem „Angebetenen“ vom König und vom Oberdruiden gehuldigt worden war.

 

Der heilige Patrick kannte dieses alte Gesetz genau; denn während der sechs Jahre seiner Gefangenschaft war er an den feuerlosen Tagen gezwungen gewesen, kalt zu essen. Er erinnerte sich an diesen heidnischen Ritus, als er und die beiden jungen Priester auf einen Hügel stiegen, der eine Meile vom Palast entfernt war, und dort, gerade als der letzte Sonnenstrahl verschwand, ein flackerndes Feuer aus Ginster, Holz und Heidekraut anzündeten, dessen Flammen man von Tara aus sehen konnte.

 

Als man König Laori von dem Feuer auf dem Hügel von Slane berichtete, raste er so vor Wut, dass die Fürsten und Ersten des Landes, die in den Hallen des Palastes versammelt waren, meinten, die wilden Briten seien in Irland eingefallen. Der König fragte den alten Druiden Furlou, der von jedermann in Irland gefürchtet wurde, ob das Feuer die Tat eines Geisteskranken, eines Rebellen oder eines Thronbewerbers sei. Furlou schaute hinüber zu den Flammen auf dem Hügel, strich seinen grauen Bart und wandte sich dann an seine Umgebung.

 

„König von Erin,“ nickte er, „drüben auf dem Hügel von Slane erblicke ich ein helles Feuer. Wenn es nicht heute Nacht noch gelöscht wird, wird es nie mehr in Erin erlöschen.“ Besorgt schickte der König nach dem Hauptmann der Palastwache und befahl, sofort auf den Slanehügel hinaufzuziehen.

 

„Ihr werdet vielleicht zu kämpfen haben,“ schrie er, „aber kämpft als des Königs Soldaten. Tötet oder verhaftet den Mann oder die Männer, die es wagten, meine Gesetze zu übertreten.“

 

Noch keine Stunde verging, und die Soldaten kamen mit drei Gefangenen zurück. Voran der heilige Patrick in Bischofsgewändern, in seiner Rechten den Bischofsstab, den Papst Cölestin ihm gegeben hatte. Er betete die Lauretanische Litanei, als er leise mit seinen Sandalen eintrat.

 

Der König, der Druide, die Königin und die Fürsten fragten nun den Heiligen genau aus, was er in Irland vorhabe. Da begann Patrick von seinem Ziel zu sprechen, erzählte von Gott und dem gekreuzigten Christus: „Ich bin gekommen, um vom wirklichen und wahren Gott zu predigen, der alles weiß und alles sieht. Ich bin gekommen, um vom Himmel jenseits des Grabes zu sprechen und der ewigen Strafe, die euch erwartet, wenn ihr eure Ohren verschließt vor dem Wort des allmächtigen Gottes.“

 

Seine Kenntnis der gälischen Sprache kam ihm nun gut zustatten. Wir vernehmen aus zuverlässiger Quelle, dass er zwei Stunden lang zur Menge sprach, die staunend und schweigend die Rede von den großen Taten Gottes und von der Geschichte der Menschheit von Adams Fall bis zur Geburt und Kreuzigung Christi anhörte, von Christus, der „auf die Erde kam, um den Weg zu zeigen, der zum Reich seines Vaters führt.

 

Die Geschichte, dass er in jener Nacht ein dreiblättriges Kleeblatt auf dem Hügel von Tara pflückte, als der König und die Königin das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit bezweifelten, wird so allgemein geglaubt und überall erzählt, dass man annehmen kann, dass sich diese Geschichte damals wirklich ereignete. Der heilige Patrick selbst jedoch erwähnt in seiner „Beichte“ diese dreiblättrige Pflanze, die zum Symbol Irlands geworden ist, nicht.

 

Es ist uns nicht überliefert, dass der König Christ wurde, die Königin aber wurde in jener Nacht im Hof des Palastes getauft, wobei ihre beiden Töchter, die Prinzessinnen Eihera und Fethlimia zuschauten und warteten, bis sie an die Reihe kamen.

 

In seinem „Brief an Coroticus“ schreibt der heilige Patrick: „Ich nahm Abschied von Tara, wo ich unter der königlichen Familie und den Fürsten 200 zum Christentum bekehrt hatte, reiste südlich durch Kildare und predigte dabei in Städten und Dörfern die Lehre Christi und taufte Tausende von Einwohnern, die an den Abenden in mein Zelt strömten.“

 

Obwohl der heilige Patrick beabsichtigt hatte, sobald als möglich Wiklow zu erreichen, wo sein Vorgänger vier Kirchen erbaut und sechs Priester geweiht hatte, dauerte es drei Jahre, bis er in den Bezirk Rosa kam. Dort hatte ein junger Priester, der Sohn eines Ortshäuptlings, den Druiden und ihren Anhängern Trotz geboten und verhindert, dass sie die kleine hölzerne Kapelle zerstörten, wo er den wenigen Christen predigte, die es noch wagten, die heilige Messe zu besuchen.

 

Vier Jahre lang predigte der heilige Patrick in den sechs Grafschaften von Thomond und Munster und trieb die Druiden von Bezirk zu Bezirk vor sich her. In diesen vier Jahren erbaute er 300 Kirchen und weihte 400 Priester. Bevor er den Shannon-Fluss gegen Clare überschritt, weihte er einen der beiden jungen Priester, die ihn von Rom aus begleitet hatten, Benedikt, zum Bischof von Watterford, , wo er bis zu seinem Tod blieb.

 

In Clare, Galwey, Mayo und Leitrium wurde der Zug des heiligen Patrick zu einem wahren Triumph. Die Leute eilten ihm zu Hunderten entgegen und begrüßten ihn jubelnd, wenn er näher kam. Sieben Jahre blieb er in der Grafschaft Connaught, wo er 500 Kirchen erbaute und mehr als 1000 Priester weihte. Iserninius, seinem Helfer, gab er den bischöflichen Stuhl von Tuam in Galway, bevor er über die Hügel von Leitrim nach Tonegal zog, wo er drei Jahre arbeitete und predigte.

 

Er merkte aber wohl selbst, dass diese Tage schwerer Arbeit seine Gesundheit und sein Herz aufbrauchten. So verließ er Donegal und durchreiste Nordirland auf der Suche nach einer Stelle für die Errichtung seiner Kathedrale. In der Grafschaft Armagh, kaum 75 Kilometer südöstlich jenes Sumpflandes, auf dem er einst die Schweine gehütet hatte, erblickte er einen grünen Hügel, der sich aus der wellenförmigen Ebene erhob.

 

„Auf diesem Hügel werde ich den Dom für ganz Erin erbauen,“ sprach er, „hier auf diesem Hügel soll unser Gotteshaus für immer stehen.“

 

In Armagh lebte dann der heilige Patrick bis zu seinem Tod. Auf einer Reise in die Grafschaft Down starb er, der nie ein sehr kräftiger Mann gewesen war, in der Ortschaft, die heute als Downpatrick bekannt ist, einem Städtchen östlich von Belfast. Dort ruht sein Leib, während seine Seele vom Himmel herabblickt auf das irische Volk, das trotz Hungersnot, Verfolgung und Tod am Glauben, den er ihm brachte, festgehalten hat.

 

Die heilige Gertraud (Gertrudis), Äbtissin von Nivelles, Brabant,

+ 17.3.659 – Fest: 17. März

 

Die heilige Gertraud war eine Tochter des Herzogs und Major-Domus – Haushofmeisters – der austrasischen Könige Pipin und der frommen Itta und wurde im Jahr 626 zu Nivelle geboren. Sie erhielt von ihren Eltern, besonders aber durch die Sorgfalt ihrer gottseligen Mutter, eine wahrhaft heilige Erziehung und strebte von zarter Jugend an mit Verachtung alles Irdischen nach Vollkommenheit in den christlichen Tugenden. Ihre einzige Freude war die Einsamkeit und der Umgang mit Gott durch Gebet und Betrachtung himmlischer Wahrheiten. Im elften Jahr ihres jugendlichen Alters weihte sie sich schon als eine reine Jungfrau dem Dienst Gottes. Diesem Gelübde hielt sie auch bis zu ihrem Tod die Treue, obwohl sie den schwersten Versuchungen ausgesetzt wurde. Eines Tages gab ihr Vater dem König Dagobert und den Mächtigen des Reiches ein glänzendes Gastmahl in seinem Palast, unter denen sich auch der Sohn eines austrasischen Herzogs befand, der über die Schönheit und hohen Tugenden der fürstlichen Jungfrau so in Liebe entbrannte, dass er den König und ihren Vater um ihre Hand bat. Dagobert gab freudig seine Einwilligung zu einer solchen Verbindung und erhielt auch von Pipin das Jawort. Sogleich berief er die Mutter mit der Tochter zu sich und erklärte Gertraud als Braut des vornehmen Jünglings, dessen Ansehen, Adel und Reichtümer er zugleich unter den größten Lobsprüchen erhob. Da sprach mit hoher Schamröte die Jungfrau zu dem Regenten: „Mein Herr und König! Ich trage kein Verlangen nach einem Gemahl, der Gold und Würden und Ämter besitzt, denn längst bin ich die Braut meines armen Jesus, dem ich mich von Kindheit an geweiht habe.“ Der König ließ von seinem Begehren ab und bewunderte die Starkmut der zarten Tochter, aber der liebende Jüngling verließ mit einem Herzen voll Ärger und Unwillen den Palast.

 

Nach dem Tod ihres Vaters Pipin begab sich Gertraud mit ihrer Mutter in das Nonnenkloster, das sie auf den Rat des heiligen Bischofs Ammandus zu Nivelle erbaut hatte und beide nahmen den heiligen Schleier. Angezogen von ihrem heiligen Leben, meldeten sich bald mehrere Jungfrauen aus den angesehensten Familien und baten um Aufnahme. Bald erhielt dieses Kloster den Ruf als einer Wohnung der Frömmigkeit und Tugend. Bis zum Tod ihrer Mutter führte die heilige Gertraud die Oberaufsicht über ihre Genossenschaft. Dann aber wählte sie Wilfetrudis zur Äbtissin und widmete sich neben dem Dienst für die Kranken und Armen vollkommen dem Gebet und der Betrachtung. Sie wusste beinahe die Heiligen Schriften ganz auswendig und erklärte vom Heiligen Geist erfüllt die dunkelsten Stellen in ihnen. Ihr strenges Fasten und die asketischen Übungen, mit denen sie ihr Fleisch kreuzigte, setzten alle ihre Mitschwestern in Erstaunen. Sie wandelte wie ein Engel Gottes unter den Menschen. Von ununterbrochenen Nachtwachen und asketischen Übungen erschöpft, unterlag ihr schwacher Körper einer tödlichen Krankheit und sie starb im 33. Jahr ihres Lebens voll Sehnsucht nach dem Himmel am 17. März 659.

 

Zur gleichen Stunde, als sie verschied, betete Modesta, eine Jugendfreundin der heiligen Gertraud, Äbtissin des Nonnenklosters zu Avende, vor dem Altar der hochgebenedeiten Gottesmutter. Auf einmal erblickte sie zu ihrer Rechten eine Erscheinung. Vor Schrecken wollte sie entfliehen, aber noch einen Blick warf sie hin, und sie sah ihre geliebte Freundin in ihrer klösterlichen Kleidung, die mit sanfter Stimme ihr zurief: „Ich selbst bin es, Modesta, die du in ihrem Leben so innig geliebt hast!“ Mehrere an ihrem Grab geschehene Wunder bestätigten die Heiligkeit der Dienerin Gottes. Die Äbtissin Agnes, die Nachfolgerin der frommen Wilfetrudis, erbaute ihr zu Ehren eine Kirche, wohin aus allen Provinzen die Gläubigen wallfahrteten. Dort riefen sie die Heilige in ihren Nöten um ihre Fürbitte bei Gott an.

 

Der heilige Johann Fleischmann (Sarkander),

Pfarrer und Märtyrer von Holleschau, Schlesien,

+ 17.3.1620 – Fest: 17. März

 

Böhmen rühmt sich eines großen Märtyrers des Beichtgeheimnisses, des heiligen Domherrn Johannes Nepomuk. Das benachbarte Mähren weist noch einen anderen Priester auf, einen zweiten Johannes und würdigen Nachahmer des sittenstrengen und wahrheitsliebenden Johannes Baptista, Johann Fleischmann, der mit Recht vom Volk mit dem Ehrentitel eines Märtyrers des Beichtgeheimnisses ausgezeichnet worden ist. Es war die trübe Zeit der Religionswirren in Deutschland. Böhmen, das Ursprungsland des Dreißigjährigen Krieges, war schon früher ein fruchtbarer Herd des Sektenwesens. Die Hussiten, vom Konzil zu Konstanz 1414 als Irrlehrer verurteilt, gelten als die Vorläufer der großen Glaubensspaltung in Deutschland. Die aus hussitischen Anschauungen hervorgegangenen „Böhmischen Brüder“ standen mit den Anhängern Luthers über ihre Lehre in Verhandlung. Kamen sie auch hierin zu keiner Vereinigung, so standen sie doch im blutigen Krieg im selben Lager, bis die Schlacht am Weißen Berg bei Prag, am 8. November 1620, gegen sie entschied. Eben diese Unruhen und Kämpfe waren es, unter denen der Pfarrer von Holleschau, Johann Fleischmann, gelitten und schließlich sein Leben für die Wahrheit des katholischen Glaubens und die Heilighaltung seiner Einrichtungen hingegeben hat.

 

Zumeist erscheint der heilige Blutzeuge unter dem griechischen Namen Sarkander, was nur die wörtliche Übersetzung des gutdeutschen Namens Fleischmann ist. Die Gelehrten jener für das klassische Altertum schwärmenden Zeit gefielen sich gerne darin, sich auch in der Sprache der hochgebildeten Griechen nennen zu lassen. Zu den Gelehrten durfte sich aber Fleischmann mit Fug rechnen, war er doch Doktor der Philosophie und der Theologie.

 

Geboren 1576 in Skotschau in Österreichisch-Schlesien, hatte er nach dem frühzeitigen Verlust seines Vaters eine gute und fromme Erzieherin an seiner Mutter, ein doppelt schätzenswertes Glück in jener Zeit, die für den Glauben der Jugend so gefährlich war. Nach guter geistiger Ausbildung in Freiberg und dann in Ölmütz und Prag, wo er 1603 Magister der Philosophie wurde, studierte Fleischmann vier Jahre Theologie in Graz in Steiermark. Als Priester und Doktor der hehren Gotteswissenschaft und mit Liebe und Begeisterung für die heilige Kirche kam er nach Mähren zurück. Nachdem er an mehreren Orten der Ölmützer Diözese in der Seelsorge sich betätigt hatte, wurde er 1613 zu Boskowitz und 1616 zu Holleschau in Mähren Pfarrer.

 

Mit dieser Pfarrei hatte der glaubenstreue, eifrige Priester eine schwere Aufgabe übernommen. Seit dem 15. Jahrhundert war in Holleschau und Umgebung das Sektenwesen der Hussiten und Böhmischen Brüder sehr verbreitet gewesen. Zuletzt waren die Katholiken ganz aus Kirche und Schule verdrängt worden. Als aber der streng katholische Popel von Lobkowitz die Herrschaft Holleschau erworben hatte, gab er 1614 die Pfarrkirche den Katholiken wieder zurück und machte aus dem Brüderhaus ein Jesuitenkollegium. Unter solchen Verhältnissen, die den Unmut der zurückgedrängten Häretiker nur noch mehr erregten, begann der neue Pfarrer sein Seelsorgeamt, das auf Bekehrung und Wiederzurückführung der Verirrten eingestellt sein musste. Da war größte Klugheit, Ausdauer und aufopferungsvolle Liebe zu den Seelen unerlässliches Erfordernis eines guten Hirten. Mit Hilfe der Väter der Gesellschaft Jesu führte Sarkander allmählich zweihundertfünfzig Personen wieder zur wahren Kirche zurück. Aber auf Seite der Gegner stieg der Hass. Besonders erbitterte sich der benachbarte irrgläubige Gutsbesitzer Bitowski von Bystritz, nicht zum geringsten aus Beweggründen, die mit der Frage über die Wahrheit des Glaubens wenig verwandt waren.

 

Im Jahr 1619 kam es zu dem bekannten böhmischen Aufstand, der die Einleitung war zu der schlimmsten Heimsuchung, die unser Vaterland je getroffen hat. Auch in Mähren rissen damals die Protestanten alle Gewalt an sich. In Ölmütz hatten schon die Abgeordneten der nichtkatholischen Stände, unter ihnen der feindselige Bitowski, mit den katholischen Einrichtungen aufgeräumt. Da musste der für das katholische Glaubensleben seiner Pfarrkinder so eifernde Pfarrer Fleischmann sich des Schlimmsten versehen. Auf Zureden seiner Freunde ließ er sich bewegen, Holleschau zeitweilig zu verlassen und in Czenstochau, dem berühmten polnischen Mutter-Gottes-Wallfahrtsort, Zuflucht und Stärke für fernere Kämpfe zu suchen. Nach weiterem Aufenthalt in Krakau kehrte er Ende 1619 wieder in seine Pfarre zurück. Anfang Februar 1620 kamen polnische Hilfstruppen durch Mähren und zogen nach Niederösterreich, unterwegs die Besitzungen der Protestanten brandschatzend, wie es die damalige Kriegssitte mit sich brachte. Als sie nach Holleschau kamen, ging ihnen der Pfarrer mit dem Allerheiligsten in der Monstranz, an der Spitze seiner Gemeinde, entgegen. Die katholischen Polen warfen sich auf die Knie nieder, empfingen ehrfurchtsvoll den Segen und verließen Holleschau als einen katholischen Ort in friedlicher Weise. Das nahmen nun die Feinde Fleischmanns, besonders Bitowski, als Anlass, den Verdacht und das Gerücht auszustreuen, der Pfarrer sei im Einverständnis mit seinem Gutsherrn Lobkowitz nach Krakau gegangen und habe die Polen ins Land gerufen. Von Olmütz aus ergingen Haftbefehle, denen sich Fleischmann durch die Flucht auf die Burg Tovakof entziehen konnteDoch wurde er später in einem Wald bei Olmütz ergriffen. Eine schmähliche, überaus grausame Behandlung begann, aus der er als siegreicher Märtyrer hervorgehen sollte.

 

Johannes Fleischmann wurde als Landesverräter angeklagt. Die Kommission, die die Untersuchung gegen ihn zu führen hatte, bestand fast ganz aus Irrgläubigen. Man wollte in den strengen Verhören erkunden, wer die Polen gerufen habe, die König Sigismund dem Kaiser zu Hilfe sandte, mit denen also der schlichte Diener Gottes nicht das Geringste zu tun hatte, ferner was Fürst Lobkowitz, als dessen Beichtvater er alle Geheimnisse kennen müsse, ihm anvertraut habe. Auch das wurde dem verhassten, treukatholischen Priester zum Verbrechen angerechnet, dass er seinen Pfarrkindern die heilige Kommunion nur unter einer Gestalt gereicht habe. Die Kommunion unter beiden Gestalten war ja auch eine der irrlehrerischen Forderungen. Der Heilige konnte natürlich in den viermaligen Verhören nichts aussagen. Man spannte ihn bis zum äußersten Grad auf die Folter. Am 17. Februar wurde er zwei Stunden hindurch mit Fackeln gebrannt und am folgenden Tag während einer dreistündigen Folterung abermals in dieser Weise aufs grässlichste gepeinigt. Unerschütterlich bewahrte der heldenhafte Dulder das Beichtsiegel; er betete nur und rief die heiligen Namen Jesus und Maria und die heilige Mutter Anna an. Schließlich bewarf man seinen Leib mit Federn, die in eine Mischung von Pech, Schwefel und Öl getaucht waren und dann in Brand gesetzt wurden. Knochen und Eingeweide wurden sichtbar. Entsetzliches litt der Heilige, betete aber noch getreu das Brevier, das tägliche Pflichtgebet. Da er die Blätter nicht mehr mit den verwundeten Händen umwenden konnte, tat er es mit der Zunge. Noch einen Monat lang litt der heilige Märtyrer an den Folgen der Tortur und den grässlichen Brandwunden, bis endlich am 17. März 1620 seine reine Seele dem zermarterten Leib entschwebte. Im Kerker liegend, hatte der standhafte Held sich selbst zum Aufstieg zur himmlischen Freiheit ermuntert mit dem Wort des 114. Psalms: „Kehre heim, meine Seele, in deine Ruhe; denn Gutes hat der Herr an dir getan. Er hat errettet meine Seele vom Tod, meine Augen von Tränen, meine Füße vom Fall.“ Der Diener des Herrn zählte erst dreiundvierzig Jahre seiner irdischen Vollendung.

 

Das Volk begann sofort Johannes als Märtyrer des Beichtsiegels zu verehren und drang auch auf den Seligsprechungsprozess. Dieser konnte jedoch erst unter Benedikt XIV. eingeleitet und unter Pius IX., am 6. Mai 1860, zu Ende geführt werden. Sarkanders Reliquien ruhen auf dem ihm geweihten Nebenaltar im Dom zu Olmütz. Die Marterstätte ziert eine Kapelle in der auch die Folter aufbewahrt wird, durch die sich der Heilige die Krone errang. Papst Johannes Paul II. hat am 5. April 1993 den Märtyrer Johann Fleischmann heiliggesprochen.

 

Gläubige Auffassung und getreue Erfüllung seines Berufes lässt den Christen auch in allen Widrigkeiten ruhig der Ewigkeit entgegenschauen. Nur das Urteil des ewigen Richters gibt der Schlussprüfung unseres Lebens die entscheidende Note.

 

Der heilige Agricola, Bischof von Chalons, Gallien,

+ 17.3.580 – Fest: 17. März

 

Agricola (in Frankreich wird er gemeinhin S. Arègle genannt), einer sehr angesehenen Familie in Gallien entsprossen, vereinigte mit inniger Frömmigkeit die herrlichsten Eigenschaften des Verstandes und des Herzens. 552 wurde er auf den bischöflichen Sitz von Chalons-sür-Saone erhoben. Seine Lebensart war sehr streng, nach dem Bericht des heiligen Gregor von Tours, der ihn genau kannte. Er bezeigte großen Eifer für die Unterweisung seiner Herde und die Verzierung der Kirchen. Man findet seinen Namen unter den Unterschriften des 3. Konzils von Orleans, gehalten im Jahr 538. Er wohnte ihm zwar nicht selbst bei, doch hatte er einen heiligen Priester als Stellvertreter dahin gesandt. Mehreren anderen Konzilien wohnte er in eigener Person bei, namentlich dem 2. von Auvergne, wo die schönen Einrichtungen, die zur Wiederherstellung der Einförmigkeit in der Kirchenzucht, der Reinheit der Sitten und des Glaubens in allen Kirchen Frankreichs zu Orleans getroffen worden waren, bestätigt wurden. (Die Kirchenräte, bei denen unser Heiliger teilnahm, sind: das 3. von Orleans im Jahr 541, das 5. derselben Stadt im Jahr 549, das 2. von Auvergne im Jahr 549, das 2. von Paris im Jahr 555, das 2. von Lyon im Jahr 567.) Er starb 580, im 83. Jahr seines Alters, und wurde begraben in die Kirche des heiligen Marcellus, wo man 878 seinen Leichnam entdeckte. Der heilige Agricola wird an diesem Tag im römischen Märtyrerbuch erwähnt. Auch die Kirche von Chalons feiert dessen Andenken am 17. März.

 

18. März

 

Der heilige Martyrer Eduard, König von England,

+ 18.3.979 - Fest: 18. März

 

Der heilige Eduard stammte ab von königlichem Geblüt in England, das in seinem Geschlecht mehrere Heilige zählt. Er wurde geboren um das Jahr 962. Sein Vater war Edgarus, ein gottesfürchtiger Regent, der sich sowohl im Krieg als im Frieden um England sehr verdient gemacht hat. Seine Mutter war Egelfelda, Tochter des Herzogs von Ordmer. Beide übten sich in den Werken der Gottseligkeit, bauten und besuchten Klöster, versuchten vorausgegangenen Kriegsschaden zu beheben und überall Gottesfurcht und Segen zu verbreiten. Weil Egelfelda nach sechs Jahren seit der Geburt Eduards starb, so heiratete sein Vater die Alfrida, eine Gräfin des Landes; wodurch Eduard eine Stiefmutter und einen Stiefbruder bekam, der Ethelredus hieß. Beide Brüder waren in Liebe miteinander verbunden.

 

Eduard als der ältere Sohn mit einem wahrhaft königlichen Herzen wurde vom Vater dem heiligen Dunstan, Erzbischof zu Canterbury, der ihn auch getauft hatte, zur Erziehung übergeben, und, weil diese so glücklich ausfiel, auch zum Thronfolger bestimmt. Der Vater starb um das Jahr 975. Eduard trat im 13. Lebensjahr die Regierung an. Der heilige Dunstan krönte ihn und bei dieser Handlung war auch der heilige Oswald, Erzbischof von York, zugegen. Einige Fürsten waren zwar damit nicht zufrieden, weil sie Strenge von ihm befürchteten, aber als sie seine Frömmigkeit, Milde und Gerechtigkeit erfuhren, wurde die Freude über einen so guten König allgemein.

 

Der junge König hatte sich zum Grundsatz gemacht, bei seiner Regierung in allem die Ehre Gottes und das Heil der Menschen im Auge zu haben. Denn ein christliches Reich in dieser Welt müsste ein Abbild des ewigen Reiches im Himmel sein, und die Vorbereitung darauf.

 

So war er zwar der Herrscher über England, aber vor Gott ein gehorsamer, treuer Diener. Er war auf dem Thron überaus demütig, gottergeben, voll Selbstverleugnung, keusch und mäßig, ein Liebhaber des Gebetes, zu jedem Menschen freundlich und liebevoll, gerecht und gütig. Seine vorzüglichen Werke der Gottseligkeit zeigte er, in dem er die christkatholische Kirche schützte, die Priesterschaft ehrte, den Bau und die Stiftung vieler Klöster, die sein Vater angefangen hatte, vollendete, die Folgen und den Schaden des Krieges mit Dänemark zu beheben und zu mildern versuchte, die Armen unterstützte, und besonders im Jahr 976, wo großer Hunger das Land drückte, der allgemeine Brotvater war. Seiner Demut, seinem Gebet, seiner Barmherzigkeit und seinem religiösen Eifer schrieb England seine Erhaltung zur Zeit der Not, die Fruchtbarkeit der darauf folgenden Jahre, den Sieg über Dänemark, und darauf die allgemeine Ruhe und Frieden im Land zu. So freute sich, wer immer gut war, des frommen, ja heiligen Königs.

 

Aber wie es in dieser Welt keine wahre Tugend ohne Kampf und Feindschaft, keine Heiligkeit ohne daneben stehende Bosheit, keine wahre Ehre ohne Neid und Verachtung gibt, so geschah es auch hier. Der heilige König musste das erfahren und dadurch das Opfer werden.

 

Es war seiner Stiefmutter der Alfrida gar nicht recht, dass ihr Sohn Ethelredus nicht König geworden war. Alle Tugenden und gute Eigenschaften des heiligen Eduard waren ihr ein Dorn im Auge, alles wusste sie böse auszulegen. Sie suchte sich Verbündete zu verschaffen, um ihren Sohn auf den Thron zu bringen. Und wirklich gelang es ihr, einige Fürsten und Räte, aber gewiss nicht die besten, vom König weg und auf ihre Seite zu bringen. Sie fassten den Entschluss, den unschuldigen König zu töten. Sie überlegten Mittel und Wege, wie sie es tun könnten. Aber es zeigte sich dazu keine Gelegenheit.

 

Nun ritt einst der König mit Dienern und Jägern auf die Jagd und kam während des Jagens nahe an das Schloss Wabra, wo sonst die Grafen von Dorsel und jetzt seine Stiefmutter und ihr Sohn Ethelredus wohnten. Da dachte er die Gelegenheit zu benutzen und ihnen einen Besuch abzustatten, weil er sie lange nicht gesehen und gesprochen hatte. Er, der von lauter Unschuld war und von keiner Tücke wusste, ahnte nicht, welchen bösen Ausgang sein Besuch nehmen würde. Er ritt also auf das Schloss zu, während seine Leute zurückblieben und sich weiter der Jagd widmeten. Als Alfrida seine Ankunft ohne Begleitung bemerkte, entschloss sie sich jetzt ihr Vorhaben auszuführen. Sie befahl einem frechen Diener, ihn zu erstechen. Sie stellte sich voll Freude über seinen Besuch, eilte ihm entgegen, grüßte ihn freundlich, bat ihn abzusteigen und einzukehren. Der König bedankte sich mit guten Worten und sagte, dass er nicht absteigen wolle, sondern verlangte nur seinen lieben Bruder zu sehen und zu sprechen. Da befahl die Königin einen Trunk zu bringen und während der König trank, gab sie einen Wink und der Meuchelmörder gab ihm rückwärts einen Stich. Der Verwundete lenkte sein Pferd um, ritt fort, fiel aber bald vom Pferd tot zur Erde. So starb der heilige König nach drei Jahren und acht Monaten seiner Regierung durch Anstiften seiner herrschsüchtigen Stiefmutter. Gott aber, der die Herzen prüft und das Verborgene in ihnen ans Tageslicht fördert, verherrlichte seinen treuen Diener nach kurzer Zeit. Die böse neidische Frau ließ den Leichnam des Königs in aller Stille und Eile in die nächste Hütte tragen und verbergen. Da wohnte eine arme blinde Frau, die von den Almosen der Königin lebte. Die wachte und betete bei der Leiche, und siehe, um Mitternacht erschien eine große Klarheit um sie und die Frau konnte wieder sehen. Am Morgen ging sie zur Königin und erzählte ihr, was geschehen war. Schnell ließ sie den Leichnam in einem abgelegenen Sumpf begraben, befahl ihren Leuten unter großer Strafe das strengste Stillschweigen, ja von keiner Trauer etwas merken zu lassen. Ihren eigenen Sohn, den Ethelredus, beschimpfte sie als einen Feigling, weil er über den Verlust seines Bruders bitterlich weinte und untröstlich war. Darauf entfernte sie sich von diesem Ort wohl zehn Meilen weit in eine andere Gegend, um allen Verdacht von sich abzulenken. Indessen suchte die Dienerschaft ihren lieben Herrn, konnte ihn aber nicht finden. Man suchte ihn aller Orten, aber vergeblich. Nun war im ganzen Land nur eine Rede: unser König ist umgebracht worden, und nur eine Klage: wir haben unseren guten Vater verloren. So trauerte das ganze Reich um den heiligen Eduard.

 

Ungefähr nach einem Jahr gefiel es Gott, seinen treuen Diener der Welt bekanntzumachen und zu verherrlichen. Es erschien zur Nacht öfters eine feurige Säule über dem Ort, wo der Leichnam lag, und viele Leute dieser Gegend sahen sie. Alle vermuteten, es müsse da etwas Heiliges sein. Sie suchten danach und fanden den Leichnam ihres heiligen Königs. Dabei wurde eine Quelle mit Heilwasser entdeckt, wo ein Lahmer augenblicklich gesund wurde. Mit Ehrfurcht wurde der Leichnam erhoben und in der dortigen Mutter-Gottes-Kirche beerdigt.

 

Es dauerte nicht lange und die ganze Sache wurde im Königreich bekannt. Viele trauerten über den Verlust ihres guten Königs, viele klagten: wer war doch so aus Gottes Gnade gefallen, dass er seine Hand an den König legen konnte? Viele weinten aus Trauer, viele aus Freude, dass der liebe Gott die Heiligkeit seines Dieners und seinen Mord an den Tag gebracht hatte und sie nun an ihrem König einen Heiligen im Himmel und einen Fürbitter am Thron Gottes hätten.

 

Nun beschloss Graf Alfred, der Bruder von Eduards Mutter, den Leichnam des Heiligen nach Schaftesburi in das berühmteste Kloster Skephtonia, welches Alfred der Große, auch König in England und ein großer Heiliger, der zugleich Eduards Ahnherr war, hatte bauen lassen, zu übertragen. Er lud die Bischöfe, Prälaten und Herren des Reiches dazu ein. Auch die heilige Wilfrida, Äbtissin des Stiftes Wincester, und Editha, Schwester des heiligen Eduard, die im Ruf hoher Gottseligkeit war, erschienen bei der Überführung, neben vielem Volk, das von allen Richtungen herbeiströmte. Der Leichnam war ganz unversehrt und erkennbar aufgefunden worden. Viele der Anwesenden weinten vor Freude und lobten Gott und den Heiligen. Bei der Übertragung wurden zwei Lahme durch Anrührung augenblicklich geheilt. So wurde die Freude der Gläubigen, die Verherrlichung Gottes und die Verehrung des Heiligen immer größer. Der Leichnam wurde auf der Nordseite des Chor-Altars der besagten Klosterkirche eingesenkt und Gott krönte dort die Andacht und das Vertrauen der Gläubigen mit Erhörung ihrer Gebete, mit Zeichen und Wundern. Solche Verherrlichung des Heiligen hat auch seine Stiefmutter auf bessere Gesinnungen und zur Reue und Buße über ihre Sünden gebracht.

 

Endlich im Jahr 1001, einundzwanzig Jahre nach der Überführung, wurde der Leichnam erneut erhoben. Er gab einen lieblichen Geruch von sich und wurde mit noch anderen heiligen Reliquien in der neuen Kirche beigesetzt, die Ethelredus, der Bruder und Thronfolger des Heiligen, mit Zutun der Bischöfe samt einem Frauenkloster hat errichten lassen. Auch wurde sein Fest jährlich am 18. März, am Tag seines Todes, zu begehen angeordnet. Neben dieser Kirche sind noch andere ihm zu Ehren bei der Hütte und dem Sumpf, wo er zuerst gelegen, erbaut worden. So ist der Diener Gottes, der für Gott lebte und wirkte, im gesegneten Andenken bei Gott und den Menschen.

 

Der heilige Alexander, Bischof von Jerusalem und Märtyrer von Cäsarea,

+ um 251 – Fest: 18. März

 

Dieser Heilige lernte die Geheimnisse unserer heiligen Religion auf der berühmten Schule von Alexandrien, wo er den heiligen Panten und Clemens, seinen Nachfolger, als Lehrmeister hatte. Er knüpfte eine sehr enge Freundschaft mit Origenes, seinem Studiengenossen. Als der Ruf seiner Tugend und Gelehrsamkeit allenthalben erscholl, wurde er auf einen Bischofssitz erhoben in einer Stadt von Cappadocien, deren Name nicht zu uns gelangt ist. Er bekennte großmütig den Glauben im Jahr 204, und wurde des Namens Jesu wegen in Bande gelegt. Aus seinem Gefängnis, worin er sieben ganze Jahre blieb, erließ er ein Sendschreiben an die Kirche von Antiochien, um ihr Glück zu wünschen, dass sie den heiligen Asclepiad zum Patriarchen erwählt habe. „Diese Wahl“, sagt er in seinem Brief, „hat mich mit Freuden erfüllt; sie hat die Last meiner Ketten erleichtert und die Härte meines Schicksals gemildert.“ Diesen Brief übersandte er durch den Priester Clemens, einen Mann von seltener Tugend, und dem er die Leitung seiner Diözese während seiner Gefangenschaft anvertraut hatte.

 

Alexander erhielt endlich seine Freiheit und wurde 212 aus seinem Kerker entlassen. Bald darauf besuchte er die heiligen Orte in Jerusalem, dem Befehl zufolge, den er in einer Offenbarung vom Himmel erhalten hatte. Am Vorabend seiner Ankunft in Jerusalem, schickte Gott in Beziehung auf ihn ebenfalls ein Gesicht dem heiligen Bischof Narcissus und mehreren anderen Gläubigen seiner Kirche. Sie hörten während der Nacht eine deutliche Stimme, die ihnen befahl, dem heiligen Alexander entgegen zu gehen und ihn als einen Mann aufzunehmen, den die Vorsehung zu ihrem Bischof bestimmt habe. Der heilige Narcissus war damals sehr betagt. Er nahm einstimmig mit seiner Herde Alexander zu sich und machte ihn zu seinem Gehilfen, mit Bewilligung aller Bischöfe von Palästina, die sich zu diesem Zweck versammelt hatten. (Dies ist das erste Mal, dass in der Kirchengeschichte Meldung gemacht wird von der Versetzung eines Bischofs auf einen anderen Stuhl, und von der Erwählung eines Koadjutors. Übrigens könnte man den heiligen Alexander als Nachfolger des heiligen Narcissus ansehen, da dieser einigermaßen nur die Ehre des Episkopats beibehielt, und wegen seiner großen Altersschwäche die Amtsverrichtungen desselben nicht mehr teilen konnte.) Diese zwei großen Männer regierten also gemeinschaftlich die Kirche von Jerusalem. Alexander sagt dies ausdrücklich in einem Brief, den er an die Antinoiten in Ägypten schrieb. Er drückt sich hierüber folgendermaßen aus: „Ich grüße euch von Seiten des Narcissus, der vor mir dieser bischöflichen Kirche vorstand und ihr jetzt noch durch seine Gebete vorsteht, da er schon über 116 Jahre alt ist. Er beschwört euch mit mir, dass ihr unveränderlich in Frieden und Eintracht beharren möget.“

 

Als der heilige Alexander in sein neues Bistum eingesetzt war, legte er eine Bibliothek an, wo er unter anderen Büchern die Werke und Briefe der größten Männer seiner Zeit sammelte. Eusebius sagt, diese Bibliothek habe zu seiner Zeit noch bestanden und er habe große Hilfe zur Beschreibung seiner Kirchengeschichte daraus gezogen.

 

Origenes gibt der Sanftmut unseres Heiligen, die besonders in seinen Ermahnungen an das Volk hervorstrahlte, ein schönes Lob. Man weiß sonst nichts von Alexander bis zu seinem Tod. Er wurde während der Verfolgung verhaftet, bekannte Jesus Christus zum zweiten Mal und starb 251 im Gefängnis zu Cäsarea. Der heilige Epiphanius, der heilige Hieronymus und andere geben ihm den Namen „Blutzeuge“. Er wird am 18. März im römischen Martyrologium erwähnt; allein die Griechen verehren ihn am 16. Mai und 22. Dezember.

 

Ein Hirt, der mit Erfolg an dem Heil der Seelen arbeiten will, muss sich selbst vorerst in der Tugend befestigen. Die priesterlichen Amtsverrichtungen werden für ihn nur eine Quelle der Gefahren sein, wenn er sich nicht gewissenhaft dazu vorbereitet hat. Durch Abtötung aller Gelüste der verderbten Natur, durch vollkommene Losschälung von allen irdischen Gütern, durch Übung einer tiefgewurzelten Demut, durch beständiges Gebet und Betrachtung. Wenn er nicht einen festen Grund der Sanftmut und Liebe gelegt hat, wodurch er bei jeder Gelegenheit Allen Alles werde. Wenn er nicht erglüht von Eifer für die Ehre Gottes und die Heiligung derjenigen, denen er als Führer gegeben ist. Welche Beschämung für ihre Nachfolger im Priestertum, wenn sie sich weigerten, ihnen wenigstens insoweit es ihre Schwäche gestattet, nachzuahmen! Hier handelt es sich keineswegs um einen Rat, den man, streng genommen, auch unbeachtet lassen könnte, es ist ein Gebot, dessen Übertretung die traurigsten Folgen, sowohl für die Vorsteher als für die Untergebenen, nach sich zöge. Wahr bleibt es zwar, dass man sich, um in die Fußstapfen der Heiligen zu treten, unaufhörlich Gewalt antun müsse, und man oft sehr schwere Kreuze zu tragen habe. Allein man soll bedenken, dass das Leben eines Christen, also besonders eines Hirten, ein ununterbrochenes Märtyrertum sein müsse, und man Gott nur insoweit angenehm sein könne, als man ihm das Opfer seines Leibes und seiner Seele durch Abtötung und andere Tugenden, deren Ausübung das Evangelium uns so dringend anbefiehlt, darbringe.

 

Der heilige Fridian (Frigdian/Frigidian),

Bischof und Bekenner von Lucca, Italien,

+ 18.3.578 – Fest: 18. März

 

Dieser Heilige, den man noch Frigidian oder Frigdian nennt, war nach einigen Schriftstellern Sohn eines Königs von Ultonien in Irland. Wenigstens glaubt man fast allgemein, dass er ein Irländer von Geburt gewesen sei. Durch sein Verlangen, sich in der Tugend und den geistlichen Wissenschaften zu vervollkommnen, reiste er nach Italien, wo ihn seine Verdienste auf den bischöflichen Stuhl von Lucca, nach dem Tod des Geminianus, erhoben haben. Er war der elfte Bischof dieser Kirche, die vom heiligen Paulinus, den man für einen Jünger des heiligen Petrus hält, gestiftet worden ist. Durch seine Gebete hemmte er die Überschwemmungen des Flusses Serchio, der den größten Teil der Stadt Lucca hätte unter Wasser setzen müssen.

 

Der heilige Fridian starb 578 und wurde an dem Ort begraben, wo jetzt die Kirche seines Namens steht. Papst Alexander II. ließ einige der regulierten Chorherren, die sie versahen, nach Rom kommen, um da in den Kirchen des heiligen Johannes im Lateran und des Kreuzes zu Jerusalem denselben Orden einzuführen. Die Kongregation des heiligen Fridian wurde im Jahr 1507 mit jener des heiligen Johannes im Lateran vereinigt.

 

Der heilige Anselm, Bischof und Bekenner von Lucca, Italien,

+ 18.3.1086 – Fest: 18. März

 

Anselmus, geboren zu Mantua, erhielt daselbst auch seine Bildung in den wissenschaftlichen Kenntnissen und in der Philosophie. Als er aber später in den geistlichen Stand getreten war, verwendete er seinen Fleiß auf die Gottesgelehrtheit und das canonische Recht, worin er große Fortschritte machte. Da der Bischof von Lucca, sein Oheim, im Jahr 1061, unter dem Namen Alexander II., den päpstlichen Stuhl bestiegen hatte, wählte er ihn zu seinem Nachfolger und schickte ihn nach Deutschland, um – nach dem damaligen Gebrauch – von den Händen Kaiser Heinrichs IV. die Investitur zu empfangen. Allein Anselmus kam wieder zurück, ohne dass er sie annehmen wollte, in der Überzeugung, die weltlichen Mächte könnten keine geistlichen Würden verleihen. Als er von Gregor VII. im Jahr 1073 konsekriert worden war, nahm er schließlich von Heinrich den Ring und den Hirtenstab. Darüber bekam er jedoch bald Gewissensunruhen und ließ sich zu Cluny als Mönch aufnehmen. Und nur auf ausdrücklichen Befehl des Papstes ging er wieder zur Leitung seiner Diözese zurück.

 

Einem Beschluss zufolge, den Papst Leo IX. gegeben hatte, wollte er die Kanoniker seiner Domkirche zur gemeinschaftlichen Lebensweise wieder zurückführen, worin er von der Gräfin Mathilde, der Regentin von Lucca, und einem großen Teil Toscanas unterstützt wurde. Allein die Kanoniker bildeten eine Gegenpartei, die er unmöglich, selbst nicht durch die Strenge der kanonischen Strafen, besiegen konnte. Die Sache ging so weit, dass sie gegen ihren Bischof einen Aufstand erregten und ihn nötigten, im Jahr 1079 die Stadt Lucca zu verlassen. Anselmus begab sich zur Gräfin Mathilde, deren Gewissensrat er war. Stets wusste der heilige Oberhirt, selbst sogar im Gewühl der stürmischsten Händel, einige Augenblicke zu erübrigen, um sich in Gottes Gegenwart zu versammeln, und durch die Übung eines inbrünstigen Gebetes seinen Eifer zu entflammen.

 

Der Papst ließ aber nicht zu, dass Anselmus länger in seiner Einsamkeit vergraben blieb. Er ernannte ihn zu seinem Legaten in der Lombardei, und übertrug ihm die Regierung von mehreren Bistümern, die durch die Zeitunfälle ihrer Oberhirten beraubt waren. Er starb zu Mantua, am 18. März 1086. Seine Heiligkeit wurde durch viele Wunder, vor und nach seinem Tod, bewährt.

 

Er wird in Italien allgemein verehrt und die Stadt Mantua hat ihn zu ihrem Patron erwählt. Im römischen Märtyrerbuch ist sein Name am 18. März verzeichnet.

 

(Der heilige Anselmus schrieb eine Apologie Gregors VII., worin er sich vornahm zu zeigen: 1) dass es den weltlichen Fürsten nicht zustehe, der Kirche Hirten zu geben, 2) die Anmaßungen des Gegenpapstes Guibertus zu widerlegen. Er verfasste noch eine andere Abhandlung, worin er bewies, dass die Fürsten über die Kirchengüter nicht verfügen könnten.)

 

Der heilige Cyrillus, Erzbischof von Jerusalem, Kirchenlehrer und Bekenner,

+ 18.3.386 – Fest: 18. März

 

Der heilige Cyrillus wurde um das Jahr 315 zu Jerusalem geboren, vielleicht auch in der Umgegend dieser Stadt. Er verlegte sich frühzeitig auf das Studium der heiligen Schriften, und wurde mit ihnen so vertraut, dass seine meisten Reden, sogar die, die er ohne Vorbereitung vortrug, ein Zusammenfluss von Stellen oder Anspielungen auf verschiedene Texte aus den göttlichen Büchern sind. Eine gründliche Kenntnis der Lehre der Kirche schöpfte er aus den Kirchenvätern, die ihm vorangegangen waren, er las auch die Schriften der heidnischen Philosophen, überzeugt, da Mittel zu finden, womit er den Götzendienst mit Erfolg bekämpfen könnte.

 

Maximus, der Bischof von Jerusalem, weihte ihn zum Priester im Jahr 345, und beauftragte ihn bald, dem Volk das Wort Gottes vorzutragen. Der Heilige selbst berichtet uns, dass er jeden Sonntag in der Versammlung der Gläubigen predigte. Auch musste er die Katechumenen, oder jene, die man zum Empfang der heiligen Taufe vorbereitete, unterweisen, denen, wie bekannt, dieses Sakrament erst nach Verlauf von zwei Prüfungsjahren erteilt wurde.

 

Cyrillus bekleidete mehrere Jahre das wichtige Amt eines Katecheten, und zwar mit viel Eifer und Ruhm. Ungefähr um das Jahr 350 folgte er dem oben erwähnten Maximus auf dem bischöflichen Stuhl von Jerusalem nach.

 

Der Anfang seines Oberhirtenamtes ist in der Geschichte durch ein Wunder berühmt, das Gott zur Verherrlichung des Zeichens unserer Erlösung wirkte. Da diese Tatsache so merkwürdig ist, und auf unbezweifelbare Beweise sich gründet, so können wir nicht umhin sie hier anzuführen. Der heilige Cyrillus, der davon ein Augenzeuge gewesen war, schrieb sogleich an den Kaiser Constantius, um ihn davon in Kenntnis zu setzen. Hier sind seine eigenen Worte: „Am 7. Mai gegen 9 Uhr am Morgen erschien am Himmel ein großes Licht in der Gestalt eines Kreuzes, das vom Kalvarienberg bis zum Ölgarten reichte. Es wurde aber nicht bloß von ein oder zwei Personen gesehen, sondern von der ganzen Stadt. Es war nicht eine jener vorübergehenden Erscheinungen, die schnell wieder verschwinden, dieses Licht strahlte unseren Augen mehrere Stunden lang entgegen, und zwar mit solchem Glanz, dass es selbst die Sonne zu verdunkeln mochte. Die Zuschauer, zugleich von Furcht und Freude ergriffen, strömten massenweise in die Kirche, Greise und Jünglinge, Gläubige und Heiden, Bürger und Fremdlinge. Alle stimmten ein in das Lob unseres Herrn Jesus Christus, des neugeborenen Sohnes Gottes, der durch seine Kraft dieses Wunder tat, und sie bekannten einhellig die Göttlichkeit einer Religion, der die Himmel selbst Zeugnis geben.“ (In der Chronik von Alexandrien liest man, dass diese wundervolle Erscheinung von einer Iris oder einem Lichtkreis umgeben war.)

 

Der heilige Cyrillus schließt seinen Brief mit dem Wunsch, der Kaiser möchte für ein und allemal die heilige und gleichwesige Dreieinigkeit preisen. Die griechische Kirche feiert am 7. Mai das Andenken der wunderbaren Erscheinung des Kreuzes, wovon wir soeben geredet haben.

 

Einige Zeit nach dieser Begebenheit, erhob sich ein hitziger Streit zwischen dem heiligen Cyrillus und Acacius, dem Erzbischof zu Cäsarea. Man weiß, dass der letztere, der anfänglich den Irrtümern der Halbarianer zugetan war, nachher einer der grimmigsten Parteigänger des Arianismus geworden ist. Es handelte sich zuerst bloß um einige Punkte der Gerichtsbarkeit, indem der Erzbischof von Jerusalem sich weigerte, mehrere Rechte, die jener von Cäsarea als Metropolitan ungerechter Weise sich anmaßte, anzuerkennen. Diese erste Streitsache veranlasste noch andere, die unterhalten wurden, durch die Verschiedenheit der Lehre über die Consubstantialität (von gleichem Wesen) des Wortes, die unser Heiliger allzeit mit dem größten Eifer verfochten hatte. Diese Anhänglichkeit an den Glauben von Nicäa steigerte den Hass des Acacius gegen Cyrillus auf das Höchste, daher entschloss er sich, alle Mittel anzuwenden, um den Heiligen in den Untergang zu stürzen. Er forderte ihn daher vor eine Versammlung Arianischer Bischöfe, in der er den Vorsitz nahm, unter dem Vorgeben, er wolle ihn zwingen, sich über mehrere Anklagepunkte, die gegen ihn erhoben wurden, zu reinigen. Nachdem zwei Jahre verflossen waren, ohne dass Cyrillus vor diesen Richterstuhl, dessen Befugnis er nicht anerkannte, sich stellte, sprach man das Absetzungsurteil wider ihn aus. Eines der vorgeblichen Verbrechen, deren man ihn beschuldigte, bestand darin, er habe die Kirchengüter verschwendet, und die heiligen Gefäße zu einem profanen Gebrauch verwendet. Diese Anklage entstand daher, weil der Heilige, während einer großen Hungersnot, die die ganze Gegend von Jerusalem verheerte, einen Teil der Kirchenhabe und mehrere Ornate verkauft hat, um den Bedürfnissen einer Menge Armen, die vor Elend zugrunde gingen, Abhilfe zu tun. Gewiss aber verdiente ein solches Verfahren, weit entfernt, als strafbar angesehen werden zu können, im Gegenteil die schönsten Belobungen.

 

Der heilige Cyrillus berief sich gegen diesen Urteilsspruch auf ein höheres Gericht. Da aber diese Maßregel ohne Wirkung blieb, musste er der Gewalt nachgeben. Er zog sich zuerst nach Antiochien, dann nach Tarsis in Sizilien zurück. Sylvanus, der Bischof dieser letzten Stadt, empfing ihn mit großer Ehrbezeugung, und erlaubte ihm sogar, alle seine Amtsverrichtungen zu vollbringen, indem er das von Acacius und dessen Anhang gefällte Urteil, als nichtig ansah. Im Konzil von Seleucia 359 wurde er wieder in seine Rechte eingesetzt. Allein die Arianer brachten es durch ihre Verleumdungen dahin, dass er im folgenden Jahr in einem Konzil zu Konstantinopel abermals entsetzt wurde.

 

Die Verhältnisse, in denen er mit Sylvan, Eustathius von Sebaste, Basilius von Ancyra und mehreren anderen Bischöfen stand, und die sich nachher an die Spitze der Halbarianer stellten, haben bei einigen Bedenken über seinen Glauben veranlasst: es ist aber gewiss, dass er niemals die Meinungen der Feinde der Consubstantialität des Wortes teilte. Er hatte im Jahr 349, mit seinem Vorgänger Maximus, die Beschlüsse des Kirchenrates zu Sardica, also die Lehre der Väter zu Nicäa angenommen. Aus seinem Brief an Kaiser Constantius hat man gesehen, dass er ausdrücklich die consubstantielle Dreieinigkeit bekannte. Dazu kommt noch, dass er in dem zu Konstantinopel 381 gehaltenen Konzil, mit den übrigen Bischöfen die Irrtümer der Halbarianer und Macedonianer verdammte. Die rechtgläubigen Bischöfe, die sich im folgenden Jahr in derselben Stadt versammelt hatten, gaben seinem Glauben die glänzendsten Zeugnisse: in ihrem Brief an Papst Damasus und an die Morgenländer erklärten sie: „Dass der sehr ehrwürdige Cyrillus, der Bischof von Jerusalem, durch die Bischöfe der Provinz canonisch erwählt worden war, und dass er, des Glaubens wegen, mehrere Verfolgungen ausgestanden habe.

 

Als Julian, genannt der Abtrünnige, nach des Constantius Tod das Staatsruder ergriff, rief er alle Bischöfe aus der Verbannung zurück, und erlaubte ihnen in ihre Diözesen zurückzukehren. Seine Absicht war es, die Unduldsamkeit seines Vorgängers als gehässig hinzustellen, um unter den Rechtgläubigen und Ketzern einigermaßen das Gleichgewicht herzustellen, und zwischen beiden Teilen die Trennung zu unterhalten, in der Hoffnung, das Christentum selbst dadurch herabzusetzen. So bediente sich Gott der Politik des Kaisers, um den Heiligen seiner Kirche zurückzugeben. Wenige Tage nach seiner Rückkehr war Cyrillus Augenzeuge eines der berühmtesten Wunder, die je zugunsten der Religion Jesu Christi gewirkt wurde. Wir wollen die Tatsache, wie es sich geziemt, etwas weitläufig hier auseinandersetzen. Gewiss die Frömmigkeit der wahren Gläubigen wird sich darüber erfreuen: da sie sich zudem noch auf die unverwerflichsten Zeugnisse gründet.

 

Seit der Entstehung des Christentums hatte sich der Götzendienst mit seiner ganzen Macht gewaffnet, um dessen Einführung zu verhindern. Man verdammte daher die Anhänger zu Martern, bei deren Erinnerung man schon von Schauder ergriffen wird: allein ihr Blut war ein fruchtbarer Same, wodurch von Tag zu Tag die Anzahl der Jünger des Gekreuzigten vermehrt wurde. Julian, durch die Erfahrung belehrt, wie unnütz die Verfolgungen sind, bediente sich neuer Waffen zur Vernichtung des christlichen Namens. Er heuchelte äußerlich eine große Duldung und Mäßigung, gab auch in Reden gleißend zu verstehen, als missbillige er die Grausamkeit der Verfolger.

 

Durch diese Verstellung und Heuchelei gedachte er seinen Endzweck leichter zu erreichen. Er versuchte das Christentum in seinen Grundfesten zu untergraben, und Jesus Christus der Lüge zu bezichtigen, der vorhergesagt hatte, der Tempel zu Jerusalem wurde zerstört und nie wiederaufgebaut werden. Wäre dieser Versuch gelungen, so hätte es keinen Zweifel mehr gegeben, dass der Stifter unserer Religion weder Gott, noch auch der Gegenstand der heiligen Bücher des Alten Bundes gewesen war, wo man ebenfalls Weissagungen fand, die die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem verkündigten. Es wäre also um die mosaische und christliche Offenbarung geschehen gewesen, und das Heidentum hätte auf die glänzendste Weise obsiegen müssen. (Der heilige Gregor von Nazianz, Sokrates, Theodoret, und die übrigen Kirchengeschichtsschreiber stimmen alle dahin überein, Julians Absicht bei Erbauung des Tempels zu Jerusalem sei keine andere gewesen, als die Propheten, die den Untergang dieses berühmten Tempels geweissagt haben, der Lüge zu bezichtigen, mithin der christlichen Religion die Beweise, die sie von der Erfüllung dieser Prophezeiungen hernimmt, zu entwinden. Nach Amminianus Marcellinus wollte Julian weiter nichts als sich einen unsterblichen Namen erwerben. Dieser Beweggrund mag wohl auf Julians Absicht einigen Einfluss gehabt haben, allein er war nicht die Hauptursache die in zu diesem Werk antrieb. Man weiß nicht nur durch Sozomenus, dass Julian und die Götzendiener nur die christliche Religion im Auge hatten, und dass die Hoffnung, sie zu vernichten, ihrem tödlichen Hass gegen die Juden auf einige Zeit Einhalt tat.)

 

Julian erließ an die ganze jüdische Nation einen sehr schmeichelhaften Brief, worin er sie allen Steuern entlastet, und den Beistand ihrer Gebete zur Wohlfahrt seines Reiches begehrt. „Bringt eure Wünsche dar,“ sagte er ihnen, „damit ich siegreich aus dem persischen Krieg zurückkehre: ich werde Jerusalem, - diese heilige Stadt, nach deren Wiederherstellung ihr schon so lange Jahre geseufzt habt, wieder aufbauen, um sie mit euch zu bewohnen, und mit euch darin den Allerhöchsten zu preisen.“ Dies war aber nur die Sprache der Heuchelei, denn Julian redete bei jeder Gelegenheit mit größter Verachtung von der jüdischen Religion.

 

Hierauf versammelte er die Vornehmsten der Juden, und befragte sie, warum sie kein Opfer mehr nach den Vorschriften ihres Gesetzes darbrächten. Als sie ihm erwidert haben, sie könnten außer dem Tempel zu Jerusalem, der nur Gräuel der Verwüstung darbiete, nicht opfern, befahl er ihnen, in ihr Vaterland zurückzukehren, um den Tempel aufzubauen, und das Gesetz wiedereinzuführen. Zugleich versprach er ihnen, nach Kräften Beistand zu leisten, um die Ausführung ihres Unternehmens zu erleichtern. Bei dieser Nachricht strömten die Juden von allen Seiten nach Jerusalem hin. Stolz auf den Schutz des Kaisers, verunglimpften sie die Christen, und drohten ihnen die härtesten Strafen an. Bald hatten sie bedeutende Geldsummen zusammengebracht. Die Frauen der Juden gaben ihren Schmuck und ihre Edelgesteine zur Unterstützung des großen Unternehmens. Julian, in der Absicht noch mehr zu ermutigen, erklärte ihnen, er habe bei Durchlesung ihrer heiligen Bücher gefunden, dass das Ende ihrer Gefangenschaft herbeigekommen sei, und sie dem Zeitpunkt nahe wären, wo es ihnen wieder erlaubt würde, im Tempel zu opfern. Er befahl seinen Schatzmeistern ihnen das Geld vorzuschießen, das zur Erbauung des Tempels, der ungeheure Summen erforderte, gebraucht würde. Aus verschiedenen Provinzen des Reiches sandte er ihnen geschickte Baumeister, vertraute die Leitung des Werkes den angesehnsten Personen an, und setzte über das Ganze seinen innigsten Freund Alypius, den er selbst dahin schickte, das Werk zu betreiben.

 

Nachdem alles gehörig angeordnet war, brachte man eine ungeheure Menge Baumaterialien zusammen. Man arbeitete Tag und Nacht mit größter Tätigkeit an der Räumung des Platzes, wo der alte Tempel gestanden hatte, und schleifte die noch übrigen Fundamente. Einige Juden hatten zu diesem Zweck silberne Kärste, Schaufeln und Butten machen lassen. Die zartesten Frauen legten Hand ans Werk, und trugen in ihren kostbarsten Schürzen den Schutt hinweg.

 

Der heilige Cyrillus, der alle diese Vorbereitungen sah, äußerte nicht die geringste Besorgniss, sondern behauptete allzeit, die göttlichen Weissagungen würden zur gänzlichen Erfüllung kommen. Er versicherte sogar, die Bemühungen der Juden würden nur dazu dienen die Weissagungen des Erlösers, der in Betreff des Tempels von Jerusalem gesagt hatte, es würde kein Stein auf dem anderen bleiben, in ein desto helleres Licht zu stellen.

 

Indes war beinahe schon alles niedergerissen, und man begann neue Fundamente zu legen: allein eben da erwartete Gott seine Feinde, um sie zu beschämen. Lasst uns einen Schriftsteller vernehmen, dessen Zeugnis unverdächtig ist, Ammianus Marcellinus, der ein Heide war, und Julian zum Helden seiner Geschichte gemacht hat: „Als nun Alypius das Werk kräftig betrieb, und der Landpfleger ihm behilflich war, da brachen nahe bei der Grundlage furchtbare Feuerklumpen öfters hervor, und machten, nachdem verschiedene Male die Arbeiter verbrannt wurden, den Ort unzugänglich, (Der heilige Chrysostomus, Sozomenus und Theodoret sagen, die Flammen seien mitten aus den Fundamenten hervorgebrochen.) und als auf solche Weise das Feuer sie beharrlich zurücktrieb, hörte die Unternehmung auf.“ Auf diese Weise drückt sich ein Geschichtsschreiber aus, der die Götzen des Heidentums anbetete, und Julians Bewunderer gewesen ist. Nur die Kraft der Wahrheit konnte ihm ein solches Geständnis abzwingen.

 

Die Kirchengeschichtsschreiber lassen sich in nähere Entwicklung dieser Begebenheit ein. Wir lernen von ihnen, dass, nebst den Feuersausbrüchen, noch Erdbeben und Vulkane wüteten, dass der Donner einschlug, dass man Kreuze auf den Leibern und Kleidern der Anwesenden eingeprägt sah, und dass am Himmel ein Licht, in der Gestalt eines Kreuzes, rings mit leuchtenden Strahlen umgeben, erschien. (Man sehe den heiligen Gregor von Nazianz. Nach Theodoret waren die Kreuze, die auf den Kleidern der Juden erschienen, dunkel und näherten sich dem Schwarzen. Allein dieses widerspricht keineswegs der Erzählung des heiligen Gregorius. Die besagten Kreuze glichen Phosphoren, die des Tages schwarz und nachts glänzend sind.) Mehrere, von den Flammen verfolgt, wollten sich in eine nahegelegene Kirche flüchten, vermochten aber nicht hineinzugehen, entweder weil eine unsichtbare Hand sie zurückstieß, oder weil die Vorsehung zuließ, dass sie selbst sich einander verwirrten. „Dem sei nun wie ihm wolle,“ sagt der heilige Gregor von Nazianz, „ein allgemein angenommener Umstand, und den niemand in Abrede stellt, ist, dass sie auf ihrer Flucht, um sich von der drohenden Gefahr zu retten, ein Feuer aus den Grundlagen des Tempels hervorbrach, sie bald erreichte, die einen verzehrte, die anderen verstümmelte, so dass alle insgesamt Merkmale des göttlichen Zorns davontrugen.“ Die Ausbrüche fingen jedes Mal wieder an, wenn man die Arbeiten erneuern wollte, und hörten dann erst auf, als man das Werk gänzlich unterließ.

 

Diese wunderbare Begebenheit wird mit allen ihren Umständen von sehr vielen Schriftstellern, die im Jahrhundert Julians lebten, erzählt. Der heilige Gregor von Nazianz redete davon ein Jahr darauf, nachdem sie sich zugetragen hatte. Der heilige Johannes Chrysostomus erwähnt ihrer in mehreren seiner Werke als eines Ereignisses, das ungefähr 20 Jahre vorher in Gegenwart mehrerer, die seine Zuhörer waren, stattfand. Man findet die Erzählung davon beim heiligen Ambrosius, bei Rufin, der lange Zeit an demselben Ort lebte, bei Theodoret, der den größten Teil seines Lebens in der Nachbarschaft von Palästina zubrachte, in den Geschichten von Sozomenus, Sokrates, Philostorgius etc. (Philostorgius erzählt noch, bei Grundlegung des neuen Baues habe der erste Stein sich von seiner Stätte bewegt und dadurch die Höhlung eines Felsen sichtbar gemacht. Man habe einen Arbeiter an einem Seil hinabgelassen, der Wasser gefunden habe, das ihm bis an die Schenkel gegangen sei. Durch Betasten habe er die ausgehauene Höhlung viereckig beschrieben, und in der Mitte habe sich eine Säule wenig über dem Wasser erhoben, auf der ein in seinen Tüchern gewickeltes Buch lag, das er heraufgebracht hat. Da sich alle dieses Fundes gewundert hätten, desto mehr, da das Buch ganz neu erschien, wäre den Heiden und Juden das Staunen zur Bestürzung geworden, als sie beim Aufrollen des Buches auf die, in großer Schrift geschriebenen, Worte gestoßen sind: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Joh 1,1. Das Büchlein war das Evangelium nach Johannes.) Alle diese Schriftsteller kommen in der Hauptsache miteinander überein, und weichen nur in Betreff etlicher Nebenumstände voneinander ab. Allein diese Verschiedenheit gibt ihrem Zeugnis ein neues Gewicht, weil daraus deutlich wird, dass keiner von anderen abgeschrieben habe. Wir haben gesehen, dass Ammianus Marcellinus dasselbe Wunder bezeugt. Libanius, ebenfalls ein Heide, und dem Kaiser Julian ganz zugetan, redet auch von Erdbeben, die in Palästina stattfanden. Zwar ist er sehr zurückhaltend, aber eben dadurch spricht er zur Steuer des Christentums. Hätte er sich anders ausgedrückt, so würde er die Schande seines Helden aufgedeckt, und an seiner Religion ein Verräter geworden sein. Jedermann, sogar Julian, musste der Wahrheit Zeugnis geben. Da dieser Mann so in die Enge gebracht war, so darf es gar nicht auffallend erscheinen, dass er sich verfänglicher und klüglich ersonnener Ausdrücke bediente. Auch sogar die Juden, die man gewiss nicht in Verdacht ziehen wird, als hätten sie die christlichen Schriftsteller abgeschrieben, erzählen die fragliche Tatsache, nach der Überlieferung ihrer Synagogen, und mit beinahe derselben Einstimmigkeit, wie die Christen.

 

Das Wunder, von dem wir soeben geredet haben, ist also unbezweifelbar. Man kann es nicht in Abrede stellen, ohne in den albernsten Phyrrhonismus zu verfallen: daher lesen wir bei Sokrates, die Juden hätten gleich ausgerufen, dass Jesus Christus Gott sei. Mehrere Heiden bekehrten sich bei dieser Gelegenheit, nach dem Bericht des heiligen Gregor von Nazianz, des Sozomenus und Sokrates. Was die Juden betrifft, so ist es nicht auffallend, dass sie in ihrer Blindheit verharrt sind. Dadurch bewahrheiten sie die Prophezeiungen, wo ihre Verstocktheit und Verwerfung des göttlichen Lichtes so deutlich vorverkündet wird.

 

Beim Anblick eines für das Christentum so glorreichen Triumphes, betete der heilige Cyrillus die Allmacht Gottes an, und fuhr fort, mit Eifer am Heil seiner Herde zu arbeiten. Seine unerschütterliche Anhänglichkeit an den Glauben Jesu Christi, machte ihn dem Julian sehr verhasst, und er hat sogar, nach Drosius, beschlossen, ihn nach der Rückkehr aus dem persischen Krieg seiner Rache zu opfern. Allein der Tod kam ihm zuvor, und hinderte ihn, sein verabscheuungswürdiges Vorhaben auszuführen.

 

Der heilige Cyrillus wurde 367 noch einmal verbannt, auf Befehl des mit dem Arianismus angesteckten Kaisers Valers. Und erst im Jahr 378 kam er wieder in seine Diözese zurück, als Gratian zur Kaiserkrone gelangt war und befohlen hatte, die Kirchen an jene wieder zurückzugeben, die mit dem Papst Damasus in Gemeinschaft standen. Da er seine Herde durch Spaltungen und Irrlehre verwüstet fand, bemühte er sich aus allen Kräften, Frieden und Einheit der Lehre wiederherzustellen. Im Jahr 381 wohnte er dem allgemeinen Kirchenrat zu Konstantinopel bei, und unterschrieb die Verdammung der Halbarianer und Macedonianer, deren Irrtümer er allzeit verabscheut hatte. Endlich ging er aus diesem Erdenleben in die glückselige Ewigkeit über im Jahr 386. Die Griechen und Lateiner verehren ihn am 18. März, der sein Sterbetag war.

 

19. März

 

Der heilige Josef, Nähr- und Pflegevater Jesu Christi,

+ 30? - Fest: 19. März

 

Wer einmal die Josefslitanei aufschlägt, der sieht, dass die Kirche, die sonst sehr sparsam mit ihrer Anerkennung ist, den heiligen Josef mit den höchsten Lobeserhebungen geradezu überhäuft. Da wird von ihm als dem erlauchten Spross Davids gesprochen, Bräutigam der Gottesmutter wird er genannt, Nährvater des Sohnes Gottes, Haupt der Heiligen Familie, Vorbild der Arbeiter, Zierde des häuslichen Lebens, Patron der Sterbenden, Schutzherr der heiligen Kirche und so weiter. Was sind das doch hohe Titel, Ehren und Ämter! Sankt Josef gehört also zu den ganz Großen im Himmelreich, und dabei war sein Leben einfach und schlicht und voll Sorge und Arbeit!

 

Hat denn der heilige Josef auch die Sorge gekannt? Das mag man wohl glauben, dass er die Sorge gekannt hat, denn sonst wäre er sicher kein Heiliger, weil Not und Sorge noch stets das Zeichen der göttlichen Liebe waren.

 

Aus dem stillen Leben zu Nazareth muss Josef mit Maria mitten im Winter den weiten Weg nach Betlehem machen. Bei Nacht kommen die beiden an. Josef klopft an eine Tür. Niemand öffnet ihm. Beim zweiten Haus tut sich nur das Fenster auf. Abweisende Worte bekommt der Bittsteller zu hören. Wieder ein Haus weiter öffnet man ihm zwar die Tür, schließt aber auch gleich wieder, denn armen Leuten schlägt man gern die Tür vor der Nase zu. So kommt für den heiligen Josef das große Leid, dass der Erlöser in einem Stall geboren werden musste.

 

Bald darauf musste Josef um des Kindes willen mitten in der Nacht außer Landes flüchten. Der Weg ist weit. Des Königs Häscher sind ihm auf den Fersen. Werkstatt und Kundschaft, Arbeit und Brot, alles muss er im Stich lassen und muss in einem fremden Land unter fremden Menschen mit fremder Sprache und fremdem Glauben neu beginnen und sich mühevoll durchschlagen, und kaum hatte Josef in Ägypten festen Fuß gefasst, da rief ihn Gottes Befehl zurück, und wieder musste er Werkstatt und Kundschaft, Arbeit und Brot im Stich lassen, um in Nazareth noch einmal von vorn zu beginnen.

 

Zu der Last der Sorge gesellte sich im Leben des heiligen Josef wie ein Zwillingskind zum anderen die Last lebenslänglicher harter Arbeit. Komm mit in die Zimmermannswerkstatt zu Nazareth! Holz und Späne, Hobel und Hobelbank, Hammer und Säge, Winkelmaß und Leimtopf und mitten darin Sankt Josef. Zwar stammt er aus Davids königlichem Geschlecht, gehört dem höchsten Adel des Landes an, ist ein großer Heiliger, ist der Bräutigam der Gottesmutter und der Nährvater des lieben Heilandes, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass er alle Tage vom ersten Morgenrot bis zum letzten Sonnenstrahl arbeiten muss, um das tägliche Brot für die Familie zu verdienen. Dreckig ist der Arbeitskittel, schwielig die Faust, und der Rücken beugt sich mit den Jahren immer mehr nach der Stellung, die er beim Hobeln einnimmt. So füllt Josef den Posten aus, auf den ihn Gott gestellt hat, bis zu seinem letzten Tag und seligen Tod in den Armen von Jesus und Maria. Da hat Gott den guten Knecht, der immer treu war, über Großes gesetzt.

 

Selig also derjenige, dem, wie dem heiligen Josef, Sorge und Arbeit zum Anteil geworden sind; denn Sorge und Arbeit sind wie zwei schnelle Pferde, die den Lebenswagen auf sicherer Straße in den Himmel fahren.

 

Der heilige Landoald, Missionar und Bekenner in Holland,

+ 19.3.688 – Fest: 19. März

 

Dieser durch Heiligkeit des Lebens und durch hohe Gelehrsamkeit ausgezeichnete Diener Gottes hatte sich nicht nur die Liebe aller Gläubigen in Rom, sondern auch das Vertrauen des heiligen Papstes Martin I. in so hohem Grad erworben, dass er zur Würde eines Erzpriesters der römischen Kirche erhoben wurde. Damals kam der heilige Amandus, Bischof zu Maastricht, nach Rom und bat den obersten Kirchenhirten um Mitarbeiter im Weinberg des Herrn, denn in seinem Bistum befanden sich noch unzählige Götzendiener, zu deren Bekehrung mehrere eifrige und fromme Männer erfordert wurden. Papst Martin bewilligte seine Bitte und gab ihm neben anderen auch den heiligen Landoald und dessen Diakon Amantius zu Gehilfen in dem Bekehrungsgeschäft. Drei Jahre lang wanderte der heilige Amandus in den Dörfern und Flecken seines ihm anvertrauten Sprengels umher und predigte rastlos das Evangelium. Als aber alle seine Mühe vergebens war und seine Predigten wenig fruchteten, wählte er den Landoald zum Verweser seines Bistums und begab sich selbst in entfernte Provinzen, wo er viele Ungläubige für das Christentum gewann. Der heilige Landoald arbeitete unterdessen eifrig und unverdrossen mit seinen Gefährten an der Bekehrung der Götzendiener und hatte in einer Zeit von neun Jahren die segensvollsten Früchte hervorgebracht; denn die Christengemeinde zu Maastricht erhielt täglich neuen Zuwachs und stand in der hoffnungsvollsten Blüte. Deswegen wurde Landoald von seinen Zeitgenossen wie eine himmlische Erscheinung verehrt und die angesehensten Familien übergaben ihm ihre Söhne zur Erziehung, die er durch sein anziehendes Beispiel und mit Sanftmut und Liebe zur Gottseligkeit führte. Besonders zeichnete sich unter seinen Jüngern der heilige Lambertus aus, der in der Folge Bischof von Tongern wurde und sein Leben als Blutzeuge endete. Aus Dankbarkeit für die treffliche Erziehung seines Sohnes schenkte der Vater des heiligen Lambert dem Heiligen das Landgut Wintershoven als Eigentum, wo er dann die prächtige Kirche zum heiligen Petrus erbaute, in der er und sein geliebter Diakon Amantius beerdigt wurden.

 

Der heilige Landoald starb um das Ende des 7. Jahrhunderts und bei seinem Grab geschahen so viele Wunder, dass seine Reliquien schließlich aus dem Grab erhoben und der öffentlichen Verehrung der Gläubigen zu Gent in der Klosterkirche des heiligen Bavo ausgesetzt wurden.

 

Der heilige Alcmund, Prinz und Märtyrer von Northumberland in England,

+ 19.3.800-819 – Fest: 19. März

 

Alcmund war Elreds Sohn, und Osreds Bruder, die beide Könige von Northumberland waren. Von den Glücksgütern, so weit sie ihn Gott genießen ließ, machte er den heiligsten Gebrauch. Je mehr ihn sein Stand übe die anderen Menschen erhob, desto sanfter, demütiger und leutseliger bewies er sich gegen alle, weil er in dem Gesetz Jesu gelernt hatte, sie ohne Unterschied als seine Brüder und Schwestern anzusehen und zu leben. Er fand das köstliche Geheimnis, mitten in den Reichtümern arm zu sein, und seine größte Wonne war, sich seiner Güter für die dürftige Menschheit zu entäußern. Endlich aber kam die schwere Zeit der Prüfungen über ihn. Die Northumberländer erhoben in Verbindung mit den Dänen die Fahne des Aufruhrs, und er musste mit seinem Vater die Flucht ergreifen. Er zog sich zu den Pikten zurück, unter denen er ungefähr 20 Jahre lang lebte. Während dieser Zeit lernte er vollends die Eitelkeit alles Irdischen erkennen, und sich unwandelbar dem Dienst des Königs der Könige zu widmen.

 

Die Northumberländer bereuten endlich, da sie unter dem drückenden Joch grausamer Tyrannen schmachten mussten, ihren Aufruhr, ergriffen die Waffen, um wieder ihre Freiheit zu erobern, und baten Alcmund, sich an ihre Spitze zu stellen. Die Liebe zur Religion und der Wunsch, Unglücklichen beizustehen, bewogen den Heiligen, endlich in den Vorschlag einzuwilligen. Das Kriegsheer der Tyrannen wurde mehrere Male geschlagen, allein der tugendhafte Fürst wurde das Opfer einer von Eardulf angezettelten Verschwörung, der sich der Oberherrschaft bemächtigt hatte. Andere sagen, er sei von den Dänen gegen das Jahr 819 gemeuchelt worden.

 

Sein Leichnam wurde zu Lilleshult in Shropshire beerdigt. Dann übersetzte man ihn nach Derby, wo er vormals am 19. März als Patron verehrt wurde. Die Geschichte dieser Erhebung findet man in einer handschriftlichen Predigt, die zu Derby kurze Zeit nachher gehalten worden ist. Es wird auch noch gesagt, dass die Kirche, die die Reliquien des heiligen Alcmund besaß, durch mehrere Wunder berühmt wurde, und dass viele Pilger andachtshalber dahin wallfahrteten.

 

20. März

 

Der heilige Longinus, Soldat und Martyrer,

hat die Seite des Herrn durchbohrt,

+ 15.3.59 - Fest: 20. März

 

Nachdem am 13. März des heiligen Dismas, des guten Schächers, gedacht wurde, soll am heutigen Tag das Andenken an einen anderen Mann wachgerufen werden, der bei der Kreuzigung Jesu zugegen und auch mittätig war. Es ist der Anführer der römischen Soldaten, welche die Vollstreckung des Todesurteils, das über den Heiland ausgesprochen war, überwachen sollten. Man vernehme zunächst, was das Evangelium berichtet. Es kommen zwei Stellen in Frage. Die erste hat der heilige Matthäus aufgeschrieben, sie lautet:

 

„Darauf rief Jesus noch einmal mit lauter Stimme und gab den Geist auf. Und siehe, der Vorhang des Tempels riss entzwei von oben bis unten. Die Erde bebte, die Felsen spalteten sich, und viele Leiber von entschlafenen Heiligen standen auf. Sie kamen aus den Grabstätten hervor und gingen nach seiner Auferstehung in die Heilige Stadt und erschienen vielen. Als der Hauptmann und die Soldaten, die mit ihm bei Jesus Wache hielten, das Erdbeben und was sonst noch geschah, gewahrten, gerieten sie in große Furcht und sprachen: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!“

 

Das ist die erste Stelle. Die zweite Stelle stammt vom heiligen Evangelisten Johannes und heißt:

 

„Weil Jesus wusste, dass jetzt alles vollbracht war, sprach er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet! Ein Gefäß voll Essig stand da. Man steckte einen Schwamm voll auf einen Ysopstängel und hielt ihm diesen an den Mund. Und Jesus kostete den Essig. Alsdann sprach er: Es ist vollbracht! Dann neigte er das Haupt und gab den Geist auf. Es war Rüsttag. Da sollten die Leichen nicht über den Sabbat am Kreuz bleiben, denn jener Sabbat war ein ganz besonders hoher Tag. Deswegen kamen die Soldaten und zerschlugen dem einen seine Glieder und dem anderen. Als sie aber zu Jesus kamen, sahen sie, dass er schon tot war, und so zerschlugen sie ihm die Glieder nicht. Doch stieß ihm einer der Soldaten die Lanze in die Seite, und sogleich flossen Blut und Wasser heraus.“

 

So lauten die Berichte der beiden Evangelisten Matthäus und Johannes, und die Legende weiß zu erzählen, dass der erwähnte Hauptmann und der genannte Soldat der gleiche Mann war, der später auf den Namen Longinus getauft wurde.

 

Longinus war also vorher ein Heide, der mit dem Soldatenaufgebot hoch zu Ross den Kreuzträger auf dem schweren Gang nach Golgatha begleitete. Verächtlich blickte der stolze römische Offizier über die jüdische Volksmenge hinweg, und mit kaltem Blick streifte sein Auge zuweilen den Verurteilten. Alle Vorgänge, die sich auf dem bitteren Kreuzweg ereigneten, beobachtete er scharf, und als er sah, wie der Heiland das schwere Kreuz freudig auf sich nahm und es geduldig von einer Station zur anderen schleppte, wie er mit lieben Worten seine Mutter und die frommen Frauen tröstete, wie er sich willig annageln ließ, da wich die Teilnahmslosigkeit im Herzen des stolzen Offiziers zunächst einem menschlich warmen Gefühl, das sich langsam zur inneren Ergriffenheit steigerte, und als er schließlich mit unbefangenem Verstand die Wunder beim Tode Jesu erlebte, brach sich der Glaube in ihm Bahn, und er bekannte laut vor allem Volk: „Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!“ Nach dem Schächer ist der Hauptmann der zweite, den die Gnade erreichte und umwandelte, und gleich darauf wurde er auch schon gewürdigt, dem Leichnam des Herrn einen letzten Liebesdienst dadurch zu erweisen, dass er ihn vor der Schändung bewahrte.

 

Nach jüdischem Gesetz musste nämlich ein Verurteilter gleich nach der Hinrichtung begraben werden. Weil sich aber das Verscheiden bei einer Kreuzigung oft lange Stunden hinzog, zerschmetterte man den Sterbenden in roher Weise die Beine und Arme. Bei den Schächern, die mit Jesus gekreuzigt wurden, geschah es so, aber beim Heiland nicht, denn der Hauptmann schützte des Herrn Leib vor der Schändung. In eigener Person übernahm er die Todesprobe, indem er nach soldatischer Auffassung in durchaus ehrenhafter Art das Herz des Heilandes mit einer Lanze durchbohrte. Als das geschah, floss sogleich Blut und Wasser aus der durchbohrten Seite des Herrn hervor zum Zeichen und Beweis dafür, dass der Tod wirklich eingetreten war.

 

Longinus war es, der das Herz des Heilandes öffnete, auf dass die Pforte des Lebens aufsprang, aus der im Sinnbild von Blut und Wasser die sieben heiligen Sakramente unaufhörlich hervorströmen mit Gnaden ohne Zahl für Zeit und Ewigkeit.

 

O verlorene Adamskinder!

Schöpfet wieder neuen Mut,

Denn es gibt für alle Sünder

Jesu Herz sein teures Blut.

Aus dem Herzen Jesu rinnen

Blut und Wasser reich herab,

Unsre Seelen zu gewinnen,

Unsre Schuld zu waschen ab.

 

Der heilige Wulfram (Wolfram),

Missionar in Friesland, Erzbischof von Sens,

+ 20.3.700 – Fest: 20. März

 

Der heilige Wulfram war ein Sohn des Vulbertus, der sich unter der Regierung des Königs Dagobert und seines Sohnes Clodoväus durch seinen Heldenmut in den Schlachten hohe Verdienste sammelte und deswegen am königlichen Hof in großem Ansehen stand. Mit väterlicher Sorgfalt ließ er seinen Sohn, der mit vorzüglichen Talenten begabt war, in allen Wissenschaften bilden. Wulfram zeichnete sich daraufhin am Hof der Könige Lothar des Jüngeren und des Theodorich durch eine solche Gelehrsamkeit und Frömmigkeit aus, dass er nach dem Tod des ehrwürdigen Lambertus zum Oberhirten der Kirche zu Siena erwählt wurde. Schon nach einigen Jahren aber, da er in seinem Bistum die größte Ordnung hergestellt und für eifrige und gottesfürchtige Priester gesorgt hatte, wurde er von Gott ermahnt, in dem damals noch heidnischen Friesland das Evangelium zu predigen. Willig unterwarf sich der heilige Bischof diesem beschwerlichen Geschäft und begab sich, wie einst die Apostel, in größter Armut, aber mit felsenfestem Vertrauen auf Gott zu Radbot, dem Fürsten der Friesen, der ihm die Erlaubnis gab, seinen Untertanen den christlichen Glauben zu predigen. Die Friesenländer waren ein wildes, kriegerisches Volk und es kostete dem Heiligen viele Mühe, anfangs nur einige für die Lehre Jesu zu gewinnen. Als sich aber selbst Vulfranus, der Sohn des Fürsten, zum Christentum bekehrte und sich öffentlich taufen ließ, folgten seinem Beispiel bald andere, denn Wulfram bekräftigte seine Lehren und Ermahnungen nicht selten mit den auffallendsten Wundern an unheilbaren Kranken und Unglücklichen.

 

Die heidnischen Friesen pflegten ihren Götzen öfters im Jahr an hohen Festen Menschen zu opfern. Gerade hielt der heilige Bischof auf öffentlichem Platz eine Predigt an das Volk, als der Fürst Radbot, begleitet von den heidnischen Priestern, erschien und einen Jungen, der schon die Taufe erhalten hatte, aus der Mitte der Zuhörer riss und ihn als Schlachtopfer mit einem Strick am Hals in den Tempel zu führen befahl.Von Mitleid und Schrecken ergriffen über eine solche Grausamkeit, bat der heilige Wulfram flehentlich den Fürsten, er möchte doch kein so großes Verbrechen begehen, einen Menschen, der nach dem Ebenbild Gottes erschaffen sei, falschen und erdichteten Göttern zu opfern. Aber der Fürst erwiderte, dass dies die vaterländischen Gesetze fordern, die er, ohne ein Verbrechen zu begehen, ja selbst ohne Todesgefahr nicht verletzen dürfe. Jetzt wendete sich der Diener Gottes an das Volk und an die Götzenpriester und bat sie auf den Knien und unter Tränen um das Leben des unschuldigen Jungen. Doch er konnte ihre harten Herzen nicht erweichen und erhielt zur Antwort: „Wenn dein Christus, wie du behauptest, so mächtig ist, so erwecke den Jungen, wenn er geschlachtet ist, wieder zum Leben. Dann soll er dein und deines Gottes ewiger Diener sein.“ Unter lautem Frohlocken führten sie das unglückliche Opfer in den Tempel und hingen es am Altar des Götzen auf. Unterdessen flehte der Heilige, mit seinem Angesicht auf der Erde liegend, zu Gott um die Bekehrung der Verblendeten und um die Rettung des unschuldigen Jungen. Daraufhin erhob er sich voller Hoffnung und ging in den Götzentempel. Schon waren zwei Stunden verflossen, seit der Junge seinen Geist aufgegeben hatte. Aber Wulfram bezeichnete ihn mit dem heiligen Kreuz und der Strick zerriss. Der Junge sank gesund und lebendig zu den Füssen des Heiligen. Viele von den dort anwesenden Heiden wurden durch dieses Wunder zum Glauben an Jesus bekehrt. Aber das grausame Gesetz Menschenopfer zu bringen, war durch die Länge der Zeit und durch den Betrug der schändlichen Götzenpriester so sehr zur Gewohnheit geworden, dass es weder durch Vernunftgründe, noch durch Wundertaten entkräftet werden konnte. Die Heiden fuhren fort, an ihren festlichen Tagen Kinder zu opfern, indem sie sie entweder mit Stricken erdrosselten oder in die Fluten versenkten oder ihr Blut unter qualvollen Martern vergossen. So wurden am nächstfolgenden Fest die beiden Söhne einer armen Witwe, der eine acht und der andere fünf Jahre alt, zum Opfer bestimmt und den Wellen des Meeres auf einer Sandbank preisgegeben. Eine unzählbare Menge Volkes hatte sich am Ufer versammelt und erwartete neugierig das Ende der beiden unschuldigen Kinder. Umsonst rief die verzweifelte Mutter die Götter um Hilfe an, vergebens flehte der heilige Wulfram zum Fürsten um Erbarmen, sondern er wurde mit der höhnischen Antwort abgewiesen: „Christ, du hast da wieder Gelegenheit, durch Zauberei und Betrug die Macht deines Gottes zu zeigen.“

 

Schon erhob sich die Flut des Meeres und drohte die unschuldigen Kinder mit sich fortzuführen. Der größere Junge hob den kleineren mit allen Kräften empor, um ihn dem Tod zu entreißen. Bei diesem entsetzlichen Schauspiel jubelten die Heiden und die Götzenpriester sangen Lieder zur Ehre der Götter. Aber der heilige Bischof warf sich auf seine Knie und rief zum allmächtigen Gott. Plötzlich standen die tobenden Wellen wie Felsen und er schritt über das Meer, nahm den einen Jungen an seine rechte, den anderen an seine linke Hand, und nachdem er sie getauft hatte, gab er sie ihrer Mutter zurück. Auf dieses Wunder hin bekehrten sich die meisten Friesen, bis auf ihren Fürsten, der bald darauf eines jähen Todes starb. Der heilige Wulfram weihte gottesfürchtige Männer zu Priestern und begab sich in sein Bistum zurück, wo er wegen Altersschwäche den ehrwürdigen Gericus zu seinem Nachfolger in das heilige Amt wählte. Dann bereitete er sich in dem Kloster Fontanella unter Gebet und Fasten auf ein seliges Ende vor. Von Gott mit vielen Wundern sowohl im Leben als nach seinem Tod verherrlicht, starb er am 20. März im Jahr 700.

 

Der heilige Kuthbert, Bischof von Lindisfarne und Glaubensbote,

+ 19.3.687 – Fest: 20. März

 

Der heilige Kuthbert, einer der vorzüglichen Prediger der angelsächsischen (altenglischen) Kirche, hat das Glück, etwa 40 Jahre nach seinem Hinscheiden, in dem berühmtesten Lehrer jener Zeit, dem seligen Beda, einen zuverlässigen Lebensbeschreiber gefunden zu haben.

 

Aus Irland stammend, trat Kuthbert 651 in die Abtei Melrose ein, wo er sich durch strengste Beobachtung der Mönchsregel auszeichnete. Nur vorübergehend weilte er in Ripon, das durch den heiligen Wilfrid bekannt ist, und wo auch der heilige Willibrord sich aufhielt. Eine Zeitlang lebte Kuthbert als Einsiedler in der schottischen Grafschaft Atholl. Auf dem Gipfel eines Hügels beim Dorf Dull erbaute er eine Zelle und entlockte dem Boden durch sein Gebet eine Quelle. Sein Leben war ein sehr strenges. Unter anderem pflegte er in eiskaltem Wasser stehend den ganzen Psalter zu beten. Er nahm sich aber auch des Volkes an, das er durch eifrige Predigt zum Glauben und zur Bekehrung zu bringen suchte. Ganz besonders gerne ging er in das abgelegene Gebirge, wo die Leute aus Mangel an Unterricht ganz in Unwissenheit geblieben waren. Klar und kräftig war seine Redeweise. Die Leute strömten heilsdurstig überall herzu, sodass sein Missionserfolg ein segensreicher wurde.

 

Inzwischen war St. Kuthbert zum Prior von Melrose gewählt worden. Das neue Amt verwaltete er, sagt Beda, wie es einem Heiligen geziemte, und leuchtete dem ganzen Konvent als glänzendes Muster eines wahren Ordensmannes vor. Einmal wurde er gewürdigt, unter der Gestalt eines Pilgers einen Engel zu bewirten. Dieser aber ließ bei seinem gastlichen Schützling drei Brote zurück, „wie sie diese Welt nicht anfertigen kann; denn an blendend weißer Farbe übertrafen sie die Lilien, an Wohlgeruch die Rosen, an Süße den Honig.“ Die Missionsreisen dehnte er bei den Südpikten bis in die Gegend von Galloway aus. Tausenden wurde er Freund und Berater in Gewissensangelegenheiten.

 

Damals war großer Streit über die Zeit der Osterfeier. Als eine Konferenz in Whitby sich für den römischen Gebrauch entschied, wofür besonders der heilige Wilfrid eintrat, gegenüber den keltischen Gebräuchen, wie sie in den Columbaklöstern Herkommen waren, eröffnete sich für Kuthbert ein weiteres Feld der Tätigkeit. Der Abt von Melrose, Eata, bekannte sich zur römischen Übung. Als er an die Spitze des Klosters von Lindisfarne gestellt wurde und dessen Verwaltung seinem treuen Prior Kuthbert überließ, war es für diesen eine Herzenssache, den römischen Ritus in Lindisfarne durchzuführen. Den Widerstand nur weniger Mönche überwand er durch die „sanfte Macht seiner Geduld und tägliche Befolgung der römischen Gebräuche“. Indessen zog es den Heiligen, nachdem er seiner Aufgabe im Kloster gerecht geworden war, wiederum in die Einsamkeit. Mit den Regeln des Einsiedlerlebens, dessen Übung damals auch einer Zeitsitte entsprach, hatte sich ja Kuthbert, wie Beda bemerkt, gründlich bekannt gemacht. Sein tieffrommer Sinn, sein kindlich reines, gläubiges Wesen machte ihn überdies zum liebenden Freund der Natur, der reichen Schöpfung des allgütigen Vaters im Himmel. Die Natur hinwiederum, die seit dem Sündenfall dem Menschen fremd, widerstrebend und feindlich entgegentritt, zeigte sich dem Diener Gottes gegenüber in ihrer ursprünglichen Hilfsbereitschaft und Untertänigkeit. Im Paradies hatte Gott den Menschen zum Herrn der Erde gemacht. Sie war so eingerichtet, dass sie ihm nur Angenehmes und Gutes brachte. Er musste sich nicht erst durch List und Gewalt gegen die wilden Tiere wehren; sie waren ihm willig gehorsam und zu Diensten. Weil aber der Mensch Gott selber den Gehorsam kündigte, hat er nun zur Buße einen ständigen Kampf zu führen gegen die feindlichen Gewalten der Natur, gegen Hitze und Kälte, gegen Wasser und Feuer im Ungewitter, gegen mancherlei Krankheiten, gegen schädliche Tiere und Pflanzen. Wenn aber einzelne Menschen in der Überwindung ihrer eigenen sündhaften Natur es zu hoher Vollendung brachten, so hat ihnen Gott zuweilen wieder einen Teil der Herrschaft über die Natur zurückgegeben. Auch der heilige Kuthbert ist einer dieser Auserwählten gewesen.

 

In Lindisfarne, der „Heiligen Insel“ an der Ostküste von Nordengland, schließt sich noch eine Gruppe von sieben kleineren Inseln an. Auf einer von ihnen ließ sich St. Kuthbert nieder. Acht Jahre lang führte er das strenge Leben eines Einsiedlers. Die sehnlichst gewünschte Ruhe freilich konnte er nur in beschränktem Maße genießen. Nicht nur pflegten die Mönche von Lindisfarne ihn an einigen Festen des Jahres zu besuchen, aus ganz England und Schottland strömten Pilger zu ihm, um sein Gebet und seinen Rat in schwierigen Angelegenheiten einzuholen. Auch ließ ihn sein überaus großer Eifer in Verkündigung des göttlichen Wortes nicht ruhen. Einmal war er mit einem Knaben auf der Wanderschaft, um zu predigen. Sie waren beide müde und hungrig und noch weit weg vom Ziel ihrer Reise. Der Knabe klagte, dass sie nichts bei sich hätten und nichts zu bekommen sei. Der gottvertrauende Diener Gottes aber ermunterte ihn: „Mein Kind, du musst stets an Gott glauben und Hoffnung haben; denn es verhungert niemand, der Gott treu dient.“ Dann schaute er in die Höhe und sprach: „Siehst du diesen Adler? Selbst durch ihn kann uns Gott Nahrung senden.“ Während sie so redeten, führte sie der Weg an einem Fluss hin. Da sahen sie den Adler auf einem nahen Felsen sitzen. „Laufe schnell hin, befahl Kuthbert dem Knaben, und siehe, was uns Gott durch diesen Boten gesandt hat, und bringe es!“ Der Knabe brachte einen großen Fisch herbei, den der Raubvogel im Fluss erbeutet hatte. „Aber, mein Sohn, empfing Kuthbert den Knaben, warum hast du dem Boten nicht auch seinen Teil gegeben? Geschwind schneide die Hälfte ab und bringe sie dem Adler zum Lohn seines Dienstes.“ So geschah es; den übrigen Teil des Fisches nahmen sie mit sich und bereiteten ihn zu.

 

Der fromme Einsiedler säte bei seiner Klause ein Stück Boden mit Getreide an, um davon für sich den nötigen Unterhalt zu gewinnen. Als aber die Saat aufging, kamen Vögel und fraßen die junge Frucht ab. Da schalt sie der Heilige: „Warum nehmt ihr, was ihr nicht gesät habt? Seid ihr dessen bedürftiger als ich? Wenn ihr jedoch von Gott die Erlaubnis bekommen habt, so tut, was er zugestanden hat; wenn aber nicht, so entfernt euch und verletzt nicht weiter fremdes Eigentum!“ Da flog die ganze Schar der Vögel davon und berührte von der Zeit an niemals mehr die Saaten. – Sogar die leblose Kreatur stellte sich in den Dienst des großen Heiligen. Das wilde Meer schwemmte einen Balken an, gerade in der Größe, wie ihn Kuthbert brauchte, und an den Ort, wo er baute. Ein großer Stein, den seine Gehilfen zu vieren nicht bewältigen konnten, wurde von Kuthberts Hand leicht in die Mauer eingefügt.

 

Des großen Mannes Heiligkeit, Weisheit und Wunderkraft war in aller Munde. Sollte er, dem das Reich der vernunftlosen Schöpfung gehorcht, nicht vorzüglich befähigt sein, auch die Übernatur, das Reich der Geister und unsterblichen Seelen zu regieren? Die Synode von Twyford, die im Jahr 684 unter dem Vorsitz des Erzbischofs Theodor von Canterbury und in Gegenwart des Königs Egfried abgehalten wurde, wählte Kuthbert einstimmig zum Bischof von Hexham. Er willigte aber nur ein, als man seinem Wunsch entsprach, Lindisfarne, wo er als Mönch gelebt hatte, zum Bischofssitz zu erheben. Sein Sprengel reichte von Meer zu Meer. So mussten auch seine Vatersorgen sich weiten. Keines seiner Kinder wurde vergessen. So bildete einen Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit die Leitung der Frauenklöster. Er erschien selber in den Klöstern, den Nonnen Unterricht im geistlichen Leben zu geben. Im Kloster zu Whitby verwaltete die heilige Elfleda (Elfreda, Todestag 716, Fest 8. Februar), eine Nichte des Königs Oswald, das Amt der Äbtissin. Aus tiefer Liebe zu dem heiligen König und Stifter des Klosters stand Kuthbert der Leiterin mit sorglichem Rat zur Seite.

 

Als St. Kuthbert fühlte, dass seine Erdentage sich dem Ende zuneigten, bezog er seine Einsiedelei bei Lindisfarne wieder. Die letzten Worte, die er an seinem Sterbetag, dem 19. März 687, noch an seine Brüder richtete, sind ein Erweis seines menschenfreundlichen, liebenden Herzens und seiner Glaubenstreue. Elf Jahre nach seinem Tod, am 20. März 698, wurde der Leichnam wieder erhoben und, nach dem Bericht Bedas, ganz unversehrt gefunden. Die Verehrung, die St. Kuthbert in der northumbrischen und keltischen Kirche fortan genoss, war eine überaus große. König Alfred rief ihn an auf der Flucht vor den Dänen und erhielt in einem Gesicht die Zusage, er werde siegen und sein Volk befreien. König Kanut pilgerte barfuß zu Kuthberts Schrein, Wilhelm der Eroberer brachte dem Heiligen Weihegeschenke an seinem Grab dar. Mit „St. Kuthberts Fahne“ haben die Anglo-Normannen ihre glänzendsten Siege erfochten. An den heiligen Bischof erinnert noch heute der herrliche Kodex des britischen Museums in London, der seinen Namen trägt, und der zu den kostbarsten Kleinodien altkeltischer Kunst gezählt wird.

 

Die letzten Worte des heiligen Kuthbert an seine Brüder:

 

„Lebt in Frieden miteinander und bewahrt das himmlische Geschenk der Bruderliebe. Wandelt in Eintracht mit anderen Dienern Christi! Verachtet keinen Gläubigen, der eure Gastfreundschaft in Anspruch nimmt. Mit Freude nehmt ihn auf, beherbergt ihn, in Liebe entlasst ihn. Haltet fern jene stolze Gesinnung, die die Meinung erzeugt, ihr wäret besser als eure Mitbrüder im Glauben; aber keine Gemeinschaft pflegt mit denjenigen, die vom katholischen Glauben abirren.“

 

Der heilige Martin von Duma,

Erzbischof und Bekenner von Braga in Galizien, Portugal,

+ 20.3.580 – Fest: 20. März

 

Dieser Heilige, der ursprünglich aus Pannonien war, hatte sich in den Wissenschaften solche Kenntnisse erworben, dass er, nach dem Urteil des heiligen Gregor von Tours, alle seine Zeitgenossen übertraf. Er machte eine Wallfahrt nach Palästina, die heiligen Orte zu besuchen. Hierauf reiste er nach Galizien, wo die Sueven oder Schwaben, die von der arianischen Ketzerei angesteckt waren, sich niedergelassen hatten. Da unterrichtete er im Glauben den König Theodomir, der durch die Fürbitte des heiligen Martin von Tours vom Aussatz gereinigt worden war. Durch seine Predigten führte der neue Apostel einen großen Teil von Spanien zur katholischen Einheit zurück. Gegen das Jahr 560 baute er da mehrere Klöster, unter denen das vorzüglichste das von Duma war, nahe der Stadt Braga, jetzt in Portugal. Er selbst stand diesem Kloster vor. Die Bischöfe der Provinz erhoben es zu einem Bischofssitz, aus Ehrfurcht gegen die außerordentlichen Verdienste des Heiligen, den sie auch zum neuen Bischof erwählten, im Jahr 567. Die Könige der Sueven wollten Martin zu ihrem Hofbischof haben, weshalb ihm der Name: Bischof der königlichen Familie, vom Verfasser einer alten Beschreibung des Landes, beigelegt wird. Er ging von seiner ersten Lebensweise nicht ab, und regierte immer seine Religiosen mit der strengsten Beobachtung der Ordensregeln.

 

Später wurde er auf den bischöflichen Stuhl von Braga erhoben, dem damaligen Metropolitansitz von ganz Galizien. Immer wurde er als eines der strahlendsten Lichter der spanischen Kirche angesehen. Fortunat, der die ersten Verse seines fünften Buches an ihn richtet, sagt von ihm, er habe den Namen und die Verdienste des heiligen Martin von Tours geerbt. Um die Kirche hat er sich nicht minder durch seine Schriften als durch seine Tugenden verdient gemacht. Er starb am 20. März 580, an dem Tag, an dem auch sein Fest gefeiert wird. Sein Leichnam wurde im Jhr 1606 von Duma nach Braga versetzt.

 

Der heilige Ambrosius von Siena, Dominikaner,

+ 20.3.1286 – Fest: 20. März

 

Ambrosius stammte von der berühmten Familie der Sansedoni von Siena im Toskanischen ab. Er wurde am 16. April 1220 geboren und brachte seine Jugend in Unschuld und Tugend zu. In seinem 17. Lebensjahr trat er in den Orden des heiligen Dominikus ein, wo er die Theologie lehrte, und mit großem Erfolg das Wort Gottes verkündigte. Da seine Mitbürger vom Heiligen Stuhl zwei Mal mit dem Kirchenbann belegt wurden, vermittelte er den Frieden, wodurch er sich hohe Achtung erwarb. Ihm wurden auch mehrere wichtige Unterhandlungen übertragen, die er mit großer Klugheit beendigte. Obgleich er aber oft mit Weltmenschen umgehen musste, blieb er doch nicht minder seinen geheiligten Ordensvorschriften treu. Man sagt, Gott habe ihn bei seiner Lebzeit mit der Gabe der Weissagung und Wunder verherrlicht. Er starb zu Siena am 20. März 1286. An diesem Tag auch ist sein Name im römischen Martyrologium verzeichnet, obgleich er nicht nach den gewöhnlichen Förmlichkeiten heiliggesprochen worden ist. Die Stadt Siena hat ihn unter die Zahl ihrer Patrone gesetzt.

 

21. März

 

Der heilige Benedikt, Abt und Ordensstifter von Monte-Cassino, Italien,

+ 21.3.547 - Fest: 21. März / 11. Juli

 

Der heilige Benedikt wurde im Jahr 480 in Nursia geboren, in einem kleinen Städtchen in der Nähe von Rom. Weil die Eltern es sich leisten konnten, schickten sie den Sohn nach Rom, wo er an den hohen Schulen studieren sollte, damit er ein berühmter Mann werde. Berühmt ist er dann auch geworden, sogar einer der berühmtesten Männer, die es gegeben hat, aber seine Berühmtheit war von anderer Art, als die Eltern es sich träumten.

 

Gleich von Anfang an gefiel es Benedikt nicht in Rom. Er konnte sich im weichen und gedankenlosen Wohlleben der leichtsinnigen Großstadt nicht zurechtfinden. Albern und läppisch kamen ihm die Mitschüler vor, er jedenfalls war aus härterem Holz geschnitzt. Schnell auch durchschaute der kluge Bauernsohn aus den Bergen das Leben und Treiben in der verlotterten Römerstadt. Alles schien ihm hohl und leer zu sein. Da erfasste ihn der Ekel, er brach das Studium ab, verzichtete darauf, ein berühmter Mann im Sinn der Welt zu werden und zog von den Büchern weg in die Einöde, um in strenger Einsamkeit und weltferner Abgeschiedenheit betend sein Leben einzig Gott zu weihen.

 

Die nächsten drei Jahre lebte Benedikt verborgen in einer unzugänglichen Felsenhöhle. Niemand kannte seinen Aufenthaltsort außer einem Einsiedler, der ihm die Reste der eigenen kärglichen Mahlzeit an einem Seil hinabließ. Für die Welt war Benedikt spurlos untergegangen, in ihm selbst aber wurde in jenen begnadeten Jahren der Heilige geboren. Nicht ohne Kampf geschah es, denn kein Mensch bleibt von Versuchungen verschont, auch der heiligste nicht. Heilig wird man nur dadurch, dass man die Versuchungen überwindet. Und weil Sankt Benedikt die Welt und sich selbst überwand, ist er ein Heiliger und ein berühmter Lehrer der Heiligkeit geworden.

 

Eines Tages wurde durch Gottes Zulassung der Schleier des Geheimnisses gelüftet, der über Benedikt lag. Wie ein Rosenduft verbreitete sich da der Ruf von seinem heiligen Leben, und wie ein Magnet mit Gewalt Eisenspäne anzieht, so sammelten sich um Sankt Benedikt gleichgesinnte Männer, die unter seiner Leitung nach einem sehr hohen Ziel strebten, nämlich nach der Heiligkeit in der strengen Zucht des katholischen Klosterlebens.

 

Im Jahr 529 gründete der heilige Benedikt das weltberühmte Kloster auf dem Monte Cassino in Mittelitalien, von dem aus im Lauf der Zeit an die hunderttausend Tochterklöster entstanden, und groß ist die Zahl der Menschen, die im Orden des heiligen Benedikt und unter seiner weisen Regel heilig geworden sind.

 

Weltweit ist dazu der Segen, der von den Benediktinerklöstern ausging; denn die schwarzen Mönche haben sich bis auf den heutigen Tag nicht damit begnügt, nur sich selbst zu heiligen, sondern sie haben auch andere Menschen zum Himmel geführt. Überall und immer sind sie eingesprungen, wo Not groß und Dienst und Hilfe gebraucht wurden. Sie haben Wege und Straßen gebaut und Wälder und Ödland gerodet, Balken gezimmert und Häuser errichtet, Ackerbau und Viehzucht vorbildlich gepflegt und haben vor allem Schulen gegründet und dadurch der Welt und den Menschen gedient wie sonst wohl niemand. Dieses große Verdienst darf niemand den Klöstern vom schwarzen Orden nehmen. Die Quelle aber, von der aus sich der gewaltige Segen über die Welt ergoss, war Sankt Benedikt, der Vater aller abendländischen Mönche.

 

Was doch aus einem Menschen nicht alles werden kann, wenn er das Herz auf dem rechten Fleck hat und danach strebt, ein wirklicher Mensch, ein Heiliger zu werden!

 

Der heilige Lupicinus, Abt und Bekenner von Condat bei Lyon,

+ 21.3.480 – Fest: 21. März

 

Der heilige Lupicinus war ein leiblicher Bruder des heiligen Roman und verließ aus Sehnsucht nach einem einsamen, gottgeweihten Leben mit ihm zusammen das väterliche Haus und widmete sich dem Mönchsstand. Als der heilige Roman den Bau des Klosters Jaux in Burgund vollendet hatte, erbaute er auch seinem Bruder in dem Gebirge Jura ein großes Haus mit mehreren Zellen, wo sich bald Jünger sammelten, die unter der Führung des heiligen Lupicinus zur Vollkommenheit des Lebens zu gelangen verlangten. Der heilige Abt wählte 150 aus ihnen zu seinen Schülern, die er nach dem Beispiel der alten Einsiedler in der strengsten Zucht hielt und unter Handarbeiten, Wachen und Beten zum Heil führte. Er selbst leuchtete ihnen als ein Muster der christlichen Demut und der härtesten Abtötungen voran, denn er trug ein raues Kleid von Tierhäuten und hölzerne Schuhe, schlief auf bloßem Boden und genoss weder Fleisch noch einen Wein, sondern hartes Brot und Wasser waren seine einzige Nahrung. Ganze acht Jahre vor seinem Tod lebte er nur vom Brot, das im Wasser eingetaucht war. So streng er gegen sich selbst war, so mitleidig betrug er sich gegenüber anderen, besonders gegenüber den Armen, denen er nicht selten allen Vorrat der Lebensmittel austeilte, dass im Kloster nicht mehr das Geringste zu finden war. Aber immer wurde sein Vertrauen auf Gott dadurch belohnt, dass durch unbekannte Wohltäter das Fehlende ersetzt wurde. Aus Liebe zu den Armen wirkte der Heilige oftmals Wunder und seinen liebsten Jünger, der wegen allzu strengen Fastens verschmachtet in einer Einöde lag, erweckte er durch das Zeichen des heiligen Kreuzes zum Leben.

 

Damals wurde der fromme Graf Agrippinus von seinen Feinden beim römischen Kaiser fälschlich der Empörung angeklagt, aller Verteidigung ungeachtet zum Tod verurteilt und bis zum Tag seiner Hinrichtung mit schweren Ketten in einem Gefängnis aufbewahrt. Der unschuldig Gefangene flehte in der Nacht zu Gott um Rettung aus seinem Unglück und als er eingeschlafen war, erschien ihm der heilige Lupicinus, der seine Fesseln löste und ihn durch alle Wachen zur Peterskirche führte, wo er so lange im Heiligtum des Tempels Schutz fand, bis die Anklage seiner Feinde widerlegt und er in Freiheit gesetzt wurde. Der heilige Abt starb, beweint von seinen Mönchen, im hohen Ruf der Frömmigkeit am 21. März im Jahr 480.

 

Der heilige Nikolaus von der Flüe, Schweizer Einsiedler,

+ 21.3.1487 - Fest: 21. März / 25. September

 

Klaus von der Flüe wurde am 21. März 1417 als Bauernsohn zu Sachseln im Herzen der Schweiz geboren, und auf den Tag siebzig Jahre später starb er als Heiliger am 21. März 1487. Seitdem wird am 21. März in der Schweiz der heilige Klaus hoch gefeiert und fromm verehrt.

 

Als Zwanzigjähriger musste Klaus von der Flüe den elterlichen Hof übernehmen, und Jahrzehnte hindurch hat er dort sich abgemüht, wo der Ackerbau wohl am schwierigsten ist. Uneben ist der Boden und steinig der Grund. Der harte Bergwinter behauptet sich oft bis weit ins Frühjahr hinein, und der warme Föhnwind löst bei der Schneeschmelze Lawinen vom steilen Hang, welche die Äcker und Wiesen unter Geröll begraben. Hart ist die Bauernarbeit in den Bergen, und ernst sind deshalb auch die Menschen, die dort leben.

 

Ernster noch als die anderen war Klaus von der Flüe, und der Zug des Herzens trieb ihn mit den Jahren immer mehr in die Stille zu Gebet und Buße. Gern blieb er bei der Heimkehr von der Arbeit am Abend hinter den anderen zurück, um ungestört mit Gott reden zu können. Als junger Mann schon pflegte er mitten in der Nacht aufzustehen, um zu beten. Viermal in der Woche fastete er streng bei harter Arbeit, und in der eigentlichen Fastenzeit aß er nur Brot und gedörrte Früchte. Der junge Mann Klaus von der Flüe ist sicherlich nicht nach jedermanns Geschmack, aber Hochachtung müssen ihm alle entgegenbringen.

 

Zweimal zog Klaus von der Flüe zur Verteidigung der heimatlichen Scholle in den Krieg. Nach dem Wunsch der Eltern verehelichte er sich. Zehn Kinder schenkte ihm die Gattin, die alle unter der strengen Hand des ernsten Vaters zu prachtvollen Menschen gediehen. Öffentliche Ämter wurden dem ehrenhaften Mann angetragen. Zwanzig Jahre lang war Klaus von der Flüe Richter und Ratsmann. Unbestechliche Redlichkeit zeichnete seine Amtsführung aus. Unerbittlich verfocht er die Rechte der kleinen Leute auch gegen die Reichen und Großen. Bald war er der Schrecken aller Rechtsbrecher, die ihn mit Hass verfolgten, bis sich der befehdete Richter und Ratsherr, angeekelt durch die Ungerechtigkeit, die ihn von allen Seiten umgab, aus den weltlichen Händeln zurückzog und sich wieder einzig der Bauernarbeit widmete.

 

Lange jedoch blieb er nicht mehr auf dem Hof. Immer mächtiger und unwiderstehlicher zog es den fünfzigjährigen Mann zu Gebet und Buße in die Einsamkeit, und eines Tages, nachdem er daheim alles wohl geordnet hatte, nahm Klaus von der Flüe schweren Herzens Abschied von seiner Familie und wurde Einsiedler, um in stiller Bergklause zu beten und zu büßen.

 

Ein heiliges Leben folgte. In einem armseligen Rock, der vom Hals bis auf die Fußknöchel niederfällt, geht der Einsiedler Klaus barfuß und barhaupt einher. Die Zelle ist drei Schritte lang und zwei Schritte breit und so niedrig, dass der hochgewachsene Mann nicht aufrecht darin stehen kann. Kein Ofen und kein Bett sind in der Klause. Als nächtliche Ruhestatt dient ein Brett, und ein Holzklotz ersetzt das Kopfkissen. Bald vergisst der Einsiedler vor lauter Beten und Büßen das Essen. Die Geschichte berichtet, dass Klaus von der Flüe nachgewiesenermaßen fast zwanzig Jahre einzig vom Genuss der heiligen Kommunion lebte. Alle Tage erhebt er sich kurz nach der Mitternacht und betet bis zur Mittagszeit. Am Nachmittag kommen Leute zu ihm, von nah und fern, und allen dient der gotterleuchtete heilige Mann höflich und heiter mit gutem Rat und weiser Lehre zwei Jahrzehnte hindurch, bis Bruder Klaus, bereits zu Lebzeiten als Heiliger verehrt, siebzigjährig stirbt.

 

Klaus von der Flüe gehört unstreitig zu den ernsten Heiligengestalten, und es mag sein, dass die heutige Welt ihn nicht mehr versteht, aber eine Mahnung zu Gebet und Einkehr während der heiligen Fastenzeit möge er allen sein, wenn er alljährlich an seinem Festtag von Ernst und Buße zu den Herzen redet.

 

Ein Jubiläum

 

Die katholische Schweiz feiert im Jahr 2017 ein Fest, das wie kein anderes für unsere Zeit sich eignet. Am 21. März 2017 waren es nämlich 600 Jahre, dass der heilige Friedensstifter Nikolaus von der Flüe geboren wurde.

 

Die Heimat des Heiligen ist der kleine Ort Flüe im Ländchen Obwalden, das südlich des wunderschönen Vierwaldstätter Sees liegt. Schon früh trat in dem Jungen eine außergewöhnliche Neigung zu einem ganz innerlichen Leben zutage, und der kleine Nikolaus hatte keinen sehnlicheren Wunsch, als ein Einsiedler zu werden. Doch erkannte er bald, dass ihn der Wille Gottes zunächst zu etwas anderem, nämlich zum tätigen Leben und zum Wirken in der Welt, bestimmt habe. So widmete sich denn Nikolaus dem Beruf eines Landwirtes, und er trat auch, dem Wunsch seiner Eltern entsprechend, in den Ehestand, in dem ihm der Herr zehn Kinder schenkte, die er mit seiner gottesfürchtigen Gemahlin Dorothea aufs sorgfältigste und gewissenhafteste erzog. Der tüchtige junge Mann lenkte aber bald die Aufmerksamkeit seiner Mitbürger auf sich, die ihm die höchsten Ehrenstellen des Landes anvertraut hätten, wenn Nikolaus sie nicht in seiner Demut abgelehnt hätte. Wir erfahren jedoch aus der Geschichte, dass Nikolaus im Krieg seinen Landsleuten als Hauptmann voran zog und seinem Land als Richter diente.

 

So erreichte Nikolaus sein fünfzigstes Lebensjahr. Nun aber empfand und erkannte er, dass die Zeit gekommen sei, dem nie in seinem Inneren erstorbenen Drang nach der Einsamkeit und der ausschließlichen Hingabe an Gott zu folgen. Schweren aber doch starken Herzens nahm er Abschied von seiner zärtlich geliebten Familie und führte von da an in einem engen und tiefen Waldtal in einem kleinen Häuschen ein Leben möglichster Zurückgezogenheit von Menschen und des vertrautesten Umganges mit Gott. Vollständig von den Menschen sich zu trennen, war ihm freilich nicht möglich, denn die Bekümmerten und Leidtragenden des ganzen Landes fanden den Weg zu seiner Zelle, von der sie nie ohne ein Wort des Trostes und der Belehrung schieden.

 

Welch großes Ansehen der Einsiedler Nikolaus in der ganzen Schweiz genoss, bezeugt der Umstand, dass er in einem gefährlichen Streit, in dem der Schweizerbund in die Brüche zu gehen drohte, von beiden streitenden Parteien als Vermittler gerufen wurde und dass diese sich auch seiner Entscheidung fügten. Und wie hoch der demütige Einsiedler bei Gott dem Herrn in Ehren stand, bezeugt die weitere, aufs Beste beglaubigte Tatsache, dass Nikolaus nahezu zwanzig Jahre lang sich nur vom Himmelsbrot ernährte, also keiner leiblichen Nahrung bedurfte.

 

Das ganze Leben des Heiligen lässt sich wohl am kürzesten und schönsten zusammenfassen in dem Gebetchen, das er täglich verrichtete und das da lautet:

 

O Herr, nimm alles von mir,

Was mich hindert zu dir!

O Herr, gib alles mir,

Was mich fördert zu dir!

O Herr, nimm mich mir

Und gib mich ganz zu eigen dir!

 

Nikolaus schied aus diesem Leben an seinem 70. Geburtstag, am 21. März 1487. Möge die Fürbitte des Heiligen auch das sich einigende Europa Gott, dem christlichen Glauben und dem Schutz des Lebens näher bringen, und möchte er so auch für uns heute ein Friedensstifter werden!

 

Der heilige Serapion, der Sindonite, Einsiedler in Ägypten,

+ um 388 - Fest: 21. März

 

Serapion mit dem Beinamen Sindonite von einer Art leinenen Schärpe, mit welcher er seinen Leib bedeckte, wurde in Ägypten geboren. Seine Lebensweise war außerordentlich streng. Seine verschiedenen Reisen verminderten nicht im Geringsten jenen Geist der Demut, der Abtötung und Sammlung, die ihm zu einer heiligen Gewohnheit geworden waren. Gerührt durch den elenden Zustand eines heidnischen Gauklers, bediente er sich, um dessen Bekehrung nicht zu verfehlen, eines Mittels, das großen Eifer und glühende Nächstenliebe voraussetzte. Er verkaufte sich ihm als Sklave für zwanzig Silberlinge. Die genaue Verrichtung der Dienste ließ ihm immer noch Zeit übrig, um sich dem Gebet und der Betrachtung zu widmen. Wasser und Brot machten seine ganze Nahrung aus. Endlich brachten seine Reden und Beispiele die Wirkung hervor, die man natürlich davon erwarten musste. Der Gaukler bekehrte sich mit seiner Familie und entsagte seinem leidigen Gewerbe. Er wollte nicht mehr dulden, dass Serapion sein Sklave bleibe und gab ihm aus Dankbarkeit die Freiheit, konnte ihn aber nicht dazu bewegen, dass er die von ihm empfangenen zwanzig Silberlinge entweder zu seinem Gebrauch oder für die Armen zurückbehielte.

 

Einige Zeit nachher verkaufte sich der Heilige abermals selbst, um eine arme Witwe mit dem Erlös zu unterstützen. Sein neuer Meister war mit seinem Dienst so zufrieden, dass er ihn frei gab. Er schenkte ihm sogar ein Kleid, einen Oberrock und ein Evangelienbuch. Kaum hatte Serapion das Haus verlassen, als er einem Armen begegnete und ihm das Kleid hingab. Eine Strecke weiter stieß er auf einen zweiten Armen, der dem Frost beinahe erlag. Diesen bedeckte er mit seinem Oberrock, so dass ihm zu seiner eigenen Kleidung nur noch ein Stück Leinwand übrig blieb. Als ihn jemand fragte, wo seine Kleider hingekommen waren, erwiderte er: „Dieses da“, in dem er auf das Evangelienbuch hindeutete: „Dieses da, hat mich der Kleider beraubt.“ Auch dieses Buch blieb nicht lange sein Eigentum, er verkaufte es, um damit eine in das äußerste Elend geratene Person zu unterstützen; und als man ihn zur Rede stellte, was er damit gemacht habe, gab er zur Antwort: „Solltet ihr`s wohl glauben? Es kam mir vor, als hörte ich beständig das Evangelium mir zurufen: Gehe hin und verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen. Daher habe ich mein Buch verkauft und habe den Ertrag davon den Gliedern Jesu Christi, die ich in Bedrängnis sah, gegeben.“

 

Serapion, der nichts mehr hatte als sich selbst, verkaufte sich noch mehrere Male, um den geistlichen und leiblichen Bedürfnissen seiner Brüder abzuhelfen. Unter denjenigen, in deren Sklavendienst er trat, war auch ein Manichäer, der in Lazedemon wohnte. Er hatte das Glück, diesen mit seiner ganzen Familie in den Schoß der wahren Kirche zurückzuführen. Die merkwürdige Lebensgeschichte des heiligen Serapion machte auf den heiligen Johannes, Patriarch zu Alexandrien, mit dem Beinamen Almosengeber, einen solchen Eindruck, dass er seinen Hausverwalter zu sich berief und ihm mit weinenden Augen sagte: „Ach!, wir würden sehr unrecht haben, wenn wir uns rühmten, dass wir unsere Güter den Armen austeilen. Hier ist ein Mann (der heilige Serapion), der ein Mittel herausgefunden hat, sich selbst zu verkaufen für sie, und zwar mehrere Male.“

 

Serapion ging von Lazedemon nach Rom, um sich nach den erhabenen Tugendbeispielen, die in dieser Stadt leuchteten, zu vervollkommnen. Danach kehrte er nach Ägypten zurück und starb daselbst in der Einöde in seinem sechzigsten Lebensjahr. Sein Tod ereignete sich kurz vor der Zeit, wo Palladius die Einsiedler Ägyptens besuchte, das heißt, kurz vor dem Jahr 388.

 

Der heilige Serapion von Arsinoe, Abt, Einsiedler,

+ 21.3.362 – Fest: 21. März

 

Dieser Heilige stand 10.000 Mönchen vor, die in den benachbarten Einöden und Klöstern von Arsinoe zerstreut waren. Diese Einsiedler verdingten sich an die Pächter des Landes, um ihre Äcker zu bebauen und ihre Ernten einzusammeln. Diese mühsame Arbeit heiligten sie durch Gebet und andere Übungen der Frömmigkeit. Ein jeder aus ihnen erhielt 12 Maße Früchte, die die Alten Artaben nannten. (Die 12 Artaben machen, nach Palladius, etwa 40 römische Scheffel.) Der Abt, dem die Früchte eingehändigt wurden, verwandte einen Teil davon für die Nahrung der Brüder und Armen in der Umgegend. Das Übrige schiffte er ein, um es den Christen in Alexandrien, die in der Not waren, zuzusenden.

 

Der heilige Serapion war Priester, und erfüllte seine Amtspflichten mit englischer Reinheit. Dabei erübrigte er noch Zeit, um mit seinen Jüngern zu arbeiten. Der Zweck, den er desfalls im Auge hatte, war, ihnen mit dem guten Beispiel vorzuleuchten, und ihrer Verdienste teilhaftig zu werden. Canisius nennt diesen Heiligen am 21. März in seinem deutschen Martyrologium, wozu ihn Handschriften der griechischen Kirchenbücher bewogen haben.

 

Der heilige Endeus (Enduns, Enna, Enda) von Aran (Inishmore),

Anführer des irischen Mönchtums, Abt in Aranmore bei Galway in Irland,

+ 21.3.540 – Fest: 21. März

 

Dieser Heilige war der Sohn eines reichen Edelmannes zu Ergall im Ulsterschen. Gerührt durch die frommen Zusprüche der heiligen Fanchea, seiner Schwester, die Äbtissin von Kill-Aine, auf den Grenzen der Grafschaft Meath war, verließ er die Welt und trat in das Kloster. Er lebte eine Zeitlang im Kloster Rosnal, unter der Leitung des AbtesMansenus, kehrte darauf in sein Land zurück und gründete ein weitschichtiges Kloster auf der Insel Aran oder Arn. Viele tugendhafte Personen strömten dahin, daher die Insel Arn den Namen Heiligen-Insel erhielt. Der heilige Enduns starb Mitte des 6. Jahrhunderts. Die Hauptkirche der Insel Arn wird nach dessen Namen Kill-Enda genannt. Man sieht sein Grabmal auf dem Gottesacker einer anderen Kirche dieser Insel.

 

22. März

 

Die heilige Katharina von Schweden (Catharina Suecica), Oberin,

+ 24.3.1381 – Fest: 22. März bei den Birgittinnen und 24. März

 

Die heilige Jungfrau Katharina, geboren um das Jahr 1330, war die Tochter des frommen Fürsten Ulpho von Nerzien und der berühmten heiligen Brigitta und wurde von ihrer Mutter der Äbtissin des Klosters Risberg zur Erziehung übergeben, um sie innerhalb der geweihten Mauern vor dem Hauch des Weltverderbens zu sichern. Unter solcher Leitung nahm sie von Tag zu Tag an Gottesfurcht zu und wurde das vollendete Bild einer christlichen Jungfrau. Da sie mit der Schönheit der Seele ausgezeichnete äußerliche Schönheit verband, warben viele vornehme junge Männer um ihre Hand. Einer von ihnen, Edgar, erhielt das Jawort ihres Vaters. Vergebens versuchte sie, die sich bereits im Stillen dem Herrn als reine Braut verlobt hatte, durch Bitten und Tränen das irdische Band von sich abzuwenden. Ulpho beharrte auf seinem Sinn. Da teilte sie Edgar ihr Geheimnis mit und redete zu ihm von der englischen Tugend der Keuschheit mit solch überzeugender Kraft und Begeisterung, dass auch er das Gelübde der jungfräulichen Reinigkeit ablegte und bewahrte. Die Heirat wurde vollzogen, aber die jungen Eheleute lebten zusammen nur wie Bruder und Schwester, übten sich im Fasten und in anderen Abtötungen und wetteiferten miteinander in der Barmherzigkeit. Noch nicht lange war Katharina vermählt, als ihr Vater starb und die Mutter Brigitta auf höhere Eingebung nach Rom ging. Auch in der Tochter erwachte die Sehnsucht nach dieser heiligen Stadt, und ihr Gemahl gab ihr bereitwillig die Erlaubnis zur Abreise. Die beiden heiligen Frauen besuchten in Rom alle der Andacht geweihten Orte, führten ein gottseliges Leben, und Katharina war die treueste Gehilfin ihrer Mutter, als sie daran ging, den herrlichen Orden des Welterlösers zu begründen. Aber die Leiden und Kämpfe bleiben nicht aus. Zuerst wurde Katharina von heftigem Heimweh befallen, und kaum hatte sie mühsam diese Sehnsucht in der Liebe zu Gott und der Mutter überwunden, so erhielt sie die Nachricht von dem plötzlichen Tod ihres Gatten, den sie mehr als sich selbst liebte. Auch die Versuchungen stellten sich ein. Katharina, die noch junge und schöne Witwe, wurde von allen Seiten mit Heiratsanträgen überhäuft. Ein reicher Graf von ausschweifenden Sitten schämte sich sogar nicht, der wehrlosen Frau gewalttätiger Weise nachzustellen, wurde aber an der Ausführung seines Frevels durch ein augenfälliges Wunder Gottes gehindert. Durch solche Ereignisse wurde bei der Heiligen die Liebe zum Herrn und zur Tugend immer mehr entflammt, und ihr Leben erschien als eine fortlaufende Kette von Übungen der Andacht, der Buße und des Wohltuns. Die Armen und Fremden hatten an ihr eine treue Beschützerin, und stundenlang verweilte sie in den Spitälern, bediente die Kranken wie eine einfache Magd, wachte mit ihnen, betete mit ihnen. Von Rom aus hatte Katharina mit ihrer Mutter eine Reise in das gelobte Land gemacht. Krank war Brigitta zurückgekommen und bald darauf in den Armen ihrer Tochter gestorben. Diese kehrte nun, nachdem sie 25 Jahre in der Hauptstadt der Christenheit zugebracht hatte, mit der Leiche nach Schweden zurück und ließ die teuren Überreste im Kloster Wadstein, das Brigitta gestiftet hatte, beisetzen. Nach der Beerdigung nahm sie dort selbst den Schleier und unterwies, zur Oberin erwählt, die Nonnen in der Regel, die ihre Mutter schriftlich hinterlassen hatte. Inzwischen verherrlichte Gott das Grab Brigittas durch viele Wunder, und ganz Schweden wünschte, sie feierlich in die Zahl der Heiligen aufgenommen zu sehen. Diese Angelegenheit zu betreiben, schien niemand geeigneter, als Katharina. Willig unterzog sie sich dem beschwerlichen Auftrag und wurde zu Rom vom Papst Urban VI. mit allen Ehren aufgenommen. Allein die traurigen Spaltungen, die gerade zu der Zeit in der Kirche ausbrachen, verzögerten den Prozess der Heiligsprechung, und Katharina war genötigt, unverrichteter Dinge in ihr Vaterland zurückzukehren. Als sie ihr Kloster Wadstein wieder erreicht hatte, wurde sie von einer großen Entkräftung befallen, und nicht lange nachher – am 24. März 1381 – ging ihre reine Seele in die Wohnungen des Himmels ein. Papst Innocenz VIII. gestattete im Jahr 1484 dem Orden von St. Salvator oder der heiligen Brigitta das Fest Katharinas feierlich am 22. März zu begehen und in ihr eine zweite Stifterin zu verehren.

 

Der heilige Benvenutus von Osimo, Bischof aus dem Franziskanerorden,

+ 22.3.1282 – Fest: 22. März

 

Der Name Benvenutus bedeutet auf Deutsch willkommen. Und wahrlich, man hätte mit Fug und Recht ausrufen können: „Willkommen!“ als, noch im glückseligen Jahrhundert des heiligen Franziskus, zu Ankona in Italien der adeligen Familie Skotivogli das Söhnchen geboren wurde, das wir jetzt als den heiligen Benvenutus verehren. Denn einen ehrenvolleren und willkommeneren Zuwachs einer Familie und Verwandtschaft als einen Heiligen kann man sich nicht denken. Zum jungen Mann herangewachsen studierte er sowohl die Rechtswissenschaft als auch die Theologie, aber letztere behielt die Oberhand. Er wurde zum Priester geweiht und dem Bischof seiner Vaterstadt als Archidiakon (Generalvikar) beigegeben. Wegen seines verdienstlichen Wirkens in dieser Stellung betraute ihn Papst Urban IV. mit der schwierigen Verwaltung der Diözese Osimo. Deren Bewohner hatten sich in den damals wütenden Parteikämpfen auf die Seite der Papstfeinde gestellt, obwohl sie zum Kirchenstaat gehörten. Infolgedessen blieben sie, nachdem ihr Bischof gestorben war, zur Strafe zwanzig Jahre lang ohne einen Nachfolger in diesem Amt. Aber jetzt kam der rettende Engel in der Person des heiligen Benvenutus. Wie sehr war er da ein Benvenuto, ein Willkommener! Mit bewundernswerter Klugheit, Festigkeit und Milde zugleich griff er in das Dorngestrüpp dieser misslichen Diözesanverhältnisse hinein und brachte es wirklich dahin, dass die Osimaner sich reumütig dem Papst wieder unterwarfen, wofür sie die Zusage erhielten, dass ihr bischöflicher Stuhl wieder besetzt werden solle. Und der dazu Erwählte war kein anderer als Benvenutus, der „Mann nach dem Herzen Gottes“, wie ihn der Papst genannt hatte. Und wie sehr er diesen Ehrennamen verdiente, zeigte er gleich wieder dadurch, dass er, als ihm eine solche Standeserhöhung winkte, nicht nur völlig frei blieb von jeder Anwandlung der Eitelkeit oder des Ehrgeizes, sondern vielmehr den Heiligen Vater bat, vorher noch in den Franziskanerorden eintreten zu dürfen. Tiefgerührt gab das Oberhaupt der Kirche seine Zustimmung und Benvenutus empfing das arme Kleid des heiligen Franziskus und machte Profess auf die Regel seines ersten Ordens. Dann wurde er zum Bischof geweiht und übernahm die Leitung der Diözese Osimo. Wie er nun vorher schon ein mustergültiger Verwalter des Bistums gewesen war, so erwies er sich jetzt auch als einen vorbildlichen Oberhirten, ein wahres Abbild des göttlichen guten Hirten. Das Seelenheil der ihm anvertrauten Herde war ihm erste und heiligste Angelegenheit. Darüber wachte er aufs gewissenhafteste über sie, war unermüdlich in Verkündigung des Wortes Gottes und in Vornahme der pflichtmäßigen Visitationen und trat inmitten jener politisch stark erregten Zeit auch unerschrocken auf als Verteidiger der Rechte der Kirche und des apostolischen Stuhles. Sollen wir aus dem Kranz seiner Tugenden und seiner segensreichen Wirksamkeit etwas besonders hervorheben, so ist es die harmonische Verbindung von Mäßigung und Festigkeit im Auftreten und Handeln, die sich an ihm stets und überall offenbarte. Gewiss ein äußerst schätzenswerter Vorzug, besonders bei Vorgesetzten, die so oft in die Lage kommen, andere tadeln, strafen oder ihnen entgegentreten zu müssen, zugleich aber auch niemand Unrecht tun, das „zerknickte Rohr nicht brechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen sollen“, wie die Heilige Schrift sagt. Aber auch als wahren Sohn des heiligen Franziskus erwies sich Bischof Benvenutus jederzeit. Stets trug er das Ordenskleid und ebenso war seine Lebensweise der Ordensregel und dem Ordensgeist, auch den Anforderungen der heiligen Armut, aufs vollkommenste entsprechend. So ist es nicht zu verwundern, dass seine bischöfliche Tätigkeit sichtlich von Gott gesegnet war, und dass er, als ihm nach dreizehn Jahren der Tod den Hirtenstab aus der Hand nahm, die Diözese in ebenso glücklichen und geordneten Verhältnissen hinterließ, als diese bei seinem Amtsantritt ungeordnet und unerfreulich gewesen waren. Als er sein letztes Stündlein herannahen fühlte, ließ er sich in seine Domkirche tragen und hier – ähnlich dem sterbenden heiligen Franziskus – auf den Boden niederlegen und so hauchte er seine heilige Seele aus, am Palmsonntag, den 22. März 1282. Sein Grab verherrlichte Gott durch so viele Wunder, dass ihn schon drei Jahre nach seinem Tod Papst Martin V. in die Zahl der Heiligen versetzte.

 

Wenn es dem heiligen Benvenutus gelang in die Diözese wieder Ordnung und Frieden zu bringen, so war dies eine Frucht seiner wahrhaft christlichen Klugheit, in der er weder zu rasch noch zu hitzig zu Werke ging und doch auch wieder die nötige Festigkeit zeigte. Die Klugheit ist eine der vier Kardinal- oder Grundtugenden und unentbehrlich für ein wahres Tugendleben. Wenn sie fehlt, können die an sich besten Handlungen wertlos oder gar tadelnswert sein. Daher die Mahnung des göttlichen Heilandes: „Seid klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben.“ Bitten wir also den Heiligen Geist immer wieder um diese so notwendige Tugend.

 

Die ehrwürdige Lukardis, Zisterziensernonne von Oberweimar,

+ 22.3.1309 – Gedenktag: 22. März

 

Ein wahrhaft mystisches Leben ist der Widerschein und das Widerspiel des Übernatürlichen und Himmlischen in einer Menschenseele. Mancher Christ strebt danach und glaubt es zu leben. Aber nirgends ist die Gefahr einer Täuschung sowohl der eigenen Person als der anderen größer als bei sogenannten mystischen Zuständen. Die Probe auf die Echtheit kann nur geliefert werden durch beharrliche Tugendübung in aller Demut und Einfalt des Herzens und durch geduldiges Ertragen der Leiden, mit denen Gott eine solche Seele immer heimsucht. Diesen Beweis nun hat die gottselige Lukardis wohl erbracht und darum glaubt der Legendenschreiber dir heute erzählen zu dürfen von den gnadenvollen und wunderbaren Zuständen, deren Gott sie gewürdigt und die ihr Beichtvater, der Dominikaner Eberhard von Mülhausen, uns aufgezeichnet hat.

 

Die ehrwürdige Lukardis ist wahrscheinlich 1276 im Thüringischen geboren. Schon früh zeigte sich ihre außergewöhnlich mystische Veranlagung. Als sie mit zwölf Jahren in das Zisterzienserinnenkloster Oberweimar kam, begann sie beim ersten Betreten des Chores vor dem großen Kreuz mit ausgespannten Armen in Verzückung zu beten. Bald darauf sah sie im Geist den Tod und das Begräbnis ihrer Mutter, ohne dass sie irgendwie Kunde von außen erhalten hätte. Ihr ganzes Gehaben war bereits das einer reifen Jungfrau, deren höchste Freude war mit dem lieben Gott zu verkehren. Nach der Profess vertraute man ihr deshalb auch gleich die Sorge für die Kranken an. Nur ein halbes Jahr war Lukardis Krankenschwester, da begannen bei ihr selbst eigentümliche Krankheitserscheinungen aufzutreten. Abgesehen von einem periodischen Fieber und einem Steinleiden wurde sie von einem schweren Nervenleiden heimgesucht, das manchmal in seltsamen Zuständen sich auswirkte. Manche ihrer Mitschwestern glaubten, sie sei von einem bösen Geist besessen, und die Ärzte plagten sie mit allerlei Medizinen, die zwar im Gehorsam von ihr genommen wurden, aber nichts helfen konnten oder die Sache nur schlimmer machten. Von ihren Mitschwestern erhielt Lukardis anfangs nicht die genügende Pflege. Gar oft lag sie da in Nacht und Finsternis und konnte sich nicht helfen, wenn die Nerven den Dienst versagten; oder sie litt bittersten Durst und niemand reichte ihr ein Tröpflein Wasser. Freilich, eine Klage hörte man nicht aus ihrem Mund. Wenn eine Schwester ihr Bedauern aussprach, dass sie so in Finsternis habe liegen müssen, erwiderte sie heiteren Angesichts: „Der barmherzige Gott hat mich mit seinem Licht nicht vergessen“, und wenn eine Schwester fragte, ob sie nun zu trinken wünsche, erhielt sie zur Antwort: „Es kam eine hohe Frau, die hat sich meiner erbarmt und mich mit einem gar köstlichen Trank erquickt.“ Die Heiterkeit und Sanftmut ihres Gemütes verlor die selige Lukardis überhaupt nie, auch nicht in ihren größten und sonderbarsten Schmerzen. Sie trug in sich die feste Überzeugung, dass sie dem Herrn Christus möglichst gleichförmig werden müsse und dürfe. Und das war ihr nie versiegender Trost.

 

Nach zehn Jahren nahm das Leiden der seligen Lukardis einen mehr friedlichen Charakter an. Sie wurde wie gelähmt und musste dauernd das Bett hüten. Ihre Liebe zum gekreuzigten Heiland wuchs von Tag zu Tag und führte schließlich zu einer wunderbaren Verähnlichung und Vereinigung mit Christus, wie sie nur wenigen Heiligen zuteilwurde. Lassen wir ihren Beichtvater erzählen: „Die Gottesmagd trug in sich das glühendste Verlangen und pflegte inständigst darum zu beten, Gott möge ihr nach dem Übermaß seiner Gnade verleihen, dass nimmer das beständige Andenken an sein bitteres Leiden aus der Tiefe ihres Herzens entschwinde, sondern immer lebendig und gleichsam frisch blutend vor den Augen ihres Herzens stünde, auf dass dadurch ihre Andacht und ihr Dank zu größerer Glut entfacht würden. In diesem Sinn betete sie öfters mit dem Propheten: „Herr, vor dir ist alle meine Sehnsucht und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.“ Und Gott goss über seine Magd die Fülle seiner Barmherzigkeit aus und gab ihr noch dazu, was ihr Gebet nicht verlangt hatte; sie wurde schließlich erhört nach dem Maß ihres Verlangens. Einst hatte sie folgendes Gesicht: Sie musste durch eine Tür hineingehen und dort fand sie Christus, gleich als wäre er eben ans Kreuz geheftet worden, zerrissen von Geißelstreichen und zum Erbarmen mit seinem Blut übergossen. Die Gottesmagd schaute den Herrn voll Bedauern an und fiel wie entseelt zu seinen Füßen nieder. Der Herr aber sprach zu ihr: „Steh auf, damit du mir helfen kannst!“ Da erkannte sie, dass sie ihn nicht bloß durch das Andenken an sein Leiden, sondern auch durch eifriges Mitleiden unterstützen müsse. Durch die Worte des Heilandes wieder einigermaßen zu Kräften gekommen, antwortete sie zaghaft: „Wie kann ich dir denn helfen, mein Herr?“ Und sie schlug wieder die Augen auf und sah den rechten Arm des Heilandes losgelöst vom Kreuz und jämmerlich herabhängen, wodurch der Schmerz des Heilandes stark vermehrt zu sein schien. Die liebe Magd trat also vor Mitleid hinzu und versuchte mit einem Seidenband den Arm ans Kreuz zu binden, aber sie brachte es nicht fertig. Sie hob daher mit ihren Händen den Arm des Heilandes empor und stützte ihn unter Seufzen. Da sprach der Herr: „Füge deine Hände in meine Hände und deinen Fuß an meine Füße und schmiege deine Brust an meine Brust und so wird mir wieder geholfen werden von dir, dass ich es wieder leichter habe.“ Während nun die Gottesmagd so tat, fühlte sie im selben Augenblick in ihren Händen und in ihren Füßen und in ihrer Brust den schneidend scharfen Schmerz der Heilandswunden.“

 

Dieser Schmerz blieb der seligen Lukardis von da an und oft klopfte sie mit den Fingern auf die Stellen, um die Schmerzen der Annagelung sich möglichst zu vergegenwärtigen. Nach außen traten die Wundmale erst zwei Jahre später zu Tage. In der Nacht auf das Fest des heiligen Papstes Gregor des Großen sah sie einen überaus schönen und feinen Jüngling, mit fünf Wundmalen gezeichnet. Voll Liebe näherte er sich, umschloss ihre rechte Hand fest in der seinen und sprach zu ihr: „Ich will, dass du mit mir leidest.“ Als sie ihr Jawort gab, erschien im selben Augenblick an ihrer rechten Hand das Mal der Wunde. Nach zehn Tagen wiederholte sich das gleiche Wunder an der linken Hand und im Verlauf der gleichen Frist erhielt sie auch noch die anderen Wundmale. Später zeigten sich an ihrem Körper auch noch die Striemen der Geißelung und an ihrem Haupt die Stiche der Dornenkrone. Die vielen Wunden verursachten der Seligen viele Pein. Sie selbst äußerte sich einmal: „Der Schmerz ist so, als wenn ein Nagel fortwährend auf der einen Seite hineingebohrt und dann auf der anderen herausgezogen würde.“ An Sonntagen war der Schmerz immer geringer. Seinen höchsten Grad erreichte er am Freitag, wo die Wundmale immer frisch bluteten. In all ihren Leiden aber, mochten sie nun auf ihre Krankheit oder übernatürliche Ursachen zurückgehen, blieb Lukardis immer voll seligen Glücks, voll Heiterkeit und Freundlichkeit, sodass all ihre Mitschwestern sie von Herzen liebten und in Sorge für sie wetteiferten. Die leidende, zu keiner Arbeit fähige Lukardis galt als der größte Schatz des Klosters.

 

Die Einprägung der Wundmale (Stigmatisation) in der Form, wie sie der seligen Lukardis und anderen Heiligen zuteilwurde, ist etwas Wunderbares und wir sind von vornherein geneigt eine so begnadete Person als Heilige zu bezeichnen. Und doch dürfen wir nicht vergessen: ein untrügliches Merkmal der Heiligkeit ist die Stigmatisation nur dann, wenn sie verbunden ist mit wahrhafter Demut. Und das war bei der seligen Lukardis der Fall. Beim ersten Auftreten der wunderbaren Gebetsgnaden und übernatürlichen Zustände regte sich in ihr der Zweifel, ob sie nicht eine Versuchung des Teufels seien, der sich mit Gottes Zulassung in einen Engel des Lichts verwandle. Lange Zeit war sie geneigt alles für Einbildung und Selbsttäuschung zu erklären. Erst eine eingehende Prüfung durch den Dominikaner Heinrich von Mülhausen gab ihr einige Beruhigung. Volle Sicherheit und Klarheit erhielt sie erst durch die Gnadeneinwirkung Gottes selbst. Als die Wundmale sich an ihr offenbarten, umwickelte sie sie mit Leintüchlein, gleich als ob sie weiße Handschuhe tragen müsste. Auf die Dauer konnte sie natürlich die Gottesgnade nicht geheim halten und ihr Beichtvater befahl ihr, sie solle nur die Wundmale zeigen, damit Gott dadurch verherrlicht würde. Aber nichts fürchtete sie so sehr und bereitete ihr so große Seelenpein, als wenn sie jemand besuchte, um seine Neugierde an ihr zu befriedigen. Einst wollte sie eine hochadelige Dame mitsamt ihrem Gefolge am Freitag in Ekstase sehen, wobei sie immer mit ausgespannten Armen freistehend betete und ganz in die Betrachtung des Leidens Christi entrückt war. In Gehorsam der Äbtissin gegenüber ließ Lukardis es zu. Aber ihr heiliges Schamgefühl und ihre zarte Demut wurden dadurch so verletzt, dass sie in Todesgefahr kam und mit der Letzten Ölung versehen werden musste. Oft richtete sie sich mitten in ihren Verzückungen auf und fragte sich selbst: „Was bin ich? Staub und Asche, Staub und Asche!“ Das Bewusstsein, der göttlichen Gnade und Heimsuchung unwürdig zu sein, verließ sie nie. Dann machte sie sich wieder Gedanken über die Geneigtheit des Menschen zur Sünde, sie zweifelte an der Festigkeit ihres guten Vorsatzes, vor allem fürchtete sie bei der Mannigfaltigkeit und Beschwerlichkeit ihrer Schmerzen sich durch Ungeduld zu versündigen. Immer wieder erneuerte sie daher ihre gute Meinung und ihre Bereitschaft alles Ungemach und alles Leid mit Gottes Hilfe geduldig zu ertragen. Und Lukardis hat wirklich in aller Geduld mit ihrem Heiland das Kreuz getragen und sich mit ihm ans Kreuz heften lassen.

 

Einsam – die Schwestern waren eben alle beim Chorgebet – im Anblick und im höchsten Mitleiden der Schmerzen des Gekreuzigten übergab sie ihre reine Seele dem himmlischen Vater am Vorabend des Palmsonntags (22. März) 1309. In der Kapelle der seligsten Jungfrau wurde sie beigesetzt. Das Vertrauen ihrer Mitschwestern und der Gläubigen, die die Selige um ihre Fürbitte anriefen, wurde durch manche wunderbare Heilung belohnt. Die unselige Glaubensspaltung aber ließ Grab und Andenken der Seligen ganz in Vergessenheit geraten.

 

Möge die selige Lukardis mit ihren großen heiligen Ordens- und Zeitgenossinnen, Gertraud und Mechthild, ihrer schönen Heimat wieder den wahren Glauben erflehen, auf dass ein neuer Gottesfrühling in diesem deutschen Land erblühe! Jetzt der Glaube! Dereinst das Schauen!

 

Der heilige Basilius von Ankyra, Priester und Märtyrer,

+ 362 – Fest: 22. März

 

Basilius war Priester an der Kirche von Ankyra, dem Metropolitansitz von Galatien, zu der Zeit, als er mit dem heiligen Marcellus besetzt war, den der Kaiser Konstantius im Jahr 336, wegen seiner Anhänglichkeit an den Nizäischen Glauben, in die Verbannung schickte. Er führte einen heiligen und tadellosen Wandel, und bewährte sich als treuer Jünger der großen Männer, die ihn zur Übung der christlichen Tugenden herangebildet haben. Sein beharrlicher Eifer, das Wort Gottes vorzutragen, brachte unter den Gläubigen von Ankyra die herrlichsten Früchte hervor. Als ein Arianer, der ebenfalls Basilius hieß, einst in dieser Stadt auftreten wollte, erhob der Heilige seine Stimme mit der Kraft und Unerschrockenheit eines Propheten: er rief dem Volk unaufhörlich zu, die ihm gelegten Fallstricke zu vermeiden, und der katholischen Lehre unverbrüchlich getreu zu bleiben. Die Arianer, die ihn als den gefährlichsten Feind ihrer Sekte ansahen, verboten ihm im Jahr 360, Versammlungen zu halten. Allein er nahm keine Rücksicht auf dieses ungerechte Verbot, und fuhr immer fort, sogar in Gegenwart des Kaisers Konstantius, den Irrtum zu bekämpfen.

 

Während Julian, der Abtrünnige, den Götzendienst auf den Trümmern des Christentums wieder aufzurichten bemüht war, lieb Basilius durch die ganze Stadt, um die Gläubigen zur Verteidigung der Sache Gottes aufzufordern und sie zu ermuntern, sich durch die gräulichen Gebräuche der Heiden nicht zu beflecken. Aufgebracht über seine heilige Kühnheit stürzten die Götzendiener über ihn her, führten ihn vor den Prokonsul Saturninus, und beschuldigten ihn, er habe ihre Altäre umgestürzt, das Volk vom Götterdienst abgehalten, und gegen den Kaiser und seine Religion ehrenrührige und unanständige Reden geführt. Saturnin befragte ihn, ob er die von dem Fürsten eingeführte Religion nicht als wahr erkenne, worauf ihm der Heilige antwortete: „Erkennst du sie selbst als solche? Denn wie kann wohl ein vernünftiger Mensch sich überreden, dass stumme Klötze Götter seien?“ Der Prokonsul, durch diese Antwort ergrimmt, ließ ihn auf die Folterbank legen, und sagte ihm unter den Peinen: „Erkennst du aus der Strafe, die der Kaiser über die Widerspenstigen verhängt, wie weit seine Gewalt geht? Die Erfahrung wird es dich lehren. Gehorche dem Fürsten, opfere den Göttern.“ Als der Märtyrer auf seiner Beteuerung bestand, dass er nimmerhin opfern würde, schickte ihn der Prokonsul in das Gefängnis, und berichtete den ganzen Hergang dem Kaiser.

 

Julian billigte das Verfahren des Prokonsuls, und ließ sogleich Elpidius und Pegasus abgehen, um an dem Ort selbst von der Sache Kunde einzuholen. Diese beiden Abgeordneten waren Apostaten. Als sie durch Nikomedien kamen, nahmen sie Asklepius, der ein Priester Aeskulaps und ohnehin ein sehr verworfener Mensch war, mit sich und langten zu dritt in Ankyra ein.

 

Indes lobte Basilius in seinem Kerker ohne Unterlass den Herrn. Pegasus begab sich dahin, in der Hoffnung, ihn durch Versprechungen zu gewinnen. Allein er kam bald wieder zum Prokonsul zurück, ganz beschämt, dass er Vorwürfe über seinen Abfall hatte hören müssen. Als die Abgeordneten verlangten, man solle den Heiligen ihnen vorführen, ließ ihn Saturnin abholen. Sobald er angekommen war, legte man ihn neuerdings auf die Folter, peinigte ihn noch weit grausamer, als das erste Mal, ließ ihn dann mit Ketten beladen in das Gefängnis zurückführen.

 

Während jener Zeit verließ Julian Konstantinopel, um sich nach Antiochien zu begeben, in der Absicht, für den Krieg gegen die Perser Vorkehrungen zu treffen. Von Chalcedon richtete er seine Reise nach Pessinonta, auch Pessinuntus genannt, einer Stadt in Galatien, um der Göttin Cybele, die daselbst einen berühmten Tempel hatte, zu opfern, wo er auch einen Christen enthaupten ließ, der seiner Religion abzuschwören sich geweigert hatte. Als er in Ankyra ankam, führte man ihm Basilius vor. Er hatte ihn nicht sobald erblickt, als er ihm mit geheucheltem Mitleid sagte: „Basilius, ich kenne ein wenig eure Geheimnisse: nun aber kann ich dich versichern, dass derjenige, auf den ihr euer Vertrauen setzt unter dem Landpfleger Pilatus gestorben ist und nicht mehr unter die Lebendigen gehört.“ – „Nicht ich bin im Irrwahn,“ entgegnete Basilius, „wohl aber du, mein Gebieter, der du Jesus Christus meineidig geworden bist, selbst zur Zeit, als er dir das Reich gab. Allein ich erkläre dir, dass er dir bald dasselbe mitsamt deinem Leben wieder nehmen wird. Er wird deinen Thron umstürzen, wie du seine Altäre zertrümmert hast. Und weil du jenes heilige Gesetz, das du dem Volk so oft verkündigtest (Julian hatte in der Kirche das Amt eines Lektors ausgeübt), verletzt und mit Füßen getreten hast, so wird auch dein Leib mit Füßen getreten werden und unbeerdigt bleiben.“ – „Ich wollte dich retten,“ erwiderte Julian, „weil du aber meinen Rat verschmähst, und sogar mich zu verunglimpfen dich erfrechst, so werde ich mit dir verfahren, wie es dir gebührt: daher befehle ich, dass man jeden Tag sieben Stücklein von deiner Haut abschneide, bis nichts mehr übrig bleibt.“ Die Vollstreckung dieses Befehls übertrug er zugleich dem Comes Frumentin, dem Obersten seiner Leibwache.

 

Nachdem Basilius die ersten Einschnitte mit bewunderungswürdiger Geduld ausgestanden hatte, verlangte er mit dem Kaiser zu sprechen. Frumentin meinend, er würde sich nun ergeben und opfern, ging selbst zum Kaiser und machte ihm des Heiligen Begehren kund. Julian befahl ihn in den Tempel des Aesculap, wo er in ihn drang, er möchte mit den Übrigen opfern: Basilius aber erwiderte, er werde nie stumme und blinde Götzen anbeten, und nahm zugleich ein Stück von der Haut, das man ihm an demselben Tag ausgeschnitten hat, und warf es dem Kaiser ins Angesicht. (Diese Handlung ist zwar befremdend: allein Gott, der durch seine Märtyrer redet, handelt auch durch sie. Es steht uns nicht zu, ihn über diese Tat vor unseren Richterstuhl zu ziehen. Dieses ist die Auflösung der Schwierigkeiten, die man je zuweilen bei den Taten der Blutzeugen finden mag.) Julian geriet in schreckliche Wut. Und Frumentin, befürchtend, man möchte ihn wegen der Unbild, die seinem Herrn zugefügt worden war, verantwortlich machen, nahm sich vor, an dem Heiligen furchtbare Rache zu nehmen, bestieg daher seinen Richterstuhl und befahl, die Peinigungen zu verdoppeln. Diesem zufolge schnitt man so tief in seinen Leib, dass man die Eingeweide sehen konnte. Die Zuschauer, von Mitleid gerührt, konnten sich der Tränen nicht erwehren. Basilius hingegen betete die ganze Zeit hindurch, und es entschlüpfte ihm nicht ein einziger Seufzer. Als der Abend angebrochen war, schleppte man ihn wieder in den Kerker zurück.

 

Des anderen Tages reiste Julian nach Antiochien ab, ohne dass er Frumentin sehen wollte. Der Comes, der die Ungnade befürchtete, entschloss sich, die äußersten Mittel anzuwenden, um den Märtyrer zu gewinnen, oder wenigstens um seine Wut zu sättigen. Es war ihm aber unmöglich, die Standhaftigkeit des Heiligen zu erschüttern. „Du weißt,“ sagte ihm Basilius, „wie viele Stücke Fleisch von meinem Leib abgeschnitten wurden: betrachte meine Schultern und meine Seiten, und sage mir, ob du auch nur eine Spur daran vermerkst. Wisse, dass Jesus mich in dieser Nacht geheilt hat. Du kannst es Julian, deinem Herrn, melden, auf dass er lerne, wie groß der Gott ist, den er verlassen hat. Er hat die Altäre zertrümmert, unter denen er sein Leben gerettet hat, als Konstantius ihm nachstrebte. Allein Gott hat mir geoffenbart, die Tyrannei werde bald mit dem Tyrannen selbst ein Ende nehmen.“ Frumentin, vor Raserei seiner nicht mehr mächtig, ließ ihn auf den Bauch legen, und mit glühendem Eisen seinen Rücken durchstechen. Unter diesen grausamen Qualen verschied der Heilige am 29. Juni 362. Die Griechen und Lateiner verehren ihn am 22. März.

 

Die Liebe, die im Herzen der Märtyrer obsiegte, bewirkte, dass sie alles, was sie für den Namen Jesu litten, für nichts ansahen. Sie dachten oft an die Worte des Hohenliedes: „Wenn der Mensch alles, was er hat, wird hergegeben haben, so wird er solches doch für nichts achten.“ Kap. VIII. Vers 7. Wenn Gott von dem ihn liebenden Menschen das Opfer seiner Güter, seiner Freunde, seiner Verwandten, sogar seines Lebens forderte, so würde er es mit Freuden darbringen, und mit dem königlichen Propheten ausrufen: Was sollte ich verlangen im Himmel und auf Erden, als dich, o mein Gott! Du mein Erbteil in Ewigkeit. Ist er ohne Trost, schmachtet seine Seele in Betrübnis und Dürre, so freut er sich seines Kreuzes, wenn sie nur innigst mit Gott vereinigt ist. O mein Gott und mein Alles, sagt er alsdann, ich besitze alles, wenn ich dich besitze! Wenn du mir deine Liebe schenkst, so muss ich reich und unendlich glücklich sein. Dies ist seine Sprache in allen seinen Prüfungen. Ja, er geht noch weiter: er liebt seine Prüfungen, weil sie ihm Gelegenheit verschaffen, sich fester an Gott anzuschließen, und ihm unzweideutige Beweise seiner Treue und Unterwürfigkeit zu geben. Wenn die göttliche Liebe solche Wirkungen hervorbringt in den Herzen, wo sie herrscht, was soll man von so vielen Christen halten, die nichts leiden wollen, die schon bloß vor dem Namen des Kreuzes erschrecken, die jeden Zwang vermeiden, und über die geringste Unterwerfung, die sie der Vorschrift leisten sollen, zürnen? Noch einmal, können solche Christen vorgeben, dass sie Gott lieben? Wie würde es ihnen dann erst zu Mute sein, wenn sie, gleich den Märtyrern, den Glauben, den sie bekennen, mit ihrem Blut besiegeln sollten?

 

Der heilige Paulus, Apostelschüler

und erster Bischof von Narbonne in Frankreich,

+ um 255 - 22. März

 

Der heilige Gregor von Tours berichtet uns, dass der heilige Paulus zu Anfang oder in der Mitte des 3. Jahrhunderts von Rom nach Gallien geschickt wurde, um da das Evangelium zu verkünden. Vielleicht kam er mit dem heiligen Saturnin dahin, dem Bischof von Toulouse. Er musste für den Namen Jesus vieles leiden, doch schloss er seine Laufbahn nicht durch den Märtyrertod. Prudentius sagt, dieser Heilige habe die Stadt Narbonne berühmt gemacht.

 

Die heilige Lea, Witwe, Nonne und Oberin zu Rom,

+ 22.3.384 – Fest: 22. März

 

Lea war eine römische Matrone, die nach dem Tod ihres Gemahls, sich strengen Bußübungen unterzog. Sie trug ein härenes Kleid, brachte den größten Teil der Nacht im Gebet zu, und widmete sich allen Übungen der Demut. Sie starb im Jahr 384, und ihren Namen findet man an diesem Tag im römischen Märtyrerbuch aufgezeichnet. Der heilige Hieronymus stellte einen sehr schönen Vergleich an zwischen dem Tod der heiligen Lea, und dem eines Heiden mit Namen Prätextatus, der in demselben Jahr von dieser Welt geschieden ist, nachdem er zuvor zum Konsul erwählt worden war. Prätextatus, sagt dieser Kirchenvater, wird heute aller seiner Güter, seiner Ehrenstellen beraubt, und liegt begraben in den grauenvollen Finsternissen. Lea hingegen, die von der Welt geächtet war, und deren Lebensweise als Blödsinn angesehen wurde, herrscht nun mit Jesus Christus, und ist trunken von jenem Freudenstrom, den Gott seinen Auserwählten verheißt.

 

Der heilige Deogratias, Bischof und Bekenner von Karthago,

+ 22.3.457 – Fest: 22. März

 

Als Genserich, der König der Vandalen und ein großer Beschützer des Arianismus, im Jahr 439 Karthago eingenommen hatte, übte er da die schauderhaftesten Grausamkeiten aus. Er ließ den Bischof dieser Stadt, namens Quodvultdeus, mit einer großen Anzahl Geistlicher, auf morschen Kähnen einschiffen. Gott aber rettete sie sämtlich aus der Gefahr, der sie ausgesetzt waren, und führte sie glücklich an Neapels Küste. Nachdem der Stuhl von Karthago 14 Jahre erledigt gewesen war, hatten endlich die Katholiken die Freiheit, sich einen Bischof zu wählen, und ihre Wahl fiel auf den heiligen Priester Deogratias.

 

Zwei Jahre danach plünderte Genserich Rom, und führte mit sich nach Afrika eine unzählbare Menge Gefangener aus Italien, Sardinien und Korsika. Die Mauren und Vandalen verteilten sie unter sich, und hatten noch die Grausamkeit, dass sie die Frauen von ihren Männern und die Kinder von ihren Eltern trennten. Der heilige Bischof von Karthago verkaufte sogar die goldenen und silbernen Gefäße, die zum Gebrauch der Altäre dienten, um diese Unglücklichen auszulösen. Er verschaffte ihnen Wohnungen und Betten, nebst allem, was ihnen nötig war. Seines hohen Alters ungeachtet, besuchte er täglich die Kranken, oft sogar übte er zur Nachtzeit dieses mühliche Liebeswerk aus. Endlich wurde er von Arbeiten erschöpft und starb 457. Sein Tod verursachte sowohl seiner Herde, als den Gefangenen, die dadurch ihren Vater verloren, den lebhaftesten Schmerz. Der alte Kalender von Karthago, der aus dem 5. Jahrhundert herrührt, bezeichnet seinen Namen auf den 5. Januar. Im römischen Märtyrerbuch aber steht er am 22. März.

 

23. März

 

Der heilige Viktorian, Prokonsul, Statthalter und Martyrer von Karthago,

 + 23.3.484 – Fest: 23. März

 

Geiserich, der König und Feldherr der Vandalen, der sich in Karthago eine Residenz errichtet und von da aus mit seinen tapferen Truppen Sizilien und Palermo erobert und Rom ganz geplündert hatte, hinterließ sein Reich seinen beiden Söhnen Hunerich und Theodorich mit der Bedingung, dass immer der älteste herrschender Regent sein sollte. Er wollte dadurch Teilungen und die schwache Regierung minderjähriger Könige vermeiden. Er legte aber dadurch den Grund zum Untergang des vandalischen Reiches. Denn die jüngeren aus der königlichen Familie strebten stets dem Erstgeborenen nach dem Leben und so herrschte ewiger Streit und Uneinigkeit. Nach dem Tod seines Vaters übernahm als der älteste Hunerich die Regierung des Reiches und verfolgte und drückte als ein eifriger Arianer seine katholischen Untertanen grausam. Alle rechtgläubigen Bischöfe vertrieb er aus ihren Bistümern und verschwendete die Güter der Kirchen durch Ausschweifungen. Er hatte einen Statthalter namens Viktorian, der ihm mit Treue diente und mit Gerechtigkeit die Geschäfte des Reiches schlichtete. Hunerich zeichnete diesen Mann wegen seiner Tätigkeit und Verlässlichkeit unter allen seinen Großen aus und schenkte ihm sein ganzes Vertrauen. Aber verblendet von seiner Verfolgungswut forderte er eines Tages von ihm, dass er sich von der Gemeinschaft der Katholiken trennen und zur arianischen Irrlehre übertreten sollte. Der gottesfürchtige Viktorian weigerte sich gegen dieses Verlangen und stellte dem König vor, dass dieses eine Gewissensangelegenheit wäre, worüber man Gott und nicht dem Regenten verantwortlich sei. Und als ihn Hunerich weder durch Versprechungen noch durch die fürchterlichsten Drohungen zur Verleugnung des katholischen Glaubens zu zwingen vermochte, geriet er in Wut und überlieferte ihn seinen Henkern mit dem ausdrücklichen Befehl, ihn unter ausgesuchten und langwierigen Martern zu töten. Der heilige Viktorian empfahl seine Seele Gott in einem innigen Gebet und beschämte während seiner Marter durch unerschütterliche Standhaftigkeit und Geduld seine grausamen Mörder. Er starb als Blutzeuge Jesu am 23. März im Jahr 484. Der Bischof Victor Africanus versichert, dass zu gleicher Zeit zwei leibliche Brüder von Aquisregio und zwei Frumentier, die in Karthago Handel trieben, wegen ihres Glaubens gemartert wurden.

 

Der heilige Nikon, Bischof und Martyrer von Taormina, Italien,

+ 249-251 – Fest: 23. März

 

Nikon war der Sohn eines heidnischen Griechen und einer christlichen Mutter und wurde in der Gegend von Neapel geboren. Seine fromme Mutter gab sich alle Mühe, ihr Kind in der christlichen Religion zu erziehen, aber der Leichtsinn des Jungen und das böse Beispiel seines Vaters vereitelten alle ihre Bemühungen. So trat Nikon, wie einst Augustinus, ohne Glauben, Sitten und Religion in das Jugendalter und nahm Kriegsdienste an, weil er glaubte, in diesem Stand ungehindert ein ausschweifendes Leben führen zu können. Das anhaltende Gebet und die Tränen seiner Mutter, die sie über das Verderben ihres unglücklichen Sohnes weinte, bewegten ihn schließlich zu seiner Bekehrung. Denn als er einmal in einer großen Lebensgefahr war, erwachte sein Gewissen und zeigte ihm den Abgrund, auf dem er bisher leichtsinnig gewandelt war. Er erinnerte sich mit blutendem Herzen an die frommen Ermahnungen und heiligen Lehren seiner zärtlichen Mutter und fasste schließlich den festen Entschluss, wenn ihn Gott aus dieser Gefahr befreien würde, ein reuevolles Leben anzufangen und sich dem Dienst Gottes zu widmen. Im Vertrauen auf die Macht des barmherzigen Gottes, bezeichnete er sich mit dem heiligen Kreuz und ging auf seine Feinde los, die er glücklich überwand. Sogleich verließ er das Kriegsheer und begab sich auf den Berg Sano in Thracien, wo er längere Zeit unter Fasten und Beten seine Sünden beweinte und schließlich von Theodosius, dem Bischof von Cyzicum, entdeckt wurde, der sich über seine Buße erfreute, ihn in sein Haus nahm, im christlichen Glauben unterrichtete und ihm die heilige Taufe erteilte. Von nun an widmete sich Nikon mit einem solchen Eifer der Gottseligkeit, dass ihn Theodosius, überzeugt von seiner vollkommenen Besserung, in ein Kloster brachte, in dem er wegen seiner ausgezeichneten Tugenden bald von den Ordensmännern zum Abt gewählt wurde.

 

Nach dem Hinscheiden des Bischofs Theodosius erhob sich eine Christenverfolgung und der heilige Nikon entfloh mit seinen Ordensbrüdern nach Italien, wo er seine Mutter noch im Leben fand und in ihrer Sterbestunde ihr Trost zusprach. Von da machte er mit seinen Gefährten eine Wallfahrtsreise nach Palästina mit dem Entschluss, sich dort ein Kloster zu bauen. Aber er wurde zu Cäsarea von dem Landpfleger Quentianus samt den Seinigen in das Gefängnis geworfen. Da sie sich weigerten, den Göttern zu opfern, ließ er sie grausam geißeln und mit Fackeln brennen und schließlich enthaupten. Die Zahl seiner Mönche, die mit dem heiligen Nikon als Blutzeugen starben, belief sich nach Versicherung der alten Kirchengeschichtsschreiber auf neunundneunzig.

 

Der heilige Turibius de Mogrovejo (Toribio), Erzbischof von Lima in Peru,

+ 23.3.1606 – Fest: 23. März

 

Der heilige Turibius, der zweite Sohn eines Edelmannes von Mogrovejo, wurde geboren am 16. November 1538. Er zeigte von Kindheit an entschiedenen Geschmack für die Tugend und außerordentlichen Abscheu vor der Sünde. Als er eines Tages einer Frau begegnete, die über einen erlittenen Verlust von Zorn ganz außer sich war, redete er ihr auf die rührendste Weise über den Fehler, den sie beging, und gab ihr, um sie zu besänftigen, den Wert des verlorenen Gegenstandes. Er hatte eine zärtliche Liebe zur seligsten Jungfrau. Jeden Tag betete er ihre Tagzeiten neben dem Rosenkranz, und fastete jeden Samstag zu ihrer Ehre. Während er die öffentlichen Schulen besuchte, entzog er sich einen Teil seines wiewohl sehr spärlichen Essens, um damit die Notleidenden zu unterstützen. Er trieb die Strenge der Abtötung so weit, dass man seinen Eifer mäßigen musste. Seine höheren Studien begann er zu Valladolid, und beendigte sie zu Salamanka.

 

Der König Philipp II., der ihn früh schon kannte, schätzte ihn besonders, und belohnte sein Verdienst mit mehreren wichtigen Stellen, und ernannte ihn sogar zum Präsidenten von Granada. Der Heilige bekleidete dieses Amt fünf Jahre lang mit einer Unbescholtenheit, Klugheit und Tugendstärke, die ihm allgemeine Hochachtung erwarben. So bahnte ihm Gott den Weg zu seiner künftigen Erhöhung in der Kirche.

 

Der unglückliche Zustand, indem sich die Religion in Peru befand, erforderte einen Hirten, der wahrhaft vom Geist der Apostel beseelt sein musste. Und diesen Hirten hat die Gnade in der Person des Turibius sich gebildet. Als das Erzbistum Lima erledigt wurde, ernannte ihn der König Philipp zu diesem wichtigen Amt. Nie sah man vielleicht eine Wahl, die mit so allgemeinem Beifall aufgenommen wurde, denn man erkannte Turibius als den einzig tüchtigen Mann zur Abhilfe der Ärgernisse, die der Bekehrung der Heiden im Weg standen. Die Nachricht dieser Ernennung war für den Heiligen wie ein Donnerschlag: er warf sich vor dem Bild des Gekreuzigten nieder, und bat da, in Tränen zerfließend, Gott, er möchte nicht zugeben, dass man ihm eine so schwere Bürde auflade, unter der er unfehlbar erliegen müsse. Sogleich schrieb er an den königlichen Rat und stellte ihm mit den lebhaftesten Farben seine Untauglichkeit vor. Dann zog er die Kirchensatzungen an, die ausdrücklich verboten, einen Laien zur Bischofswürde zu erheben: allein man nahm keine Rücksicht auf sein Schreiben, und er musste seine Einwilligung geben. Indes blieb seine Demut nicht ohne Belohnung. Sie wurde für ihn die Quelle jener überschwänglichen Gnaden, deren Wirkungen sich später in seiner Amtsführung so segensreich bewährten.

 

Turibius wollte die vier niederen Weihen an vier verschiedenen Sonntagen empfangen, um die Verrichtungen derselben auch gehörig ausüben zu können. Hierauf empfing er die übrigen Weihen, und endlich wurde er zum Bischof konsekriert. Ohne Verzug schiffte er dann nach Peru ein und landete im Jahr 1581 unweit von Lima. Er war damals 43 Jahre alt. Die Diözese Lima erstreckt sich über 130 Stunden längs der Küsten, und umfasst, neben mehreren Städten, eine unzählige Menge Dörfer und Weiler, die auf der doppelten Gebirgskette der Anden, die die höchsten Berge des Erdbodens sein sollen, zerstreut sind. Einige Anführer der Europäer, die zuerst dieses Land erobert haben, hatten, von einer unbegrenzten Ehrsucht und einem unersättlichen Geiz hingerissen, alle Gefühle der Menschlichkeit abgelegt, und die Eingeborenen brutal und mitleidlos wie Tyrannen behandelt. Dieses erste Unheil löste sich bald in bürgerliche Kriege und innere Spaltungen auf, die wie Feuerflammen das ganze Land verheerten. Überall erblickte man nur Grausamkeiten und Treulosigkeiten, Verrätereien und Ausschweifungen. Umsonst wollte der spanische Hof diesem Übel Einhalt tun. Es hatte schon so tiefe Wurzeln geschlagen, dass es unheilbar schien.

 

Der heilige Erzbischof wurde bis auf die Tränen gerührt, als er so viele Unordnungen sah, und entschloss sich, alles zu wagen, um ihren Fortgang zu hemmen. Seine vollendete Klugheit, gepaart mit einem tätigen und kraftvollen Eifer, beseitigte alle Schwierigkeiten. Nach und nach gelang es ihm, die öffentlichen Ärgernisse auszurotten, und das Reich der Frömmigkeit auf die Trümmer des Lasters zu begründen. Unmittelbar nach seiner Ankunft unternahm er eine Reise durch seine weitschichtige Diözese, wobei er unbeschreibliche Strapazen und Gefahren bestehen musste. Man sah ihn steile Berge erklimmen, die mit Eis und Schnee bedeckt waren, um in die dürftigen Hütten der Indianer Worte des Trostes und des Lebens zu bringen. Oft reiste er zu Fuß, und weil die apostolischen Arbeiten nur insofern fruchten, als Gott ihnen das Gedeihen gibt, betete und fastete er ohne Unterlass, um die göttlichen Erbarmungen auf die seiner Sorge anvertrauten Seelen herabzuflehen. Überall setzte er gelehrte und eifrige Hirten hin, und verschaffte jenen sogar die Hilfe des Unterrichtes und der Sakramente, die die unzugänglichsten Felsen bewohnten. Überzeugt, dass die Handhabung der Kirchendisziplin auf die Sittlichkeit großen Einfluss hat, sah er sie als einen Hauptgegenstand seiner Vatersorge an. Er verordnete, dass künftig alle zwei Jahre Diözesanversammlungen und alle sieben Jahre Provinzialsynoden sollten gehalten werden. Gegen die von der Geistlichkeit ausgehenden Ärgernisse, besonders gegen jene des Geizes, war er unerbittlich. Sobald die Rechte Gottes und der Menschheit verletzt wurden, übernahm er ihre Verteidigung, ohne Rücksicht auf Personen. Er zeigte sich zugleich als die Geißel der öffentlichen Sünder und den Beschützer der Unterdrückten. Die Standhaftigkeit seines Eifers verursachte ihm einige Verfolgungen von Seiten der peruanischen Statthalter, die vor der Ankunft des tugendhaften Vizekönigs Franz von Toledo sich nicht scheuten, ihren Leidenschaften und persönlichen Vorteilen alles aufzuopfern. Er setzte ihnen nichts entgegen als Sanftmut und Geduld, ohne jedoch der Heiligkeit der christlichen Gebote im Geringsten etwas zu vergeben, und da einige schlechte Christen dem Gesetz Gottes eine dem verkehrten Hang der Natur schmeichelnde Deutung gaben, stellte er ihnen nach Tertullian vor, dass Jesus Christus sich die Wahrheit und nicht die Gewohnheit nennt, und dass vor seinem Richterstuhl unsere Handlungen nicht in der falschen Waagschale der Welt, sondern in jener des Heiligtums abgewogen werden. Durch ein solches Verfahren musste es dem heiligen Erzbischof gelingen, die am tiefsten eingewurzelten Missbräuche auszurotten: auch sah man sie beinahe alle verschwinden. Die Grundsätze des Evangeliums gewannen die Oberhand, und bald übte man sie mit einem der ersten Jahrhunderte des Christentums würdigen Eifer aus.

 

(Die Indianer waren durch die sogenannten Eroberer in verschiedene Ausschweifungen versunken. Sie ergaben sich besonders mit Leidenschaft den spanischen Weinen. Für ein kleines Maß gaben sie all ihr Gold den Verbrechern her und ihre Trunkenheit nahm dann erst ein Ende, wenn sie nichts mehr zu trinken hatten: allein so schlimm auch die Unordnungen dieser Völker waren, so machten sich doch die Europäer an ihnen strafbar, dass sie die Ureinwohner mit der äußersten Härte und Grausamkeit behandelten. Sie gingen in ihrer Habsucht soweit, dass sie, um sie zu befriedigen, alle Gefühle der Religion und Menschlichkeit ablegten. Umsonst widersetzten sich die Glaubensboten diesem Ärgernis, das ihre Landsleute gaben, sie fanden kein Gehör. Die Dominikanerväter wandten sich mehr als einmal an den spanischen Hof, um die Abstellung eines Übels zu erwirken, das dem Fortgang des Evangeliums so sehr im Wege stand, und die geheiligsten Rechte der Menschheit angriff. Endlich erklärte Ferdinand, der König von Kastilien, die Indianer als freie Leute, und verbot den Spaniern, sie ferner als Lastträger zu gebrauchen, und sich zu ihrer Züchtigung der Stöcke und Peitschen zu bedienen. Kaiser Karl V. gab strenge Befehle, um alle Misshandlungen zu verhindern, und machte zu ihren Gunsten manche weisen Verfügungen: allein man befolgte sie nicht. Die Befehlshaber, die sich als Eroberer von Mexiko und Peru ansahen, wollten keinen Widerspruch dulden.

 

Bartholomäus de las Casas, Dominikaner und Bischof von Chiapa, in Neuspanien, unternahm vier Reisen an den Hof von Kastilien, wo er die Rechte der Indianer verfocht. Er erhielt vom König ausführliche Befehlsschreiben, und wurde zum allgemeinen Beschützer der Indianer in Amerika erklärt: allein es wurde mehr erfordert, als das, um bewaffnete Menschen zur Unterwürfigkeit zu bringen. De las Casas, der an einer Änderung der Dinge zuletzt verzweifelte, legte sein Bistum in die Hände des Papstes 1551 nieder, und kehrte zurück nach Valladolit in sein Kloster. In seiner Abgeschiedenheit verfasste er zwei Bücher, das eine über die Vertilgung der Indianer durch die Spanier, das andere über die Tyrannei der Spanier in Indien, die er dem König Philipp II. zueignete. Auch die Befehlshaber von Peru fanden ihre Verteidiger, aber zum Unglück für sie geschah es nur durch Umwerfung aller Grundsätze des Natur- und Völkerrechtes. Der Erzbischof von Sevilla und die Universitäten von Salamanka und Alcala verboten den Druck des Werkes dieser Apologeten.

 

Die zwei Bücher von las Casas wurden ins Französische übersetzt, und die Niederländer, die gerade gegen die Spanier die Waffen ergriffen hatten, lasen sie mit Heißhunger. Sie deuteten im Allgemeinen auf die Spanier, was doch nur von den Befehlshabern in Peru gesagt war, und nahmen daher Anlass, in ihrem Aufruhr hartnäckig zu verharren: dies war aber ein sehr unrichtiger Schluss. Eine Nation ist für die Verbrechen einiger Einzelnen nicht verantwortlich. Das Land, aus dem einige Ungeheuer hervorgegangen sind, hatte eine große Anzahl heiliger Missionare gezeugt, die von wahrhaft apostolischem Eifer beseelt, und unermüdliche Verteidiger der Indianer gewesen sind. Der große Beweis des las Casas fußte auf dem Grundsatz, dass ein erobertes Volk ohne Ungerechtigkeit nicht als Sklaven behandelt werden dürfe. Der königliche Rat und die Gottesgelehrten nahmen diesen Grundsatz an, in Betreff der Indianer, die nicht bewaffneter Hand besiegt wurden.)

 

Turibius stiftete, zur Erweiterung und Fortsetzung des begonnenen Werkes, Seminarien, Kirchen und Spitäler, ohne dass er jedoch die Einrückung seines Namens in die Stiftsurkunde gestattete. Während er in Lima war, besuchte er täglich die armen Kranken in den Spitälern, tröstete sie mit väterlicher Liebe und spendete selbst ihnen die heiligen Sakramente. Als die Pest in einen Teil seiner Diözese einriss, beraubte er sich der notwendigsten Bedürfnisse, um der Not der Unglücklichen zu steuern. Er empfahl die Buße als das einzige Mittel, den Zorn des Himmels zu besänftigen. Er wohnte bitterlich weinend den Bittgängen bei, und die Augen auf den gekreuzigten Heiland gerichtet, brachte er sich Gott als Opfer dar für die Erhaltung seiner Herde. Mit diesen Religionsübungen verband er das Gebet, die Nachtwachen und außergewöhnliches Fasten, wovon er so lange nicht abließ, als die Pest ihre Verheerungen fortsetzte.

 

Er trotzte den größten Gefahren, wenn es darauf ankam, einer Seele den geringsten geistlichen Vorteil zu verschaffen. Selbst sein Leben hätte er für die ihm anvertraute Herde hingegeben, und immer war er bereit, alles zu erdulden aus Liebe zu demjenigen, der durch Vergießung seines Blutes die Menschen erlöst hat. Als er erfuhr, dass sie armen Indianer auf den Gebirgen und in den Einöden umherirrten, regten sich in ihm alle Gefühle des guten Hirten, und er machte sich eilends auf, diese verlorenen Schafe aufzusuchen. Die Hoffnung, sie in den Schafstall zurückzuführen, hielt ihn stets aufrecht in Mitten der Mühseligkeiten und Gefahren, die er ausstehen musste. Man sah ihn die grauenvollsten Wüsteneien, die von Löwen und Tigern bewohnt waren, furchtlos durchwandern. Drei Mal bereiste er seine Diözese. Die erste Reise dauerte 7 Jahre, die zweite 5 und die dritte etwas weniger. Die Bekehrung einer unzähligen Menge Heiden war die Frucht davon. Unterwegs betete er oder unterhielt sich von geistlichen Dingen. Wenn er an einem Ort ankam, war seine erste Sorge, die Kirche zu besuchen, um da an den Fuß der Altäre sein Herz auszuschütten. Der Unterricht der Armen hielt ihn oft zwei bis drei Tage an einem Ort zurück, obgleich ihm dort öfters aller nötige Lebensbedarf abging. Die abgelegensten Gegenden wurden durch seine Gegenwart erfreut. Umsonst stellte man ihm die Gefahren vor, denen er sein Leben aussetzte. Er antwortete jedes Mal, dass, da Jesus Christus für das Heil der Menschen vom Himmel herabgestiegen, ein Hirte bereit sein solle, für dessen Ehre alles zu leiden. Er hielt mit unermüdlichen Eifer Predigten und katechetische Unterrichte. Und um diesem wichtigen Amt mit reichlicherem Gewinn obzuliegen, hatte er noch in einem schon ziemlich hohen Alter die verschiedenen Sprachen der Peruaner gelernt. Er las jeden Tag die Heilige Messe mit größter Andacht, indem er vor und nach dieser hehren Handlung eine geistliche Betrachtung anstellte. Er beichtete gewöhnlich alle Morgen, um sich desto vollkommener von den geringsten Flecken zu reinigen. Die Ehre Gottes war das letzte Ziel und Ende aller seiner Worte und Werke, weshalb sein Leben als ein beständiges Gebet kann betrachtet werden. Dessen ungeachtet hatte er noch bestimmte Stunden zum Gebet, wo er sich zurückzog, und sich einsam mit Gott über seine und seiner Herde Bedürfnisse besprach. In diesen Augenblicken strahlte ein gewisser Schimmer aus seinem Antlitz. Bei diesem erhabenen Wirken stand seine Demut seinen anderen Tugenden nicht im mindesten nach: daher jene äußerste Sorgfalt, seine Abtötungen, und übrigen guten Werken vor den Augen der Menschen zu verbergen. Seine Liebe zu den Armen war ohne Grenzen, und seine Freigebigkeit umfasste sie alle ohne Unterschied. Doch nahm er sich ganz besonders um die sogenannten verschämten oder Hausarmen an.

 

Unserem Heiligen gebührt der Ruhm, der Kirche von Peru eine ganz neue Gestalt gegeben zu haben. Und wenn er nicht ihr erster Apostel gewesen ist, so war er doch zum wenigsten der Wiederhersteller der Gottseligkeit, die beinahe gänzlich darin erloschen war. Die von den Provinzialsynoden abgefassten Beschlüsse werden ein ewiges Denkmal seines Eifers, seiner Frömmigkeit, seiner Gelehrsamkeit und seiner Klugheit sein. Man betrachtete sie als göttliche Aussprüche nicht nur in der neuen Welt, sondern auch in Europa, ja selbst in Rom.

 

Nach so viel Arbeiten erkrankte Turibius schließlich zu Santa, einer Stadt, die 110 Stunden von Lima entfernt ist, wo er damals auf einer Visitationsreise begriffen war. Er sagte seinen Tod voraus, und versprach jenem eine Belohnung, der ihm zuerst ankündigen würde, dass die Ärzte an seinem Aufkommen verzweifeln. Was zu seinem Gebrauch diente, gab er seiner Dienerschaft, das Übrige wurde den Armen vermacht. Er ließ sich zum Empfang der letzten Wegzehrung in die Kirche tragen. Die letzte Ölung aber musste er auf seinem Sterbelager empfangen. Beständig wiederholte er diese Worte des heiligen Paulus: „Ich wünsche aufgelöst und mit Christus zu sein.“ In seinen letzten Augenblicken ließ er von den Umstehenden diese anderen Worte absingen: Ich habe mich darüber erfreut, als mir gesagt wurde, wir werden eingehen in des Herrn Haus. Er starb am 23. März 1606, indem er mit dem Propheten ausrief: Herr, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Im nachfolgenden Jahr brachte man seinen Leib nach Lima, und er wurde noch ohne alle Verwesung befunden. Der Verfasser seines Lebens und die Akten seiner Heiligsprechung melden, dass er während seines Lebens einen Toten auferweckt und mehrere Kranke geheilt habe. Nach seinem Tod geschahen mehrere Wunder durch die Kraft seiner Fürsprache. Turibius wurde 1679 durch Papst Innozenz XI. seliggesprochen, und heilig im Jahr 1726 durch Papst Benedikt XIII.

 

Die geistlichen Amtsverrichtungen haben nur dann Wert und sind Gott gefällig, wenn sie belebt sind vom Geist der Frömmigkeit, der Zerknirschung, der Demut, des Eifers und der Liebe. Woraus erhellt, dass wer zur Leitung der Seelen berufen ist, sich vor allem durch die Übungen des inneren Lebens dazu vorbereiten müsse. Und steht er einmal auf dem Leuchter der Kirche, dann wird er den Willen Gottes erfüllen durch gänzliche Hingabe aller seiner Kräfte für das Heil des Nächsten. Allein er muss noch immer einige Augenblicke ersparen, um über sich selbst nachzudenken, und die unvermerkliche Erschöpfung der Seele wieder zu ersetzen. Vernachlässigt er diese Übung, so wird er das Reich Jesu Christi wenig oder gar nicht befördern, und stürzt sich in augenscheinliche Gefahr, das ewige Leben zu verlieren. Darum ermahnte der heilige Bernhard so nachdrücklich Papst Eugen III., der sein Jünger war, sich dem Nächsten nicht so ganz hinzugeben, dass er nicht auch für sich leben und den Geist der Andacht in seiner eigenen Seele aufflammen könne, während er ihn anderen einzuflößen sich bestrebe. Vergiss nie dich selbst, sagte er ihm. Werde jenen Wasserbehältern gleich, die von ihrer Fülle geben, und nicht jenen Kanälen, die da nichts zurückbehalten.

 

24. März

 

Der heilige Erzengel Gabriel, Erzengel (Bote Gottes),

Fest: 24. März (29. September)

 

Dreimal am Tag läutet die Aveglocke, um die Gläubigen zu erinnern, jenes Gebet zu verrichten, das wir nach seinen Anfangsworten den „Engel des Herrn“ nennen. Es ist aber dieser Engel des Herrn der heilige Erzengel Gabriel, welcher der allerseligsten Jungfrau neun Monate vor dem Weihnachtsfest die frohe Botschaft brachte, dass sie die Mutter des Christkinds werden solle. Gabriel ist überhaupt jener Engel, der immer dann von Gott ausgesandt wurde, wenn es sich um Botschaften handelte, die den Erlöser betrafen.

 

Zum ersten Mal geschah es bereits lange vor der Geburt des Heilandes. Es erschien Gabriel nämlich dem Propheten Daniel im Gebet und kündete ihm an, dass nach siebzigmal sieben Jahren der Messias kommen werde, damit „der Frevel getilgt, der Sünde ein Ende gemacht, die Bosheit gesühnt, das Gesicht und die Prophezeiung erfüllt und der Heilige der Heiligen gesalbt werde“.

 

Zum zweiten Mal wurde der Erzengel Gabriel ausgesandt, um im Tempel zu Jerusalem dem Priester Zacharias die Geburt des Vorläufers Jesu, des heiligen Johannes des Täufers, anzumelden. Er tat es mit den Worten: „Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört. Elisabeth, deine Frau, wird dir einen Sohn schenken, und du sollst ihn Johannes nennen.“ Als Zacharias bei diesen Worten zweifelte, hat der Engel ihn gemahnt und gesagt: „Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen. Siehe, du sollst stumm sein und nicht reden können bis zu dem Tag, da dieses eintritt.“ So sprach der Engel zu Zacharias, und Zacharias blieb stumm bis zu dem Tag, an dem Johannes geboren wurde.

 

Sechs Monate nach diesem Vorfall schlug dann die große Gnadenstunde, als nämlich der Erzengel Gabriel von Gott ausgesandt wurde in eine Stadt in Galiläa zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Mann namens Josef aus dem Hause Davids, und der Name der Jungfrau war Maria. Ihr, der Hochgebenedeiten, überbrachte der Engel jene frohe Botschaft, nach der sich die Menschen seit vielen tausenden von Jahren sehnten und über die sich Himmel und Erde seitdem und bis in alle Ewigkeit freuen werden, jene Botschaft, dass Maria als jungfräuliche Mutter dem Christkind das Leben schenken soll. Nie hat es eine frohere Botschaft gegeben.

 

Weitere Nachrichten über den Erzengel Gabriel enthält die Heilige Schrift nicht, aber die Legende weiß noch etwas mehr von ihm, denn nach der Legende war es wieder Gabriel, der in der Heiligen Nacht, von der Herrlichkeit des Herrn umleuchtet, den Hirten auf freiem Feld die frohe Botschaft von der Geburt des Christkinds überbrachte, und als er es getan hatte, erschien bei ihm eine große Schar des himmlischen Heeres, alle in strahlendes Licht getaucht, und dann begann Gabriel mit herrlichem Klang in der Stimme das Gloria, und alle Engel stimmten jubelnd ein: „Ehre, Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe!“, und wenn die einen weiter sangen: „und Friede den Menschen auf Erden!“, begannen die anderen wieder mit: „Ehre, Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe!“ und so fort, bis nach einer langen Weile die Engel wieder in den Himmel zurückkehrten und der Gesang ferner und leiser klang und schließlich verstummte.

 

Gabriel war es nach der Legende auch, der den heiligen Josef in der Nacht weckte und ihm ausrichtete, dass er mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten fliehen solle, und wieder war er es, der die Heilige Familie aus der Fremde in die Heimat nach Nazaret zurück rief. Später hat Gabriel den lieben Heiland im Garten Getsemani gestärkt, als sein Schweiß wie Blutstropfen zur Erde rann, und schließlich hat Gabriel am Ostermorgen den Stein vom Grab Jesu weggewälzt. Da war sein Aussehen wie ein Blitz, und seine Kleider waren weiß wie Schnee, und als die frommen Frauen kamen, um den Leichnam des Herrn zu salben, hat Gabriel zum letzten Mal eine Botschaft verkündet, die wirklich frohe Botschaft, dass Jesus Christus wahrhaft auferstanden ist.

 

Der heilige Erzengel Gabriel ist also tatsächlich der Engel des Herrn, der stets dann von Gott ausgesandt wurde, wenn es sich um Botschaften handelte, die den Erlöser betrafen. Daran denke man, sooft man den „Engel des Herrn“ betet.

 

Der heilige Simeon oder Simon,

ein zu Trient aus Hass gegen Jesus Christus getötetes Kind,

+ 24.3.1475 – Fest: 24. März

 

Die Juden von Trient, eine durch die allgemeine Kirchenversammlung berühmte Stadt, kamen am Dienstag der Karwoche des Jahres 1475 in ihrer Synagoge zusammen, um die Vorbereitungen für das auf den nächstfolgenden Donnerstag fallende Osterfest zu treffen: sie nahmen sich vor, ihrem Hass gegen Jesus Christus und dessen Jünger, des anderen Tages ihrer Feier ein Christenkind zu opfern. Ein Arzt aus ihnen nahm es auf sich, das Opfer zu liefern. Zur Ausführung seines grauenhaften Vorhabens wählte er den Abend des Mittwochs, wo die Christen in der Mette waren. Als er an der Tür eines Hauses ein Kind allein erblickte, mit Namen Simon, das etwa 2 Jahre alt war, lockte er es durch tückische Schmeicheleien an, und führte es mit sich fort.

 

Donnerstag abends versammelten sich die Häupter der Juden in einem an die Synagoge stoßenden Zimmer, und begannen um Mitternacht die schauderhafte Handlung. Mit einem Schnupftuch verstopften sie den Mund des Kindes, machten mehrere Schnitte in seinen Leib und fingen das Blut, das von allen Seiten herabrann, in ein Becken auf: die einen hielten seine Füße, die anderen seine Arme, die sie kreuzweise übereinanderlegten. Sodann stellte man es gerade auf seine Füße, obgleich es beinahe ohne Lebenszeichen war. Zwei Ungeheuer der Rotte hielten es aufrecht, während die andern mit Ahlen und Pfriemen die verschiedenen Teile seines Körpers durchstachen. Als das Kind seinen Geist aufgegeben hatte, begannen sie sämtlich um es her zu singen: „So haben wir`s mit Jesus, dem Christengott, gemacht; möchten alle unsere Feinde also auf ewig zu Schanden werden.“

 

Die Juden, um den Nachforschungen der Behörde zu entgehen, verbargen des Kindes Leiche auf einen Heuspeicher, dann in den Keller, und warfen sie endlich in den Bach: Gott aber ließ zu, dass ein so grauenhafter Frevel entdeckt wurde. Man überführte die Verbrecher ihrer Tat und sie wurden zum Tod verurteilt. Die Synagoge wurde niedergerissen, und eine Kapelle aufgeführt an dem Platz, wo das Kind gemartert worden war. Gott verherrlichte durch mehrere Wunder das unschuldige Opfer. Die Reliquien des heiligen Simon befinden sich in der Peterskirche zu Trient. Sein Name steht im römischen Märtyrerbuch.

 

Der heilige Wilhelm von Norwich, Gerberlehrling und Märtyrer in England,

+ 24.3.1137 – Fest: 24. März

 

Dieser Heilige wurde ebenfalls ein Schlachtopfer des Hasses der Juden gegen unsere heilige Religion. Er litt in seinem 12. Lebensjahr, nachdem er kurze Zeit bei einem Gerber von Norwich war, um dessen Handwerk zu erlernen. Die Juden lockten ihn zu sich kurz vor ihrer Osterfeier des Jahres 1137. Als er in ihren Händen war, steckten sie ihm einen Knebel in den Mund, und nach tausend angetanen Unbilden kreuzigten sie ihn und durchbohrten ihm die Seite zum Spott des Todes Jesu Christi. Am Ostertag wickelten sie seinen Leichnam in einen Sack und trugen ihn vor die Stadttore, in der Absicht, ihn da zu verbrennen. Als sie aber ertappt wurden, liefen sie davon und ließen ihn an einem Baum aufgehängt. An dem Ort, wo er gefunden wurde, errichtete man eine Kapelle, die bekannt ist unter dem Namen des heiligen Wilhelm in den Wäldern. Den Leib des Heiligen, der durch Wunder verherrlicht wurde, überbrachte man im Jahr 1144 auf den Kirchhof des Domes, der der heiligsten Dreifaltigkeit geweiht ist. 6 Jahre später wurde er in dem Chor derselben Kirche beigesetzt.

 

Es wird berichtet, dass ehemals die Juden der Hauptstädte Englands die männlichen Kinder entführten, sie beschnitten, mit Dornen krönten, geißelten und kreuzigten, zum Spott gegen Jesus Christus. Auf dieselbe Art starb auch der heilige Richard von Pontoise. Andere berichten auch, dass der heilige Hugo, ein Kind, von den Juden zu Lincola 1255 gekreuzigt wurde. Niemand darf aber behaupten, diese Gräueltaten seien zu jeder Zeit von diesem Volk verübt worden. Dies ist eine Verleumdung. Der Verstand und die Vernunft verbieten, die ganze Gesamtheit einer Nation für die Verbrechen einiger Unmenschen verantwortlich zu machen.

 

Der Name des heiligen Wilhelm von Norwich steht unter dem 24. März in den englischen Kalendern.

 

25. März – Das Fest Mariä Verkündigung

 

25. März

 

Der heilige Dismas, rechter Schächer beim Kreuz Christi,

+ 33 - Fest: 25. März

 

Das Gedächtnis des heiligen Dismas passt gut in die Zeit, in der wir besonders an das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus denken. Dismas ist nämlich der gute Schächer, der mit dem Herrn auf Golgatha gekreuzigt wurde und der von ihm die Zusicherung erhielt, dass er gleich nach dem Tod in das Paradies eingehen werde.

 

Über den glücklichen Tod des heiligen Dismas, von dem gleich noch erzählt wird, sind wir durch die biblische Geschichte genügend informiert. Weiteres erzählt die Heilige Schrift zwar nicht von ihm, aber die Legende weiß mehr zu berichten.

 

Weil bekanntlich der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, ist es nicht verwunderlich, dass nach der Legende der Vater des Dismas ein Wegelagerer war, der mit einer Räuberbande die Gegend an der ägyptischen Grenze jahrelang unsicher machte.

 

Eines Abends spät gelangte bei den Zelten der Banditen eine kleine Reisegesellschaft an, eine junge Frau, die auf einem Esel ritt und ein Kindlein auf ihrem Arm trug, während ein Mann in den besten Jahren das Reittier am Zaum führte. Es war die Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten.

 

Kaum waren die drei heiligen Personen im Blickfeld der Räuber aufgetaucht, wurden sie auch schon von den verwegenen Gesellen umzingelt und mit dem Ruf: „Geld her oder das Leben!“ begrüßt. Im gleichen Augenblick erschien aus dem nächstliegenden Zelt eine Frau, überblickte kurz die Lage und schrie die Männer an:

 

„Schämt euch, ihr Lumpen! Ihr wollt ehrliche Räuber sein! Nein, ein anständiger Räuber überfällt nie eine Mutter, die ein Kind auf dem Arm trägt. Weg mit euch, Halunken, in die Zelte, oder ihr könnt euch morgen das Brot selbst backen.“

 

So redete die Frau mit den wüsten Burschen. Und während sich auf diese Worte hin die Räuber verzogen, führte sie die Heilige Familie in ihr Zelt, bewirtete sie aufs Beste und richtete ihnen für die Nacht ein Lager zurecht. Am anderen Morgen stellte sie der Mutter Gottes warmes Waschwasser zur Verfügung, damit sie das Jesuskind baden könne. Das geschah dann auch, und als sich die Heilige Familie mit Dank verabschiedete, empfahl Maria der Räubersfrau, die ebenfalls einen kleinen Sohn hatte, diesen mit dem Wasser zu waschen, in dem sie das kleine Jesuskind gebadet hatte. Die Mutter Gottes hatte nämlich bemerkt, dass der Räuberjunge aussätzig war. Nach dem Weggang der Heiligen Familie befolgte die Frau sofort Mariens Rat, und wirklich, ihr Sohn wurde auf der Stelle vom Aussatz geheilt und war gesund. Der Geheilte aber hieß Dismas, und es ist der gleiche Dismas, der später mit Jesus gekreuzigt wurde.

 

Wie gut ist doch Jesus Christus! Da hat eine Frau ihm, seiner Mutter und dem Pflegevater einen Dienst erwiesen und sofort belohnt er den Dienst dadurch, dass er den aussätzigen Sohn der Frau heilt. Das wäre an sich des Dankes genug gewesen, aber Jesus geht noch weiter. Die Reinigung vom Aussatz des Körpers war für ihn nur wie eine Anzahlung. Den vollen Lohn für die Liebestat erstattete er auf Golgatha, als er die Seele des Räubers Dismas unter der Kreuzigung mit seinem dahinfließenden Blut vom Aussatz der Sünde reinigte.

 

Als nämlich später auf Golgatha der Herr mit den beiden Verbrechern gekreuzigt wurde, geschah es, dass auch einer von den beiden Jesus verspottete und sprach: „Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns!“ Der andere aber hatte andere Gedanken und sagte: „Wir empfangen, was wir verdient haben, dieser aber hat nichts Böses getan.“ Daraufhin sprach er zu Jesus: „Herr, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Jesus antwortete ihm: „Wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du bei mir im Paradies sein.“

 

So sprach Jesus, und im gleichen Augenblick wurde aus dem Räuber ein Heiliger. Vor dem, der gerade noch am Rand des Verderbens stand, taten sich weit die Pforten des Himmels auf. So lieb ist Jesus Christus. Wer ihm Gutes antut, empfängt von ihm hundertfachen Lohn dafür.

 

Der heilige Pelagius, Bischof und Bekenner zu Laodicea, Libanon,

+ 25.3. n. 378 – Fest: 25. März

 

Pelagius lebte zu Laodicea als ein allgemein geachteter Mann in einem keuschen und heiligen Ehestand und wurde nach dem Tod seiner frommen Gemahlin um das Jahr 360 von den Gläubigen dieser Stadt wegen seiner hohen Tugenden zum Bischof gewählt. Sein Eifer und seine Wachsamkeit für das Seelenheil der ihm anvertrauten Herde übertrafen alle Erwartungen, die man sich von ihm gemacht hatte. Rastlos predigte er Jesus den Gekreuzigten und erschütterte mit seiner eindringenden Beredsamkeit die Herzen der Sünder. Er tröstete die Unglücklichen, unterstützte die Armen und versöhnte langjährige Feindschaften. Durch sein heiliges Beispiel verbreitete er in allen Familien fromme Sitten und Unschuld des christlichen Lebens und dabei wachte er sorgfältig für die Reinheit des heiligen Glaubens. Er war einer der eifrigsten Bischöfe in Verteidigung der Lehre Jesu gegen ihre Feinde auf der Kirchenversammlung zu Antiochia im Jahr 363 und auf der zu Tyana in Cappadocien im Jahre 365. Wegen des heiligen Eifers in Unterdrückung der Irrtümer und Verbreitung des Reiches Gottes wurde er bei dem ketzerischen Kaiser Valens angeklagt und bald darauf im Jahr 374 seines Amtes entsetzt und nach Arabien in das Elend verwiesen. Vier Jahre lang schmachtete der Heilige mit größter Geduld in Kummer und Not und flehte stets unter Tränen und Entbehrungen für das Heil seiner verwaisten Gemeinde, bis er um das Jahr 378 zurückberufen und in seinem Bistum wiedereingesetzt wurde. Aber die Verfolgungen und das Elend, das er während seiner Verbannung ausgestanden, hatten seinen Mut nicht geschwächt und seinen Eifer nicht erkaltet. Stets lebte er im Verein mit der römisch-katholischen Kirche und bekämpfte die Angriffe der Ketzer auf die Kirche. Er hielt es mit dem heiligen Meletius und erklärte sich laut und öffentlich für die Wahl des heiligen Gregors von Nazianz als Patriarchen der Kirche von Konstantinopel. Auf einer Synode dort verteidigte er mutig die katholische Lehre und drang auf die Verbannung der Irrlehrer aus dem Verband und der Gemeinschaft der Kirche. Kaiser Theodorich gab dem heiligen Pelagius bei seinem Tod das Zeugnis, dass er einer der frömmsten und eifrigsten Bischöfe der morgenländischen Kirche gewesen sei.

 

Der heilige Prokop, Einsiedler, 1. Abt von Sazava, Böhmen,

+ 25.3.1053 – Fest: 25. März

 

Der heilige Prokop wurde um das Jahr 970 zu Chotum bei Prag geboren. Im Haus seiner gottesfürchtigen Eltern übte sich der fromme Junge frühzeitig in Werken der Abtötung und Selbstverleugnung. Gleich dem Apostel Paulus erachtete er die Welt für Nichts, um Christus zu gewinnen. Das Leben Jesu und seiner Heiligen war die Richtschnur, nach der er sich von Tag zu Tag mehr in Tugenden und Vollkommenheit ausbildete. Sein höchstes Sehnen war, ein Priester zu werden, um dem himmlischen Vater täglich das reinste Opfer seines lieben Sohnes darzubringen. Mit diesem Ziel besuchte er die höheren Schulen zu Prag und empfing nach gründlicher Vorbereitung in den Wissenschaften und Tugendübungen die heilige Priesterweihe.

 

Um sich ganz von der trügerischen Welt zurückzuziehen und Gott allein zu dienen, begab sich Prokop nach dem Beispiel des heiligen Benedikt in einen großen dichten Wald bei Curm an der Saatz, erbaute sich dort eine Zelle und führte ein sehr abgetötetes, heiliges Leben. Wilde Wurzeln und Waldfrüchte bildeten seine Nahrung, in harten Kasteiungen hielt er das Fleisch in der Dienstbarkeit des Geistes, in Nachtwachen und frommen Betrachtungen erhob sich seine fromme Seele zum Himmel empor.

 

Einst verirrte sich ein Fürst, Namens Ulrich, auf der Jagd und war nicht wenig erstaunt, in dem tiefen, dunklen Wald einen Mann in frommer Betrachtung auf den Knien zu finden. Der überraschende Anblick rührte sein Herz gewaltig und erweckte in ihm Reue über sein bisheriges, leichtfertiges Leben. Er teilte dem Heiligen seinen Entschluss mit und der bestärkte ihn in seinem gottgefälligen Vorhaben.

 

Fürst Ulrich und dessen Sohn erbauten dem heiligen Einsiedler ein Kloster, worin Prokop viele gleichgesinnte Männer unter der Regel des heiligen Benedikt vereinigte und zur Vollkommenheit anleitete. Sein Beispiel erbaute seine Klosterbrüder und das Volk, seine Liebe zu der leidenden Menschheit fand keine Grenzen, kein Armer ging ohne Hilfe, kein Bedrängter ohne Trost von ihm. Gott begnadete ihn mit der Wundergabe und Prokop wandte sie oft an, um Hilflosen, besonders den Fallsüchtigen, die Gesundheit wieder herzustellen. Hochverehrt von allen, die ihn kannten, ging seine demütige und geläuterte Seele zum ewigen seligen Leben am 25. März 1053.

 

Die heilige Lucia Filippini, Stifterin der „Frommen Lehrfrauen Filippini“,

+ 25.3.1732 – Fest: 25. März

 

Ein Stand, der eigentlich nie die ihm gebührende und von ihm reich verdiente Anerkennung erntet, ist jener unserer katholischen Lehrerinnen. Die Menschen schauen eben mehr auf das Äußerliche. Was eine gute katholische Lehrerin aber leistet, das ist meist verborgen in den Tiefen einer Mädchenseele. Es ist stilles, unauffälliges Wachstum, das sie fördert; ihre Erfolge lassen sich gerade in ihrem besten Teil nicht zählen und wägen. Darum wird der Beruf einer Lehrerin und ihre Arbeit von vielen nicht genügend geschätzt. Die Lehrerin kann nur dann die Last ihres Berufes mit Freude tragen, wenn sie recht um Gottes willen ihre Lehrtätigkeit ausübt und nicht über all dem freigebigen Spenden an andere Seelen das innerste Leben der eigenen Seele zu pflegen und zu entwickeln vergisst. Der heutige Tag stellt uns das Bild einer solchen Lehrerin vor Augen, die beides wohl miteinander zu vereinigen verstanden und dadurch zum Berg der Heiligkeit emporgestiegen ist. Es ist die am 22. Juni 1930 zur Ehre der Altäre erhobene heilige Lucia Filippini, die Stifterin der „Frommen Lehrfrauen Filippini“.

 

Die heilige Lucia erblickte das Licht der Welt am 13. Januar 1672 zu Corneto Tarquinia als die Tochter des Genuesen Filippo und der Magdalena Picchi Falsacappa, einer edlen Conetanerin. Das zarte Kind schien mehr ein Gewächs aus dem Himmel statt von der Erde zu sein; denn Demut, Bußgeist, außergewöhnliche Liebe zu Gott und den Mitmenschen schienen zu seiner Natur zu gehören. Gott nahm ihr früh die guten Eltern. Wollte er sie schon damals ganz als sein eigen erklären? Bei Verwandten wurde das Mädchen aufgezogen mit aller Liebe. Aber ihr Sinn stand einzig auf Gott. Die Spiele ihrer Altersgenossinnen verschmähend, besuchte sie fleißig die Kirche und betete viel. Durch eifriges Anhören des Wortes Gottes und durch besinnliches Erwägen desselben machte sie bald solche Fortschritte in der Frömmigkeit und der Kenntnis der christlichen Lehre, dass sie, obwohl erst 10 Jahre alt, vom Pfarrer auserwählt wurde die Kinder im Katechismus zu unterrichten. Es war sonntags immer ein schönes Bild, wenn eine große Zahl von Mädchen um Lucia herumsaß und von ihren Lippen begierig die Wahrheiten und Geheimnisse unseres heiligen Glaubens aufnahm, die sie mit so viel Salbung und Klarheit, mit solchem Nachdruck und Feuer auszulegen verstand, dass auch zuhörende Erwachsene zu tiefst ergriffen und bis zu den Tränen erschüttert wurden.

 

Der Einfluss, den Lucia auf ihre Kameradinnen ausübte, war nur ein Vorspiel zu ihrem Beruf als Lehrerin, der erste Beginn ihrer apostolischen Arbeit, worauf sie die göttliche Vorsehung allmählich vorbereitete. Eines Tages hielt der Bischof von Montefiascone, Kardinal Barbarigo, Pfarrvisitation in Corneto. Voll Staunen sah er, mit welcher Bescheidenheit und Geschicklichkeit die kleine Lucia den Kindern den Katechismus beibrachte. Das war kein gewöhnliches Mädchen! Mit dem hatte die Vorsehung ihre Pläne! Nach Rücksprache mit ihren Pflegeeltern nahm er sie mit nach Montefiascone, wo er sie den Klarissen zur Ausbildung übergab. In kurzer Zeit war die Heilige für alle Nonnen eine Lehrmeisterin der Weisheit und Güte. Auch nach außen verbreitete sich der Wohlgeruch ihrer Tugend und gerne kamen die Damen der Stadt ins Sprechzimmer, um sich an den liebenswürdigen Umgangsformen des Mädchens zu entzücken und vom Zauber seiner Rede sich fesseln zu lassen.

 

Der seeleneifrige Oberhirte aber schritt nunmehr zur Ausführung seiner Reformpläne. Wohl erwägend, welch schwere Schäden die religiöse Unwissenheit des Volkes im Gefolge habe, gedachte er in seiner Diözese Schulen einzurichten, und zwar mit Hilfe der Jungfrau Lucia Filippini. Diese suchte sich zuerst dem schwierigen Auftrag zu entziehen – sie dachte ja von sich selbst sehr gering. Aber nachdem sie den Willen Gottes erkannt hatte, nahm sie bereitwillig die Aufgabe an. Vom Kardinal selbst empfing sie das Kleid einer frommen Lehrerin und machte sich mit bewundernswertem Eifer ans Werk. Die reichsten Früchte lohnten bald die Mühe der demütigen Gründerin, zum süßen Trost für den heiligmäßigen Bischof, der in seinen Familien wieder Glauben, Gottesfurcht und gute Sitte aufblühen sah. Unter der Leitung der heiligen Lucia wuchsen die Mädchen heran bescheiden, gelehrig, voll Liebe zu Gebet und Arbeit. Ihre Schulen waren Tempel, wo jederzeit der Allmächtige angebetet und verherrlicht wurde. Der Eifer der Heiligen war aber nicht auf die Schule beschränkt, sie hielt auch wahrhaftige Missionen ab für die gesamte Frauenwelt. Zu Pitigliano, Scansano, Montemarano und anderswo erzielte sie so wunderbare Ergebnisse, wie sie größer auch ein heiliger Leonhard von Porte Mauritio nicht erreichte. Von Seeleneifer glühend und von einem wahrhaft apostolischen Geist durchweht, begehrt von Bischöfen, Pfarrern und Gebietsherren, zog sie nach dem Beispiel des göttlichen Lehrers unter vielfachen Mühen und Beschwerden von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt, um die Sünder zu Gott zu bekehren, um im Volk das christliche Leben zu erneuern, um ihr Institut auszubreiten. Und niemand vermochte der Macht ihres Wortes und ihres Beispiels zu widerstehen. Ihre Rede nahm unwillkürlich gefangen, ihr ganzes Auftreten bezauberte. Um sie hören zu können, deckten die Leute schließlich das Dach des Hauses ab, wo sie gerade Exerzitien gab.

 

Papst Klemens XI., der durch Kardinal Barbarigo über die wunderbaren Erfolge der Schulen Lucias unterrichtet war, berief die Heilige nach Rom. Im Mai 1707 kam sie in der Ewigen Stadt an und gründete in der Pfarrei S. Lorenzolo ai Monti ihre erste Schule. Bald bot sich auch hier das gewohnte Bild. In Scharen strömten die Mädchen herbei und ernteten reichen Nutzen in Tugend und Wissen. Die Schule Lucias, so schreibt ihr Beichtvater, schien ein kleines Paradies zu sein. Hier sprach man nur von Gott, arbeitete nur für Gott. Jungfräuliche Züchtigkeit begleitete alle Handlungen dieser Mädchen, die miteinander im Streben nach vollkommener Tugend wetteiferten. Ein Wink aus den Augen ihrer Lehrerin – und sie gehorchten ohne alle Widerrede. Jeden Samstag führte Lucia die eifrigsten ihrer Schülerinnen in die Spitäler, damit sie den armen kranken Frauen dienten und sich in christlicher Liebe und Demut übten. In ganz Rom erhob sich deshalb großes Rühmen über die Tugend der „heiligen Lehrerin“, wie man sie allgemein nannte.

 

Während so das Werk der Heiligen in Rom unter dem Segen des Himmels sichtlich gedieh, wurden ihre ersten Gründungen in Montefiascone auf eine harte Probe gestellt. Viele Lehrerinnen wurden krank. Auch sonst gab es Schwierigkeiten. Die Töchter riefen nach der Mutter. Und sie kam, und siehe, mit einem Schlag ging es wieder aufwärts. Überall wollte man Schulen haben. Lucia wollte gern der ganzen Welt helfen und oft rief sie in heißem Verlangen aus: „O, wenn ich mich nur vervielfältigen könnte! In jeden Erdenwinkel wollte ich es hineinschreien und allen Leuten wollte ich es zurufen: Liebt Gott! . . . O, mein Gott, warum machst du nicht, dass aus mir so viele Lucien werden, dass ich überall deine Ehre verbreiten kann?“

 

Aber Gottes Werke werden nur gefestigt und fruchtbar im Schatten des Kreuzes, wenn sie benetzt werden vom Tau blutiger Tränen. Schon bei Gründung und Ausbreitung ihres Instituts hatte Lucia genug zu leiden, Verdruss, Verachtung, Verleumdung. Sogar ihre Glaubensehre griff man an, indem sie mehrmals bei der Inquisition als Anhängerin des Michael Molinos angeklagt wurde. Die Heilige verlor inmitten aller Widerwärtigkeiten nie ihre Seelenruhe und gewohnte Heiterkeit. Sie dankte Gott und suchte ihren Widersachern Gutes zu tun.

 

Zu diesen mehr inneren Leiden gesellte sich die letzten fünf Jahre ihres Lebens ein schmerzvolles Krebsleiden, das die Heilige zur Martyrin der Geduld, zu einer Heldin der Ergebung in Gottes Willen machte. Die Glut ihrer Liebe vermochten die Wasser der Trübsal nicht auszulöschen. Wie eine zweite heilige Teresa von Jesus hörte sie, von beständigem Fieber geschüttelt und die Brust von dem schaudervollen Krebsleiden zerfoltert, nicht auf die Kleinen zu unterrichten, den Frauen die Betrachtungspunkte zu geben und die Häuser ihrer Genossenschaft zu besuchen. Erst die letzten vier Monate bannte sie eine Nervenlähmung gänzlich ans Schmerzensbett. Schließlich blieb nur ein Glied noch frei und beweglich, ihre Zunge, damit konnte sie Gott noch loben. Während der heftigsten Krämpfe hörte man aus ihrem Mund die Worte: „Herr, ich danke dir! Herr, erbarme dich meiner!“ Dann begann sie wieder zu singen und lud die Schwestern ein, mit ihr Gott in einem feierlichen Tedeum dafür zu danken, dass sie etwas aus Liebe zu ihm leiden dürfe. Am Fest Mariä Verkündigung (25. März 1732), als eben die Mittagsglocken die Menschwerdung Christi in die Welt hinausläuteten, hauchte die heilige Lucia mit einem fröhlichen Lächeln über ihren Zügen ihre jungfräulich reine Seele aus.

 

Papst Pius XI. nahm Lucia Filippini am 22. Juni 1930 unter die Heiligen auf.

 

Das Werk der heiligen Lucia Filippini überdauerte die Jahrhunderte. Die nach ihr benannten Lehrfrauen, die in Rom ihr Mutterhaus haben, leiten Schulen in mehreren Provinzen Italiens und in Amerika. Möge Gott auf die Fürbitte der heiligen Lucia hin recht tüchtige und seeleneifrige Lehrerinnen uns schenken, Ordensschwestern sowohl wie weltlichen Standes, die uns dann christliche und heilige Mütter erziehen und so zur Erneuerung der Familie beitragen!

 

Der selige Eberhard von Nellenburg, Stifter und Mönch von Schaffhausen,

+ 25.3.1078 – Gedenktag: 25. März

 

Es ist ein eigentümlicher Zug des Mittelalters, dass wir so oft Fürsten und Grafen nach vollbrachtem Lebenswerk die stille Ruhe des Klosters aufsuchen sehen, um sich dort auf einen guten Tod vorzubereiten. Ihre Lebensarbeit, die Gott ihnen auftrug, hatten sie glücklich geschafft, sie hatten der Welt ihr Können geliehen, nun aber glaubten sie Gott ihre Lebenskraft nicht weiter mehr vorenthalten zu dürfen, sie weihten sich seinem ausschließlichen Dienst. Uns darf es nicht Wunder nehmen, wenn diese Männer und Frauen, die in der Welt Großes leisteten, die dort reiche Erfahrung gesammelt hatten, im Kloster siegreiche Kämpfe gegen die Welt und sich selbst ausfochten, wenn sie Helden werden in der Tugendübung, wenn sie Heilige werden. Einer dieser Heiligen war auch Graf Eberhard von Nellenburg.

 

Eberhards Eltern hießen Eppo und Hadwig. Die Mutter war eine Tochter des heiligen Stephan, des Königs von Ungarn, und eine Nichte des Kaisers Heinrich II., auch verwandt mit Papst Leo IX. Eppo war auf diese hohe Verwandtschaft nicht wenig stolz, nicht weniger auf seine ausgedehnten Besitzungen und sein stattliches Volk von Lehensleuten. Ganz anders seine hohe Gemahlin Hadwig: sie trachtete Gott und göttlichen Dingen nach, betete viel und gab reiches Almosen. Ihr frommes Leben konnte auf die Dauer seine Wirkung auf den lebensfrohen, stolzen Herrn nicht verfehlen. Er sah das Verfehlte seines Treibens ein, wandte sich von dem leeren Gepränge der Welt ab, befliss sich mehr und mehr des Gebetes und der Tugend – Hadwigs Gebet war erhört. Eberhard war das einzige Kind, das die fromme Gemahlin Eppo schenkte. Nach dessen Geburt im Jah 1018 starb der Vater bald. Hadwigs Sorge war es nun, das teure Vermächtnis ihres Gemahls zu erfüllen, den Erben so großer Reichtümer und Güter zu einem tüchtigen Mann zu erziehen. Zur Ausbildung in den Künsten und Wissenschaften gab sie ihm den Priester Lupard. Als Eberhard zum Mann herangewachsen war, führte sie ihm Ida als Gemahlin zu, die ihm sechs Kinder schenkte.

 

Eberhard hatte nicht, wie sein Vater zu Beginn seiner Herrschaft, sein ganzes Sinnen und Trachten auf Gut und Ehre eingestellt. Er war ein frommer Mann geworden, so wie es sich seine kluge Erzieherin erhofft hatte. Zuerst machte er die großen, beschwerlichen Wallfahrten zu den Gräbern der Apostelfürsten in Rom und zur Stätte des heiligen Jakobus zu Compostella in Spanien. Doch das war noch nicht genug, Gott wollte er ewiges Lob bereiten: einen Teil seiner Güter wollte er als Grundstock für die Errichtung eines Klosters verwenden. Lange war er sich im Unklaren, wo das Kloster erstehen sollte. Endlich errichtete er 1050 am Rheinufer eine Kapelle mit drei Altären und ein kleines Kloster für zwölf Mönche, als deren Abt er sich 1064 Siegfried vom großen Kloster Hirsau erbat, und holte persönlich bei Papst Alexander II. Bestätigung und Schutz.

 

Diese zwei großzügigen Taten flossen aus einem Herzen, das voll von Gott war. Gottes- und Nächstenliebe zieht uns aber noch mehr an, wenn sie im Kleinen wirkt, wenn sie arbeitet an den Nöten der einzelnen. Dieser Gedanke leitete auch Eberhard in seinem alltäglichen Tun. Als er auf der Reise nach Rom begriffen war, traf er auf dem Weg einen halbblinden Bettler. Dessen Elend rührte Eberhards mitleidiges Herz, er betete inbrünstig zum göttlichen Schöpfer des Lichtes und wirklich bekam der Bettler auf seine Fürbitte hin das volle Augenlicht wieder. Durch sein inniges Gebet rettete er auch seinen Sohn Burkhard von einer hoffnungslosen Krankheit. Noch mehr aber wirkte er an Mangold. Er war Abt im Kloster Stein am Rhein gewesen, hatte aber das Mönchskleid weggeworfen und war in die Welt zurückgekehrt. Bei Graf Eberhard suchte er nun sein Brot. Den aber schmerzte es sehr, dass der Abt seinem Kloster und Orden untreu geworden und sich nicht schämte, so frei in weltlichen Kleidern zu verkehren. Er stellte ihn zur Rede und hielt ihm das künftige Gericht mit eindringlichen Worten vor. Der untreue Abt fiel dem Grafen zu Füßen, bat ihn dringend ihm die Rückkehr in den Orden zu erwirken. Mangold konnte auch wirklich mit Erlaubnis des Abtes von Stein in das von Eberhard neuerrichtete Kloster Allerheiligen in Schaffhausen eintreten und übte dort strenge Buße für seinen schweren Fehltritt. Als er gestorben war, wurde Graf Eberhard unruhig über dessen Los im Jenseits und glaubte zu seiner Befreiung aus den Qualen des Fegfeuers eine Wallfahrt nach Compostella in Spanien machen zu müssen. Seine Furcht und sein Bangen um Mangold schwand, ja ihm wurde es jetzt gewiss, dass seine Werke und seine Gebete bei Gott Wohlgefallen fanden. Aus dieser Gewissheit schöpfte er neuen Mut zu weiteren Werken der Tugend und beharrlichem Gebet. Und die persönliche Überzeugung, dass seine Tugendwerke Gott zur Ehre gereichten, dass sein Gebet von Gott nicht verschmäht werde, erfüllte ihn mit jener Ruhe und Sicherheit, die wir so sehr an den Heiligen bewundern. Wir Sünder haben bei all unserem Beten und Arbeiten zu Gottes Ehre mit dem ewigen Zweifel zu kämpfen: Ja, gereicht das wirklich zu Gottes Ehre, nützt mir das etwas für das Heil meiner Seele? Das sind Versuchungen und sie sind wie Bleigewichte, mit denen der Teufel die Seele beschwert, damit sie sich nicht frei aufschwingen könne zu Gott. Wie viele Menschen leiden unter dieser Last. Sie verliert sich nur, wenn wir trotz derselben und beharrlich mühen in Gebet und Tugendübung so wie unser seliger Eberhard. Schließlich heben wir uns doch frei empor und sollte es nicht auf dieser Erde sein, dann sicher im Jenseits, wenn wir des Leibes und seiner zur Erde niederziehenden Begierden ledig sind.

 

Schon vor der Wallfahrt nach Compostella trug sich Eberhard mit dem Gedanken sich im Kloster ganz Gott zu weihen. Er hatte bereits 54 Jahre hinter sich, konnte der Sorge um weltliche Dinge keinen Geschmack mehr abgewinnen, seine Seele suchte nach dem tiefsten Grund des Friedens, nach Gott und seinem Dienst. Er ordnete sein Vermögen und übertrug die Grafschaft seinem Sohn Burkhard. Dann eröffnete er sein Herz seiner Gemahlin, die ihm freudig zustimmte, war sie doch vom gleichen Wunsch beseelt. Gesagt, getan: Ida zog sich in das Kloster St. Agnes in Schaffhausen, das sie selbst gegründet hatte, zurück. Eberhard trat in sein Kloster Allerheiligen in Schaffhausen. Sechs Jahre noch lebte er dort. Demütig trug der das Joch des Gehorsams unter Abt Siegfried, führte beständig ein vollkommenes Leben des Gebetes, Fastens und der guten Werke. Am 25. März 1078 wurde er zum ewigen Lohn gerufen und mit Gott vereint, zu dem er sein ganzes Leben in Liebe gebrannt hatte.

 

Von all den guten Werken des seligen Eberhard berührt uns am wohltuendsten seine Sorge um das Seelenheil des Abtes Mangold. Übung der leiblichen und geistlichen Werke der Barmherzigkeit ist das äußere Kennzeichen eines praktischen Christentums. Die Pflicht der leiblichen Barmherzigkeit kann kein Christ übersehen, so eindringlich predigt sie die tägliche Not vor unseren Augen. Aber so viele Menschen unserer Zeit haben den Sinn für die geistlichen Bedürfnisse der Menschen verloren. Seelennot heißt mehr als Leibesnot. Freilich liegt sie nicht so offen zu Tage wie Leibesnot. Sie verlangt wirkliche, ernste Beschäftigung mit dem andern, damit man herausfühlt, was in der Seele des andern vorgeht. Hat einer einmal diesen Sinn für fremdes Seelenleben, dann sieht er vor sich ein weites Land von innerem Elend, innerer Verlassenheit, innerem Schmerz und Siechtum, ja seelischem Tod. Und kann man keine Brücke finden, die zum Nächsten führt, kann man sich nicht hineindenken und hineinleben in dessen Herz, ihm keinen mitfühlenden Blick schenken, keinen fröhlichen Gruß bieten, kein aufrichtendes Wort mit ihm sprechen, eines bleibt jedem Menschen, das wegen seiner Unscheinbarkeit und Allgemeinheit nicht die schwächste Hilfe, sondern höchste Kraft spendet, es ist das Gebet. Beten kann jedes Kind, beten kann der Mann der harten Arbeit, selbst das alte, kranke Mütterlein im Lehnstuhl. Durch das Gebet können alle beitragen zur Vollendung jenes großen Werkes, das der Gottessohn mit seinem Erdenleben begonnen, am Kreuz vollendet hat und in der heiligen Kirche fortsetzen lässt: Ertötung der Sünde und alles Elends, das mit ihr kam, Versöhnung der Welt mit Gott.

 

Der heilige Humbert von Maroilles in Frankreich, Ordensgeistlicher,

+ 25.3.682 – Fest: 25. März

 

Dieser Heilige, ein Sohn von Eurard und Popita, wurde geboren zu Mazières-sur-Oise, zwei Stunden von St.-Quentin. Sein Vater hat den Beinamen der Gottselige, woraus man ersieht, dass er noch ausgezeichneter durch seine Tugend, als durch seine Geburt und Reichtümer gewesen ist. Die glücklichen Anlagen des jungen Humbert bewogen seine Eltern, ihm dem Dienst der Altäre zu weihen. Sie führten ihn daher nach Laon, wo er die Tonsur empfing. Hierauf brachten sie ihn in ein Kloster, um ihn in der Frömmigkeit und den Wissenschaften unterrichten zu lassen. Wegen seines Verdienstes und seiner Fähigkeit wurde er bald der Priesterweihe würdig befunden, nach deren Empfang er noch einige Zeit im Kloster blieb, das er nach dem Tod seiner Eltern verließ, um über sein väterliches Erbe zu verfügen. Er nahm den heiligen Amandus und den heiligen Micasius bei sich auf, und folgte ihnen dann nach Italien, um sein Verlangen, das ihn schon längst zum Besuch der heiligen Gräber hinzog, zu befriedigen. Man sagt, er habe in derselben Absicht eine zweite Reise nach Rom unternommen.

 

Bei seiner Rückkehr besuchte er den heiligen Amandus zu Elno, zog sich dann zurück in das Kloster von Maroilles im Hennegau, das der Graf Rodobert kurz vorher gestiftet hatte. (Maroilles liegt in dem Gebiet von Famars, an dem Flüsschen Hespres in der Diözese Cammerich.) Entschlossen daselbst seine Tage zu beschließen, gab er ihm als Eigentum den größten Teil der Besitzungen von Mazières. Wegen dieser beträchtlichen Schenkung wurde er als Stifter des Klosters von Maroilles angesehen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er ihm vorstand, weil die Religiosen seine Jünger genannt werden. Er starb am 25. März im Jahr 682. Sein Name findet sich in den Martyrologien der Niederlande, Frankreichs und Deutschlands. Am 6. September feiert man das Fest der Versetzung seiner Reliquien, die seit dem 12. Jahrhundert sich im Kloster von Maroilles befinden.

 

Der heilige Barontius und heiliger Desiderius, Einsiedler von Pistoja,

+ 25.3.685 – Fest: 25. März

 

Der heilige Barontius, der allem Anschein nach aus einer adeligen Familie in Berry entsprossen ist, trat in den Ehestand und zeugte wenigstens einen Sohn mit Namen Agloald. Als ihm Gott durch seine Gnade die Nichtigkeit der Erdengüter gezeigt hatte, fasste er den Entschluss, sich fortan nur noch mit seinem Heil zu beschäftigen. Und um den Entschluss desto sicherer in Ausführung zu bringen, begab er sich mit seinem Sohn in die Abtei Lonrey oder St. Cyran. Ein Gesicht, das er hatte, flößte ihm neuen Eifer ein, nach Vollkommenheit zu streben. Nach oft wiederholten Bitten erhielt er von seinem Abt die Erlaubnis, in einer Einöde zu leben. Er ging daher nach Italien und reiste nach Rom, um da die Gräber der Apostel zu besuchen. Von da verfügte er sich nach Pistoja im Toskanischen und erbaute sich da eine Zelle zwischen zwei Bergen.

 

Ungeachtet seiner Sorgfalt, sich verborgen zu halten, verriet ihn doch endlich der Glanz seiner Tugenden. Ein Einsiedler der Nachbarschaft namens Desiderius, wollte mit ihm sein Leben zubringen, um sich dessen Beispiel zunutze zu machen. Ihm folgten ebenfalls noch vier andere Personen. Sie erbauten eine Kirche und dienten Gott einhellig in den Übungen der Buße und Betrachtung. Der heilige Barontius starb zuerst und wurde in die Kirche begraben. Ihm folgte der heilige Desiderius. Auch die vier übrigen starben bald in einiger Entfernung von einander. Sie wurden alle an demselben Ort zur Erde bestattet und an ihren Gräbern geschahen mehrere Wunder. Gegen das Jahr 1018 erbaute man an eben dem Ort ein Kloster unter Anrufung des heiligen Barontius, und seine Überbleibsel, wie auch jene seiner Jünger, wurden feierlich in die neue Kirche beigesetzt. Diese Heiligen blühten im 7. Jahrhundert. Die Kirche von Pistoja feiert ihr Gedächtnis nicht am 25., sondern am 27. März. Das römische Heiligenverzeichnis berichtet nur vom heiligen Barontius und dem heiligen Desiderius.

 

Der heilige Hermeland, Abt auf der Loireinsel Aindre in der Bretagne,

+ 25.3.720 – Fest: 25. März

 

(Der Name dieses Heiligen bedeutet Erbland. Er wird auch noch Erblon, Arbland, Erblain oder Herblein genannt in den Diözesen Nantes und Rennes, Herband in der von Tréguir, Saint-Pol-de-Leon, und Quimper, Herbland in Paris und Rouen.)

 

Der heilige Hermeland wurde geboren zu Noyon und stammt aus einer ausgezeichneten Familie. Frühzeitig schon erkannte er, dass der wahre Adel in der Tugend bestehe. Daher suchte er sich während seiner Studienjahre stets vor den Lastern, die bei der Jugend oft so gemein sind, rein zu erhalten. Als ihn seine Eltern an den Hof Clotans III. schickten, erhielt er die Stelle eines Obermundschenks. Das Vorhaben, ihn zu verheiraten, vereitelte er dadurch, dass er auf immer der Welt entsagte, den Hof mit Zustimmung des Königs wirklich verließ, und sich um das Jahr 668 in das Kloster Fontenelle oder des heiligen Wandregisilus im Cauxlande, zurückzog, dem damals der heilige Lambertus vorstand. Als er sein Noviziat beendet hatte, legte er die Klostergelübde ab. Durch seine außerordentliche Tugend fanden sich seine Vorsteher bewogen, ihn von dem heiligen Audónus, dem Erzbischof von Rouen, zum Priester weihen zu lassen. Er las jeden Tag die Heilige Messe, und um dieses hocherhabene Opfer desto würdiger darzubringen, wurde er selbst zum lebendigen Opfer durch beständige Übung der Abtötung.

 

Als kurz darauf der heilige Pascarius, der Bischof zu Nantes, ein Kloster stiften wollte, um den guten Geruch Jesu Christi in seiner Diözese zu verbreiten, ersuchte er den heiligen Lambertus, ihm einige seiner Jünger zu diesem Zweck zu geben. Der heilige Abt ließ sogleich zwölf seiner Klostergeistlichen unter der Anführung des heiligen Hermelandus nach Nantes abreisen. Der fromme Oberhirte empfing sie mit innigster Freudenbezeigung, und führte sie auf die Insel Aindre, die er für sie bestimmt hatte. Da errichteten sie zwei Kirchen, die eine unter der Anrufung des heiligen Petrus, die andere unter der Anrufung des heiligen Paulus. Pascarius weihte sie feierlich ein und gestattete den Religiosen viele Vergünstigungen. König Childebert III. bestätigte diese neue Anstalt, und nahm die Abtei unter seinen Schutz.

 

Die Abtei Aindre wurde bald sehr berühmt durch die große Anzahl und den Tugendglanz ihrer Bewohner. Man nahm daraus mehrere Pflanzungen, um die Häuser zu bevölkern, die die Frömmigkeit der Gläubigen an vielen Orten stifteten. Durch seine Wachsamkeit konnte der Heilige alle die zahllosen Arbeiten seines Amtes vollbringen. Er verließ jedes Jahr sein Kloster, um auf der Insel Aindrinette, die nicht weit davon entlegen war, die Fastenzeit zuzubringen. Dieses tat er, um sich desto besser zur Osterfeier vorzubereiten. Auch in seinem hohen Alter ging er von seiner Bußstrenge nicht ab. Was er seinen Schwächlichkeiten gestattete, war bloß, dass er sich seiner Amtsführung enthob. Deswegen befahl er seinen Geistlichen, zur Wahl eines Abtes zu schreiten. Unglücklicher Weise aber fiel sie auf Adalfrid, der für diese Stelle durchaus nicht geeignet war, aber bald darauf gestorben ist. Der Heilige setzte dann einen seiner Jünger, namens Donat, als Abt ein, nachdem er ihn vorerst in allen Pflichten eines guten Vorstehers unterwiesen hatte. Er selbst aber brachte seine noch übrigen Lebenstage als einfacher Mönch zu, starb dann um das Jahr 710 oder 720 und wurde in die Kirche des heiligen Paulus begraben. 15 oder 16 Jahre später brachte man seinen Leib in die Kirche zum heiligen Petrus. Er wird an diesem Tag im römischen Märtyrerbuch genannt. In der Bretagne hingegen verehrt man sein Andenken am 25. November, der vielleicht der Tag der Versetzung seiner Reliquien sein mag.

 

26. März

 

Der heilige Ludger, 1. Bischof und Bekenner von Münster,

+ 26.3.809 - Fest: 26. März

 

Sollte die Behauptung stimmen, dass der heilige Ludger aus dem Geschlecht der Grafen von Galen stammt, so hätten in der nahezu zwölfhundertjährigen Geschichte des Bistums Münster drei Männer aus dieser berühmten Adelsfamilie die Herde Christi im Münsterland mit Macht und Kraft geleitet. Ludger, der erste Bischof von Münster überhaupt, eröffnet die Dreierreihe. Der zweite ist Bischof Christoph Bernhard von Galen, der gleich nach dem Dreißigjährigen Krieg segensvoll in Münster wirkte, und der letzte von den dreien ist Kardinal Klemens August von Galen, der in unserer Zeit als der bekannte Löwe von Münster zu weltgeschichtlicher Größe emporstieg.

 

Ludger wurde um das Jahr 744 in Nordfriesland als Sohn vornehmer Eltern geboren. Der Großvater hieß Wursing und der Vater Thiatgrim. Wursing hatte vor dem Friesenkönig Radbod flüchten müssen und in der Fremde bei den Franken den christlichen Glauben angenommen. Als er in die Heimat zurückkehren konnte, war er mit seiner Familie eine Stütze für die Glaubensboten, und Willibrord und Bonifatius gingen in seinem Haus ein und aus.

 

Es lässt sich denken, dass der Umgang mit den genannten heiligen Männern auf den jungen Ludger nicht ohne Einfluss blieb. Auch er wollte wie sie Missionar unter den Heiden werden. In England holte er sich die Ausbildung für den geistlichen Stand. Sieben Jahre wirkte er dann mit sichtlichem Erfolg zu Dokkum, wo Bonifatius kurz zuvor von den Friesen erschlagen worden war. Vom Blut des Martyrers befruchtet, ging die Saat des Evangeliums herrlich auf, bis der Sachsenherzog Widukind, damals noch Heide, das Land mit Mord und Brand überzog, die Gotteshäuser in Asche legte, die Gläubigen tötete oder vertrieb und jedes Samenkorn des Christentums zertrat.

 

Das waren bittere Tage für den seeleneifrigen Missionar, aber den Mut verlor er deswegen nicht. Weil er indessen vorderhand in Friesland nichts ausrichten konnte, wallfahrtete er nach Rom und hielt sich einige Jahre in dem berühmten Kloster auf dem Cassinoberg auf, ohne selbst Mönch zu werden, denn er wollte sich nicht binden und frei sein, wenn die Umstände die Wiederaufnahme der Bekehrungsarbeit unter den Heiden ermöglichen sollten. Tatsächlich brauchte er gar nicht lange zu warten. Denn bald danach nahm Herzog Widukind den christlichen Glauben an. Da hielt es Ludger keine Stunde mehr im schönen Italien aus. Frohen Mutes nahm er wieder den Wanderstab zur Hand und kehrte heim. Es war aber damals gerade der Bischof von Trier gestorben, und Kaiser Karl der Große hätte es gern gesehen, dass Ludger den verwaisten Bischofsstuhl einnähme. Dieser lehnte jedoch bescheiden ab, indem er halb im Ernst und halb im Scherz sagte: „Herr Kaiser, das musst du doch verstehen, dass ein alter Missionar kein Sitzfleisch hat.“ Da lachte Karl und ließ Ludger ziehen.

 

So kam der Heilige in den geliebten Norden zurück, gründete hart an der Stammesgrenze zwischen Franken und Sachsen zu Werden an der Ruhr ein Kloster für die Ausbildung von Missionaren und erbaute mitten im Heidenland zu Münster in Westfalen einen Dom. Auch anderswo erstanden Gotteshäuser und Schulen, und langsam wurde das Land christlich. Nicht Karl der Große hat die Sachsen christlich gemacht, wie es die Geschichte behauptet. Nein, Karl der Große hat durch überlegene Waffengewalt den Sachsen nur den Nacken gebogen, aber ihre Herzen hat einzig Ludger besiegt durch Milde, Güte und Liebe. Welch ein Segen von diesem Missionar ausgegangen ist, ersieht man daraus, dass das westfälische Münsterland heute noch katholisch ist und es wohl auch bleiben wird, denn wenn die Sachsen etwas aus Überzeugung annehmen, halten sie daran fest bis zum Weltuntergang.

 

Nachdem Ludger, der Missionar ohne Sitzfleisch, zwischen Münster und Werden auf allen Wegen und Stegen, landauf und landab, kreuz und quer jahrelang als eifriger Missionar umhergewandert war, ließ er sich gegen Ende des Lebens endlich auch die Bischofsweihe erteilen, und so ist er als der erste heilige Bischof von Münster und als der erfolgreiche Apostel der Sachsen in die Geschichte eingegangen.

 

Der heilige Kastulus, Palastbeamter und Martyrer von Rom,

+ 26.3.286 – Fest: 26. März

 

Der heilige Kastulus zeichnete sich während der wütenden Christenverfolgung des grausamen Kaisers Diokletian durch einen unerschrockenen Mut und Eifer aus. Er war ein angesehener Bediensteter im kaiserlichen Palast, achtete aber die Gunst des heidnischen Regenten so wenig, dass er gegen dessen Verbot alle verfolgten Christen in seinem Haus verbarg und sie zur Standhaftigkeit im Glauben aneiferte. Durch Wunder und Wohltaten führte er viele Heiden zur Erkenntnis des wahren Gottes, denen der heilige Papst Cajus, der ein Blutsverwandter des Kaisers Diokletian war, die heilige Taufe erteilte. Zweimal wurde Kastulus von den Götzenpriestern als Christ angegeben und aller Drohungen ungeachtet besuchte er mit dem heiligen Tiburtius die Gefangenen Gläubigen in ihren Gefängnissen, sprach den Martyrern Mut während ihrer Leiden zu und beerdigte ihre Leichname. Um das Jahr 286 aber wurde er vor ein öffentliches Gericht geführt und zum Götzenopfer aufgefordert. Da er bei dieser Gelegenheit den Unsinn und die Schändlichkeit des Heidentums bewies und unerschrocken die anwesenden Götzendiener zum Glauben an den wahren Gott ermahnte, verurteilte ihn der Richter zum Tod. Mit hoher Freude, dass er des Martertums gewürdigt wurde, folgte er seinen Mördern zum Richtplatz, wo er zuerst grausam gegeißelt, dann lebendig in eine Grube gestürzt wurde, die man mit viel Sand zuschüttete. Dieses geschah am 26. März an der lavicanischen Landstraße. Nachdem die Verfolgung beendet war, erhoben gottesfürchtige Christen die Reliquien des heiligen Martyrers und beerdigten sie an einem geweihten Ort.

 

Der heilige Braulius, Bischof zu Saragossa, Spanien,

+ 26.3.646 – Fest: 26. März

 

Dieser in der Kirche Gottes berühmte Heilige war aus königlichem Geblüt entsprossen und weihte sich von Jugend auf der Enthaltsamkeit und den Heilswissenschaften. Wegen seiner gründlichen Gelehrsamkeit und hohen Tugenden zeichnete ihn der heilige Isidor, Bischof zu Sevilla, mit einer besonderen Liebe und Hochachtung aus und wählte ihn zu seinem Erzdiakon. Nach dem Tod des ehrwürdigen Bischofs Johannes von Saragossa in Spanien, wurde er auf eine göttliche Offenbarung zu dessen Nachfolger ernannt. Er trat das bischöfliche Amt nach einer sorgfältigen Vorbereitung mit dem innigsten Gefühl der Unwürdigkeit und Demut an. Durch sein sanftes und freundliches Benehmen zog er alle Herzen an sich, denn er war ein vollkommenes Muster eines apostolischen Oberhirten und leuchtete sowohl seiner Geistlichkeit als dem gläubigen Volk als ein Beispiel hoher Gottseligkeit und wahrer christlicher Tugend vor. Unermüdlich predigte er selbst seiner Gemeinde das Wort Gottes und seine Reden und Ermahnungen kamen aus einem Herzen, das mit einem felsenfesten Glauben und mit der brennendsten Liebe zu Gott und den Menschen erfüllt war. Als ein Feind des Irrtums und Aberglaubens eiferte und kämpfte er stets gegen die Arianer und vertilgte im Verein mit dem heiligen Isidor ihre ketzerischen Lehren beinah ganz in der spanischen Kirche. Auf der fünften und sechsten Kirchenversammlung zu Toledo war er einer der eifrigsten Bischöfe in Verteidigung des reinen Glaubens und er ist auch der Verfasser der Verordnungen und Kirchengesetze, die von den versammelten Vätern zur Aufrechterhaltung des Christentums und zur Verbreitung der Sittlichkeit gemacht wurden. Er schrieb viele christliche Werke, die von seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit zeugen und starb im hohen Ruf der Heiligkeit am 26. März 646, nachdem er sein Bistum zwanzig Jahre lang rühmlich und segensvoll verwaltet hatte.

 

27. März

 

Der heilige Johannes von Damaskus, Priester und Kirchenlehrer,

+ 6.5.749 - Fest: 27. März

 

In alter Zeit waren alle Länder rund um das Mittelmeer christlich, bis im siebten Jahrhundert die Mohammedaner von Arabien aus in einem gewaltigen Siegeszug vorrückten, mit Feuer und Schwert das Christentum ausrotteten und die Gläubigen in den unterdrückten Gegenden auf die unmenschlichste Art quälten. Nachdem die Mohammedaner Jerusalem erobert hatten, fiel bald danach die Stadt Damaskus in ihre Hände, die in der Folgezeit zur Hauptstadt des mohammedanischen Reiches erhoben wurde, weil dort der Kalif, das ist der oberste Herrscher aller Moslems, seinen Wohnsitz aufschlug. Die Kalifen waren grausame Tyrannen. Nur einer von ihnen machte eine rühmliche Ausnahme, denn er ließ sich vom Geist der Menschlichkeit leiten und übertrug sogar einem gelehrten und angesehenen Christen die Statthalterschaft über Damaskus. Johannes hieß der Mann, den man zur Unterscheidung von vielen anderen Namensvettern nach seiner Heimatstadt Johannes von Damaskus nennt.

 

Es wütete damals der sogenannte Bilderstreit. Irrlehrer erklärten die Verehrung des Kreuzes und der Heiligenbilder als Abgötterei. Leo III., der oströmische Kaiser in Konstantinopel, mischte sich unberechtigterweise in den Streit ein und erließ scharfe Befehle gegen die Bilderverehrung. Das tat er nur deswegen, um sich bei dem benachbarten mächtigen Kalifen in Damaskus beliebt zu machen, dem wie allen Moslems die Bilderverehrung nach der Lehre Mohammeds ein Gräuel war. In Damaskus jedoch erhob sich gegen die Erlasse des oströmischen Kaisers der christliche Statthalter Johannes und tadelte in Reden und Briefen das ungehörige Vorgehen Leos III. Als dieser davon Kunde erhielt, beschloss er, den kühnen Mann mundtot zu machen. Und weil er ihm mit Gewalt nicht beikommen konnte, verfiel er auf eine geradezu teuflische List.

 

Der Kaiser schickte nämlich dem Kalifen einen Brief, den er, wie er in einem Begleitschreiben lügnerisch behauptete, von dem Statthalter Johannes erhalten habe. Es war ein gefälschter Brief mit den nachgeahmten Schriftzügen des angeblichen Absenders. Und es stand darin die Aufforderung, Leo solle mit einem Heer gegen Damaskus ziehen, dann wolle er, Johannes, ihm zur rechten Zeit die Stadttore öffnen. Diesen gemeinen Brief schickte der hinterhältige Kaiser dem Kalifen als offensichtlichen Beweis seiner aufrichtigen Freundschaft.

 

Als der Kalif das gefälschte Schreiben erhielt, geriet er in eine rasende Wut. Sofort ließ er den Statthalter vor sich rufen und legte ihm den Brief vor. Johannes las ihn und beteuerte mit einem Eid, dass er ihn nicht geschrieben habe. Der erboste Kalif glaubte jedoch den Worten nicht und ließ, blind vor Zorn, dem Statthalter durch den Scharfrichter die rechte Hand abschlagen, jene Hand, die den verräterischen Brief geschrieben haben sollte.

 

Das war schlimm und grausam, aber gleich darauf ereignete sich ein großes Wunder. Als sich nämlich der erste starke Blutstrom verlaufen hatte, kniete sich Johannes hin, betete eine Weile, nahm mit der linken die rechte Hand, hielt sie an den Armstumpf, und siehe, Hand und Arm wuchsen unter den staunenden Augen der Anwesenden wieder zusammen, so dass nicht einmal eine Narbe zurückblieb.

 

Nach dem Wunder nahm der Kalif natürlich alles zurück, was er gesagt hatte, und wollte den Statthalter reichlich für das Unrecht entschädigen, das er ihm im Zorn zugefügt hatte. Aber Johannes hatte genug von der Falschheit der Welt, er trat in ein Kloster bei Jerusalem ein und verteidigte ab jetzt in Rede und Schrift den heiligen katholischen Glauben vor allem gegen die Bilderstürmer in der damaligen Zeit. Und so wurde aus dem ehemaligen hohen Staatsbeamten zum Schluss ein Kirchenlehrer, jener Kirchenlehrer, der uns den schönen Bildschmuck in unseren Kirchen und Häusern gerettet hat. Selbstverständlich beten wir die Bilder nicht an, denn das wäre Götzendienst. Allerdings halten wir die Bilder in Ehren, wie wir auch die Bilder von Vater und Mutter in Ehren halten, und es liegt auf der Hand, dass das so richtig ist.

 

Der heilige Rupert, Bischof und Bekenner von Salzburg,

+ 27.3.718 - Fest: 27. März

 

Im 8. Jahrhundert herrschten an der Donau heillose Zustände. Wohl lebte das Volk, damals noch heidnisch, im Überfluss, denn das gesegnete Land schwamm in Kühen und Korn, aber die Menschen waren rau und roh. Streithähne waren es, denen der Dolch locker im Gurt saß. Sie aßen und tranken und hatten alle Tage Festgelage, die selten ohne blutige Händel und Schlägereien abliefen. Allerorts stieß man auf Männer und auch auf Frauen, die einarmig, einbeinig, einäugig, einohrig oder mit eingeschlagener Nase oder mit zahnlosem Mund einhergingen. Es waren die Opfer der Rauflust. Dazu kamen Diebstahl und Raub von Menschen und Vieh, einer verwüstete dem anderen die Äcker, einer versetzte dem anderen die Grenzsteine auf den Feldern.

 

Dass es nicht so weitergehen konnte, sah auch der heidnische Bayernherzog Theodo ein, und als er von seiner christlichen Gemahlin Regintrud hörte, dass sich zu Worms ein tüchtiger Bischof mit Namen Rupert aufhalte, schickte er einen Boten an den Rhein und ließ dem Gerühmten sagen, er möge zu ihm kommen und ihn und sein Volk bekehren. So gelangte Rupert vom Rhein an die Donau, und wieder einmal stand der rechte Mann am rechten Platz.

 

Rupert kam und musste unter unsäglichen Beschwerden die wilden Sitten der Leute ausrotten, musste die Gottessaat des Evangeliums ausstreuen, musste die christliche Liebe pflanzen und christliche Bräuche verbreiten, und immer wieder überwucherte das alte Heidentum die junge Gottessaat an der Donau. Da musste er von neuem jäten und frische Setzlinge in den Boden stecken, bis endlich nach zwanzigjähriger unverdrossener Arbeit das schwere Werk gedieh und herrliche Früchte zeitigte.

 

Die letzte Zeit seiner achtzigjährigen Laufbahn verbrachte der heilige Rupert in der von ihm gegründeten Stadt Salzburg, die er zu seinem Bischofssitz gemacht hatte, und nachdem sein Leben wie eine einzige lange Karwoche verstrichen war, brach für ihn ein herrlicher Auferstehungsmorgen an. Lange schon hatte der Heilige krank zu Bett gelegen, aber am Ostertag des Jahres 718 erhob er sich vom Lager, hielt mit letzter Kraft im Dom ein feierliches Amt, reichte sich selbst die heilige Wegzehr, ließ sich von einem Priester die Heilige Ölung spenden und starb gleich hernach wie ein Held nach gewonnener Schlacht, um wie der auferstandene Heiland mit der Siegespalme in der Hand einzugehen in das ewige Reich.

 

Wenn man es recht betrachtet, so ist das Leben eines jeden Christen wie eine immerwährende Karwoche, der, sofern er dem lieben Heiland willig und geduldig das Kreuz nachgetragen hat, ein herrlicher Ostermorgen folgt, der niemals enden wird.

 

Der selige Konrad von Seldenbüren,

Stifter von Engelberg in der Schweiz, Laienbruder, Märtyrer,

+ 2.5.1126 – Fest: 2. Mai,

und die seligen Äbte Adelhelm I. von Engelberg,

+ 25.2.1131 – Fest: 25. Februar,

und Frowin von Engelberg,

+ 27.3.1178 – Fest: 27. März

 

Das Geschlecht der Edlen von Seldenbüren (Sellenbüren) könnte man ein Geschlecht der Klostergründer nennen. Schon um das Jahr 945 hatte Reginbert im Schwarzwald das Kloster St. Blasien gegründet, das unter dem großen Abt Gerbert im 18. Jahrhundert eine so großartige Blüte erleben sollte. Heinrich von Seldenbüren gründete 1030 das Kloster Muri im Aargau, das nach der Aufhebung im 19. Jahrhundert vom Staat als Armenanstalt eingerichtet wurde. Wenn nun der junge Konrad die Bilder der ehrwürdigen Ahnen staunend betrachtete und in müßigen Stunden in der alten Burgchronik blätterte, kann es uns dann wundern, wenn auch er einem Reginbert oder Heinrich nicht nachstehen wollte? Der Gedanke Gott eine Stätte des Lobes zu bereiten, den Menschen einen Ort des Gebetes und der Fürbitte, den Armen einen Quell des Trostes und der Erquickung, den auf den rauen Höhen und in den schneeigen Tälern Verirrten ein rettendes Dach, der Welt einen Hort der Kunst und Wissenschaft zu schaffen, dieser Gedanke wollte ihm nicht mehr aus dem Kopf. Immer wieder dachte er daran, wie er die Mittel schaffen könne, auf seinen Ritten und Jagden suchte er nach einem geeigneten Ort, ja manchmal glaubte er schon den weihevollen Klang der Psalmen vom Chor der Mönche her zu hören. Konrad befand sich wieder einmal auf einem solchen Ritt, er war von seiner Seldenburg am Westfluss der Albis bei Zürich über den Zuger- und Vierwaldstättersee gekommen und hatte sich von Stans aus mühsam durch die wilden Schluchten hinaufgearbeitet, über Grafenort bis an den Fuß des Engelbergs. Die Gegend gefiel ihm und ohne langes Bedenken war sein Entschluss gefasst: Hier sollte sein Lebenswerk erstehen. Freudigen Herzens ritt er wieder zu Tal auf seine verstreuten Gehöfte, und was dort an Kräften irgendwie entbehrlich war, musste hinauf auf die Berge, um Stein und Holz herzurichten für den Klosterbau. Bald herrschte auf den unbewohnten Höhen frisches, reges Leben; durch die stille Einsamkeit riefen menschliche Stimmen, hallte das Eisen der Äxte, die die Baumriesen stürzten, und der Meißel, der die Steine bearbeitete. Endlich war ein ansehnlicher Fleck gerodet, die Grundmauern wurden tief in die Erde gesenkt und bald erhob sich das Kloster im Rohbau. An der Stelle, wo einst der Waldbär seine Höhle bewohnt hatte, wurde der Hauptaltar errichtet. Der 1. April 1120 wird von der ältesten Chronik von Engelberg als Gründungstag überliefert.

 

Kloster und Kirche waren fertig, die toten Mauern warteten nur noch, dass man sie belebte. Konrad hatte inzwischen schon Umschau gehalten unter den Klöstern, aus denen er die Mönche für seine Stiftung nehmen sollte. Damals entfaltete gerade St. Blasien im Schwarzwald eine fruchtreiche Tätigkeit in der Besiedelung und Neugründung von Klöstern; im Mutterkloster selbst herrschte musterhafte Zucht und Ordnung. Ein Ahne Konrads hatte es vor 200 Jahren gegründet. St. Blasien also konnte Konrad seine Gründung wohl übergeben und hatte dabei die sichere Gewähr, dass sie sich bald selbstständig in die Höhe arbeiten könne. Adelhelm, der später der erste Abt des Klosters wurde, zog mit zwölf in der Ordenszucht erprobten Mönchen in das neue Kloster ein. Noch ist im Klosterarchiv die Urkunde vorhanden, datiert vom 22. November 1122, gemäß der „der edle Mann Konrad . . . den Ort Engelberg selbst mit allen gegenwärtigen und späteren gesetzlichen Gerechtsamen und Zugehörden . . . auf dem Altar der heiligen Maria Gott dem Herrn . . . als unanfechtbares Eigentum des genannten Klosters dem Vater Adelhelm und seinen Nachfolgern . . . abgetreten, überantwortet und übergeben“ hat. Diese Übergabe geschah in damaliger Zeit in einer sehr sinnvollen Zeremonie. Der Eigentümer nahm nämlich ein Rasenstück oder etwas Erde von seinem Grundstück, das er vergeben wollte, trug es in die Kirche und legte es auf den Hochaltar, in dem die Reliquien der Kirchenpatrone eingeschlossen waren und übergab dadurch sein Eigentum Gott und den Heiligen gleichsam persönlich als Geschenk und als Gegenstand ihres Schutzes. Das anwesende Volk wurde dabei in einer feierlichen Erklärung von dem Geschehenen in Kenntnis gesetzt und als Zeuge für alle Zukunft und gegen jedermann angerufen. Um seinem großen Werk das Schlusssiegel aufzudrücken, erwirkte Konrad noch Schutzbrief und Privilegien von Papst Kalixt II. und Kaiser Heinrich V. Seitdem hat sich der Gottespreis der Bergeshäupter vereinigt mit dem Gotteslob der Mönche. Wenn der Sturm um die Felsengrate jagt und seine langgezogenen Weisen singt, dann ertönen im Chor der Mönche die feierlichen Klänge des Chorals; wie die Berge ihre Riesenhände bittend zum Himmel recken, so falten sich still in den Zellen der Brüder die müden Hände zum Gebet, hier hat die Natur mit dem Menschen eine Harmonie gefunden. Konrad hatte dem Schöpfer der ganzen weiten Welt ein Werk der Ehre bereitet und das war auch sein eigentliches Ziel, das war sein Lebensberuf: Gott zu Ehren alles tun und das Heil des Nächsten wirken. Was außerhalb dieses Zieles lag, das war ihm Sünde, das durfte und wollte er nicht tun. Aber je konsequenter Konrad diesen Gedanken durchdachte, desto mehr kam es ihm zum Bewusstsein, wie der ganze Mensch mit all dem Seinen zu Gottes Ehre geschaffen sei; weil aber das Fleisch so schwach sei, dass der Mensch in der Welt dieses Ideal niemals vollkommen verwirklichen könne, so müsse er sich zum ausschließlichen Dienst Gottes von der Welt absondern. Konrad verbarg sich nicht vor diesem Gedanken und der Folgerung, die sich daraus für ihn ergab, denn Denken und Tun war ihm eins: er trat in das von ihm gegründete Kloster unter Abt Adelhelm als einfacher Laienbruder ein. Sein jungfräulicher Leib sollte nunmehr allein Gott zu Ehren seine Kräfte verzehren. Seinen freien Sinn beugte er voll Demut unter das Joch des Gehorsams; die Hand, die einst nur den Degen des freien Mannes geführt hatte, griff zur gewöhnlichen Arbeit seiner Knechte, er, der einst durch Berge und Tal, durch die wilde Schlucht und den dunklen Wald dem Wild nachjagt hatte, ging nur mehr dorthin, wohin der Obere ihm befahl. Gott gewährte ihm die Gnade, dass er in diesem Gehorsam sich selbst zum Schlachtopfer bringen durfte. Ein weltlicher Nachbar des Klosters beanspruchte einige Grenzgebiete des Klosters als sein Eigentum. Abt Adelhelm hatte nun keinen besseren Zeugen für die Rechtmäßigkeit seines Besitzes als Konrad, den einstigen Besitzer dieser Gebiete. Ihn schickte er deshalb, den unseligen Streit zu schlichten. Konrad ging willig und gerne hin, um das gottgeweihte Gut zu verteidigen. Beide legten die strittigen Punkte des Prozesses klar, als man dann auf die Auseinandersetzung über sie einging, wurde Konrad unversehens vom anderen angefallen. Aus zwei tiefen Wunden blutend, stürzte Konrad zusammen um als ein Märtyrer der Gerechtigkeit zu sterben, am 2. Mai 1126. Seine Leiche wurde im Triumphzug nach Engelberg zurückgetragen und im Chor der Kirche beigesetzt. In der neuen Kirche ruhen die Überreste des seligen Stifters seit 1743 in einem altarähnlichen Aufbau links vom Eingang der Kirche. Auf seine Fürbitte hin geschahen an seinem vielbesuchten Grab zahlreiche Gebetserhörungen.

 

Der selige Stifter war tot, doch über seinen Gebeinen hob sich das Werk. Die Klostergebäulichkeiten erhielten einen stattlichen Umfang, man legte auch schon in der Umgegend neue Gehöfte an, um dem fruchtbaren, aber noch gänzlich ungepflegten Boden mühsam das tägliche Brot abzuzwingen. Abt Adelhelm war es, der elf Jahre lang mit unermüdlichem Eifer die Gemeinde leitete und die wirtschaftliche Hebung des Klosters betrieb. Doch ging er in dieser Sorge um die äußere Sicherstellung des Klosters nicht auf. Er war ein Mann voll Tugend und Heiligkeit, dem seine Zeit die Gabe der Prophezeiung nachrühmte und den die Nachkommen als Seligen verehrten. Als Todestag bezeichnet das Sterbebuch den 25. Februar 1131. Seine spärlichen Gebeine wurden 1743 in ein Grabmal, ähnlich dem des Stifters in der Seitenkapelle rechts vom Eingang eingeschlossen.

 

Noch tatkräftiger und energischer als Adelhelm wirkte der gottselige Abt Frowin, der von 1143 bis 1178 das Kloster leitete. Er besaß ein besonderes Talent, sowohl anderen Arbeitsgebiete zu eröffnen, wie auch selbst sie zu pflegen. Im Kloster richtete er eine Schule ein, wie sie in allen größeren Klöstern des Mittelalters zur gewöhnlichen Einrichtung gehörte, eine Schule für den Nachwuchs des Klosters, dann eine zweite für die Söhne der Adeligen. Die Mönche, die in der Schule keine Beschäftigung fanden, mussten in der geräumigen Schreibstube alte Handschriften abschreiben. Man kann es fast kein Schreiben mehr nennen, das war schon ein fein säuberliches Malen, das ihre ganze Fingergelenkigkeit, ihre Geduld und Ausdauer, ihr künstlerisches Zartgefühl, ihre kindliche Phantasie beanspruchte; ja nicht wenige haben uns darin, besonders in den kunstvoll verzierten Anfangsbuchstaben, den sogenannten Initialen, ein Stück ihrer Seele überliefert. Das Ziel, das Frowin bei allen Beschäftigungen verfolgte, war die Vermeidung des Müßiggangs, der aller Laster Anfang auch im Kloster ist, den der heilige Ordensvater Benedikt mit solcher Schärfe aus dem Kloster verbannt wissen will. Abt Frowin ging selbst mit dem besten Beispiel voran. Obwohl die ganze Last der Klosterverwaltung auf ihm lag, obwohl er sein reich entwickeltes Innenleben in keiner Weise verkümmern ließ, fand er doch noch Zeit, seine Gedankenfülle auf dem Pergament festzuhalten. Seine bekanntesten Schriften sind die über das Gebet des Herrn und über den freien Willen. Unter Abt Frowin, Todestag 27. März 1178, steht Engelberg wohl auf dem Höhepunkt seiner ersten Blüteperiode. Und das Fundament zu dem hocherwachsenen Bau bildeten die Grundsätze, die Konrad einst das Kloster hatten gründen lassen: Gottes Ehre und der Seelen Heil.

 

Gottes Ehre und der Seelen Heil, das ist der einzige echte Inhalt eines christlichen Lebens. So wie wir Menschen nun einmal sind, müssen wir uns nehmen: den immerwährenden Zwiespalt zwischen Geist und Fleisch können wir nicht aufheben. Wir werden es immer wieder erleben müssen, dass das Leibliche in uns die Oberhand zu gewinnen sucht, dass wir oft schmählich von ihm überwältigt werden. Aus uns allein werden wir dem Geist nie zum Sieg verhelfen können. Das kann nur einer, der uns rein und stark geschaffen, der uns erlöst hat, der kann uns heiligen, kann uns stärken, kann uns selig machen. Ihm allein also gebührt alle Ehre. Ihm soll unsere Lebenskraft, Leib wie Geist geweiht sein, ihm wollen wir mit der ganzen Schöpfung ein großes Loblied singen: „Ehre sei Gott in der Höhe!“ „Und Friede den Menschen auf Erden“ schließt sich unwillkürlich daran. Friede aber lässt sich nur dann im Menschenherzen nieder, wenn die Seele sich gefunden hat in Gott. Dass wir den Menschen auf den Weg zu Gott verhelfen, das ist also unsere zweite Aufgabe, die sich folgerichtig aus der ersten ergibt. Seelen zu Gott zu führen, das ist die Krone der Nächstenliebe.

 

Der heilige Johannes aus Ägypten, Einsiedler,

+ 394 – Fest: 27. März

 

Der heilige Johannes, geboren um das Jahr 305, war von sehr niederer Herkunft und erlernte in seiner Jugend das Zimmermannshandwerk. In seinem 25. Lebensjahr verließ er die Welt und begab sich unter die Leitung eines alten Einsiedlers, der in seinem Lehrjünger eine Demut und Einfalt antraf, die ihn in Staunen setzten. Er befahl ihm, um ihn in der Übung des Gehorsams zu erhalten, mehrere Dinge, die in den Augen der Welt lächerlich scheinen dürften, z.B. zwei Mal des Tages einen abgestandenen Baumstamm zu begießen. Dies tat Johannes ein ganzes Jahr lang mit absoluter Genauigkeit. Eben dieser Demut und Folgsamkeit schreibt Cassianus die außerordentlichen Gnaden zu, womit ihn Gott in der Folge begünstigte. Er blieb bei dem guten Greis, so lange er lebte, d.h. etwa 12 Jahre. Danach brachte er noch vier Jahre in verschiedenen benachbarten Klöstern zu.

 

Ungefähr in seinem 40. Lebensjahr zog er auf einen ganz einsamen Felsen nahe bei Lycopolis. (Diese Stadt, in der Meletius der Schismatiker zu Anfang des 4. Jahrhunderts Bischof war, lag nördlich von der Thebais in Ägypten.) Er vermauerte den Eingang in seine Zelle und ließ nur ein kleines Fenster offen, durch das man ihm seinen Lebensbedarf reichte: durch dieses Fensterchen erteilte er auch Unterricht denjenigen, die ihn besuchten. 5 Tage in der Woche unterhielt er sich mit Gott allein. Man sah ihn nur am Samstag und Sonntag, und dies war nur den Männern gestattet. Er nahm täglich nur ein klein wenig nach Sonnenuntergang zu sich. Nie aß er Brot oder sonst gekochte Speisen. So lebte er bis in sein 90. Lebensjahr. Bei seiner Zelle erbaute man eine Art Herberge, wo seine Jünger die Fremden empfingen. Die Gabe der Weissagung besaß er im höchsten Grad und offenbarte denen, die ihn besuchten, ihre verborgensten Sünden und ihre geheimsten Gedanken. Auch hatte er die Wundergabe und heilte mit geweihtem Öl die Kranken. Solche Wunderdinge erwarben seinem Namen bald hohe Berühmtheit.

 

Als Kaiser Theodosius I. über den Krieg, den er gegen den Tyrannen Maximus zu unternehmen im Begriff stand, ihn zu Rate zog, antwortete er ihm, dass er ohne großes Blutvergießen den Sieg davontragen werde. Da der Fürst an der Erfüllung der Weissagung nicht zweifelte, rückte er gegen das Abendland vor, und schlug Maximus zwei Mal in Pannonien. Hierauf setzte er über die Alpen, nahm in Aquileja den Tyrannen gefangen, dem die Soldaten den Kopf abschlugen, und kehrte nach Konstantinopel zurück, überzeugt, dass er dem Gebet des Heiligen diesen glänzenden Sieg zu verdanken habe. Bei anderen Gelegenheiten erfuhr er ebenfalls, dass Johannes mit dem prophetischen Geist begnadet sei.

 

Als sich Eugenius im Abendland um das Jahr 392 den Purpur anlegte, schickte Theodosius den Oberkämmerer Eutropius nach Ägypten, mit dem Befehl, den Heiligen mit sich nach Konstantinopel zu führen oder wenigstens ihn zu befragen, ob er dem Aufrührer entgegen gehen oder ihn im Morgenland erwarten sollte. Johannes verbat sich die Reise in die Kaiserstadt und sagte, Theodosius würde siegen, aber nicht ohne großen Verlust. Er fügte noch hinzu, dass er in Italien sterben und ihm einer seiner Söhne im Abendland auf dem Thron nachfolgen würde. Auch diese Prophezeiung wurde buchstäblich erfüllt.

 

Wir haben schon bemerkt, dass sich der Heilige zum Gesetz gemacht hatte, keine Frau zu sehen. Dies veranlasste folgende Begebenheit, die hier angeführt zu werden verdient. Eines Tages besuchte ein Hauptmann den heiligen Johannes, und bat ihn, er möchte nicht übel aufnehmen, dass ihm seine Frau ebenfalls einen Besuch abstatte, und setzte noch bei, sie habe auf ihrer Herreise von Lycopolis große Gefahren und Schwierigkeiten zu bestehen gehabt, um dieses Glückes teilhaftig zu werden. Er erwiderte ihm, dass seit den vierzig Jahren, die er auf seinem Felsen zubringe, er sich zum unabänderlichen Gesetz gemacht habe, nie eine Frau zu sehen, und dass er ihn mithin bitte, er möchte sich durch diese Weigerung nicht beleidigt finden. Der Hauptmann ging sehr traurig hinweg, um seiner Frau den Misserfolg seines Gesuches zu hinterbringen. Des anderen Tages wiederholte er seine Bitten, und sagte dem Heiligen, seine Frau würde vor Schmerzen sterben, wenn ihr die Gnade, um die er in ihrem Namen anhalte, nicht vergönnt werden sollte. Hierauf antwortete ihm der Diener Gottes: „Geh hin zu deiner Frau und sage ihr, sie würde mich diese Nacht sehen, ohne das Haus zu verlassen.“ Der Mann und die Frau waren in sehnsuchtsvoller Erwartung, dieses Versprechen erfüllt zu sehen. Kaum war sie eingeschlafen, als ihr Johannes im Traum erschien, und sagte: „Frau, die Lebendigkeit deines Glaubens nötigt mich, hierher zu kommen. Dennoch muss ich dich ermahnen, nicht so zu verlangen, die Diener Gottes auf Erden zu sehen. Begnüge dich damit, dass du ihr Leben im Geist betrachtest, und ihrem Beispiel nachahmst. Woher kommt aber übrigens dieses große Verlangen mich zu sehen? Bin ich ein Heiliger oder ein Prophet? Ich bin nur ein schwacher Mensch und Sünder. Also bloß in Betracht deines Glaubens habe ich zu unserm Herrn meine Zuflucht genommen, der dich nun von allen deinen körperlichen Krankheiten befreit. Lebe fortan in der Furcht Gottes, und vergiss niemals seine Wohltaten.“ Er gab ihr noch andere Mahnungen zu einem christlichen Leben, worauf er verschwand.

 

Bei ihrem Erwachen erzählte die Frau ihrem Mann das gehabte Traumgesicht. Sie schilderte ihm so genau und treffend alle Umstände und Züge der Person, die ihr erschienen war, dass der Hauptmann keinen Zweifel mehr hegte, dass es der heilige Einsiedler war. Daher ging er gleich des anderen Tages zu ihm, um ihm seinen Dank für die seiner Frau erwiesene Gunstbezeugung abzustatten. Bei seiner Ankunft kam ihm Johannes zuvor und sagte ihm: „Ich habe getan, was du von mir verlangt hast. Ich habe deine Frau gesehen und sie in allem, was sie von mir begehrte, zufrieden gestellt. Gehe nun in Frieden.“ Der Hauptmann empfing dann noch den Segen von dem Heiligen, entfernte sich und setzte seine Reise nach Syene fort.

 

Die Geschichte, die wir soeben erzählt haben, verbürgen uns Evragius, Palladius und der heilige Augustinus. Letzterer sagt, er habe sie von einem sehr angesehenen und glaubwürdigen Mann, der sie von denjenigen, welche sie betraf, selbst vernommen hatte. Und setzte noch hinzu, dass, wenn er den heiligen Einsiedler selbst zu Gesicht bekommen hätte, er sich noch genauer danach erkundigt und ihn gefragt haben würde, ob er ihr wirklich in Person erschienen, oder ob es ein mit der äußeren Gestalt seines Körpers angetaner Engel, oder ob bloß die Einbildungskraft dieser Frau von einem Gesicht aufgeregt gewesen sei.

 

Mehrere von der Wüste Nitria entfernte Einsiedler, unter denen die vorzüglichsten Evagrius, Albinus, Ammonius und Palladius waren, hatten ein großes Verlangen, den Diener Gottes zu sehen. Letzterer, der später Bischof zu Helenopolis wurde, und das Leben des Heiligen beschrieben hat, reiste nach der Thebais ab zu Anfang des Juli 394, als eben der Nil ausgetreten war. Als er bei der Wohnung des heiligen Johannes anlangte, fand er die Tür des Vorzimmers, die vor der Zelle stand, verschlossen, und erfuhr sogar, dass sie erst am folgenden Samstag aufgetan wurde. Er wartete also auf diesen Tag in der Behausung, wo man die Fremden beherbergte. Und am Samstag trat er um die achte Stunde vor den Heiligen, den er am Fenster antraf, durch das er zu denen sprach, die sich Rat bei ihm einholten. Nachdem er Palladius begrüßt hatte, erkundigte er sich um sein Vaterland, um die Ursache seines Kommens, und fragte ihn, ob er nicht aus dem Kloster des Evagrius sei. Palladius beantwortete alle diese Fragen.

 

Indes kommt Alypius, der Befehlshaber der Provinz, der sehr geschäftig und zu eilen schien. Der Heilige verlässt Palladius, um sich mit dem Befehlshaber zu unterreden. Das Gespräch dauerte etwas länger und so murrte Palladius wider den ehrwürdigen Greis, als finde auch bei ihm der Vorzug der Personen statt. Er war sogar im Begriff, davon zu gehen, als ihm Johannes durch seinen Dolmetscher Theodosius sagen ließ, er möchte nicht ungeduldig werden, der Befehlshaber würde sogleich abtreten, und sie hätten alsdann noch Zeit, sich miteinander zu unterreden. Palladius betroffen, dass der Heilige also in seiner Seele lese, wartete, ohne mehr zu murren. Nach Alypius Abreise berief ihn Johannes, und bemerkte ihm: „Warum bist du ungehalten gegen mich, und warum hast du mich innerlich über Dinge beschuldigt, die doch nicht auf mir lasten? Kann ich ja doch immerhin mit dir sprechen, und wäre mir dieses auch nicht möglich, so gibt es ja noch Väter und Brüder, die dich über die Wege deines Heils belehren können. Nicht dieselbe Bewandtnis hat es mit Alypius, dem Befehlshaber. Der Mann ist versenkt im Gewühl zeitlicher Geschäfte, er nützt die wenigen Augenblicke, die er erübrigt, um wieder Atem zu schöpfen, und wollte geschwind einige heilsame Ermahnungen bei mir holen. War es nun billig, dass ich dir den Vorzug gäbe?“ Hierauf legte er ihm alles dar, was in seinem Herzen vorging, und gedachte auch der Versuchung, die ihn befallen hatte, die Einöde zu verlassen. Er ließ sich sogar in die besonderen Scheingründe ein, die ihm der böse Feind einflüsterte, um einen solchen Schritt zu rechtfertigen. „Er hat dir,“ fuhr er fort, „den Gram deines Vaters über deine Abwesenheit vorgestellt, und dir die Hoffnung vorgespiegelt, du würdest deinen Bruder und deine Schwester haben der Welt entsagt. Was deinen Vater angeht, so wird er noch sieben Jahre leben.“ Hierauf sagte er ihm, dass er zur Bischofswürde gelangen werde, wobei er aber große Verfolgungen zu bestehen hätte, was auch wirklich geschah.

 

Um dieselbe Zeit besuchte der heilige Petronius mit 6 anderen Mönchen den gottseligen Einsiedler. Als sie Johannes befragte, ob nicht ein Geistlicher unter ihnen wäre, antworteten sie ihm mit nein. Dennoch war einer aus der Gesellschaft Diakon, der es aber aus Demut immerdar verhehlt hatte, und wovon die anderen nichts wussten. Der Heilige, durch höheres Licht erleuchtet, deutete mit dem Finger auf ihn und sagte: „Der da ist Diakon.“ Er verneinte es, indem er fälschlich glaubte, eine Lüge würde aufhören Sünde zu sein, wenn man die Absicht habe, sich zu verdemütigen. Johannes fasste ihn bei der Hand, küsste sie, und sagte: „Mein Sohn, verleugne nie die Gnade, die du von Gott empfangen hast, und begehe niemals eine Lüge aus Demut. Man darf nicht lügen, selbst nicht unter dem Vorwand, dass etwas Gutes daraus entspringe, denn alles, was nicht der Wahrheit gemäß ist, kommt nicht von Gott.“ Der Diakon nahm den Verweis mit Ehrerbietung an.

 

Nach dem Gebet, das sie gemeinschaftlich verrichteten, bat einer aus der Gesellschaft den Heiligen, ihn von einem dreitägigen qualvollen Fieber zu befreien. „Du wünschst,“ entgegnete ihm Johannes, „von einem Übel, das dir heilsam ist, befreit zu werden: denn gleichwie man den Körper mit Salzasche (Soda) wäscht, so werden die Seelen durch Krankheiten und andere Leiden dieser Art gereinigt.“ Dennoch aber weihte er Öl und gab es dem Kranken, der sich dessen bediente und vollkommen geheilt wurde.

 

Als die Einsiedler in die Fremdenherberge zurückgekehrt waren, wurden sie mit der herzlichsten Liebe bewirtet. Sie besuchten zum zweiten Mal den Heiligen, der sie mit viel Freude aufnahm. Er bat sie, sich niederzulassen, und hielt an sie eine Rede, in der er, nachdem er ihnen von seinem Elend und seiner Niedrigkeit gesprochen hatte, sie lehrte die Eitelkeit und den Stolz auszurotten, und sich die verschiedenen Tugenden erringen. Er führte ihnen das Beispiel mehrerer Einsiedler an, die, weil sie sich von einer geheimen Eitelkeit haben beschleichen lassen, in grobe Fehler gefallen sind. Einer dieser Einsiedler, der sich vom Geist des Hochmutes hatte berücken lassen, beging zuerst das Laster der Unreinigkeit, dann verfiel er in Verzweiflung und stürzte sich endlich in alle Freveltaten. Die Sünde der Unlauterkeit bewirkte in einem andern, dass er die Einöde verließ: aber eine Predigt, der er zufälligerweise beiwohnte, öffnete ihm die Augen. Er kehrte in sich zurück und wurde ein Muster der Bußfertigkeit. Als Petronius und seine Gefährten abreisen wollten, gab ihnen der Heilige noch seinen Segen mit den Worten: „Ziehet in Frieden, meine Kinder, und wisst, dass die Nachricht des über den Tyrannen Eugenius durch den frommen Kaiser Theodosius erfochtenen Sieges heute zu Alexandrien eingetroffen ist. Allein dieser vortreffliche Kaiser wird bald sein Leben durch einen natürlichen Tod beschließen.“

 

Der Heilige starb kurz darauf, wie er es vorhergesagt hatte. In den drei letzten Tagen seines Lebens wollte er niemanden mehr vor sich lassen. Er warf sich dann zum Gebet auf die Knie, und gab ruhig den Geist auf zu Ende des Jahres 394 oder zu Anfang des folgenden Jahres. Es ist wahrscheinlich, dass sein Tod am 17. Oktober sich ereignete, an welchem Tag die Kopten und Ägypter sein Fest begehen. Die lateinischen Martyrologien setzen seinen Namen auf den 27. März.

 

Glückselig derjenige, der Mut genug besitzt, die Welt zu fliehen, in der Absicht, seine Tage den Tränen der Buße und der Beschauung himmlischer Dinge zu weihen! In der Abgeschiedenheit wird er eine unversiegbare Quelle von Süßigkeiten und Tröstungen finden, die nur von jenen, die sie verkostet haben, gekannt sind. Die Einöde wird sich für ihn in ein wahres Paradies umwandeln. Seine liebste Beschäftigung wird sein, den Herrn zu loben und zu preisen, der ihm hienieden schon einen Vorgeschmack der Seligkeit der Auserwählten gibt. In sich verschlossen wird er keine andere Sorge mehr haben, als zum Urgrund seiner Unvollkommenheiten hinabzusteigen, um sich davon zu bessern, die Ausbrüche seiner Sinne durch die Abtötung zu dämpfen, die Bestrebungen seines Herzens zu läutern, alle eitle und schnöde Gedanken aus seinem Geist zu verbannen, mit einem Wort, neue Fortschritte zu machen in den Tugenden, die die Seele am Vollkommensten mit Gott vereinigen.

 

28. März

 

Der heilige Sixtus III., Papst und Bekenner von Rom,

+ 28.3.440 – Fest: 28. März

 

Der heilige Sixtus wurde in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts in Rom geboren und erhielt von seinem Vater Sixtus eine gottesfürchtige Erziehung. Wegen seiner besonderen Talente und seiner Frömmigkeit ließ ihm der Vater eine wissenschaftliche Bildung geben und der fleißige junge Mann machte bewunderungswürdige Fortschritte in der Gelehrsamkeit sowohl als in der christlichen Vollkommenheit, weil er überzeugt war, dass Wissenschaften ohne Tugend und Demut ein eitles Nichts seien und den Menschen nur verschlimmern. Von solchen frommen Gesinnungen durchdrungen, widmete er sich dem geistlichen Stand und wurde zum Priester geweiht. Dass er als Priester seine Pflichten getreu erfüllt und unermüdlich zur Verbreitung der heiligen Religion beigetragen habe, beweisen die Verfolgungen und Verleumdungen von Seite der Feinde Gottes. Damals versuchten die Pelagianer mit ihren schändlichen Irrlehren das reine Christentum zu verfälschen. Und weil sie besonders der Priester Sixtus mutig bekämpfte und die Gläubigen vor ihren Irrtümern warnte, streuten sie aus Hass gegen ihn allgemein die Unwahrheit aus, dass er im Geheimen ihr Anhänger sei. Diese Verleumdung widerlegte der heilige Augustinus, einer der gelehrtesten Kirchenväter, indem er ihm das Zeugnis gab, dass er einer der eifrigsten gewesen sei, der die Pelagianer schriftlich und mündlich bekämpfte und zur Verurteilung ihrer Lehre das meiste beitrug. Einen Beweis seiner Unschuld und Frömmigkeit finden wir auch darin, dass er im Jahr 432 einstimmig von der römischen Priesterschaft und dem gläubigen Volk zum obersten Hirten der Kirche gewählt wurde.

 

Der heilige Papst verteidigte die reine Lehre Jesu nicht nur gegen die Angriffe der Pelagianer, sondern auch gegen den Nestorius, den er in seinen Schriften gründlich widerlegte und mit väterlicher Liebe ermahnte, dem Irrtum zu entsagen und in den Schoß der Kirche zurückzukehren. Aber seine Liebe wurde mit Undank vergolten. Neuerdings verleumdeten ihn die Irrlehrer, unterstützt von einem gottlosen Menschen, den die Geschichte Bassus nennt, dass er mit einer Nonne gesündigt habe. Diese Beschuldigung erregte so großes Aufsehen in der Christenheit, dass der Kaiser Valentinian eine Kirchensynode zusammenrief, in der 56 Bischöfe die Klage streng untersuchten und den Heiligen ganz unschuldig fanden. Gegen Bassus und seine Anhänger wurde der Kirchenbann ausgesprochen. Der heilige Sixtus regierte die Kirche Gottes nur acht Jahre lang. Aber er machte während dieser Zeit die nützlichsten Anordnungen zur Wohlfahrt des Christentums und sorgte besonders dafür, dass alle Kirchenämter nur frommen und geprüften Männern anvertraut wurden. So setzte er den neugewählten Bischof von Ravenna ab und ernannte den heiligen Petrus Chrysologus an dessen Stelle. Auf die Zierde der Gotteshäuser verwendete er all sein Vermögen, wie er auch die Kirche zur Maria der Größeren ansehnlich erweiterte und sie mit vielen Gütern bereicherte. Mit größter Sorgfalt sammelte er die Namen der heiligen Bischöfe und Martyrer und ließ sie auf dem calixtinischen Gottesacker an einem besonders an einem besonders dazu errichteten Ort zum ewigen Andenken aufbewahren. Er weihte für verschiedene Kirchen 52 Bischöfe, 28 Priester und 12 Diakone und starb am 28. März des Jahres 440. Sein Leichnam wurde an der tiburtinischen Straße neben dem Grab des heiligen Laurentius beigesetzt.

 

Der heilige Gunthramnus, König und Bekenner in Frankreich,

+ 28.3.593 – Fest: 28. März

 

Gunthramnus war ein Sohn des Königs Clotar und folgte seinem Vater auf den Thron des burgundischen Reiches. Seine Untertanen verehrten ihn als einen gerechten und frommen Regenten. Obwohl er ein glücklicher Feldherr in allen seinen Kriegen war und jedes Mal über seine Feinde siegte, reichte er doch immer zuerst die Hand zum Frieden, weshalb ihn auch alle benachbarten Völker wie ihren Vater liebten und ihn als Schiedsrichter in den wichtigsten Angelegenheiten anriefen. Mit tiefer Ehrfurcht behandelte er die Bischöfe und Priester als die vorzüglichsten Stützen seines Reiches und hatte so große Achtung vor den Gotteshäusern, dass er seinen Todfeinden und Empörern, u.a. dem Grafen von Bordeaux, die sich in die Kirche des heiligen Martin flüchteten, nicht nur das Leben schenkte, sondern sie auch wieder gnädig aufnahm. Mit kindlicher Liebe hing er an dem heiligen Gregor, dem Bischof von Tours, den er persönlich besuchte und in allen Angelegenheiten seinen Rat befolgte. Er war ein Vater der Armen und nahm alle unschuldig Verfolgten in seinen Schutz, wie er auch eine Jungfrau öffentlich verteidigte, die den Herzog Amalus tötete, weil er sie mit Gewalt zur Unzucht zwingen wollte. In seinem Palast führte der mächtige König ein einsames und armes Leben. Denn bei Tisch führte er entweder gottselige Gespräche, oder es wurden heilige Psalmen gesungen. Er fastete streng und ausdauernd und wenn er den ganzen Tag hindurch mit Reichsgeschäften zugebracht hatte, widmete er die Nacht dem Gebet und den Betrachtungen. Neben den Bedrängten und Unglücklichen beschenkte er reichlich die Gotteshäuser und erbaute die Kirche des heiligen Marcellus nebst einem Kloster zu Challon, wie er auch das Kloster des heiligen Benignus in Dijon neuerdings mit ansehnlichen Stiftungen versah und den Mönchen daselbst eine Ordensregel vorschrieb. Er trug die größte Sorgfalt für die Erhaltung der alten strengen Kirchenzucht, weshalb er die Bischöfe des fränkischen Reiches zu Lion und zweimal zu Mascon versammelte und mit ihnen die Verordnungen machte, dass jeder Erzbischof in seinem Bistum alle Jahre eine Synode halten und besonders auf die Heiligung des Sonntags dringen und über die Sittlichkeit seiner Geistlichen und Mönche wachen sollte. Der heilige König starb im 33. Jahr seiner Regierung am 28. März 593.

 

Der heilige Priskus, der heilige Malchus und der heilige Alexander,

Blutzeugen zu Cäsarea in Palästina,

+ 253-260 – Fest: 28. März

 

Diese drei berühmten Christen führten ein heiliges und zurückgezogenes Leben auf einem Landgut bei Cäsarea in Palästina. Als unter Valerian das Feuer der Verfolgung entflammte, dachten sie oft an die glorreichen Triumphe der Märtyrer, und beschuldigten sich innerlich der Feigheit, weil sie, mutlosen Soldaten ähnlich, nicht Kraft genug hätten, ihren Gefährten in den Kampf zu folgen. „Wie,“ sagte einer dem andern, „wie, sollten wir noch lange zögern, durch die Himmelspforte, die uns geöffnet ist, einzugehen? Sollten wir so feige sein, und nicht leiden wollen für Jesus Christus, der unsere Seele gerettet hat durch seines Blutes Vergießung? Unsere Brüder laden uns ein, in ihre Fußstapfen zu treten. Wir vernehmen innerlich die Stimme ihres Blutes, die uns zum Kampf oder besser zum Sieg ruft: es ist Zeit, dass wir uns ergeben.“

 

Ermutigt durch das edle Feuer, das sie entflammte, gehen sie auf besondere Eingebung des göttlichen Geistes nach Cäsarea, stellen sich freiwillig dem Landpfleger und erklären ihm, dass sie Christen sind. Dieser hochherzige Schritt, der jedermann mit Staunen erfüllte, brachte den Richter in Wut. Er gab Befehle, man sollte die Blutzeugen verschiedenen Folterpeinigungen unterwerfen, worauf er sie zu den wilden Tieren verdammte. Die Namen dieser drei Heiligen findet man an diesem Tag im römischen Martyrologium.

 

Wenn Gott nicht verlangt, dass wir unser Leben aufopfern, so begehrt er wenigstens, dass wir nach der Vollkommenheit unseres Standes streben. Umsonst aber würden wir uns nach Vollkommenheit sehnen, wenn wir diese Sehnsuchtnicht immerhin nährten und kräftigten. Von dieser Bestrebung hangen alle unsere Fortschritte auf der Bahn des Heils ab. Sie ist gleichsam der Prüfstein, woran der eifrige Jünger von dem lauen unterschieden wird. Wie viele Christen täuschen sich aber hierin. Wie sollten wir wohl von ihnen glauben, sie eiferten für die Vollkommenheit ihres Standes, während sie kalt sind im Gebet, beherrscht durch die Eigenliebe, Sklaven ihrer Neigungen, Liebhaber der Zerstreuung und alles dessen, was sie hindert, wahrhaft geistige Christen zu werden. Freilich findet man Schwierigkeiten in der Übung des Gebetes und der Abtötung. Allein diese Schwierigkeiten sind, nach der Bemerkung der heiligen Theresia, mehr als zur Hälfte beseitigt, wenn man entschlossen ist, sich durch kein Hindernis abwendig machen zu lassen. Mut und Geduld krönen immer in den Heiligen, was eine hochherzige Entschließung bei ihnen begonnen hatte, mit dem herrlichsten Erfolg.

 

29. März

 

Der heilige Jonas und der heilige Barachisius,

Mönche und Märtyrer in Persien,

+ 24.12.327 – Fest: 29. März

 

Im 18. Jahr der Regierung des Königs Sapor erhob sich eine grausame Verfolgung gegen die Christen in Persien. Allenthalben erblickte man Blutströme, allenthalben Verwüstung der Kirchen und Klöster. Als Jonas und Barachisius, zwei Brüder aus der Stadt Beth-Asa, erfuhren, dass mehrere Gläubige zu Hubaham sollten hingerichtet werden, eilten sie sogleich dahin, in der Absicht, ihnen beizustehen und Mut zuzusprechen. Neun von ihnen erlangten auch die Märtyrerkrone.

 

Unmittelbar nach der Hinrichtung dieser neun Christen wurden Jonas und Barachisius, die den Mut hatten eher zu sterben, als den Glauben zu verleugnen, gefangen genommen und vor den Richter geführt. Der bedrängte sie, dem König der Könige, das heißt, dem König von Persien zu gehorchen und die Sonne, den Mond, das Feuer und das Wasser anzubeten. „Es ist besser“, antworteten die Heiligen, „dass man dem unsterblichen König des Himmels und der Erde gehorche, als einem Fürsten, der vom Tod unterworfen ist“. Die Magier erzürnt darüber, dass man ihren König sterblich nannte, waren der Meinung, man solle die beiden Bekenner voneinander trennen. Ihnen gehorchend warfen sie Barachisius in ein enges und düsteres Kerkerloch. Jonas aber behielten sie bei sich zurück, in der Hoffnung, ihn zum Opfern überreden zu können. Aber all ihre Bemühungen waren vergeblich. Hierauf befahl der Oberste der Magier, man solle den Märtyrer auf den Bauch legen, ihn einen Pfahl in den Nabel schlagen, und ihn mit Ruten und knotigen Stöcken züchtigen, was auf der Stelle ausgeführt wurde. Jonas hörte nicht auf zu beten während seiner ganzen Marter. „Gott unseres Vaters Abraham“, rief er aus, „ich sage dir unendlichen Dank. Verleihe, ich beschwöre dich, dass ich dir ein angenehmes Brandopfer darbringen kann. Nur eins habe ich vom Herrn begehrt und dies werde ich immerdar suchen. Ich entsage dem Dienst der Sonne, des Mondes, des Feuers und des Wassers. Ich glaube an den Vater, den Sohn, den Heiligen Geist, und erkenne keine andere Gottheit.“ Danach band man ihm ein Seil an die Füße und warf ihn in einen gefrorenen Teich.

 

Als Barachisius am Abend vor die Magier geführt wurde, sagte man ihm, sein Bruder hätte geopfert. „Das ist falsch“, erwiderte er, „ich kenne ihn zu gut, als dass ich ihn für fähig halten sollte, niederen Geschöpfen göttliche Ehre zu erweisen.“ Dann redete er noch über die unendliche Macht des wahren Gottes, und schilderte sie mit solcher Kraft und Beredtheit, dass selbst die Magier erstaunten. „Wir dürfen nicht zulassen“, sagten sie zueinander, „dass er öffentlich davon spricht. Es ist zu befürchten, dass er durch seine Reden die Anhänger unserer Religion gewinnt.“ Es wurde also unter ihnen beschlossen, dass Barachisius nunmehr zur Nachtzeit verhört würde. Zugleich befahlen sie, dass man ihm an jedem Arm glühende Eisen anlegte. „Beim Glück des Königs“, sagten sie ihm, „wenn du eines dieser Eisen fallen lässt, so entsagst du dem Christentum.“ – „Ich fürchte euer Feuer nicht“, entgegnete ruhig der Heilige. „Ich werde die Werkzeuge meiner Qual nicht abschütteln. Nur bitte ich euch, ihr möget mir ohne Verzug alle Martern antun, die ihr mir bereitet habt man ist voller Mut, wenn man für Gott streitet.“ Diese Standhaftigkeit reizte die Magier immer mehr, und sie befahlen den Henkersknechten, geschmolzenes Blei in die Nasenlöcher und Augen des Heiligen zu gießen, worauf sie ihn dann wieder ins Gefängnis zurückführen ließen, wo er an einem Fuß aufgehängt wurde.

 

Am anderen Tag zog man Jonas aus dem Teich. Als er vor den Magiern stand, sagten sie ihm: „Wie befindest du dich? Ohne Zweifel wird die vergangene Nacht sehr schmerzhaft für dich gewesen sein.“ – „Nicht im mindesten“, erwiderte Jonas, „seitdem ich auf der Welt bin, habe ich nie solche Süßigkeiten gekostet, wie in dieser Nacht. Die Erinnerung an die Leiden Jesu Christi war für mich eine Quelle unaussprechlichen Trostes.“

 

Die Magier: „Dein Gefährte hat abgeschworen.“

 

Jonas: „Jawohl, ich weiß, dass er seit langer Zeit abgeschworen hat dem Satan und seinen Gesandten.“

 

Die Magier: „Hüte dich vor dem Verderben.“

 

Jonas: „Wenn ihr weise seid, wie ihr euch schmeichelt, so sagt mir, ob es nicht besser sei, das Getreide auszusäen, als es aufzuhäufen auf einen Speicher, unter dem Vorwand, es gegen Regen und Sturm zu schützen? Nun aber ist dieses Leben wie ein Same, den man in die Erde wirft. Er wird hervortreiben im künftigen Leben, wo Jesus Christus in unsterblicher Herrlichkeit dasselbe erneuern wird.“

 

Die Magier: „Eure Bücher haben viele Leute betrogen.“

 

Jonas: „Wahr ist, dass sie viele Menschen von den irdischen Vergnügungen abgebracht haben. Wenn ein Christ, mitten in den Peinen, von dem Feuer jener Liebe brennt, die ihm das Andenken an das Leiden seines Erlösers einflößt, so vergisst er Reichtümer, Ehren und alle Güter dieses vergänglichen Lebens. Er sehnt sich nur nach der Anschauung des wahren Königs, dessen Reich ewig ist, und dessen Gewalt alle Jahrhunderte umfasst.“

 

Als der Märtyrer zu reden aufhörte, schnitt man ihm die Finger, die Zehen und die Zunge ab. Auch zog man ihm die Haut vom Kopf herunter und warf ihn in einen mit kochendem Pech angefüllten Kessel. Aber das Pech entfloss plötzlich dem Behälter, ohne den Diener Gottes im Geringsten zu beschädigen. Hierauf legte man ihn unter eine hölzerne Presse, wo man ihn mit unmenschlicher Grausamkeit zerquetschte. Schließlich wurde sein Leib in Stücke zersägt und in einen ausgetrockneten Wasserbehälter geworfen, den man bewachen ließ, aus Furcht, die Christen möchten seine Übrigbleibsel wegnehmen.

 

Die Richter ließen Barachisius abermals vor sich führen und ermahnten ihn, Mitleid mit seinem Körper zu haben. Seine Antwort war, dass Gott, der seinen Leib gebildet habe, ihn wieder auferwecken würde, und dass die Magier mit ihrem König dereinst vor dem Richterstuhl eben dieses Gottes erscheinen müssten, worauf einer der Richter sagte: „Lasst uns dem Ding ein Ende machen; unsere Zögerung ist eine Unbild für den König. Man richtet nichts mit dieser Gattung Menschen, weder durch Reden, noch durch Qualen aus.“ Es wurde also unter ihnen entschieden, dass Barachisius mit Stechgnister gestrichen und hierauf sein Körper mit Schilfsplittern, die man, vermittelst eng an einander gereihten Seile, in die Haut drückte, bedeckt, und wenn er so überall durchstochen wäre und einem Stacheligel ähnlich sehe, auf der Erde hin und her gewälzt werden sollte. Bei dieser grauenvollen Peinigung ließen es jedoch die Magier nicht bewenden, sondern gossen dem Heiligen noch siedendes Pech und Schwefel in den Mund. Diese letztere Marter vereinigte Barachisius mit seinem Bruder Jonas. Abtusciatas, ein alter Freund des Märtyrerpaares, kaufte ihre Leichname von den Persern.

 

Der Verfasser der Akten unserer Heiligen beschließt sie folgendermaßen: „Dieses Buch, geschrieben nach dem Bericht von Augenzeugen, enthält die Akten der Heiligen Jonas, Barachisius, Märtyrer Jesu Christi, der sie, nachdem er sie im Kampf gestärkt hatte, mit der Siegeskrone geschmückt aus demselben hervortreten ließ. Möchte Isaias, Adabs Sohn, aus Arzun (in Armenien), Anteil haben an ihrem Gebet.“ Dieser Isaias, der in der Reiterei des Königs Sapor diente, wohnte den Verhören und Qualen der Diener Gottes bei und schrieb die Geschichte ihrer Triumphe.

 

Unsere heiligen Märtyrer litten am 29. des Dezembermondes, d.h. am 24. Desselben Monats, im Jahre 327 unseres Herrn Jesus Christus, und im 18. Des Königs Sapor. Im römischen Märtyrerverzeichnis stehen sie unter dem 29. März.

 

Wenn wir die Erzählung der Triumphe der Blutzeugen lesen, müssen wir die erhabenen Beweggründe, die sie in ihren Kämpfen stärkten, auch uns aneignen. Durch eine solche Vorsicht werden die Zeiten der Prüfungen für uns eine reichhaltige Quelle hoher Verdienste werden. Was begehrt aber Gott von uns in den Prüfungen? Dass wir sie von seiner Hand annehmen, wo nicht mit Freuden, doch wenigstens mit Geduld und Ergebung. Bei wie vielen aber findet man diese heilige Stimmung? Wie viele verlieren nicht, z.B., die Früchte, die sie aus ihren Krankheiten ziehen könnten? Die seufzen nach der Herstellung ihrer Gesundheit nur unter dem Vorwand, die Pflichten ihres Standes erfüllen und für die Ehre Gottes arbeiten zu können. O die Blinden, sie sehen nicht, dass dieses heftige Verlangen nach Gesundheit nur von der Ungeduld der Eigenliebe herrührt. Nein, sie würden nicht wünschen von ihrer Krankheit befreit zu werden, wofern sie den ganzen Wert und Nutzen der christlichen Geduld erkennen würden. Oder wenn sie sich nach Gesundheit sehnten, würde dies ohne Ängstlichkeit geschehen, mit der ausdrücklichen Bitte, Gott möge sie nur in so weit erhören, als es seiner Ehre und ihrem geistigen Wohl zuträglich wäre.

 

(Gezogen aus echten Urkunden, in chaldäischer Sprache geschrieben und im Original bekannt gemacht von Stephan Assemani. Diese Akten sind das Werk eines Augenzeugen, namens Isaias, der von einer ansehnlichen Familie in Armenien abstammte, und als Hauptmann im Heer des Königs Sapor diente. Metaphrast hat ebenfalls die Akten dieser heiligen Blutzeugen herausgegeben. Es finden sich aber darin viele Verfälschungen.)

 

Der heilige Berthold, Kreuzfahrer, Karmeliten-Ordensgeneral,

+ 29.3.1198 – Fest: 29. März

 

Dieser Heilige wurde zu Limoges (spr. Limosch) in Frankreich als Spross des edlen Guido von Malafaida und einer Enkelin des Königs von Ungarn geboren. Sehr früh zeigte sich an ihm ein frommer Sinn. Er kam studienhalber nach Paris, wo er es durch seine Kenntnisse in den heiligen Wissenschaften zum Grad eines Doktors brachte. Da er keinen schöneren Dienst kannte, als Gott anzugehören, ließ er sich zum Priester weihen. Damals war die Zeit der Kreuzzüge und auch Berthold ließ sich in seinem großen Eifer für den heiligen Glauben für einen solchen Zug in das Heilige Land anwerben, um dort das Seinige zur Befreiung der heiligen Stätten aus den Händen der Ungläubigen beizutragen. So kam Berthold nach Palästina. Doch zu Antiochia geriet das christliche Heer, dem sich Berthold angeschlossen hatte, unerwartet in große Gefahr.

 

Besorgt um das Heer und die Stadt betete er um die Befreiung aus der Gewalt der Türken. Der Herr offenbarte ihm, die ganze Bedrängnis sei eine Strafe für die Sünden der christlichen Soldaten, die leider sehr der Unzucht ergeben waren. ^Berthold bot sich nun als Opfer an und versprach für den Fall der Errettung der Christen aus der drohenden Gefahr des gänzlichen Unterganges sein ferneres Leben dem Dienst der seligsten Jungfrau zu weihen.

 

Jesus erschien ihm hierauf, wieder begleitet von Maria, der seligsten Jungfrau und dem heiligen Apostel Petrus, während ein strahlendes Kreuz über der ganzen Gruppe schwebte. Dieses Mal wies Jesus auf den Undank hin, womit ihm die Christen die erwiesenen Wohltaten vergelten. Auf die Warnung Bertholds taten nun die christlichen Soldaten Buße und verbrachten fünf Tage in Gebet und frommen Werken. Beim nächsten Ausfall aus der belagerten Stadt erlangten die Soldaten, obwohl durch Hunger geschwächt, durch die übernatürliche Hilfe doch den Sieg über die zahlreichen Feinde.

 

Getreu seinem Gelöbnis, sich dem Dienst Mariens zu weihen, zog Berthold in die Einsamkeit des Karmel. Dies sollte dem Karmeliterorden zum größten Segen sein. Berthold, der bereits aus seiner Heimat die geschlossenen klösterlichen Gemeinden kannte, sammelte die in den zahlreichen Höhlen des Karmel zerstreut lebenden Mönche, formte aus ihren Gebräuchen und Gewohnheiten eine gemeinsame Regel, gab weise Gesetze dazu und machte sie eigentlich zu einem Orden im kirchlichen Sinn. Er wurde darum auch von seinen Mitbrüdern zum Obern und damit zum ersten General des Ordens gewählt. Nur gezwungen beugte er sich in seiner Demut diesem gemeinsamen Wunsch seiner Brüder. Berthold hauchte in seinem Amt durch seine Weisheit und Tugend dem alten Orden neues Leben ein, so dass er wirklich mit Recht auch als Stifter des Ordens verehrt wird. Nachdem Berthold fünfundvierzig Jahre an der Spitze des Ordens gestanden, starb er um 1200 eines heiligen Todes.

 

Lerne aus dem Leben des heiligen Berthold wahren Opfermut für das kostbare Gut unseres heiligen Glaubens. Mit Begeisterung zog er ins Heilige Land, um für den Glauben zu kämpfen. Dort warteten seiner viele Schwierigkeiten. Er verzagte nicht, betete und opferte sogar sich selbst für die Befreiung des ganzen Heeres, indem er das Gelübde einlöste und sich dem Orden der Karmeliten anschloss. Gott belohnte das Opfer dadurch, dass er dem Orden zum größten Segen wurde und selbst die Heiligkeit fand. So kann jeder, der im Dienst seines heiligen Glaubens vor Opfer und Mühen nicht zurückscheut, den sicheren Lohn Gottes auf Erden und noch mehr im Jenseits erwarten.

 

Der heilige Armogastes, der heilige Archinimus und der heilige Satur,

Märtyrer in Afrika,

+ 29.3.457 – Fest: 29. März

 

Genserich, der König der Vandalen in Afrika, verfolgte im Jahr 457 die Katholiken mit mehr Grausamkeit, als je ein arianischer Fürst. Der Comes Arbogast war eines der vorzüglichsten Schlachtopfer seiner Wut. Man entsetzte ihn seines Amtes am Hof und unterwarf ihn drei verschiedenen Strafen. Zuerst schnürte man ihn zusammen mit Seilen, die jedes Mal, wenn er die Augen gen Himmel hob, zersprangen. Dann hängte man ihn an einem Fuß auf, das Haupt zur Erde gekehrt. Allein er schien ebenso ruhig in diesem Zustand, als wenn er auf ein gutes Lager hingestreckt gelegen hätte. Theodorich, des Königs Sohn, war der Meinung, man solle ihm den Kopf abschneiden, was auch geschehen wäre ohne einen arianischen Priester, der eine andere Todesart zu wählen anriet. „Schlägt man ihm das Haupt ab,“ sagte er, „so werden ihn die Seinigen als einen Märtyrer verehren, und dadurch wird unsere Sache einen Stoß bekommen.“ Arbogast wurde also in die Bergwerke nach Byzacene geschickt. Dann verbannte man ihn in die Gegend von Karthago, wo er als Kuhhirt dienen musste. Ein in den Augen der Menschen so niedriges Geschäft wurde erhöht durch die Sache, die der Heilige verfocht. Kurz darauf weissagte er die Stunde seines Todes, bezeichnete den Ort, wo er bestattet werden wollte, und empfing bald im Himmel den Lohn seiner Kämpfe.

 

Archinimus war gebürtig aus der Stadt Mascula in Numidien. Nachdem er allen Listen, die man, um ihn zu verführen, in Anwendung brachte, großmütigen Widerstand geleistet hatte, wurde er zur Enthauptung verurteilt. Schon zückte der Henker das Schwert, ihm den Todesstreich zu versetzen, allein man ließ ihm das Leben, weil die Arianer eben nicht gerne die Zahl der Blutzeugen vermehrten, wie schon bemerkt wurde. Man weiß nicht, was nachher aus dem Heiligen geworden ist. Übrigens beweist die Verehrung, die ihm die Kirche bezeigt, dass er im Glauben standhaft geblieben ist.

 

Satur war Hausverwalter Hunerichs, des ältesten Sohnes des Königs. Er hatte den Schmerz, zu sehen, dass ihn seine eigene Ehegattin zu verführen suchte. Er antwortete ihr aber wie Hiob: „Du redest wie die närrischen Frauen reden. Würdest du mich lieben, so gäbest du mir keine Ratschläge, die mich ewig zugrunde richten würden. Ich werde mich allzeit an das halten, was der Herr gesagt hat: So jemand zu mir kommt, und hasst nicht Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigenes Leben, der kann nicht mein Jünger sein.“ Nachdem dieser Mann Gottes mehrere Qualen ausgestanden hatte, wurde er seiner ganzen Habschaft beraubt, mit dem Verbot, je öffentlich zu erscheinen. Seine übrigen Lebenstage brachte er daher in dem größten Elend zu: Gott aber bereicherte ihn mit seinen Gnaden und berief ihn endlich in den Besitz seines Reiches.

 

Der heilige Gunthlaus (Gundleus), Fürst und Einsiedler von Wallis,

+ 29.3.500 – Fest: 29. März

 

Gunthlaus war der älteste Sohn des Königs der Dimetier, die in der Mitte des Fürstentums Wallis wohnten. Nach dem Tod seines Vaters teilte er das Reich mit seinen sechs Brüdern, die ihn alle als ihren Oberherrn verehrten. Er heiratete Gladusa, die ihm den heiligen Cadoc, den Stifter des berühmten Klosters Clan-carvan, gebar. (Gladusa war die Tochter des Fürsten Braghan, woher die Grafschaft Bredenode ihren Namen hat. Braghan war Vater des heiligen Cadoc und der heiligen Keyna. – Das Kloster Clan-carvan liegt drei Meilen von Cowbridge, in der Grafschaft Glamorgan.) Sein Betragen bewies, dass die christliche Tugendübung bis auf den Thron möglich ist. In der Folge verließ er jedoch die Welt, um sich in eine kleine Einsiedelei zu verschließen, die bei einer Kirche lag, die von ihm erbaut wurde. Da führte er ein sehr strenges Leben. Er trug ein härenes Bußkleid, trank nur Wasser, und nährte sich mit schlechtem Brot, das er gewöhnlich mit Asche bestreute. Seine nötigen Lebensbedürfnisse verschaffte er sich durch Handarbeit. Den Tag und einen großen Teil der Nacht widmete er dem Gebet und der Betrachtung. Einige Zeit vor seinem Tod ließ er Dubricius und den heiligen Cadoc, seinen Sohn, zu sich kommen, damit sie ihn bei seiner Vorbereitung zur Reise in die Ewigkeit unterstützen möchten. Er starb gegen Ende des 5. Jahrhunderts und Gott verherrlichte ihn durch viele Wunder.

 

Der heilige Eustasius, Missionar in Bayern, Abt zu Luxeuil in der Franche-Comté,

+ 29.3.628 – Fest: 29. März

 

Dieser Heilige, der aus einer adeligen Familie aus Burgund kam, wurde von seinem Oheim Miget oder Miet, dem Bischof von Langres, mit väterlicher Sorgfalt erzogen. Da er frühzeitig die Eitelkeit der Welt erkannte, begab er sich in die Abtei Luxeuil, der damals der heilige Columban vorstand. Unter der Hand eines solchen Geleitsmannes gewann er bald den Geist des Gebetes, der Demut, der Entsagung und gänzlichen Abtötung. Im Jahr 611 sah er sich, als Nachfolger des heiligen Columban, an der Spitze von 600 Mönchen, die ihn sämtlich als ihren Vater erkannten. Sein Eifer ließ sich nicht durch die Mauern seines Klosters beschränken. Er predigte das Evangelium den Bewohnern der Franche-Comté, unter denen viele in den Finsternissen der Abgötterei versenkt lagen oder in den Irrtümern des Photinus und Bonosus, die die Gottheit Jesu leugneten. Der Ruf seiner Heiligkeit hatte sich so sehr befestigt, dass eine Menge Heiliger, sogar unter den Bischöfen, sich seiner Leitung anvertrauten. Er starb 628. Er kommt sowohl in dem Adonischen, als Römischen Martyrologium vor. Man kann bei den Bollandisten und bei Mabillon das Leben dieses Heiligen nachlesen, das Jonas von Bobio, ein gleichzeitiger Schriftsteller, verfasst hat.

 

Der heilige Markus, Bischof und Bekenner von Arethusa in Syrien,

+ 29.3.364 – Fest: 29. März

 

Einige Griechen setzen unter die Zahl der Heiligen dieses Tages Markus, den Bischof von Arethusa in Syrien. Er war einer von denjenigen, die dem Julian in seiner Kindheit das Leben retteten, indem sie ihn der beinahe allgemeinen Ermordung seiner ganzen Familie entzogen. Markus war seit langer Zeit den Heiden sehr verhasst, weil er, unter des Constantius Regierung, eine Menge Menschen der Abgötterei entrissen hatte, und einen Götzentempel abreißen und auf seinen Trümmern eine Kirche erbauen ließ, was die Heiden als eine neue Beschimpfung ihrer Religion ansahen.

 

Als Kaiser Julian den Christen befohlen hatte, auf ihre Kosten die unter den zwei vorhergehenden Regierungen zerstörten Götzentempel wieder aufzubauen, fielen die Heiden von Arethusa, trotzig durch die Gunst des Fürsten, mit grimmiger Wut über ihre Feinde her. Markus wollte anfänglich, nach der Vorschrift des Evangeliums, entfliehen. Als er aber erfuhr, dass man an seiner Stelle mehrere aus seiner Herde ergriffen hatte, kehrte er wieder zurück und übergab sich den Händen seiner Verfolger. Sie stürzten auf ihn los, fassten ihn bei den Haaren und schleiften ihn, ohne Rücksicht auf sein Alter, durch die Straßen. Sie entkleideten ihn auf eine schändliche Weise, geißelten ihn am ganzen Körper und warfen ihn in verpestete Kotschleusen, zogen ihn dann wieder heraus und überließen ihn einem mutwilligen Tross Jugendlicher, denen sie sagten, sie sollten ihn mit ihren Schreibstiften stechen. Dann band man ihm mit Seilen die Beine zusammen und schnürte sie so fest, dass sie bis auf die Knochen eingingen. Auch wurden ihm die Ohren abgeschnitten und in diesem jämmerlichen Zustand trieben die Heiden mit dem Greis ein spöttisches Spiel, indem sie sich ihn einander wie einen Ball zuwarfen. Hierauf bestrichen sie ihn mit Honig, sperrten ihn in eine Art von Käfig, den sie gegen die Mittagssonne in schwüler Sommerhitze aufhängten, um dadurch die Wespen und Mücken anzulocken, deren Stiche in jenem Land über alle Begriffe schmerzhaft sind. Mitten unter diesen Qualen zeigte der ehrwürdige Greis eine unwandelbare Heiterkeit. Er spottete sogar über seine Henker, indem er ihnen sagte, dass er gen Himmel erhoben wäre, während sie noch auf der Erde kröchen.

 

Die Heiden, die anfangs von ihm verlangt hatten, er solle ihren Tempel herstellen, lenkten allmählich wieder ein und wollten sich nun mit einer sehr geringen Summe begnügen. Markus erwiderte ihnen beständig, er wolle sich keines Frevels schuldig machen, durch die geringste Beihilfe zur Auferbauung eines Götzentempels. Als schließlich die Wut in Bewunderung überging, gab man ihn wieder los. Mehrere Heiden ließen sich nun in den Grundsätzen einer Religion, die solch eine heldenmütige Geduld einflöße, unterweisen. Markus brachte seine übrigen Lebenstage ruhig zu und starb unter den Kaisern Jovian und Valens. Sein Name findet sich nicht im römischen Märtyrerbuch und die Kirche erwies ihm nie öffentliche Ehre. Er hing lange Zeit den Irrtümern der Halbarianern an. Allein das Lob, das ihm der heilige Gregor von Nazianz, Theodoret und Sozomenus bei Erzählung seiner Leiden beilegen, lässt keinen Zweifel übrig, dass er, gegen das Ende der Regierung des Constantius, zur katholischen Kircheneinheit wieder zurückgekehrt ist.

 

30. März

 

Die heilige Diemut, Reklusin von Wessobrunn,

+ 30.3.1130 - Fest: 30. März

 

Es führen viele Wege in den Himmel. Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg, auf dem er die ewige Heimat erreichen muss. Auch heute, wo alles „genormt“ wird, von den Maschinen, über die Wohnungen, bis zu den Zeitungsinseraten und Gurken, gibt es keine allgemein verbindliche Norm für das Streben nach Heiligkeit. Ein jeder von uns trägt seine ihm eigentümlichen Anlagen in sich und es ist ihm von Gott die Aufgabe gestellt, gerade mit diesen seinen besonderen Anlagen sein Lebensziel zu erreichen. Soviel Menschen, soviel Arten der Vollkommenheit, soviel Wege zu Gott. Was für ein bunter Gottesgarten ist doch das Heiligenbuch unserer Kirche! Da ist nichts Eintöniges, nichts Einförmiges. Ein unabsehbares Meer von wogenden Blüten in den verschiedensten Farben, mit den mannigfaltigsten Formen, mit den abwechslungsreichsten Düften. Die Gnade zerstört die Menschennatur nicht, sondern baut auf ihr auf und veredelt sie. Auch der Heilige behält seine persönliche Eigenart. Ein heiliger Franz von Sales ist anders als Hieronymus, ein Bruder Konrad ist kein Augustinus und ein Kaiser Heinrich hat wenig Gemeinsames mit einem Säulensteher Simeon. Es gibt keinen allgemein gültigen Heiligentyp. Jeder Mensch wird das Heiligkeitsideal in anderer Weise zum Ausdruck bringen, und jede Zeit gestaltet dieses Ideal wieder auf ihre Art. Uns Heutigen schwebt ein anderes Bild der Vollkommenheit vor als den Christen des 3. Oder 13. Jahrhunderts. Liegt nicht gerade in dieser Vielfalt ein besonderer Reiz?

 

Eine uns heute seltsam vorkommende Art des Strebens nach Heiligkeit und Gottverbundenheit ist der in alter Zeit herrschende Brauch des Inklusentums. Um der Welt im höchsten Grad zu entsagen, ließen sich Männer und Frauen auf Lebenszeit in eine enge Zelle einschließen oder einmauern. Man nannte solche Klausner und Klausnerinnen, die zuerst im 3. Jahrhundert in Ägypten auftraten und dann im 6. – 7. Jahrhundert immer zahlreicher wurden, Inklusen oder Reklusen (Eingeschlossene). Auch in Deutschland fand der Brauch der Einmauerung Eingang und erreichte im 10. – 12. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Die Reklusen lebten meist als Oblaten nach der Ordensregel des heiligen Benedikt. Nach vorausgegangener Probezeit und mehreren Prüfungen wurden sie mit dem feierlichen Segen des Bischofs in die Zelle geführt und dann die Tür hinter ihnen versiegelt oder vermauert. Nur bei Erkrankung wurde die Tür wieder geöffnet. Die Beschäftigung dieser Eingeschlossenen war fleißiges Lesen der Heiligen Schrift, Psalmengebete und Handarbeit. Die Zellen waren an Brücken, Stadttoren, meist aber an Kirchen angebaut, so dass die Inklusen durch ein Fensterchen in der Mauer den Gottesdienst verfolgen konnten. Zu den bekanntesten Reklusen unseres Heimatlandes gehört die heilige(selige) Diemut von Wessobrunn.

 

Es ist nicht viel, was uns von dieser Seligen bekannt ist. Wir wissen weder den genauen Tag ihrer Geburt noch den ihres Todes. Die Gelehrten spannen auf Grund verschiedener Nachrichten in zeitgenössischen Büchern die Lebenszeit der Seligen in die Jahre 1057-1130. Demütig, wie es schon ihr Name sagt, ging Diemut durchs Leben. Dass man noch nach 950 Jahren von ihr sprechen, ja dass ihr Name in das goldene Buch der Seligen aufgenommen würde, ein solcher Gedanke wäre der stillen, bescheidenen Klausnerin wohl mehr als vermessen erschienen. Schon in frühen Mädchenjahren muss Diemut nach Wessobrunn gekommen sein, um dort als Oblatin des Benediktinerordens zu leben. Es kam damals nicht allzu selten vor, dass fromme Frauen sich in der Nähe von Klöstern niederließen, die Regel der Ordensleute befolgten, und zum Dank für den geistlichen Trost, den das Kloster ihnen spendete, den Mönchen mancherlei Arbeiten abnahmen, für die Frauenhände geeigneter sind, wie das Anfertigen von kirchlichen Gewändern, das Ziehen von Wachskerzen, das Backen der Hostien. Diemut fand in einem solchen Leben keine volle Befriedigung, es drängte sie, auch die letzten Bande zu zerreißen, die sie noch an die Welt anknüpften, um ganz losgeschält von allem Irdischen, ungeteilt und ungestört Gott zu dienen. So ließ sie sich neben der Klosterkirche eine winzige Zelle bauen, die durch ein Fensterlein den Ausblick auf den Hochaltar gestattete. In dieser engen Zelle verblieb Diemut jahrzehntelang bis zu ihrem Ende und verharrte in völliger Trennung von der Welt. Menschen von heute tun solch ein Opferleben gern mit einem hochmütigen Achselzucken ab! „Mittelalterliche Übertreibung! Falschgeleitete Frömmigkeit! Entarteter Welthass!“ Es wird uns, die wir so unlösbar mit der Welt verkettet sind und ohne gesellschaftlichen Verkehr und ohne Ausflüge und Reisen nicht glauben leben zu können, sehr schwer, das Leben einer solchen Klausnerin, die sich aus freien Stücken zu lebenslänglicher Gefangenschaft verurteilt, zu verstehen oder es gar als ein nachahmenswertes Ideal anzusehen. Doch wenn die selige Diemut noch reden könnte, würde sie wohl zu uns sagen: „Bleibt nur in der Welt und tragt als begeisterte Apostel eure Gottesliebe und eure Glaubensbegeisterung in sie hinein! Niemand verlangt, dass ihr mein Beispiel nachahmen sollt – obwohl es ganz gewiss nichts schaden könnte, dass ihr wenigstens dann und wann euch in die Abgeschiedenheit einer Zelle zurückziehen würdet, um auf die Stimme Gottes in euch zu lauschen. Aber tut auch mein Klausnerleben nicht mit einer leichten Handbewegung ab! Habt Achtung vor der Heldenkraft, die es braucht, um ein ganzes Leben lang dem ersten Entschluss treu zu bleiben! Habt Achtung vor der Gottesliebe, die ein solches Opfer ersann und ertrug!“

 

Treu der Ordensregel des heiligen Benedikt lebte Diemut nach dem Wahlspruch des Heiligen: „Bete und arbeite!“ Die Nächte widmete sie dem Gebet und Psalmengesang, die Tage wurden mit Arbeit gefüllt, und zwar mit Schreibarbeit. Die Feder war das Werkzeug, mit dem sich Diemut ihr irdisches Brot und den ewigen Lohn des Himmels verdiente. Sie füllte ihre Zeit aus mit dem Abschreiben von frommen und gelehrten Büchern. Das war eine Arbeit, die vor der Erfindung der Buchdruckerkunst zu den verdienstvollsten Beschäftigungen zählte. Wir, die wir alle Schränke voller Bücher haben und für wenig Geld unsere literarischen Wünsche stillen können, vermögen uns kaum mehr in die Zeit hineinzudenken, wo noch keine Buchdruckmaschinen ratterten, denen Tausende und Millionen von Büchern in wenigen Tagen entfallen. Welche Umständlichkeit, welche Anstrengung, alle Bücher mühsam mit der Hand schreiben zu müssen! Wir Computermenschen von heute können uns nur schwer ein Bild von der großen körperlichen Anstrengung der Buchabschreiber von einst machen. Mit Recht klagt ein Mönch des 11. Jahrhunderts: „Das glaubt und achtet niemand, was für eine Pein das Schreiben ist. Es schreiben zwar nur drei Finger, aber am Ende des Tages ist der ganze Leib abgearbeitet.“ Mancher Stoßseufzer am Rande oder am Ende alter Handschriften zeugt davon, wie beschwerlich das Schreiben war. „Ach got, wie fro ich was (war), do des Buches ein ende was!“ Die mittelalterlichen Bücher konnten nicht in leichtem, lässigem Zug dahingeschrieben werden, wie etwa heute das Protokollbuch eines Vereins. Jeder einzelne Buchstabe musste mühsam hingemalt werden. Die Anfangsbuchstaben der Kapitel wurden vielfach kunstvoll in verschiedenen Farben gemalt und zu ganzen Bilddarstellungen ausgestattet. Es kann nicht verwundern, dass man die Arbeit des Bücherabschreibens für besonders wichtig und von Gott gesegnet ansah. In frommen Legenden kommt dieser Glaube wiederholt schön zum Ausdruck. So wird von dem Schottenmönch Marian, einem rastlosen und überaus geschickten Schönschreiber erzählt, dass ihm eines Abends der Bruder die Kerze zu bringen versäumt hatte. Da leuchteten drei Finger der linken Hand gleich ebenso vielen Kerzen, so dass der Mönch ohne Unterbrechung seine Arbeit fortsetzen konnte. Von der Schwester Gertrud von Rheinfelden wird berichtet, dass ihre Hand beim Schreiben von einem wunderbaren Licht umflossen war. Als das Grab des Prämonstratenser-Mönches Richard in Wedinghausen 20 Jahre nach seinem Tod geöffnet wurde, stellte es sich heraus, dass die rechte Hand noch so unversehrt war, als ob sie von einem lebenden Körper losgelöst worden wäre. Mögen das vielleicht auch nur sinnige Dichtungen sein, so spricht doch aus ihnen die hohe Achtung, die das Mittelalter vor dem Abschreiben der kirchlichen und gelehrten Bücher hatte. Die selige Diemut verbrachte ihr ganzes Leben im Dienst der Schreibkunst. Die Münchner Stadtbibliothek bewahrt 15 große Handschriften, die unzweifelhaft aus ihrer Feder stammen. Im ganzen dürften 45 Bücher unter der fleißigen Hand der frommen Klausnerin entstanden sein – eine Leistung, die ungeheuren Fleiß voraussetzt und umso mehr in Staunen versetzt, als Diemut zeitlebens schwächlich und kränklich war. Ihre Schrift weist eine zierliche, doch bei aller Feinheit kraftvolle Linienführung auf. Niemals zeigt sich ein Erschlaffen. Die letzte Seite verrät die gleiche peinliche Sorgfalt wie die erste. Man hat den Eindruck: hier war ein Mensch am Werk, der in seiner Arbeit einen heiligen Gottesdienst sah, den es nicht mehr verlangt, zurückzuschauen, nachdem er einmal die Hand an der Pflug gelegt hat. In treuester Erfüllung ihrer Aufgabe bis ins Kleinste hinein erkannte Diemut den Willen Gottes, und durch die lebenslange, selbstlose Hingabe an diesen Willen errang sie sich die Seligkeit und wurde ihr der Lohn zu eigen, den ein mittelalterlicher Mönch am Schluss eines mühsam geschriebenen Buches sich wünschte: „Möge dem Schreiber für die Feder das himmlische Reich beschert sein!“

 

Nicht durch Wunderwerke und Großtaten erwirbt man sich den Strahlenkranz der Heiligen, sondern durch nimmer ermüdende Verrichtung der alltäglichen, gottgewollten Berufspflicht. Diemut, die deutsche Klausnerin, mag uns darin Vorbild und Leuchte sein.

 

Der heilige Quirin, Tribun und Martyrer von Rom,

+ 30.3.130 – Fest: 30. März

 

Quirin war unter der Regierung des Kaisers Hadrian ein Kriegstribun – Oberhauptmann – beim römischen Heer und erhielt während der Christenverfolgung den Auftrag, den heiligen Papst Alexander gefangen zu nehmen und ihn bis zu seiner Hinrichtung mit einer Rotte seiner Kriegsknechte im Kerker zu bewachen. Die Heiterkeit des Geistes und die Große Geduld, die der heilige Oberhirt in seiner schweren Gefangenschaft bewies, machten einen rührenden Eindruck auf das unverdorbene Herz des heidnischen Kriegsmannes. Er ließ sich mit dem frommen Dulder in ein Gespräch ein, worin er mit Erstaunen die tröstlichen Heilslehren der christlichen Religion und die beseligenden Hoffnungen eines Gläubigen in einer anderen Welt vernahm. Von dieser Stunde an fühlte er eine Unruhe in seinem Gemüt und als er bald darauf mit dem heiligen Hermes zu reden Gelegenheit fand und ihm seine Zweifel schilderte, stärkte ihn Hermes so sehr im Glauben, dass er seine ganze Familie in das Gefängnis führte und den heiligen Alexander um den Unterricht in der christlichen Religion bat. Mit herzlicher Liebe erteilte ihm und den Seinigen der Papst die Lehre des Heils und die heilige Taufe in Gegenwart aller Gefangenen, und er wurde deswegen beim Kaiser als Christ angeklagt. Hadrian berief ihn auf der Stelle zu sich und fragte ihn nach seinem Glauben. Quirin legte unerschrocken das Bekenntnis ab, dass er den Dienst der Götter verlassen und die Taufe als Anbeter des wahren und einzigen Gottes erhalten habe. Die Drohungen der Ungnade des Kaisers, der Absetzung von seiner Würde, der Beraubung seiner Güter und der harten Verfolgungen und Strafen, die gegen die Christen verfügt wurden, machten auf ihn keinen Eindruck. Er wurde deswegen dem Richter Aurelian, einem Todfeind der Gläubigen, übergeben, dass er ihn entweder zum Abfall bringen oder unter den ausgesuchtesten Martern hinrichten sollte.

 

Der heilige Quirin flehte die ganze Nacht vor seinem Leiden im Gefängnis zu Gott um Standhaftigkeit, ermunterte auch die Seinigen zum Ausharren im heiligen Glauben an Jesus. Und als ihn Aurelian vor einem öffentlichen Gericht aufforderte, dem Kaiser zu gehorchen und den Göttern zu opfern, erhob er seine Augen zum Himmel, bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuz und sprach: „Verblendeter Götzendiener, vollziehe die Befehle deines Herrn! Ich bin zum Tod bereitet.“ Da ließ ihn Aurelian auf die Folter spannen, ihm die Zunge herausreißen, Hände und Füße abhauen und nachdem man ihn mit Pferden wie den größten Verbrecher auf den Richtplatz geschleppt hatte, wurde er enthauptet am 30. März des Jahres 130. Seinen Leichnam beerdigten die Christen an der appischen Landstraße, wo ihn Papst Leo IX. im Jahr 1050 erhob und ihn der Äbtissin zu Neuss als eine kostbare Reliquie des christlichen Altertums verehrte, die dem heiligen Martyrer eine Kirche erbaute, in der sich in der Folge eine fromme Gesellschaft unter der Benennung der Ritter des heiligen Quirinius bildete.

 

Der heilige Zosimus, Bischof und Bekenner von Syrakus, Sizilien,

+ 30.3.660 – Fest: 30. März

 

Der heilige Zosimus wurde im Jahr 577 zu Syrakus in Sizilien von wohlhabenden und frommen Eltern geboren, die ihn mit 7 Jahren in das Kloster der heiligen Lucia zur Erziehung gaben, wo er als der gottesfürchtigste unter allen Jungen zum Wächter des Grabes der heiligen Martyrin gewählt wurde. Bis in sein 30. Lebensjahr versah er dieses Amt. Während dieser Zeit entschied er sich für das Klosterleben, bildete sich in den Wissenschaften und führte ein so heiliges Leben, dass er ungeachtet seiner Jugend nach dem Tod des Abtes Faustus von Bischof Johannes zu dessen Nachfolger ernannt und zugleich zum Priester geweiht wurde. Vierzig Jahre lang verwaltete Zosimus dieses Amt zur Wohlfahrt des Klosters, leuchtete stets als ein Muster aller Tugenden unter seinen Mitbrüdern und leitete durch ungeheuchelte Liebe und Sanftmut und besonders durch sein eigenes Beispiel seine Untergebenen zur christlichen Vollkommenheit. Unterdessen verbreitete sich der Ruf der Gottseligkeit des demütigen Dieners Gottes in ganz Syrakus so sehr, dass ihn die Gläubigen zu ihrem Bischof erwählten. Diese Wahl bestätigte Papst Theodorus mit Freude und erteilte ihm persönlich die bischöfliche Weihe.

 

Der neue Oberhirt, der so ungern das stille und einsame Leben seines Klosters verließ, widmete sich nun ganz dem Dienst der Kirche und arbeitete rastlos an dem Seelenheil der ihm anvertrauten Herde, die er mit Weisheit und väterlicher Liebe leitete. Die hohe Würde und die Ehrfurcht, die ihm allgemein bezeugt wurde, vergrößerte in seinem frommen Gemüt das Gefühl der tiefsten Demut und anstatt sich bedienen zu lassen, bestrebte er sich, ein Diener aller zu sein. Seine Barmherzigkeit gegenüber den Armen und Unglücklichen war ohne Grenzen und öfters zog er das einzige Kleid von seinem Leib und bedeckte damit die Blöße eines Armen. Wohltätig gegenüber jedem Menschen war er nur streng gegen sich selbst, um immer Mittel zu haben, das Elend seiner Mitmenschen zu lindern. Als er in eine Krankheit fiel, die ihn seinen nahen Tod ahnen ließ, befahl er seinen Priestern, all sein Vermögen unter die Armen zu verteilen, selbst die besseren Kleider und sein Bett nicht ausgenommen. Er selbst legte sich in ein Bußkleid gehüllt auf den bloßen Boden und gab unter Gebet seinen Geist auf in einem Alter von 83 Jahren im Jahr 660, nachdem er sein Bistum dreizehn Jahre lang mit größter Treue verwaltet hatte. Der Heilige wird in Syrakus als Patron gegen die Pest verehrt und den Fremden noch heute der Brunnen bei der Kirche des heiligen Johannes gezeigt, den der heilige Bischof hatte graben lassen und aus dem das geweihte Wasser von den Gläubigen als Mittel gegen verschiedene Übel gebraucht wird.

 

Der heilige Johannes Klimakus, Einsiedler-Abt vom Berg Sinai,

+ 30.3.605 – Fest: 30. März

 

Der heilige Johannes Klimakus (Der Beiname Climacus wurde dem Heiligen gegeben wegen seines Werkes, das den Titel: Climax oder Leiter führt.), der aus Palästina herstammen soll, wurde geboren gegen das Jahr 525. Er wurde mit großer Sorgfalt erzogen und seine Fortschritte in den Wissenschaften waren so schnell, dass man ihm von seiner frühen Jugend an, den Namen Scholasticus beilegte. (Den Namen Scholasticus, etwa Schulmann, der damals sehr ehrenvoll war, bekamen nur die, die sich durch Talente und Kenntnisse auszeichneten.) Kaum hatte er das 16. Lebensjahr erreicht, als er allen Vorteilen, die er in der Welt hätte genießen können, entsagte, und auf den Berg Sinai zog, wo mehrere Einsiedler, seitdem die Jünger des heiligen Antonius und des heiligen Hilarion jene Wüsteneien bevölkert hatten, ein englisches Leben führten. Er wollte nicht in dem großen Kloster, das auf der Spitze des Berges stand, verbleiben, aus Furcht, er möchte da häufig zu Zerstreuungen veranlasst werden, sondern bezog eine abgelegene Einsiedelei, wo er sich der Führung eines ehrwürdigen Greises, mit Namen Martyrius, anvertraute. Strenges Stillschweigen war das Mittel, das er gebrauchte, um sich von dem Fehler, dem große Köpfe gewöhnlich unterworfen sind, zu verwahren. Ich meine jenen Drang, von allem zu reden, und der von einer geheimen Eitelkeit herrührt. Demütig von Geist und Herzen, brachte er Gott das Opfer seines Wissens, ohne je zu widersprechen oder sich in gelehrtes Gezänke einzulassen. Durch Gehorsam versicherte er sich des Verdienstes seiner Handlungen und brachte es so weit in dieser Tugend, dass es schien, als hätte er keinen eigenen Willen mehr. Durch diese Unterwürfigkeit gegen seinen Führer wich er den Klippen aus, an denen er unfehlbar hätte scheitern müssen, wenn er sein eigener Steuermann geblieben wäre. Von jenem sichtbaren Berg, den er bewohnte, schwang er sich in heiligem Flug zum unsichtbaren Gott empor, dessen Willenerkennung sein einziges Geschäft ausmachte. Daher bemerkte er aufmerksam alle Regungen der Gnade, um derselben getreulich zu entsprechen.

 

Der glühende Noviz verwandte 4 Jahre, um sich zu prüfen und unterweisen zu lassen, ehe er die Klostergelübde ablegte. Er dachte, und er hat es auch in seinen Schriften tief eingeprägt, dass ein solcher Schritt ein reifes Alter und ernste Prüfungen voraussetze. Als er den Tag seiner Opferung herankommen sah, bereitete er sich durch Beten und Fasten dazu vor, um sie zur höchst möglichen Vollkommenheit zu steigern. Seine feierliche Weihe, womit er sich Gott gänzlich hingab, brachte die kostbarsten Früchte der Gnade hervor. Martyrius sah mit Staunen, wie sein Jünger auf der Bahn des Heils mit jeglichem Tag so unaufhaltsam schnell voranschritt.

 

Nach Martyrius Tod, der in das Jahr 650 fiel, entschloss sich der Heilige, zufolge des von seinem Gewissensleiter ihm erteilten Rates, das Einsiedlerleben anzutreten. Er begrub sich daher in die Einsiedelei von Thola, die auf der Ebene am Fuß des Berges Sinai lag. Seine Zelle war etwa zwei Stunden von der Kirche entfernt (Es scheint, dass es die Kirche zu Unserer Lieben Frauen war, die der Kaiser Justinian für die Mönche auf dem Gipfel des Sinai bauen ließ.), wo er sich jeden Samstag und Sonntag hinbegab, um dem Gottesdienst beizuwohnen und mit den Mönchen und Einsiedlern der Wüste das heilige Abendmahl zu empfangen. Er vermied jegliche Sonderbarkeit, indem er dies als ein Kind der eitlen Ehrsucht ansah: darum aß er von allem, was den ägyptischen Mönchen nicht verboten war, und begnügte sich damit, die Grenzen der strengsten Mäßigkeit niemals zu überschreiten. Das Gebet war seine liebste und beste Beschäftigung. Immer entflammt von heiligem Eifer vergaß er nie die Gegenwart Gottes. Seine Gedanken, Worte und Werke bezogen sich unbedingt auf die Erfüllung des göttlichen Willens. So übte er in der Tat, was er allen Christen so teuer anbefohlen hatte. Durch unausgesetzte Übung der Beschauung erwarb er sich vollkommene Herzensreinheit und eine außerordentliche Fertigkeit, in allem den Finger Gottes zu erkennen. Er widmete eine geraume Zeit dem Lesen der göttlichen Schriften und der Werke der heiligen Väter, wodurch er selbst einer der größten Kirchenlehrer geworden ist. Allein er verbarg seine seltenen Fähigkeiten und die besonderen Gnaden, womit seine Seele bereichert war, in der Furcht den kostbaren Schatz der Demut zu verlieren. Er wusste, dass sich das Gift der eitlen Ehre so leicht einschleicht, und dass es, ohne außerordentliche Wachsamkeit von unserer Seite, unseren besten Handlungen anklebt und uns alles Verdienst raubt.

 

Obgleich Johannes in seiner Abgeschiedenheit als wahrer Einsiedler lebte, so glaubte er doch, er wäre nicht genug entfernt von der Gemeinschaft der Menschen. Er höhlte sich daher eine Grotte in einer benachbarten Felsenkluft, um sich wenigstens von Zeit zu Zeit da einzuschließen. Wenn er sich darin befand, ergab er sich mit mehr als menschlichem Feuereifer allen Übungen der Beschauung. Er war von so glühender Liebe und so lebhafter Zerknirschung durchdrungen, dass beinahe immerwährend eine Tränenflut seinen Augen entströmte. Der Anblick der von diesem Leben unzertrennlichen Armseligkeiten erpressten ihm Seufzer und Wehklagen, die so heftig die Lüfte durchschollen, als nur immer die Schmerzensschreie derjenigen, die als eine Beute des Schwertes oder der Flammen erliegen müssen. Sein innigstes Verlangen wäre gewesen, immer allein und den Menschen ganz unbekannt zu leben. Allein die Strahlen seiner Tugend verbreiteten sich gegen seinen Willen umher. Man kam sich bei ihm Rat zu holen als bei einem Mann, dem die Hinterlage des Heils anvertraut war, und er konnte einem Einsiedler namens Moyses nicht versagen, ihn unter seine Leitung zu nehmen.

 

Der Diener Gottes hatte eine ungewöhnliche Fertigkeit, die Seelenkrankheiten zu heilen. Ein Mönch mit Namen Isaac, den die heftigsten Versuchungen wider die Reinheit fast in Verzweiflung gebracht hatten, erfuhr dies zu seinem höchsten Glück: er ging zum Heiligen, entdeckte ihm noch mehr mit Tränen, als mit Worten den schweren Kampf, den er zu bestehen hatte. Johannes Klimakus sagte ihm: „Mein Sohn, lass uns zu Gott im Gebet unsere Zuflucht nehmen.“ Und sogleich warfen sie sich beide auf die Knie nieder, den Himmel um Beistand anzuflehen, und von jener Zeit war Isaac keinen Augenblick mehr von dem unlauteren Geist beunruhigt. Auch viele andere Personen nahmen in geistlichen Nöten ihre Zuflucht zum heiligen Johannes, und jedes Mal ernteten sie die reichlichsten Früchte ein.

 

Wer sollte nun nach diesem glauben, dass der Heilige noch Feinde haben konnte? Und dennoch hatte er einige – selbst unter den Einsiedlern. Sie beschuldigten ihn der Zeitverschwendung in eitlen Gesprächen, als hätte er die Absicht, der Menschen Achtung zu gewinnen. Die Anschuldigung war gewiss eine Verleumdung. Allein der Heilige sah sie als eine freundliche und liebreiche Mahnung an: er legte sich deshalb ein strenges Stillschweigen auf, und brachte beinahe ein ganzes Jahr zu, ohne mit jemanden zu reden. Seine Feinde, entwaffnet durch seine Demut und Bescheidenheit, erkannten die Falschheit ihrer Aussage. Sie gesellten sich zu den übrigen Mönchen, auf dass sie ihn beschwuren, das ihm von Gott verliehene Talent nicht zu vergraben, und diejenigen, die sich bei ihn Rat einholten, der Hilfe seiner Einsichten nicht zu berauben. Johannes unterbrach sein Stillschweigen mit eben der Demut, die ihn zu deren Beobachtung bewogen hatte, und fuhr fort, die, die sich an ihn wandten, zu unterrichten. Man redete überall von seiner großen Weisheit und gesetzten Erfahrung: man betrachtete ihn als einen anderen Moyses, dem Gott einen Teil seines Geistes mitgeteilt hatte.

 

Kurz darauf, das heißt, im Jahr 600, wurde unser Heiliger einhellig zum Abt des Berges Sinai und zum allgemeinen Vorsteher aller Mönche und Einsiedler des Landes erwählt. Er war damals 75 Jahre alt und hatte demnächst 60 Jahre in der Einöde zugebracht. Kaum war er zu dieser Würde erhoben worden, als eine große Dürre entstand, der eine verderbliche Hungersnot folgte. Die Einwohner Palästinas und Arabiens wandten sich an ihn, wie an einen anderen Elias, um seine Fürbitte bei Gott zu erlangen. Johannes, gerührt durch das Unglück dieser armen Völker, nahm seine Zuflucht zum Gebet und erflehte vom Himmel einen gedeihlichen Regen, der den dürren Feldern ihre Fruchtbarkeit wiedergab. Um dieselbe Zeit erhielt er einen Brief von Gregor dem Großen, der damals auf dem Stuhl des heiligen Petrus saß. Dieser heilige Papst schrieb ihm, um sich in sein Gebet zu empfehlen und mitzuteilen, dass er ihm Geld und sonstige Dinge sende, um das Pfleghaus, das in einiger Entfernung vom Berg Sinai zum Behuf der Pilger erbaut war, auszustatten.

 

Der gottselige Johannes, der Abt von Raithus, einem am Roten Meer gelegenen Kloster, wollte die Früchte der Belehrungen des Heiligen auch den künftigen Jahrhunderten überliefern. Er bat ihn daher, eine Sammlung von Vorschriften, wodurch eifrige Seelen zur christlichen Vollkommenheit geleitet werden könnten, zu veranstalten. Der Heilige stellte ihm vor, das Unternehmen gehe über die Kräfte eines Sünders wie er: doch ergab er sich endlich den wiederholten Bitten, ohne sich jedoch des glücklichen Erfolges zu schmeicheln: „Ich habe getan,“ sagte er, „was von mir abhing, aus Furcht, das Joch des Gehorsams abzuwerfen, den ich immerdar als die Mutter aller Tugenden ansehe. Ich darf nicht glauben, etwas Nützliches zutage gefördert zu haben. Gleich einem Schüler der Mahlerkunst habe ich nur einen rohen Abriss hingeworfen. Nur ein vollkommener Meister wie du, vermag an dieses Werk letzte Hand anzulegen.“ Dieses ist der Ursprung des vortrefflichen Buches, betitelt: Climax oder Leiter, weil darin die Seele von Stufe zu Stufe hinangeleitet wird bis zur höchsten Vollkommenheit.

 

Dieses Buch besteht aus Aphorismen oder Sprüchen, die in wenig Worten einen hohen Sinn enthalten. Seine Schreibart ist einfach, aber edel; gedrängt, aber deutlich. Man findet darin eine wunderbare Salbung und eine gewisse Sprache der Demut, die dem Leser das Vertrauen abgewinnt. Was aber das Hauptverdienst dieses Werkes ausmacht, ist der Adel und die Erhabenheit der Gefühle im Bund mit einer vollkommenen Darstellung aller Tugenden. Der Verfasser beschränkt sich nicht auf die Zergliederung der Vorschriften. Er stellt sie lebendig durch Beispiele dar, und unter diesen wählt er vorzugsweise jene, wo die Liebe des Gehorsams und der Buße hervorstrahlt. Einige davon seien hier angeführt.

 

In Ägypten war ein Kloster mit 330 Mönchen, die der Heilige besucht hatte. Ein Bürger von Alexandrien namens Isidor meldete sich an der Pforte, um darin aufgenommen zu werden. „Mein Vater,“ sagte er zum Abt, „ich bin in deinen Händen, was das Eisen in den Händen des Schmiedes ist.“ „Ich befehle dir,“ antwortete der Abt, „an der Pforte zu harren und dich vor allen, die du siehst, auf die Knie zu werfen, mit den Worten: Habet die Güte für mich zu beten, dieweil meine Seele mit einem gefährlichen Aussatz behaftet ist.“ Auf diese Art gingen 7 Jahre vorbei. Als der heilige Johannes Klimakus Isidor sah, fragte er ihn, was er in dieser langen Prüfung bei sich gedacht habe. „Im ersten Jahr,“ sagte er ihm, „betrachtete ich mich als einen wegen seiner Sünden verdammten Sklaven und habe recht harte Kämpfe bestanden, im zweiten war ich ruhig und voll des Vertrauens auf des Herrn Beistand.“ Er fügte noch bei, dass er im dritten Jahr die Verdemütigungen mit Freude ertragen habe. Dieser heilige Büßer erschwang einen solchen hohen Tugendgrad, dass sich der Abt des Klosters nicht nur entschloss ihn aufzunehmen, sondern ihn noch zum Priester weihen ließ. Isidor, der in seinem Stand bleiben wollte, bat um einigen Verschub und starb 7 Tage darauf.

 

Der heilige Johannes Klimakus wurde nicht wenig gerührt durch die Tugend eines Kochs desselben Klosters. Da er ihn allzeit versammelt und von Tränen übergossen sah mitten in seinen Beschäftigungen, die nichts als Irdisches darboten, befragte er ihn um die Art, wie er seine Seele in dieser Geistessammlung und Zerknirschung erhalte. „Wenn ich die Mönche bediene,“ sagte der gute Ordensmann, „gedenke ich nicht Menschen, sondern Gott selbst in Person seiner Angelobten zu dienen. Und der Anblick dieses Feuers, das ich allzeit vor meinen Augen habe, erinnert mich an die Flammen, in denen die Sünder ewig brennen werden.“ Nachdem der Heilige eine sehr rührende Beschreibung des Büßerklosters machte, der Kerker genannt, das eine Meile von dem soeben erwähnten entlegen war, erzählt er folgenden Zug von Johannes dem Sabaiten. „Als ein Einsiedler“ (es ist Johannes der Sabaite selbst, der in der dritten Person von sich redet), „als ein Einsiedler sich in seinem Kloster mit einer gewissen Ehrerbietung behandelt sah, meinte er in Gefahr zu schwebe, seine Sünden daselbst nicht gehörig abbüßen zu können. Er verließ es also mit Bewilligung seines Obern und bezog ein Kloster in Pontus. Drei Jahre darauf sah er im Traum einen Zettel, wo alle seine Schulden aufgeschrieben waren: sie beliefen sich auf einhundert Pfund Goldes, und er hatte erst zehn davon abgetragen. Armer Antiochus, sagte er oft zu sich selbst, du hast große Schulden zu bezahlen, nachdem er zehn Jahre in der Übung der Demut und Buße zugebracht hatte, wurde ihm ein zweites Gesicht zuteil, dass ihm alle seine Schulden als abgetan vorstellte.“

 

Ein anderer Einsiedler, der in einer großen Vernachlässigung seiner Pflichten gelebt hatte, wurde mit einer schweren Krankheit heimgesucht: er verlor das Bewusstsein und man hielt ihn eine Stunde lang für tot. Als er aber wieder zu sich gekommen war, vermauerte er die Tür seiner Zelle und brachte noch 12 Jahre darin zu. Er weinte ohne Unterlass und war nur mit der Betrachtung des Todes beschäftigt. Da er dem Tod nahe war, ging man in die Zelle, ihm die nötige Hilfe zu leisten. Allein man konnte nur noch diese Worte aus ihm bringen: „Wer immerdar den Tod vor Augen hat, wird niemals sündigen.“

 

Nebst der heiligen Leiter haben wir noch von Johannes Klimakus einen Brief an den gottseligen Abt von Raithus. Es werden darin die Pflichten eines wahren Hirten entwickelt, wovon die vorzüglichsten sind, dass er keusch sei an Leib und Seele, unablässig an der Heiligung der Seelen arbeite, jene zurückführe, die vom rechten Weg sich entfernen, und sie aneifere, ihre Standespflichten getreu zu erfüllen, dass er unerschütterlich sei und voll der Kraft, doch so, dass die Strenge durch die Sanftmut gemildert werde, dass er Anteil nehme an der menschlichen Schwachheit, indem er sich nach jeder Gemütsart richte, um dadurch alle für Jesus Christus zu gewinnen. „Unter allen Opfergaben,“ sagt der Heilige, „die man Gott darbringen kann, sind unbezweifelt keine kostbarer in seinen Augen als jene, der durch die Buße und Liebe geheiligten Seelen.“

 

Der heilige Johannes Klimakus hatte 4 Jahre seinen Mönchen des Berges Sinai vorgestanden: sein sehnlichster Wunsch war aber, ein Amt niederzulegen, das er nur mit Zittern angenommen hatte und dass er als eine furchtbare Bürde ansah. Er gedachte daher sich ihm zu entledigen und erwartete nur noch eine schickliche Gelegenheit zur Ausführung dieses Vorhabens. Diese Gelegenheit stellte sich schließlich auch kurz vor seinem Tod ein. Da er wieder sich selbst zurückgegeben war, widmete er sich mit neuem Eifer dem Gebet und der Betrachtung. Er starb in seiner Einsiedelei zu Thola den 30. März 605, in seinem 80. Lebensjahr. Der Abt Georg, sein Nachfolger, der von Gott die Gnade erbeten hatte, nicht von seinem geistlichen Vater getrennt zu werden, folgte ihm einige Tage darauf ins Reich der Seligen.

 

Der heilige Johannes Klimakus ist außerordentlich feurig, wenn er von der Erhabenheit und den Wirkungen der Liebe redet: „Eine Mutter,“ sagt er, „verspürt kein so großes Vergnügen, wenn sie ein geliebtes Kind an ihrer Brust nährt, als dem wahren Kind der Liebe zu Teil wird, in seiner Vereinigung mit Gott und in den Armen seines himmlischen Vaters . . . Die Liebe bringt einige beinahe ganz außer sich, andere bestrahlt sie mit ihrem Licht und erfüllt sie mit solcher Wonne, dass sie sich nicht erwehren können auszurufen: Auf den Herrn habe ich vertraut, er hat mir geholfen. Mein Körper blüht wiederum auf, daher will ich ihn von ganzem Herzen loben (Ps 27). Diese Freude, die sie in ihrem Herzen fühlen, strahlt aus ihrem Antlitz hervor. Und wenn sie Gott mit seiner Liebe vereinigt, oder sie gleichsam in sie einverleibt hat, lässt er in ihrem Äußeren, wie in einem Spiegelglas, den Glanz und die Ruhe ihrer Seele hervorschimmern. So wurde Moyses, als er gewürdigt wurde den Herrn zu schauen, von himmlischem Glanz umflossen.“ Der heilige Johannes Klimakus pflegte in folgendem Gebet die Liebe zu erflehen: „Mein Gott, ich hoffe nichts auf Erden, als mit dir im Gebet so innig vereinigt zu sein, dass ich nie von dir getrennt werden kann. Andere mögen Reichtümer und Ehre verlangen, ich begehre nichts, als mit dir unzertrennlich vereint zu sein, und auf dich allein alle Hoffnung meiner Wohlfahrt und Ruhe zu setzen.“

 

Der heilige Regulus, Apostel und erster Bischof von Senlis in Frankreich,

+ 4. Jahrhundert - Fest: 30. März

 

Regulus, oder wie ihn die Franzosen nennen: Rieule, brachte das Glaubenslicht in die Gegend von Senlis um die Zeit, wo der heilige Dionysius in Frankreich predigte. Gott segnete seine apostolischen Arbeiten durch die Bekehrung einer Menge Ungläubiger. Er war der erste Bischof von Senlis und starb in Frieden im Kreis seiner Herde.

 

An demselben Tag verehrt man außerdem einen anderen heiligen Regulus, den Bischof von Arles( + 30.3.130). Es ist wahrscheinlich, dass er ebenfalls von Rom aus nach Gallien gesandt worden ist. Man weiß nichts Besonderes von seinen Taten. Es lässt sich keineswegs bezweifeln, dass es einen heiligen Regulus von Arles gegeben hat. Dies bestätigen verschiedene Denkmale, als die alten Dyptichen der Kirche von Arles, die Mabillon ans Licht förderte, ein Sakramentarium aus der Mitte des 11. Jahrhunderts, handschriftliche Breviere aus dem 13. und 14. Jahrhundert, die sich im Cabinat des Abbé Bonnemant, Promotor der Diözese Arles, noch in den letzten Zeiten befanden, das Brevier vom Jahr 1501, das Messbuch von 1530, ein anderes Brevier von 1549, das Proprium Sanctorum von 1612 und 1656; endlich ein geschriebenes geschichtliches Verzeichnis der Bischöfe und Erzbischöfe von Arles, das der Kardinal von Foix 1457 gefertigt hat, und das ebenfalls urschriftlich bei dem oben erwähnten Abbé Bonnemant zu sehen war. Allein der heilige Regulus ist nur durch die Verehrung, die man ihm erweist, bekannt, und das, was die Legenden von ihm sagen, lässt sich nicht wohl mit Grund annehmen.

 

Der heilige Petrus Regalatus,

Franziskaner-Ordenspriester von Valladolit in Spanien,

+ 30.3.1456 – Fest: 30. März

(Gedenktag bei den Franziskaner-Observanten und in Valladolit: 13. Mai)

 

Dieser Heilige wurde zu Valladolit in Spanien im Jahr 1390 von edlen und gottesfürchtigen Eltern geboren und ließ schon als zartes Kind deutliche Zeichen seiner künftigen Heiligkeit erkennen. Denn er zog sich gerne von der Gesellschaft der anderen Kinder zurück, um lediglich im Gebet mit dem lieben Gott zu verkehren und sich in der Abtötung und sonstigen Tugenden zu üben. So wurde er bald zu einem guten Erdreich, in dem der Same besonderer göttlicher Gnade Wurzel schlagen und Frucht bringen konnte. Diese besondere Gnade war der Beruf zum Franziskanerorden, in den er, kaum zum jungen Mann herangewachsen, voll Gottbegeisterung und Verlangen nach den höchsten Tugenden eintrat. Vor allem blieb er der Abtötung treu, die er schon bisher so sehr geliebt, steigerte sie aber noch bis zur Grenze des Möglichen. Besonders beobachtete er fast beständiges Stillschweigen und hielt wie der heilige Franziskus jedes Jahr neun vierzigtägige Fastenzeiten, so dass er also das ganze Jahr fastete. Ebenso folgte er seinem Ordensstifter in der Übung der heiligen Armut aufs Getreueste nach. Dafür machte ihn dann aber auch der Herr dem seraphischen Vater ähnlich durch die flammende Gottesliebe, womit er ihn begnadete. Man sah den Heiligen infolge dieser Liebe manchmal wie von Flammen umhüllt gleich einem Seraph des Himmels, so dass das Kloster förmlich in Brand zu stehen schien. Las er die Heilige Messe, so verursachte diese Gottesliebe häufig reichliche Tränen der Rührung und Andacht, die sich über sein Antlitz ergossen. Wie aber der Prüfstein der Gottesliebe die Nächstenliebe ist, so ließ sich Petrus Regalatus auch diese Tugend mit dem größten Eifer und der größten Selbstverleugnung angelegen sein. Die Armen und Kranken nahm er gleich auf offener Straße mit sich und führte sie ins Kloster, wo er sie persönlich versorgte und verpflegte. Dabei scheute er selbst vor den Aussätzigen und ihren ekelerregenden Wunden nicht zurück. Über der liebevollen Fürsorge für Fremde vergaß er jedoch keineswegs, was er seinen Mitbrüdern schuldig war. Namentlich als ihn das Vertrauen seiner Obern zum Vorsteher eines Klosters erwählt hatte – womit er selbst jedoch am wenigsten einverstanden war – wurde er seinen Untergebenen alles, sowohl was ihr leibliches wie geistiges Wohl betraf. In erster Linie war er stets darauf bedacht, ihnen im Guten mit dem erbaulichsten Beispiel voranzugehen. Diese Heiligkeit seines Dieners belohnte denn auch Gott durch zahlreiche und glänzende Wunder, die er durch ihn oder an ihm wirkte. Er ließ ihn jetzt auf wunderbare Weise tiefe oder reißende Flüsse überschreiten, dann von Engelshänden durch die Lüfte tragen, ein anderes Mal im Gebet hoch empor schweben u.a.m. Desgleichen besaß der Heilige die Gabe der Weissagung und der übernatürlichen Erkenntnis verborgener Dinge.

 

Solch einem heiligen und gottbegnadeten Leben entsprach endlich auch ein heiliger und seliger Tod. Mit den Worten: „Herr, in deine Hände befehle ich meinen Geist!“ schied der heilige Petrus Regalatus von dieser Welt im sechsundsechzigsten Lebensjahr. Auch nach seinem Tod geschahen auf seine Anrufung hin sehr viele Wunder. Infolgedessen gestattete bereits Papst Innozenz XI. sein Fest durch Abbetung der heiligen Tagzeiten und Darbringung des hl. Messopfers zu feiern, Papst Benedikt XIV. aber versetzte ihn im Jahr 1746 unter die Zahl der Heiligen.

 

Dass der heilige Petrus Regalatus freiwillig so viele Fastenzeiten hielt, beweist, welch tiefes Verständnis er für die fromme Übung des Fastens besaß. Ja, wer vom Fasten nichts wissen wollte, dem fehlte es am wahren christlichen Geist, weil er in einer wichtigen Hinsicht – nämlich was Speise und Trank betrifft – die christliche Abtötung außer Acht ließe und der Sinnlichkeit die Herrschaft einräumte. Ein solcher würde sich auch in Widerspruch setzen mit dem Beispiel aller Heiligen und Diener Gottes sowohl des Alten wie des Neuen Bundes, vor allem mit dem Beispiel Jesus unseres Heilandes, der einst vierzig Tage und vierzig Nächte fastete und wiederholt vom Fasten als von etwas ganz Selbstverständlichem sprach. Hierauf beruht das Fastengebot der katholischen Kirche. Wer also ein wahrer Jünger Jesu sein will, beobachtet dasselbe gern und gewissenhaft. Sagt doch z.B. auch der heilige Cyprian: „Das Fasten macht die Menschen zu Engeln.“

 

31. März

 

Die heiligen Martyrer von Uganda

 

Nachdem unter dem 10. März bereits der 40 heiligen Martyrer von Sebaste gedacht wurde, soll der heutige letzte Monatstag dem Andenken einer anderen Heldenschar geweiht sein, die in einer Stärke von insgesamt zweiundzwanzig Männern erst Ende des neunzehnten Jahrhunderts in glorreicher Weise den Tod für Christus erlitt. Es handelt sich bei diesen Martyrern um Schwarzafrikaner, von denen die Mehrzahl Jungen und junge Männer waren.

 

Uganda ist ein Königreich in Mittelafrika. Kurz vor dem Jahr 1880 kamen die ersten Missionare dorthin, hatten aber wenig Erfolg und mussten schließlich wegen der Feindseligkeiten, denen sie begegneten, das Land wieder verlassen. Die Lage änderte sich erst, als beim Tod des Herrschers ein junger König den Thron bestieg, der die Missionare zurückrief.

 

Der neue Beginn lief gut an. Das Christentum fasste besonders unter den Beamten und Edelknaben am Hof des Königs festen Fuß. Unter ihnen ragte der zwanzigjährige Karl Lwanga hervor, ein Gruppenführer der Edelknaben, der als echter Laienapostel die Kameraden mit seiner hellen Begeisterung für den christlichen Glauben förmlich ansteckte. So war alles in bestem Fluss, bis der achtzehnjährige König, von heidnischen Ratgebern aufgehetzt, sein Verhältnis zu den Christen von Grund auf änderte. Aus dem anfänglichen Gönner entwickelte sich ein grimmiger Verfolger.

 

Als einer der ersten erlitt Karl Lwanga den Martertod. Bei lebendigem Leib wurde er von den Füßen her langsam verbrannt, ohne dass er dabei auch nur einen einzigen Schmerzensschrei ausstieß.

 

Dann kam die Reihe an die anderen, Jungen und junge Männer im Alter von elf bis zwanzig Jahren, trotz ihrer Jugend wirkliche Helden, denn keiner ließ sich vom Glauben abbringen, und alle ertrugen mit mutiger Standhaftigkeit die grausamen Qualen des Feuertodes. Man umwand sie einzeln meterdick mit trockenem Schilf und stellte sie wie Korngarben auf dem Feld nebeneinander, um sie dann anzuzünden, und bei all diesen grausigen Vorbereitungen hat keiner von den herrlichen Christusjüngern geklagt.

 

So begann der letzte Akt dieses schrecklichen Schauspiels. Von allen Seiten wurden sie angezündet, und als die Flammen die lebendigen Schilfgarben zu umzüngeln begannen, hörte man laut und vernehmlich aus dem knisternden Feuer die betenden Stimmen der treuen Bekenner, die allmählich leiser wurden und schließlich verstummten. Nach einer halben Stunde war alles vorüber. Afrikas junge Missionskirche hatte die erste Feuerprobe bestanden und in den Helden von Uganda Martyrer vom höchsten Glanz gezeitigt.

 

Das alles hört sich an wie eine alte Sage, und es ist doch Wirklichkeit, vielfach bezeugt und von der Kirche durch die Heiligsprechung der Helden bestätigt, und weil das Blut der Martyrer bekanntlich der Same neuer Christen ist, ist Uganda, die Heimat der Blutzeugen, heute bereits mehrheitlich katholisch.

 

Die heiligen Martyrer von Uganda beweisen aufs Neue, dass die Christushelden niemals aussterben. Unter allen Gnaden aber, die Gott verteilt, ist die Gnade des Martertodes eine der größten. Auch jungen Menschen wird diese Gnade als Zeichen einer besonderen Auserwählung von Seiten Gottes zuweilen gewährt.

 

Der heilige Achatius (Acacius), Bischof von Melitene, Armenien,

+ 251 – Fest: 31. März

 

In den Akten, die uns über die Bekenner und Blutzeugen der ersten christlichen Jahrhunderte überliefert sind, finden sich oft die ganzen Gerichtsverhöre aufgezeichnet. Der Inhalt dieser Verhöre lässt uns nicht nur den Gang und die Art des gerichtlichen Verfahrens erkennen, er gibt uns vor allem recht dankenswerte Aufschlüsse über die Anschauungen, den Glauben, das Hoffen und Lieben der ersten Christen.

 

Acacius, Achatius, war Bischof von Melitene oder von Antiochien (nicht der bekannten Hauptstadt Syriens) in der Landschaft Melitene in Kleinarmenien. Er erwies sich als „ein Schirm und eine Zuflucht der ganzen Gegend von Antiochien“ und, wie sein Beiname „Agathangelus“, guter Engel, beweist, als ein treuer Führer und Schützer seines Volkes. Als darum Kaiser Decius, nach längerer Zeit der Ruhe für die Christen, sein bekanntes Edikt erließ, das alle Christen aufforderte, den römischen Götzendienst mitzumachen, und sie im Fall der Weigerung mit den härtesten Martern bedrohte, wurde sofort auch Bischof Achatius vor Gericht geschleppt, weil man die christliche Herde am leichtesten dadurch rat- und schutzlos machen zu können glaubte, dass man ihre Hirten durch den Martertod entfernte oder gar zum Abfall brächte. Alle Qualen der Kerker und Erfindungen der Grausamkeit wurden damals angewendet. Da viele Christen infolge der langen Ruhe und Sicherheit den alten Heldengeist der Martyrer früherer Zeit eingebüßt hatten, litt das Boot des heiligen Petrus manch traurigen Schiffbruch, in Rom wie in Karthago, in Alexandrien und in Smyrna. Umso ruhmvoller glänzen diejenigen, die mit unüberwindlichem Starkmut an ihrem Glauben hingen und mit Christus „die Welt überwanden“. Achatius wurde ein solch ruhmbedeckter, mutvoller Bekenner, ist aber schließlich ein seltenes Beispiel geworden, wie der Edelmut und die Glaubenstreue eines standhaften Mannes selbst Verfolgern wie Decius ein Gefühl der Hochachtung und schonender Milde abzuringen vermochten.

 

Der kaiserliche Statthalter, Konsular Martianus, eröffnete das Verhör folgendermaßen: „Du musst unsere Fürsten lieben, da du unter dem Schutz der römischen Gesetze lebst.“ Achatius antwortet: „Wem liegt das wohl mehr am Herzen und von wem wird wohl der Kaiser so geliebt, als von den Christen? Denn wir beten eifrig und beständig für ihn, dass er lange lebe und in Gerechtigkeit über die Völker herrsche, und besonders dass seine Regierung friedlich bleibe. Dann beten wir auch für das Heil der Soldaten und für alle Stände im Reich.“ Martian: „Dies ist sehr löblich; aber damit der Kaiser noch größere Beweise deiner Unterwürfigkeit habe, komm und bring ihm mit uns ein Opfer dar.“ Achatius: „Ich bete zu meinem Herrn, dem wahren und großen Gott, für die Wohlfahrt des Kaisers; ein Opfer aber kann dieser von uns nicht verlangen, noch dürfen wir es ihm leisten. Wer wird denn einem Menschen göttliche Ehre erweisen?“ Martian: „Sage, zu welchem Gott betest du denn, damit auch wir ihm göttliche Opfer darbringen.“ Achatius: „O wie sehr wünschte ich, dass du meinen Gott erkenntest! Wie sehr wäre dir diese Erkenntnis zum Heil!“ Martian: „So sage mir doch seinen Namen!“ Achatius: „Es ist der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs.“ Martian: „Sind das lauter Namen von Göttern?“ Achatius: „Nein, nicht diese sind Götter, sondern der zu ihnen geredet hat, ist der wahre Gott. Diesen müssen wir verehren.“ Martian: „Wer ist denn dieser?“ Achatius: „Der allerhöchste Herr, der über den Cherubim und Seraphim thront.“ Martian: „Seraphim? Was ist das?“ Achatius: „Ein Diener des höchsten Gottes, der vor seinem erhabenen Thron steht.“

 

Dem Martian war diese Belehrung zu hoch. Er wollte den christlichen Lehrer wieder auf das Opfer zurückbringen, das er seinen, den heidnischen Göttern, wie dem Apollo und anderen, schulde. Da aber ging der Bischof in längerer Rede auf die Ungereimtheiten der alten Göttergeschichten ein und gab sie unbarmherzig der gebührenden Lächerlichkeit preis. „Dem Apollo soll ich opfern, der nach unserer Meinung getötet worden ist? Der unglückselig von Liebe zu einem Mädchen entbrannt (der Daphne nämlich, die dem Apollo entfliehend, in einen Lorbeerbaum verwandelt worden ist), erschreckt davon lief, ohne zu wissen, dass er die so sehr gewünschte Beute verlieren würde. Er war also offenbar nicht allwissend, weil er das nicht wusste, er war auch kein Gott, weil er sich von einem Mädchen betrügen ließ. Der einen gewissen Hyazinthus, den er liebte und zu sehen wünschte, unwissend und jämmerlich mit dem Diskus (einer Wurfscheibe) tötete? Der zur Strafe, weil er die Cyklopen, die Knechte Vulkans, tötete, neun Jahre lang fremde Schafe (die des Königs Admetus von Thessalien) hüten musste? Dem soll ich opfern? Oder vielleicht dem Äsculap, den Jupiters Donnerkeil erschlug? Oder der ehebrecherischen Venus oder den übrigen Ungeheuern, sollte ich denen etwa Opfer bringen? Um dieses Leben zu erhalten, sollte ich die anbeten, die nachzuahmen ich mich schämen müsste? Die ich verachte, die ich anklage, die ich verabscheue? Ja, die Taten begangen haben, die keinen, der sie nachahmen wollte, von der Strenge eurer Gesetze schützen würden? Ihr ehret noch das an ihnen, was ihr an anderen verdammt?“

 

Als der Statthalter dem mutigen Bekenner mit der kurzen Drohung: „Entweder du opferst oder du musst sterben“, die Rede abschneiden wollte, da antwortete er treffend: „Das können auch die Dalmater (eine bekannte Räubergesellschaft), die in der Räuberkunst so erfahren sind, die im Hinterhalt lauern, und sobald ein Wanderer irgendwo den Fuß hinsetzt, ihn zwingen, entweder sein Geld oder das Leben zu lassen. Da fragt auch keiner, was Recht ist, sondern nur, was er mit Gewalt erzwingen kann. So ist auch dein Urteil, da du eine Ungerechtigkeit von mir forderst, und wenn ich sie nicht begehe, mit dem Tode drohst. Aber ich erschrecke nicht, ich fürchte nichts ... Wenn ich eines jener Verbrechen schuldig wäre, wie sie das öffentliche Recht bestraft, so würde ich mich selbst verurteilen, noch ehe du das Urteil aussprichst. Wenn ich aber nur deswegen, weil ich den wahren Gott verehre, bestraft werden soll, so werde ich nicht nach dem Gesetz, sondern nach der Willkür des Richters verurteilt. Es steht geschrieben: „Jeder wird, wie er richtet, auch gerichtet werden“ (Mt 7,2). Wie du also tust, so wird auch dir geschehen.“

 

Martian erwiderte: „Ich bin nicht beauftragt zu richten, sondern zu zwingen. Wenn du dich also weigerst, so kannst du der Strafe gewiss sein.“

 

Darauf gab Achatius die mannhafte Antwort: „Auch ich habe ein Gebot, nämlich dass ich meinen Gott nicht verleugne. Wenn du dich verbunden hältst, einem sterblichen Menschen zu gehorchen, von dem du weißt, dass er bald aus dieser Welt scheiden und eine Speise der Würmer sein wird, wieviel mehr muss ich dem allmächtigen Gott gehorchen, dessen Kraft in Ewigkeit währt und der den Ausspruch getan hat: „Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde ich auch vor meinem Vater verleugnen, der im Himmel ist“ (Mt 10,33).

 

Das Wort vom „Vater im Himmel“ gab dem Heiden Anlass, näher nach dem „Sohn Gottes“ zu forschen. Achatius erklärte: „Der Sohn Gottes sei das Wort der Wahrheit und der Gnade. Er wird Jesus Christus genannt. Gott hat aber seinen Sohn nicht nach der Weise der Menschen gezeugt. Wie er den ersten Menschen aus Lehm geformt und ihm dann erst Odem und Geist gegeben hat, so ist auch der Sohn Gottes, das Wort der Wahrheit, aus dem Herzen Gottes hervorgegangen. Darum steht geschrieben (Psalm 44,1): „Mein Herz hat ein gutes Wort ausgegossen.“ Gott allein erkennt das. Wir aber erkennen sein unsichtbares Wesen nicht, sondern wir verehren nur seine Macht und Gewalt.“

 

Auf die Aufforderung hin, die Namen der Seinen zu nennen, gab der heilige Bischof die schöne Antwort: „Ihre Namen sind im Buch des Lebens mit göttlicher Schrift aufgezeichnet. Wie können sterbliche Augen das sehen, was die unvergängliche und unsichtbare Kraft Gottes aufgezeichnet hat? Ihr beschuldigt uns einer zauberischen Kunst und der Einführung einer neuen Art Religion. Wir zerstören aber nur Götter, die ihr selbst vorher macht und dann doch fürchtet, obwohl ihr sie selbst gemacht habt. Eure Götter werden euch bald ausgehen, wenn eure Bildhauer keine Steine oder die Steine keine Bildhauer fänden. Wir aber fürchten den, den nicht wir gebildet haben, sondern der uns gebildet hat, der uns als unser Herr erschaffen, als Vater geliebt und als höchster Wohltäter dem ewigen Tod entrissen hat.“

 

Das waren doch wahrhaft köstliche Antworten! Selbst Kaiser Decius muss sie so befunden haben. Denn als ihm, während der treue Bekenner im Kerker schmachten musste, der ganze Prozess vorgelegt wurde, da „fing er an zu lachen, wie die Akten sagen, und gab bald darauf dem Martian die Präfektur von Pamphilien, den Achatius aber bewunderte er in hohem Grad und ließ ihm das Bewusstsein seines Wertes und seiner Religion.“ Das geschah im Jahr 250. Achatius scheint, nach weiterer segensreicher Wirksamkeit für die christliche Kirche, eines sanften Todes gestorben zu sein. Wenn er auch mit dem Titel Martyrer geschmückt wird, so hat er ihn verdient durch sein mutiges Bekenntnis und seine Kerkerhaft, die kaum ohne Entbehrungen und Leiden abgelaufen sein wird.

 

Der wahre Christ und Katholik verteidigt einer ungläubigen Regierung gegenüber seine religiöse Überzeugung unter den größten Opfern. Dieselbe Überzeugung und Gewissenhaftigkeit aber hält ihn an, für die ungerechte Obrigkeit zu beten. „Jedermann sei den höchsten Obrigkeiten untertan, denn die Obrigkeit ist von Gott“ (Röm 13,1).

 

Der heilige Benjamin, Diakon und Blutzeuge in Persien,

+ 31.3.424 – Fest: 31. März

 

Jsdegerdes, der König von Persien, hatte das Feuer der Verfolgung gedämpft, das Sapor II. angezündet hatte, und die Kirche genoss seit 12 Jahren einen erfreulichen Frieden. Allein im Jahr 420 wurde diese Ruhe getrübt durch die Unbescheidenheit eines Bischofs mit Namen Abdas. Getrieben von einem wenig erleuchteten Eifer, bildete er sich ein, er würde ein heiliges Werk verrichten, wenn er das Pyräum oder den Tempel des Feuers, das eine Hauptgottheit der Perser war, einäscherte. Der König ließ ihn vor sich rufen und sagte ihm, dass, wenn er den Tempel nicht wiederherstelle, er Befehl geben würde, alle christlichen Kirchen niederzureißen. Abdas weigerte sich dies zu tun. Dass er den Tempel zerstören ließ, hatte er freilich unrecht. Allein da der Fehler einmal begangen war, konnte er die verlangte Wiederherstellung nicht eingehen, denn es ist wohl dasselbe, wenn man das Feuer anbetet oder ihm einen errichtet. Diese Bemerkung macht Theodoret bei Erzählung dieser Begebenheit. Der aufgereizte König ließ also die Kirchen der Christen zusammenreißen, verdammte den Bischof zum Tode und erregte eine allgemeine Verfolgung, die 30 Jahre dauerte.

 

Varanes, der Sohn und Nachfolger des Jsdergerdes, der 421 gestorben ist, war noch grausamer als sein Vater. Man wird von Schauder ergriffen, wenn man bei Theodoret, der ein gleichzeitiger Schriftsteller ist und in der Nachbarschaft wohnte, die Beschreibung der verschiedenen Martern liest, zu denen man die Christen verurteilte. Einigen streifte man die Haut von den Händen und dem Rücken, andern vom Gesicht von der Stirn bis an das Kinn, andere belegte man mit Schilfsplittern, die man mit Seilen heftig ins Fleisch eindrückte und dann wieder schnell herausriss. Endlich gebrauchte man bis dahin noch unerhörte Foltern, die nur von einer höllischen Bosheit erfunden werden konnten.

 

Unter allen diesen Blutzeugen war der Diakon Benjamin einer der berühmtesten. Zuerst schlug man ihn unmenschlich und ließ ihn dann in den Kerker werfen. Nach Verlauf eines Jahres begehrte der römische Gesandte in Persien seine Loslassung: dies wurde ihm bewilligt, doch nur mit der Bedingung, dass Benjamin keinen der persischen Weisen in der christlichen Religion zu unterrichten sich unterfange. Der Gesandte versprach dem König, dass sein Wille vollzogen würde, in der Hoffnung, der heilige Diakon werde ihm gehorchen. Allein er betrog sich. Benjamin, der sich als einen Diener des Evangeliums ansah, erklärte, dass er nimmerhin die Wahrheit würde gefangen halten, und keineswegs die Verdammung, wie jener feige Knecht, sich zuziehen wolle, der sein Talent vergraben hatte. Er fuhr mithin fort, das Licht des Glaubens überall auszubreiten.

 

Als der König dies erfuhr, ließ er ihn einziehen und versuchte ihn zu Drohungen zu schrecken. Benjamin aber blieb unbeweglich und beschämte den Fürsten durch eine Frage, deren Anwendung handgreiflich war. Er sagte ihm: „Was würdest du von einem deiner Diener halten, der der dir angelobten Treue entsagend, zu deinen Feinden überginge?“ Der König, von Wut entflammt, ließ ihm unter die Nägel der Hände und Füße spitzige Schilfsplitter stecken, wie auch in die anderen empfindsamsten Teile des Körpers, das mehrere Male mit unerhörter Grausamkeit wiederholt wurde. Hierauf befahl er ihn zu spießen. Sein glückseliger Tod erfolgte im Jahr 424. Das römische Martyrologium nennt ihn an diesem Tag.

 

Man fürchtet den Tod nicht, wenn man von wahrem Eifer für die Ehre Gottes beseelt ist. Man bot dem heiligen Benjamin das Leben an. Er aber weigerte sich dessen, weil er es auf Kosten seiner Pflicht hätte erkaufen müssen. Er wusste, dass kein Unterschied ist zwischen Verleugnung seines Glaubens und Vernachlässigung der Mittel, den Namen Jesus zu verherrlichen. Diese Sittenlehre entspricht jedoch dem Geschmack der meisten Christen nicht mehr. Man will die unvereinbarlichsten Dinge zusammenstellen, man will dem neuen Gesetz angehören, ohne was vom Evangelium vorgeschrieben ist zu beobachten, man will eingehen ins Himmelreich ohne den Weg zu gehen, der dahinführt. Seltsame Verblendung! Werden wir denn niemals verstehen wollen, dass wir die Heiligen nachahmen müssen, wenn wir an ihren Herrlichkeiten teilzunehmen wünschen, und dass es unmöglich ist zur Seligkeit zu gelangen, wenn man Gott nicht über alles und aus ganzem Herzen liebt und beständig dahin strebt, auch andere, mehr durch Beispiele als durch Worte, zur Liebe Gottes anzufeuern.

 

Der heilige Wido – Guido, Bekenner und Abt zu Pomposa in Italien,

+ 31.3.1046 – Fest: 31. März

 

Dieser Heilige (In Frankreich nennt man ihn Guyon oder schlechthin Guy. In Deutschland ist er auch bekannt unter dem Namen Wido oder Weiden. Daher der erhöhte Ort, wo das Stift unter dessen Namen in Speier stand, den Namen Weidenberg führt.) wurde geboren in dem Dorf Casemar, drei Stunden von Ravenna. Seine Eltern gaben ihm eine christliche Erziehung, wodurch in ihm die glücklichen Anlagen zur Tugend bald entfaltet wurden. Er bekam die Tonsur auf einer Reise nach Rom. Nachdem er wieder in sein Vaterland zurückgekehrt war, übergab er sich der Führung eines heiligen Einsiedlers, Martin genannt. Drei Jahre nachher bezog er das Kloster Pomposa in der Grafschaft Ferrara. Er wurde daselbst zum Abt erwählt, und die Frömmigkeit blühte bald herrlich auf unter ihm, was denn auch eine Menge Jünger herbeiführte, unter denen Albert, sein Vater, und Gerhard, sein Bruder, sich befanden. Er starb im Jahr 1046, nachdem er dem Kloster Pomposa 40 Jahre vorgestanden hatte. Geduld in den Prüfungen, Liebe zur Einsamkeit und zum Gebet waren die Tugenden, die vorzüglich zu seiner Heiligung beitrugen. Kaiser Heinrich III. ließ seine Überbleibsel nach Speier am Rhein bringen, wo er auch nachher als Hauptpatron verehrt wurde. Nachdem das Stift durch die französische Staatsumwälzung aufgehoben und zerstört worden ist, brachte man diese heiligen Gebeine in die St. Magdalena Kirche zu den ehemaligen Dominikanerinnen, wo bis zur Herstellung des dasigen Domes der Pfarrgottesdienst verrichtet wurde.