Heilige im Juni

 

1. Juni

 

Der heilige Pamphilus, Priester und Martyrer von Cäsarea,

+ 1.6.307 - Fest: 1. Juni

 

Man kann die Wissenschaft nicht genug schätzen, wenn sie durch die Religion geheiligt ist und Gottes Ehre zum Ziel hat. In dieser Gesinnung widmete sich der heilige Pamphilus der Wissenschaft. Er war der Sohn reicher und angesehener Eltern zu Berytus in Phönizien, bildete sich auf der berühmten Schule seiner Vaterstadt aus und machte solche Fortschritte, dass ihm seine Mitbürger frühzeitig eine der ersten obrigkeitlichen Würden übertrugen. Inmitten dieser Ehren und Güter aber fühlte er sich nicht glücklich; sie vermochten den Durst seiner nach Edlerem verlangenden Seele nicht zu stillen, ihm nicht die wahre Freude und Ruhe zu bringen. Immer schauerlicher wurde ihm in der Nacht des Heidentums, in der er geboren und erzogen war. Weder die Philosophen Roms noch Griechenlands, noch die Priester des Heidentums konnten seine Zweifel lösen und seinen Drang nach Wahrheit befriedigen. Endlich leuchtete auch in seine Finsternis das göttliche Licht; Pamphilus lernte die christliche Religion kennen und fand in Jesus Christus, was ihm seine Kenntnisse und die übrigen Gaben der Welt, die er besaß, nicht hatten geben können. Alsbald entsagte er allem, um sich ausschließlich dem Studium der heiligen Schrift und den Tugendübungen zu weihen. Er reihte sich unter die Schüler des Pierius, der dem Origenes als Lehrer auf der berühmten Schule zu Alexandria nachgefolgt war. Hierauf ließ er sich zu Cäsarea in Palästina nieder und sammelte auf seine Kosten eine beträchtliche Bibliothek, die nach dem Bericht des heiligen Isidor von Sevilla aus dreißigtausend Werken bestand und alle Schriften der Alten enthielt. Er selbst verfasste zur Verteidigung und Verbreitung des christlichen Glaubens mehrere Bücher, die von den Vätern sehr gerühmt werden, aber leider nicht vollständig auf uns gekommen sind.

 

Großes Verdienst erwarb er sich besonders dadurch, dass er zum Besten der Kirche eine vortreffliche Ausgabe der Bibel veranstaltete, die er eigenhändig abschrieb und in mehreren Exemplaren verteilte. Überdies errichtete er in Cäsarea eine öffentliche Schule zur Erklärung der heiligen Schriften. Aus Liebe zu seinem gekreuzigten Heiland nahm er auch die Bürde des Priestertums auf sich und führte ein sehr strenges Leben. Nichts war bewunderungswürdiger als seine Demut; die Liebe zu dieser Tugend gibt er deutlich in der Vorrede zu seinem Auszug aus der Apostelgeschichte zu erkennen. Den Armen schenkte er fast seine ganze väterliche Erbschaft und mit seinen Hausgenossen ging er wie ein zärtlicher Vater um. Zuletzt zog er sich ganz in die Einsamkeit zurück und bereitete sich zur Gnade des Martyrertums vor.

 

Und diese sollte ihm auch zuteilwerden. Im Jahr 307 ließ ihn Urbanus, der Statthalter von Palästina, mit mehreren anderen Gläubigen in den Kerker werfen. Die Begeisterung und Beredsamkeit, mit der Pamphilus in der Gerichtssitzung seinen Glauben verteidigte, steigerte nur die Wut des Tyrannen gegen den Bekenner Christi. Er ließ dem Heiligen nur die Wahl zwischen der Verehrung der Götzen und dem qualvollen Tod. Als Pamphilus in seiner Treue zum Heiland beharrte, ließ der Statthalter seinen Leib mit eisernen Kämmen zerfleischen und ihn dann dem Tod nahe in den Kerker zurückbringen. Die grässlichen Wunden des Heiligen heilten wieder, aber er musste zwei Jahre lang in Ketten im Kerker schmachten. Mittlerweile traf die Hand des Herrn den grausamen Urbanus. Er fiel in Ungnade bei dem Kaiser Maximinus, wurde abgesetzt, durch die Straßen der Stadt geschleift und auf öffentlichem Markt enthauptet. Aber Firmilianus, sein Nachfolger, war derselbe Christenfeind. Er hatte kaum sein Amt angetreten, so ließ er Pamphilus und den Diakon Valens, der die ganze heilige Schrift auswendig wusste, vor seinen Richterstuhl fordern, und als er sie in ihrem Glauben unerschütterlich fand, verurteilte er sie zum Tod. Am 16. Februar 309 wurden die Martyrer enthauptet und starben in seliger Zuversicht. Man ließ ihre Leiber unbegraben, damit sie von den wilden Tieren aufgefressen würden; allein nach Verlauf von vier Tagen fand man sie noch unversehrt. Nun wurden sie von den Christen weggetragen und beerdigt.

 

O Gott, deine unendliche Liebe hat Pamphilus aus der Finsternis zum Licht und zur Krone des Martertums geführt, verleihe uns die Gnade, wie er, den Glauben an dich für unser höchstes Gut zu halten und darin getreu zu leben und zu sterben. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

2. Juni

 

Der heilige Erasmus, Bischof und Martyrer in Kampanien, Italien,

+ 2.6.303 - Fest: 2. Juni

 

Der heilige Bischof Erasmus wurde in der Verfolgung des Kaisers Diocletian für das Bekenntnis seines Glaubens an Jesus gegeißelt und mit Prügeln und Bleikolben geschlagen. Weil der heidnische Richter durch diese Qual die Standhaftigkeit des heiligen Bischofs nicht erschüttern konnte, ließ er ihn in einen Kessel setzen, in dem Wachs, Pech, Harz und Schwefel gesotten wurden; aber Gott erhielt den heiligen Blutzeugen in dieser Pein ganz unverletzt. Dieses Wunder überzeugte den größten Teil der Zuschauer von der Wahrheit des christlichen Glaubens. Erbittert über die Standhaftigkeit des Heiligen und über den Eindruck, den dessen Erhaltung auf das Volk machte, ließ der unmenschliche Richter den heiligen Bischof mit schweren Ketten fesseln und in einen engen Kerker werfen, und verbot der Wache bei Todesstrafe, ihm Speise oder Trank zukommen zu lassen. Aber gegen Mitternacht wurde der Kerker mit einem wunderbaren Glanz und den lieblichsten Gerüchen erfüllt, und ein Engel erschien, brach die Bande des Blutzeugen, und sprach: "Auf, Erasmus! Folge mir. Du sollst noch viele zu Christus bekehren.“ Der Heilige folgte ihm und kam nach Lukrinum, einer Stadt in Apulien. Hier bewies er sich wieder groß in Wort und Tat und wirkte viele Wunder und viele Heiden nahmen die Lehre Jesu an.

 

Der Ruf dieser Taten verbreitete sich bis zu den Ohren des Kaisers Maximian. Dieser ließ den Heiligen vorfordern; verlangte, dass er den Götzen opfere; ließ ihn auf sein Weigern auf den Mund schlagen, und ihm dann einen glühenden Panzer von Eisen anziehen. Da der Heilige von dem glühenden Panzer keine Verletzung erhielt, ließ ihn der wütende Verfolger in einen Kessel werfen, in dem Blei, Pech, Harz und Öl gesotten wurden. Aber da der Allmächtige, der Daniels Freunde im fürchterlichsten Feuerofen erhalten hat, den heiligen Erasmus auch in diesem Kessel ganz unversehrt erhielt; ließ ihn der Kaiser in das Gefängnis werfen, - nicht um ihm eine Ruhe zu gewähren, sondern um nachzudenken, wie er den Martyrer aufs neue peinigen und durch Peinen zum Götzendienst bewegen könnte. Aber die Hoffnung des Tyrannen wurde enttäuscht. In der folgenden Nacht löste ein Engel des Martyrers Bande und führte ihn an das Ufer des Meeres. Eben stand ein Schiff im Begriff abzufahren; der Heilige stieg ein und kam nach Formiä, unweit dem heutigen Gaeta. Da arbeitete er aufs Neue mit apostolischem Eifer und starb dann dort im Frieden, um die Krone für seine Arbeiten und Leiden von Jesus Christus zu empfangen im Jahr 303.

 

Herr! Lieber alles, selbst das Leben verlieren, als den wahren Glauben, den uns dein Sohn vom Himmel brachte. Doch wir werden ihn verlieren, oder er wird uns wenigstens unnütz sein, wenn wir nicht treu danach leben. Hilf uns also, dass wir im Werk erfüllen, was wir mit dem Mund bekennen. Wir bitten darum durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Der heilige Nicephorus, Patriarch und Bekenner von Konstantinopel,

+ 2.6.828 – Fest: 2. Juni

 

Theodor, der Vater des Nicephorus, war Geheimschreiber des Kaisers Konstantin Kopronymus. Allein seine unwandelbare Anhänglichkeit an die Lehre der Kirche hinsichtlich der Heiligenbilder, zerstörte sein zeitliches Glück, und zog ihm den Verlust seiner Stelle am Hof von Konstantinopel zu. Der Fürst, vor Wut entbrannt, da er in seinem Diener einen so unbesiegbaren Kämpfer gegen die Gottlosigkeit der Bilderstürmer, für deren Partei er sich erklärt hatte, fand, nahm eine grausame Rache an ihm, denn er beraubte ihn seines Amtes, und verwies ihn, nach schrecklichen Folterqualen, in das Elend.

 

Der junge Nicephorus, der unter den Augen seines Vaters erzogen wurde, wuchs mit jedem Tag an Alter und Weisheit, und wurde immer mehr zur Tugendübung angefeuert durch die häuslichen Beispiele, die er ohne Unterlass zu beobachten Gelegenheit hatte.

 

Da ihm der Tod frühzeitig seinen Vater entrissen hat, fuhr Eudoxia, seine Mutter, fort, sorgfältig die glücklichen Anlagen ihres Sohnes auszubilden. Sie leitete ihn zur Gottseligkeit, während verschiedene Lehrer seinen Geist in den wissenschaftlichen Gegenständen ausbildeten. Kaum trat Nicephorus in die Welt, als er sich durch seine Tugend und seine vielseitigen Kenntnisse gleich die allgemeine Achtung erwarb. Der Ruf von seinem Verdienst kam bis an den Hof von Konstantinopel. Konstantin und seine Mutter Irene, die damals dem Reich vorstanden, und voll des Eifers waren für die reine Lehre, schenkten ihm ihr Vertrauen und übertrugen ihm das Amt, das sein Vater unter Konstantin Kopronymus bekleidet hatte. Er entsprach vollkommen den Erwartungen des Kaisers, indem er mit außerordentlicher Gewandtheit allen Geschäften seines Amtes vorstand. Allein er begnügte sich nicht damit, dem Staat durch seine Fähigkeiten zu dienen, sondern arbeitete auch mit allen Kräften zur Verteidigung des Glaubens und an der Ausrottung der Ketzerei der Bilderstürmer. Er zog die Bewunderung der Vater des 7. Allgemeinen Konzils auf sich, dem er als kaiserlicher Bevollmächtigter beiwohnte.

 

Wegen dieses Eifers für die rechtgläubige Lehre, mit dem er nebst einer seltenen Gelehrsamkeit große Tugenden verband, hielt man ihn für würdig, dem heiligen Tarasius, der 806 starb, auf den Patriarchalstuhl von Konstantinopel nachzufolgen. Die Kirche musste, wie der Erfolg zeigte, durch eine solche Wahl viel gewinnen. Nicephorus gab an dem Tag seiner Weihe den unzweideutigsten Beweis der Reinheit seines Glaubens, und seines Abscheus gegen die Gottlosigkeit der Zeit. Er hielt, während der ganzen Zeremonie, eine Schrift in der Hand, die er zur Verteidigung der Heiligenbilder aufgesetzt hatte, und legte sie dann hinter dem Altar in Verwahrung, als ein Unterpfand des Versprechens, das er getan habe, die Überlieferung der Kirche bis in den Tod rein zu erhalten.

 

Kaum hatte er den patriarchalischen Stuhl bestiegen, als er Hand anlegte, die Sitten in seinen Sprengel zu verbessern, und dieses konnte er ausführen mit dem besten Erfolg, da er die Kraft des Beispiels mit den Ermahnungen verband. Er war unermüdlich in Erfüllung seiner Amtsverrichtungen. Sanftmut und Geduld waren die Hauptwaffen, die er gegen das Laster anwandte. Und er bediente sich ihrer nicht ohne Nutzen. Allein die Ehre, die Sitten seiner Pflegeempfohlenen so ganz umgewandelt zu haben, stand bei weitem dem Ruhm nach, den er durch die unerschütterliche Standhaftigkeit erlangte, mit der er die von den Feinden des Glaubens gegen ihn erregten Verfolgungen erduldete.

 

Da Leo der Armenier, Statthalter von Natolien, im Jahr 813 zum Kaiser ausgerufen wurde, geriet die Kirche in neue Verwirrungen. Dieser Fürst, der sich gänzlich von den Bilderstürmern leiten ließ, sann nur auf Mittel ihre Irrtümer auszubreiten. Ränke, Verstellung, Gewalttätigkeit, alles war ihm willkommen, wenn er nur seinen Zweck dadurch erreichen konnte. Da er wohl fühlte, welches Gewicht unter den Rechtgläubigen der Patriarch Nicephorus habe, wandte er alles an, ihn auf seine Seite zu ziehen. Allein der heilige Oberhirt ließ sich ebenso wenig bewegen durch seine Schmeicheleien, als durch seine Drohungen: „Fürst,“ sagte er zum Kaiser, „deine Bemühungen sind unnütz. Wir können die alten Überlieferungen nicht ändern. Wir verehren die Heiligenbilder, wie das Kreuz, und das Evangelienbuch". Gegen diese Schlussfolge konnte wirklich nichts eingewendet werden, denn da die ersten Bilderstürmer wirklich zugaben, dass man das Kreuz und Evangelienbuch verehren könne, mussten sie auch folgerichtig eingestehen, dass man die Heiligenbilder verehren dürfe, weil auf beiden Seiten nur eine, auf den Vorgestellten sich beziehende, Verehrung stattfinden kann. Allein es ist nicht selten, die Ketzer mit sich selbst im Widerspruch zu sehen. Die edelmütige Antwort Nicephorus war mit einer kurzen, aber bündigen Rechtfertigung des katholischen Glaubens begleitet. Er zeigte darin, dass die Rechtgläubigen in nichts die der Gottheit schuldige Ehre verletzen, weil die Verehrung, die sie den Engeln, den Heiligen und Propheten erzeigen, sich auf Gott beziehe. „Dasselbe gilt auch“, fügte der heilige Patriarch bei, „von der Verehrung, die wir für die leblosen Dinge haben, die zum Gottesdienst gebraucht werden, als da sind, die Tempel, geheiligte Gefäße und Bilder.“

 

Der Kaiser, der ohnehin ein gebieterischer Mann war, wurde über diese Widersetzlichkeit aufgebracht, und bediente sich einer List, die er wirksamer glaubte, als die von ihm bisher gebrauchten Mittel. Er befahl heimlich einigen Soldaten, ein Bildnis Christi, das an dem großen Kreuz hing, das man an einem der Stadttore aufgepflanzt hatte, mit Verachtung wegzuschleppen. Da dieses geschehen war, verbot er, ein anderes an des vorigen Stelle zu setzen, unter dem Vorwand, eine ähnliche Entheiligung zu verhindern. Der Patriarch sah wohl, dass der Kirche ein heftiger Sturm drohe, allein er ließ den Mut nicht sinken. Voll des Vertrauens auf Gott verdoppelte er seine glühenden Gebete, ermahnte die Katholiken, standhaft zu bleiben, versammelte mehrere fromme Personen um sich, und machte sich auf jedes Ereignis gefasst.

 

Da Leo von den Vorkehrungen des Patriarchen Kunde erhielt, versammelte er einige bilderstürmerische Bischöfe in seinem Palast, und ließ Nicephorus sagen, er solle sogleich mit jenen seiner Brüder, die es mit ihm hielten, da erscheinen. Der heilige Patriarch gehorchte, und begab sich mit mehreren anderen katholischen Bischöfen in den Palast. Als sie vor den Kaiser kamen, beschwuren sie ihn, er möge sich doch nicht in die Leitung der Kirche mischen, sondern sie jenen überlassen, welche Christus als Hirten aufgestellt habe. „Wenn die fragliche Angelegenheit eine kirchliche ist,“ sagte Aemilian von Cyzicum (Chizico), „so verhandle man sie, der Gewohnheit gemäß, in der Kirche, und nicht in dem Palast.“ Euthymius von Sardes nahm dann das Wort, und setzte noch bei: „Seit mehr als acht Jahrhunderten, wo Jesus auf die Welt gekommen ist, malt man ihn ab, und betet ihn in seinem Bildnis an. Wer sollte so kühn sein, eine Gewohnheit abzuschaffen, die sich auf eine so alte Überlieferung stützt.“ Nach diesen sprach der heilige Theodor Studita zum Kaiser: „Verwirre die Ordnung der Kirche nicht. Gott hat in derselben Apostel, Propheten, Hirten und Lehrer aufgestellt, von den Kaisern aber hat er nicht geredet. Dir ist die Regierung des Staates anvertraut, und die Leitung der Kirche den Hirten.“ Leo, vor Wut außer sich, jagte die katholischen Bischöfe hinaus, und verbot ihnen, ferner vor seinem Angesicht zu erscheinen. Vor allem sann er auf Mittel, Nicephorus in den Untergang zu stürzen, und es gelang ihm auch bald, sie zu finden.

 

Die bilderstürmerischen Bischöfe versammelten sich im kaiserlichen Palast, und hielten ein Konzil, vor den sie dem heiligen Nicephorus zu erscheinen befahlen. Allein der Patriarch stellte sich nicht ein, weil die Vorladung nicht kanonisch war. Er antwortete bloß jenen, die ihm dieselbe bekannt zu machen beauftragt waren: „Wer hat euch diese Gewalt gegeben? Der Papst oder einer der anderen Patriarchen? Ihr habt in meiner Diözese keine Gerichtsbarkeit.“ Dann las er ihnen den Kanon vor, der den Bannfluch gegen jene ausspricht, die es wagen, irgendeine Handlung der Gerichtsbarkeit im Sprengel eines anderen Bischofs auszuüben. Hierauf befahl er ihnen, sich zu entfernen. Diese Antwort hätte die Anhänger des Irrtums schüchtern machen sollen. Allein die Ketzerei achtet keine Kirchengesetze, als nur insoweit sie dieselben zur Erreichung ihrer Absichten missbrauchen kann. Die bilderstürmerischen Bischöfe setzten ihre Versammlung fort, und fällten ein Absetzungsurteil gegen Nicephorus. Der Kaiser, um seinen Hass zu befriedigen und das Maß der Ungerechtigkeit voll zu machen, schickte ihn hierauf in die Verbannung. Glücklich war der Heilige noch, dass er den Nachstellungen, die heimlich seinem Leben bereitet waren, entging.

 

Michael der Stammler, der Kaiser Leo im Jahr 820 nachfolgte, begünstigte wie er die Bilderstürmer, und verfolgte die Katholiken. Auch Nicephorus musste unter ihm im Elend schmachten, bis er endlich am 2. Juni 828, im Kloster zum heiligen Theodor, das er erbaut hatte, starb. Er war ungefähr 70 Jahre alt, deren er beiläufig 14 in der Verbannung zugebracht hatte. Sein Leib wurde im Jahr 846 auf Befehl der Kaiserin Theodora nach Konstantinopel gebracht. Diese Übertragung fand statt am 13. März, an welchem Tag sein Name auch im römischen Martyrologium steht.

 

Gott schickte seinen Dienern aus großer Barmherzigkeit Prüfungen und Leiden zu, und indem er auf diese Weise ihre Tugend übt, läuterte er ihre Seelen, und erhebt sie auf jene Stufe von Vollkommenheit, die er von seinen Auserwählten fordert. Diese Leiden haben eine weit größere Wirksamkeit, als alle Übungen der Gottseligkeit. Lassen wir daher den Mut nicht sinken, wenn Krankheiten, Widerwärtigkeiten und Verfolgungen uns hindern, das beabsichtigte Gute zu tun, und uns die Erfüllung unserer Standespflichten unmöglich machen. Gott ist mit dem guten Willen zufrieden, wofern er mit einer unbedingten Unterwerfung gegen seine Fügungen begleitet ist. Geben wir uns ihm ohne Rückhalt hin, er liebt uns unendlich mehr als wir uns selbst lieben, und er weiß viel besser, als wir, was uns zuträglich ist. Wenn er uns Trübsale zuschickt, oder zulässt, dass wir das Schlachtopfer der Bosheit oder Ungerechtigkeit der Menschen werden, so geschieht dieses, weil er uns auf dem Weg des Kreuzes zu sich führen will, weil er uns jene köstliche Gleichförmigkeit mit seinem Sohn geben will, in der wir ein sicheres Unterpfand der ewigen Herrlichkeit haben, weil er uns Mittel geben will, unsere Sünden zu sühnen, unser Herz von allem Irdischen loszutrennen, unsere Schwachheit und Armseligkeit einsehen zu lernen, misstrauisch zu werden auf unsere Kräfte, und all unser Vertrauen auf ihn allein zu setzen. Was gibt es tröstlicheres für eine leidende Seele, als in ihrem Elend den offenbarsten Beweis der Liebe ihres Gottes zu finden – zu denken, sie bedürfe, um sich zu heiligen, nur der Geduld und Ergebung in den göttlichen Willen.

 

3. Juni

 

Der heilige Liphardus, Abt von Meun bei Orleans,

+ 550-570 – Fest: 3. Juni

 

Der heilige Liphardus, Abt zu Meun an der Loire und Bekenner, bekleidete in der Stadt Orleans, wo er geboren war, eine der ersten obrigkeitlichen Würden. In seinem 40. Lebensjahr aber legte er sein Amt nieder, um den Zerstreuungen der Welt zu entgehen, und widmeten sich dem geistlichen Stand. Der Bischof von Orleans weihte ihn zum Diakon. Doch da mit jedem Tag seine Liebe zur Buße und Beschauung wuchs, fasste er den Entschluss, allen Umgang mit den Menschen abzubrechen und sich in die Einsamkeit zu vergraben. Zur Ausführung seines Vorhabens wählte er einen Ort nahe an dem Berg und Schloss Meun oder Mehun. Der heilige Urbicius, sein Schüler, der mit ihm gleichzeitig verehrt wird, begleitete ihn. Beide Diener Gottes legten eifrig Hand an und erbauten eine Klause von Baumästen und Binsen. Aus diesen geringen Anfängen entstand mit der Zeit ein Kloster, das Liphard an der Spitze einer zahlreichen Genossenschaft leitete. Die Wundergabe, durch die ihn Gott auszeichnete, vermehrte noch seinen Ruf. Das Jahr seines Todes ist unbekannt. Doch weiß man, dass es nicht vor die Hälfte des 6. Jahrhunderts fällt. Die Kapelle über seiner Grabstätte wurde nachher zu einer Stiftskirche erweitert, die seinen Namen trägt. Urbicius folgte ihm in der abtlichen Würde.

 

4. Juni

 

Der heilige Franz Caracciolo, Priester und Ordensstifter von Neapel,

+ 4.6.1608 - Fest: 4. Juni

 

Franz, der mit dem Familiennamen Caracciolo – man sagt Karatscholo – genannt wurde, hatte in seiner Jugendzeit hochfliegende Pläne wie jeder andere junge Mensch auch, dass er nämlich etwas Großes werden wolle. Das ist später bei ihm auch eingetreten, aber anders, als er es sich gedacht hatte, denn nie war es ihm in den Sinn gekommen, Priester zu werden. Und dann ist er doch Priester geworden, ein Priester, der herrliche Taten der Nächstenliebe vollbracht hat.

 

Mit zweiundzwanzig Jahren erkrankte der junge Franz schwer, und die Ärzte sprachen bereits von seinem Lebensende. Er wollte jedoch nicht sterben. Mit aller Kraft sträubte er sich gegen den Tod. Als schließlich die Gefahr aufs höchste gestiegen war, machte Franz das Gelübde, Priester zu werden, falls er wieder gesund werde. Bald darauf wich wie durch ein Wunder die Krankheit von ihm. Es schien, als habe Gott auf das Versprechen des jungen Mannes gewartet, denn groß waren die Pläne, die er durch ihn verwirklichen wollte.

 

Franz war ein Mann von Wort. Gleich nachdem er gesund war, erfüllte er das Gelübde. Er trat in das Priesterseminar zu Neapel ein, studierte die heiligen Wissenschaften und empfing die Priesterweihe. Mit ganzer Seele übte er von Anfang an sein Amt aus, und der schwerste Posten, den es für einen Priester wohl gibt, war ihm gerade recht. Franz wurde nämlich Seelsorger auf den Galeeren.

 

Galeeren hießen zur damaligen Zeit die Kriegsschiffe. Dampfkraft und Elektrizität waren noch nicht entdeckt. Nur Ruder kannte man. Um solch ein schweres Schiff fortzubewegen, waren über zweihundert Ruderer erforderlich, die an beiden Schiffsseiten drei Stockwerke übereinander auf Bänken saßen und zu je fünf an einem der langen Ruder zogen. Es war eine unmenschlich harte Arbeit, die trotz hohen Lohnes niemand freiwillig verrichten wollte. Deshalb wurden die Verbrecher aus den Gefängnissen zum Dienst auf den Galeeren verurteilt, wo sie ohne Lohn bei wenig Essen und mit Ketten an den Füßen auf die Ruderbänke festgeschnallt wurden. Gewiss, Gerechtigkeit muss sein, aber es schneidet doch ins Herz, wenn man Menschen so bitter leiden sieht. Und Franz Caracciolo hatte ein sehr weiches Herz, das bei solcher Not wie Wachs zerfloss. Es war eben ein Priesterherz.

 

Was hat doch dieser Priester nicht alles getan, um seinen Schutzbefohlenen zu helfen! Tag und Nacht war er unterwegs, kletterte von einem Schiff auf das andere und lief sich die Füße wund, um bei den Behörden ein gutes Wort für die Gefangenen einzulegen. Als Bettler ging er in die Häuser und bat um Kleider und Wäsche für seine Freunde, wie er die Verbrecher nannte. Unglaubliche Mengen von Lebensmitteln trug Franz Caracciolo auf den eigenen Schultern zu den Sträflingen. Wie eine Mutter verband er ihre Wunden, und als barmherziger Samariter pflegte er sie in der Krankheit. Die Bedrückten tröstete er, und den Ratlosen half er, wo er nur konnte.

 

Die bittersten Stunden erlebte Franz Caracciolo jedes Mal dann, wenn er einen Verbrecher auf dem Gang zur Hinrichtung begleiten musste. Die Nacht vorher verbrachte er bei dem Verurteilten in der Gefängniszelle. Er weinte und betete mit dem Todgeweihten und nahm ihm die letzte Beichte ab. Auf dem Weg zur Richtstätte ging er Seite an Seite neben dem armen Menschen her und stärkte ihn für den furchtbaren Augenblick, der ihm bevorstand. Wenn dann das Urteil vollstreckt war, brach Caracciolo regelmäßig zusammen, denn solche Erlebnisse greifen das Herz an. Und weil das Herz dieses Priesters allzu weich war bei fremder Not, so versagte es auch viel zu früh. Bereits mit vierundvierzig Jahren starb Franz Caracciolo, der barmherzige Samariter der Galeerensträflinge am 4. Juni 1608, nachdem Gott durch ihn große Pläne zum Wohl der Ärmsten verwirklicht hatte.

 

Der heilige Quirinus, Bischof und Martyrer von Sisak, Ungarn,

+ 4.6.309 – Fest: 4. Juni

 

Der heilige Quirinus war Bischof von Siscia in Pannonien (Sissek in Ungarn). Sein Leben und sein berühmter Martertod ist vom heiligen Hieronymus beschrieben und von den christlichen Dichtern Aurelius Prudentius und Venantius Fortunatus in herrlichen Hymnen besungen. Die uralten Leidensakten des heiligen Quirinus erzählen folgendes:

 

Zur Zeit der Verfolgung Maximians und Diokletians gab der Statthalter Maximus in Siscia den Befehl, den Bischof Quirinus zu verhaften. Quirinus hatte die Stadt verlassen, wurde aber von den Häschern eingeholt und vor den Richter geführt. Dort fragte ihn Maximus:

 

„Warum wolltest du fliehen?“

 

Quirinus: „Ich habe nur den Befehl meines Meisters befolgt, der gesagt hat: Wenn man euch in einer Stadt verfolgt, so geht in eine andere!“

 

Maximus: „Wer hat dieses befohlen?“

 

Quirinus: „Jesus Christus, der wahre Sohn Gottes.“

 

Maximus: „Weißt du denn nicht, dass dich die Befehle des Kaisers überall erreichen werden? Du hast es nun erfahren, und jener, welchen du den wahren Gott nennst, konnte dir, da du ergriffen wurdest, nicht helfen, sonst ständest du nicht als Gefangener vor mir.“

 

Quirinus: „Der Gott, den wir anbeten, ist allezeit bei uns, wo immer wir uns befinden mögen. Er kann uns überall helfen. Er war bei mir, als man mich gefangen nahm, er ist auch hier zugegen, stärkt mich und redet durch meinen Mund.

 

Maximus: „Mit deinen vielen Worten verlierst du die Zeit. Lies die kaiserlichen Befehle, gehorche und opfere!“

 

Quirinus: „Solche Verordnungen verachte ich, weil sie gotteslästerlich sind, indem sie von uns fordern, dass wir eingebildeten Götzen opfern. Der Gott, welchem ich diene, erfüllt den Himmel, die Erde und das Meer. Er ist überall, höher, als alles, weil er alles umfasst. Durch ihn besteht jedes Wesen.“

 

Maximus: „Das Alter hat deinen Verstand geschwächt, und du lässt dich durch Märchen irreführen. Wähle! Hier ist Weihrauch, den Göttern zu opfern, oder sei gewärtig, alle Schmach und den grausamsten Tod zu erdulden.“

 

Quirinus: „Diese Schmach wird mich ehren und dieser Tod wird mir ewiges Leben bereiten. Ich verehre nichts als den Altar meines Gottes, auf dem ich oft ein Opfer des Wohlgeruchs dargebracht habe.“

 

Maximus: „Dein Unsinn wird dich in den Tod bringen. Opfere den Göttern!“

 

Quirinus: „Ich opfere den Götzen nicht, denn es steht geschrieben: Alle Götter der Heiden sind Teufel, und die, welche ihnen opfern, werden vertilgt werden.“

 

Als die Überredungskünste des Statthalters an der Glaubenstreue und dem Opfermut des heiligen Bischofs scheiterten, wies er auf die Folterwerkzeuge und drohte mit den empfindlichsten Qualen. Dann wieder versprach er ihn sofort freizulassen, wenn er sich nur den Schein der Unterwerfung gebe. Er könne dann immerhin bei seinem Glauben bleiben. Endlich wollte er ihn gar zu einem Priester Jupiters machen, wenn er Christus verleugne. Aber weder Schmeicheleien noch Drohungen konnten des heiligen Bischofs Felsenmut erschüttern. Darauf ließ ihn der Statthalter mit Stöcken schlagen und mit Ketten beladen, ins Gefängnis werfen.

 

Quirinus antwortete: „Nun bin ich ein wahrer Priester, weil ich mich selbst dem wahren Gott zum Opfer bringe. Ich fühle keinen Schmerz, sondern freue mich der Schläge, die mein Körper erdulden musste. Ich bin bereit, noch viel größere Peinen ertragen, damit ich denen, welchen ich als Bischof vorgesetzt bin, den Weg zum ewigen Leben zeige.“

 

Im Gefängnis warf sich Quirinus auf die Knie nieder und betete zum Himmel: „Ich danke dir, o Herr, dass du mich würdigst, um deinetwillen diese Beschimpfungen zu leiden. O verleihe, dass alle, welche in diesem Gefängnis sind, den alleinigen Gott erkennen und dass es außer dir keinen anderen Gott gibt!“

 

Sein Gebet wurde erhört. Um Mitternacht verbreitete sich plötzlich ein überirdischer Glanz im Gefängnis. Der Kerkermeister Marcellus, der dieses Wunder sah, fiel dem heiligen Bischof zu Füßen und sprach mit Tränen: „Heiliger Mann! Bitte deinen Gott für mich, denn ich glaube, dass es keinen anderen Gott gibt, als jenen, welchen du anbetest.“ Gerührt unterrichtete ihn der Bischof und taufte ihn.

 

Drei Tage danach sandte Maximus den heiligen Bekenner zu Amantius, dem Statthalter von Oberpannonien, damit dieser ihn zum Tod verurteile. Mit Ketten beladen führte man den standhaften Bischof durch alle Städte an der Donau bis nach Sabaria (Stein am Anger), wo das Gericht gehalten werden sollte. Da brachten ihm christliche Frauen Erfrischungen und küssten die Ketten des Dieners Christi. Als er die Christen segnete, fielen ihm wunderbarerweise die Ketten von den Händen und Füßen.

 

Der Statthalter Amantius ließ ihn vor seinen Richterstuhl führen und wandte alle Beredsamkeit, Bitten und Drohungen an, um ihn vom Glauben abwendig zu machen, aber Quirinus antwortete: „Ich habe zu Siscia den wahren Gott verehrt, und diesen trage ich auch hier im Herzen. Keine Macht der Welt wird mich je von ihm trennen können.“ Da weder Verheißungen noch Drohungen den heldenmütigen Bekenner wankend machen konnten, sprach der Statthalter das Urteil, dass er mit einem Mühlstein am Hals in den Fluss geworfen werden sollte. Die Henker schleppten den Heiligen auf die Brücke des Flusses Günz und stießen ihn hinab. Doch zum Erstaunen aller Zuschauer wurde er von dem Stein nicht in die Tiefe gezogen, sondern schwamm geraume Zeit auf der Oberfläche des Wassers und ermahnte die am Gestade stehenden Christen, ihrem Glauben treu zu bleiben und sich weder durch Qualen noch durch den Tod erschrecken zu lassen. Dann bat er Gott, er möge seine Leiden vollenden. Kaum hatte er diese Worte gesprochen, so sank er unter, am 4. Juni 309. Sein Leichnam wurde aus dem Wasser gezogen und in einer Kapelle zu Sabaria bestattet. Später kamen die Reliquien des heiligen Quirinus nach Rom und wurden neben denen des heiligen Sebastian beigesetzt. Papst Innocenz II. erhob im Jahr 1140 die Gebeine des Quirinus und ließ sie in der Marienkirche jenseits der Tiber zur Verehrung aufstellen. Einige Reliquien von ihm kamen in andere Kirchen Roms, nach Aquileja und Mailand und nach dem berühmten Kloster Fulda.

 

5. Juni

 

Der heilige Bonifatius, Erzbischof von Mainz und Martyrer in Friesland,

+ 5.6.754 - Fest: 5. Juni

 

Wilde Aufregung herrschte im Land der Hessen, als durch die Gegend wie ein Lauffeuer die Nachricht eilte, dass es der fremde Priester, der sich Bonifatius nannte, auf eine Gewaltprobe ankommen lassen wollte. Um den Zauber der Germanengötter für immer zu brechen, hatte er sich vorgenommen, die dem Donnergott Thor geweihte Eiche bei Geismar zu fällen. Damit wollte er, so hatte er erklärt, klare Verhältnisse schaffen und den Beweis erbringen, dass der Christengott stärker ist als Thor sei. „Stärker als Thor“, sagten die Leute, „ist niemand.“ Andere äußerten sich drohend: „Er wird es nicht wagen!“ Wieder andere freuten sich bereits im Voraus und meinten: „Beim ersten Axthieb wird Thor den Übermütigen niederstrecken.“ So redete man hin und her. Schließlich wollten alle den Fremden gewähren lassen. Sollten die Götter die Zerstörung des Heiligtums ungestraft hinnehmen, so müsse man sie als Schall und Rauch betrachten und den Gott der Christen als den wahren Gott anerkennen. Das gäbe in Wahrheit klare Verhältnisse.

 

Endlich kam der Tag der großen Entscheidung. Von allen Seiten strömten die Hessen in Scharen herbei. Die Menge umstand in einem weiten Kreis die alte riesige Eiche. Finster und trotzig blickten die einen, ängstlich die anderen, aber über allen lag eine fühlbare Spannung. Wer würde sich stärker erweisen, Christus oder Thor?

 

Wirr redeten die Leute durcheinander. Als aber vom Dorf her der fremde Priester mit seinen Mönchen singend und betend in Prozession heranzog, verstummte jedes Gespräch. Eine lautlose Stille breitete über die Tausende aus. Scheu wich man zur Seite und gab den Männern Raum, dass sie an die Eiche herantreten konnten. Nun war es endlich soweit. Wer würde stärker sein, Christus oder Thor?

 

Eine Weile beteten und sangen die Mönche. Dann schaute sich Bonifatius, ein riesiger und kräftiger Mann, nach Handwerkszeug um. Armmuskeln wie Stahl wurden sichtbar. Er spuckte in die Hände und griff nach der Axt. Im nächsten Augenblick sirrte das Eisen durch die Luft, und Schlag auf Schlag traf die Eiche.

 

Schnell machten es die anderen Mönche wie Bonifatius. Zu viert lösten sie einander ab, bis alle in Schweiß gebadet waren. Stundenlang ruhten die Äxte nicht, bis sich auf einmal der Riese zur Seite neigte und unter Krachen und Bersten zu Boden fiel. Da erst kam wieder Leben in die Menge, die bisher lautlos dem Schauspiel zugesehen hatte. Mit der stürzenden Donnereiche war für alle die Frage entschieden, wer stärker war, Christus oder Thor.

 

Die Hessen bekehrten sich, doch nicht nur sie allein, denn der Klang der Axtschläge und das Krachen des stürzenden Baumes wurden in ganz Deutschland gehört und verstanden. Die alten Götter waren tot. Sie hatten nie gelebt. Es lebte nur ein Gott, der lebendige Gott der Christen. Natürlich dauerte es noch Jahrhunderte, bis alle deutschen Volksstämme nicht nur dem Namen nach, sondern auch von innen heraus wirklich christlich wurden. Aber in Geismar begann es, dort war das Ende der germanischen Götter.

 

Als Wanderbischof ist Bonifatius dann von Friesland bis Thüringen und Bayern landauf und landab gezogen, hat Kirchen und Klöster gebaut und Bistümer gegründet. Er hat breit und fest die Fundamente gelegt, auf denen sich später wie ein gewaltiger Dom die katholische Kirche in Deutschland entwickeln konnte. Der heilige Bonifatius ist der geistliche Vater der deutschen Katholiken, die ihm den Glauben verdanken.

 

Achtzig Jahre war Bonifatius, als er hörte, dass die durch ihn bekehrten Friesen vom Glauben abgefallen waren. Da fuhr der alte Mann noch einmal den Rhein hinab, um die Abgefallenen zurückzugewinnen. Schon konnte er einen vollen Erfolg verzeichnen, da fiel er mit zweiundfünfzig Gefährten den Spießen und Schwertern erbitterter Feinde zum Opfer. Es geschah am 5. Juni 745, am hochheiligen Pfingstfest. Die sterblichen Überreste des Heiligen ruhen im Dom zu Fulda. Dort wird auch das Evangelienbuch aufbewahrt, das der Martyrer schützend über sich hielt, als er den Todesstoß empfing. In dieses Buch hat einer seiner Zeitgenossen die pfingstlichen Worte hineingeschrieben: „Durch deine Lehre werden die Herzen neugebildet. Was krumm ist, machst du gerade, und was schlecht ist, machst du wieder gut.“

 

Der heilige Bonifatius ist wie ein Pfingststurm über Deutschland gekommen.

 

Der heilige Meinwerk, Bischof und Bekenner von Paderborn,

+ 5.6.1036 – Fest: 5. Juni

 

In der Reihenfolge der Bischöfe von Paderborn steht der heilige Meinwerk an zehnter Stelle, aber in betreff seiner segensreichen Wirksamkeit glänzt er als der besten einer. Als Sohn des sächsischen Grafen Imed und seiner Gattin Athela war er mit dem sächsischen Kaiserhaus verwandt. Sein Bruder Thiederich war bestimmt, die Würde seines Vaters zu erben, seine Schwester Glismod verehelichte sich mit einem Adeligen in Bayern, seine Schwester Azela trat in das Kloster des heiligen Vitus zu Elten, Meinwerk aber wurde von seines Eltern zur weiteren Ausbildung nach Halberstadt, später nach Hildesheim geschickt, wo er mit Herzog Heinrich von Bayern, dem späteren Kaiser Heinrich II., im Streben nach Tugend und Wissenschaft wetteiferte.

 

Nach Vollendung seiner wissenschaftlichen Vorbereitung trat Meinwerk in den geistlichen Stand und erhielt ein Kanonikat zu Halberstadt. Wegen seiner hohen Geburt, seiner Anhänglichkeit an das Kaiserhaus und seiner gefälligen Sitten wählte ihn Kaiser Otto III. bald nach seinem Regierungsantritt zu seinem Hofkaplan. Auch bei Ottos Nachfolger, Heinrich II., stand Meinwerk in hoher Gunst. Diese beiden Verwandten und Jugendfreunde bewahrten ihr ganzes Leben lang die innigste Freundschaft.

 

Nach dem Tod des Bischofs Rethar von Paderborn kamen Abgesandte dieser Stadt an den kaiserlichen Hof zu Goslar, mit der Bitte, der Kaiser möge der durch Feuersbrunst heimgesuchten Stadt einen würdigen und tatkräftigen Bischof geben. Der Kaiser beriet sich mit den Bischöfen und Großen des Reiches und aller Augen fielen auf Meinwerk. Die Demut des Hofkaplans sträubte sich anfangs gegen diese Würde, aber in Anbetracht, dass er dem armen Bistum nützlich sein könne, fügte er sich dem höheren Willen, und empfing am 13. März zu Goslar vom Erzbischof Willigis die bischöfliche Konsekration.

 

Mit Jubel wurde der neue Bischof vom Klerus und der Bürgerschaft Paderborns empfangen. Seine erste Sorge war, den im Jahr 1000 durch Feuer verwüsteten Dom wieder herzustellen und er verwendete dazu sein väterliches Vermögen. Dann besuchte er alle Pfarren seines Bistums, um die Missstände kennenzulernen und Abhilfe zu schaffen. Oft kam er ganz unerwartet und unerkannt, rügte jede Unordnung, predigte überall mit glühendem Eifer das Wort Gottes und wirkte unsäglich viel Gutes für die ihm anvertraute Herde.

 

In Angelegenheiten des Reiches zog ihn der Kaiser zu Rate (1011) und Meinwerk wusste durch sein Ansehen und seine Klugheit und Milde auf den Reichstagen zu Koblenz und Mainz den Frieden unter den Fürsten herzustellen. Zum Dank erhielt er viele Unterstützungen für seine durch Krieg und Brand sehr verarmte Herde. Im Jahr 1013 begleitete Meinwerk den Kaiser Heinrich II. auf seinem Römerzug und erhielt von seinem Jugendfreund bedeutende Besitzungen für seine arme Kirche. Papst Benedikt VIII., der den Kaiser krönte, schenkte dem Meinwerk kostbare Reliquien für seine Kirche und bestätigte feierlich alle Besitzungen und Privilegien seines Bistums.

 

In Rom wurde Meinwerk von der Pest befallen. Er machte das Gelübde, wenn er genesen würde, wolle er dem heiligen Alexius eine großartige Kirche bauen. Gott nahm sein Opfer wohlgefällig an und gab ihm in sehr kurzer Zeit die Gesundheit zurück. Auf der Rückfahrt kam Meinwerk mit seinem kaiserlichen Freund nach Clugny und erbat sich von der dortigen berühmten Abtei dreizehn erprobte Benediktinermönche, die er nach Paderborn mitnahm und für die er dort, westlich vom Dom, die Benediktinerabtei Abdinghof stiftete, der er den Mönch Sigehard als ersten Abt vorsetzte (1015). In demselben Jahr weihte er die herrlich vollendete Domkirche ein. Dicht daneben baute er die bischöfliche Wohnung. Zwei Jahre später(1017) baute er an der Nordseite des Domes an die um 800 aufgeführte Geroldskapelle die dreischiffige Bartholomäuskapelle, deren schlanke Säulen und schönen Verhältnisse noch heute die Bewunderung aller Kunstfreunde erregen.

 

Auch Leiden und Bitterkeiten blieben dem edlen Bischof nicht erspart. Im Kloster Corvey wollte er die verfallene Zucht wieder herstellen, wurde aber mit Schimpf von den Mönchen abgewiesen. Durch Vermittlung des Kaisers wurde der unfügsame Abt abgesetzt und statt seiner Thruthmar zum Abt ernannt. Ein noch tieferes Herzeleid verursachte ihm seine Mutter Athela, die sich nach dem Tod des Grafen Imed mit dem Grafen Balderich vermählt hatte, und von diesem angereizt, ihren eigenen Sohn Thiederich auf der Burg Uplach bei Elten ermorden ließ. Sie wurde zum Tod verurteilt, aber auf die Fürsprache Meinwerks begnadigt. Arm und verlassen starb sie zu Köln, unaufhörlich von ihrem bösen Gewissen gepeinigt.

 

Zu Ehren des heiligen Alexius baute Meinwerk eine Kapelle, wie er es in Rom gelobt hatte und verlieh ihr das Asylrecht. Auch weihte er die Kirche „Zum heiligen Kreuz“ in Herford ein. Die Stadt Paderborn umgab er mit Mauern, um sie gegen feindliche Einfälle zu schützen. Eine besondere Fürsorge ließ er der Pflege der Wissenschaften angedeihen. An der Domschule zu Paderborn wirkten tüchtige Lehrkräfte in allen Zweigen der Wissenschaften und es gingen ausgezeichnete Männer aus ihr hervor, unter denen ich nur die danach kommenden Bischöfe Altmann von Passau, Anno von Köln, Friedrich von Münster zu nennen brauche.

 

Die segensreiche Wirksamkeit, die wohlwollende Liebe, verbunden mit einem unermüdlichen Seeleneifer, erwarben dem edlen Bischof die Herzen aller, die ihn kannten. Kaiser Heinrich, sein Jugendfreund, verweilte oft und gern bei ihm, feierte 1013 das Osterfest, 1014 und 1016 das Weihnachtsfest, und verweilte dort mit seiner Gemahlin Kunigunde im folgenden Jahr. Im Jahr 1021 schenkte der Kaiser dem Bischof und der Kirche zu Paderborn die Grafschaft des Grafen Dodico, um Warburg in dem Heffegau, Nethegau und Nithergau gelegen. Im Jahr 1023 schenkte der wieder in Paderborn weilende Kaiser der Kirche daselbst sein Landgut Erwete in Westfalen nebst den Gütern Steini und Hardinghausen.

 

Bei Kaiser Konrad II., Heinrichs Nachfolger, stand Meinwerk in gleicher Gunst, wie bei diesem. Oft hielt sich der Kaiser bei dem heiligen Bischof von Paderborn auf und feierte dort die Feste des Herrn. Für den Hauptaltar des vollendeten Klosters Abdinghof erhielt Meinwerk von Wolfgang, dem Patriarchen von Aquileja, die Reliquien des heiligen Felix, deren Echtheit ein Wunder erprobte. Bei der feierlichen Einweihung am 2. November 1031 waren der Erzbischof Humbert von Magdeburg, die Bischöfe Godehard von Hildesheim, Sibert von Minden, Sigfried von Münster und noch vier andere zugegen. Meinwerk stattete das Kloster mit reichen Besitzungen aus und ließ sie vom Kaiser bestätigen. In der Klosterkirche wollte er auch begraben sein. Darauf schickte er den baukundigen Abt Wino nach Jerusalem, um das Maß der Kirche des heiligen Grabes zu nehmen. Nach dieser Zeichnung ließ er 1035 im Osten der Stadt, dem sogenannten Bußdorf (Buschdorf) eine Kirche bauen, zu deren Dienst er Kanoniker bestimmte. Schon im folgenden Jahr (1036) weihte er diese Kollegiatkirche ein in Gegenwart des Erzbischofs Bardo von Mainz, Herimann von Köln und Bischof Bruno von Würzburg, und legte seine reichen Erbgüter auf den Altar der Kirche nieder. Insbesondere überwies er diesem Stift den Zehnten von allen geflügelten und vierfüßigen Tieren, die der Haupthof Herwidehusen (Hardehausen) und die dazugehörigen Nebenhöfe Bylnichhusen, Affle und Teninkhusen einbrachten.

 

Kaum hatte Meinwerk seinen Lieblingswunsch erreicht, als er sich schwach fühlte und niederlegte. Am Vorabend des heiligen Pfingstfestes empfing er mit großer Andacht die heiligen Sterbesakramente und Auge und Herz zum Himmel erhoben, gab er seine Seele in Gottes Hände zurück am 5. Juni 1036. In derselben Stunde starb Boso, Mönch in Corvey, ohne Zeichen von Unwohlsein, im Gespräch begriffen, den Meinwerk vorher vor Gottes Gericht geladen hatte. Der heilige Godehard, Bischof von Hildesheim, erhielt durch höhere Offenbarung Kunde von dem Heimgang seines Freundes Meinwerk und empfahl Gott inständig dessen Seele. Die Gebeine Meinwerks wurden seinem Willen gemäß in der Kirche Abdinghof beigesetzt und bei Aufhebung des Klosters (1803) in die Bußdorfkirche übertragen. Im Jahr 1376 wurde Meinwerk heiliggesprochen.

 

Die heiligen Eoban, Mitbischof vom hl. Bonifatius, Martyrer,

und heiliger Adelar, Mönch, Gefährte des hl. Bonifatius, Martyrer,

+ 755 – Fest: Eoban: 7. Juli / Adelar: 5. Juni

 

Als der heilige Bischof Bonifatius lehrend und taufend im Land der Thüringer und Hessen umherzog, sah er, dass die Ernte zwar groß, der Arbeiter aber wenige waren, um die zahlreichen Gläubigen zu unterrichten. Er sandte deshalb in das Land und die Provinz seiner Heimat und ließ sowohl Frauen, als auch viele fromme Männer, die in mancherlei Wissenschaften unterrichtet waren, von dort kommen und teilte mit ihnen die Last seiner Arbeit. Unter den ausgezeichneten Männern befanden sich auch Eoban und Adelar.

 

Diese beiden gottbegeisterten und seeleneifrigen Priester predigten unter der Leitung des heiligen Bonifatius unermüdlich in Hessen und Thüringen und anderen deutschen Landen das Evangelium der Wahrheit und Liebe und gewannen zahllose Seelen für die Kirche Jesu Christi. Als die Zahl der Christen sich in den weitesten Provinzen Deutschlands von Tag zu Tag mehrte, errichtete Bonifatius mit Genehmigung des Papstes Zacharias im Jahr 741 vier neue Bistümer, nämlich Erfurt, Buraburg, Würzburg und Eichstätt. Für den nordthüringischen Bischofssitz Erfurt bestimmte er mit päpstlicher Genehmigung seinen verdienten Schüler Adelar, für den erledigten bischöflichen Stuhl zu Utrecht den gleichlieben Schüler Eoban. Beide erfüllten in ihren Sprengeln ihr hohepriesterliches Amt mit Eifer und Auszeichnung und befestigten den Glauben unter dem Ackerbau treibenden Volk mehr und mehr, so dass die letzten Spuren des Heidentums durch die siegende Kraft des Kreuzes verdrängt wurden.

 

Als der heilige Bonifatius zur Marterkrone eilte und die in den heidnischen Götzendienst zurückgefallenen Friesen zum christlichen Glauben heimführen wollte, nahm er seine langbewährten Jünger und Freunde Adelar und Eoban mit, damit diese treuen Gefährten im Apostelamt während ihres irdischen Wirkens auch an der ruhmreichen Krone des Martyriums teilnehmen möchten. Mit einer Anzahl Priester, Diakonen und Mönche bestiegen die drei Bischöfe in Mainz ein Schiff, fuhren rheinabwärts, stiegen in Utrecht aus und begaben sich nach Ostfriesland. Ihren feurigen Reden gelang es, eine große Anzahl Abtrünniger wieder zu gewinnen und die Schwachen im Glauben zu befestigen. Am hochheiligen Pfingstfest bereitete sich der heilige Bonifatius nebst Eoban und Adelar eben vor, den Neubekehrten das hl. Sakrament der Firmung zu spenden. Da stürzte aus dem Hinterhalt eine bewaffnete Rotte von räuberischen Heiden und erschlug die drei heiligen Bischöfe nebst ihren fünfzig Gefährten.

 

Der größere Teil der Leichen wurde an der Marterstelle bei Dockum begraben, die Leichen der drei Bischöfe nebst zehn anderen Märtyrern brachte man zunächst nach Utrecht. Unter großen Feierlichkeiten und Wunderzeichen wurden dann die irdischen Überreste der drei heiligen Bischöfe nach der erzbischöflichen Kathedrale in Mainz überführt und unter der innigsten Teilnahme des zusammengeströmten Volkes feierlich von dem Erzbischof Lullus, dem Nachfolger des heiligen Bonifatius, beigesetzt. Da aber der heilige Bonifatius ausdrücklich verlangt hatte, in seiner lieben Abtei Fulda seine Ruhestätte zu finden, so musste Lullus dem Verlangen des Abtes Sturm nachgeben und er führte die Leiche des teuren Freundes selbst dorthin. Die irdischen Überreste der beiden Bischöfe und Märtyrer Adelar und Eoban kamen nach Erfurt, wo sie in der Marienkirche aufbewahrt und vom gläubigen Volk innig verehrt wurden.

 

Adelar war der erste und auch der letzte Bischof von Erfurt; denn als er mit dem heiligen Bonifatius nach Friesland reiste, übergab er die im Zuwachs begriffene Diözese einstweilen dem Lullus, dem Erzbischof von Mainz. Erfurt mit dem fränkischen Südthüringen blieb dem Bistum Mainz einverleibt, das nördliche Thüringen bekehrte sich erst später unter Karl dem Großen und wurde mit dem im Jahr 814 errichteten sächsischen Bistum Halberstadt vereinigt.

 

Heute befinden sich die Reliquien der beiden Heiligen im Hochaltar der Kirche Heilige Familie in Oeventrop, einem Stadtteil von Arnsberg, im Hochsauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen.

 

6. Juni

 

Der heilige Claudius, Erzbischof und Bekenner zu Besancon in Frankreich,

+ 6.6.696 - Fest: 6. Juni

 

Der heilige Claudius wurde in Salins im heutigen Frankreich im Jahr 603 geboren. Er zeichnete sich schon in der Schule durch seine Fortschritte in den Wissenschaften und später als Soldat durch sein sittliches Verhalten aus. Fromm waren seine Reden und Gespräche, die er führte, und fromm die Bücher, die er las. Besonders gerne las er die Beschreibungen der Heiligenleben. Er wurde dann Chorherr an der Domkirche zu Besancon und führte auch als Domherr das strenge Leben eines Mönches. Er war das Muster und Orakel aller Priester weit umher. Im Jahr 685 wurde er, schon 83 Jahre alt, zum Bischof gewählt. Die Furcht vor den schweren Pflichten des Oberhirtenamtes bewog ihn, die Flucht zu ergreifen und sich zu verbergen. Aber man entdeckte ihn und ein Befehl des Papstes nötigte ihn, das hohe Amt, das für seine Demut so fürchterlich war, zu übernehmen. Er verwaltete sein Bistum mit dem Eifer eines Apostels, aber nach sieben Jahren gelang es ihm, die hohe Würde niederzulegen. Er zog sich nun in das Kloster des heiligen Eugendus im Jura zurück und zog das Ordenskleid an. Bald musste er auch hier das Amt des Abtes auf sich nehmen. Wegen seines Eifers für die evangelische Vollkommenheit wurde er mit dem heiligen Antonius dem Großen verglichen, dem Vater der Einsiedler, und seine Mönche wurden mit den Einsiedlern Ägyptens verglichen, weil sie, wie diese, mit der Handarbeit das Stillschweigen, das Gebet, die geistliche Lesung, strenges Fasten, vieles Nachtwachen und alle Tugenden verbanden. Vier Tage vor seinem Tod überfiel ihn eine leichte Krankheit. Er aber erkannte, dass er daran sterben werde, und bereitete sich um so eifriger auf den Tod vor. Am letzten Tag ging er noch in die Kirche, um die heiligen Sakramente zu empfangen, kehrte dann in seine Zelle zurück und starb im Sitzen, die Augen und Hände zum Himmel erhoben im Jahr 696. Sein Leib wurde in der Kirche seines Klosters begraben. Man fand ihn noch im Jahr 1243 und legte ihn in einen silbernen Sarg, wo er ohne das Zeichen der mindesten Verwesung jetzt noch gesehen wird.

 

Früh fing dieser Heilige an, sich Gott und allen geistlichen Übungen hinzugeben, und nahm bis in das höchste Alter von 93 Jahren immer noch mehr zu. Darum gelangte er auch zu so großer Heiligkeit. Wer im Guten nicht zunimmt, der nimmt ab. Wer im Wechsel bald zu-, bald abnimmt, der wird das Ziel nur schwer oder gar nie erreichen. Wenn wir nicht wachen und den Eifer nicht immer in Glut zu erhalten versuchen, können wir an Frömmigkeit in kurzer Zeit wieder verlieren, was wir in langer Zeit errungen haben. Lasst uns also wohl zu Herzen fassen, was der Apostel sagt: „Seid standhaft und unbeweglich; seid voll des Eifers im Werk des Herrn allezeit, da ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist.“ 1 Kor 15,58. „Nicht wer angefangen, sondern wer bis zum Ende wird ausgeharrt haben, der wird selig werden.“ Hl. Bernhard.

 

Bewahre mich davor, o Gott, dass ich mir jemals einbilde, dass ich das Ziel schon erreicht habe und dass ich schon vollkommen bin. Lass mich vielmehr einsehen, wie ich noch voll Sünden bin und noch gar wenig Gutes an mir habe. Darum hilf, o Vater, dass ich vergesse, was hinter mir ist, und dass ich mich nach dem ausstrecke, was vor mir ist; dass ich dem vorgestreckten Ziel der Tugend zueile und den Preis des ewigen Lebens erlange. Ich bitte dich darum durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.

 

Der heilige Norbert, Erzbischof von Magdeburg, Ordensstifter,

+ 6.6.1134 – Fest: 6. Juni

 

Die Barmherzigkeit Gottes kennt mancherlei Mittel, um die Verirrten auf den rechten Weg zurückzuführen und aus ihnen geeignete Werkzeuge zur Förderung seiner heiligen Absichten zu bilden. Ein solches Werkzeug in der Hand des Allbarmherzigen war der heilige Norbert. Zu Xanten im Herzogtum Cleve um 1082 aus vornehmem Geschlecht geboren, war er als schöner, reicher, heiterer und fein gebildeter junger Mann allgemein beliebt. Zwar ließ er sich zum Subdiakon weihen und genoss als Kanonikus seiner Vaterstadt eine einträgliche Pfründe, lebte aber am Hof des Erzbischofs Friedrich von Köln und des Kaisers Heinrich V. mehr den Vergnügungen, als seinem Beruf.

 

Als er einst zu einer Lustbarkeit über Land ritt, überraschte ihn ein furchtbares Gewitter, ein Blitz fuhr gerade neben ihm nieder, das prächtige Ross bäumte sich auf, warf seinen Reiter ab und ging durch. Einige Zeit lag er bewusstlos am Boden. Als er sich erhob, fiel er auf die Knie und rief, wie einst Saulus von Damaskus: „Herr, was willst du, das ich tun soll?“ Der bessere Geist sagte ihm: „Meide das Böse, tue das Gute, suche den Frieden und richte dahin all dein Tun!“

 

Norbert vertauschte seine kostbaren Kleider mit einem härenen Bußkleid, fastete streng bei Wasser und Brot, legte eine Lebensbeichte ab und bereitete sich im Kloster Siegburg bei Köln unter Leitung des frommen Abtes Conon durch eifriges Studium der Heiligen Schrift auf die Priesterweihe vor.

 

32 Jahre alt empfing Norbert die Priesterweihe und hielt bei seiner Primiz in Xanten eine erschütternde Predigt über die Eitelkeit der Welt, die Kürze des menschlichen Lebens und der Strafgerechtigkeit Gottes, dass das anwesende Volk zu Tränen gerührt wurde. Am anderen Tag rügte er in einer Predigt vor den versammelten Chorherrn die eingerissenen Missbräuche. Dafür wurde er beim päpstlichen Legaten als Neuerer und Heuchler verleumdet und von einem niederen Kleriker sogar angespuckt. Geduldig nahm Norbert die Schmach hin, übte noch fleißiger das Gebet mit Fasten und Wachen und fand seine Freude in der Darbringung des heiligen Messopfers. Mit unermüdlichem Eifer predigte er und ließ sich durch Widersprüche nicht abschrecken. Auf der Synode zu Fritzlar 1118 musste er sich gegen die Anschuldigung verteidigen, dass er ein Mönchshabit trage, ohne Mönch zu sein, und dass er sich das Predigtamt angemaßt habe. Die Verteidigung war ihm leicht. Um aber niemand Grund zur Klage zu geben, legte er seine Pfründen nieder, verkaufte alle seine Güter, verteilte den Ertrag unter die Armen und pilgerte barfuß und in härenem Bußkleid nach St. Gilles in Languedoc, wo er Papst Gelasius II. traf, der ihm die Vollmacht erteilte, zu predigen, wo immer er wollte.

 

Mitten im Winter zog Norbert barfuß, streng fastend und predigend von St. Gilles nach Valenciennes. Drei Schüler gesellten sich ihm zu, erlagen aber bald der harten Lebensweise in seligem Tod. Dafür gewann er an Hugo, einem Hofkaplan seines Jugendfreundes Burkhard, Bischof von Cambrai, einen treuen und seeleneifrigen Schüler. Mit ihm setzte Norbert seine Missionstätigkeit fort und gewann zahllose Seelen für das Reich Gottes. Kam er in die Städte oder Dörfer, so wurden die Glocken geläutet, alles eilte zur Kirche und wohnte seiner heiligen Messe und Predigt bei. Er ermahnte zur öfteren Beichte, zu Eifer im Dienst Gottes und im Gebet, zur Treue im Beruf, zur Versöhnlichkeit und Beharrlichkeit im Guten. Zahlreiche Bekehrungen krönten die eindringlichen Predigten. Besonders war ihm die Gabe eigen, entzweite Gemüter wieder zu versöhnen und Frieden zu stiften.

 

Im Jahr 1119 besuchte Norbert der Papst Calixtus II. zu Reims, als dieser dort ein Konzil abhielt. Die versammelten Bischöfe, Äbte und der Papst empfingen ihn sehr ehrenvoll. Der Papst bestätigte die ihm von seinem Vorgänger erteilte Vollmacht zum Predigen und empfahl ihn dem Bischof Bartholomäus von Laon zur Fürsorge. Dieser bat den Heiligen, an einem beliebigen Ort seiner Diözese ein Kloster zu bauen. Norbert wählte das das wilde Tal Prémonstré im Wald von Coucy zur Niederlassung. So entstand 1120 die erste Stiftung des Ordens der Prämonstratenser oder Norbertiner nach der Regel des heiligen Augustinus, die die Seelsorge und Predigt mit den Pflichten der Kanoniker verbinden sollten. Die Mönche trugen ein weißwollenes Ordensgewand, zur Erinnerung, dass sie beim heiligen Opfer und bei der Sendung der heiligen Sakramente die Reinheit der Engel vertreten sollten. Außerdem schrieb er strenges Fasten, Stillschweigen und gastliche Pflege der Armen vor.

 

Der neue Orden gewann von Tag zu Tag an Umfang und Ansehen. Der Zudrang gottbegeisterter Männer steigerte sich dergestalt, dass in kurzer Zeit eine Menge blühender Klöster entstanden. Norbert reiste in Frankreich, Flandern und Deutschland umher, um auf den Ruf von Geistlichen, Gemeinden und Fürsten das Wort Gottes zu verkünden und Klöster zu stiften. In der Bestätigungsurkunde des Norbertinerordens durch Papst Honorius II. vom Jahr 1126 wurden bereits acht Abteien genannt, Prémonstré, Laon, Viviers, Floreff im Bistum Lüttich, Cappenberg in Westfalen, Elostadt in der Diözese Mainz, St. Annalis in der Doözese Metz und St. Michael in Antwerpen. Im Jahr 1141 zählte man bereits 100 Prämonstratenserklöster, im 15. Jahrhundert über 1000 Abteien, 300 Propsteien und 500 Frauenklöster. Norbert hatte nämlich, unterstützt und ermutigt durch seinen Freund, den heiligen Bernhard, auch für Frauen einen Orden nach der strengen Regel des heiligen Augustin gestiftet und der Zudrang war trotz der strengen Zucht so stark, dass noch zu Lebzeiten des heiligen Norbert über 10000 Frauen und Jungfrauen vorzugsweise aus den vornehmen und reichen Ständen sich in den neuen Orden aufnehmen ließen.

 

Um diese Zeit verbreitete ein gefährlicher Schwärmer, namens Tanchelin, in Belgien Irrtümer der ärgsten Art. Er verwarf das Priestertum, das heiligste Altarsakrament, verbot den kirchlichen Zehnten zu entrichten, gab sich für Gott aus, in dem die Fülle des heiligen Geistes sei, ließ sich einen Tempel errichten und trieb öffentlich mit Frauen und Jungfrauen die empörendsten Ausschweifungen. Wie ein König, in Purpur und Gold gekleidet und von 3000 Bewaffneten umgeben, verbreitete er seine Irrtümer und wusste durch Schmeichelreden und üppige Mahlzeiten die Opfer seiner Wollust zu ködern. In dieser Not rief der Bischof von Cambrai seinen Freund Norbert zu Hilfe. Dieser erschien mit tüchtigen Arbeitern seines Ordens und es gelang ihm in kurzer Zeit, die Ketzerei auszurotten. Voll Sanftmut und Wohlwollen rief er den Verirrten zu: „Wundert euch nicht, meine Brüder und Schwestern, ihr habt nur aus Unwissenheit geirrt; weil ihr keinen Unterricht hattet, habt ihr die Lüge für Wahrheit gehalten.“ Solche Worte und die heiligen Werke des Bußpredigers bewirkten, dass Männer und Frauen die heiligen Hostien, die sie zehn, fünfzehn und mehrere Jahre in Kisten und Löchern versteckt hatten, herbeibrachten. Für die vielfachen Verunehrungen des Allerheiligsten wurde ein Sühnefest gefeiert, und die Verehrung des heiligsten Altarsakramentes entzündete von neuem die Herzen. Die St. Michaelskirche nebst einigen Häusern wurde ihm überwiesen und es entstand daraus eine berühmte Prämonstratenserabtei.

 

In Angelegenheiten des Grafen Theobald von Champagne reiste Norbert zum Kaiser Lothar II., der gerade einen Reichstag zu Speier hielt. Sächsische Abgeordnete hörten Norbert predigen und wünschten ihn zum Erzbischof von Magdeburg. Die Demut Norberts sträubte sich gegen diese Auszeichnung, musste aber schließlich dem Drängen des Kardinallegaten Gerhard und des Königs Lothar nachgeben. Barfuß und in ärmlicher Kleidung hielt er seinen Einzug in Magdeburg. Als der Festzug sich von der Kirche zum erzbischöflichen Palast wandte, wollte der Türsteher, der ihn nicht kannte, den arm gekleideten Fremden nicht einlassen. Eines besseren belehrt, wollte der Diener die Flucht ergreifen, aber lächelnd rief ihm der Heilige zu: „Fliehe nicht, mein Bruder, du kennst mich besser, als jene, die mich Armen und Geringen zu diesem hohen Palast genötigt haben.“

 

Der neue Erzbischof führte sein armes, bußfertiges Leben fort, predigte mit Wärme, drang mit Festigkeit auf Abstellung der Missbräuche, strafte die Widerspenstigen und führte seinen Orden auch in Magdeburg und an anderen Orten ein. Diese Umgestaltung war mehreren Geistlichen ein Dorn im Auge, sie hassten und schmähten ihren Bischof, wiegelten das Volk auf und dingten Meuchelmörder. Aber Gott offenbarte seinem treuen Diener den Mordplan und er sah sein Verlangen nach dem Martertod nicht erfüllt. Großmütig verzieh er seinen Feinden. Nach drei Jahren unausgesetzter Mühen und inbrünstiger Gebete gelang es ihm, die Missbräuche abzustellen und Ordnung und Kirchenzucht neu zu begründen.

 

Im Jahr 1132 reiste er mit König Lothar II. nach Italien und bot mit dem heiligen Bernhard all sein Ansehen auf, dass Papst Innocenz II. wieder eingesetzt und Lothars Haupt mit der Kaiserkrone geschmückt wurde. Voll Freuden sah er die Wiederherstellung der Ordnung. Auf der Rückkehr aus Italien erkrankte er schwer und starb nach viermonatlichem Leiden am 6. Juni 1134. Papst Gregor XIII. setzte ihn 1582 in die Zahl der Heiligen. Sein Leichnam wurde bis zur Einführung der Reformation in Magdeburg hochverehrt, dann aber vom Kaiser Ferdinand II. im Jahr 1627 feierlich nach der Norbertiner-Abtei in Prag übertragen.

 

7. Juni

 

Der heilige Paulus, Patriarch und Martyrer von Konstantinopel,

+ 7.6.351 – Fest: 7. Juni

 

Der heilige Paulus, Bischof zu Konstantinopel und Martyrer, in Thessalonich geboren, war Diakon der Kirche von Konstantinopel, als Alexander, der Bischof dieser Stadt, ihn bei seinem Tod im Jahr 340 zum Nachfolger erkor. Da er bisher immer großen Eifer für die katholische Religion gezeigt hatte, war seine Erhebung den Arianern natürlich ein Dorn im Auge. Sie unterstützten daher mit allen Kräften einen ihrer Häuptlinge, namens Eusebius, der nach dem Krummstab strebte. Der die Häresie begünstigende Kaiser Constantius war leicht dahin gebracht, dass er Paulus durch eine Synode arianischer Bischöfe absetzen ließ, und er musste der Gewalt weichen. Er wanderte nun in das Abendland und wählte Trier zu seinem Asyl, wo ihn der heilige Bischof Maximin mit offenen Armen aufnahm. Nicht lange aber, so ging er nach Rom und wohnte dem Konzil bei, das Papst Julius 341 dort hielt. In dieser Versammlung wurde beschlossen, dass die von den Ketzern verdrängten Bischöfe wieder auf ihre Stühle geführt werden sollten. Paulus kehrte demzufolge nach Konstantinopel zurück. Aber dort widerstanden die Arianer ihm mit dem alten Hass, und es erhoben sich sogar blutige Straßenkämpfe zwischen ihnen und den Katholiken, die den Kaiser so erbitterten, dass er Paulus, obwohl er an diesen Unruhen nicht teilgenommen hatte, des Landes verwies. Der Heilige ging zum zweiten Mal nach Trier. Im Jahr 344 finden wir ihn aber wieder in Konstantinopel, wohin er mit dringenden Empfehlungen des den Rechtgläubigen geneigten abendländischen Kaisers Constans gekommen war. Als aber der die Augen Schloss, hielt Constantius nicht länger mehr seinen Grimm gegen den Diener Gottes zurück und ließ ihn gewaltsam nach Kukusus, einer kleinen Stadt in den Wildnissen des Berges Taurus, abführen. Hier warf man ihn in einen finsteren Kerker und belastete ihn, als wäre er ein gemeiner Verbrecher, mit Ketten. Zuletzt gingen seine Feinde so weit, dass sie den Wächtern verboten, ihm irgendeine Nahrung zu reichen. Als sie ihm sechs Tage danach dennoch am Leben fanden, erdrosselten sie ihn meuchlerischer Weise. Dies ereignete sich 350 oder 351. Seine Reliquien befinden sich in Venedig in der Kirche des heiligen Laurentius.

 

Der heilige Deocar (Deocharus), Abt und Bekenner zu Herrenried,

+ 7.6.850 – Fest: 7. Juni

 

In der Einsamkeit erhebt sich das menschliche Gemüt leichter über die Armseligkeiten dieser Erde zu himmlischen Gesinnungen und höheren Bestrebungen, als im Geräusch und im Vollgenuss des Weltlebens. Die weltentsagende Seele empfindet in der kleinen Zelle im innigsten Verkehr mit Gott einen Frieden, den die Welt nicht kennt, und dieser Friede entquillt aus der gänzlichen Hingabe seiner selbst an Gott, den Urquell des Friedens und der Liebe. Deshalb treffen wir so viele edle Seelen an, die sich von den Freuden und Ehren der Welt losschälen, um in der stillen Zelle nur Gott und dem Heil der Seele zu leben. Zu diesen Gottesmännern zählt der heilige Deocar.

 

In seinen jüngeren Jahren lebte Deocar am Hof Karls des Großen, der die gelehrtesten und frömmsten Männer seiner Zeit gern in seiner nächsten Umgebung sah, um sich ihres weisen Rates in schwierigen Verhältnissen zu bedienen. Nach der Überlieferung soll Deocar der Beichtvater des Kaisers gewesen sein. Den frommen Diener Gottes zog aber eine glühende Sehnsucht nach der Einsamkeit. Gern willfahrte der Kaiser dem frommen Begehren und ließ ihm in der Gegend, wo jetzt Herrenried steht, eine Kapelle zu Ehren der Mutter Gottes bauen. Deocar begann mit allem Eifer den Boden zu bebauen, Sümpfe auszutrocknen und nützliche Getreidearten und Obstbaumzucht einzuführen. Gleichgesinnte Freunde schlossen sich ihm an und halfen ihm bei seinem schwierigen Werk. Sie lebten alle nach der Regel des heiligen Benedikt und waren ein Herz und eine Seele. Das vorzüglichste Bestreben des heiligen Abtes Deocar war es, die vielfach noch sehr rohen und heidnisch gesinnten Bewohner der Umgegend zu frommen und eifrigen Christen und fleißigen Landleuten und Künstlern heranzubilden. So entstand alsbald ein Kloster mit blühender Umgebung, das man Hasenried nannte. Seitdem aber statt der Benediktiner die Chorherrn in dieses Kloster einzogen, nannte man es Herrenried.

 

Deocar stand als erster Abt seinem Kloster vor bis zu seinem Tod um das Jahr 850, und wurde in der dortigen Kirche beigesetzt. Gott verherrlichte sein Grab mit vielen Wundern. Als Kaiser Ludwig der Bayer im Jahr 1316 den heiligen Leib erheben ließ, verbreitete sich ein lieblicher Wohlgeruch in der Kirche. Ein Teil der Reliquien kam nach München, ein anderer nach Nürnberg, von wo wie 1845 in die Domkirche zu Eichstätt zurückgebracht wurden.

 

Der heilige Gottschalk,

Abodritenfürst und Märtyrer von Lenzen an der Elbe,

+ 7.6.1066 – Fest: 7. Juni

 

Schon Karl der Große hatte verschiedene Versuche angestellt, die östlich von der Elbe wohnenden Wenden dem Christentum zu zuführen, aber weder die Macht des Kaisers, noch die liebevollen und angestrengten Bemühungen der Missionare des Klosters Corvey an der Weser vermochten die wilden und raubsüchtigen Heiden zu milderen Gesinnungen zu bewegen. Kaiser Otto I. unterwarf die Slaven, errichtete unter ihnen die Bistümer Havelberg, Brandenburg, Meißen, Zeitz, Merseburg und Oldenburg und besetzte sie mit tüchtigen Männern, die sich schon durch ihre Missionsarbeiten unter diesen Völkern große Verdienste erworben hatten. Das mit Genehmigung des Papstes Johann XIII. errichtete Erzbistum Magdeburg wurde der Mittelpunkt der christlichen Missionstätigkeit. Indes empörten sich die Wenden unter Anführung ihres bereits getauften Fürsten Mistewoi, mordeten die Christen und zerstörten ihre Heiligtümer. Mistewoi bereute seine Frevel und beschloss sein Leben in strenger Buße zu Bardewik.

 

Während die Spuren des Christentums unter den Wenden wieder verwischt wurden, ersah die göttliche Vorsehung einen Sohn dieses Stammes als Apostel unter seinem Volk aus. Gottschalk, des Wendenfürsten Utos Sohn, ein Enkel Mistewois, empfing eine vortreffliche Jugenderziehung im Kloster Lüneburg unter der Leitung des gleichnamigen Mönches Gottschalk. Der begabte junge Mann gewann eine große Vorliebe für das Christentum. Als aber sein Vater durch die Hand eines christlichen Sachsen ermordet wurde, entfloh er aus dem Kloster, versammelte seine Landsleute zu einem blutigen Rachekrieg und verwüstete mit Feuer und Schwert Nordalbingien bis nach Hamburg und Holstein. Herzog Bernhard von Nordsachsen setzte den Gräuel des Krieges ein Ziel und nahm Gottschalk gefangen, entließ ihn aber als einen tapferen Heerführer.

 

Gottschalk begab sich zum frommen Dänenkönig Canut und lernte von Tag zu Tag mehr die christliche Religion hochschätzen. Der edle König gewann ihn so lieb, dass er ihm seine Tochter zur Ehe gab. Seit dieser Zeit war Gottschalk ein Muster christlicher Tugenden.

 

Nach Canuts Tod kehrte Gottschalk in sein Vaterland zurück und es gelang seiner Klugheit und Tapferkeit, ein großes und mächtiges Slavenreich, das berühmte Obotritenreich, zu gründen (um 1045). Weil er als den größten Segen eines Reiches das Christentum erkannte, so ließ er von allen Seiten her Missionare kommen, erbaute eine Menge Kirchen und Klöster, und erhielt von seinem Freund, dem Erzbischof Adalbert von Bremen und Hamburg Bischöfe und Priester für die neuerrichteten Bistümer Mecklenburg und Ratzeburg. Er selbst verdolmetschte öfters in den Kirchen die in lateinischer Sprache von den Bischöfen und Priestern vorgenommenen liturgischen Handlungen und Zeremonien in slavischer Sprache, um seinem Volk das Verständnis der christlichen Lehre und Gebräuche zu erleichtern. Der Eifer Gottschalks und der von ihm herbeigerufenen Missionare zeitigte die herrlichsten Blüten und Früchte. Viele unter Mistewoi abtrünnig gewordenen Christen kehrten zur Mutterkirche zurück und die Heiden ließen sich in großer Menge taufen, im Bistum Hamburg wurden alle Slaven Christen.

 

Trotz den unsäglichen Bemühungen der Missionare und des hochherzigen, für das wahre und dauernde Glück seines Volkes schwärmenden Wendenfürsten Gottschalk, verschloss ein Teil der Heiden dem Licht des Glaubens Auge und Herz und hegte unversöhnlichen Hass gegen alle Christen. Kaum war der gefürchtete Herzog Bernhard von Sachsen gestorben, so brach die Revolution unter den heidnischen Slaven in hellen Flammen aus. Gottschalk fiel als eines der ersten Opfer des fanatischen Heidenvolkes. Der kalte Stahl durchbohrte sein liebewarmes Herz am 7. Juni 1066 zu Lentzen. Am gleichen Tag wurde der fromme Priester Ebbo vor dem Altar erstochen. Viele Priester und Laien erlitten an verschiedenen Orten den Martertod um Christi willen. Der Mönch Antversus wurde mit vielen Gefährten bei Ratzeburg gesteinigt. Für die Standhaftigkeit seiner Genossen fürchtend, erbat sich Antversus von den Heiden die Gnade aus, zuletzt gesteinigt zu werden, um den anderen Mut machen zu können. Der greise Bischof Johann von Mecklenburg, der eine große Menge Slaven bekehrt hatte, wurde zuerst furchtbar gegeißelt, dann zum Spott durch die slavischen Städte geführt, dann ihm Hände und Füße abgehauen, zuletzt wurde sein Haupt auf einer Stange umhergetragen und dem Götzen Radegast geopfert. Gottschalks Gattin, die Tochter des Dänenkönigs, wurde mit Schlägen und aller Kleidung entblößt fortgejagt. Alle Christen, die nicht abfielen, wurden ermordet, Kirchen und Klöster verbrannt, selbst die benachbarten christlichen Länder mit Feuer und Schwert verwüstet und ihre Heiligtümer zerstört. So war das schöne Werk Gottschalks wieder zertrümmert, aber sein Sohn Heinrich brach den Widerstand der heidnischen Wenden, stellte das Reich seines Vaters wieder her und führte das Christentum wieder ein.

 

8. Juni

 

Die selige Maria Droste zu Vischering,

+ 8.6.1899 - Fest: 8. Juni

 

Kurz bevor das 19. Jahrhundert durch das 20. Jahrhundert abgelöst wurde, hat Papst Leo XIII. im Juni 1899 nach dreitägigen glanzvollen Feiern, die auf dem ganzen katholischen Erdenrund stattfanden, die gesamte Menschheit dem göttlichen Herzen Jesu geweiht. Nur die wenigsten Menschen wussten damals, dass die Anregung zu der Weihe von einer deutschen Ordensfrau ausgegangen war, die am Tag vor der dreitägigen Feier, am 8. Juni 1899, in der portugiesischen Stadt Porto das Zeitliche segnete. Der bürgerliche Name der Ordensfrau lautete Gräfin Maria Droste zu Vischering.

 

Maria Droste zu Vischering erblickte an einem Liebfrauenfest, am 8. September 1863, zu Münster in Westfalen das Licht der Welt und erhielt gleich nach der Geburt die Nottaufe, weil sie in Lebensgefahr schwebte. Damals hat wohl niemand geahnt, dass sich aus dem schwächlichen Kind ein Unband von einem Mädchen entwickeln werde, an dem scheinbar ein Junge verlorengegangen war. Maria war für jeden Streich zu haben, und je toller es zuging, desto lieber war es ihr. Das größte Leid ihrer Kindheit bestand darin, dass sie während der Schulstunden stillsitzen musste. War aber der Unterricht vorüber, so tollte und stürmte sie über Wiesen und durch Hecken wie ein Füllen, das zum ersten Mal auf die Weide geführt wird. Die kleine Gräfin wurde auch leicht zornig und neigte zu Rechthaberei und zu Eigensinn.

 

Wie indessen jeder Mensch, so hatte auch Maria Droste ihre guten Seiten. Nie trug sie nach. Bei jedem Streit bot sie zuerst die Hand zur Versöhnung. Armen Kindern teilte sie gern von dem mit, was sie selbst besaß. Auch ging sie geradezu darauf aus, den Eltern, den Geschwistern und den Dienstboten des Hauses eine überraschende Freude zu machen. Dazu zeigte sich bei dem Wildfang mit der Zeit ein ausgesprochener Zug zum Heiland im Tabernakel. Oft schlich sich das Mädchen heimlich in die Schlosskapelle. Mit Hingabe und Liebe sammelte Maria Blumen für den Schmuck des Altars, und der Tag der ersten heiligen Kommunion galt ihr zeitlebens als der beglückende Höhepunkt der ganzen Kindheit. Bald darauf empfing sie auch das heilige Sakrament der Firmung, und bei dieser Gelegenheit erhielt sie die hohe Gnade der Berufung zum Ordensstand. Wer aber meint, die junge Gräfin sei daraufhin eine Duckmäuserin geworden, der irrt. Nach wie vor blieb Maria Droste sich gleich, spielte und sprang weiter, ritt mit dem Vater und den Brüdern aus und bedauerte nur, dass sie kein Junge war, um als Missionar zu den „Menschenfressern“ zu gehen.

 

Darüber verstrich die Zeit, und nachdem Maria Droste erst noch eine langwierige Krankheit überstanden hatte, ging sie ins Kloster. Zu Münster trat sie in den Orden vom Guten Hirten ein, deren Mitglieder sich mit vieler Liebe jener armen Mädchen annehmen, die den guten Namen verloren haben. Da war die junge Gräfin endlich am Ziel der Sehnsucht, aber man kann durchaus nicht sagen, dass ihr das Klosterleben in der ersten Zeit leicht fiel. Im Gegenteil, sie bekam es mit dem Heimweh zu tun, verlor zeitweilig fast den ganzen Mut, Gewissensängste stiegen in ihr auf, und gar sehr litt sie unter der Widerspenstigkeit ihrer bedauernswerten Pfleglinge. Es war eine harte Zeit, aber die geprüfte junge Ordensfrau gehörte zum Glück zu jenen herrlichen Menschen, die, wenn sie einmal A gesagt haben, auch B sagen, auf die Zähne beißen und durchhalten. Schließlich musste alles auch so kommen, damit Schwester Maria vom Heiligsten Herzen, wie der Klostername lautete, von sich selbst loskam, um allein dem lieben Heiland anzugehören. Endlich war auch das soweit. Der liebe Heiland zog Schwester Maria als eine Begnadete an sein Herz.

 

Sechs Jahre nach dem Eintritt in den Ordensstand wurde Schwester Maria von den Vorgesetzten als Oberin nach Portugal versetzt. Trotz schmerzvoller Krankheit hat sie dort in wenigen Jahren Großes gewirkt. Dort empfing sie vom lieben Heiland den eingangs erwähnten Auftrag für Papst Leo XIII., dass er die ganze Menschheit seinem heiligsten Herzen weihen solle, und als es geschah, war ihre Lebensaufgabe erfüllt. Am 8. Juni 1899 starb die große Verehrerin des Herzens Jesu, um an diesem Herzen für alle Ewigkeit auszuruhen.

 

9. Juni

 

Die heiligen Brüder Primus und Felicianus, Martyrer von Mentana, Italien,

+ 9.6.286 - Fest: 9. Juni

 

Primus und Felicianus, ein edles Brüderpaar aus Rom, führten ein erbauliches Leben, ermunterten sich gegenseitig zur Übung aller Arten guter Werke und nahmen sich besonders der verfolgten Christen an, die sie auf das Liebevollste unterstützten und auf jede Weise im Glauben zu befestigen versuchten. Tage und Nächte brachten sie in den Gefängnissen zu, um den Bekennern alle Dienste zu erweisen. Sie wagten es sogar, auf den öffentlichen Marterplätzen zu erscheinen, wo sie die Bekenner zur Standhaftigkeit ermunterten und die Abgefallenen dem Heiland wieder zu gewinnen sich bemühten. Trotz dieses offenkundigen Eifers entgingen sie mehreren blutigen Verfolgungen und hatten unangefochten bereits ein hohes Alter erreicht, als es dem Herrn gefiel, auch sie zur Marterkrone zu berufen.

 

Die Götzenpfaffen, aufgebracht über die ungemeine Verbreitung der christlichen Religion, beklagten sich bei den Kaisern Diokletian und Maximian, wie die Götter erzürnt seien, keine Orakelsprüche mehr gäben und ihre Wohltaten zurückhielten, weil das ihnen verhasste Geschlecht der Christen von Tag zu Tag zunähme. Vorzüglich erklärten sie Primus und Felicianus der Rache der Götter verfallen und forderten zur strengen Bestrafung derselben auf. Sogleich wurden die beiden Brüder ergriffen und vor den Prätor von Rom geschleppt, der sie, als sie seinem Befehl, den Götzen zu opfern, nicht gehorchten, an Händen und Füßen gefesselt ins Gefängnis werfen ließ. In der Nacht aber erschien ihnen ein Engel des Herrn, tröstete sie und löste ihre Bande, und voll Dankes sangen sie das Lob Gottes und baten um seine Gnade zu dem bevorstehenden Kampf.

 

Tags darauf wurden sie bis auf das Blut gegeißelt und dann nach Nomento abgeführt, wo Promotus, ein wilder Christenfeind, Statthalter war. Der übergab sie den Händen der Henker, die sie auf das Grausamste folterten, aber durch alle ihre Kunstgriffe sie nicht zum Abfall bringen konnten. Der Statthalter meinte nun eher zum Ziel zu gelangen, wenn er die Brüder voneinander trenne und jeden einzeln vornehme. Daher ließ er Primus in das Gefängnis abführen und behielt nur Felicianus bei sich. Diesem redete er zu, dass er seines hohen Alters schonen und nicht mutwilliger Weise sich den schrecklichsten Peinigungen aussetzen möge. Der Martyrer aber entgegnete: „Ich zähle jetzt achtzig Jahre, und dreißig sind es, seitdem ich Gottes Wahrheit erkannt und mich Jesus dem besten Herrn, als Diener untergeben habe. Jetzt wo ich so nahe daran bin, den Lohn ausbezahlt zu bekommen, soll ich meinem Herrn untreu werden? Verfahre mit mir, wie du willst, Promotus! Aber zu einer solchen Torheit wirst du mich nie verleiten.“ Daraufhin ließ ihn der ergrimmte Heide an einem Pfahl aufziehen und drei Tage lang ohne Nahrung schmachten.

 

Nun kam die Reihe an Primus. Diesem spiegelte der Statthalter mit arger List vor, als hätte sein Bruder sich dem Befehl der Kaiser gefügt und den Götzen geopfert, und ermunterte ihn, nun auch solchem Beispiel zu folgen und durch gleiche Willfährigkeit an der Huld der Kaiser teilzunehmen. Der Heilige, der durch höhere Erleuchtung von dem herrlichen Bekenntnis seines Bruders Kunde hatte, antwortete dem Nichtswürdigen: „Schäme dich der Lüge! Felicianus bleibt seinem Heiland treu und wird für ihn sterben; das will auch ich.“ Im höchsten Zorn ließ jetzt der Statthalter den Martyrer schlagen, dass die Haut in Fetzen vom Leib fiel, und dann die Wunden mit Fackeln anbrennen. Unter diesen Penigungen rief Primus mit dem Psalmisten aus: „Du hast uns geprüft, o Herr, durch Feuer geläutert, wie man läutert das Silber. Wir gingen durch Feuer und Wasser, aber du führtest uns heraus in die Erquickung.“ Damit Felicianus Zeuge der Qualen seines Bruders sei, ließ ihn der Statthalter aus dem Kerker herbeiführen, und er musste zusehen, wie man Primus geschmolzenes Blei in den Mund goss. Aber durch ein Wunder Gottes brannte das Blei nicht und schien dem Martyrer vielmehr mildes Öl zu sein, und freudig rief dieser aus: „O mein Bruder, sieh die Macht unseres Gottes, der dem Feuer seine Kraft nimmt und siedendes Metall in einen Labetrank verwandelt!“

 

Der Statthalter hatte aber seine Grausamkeit noch nicht erschöpft. Er ließ zwei ungeheure Löwen, deren Brüllen schon die Herzen der Zuschauer entsetzte, gegen die beiden Bekenner los. Aber die blutdürstigen Bestien legten sich gleich zahmen Lämmern zu den Füßen der beiden nieder, und gleiches taten zwei wilde Bären, die man ihnen nachsendete. Da riefen die heiligen Brüder mit lauter Stimme dem wütenden Statthalter zu: „Unseliger, erkennst du noch nicht die Macht und Herrlichkeit unseres Gottes? Sieh die Tiere geben von ihm Zeugnis und gehorchen seinen Dienern! Willst du noch länger verstockten Herzens bleiben?“ Auf das Volk machte der wunderbare Vorfall einen solchen Eindruck, dass viele, den Gott der Christen preisend, sich zum Glauben bekehrten. Promotus aber, wilder als die Tiere der Wüste, blieb verhärtet und ließ die edlen Brüder durch das Schwert hinrichten – am 9. Juni 286. Die Christen bemächtigten sich insgeheim ihrer Leiber und begruben sie in einer Sandgrube bei Nomento. Im siebenten Jahrhundert wurden ihre Reliquien auf Befehl des Papstes Theodorus nach Rom gebracht und in der Kirche des heiligen Stephan auf dem Berg Cölius beigesetzt.

 

Der heilige Hercumbert, Bischof von Minden,

+ 9.6. um 806 – Fest: 9. Juni

 

Als der Sachsenherzog Widukind vom Kaiser Karl dem Großen in vielen Schlachten besiegt worden war, begab er sich im Bettlergewand, um nicht erkannt zu werden, in das kaiserliche Lager zu Attigny und sah, wie der Kaiser und sein ganzes Heer in den Ostertagen kommunizierend aus der Hand des Priesters ein wunderschönes Kind empfingen, das bei vielen lieb lächelnd, bei andern voll Abscheu sich abwendend, im Mund eines jeden verschwand. Staunend fragte der heidnische Herzog, den der Kaiser an seinem krummen Finger erkannt hatte, nach der Bedeutung der wunderbaren Erscheinung, und er bat einen Priester, ihm und seiner Gemahlin die Anfangsgründe der christlichen Religion beizubringen. Zu jenen Zeiten befanden sich im Gefolge des Kaisers ausgezeichnete Gelehrte, unter anderen Hercumbert, ein Mann von vorzüglicher Heiligkeit und hohen Geistesgaben. Er wurde vom Kaiser zum Unterricht des Herzogs auserkoren und brachte es durch seinen Fleiß und seine ausdauernde Bemühung in kurzer Zeit dahin, dass Widukind nebst seiner Gattin noch in demselben Jahr getauft wurde.

 

Hercumberts Seeleneifer begnügte sich mit dieser für das ganze Sachsenvolk bedeutungsvollen und segensreichen Errungenschaft nicht. Der Herzog Widukind hatte ihm eine Wohnung auf einer seiner westfälischen Burgen angeboten, wenn er Frankreich verlassen und mit ihm nach Westfalen gehen wollte. Zugleich versprach er ihm, dass er ihm einen geeigneten Platz zum Bau einer Kirche und die erforderlichen Einkünfte zum Unterhalt der Geistlichen anweisen wolle. Auch Karl der Große verhieß dieser Kirche verschiedene Schenkungen, sobald die Zeiten nach den beständigen Unruhen friedlichere würden. Sehr gern fand sich Hercumbert bereit, Widukind nach Westfalen zu begleiten, denn er sah voraus den großen Vorteil für die Kirche, wenn ein so berühmter Mann treu in der eben angenommenen christlichen Religion beharrte.

 

Deshalb begleitete Hercumbert den Herzog Widukind auf seiner Rückreise nach Westfalen, fest entschlossen, sein Leben für Christus zu opfern oder die wilden Scharen der Heiden zum ewigen Heil zu führen. Sein erster Aufenthalt soll in der Widukindsburg an der Weser gewesen sein. Um anzudeuten, dass der Platz und das Bistum beiden gemeinsam sein sollte, nannte Widukind die Stätte „Myn dyn“, d.h. „Mein dein“, wovon die Stadt Minden ihren Namen erhalten haben soll.

 

Von dort aus durchzog der seeleneifrige Bischof die ganze Umgegend, unterrichtete das Volk im christlichen Glauben und frommen Übungen und erreichte die glücklichsten Erfolge, denn nach dem Beispiel ihres hochverehrten Herzogs strömten viele Sachsen herbei, um sich taufen zu lassen. Seine Hauptsorge wandte er Widukind und dessen Haus zu, den er durch öftere Unterredungen und Ermahnungen so sehr im Glauben befestigte, dass er von der Zeit an ebenso eifrig auf das Wohl der Kirche und Förderung des christlichen Lebens bedacht war, wie er früher Aufruhr erregte.

 

Unter verschiedenen Tugenden Hercumberts wird besonders seine Freigebigkeit gerühmt. Außer vielen anderen Schenkungen gab er dem Kloster Fulda 253 Knechte, 23 Dörfer, 170 Joch Ackerland zum Geschenk. Nachdem er sein bischöfliches Amt ruhmvoll und segensreich verwaltet hat, starb er am Anfang des neunten Jahrhunderts am 9. Juni, dem Fest der heiligen Märtyrer Primus und Felician.

 

Der heilige Ephräm der Syrier, Diakon von Edessa, Kirchenlehrer,

+ 9.6.373 - Fest: 9. Juni

 

Der heilige Ephräm kam um das Jahr 306 in der Gegend zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris als Bauernsohn zur Welt. Zwölfjährig hatte er einmal einen sonderbaren Traum. Es träumte ihm, er läge der längelang auf einer Wiese. Da sprosste aus seinem Mund ein Weinstock hervor, der schnell wuchs, bis er an das Firmament reichte. Viele Blätter waren an dem Stock und noch mehr Trauben, und es kamen Leute und pflückten die Trauben, und je mehr sie pflückten, desto mehr Trauben reiften an dem Weinstock heran. Es war ein fremdartiger Traum, aber Ephräms späteres Leben war sehr schön darin vorgedeutet.

 

Als Junge war Ephräm kein übler Kerl, als er aber in die Flegeljahre kam, entwickelte er sich zu einem regelrechten Strick, der eines Tages einen Streich vollführte, für den es wohl keine Entschuldigung gibt. Es soll dieser Streich weder verschwiegen noch beschönigt werden, denn es liegt darin einerseits eine ernste Mahnung an alle, es doch nicht zu toll zu treiben, und andererseits dient es auch zur Erbauung, wenn man erfährt, dass die Heiligen nicht immer heilig waren, dass sie aber durch den Kampf gegen ihre Fehler Heilige geworden sind.

 

Aus lauter Übermut trieb nämlich eines Tages der fünfzehnjährige Ephräm die Kuh des Nachbarn vor sich her, weiter und weiter, in einen dichten Wald. Da kam ein Wolf und zerriss das Tier. Das hatte Ephräm natürlich nicht gewollt, aber es war geschehen. Heulend lief er heim und bekannte, was er getan hatte. Verdientermaßen züchtigte ihn der Vater. Die Kuh musste dem Nachbarn ersetzt werden, aber weit schlimmer noch war es, dass die Polizei den Übeltäter verhaftete. Im Gefängnis hatte Ephräm dann Muße genug, um zur Einsicht zu gelangen.

 

Dass der junge Mann einige Tage bei Wasser und Brot fassten musste, machte ihm weniger aus, aber vor der kommenden Gerichtssitzung hatte Ephräm eine unheimliche Angst. Gott und allen Heiligen gelobte er, sich zu bessern, wenn er ungeschoren davonkäme. Tatsächlich ließ der Richter Nachsicht walten und begnügte sich mit einer ernsten Verwarnung, auf Ephräm aber machte die öffentliche Verhandlung einen solch tiefen Eindruck, dass er die Erinnerung daran nie mehr verlor, und sooft er daran dachte, stellte er sich das Gericht am Jüngsten Tag vor, bei dem in Gegenwart aller Menschen eines jeden Sünden restlos aufgedeckt werden. Das waren wohl heilsame Gedanken, die Ephräm da bei sich trug.

 

Nachdem Ephräm dann daheim die Eltern reumütig um Verzeihung gebeten hatte, begab er sich zu einem Einsiedler, der ihn nach einer längeren Prüfung als Jünger annahm. In kurzer Zeit wurde aus dem jungen Mann ein besserer Mensch, denn er hatte ja Lehrgeld genug bezahlt. Später machte sich Ephräm als Einsiedler selbstständig und ging nach Syrien, weshalb man ihn Ephräm den Syrer nennt. Bald auch war er nicht nur wegen seines heiligmäßigen Lebens, sondern ebenso wegen seiner gotterleuchteten Weisheit im Land berühmt. Weil er sich nicht würdig erachtete, Priester zu werden, erteilte ihm der Bischof die Diakonatsweihe, damit er wenigstens als Prediger auftreten könne.

 

Ephräm war ein hinreißender Prediger, der besonders häufig und eindrucksvoll auf der Kanzel über das Letzte Gericht redete. Seine Predigten und seine gelehrten Schriften sind heute noch erhalten, und ihretwegen zählt er zu den Kirchenlehrern. Eine weitere Eigentümlichkeit des Tagesheiligen bestand darin, dass er sich auch als Dichter betätigte, der viele Kirchenlieder verfasste, die so schön waren, dass sie nicht nur beim Gottesdienst, sondern auch in den Familien von den Leuten gern gesungen wurden. Unwillkürlich denkt man da an den eingangs erwähnten Traum. Ephräms gottliebende Seele war der himmelanstrebende Weinstock, an dem die Trauben seiner heiligen Lieder hingen. Die Menschen kamen zuhauf und pflückten die Trauben, und je mehr sie die Lieder sangen, desto mehr Trauben reiften an dem Weinstock.

 

Der heilige Ephräm ist ein Heiliger geworden, weil er immerfort an das Letzte Gericht dachte, bei dem alle Gedanken, Worte und Werke vor aller Welt offenbar werden.

 

10. Juni

 

Der selige Heinrich, Taglöhner zu Treviso in Italien,

Patron der Stadt Bozen,

+ 10.6.1315 - Fest: 10. Juni

 

Der selige Heinrich wurde in Bozen in Tirol geboren. Weil seine Eltern sehr arm waren, erhielt er keine wissenschaftliche Bildung; er lernte aber von seiner Kindheit an Gott täglich mehr lieben, und das ist die nützlichste unter allen Künsten, ist die Wissenschaft der Heiligen. In seiner Vaterstadt konnte er sich seinen Lebensunterhalt nicht verdienen. Er kam also nach Treviso und lebte da als Taglöhner. Er versuchte in diesem harten Stand sich durch Bußübungen, Gebet und geistliche Betrachtungen zu heiligen. Weil er nicht lesen konnte, versuchte er so oft wie möglich den Christenlehren und den Predigten beizuwohnen. Alle Sonn- und Feiertage ging er in die Kirche zu den pfarrlichen Gottesdiensten und besuchte voller Andacht täglich die heilige Messe. Während seiner Arbeit vereinigte er sein Herz mit den glücklichen Menschen, die in einem ganz Gott geheiligten Stand dem Herrn beständig Lob singen konnten.

 

Seine Lebensweise war sehr bußfertig und streng. Was er von seinem kargen Verdienst noch sparen konnte, verteilte er heimlich unter die Armen. Seine guten Werke verbarg er aber aus Demut sorgfältig vor den Augen der Menschen. Allein der Glanz seiner Tugenden leuchtete ganz vielen Menschen, selbst Reichen und Vornehmen zur Erbauung, nur desto mehr aus der stillen Verborgenheit hervor. Seine Sanftmut erregte allgemeines Erstaunen, Bedrängnisse und Beleidigungen schienen auf ihn nicht den mindesten Eindruck zu machen. Wenn Kinder oder andere Menschen über ihn spotteten oder ihn beschimpften, antwortete er ihnen mit Worten des Segens und betete für sie. Niemals hörte man ihn murren oder klagen, auch wenn er mit schweren Krankheiten und Schmerzen zu kämpfen hatte. Seine stille und heitere Ruhe erwarb ihm die Liebe aller Menschen. Recht oft vereinigte er sich mit Jesus in der heiligen Kommunion, dem Sakrament der Liebe. Er beichtete alle Tage, nicht aus Ängstlichkeit, sondern um sein Herz immer rein zu bewahren, sich desto mehr auch vor der kleinsten Sünde zu hüten und seinen Heiland umso mehr zu lieben, der die Heiligkeit selbst ist und in dessen Augen auch die Engel nicht fleckenlos sind. Bei allem, was er tat, hatte er Gott vor Augen. Er klagte sich schon des Mangels an Abtötung oder einer eitlen Neugierde an, wenn irgendein Blick auf einen äußeren Gegenstand seine Aufmerksam und seine geistige Sammlung nur im mindesten störte.

 

Als er seines hohen Alters wegen die harten Arbeiten nicht mehr verrichten konnte, nahm ihn ein Herr in sein Haus auf. Da lebte der Diener Gottes von dem Almosen, das ihm täglich mitgeteilt wurde, ohne etwas für den folgenden Tag aufzuheben, und alles, was er dabei entbehren konnte, gab er den Bedürftigen. Er starb am 10. Juni 1315. Seine Gebeine lagen in einem marmornen Sarg in der Domkirche zu Treviso. Die Reliquien des seligen Heinrich wurden 1759 nach Bozen überführt und in einer heute nicht mehr vorhandenen Seitenkapelle der Bozner Pfarrkirche hinterlegt. 1868-69 erbaute man am Heinrichshof in Bozen-Dorf ein eigenes Kirchlein zu seinen Ehren. Wann er zum Patron der Stadt Bozen ernannt wurde, ist nicht bekannt. Auf einem Gemälde aus dem Jahr 1802 ist er aber deutlich als solcher dargestellt. Er gilt auch als Patron der Holzfäller.

 

Der heilige Martyrer Getulius,

Gelehrter, Kriegsoberster und Martyrer von Rom,

+ 10.6.124 - Fest: 10. Juni,

und seine Gemahlin Symphorosa mit ihren sieben Söhnen zu Tivoli,

+ 18.7.138

 

Getulius diente als Kriegsoberster im römischen Heer unter den Kaisern Trajan und Hadrian. Als er das Christentum angenommen hatte, zog er sich in das Land der Sabiner zurück. Von seiner Gemahlin Symphorosa hatte er sieben Söhne, die alle in der christlichen Religion erzogen wurden. Auf dem Landgut des Heiligen unweit von Tivoli versammelte sich täglich eine große Anzahl Christen, die er mit ruhmwürdigem Eifer zum standhaften Bekenntnis ermunterte. Auch den leiblichen Unterhalt reichte er denen, die ihn nötig hatten, ganz nach dem Beispiel der ersten Christen in Jerusalem, die ihren Überfluss mit den ärmsten Mitchristen teilten.

 

Als Kaiser Hadrian erfuhr, dass Getulius das Heidentum verlassen habe, sendete er einen hochgestellten Beamten, namens Cerealis, ab, um ihn zu verhaften. Dieser traf den Heiligen in der Mitte vieler Glaubensbrüder, denen er die Worte des göttlichen Heils erklärte. Er redete mit großem Nachdruck von der Wahrheit des Christentums und von der Seligkeit, die es seinen Bekennern verheißt. Cerealis wurde von der Gnade Gottes berührt und entschloss sich, statt den Auftrag seines Gebieters zu vollziehen, selbst Christ zu werden. In diesem Vorhaben wurde er durch den Legionstribun Amantius bestärkt, einen Bruder des Getulius, der der Verfolgung wegen sich hier verborgen hielt. Er erinnerte Cerealis, durch Buße, Fasten und Gebet zur heiligen Taufe sich vorzubereiten. Drei Tage verharrten auch die übrigen Christen mit dem Neubekehrten im Gebet. In der dritten Nacht, die sie stehend durchwachten, hörten sie eine Stimme von oben, die ihnen befahl, dass sie den heiligen Xystus, der damals Bischof in Rom war, zu sich rufen sollten. Es geschah. Der Papst erschien, unterrichtete Cerealis in den Geheimnissen des christlichen Glaubens, taufte ihn und bekräftigte ihn durch die Sakramente der Firmung und des Abendmahles. Während dieser heiligen Handlungen, die, um von den Feinden der Christen nicht gestört zu werden, in einem unterirdischen Gewölbe verrichtet wurden, rief Cerealis mit lauter, fröhlicher Stimme aus: „Seht da ein Licht über mir, glänzender als die Sonne!“ Alle Anwesenden priesen Gott für diesen sichtbaren Beweis der Mitteilung des heiligen Geistes.

 

Als Cerealis so lange ausblieb, ohne von sich hören zu lassen, begann man in Rom Verdacht zu schöpfen und stellte Nachforschungen an. Ein gewisser Vincentius kam in die Nähe von Tivoli, um da öffentliche Gelder zu erheben, und erfuhr den Verlauf der Dinge. Erstaunt rief er aus: „O ihr Götter, so hat selbst Cerealis, der mit so hohen Würden Bekleidete, euch verlassen und ist leeren Träumen gefolgt!“ Sogleich eilte er nach Rom zurück und hinterbrachte dem Kaiser, dass Cerealis zum Christentum übergetreten sei. Hadrian, über dieses unerwartete Ereignis heftig erzürnt, schickte Licinius nach Tivoli hinaus, mit dem Auftrag, die Abtrünnigen festzusetzen und zu verurteilen, falls sie den Göttern nicht opfern wollten. Licinius ließ einen Richterstuhl auf öffentlichem Platz aufstellen und sodann die christlichen Bekenner in Ketten vor sich führen. Aber umsonst strengte er sich an, sie zu überreden, den Götzen zu opfern; all seine Bemühungen waren fruchtlos. Da ließ er sie entkleiden und grausam schlagen. Während dieser Misshandlung lobten sie den Herrn, und Getulius rief mit lauter Stimme: „Ich danke Gott, dem Allmächtigen, und meinem Herrn Jesus Christus, dass ich zum gefälligen Opfer geworden bin. Einen reumütigen Geist, ein zerknirschtes Herz verschmäht Gott nicht!“ Die heiligen Bekenner wurden jetzt in das Gefängnis geworfen, wo sie 27 Tage verwahrt blieben. Mittlerweile ging Licinius nach Rom und berichtete dem Kaiser alles, was vorgefallen war. Dieser ordnete sogleich Kriegsleute ab, mit dem unmenschlichen Befehl, die Bekenner dem Scheiterhaufen zu übergeben. So wurden Getulius, Amantius, Cerealis und noch ein vierter Christ, namens Primitivus, mit gebundenen Händen und Füßen in das dazu bereitete Feuer geworfen. Getulius beschädigten die Flammen nicht, sie lösten nur seine Bande auf. Gott preisend trat er unverletzt aus dem Feuer hervor. Nun aber schlugen ihn die Soldaten mit Prügeln tot. Dies geschah im Jahr 124.

 

Symphorosa beerdigte den Leichnam ihres Gatten und die Reste der anderen Martyrer in einer Sandgrube auf ihrem Landgut und betete mit ihren Söhnen oft an dieser Stelle. Das Jahr darauf begab es sich, dass Kaiser Hadrian selbst nach Tivoli kam, das er wegen seiner angenehmen und gesunden Lage sehr liebte. Er ließ hier einen prächtigen Palast errichten, und als das Gebäude fertig war, sollte es nach Sitte der Heiden durch allerlei abergläubische Zeremonien eingeweiht werden. Diese Gelegenheit benützten die Priester, um den Kaiser glauben zu machen, die Götter seien durch das Gebet, das Symphorosa und ihre Söhne täglich zum Christengott verrichteten, sehr belästigt und wollten, erzürnt hierüber, nicht mehr Heil und Segen spenden. Hadrian ließ die fromme Witwe samt ihren Söhnen ergreifen und vor sich bringen und sagte zu ihr: „Wähle, was du willst – entweder opfere den Göttern, oder du wirst auf eine elende Weise zu Grunde gehen!“ Symphorosa entgegnete: „Du glaubst, meinen Sinn durch Schrecken ändern zu können. Doch nein! Ich will bei meinem Mann Getulius, den du des Christentums wegen getötet hast, meine Ruhe finden.“ Nun ließ sie Hadrian zu dem Tempel des Herkules führen und dort an einen Pfosten bei den Haaren aufhängen. Als diese grausame Misshandlung die heldenmütige Bekennerin nicht wankend machte, befahl der Tyrann, sie mit einem Stein am Hals im Fluss Teverone zu ertränken.

 

Durch den Tod der Mutter noch nicht befriedigt, richtete die Wut des Kaisers sich jetzt gegen die Söhne. Anfänglich meine er, die jugendlichen Gemüter durch freundliche Worte und große Verheißungen, oder doch gewiss durch harte Drohungen bewegen zu können. Aber er lernte an den jungen Helden eben die Standhaftigkeit kennen, die er an Vater und Mutter erfahren hatte. Da ließ er um den Tempel des Herkules herum sieben Pfähle errichten, an jedem von ihnen einen Bekenner aufhängen und ihre Glieder mittels Flaschenzügen furchtbar auseinander zerren, ohne durch diese unmenschliche Pein ihren Mut besiegen zu können. Des grausamen Spieles müde, befahl er endlich, sie mit Dolchen zu töten. Alle verharrten bis zum letzten Atemzug treu im Glauben Jesu Christi, gestärkt durch die Hoffnung der Krone des ewigen Lebens. Die Leichname wurden in eine tiefe Grube geworfen. Nachdem die Verfolgung für einige Zeit aufgehört hatte, wurden sie von den Christen herausgenommen und einzeln an der Straße bei Tivoli feierlich beerdigt.

 

Der heilige Bardo, 20. Erzbischof von Mainz,

+ 10.6.1051 – Fest: 10. Juni

 

Der heilige Bardo stammte aus der berühmten Familie von Oppershofen in der Wetterau und wurde im Jahr 980 geboren. Seine Eltern, Adalbero und Christina, standen im Ruf der Heiligkeit und ihre Gräber verherrlichten Wunder und himmlische Gebetserhörungen. Als Bardo die heilige Taufe empfing, beschenkte ihn sein Pate mit einem Helm, einem Lamm und einem Psalter, hindeutend auf seinen Glauben, seine Geduld und Andacht. Nachdem seine Eltern ihn in aller Unschuld erzogen hatten, schickten sie ihn zur weiteren wissenschaftlichen Ausbildung ins Kloster Fulda, wo er durch seinen Scharfsinn und seine schnelle Fassungskraft bald alle seine Mitschüler überflügelte.

 

Zum jungen Mann herangereift, bat er um das Ordenskleid des heiligen Benedikt und leuchtete allen seinen Ordensbrüdern in Gehorsam, Demut, Pünktlichkeit und Diensteifer vor. Niemals verweigerte er einen Dienst und beklagte es, wenn er durch ein anderes Amt verhindert war, den Brüdern zu helfen. Seine Mußestunden widmete er dem Lesen heiliger Schriften, insbesondere der Evangelien, des Psalters und der Schriften des heiligen Papstes Gregor des Großen. Als man ihn fragte, warum er die Hirtenbriefe des heiligen Gregor so eifrig lese, antwortete er scherzend: „Vielleicht könnte der Kaiser auf den törichten Einfall kommen, mich zum Bischof einzusetzen; deshalb muss ich eifrig vorsorgen, dasjenige reiflich zu erwägen, was zur Verwaltung dieses Amtes gehört.“ Was Bardo scherzweise geäußert hatte, bewahrheitete sich bald, denn er stieg von Stufe zu Stufe zu höheren Ämtern empor.

 

Zunächst wurde er durch die allgemeine Bitte seiner Brüder und mit Zustimmung des Abtes Richard zum Dekan des Klosters Fulda erwählt. Dieses Amt verwaltete er mit Klugheit und Liebe, mit besonderer Bescheidenheit und Herablassung. Bald darauf errichtete Abt Richard ein neues Kloster zu Ehren des heiligen Andreas im Westen der Stadt und bestellte Bardo zum Propst desselben. Als Kaiser Konrad II., der Salier, zum Kloster Fulda kam und das neue Kloster in Augenschein nehmen wollte, gefiel ihm der gelehrte und hochverdiente Bardo so sehr, dass er ihn zum Abt des Klosters Werden in Westfalen und im Jahr 1031 auch zum Abt von Hersfeld ernannte. Beide Würden verwaltete er mit besonderer Klugheit und herzgewinnender Demut, eingedenk des göttlichen Wortes: „Je höher du stehst, desto mehr verdemütige dich in allem, und du wirst Gnade finden vor Gott.“ Er änderte seine frühere Lebensweise nicht, außer dass er mit größerem Eifer von Tugend zu Tugend fortschritt. Überall wusste er durch seine väterliche Liebe und sein ermunterndes Beispiel die gestörte Kirchenzucht wiederherzustellen. Streng schritt er nur gegen jene ein, die insgeheim oder mit einschmeichelnder Rede ihre Mitbrüder anklagten. Er sagte den Zuträgern: „Ihr habt in eurem Konvent den Dekan oder Prior. Er hat über die klösterliche Zucht zu wachen. Ich bin Abt und Vater; was er mir verhehlt, soll ich nicht wissen.“ Auf diese Weise gewann er das vollste Zutrauen seiner Untergebenen und sie liebten ihn wie ihren Vater.

 

Der Erzbischof Aribo von Mainz, der noch kurz vorher mit Kaiser Konrad II. das Weihnachtsfest zu Paderborn gefeiert hatte, war auf einer Reise nach Rom gestorben (6. April 1031). Zur Wahl eines neuen Erzbischofs reiste Abt Richard nach Mainz, in der Hoffnung, zum Nachfolger erwählt zu werden. Da sah er im Traum den Abt Bardo auf dem Gipfel eines hohen Berges, den er selbst nicht zu erreichen vermochte, eine große Herde hüten. Aus diesem Gesicht erkannte Richard, dass Bardo nach dem Willen des Allerhöchsten zu jener Würde auserkoren sei. Der Kaiser schritt mit seiner Gemahlin zur Kirche und betete inbrünstig zu Gott, dass er den Würdigsten wählen möchte. Dann sprach er feierlich zu dem versammelten Volk: „Ich stelle euch einen Mann vor von hervorragendem Geist, von ausgezeichneter Tugend, von leuchtender Heiligkeit, den die Weisheit geboren, die Keuschheit genährt, die Religion zu aller Ehre und zum Hirtenamt gebildet, voll Liebe, Demut und Güte.“ Und mit dem Finger auf Bardo zeigend, sprach er: „Du bist jener Mann, ich ernenne dich heute zum Erzbischof des Mainzer Stuhles!“ Jubel und Freude erfüllte die ganze Versammlung, Bardo wurde von den anwesenden Bischöfen zum Tempel geführt und empfing die bischöfliche Weihe. Dies geschah zu Goslar am 29. Juni 1031.

 

Nach der Feier reiste Bardo nach Mainz, um von seinem Erzbistum Besitz zu nehmen, gab überall Beweise seiner Tugend, predigte eifrig Buße, trieb durch Wort und Beispiel das Volk zu einem religiösen Leben an, tröstete die Trauernden, bekleidete die Armen, richtete die Zaghaften auf und wurde allen alles, um alle glücklich zu machen. Desungeachtet fehlte es ihm an Feinden und Neidern nicht. Gegen Ende des Jahres begab er sich an den kaiserlichen Hof zu Goslar. Am Weihnachtsfest wurde Bardo aufgefordert zu predigen. Mit einfachen, schlichten Worten erklärte Bardo die Bedeutung des Festes ohne rednerischen Schmuck. Alle waren enttäuscht, dass der Bardo-Chrysostomus, wie man ihn wegen seiner Beredsamkeit zu nennen pflegte, so wenig den Erwartungen entsprochen habe. Am folgenden Tag predigte Bischof Dietrich von Metz so schön, dass alle Zuhörer entzückt waren. „Das ist ein Bischof!“ – sagten die Leute. – „Was ist Bardo dagegen?“ Am dritten Tag, dem Fest des heiligen Evangelisten Johannes, hielt aber Bardo eine so ergreifende Predigt, dass alle in Tränen zerflossen. Kaiser Konrad war entzückt, dass der fromme Erzbischof sein Vertrauen so glänzend gerechtfertigt habe, und überhäufte ihn mit neuen Ehren.

 

Trotz den zahlreichen Lobeserhebungen blieb Bardo demütig. In seine Erzdiözese zurückgekehrt, sorgte er unermüdlich für das Seelenheil seiner Untergebenen, aber auch für das leibliche Wohl aller Bedrängten. Seine Tür stand allen offen, mit eigener Hand teilte er Almosen aus und kannte alle Blinde und Lahme beim Namen. Desungeachtet fehlte es ihm nicht an Feinden. Der Burggraf Erckenbald verdächtigte den Erzbischof beim Kaiser, wurde aber bald wegen seiner Ränke abgesetzt und von einer unheilbaren Krankheit befallen. – Ein hochmütiger Mensch verspottete heimlich den Erzbischof, weil er bei Tisch religiöse Gespräche führe. Statt zu zürnen, ließ er dem Spötter zum Dank für die Beleidigungen eine goldene Schüssel geben.

 

Selbst über vernunftlose Geschöpfe übte der fromme Kirchenfürst einen unwiderstehlichen Zauber. So oft er nach Eltville reiste, kam eine Schar nie gesehener Vögel und sangen ihm die lieblichsten Weisen, flogen vor ihm nicht fort, ließen sich von ihm liebkosen und verschwanden, sobald er Eltville verließ.

 

Manche Große und Vasallen versuchten seine Rechte zu schädigen, aber er überwand das Böse durch das Gute, und es bewährte sich an ihm das Wort des göttlichen Heilandes: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“

 

Bardo beförderte zwei Bischöfe, die später den päpstlichen Stuhl zierten, nämlich in Münster 1041 den Suitger, den späteren Papst Klemens II., zum Bischof von Bamberg, und um Weihnachten des folgenden Jahres den jungen Grafen Gebhard von Calwe zum Bischof von Eichstätt, der 1055 als Viktor II. auf den päpstlichen Stuhl erhoben wurde.

 

Während seiner zwanzigjährigen Wirksamkeit vollendete Erzbischof Bardo den Dom zu Mainz, den sein heiliger Vorgänger Willigis 1009 vollendet, aber am Abend vor der Einweihung in Flammen aufgehen sah, und weihte ihn in Gegenwart des Kaisers Konrad und vieler Bischöfe zu Ehren des heiligen Martin im Jahr 1037. Den Kaiser Heinrich III. vermählte er zu Ingelheim mit Agnes und salbte sie zur deutschen Königin im Jahr 1043. In Münster weihte er in Gegenwart von vier Erzbischöfen und acht Bischöfen die prachtvolle Basilika ein am 29. Dezember 1041. Im Oktober 1049, wenige Wochen nach der Anwesenheit Papst Leo IX., hielt er zu Mainz eine große Kirchenversammlung ab, auf welcher sieben Erzbischöfe und dreiunddreißig entschiedene Beschlüsse über Simonie und kirchliche Zucht fassten.

 

Papst Leo IX. hatte ihn gebeten, seiner großen Schwäche wegen Fleischspeisen zu nehmen. Bardo gehorchte. Da kam ein fremder Mönch zum Besuch. Bardo sprach zu ihm: „Bruder, wir haben keine Fische. Nimm mit unserer Erlaubnis, was wir haben!“ Der Mönch weigerte sich, Fleisch zu genießen. Hierauf machte der Erzbischof dreimal das Kreuzzeichen über das Fleisch und verwandelte es in einen Fisch. Bei diesem Wunder fiel der Mönch dem heiligen Bischof zu Füßen. Der aber verbot ihm, etwas davon zu sagen, und mahnte ihn zu stetem Gehorsam.

 

Am heiligen Pfingstfest, den 19. Mai 1051, traf er noch einmal mit dem Kaiser Heinrich III. in Paderborn zusammen, predigte vor dem versammelten Hof und sagte seinen nahen Tod voraus und nahm feierlichen Abschied. Auf seiner Heimreise, zwei Stunden von Paderborn, bei Dornberg (Dörenhagen), überfiel ihn plötzlich Todesschwäche. Sein Weihbischof Abellinus von Fulda spendete ihm die heilige Ölung. Auf einem Bußgewand am Boden liegend, tröstete er die Umstehenden und schloss mit den Worten: „Was dem Herrn gefällt, soll geschehen! Deine Barmherzigkeit, o Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.“ Dann schloss er die Augen zur himmlischen Ruhe am 11. Juni 1051, im 71. Lebensjahr und im 21. Seines bischöflichen Amtes.

 

Der Leichnam des heiligen Erzbischofs Bardo wurde nach christlicher Sitte gewaschen und das Wasser an einem dürren Baum ausgeschüttet. Wie staunte das Volk, als von nun an jedem Dienstag, dem Wochentag von Bardos Tod, aus den dürren Zweigen jenes Baumes Wasser quoll, das vielen Kranken Gesundheit brachte! Die Leiche wurde im St. Martini-Dom beigesetzt und ein unaussprechlicher Wohlgeruch stieg aus dem Grab.

 

Wie alle Kranke und Hilfsbedürftige bei dem liebevollen Erzbischof Bardo Trost, Unterstützung und oft wunderbare Heilung fanden, so wurden nach seinem Tod durch seine Fürbitte viele Kranke plötzlich geheilt, wie der Erzbischof Anno an einem Krüppel mit eigenen Augen sah.

 

11. Juni

 

Der heilige Barnabas, Apostel und Martyrer von Cypern,

+ 63? - Fest: 11. Juni

 

Hoffentlich regnet es heute nicht! Wenn es heute nämlich regnet, soll es einen nassen Herbst und ein schlechtes Weinjahr geben. Die Winzer sagen: „Regnets an Sankt Barnabas, so schwimmen die Trauben bis ins Fass.“ Das wäre schade.

 

Was indessen den heiligen Barnabas betrifft, so lebte Anno dazumal auf der Insel Cypern im Mittelmeer ein Jude mit Namen Joseph. Als junger Mann wanderte er nach Jerusalem auf die Schule, und es wird berichtet, dass Stephanus, der spätere Erzmartyrer, und Saulus, der nachmalige Apostel Paulus, zu seinen Mitschülern zählten. Gespannt horchte auch Joseph von Cypern auf, als das ganze Land widerhallte von den Berichten über die Lehren und Wunder des Zimmermannssohnes von Nazareth. Halb glaubte er, und halb glaubte er nicht, dass Jesus der verheißene Messias war. Wie andere, so war auch er ein Zweifler, bis er eines Tages dem Herrn begegnete und Zeuge war, wie der Heiland am Teich Bethesda einen Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war, durch ein bloßes Wort augenblicklich heilte. Von da an glaubte Joseph von Cypern an Jesus und war ihm mit Leib und Seele verschrieben. Als einer der zweiundsiebzig Jünger folgte er dem Herrn auf allen Wegen, und durch das, was er da sah und hörte, erhielt sein Glaube eine solche Festigkeit, dass ihn auch das furchtbare Geschehen auf Golgatha nicht aus dem Gleis warf. Im Gegenteil, er war es, der damals in der Zeit der Kopflosigkeit die verwirrten Jünger aufmunterte, stärkte und tröstete. So kam es, dass man ihn allgemein in dankbarer Anerkennung Barnabas nannte, was auf Deutsch „Tröster“ heißt. Auf diese Weise wurde also aus dem Joseph von Cypern ein Barnabas.

 

Warum aber wird der heilige Barnabas Apostel genannt, obwohl er nicht zu den Zwölfen gehört?

 

Barnabas blieb nach dem Pfingstfest zunächst in Jerusalem, und weil es der jungen Christengemeinde bald am Nötigsten gebrach, verkaufte er großzügig einen Acker, den er vor den Toren der Stadt besaß, und legte den Erlös zu Füßen der Apostel nieder. Dann erschien eines Tages Saulus, aus dem zu Damaskus ein Apostel geworden war, in Jerusalem, um den Anschluss an die Apostel zu suchen. Diese wollten jedoch von dem ehemaligen Christenverfolgernichts wissen. Erst als Paulus sich an den früheren Mitschüler Barnabas wandte und ihn um Empfehlung bat, ließen sich die Jünger dazu bewegen, auch Paulus in ihren Kreis aufzunehmen. Dass aber Barnabas dadurch der jungen Kirche einen unschätzbaren Dienst leistete, wird jedem klar, wenn er bedenkt, dass später gerade durch den Völkerapostel Paulus das Evangelium bis an die Grenzen der Welt verkündet wurde.

 

Hier nun sind wir endlich auf den Punkt gekommen, wo es in der heiligen Schrift heißt, dass Barnabas als Missionar von Jerusalem nach Antiochien, der ehemals drittgrößten Stadt der Welt, geschickt wurde. Da hatte er als Großstadtpfarrer alle Hände voll zu tun, und als er feststellte, dass er allein die Arbeit nicht mehr meistern konnte, holte er sich den Paulus aus Tarsus und machte ihn zu seinem Kaplan. Ausgezeichnet schafften die beiden miteinander, und bald stand die Pfarrei auf festen Füßen, so dass auch andere sie leiten konnten. So kam es, dass Paulus und Barnabas für die Mission unter den Heiden frei wurden, und weil sie nach den Worten im Neuen Testament eigens vom Heiligen Geist die neue Sendung erhielten, darf man auch Barnabas als Apostel ansprechen, zumal da ihm die heilige Schrift in der Apostelgeschichte diesen Titel ausdrücklich zuerkennt.

 

Der heilige Amabilis, Priester von Riom, in Auvergne, Patron von Riom,

+ 1.11. 5. Jahrhundert – Fest: 11. Juni

 

Der heilige Amabilis wurde im Dorf Riom, das jetzt eine der Hauptstädte in Auvergne ist, geboren. Seine erhabenen Tugenden, durch die er sich von Kindheit an auszeichnete, erwarben ihm die Ehre, zur Priesterwürde erhoben zu werden. Es scheint auch, ihm sei dann die Sorge für die Kirche von Riom übertragen worden. Später berief ihn sein Bischof in die Stadt Auvergne und verleibte ihn der Geistlichkeit seiner Kirche ein. Man glaubt, der fragliche Bischof sei der heilige Sidonius Apollinaris gewesen. Der heilige Amabilis starb gegen Ende des 5. Jahrhunderts. Sein Grab wurde durch mehrere Wunder berühmt, wovon der heilige Gregor von Tours als Augenzeuge einige erzählt. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts wurde sein Leib von Clermont nach Riom übertragen und in der Kirche zum heiligen Benignus beigesetzt. Obgleich der Tod dieses Heiligen am 1. November erfolgt sein mag, hat man doch niemals sein Fest an diesem Tag gefeiert, wahrscheinlich wegen des Festes Allerheiligen. Jetzt wird es am 11. Juni begangen.

 

12. Juni

 

Der heilige Johannes Castrillo von Facundo, Spanien,

+ 11.6.1479 - Fest: 12. Juni

 

Am 24. Juni wird das Fest des Heiligen Johannes Baptist gefeiert, und weil in Spanien der Brauch herrscht, die Kinder nach dem Heiligen ihres Geburtstages zu nennen, so erhielt der heutige Tagesheilige, weil er am 24. Juni 1430 geboren wurde, den Namen Johannes. Von Haus aus hieß er Gonzales.

 

Früh begann Johannes die Predigttätigkeit, denn was er als Junge am Sonntag von der Kanzel hörte, trug er daheim den Geschwistern und Nachbarskindern vor. Als dann Johannes Priester geworden war, wurde bei ihm aus dem kindlichen Spiel ein heiliger Ernst. Weder auf der Kanzel noch im persönlichen Umgang nahm Johannes ein Blatt vor den Mund, vielmehr nannte er auch die unschönen Dinge mit dem vollen Namen. Weil aber manche Menschen die Wahrheit nicht vertragen können, musste der aufrechte Prediger allerlei Abenteuer bestehen. So hatte er beispielsweise einmal liederlichen Frauen scharf ins Gewissen geredet. Die Hexen taten sich nachher zusammen und warfen mit Steinen nach dem Heiligen.

 

Ein anderes Mal erkühnte sich Johannes, einem hohen Herrn, dem Herzog von Alba, klipp und klar ins Gesicht zu sagen, er solle in Zukunft die leibeigenen Bauern milder und christlicher behandeln, und als ihn auf die Rede hin der Gescholtene bedrohte, antwortete ihm der Heilige, er könne nicht anders sprechen, als er getan habe, selbst wenn er seine Worte mit dem Leben bezahlen müsse. Darauf entfernte sich Johannes, und der erboste Herzog schickte ihm zwei berittene Diener nach, die ihn erst verprügeln und dann umbringen sollten. Die beiden ritten los, aber als sie sich dem Verfolgten bis auf zehn Schritte genähert hatten, blieben die Pferde wie angewurzelt stehen, so dass sich Johannes in Sicherheit bringen konnte.

 

Besondere Mühe gab sich Johannes, wenn es galt, Streitende miteinander zu versöhnen. Auf diese segensvolle Tätigkeit des Heiligen spielt das Gebet der Kirche an und spricht sogar von einer wunderbaren Gnade, die ihn als Friedensstifter zierte. Es ist nämlich durchaus nicht leicht, erhitzte Gemüter zu beruhigen. Derjenige, der sich vermittelnd zwischen zwei Streithähne stellt, hat nicht selten beide gegen sich. Da muss man schon ein feines Gefühl haben und außerdem den Mut aufbringen können, Kränkungen einzustecken. Johannes besaß beide Eigenschaften, einen feinen Takt und genügend Geduld, um eine Beleidigung nicht übelzunehmen. Deswegen gelang es ihm auch in den schwierigsten Fällen, den gestörten Frieden wiederherzustellen.

 

Auch darin glich Johannes dem Namenspatron, dass er ein abgetötetes Leben führte, reich an Buße und Kasteiungen. Oft ging er zur heiligen Beichte, und als man ihn fragte, warum er das tue, gab er zur Antwort: „Der Mensch ist keine Stunde sicher vor dem Tod, und ich will daher auch immer zum Sterben bereit sein.“ So sagte er, und niemand kann ihm die Wahrheit der Behauptung abstreiten, denn „der schnellste Reiter ist der Tod, er reitet schneller als das Morgenrot“.

 

Johannes war noch nicht fünfzig Jahre alt, als sich der Tod bei ihm einfand. Es war ein glorreicher Tod, von der gleichen Art, wie ihn sein Namenspatron erlitt, denn wie der heilige Johannes Baptist auf die Anstiftung einer liederlichen Frau hin enthauptet wurde, so endete Johannes durch Gift, das ihm eine böse Frau aus Rache ungesehen unter das Essen mengte. So ist der Heilige ein ehrenvolles Opfer seiner Priesterpflicht geworden. Es war ein schöner und verdienstreicher Tod.

 

13. Juni

 

Der heilige Antonius von Padua, Priester und Kirchenlehrer,

+ 13.6.1231 - Fest: 13. Juni

 

Vor ungefähr sechshundertfünfzig Jahren wurde in Lissabon, der Hauptstadt Portugals, ein Junge geboren, der bei der Taufe den Namen Ferdinand erhielt. Gewöhnlich nannte man ihn kurzweg Ferdi.

 

Bald stellte es sich heraus, dass Ferdi ein kluger Kopf war. In der Schule war er den anderen Kindern weit voraus, und die Antworten, die er gab, waren stets richtig. Das kam daher, weil er im Unterricht gut aufpasste. Auch las er alle Bücher, die er in die Hand bekam. So kann man es verstehen, dass Ferdi, als er mit fünfzehn Jahren vor die Wahl gestellt wurde, ob er Offizier oder Staatsmann werden wolle, weder das eine noch das andere wählte, sondern ins Kloster ging, nur damit er immer weiterlernen konnte. Er wollte nämlich ein großer Gelehrter werden.

 

Als Ferdi acht Jahre studiert hatte, empfing er die heilige Priesterweihe, und bald danach sollte er Professor werden. Es kam jedoch anders. Gerade zu der Zeit nämlich wurden die sterblichen Überreste von fünf Franziskanern, die kurz zuvor als Missionare in Afrika den Martyrertod erlitten hatten, unter großen Feierlichkeiten nach Portugal zurückgebracht. An den Leichen der Glaubenshelden kam Ferdi zu der Erkenntnis, dass es weit ehrenvoller sei, ein Martyrer zu werden. Er trat deshalb in den Franziskanerorden ein, und von da an führte er den neuen Klosternamen Antonius.

 

Von der ersten Stunde an, die Antonius bei den Franziskanern zubrachte, brannte er darauf, als Missionar nach Afrika zu ziehen, um möglichst schnell den Martyrertod für den Glauben zu erleiden. Der Ehrgeiz trieb den jungen Ordensmann auf diesen Irrweg, er wollte, koste es, was es wolle, berühmt werden.

 

Schließlich gaben die Oberen dem beharrlichen Drängen des Strebers nach. Froh bestieg Antonius in Lissabon das Schiff und fuhr, wie er meinte, dem Ruhm entgegen, aber es kam anders. Alles ging ihm schief. Schwerkrank kam er in Afrika an. Lange schwebte er zwischen Leben und Tod. Von der Verkündigung des Evangeliums konnte da keine Rede sein und vom Martyrertod auch nicht, und so stieg in Antonius die Überzeugung auf, dass Gott nicht als Missionar wollte. Dabei erfüllte ihn immer mehr der Gedanke, dass der wahre und wirkliche Ruhm eines Christen in Armut und Demut und Niedrigkeit bestehe. So war es doch auch bei Christus, der Gott war und Mensch wurde. Von nun an wollte daher der junge Mann mit großem Herzen allein nach diesem Ruhm streben.

 

Antonius fuhr heim. Doch ein Sturm trieb das Segelschiff vom richtigen Weg ab, und anstatt in Lissabon zu landen, strandete das Schiff an der italienischen Küche. Wieder war alles schief gegangen, aber nun war Antonius auf der geraden Straße zum wahren christlichen Ruhm in der Niedrigkeit, denn in Italien kannte ihn keiner, niemand wusste von seiner Gelehrsamkeit, und so arm war er geworden, dass er außer dem zerrissenen Ordenskleid nichts mehr besaß.

 

Da beschloss Antonius, zu Fuß nach Assisi zu wandern, wo sich damals eine große Anzahl Brüder um den heiligen Ordensstifter Franziskus versammelte. Der junge Mönch machte sich auf den Weg, und als er in Assisi ankam, verschwand er, fremd und unbeachtet, in der Menge der Brüder, denn niemand wusste etwas von seiner Gelehrsamkeit, und als die Versammlung sich auflöste, nahm sich einer der Vorsteher des scheinbar unwissenden Ordensbruders aus Gutherzigkeit an und brachte ihn in ein armes Kloster. Dort sollte der Fremde den älteren Mönchen als dienender Bruder zur Hand gehen. Da also hatte Antonius den Ruhm in der Niedrigkeit nach Christi Beispiel gefunden.

 

Doch nach einem Jahr kam nach Gottes Fügung wieder alles ganz anders. Es war da einmal eine Primiz. Viele Brüder, Franziskaner und Dominikaner, waren anwesend, und der Bischof forderte einen nach dem anderen auf, eine Festpredigt zu halten. Aber einer nach dem anderen entschuldigte sich, er habe die Predigt nicht studiert und unvorbereitet könne er nicht reden. Zuletzt forderte der Bischof den Bruder Antonius auf, den alle für unwissend hielten. Antonius sträubte sich anfangs, indem er sagte, er möchte lieber das Küchengeschirr reinigen, das könne er gut. Als aber der Bischof darauf bestand, begann der schlichte Bruder zu reden. Zuerst sprach er einfach und schlicht, so dass die Franziskaner bereits anfingen, sich vor den anwesenden Dominikanern zu schämen. Dann aber kam das Feuer über den Prediger, und er redete so warm und erleuchtend, dass alle nachher erklärten, nie im Leben solch herrliche Worte gehört zu haben.

 

Von Stunde an hatte Antonius keine Ruhe mehr. Überall musste er predigen. Wo er auftrat, eilten die Leute in Scharen herbei. Bis zu dreißigtausend Zuhörer hat man manchmal bei seinen Predigten gezählt. Ziemlich scharf waren seine Worte, wenn es nötig war. Doch häufiger noch sprach er voller Liebe und Milde. Auf seine Predigten hin änderten unzählige Menschen ihr Leben. Neid und Hass verschwanden, und wo bisher die bösen Taten wucherten, blühten die guten Werke. Besonders nahm sich Antonius der Armen und Bedrückten an, und das tut er bis heute, denn sonst würden nicht Millionen Menschen sich in tausenderlei Nöten an denjenigen wenden, der einer der größten Nothelfer aller Zeiten geworden ist.

 

Am 13. Juni 1231 starb der heilige Antonius in Padua, wo er die letzte Lebenszeit verbrachte und wo er auch begraben wurde, nach einem Leben voller Arbeit im Dienst für Gott und die Menschen.

 

14. Juni

 

Der heilige Basilius der Große, Erzbischof von Cäsarea,

Ordensstifter, Kirchenlehrer,

+ 1.1.379 - Fest: 14. Juni

 

Sehr selten erhält ein Heiliger den Beinamen „der Große“. Geschieht es aber, so ist der betreffende Heilige in Wahrheit ein großer Mensch gewesen. Ein Beweis für die Tatsache ist der Tagesheilige Basilius, ein Mann, groß im Wesen, groß im Wirken, groß im Sterben.

 

In seinem Wesen war Basilius erzkatholisch. Dass er gar nicht anders sein konnte, wird sofort klar, wenn man die Familienverhältnisse betrachtet, unter denen er aufwuchs. Der Großvater war in der letzten römischen Christenverfolgung als Martyrer gestorben, und die Großmutter, Makrina mit Namen, musste sich sieben Jahre lang in den Bergen Kleinasiens verborgen halten. Oft erzählte die edle Frau den Enkelkindern von den vergangenen Zeiten, von der Feigheit der Abtrünnigen und von dem herrlichen Mut der Blutzeugen, und was sie berichtete, erklärte sie durch das leuchtende Beispiel eines christlichen Lebenswandels. So kam es, dass ihre zehn Enkelkinder sämtlich Heilige wurden. Welch ein Segen kann doch von einer guten Großmutter auf die ganze Familie ausstrahlen!

 

Als junger Mann begab sich Basilius nach Athen in Griechenland, um auf der Hochschule zu studieren. Dort schloss er jene berühmte Freundschaft mit dem heiligen Gregor von Nazianz. Weil die beiden Freunde außer dem Weg zur Schule nur noch den Weg zur Kirche kannten, konnte es nicht ausbleiben, dass sie tüchtige Männer wurden, für die der Aufstieg zu hohen Stellungen nur noch eine Frage der Zeit war. Basilius suchte jedoch jenen Aufstieg, der allein sich lohnt, den Aufstieg zum Himmel. Zunächst ging er nach Ägypten, um bei den dortigen Mönchen das Einsiedlerleben kennenzulernen, und als er heimkehrte, gründete er ein Kloster und schrieb eine Ordensregel, die so vortrefflich ist, dass sie heute noch in zahlreichen Klöstern Osteuropas befolgt wird.

 

Die letzten neun Jahre des Lebens, von 370 bis 379, waltete Basilius als Erzbischof in der Heimatstadt Cäsarea. In Wort und Schrift gewandt, war er in schwieriger Zeit der rechte Mann auf vorgeschobenem Posten, der als unerschrockener Streiter gegen die Irrlehrer auftrat. „Inmitten der Kirche“, sagt das Lied, „ließ ihn der Herr seinen Mund auftun. Er erfüllte ihn mit dem Geist der Weisheit und des Verstandes. Er kleidete ihn mit dem Gewand der Ehre.“ Auch darf nicht verschwiegen werden, dass Basilius es war, der in seiner Bischofsstadt Cäsarea das erste christliche Kranken-, Alters- und Armenhaus gründete. Alle späteren Caritasanstalten gehen auf diese erste Stätte der dienenden Barmherzigkeit zurück. Groß war also Basilius in seinem Wirken, groß schließlich auch in seinem Sterben.

 

Damals nahm die arianische Irrlehre eine Vormachtstellung ein, auch der Kaiser bekannte sich zu ihr. Basilius wurde vor Gericht geladen, und der Richter fuhr ihn an, wie er es wagen könne, sich wegen seines katholischen Glaubens dem Kaiser zu wiedersetzen, dem doch der halbe Erdkreis untertan sei. Der Kaiser könne sein Vermögen einziehen, könne ihn verbannen, könne ihn zur Marter und zum Tod führen. So sagte der Richter, und was Basilius darauf antwortete, muss man als gediegen katholisch ansehen; er sagte:

 

„Mehr kann der Kaiser nicht? Vor all dem habe ich keine Angst. Mein Hab und Gut lasse er ruhig einziehen, ich besitze nur meine Kleider und einige Bücher. Verbannung gibt es für mich keine, denn wo Gott ist, bin ich daheim, und Gott ist überall. Die Marter schreckt mich auch nicht, denn ich bin so mager und gebrechlich, dass ich beim ersten Streich erliege. Was schließlich den Tod betrifft, so könnte mir nichts Besseres zustoßen, weil mich der Tod zu Gott in den Himmel führt.“

 

So sprach Basilius. Es sind herrliche Worte, erzkatholisch, und als der Richter dem mutigen Bekenner entgegnete, so frei habe noch niemand mit ihm zu reden gewagt, erhielt er noch eine zweite katholische Antwort, denn Basilius entgegnete ihm: „Das kommt wohl daher, dass du noch nie mit einem katholischen Bischof zu tun hattest.“

 

Kurz und gut, das prächtige Auftreten des Heiligen machte einen solchen Eindruck, dass man ihn ungeschoren ließ. So kam es, dass Basilius im Jahr 379 eines natürlichen Todes starb.

 

15. Juni

 

Die heilige Germana Cousin, * um 1579,

+ 15.6.1601 in Pibrac bei Toulouse in Frankreich,

Attribute: Schaf und Rosen, Patronin der Hirtinnen

Fest: 15. Juni

 

Am 29. Juni 1867 wurde in Rom in hochfeierlicher Weise ein armes Dienstmädchen (es stand als Hirtin bei einem Bauern in Frankreich in Dienst) unter großen Festlichkeiten heiliggesprochen. Es war das heilige Hirtenmädchen Germana Cousin (französischer Name: Germaine). 46 Kardinäle, 500 Erzbischöfe und Bischöfe wohnten in der Peterskirche, die von 15000 Lichtern beleuchtet war, unter Teilnahme von 54000 Gläubigen dieser Feier bei. Als der Papst von seinem Thron aus nach der Heiligsprechung das Tedeum anstimmte, fingen in allen 300 Kirchen Roms mehr als 1000 Glocken zu läuten an und die Kanonen der Engelsburg verkündeten der Ewigen Stadt, dass eine arme Magd der höchsten Auszeichnungen gewürdigt wurde, dass sie von der Kirche auf die Altäre als Heilige erhoben worden ist.

 

Die Heilige, der in dieser Weise die höchste Ehre zuteil geworden ist und die Gott selbst noch immer ehrt durch Wunderwerke auf ihre Fürbitte, wer ist sie gewesen? Sie war eine ganz arme Hirtin! Aber was hat diese armselige Hirtin nun Großes getan, dass sie von Gott und der Kirche so hoch erhoben worden ist und von so vielen Katholiken schon seit vierhundert Jahren verehrt wird? Sie ist arm gewesen, hat also keine Spitäler bauen, Kirchen errichten, Waisenhäuser stiften können. Sie konnte nicht lesen, nicht schreiben, sie konnte also nicht durch Predigten, religiöse Schriften und Missionstätigkeit bei den Heiden das Christentum verbreiten. Sie war selbst krank, konnte also nicht, wie eine Barmherzige Schwester, sich dem Krankendienst hingeben; sie war im Dorf wie die allergeringste Person für nichts geachtet, sie konnte daher nicht durch ihr Ansehen auf viele Menschen Einfluss üben und der Gemeinde oder dem Vaterland nützlich sein. Sie hat auch nicht lange genug gelebt, um vor der Welt Bedeutendes zu leisten. Warum hat dennoch Gott die Germana so hoch erhoben? Es war ihre lebenslängliche Unschuld, ihre tiefste Demut, ihre Liebe zu Gott, ihre Nächstenliebe und Geduld in den Leiden mit ihrem kranken Leib und bei den gröbsten Beleidigungen und Misshandlungen der Menschen.

 

Dies war es, warum Gott das armselige Hirtenmädchen so hoch erhoben hat, gemäß des Wortes der Heiligen Schrift: „Gott widersteht dem Hochmütigen, dem Demütigen aber schenkt er seine Gnade.“ Dieses Mädchen hat niemals eine schöne Musik gehört, niemals etwas Schönes gesehen, was die menschliche Kunst hervorbringt, niemals die Liebe oder Freundschaft anderer Menschen gehabt, niemals eine gute Speise oder Trank genossen, niemals das Wohlgefühl der Gesundheit gehabt. Die Erde, die Menschen und der eigene Leib haben der unschuldigen Seele nur Leid und Not gebracht. In allen Ländern der Erde wird es kaum eine erwachsene Person geben, die mit einer sündenreinen Seele so vollkommen bis an das Ende des Lebens das dreifache Kreuz Christi ihm nachgetragen hat: Armut, Verachtung und Schmerz. Dieses verkrüppelte, bettelhaft gekleidete, oft hungrige und frierende Mädchen, das oft nicht einmal in einer menschlichen Wohnung übernachten durfte, dieses Mädchen ist die besondere Braut Christi geworden, eben weil sie ihrem Vorbild verwandt und vermählt wurde in Armut, Verachtung und Schmerz. Hat sie auf Erden die Leiden mit ihrem Bräutigam getragen, so hat sie nun auch teil an seiner Herrlichkeit und sie wird ihn begleiten dürfen, wenn er in der Majestät seines Vaters wieder kommen wird, zu richten die lebendigen und die Toten.

 

„Heilige Germana, du Schutzpatronin aller gedemütigten, verachteten und gequälten Menschen, bitte für mich, dass auch ich auf den Wegen der Demut gehe und einst mein ewiges Ziel erreiche!“ So möchte ich am liebsten nach dieser Heiligsprechung immer wieder beten! Es ist und bleibt eben ewig wahr: Das Niedere, das Kleine, das Demütige, hat Gott auserwählt, um das Große, vor der Welt Prunkende, das Stolze zu beschämen. Germana hat sich erniedrigt, sie war die demütigste Magd von allen, darum ist sie erhöht worden. Und jeder von uns, der in seinem Stand demütig bleibt und voll Bescheidenheit das Kreuz seines Lebens und der Arbeit geduldig erträgt und getreu seine Pflichten erfüllt, hat Anspruch darauf, in der anderen Welt, im Himmel, der nicht bloß ein paar kurze Jährlein dauert wie dieses mühselige Erdenleben, sondern ewig, erhöht zu werden. Solch ein stilles, verborgenes Veilchen wie Germana sollen auch wir sein, anspruchslos, bescheiden, gegen jedes Vordrängen, gegen jede vorlaute Rede, gegen jede Eitelkeit und jeden Stolz. Heilige Germana Cousin, bitte für uns!

 

Der heilige Vitus, Knabe und Martyrer von Selo, Italien,

+ 15.6.305 - Fest: 15. Juni

 

Der heilige Vitus oder Veit, ein zwölfjähriger Junge, ist dem Alter nach der jüngste unter den heiligen „Vierzehn Nothelfern“, aber der Verehrung nach nimmt er von allen Vierzehn die erste Stelle ein. Man bedenke nur, dass er der Haupt- oder Nebenpatron von etwa dreizehnhundert mittelalterlichen Kirchen und Kapellen ist. Darüber hinaus gilt er als der himmlische Schutzherr der Länder Böhmen, Sachsen und Sizilien. Man ruft ihn an gegen Epilepsie, gegen Tollwut, Schlangen- und Hundebiss, gegen Blitz, Unwetter und Feuersgefahr, gegen Blindheit und andere Augenkrankheiten, um Schutz für die Haustiere und bei Aussaat und Ernte. Nicht weniger zahlreich sind auch die Leidens- und Berufsgruppen, die Sankt Vitus als Patron verehren. Da sind zu nennen die Körperbehinderten, die Tauben und die Stummen, die Schauspieler, die Kupfer- und Kesselschmiede, die Bergleute, Apotheker, Winzer und Bierbrauer. Auch besorgt der Heilige das Wecken am Morgen, wenn man am Abend vorher zu ihm betet: „Heiliger Veit, wecke mich zur rechten Zeit, nicht zu früh und nicht zu spät, wenn die Uhr auf sieben steht.“

 

Es ist also nicht zu leugnen, dass Sankt Veit bei unseren Vorfahren in hoher Achtung stand, und man begreift die Wertschätzung, wenn man sieht, was die Legende von ihm berichtet.

 

Die große und schöne Mittelmeerinsel Sizilien, die wie ein großer Ball vor der Spitze des italienischen Stiefels liegt, ist die Heimat des heiligen Vitus. Die Eltern waren reiche Leute und lebten herrlich und in Freuden, und weil ihnen bei den ewigen Festlichkeiten, die sie veranstalteten, das kleine Kind überall im Weg stand, gaben sie es zu dem Ehepaar Modestus und Kreszentia zur Erziehung, ohne zu wissen, dass die Leute Christen waren. Dass Vitus bei ihnen gut aufgehoben war, versteht sich von selbst. Und als er etwas älter geworden war und das schöne christliche Leben der Pflegeeltern beobachtete, gefiel es ihm sehr, betete immer mit ihnen und empfing die Taufe.

 

Es scheint, dass der liebe Gott seine helle Freude an dem Jungen hatte, denn er wirkte durch ihn viele Wunder: Blinde sahen wieder, Stumme redeten, und Kranke wurden geheilt. Als sein Vater von den Vorgängen hörte, ließ er den Sohn zu sich rufen und fragte ihn, ob er tatsächlich den christlichen Glauben angenommen habe, und als Vitus die Frage bejahte, misshandelte ihn der Vater auf unmenschliche Art, aber der Junge war stark genug, die Schmerzen auszuhalten. Es war aber noch nicht genug, denn nun brachte der Vater den eigenen Sohn, den standhaften Bekenner zur Polizei. Dies geschah um das Jahr 303, zur Zeit der letzten römischen Christenverfolgung. Wieder wurde Vitus geschlagen und danach in das Gefängnis geführt. In der folgenden Nacht jedoch öffneten sich von selbst die Kerkertüren, und ungesehen und ungehindert ging Vitus an den Wachen vorüber ans Meer, wo die Pflegeeltern Modestus und Kreszentia ihn schon erwarteten. Ein Boot lag auch bereit, die drei stiegen ein und entkamen nach Neapel in Italien.

 

Weil Vitus auch dort Wunder an den Kranken wirkte, wurde die Polizei bald auf ihn und die Pflegeeltern aufmerksam, so dass die drei schließlich ins Gefängnis gesperrt wurden. Man warf sie wilden Tieren vor, und die Tiere taten ihnen nichts. Man warf sie in einen Kessel mit glühendem Blei, und sie blieben unverletzt. Man spannte sie auf die Folter, und die Erde bebte. Da flohen die Folterknechte vor Angst und Grauen, ein Engel erschien und führte die drei Bekenner an einen Fluss, wo sie niederknieten, betend starben und zusammen in den schönen Himmel zogen.

 

16. Juni

 

Der heilige Benno, Bischof von Meißen und Apostel der Slaven,

Landespatron in Bayern,

+ 16.6.1106 - Fest: 16. Juni

 

Der heilige Benno, eine der Hauptzierden des deutschen Mittelalters, war der zweite Sohn des Grafen Friedrich von Bultenburg. Seine Mutter hieß Berzela. Er wurde 1010 in Hildesheim geboren und nach einigen Jahren dem Bischof dieser Stadt, dem heiligen Bernward, seinem Verwandten übergeben. Sein eigentlicher Erzieher aber war der Abt Wiger im Benediktinerkloster zum heiligen Michael. Unter der Leitung dieses ebenso gelehrten als frommen Mannes blühte Benno zu den schönsten Hoffnungen auf. Der greise Bischof gewann den verständigen und sittsamen Jungen ungemein lieb und hatte ihn während der fünf letzten Lebensjahre, die er größtenteils auf dem Krankenlager zubrachte, häufig um sich. Dem Ende sich nahe fühlend, ließ er ihn noch einmal rufen und gab ihm weise Ermahnungen und Verhaltensregeln. Hier, am Sterbebett seines Gönners, lernte Benno frühzeitig das Nichtige und Hinfällige aller menschlichen Ehren und Würden durch eigene Anschauung kennen. Groß war sein Schmerz, als der Bischof starb, so dass Wiger ernstlich für die Gesundheit seines Zöglings besorgt wurde und durch alle möglichen Trostgründe ihn aufzurichten sich bemühte.

 

Als Benno zum jungen Mann herangereift war, sollte er sich nach dem Willen seines Vaters mit einer ebenbürtigen jungen Frau vermählen. Aber er fühlte keine Neigung zum Ehestand und versuchte ihm bis auf weiteres auszuweichen, indem er vorgab viel zu jung zu sein. Inzwischen betete er besonders zu Gott um Erleuchtung, welchen Stand er wählen sollte. Bals wurde ihm klar, dass er zum Mönchsleben berufen sei. Da während der Zeit sein Vater gestorben war und seine Mutter ihm kein Hindernis in den Weg legte, nahm er mit achtzehn Jahren im Kloster zum heiligen Michael das Ordenskleid. Er widmete sich mit allem Eifer dem Studium der heiligen Schrift und der Kirchenväter und wurde bald auch ein Muster strenger Zucht und körperlicher Enthaltsamkeit. Manche behaupten, er sei zu dieser Zeit von seinem Abt auf die Hochschule von Paris geschickt worden, um sich in den theologischen Wissenschaften vollkommen auszubilden, und habe dort die Doktorwürde erlangt. In seinem fünfundzwanzigsten Lebensjahr wurde er zum Diakon und im dreißigsten zum Priester geweiht. Nach vier Jahren schon wurde er nach dem Tod des Abtes Adalbert vom größten Teil seiner Brüder zum Nachfolger erwählt. Aber seine Demut ließ ihn diese Würde nicht länger als drei Monate ertragen, und er ruhte nicht eher, bis sie ihm wieder abgenommen und dem von der Minderheit gewählten Siegbert übertragen wurde. Jetzt schätzte er sich überglücklich, allen zeitlichen Geschäften und Sorgen, die das Amt eines Vorstehers unausweichlich mit sich bringt, enthoben zu sein und in ungestörter Stille leben zu können. Aber seine Freude sollte nicht lange währen.

 

Kaiser Heinrich III. hatte mit großem Aufwand in Goslar ein Stift regulierter Chorherren gegründet, dass das Vorbild für alle ähnlichen Anstalten in Deutschland sein und die ausgezeichnetsten und gelehrtesten Männer aufnehmen sollte. Benno wurde vom Kaiser als Probst dahin berufen. Siebzehn Jahre lang wirkte er in dieser Stellung voll von heiligem Eifer und das Stift erhob sich unter seiner Leitung zu einer hohen Stufe kirchlicher Vollkommenheit, und zwar so, dass im Lauf der Zeit nicht weniger als achtundvierzig Bischöfe aus ihm hervorgingen, die insgesamt wahre Zierden ihrer Stühle waren. Zu Goslar schloss der Heilige auch innige Freundschaft mit Hanno, der später Erzbischof in Köln und nach dem Tod Heinrich III. Reichsverweser wurde. Er war es auch, der bei der Erledigung des Bischofssitzes zu Meißen die Wahl auf Benno leitete. Aber ihm musste der Hirtenstab gleichsam aufgezwungen werden und nur widerstrebend ließ er sich im Jahr 1066 vom Erzbischof Wernher von Magdeburg weihen.

 

Das Bistum Meißen hatte damals eine große Wichtigkeit und erforderte einen Mann von Weisheit und apostolischer Kraft. Im Land diesseits der Elbe selbst war das deutsche Element noch nicht gänzlich befestigt. Jenseits herrschte vollends noch slawisches Heidentum, und im Süden, in Böhmen, war der christliche Glaube kaum erst im Keimen. Der Erfolg rechtfertigte Hannos Wahl vollkommen. Benno sammelte in seinem Kapitel Männer um sich von erprobter Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, bildete einen Klerus, der weit umher als Muster voranleuchtete, und bereiste selbst unermüdlich seinen Sprengel, um überall das Volk zu belehren und den heidnischen Aberglauben zu vertilgen. Als seine Hauptaufgabe aber betrachtete er die Bekehrung der Slawen jenseits der Elbe, die noch immer ihre alten Götzen Swantewit und Radegast anbeteten. Er ließ Missionen halten, gründete Kirchen und Klöster und pflanzte seinen Geistlichen einen Eifer für den apostolischen Beruf ein, der schon zu seiner Zeit, noch mehr aber nach ihm die herrlichsten Früchte trug. Bei diesen anstrengenden Arbeiten hatte er im eigenen Haus mit der Not zu kämpfen, denn das Vermögen der Kirche zu Meißen war durch die Sorglosigkeit der Vorfahren und widerrechtliche Eingriffe der weltlichen Machthaber sehr geschmälert worden. Wenn nun der Heilige die Einkünfte seines Bistums wieder herzustellen versuchte, so geschah dies lediglich zum Besten seiner Herde. Er musste Quellen haben, aus denen die Diener der Kirche besoldet, der Glanz der äußeren Gottesverehrung erhöht, die Schulen erhalten und die Armen unterstützt werden konnten. Er selbst lebte äußerst mäßig, ja man darf sagen ärmlich und behielt beinahe nichts für seine eigenen Bedürfnisse. Im Gegenteil verwendete er zur Aufbesserung des Kirchenvermögens den Rest seines Erbgutes. Und auch seine Mutter vermachte ihre ganze Habe dazu.

 

Leider wurde Benno in seinem friedlichen und segensreichen Wirken gestört durch die verderblichen politischen Stürme, die unter Heinrich IV. Deutschland verwirrten. Das sächsische Volk und seine Großen spielten in diesen inneren Kämpfen eine Hauptrolle, und so wurde auch der Heilige in sie verwickelt. Die fränkischen Kaiser wollten das Sachsenvolk nicht als ebenbürtigen Stamm im Reich gelten lassen und betrachteten mit Eifersucht seine, durch die Ausdehnung nach Osten, wachsende Macht. Nach absoluter Gewalt strebend, wollten sie die Sachsen zinsbar machen und dadurch ihre Hausmacht zu erhöhen. Dagegen erhob sich einmütig das Sachsenvolk und fand im Papst einen Beschirmer seiner nationalen Rechte. Heinrich IV. wollte das Deutsche Reich zu einer Diktatur machen, in der jegliche Freiheit des Volkes unterdrückt und die Kirche dem Staat dienstbar geworden wäre. Benno stand in dem Streit auf Seite der Sachsen und des Papstes. Als der Kaiser in der Schlacht an der Unstrut gesiegt hatte, überschwemmten seine Kriegsvölker das Bistum Meißen, verwüsteten die Stadt und führten den Bischof gefangen nach Böhmen ab. Statt des milden väterlich gesinnten Benno herrschte nun im Land Graf Burkhard, Heinrichs Feldhauptmann, ein trotziger und blutgieriger Mensch, der die traurigsten Spuren seiner Gewalttätigkeit zurückließ. Das Jahr darauf gab Heinrich dem Bischof die Freiheit wieder. Als Benno nach Meißen zurückkam, fand er seine Kirche zerstört. Tröstend sprach er zu der wehklagenden Geistlichkeit: „Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen; der Herr kann es wieder geben mit noch reichlicherem Zins. Der Name des Herrn sei gepriesen.“ Und nun ging er daran, die Wunden zu heilen, die der Krieg seiner Herde geschlagen hatte. Er erbaute die Kirche von Meißen wieder und half durch reiche Spenden der dringendsten Not des Volkes ab.

 

Bald aber erfolgte ein neuer Sturm, der noch weit heftiger und für die ganze Christenheit nachteiliger war, wir meinen die Irrung zwischen Gregor VII. und dem Kaiser. Heinrich berief Benno nach Worms, wo er durch seine feilen Bischöfe die Absetzung des Papstes aussprechen ließ. Der Heilige aber erschien nicht, sondern ging, statt an solchem Frevel teilzunehmen, nach Rom, um der Synode beizuwohnen, die zu eben dieser Zeit – im Jahr 1076 – Gregor VII. daselbst hielt. Wohl wusste er, dass er mit einem solchen Schritt den ganzen Zorn des Kaisers auf sich ziehen würde. Aber dies konnte ihn in seiner Treue zu dem Statthalter Christi nicht wanken machen. Bei seiner Abreise von Meißen übergab er die Schlüssel der Domkirche zwei Kanonikern, mit dem Befehl, sie, falls Heinrich vom Konzil exkommuniziert würde, lieber in die Elbe zu werfen, als dem mit dem Bann Beladenen den Eintritt in das Gotteshaus zu gestatten. Wirklich wurde der Kaiser von der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen, und die Domherren sperrten der empfangenen Weisung gemäß die Kirche und übergaben den Schlüssel den Fluten des Stromes. Der Bischof wurde auf dem Heimweg von Rom abermals gefangen genommen, jedoch im Jahr 1085, zur Versöhnung der Gemüter in Sachsen, in seinen Stuhl wieder eingesetzt. Wie die Legende erzählt, kehrte er, um unerkannt zu bleiben und einem prunkvollen Empfang auszuweichen, verkleidet nach Meißen zurück und mietete sich in einer Herberge ein. Zur gleichen Stunde wurde dahin ein großer Fisch gebracht, der in der Elbe gefangen worden war, und als man ihn aufschnitt, um ihn für den Gast zu bereiten, fand man in seinen Eingeweiden die Schlüssel des Domes. Durch dieses wunderbare Ereignis erkannte man in dem Fremden den Bischof und Vater der Stadt, und mit Jubel und Freude wurde er von der Geistlichkeit und den Bürgern in seine Kirche geführt. Deshalb geben die Maler dem Heiligen auf ihren Bildern einen Fisch als Kennzeichen bei.

 

Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens verwendete Benno, die durch die Wirren gestörte Ordnung in seiner Herde wieder herzustellen und das unterbrochene Werk der Slavenbekehrung zu vollenden. Viele, die früher Christen waren, hatten sich während seiner Abwesenheit wieder dem Heidentum zugekehrt. Einige von ihnen kamen zu dem Heiligen und bekannten reumütig ihren Fall. Mit schonender Liebe nahm er sie auf und verschaffte ihnen die Gnade der Versöhnung. Diese Milde lockte bald andere, auf gleiche Weise ihr Heil zu sichern, und schließlich kamen die Heiden scharenweise nach Meißen und legten ihre Götzenbilder zu den Füßen des Bischofs nieder. Der Zudrang wurde so groß, dass Benno ein Tal außerhalb der Stadt zum Versammlungsplatz bestimmen musste. Hier verkündete er das Wort des Herrn und bekräftigte es durch Wunder. Eines Tages bei glühender Sonnenhitze, wo die seiner Predigt zuhörenden Heiden vor Durst verschmachten wollten, berührte er mit einem Stab die Erde, und eine frische Quelle sprang hervor. Das Tal, in dem das Wunder geschah, heißt jetzt noch „das heilige Tal“, die Quelle „der heilige Brunnen“. So hatte der Heilige die Freude, sein Mühen herrlich gesegnet zu sehen, und ging schließlich am 16. Juni 1106, 96 Jahre alt, reich an Verdiensten zur ewigen Belohnung ein. Seinen Leichnam erhob um das Jahr 1270 der Bischof Witticho und errichtete ihm im Dom zu Meißen ein prachtvolles Denkmal von schwarzem Marmor, an dem viele Wunder geschahen. Papst Hadrian VI. hat ihn 1523 unter die Heiligen versetzt und dadurch sein Andenken im deutschen Volk erneuert. Die Protestanten zerstörten sein Grab und Luther schrieb bei Veranlassung seiner Heiligsprechung eine Schmähschrift unter dem Titel: „Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden.“ Wir aber betrachten den heiligen Benno mit Recht als eine Zierde der Kirche und als einen der größten Männer unseres deutschen Volkes. Um seine ehrwürdigen Reste weiteren Verunglimpfungen zu entziehen, ließ sie Herzog Albert V. von Bayern im Jahr 1576 nach München bringen, wo sie in der Domkirche zu Unserer Lieben Frau ruhen, hoch verehrt von den Gläubigen Altbayerns, die den heiligen Benno als Landespatron anrufen.

 

Die heilige Julitta mit ihrem Kind Zyrus, Martyrin von Tarsus, Cilicien,

+ 16.6.304 - Fest: 16. Juni

 

Die heilige Julitta wurde in Ikonien aus einer der angesehensten Familien der Provinz geboren. Noch berühmter aber war sie wegen ihrer seltenen Gottseligkeit und ihres Eifers für die Religion. Sie verheiratete sich in Ikonien und bekam einen Sohn mit Namen Zyrus, oder wie andere schreiben, Quirikus, den sie unmittelbar nach empfangener Taufe Gott opferte, damit er ihn in der Unschuld bewahren möchte, die er ihm in diesem Sakrament erteilt hat. Da die tyrannischen Kaiser Diokletian und Maximian ihr blutdürstiges Edikt wider die Christen öffentlich hatten bekannt machen lassen, ließ der Statthalter der Provinz Ikonien, namens Domitianus, voller Eifer genau darauf achten, dass es nach seinem ganzen Inhalt aufs Strengste befolgt würde. Julitta, die gegen sich selbst wegen ihrer Schwäche sehr misstrauisch war, wollte sich lieber bei Zeiten entfernen, als den Augenblick abwarten, in dem man sie ergreifen würde. Sie verließ daher, von zwei Mägden begleitet, die Stadt und Provinz Ikonien, und nahm ihren Sohn Zyrus, der damals erst drei Jahre alt war, mit sich. Die Verfolger aber entdeckten diese gottselige Frau in ihrem Versteck, verhafteten sie und brachten sie in das Gefängnis. Es dauerte nicht lange, da ließ der Richter sie vorführen. Mit dem dreijährigen Zyrus in den Armen erschien Julitta vor dem Richterstuhl Alexanders. Ihren zwei Mägden, voll des Schreckens, gelang zunächst die Flucht, als sie sich aber ein wenig von ihrer Flucht erholt hatten, kamen sie wieder zurück und mischten sich unter die Volksmenge, um zu erfahren, was mit ihrer Frau und dem kleinen Zyrus geschehen würde.

 

Als Alexander mit seinen gerichtlichen Fragen den Anfang gemacht hatte, erkundigte er sich bei ihr nach ihrem Namen, ihrem Stand und ihrem Vaterland. Sie aber gab auf alle diese Fragen nur eine einzige Antwort: „Ich bin eine Christin, nie werde ich den Götzen opfern.“ Und weil sie auf alle anderen Fragen des Präfekts allezeit diese Antwort wiederholte, wurde er so zornig und aufgebracht, dass er ihr ihren unschuldigen Sohn aus den Armen reißen ließ, damit sie auf die Folterbank gebracht würde. Sogleich dehnten sie die Henker auf der Folter aus, banden ihre Arme und Beine zusammen, und geißelten sie mit Ochsensehnen so lange, bis ihr Leib ganz zerfleischt wurde. Indessen fing das Kind, das sich von seiner Mutter getrennt sah, zu weinen und erbärmlich zu schreien an; da es noch dazu wahrnahm, wie sehr man seine Mutter misshandelte, bemühte es sich aus allen Kräften, wieder zu ihr zu kommen. Der Richter von der Schönheit des Kindes gereizt, ließ es zu sich bringen, um ihm zu schmeicheln und sein heftiges Geschrei und Weinen zu stillen. Er setzte es auf seine Knie und wollte es küssen. Aber das Kind stieß ihm mit seinen kleinen Händen den Kopf zurück und infolge der Empfindungen, die Kinder in diesem Alter haben, gab es sich alle nur erdenkliche Mühe, sich loszuwinden. Es zerkratzte dem Richter das Gesicht, riss ihn mit den Händen am Bart und stieß mit den Füßen gegen ihn. So sehr man sich auch mühte, ihm den Gedanken an seine Mutter zu nehmen, so warf es doch unaufhörlich seine Augen auf sie und schrie wie sie: „Ich bin ein Christ!“ Da der barbarische Richter sah, dass es sich immer mehr widersetzte und gegen alle seine angewandten Bemühungen nur noch mehr Gewalt brauchte, sich aus seinen Armen loszureißen, geriet er in eine so ungewöhnliche Raserei, dass er den kleinen Zyrus bei einem Fuß ergriff und ihn von der Höhe seines Sitzes auf die Erde hinabschleuderte. Der Kopf dieses unschuldigen Opfers zerschmetterte an der Ecke des Fußtrittes. In einem Augenblick sah man den ganzen Ort mit Blut benetzt und mit dem Gehirn des Kindes bedeckt. Alle Zuschauer verabscheuten diese viehische Grausamkeit. Julitta allein sah diesen Anblick mit trockenen Augen an. Und um den Anwesenden begreiflich zu machen, wie sehr die Gnade desjenigen, für den sie litt, sie über alle Empfindungen der Natur erhoben hätte, rief sie mit voller Stimme laut: „Herr! Ich sage dir Dank, dass es dir gefallen hat, meinem Sohn vor der Mutter die Krone der Unsterblichkeit zu erteilen.“ Der Richter, wie die anwesende Volksmenge, hörten hier ein Gebet, aus dem sie leicht schließen konnten, wie schwer es fallen würde, die Bekennerin Jesu Christi auf andere Gesinnung zu bringen, indem sie eine so großmütige Verachtung gegen das Leben und den Tod äußerte. Alexander fing wirklich an zu verzweifeln, ob es ihm gelingen würde, über den unerhörten Mut einer Frau zu siegen. Indessen, um alles zu wagen, ließ er sie nochmals auf die Folter bringen, mit dem grausamen Befehl, man sollte ihr die Seiten mit eisernen Nägeln zerreißen und auf die Füße siedendes Pech gießen. Dabei ließ er ihr durch einen Gerichtsdiener sagen: „Julitta! Habe Mitleid mit dir selbst und opfere den Göttern, sonst wirst du wie dein Kind eines elenden Todes sterben.“ Die unerschrockene Bekennerin, die gegen alle Drohungen des Richters unempfindlich war, schrie aus vollem Hals: „Ich opfere keinen tauben und stummen Bildsäulen, ich bete aber Jesus Christus an, den einzigen Sohn Gottes, durch den der ewige Vater alles erschaffen hat; und ich eile, mich mit meinem Sohn durch einen rühmlichen Martertod im Himmelreich wieder zu vereinigen.“

 

Alexander, der durch die Standhaftigkeit und den Heldenmut dieser unerschrockenen Martyrin immer mehr in Zorn geriet, befahl, der Kopf solle ihr abgeschlagen und der Leib ihres Sohnes samt dem ihrigen an den Ort hingeworfen werden, wo die der Übeltäter nach der Hinrichtung gewöhnlich gebracht werden. Auf diesen Befehl wurde Julitta von den Henkern ergriffen und zur Richtstätte geführt. Da sie dort angekommen war, bat sie sich einige Augenblicke aus, ihr Gebet voraus zu schicken. Da man ihr diese Bitte gewährt hatte, warf sie sich auf ihre Knie zur Erde nieder und fing also zu beten an: „Herr, der du meinen Sohn vor mir, deiner Magd, zu dir berufen hast; o Jesus, der du aus einer ganz unverdienten Barmherzigkeit und zur Verherrlichung deines Namens ihn von diesem Elend dieses Lebens hast befreien wollen, um ihn der Anzahl deiner Heiligen bei zugesellen, würdige dich auch, einen gnädigen Blick auf deine Dienerin zu werfen. Ungeachtet meiner Unwürdigkeit, schenke mir einen Platz unter dem Chor jener weisen Jungfrauen, die bestimmt sind, dein Lob zu besingen und dich ewig anzubeten. Möchte doch mein Geist Gott, deinen Vater, den Erschaffer und den Erhalter aller sichtbaren Dinge, mit dem heiligen Geist ewig loben und preisen! Amen.“ Sobald Julitta Amen gesagt hatte, hieb ihr der Scharfrichter das Haupt ab und ihr Leib wurde mit dem Leib ihres Sohnes, wie es der Präfekt befohlen hatte, außerhalb der Stadt auf den Schindacker hingeworfen, im Jahr 305. Am folgenden Tag erhoben die zwei Mägde, von denen vorhin die Rede war, die Leiber der heiligen Märtyrer in der Nacht und beerdigten sie.

 

Der heilige Franz Regis, Priester und Bekenner in Frankreich,

+ 31.12.1640 - Fest: 16. Juni

 

Wo immer der junge Jesuit Franz Regis, ein Franzose, als Volksmissionar auftrat, überall war er schnell beliebt. Er besaß eine eigene Art, mit den einfachen Leuten umzugehen. Wenn er auf der Kanzel stand und derb und deutlich predigte, wäre wohl niemand auf den Gedanken gekommen, einen fein und vornehm erzogenen Herrn vor sich zu haben. Nein, Franz Regis hatte die Lebensgewohnheiten des Adels, dem er entstammte, abgelegt und in allem, was er tat und sagte, die schlichte Art des kleinen Mannes angenommen.

 

Das sahen die Leute gern, und in Scharen stellten sie sich ein, wenn die Reihe der Predigt an Franz Regis war, obwohl er durchaus nicht am besten predigte. Die beiden anderen Volksmissionare, in deren Begleitung der Heilige auftrat, waren glänzende Redner, gelehrte Männer, die mit schwerem Geschütz viel Pulver verschossen und selten trafen. Die Leute verstanden sie nicht und schliefen daher bei der Predigt ein, und je lauter sie schrien, desto ruhiger schliefen die Zuhörer.

 

Wenn dagegen Franz Regis predigte, schlief keiner, denn was der sagte, war so einfach und schlicht, so klar und klug, dass jeder den Worten ohne Mühe folgen konnte. Dabei sprach er sehr lebendig, erzählte viele Geschichten, und mit der Nutzanwendung traf er ins Schwarze.

 

Es gab aber auch manche, die überhaupt nicht zu den Missionspredigten kamen, denn es war damals eine laue Zeit in Frankreich. Kaum einer ging sonntags in die heilige Messe. Fast alle schändeten den Tag des Herrn durch knechtliche Arbeiten. Die Menschen fluchten wie die Türken, lebten vielfach miteinander in Feindschaft, waren dem Trunk und dem Tanz ergeben, und bei all dem ließen sie den lieben Gott einen guten Mann sein, um dessen Gebote sie sich nicht kümmerten. So ist es verständlich, dass ein Großteil des Volkes auch den Predigten der Missionare fernblieb, was doch sonst kaum vorkommt, denn bei einer Volksmission sind alle dabei. Das ist ein guter katholischer Brauch von alters her, den man allezeit hochhalten muss.

 

Damals machten also nicht alle die Volksmission mit. Da dachte sich Pater Franz Regis: „Kommt ihr nicht zu mir, so komme ich zu euch.“ Er ging auf die Straßen und in die Häuser, und wo er laue Katholiken traf, grüßte er zunächst, nahm die Schnupftabakdose aus der Tasche, öffnete sie, hielt sie hin und sagte freundlich: „Priese gefällig?“ Was wollten die Leute machen? Anstandshalber nahmen sie eine Priese, und schon war das Gespräch in Gang. Mit den Bauern redete der Pater vom Wetter und von Ackerbau und Viehzucht. Bei den Handwerkern sprach er vom Geschäft. Von Gott und den Geboten ließ er nicht ein Wort fallen. Erst beim Abschied lud er beiläufig zum Besuch der Missionspredigten ein. Da folgten die Leute gern, und wenn Pater Franz Regis sie einmal in der Kirche hatte, bekam er sie auch in den Beichtstuhl. Auf diese Weise hat er ungezählte abständige Katholiken zu einem besseren Leben zurückgeführt, und an allen Orten, wo er Mission hielt, kam der Sonntag wieder in Ehren, das Fluchen hörte auf, Feindschaften wurden beigelegt, und die Menschen hielten wieder mehr auf die Religion, wie es sich gehört. Pater Franz Regis besaß nur einen Fehler, und der bestand darin, dass er sich nie schonte. Von einer Mission ging er zur anderen. So war er mit vierzig Jahren bereits ein Mann mit weißen Haaren, und mit dreiundvierzig Jahren starb er. Es war ein schöner Tod.

 

Am Weihnachtstag des Jahres 1640 sollte Franz Regis in einem Dorf hoch im Gebirge eine Volksmission beginnen. Zehn Wegstunden waren es bis dorthin, und es lag hoher Schnee, so dass der Wanderer bei jedem Schritt bis ans Knie einsank. Nur langsam ging es voran, und erst am Weihnachtsmorgen langte er am Ziel an. Vom Schweiß durchnässt, stieg er gleich auf die Kanzel. Da hat er sich eine Lungenentzündung geholt. Trotz hohem Fieber predigte er auch am folgenden Tag noch dreimal, dann brach er zusammen und starb am 31. Dezember 1640. Seine letzten Worte waren: „O lieber Vater, welches Glück! Wie voller Freude sterbe ich! Ich sehe Jesus und Maria, sie sich würdigen, mir entgegen zu kommen, um mich in das Vaterland der Auserwählten zu geleiten.“ Seinem Begräbnis wohnten zweiundzwanzig Pfarrer und eine unermessliche Volksmenge bei.

 

Gott gefiel es, einen armen Ordensmann, der nichts als die Demut und die Erniedrigung gesucht hatte, mit Herrlichkeit zu krönen und viele Wunder bei seiner sterblichen Hülle zu wirken. Über zwanzig Prälaten, teils Erzbischöfe, teils Bischöfe, schrieben an Papst Clemens XI.: „Wir sind Zeugen, dass am Grab des Paters Franz Regis die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Tauben hören, die Stummen reden, und der Ruf dieser erstaunlichen Wunder hat sich zu allen Völkern verbreitet.“ Die Heiligsprechung erfolgte unter Papst Clemens XII. im Jahr 1737.

 

Die heilige Lutgardis, Jungfrau und Nonne von Aywieres, Brabant,

+ 16.6.1246 – Fest: 16. Juni

 

Im Reich Gottes begegnen uns manche Seelen, die in so vertrautem Verhältnis mit Jesus standen, wie ein Kind mit seinem Vater, wie ein Freund mit seinem Freund, wie eine Braut mit ihrem Bräutigam. Eine solche Braut Christi war die heilige Lutgardis, eine der hervorragendsten Erscheinungen auf dem Gebiet der christlichen Mystik. Zu Tongern im Jahr 1182 von angesehenen Eltern entsprossen, wurde sie von ihrem Vater schon früh zum Ehestand bestimmt, aber die Mutter und ihr eigener Antrieb brachten es dahin, dass sie in das Katharinenkloster der Benediktinerinnen bei der Stadt des heiligen Trudo eintrat. Sie war erst etwas über zwölf Jahre alt. Zwei junge Männer, die ihr nachstellten, wies sie standhaft ab, wobei ihr Jesus Christus in himmlischer Schönheit erschien und auf seine blutende Seitenwunde zeigend sprach: „Hier betrachte, was und warum du lieben sollst; hier wirst du die reinsten Wonnen finden.“

 

Seitdem trat sie in ein inniges Wechselverhältnis mit ihrem Heiland, der ihr unzählig oft erschien, aber fast immer mit der offenen und blutenden Seitenwunde, und sie schöpfte daraus himmlische Kraft und Freude. Auch die Mutter Gottes, die heiligen Engel, der heilige Johannes der Täufer, die heilige Katharina und andere Heilige pflegten mit ihr ein vertrautes Verhältnis. Dann wurde sie von himmlischem Licht verklärt und sie schwebte hoch über der Erde. Manchmal floss sie vor Freude und Seligkeit über ihre Begnadigung über, so dass es wie Öl von ihren Fingern träufelte. Während sie andächtig im Chor betete oder sang, schien es ihr oft, als wenn sich der Herr in Gestalt eines wunderschönen Lammes an ihr Herz legte, und wenn sie zu Ehren der Mutter Gottes die Worte sang: „Die Gnade ist über deine Lippen ausgegossen“, so hatte ihre Stimme etwas so Schönes und Ergreifendes, wie wenn himmlische Töne ihrem Herzen entströmten. Bei all diesen Gnadenerweisen verharrte sie in tiefster Demut und treuer Pflichterfüllung.

 

Im Jahr 1200 legte Lutgardis die Klosterprofess ab und wurde fünf Jahre später von ihren Mitschwestern zur Priorin gewählt. Um von dem Vorsteheramt befreit zu werden, trat sie auf den Rat der heiligen Christina der Wunderbaren in das Kloster der Zisterzienserinnen zu Aquirik bei Brüssel. Hier setzten sich die himmlischen Gunstbezeugungen fort. Während sie das Leiden Christi betrachtete, erschien sie am ganzen Leib mit Blut übergossen. Einst empfand sie nach der heiligen Kommunion eine solche Fülle himmlischen Trostes, dass die Stunden bis Mittag wie Minuten vergingen. Da sie zu Tisch gerufen wurde und aus Demut und Gehorsam folgte, bat sie Jesus inständig: „Verlasse mich jetzt, o Herr, und kehre unterdessen bei meiner Mitschwester ein!“ Sogleich wurde ihr Gebet erhört.

 

In übergroßem Verlangen nach dem Martyrium zersprang ihr eine Herzader. Sie verlor viel Blut, aber Jesus gab ihr die Versicherung, er wolle dieses Blut als Marterblut aufnehmen. Einer Menge Kranker und Versuchter verschaffte sie durch ihr Gebet Befreiung von ihren Leiden, und hatte die Gnade, durch liebevolles Zureden, zuweilen schon durch einen einzigen, ernsten, wehmütigen Blick, die größten Sünder zu bekehren. Auf göttliches Geheiß übernahm sie dreimal in ihrem Leben ein strenges, siebenjähriges Fasten, das erste Mal wegen der albigensischen Irrlehre, danach für die Bekehrung der Sünder, und zuletzt zur Abwendung einer großen Kirchenverfolgung. Während sie auf solche Weise den Bedrängten half, kam sie auch den Verstorbenen mit Gebeten und Bußwerken zu Hilfe, und diese erschienen ihr oft bittend, oft dankend, oft errettet und von himmlischer Herrlichkeit umstrahlt.

 

Lutgardis hatte eine große Sehnsucht nach ewiger Vereinigung mit ihrem himmlischen Bräutigam. Da erschien ihr Jesus, zeigte ihr seine Wunden und sprach: „Betrachte, wie meine Wunden zu dir rufen, dass ich nicht umsonst mein Blut vergossen und den Tod gelitten habe.“ Erstaunt und erschrocken fragte sie: „Was bedeutet das Rufen deiner Wunden?“ Da bekam sie die Antwort: „Durch deine Übungen und Gebete wirst du den Zorn des Vaters besänftigen, dass er die Sünder nicht in den Tod verwerfe, sondern dass sie durch die Barmherzigkeit Gottes bekehrt und gerettet werden.“

 

Eine alte Klosterfrau hatte das Gehör verloren und weinte einst bitterlich. Lutgarde fragte sie durch ein Zeichen, warum sie weine. Sie antwortete: „Warum soll ich Ärmste nicht weinen, da ich so taub bin, dass ich nicht einmal den feierlichen Gesang, mit dem Gott gedient wird, höre?“ Lutgarde warf sich zum Gebet auf die Knie, stand dann auf, benetzte ihre zwei Finger mit Speichel und legte sie ihr in die tauben Ohren. Die Frau erhielt sogleich den vollständigen Gebrauch ihres Gehöres wieder.

 

Eine junge Ordensperson geriet durch heftige Versuchungen fast in Verzweiflung und bat Lutgarde um ihre Fürbitte. Lutgarde vertröstete sie auf den Karfreitag. Sobald der Priester das Kreuz zum Ecce lignum crucis erhebe, werde ihr geholfen werden. So geschah es. Das Mädchen wurde von aller Versuchung frei und mit göttlichem Trost erfüllt.

 

Die Herzogin von Brabant, eine Tochter des Königs Philipp von Frankreich, erkrankte schwer und bat Lutgarde, für die sie eine besondere Verehrung hegte, sie möge für sie beten. Lutgarde tat dies und ließ der Herzogin sagen, sie werde nicht mehr vom Bett aufstehen, sie möge sich durch würdigen Empfang der Sterbesakramente auf die Ankunft des Herrn wohl vorbereiten. Die Herzogin starb bald und Lutgarde erkannte durch eine Erscheinung, dass die Verstorbene etwas viel Besseres, als leibliche Genesung, nämlich die ewige Seligkeit erlangt habe.

 

So wirkte die gottbegnadete Jungfrau von ihrer armen Klosterzelle aus segensreich für nähere und weitere Kreise. Ihr himmlischer Bräutigam zog ihr reines Herz immer mehr von der Welt ab, und damit ihr Geistesauge umso klarer werde, legte er einen dunklen Schleier über ihre leiblichen Augen. Ihre elf letzten Lebensjahre war sie blind. Ein Jahr vor ihrem Tod hatte sie eine Erscheinung, in der ihr Jesus Christus offenbarte: „Nun kommt bald das Ende deiner Arbeit; du sollst nicht lange mehr von mir getrennt sein! Nur drei Dinge verlange ich von dir in diesem Jahr: Erstens, dass du Dank sagst für die schon empfangenen Gnaden; zweitens, dass du für die Sünder dich ganz im Gebet an meinen Vater wendest; drittens, dass du ohne alle andere Sorge nur noch verlangst, zu mir zu kommen.“

 

Die Stunde ihrer ewigen Vereinigung mit dem göttlichen Bräutigam schlug am 16. Juni 1246, nachdem sie das 64. Lebensjahr erreicht hatte, von denen sie 40 Jahre im Kloster zu Aquirik verlebte. Ihre wunderbare Lebensgeschichte hat ein Zeitgenosse und vertrauter geistlicher Freund Lutgardens, der Dominikaner Thomas Cantipratanus, der Nachwelt überliefert.

 

Der heilige Gebhard, Erzbischof von Salzburg,

+ 16.6.1088 – Fest: 16. Juni

 

Dieser glorreiche Oberhirte der Kirche stammt aus Schwaben. Sein Vater hieß Kadold und war ein Graf von Helfenstein. Seine Mutter stammte aus einem gräflichen Geschlecht in Steiermark und hieß Azala. Der gelehrige Junge wurde schon frühzeitig wohl unterrichtet und zeichnete sich bald durch seine Kenntnisse so aus, dass man sich die glänzendsten Hoffnungen von ihm machte. Deshalb sendete man ihn an die ausgezeichnete Schule nach Paris. Hier wurde er durch seine edle Gesittung und durch seine wissenschaftliche Bildung noch weit berühmter, als durch seine adelige Abkunft. Noch äußerlich der Welt angehörig und in weltlicher Pracht lebend, führte er daselbst ein gottgeheiligtes Leben in emsiger Betrachtung der ewigen Wahrheiten und in den Übungen des Gebetes.

 

Von Paris kehrte er wieder in sein Heimatland zurück und kam nach Salzburg. Der damalige Erzbischof dieser Kirche, Waldwin, gewann den frommen und wissenschaftlich gebildeten Gebhard sehr lieb und nahm ihn unter seine Geistlichkeit auf. Im Jahr 1054 weihte er ihn zum Priester. Allein der vortreffliche, adelige Priester hatte in Salzburg nicht lange sein Verbleiben. Sein Ruf war bis an den königlichen Hof gedrungen, und König Heinrich III. erwählte ihn zu seinem Hofkaplan. In diesem Dienst blieb er nicht lange. Schon im Jahr 1056 starb Heinrich III. Ihm folgte sein Sohn Heinrich IV. Gebhard blieb noch am Hof und führte dort ein zurückgezogenes Leben. Alle Rechtschaffenen hatten die größte Ehrfurcht vor ihm.

 

Sechs Jahre, nachdem Gebhard zum Priester geweiht worden war, starb der ehrwürdige Erzbischof Waldwin. Gebhard war in Salzburg schon rühmlichst bekannt und wurde von der Geistlichkeit und vom Volk einstimmig und freudig zum Erzbischof erwählt. Gott hatte es so gefügt, dass dieser erleuchtete und eifrige Priester, der durch jede Tugend ausgezeichnet war, in dieser stürmischen Zeit das Steuerruder der Kirche Salzburgs in die Hände nehmen musste.

 

Der erwählte Erzbischof erhielt, wie der damalige Missbrauch es mit sich brachte, den Bischofsring samt Stab aus der Hand des Königs. Dies geschah in dem Ort Elchinwang am 11. Juni 1060. Am 21. Juli desselben Jahres wurde er durch den ehrwürdigen Bischof Adalbero von Würzburg zum Erzbischof geweiht und in seine Kirche eingeführt. Bald darauf war er bei einer Versammlung der Bischöfe Bayerns gegenwärtig und von ihnen als Erzbischof anerkannt. Es waren die Bischöfe Gebhard von Regensburg, Engelbert von Passau, Ellinhard von Freising, Altwin von Seben, Adalbero von Würzburg und Gunzo von Eichstädt. Das Pallium wurde ihm anderthalb Jahre später vom Papst durch den Propst Wezelin zugesendet.

 

All diese Ehren und Auszeichnungen machten den demütigen Diener Gottes noch demütiger. Und all die Reichtümer, die jetzt in seine Hand gelegt waren, konnten sein Herz nicht bestricken, denn er wusste gar wohl, dass er nur als Ausspender über all diese Güter gesetzt war. Einen Teil von ihnen verwendete er zur Zierde des Hauses Gottes, einen zweiten Teil schenkte er den Klöstern, die er gründete oder erneuerte, einen dritten gab er den Armen. Der römischen Kirche war er von ganzer Seele ergeben, und ebenso besorgt war er um die Ehre des Reiches, darum stand die Kirche von Salzburg im herrlichsten Glanz, bis auf einmal der Feind sich einschlich und Unkraut säte unter den Weizen. Jetzt wurde jene unselige Zwietracht zwischen der Kirche und dem Reich, unter der der treue Hirt so viel auszustehen hatte. Allein fortwährend leuchtete er, auf den Leuchter gestellt, durch das Licht seiner Weisheit und Frömmigkeit allen Gläubigen voran. Darum hat ihn auch die heilige, römische Kirche, als ihren ganz besonders geliebten Sohn, als wahren Katholiken, für würdig erachtet, ihm ihre Vollmacht über alle Kirchen des deutschen Reiches zu übertragen. Auch als Legat des apostolischen Stuhles stand er als eine unbewegliche Säule der Kirche immerdar fest.

 

Schon von Jugend auf hatte der ehrwürdige Bischof den Gedanken an die Stiftung eines Klosters in sich genährt. Nun war die Zeit gekommen, in der er diesen Gedanken ausführen konnte. Es war nämlich in seiner Diözese, tief im Gebirge, an dem Fluss Enns ein gar liebliches Tal, um und um von den höchsten Bergen, wie von einer Mauer umschlossen. Man konnte nur an die Berge hin oder gerade aufwärts zum Himmel schauen. Diese gänzliche Abgeschlossenheit, vor der alle Welt zurückschaudert und fernbleibt, schien dem heiligen Bischof der geeignetste Ort zur Gründung eines Klosters zu sein. Er ging selbst hin. Nur mit Mühe konnte er dahin kommen. Das Tal sprach ihn ungemein an. Die Gebirge boten alles notwendige Baumaterial. Allein man konnte mit keinem Wagen und überhaupt mit keinem Fuhrwerk an den Ort kommen. Alle Lebensbedürfnisse musste man auf Saumrossen oder Maultieren hinschleppen. Gebhard überlegte alles und konnte lange mit sich nicht einig werden. Drei Tage blieb er an dem Ort und aß nicht und trank nicht, so sehr beschäftigte dies Unternehmen seinen Geist. Wie er in seiner Unschlüssigkeit sich mit den Seinigen beriet, kam auf einmal ein Taubstummer daher und sprach ganz vernehmlich und in gutem Deutsch zum Erzbischof: „Du musst anfangen, Gott muss es vollenden.“ Dieser Mensch hatte früher nie ein Wort gesprochen, und auch nach dieser Rede blieb er stumm, bis er endlich nach dem Tod des heiligen Bischofs an seinem Grab das Gehör und die Sprache erlangte. Alle Umstehenden waren erstaunt über diese Rede. Staunen und Freude erfüllte das Herz des Erzbischofs. Er sah dies als einen Wink von oben an und war nun fest entschlossen, das Kloster in diesen Bergen zu gründen. Er nannte den Ort Admont, d.h. in den Bergen.

 

Und so errichtete dann der fromme Erzbischof das Kloster Admont im Jahr 1074, im fünfzehnten Jahr seines bischöflichen Amtes. Er bestimmte dafür zwölf Mönche, die Priester waren, damit sie in diesem Hause Gottes dem Herrn dienten. Damit die Diener Gottes das Notwendige zur Erhaltung des Lebens, zur Bewirtung der Fremden und zur Unterstützung der Armen immer haben möchten, übergab er dem Kloster Landgüter und andere Einkünfte. Vorzüglich wendete er dem Kloster die Vermächtnisse zu, die die Gräfin Emma von Frinsak und Truchsen nach dem Tod ihres Gemahls Wilhelm und ihrer Söhne dem heiligen Rupert zum Opfer gebracht hatte. Von den bischöflichen Einkünften und Rechten vergab er nichts, aber was er durch Vermächtnisse oder durch Bußgelder gewonnen oder durch vorteilhafte Vertauschungen erlangt hatte, das übergab er an diese seine Stiftung. Zudem schenkte er an die Kirche des Klosters viele kostbare Paramente von Gold und Seide, priesterlichen Ornat, Bücher und Kelche, und was man sonst zur Feier des Gottesdienstes notwendig hat. Auch verschiedene Reliquien von Heiligen erhielt die Kirche durch seine Bemühung, so den Arm des heiligen Bekenners Paternian, die Hirnschale des heiligen Martyrers Chrysantus und Reliquien der heiligen Jungfrau Daria und des heiligen Vincentius.

 

Das Kärntener-Land war, wie wir im Leben des heiligen Bischofs Virgilius gesehen haben, schon zur Zeit dieses Heiligen großenteils zum Glauben bekehrt und von einem Bischof regiert. Virgilius hatte den Modestus zum Bischof geweiht und in dieses Land gesendet, damit er durch das Licht des Glaubens die Finsternisse des Heidentums verscheuche. Der Bischofssitz war in Liburnia. Noch längere Zeit kommen Bischöfe von Kärnten vor. Allein nach und nach scheint dieses Bistum eingegangen zu sein. Der seeleneifrige Bischof wendete diesem armen Gebirgsland seine größte Aufmerksamkeit zu und war bemüht, ihm einen eigenen Oberhirten zu geben. In Gurk, wo bisher ein Frauenkloster gewesen war, errichtete der Heilige einen Bischofssitz und bewarb sich um die päpstliche Bestätigung des neuen Bistums. Papst Alexander II. bestätigte 1070 die Stiftung, und Gebhard weihte am 6. März 1072 den ehrwürdigen Günther zum ersten Bischof von Gurk. Bei dieser Weihe waren zugegen der Bischof Altwin von Brixen, der Bischof Ellenhard von Freising und Candianus von Istrien. Die übrigen Bischöfe Bayerns, Otto von Regensburg und Altmann von Passau hatten ihre Zustimmung zu dieser Weihe schriftlich gegeben. Der Papst hatte in der Bekräftigungsurkunde dem heiligen Erzbischof und seinen Nachfolgern das Recht erteilt, den Bischof des neuerrichteten Sprengels zu erwählen und einzusetzen. Es sollte durch das neue Bistum dem Erzbischof und seinen Nachfolgern nichts entzogen werden, und es sollte kein Bischof in Gurk anerkannt werden, wenn er nicht vom Erzbischof in Salzburg erwählt, ordiniert und bestätigt wäre. Jeder dagegen Handelnde verfiel dem Bann. Diese Urkunde ist ausgestellt den 21. März 1070. Die königliche Bestätigung erfolgte am 4. Februar 1072.

 

Bald darauf begannen die unseligen Jahre der größten Verwirrung in der Kirche durch die Gottlosigkeit Heinrich IV. Der war wegen seiner hartnäckigen Widersetzlichkeit gegen die Gesetze Gottes und seiner heiligen Kirche vom Papst Gregor VII. in einem Konzil zu Rom in der Fastenzeit des Jahres 1076 aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen worden. Von dieser Zeit an enthielt sich der ehrwürdige Erzbischof samt seinen treuen Freunden, dem Bischof Altmann von Passau und dem Bischof Adalbero von Würzburg, alles Verkehrs mit dem König. Mit dem Schwert seines Wortes beschützte er die katholische Kirche im ganzen deutschen Reich. Er kannte das Wort des Herrn: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ Und nach diesem Wort wollte er auch handeln. Dafür hatte er viel Schmach und Unbilden von den Feinden der Kirchen zu erdulden. Er litt es gerne, denn er wollte in treuem Glauben dem ans Kreuz genagelten Heiland nachfolgen.

 

Die Feinde der Kirche fielen in Salzburg ein und beraubten die Kirche ihrer Güter. Jeder nahm, was ihm gefiel, und berief sich auf die Vollmacht, die er vom exkommunizierten König erhalten hatte. Damals sollte auch ein großer Teil der Diözese, der in Ungarn gelegen war, von Salzburg getrennt worden sein. Zum Schutz seiner Kirche erbaute der Erzbischof zwei Festungen auf dem Berg Salzburg und in Werfen, und noch eine bei Friesack.

 

Heinrich IV. konnte es nicht verschmerzen, dass der einflussreichste aller Bischöfe, der ehrwürdige Erzbischof Gebhard sich von ihm trennte. Er lud ihn ein, nach Regensburg zu kommen und sich gegen die Anschuldigungen, die man wider ihn vorgebracht hatte, zu verteidigen. Dazu gab er ihm sicheres Geleit. Der heilige Erzbischof kam, erklärte aber, er werde darüber erst dann reden, wenn man seiner Kirche wieder alles Geraubte zurückgestellt hätte. Nach einer längeren Besprechung mit den königlichen Unterhändlern verließ er, ohne etwas ausrichten zu können, die Stadt Regensburg und begab sich auf den Rückweg. Allein er konnte nicht mehr zu seiner Kirche zurückkehren. Die Macht der Feinde Christi wuchs von Tag zu Tag und ächtete alle treuen Diener des Herrn. Arm und allein musste der fromme Erzbischof acht Jahre in der Verbannung leben. Er begab sich zu seinen kirchlich gesinnten Freunden im Schwabenland und in Sachsen, die größtenteils auch aus ihren Sitzen vertrieben und in die Acht erklärt waren. Dieses Leben in der Verbannung begann im Jahr 1078.

 

Indessen drängte Heinrich IV. der Kirche Salzburg einen seiner Genossen, namens Berchthold, als Erzbischof auf. Dieser war ein ganz roher, unwissender Mensch. Er konnte nur den Kirchenschatz verschleudern und die Klöster berauben. Um nicht mit ihm in Berührung zu kommen, verließ Thiemo, der Abt von St. Peter und der Nachfolger des heiligen Gebhard, sein Kloster und flüchtete sich ins Schwabenland, bis dem Gräuel der Verwüstung in Salzburg ein Ende gemacht wurde. Das von Gebhard gestiftete Kloster Admont beraubte jener Berchthold aller Kostbarkeiten und verwandelte es in eine Wüstenei. Unter den von Berchthold geraubten Schätzen war ein goldenes Rationale (Brustschildlein) mit den kostbarsten Edelsteinen eingelegt, von unermesslichem Wert. Der griechische Kaiser hatte es einst dem Erzbischof Gebhard zum Geschenk gemacht, als dieser seinen kaiserlichen Sohn getauft hatte. Berchthold überließ dieses kostbare Kleinod seinen Soldaten. Zwölf von diesen Unholden kamen darüber miteinander in Streit. Vor der Tür des Gotteshauses schlugen sie sich in wilder Wut. Acht von ihnen blieben tot liegen. Die übrigen vier kämpften noch fort. Jetzt trat ein Bruder, namens Nordwin, der über dieses Blutbad sich entsetzte, unter sie, nahm das kostbare Kleinod, zerlegte es in vier Stücke und gab einem jeden dieser rohen Gefährten des heillosen Bischofs ein Stück davon.

 

Während der Feind auf solche Weise im Weinberg des heiligen Bischofs wühlte und zerstörte, gab er sich alle mögliche Mühe, die verirrten Bischöfe und Laien zur besseren Erkenntnis zu bringen und mit der Kirche wieder zu vereinigen. In einer Versammlung der Bischöfe und der Fürsten des Reiches, die im Jahr 1081 in Sachsen gehalten wurde, sprach er auf das Verlangen aller Anwesenden sich über den einzig rechten Weg aus, auf dem die Eintracht wiederhergestellt werden könne. Er begann seine Rede mit einer Beschreibung des traurigen Zustandes der Kirche und schilderte dann die vom Kaiser verübten Ungerechtigkeiten, indem er sprach: „Das Ärgste, was geschehen konnte, ist geschehen. Bischöfe hat er wie Räuber ins Gefängnis geworfen, ohne dass man sie auch nur gesetzlich angeklagt hätte, geschweige denn, dass sie etwa eines Verbrechens wären überwiesen worden. Oder wenn er sie nicht gefänglich einziehen konnte, so hat er sie aus ihren Sitzen vertrieben, und ohne dass sie etwas anderes als das nackte Leben allein zu retten vermochten, ins Elend verwiesen. Die Güter der Kirche, von denen die Bischöfe leben und die Armen unterstützen sollten, hat er den Lobrednern seiner Verbrechen zur Verschleuderung übergeben. Unser ganzes Land hat er schon oft mit Feuer und Schwert verwüstet. Unsere unschuldigen Anverwandten und unsere Schutzwachen hat er in unserem eigenen Gebiet ermordet, ohne dass er einen Grund zu einem Krieg gehabt hätte. Die Söhne freier Männer wollte er unter sein Sklavenjoch beugen. Oft habe ich ihn selbst, oft habe ich euch, sowohl einzeln als in Versammlungen, demütig gebeten, man möchte doch das Schwert beiseitelegen und unsere Sache gerichtlich verhandeln. Ich habe versprochen, dass ich mich eurem Urteil in allen Stücken willig und gern unterwerfen wolle. Was ich mit dem allem ausgerichtet habe, das könnt ihr selbst bezeugen, und ich rufe euch alle zu Zeugen auf.“

 

„Demütig bitte ich euch alle, die wir hier auf sächsischem Boden stehen, ich bitte euch, heilige Bischöfe, euch, edelste Fürsten, und euch, tapfere Krieger, ihr wollt des allmächtigen Gottes und eurer Pflicht gedenken. Ihr Bischöfe, ihr seid als Hirten der Seelen und nicht als ihre Verderber berufen! Ihr Krieger, ihr habt das Schwert zur Verteidigung der Unschuldigen empfangen, und nicht um sie niederzumetzeln. Bedenket, dass auch wir eure Brüder in Christus, eure Verwandte dem Fleisch nach sind, und wollet uns doch nicht mehr mit Feuer und Schwert verfolgen. Alles Übel, das wir bisher von euch erduldet haben, wollen wir euch gerne vergeben. Wir wollen es unseren Sünden zuschreiben und den gütigen Gott bitten, dass er es zur Besserung wende, wenn wir nur in Zukunft vor Unbilden von eurer Seite gesichert sind. Legt das Schwert beiseite! Macht dem Sengen und Brennen ein Ende! Handelt, wie Christen gegen Christen handeln sollen. Macht die Sache mit Vernunftgründen, nicht mit Metzeleien aus! Was wir vor den vielen Blutbädern von euch verlangt haben, das gewährt uns jetzt, denn ihr werdet doch einmal des Blutvergießens satt sein. Viel Elend hat euer Herr, Heinrich, in grausamer Weise über uns gebracht, über alles Maß hat er uns unglücklich gemacht, und dennoch sind wir bereit, ihm Treue und Gehorsam zu schwören und die geschworene Treue heilig zu halten, wenn ihr uns nur überweiset und versichert, dass wir es ohne Versündigung an unserer Weihe, und dass die Laien, ohne ihren Glauben zu gefährden, es tun können. Wir werden von dieser Stelle nicht weichen, bis wir alles erfüllt haben, was ich zugesagt.“

 

„Wollt ihr mir zuhören, so will ich durch wahre, offendaliegende und feste Gründe und durch das Zeugnis der Schrift euch beweisen, dass wir, Geistliche und Laien, ohne Gefährdung unseres Seelenheils, den Herrn Heinrich nicht als König anerkennen können. Könntet ihr uns beweisen, dass er das Recht habe, König zu sein, so wollen wir gerne eure Mitgenossen sein und wären dann mit euch seine Untertanen. Lasst aber auch uns beweisen, dass er nicht mehr König sein kann, und hört auf, uns gegen alle Vernunft als Feinde zu verfolgen. Wendet ihr ein, dass ihr durch den Eid, den ihr ihm geschworen habt, verpflichtet seid, so beweisen wir euch, dass ihr nach dem Recht durch keinen Eid verpflichtet sein könnt, uns zu verfolgen. Um was wir bitten, ist somit dies einzige, dass ihr uns mit Gründen beweist, der Herr Heinrich oder ihr könnt mit Recht regieren, oder dass ihr uns in Wahrheit beweisen lasset, er könne es nicht. Und wenn das eine oder andere bewiesen ist, dann hört auf, uns mit Feuer und Schwert zu verfolgen.“

 

Aus der Verteidigung Heinrichs IV., die einer seiner Anhänger geschrieben hat, erfahren wir, dass diese Rede großen Eindruck gemacht hatte. Der schismatische Günstling ist ganz erbittert über den heiligen Erzbischof, dass durch seine Rede sehr viele die Partei des exkommunizierten Königs verließen und wieder mit der Kirche sich aussöhnten. Allein desungeachtet dauerte die Verbannung des treuen Oberhirten noch fünf Jahre.

 

Endlich wachte, durch göttliche Erbarmung angeregt, der Eifer der Gläubigen wieder auf, und die Zeiten des allgemeinen Jammers gingen zu Ende. Im Jahr 1086 konnte der ehrwürdige Erzbischof wieder in Salzburg einziehen und die Leitung seiner Herde aufs Neue übernehmen. Der Graf Engelbert mit mehreren Adeligen, die ihre Knie vor den Götzen nicht gebeugt hatten, und die Bischöfe Altmann von Passau und Meginward von Freising begleiteten ihn bei seinem Einzug in sein Bistum. Eine zahllose Volksmenge versammelte sich bei dieser freudigen Festlichkeit. Nur wenige waren noch auf Seite des exkommunizierten Kaisers. Gebhard und seine Mitbischöfe sprachen über die Kirchenräuber und zumal über den Eindringling Berchthold den Bann aus, und ermunterten das gläubige Volk zum treuen Festhalten an Christus und seiner heiligen Kirche.

 

Noch zwei Jahre leitete der heilige Gebhard seine Kirche unter mannigfaltigen Stürmen und Gefahren. Allein er harrte aus und wurde auch aus seinem Sitz nicht mehr vertrieben. Endlich am 14. Juni 1088, nachdem er 20 Jahre seiner Kirche vorgestanden und 8 Jahre in der Verbannung zugebracht hatte, kam auch für ihn die Stunde der Erlösung aus diesem Elend. Er starb auf der von ihm erbauten Festung Werfen. Sein heiliger Leib wurde in das Kloster Admont gebracht und daselbst zur Erde bestattet. Am Tag seiner Beerdigung wurde der früher erwähnte Taubstumme auf die Fürbitte des Heiligen von seinem Übel befreit. Nach seinem Tod fiel Berchthold unter dem Schutz Heinrichs IV. wieder in Salzburg ein, um das frühere Unwesen fortzusetzen, zu plündern, zu rauben und zu morden, wie er 8 Jahre lang es getrieben hatte. Allein die Zahl der neuen Anhänger der Kirche Gottes hatte sich während der letzten 2 Lebensjahre des heiligen Gebhard so gemehrt, dass sie die Oberhand erhielten, und Berchthold mit seinem Anhang abziehen musste. Die frommen Gläubigen wählten den vortrefflichen Abt Thiemo von St. Peter zu ihrem Erzbischof. Der heilige Gebhard war unter den drei Freunden, die einst als Jungen ihre künftigen Bistümer sich erwählt und dann in Paris sich für ihren Beruf vorbereitet hatten, der erste, den der Herr vom Kampfplatz abrief. Adalbero und Altmann folgten ihm bald nach. Sie alle sind von der Kirche als Heilige und Selige anerkannt und werden von allen Gläubigen verehrt werden, so lange noch katholischer Glaube und christlicher Sinn die Herzen der Deutschen belebt.

 

17. Juni

 

Die heiligen Nicander und Marcianus,

Soldaten und Martyrer von Venafro, Italien,

+ 284-305 - Fest: 17. Juni

 

Aus den Akten der heiligen Nicander und Marcianus scheint hervorzugehen, dass sie unter Diocletian und wahrscheinlich in Mösien, einer Provinz Illyriens, unter eben dem Statthalter litten, der auch den heiligen Julius verurteilte. Sie hatten sich im römischen Heer als tapfere Krieger ausgezeichnet, aber, nachdem sie zur Erkenntnis des Heils geführt worden waren, den Dienst und alle Ehren der Welt verlassen, um unter der Fahne des Gekreuzigten das Himmelreich zu erobern. Dies wurde ihnen als Verbrechen angerechnet und Maximus, der Statthalter der Provinz, ließ sie verhaften und vor seinen Richterstuhl bringen. Er redete sie an: „Ihr kennt die Verordnungen der Kaiser, welche euch gebieten, den Göttern zu opfern? Kommt also und fügt euch denselben!“ Nicander entgegnete: „Dieser Befehl kann die Christen nichts angehen, weil ihnen durch ihr Gesetz verboten ist, den unsterblichen Gott zu verachten, um Holz und Steine anzubeten.“ Daria, Nicanders Gemahlin, die zugegen war, ermutigte ihren Mann zur Standhaftigkeit und sprach: „Tu ja nicht, was der Statthalter verlangt – hüte dich, unseren Herrn Jesus Christus zu verleugnen!“ Maximus unterbrach sie und rief: „Was für ein abscheuliches Weib, das seines Mannes Tod verlangt!“ Daria erwiderte: „Du irrst dich; ich will nur, dass er in Gott lebe, um nicht ewig zu sterben.“

 

Maximus: „Deine Absicht ist leicht zu durchschauen; du willst diesen los werden, um einen anderen zu heiraten.“

 

Daria: „Wenn du so von mir denkst und so Niedriges mir zutraust, so töte mich zuerst um meines christlichen Bekenntnisses wegen.“

 

Der Statthalter, der die Frauen betreffend keinen Befehl hatte, weil sich seine Vollmachten nur auf das Kriegsheer erstreckten, ließ die heldenmütige Frau in das Gefängnis abführen. Aber man gab ihr bald wieder die Freiheit. Sie kam in den Gerichtssaal zurück, um den Ausgang des Kampfes zu sehen, den ihr Gatte bestehen musste. Maximus wendete sich jetzt wieder zu Nicander und sagte: „Ich gebe dir einige Bedenkzeit, um zu überlegen, ob es besser sei zu leben oder zu sterben.“ Nicander antwortete: „Dieser Aufschub ist unnütz, da mein Entschluss schon gefasst ist; ich verlange nur mich zu retten.“ Maximus, der diese Worte in einem falschen Sinn verstand und glaubte, der Bekenner wolle, um sein Leben zu erhalten, den Göttern opfern, wünschte sich schon Glück zu dem erhaltenen Sieg über das Christentum, und äußerte sich in diesem Sinn gegenüber seinem Beisitzer Suetonius. Allein Nicander zog ihn bald aus dem Traum, indem er mit lauter Stimme zu dem Gott der Christen flehte, dass er ihn vor dem Verderben und der Versuchung dieser Welt bewahre. Hierüber wurde der Statthalter betroffen und sprach: „Wie, in diesem Augenblick schienst du leben zu wollen und nun verlangst du wieder den Tod?“ Hierauf Nicander: „Das Leben, nach dem ich mich sehne, ist ewig und von dem gegenwärtigen ganz verschieden. Deswegen überlasse ich meinen Leib deiner Gewalt; tu mit ihm, was du willst. Ich bin und bleibe ein Christ.“

 

Maximus nahm sich jetzt den anderen Bekenner vor und sagte zu ihm: „Was ist nun mit dir?“ Marcianus erwiderte: „Ich habe dieselbe Gesinnung und dasselbe Bekenntnis, wie mein Gefährte.“ „So sollt ihr denn auch“, rief der Statthalter, „miteinander ins Gefängnis wandern!“ Zwanzig Tage lagen die Heiligen im Kerker, bis sie Maximus zu einem zweiten Verhör vorführen ließ. Er empfing sie mit den Worten: „Ihr habt nun hinreichend Zeit gehabt, euch zu entschließen, den Verordnungen der Kaiser Folge zu leisten. Wohlan nun, opfert den Göttern und werdet wieder frei!“ Marcianus entgegnete: „Mit allen deinen Bemühungen wirst du uns nie dahin bringen, dass wir den wahren Gott verlassen; wir sehen ihn hier durch den Glauben gegenwärtig und wissen, wohin er uns ruft. Wir beschwören dich, die ewige Glückseligkeit uns nicht länger vorzuenthalten. Eile, uns zu dem hinüberzusenden, den ihr lästert, wir aber verehren und anbeten.“ Der Statthalter gestand ihm seine Bitte zu und verurteilte die beiden Bekenner zur Enthauptung, mit dem Beisatz: „Mir habt ihr nichts zu Leide getan und ihr werdet auch nicht durch mich verfolgt, sondern durch die Verordnungen der Kaiser. Ich bin rein und unschuldig an eurem Blut.“ Die Martyrer dankten ihm und bekannten, dass sie sehr menschenfreundlich von ihm behandelt worden seien. Lobsingend dem Herrn gingen sie zur Richtstätte und die Freude, von der sie durchdrungen waren, leuchtete aus ihren Gesichtern.

 

Nicander wurde begleitet von seiner glaubensstarken Frau und seinem Söhnlein, den Papinianus, der Bruder des heiligen Martyrers Pasikrates, auf den Armen trug. Dieser wünschte ihm fortwährend Glück zu seinem nahen Heil. Nicht so leicht wurde Marcianus der letzte Gang gemacht; er musste noch einen harten Kampf gegen Fleisch und Blut bestehen. Seine Frau, ganz anders gesinnt als Daria, hatte zum Zeichen ihrer tiefen Trauer die Kleider zerrissen, weinte und jammerte und suchte die Standhaftigkeit ihres Gatten durch alles, was ihr der Schmerz nur Rührendes eingeben konnte, zu erschüttern. Bald zeigte sie ihm das Kind, das sie ihm geboren hatte, bald hielt sie ihn am Gewand, um ihn zurückzuziehen. Er konnte sich ihres ungestümen Verhaltens nicht anders erwehren, als dass er einen der ihn umgebenden Freunde bat, sie mit Gewalt zurückzuhalten. Erst als er auf dem Richtplatz angekommen war, ließ er sie wieder in seine Nähe kommen, gab ihr den Abschiedskuss und sprach: „Entferne dich jetzt im Herrn, weil du doch den Mut nicht hast, mich sterben zu sehen.“ Daraufhin nahm er sein Söhnlein auf die Arme und hob es gen Himmel empor, sagend: „Herr, unser aller Vater, sorge du für dieses Kind!“ Jetzt fielen die beiden Heiligen einander sich um den Hals und traten sodann jeder auf den Platz, wo er den Todesstreich empfangen sollte. Da bemerkte Marcianus, dass die Gattin seines Gefährten sich herandrängte, aber wegen der Volksmenge nicht zu ihrem Gemahl kommen konnte. Sogleich ging er auf sie zu, reichte ihr hilfreich die Hand und führte sie zu ihrem Mann, der zu ihr sprach: „Gott sei mit dir!“ Sie stellte sich neben ihn und sagte: „Sei guten Mutes – zeige dich stark im Kampf. Zehn Jahre habe ich zu Hause ohne dich gelebt, als du im Krieg abwesend warst, und während dieser ganzen Zeit flehte ich unaufhörlich zu Gott um die Gnade, dich wieder zu sehen. Jetzt habe ich dich gesehen und bin so glücklich, die Frau eines Martyrers zu sein. Gib Gott Zeugnis, damit du auch mich vom ewigen Tod errettest.“ Der Scharfrichter verband hierauf den beiden Blutzeugen die Augen und enthauptete sie. Sie vollendeten ihr heldenmütiges Opfer im Jahr 303. Der Gedenktag der beiden heiligen Martyrer ist am 17. Juni.

 

Der selige Ramwold (Rambold / Ramuold),

Abt von St. Emmeram, Regensburg,

+ 17.6.1001 – Fest: 17. Juni

 

Gott wohnt im Licht auf steiler Höhe. Alle, die ihn suchen, müssen durch das dunkle Schattental aufwärts klimmen durch wildes Dornengestrüpp auf harten, felsigen Pfaden, ausdauernd und unverdrossen, wenn auch die hellen Schweißtropfen von der Stirn perlen und die Füße schmerzlich bluten. Der Preis, der dem ausdauernden Pilger winkt, ist des Schweißes wert, die endlose Freude im Vaterhaus entschädigt reichlich die aufgewandte Mühe und ein glänzender Fürstenthron ist dem treuen Kämpfer und vollendeten Sieger bereitet. Diese herrliche Aussicht begeisterte auch den heiligen Ramwold, die Welt zu verachten und das höchste und schönste Ziel beharrlich zu verfolgen.

 

Ramwold, im Jahr 901 aus einem fränkischen Rittergeschlecht geboren, ergab sich schon in früher Jugend mit rastlosem Eifer dem Studium der geistlichen Wissenschaften, um sich für den geistlichen Stand vorzubereiten. Die Theologie erlernte er in Trier und trat dann in den Benediktinerorden ein im Kloster des heiligen Maximin. Dort lernte er den heiligen Wolfgang kennen. Als der Bischof von Regensburg geworden war, berief er Ramwold zu sich und ernannte ihn zum Abt des berühmten Klosters St. Emmeram. Demütig unterwarf sich Ramwold dem Willen seines heiligen Freundes, obgleich er schon 75 Jahre alt war, und verwaltete dieses Amt mit höchstem Ruhm noch 25 Jahre. Den Ordensgenossen ging er auf dem Weg der Entsagung, der Bescheidenheit und Milde, der Gottesfurcht und des gottseligen Eifers voran und erreichte die schönsten Erfolge. Wie ein liebevoller Vater waltete er unter seinen Untergebenen und zog alle mit zarter Gewalt an sich, um mit ihnen vereint die evangelische Vollkommenheit zu üben. Aber seine gütige Fürsorge beschränkte sich nicht auf die Klostermauern, sie wollte auch den Bedrängten in der Welt tatkräftige Hilfe gewähren. Deshalb erbaute er in der Nähe des Klosters zwei Armen- und Krankenhäuser und versah sie mit kundigen und mildherzigen Pflegern. Oft besuchte er diese Anstalten und erwies den Fremden und Leidenden die erbaulichsten und niedrigsten Liebesdienste.

 

Wie alle treuen Diener Gottes sollte auch der heilige Abt Ramwold im Feuer der Trübsal gereinigt werden, um als echtes Gold vor dem prüfenden Auge des Allgerechten zu erscheinen. Zwei Jahre lang war er des Augenlichtes beraubt, aber keine Klage kam aus seinem Mund. Wenn ihn einer wegen dieses Unglückes bedauerte, pflegte er zu sagen: „Der Verlust des zeitlichen Lichtes der Augen ist nicht zu beklagen, wenn man Hoffnung hat, ein ewig dauerndes Licht zu erlangen. Gott, der mir das Licht entzogen hat, kann mir es auch wiedergeben. Will er es aber nicht tun, so haben wir keine Ursache darüber zu murren, sondern Gott noch mehr zu loben und zu lieben.“ Gott belohnte ein solch ergebungsvolles Vertrauen. Auf die Fürbitte des heiligen Emmeram wurde er von seiner Blindheit völlig geheilt.

 

Nach dem Tod seines treuen Freundes, des heiligen Bischofs Wolfgang, wurde Ramwold bei dem Kaiser Otto III. fälschlich als Verräter seiner Majestät beschuldigt und musste unter dem Druck der höchsten Ungnade viel Bitteres und Kränkendes erleiden. Auch diese Prüfung ertrug er aus Liebe zum kreuztragenden Heiland mit himmlischer Geduld. Später kam seine Unschuld an den Tag und er stieg in der Gunst des Kaisers so hoch, dass dieser ihn in allen wichtigen Angelegenheiten zu Rate zog.

 

Ramwold hatte ein volles Jahrhundert gelebt. Als er die Nähe des Todes fühlte, ließ er sich wischen die Altäre des heiligen Emmeram und des heiligen Kilian tragen, empfing mit tiefer Andacht in Gegenwart seiner versammelten Ordensbrüder die letzte Wegzehrung und gab mit zum Himmel gerichteten Augen und Händen seinen Geist dem König des ewigen Lebens zurück im Jahr 1001. Seine treuen Jünger senkten die Leiche ihres geliebten Meisters in die Gruft, die er sich schon 15 Jahre vor seinem Tod hatte bereiten lassen. Seinem Leichenzug folgten Herzog Heinrich von Bayern, der spätere Kaiser, der Bischof Gebhard von Regensburg und eine zahlreiche Menge von Grafen und Edlen, um dem Hingeschiedenen ihre Hochachtung zu zeigen, die er im vollsten Maß verdient hatte. Das Grab des heiligen Abtes wurde fleißig besucht und durch viele Wunder verherrlicht.

 

18. Juni

 

Der heilige Markus und der heilige Marcellianus, Märtyrer zu Rom,

+ 18.6.286 (oder 287) – Fest: 18. Juni

 

Markus und Marcellianus waren Brüder, und stammten aus einer der ersten Familien Roms. Beide waren schon in ihrer Jugend zum Christentum bekehrt worden, traten nachher in den Ehestand, und lebten in hohen Ehren.

 

Als Diokletian im Jahr 284 auf den Kaiserthron gelangt war, erhoben sich kurz nachher verschiedene Stürme gegen die Christen, zwar nicht als hätte dieser Fürst schon damals Befehle gegen die Kirche ergehen lassen, sondern weil er sich der Wut der Götzendiener nicht widersetzte. In einer dieser Verfolgungen wurden nun auch Markus und Marcellian verhaftet, in das Gefängnis geworfen, und dann von Chromatius, dem Stellvertreter des Präfekten der Stadt Rom, zur Enthauptung verdammt.

 

Ihre Verwandten gaben indessen die Hoffnung nicht auf, eine Widerrufung des gefällten Urteils zu bewirken. Sie erlangten einen Verschub von dreißig Tagen, weil sie sich schmeichelten, die Bekenner dahin zu stimmen, dass sie sich dem Verlangen des Richters fügten. Man brachte sie daher in das Haus des Nikostrat, ersten Schreibers der Präfektur. Tranquillin, ihr Vater, Marcia, ihre Mutter, samt ihren Frauen mit den noch kleinen Kindern, besuchten sie in diesem Verhaft, und bemühten sich durch Bitten und Tränen ihre Standhaftigkeit zu besiegen, und sie zum Abfall zu bewegen. Allein der heilige Sebastian, ein Hofbedienter des Kaisers, der sein kurzem nach Rom gekommen war, besuchte sie alle Tage, um sie zur unerschütterlichen Beharrlichkeit zu ermahnen. Diese Unterredungen hatten zudem noch den schönen Erfolg, dass Tranquillin, Marcia und die Gattinnen der zwei Heiligen sich auch bekehrten. Auch Nikostrat entsagte dem Heidentum, worin ihm sogar bald Chromatius nachfolgte, der die Bekenner dann in Freiheit setzte, und sich, nachdem er sein Amt niedergelegt hatte, auf ein Landgut zurückzog.

 

Ein christlicher Hauptmann, namens Castulus, verbarg Markus und Marcellian in dem Gemach, das er im kaiserlichen Palast hatte. Allein sie wurden durch Torquatus verraten, der feigherzig vom Glauben abgefallen war; worauf man sie von neuem gefänglich einzog. Fabianus, der Chromatius in dem Amt nachgefolgt war, verurteilte sie, mit den Füßen an einen Pfahl genagelt zu werden, in welchem schmerzhaften Zustand sie einen Tag und eine Nacht blieben, bis sie des folgenden Tages mit Lanzen durchbohrt wurden. Man beerdigte sie zwei Meilen von Rom, in dem Arenarium, welches nachher in einen Kirchhhof ihres Namens umgewandelt wurde, der zwischen der appischen und ardeatischen Straße lag. Ihr Fest ist in allen alten Martyrologien auf diesen Tag angezeigt.

 

Oft legte man einer Handlung den Namen Tugend bei, die doch nur den Schein hat. Die Verfolgung ist gleichsam der Prüfstein, durch den man die wahre Tugend unterscheidet. Nur die Prüfungen können beweisen, was wir in der Wirklichkeit sind. Es kostet uns wenig zu sagen, dass wir Gott über alles lieben; es kostet uns ebenfalls nicht mehr uns einzubilden, dass wir den Mut der Märtyrer haben würden, solange die Gefahr entfernt ist. Wo sind aber die Beweise, die die Aufrichtigkeit unserer Liebe zu Gott zeigen? „Die Verfolgung“, sagt der heilige Bernhard, „lehrt den Unterschied zwischen einem guten Hirten und einem Mietling.“ Dieser Grundsatz lässt sich nach Verhältnis auf die Christen aller Stände anwenden.

 

Der heilige Amandus, Bischof von Bordeaux,

+ 18.6. nach 400 – Fest. 18. Juni

 

Man liest beim heiligen Paulinus von Nola, dass der heilige Amandus Gott von seiner Kindheit an diente, dass er in den heiligen Schriften unterrichtet worden ist, und seine Unschuld vor den Flecken bewahrte, durch die man gewöhnlich im Umgang mit der Welt verunreinigt wird. Sobald er vom heiligen Delphinus, Bischof von Bordeaux, für dessen Kirche zum Priester geweiht war, bewies er großen Eifer für die Ehre Gottes: da war es auch, wo er den heiligen Paulinus in den Geheimnissen des Glaubens unterrichtete, um ihn zum Empfang der heiligen Taufe vorzubereiten. Von jener Zeit an stand auch Paulinus stets in enger Freundschaft mit dem heiligen Amandus. Er schrieb ihm mehrere Briefe, und wir sehen aus denen, die auf uns gekommen sind, dass er große Verehrung für dessen Tugend hegte.

 

Nach dem Tod des heiligen Delphinus wurde der heilige Amandus zum Bischof der Kirche von Bordeaux erwählt; allein er legte bald dieses Amt zugunsten des heiligen Severins nieder, der sich zu ihm zurückgezogen hatte (Dieser Heilige ist nicht der heilige Severin, der Bischof von Köln war, sondern es wird von ihm gesagt, dass er aus dem Morgenland ex partibus Orientis nach Bordeaux gekommen sei.), und er wollte es nicht eher wieder annehmen, als nach dem Tod dieses Heiligen. In allem bewies er sich, nach der Erzählung des heiligen Paulinus, als einen treuen Verteidiger der Religion und des Glaubens. Sein Name steht auf diesen Tag im römischen Martyrologium. Das Jahr seines Todes ist ungewiss. Er ist es, dem wir die Erhaltung der Schriften des heiligen Paulinus zu verdanken haben, der im Jahr 431 starb.

 

Die heilige Elisabeth, Äbtissin von Schönau,

+ 18.6.1164 – Fest: 18. Juni

 

In Deutschland gab es drei Klöster unter dem Namen Schönau. Das eine lag bei Heidelberg, gehörte den Zisterziensern an, und war im Jahr 1135 von Buggo, Bischof von Worm, gestiftet worden. Das zweite, welches gleichfalls den Zisterziensern angehörte, lag im Frankenland. Das dritte, von der Regel des heiligen Benedikt, lag hinter dem Rheingau in Hainrich, vier deutsche Meilen von Bingen, im ehemaligen Erzstift Trier, das von Hildelin gestiftet worden ist, der 1125 das Ordenskleid annahm, und als dessen erster Abt erwählt wurde. In einiger Entfernung von diesem Kloster erbaute Hildelin auch ein Frauenkloster, in welches dann die heilige Elisabeth, die von Kindheit an Gott mit aller Treue gedient hatte, schon in ihrem zwölften Lebensjahr sich zurückzog, die Gelübde ablegte, und in der Folge zu dessen Äbtissin erwählt wurde. Immer war sie kränklich, dessen ungeachtet stets in den göttlichen Willen ergeben, und harrte mit Freuden auf dem Weg der Trübsal aus, den sie ihr göttlicher Bräutigam, damit sie ihm ähnlicher würde, ihr Leben lang führte. Um aber desto vollkommener geläutert zu werden, musste sie, nebst den körperlichen Leiden, auch harte innere Prüfungen bestehen. Sonst hatte sie im Gebet und der Betrachtung göttlicher Dinge ihren Trost gefunden, und nun wurde ihr auch auf einige Zeit diese Stütze genommen; tiefe Schwermut lastete auf ihrer Seele; sie empfand Ekel und Widerwillen am Heiligsten; zweifelte an den wichtigsten Glaubenswahrheiten, empfand heftige Versuchungen des Fleisches, und war sogar am Ende von dem Gedanken befallen, sich selber den Tod anzutun. Allein auch unter den grauenvollsten Versuchungen ließ sie das Vertrauen auf Gott nicht sinken, und der Wächter Israels schlief nicht, wie sie selbst sagt, sondern errettete sie in seiner grenzenlosen Barmherzigkeit aus allen Gefahren. Schon in ihrem dreiundzwanzigsten Jahr wurde sie mit der Gabe himmlischer Erleuchtungen begnadet, besonders an Sonn- und Festtagen, wenn sie den göttlichen Geheimnissen beiwohnte. Über diese Gesichte drückt sie sich in einem Brief an die heilige Hildegard unter anderem folgendermaßen aus: „Ich gestehe, dass ich neulich etwas betroffen war, als ich hörte, dass törichte und unwahre Gespräche von mir unter dem Volk gangbar seien. Gerne würde ich das Gerede der gemeinen Leute ertragen, wenn nur nicht auch jene, die im Ordenskleid daher gehen, mein Gemüt sehr empfindlich betrübten. Denn diese, ich weiß nicht von welchem Geist getrieben, verlachen Gottes Gnade in mir, und entblöden sich nicht, über das, was sie nicht wissen, abzusprechen. Ich vernehme, dass man einige, von mir geschrieben sein sollende, Briefe umherbiete, die vorlügen, ich habe vom jüngsten Gericht prophezeit: was ich aber zu wagen mir nie herausgenommen habe, da diese Ankunft der Kenntnis aller Sterblichen unbekannt bleibt. Indessen will ich dir die Veranlassung dieses Geredes aufdecken, auf dass du urteilen mögest, ob ich desfalls etwas Anmaßendes getan oder gesprochen habe. Wie du von anderen gehört hast, hat der Herr seine Barmherzigkeit an mir kundgetan, mehr als ich es verdient habe, oder je verdienen konnte; so zwar, dass er mir jeweilig himmlische Dinge zu offenbaren, mir die Gnade erwies. Häufig auch hat er mir durch seinen Engel zur Kenntnis gebracht, welches Ungemach hereinbrechen solle in diesen Tagen über sein Volk, wofern es nicht Buße wirke über seine Missetaten, und dass ich dieses öffentlich verkünde, hat er mir befohlen. Um aber jeglichem Stolz vorzubeugen, und damit ich nicht scheinen möge, als befördere ich die Neuerungen, war es mein möglichstes Bestreben, dieses alles zu verbergen.“ Nun erzählt sie, dass ihr der Befehl geworden, diese Gunstbezeigungen nicht länger in sich zu verschließen, und alle Verleumdungen und Verspottungen geduldig zu ertragen, nach dem Beispiel dessen, der, obgleich der Schöpfer des ganzen Weltalls, dennoch der Menschen Schmach erduldete. In einem Brief, den die heilige Hildegard an sie schrieb, suchte sie dieselbe durch verschiedene Trostgründe aufzumuntern: „Vernimm mein Wort, o Kummer fühlende Tochter! Die Sanftmütigen, Armen und Bedrängten sollen sich bewaffnen mit dem Schild des Glaubens; die einfältigen Sinnes sind, züchtigt der Herr, wohl wissend, dass ihr irdenes Gefäß nicht zerbricht. O Tochter, Gott wolle dich erküren zum Spiegel des Lebens!“

 

Die heilige Elisabeth von Schönau starb den 18. Juni 1165, in ihrem sechsunddreißigsten Lebensjahr. Ihr Name steht an diesem Tag im römischen Martyrologium.

 

19. Juni

 

Die heilige Juliana Falconieri von Florenz, Nonne, Ordensstifterin,

+ 19.6.1341 - Fest: 19. Juni

 

Lange hatten die Eheleute Falconieri zu Florenz in Italien den Himmel bestürmt, bis sie im Jahr 1270 endlich erhört wurden und der liebe Gott ihnen ein Töchterchen schenkte, das sie auf den Namen Juliana taufen ließen. Groß war die Freude der Eltern, und weil sie reich waren, beschlossen sie, ihrer Dankbarkeit dadurch Ausdruck zu verleihen, dass sie eine Kirche zu Ehren der Muttergottes erbauten.

 

Als Juliana heranwuchs, zeigte es sich, dass sie ein gutes Herz besaß, voll Gottes- und Nächstenliebe. Man sah die Kleine öfters in dieser und jener Kirche der Stadt, und wer sie beobachtete, konnte feststellen, dass sie mit Andacht betete. Aufrecht kniete sie in einer der Kinderbänke, die Hände zwanglos und schön gefaltet und die Augen auf den Tabernakel gerichtet. Auch gab Juliana gern armen Kindern Almosen und verschenkte sogar die Puppen und Spielsachen, um anderen Freude zu machen. Gottlob gibt es manche Kinder, die es in der Jugend ebenso halten, wie es die kleine Florentinerin machte.

 

Juliana ist auch später brav geblieben. Als sie zu einem schönen und klugen Mädchen herangewachsen war, suchte ihr die Mutter einen vornehmen jungen Mann aus, den sie heiraten sollte, aber die Tochter mochte ihn nicht und sagte, sie wolle ihr Leben lang nur dem Heiland angehören. Da war die Mutter als christlich denkende Frau einverstanden, denn sie wusste, dass diejenigen Mädchen, die ihr Leben dem Heiland schenken, für Zeit und Ewigkeit gut versorgt sind.

 

So lange die Mutter lebte, blieb Juliana bei ihr. Nach ihrem Tod jedoch – der Vater war schon früher gestorben – verließ Juliana den Glanz des elterlichen Heims und siedelte in ein kleines Haus über, wo sin in Vereinigung mit einigen gleichgesinnten jungen Mädchen ein klösterliches Leben zu führen begann. Am Tag gingen die Frauen als Barmherzige Schwestern in die Hütten der Armen und pflegten die Kranken, wuschen und kochten für sie, hielten ihnen die Stuben und die Betten sauber und taten auch sonst alles, was den Leuten dienlich sein konnte. Bei alledem waren sie der Meinung, dass sie in den Kranken dem Heiland dienten, der gesagt hatte: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan.“ Während also die Frauen am Tag dem Nächsten dienten, weihten sie den Morgen und den Abend und einen Teil der Nacht dem lieben Gott in heiligen Gebeten und Gesängen. Juliana, die erste Oberin der neuen Ordensgesellschaft, gab den Mitschwestern in allem ein leuchtendes Beispiel.

 

Darüber verging die Zeit, und Juliana hatte bereits die Siebzig erreicht, als sie sterbenskrank wurde, und weil man sah, dass sich der Tod mit eiligen Schritten näherte, wurde sie mit den heiligen Sakramenten versehen. Nur die heilige Kommunion konnte ihr der Priester wegen beständigen Brechreizes nicht mehr reichen. Um alles in der Welt aber hätte die Sterbende noch einmal den Heiland empfangen. Daher bat sie den Priester, das Allerheiligste wenigstens in ihre Zelle zu holen, damit sie den Herrn im Sakrament ein letztes Mal sehen und anbeten könne. Gern wurde ihr der Wunsch erfüllt, und als ihr der Priester die heilige Hostie entgegenhielt, entschwand sie seinen Händen. Juliana aber lachte mit strahlendem Gesicht, und mitten in diesem Lachen verschied sie. Wie sollte sie auch nicht lachen, da der Heiland sie vor ihrem Ende in wundervoller Weise noch erquickt hatte. Durch einen geheimnisvollen Vorgang, den man nicht begreift, empfing die heilige Juliana im letzten Atemzug die heilige Wegzehr. Mit allem versehen, ging sie dann in die Ewigkeit hinüber.

 

20. Juni

 

Der heilige Silverius, Papst und Martyrer auf der Insel Ponza, Italien,

+ 20.6.537 - Fest: 20. Juni

 

Da lebte um das Jahr 525 in der oströmischen Kaiserstadt Konstantinopel eine gewisse Theodora, die Tochter eines Pferdeknechtes, die den Beruf einer Zirkuskünstlerin ausübte. Zwar sprach man nicht gut von ihrem Lebenswandel, aber niemand konnte abstreiten, dass sie eine Schönheit war. Wenn sie hoch zu Ross als Kunstreiterin durch den Zirkus ritt, blieben alle Augen an ihr hängen. Kurzum, der Kaiser verliebte sich in die Schauspielerin, heiratete sie, und Theodora saß mit goldener Krone auf goldenem Thron.

 

Bald zeigte es sich, dass die Kaiserin Theodora außer der körperlichen Schönheit noch andere, durchaus nicht gute Eigenschaften besaß, denn sie war ehrgeizig, falsch und rachsüchtig, ein vollendeter Ränkeschmied. In alles pfuschte sie hinein, und als der Erzbischof von Konstantinopel starb, wollte sie mit allen Mitteln einem ihrer Günstlinge mit Namen Anthimus die Stelle des Verstorbenen verschaffen. Dazu war dieser Anthimus auch noch ein Irrgläubiger.

 

In Rom war eben damals im Jahr 536 Silverius Papst geworden, und als man ihn um die Bestätigung des neuen Erzbischofs von Konstantinopel anging, sagte er selbstverständlich nein. Die Ablehnung war sein Recht, die gekränkte Theodora aber setzte sogleich gegen das päpstliche Recht die kaiserliche Gewalt ein. In einem Schreiben beauftragte sie den kaiserlichen Feldherrn in Italien, der Belisar hieß, den Papst unter irgendeinem Vorwand zu verhaften und aus Rom zu entfernen, und weil Belisar nicht genügend Rückgrat besaß und die Kaiserin mehr fürchtete als Gott, gab er sich leider zu dem Verbrechen her. Zunächst legte er dem Papst nahe, er solle abdanken, und als sich Silverius weigerte, ließ Belisar gefälschte Briefe mit hochverräterischen Inhalt anfertigen, und auf diese Briefe hin wurde der Papst verhaftet, man riss ihm die Zeichen der hohepriesterlichen Würde vom Leib, führte ihn heimlich aus Rom, schaffte ihn auf ein Schiff und brachte ihn nach Kleinasien in die Verbannung.

 

Von dort schrieb Silverius in einem Brief: „Ich nähre mich mit dem Brot der Trübsal und mit dem Wasser der Bedrängnis, aber ich bin meiner Pflicht nicht untreu geworden und werde es nie sein.“ So schrieb er. Silverius war also kein Mietling, sondern ein guter Hirt der Herde Christi. Alle Leiden, die er in der Verbannung zu erdulden hatte, hätte er mit einem einzigen Wort beenden können, wenn er nämlich zu dem neuen Erzbischof von Konstantinopel sein Ja sagte. Das Wort „Ja“ wird nur aus zwei Buchstaben gebildet, aber der aufrechte Bekenner hat die beiden Buchstaben nicht ausgesprochen, weil sie gegen seine Hirtenpflicht verstießen. Lieber ging Silverius in den Tod, den er, von Entbehrungen aufgerieben, im gleichen Jahr noch erduldete. Es war ein natürlicher Tod, trotzdem feiert die Kirche mit Recht das heutige Fest des Heiligen als das eines Martyrers.

 

Was aber geschah mit Theodora und Belisar?

 

Theodora besserte sich gegen Ende des Lebens, verblieb aber hartnäckig im Irrglauben und starb daher im Kirchenbann. Es war ein böser Tod.

 

Von Belisar dagegen heißt es, dass er später das Verbrechen gegen Papst Silverius bereute. Er soll sogar in Rom zur Sühne für sein Vergehen eine Kirche erbaut haben. Das scheint ihn aber nicht vor Gottes Strafgericht gerettet zu haben, denn es steht fest, dass er beim Kaiser in Ungnade fiel. Es wird ferner berichtet, dass man ihm die Augen ausgestochen hatte und dass er als armer blinder Mann in den Straßen Roms sein Brot erbettelte. Gotten Mühlen mahlen langsam, aber fein, und wenn er auch manchmal lange aufschreibt, zuletzt rechnet er ab. Es ist daher nicht ratsam, sich an den Gesalbten des Herrn, an Papst, Bischöfen und Priestern, zu vergreifen.

 

Die Nutzanwendung aus der heutigen Legende besteht daher in der Mahnung, die geistliche Obrigkeit zu ehren und viel für sie zu beten, dass sie alle wie Papst Silverius treu die heiligen Pflichten erfüllen.

 

21. Juni

 

Der heilige Aloysius von Gonzaga, Italien, Scholastiker,

+ 21.6.1591 - Fest: 21. Juni

 

Aloysius, ein Fürstensohn aus Norditalien, war einer der edelsten jungen Männer, die es gegeben hat, ein Ritter ohne Fehl und Tadel, hochgesinnt und wagemutig, ein Held.

 

Schon der Fünfjährige zeichnete sich durch Kühnheit aus, denn eines Tages feuerte er unbemerkt hinter dem Rücken der Soldaten eine Kanone ab, die er vorher selbst geladen hatte. Das tat der Waghals, obwohl ihm kurz zuvor bei einem Schießversuch brennendes Pulver ins Gesicht geflogen war und die Wange verbrannt hatte, in einem Alter von fünf Jahren, zu einer Zeit also, da er nicht einmal ein Junge, sondern noch ein Kind war. Ein echter Junge war er schon, der Aloysius!

 

Was macht denn eigentlich einen echten Jungen aus? Zum echten Jungen gehört vor allem ein ernstes Streben nach hohen Zielen. Ein echter Junge muss zäh und entschieden, frisch und unverdrossen, mutig und kühn, unentwegt und unbeirrbar treu danach trachten, ein tüchtiger Mensch und edler Christ zu werden, und in all dem ist der heilige Aloysius wie ein Meister gewesen.

 

Aloysius hätte sich beispielsweise, weil er Kronprinz war und später Fürst werden sollte, damit begnügen können, sich nur in den Regierungsgeschäften und als Soldat auszubilden. Doch er zielte höher, er wollte sich auch ein größeres Wissen aneignen, und deshalb ließ er sich es angelegen sein, neben dem Dienst am Hof und im Regiment eifrig zu studieren. Aloysius tat also mehr, als er musste. Darum ist er auch etwas Tüchtiges geworden.

 

Es war ihm ferner nicht genug, als Erstgeborener nach dem Tod des Vaters Fürst zu werden, er wollte vielmehr ein Heiliger werden, und um sicherer zu sein, dass er das hohe Ziel erreiche, entschloss er sich, Jesuit zu werden. Doch da kam Aloysius bei seinem Vater schlecht an. Wohl hatte der Fürst noch vier andere Söhne, aber den Alois, der von allen der beste war, wollte der Vater nicht verlieren, und deshalb verweigerte er ihm die Erlaubnis, auf das Erbrecht zu verzichten und Ordensmann zu werden.

 

Es ist bedauerlich, dass manch hochgesinnter junge Mann, der im Herzen den Ruf zum Priesterstand vernahm, doch nicht Priester geworden ist, weil er allzu willfährig war, als man ihm von dieser Berufswahl leichtfertig abriet. Aloysius dagegen blieb dem Ruf der Gnade treu. Drei Jahre lang hat er zäh um den Beruf gekämpft. Nie hat er sich gegen den Vater aufgelehnt, nie auch die kindliche Ehrfurcht verletzt, aber an dem Ziel hielt er unbeirrt fest, und es war wohl einer der glücklichsten Tage im Leben des Heiligen, als er mit achtzehn Jahren auf die Fürstenkrone verzichten durfte. Sicher lohnt sich solch ein Verzicht, um heilig zu werden, denn himmelhoch steht ein Heiliger über allen Kaisern und Königen.

 

Von der ersten Stunde an, da er im Kloster war, hat Aloysius zu den Ganzen gehört. Mit Leib und Seele war er Ordensmann, der die klösterlichen Pflichten treu erfüllte, in Armut, Keuschheit und Gehorsam lebte, viel betete und für andere büßte und sühnte. Aloysius war stets das ganz und gar, was er sein sollte. Am herrlichsten aber war sein Tod.

 

Die Pest war ausgebrochen. Aloysius meldet sich aus freien Stücken für den Dienst an den Kranken. Als er dabei einen Pestkranken, den er verlassen auf der Straße fand, auf den Schultern ins Spital brachte und pflegte, wurde auch er von der Seuche ergriffen. Wohl entging er der ersten Gefahr, aber ein schleichendes Fieber blieb zurück und zehrte die Körperkräfte des jungen Mannes auf. Am 21. Juni 1591 starb Aloysius als Held im Dienst der Nächstenliebe.

 

Die Kirche hat recht daran getan, dass sie den heiligen Aloysius als Vorbild und als Patron der Jugend hingestellt hat, denn wer wie Aloysius zäh und entschieden, frisch und unverdrossen, mutig und kühn, unentwegt und unbeirrbar treu danach trachtet, ein tüchtiger Mensch und ein edler Christ, ein Heiliger zu werden, der ist ein echter Junge.

 

Der heilige Aloisius von Gonzaga, italienischer Scholastiker SJ,

+ 21.6.1591 – Fest: 21. Juni

 

Die Zeit am Beginn des 17. Jahrhunderts war eine äußerst ernste. Die Reformation hatte fast in alle Länder Europas die Brandfackel der Glaubenskämpfe geworfen. Die Kirche und ihre treuen Anhänger waren verachtet, verfolgt, geknechtet. Blut floss für den Glauben, Schottlands große Königin starb am Schafott. Das irregeführte Volk verrohte, denn mit der Glaubensfreiheit war auch Sittenfreiheit eingerissen. Im Adel und selbst an katholischen Höfen herrschte maßlose Prunk- und Vergnügungssucht, Ausgelassenheit und laute Freude. Fast schien es, als stürbe Tugend und katholischer Glaube, aber die Welt irrte sich: „Für das Christentum sind Zeiten des Kreuzes – Zeiten der Gnade, Tage der Drangsal – Tage der Heiligung.“ (Hahn-Hahn) Die Kirche war nicht verkommen und entartet, nur viele ihrer Glieder waren es. In der Reformation fielen die von ihr ab und nun erwachte frisches, tatkräftiges Leben in der Kirche. Der Jesuitenorden wurde gegründet und ein ganzer Himmel voll Heiligen erblühte in diesen Tagen.

 

So standen die Zeichen, als dem Markgrafen und Fürsten des heiligen römischen Reiches Ferdinand von Gonzaga auf seinem Stammschloss Castiglione an den Blumengestaden des Gardasees ein Sohn und Erbe geboren wurde. Stolze Freude schwellte die Brust des glücklichen Vaters, als er an der prächtigen Wiege seines Erbprinzen stand. Das ahnte er aber nicht, dass dieses Kind den Namen seines Geschlechtes dadurch unsterblich machen werde, indem es zum Fürstentitel das unendlich erhabenere Adelsdiplom der Heiligkeit erringen würde. So hatte also am 9. März 1568, dem Geburts- und Tauftag des Prinzen Aluigy, ein gar wundersames Gnadenleben auf dem stolzen Schloss zu blühen begonnen. Wie eine Lilie, so rein und unberührt, wuchs der Knabe heran und schon vom zartesten Kindesalter an verband er mit der Unschuld seines Lebens einen seltenen Gebetseifer und eine ganz ungewöhnliche Bußstrenge. Gott hatte eben dies Fürstenkind zum Opfer für die Sünden und die Lauheit jener Tage erwählt und dieses Kind, den leisesten Regungen der Gnade nachgebend, wurde zum Sühnopfer, zur büßenden Unschuld, zum – heiligen Aloisius.

 

Unmöglich ist es, in kurzen Zeilen das reichbewegte, inhaltsvolle Leben des Heiligen nur annähernd würdig zu beschreiben, hier sollen nur einzelne Daten erwähnt werden.

 

Bis zu seinem achten Jahr war Aluigy, von kleinen Unterbrechungen abgesehen, auf Castiglione, dann sandte ihn der Markgraf an den Hof der kunstliebenden, mächtigen Medizier, dass er dort höfische Sitte lerne und in den Freudenfesten von Florenz dem Zauber des Weltlebens sich ergeben müsse. Und Aluigy unterlag dem Zauber der herrlichen Arnostadt, seine Seele feierte Freudenfeste, er kam ja zum beseligenden Bewusstsein seiner ersten Liebe, seiner keuschen, todestreuen Madonnenliebe und diese Liebe besiegelte er vor einem Liebfrauenaltar durch das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit. Nach außen freilich schien Aluigy ernster und eingezogener denn je: seine Kleidung war schlicht, sein Auftreten bescheiden, und alle Ehren, die man ihm, dem Sohn des mächtigen Markgrafen, erweisen wollte, wies er freundlich, aber entschieden mit den Worten zurück: „Ein Diener Gottes sein, geht über alle Weltherrlichkeit.“ Als Aluigy nach Castiglione zurückgekehrt war, empfing er aus der Hand seines Onkels, des heiligen Bischofs Karl Borromeo, die erste heilige Kommunion. Von nun an kommunizierte Aluigy so oft er konnte, um sich die Kraft zur makellosen Bewahrung seines Gelübdes zu holen und um immer inniger mit dem göttlichen Heiland vereint zu werden. Bald darauf zog der Markgraf mit seinen Söhnen nach Madrid, da diese hier am Hof des Beherrschers zweier Welten, der katholischen Majestät König Philipp II., die höchsten Ehrenämter als erste Pagen des Infanten Do Diego erhalten sollten. Aber auch hier im Mittelpunkt höfischen Glanzes blieb Aluigy seinem Fasten, Beten und fleißigem Studium aller Wissenschaften treu, und wahrhaft Heldenmut gehörte dazu, inmitten des strengen Hofzeremoniells und beständiger Zerstreuungen dies Engel- und Büßerleben zu führen. Aluigy hatte schon in Florenz die Nichtigkeit aller Erdengröße und Weltherrlichkeit erkannt, damals schon reifte in ihm der Entschluss, auf sein Erbe zu verzichten und im Reich Gottes als Diener des Allerhöchsten einen Thron, eine Krone und unvergängliche Himmelsehren zu erlangen. Als am Himmelfahrtstag 1583 der edle Prinz vor dem Gnadenbild „Maria vom guten Rat“ um Erleuchtung in seiner Berufswahl betete, befahl die Gottesmutter dem Jüngling, er solle sich der Gesellschaft Jesu anschließen.

 

Nun begann ein zweijähriges Ringen um den gottgewollten Beruf, Vater, Mutter, Verwandte, Untertanen und Fürsten waren gegen Aluigys Entschluss. Es war ein Riesenkampf, aber ein voller Sieg krönte ihn, denn am 2. November 1585 unterzeichnete Aluigy im Palast der Gonzaga in Mantua die Urkunde, durch die er auf die Markgrafschaft und alle Allodien zu Gunsten seines Bruders Rudolf verzichtete. Nie hatte man Aluigy so heiter gesehen als in jener Stunde. Nachdem auch Rudolf unterzeichnet hatte, fragte Aluigy ihn laut: „Was meinst du, mein lieber Rudolf! Wer von uns beiden ist nun froher, ich oder du?“ – „Ganz gewiss ich!“ Da brachen alle anwesenden Verwandten in lautes Schluchzen aus. Schon mit dem geistlichen Kleid angetan, nahm Aluigy Abschied, kniend empfing er den Segen seiner weinenden Eltern und dann brach er unverzüglich nach Rom auf. In St. Andre, dem Noviziathaus, und später im römischen Kolleg fand Aluigy seine Seelenheimat, sein Paradies. Es besteht kein Zweifel, dass er schon ein großer Heiliger war, als er in den Orden eintrat, hier aber machte seine Vollkommenheit solche Fortschritte, dass die seelenkundigen Patres Jesuiten hierüber in Staunen und Bewunderung gerieten. Hatte Aluigy in der Welt seinen Fasten und Bußübungen keine Grenzen gesetzt, so musste er sich nun auch hierin dem Oberen in Gehorsam unterwerfen und den Eifer der Abtötung größtenteils auf seinen Willen beschränken. Wunderbar vollkommen wurde dadurch des Heiligen Gehorsam, Demut und Treue im Kleinen. Mit vorzüglichem Erfolg studierte Aluigy Philosophie und Theologie. 1587 legte er die ersten Gelübde ab, 1588 empfing er die niederen Weihen. Als er von Castiglione zurückkehrte, wohin ihn sein Oberer zur Schlichtung schwerer Familienzwiste gesandt hatte, und nun das vierte Jahr Theologie beginnen sollte, musste er nach Sitte der Gesellschaft Jesu ein Zimmer für sich allein bekommen. Er wählte sich eine enge Kammer, die kaum für Bett, Stuhl und Betschemel Platz bot und in der noch nie ein Studierender gewohnt hatte. Durch das kleine Dachfenster sah ein Stück Himmel in die Kammer. Hier war Aluigys Tabor, hier in äußerster Armut fühlte er sich selig. Die kahlen Mauern sahen seine Liebesverzückungen, seine glühenden Gebete, hörten seine Sehnsuchtsseufzer, die immer drängender, immer verzehrender nach Gott verlangten.

 

So kam der Winter 1591, in dem Rom von der Pest heimgesucht wurde. Aluigy weihte sich mit seinen Mitbrüdern der Pflege der Pestkranken in den Spitälern. Hier, im Dienst opfermütiger Nächstenliebe, empfing er den Todeskeim. Wochenlang siechte er dahin, aber weniger die Macht des Fiebers als seine verzehrende Sehnsucht nach dem Himmel schien ihn zu entkräften. Als Aluigy die Kunde seines nahen Todes erfuhr, stimmte er in seiner übergroßen Herzensfreude das Te Deum an. Auf die Frage eines Paters, wie es gehe, antwortete Aluigy mit strahlenden Blicken: „Fort, fort geht es!“ „Ja, wohin denn?“ „In den Himmel, wenn meine Sünden es nicht hindern!“ In beständigen Liebesanmutungen und geistlichen Gesprächen schwanden Aluigys letzte Stunden, gegen ½ 12 Uhr nachts des 20. Juni 1591 verschied der große Heilige Aloisius mit den heiligsten Namen Jesus und Maria auf seinen Lippen. Sein Leichnam wurde in der Kirche des römischen Kollegs ausgestellt und der Zudrang von Ordensleuten, Schülern und Volk, Kirchenfürsten und gekrönten Häuptern war unbeschreiblich. Mit Windeseile war die Kunde von Aluigys heiligem Tod durch Rom, durch Italien, Spanien und alle katholischen Länder gedrungen, war ja der edle Prinz schon zu seinen Lebzeiten der Liebling aller Katholiken, der Stolz und der Triumph der Kirche und des Jesuitenordens. Große Wunder beschleunigten Aluigys Seligsprechung, die Papst Paul V. 1605 vollzog. Als man später zur Heiligsprechung schreiten wollte – sie geschah am 31. Dezember 1726 – sagte Papst Klemens X.: „Als Seliger ist Aloisius in der Kirche in aller Welt bereits bekannter als so manche Heilige nach ihrer Kanonisation. Folgerichtig braucht der Heilige Stuhl ihn nicht heilig zu sprechen, sondern vielmehr nur zu erklären, dass er bereits von der Kirche heilig gesprochen ist.“ Die Verehrung Aloisius` hat seither nicht ab, sondern eher zugenommen. Sein herrlicher Grabaltar in Rom ist Jahr für Jahr der Schauplatz glänzender Feste und Aloisius, dem „Patron der christlichen Jugend und der Studierenden der ganzen katholischen Welt“, sind in Millionen jugendlicher Herzen Altäre der Liebe und Verehrung erbaut.

 

Aloisius war Jesuit und ist nicht nur ein Trost und eine Freude der Gesellschaft Jesu, sondern auch eine mächtige Hilfe dadurch, dass er Patron der christlichen Jugend wurde. Wie der Orden vom Berge Karmel, die Familie des heiligen Franziskus und des heiligen Dominikus die halbe Welt sich einverleibt haben durch das Skapulier, den dritten Orden und den heiligen Rosenkranz, so die Gesellschaft Jesu durch die marianischen Kongregationen und darüber hinaus durch Aloisius` Schutzamt für die Jugend. Überall, wo Aloisius angerufen und verehrt wird, ist sie bekannt oder unbekannt tätig, weil er ihr gehört, weil in ihm ihre Grundsätze zum Ausdruck und zur Wirklichkeit kommen. Aloisius` Leben war Tugend, nichts als Tugend: die reinste Unschuld, härteste Buße, entschiedenste Weltverachtung, gründlichste, heldenhafteste Liebe zu Gott und dem Nächsten. Durch diese Tugenden nun wurde Aloisius zum Verteidiger der verleumdeten Kirche seiner Tage, denn wie konnte die Kirche verdorben sein, da sie solche Blüten wie Aloisius trieb. Aloisius wurde aber noch mehr Verteidiger des Jesuitenordens, der mehr verfolgt und geschmäht wird als jeder andere Orden. Aloisius hat die Gesellschaft Jesu heiß geliebt, und was er so hoch schätzte, was ihn zu solch vollendeter Heiligkeit gebracht hat, kann nicht schlecht sein. O nein, nicht weil sie schlecht, sondern weil sie so gut war, hat Welt und Hölle sie gehasst, gemäß dem Wahrspruch: „Was Gott liebt, muss Satan hassen“. Dass wir diese Wahrheit mit all ihren Konsequenzen erfassen und auch auf unsere Tage anwenden lernen, möge uns St. Aloisius erflehen. Es würde dies der Sache Gottes und dem erhabenen und darum angefeindeten Programm unseres Heiligen Vaters, alles in Christus zu erneuern, zu herrlichen Früchten und Erfolgen verhelfen.

 

Der heilige Alban, Priester und Martyrer zu Mainz,

+ 21.6. um 400 – Fest: 21. Juni

 

Einer uralten Mainzer Überlieferung zufolge soll Crescenz, ein Schüler des Apostels Paulus, in der Gegend von Mainz gepredigt haben und der erste Bischof dieser Christengemeinde geworden sein. Sicher ist, dass der heilige Paulus kurz vor seinem Martertod seinen Jünger Crescenz nach Gallien sandte, wo er die Kirche von Vienne gründete, dann zum Rhein gelangte und die Kirche von Mainz gründete. Ein vorzügliches Verdienst an der Christianisierung von Mainz gebührt der 22. Römischen Legion, die an der Zerstörung Jerusalems teilnahm, von da an viele Christen unter sich zählte, um das Jahr 70 an den Rhein verlegt wurde und die christliche Lehre verbreitete.

 

Gegen Ende des dritten und am Anfang des vierten Jahrhunderts blühte das Christentum schon an beiden Ufern des Rheins. Der alemannische Häuptling Rando hatte schon lange gegen Mainz Böses im Sinn. Zur Ausführung seines Vorhabens suchte er sich einen Festtag der Christen aus im Jahr 367. Während der größte Teil der Bevölkerung zum Gottesdienst in der Kirche versammelt war, brach er unversehens in die Stadt und führte viele Gefangene und große Beute hinweg. Ähnlich wurden bald nach dem Jahr 400 wieder mehrere tausend Einwohner von Mainz in einer Kirche erschlagen. Der Bischof Aureus nebst seiner Schwester Justina wurde von den Hunnen in Mainz gemartert.

 

Um diese Zeit (zwischen 380 und 400) starben zu Mainz des Martertodes die heiligen Alban und Theonest. Von ihnen berichtet ein altes Passionale folgendes:

 

„Die heiligen Theonestus und Albanus waren Christen und hatten Gott lieb. Sie dienten ihm mit Fleiß Tag und Nacht. Albanus wurde Priester, Theonestus nach einiger Zeit Bischof. Damals hatten die Christen von den Arianern viel zu leiden. Da gebot Honorius, dass beide Teile in der Stadt Karthagena zusammen kommen sollten, den Streit zu schlichten. Es erschienen 600 Bischöfe, unter ihnen Theonestus. Da bewährten die Christen ihren Glauben und machten die Ketzer schweigen. Dafür aber trugen dieselben dem Theonestus großen Hass nach, jagten ihn von seinem Stuhl und trachteten ihm nach dem Leben. Darum ging derselbe mit seinem Kaplan Albanus und Ursus zum Papst nach Rom. Der heilige Vater nahm ihn mit Freuden auf und sandte ihn nach Toscana, Ligurien und Mailand, um den christlichen Glauben zu predigen. Überall bekehrten sie viel Volk. Hernach kam Theonestus nach Augsburg, wo er seinen Kaplan Ursus zurückließ. Denselben töteten die Ketzer. Theonestus zog nach Donauwörth und weiter nach Mainz, wo die Irrgläubigen gerade in jenen Tagen den Bischof Aureus vertrieben hatten. Theonestus und sein Kaplan Albanus fürchteten sich jedoch nicht und predigten das Wort Gottes. Der Bischof Aureus kehrte in sein Bistum zurück, ward aber ergriffen und getötet. Jetzt predigten die fremden Missionare umso eifriger, bis eines Tages die Irrlehrer aufstanden, den Albanus während des Gebetes ergriffen und enthaupteten. Nun fuhr seine Seele zu den ewigen Freuden, sein Haupt aber nahm er in die Hand und trug es bis zum Ort, wo er begraben sein wollte. Dort legte er es nieder und wurde von seinem Bischof Theonestus mit großen Ehren bestattet im Dom zu Mainz. Dieses brachte allen viel Gnade bei Gott. Auch Theonestus wurde getötet. – Nun helf uns Gott, dass wir auch zu ihm kommen! Amen.“

 

Über dem Grab des heiligen Albanus wurde zu Mainz die Albanskirche erbaut, und mehrere Kirchen wählten den heiligen Märtyrer zu ihrem Patron.

 

22. Juni

 

Der heilige Paulinus, Bischof und Bekenner von Nola,

+ 22.6.431 - Fest: 22. Juni

 

Es war da einmal eine Frühlingswiese, eine ganz gewöhnliche Wiese, und wenn gewöhnliche Menschen über sie hinschritten, so sahen sie nichts als Wiese. Eines Tages aber kam mit leichtem Schritt ein Dichter daher und entdeckte mit seinen klaren Dichteraugen auf der gewöhnlichen Wiese Wunder an Wunder, tausend und noch viel mehr. Ihm waren jeder Grashalm und jede Frühlingsblume wie eine herrliche Offenbarung der Allmacht und Weisheit und Güte Gottes. Am längsten jedoch hing des Dichters Blick an den blauen Glockenblumen, und mit den hellhörigen Dichterohren vernahm er im leichten Wind das Läuten der Blüten und hörte deutlich heraus, dass es ein Lobpreis Gottes war, der von ihnen ausging und die Luft erfüllte.

 

Erst am späten Abend kehrte der Dichter mit seligem Glück im Herzen heim und sann unterwegs darüber nach, ob es wohl möglich sei, ein Gerät herzustellen, das die schwerhörigen Menschen in ähnlicher Weise zum Gotteslob auffordern könne, wie ihn dazu die Blüten auf der Frühlingswiese bewogen hatten. Lange grübelte er nach, und schließlich sah er vor seinem geistigen Auge die erste Glocke, die ganz nach dem Vorbild der Glockenblume gestaltet war. Das war die Geburtsstunde aller späteren Glocken, die durch ihre herrlichen Klänge die Herzen der Menschen mit Freude und Glück erfüllen. Jener Dichter aber, der die Glocke ersann, war nach der Legende der heilige Paulinus, der gleiche, dessen Fest heute gefeiert wird.

 

Des heiligen Paulinus Weg zur Heiligkeit ist von eigener Art. Um das Jahr 353 wurde er im heutigen Südfrankreich als Sohn eines römischen Statthalters in Reichtum und Glanz geboren. Die Eltern waren Christen, aber von einem christlichen Leben kann bei ihnen keine Rede sein. Der Umstand, dass sie den Sohn nicht einmal taufen ließen, sagt genug. Auf die religiöse Erziehung des Kindes legten sie nicht das geringste Gewicht. Umso mehr aber trachteten sie danach, dem Sprössling die Wege zu hohen Ämtern zu ebnen. In diesem Bestreben konnten sie dann auch einen vollen Erfolg verzeichnen, denn Paulinus lernte leicht und gut, war der Liebling der Lehrer mit fünfundzwanzig Jahren kaiserlicher Statthalter in Italien. Er, der von Haus aus schon Millionär war, heiratete sich mit einem steinreichen Mädchen noch einige Millionen hinzu, und übers Jahr machte ein Junge, den ihm die Gattin schenkte, das irdische Glück voll.

 

Bald jedoch sollte auch Paulinus die Erfahrung machen, dass das irdische Glück keinen festen Bestand hat. Der Tod riss ihm den dreijährigen Sohn aus den Armen, und diese Stunde tiefster Niedergeschlagenheit benutzte die Gnade, sich dem Weltmenschen Paulinus zu nähern, um aus ihm mit der Zeit einen Heiligen zu bilden. Endlich empfing der Heide die Taufe und versenkte sich ganz in Gott. Nach schwerem innerem Kampf trennte er sich von den Millionen, die er den Armen schenkte, um Gott besser dienen zu können, und verließ in gegenseitigem Einvernehmen auch die Gattin. Zu Nola in Italien erbaute er sich eine Einsiedelei. Einige gleichgesinnte Freunde scharten sich um ihn, und in Gebet und heiligem Leben verstrichen auf diese Weise fünfzehn Jahre. Nie zuvor war Paulinus bei allem Reichtum glücklicher gewesen, als er es in dieser Zeit war. Auch der Dichter, der lange in ihm geschlummert hatte, wurde geweckt, und es floss ihm das Gotteslob in heiligen und herrlichen Liedern begeistert vom Mund. Damals ist er auch über die Frühlingswiese gegangen und hat die Glocken erfunden, wofür ihm die Menschen noch heute dankbar sein müssen.

 

Die letzten zwanzig Lebensjahre amtete Paulinus als Bischof von Nola und starb im Alter von fast achtzig Jahren am 22. Juni 431, um nach den Worten des Gebetes der Kirche für das, was er auf Erden um Gottes willen verlassen hatte, das Hundertfache und das ewige Leben zu erhalten.

 

Der heilige Eberhard, Erzbischof und Bekenner von Salzburg,

+ 22.6.1164 – Fest: 22. Juni

 

Fromme Eltern erfreuen sich gewöhnlich guter Kinder. Aus edler Saat ersprießt selten eine schlechte Frucht. Der Graf von Hilpoltstein und seine hochherzige Gattin waren musterhafte Christen, und besondere Verehrer der allerseligsten Jungfrau. Zu ihrer Ehre bauten sie in der Nähe ihres Schlosses eine Kirche, zu der die Gräfin barfuß stundenweit auf ihren Schultern die Steine herbeitrug.

 

Gott erfreute die gottesfürchtigen Eltern im Jahr 1085 mit einem Sohn, den sie in der heiligen Taufe Eberhard nannten. In frommen Tugendübungen wuchs das Kind zum jungen Mann heran und entwickelte seine herrlichen Geistes- und Herzensgaben unter der sorgfältigen Leitung der Benediktiner zu Bamberg. Kaum war er in den Priesterstand eingetreten, so nahm man ihn trotz seines demütigen Sträubens als Chorherrn im Domstift auf. Bald vertauschte er diese Würde mit dem Ordenshabit, aber das Domkapitel begehrte dringend den ausgezeichneten Priester zurück, und der Abt, sowie Eberhard, fügten sich dem ungestümen Drängen.

 

Zu seiner weiteren Ausbildung besuchte Eberhard die berühmte Hochschule zu Paris und machte glänzende Fortschritte in der Wissenschaft des Heils. Bei seiner Rückkehr bat er kniefällig den heiligen Bischof Otto von Bamberg, ihm den Eintritt in den Benediktinerorden gestatten zu wollen. Mit bischöflicher Genehmigung trat er in das neugestiftete Benediktinerkloster Prüfening bei Regensburg ein und übte unter der Leitung des vorzüglichen Abtes Erbo die Tugenden der Demut, der Abtötung und aller klösterlichen Zucht.

 

In dieser Zeit hatten seine drei Geschwister auf ihrem Besitztum Biburg bei Ingolstadt ein Kloster gegründet und begehrten ihren Bruder zum Abt. Eberhard sträubte sich jahrelang gegen diese Würde, bis ihm Papst Innocenz II. unter dem Gehorsam, sie anzunehmen, befahl. Als Eberhard mit dem Bischof von Bamberg auf seiner Romreise über die schneebedeckten Alpen ritt, traf er eine arme Bettlerfrau an, die vor Müdigkeit nicht mehr gehen konnte. Sogleich stieg er von seinem Pferd, setzte sie auf den Sattel und ging selber nebenher durch den Schnee.

 

Als Abt des Benediktinerklosters Biburg entfaltete Eberhard seine ganze geistige Kraft und seine schönen Eigenschaften des Herzens und verbreitete ringsumher so viel Tugendeifer, dass man seinen Namen überall mit Ehren nannte. Nach dem Tod des Erzbischofs Konrad von Salzburg wurde Eberhard einstimmig zu dessen Nachfolger erwählt, und obgleich sich seine Demut widersetzte, musste er dem allgemeinen Wunsch der Geistlichkeit und des Volkes nachgeben und empfing die Bischofsweihe am 13. Mai 1147.

 

In seiner hohen Stellung führte Eberhard das einfache und abgetötete Leben eines Mönches fort, benutzte aber die reichen Einkünfte, um Arme und Kranke zu unterstützen und überall Wohltaten zu spenden. Seine warme Nächstenliebe und sein Eifer für die Ehre Gottes wünschte nichts als alle Menschen wahrhaft glücklich zu machen, aber sein redliches Bemühen stieß auf manche Hindernisse. Kaiser Friedrich Barbarossa maßte sich Eingriffe in geistliche Angelegenheiten an, verfolgte den Papst Alexander III., setzte eigenmächtig einen Gegenpapst unter dem Namen Viktor IV. ein und wollte auch den einflussreichen Erzbischof Eberhard von Salzburg zwingen, den falschen Papst Viktor anzuerkennen. Treu gegenüber Gott und seinen rechtmäßigen Stellvertreter, duldete er die Unbilden und Verfolgungen und erklärte fest und starkmütig: „Ich will lieber den Kaiser, als Gott zum Feind haben.“ Seine Klugheit, Gewandtheit und Treue befähigten ihn vor allen zum Vermittler zwischen Kaiser und Papst. Zum Lohn für sein Friedenswerk erhielt er die Würde eines römischen Legaten von Deutschland.

 

Unbekümmert um den Lohn oder Tadel der Welt, wirkte Eberhard unablässig für das Heil der Seelen und für die Verherrlichung der Braut Christi, seiner heiligen Kirche. Seine Glaubensfreudigkeit, seine Gottesliebe und beharrliche Geduld nährte er besonders durch kindliche Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria. Dieses schöne Erbteil seiner frommen Mutter bewahrte er als das kostbarste Kleinod. Irdische Güter und Freuden galten ihm nichts, aber die Freude des innigen Verkehrs mit der Mutter aller Gnaden versüßte ihm alle Bitterkeiten und erleichterte ihm alle Mühsale seines hohen Amtes. Niemand schlug er etwas ab, der ihn im Namen Mariens bat.

 

Schon oft hatte Eberhard sich als glücklicher Friedensvermittler erprobt. Da vernahm er von einem Zwiespalt zwischen dem Markgrafen Ottokar V. und dem Schlosshauptmann von Leibnitz. Trotz seiner Körperschwäche und seines Alters von achtzig Jahren machte er sich sogleich auf den Weg nach Steiermark, und es gelang ihm vollständig, eine aufrichtige Versöhnung der Entzweiten zustande zu bringen. Auf der Rückreise erkrankte er und starb im Kloster Rain am 22. Juni 1164. Kurz vor seinem Tod sah eine fromme Nonne in einer Verzückung einen kostbaren Thron im Himmel, neben dem der heilige Petrus und der heilige Rupert standen, und hörte eine Stimme: „Dieses ist der Thron Eberhards, der für seine baldige Ankunft bereitet ist.“ Die Erde trauerte über den Tod des geliebten Oberhirten, der Himmel freute sich.

 

23. Juni

 

Die heilige Edeltrudis, Königin und Äbtissin von Ely, England,

+ 23.6.679 – Fest: 23. Juni

 

Edeltrudis war eine Tochter des frommen Anna, des Königs der Ostangeln, und der heiligen Hereswyda. Die heilige Sexburgis, die heilige Withburgis und die heilige Edelburgis, die als Klosterfrau sich in Frankreich befand, waren ihre Schwestern. Zu Erminga, in der Grafschaft Suffolk, war sie geboren und sorgfältig in der Furcht Gottes erzogen worden.

 

Auf Zureden ihrer Eltern heiratete sie Tombrecht, den Fürsten der mittägigen Girvier, aber beide lebten in der Enthaltsamkeit. Drei Jahre danach verließ sie ihren Gemahl und zog sich auf die Insel Ely zurück, die ihr zum Leibgedinge gegeben war. Da führte sie fünf Jahre lang ein wahrhaft englisches Leben. Allen Zauber der Welt verachtend, suchte sie ihre einzige Ehre in der Übung der freiwilligen Armut und der Demütigungen. Ihre größte Wonne war, Tag und Nacht das Lob des Herrn zu besingen.

 

Aber Edeltrudis versuchte umsonst der Welt unbekannt zu leben, denn der Glanz ihrer Tugenden konnte nicht durch den Schleier bedeckt werden, womit ihre Demut ihn zu verbergen strebte. Egfried, der König von Northumberland, gab sich alle Mühe und ließ nicht nach, bis er endlich die Heilige bewog, sich nach Tombrechts Tod mit ihm zu verehelichen. Sie lebten 12 Jahre, aber allzeit in der Enthaltsamkeit beisammen, und Edeltrudis widmete ihre ganze Zeit den Religionsübungen und den Werken der Nächstenliebe. Schließlich jedoch verließ sie den Hof auf den Rat des heiligen Wilfried hin, der ihr den Schleier gab. Durch ihre Tugenden erbaute sie das ganze Kloster Coldingham, dem die heilige Ebba vorstand.

 

Im Jahr 672 kehrte sie wieder auf die Insel Ely zurück, stiftete da ein zweifaches Kloster und nahm die Leitung der Personen ihres Geschlechts auf sich. Die Schwestern fanden allzeit an ihr eine liebevolle Mutter, von der sie durch die schönsten Beispiele in allem unterrichtet wurden. Jeden Tag genoss sie nur eine Mahlzeit, die hohen Festtage ausgenommen. Nie trug sie Leinwand auf ihrem Körper, ging auch nach der Mitternachtsmette nicht mehr zu Bett, sondern blieb betend in der Kirche bis zu der Zeit, wo die Gemeinde aufstand. Schmerzen und Demütigungen waren für sie Gegenstände der Wonne. Besonders aber bewährte sich ihre Geduld und Ergebung in ihrer letzten Krankheit, durch die sie am 23. Juni 679 in das ewige Vaterland versetzt wurde. Ärmlich, wie sie es verlangt hatte, wurde sie begraben. Als man ihren Leib unter der heiligen Sexburgis, ihrer Schwester, die ihr in der Leitung des Klosters nachfolgte, erhob, fand man ihn ohne irgend ein Zeichen der Verwesung und setzte ihn, in einem steinernen Sarg verschlossen, in die Kirche. Beda erzählt, dass durch Berührung ihrer Reliquien und der leinenen Tücher, die man aus ihrem Grab genommen hatte, mehrere Wunder gewirkt worden seien. So führt er auch in seiner Kirchengeschichte einen alten Hymnus an, wo genau das erzählt wird.

 

Es darf uns nicht befremden, dass die heilige Edeltrudis eine so große Hochachtung für die Jungfrauschaft bewiesen hat. Sie wusste, dass es nichts Kostbareres gibt als diese Tugend, und dass jener, der sich der Bräutigam der Jungfrau nennt, sie mit dem Geist des Gebetes, der Demut und der Liebe belohnt. Die Jungfrauen sind die Erstlinge Gottes und des Lammes, sie sind der geliebte Teil vom Erbe unseres Herrn. Sie singen vor dem Thron ein neues Lied, das kein anderer singen kann. Sie haben das Vorrecht dem Lamm allenthalben zu folgen, wo es hingeht. Hierüber ruft der heilige Augustinus aus:

 

Wo geht es doch hin, jenes Lamm, dass niemand als ihr ihm zu folgen wagt, oder folgen kann? Welches sind die Gebüsche, welches die Wiesen? Es ist der Ort, wo man unendlich erhabenere Wonne kostet, als die eitlen, unschmackhaften, trügerischen Freuden dieser Zeit. Es sind selbst nicht einmal jene Wonnegenüsse, welche im Reich Gottes denen zuteilwerden, die nicht Jungfrauen sind, es sind ganz andere Wonnegenüsse. Die Freude der Jungfrauen wird sein, sich Jesus, durch Jesus und in Jesus zu erfreuen. Sie wird von einer ganz besonderen Art sein, und wird nicht mit jenen anderen Heiligen, die nicht Jungfrauen sind, gemein haben. Tragt nun Sorge, fährt Augustinus fort, eure Jungfrauschaft zu bewahren, denn sie ist ein Schatz, der, einmal verloren, nicht mehr zu finden ist. Die anderen Heiligen, die nicht wie ihr das Lamm begleiten können, werden euch sehen in seinem Gefolge, ohne jedoch irgend eine Eifersucht zu fühlen, sondern sie werden sich mit euch über euer Glück freuen und werden dadurch in euch besitzen, was sie selbst nicht haben konnten. Sie werden zwar euer Lied nicht zu singen vermögen, sie werden es nur hören und in dem köstlichen Vorzug, den ihr genießt, ihre eigene Freude fühlen. Ihr aber, die ihr jenes Lied singen und zugleich hören werdet, ihr werdet mit einer höheren Freudenfülle übergossen werden und euer Reich wird ein weit glücklicheres Reich sein.

 

24. Juni

 

Der heilige Johannes der Täufer, Wegbereiter des Messias,

+ 32 ? - Fest: 24. Juni und 29. August

 

Wenn man von dem Geburtstagsfest des heiligen Johannes des Täufers, dem 24. Juni, sechs Monate zurück rechnet, so kommt man bei dem Heiligabend des letzten Jahres heraus, und wenn man vom 24. Juni sechs Monate vorwärts rechnet, so kommt man bei dem nächsten Heiligabend an. Der Johannestag liegt also genau in der Mitte zwischen zwei Weihnachtsfesten. Das hat sicher etwas zu bedeuten.

 

Draußen in der Natur gibt es im Sommer manchmal Tage, an denen die Sonne so hell scheint, dass man in weiter Ferne einen Berg sehen kann, den man sonst nicht sieht. Solch ein Tag mit klarer Fernsicht ist im Kirchenjahr der Johannestag, von dem aus man, nachdem eben erst die heiligen Jahreszeiten Weihnachten, Ostern und Pfingsten vorüber sind, in der Ferne schon wieder das kommende neue Kirchenjahr sieht, dessen Advent Johannes, der Vorläufer des Herrn, an seinem Geburtstagsfest bereits ankündigt. Wir stehen am 24. Juni mitten im Kirchenjahr, und fern taucht schon wieder ein neues auf. Ein Kirchenjahr löst das andere ab, und ewig währt Gottes Huld.

 

Von Johannes hat Jesus gesagt, dass er der Größte sei. Groß war er vom ersten Augenblick an, denn wie die Geburt Jesu Christi, so wurde auch seine Geburt von einem Engel vorherverkündet, und wie der Name des Herrn Jesus Christus vom Himmel stammt, so auch sein Name. Bereits im Mutterschoß wurde Johannes geheiligt, als Maria in Eile über das Gebirge ging, um ihre Cousine Elisabeth zu besuchen, und als er geboren wurde, blühten Wunder an seiner Wiege, denn so erzählt die biblische Geschichte:

 

Als die Zeit erfüllt war, bekam Elisabeth den verheißenen Sohn. Die Nachbarn und Verwandten freuten sich mit ihr. Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Jungen. Sie wollten ihn nach dem Namen seines Vaters Zacharias nennen. Elisabeth aber sprach: Nein, Johannes soll er heißen!“ Sie entgegneten: „Es ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen trägt.“ Da winkten sie dem Vater, welchen Namen er ihm geben wolle. Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb darauf die Worte: „Johannes ist sein Name!“ Im selben Augenblick wurde seine Zunge gelöst; er konnte reden und lobte Gott. Da kam Furcht über alle Nachbarn, und durch das ganze Gebirge von Judäa lief die Kunde von dem, was geschehen war. Alle, die sie hörten, bedachten sie im Herzen und fragten sich: „Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.“

 

So wurde Johannes geboren, sechs Monate vor der Geburt des Herrn Jesus Christus, und so war er schon bei der Geburt das, was seine Berufung und Größe ausmacht, der Vorläufer des Herrn.

 

„Der Junge wuchs heran und wurde stark im Geist. Er begab sich in die Wüste und blieb dort bis zu dem Tag, da er vor Israel auftrat.“

 

Da wurde es vorläufig still um den Vorläufer, dreißig Jahre lang, wie es auch um Jesus still wurde in den dreißig Jahren des verborgenen Lebens. Kurze Zeit, bevor Jesus öffentlich auftrat, zeigte sich auch wieder der Vorläufer. Barfuß ging er, der von Heuschrecken und wildem Honig lebte, in einem Kleid von hartem Kamelfell einher als der Vorläufer dessen, der einst arm und bloß am Kreuz sterben sollte, und predigte dem Volk die Bußtaufe zur Vergebung der Sünden als der Vorläufer dessen, der sein Blut zur Vergebung der Sünden vergießen wird. Dann kam für den Vorläufer die große Stunde:

 

„Zu derselben Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen“, und als er getauft war, verkündete der Vorläufer:

 

„Ich bin die Stimme des Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn ... Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt ... Dieser ist der Sohn Gottes.“

 

So war in Erfüllung gegangen, was der Engel von Johannes vorhergesagt hatte: „Er wird vor ihm hergehen ..., um dem Herrn ein heiliges Volk zu bereiten.“

 

Johannes war stets und überall der Vorläufer Jesu, und bis zuletzt ist er es geblieben, denn bevor Christus sein Leben in den Tod dahingab, hatte Johannes bereits seinen Kopf auf den Richtblock gelegt.

 

Der König Herodes hatte einen Bruder, der Philippus hieß. Diesem nahm er die Ehefrau mit Namen Herodias weg und lebte mit ihr zusammen. Die beiden, Herodes und Herodias, glichen sich allerdings fast ganz genau. Liederliche Menschen waren es. Das ganze Land entsetzte sich über das Ärgernis, das vom Königshaus ausging, aber niemand brachte den Mut auf, dem König die Schande ins Gesicht zu sagen, niemand bis auf einen, und dieser eine war Johannes der Täufer, der vor Herodes hintrat, und zu ihm als Mann zu Mann sprach: „Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben.“ So sagte Johannes, aber der König, der sonst dem Heiligen nicht übel gesinnt war und zuweilen sogar auf seinen Rat hörte, war nicht Manns genug, um den mannhaften Vorwurf des Bußpredigers zu verschmerzen, zumal da die gottlose Frau hinter ihm stand und ihn immer wieder verhetzte, dass er den lästigen Mahner beseitige. Dazu konnte sich Herodes allerdings nicht entschließen, denn er fürchtete das Volk, das den großen Propheten hochschätzte. Schließlich aber gab der königliche Pantoffelheld dem Drängen der gehässigen Frau insofern nach, dass er den Täufer verhaften und einsperren ließ.

 

Da kam, wie das Evangelium berichtet, ein gelegener Tag. Herodes feierte Geburtstag. Die Großen des Landes fanden sich zum Fest im königlichen Schloss ein. Es ging hoch her. Man schmauste, man tanzte und der Wein floss in Strömen, und immer roher und ausgelassener wurde die Stimmung. Gegen Ende des Festes trat dann noch Salome, die nichtsnutzige Tochter der gottlosen Herodias, in den Saal und führte einen verführerischen Tanz auf, der ihr rauschenden Beifall einbrachte, und der König, trunken vom Wein und seiner nicht mehr mächtig, rief der frechen Tänzerin zu, sie könne sich ausbitten, was sie wolle, er werde es ihr geben, und wenn es selbst das halbe Reich wäre, dafür bürge er mit seinem Eid.

 

Weil Salome im ersten Augenblick nicht wusste, was sie begehren sollte, beriet sie sich mit der Mutter, die sie ohne Bedenken aufforderte, den Kopf des Johannes zu verlangen. Sogleich ging Salome zum König und sagte: „Ich will, dass du mir das Haupt des Täufers auf einer Schüssel gibst.“ Da entsetzte sich Herodes, aber wegen des Schwures und aus feiger Menschenfurcht vor den Gästen tat er nicht anders, ließ Johannes enthaupten und den Kopf des Vorläufers der Salome auf einer Schüssel überreichen. Diese brachte die grausige Schüssel der Mutter, deren Hass mit dem Tod des heiligen Johannes endlich gestillt war. Für den Gemordeten allerdings war der Tod ein herrliches Sterben im Dienst der Wahrheit.

 

Natürlich ließ Gott die Bluttat nicht ungestraft. Herodes wurde später bekriegt, besiegt, aus dem Land verjagt und endete als Bettler zu Lyon in Frankreich, wohin ihn der römische Kaiser verbannt hatte. Salome aber brach, wie alte Schriftsteller berichten, eines Tages so unglücklich in einen zugefrorenen Fluss ein, dass ihr die Eisstücke den Kopf vom Körper trennten. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher.

 

25. Juni

 

Die heilige Febronia,

Jungfrau und Martyrin von Sibapolis, Mesopotamien,

+ 25.6.304 - Fest: 25. Juni

 

Unter der Regierung des Kaisers Diocletian lebte in Sibapel, einer Stadt Syriens, eine christliche junge Frau, namens Febronia. Sie wohnte mit mehreren anderen Mädchen ihres Alters in dem Haus ihrer Base, der gottesfürchtigen Frau Brienna, durch die sie zur Tugend und Frömmigkeit angeleitet wurde. So lernte sie frühzeitig die Güter der Welt verachten und ihr Herz Gott zuzuwenden. Von der Natur mit besonderer Schönheit ausgestattet, versuchte sie diese durch strenges Fasten und anhaltende Bußübungen zu verändern, um nicht den Augen der Menschen ein Gegenstand des Gelüstes zu sein und sich selbst oder anderen Gelegenheit zur Sünde zu geben. Aber je mehr sie ihren Leib züchtigte, desto mehr nahm ihre Schönheit zu. Um nun einen festen Schild gegen die Verführungen der Welt zu haben, legte sie in ihrem glühenden Verlangen, allein dem Heiland anzugehören, das Gelübde der Jungfräulichkeit ab und wurde so die Braut Christi.

 

Febronia hatte das neunzehnte Jahr erreicht, als Lystimachus und Selanus, des Kaisers Bevollmächtigte, nach Syrien kamen, um die grausamen Befehle, die ihr Gebieter gegen die Christen erlassen hatte, in Vollzug zu bringen. Erschrocken suchten viele der Gläubigen ihr Leben durch die Flucht zu retten. Brienna gab ihren Pflegbefohlenen die Freiheit zu gehen wohin sie wollten, setzte aber hinzu, dass sie für ihre Person im Haus bleiben und erwarten werde, was Gott über sie verhänge. Wie hätte Febronia die gute Base verlassen können? „Ich werde nicht fliehen“, sagte sie entschlossen, „ich werde hier bleiben unter dem Schutz meines himmlischen Bräutigams und seiner jungfräulichen Mutter. Mit Jesu Gnade vermag ich alles. Dem ich mein Herz geschenkt, dem will ich auch mein Leben schenken. Bin ich auch schwach an Kräften, so habe ich ja einen Gott, der mich stärken kann.“ Diese Worte ermutigten auch die übrigen jungen Frauen, auszuharren und die Verfolgungen um Christi willen der feigen Flucht vorzuziehen.

 

Es dauerte nicht lange, so kamen die Häscher in das Haus, um die Bewohnerinnen gefangen zu nehmen. Aber überrascht von Febronias ungewöhnlicher Schönheit und der heiligen Würde, die aus ihrer Miene und ihrem ganzen Äußeren hervorleuchtete, ließen sie von ihrem Vorhaben ab und gingen hin, ihren Obern erst Bericht zu erstatten von dem, was sie gesehen. Selanus gab Befehl, ihm die Jungfrau vorzuführen, die seinen Dienern solche Ehrfurcht eingeflößt hatte. Als die Häscher wieder kamen, um sich Febronias zu bemächtigen, wollten Brienna und die übrigen ihr in den Gerichtssaal folgen, aber die Soldaten ließen es nicht zu. Da umarmte Brienna ihre Pflegetochter, gab ihr den Friedenskuss und sprach: „Gib mir in meinem Leben noch den Trost, dass ich eine Martyrin zur Tochter habe. Harre aus und zeige dich des Erlösers würdig.“ Und Febronia antwortete: „Sei ohne Sorge, Mutter! Nichts in der Welt wird mich von Jesus Christus scheiden.“ Daraufhin ging sie getrost mit den Häschern fort und lobte und pries Gott auf dem Weg.

 

Selanus konnte sich beim Anblick der Jugend und Schönheit Febronias der Rührung nicht erwehren und redete ihr eifrig zu, dass sie sich den Verordnungen des Kaisers fügen und den Göttern opfern möge. „Die ersten Männer des Reiches“, setzte er schmeichelnd bei, „werden sich um die Hand einer so schönen und wohlerzogenen Jungfrau streiten, und du hast die Wahl, ob du einen Feldherrn oder einen Großen aus dem Rat des Kaisers zum Gatten nehmen willst.“ Zugleich gebot er den Häschern, der jungen Frau die Fesseln abzunehmen. Sie aber hielt die Ketten fest und sprach: „Ich bitte dich, beraube mich nicht des schönsten Schmuckes, den ich jemals an meinem Leib getragen habe. Was deine vornehmen Werber betrifft, so erfahre, dass ich die Braut des Königs der Himmel bin und darum alle Großen der Erde gering achte. Ich bin eine Christin und bete nur den einen wahren Gott an. Nie wirst du mich dahin bringen, diesen zu verlassen und deinen Götzen zu huldigen. Willst du mich dazu durch Martern zwingen, so sei es! Je mehr mich deine Schergen peinigen, desto größer wird die Ehre meines Herrn Jesus Christus sein, desto glorreicher mein Sieg.“

 

Der Stolz des kaiserlichen Bevollmächtigten wurde durch diese Rede der jungen Frau tief verletzt und sein Mitleid wandelte sich in Zorn um. Er ließ Febronia mit Ruten und Bleikolben schlagen und dann auf die Folter spannen und ihren Leib mit eisernen Krallen zerreißen. Diese Qualen, so schmerzhaft sie waren, vermochten der standhaften Bekennerin nicht das geringste Zeichen von Furcht oder Kleinmut abzunötigen. Sie verkündete mit lauter Stimme das Lob Gottes und flehte, ihm zu Liebe noch mehr leiden zu dürfen. Selanus, wütend, eine Frau nicht besiegen zu können, ließ einen eisernen Rost herbeibringen und die Jungfrau mit Ketten an die Stäbe fesseln. Darauf mussten die Schergen Feuer anschüren und das Eisen glühend machen, so dass die Martyrin bei lebendigem Leib langsam verbrannte. Viele der Zuschauer entsetzten sich über diesen Anblick und flohen vom Richtplatz hinweg. Nur die Heilige blieb unerschrocken und fuhr fort in ihren Dankgebeten und Lobgesängen. Was vermag die Gnade Gottes nicht auch bei körperlich Schwachen, wenn nur der Mensch um sie bittet und nach seinen Kräften mitwirkt! Endlich als die Henker auf den Befehl ihres Herrn der Jungfrau auch noch Zahn um Zahn ausgeschlagen, ermüdeten sie und gaben ihr den Todesstreich mit dem Beil. Febronia wird von der Christenheit mit Recht neben Agnes und Agatha als eine der glorwürdigsten Bekennerinnen verehrt.

 

26. Juni

 

Die heiligen Brüder und Martyrer von Rom Johannes,

kaiserlicher Haushofmeister,

und Paulus, kaiserlicher Oberkämmerer,

+ 26.6.362 - Fest: 26. Juni

 

In drei Tagen feiern wir in der ganzen katholischen Welt, zumeist aber in Rom, an der Wiege des abendländischen Christentums, das Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus. So eng sind die beiden großen Heiligen miteinander verknüpft, dass in der Kirche kein Fest des einen ohne das Gedenken an den anderen stattfindet.

 

Auch die heutige Feier wird in der ganzen Christenheit, aber zumeist wieder in Rom, begangen, denn die beiden heiligen Männer, deren Gedächtnis wir begehen, Römer von Geburt, stehen wie zwei strahlende Leuchter vor dem Fest der Apostelfürsten.

 

Johannes und Paulus, leibliche Brüder, der eine Hofmarschall und der andere Hofkämmerer bei der Kaisertochter Konstantia, stammten aus vornehmem Geschlecht. Weit mehr noch als den Adel des Blutes schätzten sie den Hochadel, den jeder Christ von Christus durch die Taufe erhält. Christen edelster Art waren beide, fromm, der Kirche ergeben, von heiligmäßigem Wandel, und eine unbegrenzte Wohltätigkeit gegen die Armen zierte sie. Ganze Christen waren sie, deren gottgefälliges Leben hell über das Rom der damaligen Zeit aufleuchtete. Solche Männer, wie Johannes und Paulus sie waren, kann auch die Verfolgung um des Glaubens willen in der Treue zu Christus nicht wankend machen.

 

Kaiser Konstantin der Große hatte im Jahr 313 der jungen Kirche nach dreihundertjähriger Drangsal volle Bewegungsfreiheit gegeben, und wie überall, wo sich die Kirche frei bewegen kann, so blühte auch damals in Rom das Christentum mächtig auf, so dass die Verchristlichung des gesamten Römerreiches nur mehr eine Frage der Zeit war.

 

Doch es kam anders. Kaiser Julian, der in der Geschichte den entehrenden Beinamen „der Abtrünnige“ trägt, bestieg den Thron. In der Jugend hatte er sich nicht aus Überzeugung, sondern aus Nützlichkeitsgründen taufen lassen und in scheinheiliger Weise streng wie ein Mönch gelebt. Kaum war er jedoch Kaiser geworden, als er den Glauben wie einen Rock, der ihm nicht passte, ablegte und in grausamer Weise die Christen verfolgte. Ein Massenabfall setzte damals ein, denn jene haltlosen Christen, die sich vordem aus Nützlichkeitsgründen hatten taufen lassen, verleugneten bei dem neuen Wind von oben glattweg, wieder aus Nützlichkeitsgründen, den Glauben und wandten sich erneut dem Heidentum zu. Unehrenhaft ist solch ein Beginnen, denn nie wird ein Christ, der Rückgrat besitzt, den Glauben wie einen Rock wechseln.

 

Johannes und Paulus hatten das christliche Rückgrat, denn als sie eine Einladung vom Hof erhielten, in die gleichen Ehrenämter beim Kaiser zurückzukehren, die sie früher bei Julians verstorbener Base innehatten, gaben sie Bescheid, dass sie mit einem Abtrünnigen keine Gemeinschaft haben wollten.

 

Bravo! Das war eine klare, kühne, katholische Antwort.

 

Johannes und Paulus hatten also dem Verräter am Glauben auf dem römischen Kaiserthron eine männliche Abfuhr erteilt. Welches Ende die Kühnheit nehmen würde, war leicht abzusehen. Julian räumte den beiden eine zehntägige Bedenkzeit ein, die sie in echt christlicher Art dazu benutzten, die gesamte Habe an die Armen zu verteilen, und als sie nach Ablauf der Bedenkzeit sich weigerten, Christus zu verleugnen, wurden sie, die Brüder waren dem Blut und dem Glauben nach, auch Brüder im Martyrium und in der Verherrlichung. Zur ewigen Schande des kaiserlichen Verräters und zu ihrem eigenen ewigen Ruhm erlitten sie den Tod durch Enthauptung.

 

Männer waren Johannes und Paulus, katholische Männer, leuchtende Vorbilder für alle Katholiken in den Zeiten der Verfolgung.

 

Der heilige Anthelm, Kartäuser-Prior, Bischof von Belley, Frankreich,

+ 26.6.1178 – Fest: 26. Juni

 

Der Heilige stammte aus einer vornehmen, hohen Familie in Savoyen, erhielt eine seinem Stand gemäße Erziehung und wurde von seinen tugendhaften Eltern schon früh zum Dienst des Altares bestimmt. Wie es zu jener Zeit Gebrauch war, wurden die Söhne reicher, adeliger Familien, oft ohne selbst in den Klerikerstand getreten zu sein, mit Abteien und anderen Kirchenstellen an Domkirchen und den damit verbundenen reichen Pfründen belehnt. So erhielt auch Anthelm, bevor er noch Priester war, an der Domkirche von Genf und Belley zwei einträgliche Präbenden. Er benutzte aber deren Einkünfte nicht um sich zu bereichern; dafür war sein Herz zu edel. Er wollte keine Schätze sammeln, die Rost und Motten verzehren, sondern das Elend und die Armut damit lindern.

 

Als Anthelm, nachdem er Priester geworden war, einmal der nahe gelegenen Kartause Portes einen Besuch machte, wurde er vom Leben der dort weilenden Mönche so erbaut und begeistert, dass er dem Ruf der Gnade: „Komm, folge mir nach“ nicht länger widerstand und im selben Augenblick sich entschloss, seinen Würden und Reichtümern zu entsagen und, ohne in die Welt wiederum zurückzukehren, sofort das Kleid des heiligen Bruno zu begehren, eingedenk der Worte: „Wer seine Hand an den Pflug gelegt und zurückschaut, ist meiner nicht wert.“ Der Prior, der seinen entschlossenen Willen sah, konnte seinem Begehren nicht widerstehen und nahm ihn unter seine Söhne auf.

 

Die Einsamkeit der Zelle war es, wonach der Heilige sich sehnte, als er Lebewohl sagte den vergänglichen Freuden der Welt, um daselbst in Gebet und Betrachtung göttlicher Dinge, in heiligen Zwiegesprächen und in der Vereinigung mit Gott seine Wonne und sein Glück zu finden. „Dies ist der Ort meiner Ruhe, hier will ich wohnen immerdar“, sagte er sich, als er das Einsiedlerleben begann. Zur Vereinigung mit Gott zu gelangen, wie es das Ziel eines Ordensmannes, besonders des Kartäusers ist, suchte er sich den Weg zu bahnen, indem er den sinnlichen Menschen in sich beständig bekämpfte und durch Abtötungen und harte Bußwerke in Unterwürfigkeit brachte. Seinen Leib geißelte er so schrecklich, dass er nur eine Wunde zu sein schien und schwächte ihn durch strenge Fasten und Abstinenzen. Kaum gönnte er sich den nötigen Schlaf und durchwachte die Nächte in Gebet und Betrachtung, so dass er mehr im Himmel als auf der Erde zu weilen schien. Oft schlug er sich die Brust, warf sich mit dem Angesicht zur Erde und verehrte Gott durch zahlreiche Kniebeugungen. Im Gebet und auch sonst vergoss er beständig Tränen, wenn er an seine Sünden und die der Welt dachte und die Güte und Liebe Gottes erwog. Keiner glich ihm in der Liebe zur Regel und in der Genauigkeit, auch die kleinsten Vorschriften zu beobachten. Durch alle diese Übungen erstarkte in ihm immer mehr der geistige Mensch und er machte in kurzem große Fortschritte in der Vollkommenheit. Alle bewunderten seine Demut, seinen Gehorsam und seine Abtötung. Die Liebe, die in ihm brannte, gab ihm Flügel, so dass er bald als das Vorbild der Religiosen galt und der Ruf seiner Heiligkeit auch nach außen drang.

 

Inzwischen hatte sich in der „Großen Kartause“ bei Grenoble in Südostfrankreich, wo der Orden durch den heiligen Bruno entstanden war, ein bedauernswertes Unglück ereignet. Eine Schneelawine hatte daselbst das Kloster vernichtet und sieben Mönche unter den Trümmern begraben. Der damalige Prior Guigo, dem es oblag, das Kloster an einem gesicherten Platz wiederaufzubauen und seine zusammengeschmolzene Kommunität wieder auf die Höhe zu bringen, war in dieser Beziehung in der größten Verlegenheit. Da er aber von den Tugenden und den besonderen Eigenschaften des heiligen Anthelm gehört, glaubte er für seine Pläne keinen geeigneteren Mann finden zu können als ihn und wandte sich deshalb in der Absicht, ihn für sich zu gewinnen, an dessen Obern. Letzterer und mit ihm die ganze Klostergemeinde brachte das Opfer, wenn auch mit schwerem Herzen und willigte ein und so sehen wir denn Anthelm den Weg zur Großen Kartause nehmen.

 

Auch dort erbaute Anthelm die Kommunität durch sein Beispiel. Seine großen Tugenden und seine Heiligkeit verfehlten nicht die Aufmerksamkeit und Bewunderung aller auf sich zu ziehen, was nicht wenig dazu beitrug, den Eifer und das Streben nach Vollkommenheit daselbst zu beleben. Das Amt eines Prokurators, das man ihm übertrug, übte er zur größten Zufriedenheit aller aus und übertraf die Hoffnungen, die man auf ihn gesetzt hatte. Er führte den Bau des Klosters glücklich zu Ende und nahm viele nützliche materielle Verbesserungen und Einrichtungen vor. Mit zeitlichen Sorgen überhäuft und in den zerstreuenden Beziehungen nach außen verlor er aber nichts von seinem Eifer, im Gegenteil legte er sich noch mehr Strengheiten auf und nichts konnte ihn in der Sammlung und Vereinigung mit Gott stören. Nachdem Anthelm mehrere Jahre dieses Amt verwaltet und sich das Vertrauen aller in einem hohen Grad erworben hatte, wurde er einstimmig von der Klostergemeinde zu ihrem Prior gewählt. In dieser Eigenschaft zeichnete er sich besonders aus durch seinen Eifer für die Aufrechterhaltung der Disziplin und die Befolgung der Regel. Er erwarb sich die Liebe und Achtung seiner Untergebenen, indem er sie mit Weisheit und Milde leitete, durch sein Beispiel zu neuem Streben nach Vollkommenheit entflammte und in der Schule der Heiligkeit heranbildete. Eine ganze Reihe von Religiosen, deren Namen ihrer Tugenden wegen in den Annalen des Ordens verewigt sind, waren seine Schüler. Der Glanz seiner Heiligkeit begann aber auch sich nach außen hin immer mehr zu verbreiten. Aus allen Richtungen eilte man zur Kartause, um den Mann Gottes zu sehen, ein Wort der Erbauung aus seinem Mund zu vernehmen oder um Rat sich zu holen in der schwierigen Angelegenheit des Heils. Viele erwählten sich ihn zum Ratgeber und Gewissensführer. Alle nahm er mit der größten Liebe auf. Sünder führte er zurück auf den rechten Weg und gab ihnen den verlorenen Frieden wieder; Unschlüssigen, Zweifelhaften und im Gewissen Beängstigten wusste er den richtigen Rat zu geben und den Trost, den sie nötig hatten, zu spenden. Dabei gewann er viele für Gott, dass sie allem entsagten und in die Einöde sich zurückzogen, um Gott im Orden des heiligen Bruno besser dienen zu können. So hatte er die Freude, seine beiden Brüder zu gewinnen und in den Orden aufzunehmen. Ihnen folgte auch bald ihr Vater nach, der den Stammsitz und das Schloss seiner Ahnen verließ, um sich für immer unter den Gehorsam seines eigenen Sohnes zu stellen, der ihm auch im Tod die Augen zudrücken sollte. Seine Liebe zu den Armen war unbegrenzt, so dass er alles hergab und keinen von sich wies. In der Hungersnot, die zu dieser Zeit die Gegend heimsuchte, öffnete er die Vorratskammern der Kartause und ließ alles Getreide austeilen. Es ereignete sich dabei die wunderbare Begebenheit, die im Leben vieler Heiliger vorkommt, dass das Getreide sich nicht erschöpfte und ausreichte, die Bedürfnisse aller zu befriedigen.

 

Um den Orden selbst machte der heilige Anthelm sich besonders verdient, indem er das erste Generalkapitel berief und dem Orden jene Festigkeit und Einheit gab, die ihm bis dahin noch fehlte. Die verschiedenen Kartausen waren nämlich unter sich unabhängig und standen unter der Obrigkeit des Bischofs bezüglich des Zeitlichen wie des Geistlichen. Es konnte dadurch nicht ausbleiben, dass viele Missstände sich einschlichen, ohne dass in wirksamer Weise hätte abgeholfen werden können. Auch mussten viele Abweichungen in der Disziplin, in der Regel und in Gebräuchen sich bald geltend machen, so dass es, weil das Band der Einheit fehlte, um den Bestand und die Existenz des Ordens bald geschehen wäre. Indem der heilige Anthelm das Generalkapitel berief, das aus den Prioren aller bestehenden Häuser zusammengesetzt war, setzte er es durch, dass die Bischöfe auf ihre Autorität zugunsten des Ordens verzichteten und dass die einzelnen Häuser sich zu einem Orden vereinigten unter Befolgung einer und derselben Regel und unter einem und demselben Generalobern, der immer der Prior der großen Kartause sein musste. Die Schaffung einer Autorität in dem Generalkapitel, dessen Beschlüsse alle Häuser berührten, war von der größten Tragweite. Erst jetzt war es möglich geworden, die nötigen Verbesserungen einzuführen, allen Neuerungen Tor und Tür zu schließen und dem Orden seinen wesentlichen Charakter zu erhalten. Dieses Generalkapitel besteht noch heute und ist einer der maßgebenden Faktoren, dass der Orden noch keiner Reform bedurft hat. So gab der heilige Anthelm dem Orden seine definitive Form und jene Festigkeit, die er jetzt noch hat und wurde zugleich dessen erster Generalobere.

 

Sein Verdienst ist es auch, dem Orden einen weiblichen Zweig eingegliedert zu haben. Die Nonnen vom heiligen Andreas in der Diözese Vaison nämlich, die eine für sich abgeschlossene Abtei bildeten und durch Jahrhunderte hindurch in der Disziplin sich erhalten hatten, sehnten sich danach, die strenge Regel der Kartäuser zu beobachten und begehrten, sich unter deren Obrigkeit stellen zu dürfen. Der heilige Anthelm nahm ihre Bitte wohlwollend auf und ließ ihnen durch den heiligen Johannes von Spanien, Prior der Kartause von Montrieux, die Regel der Kartäuser nach ihren Bedürfnissen abändern und verleibte sie dem Orden ein.

 

Seinem Bemühen im Verein mit dem heiligen Bernhard ist es auch zuzuschreiben, dass das Schisma, das zu jener Zeit die Kirche zerriss, beigelegt und auf dem Konzil von Toulouse der rechtmäßige Papst Alexander III. anerkannt wurde. Welchen Anteil er daran hatte, geht schon daraus hervor, dass er vom Gegenpapst nominell exkommuniziert wurde.

 

Nach fünfzehnjähriger Leitung seiner Klostergemeinde und seines Ordens legte Anthelm freiwillig sein Amt nieder und zog sich in die Zelle zurück, wonach er sich sehnte, um ungestört Gott allein leben zu können. Jedoch sollte er nicht lange dieser Ruhe sich erfreuen. Die Kartause von Portes, die eben ihren Obern verloren hatte, wählte sich ihn zum Prior und so musste er seiner so berechtigten Neigung entsagen und das Opfer bringen. Aber schon nach zwei Jahren erlangte er durch sein beständiges Bitten und Flehen, dass man ihn des Amtes enthob und er in seine liebgewonnene Zelle zurückkehren durfte. Es erwartete ihn aber da noch ein viel schwereres Kreuz. Er wurde zum Bischof von Belley ernannt. Als er dies hörte, versuchte er durch Flucht dieser Würde zu entgehen, indem er sich in den Bergen verborgen hielt, musste aber doch endlich, als man seinen Aufenthalt entdeckt hatte, auf Befehl des Papstes den Hirtenstab annehmen. Seine Wahl wurde vom ganzen Volk und der Geistlichkeit mit der größten Freude aufgenommen, nur er allein hielt sich der Würde für unwürdig.

 

Als Bischof änderte der Ordensmann seine bisherige Lebensweise nicht. Er blieb Kartäuser. Sein Ordenskleid trug er nach wie vorher, sein Tisch war ebenso frugal, von seinen Einkünften nahm er nur so viel für seine Person in Anspruch, als gerade notwendig war, alles übrige verteilte er unter die Armen und verwendete es zur Unterstützung armer Klöster. In seinem Palast hatte er sich ein kleines Zimmer als Zelle herrichten lassen, wohin er sich zurückzog, wenn es seine Pflichten gestatteten, und wo er die Regel, soweit es möglich war, befolgte. Jedes Jahr zog er sich für längere Zeit in die große Kartause zurück, um sich im Geist zu erneuern und von seinen Hirtensorgen auszuruhen. Er machte dann alle Übungen mit wie die übrigen Mönche und unterschied sich von ihnen in nichts. Als Hirt seiner Diözese suchte er, um auf das Volk einwirken zu können, vor allem einen tüchtigen und mustergültigen Klerus. Mit Klugheit und Mäßigung ging er dabei vor, schreckte aber auch vor kirchlichen Zensuren nicht zurück, wenn es galt, Widerspenstige unter das Joch des Gehorsams zu beugen. Welche Autorität und welches Vertrauen er genoss und welchen Wert man seiner Heiligkeit zuschrieb, geht daraus hervor, dass er in verschiedenen, sehr schwierigen Angelegenheiten als Vermittler und Schiedsrichter angegangen wurde. So betraute ihn der Papst mit dem schwierigen Auftrag, König Heinrich II. von England im Zerwürfnis mit dem heiligen Thomas von Canterbury auszusöhnen. Doch stellten sich dieser Mission wieder andere Hindernisse entgegen.

 

Nachdem Bischof Anthelm fünfzehn Jahre den Hirtenstab geführt und der Diözese große Dienste erwiesen hatte, sollte er den Lohn für seine Werke und seine Arbeiten empfangen. Er verschied sanft im Herrn, nachdem er zuvor noch seinen Todestag vorhergesagt hatte, seinen Klerus zur Liebe und Eintracht ermahnt und denen, die sein Todesbett umstanden, den Segen erteilt hatte. Nach seinem Tod geschahen zahlreiche Wunder. Deshalb wurde er bald heiliggesprochen in der Form, wie sie damals üblich war, nämlich durch die Stimme des Volkes und die Bestätigung der kirchlichen Autorität.

 

Lernen wir vom heiligen Anthelm die Liebe zur Einsamkeit. Halten wir uns fern von unnützen Gesellschaften, von öffentlichen Vergnügungen und Zerstreuungen und verwenden wir diese Zeit, um uns im Geist zu sammeln und mit Gott zu verkehren. Besonders sollte es uns am Herzen liegen, jedes Jahr einige Tage für geistliche Exerzitien zu verwenden, um uns im Geist zu erneuern.

 

27. Juni -

 

Der heilige Crescens, Jünger des heiligen Paulus,

Missionar bei Köln und Mainz und Martyrer in Galizien,

+ 27.6.100 – Fest: 27. Juni

 

Von diesem Heiligen wissen wir nichts Zuverlässiges, nur seine Sendung nach Galizien, wohin der heilige Paulus während seiner zweiten Gefangenschaft zu Rom ihn gesandt hatte, wie er selber in seinem zweiten Sendschreiben an Timotheus berichtet. Da bei den Griechen der Ausdruck Galatien sowohl die Provinz dieses Namens, die zwischen Cappadocien und Phrygien liegt, als auch Gallien bedeuten kann, veranlasste diese Namensgleichheit die Vermutung, Crescens sei nach Gallien geschickt worden. Daher kommt auch die Meinung, dass dieser Heilige die Kirchen zu Vienne in Frankreich und von Mainz gestiftet habe. Der heilige Crescens wird bei den Lateinern am 27. Juni, bei den Griechen am 30. Juli gefeiert.

 

Der heilige Theonest, Bischof und Martyrer von Altino und Mainz,

+ 30.10.425 – Fest: 27. Juni

 

Ein uralter Mainzer Überlieferung zufolge soll Crescenz, ein Schüler des Apostels Paulus, in der Gegend von Mainz gepredigt haben und der erste Bischof dieser Christengemeinde geworden sein. Sicher ist, dass der heilige Paulus kurz vor seinem Martertod seinen Jünger Crescenz nach Gallien sandte, wo er die Kirche von Vienne gründete, dann zum Rhein gelangte und die Kirche von Mainz gründete. Ein vorzügliches Verdienst an der Christianisierung von Mainz gebührt der 22. Römischen Legion, die an der Zerstörung Jerusalems teilnahm, von da an viele Christen unter sich zählte, um das Jahr 70 an den Rhein verlegt wurde und die christliche Lehre verbreitete.

 

Gegen Ende des dritten und am Anfang des vierten Jahrhunderts blühte das Christentum schon an beiden Ufern des Rheins. Der alemannische Häuptling Rando hatte schon lange gegen Mainz Böses im Sinn. Zur Ausführung seines Vorhabens suchte er sich einen Festtag der Christen aus im Jahr 367. Während der größte Teil der Bevölkerung zum Gottesdienst in der Kirche versammelt war, brach er unversehens in die Stadt und führte viele Gefangene und große Beute hinweg. Ähnlich wurden bald nach dem Jahr 400 wieder mehrere tausend Einwohner von Mainz in einer Kirche erschlagen. Der Bischof Aureus nebst seiner Schwester Justina wurde von den Hunnen in Mainz gemartert.

 

Um diese Zeit (zwischen 380 und 400) starben zu Mainz des Martertodes die heiligen Alban und Theonest. Von ihnen berichtet ein altes Passionale folgendes:

 

„Die heiligen Theonestus und Albanus waren Christen und hatten Gott lieb. Sie dienten ihm mit Fleiß Tag und Nacht. Albanus wurde Priester, Theonestus nach einiger Zeit Bischof. Damals hatten die Christen von den Arianern viel zu leiden. Da gebot Honorius, dass beide Teile in der Stadt Karthagena zusammen kommen sollten, den Streit zu schlichten. Es erschienen 600 Bischöfe, unter ihnen Theonestus. Da bewährten die Christen ihren Glauben und machten die Ketzer schweigen. Dafür aber trugen dieselben dem Theonestus großen Hass nach, jagten ihn von seinem Stuhl und trachteten ihm nach dem Leben. Darum ging derselbe mit seinem Kaplan Albanus und Ursus zum Papst nach Rom. Der heilige Vater nahm ihn mit Freuden auf und sandte ihn nach Toscana, Ligurien und Mailand, um den christlichen Glauben zu predigen. Überall bekehrten sie viel Volk. Hernach kam Theonestus nach Augsburg, wo er seinen Kaplan Ursus zurückließ. Denselben töteten die Ketzer. Theonestus zog nach Donauwörth und weiter nach Mainz, wo die Irrgläubigen gerade in jenen Tagen den Bischof Aureus vertrieben hatten. Theonestus und sein Kaplan Albanus fürchteten sich jedoch nicht und predigten das Wort Gottes. Der Bischof Aureus kehrte in sein Bistum zurück, ward aber ergriffen und getötet. Jetzt predigten die fremden Missionare umso eifriger, bis eines Tages die Irrlehrer aufstanden, den Albanus während des Gebetes ergriffen und enthaupteten. Nun fuhr seine Seele zu den ewigen Freuden, sein Haupt aber nahm er in die Hand und trug es bis zum Ort, wo er begraben sein wollte. Dort legte er es nieder und wurde von seinem Bischof Theonestus mit großen Ehren bestattet im Dom zu Mainz. Dieses brachte allen viel Gnade bei Gott. Auch Theonestus wurde getötet. – Nun helf uns Gott, dass wir auch zu ihm kommen! Amen.“

 

Über dem Grab des heiligen Albanus wurde zu Mainz die Albanskirche erbaut, und mehrere Kirchen wählten den heiligen Märtyrer zu ihrem Patron.

 

Der heilige Ladislaus I., König von Ungarn,

+ 30.7.1095 – Fest: 27. Juni (Tag der Erhebung seiner Reliquien)

 

Unermesslichen Segen brachte der heilige Stephan, der erste König von Ungarn, über sein Reich, indem er Bistümer und Klöster gründete, den Götzendienst verbot und sein Volk für das Christentum gewann. Aber nach seinem Tod brach die Ursprüngliche Wildheit der Magyaren wieder durch, denn der heidnische Ungar Batha empörte sich mit mehreren anderen Magnaten, zerstörte die christlichen Tempel, marterte die Priester und vertrieb die Christen. Der neue König Peter und nach ihm Andreas I. unterdrückten bald die Empörung, befahlen die strengste Beobachtung der Gesetze des heiligen Stephan und verboten unter Strafe den Rücktritt zum Heidentum, indes hinderten die ausgebrochenen Thronstreitigkeiten die Ausführung der weisen Anordnungen. König Peter trieb seinen Vetter Bela aus dem Land, und der flüchtete sich an den Hof des Herzogs von Polen, der ihn freundlich aufnahm und ihm seine Tochter zur Frau gab. In dieser Ehe wurden den Eltern zwei Söhne geboren, Geisa und Ladislaus.

 

Die fromme Mutter erzog ihre Söhne in der Furcht Gottes und erfreute sich besonders an ihrem jüngeren Sohn Ladislaus, der im Jahr 1031 geboren wurde. Schon als Kind zeichnete sich Ladislaus durch Bescheidenheit, Sanftmut, Unschuld, Klugheit, Andacht und Liebe zu den Armen aus. Dabei unterließ er nicht die Pflege der Wissenschaften und ritterliche Übungen.

 

Als Andreas I. nach dem abgesetzten und im Gefängnis gestorbenen König Peter zur Regierung gelangte, kehrte sein Bruder Bela mit seiner Familie ins Vaterland zurück. Gegen Andreas erhob sich ein Aufstand und Bela stieß ihn vom Thron. Ladislaus missbilligte die Ungerechtigkeit seines Vaters und weigerte sich nach dessen Tod die ihm dargebotene Krone Ungarns anzunehmen, weil sie dem Sohn des verstorbenen Königs, Salomon, zustehe. Erst nachdem Salomon von den Ungarn vertrieben und Belas erstgeborener Sohn gestorben war, ließ sich Ladislaus bewegen, die Zügel der Regierung zu ergreifen im Jahr 1077. Er wollte jedoch nicht gekrönt sein, solange Salomon lebe.

 

Die Ungarn hatten eine gute Wahl getroffen, denn der neue Regent war ein gerechter, gütiger, tapferer und heiliger Herr, ohne Ehrgeiz und Weltliebe, voll Demut und Keuschheit, ein Ritter ohne Furcht und Tadel, treu in Wort und Tat, menschenfreundlich und barmherzig. Das Volk nannte ihn den Beschützer der Keuschheit, die Zuflucht der Elenden, das Muster der Frömmigkeit, den Befreier der Nation. Armen gab er reichliche Almosen, Jungfrauen stattete er mit Heiratsgut aus. Bedrängte beschützte er, im Rechtsprechen zeigte er Mäßigung. Wie er durch seine hohe Gestalt und schöne Geistesbildung beeindruckte, so leuchtete seine Seele in vielen Tugenden.

 

Als er einst in der Schlacht vier Feinde mit eigener Hand erlegt hatte, wurde er vom fünften schwer verwundet. Da sieht er, wie ein feindlicher Reiter mit einer geraubten Jungfrau auf dem Pferd davoneilte. Ladislaus wollte um jeden Preis die Jungfrau vor der Entehrung retten, aber seine Wunde hinderte ihn, den fliehenden Feind zu erreichen. Deshalb rief er der Jungfrau zu, sie solle sich vom Pferd herabstürzen und den Reiter mit sich herunterreißen. Als das geschehen war und der König den herabgestürzten Hunnen leicht hätte töten können, wollte er doch in seinem ritterlichen Sinn den Vorteil nicht ausnutzen, sondern stieg selber vom Pferd und tötete den Feind in ehrlichem Zweikampf.

 

Während Ladislaus auf das Wohl seines Volkes bedacht war, sann der abgesetzte Salomon mit List auf eine Gelegenheit, sich des Königs zu bemächtigen. Aber sein Anschlag wurde durch die kluge Vorsicht des Königs vereitelt, und er musste seine Bosheit in einem Turm der Veste Vissegrad büßen. Freigelassen zog sich Salomon nach Pola bei Venedig zurück und beschloss sein Leben als Einsiedler, nachdem er noch einmal mit Hilfe der Hunnen versucht hatte, den Thron von Ungarn wiederzugewinnen. Ladislaus schlug den Hunnenkönig so vollständig, dass 10000 Hunnen nebst unermesslicher Beute auf dem Platz blieben. Als die Hunnen und Kumanen noch einmal einen Einfall in Ungarn wagten (1089), tötete Ladislaus, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, ihren Anführer Kopoles im Zweikampf. Die Gefangenen nahmen die christliche Religion an und erhielten zum Wohnsitz einen fruchtbaren Landstrich der Theiß entlang. Die Ruthenen, die den Hunnen Beistand geleistet hatten, unterwarfen sich jetzt freiwillig und Ladislaus verzieh ihnen großmütig. Auch in den übrigen Kriegszügen gegen die Böhmen, Polen und Russen blieb er immer Sieger.

 

Nachdem Ladislaus die Ruhe seines Reiches nach außen gesichert hatte, suchte er im Innern seines Landes Glück und Wohlstand mehr und mehr zu begründen. Er vernichtete die letzten Reste des Heidentums, indem er die noch hier und dort auf Bergen, an Quellen und in Hainen Opferkultus übenden Ungarn stets mit Abnahme eines Ochsens bestrafte, an solchen Opferplätzen Kreuze und heilige Bilder errichten ließ und für die strenge Befolgung der Gesetze des heiligen Stephan sorgte. In all seinen Regierungshandlungen erstrebte er die Ehre Gottes, das Beste der Religion und das Wohl seiner Untertanen. Er stiftete viele Klöster und gründete die Bistümer Agram und Großwardein. Sein Palast glich mehr einem Kloster, als einem fürstlichen Hof. An seiner Tafel herrschte die größte Mäßigkeit und er erlaubte sich nicht einmal den Genuss von Wein. Mehrmals in der Woche fastete er und er schlief auf hartem Lager. Die freie Zeit, die ihm seine Berufsgeschäfte übrig ließen, widmete er dem Gebet und der Betrachtung am Fuß des Altares. Häufig hörte man das Volk sagen: „Der König von Ungarn kann nichts anderes, als Spitäler stiften und Almosen geben.“

 

Dass Ladislaus noch mehr verstand, hatte er oft genug bewiesen. Als deshalb Papst Urban II. einen Kreuzzug predigte, um das Heilige Land aus den Händen der Sarazenen zu befreien, wählten die Fürsten Europas einstimmig den König Ladislaus als den würdigsten und tapfersten Kriegshelden zum obersten Feldherrn. Hatte Ladislaus früher die ihm angetragene deutsche Kaiserkrone ausgeschlagen, so nahm er jetzt bereitwillig den Oberbefehl über die Kreuzfahrer an, um seine Kraft und sein Blut für die Sache Christi zu opfern, und vielleicht die Marterkrone zu gewinnen. Schon war er mit einem bedeutenden Kriegsheer auf dem Weg in das Morgenland, da befiel ihn an der Grenze Ungarns eine heftige Krankheit, die er sogleich als seine letzte erkannte. Er berief die Großen seines Reiches an sein Sterbelager, vermachte seine Schätze den Kirchen und Armen und beschloss sein gottseliges und tatenreiches Leben am 30. Juli 1095. Sein Leichnam fand die Ruhestätte in dem von ihm erbauten Dom in Großwardein. Infolge vieler Wunder an seinem Grab versetzte ihn Papst Cölestin III. 1198 unter die Heiligen und bestimmte zu seiner Festfeier den 27. Jun, an dem seine Reliquien erhoben wurden.

 

Der selige Gerhoh (Geroch) von Polling, Propst zu Reichersberg,

+ 27.6.1169 – Fest: 27. Juni

 

Zu den gelehrtesten Männern seiner Zeit, zu den treuesten Dienern der Kirche und eifrigsten Verteidigern des Rechtes, der Wahrheit und der guten Sitten gehört der selige Gerhoh, auch Geroch genannt. Er wurde im Jahr 1093 zu Polling in Oberbayern von frommen Bürgersleuten geboren, übertraf schon als Junge alle seine Mitschüler an Verstand, Fleiß und Sittsamkeit und machte schon im 16. Lebensjahr das Gelübde ewiger Keuschheit. Seine höheren Studien vollendete er in Freising, Mosburg und auf der damals weit berühmten Domschule zu Hildesheim. Von da berief ihn der Bischof Hermann von Augsburg zum Vorsteher der Schule an seiner Kirche und weihte ihn im Jahr 1119 zum Diakon. Mit Umsicht, Eifer und Liebe förderte er das Schulwesen und alle Schüler hingen ihm in Liebe an.

 

Als ihm der Bischof Hermann zumutete, er solle die Partei des Kaisers Heinrich V. gegen Papst Paschalis ergreifen, verließ er Augsburg und begab sich in das Kloster der regulierten Chorherrn des heiligen Augustinus zu Rottenbuch in Oberbayern. Auch seine Eltern und Brüder bewog er zu gleichem Schritt. Von dort begleitete er seinen Oberhirten nach Rom zum ersten Laterankonzil. Nach seiner Rückkehr von Rom legte er seine Stelle am Dom nieder und begab sich wieder nach Rottenbuch zu den Augustinern.

 

Von seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit gleich angezogen, berief ihn der Bischof Chuno von Regensburg zu sich, um ihn als Gehilfen bei seinen Arbeiten zu gebrauchen, weihte ihn 1126 zum Priester und nahm ihn bei der Visitation seines Bistums mit sich. Bei dieser Gelegenheit hielt er die schönen und erbaulichen Reden, die er später sammelte und diesem Bischof widmete. Nach Chunos Tod ging Gerhoh nach Salzburg, wo ihn sein Freund, der Erzbischof Konrad, mit wichtigen Aufträgen nach Rom sandte.

 

Als im Jahr 1132 der Propst zu Reichersberg gestorben war, wählten ihn die Kanoniker einstimmig zu ihrem Vorsteher. Seine Demut sträubte sich gegen dieses Ehrenamt, aber aus Gehorsam gegenüber dem Erzbischof nahm er es an, obgleich es ihm als das schwerste Opfer seines Lebens erschien. Wie vortrefflich die Wahl war, zeigte der Erfolg, denn der neue Propst bewährte sich als auserwähltes Werkzeug der göttlichen Gnade. Mit außerordentlicher Umsicht und Pflichttreue waltete er seines Amtes, ging allen in gottseligem Eifer voran, nahm alle mit Liebe auf, trug die Beschwerden und Leiden mit himmlischer Geduld und zog durch seine Demut und stets gleiche Güte die Herzen unwiderstehlich an. Auf Arbeit, Gebet und Studium hielt er mit ungewöhnlichem Ernst. Sein Lieblingsspruch war: „Müßiggang ist aller Laster Anfang.“ Verstöße gegen die Ordensregeln rügte er streng, aber niemand nahm ihm die Strafrede übel, weil sie aus heiliger Liebe entsprang und durch sein leuchtendes Beispiel unterstützt wurde.

 

Die Tätigkeit Gerhohs beschränkte sich nicht auf sein Kloster, sondern er griff mit kräftiger Hand ein, um die Übergriffe der deutschen Kaiser in die Rechte der Kirche abzuwehren. Sein Ansehen galt so viel, dass zahlreiche Söhne der angesehensten Familien Deutschlands sich glücklich schätzten, unter seine Kanoniker aufgenommen zu werden, und vermehrten mit ihrem Erbteil die Güter und Einkünfte des Stiftes Reichersberg. Aus diesem Vermögen gründete er neben seinem Kloster noch ein Frauenkloster, in dem viele hochangesehene Jungfrauen, z.B. die gottselige Gräfin Hedwig von Hall, den Schleier nahmen. Überall drang er mit seinem vielvermögenden Einfluss auf Beseitigung der Missstände und auf die Besserung der Sitten. Viele Kämpfe und Bitterkeiten blieben ihm nicht erspart, aber viele glückliche Erfolge versüßten ihm seine edlen Bemühungen. Niemals wich er von der Wahrheit und unerschrocken verteidigte er die Rechte des päpstlichen Stuhls in den unseligen Kämpfen seiner Zeit. Deshalb stand er bei den sechs Päpsten seiner Zeit in hohem Ansehen, und selbst Kaiser Friedrich musste den edlen und uneigennützigen Propst ehren. Seine zahlreichen Schriften bekunden seinen hohen Denkergeist und seine tiefe Gelehrsamkeit und stellten ihn unter die ausgezeichnetsten Schriftsteller seines Zeitalters.

 

Im Greisenalter von 76 Jahren konnte er getrost auf seine zurückgelegte Laufbahn hinblicken. Arm und klein hatte er sein Kloster gefunden, vermögend und erweitert übergab er es seinen Nachfolgern. Nach einem mühevollen, angestrengten Leben wünschte er die Ruhe im Schoß des himmlischen Vaters. Nachdem er am Fest des heiligen Johannes des Täufers im Jahr 1169 noch Hochamt und Predigt gehalten hatte, empfing er die heiligen Sterbesakramente und starb am 27. Juni. Sein Leib ruht vor dem Kreuzaltar der Klosterkirche von Reichersberg, seine Seele ruht im Frieden Gottes.

 

Der heilige Cyrillus von Alexandrien, Kirchenlehrer und Patriarch,

+ 27.6.444 – Fest: 27. Juni

 

Der heilige Cyrillus war einer der größten griechischen Kirchenväter und eine der bedeutendsten Zierden auf dem Bischofsstuhl des heiligen Markus. Er entstammte einer vornehmen Familie zu Alexandrien, der Haupt- und Residenzstadt der Ptolemäer, und nach Rom die Bevölkerungsreichste Stadt der damaligen Zeit. Von der Würde und dem Vorrang apostolischen Ursprungs sowie vom Ruhm und Verdienst hochgefeierter Bischöfe und Gottesgelehrter überstrahlt, war der Bischofssitz von Alexandrien zum höchsten Ansehen in der Kirche gelangt. Ihre Inhaber bekleideten den ersten Rang in der morgenländischen Kirche, den eines Patriarchen. Und gerade unter dem heiligen Cyrillus erreichte dieses Ansehen und die Macht der Patriarchen von Alexandrien den Gipfelpunkt. Der Einfluss und die Bedeutung seines Lebens und Wirkens beschränkten sich jedoch nicht allein auf die Grenzen seines Patriarchates, das über hundert Bistümer und neun Erzbistümer umfasste; er lebte und wirkte mehr noch für die ganze Kirche aller Zeiten. Von Papst Leo XIII. wurde er mit Recht in die Zahl der sogenannten Kirchenlehrer aufgenommen.

 

Der Grund seiner umfassenden Gelehrsamkeit legte der heilige Cyrillus in den Schulen seiner Geburtsstadt, darunter an der sogenannten alexandrinischen Katechetenschule, der ersten und neben Antiochien berühmtesten theologischen Hochschule der altchristlichen Zeit. Seine aszetische Ausbildung in der Schule der christlichen Tugend und Heiligkeit suchte er, wie wir von seinem väterlichen Freund und Berater, dem heiligen Isidor von Pelusium, erfahren, unter den Mönchen und Einsiedlern der nahen Wüste. Im Übrigen fließen die Nachrichten über sein Jugendleben und seinen religiösen und wissenschaftlichen Entwicklungsgang nur spärlich.

 

Im Jahr 412 wurde er zum Patriarchen seiner Vaterstadt erwählt. Er war der Nachfolger seines Oheims Theophilus, der wegen seines hochfahrenden Ehrgeizes und seiner rücksichtslosen Gewalttätigkeiten ein wenig rühmliches Andenken in der Kirchengeschichte hinterlassen hat. Sein Beispiel blieb nicht ganz ohne Einfluss auf den Neffen in der ersten Hälfte seines amtlichen Wirkens. Auch sein Verhalten blieb, wie es scheint, nicht völlig frei von zu großer Eigenmächtigkeit gegenüber der weltlichen Behörde und von zu unduldsamer Strenge gegen die Irrlehrer und Juden in seiner Bischofsstadt. Freilich hat eine parteiische Geschichtsschreibung schon in der alten Zeit die Wahrheit darüber stark gefärbt und entstellt. Ja, die gegenwärtige Forschung kann feststellen, dass „die Anfeindung und Verkleinerung dieses Mannes von alten Tagen bis zum heutigen einzig dasteht“.

 

Mit dem Jahr 429 beginnt eine neue Periode seiner Wirksamkeit in Wort und Schrift, die über ein Jahrzehnt lang für den Gang der ganzen Kirchengeschichte mitbestimmend wurde. Er wird der erste Vorkämpfer der kirchlichen Rechtgläubigkeit gegen eine der größten und gefährlichsten Irrlehren des christlichen Altertums, den sogenannten Nestorianismus. Der gottlose Patriarch Nestorius von Konstantinopel, nach dem die Irrlehre benannt ist, leugnete nämlich die Einheit der Person in Jesus Christus. Während nach der Offenbarungslehre die zwei Naturen in Christus, die göttliche und die menschliche, in der einen göttlichen Person unzertrennlich vereinigt sind, behauptete Nestorius: In Christus wohnen zwei Personen nebeneinander; die göttliche Person habe sich nur äußerlich mit einer menschlichen verbunden. Die Irrlehre, vom ersten Würdenträger der morgenländischen Kirche vorgetragen, fand nicht bloß große Verbreitung, selbst unter Bischöfen und Priestern, sondern war auch wegen ihres inneren Giftes besonders gefährlich. Sie drohte die christliche Erlösungslehre in ihrem Fundament zu zerstören; lief sie doch im tiefsten Grund auf die Leugnung der Menschwerdung des Gottessohnes und damit auch auf die Leugnung der Erlösung der Menschheit durch diesen menschgewordenen Gottessohn hinaus. Zugleich entkleidete sie Maria ihrer höchsten Würde und ihres erhabensten Ehrennamens der „Gottesmutter“; denn nur eines Menschen Mutter konnte sie nach dieser Falschlehre sein.

 

Der heilige Cyrillus, wie kein anderer mit gründlicher Gottesgelehrsamkeit gerüstet, erschien als erster auf dem Plan und übernahm als Mann der Vorsehung die Führerrolle in diesem Glaubenskampf. Er trat hierbei mit solcher Unerschrockenheit und Sicherheit in denselben ein, dass die Rechtgläubigkeit bald zum Sieg gelangte. Da die Verhandlungen mit Nestorius selbst scheiterten, wandte sich der heilige Cyrillus (wie auch Nestorius) an den Papst Cölestin, der auf einer römischen Synode den Nestorius als Ketzer verurteilen ließ. Der päpstlichen Entscheidung legte der heilige Cyrillus, der sie dem Irrlehrer zustellen sollte, eine Glaubensformel bei, die zum Schluss in zwölf sogenannten Anathematismen (Verurteilungen) die Irrtümer zusammenfasste, die Nestorius abschwören sollte. Da er verstockt blieb, wurde auf Pfingsten 431 das Allgemeine Konzil von Ephesus einberufen, auf dem der Papst den heiligen Cyrillus mit seiner Stellvertretung betraute. Trotz unglaublicher Wirren und Schwierigkeiten, die sich hier erhoben, blieb er die Seele der großen Kirchenversammlung und wusste seine Aufgabe mit ebenso viel Umsicht wie Mut zu Ende zu führen. Die Lehre des Nestorius wurde verworfen, er selbst für abgesetzt erklärt. 198 Bischöfe unterzeichneten das Urteil, das der Papst bestätigte. Die Beratung hatte in der Marienkirche vom frühen Morgen bis in die Nacht gedauert. Während der ganzen Zeit umlagerte das gläubige Volk die Kirche und brach, als die Entscheidung bekannt wurde, in lauten Jubel aus.

 

Obschon mit dem Urteil des Allgemeinen Konzils der großen Irrlehre das Haupt abgeschlagen war, regten sich doch die Lebensgeister derselben noch geraume Zeit. Bis zu seinem Tod am 27. Juni 444 blieb darum der heilige Cyrillus ununterbrochen tätig, um für die Reinheit der Lehre und den Frieden der Kirche zu wirken. Seine Schriften füllen heute noch eine stattliche Reihe von Bänden und nehmen einen Ehrenplatz unter dem Väterschrifttum ein. Ja, unter sämtlichen Kirchenvätern dürfte es außer dem heiligen Augustinus keinen geben, dessen Schriften in solchem Umfang wie die seinen durch den Mund allgemeiner Konzilien von der ganzen Kirche gleichsam als Glaubensregel angenommen wurden.

 

Der religiösen Falschlehren sind heute nicht weniger als in den alten Tagen der Kirche; ihr Schein ist nicht weniger trügerisch, ihr Gift nicht weniger tödlich. Einem heiligen Cyrillus, dem gewaltigen Streiter der christlichen Wahrheit, galten, wie seine wiederholten Aussprüche beweisen, Heilige Schrift, Väterlehre und kirchliches Lehramt als die unverrückbare Norm und Regel, als „der königliche, irrtumslose Weg“. Möchte auch der Christ von heute an keine andere Regel sich halten! Möchte er einzig diesen königlichen Weg gehen! Er führt allein zum tiefsten Urquell und letzten Höhenziel aller Wahrheit – zu Gott.

 

28. Juni

 

Die heiligen Märtyrer Potamiäna, + 28.6.207,

Leonidas, Vater des Origenes, + 22.4.202,

Plutarchus, + 202-07 und ihre Gefährten,

Fest: 28. Juni

 

Unter der Regierung des römischen Kaisers Severus brach in Ägypten, und besonders in der Stadt Alexandrien, eine Verfolgung gegen die Christen aus, in der zahllose Zeugen der Wahrheit die herrliche Krone der Martyrer erlangten. Diese grausame Verfolgung dauerte mit kurzen Unterbrechungen mehrere Jahre, weshalb hier mehrere Martyrer, die zwar nicht zur gleichen Zeit, aber an diesem Ort und in dieser Verfolgung den Martertod erlitten haben, zusammengestellt sind.

 

Leonidas war der Vater von sieben Söhnen und ein sehr eifriger Christ. Er wurde des christlichen Bekenntnisses wegen ergriffen und ins Gefängnis geworfen. Sehr merkwürdig ist, was die Geschichte zu diesem Anlass von seinem ältesten Sohn, der siebzehn Jahre alt war, und Origenes hieß, erzählt. Mit viel Sorgfalt wurde er, wie seine Geschwister, in seiner Jugend schon im Christentum unterrichtet und durch das ausgezeichnete Beispiel der Eltern im Glauben gefestigt. Als man seinen Vater in den Kerker geführt hatte, wurde der feurige junge Mann von so heftigem Verlangen ergriffen, in Fesseln und durch Marter und durch den Tod Zeugnis für Jesus Christus zu geben, der durch Leiden und Tod die Freiheit der Kinder Gottes und uns ewiges Leben erworben hat, dass er sich freiwillig den Feinden des Christentums ins Gefängnis und in den Martertod ausliefern wollte. Das dringende Zureden und die Bitten seiner Mutter hielten ihn einige Zeit von der Ausführung dieses Entschlusses zurück. Bald aber wurde sein Verlangen nach dem Martertod so heftig, dass weder Bitten noch Tränen imstande waren ihn zu bremsen. Die bekümmerte Mutter kam endlich auf den Gedanken, seine Kleider zu verstecken, und so nötigte sie ihn zu Hause zu bleiben. Während er gezwungen war das Haus zu hüten, beschäftigte er sich immerfort mit den Vorstellungen vom Glück der Märtyrer. Er schrieb die rührendsten Briefe an seinen Vater in das Gefängnis, in denen er ihn aufmunterte, im christlichen Bekenntnis standhaft zu verharren, und ihn dringend bat, dass er sich durch die Sorge um seine Kinder ja nicht wankend machen lassen solle.

 

Wenn der Vater dieser Ermunterung auch nicht bedurfte, so mussten doch solche Gedanken des geliebten Sohnes ihm größte Freude verschaffen und seine Bereitschaft und das Verlangen nach der Marterkrone noch mehr entflammen. Leonidas wurde als christlicher Martyrer enthauptet. Nach seinem Tod sah sich Origenes mit seiner Mutter und sechs jüngeren Brüdern in größte Armut versetzt, da das väterliche Vermögen von der heidnischen Obrigkeit eingezogen worden war. Eine reiche Frau nahm ihn in ihr Haus auf. Mit den großen Geistesgaben, mit denen er von der gütigen Vorsehung beschenkt wurde, und mit seinem rastlosen Fleiß machte er so große Fortschritte in den Wissenschaften, dass er allgemein bewundert wurde und bald öffentlichen Unterricht erteilte. Mit dem Unterricht in den weltlichen Wissenschaften verband er immer auch die Lehre des Heils durch das Christentum, weshalb ihm vom Bischof Demetrius die öffentliche Schule anvertraut wurde, in der diejenigen in der christlichen Lehre unterrichtet wurden, die sich zur Annahme des Christentums entschlossen oder es wirklich schon angenommen hatten. Jetzt entsagte er ganz dem Lehramt in den weltlichen Wissenschaften und widmete sich einzig dem heiligen Unterricht, mit einem Eifer, der auch heut zu Tage noch die höchste Bewunderung verdient. Er lebte so streng, dass er mit der täglichen Ausgabe von zwölf Kreuzern seine Bedürfnisse bestritt, übte sich in Fasten und strengen Abtötungen, widmete den Tag dem Unterricht und den Diensten der Liebe und den heiligen Schriften den größten Teil der Nacht. Die kurze, dem Schlaf bestimmte Zeit ruhte er nicht in einem Bett, sondern auf dem harten Fußboden. Der Statthalter Aquila quälte die Christen in harter Verfolgung. Währenddessen widmete sich Origenes in heiliger Liebe dem Dienst der gesamten alexandrinischen Christengemeinde. Er bekräftigte die Christen und Christinnen im Glauben, verkündete mit apostolischer Freimütigkeit den Heiden das Evangelium, besuchte die Bekenner Jesu Christi in ihren Fesseln, begleitete sie zum Verhör und zur Richtstätte und stand ihnen bei bis in den Tod. Dadurch erregte er gegen sich den bittersten Hass der Gegner der Christen. Sie rotteten sich zusammen, warfen Steine nach ihm, besetzten seine Wohnung mit Soldaten und misshandelten ihn sehr grausam auf verschiedene Weise mit der Absicht, ihn aus dem Weg zu räumen. Allein Gottes Hand schützte ihn und bewahrte sein für die Christen so kostbares Leben. Nicht nur durch seine Lehre, sondern durch seine gute Lebensweise gewann er unzählige Seelen für Jesus Christus. „Wie seine Lehre, so war auch sein Leben; und wie sein Leben, so auch seine Lehre“, sagt der Geschichtsschreiber Eusebius. Darum zog er unter dem mächtigen Einfluss der göttlichen Gnade so viele mit sich auf den Weg des ewigen Lebens.

 

Er sah bald einige seiner Jünger, die er dem Heidentum entrissen hatte, als Märtyrer sterben. Plutarchus war der erste, den er zum Glauben an den Sohn Gottes geführt hatte, und unter seinen Jüngern auch der erste Märtyrer. Origenes besuchte ihn im Gefängnis und verließ ihn bis zum Tod nicht. Bis zum letzten Atemzug stand er ihm bei und würde deswegen vom Volk, das ihm den Tod dieses jungen Mannes anrechnete, getötet worden sein, wenn nicht eine besondere göttliche Fügung ihn auch diesmal beschützt hätte. Der zweite Märtyrer von den Schülern des Origenes war Serenus, dessen Glaube im Feuer geprüft und bewährt befunden wurde. Der dritte war Herazides und der vierte Heron. Alle wurden durch das Schwert hingerichtet. Einer war erst getauft worden, einer war aber noch Katechumen, also durch die Bluttaufe Jesu Christi geheiligt. Ein anderer Schüler von Origenes, der auch Serenus hieß, duldete viele Marter und wurde schließlich enthauptet.

 

Auch Frauen aus der Schule des Origenes erkämpften sich in dieser Verfolgung die Marterkrone. Herais erhielt die Taufe durch das Feuer, das heißt, sie war noch Katechumen und wurde lebendig verbrannt.

 

Potamiäna war die Magd eines heidnischen Herrn, der von dem wilden Feuer der Wollust ganz beherrscht wurde. Er ließ sich von ihrer einzigartigen Schönheit betören und machte ihr die schändlichsten Anträge, die er durch Bitten und Versprechungen durchzusetzen versuchte. Die heilige Jungfrau widersetzte sich ihm mit fester Standhaftigkeit. Sie ließ sich durch keine Bitten bewegen, durch keine Versprechung blenden und durch keine Drohung erschrecken, sondern war entschlossen, eher das Leben, als den köstlichen Schatz der Unschuld zu verlieren. Darüber geriet der wollüstige Mann in Wut, überlieferte sie dem Statthalter mit einer Summe Geldes und mit der Bitte, sie durch Schrecken zu bewegen, dass sie sich seiner Lust ergebe, sie aber, wenn sie sich nicht dazu entschließen wollte, töten zu lassen. Der unmenschliche Statthalter ließ sie verschiedene grauenvolle Marter erdulden und drohte ihr schließlich, dass er sie den wilden Lüsten der Schergen preisgeben werde, wenn sie nicht Christus verleugnen und ihrem Herrn gehorsam sein wolle. Sie gab darauf eine Antwort, die für die Heiden wie eine Lästerung war. Sogleich erhielt ein Soldat, Basilides mit Namen, den Befehl, sie zur Hinrichtung abzuführen. Sie sollte entkleidet und in einen Kessel voll siedenden Peches verbrannt werden; dies war die schreckliche Todesstrafe, die der grausame Richter aussprach. Die schamhafte Jungfrau fürchtete sich mehr vor der schamlosen Entkleidung, als vor der schmerzlichen Todesstrafe. Sie bewog deshalb den Richter durch ihre dringenden Bitten, dass ihr die Kleider am Leib gelassen wurden. Sie wurde nun wirklich in das siedende Pech eingetaucht, zuerst mit den Füßen und nach und nach tiefer, bis es das Haupt erreichte und sie ihren Geist aufgab. Auch Marzella wurde durch den Martertod vollendet.

 

Als Potamiäna zum Marterplatz geführt wurde, drängte sich das Volk mit großem Ungestüm hinzu und stieß Schmähungen und unzüchtige Worte gegen sie aus. Der Soldat Basilides schreckte das Volk zurück und erwies sich gegen sie mitleidig und freundlich. Die heilige Martyrin wurde gerührt durch dieses Betragen des Kriegers und sprach zu ihm, er solle guten Mutes sein, sie werde nach ihrem Tod Gott für ihn bitten, der ihm seine an ihr erwiesene Menschenfreundlichkeit gewiss vergelten würde.

 

Bald nach ihrem Tod geschah es, dass die Mitsoldaten den Basilides zu einem Eid veranlassen wollten. Er erklärte, dass er nicht schwören dürfe, weil er ein Christ sei. Die Soldaten glaubten, dass er scherze. Als er aber auf dem Bekenntnis, ein Christ zu sein, verharrte, wurde er vor den Richterstuhl geführt, und weil er auch da den heiligen Glauben bekannte, in Fesseln gelegt und ins Gefängnis geworfen. Mehrere Gläubige besuchten ihn im Gefängnis und fragten ihn nach der Ursache seiner plötzlichen Bekehrung. Diesen erzählte er, Potamiäna sei ihm 3 Tage nach ihrem Martertod bei Nacht erschienen, habe ihm einen Kranz auf das Haupt gesetzt und erzählt, dass sie für ihn beim Herrn gebetet habe, dass sie erhört worden sei und dass er in Kürze bei ihr sein werde. Basilides wurde hierauf von den Gläubigen im Gefängnis getauft, legte am folgenden Tag vor dem Statthalter ein herrliches Bekenntnis von Jesus Christus ab und wurde enthauptet.

 

Der heilige Irenäus, Bischof und Martyrer von Lyon,

+ 28.6.202 - Fest: 28. Juni

 

Man hätte im Heiligenkalender wohl kaum einen anderen finden können, der so würdig wie Irenäus den morgigen Festtag Peter und Paul einläutet.

 

Der heilige Irenäus wurde um das Jahr 140 in Kleinasien von griechischen Eltern geboren, besaß hervorragende Geistesanlagen und genoss eine vortreffliche Ausbildung, so dass er zu den gescheitesten Männern seiner Zeit gehörte.

 

Von den Aposteln lebte damals keiner mehr, wohl aber gab es vereinzelt noch Apostelschüler, das sind solche, welche die heiligen Apostel und mindestens den heiligen Apostel Johannes, der um das Jahr 100 starb, noch gekannt und von ihnen die christliche Lehre aus erster Quelle erhalten hatten.

 

Irenäus ließ es sich angelegen sein, alle damals noch lebenden Apostelschüler aufzusuchen, und besonders lange weilte er bei dem heiligen Polykarp, der fünfzig Jahre vorher vom heiligen Apostel Johannes die Bischofsweihe empfangen hatte. Alles diese Männer forschte Irenäus aus nach dem, was die Apostel mündlich gelehrt hatten, und was er da von den Apostelschülern hörte, schrieb er sorgfältig nieder.

 

Dadurch hat Irenäus der Kirche einen großen Dienst erwiesen, denn die christliche Lehre ist nicht nur im geschriebenen Wort der Heiligen Schrift, sondern auch in den mündlichen Unterweisungen und Predigten der Apostel enthalten. Dadurch hat uns also der heilige Irenäus sicherlich einen großen Dienst erwiesen, dass er die mündliche Lehre der Apostel bei den damals noch lebenden Apostelschülern erforschte und sammelte.

 

Wie notwendig die Sammlung der mündlichen Überlieferung war, sollte sich bald zeigen, denn es traten unter den Christen Irrlehrer auf, die sagten, dass für den Glauben die Heilige Schrift allein maßgebend sei, welche diese Leute dazu auch noch nach eigenem Kopf mit ihrem beschränkten Verstand auslegten, ohne sich um die Auslegung der Kirche zu kümmern, die doch die Grundsäule und Grundfeste der Wahrheit ist. Es war ohne Zweifel eine gefährliche Irrlehre, welche vor allem die Einheit unter den Christen gefährdete. Da erhob sich Irenäus gegen die Glaubensverfälscher und wies an Hand der von ihm gesammelten Aussagen der Apostelschüler nach, dass sich der Glaube nicht nach der Bibel allein richten darf, sondern auch nach der mündlichen Überlieferung gestaltet werden muss, und zwar in der Form, wie beide, Bibel und Überlieferung, von der Kirche in Rom ausgelegt werden, die vor allen anderen Kirchen den höchsten Vorrang besitzt.

 

So verteidigte Irenäus die mündliche Überlieferung gegen die Glaubensverwässerer, kämpfte für den Frieden unter den Gläubigen und die Einheit der christlichen Welt unter dem obersten Hirten in Rom und stellte sich gleichsam schützend vor die Apostelfürsten Petrus und Paulus, weswegen ihm als ihrem Herold auch mit Fug und Recht die Ehre gebührt, dass sein Fest vor ihrem Fest am morgigen Tag gefeiert wird.

 

Die weiteren Schicksale des heiligen Irenäus sind in drei Worten schnell berichtet, denn er wurde Priester, Bischof und Martyrer.

 

Was also der heilige Irenäus uns heute an seinem Fest, am Vortag von Peter und Paul, zur Beherzigung vorlegt, ist die Tatsache, dass der wahre christliche Glaube auf der Bibel und auf der mündlichen Überlieferung in der Weise beruht, wie beide, Bibel und Überlieferung, von der römischen Kirche ausgelegt und zu glauben befohlen werden. Deshalb beten wir heute mit der Kirche:

 

„O Gott, du hast deinem heiligen Martyrer und Bischof Irenäus die Gnade verliehen, durch die Wahrheit seiner Lehre die Irrtümer zu überwinden und erfolgreich den Frieden der Kirche zu festigen; wir bitten dich daher: gib deinem Volk Standhaftigkeit im heiligen Glauben und spende unseren Zeiten deinen Frieden. Amen.“

 

Der heilige Heimerad (Heimrad), Priester und Einsiedler bei Kassel,

+ 28.6.1019 – Fest: 28. Juni

 

Heimerad wurde zu Meßkirch im Allgäu um 970 geboren. Von seinem Jugendleben ist wenig bekannt. Zum Priester geweiht, war er anfangs Hausgeistlicher bei einer adligen Matrone. Als diese aber noch einen anderen Priester annahm, verließ er sein Vaterland, um anderswo sein Glück zu versuchen. Zunächst reiste er nach Rom zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus, und kehrte von da in seine Heimat zurück. Bald darauf wallfahrtete er nach Palästina und verehrte mit besonderer Herzenswärme die heiligen Stätten der Geburt, des Leidens und Todes, der Auferstehung und Himmelfahrt des göttlichen Heilandes. Wie viele Tugenden er aus dieser Reise schöpfte, wie tief er sich das Leiden des Erlösers einprägte, zeigte sich in der Folge in jener bewunderungswürdigen Geduld, mit der er alle Schmähungen und Unbilden, Geißeln und schmerzliche Schläge nicht nur gern ertrug, sondern sogar wünschte.

 

Diesem Wunsch fehlte die Gelegenheit nicht, denn sein ganzes Leben war fortan nur Kreuz und Martyrium. Im Kloster Memleben an der Unstrut in Thüringen traf ihn Arnold, Abt von Hirschfeld, und lud ihn ein, in seinem Kloster das Mönchsleben kennen zu lernen. Heimerad stimmte zu und übte eine Zeitlang die Lebensweise der Mönche, ohne jedoch das Ordenskleid zu nehmen. Da ihm das dortige Leben nicht zusagte, bat er demütig um Entlassung. Der erzürnte Abt setzte ihn unsanft vor die Tür. Im nächsten Gasthaus äußerte Heimerad, dem Abt scheine der Adel seines Geschlechtes unbekannt zu sein; er sei der Sohn eines großen Königs, nämlich der Adoptivsohn Gottes und der Bruder Christi, des Königs der Könige. Als geschwätzige Zungen diese Rede dem Abt hinterbrachten, ließ dieser ergrimmt Heimerad zurückrufen, an einen Pfahl binden und von einem Henkersknecht derart auspeitschen, dass er einem Geschundenen ähnlich sah. Dennoch rief er unter dem Hagel von Hieben nur die Worte Davids: „Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit und nach der Menge deiner Erbarmungen tilge meine Missetat!“ Als er losgelöst ein wenig in der Hütte einer armen Frau saß, die ihr Mitleid äußerte, sprach er: „Frau, höre auf, mein Schicksal zu beklagen, beweine vielmehr deine Sünden, das wird dir mehr nützen“

 

Von Hirschfeld vertrieben, zog sich Heimerad in das Dorf Kirchberg bei Fritzlar zurück. Als aber bald darauf die dortige Kirche beraubt wurde, sollte er sich verantworten, er aber schwieg zu allen Verleumdungen und wurde deshalb mit Schimpf von den Bauern vertrieben. Durch Westfalen irrend, kam er nach Detmold, der späteren Hauptstadt der Fürsten von der Lippe. Dort waren zwei Kirchen, eine alte und vernachlässigte, und die Pfarrkirche mit einem Pfarrer und einem übelberüchtigten Vikar. Heimerad erhielt die alte Kirche zum Privatgottesdienst und zur Hilfeleistung in der Seelsorge. Als die Bewohner die außerordentliche Heiligkeit Heimerads bemerkten, strömten sie in großer Zahl zu ihm hin und brachten ihm viele Geschenke und Opfer. Diese verteilte er reichlich unter die Armen, während er selber zu Hause Hunger litt und gewöhnlich nur Wasser und Brot genoss. Darüber ergrimmten die beiden anderen Geistlichen, schmähten ihn und hetzten ihn zuletzt mit Hunden aus dem Ort.

 

Der Gottesmann lenkte seine Schritte nach Paderborn, wo sich damals Kaiser Heinrich II. mit seiner jungfräulichen Gemahlin Kunigunde aufhielt. Dort erwartete ihn neue Schmach. Als er mit runzligem Gesicht und abgetragenen Kleidern vor Bischof Meinwerk erschien, erzürnte er sich und rief: „Woher kommt dieser Schmierteufel an diesen Ort?“ Heimerad antwortete sehr bescheiden: „Ich habe keinen Teufel, ich bin ein Priester des höchsten Gottes und habe noch heute die heiligen Geheimnisse gefeiert.“ Der Bischof forderte seinen Erlaubnisschein, und als er ihn sehr vergilbt und beschmutzt fand, warf er ihn ins Feuer und ließ den Unschuldigen mit grausamen Schlägen züchtigen. Aber in bewunderungswürdiger Geduld ertrug er alle Peinen und Schmähungen so gleichmütig, dass er nicht einmal seufzte, sich vielmehr freute, eingedenk der Worte Christi: „Das Himmelreich leidet Gewalt und nur die, die Gewalt brauchen, reißen es an sich.“

 

Endlich gewährte Gott seinem treuen Diener ein Ruheplätzchen nicht weit von Kassel in Hessen auf dem Berg Hasung. Der Heilige sah diesen Ort mit denselben Augen an, mit denen der Patriarch Jakob die Stelle beschaute, auf der ihm die Himmelsleiter erschien. Gern wurde ihm der Platz gewährt und in kurzer Zeit wurde die Gastfreundschaft und Heiligkeit Heimerads so berühmt, dass Hohe und Niedere, Reiche und Arme ihn als Führer zum ewigen Heil aufsuchten.

 

Einst lud Graf Didico von Warburg zur Feier des heiligen Apostels Andreas, des Patrons der dortigen Kirche, den Bischof Meinwerk und auch Heimerad, ohne zu wissen, wie er früher von ihm behandelt worden war. Als der Bischof bei Tisch den Heimerad sich gegenüber sah, glaubte er, der Graf wolle ihn verspotten. Der Graf entschuldigte sich mit Unkenntnis des Vorfalls, beteuerte aber zugleich die Heiligkeit des Priesters. Der Bischof entgegnete: „Er trägt zwar den Schein der Tugend, besitzt aber nach meiner Meinung keine Tugend. Wie dem aber auch sei, morgen werde ich darüber Gewissheit erhalten beim Kirchengesang, denn entweder wird er beim Hochamt das Alleluja singen, oder, wenn er es nicht recht macht, wieder seinen Rücken für Schläge herhalten..“ Der Graf und noch mehr Heimerad wandte ein, seine Stimme sei nicht geschult und er kenne keine Noten. Da aber der Bischof unbeugsam blieb, fügte sich Heimerad seinem Willen und sang am anderen Morgen so richtig und schön, dass alle Zuhörer nicht einen Menschen, sondern einen Engel vom Himmel zu hören glaubten. Der erstaunte Bischof fiel nach beendigtem Hochamt dem Heimerad zu Füßen, bat ihn um Verzeihung und war von der Zeit an dem demütigen Diener Gottes sehr zugetan.

 

Der Name Heimerads wurde bald weit und breit bekannt und vom Volk der Sachsen hochverehrt. Als er einst in der Vorhalle der Kirche ruhte, stieg plötzlich ein ganzes Heer von Ameisen an ihm herauf. Staunend, dass ihm nichts geschah, weckten ihn die Herzugetretenen. Er aber sprach: „Es ist keine Gefahr, fürchtet nichts, denn wie ihr jetzt das Ameisenheer, ein Bild der Zukunft, über mich kommen seht, so werdet ihr bald nach meinem Tod Menschen aus allen Nationen mit Gelübden und Opfern zu diesem Berg steigen sehen.“

 

Einst rief ihn ein frommer Mann aus der Nachbarschaft, der eine große Liebe zu dem Heiligen hegte, zu seinem Haus, zeigte ihm seinen toten Hahn, den ein boshafter Junge mit einem Stein totgeworfen hatte, und klagte sehr über den Verlust des Tieres, das ihn an jedem Morgen zum Gottesdienst geweckt hätte. Gerührt von der Klage des armen Mannes, erhob der Diener Gottes seine Rechte, machte das Kreuzzeichen und sogleich stand der Hahn gesund auf, als wäre er nie verletzt gewesen.

 

Als er einmal in dem Dorf Elsen die heilige Messe las, wurde er im Geist entzückt. Erst am Abend kehrte er wieder zu sich zurück und vollendete die heilige Messe. Nach der Messe bewirtete er, wie gewöhnlich die Fremden. Da fragten ihn einige, warum er so lange bei der heiligen Messe verweilt habe? Er antwortete: „Zu der Zeit war ich nicht zugegen. Ich schien euch dem Leib nach gegenwärtig, aber ich folgte einer Sendung des Geistes Gottes.“ O glückliche Seele, die schon auf Erden mit den Geistern des Himmels verkehrt!

 

Als die Zeit seines endgültigen Abschiednehmens herannahte, schien Heimerad im Geist entrückt zu sein. Die Umstehenden trauerten bereits und weinten um ihn. Er fragte sie: „Warum weint ihr?“ Sie antworteten: „Wir beklagen deinen Tod.“ Er erwiderte: „Freut euch, so als ginget ihr zur Hochzeit und Festlichkeit, die ihr bald auf diesem Berg feiern werdet. Nach nicht langer Zeit werdet ihr an diesem Ort ein Kloster errichtet sehen und eine Menge Brüder, die sich zum heiligen Dienst versammeln.“ Am 28. Juni 1019 legte er das Gewand der Sterblichkeit ab, um das himmlische anzulegen, wie augenfällige Wunder und Zeichen an seinem Grab bekunden.

 

Elf Tage nach dem Heimgang des heiligen Heimerad ging ein glaubensloser Mann, namens Benno aus Hessen, an seinem Grab vorüber, verhöhnte und verlachte ihn. Sogleich fuhr der Teufel in ihn. Als seine Angehörigen ihn zum Grab des Gottesmannes führten und mit Fasten und Beten Tag und Nacht für ihn anhielten, entfloh der böse Feind und Benno empfing seine frühere Gesundheit und Geistesfreiheit zurück.

 

Zwei Gichtbrüchige, namens Poppo und seine Frau Machtild aus Friesland, flehten am Grab des heiligen Bekenners inbrünstig und gläubig um Heilung von ihrem schmerzlichen Übel, und wurden vollständig geheilt. – Im Lauf der Zeit pilgerten immer mehr Hilfsbedürftige zum Grab des Heiligen, Blinde ließen sich hinführen, Gichtische und Gelähmte ließen sich hintragen oder fahren, Taube, Aussätzige, vom Teufel Besessene und Kranke aller Art suchten und fanden Genesung durch die Fürbitte des Heiligen. Besonders an seinem Todestag strömte eine Menge Volkes zu der Kirche, in der die Reliquien Heimerads ruhten. An einem einzigen Tag erhielten dort zweiunddreißig Kranke in Gegenwart der Geistlichkeit und des Volkes plötzlich ihre Gesundheit in wunderbarer eise zurück. So ehrt der Herr seine treuen Diener, um die Gläubigen zur Nachfolge ihrer Tugenden zu ermuntern. Welche Wonne, welche Ehre und Herrlichkeit wird dort oben die treuen Diener Gottes krönen, die in Kämpfen und Leiden treu aushielten und die Perlen edler Tugenden zu einem Königsdiadem um ihr Haupt wanden!

 

29. Juni

 

Die heiligen Apostel Petrus,

Simon, Fischer, Apostelfürst, 1. Papst und Martyrer von Rom,

+ 29.6.67,

und Paulus, Saulus aus Tarsus, Völkerapostel und Martyrer von Rom,

+ 29.6.67

Fest: 29. Juni

 

In der ganzen katholischen Welt, vorzugsweise aber in Rom, dem Mittelpunkt der Christenheit, wird das heutige Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus mit Recht wie ein zweites Osterfest gefeiert, denn im Martertod der beiden Glaubenszeugen wurde der Sieg Christi auch über das Heidentum grundgelegt. Ihr Sterbetag war der Ostertag des christlichen Rom und der Geburtstag des christlichen Abendlandes. Wie ein zweites Osterfest ist der heutige Tag.

 

Der heilige Apostel Petrus:

 

Da fährt vor zweitausend Jahren ein Boot auf den See Genezareth hinaus. Die Fischer werfen die Netze zum Fang aus. Tag für Tag tun sie es. Unter den Männern, die da mit Netz und Angel ihr Handwerk betreiben, ist einer, der Simon heißt, ohne Schulbildung, hitzig und blitzig im Wesen, aber ein kerniger Mann, ein Geradeaus, treuherzig und dienstbereit und im Übrigen nur einer von den vielen. Alles in allem, Simon, der Sohn des Jonas, ist ein unbekannter Fischer in einem verlorenen Winkel der Welt, über den nach dem Tod die Zeit hinweggehen wird, wie die Wellen des Sees die Spur seiner Barke verschlingen.

 

Doch da taucht eines Tages im Blickfeld des galiläischen Fischers ein Mann auf, der schon bald weitum im Land ein Stein des Anstoßes für die einen und für die anderen die Beseligende Erfüllung einer jahrhundertealten Sehnsucht sein wird. Diesem Einzigen und Herrlichen begegnet der unbekannte Fischer Simon, und als er ihm begegnet, legt der andere in freier Gnadenwahl die Hand auf ihn und nimmt ihn für sich so ausschließlich in Beschlag, dass er ihm sogar einen neuen Namen gibt. Simon hieß der Fischer, Petrus wird der Menschenfischer heißen, Petrus der Fels, auf den der Herr seine Kirche bauen will.

 

Es war ein etwas wackeliger Fels, dieser Simon Petrus, denn alle Liebe und Hingabe, die er ehrlich und herzlich in männlich schöner Art dem Meister entgegenbringt, können es nicht verhindern, dass derjenige, der kurz zuvor Treue bis in den Tod geschworen hat, im Augenblick der Gefahr bei der Gefangennahme Jesu schmählich flieht und eine Stunde später dreimal steif und fest behauptet, dass er diesen Menschen nicht einmal kenne.

 

Ein wackeliger Fels war Petrus, aber trotzdem hat ihn der Herr, weil er ihn zum Eckstein auserlesen hatte, nicht verworfen, sondern auf ihn seine Kirche gebaut, groß und mächtig, und siehe da, wenn Menschen ohne Gott selbst auf Granit bauen, stürzt der Bau einmal zusammen. Wenn aber Gott auf einen wackeligen Felsen baut, so hält der Bau jahrtausendelang.

 

So war es bei Petrus. Bitter hat derjenige, den der Herr des größten Vorzuges würdigte, seine Untreue bereut, und die Reue hat er mit dem Blut im Martertod besiegelt, froh, dass er wie der Meister gekreuzigt wurde und dass ihm die Gnade zuteil wurde, mit dem Haupt nach unten gekreuzigt zu werden, weil er sich der Ehre nicht würdig hielt, auf die gleiche Weise wie der Herr zu sterben.

 

Als dann Petrus an der Stätte, wo er gerichtet, auch begraben wurde, war das Fundament gelegt, fest und stark und unzerstörbar, so dass darauf der herrlichste Dom, den es auf Erden gibt, errichtet werden konnte, in dessen Kuppelwölbung mit goldenen Buchstaben die für alle Zeiten unlöschbaren Worte stehen: „Du bist Petrus, der Fels. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“

 

Doch Sankt Peters Dom zu Rom, wie herrlich und groß er auch sein mag, ist nur ein schwaches Abbild jener weit herrlicheren und größeren unsichtbaren Kirche, welche die gesamte Christenheit darstellt. Auch diese Kirche, die sich über alle fünf Weltteile erstreckt, ist gebaut und steht fest begründet auf dem Felsenmann Petrus, der ehedem ein unbekannter Fischer war, dann aber durch die Gnade Gottes seit zweitausend Jahren das Fundament ist, auf dem die Kirche steht, von der Christus gesagt hat, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden.

 

Der heilige Apostel Paulus:

 

Etwa um die Zeit, da der zwölfjährige Jesus mit Maria und Josef zum Tempel nach Jerusalem wallfahrtete, erblickte weitab in der kleinasiatischen Stadt Tarsus ein Kind das Licht der Welt, dem die Eltern in Anlehnung an die Heilige Schrift des Alten Testamentes den Königsnamen Saul gaben, und ein Fürst ist der Junge auch geworden, ein Fürst im Reich des Christkönigs, einer von den beiden Apostelfürsten.

 

Sauls Eltern waren strenggläubige Israeliten, die den Sohn in der Ehrfurcht vor dem Herrn erzogen, so dass der zwanzigjährige junge Mann, der für den Lebensunterhalt das schwere Zeltweberhandwerk erlernt hatte, nach Jerusalem übersiedelte und sich an der dortigen jüdischen Hochschule im Gesetz unterrichten ließ, um später als Gesetzeslehrer zu wirken. Es geschah das um die gleiche Zeit, da der Heiland öffentlich auftrat und den Kreuzestod starb.

 

Saulus hat damals den Erlöser nicht gefunden, denn er gehörte zu den halsstarrigen Juden, die den Messias nicht annahmen, sondern sich ihm widersetzten, und als sich nach dem Pfingstfest die Kirche Jesu Christi unter dem jüdischen Volk ausbreitete, entwickelte sich Saulus zu einem eifrigen Verfolger, der alle Christen, die er ausfindig machen konnte, dem Hohen Rat, der obersten Gerichtsbehörde in Israel, mit Lust und Wonne anzeigte.

 

Als Stephanus, der erste Martyrer, gesteinigt wurde, übergaben diejenigen, die ihn töteten, dem Saul die Kleider zum Aufbewahren, und höhnisch lächelnd, schaute der junge Gesetzeslehrer dem grausamen Werk der Steinigung zu. Kurze Zeit später war Saulus mit einem polizeilichen Aufgebot nach Damaskus unterwegs, um auch die dortigen Christen aufzuspüren und anzuzeigen.

 

Als allerdings der blindwütige Mann in Damaskus anlangte, war er kein Christenverfolger mehr, denn Christus war ihm unterwegs erschienen und hatte in einem einzigen Augenblick an ihm das Wunder der Bekehrung vollbracht. So gut ist das Herz des Heilandes, dass es sich selbst der ärgsten Feinde huldvoll erbarmt.

 

Saulus wurde Christ und ließ sich fortan Paulus nennen, das heißt auf Deutsch „der Geringe“, aber aus dem Geringen wurde später einer, der mit Petrus zu den beiden Apostelfürsten zählt. Es ist fast unglaublich, was der ehemalige wütende Christushasser in einer grenzenlosen Christusliebe geleistet hat, um das Evangelium des Gekreuzigten den Juden und den Heiden zu verkündigen.

 

Etwa fünfzehn Jahre lang war der körperlich schwache und stets kränkelnde Mann auf Missionsreisen unterwegs. Aneinandergereiht, legte Paulus zu Land einen Weg zurück, der zehnmal der Strecke von München nach Rom entspricht, und die Reisen des Heiligen zur See machen viermal die Entfernung von Rom nach Jerusalem aus. Von den unvorstellbaren Mühen dieser Missionsreisen aber erzählt der Apostel selbst:

 

„Vielerlei Mühen habe ich erduldet, häufige Kerkerhaft, Misshandlungen über alle Maßen und oftmals Todesgefahr. Fünfmal empfing ich von den Juden vierzig Streiche weniger einen. Dreimal wurde ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt, dreimal litt ich Schiffbruch, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf hoher See. Reisen in großer Zahl, Gefahren in Flüssen, Gefahren von Räubern, Gefahren von meinem Volk ... Mühsal und Elend, schlaflose Nächte, Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße ...“

 

So berichtet derjenige, der sich selbst den Geringsten unter den Aposteln nennt, und doch ist dieser Mann ganz groß, und überall, wo er weilte, gründete er Christengemeinden, verkündete unablässig die Frohbotschaft vom Reiche Christi, hielt durch Briefe die fernen Glaubensbrüder bei der Stange, saß um des Glaubens willen zwei Jahre im Kerker, stand zwei weitere Jahre unter polizeilicher Aufsicht, duldete und litt, nur rastete und ruhte er nicht bis zum glorreichen Martertod am 29. Juni des Jahres 67.

 

Die heilige Hemma, Gräfin von Gurk und Nonne,

+ 29.6.1045 – Fest: 29. Juni

 

Die heilige Hemma, geboren im Jahr 983, war die Tochter des mächtigen Grafen Engelbert von Peilenstein in Kärnten und der Gräfin Tuta, einer Verwandten des Kaisers Heinrich II. Die frommen Eltern wandten alle Sorge an, um die vorzüglichen Anlagen des Geistes und Gemütes ihres Kindes zur vollen Blüte zu entwickeln. Was die edlen Eltern grundgelegt hatten, erhielt seine Vollendung am kaiserlichen Hof unter der Fürsorge der heiligen Kunigunde.

 

Als Hemma zu einer schönen jungen Frau herangewachsen war, warb der edle Landgraf Wilhelm von Friesach und Zeltschach um ihre Hand und sie willigte ein. Beide Eheleute wetteiferten in Frömmigkeit und Wohltätigkeit. Jeden Tag hörten beide die heilige Messe und jeden Sonntag empfingen beide die heilige Kommunion, und gaben dem Volk das schönste Beispiel echter Religiosität. Gott schenkte ihnen zwei Söhne, die in die Fußstapfen ihrer Eltern traten und zu den schönsten Hoffnungen berechtigten. Nur zu bald sollte dieses Glück zerstört werden.

 

Der Landgraf Wilhelm beschäftigte in seinem ergiebigen Gold- und Silberbergwerk zu Friesach und Zeltschach zahlreiche Knappen, die einen hohen Lohn verdienten, aber auch häufig wieder in sündhaften Vergnügungen und Ausschweifungen vergeudeten. Einst sah sich der sonst so gütige Herr genötigt, einen Knappen wegen eines schändlichen Verbrechens und öffentlichen Ärgernisses mit dem Tod zu bestrafen. Deswegen schworen ihm die übrigen Knappen blutige Rache und ermordeten seine beiden Söhne, als sie arglos die Goldgruben beschauten.

 

Wer möchte den Schmerz der Eltern beschreiben, die so plötzlich ihrer lieben Kinder beraubt wurden! Mit gebrochenem Herzen kniete die tiefgebeugte Mutter am Grab ihrer ermordeten Söhne, aber alle ihre Tränen erweckten sie nicht zu neuem Leben. Der unglückliche Vater stürmte racheschnaubend mit seinen Männern auf die verschanzten Knappen los und hieb in einem furchtbaren Blutbad alle nieder. Nach gestillter Rache kehrte das ruhigere Bewusstsein wieder und die Qual seines Gewissens, dass er mit den Schuldigen auch manchen Unschuldigen getötet hatte, trieb ihn von seiner Heimat fort. Im härenen Bußgewand wallfahrtete er nach Rom und erhielt dort vom Statthalter Christi die Lossprechung von seiner drückenden Schuld. Mit erleichtertem Herzen verließ er die Gräber der Apostel und Martyrer, starb aber unterwegs, ohne seine Heimat wiederzusehen.

 

Die kinderlose Witwe stand nun allein in der Welt, allein mit ihrem blutenden Herzen und ihrer unaufhörlichen Sehnsucht nach Wiedervereinigung mit den teuren Toten. Ihren einzigen Trost fand sie im innigsten Gebet und in christlichen Liebeswerken. Da legte ihr Gott den schönen Gedanken ins Herz, eine neue Familie zu gründen, eine Gottesfamilie, die bis in die fernsten Zeiten reichen und viel Gutes stiften sollte. Sie baute zu Ehren der schmerzensreichen Mutter Maria in dem waldigen Tal von Gurk ein herrliches Frauenkloster und stattete es mit reichlichen Einkünften für siebzig Jungfrauen aus. Daneben errichtete sie eine prächtige Kirche und ein Chorherrnstift für zwanzig Priester, die den Gottesdienst und die Seelsorge versahen. Sie selbst leitete den Bau und zahlte jeden Abend eigenhändig den Arbeitern ihren Lohn aus. Als der Bau vollendet war, schenkte sie ihr fürstliches Vermögen an Bistümer und Klöster und bat selbst um Aufnahme in das von ihr gestiftete Kloster. Fortan lebte sie als einfache Nonne in rauem Ordensgewand noch drei Jahre in eifriger Übung der niedrigsten Dienste, bis ein seliger Tod im Jahr 1045 ihre Sehnsucht nach dem Himmel stillte. Viele Wunder verherrlichten ihr Grab. Papst Pius II. versetzte sie unter die Zahl der Seligen, Papst Pius XI. bestätigte 1938 ihre Heiligsprechung. Aus ihrer frommen Stiftung entstand eine gesegnete Pflanzstätte christlichen Glaubens und heiliger Gottesverehrung, und wurde der Sitz des Bischofs von Gurk in Kärnten.

 

Die selige Salome, Reklusin von Niederaltaich, Bayern,

+ 29.6.879 – Fest: 29. Juni

 

Die Schönheit der Seele prägt sich gar oft im Antlitz des Menschen aus und verleiht ihm eine solche Anmut und Würde, dass man glaubt, ein Engel habe sichtbare Gestalt angenommen, um zum Himmel hinzuweisen. Ein solches Meisterwerk des Schöpfers war Salome, eine edle Jungfrau aus dem königlichen Stamm Englands, von der man sagte, ihr Leib habe nur eine Unvollkommenheit gehabt, nämlich die, dass er sterblich war. Aber noch schöner war ihre Seele, denn sie liebte Gott über alles und verabscheute die stolze, üppige Welt.

 

Um nicht von den Reizen des fürstlichen Hofes zur Lauheit im Dienst Gottes verlockt zu werden, fasste sie den heldenmütigen Entschluss, heimlich ihr Elternhaus zu verlassen und ein armes, in Gott verborgenes Leben zu führen. Ihren geheimen Plan vertraute sie nur zwei zuverlässigen Mägden. Diese erklärten sich bereit, ihre Herrin auf ihrer weiten und gefahrvollen Reise ins Heilige Land zu begleiten. Alle drei legten unansehnliche Kleider an und begaben sich auf die Reise. Wie viele Gefahren zu Wasser und zu Land, vor Räubern und wilden Tieren, wie viel Hunger und Durst in der Wüste und unbewohnten Landstrichen, wie viel Hitze und Kälte sie erleiden mussten, weiß Gott allein. Dennoch vertrauten sie dem Schutz ihrer Engel und erreichten glücklich die heilige Stadt Jerusalem. Was mögen jene frommen Seelen empfunden haben beim Anblick Golgathas, wo der liebe Heiland sein Blut für die sündige Welt vergoss? Wie wird sich ihre Andacht versenkt haben in das Leiden unseres Erlösers, als sie die Stätten küssten, die sein Fuß betrat und sein heiliges Blut benetzte! Von Jerusalem wanderten die gottbegeisterten Jungfrauen zur Geburtsstätte Jesu bei Betlehem, nach Nazareth, wo die Erlösung der sündigen Menschheit begann, nach Kafarnaum, wo Jesus seine Bergpredigt hielt, und nach all den Orten, die die Gegenwart Christi geheiligt hat.

 

Nachdem Salome den Leidensweg einmal betreten hatte, sollte sie fortan dem gekreuzigten Heiland nachfolgen. Auf ihrer Rückreise verlor sie ihre beiden treuen Gefährtinnen durch den Tod. Dennoch beschloss Salome, nicht an den königlichen Hof zurückzukehren, sondern arm und heimatlos allein für Gott zu leben. Auf ihrer Weiterreise fand sie Unterkunft auf einem Landgut bei Regensburg. Ein junger Soldat sagte ihr Schmeicheleien wegen ihrer Schönheit. Da schlich sie sich traurig fort, fiel in einer Wiese auf ihre Knie nieder und flehte zu Gott unter einem Strom von Tränen, er möge ihr die körperliche Schönheit wegnehmen, damit sie niemand Anlass zu sündhafter Anfechtung gebe. Gott erhörte ihre Bitte und nahm ihr das Augenlicht. Blind irrte sie umher und fiel bei Passau in die Donau. Schon hatte sie die Besinnung verloren, als zwei Fischer sie aus dem Wasser zogen. Sie kehrte zum Leben zurück, um noch Härteres zu erdulden.

 

Bald darauf bekam die blinde Jungfrau noch die schreckliche Krankheit des Aussatzes. In der Nähe von Passau ging sie umher und nährte sich von den Almosen mitleidiger Leute. Eine vornehme und fromme Frau namens Heika nahm die obdachlose Salome gütig in ihr Haus auf und behielt sie drei Jahre lang ei sich. Hier führte sie ein sehr strenges Bußleben und verweilte oft ganze Nächte in der Kirche, so dass sie im Winter oft ganz erstarrt war. Ihr sehnlichster Wunsch war, als eingeschlossene Jungfrau in einer Klause neben einer Kirche Gott ausschließlich dienen zu können. Die gütige Heika teilte ihrem Verwandten, dem Abt von Niederaltaich, den Wunsch der blinden Jungfrau mit. Dieser baute ihr an der Wand des Chores eine Zelle, und hier lebte Salome in frommen Übungen, um sich auf einen gottseligen Tod vorzubereiten.

 

Während Salome in ihrer Weltabgeschiedenheit ihrem himmlischen Bräutigam im nahen Tabernakel ihre Huldigungen darbrachte, forschte ihre Base Judith, die Tochter des Königs von England eifrig nach der lieben Verschwundenen. Sie ahnte das Ziel der Reise ihrer frommen Verwandten und reiste selbst mit einem großen Gefolge in das Heilige Land. Nach langem Suchen erfuhr Judith den Aufenthalt ihrer Base und begrüßte mit inniger Freude die Wiedergefundene. Judith gedachte Salome nach England zurückzuführen, aber bald genoss sie eine solche Freude an der Einsamkeit, dass sie sich entschloss in gleicher Weise, wie ihre Base, ihre Tage ganz Gott zu weihen. Weil ihr Gemahl gestorben und ihre Ehe kinderlos geblieben war, stand ihrem Verlangen kein Hindernis mehr im Weg. Sie bat deshalb den Abt, dass er neben der Zelle Salomes noch eine andere baue, um mit ihr ein gleichförmiges Leben zu führen. Beide wetteiferten fortan in heiligen Übungen.

 

Gott schenkte der blinden Salome die wunderbare Gnade, dass sie an jedem Muttergottesfest das Gesicht wieder erhielt. Sie erblickte dann jedes Mal ihren himmlischen Bräutigam Jesus Christus in unaussprechlicher Schönheit. Diese Erscheinung gab ihr einen Vorgeschmack von der himmlischen Wonne und dem ewigen Licht, zu dem sie bald einging. Was mag sie empfunden haben, als ihr der himmlische Bräutigam entgegenging und sie in das Reich des ewigen Lichtes und Friedens einführte!

 

Nach ihrem Tod sah man öfters zur Nachtzeit in ihrer Zelle glänzende Lichter, als gingen Engel darin umher. Einige Jahre später beschloss auch Judith ihr frommes, abgetötetes Leben. Beide wurden zusammen in einen steinernen Sarg gelegt, mit der Inschrift: „Judith und Salome, bittet Gott für mich!“

 

30. Juni

 

Der heilige Otto, Graf von Riedenburg und Mönch in Walderbach,

+ 30.6.1150 - Fest: 30. Juni

 

Als der Freiherr Otto von Mistelbach in Mittelfranken um das Jahr 1062 geboren wurde, standen in seines Vaters Stall anstatt einer Reihe von rassigen Rossen, wie man sie damals auf den Ritterburgen allgemein vorfand, nur mehr zwei Esel, so arm war die ehedem reiche Familie geworden. Früh starben die Eltern, und Ottos ältester Bruder, der Erbe der ritterlichen Armut, ein rauer Mensch, ruhte nicht, bis er den Benjamin des Hauses aus dem Schloss verdrängt hatte, um einen Mitesser weniger am Tisch zu haben. Ottos erste Jugend war nicht schön.

 

Wie indessen ein einsamer Baum auf steiler Bergeshöhe in den Stürmen, die ihn umtosen, zwar langsamer, aber umso kräftiger heranwächst, so erging es auch dem jungen Otto von Mistelbach. Nachdem er in einer Klosterschule die Anfangsgründe der Wissenschaft erlernt hatte, zog er, weil er keinem auf der Tasche liegen wollte, nach Polen und gründete dort, wo es zu der Zeit erst wenige Lehrer gab, eine Lateinschule. Zwar wusste er anfangs noch nicht viel mehr als die Schüler, aber er verdiente sich wenigstens den Lebensunterhalt und bildete sich selbst rastlos weiter aus. Bald konnte er sich dem Bischof zur Prüfung stellen, und nachdem er die Prüfung bestanden hatte, empfing er die Priesterweihe. Von da an stieg Ottos Lebensweg steil in die Höhe. Der fähige Priester wurde Hofkaplan bei dem polnischen Herzog, wechselte in der gleichen Stellung an den deutschen Kaiserhof über, war eine Zeitlang deutscher Reichskanzler, und mit vierzig Jahren bestieg er den Bischofsstuhl zu Bamberg. Aus dem hungrigen Studenten war ein Fürst in Welt und Kirche geworden.

 

Otto war ein tatenfroher Bischof. Immer schaffte er. Er stellte die abgebrannte Domkirche in Bamberg wieder her, trug selbst Steine und Mörtel herbei und kletterte wie ein Maurer auf den Baugerüsten umher. Oft predigte er dem Volk und gab den Kindern Glaubensstunden. Zwanzig Klöster ließ er errichten, und als man ihm deswegen vorwarf, er sei verschwenderisch, antwortete er, man könne nicht genug Gasthäuser für die Pilger bauen, die von der Erde ins himmlische Vaterland reisen wollten. Das war eine schöne Antwort.

 

Des Bischofs Hauptsorge galt den Armen. Wenn ein Fürst zu ihm kam, blieb er sitzen, denn er war auch ein Fürst, stellte sich aber ein Armer bei ihm ein, so stand Otto auf und hörte ihn stehend an, denn in jedem Armen sah er den Herrn Jesus Christus. Um den Notdürftigen gut und gründlich helfen zu können, lebte Bischof Otto für sich selbst äußerst bescheiden, flickte sich selbst seine Kleider, aß fast nur Brot und Gemüse, und als ihm einmal ein großer, schmackhaft zubereiteter Fisch vorgesetzt wurde, erkundigte er sich gleich nach dem Preis. „Acht Groschen“, gab man ihm zur Antwort. „Wie!“ entgegnete er, „acht Groschen? Das ist zu viel. Weg damit! Bringt den teuren Fisch einem armen Kranken! Ich bin gesund und kann mit einem Stück Brot auskommen.“ So war der Bischof Otto.

 

Otto war auch ein großer Missionar. Damals war das Pommernland noch heidnisch. Wohl hatten sich früher bereits andere Glaubensboten um die Bekehrung der Pommern bemüht; weil sie aber als arme Mönche kamen, vertrieb man sie unter Spott und Hohn mit den Worten: „Wenn euer Gott, den ihr als den reichen Herrn des Himmels und der Erde preist, wirklich der wahre Gott wäre, so würde er euch nicht als Bettler zu uns senden.“ So hatten die Heiden in ihrem Unverstand gesagt. Deshalb schlug Otto einen anderen Weg ein. Mit großer Pracht kam er ins Land, mit vielen hochbeladenen Wagen und herrlich geschirrten Rossen, mit gepanzerten Rittern und reichgekleideten Dienern, während er sich selbst, der daheim der Armen wegen geflickte Kleider trug, im goldglänzenden Bischofsschmuck mit Stab und Mitra zeigte. Dieses Auftreten machte auf die Pommern sichtlich Eindruck, so dass sie das Christentum annahmen. Deshalb wird der heilige Otto mit Recht der Apostel der Pommern genannt, und bis ins späte Mittelalter hinein wallfahrteten die dankbaren Pommern jedes Jahr an Ottos Grab nach Bamberg, wo der Heilige siebzigjährig am 30. Juni 1139 starb.

 

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Außerdem ist der 30. Juni ein Fest aller Märtyrer, die in der Verfolgung Kaiser Neros ihr Blut vergossen. Seit 1923 wird dieses Fest in Rom gefeiert. Der neue römische Kalender hat diesen Gedenktag, der sich an das Fest der Apostel Petrus und Paulus anschließt, auf die ganze Kirche ausgedehnt.

 

„Um das Gerücht aus der Welt zu schaffen, er selbst habe die Stadt Rom angezündet, schob Nero die Schuld auf andere und verhängte die ausgesuchtesten Strafen über die wegen ihrer Verbrechen verhassten Menschen, die das Volk Christianer nannte. Der Name leitet sich von Christus ab, der unter der Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet wurde. Man verhaftete also zuerst die Leute, die bekannten, dass sie Christen waren, dann auf ihre Anzeige hin eine ganze Menge. Sie wurden nicht gerade der Brandstiftung, wohl aber des allgemeinen Menschenhasses überführt. Die Todgeweihten benützte man zum Schauspiel. Man steckte sie in Tierfelle und ließ sie von Hunden zerfleischen, man schlug sie ans Kreuz oder zündete sie an, man ließ sie nach Einbruch der Dunkelheit als Fackeln brennen. Nero hatte für diese Schauspiele seinen Park zur Verfügung gestellt und veranstaltete ein Zirkusspiel. Im Aufzug eines Wagenlenkers mischte er sich unter das Volk oder stand auf seinem Wagen.“ Das schreibt der heidnische römische Geschichtsschreiber Tacitus im 15. Buch seiner Annalen.