Heilige im Juli

 

1. Juli

 

Der heilige Einsiedler Theobald,

+ 30.6.1066 - Fest: 1. Juli

 

Die Reihe der Heiligen dieses Monats eröffnet ein heiliger Einsiedler, Theobald, auch Thietbald oder Thibaut genannt. Er ist ein Beispiel des tiefen Einflusses der Lesung der Lebensbeschreibung der Heiligen.

 

Aus adeliger Familie, um das Jahr 1033 zu Provinz in der Champagne in Frankreich geboren, erhielt er von frommen Eltern eine gediegene Erziehung; sie wurde von einem Oheim, dem Erzbischof von Vienne, fortgesetzt. Von Kindheit an hatte Theobald Neigung zum einsamen Leben und zum Gebet. Sein größtes Vergnügen aber war, die Lebensgeschichte heiliger Frauen und Männer zu lesen, die auf alles verzichteten, was die Welt hochschätzt, und sich in Einöden dem Gebet und der Vollkommenheit weihten. Sein sehnlichster Wunsch war, diese Heiligen nachzuahmen. Darin wurde er noch bestärkt durch mehrfache Besuche bei einem frommen Einsiedler auf einer Insel der Seine, dem er Geschenke von den Eltern überbringen durfte.

 

Als Theobald herangewachsen war, dachte sein Vater ernsthaft daran, ihm durch eine ansehnliche Verbindung eine glänzende Zukunft zu bereiten.

 

Als die Bitten des jungen Mannes, ihn mit solchen Plänen zu verschonen, umsonst waren, entfloh er heimlich mit einem gleichgesinnten ritterlichen Freund, namens Walter, nach Deutschland. In einem Wald in der Nähe des Dorfes Pettingen in Luxemburg begannen die beiden ein Einsiedlerleben, das sie nur unterbrachen zu einer Wallfahrt zum Grab des heiligen Apostels Jakobus in Compostella in Spanien und nach Rom.

 

Sie planten dann noch eine Pilgerfahrt nach Palästina; aber ihre geschwächte Gesundheit hinderte sie an der Ausführung. So entschlossen sie sich, in der Wildnis von Salanigo bei Vicenza in Italien zu bleiben. Nach kurzer Zeit starb Walter. Theobald setzte nun allein ein Leben des Gebetes und der Buße fort. Auf Wunsch des Bischofs von Vicenza ließ er sich die Priesterweihe erteilen und übernahm die geistliche Leitung heilsbegieriger Christen, die durch seine Lehre und sein Beispiel zu großer Vollkommenheit gelangten.

 

In der Nähe von Salanigo befand sich das Kamaldulenserkloster Vangadice. Theobald stellte sich unter die Leitung des Abtes Petrus und empfing von ihm das Ordenskleid.

 

Die harten Bußübungen hatten die Gesundheit des frommen Mannes vorzeitig geschwächt; es befiehl ihn eine schmerzhafte, schleichende Krankheit, die ihn, kaum 33 Jahre alt, nach zweijährigem Krankenlager am 30. Juni des Jahres 1066 wegraffte, zwölf Jahre nachdem er seine Heimat verlassen hatte.

 

Abt Petrus beschrieb sein Leben und Gott verherrlichte seinen Diener durch viele Wunder. Theobalds irdische Überreste wurden zuerst in der Kapelle bei seiner Einsiedelei bestattet, später nach Vicenza und dann in die Abtei von Vangadice, jetzt das Städtchen La Badia, übertragen; ein Teil kam in seine Heimat. Papst Alexander II. (+ 1073) sprach ihn heilig.

 

In Luxemburg, Belgien, Frankreich und Italien genießt Theobald hohe Verehrung; viele Städte und Vereinigungen erwählten ihn zu ihrem Beschützer; die Köhler verehren ihn als besonderen Patron. Zu hoher Berühmtheit gelangten im Mittelalter einige Theobaldusbrunnen, wo viele Gläubige in Nöten und Krankheiten beim Heiligen Hilfe suchten und fanden. Auf alten Bildern ist er manchmal als Ritter, aber oft als Einsiedler dargestellt. Sein Fest feiert die Kirche am 1. Juli.

 

Sein Leben ist auch für uns eine Einladung und Mahnung zu Gebet und Buße, um dadurch unser ewiges Heil und Gottes Hilfe in jeder Lage des Lebens zu erlangen.

2. Juli 

 

2. Juli - Mariä Heimsuchung

Die heilige Monegundis, Witwe und Äbtissin von Tours,

+ 2.7.570 – Fest: 2. Juli

 

Die heilige Monegundis, Witwe und Klausnerin zu Tours in Frankreich, geboren zu Chartres, war von ihren Eltern an einen angesehenen Mann verheiratet worden und hatte ihm zwei Töchter geboren. Aber der Tod raubte ihr ihre Kinder und sie überließ sich anfänglich einem übermäßigen Schmerz. Dann zu der Einsicht gekommen, dass wir uns in allem und allezeit dem Willen des Himmels geduldig unterwerfen müssen, glaubte sie, mit ihren Gefühlen Gott beleidigt zu haben und fasste den Entschluss, die Welt zu verlassen. Demzufolge verschloss sie sich in eine Zelle, um da in beständiger Übung des Gebetes und der Buße dem Herrn zu dienen. Eine Matte, auf der sie in der Nacht wenige Stunden ruhte, war ihr einziges Hausgerät, Schwarzbrot und Wasser ihre einzige Nahrung. Später zog sie nach Tours und setzte hier dieselbe Lebensweise fort. Da sich mehrere Frauen ihr beigesellten, entstand allmählich ein Nonnenkloster. Monegundis starb im Jahr 570, nachdem sie lange Zeit ein Muster der vollendetsten Tugend und Heiligkeit gewesen war.

 

3. Juli

 

Der heilige Heliodor, Bischof von Altinum bei Venedig,

+ 4. Jahrhundert - Fest: 3. Juli

 

Heliodor wurde am Anfang des vierten Jahrhunderts, wahrscheinlich in Stridon in Dalmatien, wie der heilige Hieronymus, geboren und von christlichen Eltern gottesfürchtig erzogen.

 

„Wer Gott fürchtet, wird durch die Zeit des Glücks wie des Unglücks sicher gehen“, lesen wir in der Heiligen Schrift. Die Furcht des Herrn bewahrte daher unseren Heiligen im Hoflager, wie im Soldatenstand vor Ausschweifungen. Die Sorge für sein Seelenheil lag ihm so sehr am Herzen, dass er „um des Himmelreiches willen“ den Freuden der Ehe entsagte und sich zu den Einsiedlern in den Orient begeben wollte, um von diesen in den Wegen der Gottseligkeit gründlich unterwiesen zu werden. Er trat aber diese Reise nicht an, als er in Aquileja an dem heiligen Hieronymus einen erleuchteten Führer auf dem Weg des Heils gefunden hatte. Bei ihm beschäftigte er sich mit der Lesung geistlicher Bücher und mit den Übungen der Andacht. Dadurch gewann er, sowie durch eine Reise zusammen mit dem heiligen Hieronymus und anderer im Orient, wo sie die gottseligsten Männer besuchten, die Süßigkeiten des vertraulichen Umgangs mit Gott so lieb, dass er sich mit dem heiligen Hieronymus in die Einöde der Landschaft Chalcis begab, die an Syrien und Arabien grenzt, um durch strenge Abtötung und fromme Übungen allein für den Herrn zu leben. Nach einiger Zeit aber ging Heliodor, ungeachtet der Bitten seines Freundes, nach Italien zu seinem Vater zurück, und widmete sich dort dem Seelenheil seiner Schwester, deren Ehemann gestorben war, und ihres kleinen Sohnes Nepotian.

 

Darüber war nun der heilige Hieronymus sehr bekümmert, aus Furcht, er würde vielleicht wieder in die Fallstricke der Welt zurückkehren. Er schrieb ihm daher einen Brief, um ihn wieder zur Rückkehr in die Einöde zu bewegen. Es sollten ihn, setzte er hinzu, wenn ihn das Gewissen noch rufe, weder die zärtlichen Liebkosungen seiner Schwester, noch die Tränen weichherziger Eltern abhalten, in die Einsamkeit zu kommen, „wo die Blumen Christi herrlich blühen und in der die köstlichen Steine verborgen liegen, aus denen die Stadt des großen Königs erbaut ist“. Heliodor erbaute sich aber zum vertraulichen Umgang mit Gott in seinem Herzen ein einsames Kämmerlein, dass er eine Zeitlang mitten unter seinen Verwandten wie in der Einöde von Chalcis lebte.

 

Als er an dem Sohn seiner Schwester die Erziehung zur mündlichen Selbstleitung vollendet zu haben glaubte, verließ er sein Vaterland auf immer, um Gott unter den gottseligen Geistlichen in Aquileja aufs eifrigste zu dienen. Hier erwarb er sich bald durch seine Kenntnisse und Frömmigkeit die Liebe dieser heiligen Gemeinde in einem so hohen Grad, dass er zum Bischof von Altino geweiht wurde. Man hatte aber große Mühe, ihn zur Annahme der bischöflichen Würde zu überzeugen. Er weidete seine Herde mit einer Weisheit, Liebe und Sorgfalt, dass er unter die Kirchenväter jener Zeit gezählt wurde. Bei der Kirchenversammlung zu Aquileja wider die Irrlehren des Arius und Apollinarius im Jahr 381 lernte er den heiligen Ambrosius kennen und lebte von nun an mit ihm in vertraulicher Freundschaft. Der heilige Hieronymus bezeugt in einem Brief, dass unser Heiliger als Bischof mit dieser Würde die Lebensweise eines Einsiedlers vereinigt habe.

 

Der heilige Heliodor starb gegen Ende des vierten Jahrhunderts.

 

4. Juli

 

Der heilige Bischof Ulrich, Bischof und Bekenner von Augsburg,

+ 4.7.973 - Fest: 4. Juli

 

Der Name dieses heiligen Mannes ist unzertrennlich mit dem der alten Handelsstadt Augsburg verknüpft, deren Oberhirte er durch 50 Jahre gewesen ist.

 

Seine Eltern waren Graf Upald und Tietburga, die Tochter des Herzogs von Schwaben. In der ältesten Lebensbeschreibung des Heiligen vom Dompropst Gerhard heißt es: „Als die Eltern erwogen, wo am schönsten Tugend und Wissenschaft vereint seien, da sandten sie ihren Sohn zum heiligen Gallus“, das heißt, zu dem von diesem Heiligen um 612 gegründeten und nach ihm benannten Benediktinerkloster St. Gallen. Dort weilte um das Jahr 907 der etwa siebzehnjährige Graf Ulrich und eignete sich unter hervorragenden Lehrern die geistlichen Wissenschaften an sowie Musik und Baukunst.

 

Als der junge Mann über seinen Beruf im unklaren war, ob er nicht das schwarze Kleid seiner Lehrer wählen sollte, wurde ihm nach alter Überlieferung Licht durch die von Gott begnadete Jungfrau Wiborada, die damals als Einsiedlerin bei St. Gallen lebte; sie sagte ihm, „dass er einst fern im Osten, wo der Fluss zwei Länder scheidet, als Bischof für Gott streiten werde; mehr als irgend einer seiner Vorgänger werde er von Heiden und Christen zu leiden haben; aber zuletzt mit Gottes Hilfe glorreich triumphieren“. Wiborada wurde 925 von den Ungarn erschlagen und im Jahr 1047 von Papst Klemens II. als Märtyrin heiliggesprochen. Stets bewahrte Ulrich dankbare Liebe und Verehrung gegen seine Lehrer und lebte, obwohl nicht selbst Benediktiner, bis zum Tod allzeit treu nach der Weise des heiligen Ordensstifters; auch als Bischof trug er das Ordenskleid.

 

Ulrich zog von St. Gallen nach Augsburg, wo sein Oheim Adalbero, Graf von Dillingen, seit zwanzig Jahren Bischof war. Dieser übertrug dem tüchtigen jungen Neffen die Vermögensverwaltung der Diözese und führte ihn nach und nach in die einzelnen Zweige der bischöflichen Regierung ein.

 

Aber schon nach einem Jahr zog es Ulrich nach Rom zum Grab der Apostelfürsten. Aus dem Mund des Heiligen Vaters musste er von dem plötzlichen Tod des Oheims Adalbero hören. Als der Papst ihm die Verwaltung des Bistums anbot, hielt sich der Neunzehnjährige für zu jung und kehrte in seine Heimat zurück, um sich nach dem Tod seines Vaters der Verwaltung seiner großen Familiengüter durch 14 Jahre zu widmen.

 

Da im Jahr 923 der Bischof Hiltin von Augsburg starb, begehrten Klerus und Volk einmütig Ulrich zu ihrem Oberhirten. König Heinrich I. war damit gerne einverstanden. Am Fest der Unschuldigen Kinder wurde Ulrich zum Bischof geweiht.

 

Bald entfaltete er eine rastlose, segensreiche Tätigkeit. Durch oftmalige Visitationen seines Sprengels, durch Versammlungen der Priester und Gerichte über Fehlende sorgte er für den guten Geist des Klerus, dem er durch Frömmigkeit, Einfachheit der Lebensweise und Seeleneifer voranleuchtete. Den Mönchen blieb er freundlich; beim Volk wirkte er als Prediger durch seine ergreifende Beredsamkeit. Sein Verhältnis zu den Gläubigen trug ein väterliches Gepräge. War er auf seinen Firmungsreisen in einem Ort angekommen, so berief er eine Versammlung des ganzen Volkes. Die Vertrauensmänner und Ältesten mussten in seine Hand den Eid leisten, ihn genau über den Zustand der Gemeinde zu unterrichten. Hatten sie ihren Bericht abgefasst und Vorschläge zur Verbesserung gemacht, so prüfte er sie und trug ihnen die Durchführung auf.

 

Der Erbauung und Ausstattung der Kirchen widmete der Bischof seine besondere Sorge. So stellte er den abgebrannten Dom von Augsburg wieder her, erneuerte und erweiterte die durch die Ungarn zerstörte Afrakirche und errichtete auf dem Domhof die Johanneskirche. Er weihte viele Kirchen ein, stiftete mehrere Klöster und förderte das Chorgebet und kirchliche Feierlichkeiten auf jede Weise.

 

Der Bischof war in jener Zeit zugleich Reichsfürst. Den daraus entspringenden Regentenpflichten kam der Heilige gewissenhaft nach. In den Kämpfen und Wirren der Zeit stand er als treuer Vasall stets zu seinem König, besonders zu Otto I. (936-973). Da damals häufige Einfälle der Ungarn geschahen, die alles zerstörten und mordeten, so ließ er seine Bischofsstadt mit einer Steinmauer umgeben. Im Jahr 955 ermutigte er die Bürgerschaft zur standhaften Verteidigung gegen die Ungarn, die die Stadt eingeschlossen hatten; zu ihrer Besiegung durch Kaiser Otto am 10. August auf dem Lechfeld bei Augsburg hat er wesentlich beigetragen, wenngleich er an der Schlacht selbst nicht teilnahm. Stets war er bemüht, die Wunden, die der Krieg geschlagen hat, zu heilen, die Not zu lindern, Armen und Verlassenen nach Kräften zu helfen.

 

Mehrmals pilgerte Ulrich nach Rom „zu den Schwellen der Apostel“ und bewies in allem eine echt kirchliche Gesinnung. In St. Gallen, Reichenau, Einsiedeln und anderen Brennpunkten des religiösen Lebens war er oft zu Gast. Mit den heiligen Bischöfen Wolfgang von Regensburg (+ 997), Konrad von Konstanz (+ 976), Starchand von Eichstätt (+ 966) und vielen anderen einflussreichen und frommen Männern des zehnten Jahrhunderts stand er in freundschaftlichen Beziehungen.

 

Rastlos beschäftigt und dennoch stets heiter, streng gegen sich, aber herzlich und liebevoll gegen andere, hingezogen zu Gebet und Psalmengesang, aber auch ein Mann mit wahrem Seelsorgerherzen, geschmückt mit Mitra und Stab, aber auch tüchtig als Reichsfürst und Regent, hatte Ullrich es jederzeit verstanden, sich das Vertrauen und die Liebe der Menschen zu sichern. Dennoch blieb ihm auch manch harter Schlag, der sein empfindsames Gemüt verletzte, nicht erspart.

 

So schied er, ein würdiger Nachfolger der Apostel, hochbetagt, am Freitag dem 4. Juli 973 sanft aus diesem Leben. Sein Freund, der heilige Wolfgang, sprach die letzten Gebete über der offenen Gruft von St. Afra, wo man Ulrich nach seinem Wunsch bestattete.

 

Die Verehrung des Heimgegangenen verbreitete sich bald über weite Gebiete und wurde von Gott mit vielen Wundern belohnt. Im Jahr 993 begab sich Ulrichs dritter Nachfolger, Lindolf, zur Lateransynode nach Rom. Er berichtete Papst Johannes XV. und der Versammlung der Bischöfe vom Leben des Verstorbenen und den Wundern, die auf seine Anrufung hin geschahen. Ulrich wurde infolgedessen am 3. Februar 993 unter die Zahl der Heiligen aufgenommen; es war der erste feierliche Spruch, durch den das Oberhaupt der Gesamtkirche einem ihrer Kinder nach Prüfung seines Lebens und seiner Wunder die Ehre der Altäre zuerkannte, ein Markstein in der Geschichte der Heiligenverehrung, die bis dahin mehr der Obsorge der einzelnen Bischöfe überlassen war.

 

Stadt und Bistum Augsburg wählten ihn zu ihrem Schutzherrn. Seine Grabkapelle wurde prächtig ausgeschmückt. Als im Jahr 1183 die alte Kirche einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen war, trug Kaiser Friedrich Barbarossa mit drei Bischöfen die Reliquien des Heiligen in das neue Gotteshaus, wo sie bis zum heutigen Tag hochverehrt werden, besonders am 4. Juli, seinem Fest. Zahlreiche Wallfahrer kommen aus dem Schwäbischen und Bayrischen zum Grab des Heiligen. Mit ihnen vereinen wir uns im Geist und bitten den Heiligen, dass er unseren Ländern den heiligen katholischen Glauben bewahre.

 

5. Juli

 

Der heilige Anton Maria Zaccaria,

Priester und Ordensstifter der Barnabiten, Italien,

+ 5.7.1539 - Fest: 5. Juli

 

Zu einer Zeit, in der die Menschen nur wenig gut und barmherzig waren, wurde Anton, der mit Familiennamen Zaccaria hieß, als Sohn guter Eltern im Jahr 1502 zu Cremona in Oberitalien geboren. Besonders von der Mutter empfing Anton als kostbares Erbe einen mitmenschlichen Sinn. Als Kind schon verschenkte er an arme Kinder seines Alters sogar die Kleider vom Leib.

 

Da ihn die fremde Not armer Menschen seinem Herzen keine Ruhe ließ, wurde er später Arzt, ein Armenarzt, der keine Rechnungen ausstellte und allen Armen, die kein Geld hatten, trotzdem oder gerade deshalb half. Alle Achtung vor so einem Arzt! Es war einer, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte.

 

Dem Herrn Doktor Zaccaria reichte es allerdings nicht, nur die äußerlichen Krankheiten der Patienten zu behandeln. Vielmehr war es ihm außerordentlich wichtig, auch für die Seelen der Kranken zu sorgen. Bei Hausbesuchen erinnerte er zum Beispiel die Kleinen und die Großen an ihre Pflichten gegenüber Gott, dass sie die täglichen Gebete verrichten und sonntags in die Messe gehen müssten und dass sie nicht fluchen und nicht streiten dürften. Dies sagte er den Leuten ohne Hemmungen, aber nicht lehrhaft und überlegen, sondern lieb und nett und im scherzenden Ton. Deshalb nahm man ihm sein Reden auch nicht übel, sondern richtete sich danach und besserte sich. Anton Zaccaria war also nicht nur Arzt, sondern auch Seelsorger, obwohl er nicht Priester war. Das Beispiel dieses Heiligen zeigt uns also, dass man auch als Seelsorger wirken kann, ohne das man Priester ist.

 

Während der Doktor Anton Zaccaria tagsüber für die Kranken an Leib und Seele Sorge trug, betete er am Abend eine Stunde oder zwei, und anschließend las er bis in die Nacht hinein in der Heiligen Schrift. Besonders gerne beschäftigte er sich mit den Briefen des heiligen Paulus, nach dessen Weisungen er sein Leben einrichtete. Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist. Anton Zaccaria hatte jeden Tag beim Lesen der Paulusbriefe mit dem heiligen Paulus zu tun. Deshalb wurde er diesem auch ähnlich, wurde ein anderer Paulus, mit einem Herzen weich und warm für fremde Not.

 

Später ist der Arzt und Seelsorger Anton Zaccaria noch Priester geworden. Ganz erfüllt von dem unendlichen Wert, den die heilige Messe in sich birgt, hatte sich der Neugeweihte alle anderen Feierlichkeiten, wie sie sonst bei Primizen Brauch sind, verbeten. Doch siehe da! Bei der heiligen Wandlung erschienen, wie die Legende berichtet, allen sichtbar, Engel ohne Zahl in wunderbarer Pracht und breiteten um den Primizianten einen sonnenhellen Glanz aus. Alle, die anwesend waren, sahen das Schauspiel, das sich übrigens unsichtbarerweise bei jeder heiligen Messe ereignet. Sobald der Priester über Brot und Wein die heiligen Wandlungsworte gesprochen hat, knien Engel anbetend um den Altar.

 

Nach der Priesterweihe wurde Anton Zaccaria, der Mann mit dem liebenden und glühenden Herzen des Völkerapostels Paulus, ein Volksmissionar. Durch seine Predigten, die er nicht nur in den Kirchen, sondern überall und sogar an den Straßenecken hielt, führte er viele Menschen zur Kirche und zum Glauben zurück und damit an das Herz des guten Hirten Jesus Christus. Und weil sich ihm viele gleichgesinnte Frauen und Männer anschlossen, gründete der Heilige einen Doppelorden, dessen männlicher Zweig den Namen „Paulaner“ trug, der später in „Barnabiten“ umgeändert wurde. In den Mitgliedern dieser Orden lebt bis in unsere Zeit noch der Geist ihres heiligen Stifters, der, weil er sich im Dienst an den Menschen keine Ruhe gönnte, bereits mit sechsunddreißig Jahren in den Armen seiner schon sehr alten Mutter starb, um zu Jesus in den Himmel zu kommen.

 

6. Juli

 

Die heilige Maria Goretti, Jungfrau und Martyrin von Conca, Italien,

+ 6.7.1902 - Fest: 6. Juli

 

Maria Goretti, eine Italienerin, wurde am 16. Oktober 1890 geboren. Die Eltern waren arm, kleine Pächter auf einem unfruchtbaren Hof in Sumpf und Moor, zwölf Stunden südlich von Rom. Von Überarbeitung früh krank, starb der Vater im Jahr 1900 und hinterließ der Witwe sechs kleine Kinder, von denen das älteste, Maria, gerade zehn Jahre alt war.

 

Das Mädchen, mit Verstand und sehr geschickt, besorgte nach dem Tod des Vaters, so gut es ging, die Hausarbeiten. Die Mutter musste dagegen draußen auf dem Feld doppelt schwere Arbeit verrichten.

 

Früh am Morgen begann für Maria Goretti die Arbeit, denn für arme Leute zählte jede Minute des Tages. Zuerst musste sie die Hühner füttern, die Ziege melken und den Stall ausmisten. Dann musste sie Kaffee kochen, und weil es selten Brot im Hause gab, musste sie den Maisbrei herrichten. Inzwischen krochen die jüngeren Geschwister aus dem Nest und wurden von ihr gewaschen und angezogen. Anschließend machte Maria die Betten und fegte die Kammer und die Küche. Dann kochte sie das Mittagessen für die große Familie, und am Nachmittag musste sie putzen, waschen, bügeln, stopfen und nähen. Den ganzen Tag über gab es für sie nicht einen Augenblick Ruhe.

 

Brauchte Maria Goretti denn nicht zur Schule? Nein, das brauchte sie nicht, denn erstens gab es in dem armseligen Nest keine Schule, und woher sollte sie zweitens auch die Zeit dafür hernehmen? So kam es, dass das junge Mädchen weder lesen noch schreiben lernte. Nur arbeiten lernte es und vor allem beten. Dafür sorgte die gute Mutter. Die täglichen Gebete wurden von der ganzen Familie gemeinsam verrichtet. Außerdem betete Maria besonders in den letzten Wochen ihres kurzen Lebens oft und in inniger Andacht den Rosenkranz. Durch ihre guten Gedanken am Morgen machte sie außerdem die ganze Arbeit des Tages zu einem immerwährenden Gebet.

 

Zur ersten heiligen Kommunion ging Maria Goretti verhältnismäßig spät, erst einige Wochen vor ihrem Tod. Der Grund dafür ist wiederum in der Armut der Familie zu suchen, denn sie hatten kein Geld, um Kleid und Schuhe zu kaufen. Man kann sich heute diese Armut kaum mehr vorstellen, so groß war sie. Insgesamt hat Maria nur fünfmal Jesus Christus in der heiligen Kommunion empfangen. Das war bei der Erstkommunion, bei drei weiteren Kommunionen und schließlich als Wegzehrung auf dem Sterbebett. Wie aber ist nun Maria Goretti gestorben?

 

Es lebte mit der Familie Goretti auf dem Hof noch ein zweiter verwitweter Pächter, der einen zwanzigjährigen Sohn mit Namen Alexander hatte. Alexander war bisher eigentlich vernünftig gewesen, dann aber kam er durch schlechten Einfluss auf Abwege und stellte Maria nach, um sie zu missbrauchen. Er war für Maria ein gefährlicher Junge. Und Maria versuchte ihm auszuweichen, wo sie nur konnte. Sie lebte in beständiger Angst vor ihm, und leider hat sie sich nicht getraut, es der Mutter zu sagen, was für Kinder immer der richtige Weg ist, wenn sie in eine ähnliche Lage geraten. Hätte Maria nicht geschwiegen, so hätte sich das Schreckliche, was am 5. Juni 1902 geschah, wohl nicht ereignen können.

 

An diesem Tag nämlich benutzte Alexander einen Augenblick, da sich Maria allein im Haus befand, und fiel mit Gewalt über sie her. Mit Händen und Füßen wehrte sich das Mädchen und schrie in heller Angst, dass er sie doch in Gottes Namen in Ruhe lassen solle. Sie schrie: „Weg da! Weg da! Gott verbietet es...“ Doch da zog der Mann einen Dolch und stach zu. Maria blieb trotzdem Siegerin, und als die Mutter, die das Geschrei gehört hatte, ins Zimmer trat, war der Mörder schon geflüchtet. Die Heilige aber, die lieber in den Tod ging, als dass sie die Unschuld preisgab, lag, von Messerstichen verletzt, halbtot in ihrem Blut.

 

Am Abend des gleichen Tages flüsterte im Krankenhaus die sterbende Heldin im Fieberwahn angsterfüllt immer wieder vor sich hin: „Weg da! Weg da! Gott verbietet es...“ Noch einmal kam die Sterbende zu sich, beichtete, und als sie der Priester, die heilige Kommunion bereits in der Hand, fragte, ob sie dem Mörder verzeihe, gab sie zur Antwort: „Gewiss, ich habe schon für ihn gebetet, und im Himmel will ich erst recht für ihn beten, damit er einmal neben mir seinen Platz erhält.“

 

Tags darauf, am 6. Juli 1902 starb Maria Goretti. Und nicht ganz fünfzig Jahre später, am 24. Juni 1950, hat sie Papst Pius XII. in Gegenwart der noch lebenden Mutter als eine Martyrin der Unschuld heiliggesprochen, damit sie für immer vielen Menschen ein Vorbild und Beispiel sei.

 

Der heilige Goar, Priester, Einsiedler und Bekenner bei Oberwesel,

+ 575 – Fest: 6. Juli

 

Unter der Regierung des Königs Childebert I. kam ein junger Priester an den Rhein und baute sich dort, wo jetzt das Städtchen St. Goar steht, eine Klause nebst einer Kapelle. Dieser Priester, Goar mit Namen, war der Sohn angesehener Eltern in Aquitanien. Schön und groß von Gestalt, wurde er wegen seiner Tugenden und seines glühenden Seeleneifers der Liebling des Volkes. Aus Furcht, die Huldigungen könnten in ihm Hochmut erwecken, verließ er die Heimat und ging nach Deutschland, um abgeschieden von der Welt Gott allein zu dienen. Jeden Tag las er die heilige Messe, betete den ganzen Psalter und lag der Betrachtung ob. Seine kleine Zelle verließ er nur, um den Heiden am Ufer des Rheins das Evangelium zu verkünden. Seine eindringliche Predigt wurde durch die Gabe der Wunder unterstützt und viele bekehrten sich. Alle Notleidenden fanden bei ihm Hilfe, viele Kranke Genesung, die Niedergebeugten Trost, die müden Wanderer Obdach und Erquickung. Jedem gab er eine liebevolle Belehrung und Ermahnung, einen weisen Rat, oder eine Aufmunterung zum Guten mit auf den Weg.

 

Der Feind alles Guten sah mit Ingrimm, wie der heilige Priester durch seine Gastfreundschaft und Milde viele Seelen für das Reich Gottes gewann und suchte ihn zu verderben. Jederzeit findet er in den Menschen bereitwillige Diener, um seine Absichten zu erreichen. So auch hier. Goar wurde beim Bischof Rusticus von Trier verleumdet, dass er ein Gleißner und Schwelger sei und dass er mit allerlei Gesindel vertraulich umgehe. Der Bischof schickte sogleich zwei Diener ab, um den Sachverhalt zu untersuchen und den Einsiedler zur Verantwortung nach Trier zu bringen. Goar, nichts Arges denkend, nahm die arglistigen Gesandten freundlich auf und bewirtete sie mit dem besten, was er hatte. Diese aber wiesen höhnisch die Mahlzeit mit den Worten zurück: „An diesem Mahl können wir nicht teilnehmen, denn dieses ist unsinnige Verschwendung und Schwelgerei.“ Der Heilige erwiderte gelassen: „Es steht nicht gut mit einem Haus, wo die Gottesfurcht mangelt. Hättet ihr Gottesfurcht, so würdet ihr, was die Liebe tut, auch mit Liebe annehmen und genießen.“ Während er noch sprach, kamen zwei Fremdlinge und genossen dankbar die Speise, die die Abgesandten verschmäht hatten. Diese verlangten nur einige Speise auf den Weg und Goar zog mit ihnen, betend und psallierend gen Trier. Um die Mittagszeit spürten die Diener des Bischofs Hunger und Durst. Sie eilen zu einem nahen Bach, um im Schatten eines Baumes von ihrem Vorrat zu essen und aus der Quelle zu trinken. Aber wie erstaunten sie, als sie den Sack leer und die Quelle vertrocknet finden! Gott entzog ihnen zur Strafe, was sie vorher verschmäht hatten. Sie erkannten ihr Unrecht und baten den Heiligen um Verzeihung und Hilfe, denn Hunger und Durst quälte sie sehr. Der Heilige fiel betend auf die Knie nieder, und siehe, drei Hirschkühe sprangen herbei. Goar melkte sie und labte mit der Milch die Schmachtenden. Auch fand sich wieder Speise im Sack und Wasser im Bach. Wohlbehalten kamen die drei nach Trier.

 

Die Abgesandten erstatteten dem Bischof Bericht über ihre Erlebnisse und lobten den Heiligen ebenso, wie sie ihn vorher getadelt hatten. Der Bischof schenkte ihnen kein Gehör und empfing den Heiligen sehr unfreundlich und forderte ihn nicht einmal auf, seinen Mantel abzulegen. Goar tat das jetzt aus freien Stücken und hing seinen Mantel an einem Sonnenstrahl auf, den er für ein Seil hielt. Gegen die falsche Anschuldigung, dass er ein Fresser, Heuchler und Zauberer sei, verteidigte der Heilige seine Unschuld mit Ruhe und Ehrerbietigkeit.

 

In diesem Augenblick brachte der Küster des Domes ein kleines Kind herbei, das eine gottvergessene Mutter an der Kirchentür ausgesetzt hatte. Der Bischof Rusticus sprach: „Wenn das, was Goar getan und gesprochen hat, aus Gott ist, so soll er uns sagen, wer der Vater und die Mutter dieses Kindes sind. Kann er es nicht, so ist sein Tun eitel Zauberei und er ist des Todes schuldig.“ Vergebens beschwor der Heilige, auf eine solche Probe zu verzichten. Da seine Bitten kein Gehör fanden, fiel er betend auf die Knie und sprach zu dem drei Tage alten Kind: „Ich beschwöre dich im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit, zu sagen, wer deine Eltern sind!“ Das Kind öffnete seine Lippen und sagte deutlich: „Flavia ist meine Mutter und Rusticus mein Vater!“ Wie vom Blitz getroffen stürzt der Bischof zu den Füßen des heiligen Mannes nieder und bekennt: „Goar, du bist ein Heiliger, Gottes Gnade ist mit dir. Mich aber hat Gottes Hand getroffen. Niemand, als die Schuldige, ich und ein Diener wussten um die böse Tat.“

 

Der Heilige mahnte mit eindringlichen Worten den tiefgefallenen Bischof zur Buße und versprach, für ihn sieben Jahre lang zu wecken und Werke der Abtötung zu üben. Rusticus legte sein Amt nieder und sühnte seine Sünden durch die aufrichtigste Buße.

 

Der König Siegbert von Austrasien hatte von der wunderbaren Begebenheit gehört und ließ Goar nach Metz kommen, wo er Hof hielt, um aus seinem Mund den Sachverhalt zu hören. Aber der demütige Priester war nicht zu bewegen, etwas Ehrenrührerisches über den gefallenen Rusticus auszusagen. Dem König gefiel das bescheidene und rücksichtsvolle Benehmen Goars und er trug ihm die bischöfliche Würde an. Er aber widersetzte sich der Absicht des Königs mit aller Entschiedenheit. „Lieber will ich sterben – sprach er – als das Amt eines Bischofs antreten, der noch lebt. Ich würde mich versündigen gegen die Satzungen der heiligen Kirche.“ Dann redete er dem König zu, er möge den Bischof einige Zeit seines Amtes entlassen, damit er Buße tue, dann aber ihm vergeben, damit er selbst Vergebung bei Gott finde. Der König bestand aber darauf, dass Goar Bischof werde, und gab ihm zwanzig Tage Bedenkzeit, nach deren Verlauf er sich erklären sollte, ob er die bischöfliche Würde annehmen wolle. Der Heilige kehrte in seine stille Zelle zurück und flehte unablässig zu Gott, dass er ihn vor der Würde und Bürde des bischöflichen Amtes bewahre. Sein Flehen wurde erhört: es ergriff ihn ein heftiges und schmerzliches Fieber, das ihn sieben Jahre an das Krankenbett fesselte. Diese sieben Leidensjahre opferte er für den reumütigen Bischof auf. Plötzlich wurde er wieder gesund. Von neuem bot ihm König Siegbert den Bischofsstuhl zu Trier an, allein Goar ließ ihm sagen, er möge sich keine Mühe mehr geben, er werde seine Zelle nicht mehr verlassen, außer im Sarg. Zugleich bat er den König, er möge seine Einsiedelei in Schutz nehmen, und seine geistlichen Obern hielt er um die Gnade an, sie möchten ihm zwei Geistliche schicken, die ihm im Todeskampf beistehen und ein Grab bereiten sollten. Seine Bitte wurde gewährt. Noch drei Jahre prüfte Gott mit schweren Leiden seine unerschütterliche Geduld. Dann gab der Heilige unter den Gebeten der beiden Priester im Jahr 575 seine reine Seele in die Hände des himmlischen Vaters zurück.

 

Seine Leiche wurde unter großem Zudrang des Volkes in seiner Kapelle beigesetzt und sein Grab durch viele Wunder verherrlicht. Zahllose Pilger wallten zum Grab des heiligen Einsiedlers und so entstand nach und nach das liebliche Städtchen St. Goar. In der Reformationszeit fielen die Bewohner vom katholischen Glauben ab, die Protestanten nahmen die Stiftskirche in Besitz und der Leichnam des heiligen Goar wurde seinem Grab in der Krypta entrissen und ging verloren. Nur die Castorkirche in Koblenz besitzt noch eine Reliquie. Aber viele Sagen ehren noch das Andenken an den heiligen Priester und Einsiedler Goar.

 

7. Juli

 

Die heiligen Slawenapostel Cyrillus, + 14.2.869,

und Methodius, + 6.4.885 - Fest: 7. Juli (jetzt 14. Februar)

 

Was der heilige Bonifatius für die deutschen Stämme ist, das sind die beiden heiligen Brüder Cyrillus und Methodius für die große slawische Völkerfamilie. Da Papst Leo XIII. durch ein Rundschreiben vom 30. September 1880 ihr Fest auf die ganze Kirche ausdehnte, ist es geziemend, ihr Leben und Wirken näher kennenzulernen.

 

Die beiden Glaubensboten stammen aus einer reichen, hochangesehenen griechischen Familie zu Thessalonich (heute Saloniki) in Mazedonien. Methodius, der ältere, wurde im Jahr 827 geboren. Cyrillus, der ursprünglich Konstantin hieß, wahrscheinlich ein Jahr später. Die Studien begannen sie in ihrer Vaterstadt, die damals wegen ihres religiösen Sinnes, ihrer Kunstliebe und Pflege der Wissenschaft berühmt war. Frühzeitig begaben sie sich nach Konstantinopel, um sich den höheren Wissenschaften zu widmen. In kurzer Zeit machten sie große Fortschritte, besonders Cyrillus, dem sein außerordentliches Talent und seine Gelehrsamkeit den ehrenvollen Beinamen „der Philosoph“ erwarben. Er wurde Priester und erhielt das Amt eines Vorstehers der Bibliothek und Kanzlei des Patriarchen; später war er Lehrer der Philosophie und Theologie, bis er auf Betreiben des Patriarchen Ignatius von der Kaiserin Theodora um das Jahr 848 als Missionar zu den heidnischen Kazaren im südlichen Russland gesandt wurde. Er hatte dort große Erfolge. Während dieses Aufenthaltes fand er den Leib des heiligen Klemens, des Schülers und vierten Nachfolgers des Apostelfürsten Petrus. Klemens war dort im Jahr 101 in der Verbannung gestorben. Fortan behielt Cyrill diese Reliquie als kostbaren Schatz bei sich, bis es ihm gelang, sie nach Rom zu bringen. Nachdem er bei den Kazaren alles geordnet hatte, kehrte er nach Konstantinopel zurück und trat ein in die stille Zelle des Klosters Polychron am Berg Olympos, wo er seinen Bruder Methodius als Laienbruder traf. Dieser war zuerst Statthalter über verschiedene slawische Stämme gewesen, hatte aber dann den Staatsdienst aufgegeben und sich in das genannte Kloster zurückgezogen.

 

Inzwischen war das Gerücht über die Erfolge des Cyrillus bei den Kazaren bis an den Hof des mährischen Fürsten Rastislaw (846 bis 870) gedrungen. Sein Reich erstreckte sich weit über den Umfang des heute noch bekannten Mähren hinaus bis an die Donau und jenseits derselben. Er wünschte Missionare und wandte sich durch eine Gesandtschaft an den griechischen Kaiser Michael. Die beiden durch Kenntnisse und Tugenden ausgezeichneten Brüder Cyrillus und Methodius wurden nun zu dieser Mission bestimmt und in Mähren mit großer Freude aufgenommen. Da sie der slawischen Sprache mächtig waren, gelang es ihnen, viele zum Christentum zu bekehren. Cyrillus übersetzte auch die Heilige Schrift und die liturgischen Bücher und erfand dazu eine eigene Schrift. So wurde er Begründer der slawischen Literatur. Der gewöhnliche Sitz der Glaubensboten war wohl Welehrad, aus dessen Trümmern später Ungarisch-Hradisch entstanden ist. Auch weihte Cyrill sogleich die Kirche Sankt Peter in Ölmütz. Eifrig durchwanderten sie das ganze weite Reich, verkündeten überall die Frohe Botschaft des Evangeliums, unterrichteten das Volk, bekämpften die Laster und schritten gegen die abergläubischen, altheidnischen Gebräuche ein. Der Fürst selbst empfing die heilige Taufe, und das Christentum gelangte vollständig zum Sieg.

 

Als das Gerücht dieser Fortschritte nach Rom drang, lud Papst Nikolaus I. die seeleneifrigen Brüder zu sich ein. Gerne folgten sie diesem Ruf und nahmen die ihnen so teuren Reliquien des heiligen Klemens mit. Papst Hadrian II., der dem inzwischen gestorbenen Nikolaus gefolgt war, zog ihnen mit Klerus und Volk entgegen und nahm sie mit großen Ehrenbezeigungen auf. Nachdem die beiden Brüder über ihre Tätigkeit berichtet und geschworen hatten, dass sie im Glauben des heiligen Petrus und seiner Nachfolger beharrten, wurden sie von Hadrian zu Bischöfen geweiht (868).

 

Doch es war der Ratschluss der göttlichen Vorsehung, dass Cyrillus die Laufbahn seines Lebens in Rom beschließen sollte, mehr an Tugend als Alter reif. Er fühlte seine Kräfte schwinden und um sich echt christlich auf den Heimgang vorzubereiten, zog er sich wieder in die heilige Einsamkeit der Klosterzelle zurück, aus der ihn das Heidenapostolat herausgeführt hatte. Bei dieser Gelegenheit nahm er den Namen Cyrill an Stelle des bisherigen, Konstantin, an. Am 14. Februar des Jahres 869 verschied er selig im Herrn. Methodius wollte die Leiche auf den Berg Olymp heimführen, doch ließ er sich durch die inständigen Bitten der Römer bewegen, davon abzusehen. In der Ewigen Stadt, die er so liebte, an der Seite des Papstes, dessen Überreste er aus Cherson herbeigebracht hatte, sollte auch Cyrillus beigesetzt werden. In einem marmornen Sarg, unter Gesang von Hymnen und Psalmen, unter allgemeiner Beteiligung aller Klassen der Bevölkerung, wurde sein Leichnam zuerst in die Vatikanische Basilika von St. Peter und dann in die des heiligen Klemens gebracht. Das war kein Trauerzug. Dank gegenüber Gott war auf allen Gesichtern zu lesen. Ein Heiliger war gestorben. Die Verehrung Cyrills war seitdem mit der des Papstes Klemens unzertrennlich verknüpft. Im Jahr 1084 wurden beide Gräber unter den Ruinen der Basilika durch Robert Guiscard, dem Normannenherzog verschüttet, im Jahr 1863 aber wieder gefunden. Ein herrliches Gemälde in der Sankt-Klemens-Kirche erinnert heute noch an die heiligen Slawenapostel.

 

Methodius kehrte als Bischof nach Mähren und Pannonien zurück und setzte in diesen weiten Ländern sowie in den angrenzenden, Polen, Böhmen und Moskowien (Russland), Slawonien mit allem Eifer sein Apostolat fort. Er hatte vom Papst die erzbischöfliche Würde erhalten sowie den Titel und die Gewalt eines päpstlichen Legaten. Nach den Hauptländern seines Wirkungskreises wurde er ebensowohl Erzbischof des mährischen Reiches als Erzbischof von Pannonien genannt.

 

Der alte Feind alles Guten versuchte das so erfolgreiche Wirken des Heiligen zu verhindern, indem er Schwierigkeiten erweckte, wo man es am wenigsten erwarten sollte. Er nahm das Herz des Königs und einiger Bischöfe gegen Methodius ein, die sich in ihren Rechten beeinträchtigt glaubten. Eine Synode zu Regensburg verurteilte ihn und setzte ihn fast drei Jahre in Haft. Doch Papst Johann VIII. nahm sich des Bedrängten an und gab ihm seine Rechte zurück.

 

Als später wieder neue Klagen gegen Methodius erhoben wurden, kam er auf Wunsch des Papstes nach Rom, rechtfertigte sich und seine Predigt. In Friede und Liebe schied er vom Papst und setzte ungebrochenen Mutes seine apostolischen Arbeiten fort.

 

Am letzten Fest der Apostelfürsten, das er erlebte, weihte er die Kirche der Heiligen Petrus und Paulus zu Brünn. Am 6. April 885 schloss er, im 25. Jahr seines Amtes, sein tatenreiches Leben. Er wurde in seiner Haupt- oder Kathedralkirche, also in Welehrad, begraben; leider weiß man jetzt nicht mehr die genaue Stelle des Grabes.

 

Methodius und sein Bruder Cyrillus haben unter allen Missionaren am eifrigsten und mit dem größten Erfolg für die Ausbreitung und Befestigung des Christentums unter den Slawen gearbeitet. Sie sind das leuchtende Doppelgestirn, die wahren Väter und Hirten, die größten Wohltäter und Apostel der slawischen Völker. Mit dem Christentum dieser ist ihr Name für immer untrennbar verbunden. Sie schufen denselben auch die Schriftsprache und führten sie in die Reihe der gebildeten Nationen. Sind sie so mit Recht der Stolz der slawischen Welt, so sind sie vor allem der Ruhm der katholischen, der römischen Kirche. Von Rom haben sie ihre Sendung erhalten; nach Rom sind sie geeilt, um mit der Gewalt des Hirtenamtes bekleidet zu werden; in Rom wollte Cyrill bleiben, um an dieser heiligen Stätte seine Tage zu beschließen und seine letzte Ruhe zu finden. Rom prüfte das Bekenntnis ihres Glaubens und ihrer Predigt. In Rom suchte Method Trost und Ermunterung und Kraft gegen alle seine Feinde. Rom befreite ihn aus dem Kerker, schützte ihn mit der Macht seiner geistigen Waffen, übertrug und bestätigte ihm seine erzbischöfliche Würde und die eines päpstlichen Legaten. Rom hat ihr Fest in den allgemeinen Kirchenkalender eingetragen, und kein Geringerer als Papst Leo XIII. selbst hat bei diesem Anlass den Huldigungen und Gebeten der ganzen Kirche in den beiden Festhymnen würdigen Ausdruck gegeben:

 

„Besinget, Gläubige, der Kämpfer Brüderpaar, die der Himmel aufnahm in seine leuchtenden Sitze; besinget der slawischen Nation doppelte Stütze und Zierde.

 

Diese Brüder hat eine Liebe verbunden und der gleiche Seeleneifer hat sie der Wüste entführt, dass sie schleunig vielen des glückseligen Lebens Unterpfänder brächten.

 

Mit dem Licht, welches in des Himmels Räumen erstrahlt, haben sie die Regionen der Bulgaren, Mähren und Böhmen erfüllt; und die wilden Horden führten sie in zahlreichen Scharen zu Petrus hin.

 

Ihr traget die Krone, die euren Verdiensten gebührt, o lasst nicht ab, zu der Flehenden Tränen euch herabzuneigen; denn ihr müsset den Slawen die Gaben schützen, die ihr ihnen vor Zeiten gegeben.

 

Du jener edle Erdstrich, der zu euch ruft, möge die Reinheit des ewigen Glaubens bewahren; und das Heil, welches Rom zuerst gab, wird es immer geben.“

 

Der heilige Willibald, Prinz von England, 1. Bischof von Eichstätt,

+ 7.7.786 – Fest: 7. Juli

 

Fromme, gottesfürchtige Eltern erfreuen sich gewöhnlich auch guter Kinder. Die ausgestreute gute Saat bringt auch gute Früchte hervor. Dies sehen wir recht auffällig an den Eltern des heiligen Willibald. Sein frommer Vater Richard gehörte der englischen Königsfamilie an, seine gottergebene Mutter war eine Schwester des heiligen Bonifatius, des hochverdienten Apostels der Deutschen, sein Bruder Wunibald und seine Schwester Walburgis stehen unter der Zahl der Heiligen. Willibald wurde um das Jahr 700 zu Devon in England geboren. Drei Jahre alt, wurde er von einer tödlichen Krankheit befallen. Die geängstigten Eltern trugen das sterbenskranke Kind vor ein großes Kruzifix auf dem Hauptplatz der Stadt und gelobten, ihr Kind dem Dienst Gottes zu weihen, falls es genese. Augenblicklich wurde der Junge gesund und die hocherfreuten Eltern übergaben den sechsjährigen Jungen den Benediktinern des Klosters Waltheim zur Erziehung, und er nahm täglich zu an Demut, Gottesliebe, Sanftmut und Weisheit. Die Psalmen lernte er auswendig, um jederzeit einen Gegenstand der Betrachtung zu haben.

 

In dem siebzehnjährigen jungen Mann entbrannte das heiße Verlangen, nicht bloß die eitle Welt, sondern auch die Heimat zu verlassen, um in der Fremde Gott allein zu dienen. Mit seinem Vater und seinem jüngeren Bruder Wunibald trat er die Pilgerreise nach Rom an. In Lucca starb der fromme Vater und nachdem sie an seinem Grab kindlich für sein Seelenheil gebetet hatten, setzten sie ihre Reise nach der ewigen Stadt fort. In Rom erkrankten beide an einem hartnäckigen Fieber. Nach dem sie wieder genesen waren, nahmen sie das Ordenskleid des heiligen Benedikt.

 

Nach zwei Jahren kehrte Wunibald nach England zurück. Willibald pilgerte mit zwei englischen jungen Männern in das heilige Land. Sie lebten nur von Wasser und Brot und schliefen auf bloßer Erde. Überall besuchten sie die gottgeweihten Orte unter frommen Gebeten. Zu Emesa in Syrien wurden sie von den Sarazenen in Ketten gelegt und in den Kerker geworfen. Ein reicher spanischer Kaufmann nahm sich der Unglücklichen an, versorgte sie mit Speisen und erwirkte ihnen endlich die Freilassung.

 

Willibald besuchte nun mit seinen Gefährten Nazareth, Bethlehem, Ägypten, Kana, Kapharnaum und Jerusalem, betrachtete voll Ehrfurcht die Geheimnisse, die sich an diese heiligen Stätten knüpften und vergoss Tränen der Rührung und des innigsten Dankes für alle Gnadenerweise des göttlichen Erlösers. Von der Leidensstätte konnte er sich kaum trennen. In den Einsiedeleien der Wüste lernten sie das vollkommene Leben aus eigener Anschauung kennen.

 

Nach siebenjähriger Abwesenheit kehrte Willibald im Jahr 729 über Konstantinopel nach Italien zurück, um in dem weltberühmten Kloster Monte Cassino fortan sein Leben nach der Ordensregel des heiligen Benedikt der Heiligung zu widmen. Im ersten Jahr bekleidete er das Amt eines Sakristans, dann erhielt er das wichtige Amt eines Pförtners und wurde ein Vorbild der Heiligkeit für alle seine Ordensgenossen.

 

Im Jahr 739 reiste Willibald mit Erlaubnis seines Abtes Petronax nach Rom. Papst Gregor III. ließ ihn zu sich rufen und kündigte ihm an, dass sein Oheim Bonifatius und sein Bruder Wunibald in Deutschland das Evangelium verkündeten und dringend begehrten, ihn zum Mitarbeiter zu haben. Gesegnet vom Heiligen Vater, eilte Willibald freudig über die Alpen nach Thüringen und wurde vom heiligen Bonifatius zum Priester geweiht. Sogleich fing er an, in Franken und Bayern den Heiden und lauen Christen das Evangelium Jesu Christi zu verkündigen. Auf seinen Wanderungen kam er auch an den Hof des Herzogs Odilo von Bayern und lernte den reichen Grafen Suitgar von Hirschberg kennen. Der schenkte ihm zur Gründung eines Bistums einen mit Eichbäumen besetzten Waldbezirk. Willibald fand dort zu seiner größten Freude ein altes Marienkirchlein, das während der Verwüstungen durch die Hunnen wunderbar verschont geblieben war, lichtete den Wald, legte Äcker und Wiesen an, baute eine Kirche nebst Kloster für sich und seine Mitarbeiter und legte so den Grund zu Eichstätt, das bald durch Ansiedlungen zu einer Stadt heranwuchs.

 

Nachdem Willibald bereits ein Jahr und einige Monate als Apostel gewirkt hatte, weihte ihn sein Oheim Bonifatius auf der Salzburg in Franken unter Assistenz des Bischofs Burghard von Würzburg und des Bischofs Witta von Buraburg am 22. Oktober 741 zum ersten Bischof von Eichstätt.

 

Trotz seiner bischöflichen Würde führte Willibald das abgetötete Ordensleben weiter fort. Sein raues Bußkleid legte er nicht ab, das Fasten war ihm zur anderen Natur geworden. Gegen sich selbst streng, war er mild gegenüber anderen. Durch seine Klugheit und vielseitige Lebenserfahrung, durch seine Demut und unverwüstliche Freundlichkeit, durch seine Mildtätigkeit gegenüber den Armen und seine Dienstfertigkeit gegenüber allen besiegte er die Herzen auch der Wildesten und bereitete der Wahrheit und den Segnungen des Christentums die Wege. Die Predigt des Heils wurde ein fruchtbares Samenkorn. Überall im Franken- und Bayernland entstanden Christengemeinden, die Hilfe in der Not und Trost im Unglück bei ihrem heiligen Bischof fanden. Um seinem Bistum tüchtige Lehrer und leuchtende Vorbilder der Gottesliebe und Weltverachtung zu geben, baute Willibald zu Heidenheim zwei Klöster, eins für Männer, das andere für Frauen nach der Regel des heiligen Benedikt, und bemerkte bald zu seiner großen Freude, dass die Mönche unter der Leitung seines Bruders Wunibald, die Nonnen unter Leitung seiner heiligen Schwester Walburga sich mehrten und der Welt ein leuchtendes Vorbild gaben. Dort brachte Willibald alljährlich einige Tage in Gebet und Betrachtung und in heiligen Unterredungen mit seinen heiligen Geschwistern zu. Neugestärkt kehrte er dann in sein Bistum zurück, um mit frischem Mut seines hohen Amtes zu walten.

 

Nachdem er mehr als vierzig Jahre den Hirtenstab zum Segen der Kirche geführt hatte, starb er im hohen Greisenalter am 7. Juli wahrscheinlich im Jahr 787 oder 786, arm an irdischen Gütern, aber reich an Verdiensten für den Himmel.

 

Papst Leo VII. erhob ihn 938 unter die Zahl der Heiligen. Einer seiner Nachfolger auf dem bischöflichen Stuhl zu Eichstätt, Bischof Hildebrand, erbaute ihm zu Ehren eine Kirche und setzte dort seine heiligen Gebeine bei. Wunder verherrlichten sein Grab. Sein Gedächtnis wird am 7. Uli gefeiert. Sein Bildnis trägt auf der Brust ein Schild mit der Inschrift: Fides, spes, charitas, Glaube, Hoffnung, Liebe, jene drei göttlichen Tugenden, in denen der Heilige einen so hohen Grad von Vollkommenheit gewonnen hatte.

 

Die heiligen Eoban, Mitbischof vom hl. Bonifatius, Martyrer,

und Adelar, Mönch, Gefährte des hl. Bonifatius, Martyrer,

+ 755 – Fest: Eoban: 7. Juli / Adelar: 5. Juni

 

Als der heilige Bischof Bonifatius lehrend und taufend im Land der Thüringer und Hessen umherzog, sah er, dass die Ernte zwar groß, der Arbeiter aber wenige waren, um die zahlreichen Gläubigen zu unterrichten. Er sandte deshalb in das Land und die Provinz seiner Heimat und ließ sowohl Frauen, als auch viele fromme Männer, die in mancherlei Wissenschaften unterrichtet waren, von dort kommen und teilte mit ihnen die Last seiner Arbeit. Unter den ausgezeichneten Männern befanden sich auch Eoban und Adelar.

 

Diese beiden gottbegeisterten und seeleneifrigen Priester predigten unter der Leitung des heiligen Bonifatius unermüdlich in Hessen und Thüringen und anderen deutschen Landen das Evangelium der Wahrheit und Liebe und gewannen zahllose Seelen für die Kirche Jesu Christi. Als die Zahl der Christen sich in den weitesten Provinzen Deutschlands von Tag zu Tag mehrte, errichtete Bonifatius mit Genehmigung des Papstes Zacharias im Jahr 741 vier neue Bistümer, nämlich Erfurt, Buraburg, Würzburg und Eichstätt. Für den nordthüringischen Bischofssitz Erfurt bestimmte er mit päpstlicher Genehmigung seinen verdienten Schüler Adelar, für den erledigten bischöflichen Stuhl zu Utrecht den gleichlieben Schüler Eoban. Beide erfüllten in ihren Sprengeln ihr hohepriesterliches Amt mit Eifer und Auszeichnung und befestigten den Glauben unter dem Ackerbau treibenden Volk mehr und mehr, so dass die letzten Spuren des Heidentums durch die siegende Kraft des Kreuzes verdrängt wurden.

 

Als der heilige Bonifatius zur Marterkrone eilte und die in den heidnischen Götzendienst zurückgefallenen Friesen zum christlichen Glauben heimführen wollte, nahm er seine langbewährten Jünger und Freunde Adelar und Eoban mit, damit diese treuen Gefährten im Apostelamt während ihres irdischen Wirkens auch an der ruhmreichen Krone des Martyriums teilnehmen möchten. Mit einer Anzahl Priester, Diakonen und Mönche bestiegen die drei Bischöfe in Mainz ein Schiff, fuhren rheinabwärts, stiegen in Utrecht aus und begaben sich nach Ostfriesland. Ihren feurigen Reden gelang es, eine große Anzahl Abtrünniger wieder zu gewinnen und die Schwachen im Glauben zu befestigen. Am hochheiligen Pfingstfest bereitete sich der heilige Bonifatius nebst Eoban und Adelar eben vor, den Neubekehrten das hl. Sakrament der Firmung zu spenden. Da stürzte aus dem Hinterhalt eine bewaffnete Rotte von räuberischen Heiden und erschlug die drei heiligen Bischöfe nebst ihren fünfzig Gefährten.

 

Der größere Teil der Leichen wurde an der Marterstelle bei Dockum begraben, die Leichen der drei Bischöfe nebst zehn anderen Märtyrern brachte man zunächst nach Utrecht. Unter großen Feierlichkeiten und Wunderzeichen wurden dann die irdischen Überreste der drei heiligen Bischöfe nach der erzbischöflichen Kathedrale in Mainz überführt und unter der innigsten Teilnahme des zusammengeströmten Volkes feierlich von dem Erzbischof Lullus, dem Nachfolger des heiligen Bonifatius, beigesetzt. Da aber der heilige Bonifatius ausdrücklich verlangt hatte, in seiner lieben Abtei Fulda seine Ruhestätte zu finden, so musste Lullus dem Verlangen des Abtes Sturm nachgeben und er führte die Leiche des teuren Freundes selbst dorthin. Die irdischen Überreste der beiden Bischöfe und Märtyrer Adelar und Eoban kamen nach Erfurt, wo sie in der Marienkirche aufbewahrt und vom gläubigen Volk innig verehrt wurden.

 

Adelar war der erste und auch der letzte Bischof von Erfurt; denn als er mit dem heiligen Bonifatius nach Friesland reiste, übergab er die im Zuwachs begriffene Diözese einstweilen dem Lullus, dem Erzbischof von Mainz. Erfurt mit dem fränkischen Südthüringen blieb dem Bistum Mainz einverleibt, das nördliche Thüringen bekehrte sich erst später unter Karl dem Großen und wurde mit dem im Jahr 814 errichteten sächsischen Bistum Halberstadt vereinigt.

 

Heute befinden sich die Reliquien der beiden Heiligen im Hochaltar der Kirche Heilige Familie in Oeventrop, einem Stadtteil von Arnsberg, im Hochsauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen.

 

8. Juli

 

Die heilige Elisabeth von Portugal, Königin,

+ 4.7.1336 - Fest: 8. Juli

 

Elisabeth, die Tochter eines spanischen Königs, wurde durch Heirat mit jungen Jahren Königin von Portugal. Ein Ereignis aus ihrem Leben ist es wert, eingehender geschildert zu werden.

 

Der König, Elisabeths Gemahl, war seiner heiligen Gattin unwürdig, weil er ihr nicht treu war, und weil derjenige, der schlecht ist, leicht zu der Ansicht neigt, dass alle anderen Leute ebenfalls schlecht seien, lieh der König von Portugal einem Verleumder gern das Ohr, der ihm zuflüsterte, dass Elisabeth auch ihm untreu sei, und ohne daran zu denken, dass die Schuld der Gemahlin weder geprüft noch bewiesen war, beschloss der König in blinder Wut, sich auf grauenhafte Weise für die angebliche Untreue Elisabeths zu rächen, denn noch am gleichen Tag, da er der bösen Verleumdung willig Gehör geschenkt hatte, ließ der Erzürnte dem Leiter einer königlichen Eisenhütte in der Nachbarschaft den Befehl übermitteln, er solle denjenigen, der am nächsten Morgen mit der Frage, ob des Königs Befehl ausgeführt sei, zu ihm komme, ohne weiteres in einen glühenden Schmelzofen werfen.

 

In der Frühe des folgenden Tages ließ der König einen jungen Edelmann, den angeblichen geheimen Liebhaber der Königin, zu sich rufen und sandte ihn mit der erwähnten Frage nach der Eisenhütte. Nichts ahnend machte der Beauftragte sich auf den Weg, und wenn der Himmel nicht über den Unschuldigen gewacht hätte, so wäre ihm ein unseliges Ende beschieden, und die Ehre der heiligen Königin wäre für immer geschändet gewesen.

 

Auf sonderbare Weise sind damals die Pläne der Bösen durchkreuzt worden. Der junge Edelmann nämlich kam auf dem Weg zur Eisenhütte an einer Kirche vorbei. Seiner Gewohnheit gemäß trat er ein, um einen Augenblick zu beten, und weil gerade ein Priester an den Altar ging, um die heilige Messe zu feiern, blieb der junge Mann, um ihr beizuwohnen, und als anschließend noch ein zweiter Priester noch eine weitere Messe las, hörte er auch diese an.

 

Darüber verstrich eine ganze Stunde, und mittlerweile war dem König die Zeit lang geworden, denn immer noch war er von der Eisenhütte her ohne Bescheid, ob sein Auftrag vom gestrigen Tag an dem vermeintlichen Schandbuben ausgeführt sei. Deshalb schickte er einen anderen Edelmann, den Verleumder, nach der Eisenhütte mit der Frage, ob des Königs Befehl ausgeführt sei. In aller Hast und Eile sprengte der Unglückselige auf dem Ross davon, aber kaum hatte der Unhold die bekannte Frage an den Leiter der Hütte gerichtet, da wurde er gepackt und trotz seines Schreiens und Sträubens in den glühenden Hochofen geworfen.

 

Wenige Minuten nach dem Vorfall kam auch der erste Junker an, und auf die Frage, ob des Königs Befehl befolgt worden sei, erhielt er die Antwort, der König dürfe zufrieden sein, denn der Auftrag sei ordnungsgemäß erledigt worden.

 

Als der junge Ritter den Bescheid überbrachte, machte der König bei seinem Anblick große Augen, denn er war der Meinung, dass er bereits unter den Toten sei, und als er dann nachforschte, wie sich alles zugetragen hatte, gingen ihm die Augen darüber auf, dass seine Gemahlin unschuldig war und dass nach Gottes gerechter Zulassung der elende Verleumder selbst in die Grube gefallen war, die er einem anderen gegraben hatte.

 

Von der heiligen Königin Elisabeth berichtet die Geschichte ferner noch, dass sie mehrmals den Frieden zwischen Fürsten und Völkern vermittelt hat. Auch war sie eine große Wohltäterin der Armen und Bedrängten. Als ihr Gatte starb, ging sie ins Kloster der Klarissinnen, dessen Bau sie noch vor dem Tod des Königs begonnen hatte, wo sie am 4. Juli 1336 fünfundsechzigjährig eines heiligen Todes starb. Im Kloster war ihr einziges Verlangen, sich dem Gebet und den Bußwerken zu widmen, und somit auch die Ordensgelübde abzulegen. Aus Beweggründen der Nächstenliebe bezog sie aber ein Haus nahe am Kloster, widmete sich dort dem Dienst an den Armen, der Witwen und Kranken, behielt das Ordenskleid, versammelte bis zu neunzig Frauen in das neue Kloster und besuchte und bediente diese oft bei Tisch mit Beatrix, ihrer Schwiegertochter. Noch einmal, begleitet von zwei Frauen, im Jahr 1335 machte sie eine Wallfahrt nach Kompostella, und zwar zu Fuß, unbekannt und in Armut.

 

Der heilige Kilian, Bischof und Martyrer von Würzburg,

+ 8.7.689 – Fest: 8. Juli

 

Kilian, ein vornehmer Irländer, genoss in einem Kloster seiner Heimat eine christliche Erziehung und war dem Lesen der Heiligen Schrift und Übungen der Frömmigkeit sehr ergeben. Am liebsten hätte er sich in stiller Einsamkeit Gott und dem Heil seiner Seele gewidmet. Als er aber einst die Worte Jesu betrachtete: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“ da entschloss er sich, seine liebe Klosterschule, seine Heimat und alles zu verlassen und den Heiden in fremden Ländern das Evangelium zu verkünden. Zwei gleichgesinnte Freunde, der Priester Koloman und der Diakon Totnan schlossen sich ihm an. Mit ihnen reiste er zunächst nach Frankreich und als er dort vernahm, dass in Franken noch die tiefste Unwissenheit im christlichen Glauben herrsche, zog er dahin und kam zum Kastell Würzburg. Wohl hatte das Christentum schon in vielen Gegenden Deutschlands, namentlich am Rhein, an der Donau, in Schwaben, Bayern und Österreich, Wurzel gefasst, jedoch in Franken huldigte das Volk noch den heidnischen Götzen, besonders der Göttin Diana, die man gewöhnlich Holla nannte. Die schöne Gegend, der kräftige Menschenschlag und das heitere Gemüt der Bewohner gefielen Kilian sehr, aber dass sie noch in der Nacht des Heidentums umhertappten, erfüllte ihn mit unsäglichem Schmerz und er sprach zu seinen Gefährten: „Wenn es euch gefällt, so wollen wir, wie wir es im Vaterland ausgemacht haben, nach Rom pilgern und die Gräber der Apostelfürsten besuchen und uns dem Heiligen Vater Papst Johannes vorstellen. Zugleich wollen wir auch vom apostolischen Stuhl die Erlaubnis erbitten, in dieser Gegend den Namen unseres Herrn Jesus Christus verkünden zu dürfen. Und haben wir diese Vollmacht erhalten, so wollen wir hierher zurückkehren und predigen.“ Kilians Gefährten willigten freudig ein. Sie pilgerten zusammen nach Rom und wurden, da Papst Johannes V. bereits gestorben war, von dessen Nachfolger Papst Konon liebreich und ehrenvoll aufgenommen. Nachdem sich Konon von der Rechtgläubigkeit und Gelehrsamkeit Kilians überzeugt hatte, weihte er ihn zum Bischof und übertrug ihm die Mission über Franken. Die beiden Gefährten Kilians ermahnte der Papst zum treuen Gehorsam, erteilte ihnen seinen Segen und entließ sie mit den Worten: „“Ziehet hin! Fangt euer Werk mit Gott an und vollendet es mit Gott! Euer Lohn wird groß sein im Himmel, ewige Freuden warten dort auf euch.“

 

Kilian eilte mit seinen treuen Gefährten Koloman und Totnan nach Würzburg zurück und predigte mit Kraft und Salbung die Lehre Jesu, heilte Kranke und tat viele Wunder vor den Augen des Volkes, so dass viele glaubten und sich taufen ließen. Selbst der Frankenherzog Gosbert ließ den Glaubensverkünder an seinen Hof rufen und sein Herz wurde von seiner eindringlichen Predigt so tief ergriffen, dass er sich nach einigen Unterredungen mit dem Heiligen am nächsten Osterfest zusammen mit vielen Edlen des Hofes und einer großen Menge Volkes taufen ließ.

 

Gosbert hatte nach alter heidnischer Gewohnheit deutscher Stämme Geilana, die Witwe seines Bruders zur Gemahlin. Als Kilian den Herzog im Glauben hinlänglich befestigt glaubte, machte er ihn darauf aufmerksam, dass seine Ehe nach christlichen Grundsätzen nicht statthaft sei. Tief betrübt erwiderte Gosbert: „Schwereres predigst du nun, als vorher, doch aus Liebe zu Gott will ich sie verlassen, wenn ich sie nicht besitzen darf. Aber jetzt muss ich in den Krieg ziehen. Wenn ich zurückkomme, wollen wir miteinander überlegen, ob es denn notwendig sei, dass ich die Frau entlasse.“ Darauf zog er mit seinem Heer ins Feld.

 

Die stolze und herrschsüchtige Geilana konnte sich nicht mit dem Gedanken abfinden, den herzoglichen Hof verlassen zu müssen. Deshalb beschloss sie, Kilian samt seinen Genossen aus dem Weg zu räumen. Zwei heidnische Diener erklärten sich bereit, für eine große Geldsumme die Glaubensboten zu ermorden.

 

Der heilige Kilian ahnte nicht die drohende Gefahr, aber ihm wurde in einem Gesicht sein baldiger Tod von Gott angekündigt. Er sah einen Mann von herrlicher Gestalt vor sich stehen, der so zu ihm sprach: „Freund Kilian, steh auf! Ich will nicht, dass du noch länger arbeitest. Nur noch ein Kampf steht dir bevor, du wirst aber mit mir den Sieg erringen.“ Er sprach es und verschwand. Kilian stand eilends auf, rief seine Gefährten und sprach zu ihnen: „Brüder, lasst uns wachsam sein! Bald wird der Herr kommen und an der Tür anklopfen. Seien wir auf der Hut, damit er uns nicht schlafend finde! Füllen wir unsere Lampen mit dem Öl guter Werke! Lassen wir es nicht ausgehen und sehen wir uns nicht erst dann um solches um, wo wir keines mehr bekommen werden!“ Die beiden Freunde bereiteten sich mit ihrem Meister auf den Tod vor.

 

Als eines Morgens die drei Gefährten im Betsaal des Schlosses ihre Tagzeiten beteten und Psalmen sangen, drangen die beiden gekauften Meuchelmörder mit gezückten Schwertern herein und riefen: „Auf Befehl der Herzogin müsst ihr sterben!“ Sanft entgegnete ihnen Kilian: „Ach, meine Freunde, wozu seid ihr gekommen? Ihr werdet den Befehl vollziehen, wir aber eilen zu einem besseren Leben. Möge Gott euch und denen, die euch gesandt haben, vergeben!“ Die Mörder durchbohrten Kilian sowie Koloman und Totnan. Dies geschah im Jahr 689. Die Mörder verscharrten die Leichen samt den kirchlichen Gewändern, Kelchen, Büchern und Kreuz an der Mordstätte und die Herzogin ließ das Gerücht verbreiten, die fremden Priester seien fortgewandert. Den Betsaal verwandelte sie in einen Pferdestall, damit man keine Spur des Mordes entdeckte.

 

Eine fromme, edle Witwe, namens Burgunda, die in der Nähe des Heiligtums wohnte, hatte den Mord bemerkt, getraute sich aber aus Furcht vor der Rache der Herzogin nicht, die Untat zu erzählen.

 

Als Gosbert zurückkehrte und sogleich fragte: „Wo sind die heiligen Männer, dass ich sie mit einem Teil meiner Beute beehren kann?“ erwiderte Geilana bedauernd: „Sie sind schon längere Zeit nicht mehr hier. Sie werden wahrscheinlich in einer anderen Gegend das Evangelium predigen.“ Aber „es ist nichts so fein gesponnen, es kommt ans Licht der Sonnen.“ Einer der Mörder verfiel in Raserei, lief durch die Räume des Schlosses und die Stadt und schrie: „O Kilian, wie schrecklich verfolgst du mich! Mit Feuer brennst du mich, mit meinem Schwert, das mit deinem Blut gefärbt ist, drohst du mir!“ Er zerbiss sich die Zunge und seine Glieder und starb eines grauenvollen Todes. Der andere Mörder stürzte sich in sein eigenes Schwert, mit dem er die Märtyrer getötet hatte.

 

Die verbrecherische Geilana geriet in Raserei und schrie verzweifelnd: „Ach Kilian, wie schrecklich verfolgst du mich! Ach, Koloman, du zündest mir das Feuer an! Ach, Totnan, du trägst das Holz dazu! Lasst ab, lasst ab! Ich erkenne euch als Sieger. Ich unterliege der Schmach und dem Entsetzen, die mich überfallen.“ An allen Gliedern verrenkt, starb sie in Raserei.

 

Die heiligen Leichname wurden erst nach fünfzig Jahren aufgefunden und vom heiligen Bischof Burkhard in der Marienkirche auf der Herzogsburg feierlich beigesetzt, bald aber in die über dem Grab erbaute Kirche Neumünster übertragen. Wegen der vielen Wunder verbreitete sich die Verehrung des heiligen Kilian und seiner Gefährten weit über die Grenzen Thüringens. Die Stadt und das Bistum Würzburg verehrt den heiligen Kilian als seinen Patron, das Bistum Paderborn feiert ihn als Kompatron.

 

9. Juli

 

Von den heiligen Märtyrern von Gorkum,

+ am 9.7.1572 - Fest: 9. Juli

 

Gorkum ist ein Städtchen in der Mitte des südlichen Holland, am rechten Ufer der Maas, wo sich der Rheinarm Waal mit der Maas vereinigt; es heißt im Holländischen Gorinchen. Es hatte einst starke Mauern und eine feste Burg, die 1420 von Wilhelm von Bayern gebaut worden war. In der Mitte befand sich der „blaue Turm“, ein prächtiger Rundbau aus Marmor, der Stadt und Land weithin beherrschte. Gorkum erlangte in der Kirchengeschichte Berühmtheit durch das Martyrium von 19 Priestern und Ordensleuten am 9. Juli des Jahres 1572.

 

Holland stand bis dahin unter spanischer Herrschaft. Im Jahr 1572 kam es aber durch die Geusen, das heißt „Bettler“, zum Abfall von Spanien. Die Geusen waren die Partei der unzufriedenen Edelleute, Kalviner und voll Hass gegen alles Katholische. Am 26. Juni gelang es ihnen, in Gorkum einzudringen. Ihr Anführer Marinus Brandt hatte den Bewohnern Schutz und volle Religionsfreiheit versprochen und feierlich versichert, auch die Geistlichen nicht zu behelligen. Der Befehlshaber der Stadt, Kaspar Türk, ein tüchtiger Kriegsmann und treuer Offizier seines Königs, war mit der Übergabe nicht einverstanden und zog sich mit seinen Soldaten in die Burg zurück, in die er auch die Geistlichen und einige Frauen aufnahm. Doch schon nach kurzem Widerstand musste er sich, da er zu wenig Soldaten zur Verteidigung hatte, zur Übergabe der Festung gegen freien Abzug aller Belagerten, Soldaten, Geistlichen und Bürger entschließen. Die Geistlichen ahnten, wie die Feinde den Vertrag halten würden. Sie beichteten und empfingen die heilige Kommunion, noch ehe die Geusen einzogen. Es sollte für die meisten von ihnen die heilige Wegzehrung und Stärkung für den schwersten Kampf sein.

 

Es waren 20 Priester und Ordensleute: sechs Weltpriester, dreizehn Franziskaner und ein Augustiner. Als nach Mitternacht des 26. Juni die Geusen in die Burg eindrangen, nahmen sie die Geistlichen sofort gefangen und ließen ihren Übermut an ihnen aus, besonders an den Franziskanern und ihrem Guardian P. Nikolaus Piek, einem Mann von hervorragenden Fähigkeiten und leuchtender Heiligkeit. Sie umschlangen ihn mit seinem Gürtel, hängten ihn über eine Tür, zogen ihn auf und nieder, bis der Strick riss und der Gequälte bewusstlos zu Boden fiel. Um zu sehen, ob er schon tot wäre, hielten sie ihm brennende Kerzen ins Gesicht, ja sogar in den gewaltsam geöffneten Mund. Als der Bekenner kein Lebenszeichen von sich gab, stießen sie den Körper in eine Ecke mit den Worten: „Es ist ja doch nur ein Mönch; wer wird danach fragen.“ Der Besinnungslose kam nach einigen Stunden wieder zu sich. Furchtbar war er entstellt, das ganze Gesicht verbrannt, der innere Mund ganz voll Wunden. Aber der Heilige klagte nicht, sondern ermunterte die Seinen, guten Mutes zu sein: er habe es nun erfahren, die Todespein sei kurz, seine Schmerzen seien bald vorüber gewesen.

 

Mit ähnlichen ausgesuchten Martern quälten die rohen Soldaten an den folgenden Tagen und Nächten ihre schuldlosen Opfer. Selbst einen neunzigjährigen Franziskaner, Willehald, einen Dänen, verschonten sie nicht. Ein Soldat schlug ihm wütend ins Gesicht, aber der ehrwürdige Priester flüsterte nur leise bei jedem Schlag ein „Deo gratias, Gott sei Dank!“

 

Zwei von den Weltpriestern wurden nach einigen Tagen gegen ein hohes Lösegeld freigegeben; einer wurde schwach und sagte sich los, dafür kam ein Dominikaner aus der kölnischen Ordensprovinz, namens Johannes, der in der Nähe eine Pfarrei versah und auf die Nachricht von der Gefangennahme aller Priester in die Stadt gekommen war, um zu taufen. Dabei wurde er von den Geusen überrascht und ins Gefängnis geschleppt.

 

Die drei Weltpriester, die zum Martertum standhielten, waren die beiden Pfarrer von Gorkum, Leonhard von Wechel und Nikolaus Janssen, genannt Poppel, zwei mustergültige, seeleneifrige Priester, und ein siebzigjähriger Greis, Gottfried van Duynen, ein ehemaliger Pfarrer in Frankreich; er war ein Freund der Kinder, eine Seele voll frommer Einfalt.

 

Dem Pfarrer Leonhard Wechel wurde gestattet, zwei zum Galgen verurteilte katholische Bürger auf ihrem letzten Gang zu begleiten und in sein Pfarrhaus zurückzukehren. Am 2. Juli konnte er sogar die Kanzel besteigen und predigen in Gegenwart vieler Geusen. Mit großer Beredsamkeit legte er die Berechtigung der Marienverehrung dar und bewies aus der Fülle seiner theologischen Kenntnisse gegen die Irrtümer der Neuerer die unversehrte Jungfräulichkeit der Gottesmutter. Dann erhob er seine Stimme zu einem gewaltigen Glaubensbekenntnis für die Lehre der katholischen Kirche und zu einer flammenden Mahnung an seine Pfarrkinder, treu auszuharren im Glauben der Väter und lieber Gut und Leben hinzugeben, als den heiligen katholischen Glauben zu verleugnen.

 

Niemand wagte ihn zu unterbrechen, die entschiedene Haltung der Katholiken zwang die Geusen, den Pfarrer in Freiheit zu lassen. Sie warteten aber nur eine andere Gelegenheit ab, Rache an ihm zu nehmen und ihn bald wieder gefangen zu setzen.

 

Inzwischen hatten die Gefangenen viel von den mutwilligen Soldaten auszustehen gehabt. Da der Rat der Stadt und Freunde der Priester sich um ihre Freigabe beim Prinzen Wilhelm von Oranien bemühten, sandte Graf Wilhelm von der Marck, gewöhnlich nach seinem Geburtsort Lumnius genannt, ein wütender Priesterfeind, den Johann von Omal, einen abgefallenen Priester, nach Gorkum, die gefangenen Geistlichen nach Brielle zu bringen; dort solle ihnen der Prozess gemacht werden.

 

Da ein gewaltsamer Widerstand der katholischen Bürger bei der Abführung der Gefangenen zu befürchten war, entschlossen sich die Geusen, das Werk der Finsternis in der Nacht vom 5. Auf den 6. Juli auszuführen. Nachdem man die Priester ihrer Oberkleider beraubt hatte, wurden sie je zwei aneinandergefesselt, auf einem Fahrzeug zuerst nach Dortrecht und dann nach Brielle abgeführt und öffentlich dem Gespött und der Wut der unsinnig gegen sie rasenden Soldaten preisgegeben. Während sie mit Schmach und Unbill gesättigt wurden, standen die Gefesselten, von denen mehrere über sechzig, einige über siebzig und einer fast neunzig Jahre alt waren, bis zur Brust unbekleidet, mit Striemen bedeckt und von Blut überströmt. Aber bei allen Schlägen und Qualen kam kein anderes Wort über ihre Lippen als Gebet für ihre Feinde, Lobpreis Gottes und herzlicher Dank oder Empfehlung ihrer Seele in die Hände des Heilandes und die Bitte um standhafte Ausdauer in ihrem harten Kampf.

 

In Brielle wurden sie nach vielen Qualen und Verhöhnungen in einen unterirdischen, schmutzigen Kerker geworfen, wo sie zwei Leidensgefährten, Pfarrer aus der Nähe, vorfanden. Zwei Prämonstratenser kamen noch hinzu, so dass 23 Menschen in dem schrecklichen Loch eingepfercht waren.

 

Am Nachmittag des 7. Juli wurden sie alle in das Rathaus zum Verhör geschleppt. Drei von ihnen ließen sich zum Abfall verleiten, die anderen blieben fest. Dann wurden sie in einen anderen Kerker geführt.

 

Tags darauf mussten die sieben angesehensten Priester von ihnen zu einem neuen Verhör erscheinen. Zwei kalvinische Prediger sollten die Bekenner zum neuen Glauben überreden; man bat und beschwor sie, öffentlich den Gehorsam gegen den Papst aufzukündigen und den Glauben an die Gegenwart Christi in der Eucharistie aufzugeben. Aber die Märtyrer wussten zu gut, dass Papsttum und Eucharistie zu den starken Pfeilern des katholischen Glaubens gehören; es wurde ihnen nicht schwer, diesen Glauben zu verteidigen.

 

Zwei Brüder des Pater Guardians Nikolaus Piek gaben sich alle erdenkliche Mühe, wenigstens diesen zum Abfall vom Papsttum zu bringen; ihre Bemühungen hatten keinen Erfolg.

 

Am Abend des 8. Juli gab der Admiral Graf Lumnius den Befehl, alle Gefangenen unverzüglich aufzuhängen, und übertrug die Ausführung dem Johann von Omal.

 

Mitten in der Nacht brachen die Soldaten in das Gefängnis ein und fesselten die Märtyrer. Als Ort der Hinrichtung wählten die Häscher das zerfallene Kloster Ten Rugge, dicht vor der Stadt, wo einer der Märtyrer, Johann von Ferweyk, Priester aus dem Augustinerorden, viele Jahre glücklich verlebt hatte. Jetzt stand nur noch eine Scheune, alles übrige war von den Geusen verbrannt worden. In der Scheune waren zwei Dachbalken, lang genug, um alle Gefangenen daran aufzuhängen.

 

Vor dem Ort der Hinrichtung angekommen, warfen sich die Märtyrer alle auf die Knie zum Gebet und ermahnten sich gegenseitig zur Standhaftigkeit. Zuerst ergriffen die Soldaten den Guardian, der seine Brüder umarmte und küsste und mit den kräftigsten Worten und glühendstem Eifer Mahnungen ihnen zurief, bis der Strick seine Stimme erstickte. Nach ihm traten die übrigen einer um den anderen heran. Die meisten bestiegen die Leiter unter Worten der Liebe zu Gott, des Trostes für die Gefährten und unter Gebeten für ihre Peiniger. Alle bis auf einen blieben standhaft. Es waren elf Franziskaner, darunter neun Priester und zwei Laienbrüder, zwei Prämonstratenser, ein Augustiner, ein Dominikaner und vier Weltpriester, zusammen 19, die für ihren Glauben ihr Leben hingaben.

 

Die Soldaten schändeten die Leichen der Märtyrer in unsagbarer Weise, bis es einigen Katholiken gelang, sie am Ort des Martyriums zu begraben. Dort blieben die Reliquien bis zum Jahr 1615, wo sie erhoben und nach Brüssel in die Kirche Sankt Gudula übertragen wurden. Drei Jahre später erfolgte ihre feierliche Beisetzung in der dortigen Franziskanerkirche.

 

Die vielen Wunderzeichen, durch die Gott sie verherrlichte, bewogen Papst Klemens X., sie im Jahr 1675 seligzusprechen. Papst Pius IX. erklärte im Jahr 1867 beim achtzehnten Jahrhundertgedächtnis der Apostelfürsten die standhaften Bekenner des päpstlichen Primates und der heiligen Eucharistie als „heilige Märtyrer“.

 

Die Heiligen von Gorkum sind wirkliche Märtyrer. Was ihre Verfolger in ihnen treffen wollten, war nicht ihre Treue gegenüber Spanien, sondern ihr geistliches Kleid, das sie als amtliche Vertreter der „verhassten alten Kirche“ kennzeichnete. Vielleicht hätte man das an ihnen noch ertragen, aber dass sie die von den Neuerern geleugneten beiden Grundwahrheiten des katholischen Glaubens, die wirkliche Gegenwart Christi im allerheiligsten Altarsakrament und den Vorrang des römischen Papstes bekannten und verteidigten, das gab die Entscheidung für ihre Gefangenschaft und damit für ihren Tod. So starben sie, während ringsum ein ganzes Volk seinen Glauben fallen ließ, treu ihrer Überzeugung und verklärten durch ihr Sterben noch die dunkelste Stunde in der Geschichte ihrer niederländischen Heimat. Ihre Standhaftigkeit inmitten der tiefsten Schmach und der ausgesuchtesten Qualen reiht sie ebenbürtig den glorreichen Blutzeugen der alten Kirche an. Ihre so rührend schlichte, aber gerade darum so ergreifende Glaubenstreue stellt sie für uns alle zum begeisternden Vorbild auf.

 

Der heilige Martyrer Zyrillus, Bischof und Martyrer zu Gortyna,

+ 9.7.250 - Fest: 9. Juli

 

Baronius hat bei Anführung dieses Heiligen in seinem Marterbuch eine rühmliche Bemerkung über die standhafte Rechtgläubigkeit der Christen auf der Insel Kreta aufgenommen, die einst von Martyrus, dem Bischof zu Gortyna, mit Zustimmung der übrigen Geistlichkeit an den Kaiser Leo den Großen in einem Schreiben gemacht wurde, dass nämlich Kreta niemals von irgend einer Ketzerei angesteckt worden sei und dass dieser besondere Schutz Gottes auch dem besonderen Gebet für die Reinheit des Glaubens von zehn Blutzeugen zur Zeit der Verfolgung zugeschrieben werde.

 

Von diesem Zyrillus weiß man aus seiner Jugendgeschichte einen besonderen Zug seines frommen, gläubigen, zu allem Guten bereitwilligen Charakters, dass er überall den frommen Dienern Gottes nachfolgte, um von ihnen entweder ein heilsames Wort zu hören oder ein gutes Beispiel zu sehen. So wenig ein solcher Religionseifer verborgen bleiben konnte, ebenso wenig konnte er ohne die schönsten Früchte und unbelohnt bleiben. In der Zeit nach seiner Jugend wurde Zyrillus unter die Geistlichkeit aufgenommen und ihm schließlich sogar das Oberhirtenamt übertragen, weil jedermann das Wachstum geistlicher Vollkommenheit an ihm wahrnehmen konnte. Dieses Amt bekleidete er in aller Treue durch ein halbes Jahrhundert.

 

Einfältig im Glauben, demütig in Liebe trug er die Lehre Jesu vor in Wort und Tat, weil er nichts anderes wusste und nichts anderes wissen wollte, wie der Apostel Paulus, als Jesus den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis, den Heiden eine Torheit, den Gläubigen aber aus allen Völkern die Kraft Gottes zur Seligkeit. Und er sah die Früchte seines heiligen Hirtenamtes in der Glaubenserleuchtung seiner ihm Anvertrauten, in der Bekehrung vieler Heiden und vieler durch Irrtum und Sünde verlorenen Namenchristen.

 

Schließlich wurde Zyrillus als ein Greis von 84 Jahren unter dem Kaiser Dezius vom Befehlshaber Luzius herbeigeschleppt und zum Götzenopfer aufgefordert. Kurz und kräftig wies der Heilige dieses Ansinnen zurück mit dem Ausspruch Gottes: „Wer Götzen und nicht dem lebendigen Gott Opfer darbringt, der soll aus meinem Volk vertilgt werden.“ Luzius erwiderte: „Ehre doch dein hohes Alter und opfere den Göttern!“ Der Greis antwortete hindeutend auf die Lebenskraft des Glaubens, die durch keine Zeit altert, und den gläubigen Greis um so mehr stärken muss, je näher er dem Ziel ist: „Ich bin nicht alt, denn der Herr sagt: deine Jugend soll wie jene des Adlers erneuert werden. Was du mir aber zumutest, das darf ich nicht tun.“ Der Richter forderte ihn mit Schmeichelei auf: „Verlasse deinen Wahn, opfere den Göttern, und lebe ein frohes Alter! Denn ich höre, du seist ein verständiger und kluger Mann; darum wende deine Klugheit und Gelehrtheit zu deinem Vorteil an.“ Der Heilige antwortete: „Würde ich wohl weise handeln, wenn ich andere über Torheit belehrte, und nun selbst als Tor befunden würde? Nein, ich werde erst dadurch von meiner Klugheit eine Probe geben und mir zum Besten raten, wenn ich (wie einst Eleazarus) den Gegenwärtigen durch mein Beispiel die wahre Weisheit erprobe.“ Aufgebracht, dass sein Wort an den Greis nichts vermöge, vielmehr ihm selbst nur zur Beschämung, den Zuhörern aber zur Erkenntnis der Wahrheit diene, sprach Luzius das Todesurteil über ihn aus: „Wir befehlen, Zyrillus der Wahnsinnige soll als Zerstörer des Götterdienstes lebendig verbrannt werden.“

 

Freudig im Herrn vernahm der Heilige das Todesurteil, ging lobpreisend der Todesqual entgegen, und wurde auf den Holzstoß hingeworfen. Eine Menge Zuschauer drängte sich hinzu, einige wegen des Spektakels, einige um die heiligen Reste aufzuheben; alle aber harrten des Ausgangs. Das Feuer verzehrte seine Nahrung, nur nicht das Opfer, wegen dessen es angezündet worden war. Denn siehe! Der Zeuge des Glaubens saß unverletzt auf der verglimmenden Glut, die Hände zum Himmel ausstreckend. Staunen ergriff alle ob dem Wunder, heilige Ehrfurcht durchschauerte sie gegen den Heiligen, und was Gottes Absicht ist bei allen Wundern ging in Erfüllung, denn viele glaubten dem Zeugnis, das Gott für seinen Diener abgelegt hatte. Auch dem Richter kam das Wunder zu Ohren. Zur Probe ließ er sich den Heiligen vorführen, fand ihn unverletzt, lobte den Christengott und ließ ihn heimgehen.

 

Alles freute sich des so wunderbar geretteten und wiedergeschenkten Bischofs. Alles drängte sich zu ihm hin, warf sich vor ihm nieder, und auch Heiden riefen voll Verwunderung aus: wir glauben an den Gott, der dich gerettet hat. Nur der so glorreich gerettete Diener Gottes seufzte: „Ach, dass ich nicht würdig erfunden worden bin, für meinen Erlöser zu sterben!“ Er fuhr aber fort seines Amtes zu walten, nahm zärtlich auf, wer immer zu ihm kam, verkündete die Botschaft des Heils, unterrichtete im Glauben, taufte die Neubekehrten, ermunterte zur Glaubenstreue, zur Gottseligkeit hinweisend auf die große Macht Gottes im Retten, im Belohnen und Strafen.

 

Die zunehmende Verehrung des Heiligen wurde aber eine offenkundige immer größere Beschämung des Befehlshabers, der, wie es der beleidigte Stolz tut, sich selber Vorwürfe machte: „Warum habe ich meine Macht nicht gebraucht, warum habe ich ihn leben lassen?“ und befahl den Heiligen durch das Schwert hinzurichten; und so erhielt der treue Diener Gottes das Ziel seiner Wünsche.

 

10. Juli

 

Die heiligen Sieben Brüder

 

Die heutige Legende ist wie ein Lied, wie ein zweistrophiger Heldengesang der Treue zu Gott und zu Christus.

 

Die erste Strophe besingt eine Heldentat, die sich zweihundert Jahre vor der Geburt des Heilandes zutrug und die aus der Biblischen Geschichte des Alten Testamentes bekannt ist. Der gottlose König Antiochus von Syrien hatte das Land Israel unterjocht und wollte die Juden zum Abfall von dem einen wahren Gott dadurch verleiten, dass er sie zwang, Schweinefleisch zu essen, was nach dem Gesetz des Mose verboten war. Es wurde ihm auch eine Mutter mit sieben Söhnen vorgeführt, und da sie sich insgesamt standhaft weigerten, das Gebot zu übertreten, das Gott durch Mose gegeben hatte, ließ sie Antiochus, beim ältesten Sohn angefangen, der Reihe nach unter entsetzlichen Martern vor den Augen der jeweils noch Lebenden zu Tode peinigen. Als letzte starb die Heldenmutter, die mit blutendem Herzen der Qual der Söhne zugesehen, ihre Schmerzen miterduldet und sie trotzdem zur Standhaftigkeit aufgefordert hatte. Man nennt die Frau die Makkabäische Mutter. Diese Geschichte ist also die erste Strophe in dem genannten Heldengesang der Treue.

 

Was die zweite Strophe besingt, ereignete sich etwa zweihundert Jahre nach Christi Geburt. Damals lebte zu Rom eine vornehme christliche Witwe mit Namen Felizitas, die sieben Söhne hatte, prächtige Kinder und begeisterte Christusjünger. Alle wurden des Glaubens wegen verhaftet, und was sich vierhundert Jahre zuvor in Israel zugetragen hatte, wiederholte sich auf die gleiche Weise zu Rom. Dem Alter nach wurden alle vor die Wahl zwischen Abfall vom Glauben und Tod gestellt, und unter dem heldenhaften Zuspruch der Mutter wählten die jungen Helden allesamt den Tod der Treue zum Heiland. „Mensch!“ erwiderte der älteste Sohn dem Richter auf die Frage, ob er Verrat an Christus üben wolle, „Mensch!“ sagte er, „das kommt gar nicht in Frage, ich bleibe treu.“ Ähnliche Antworten gaben auch die übrigen sechs, und alle starben sie für den Glauben vor den Augen der jeweils Überlebenden, und die Mutter, die mit jedem Sohn mitlitt und gleichsam mitstarb, vollendete den Heldengesang ihrer herrlichen Kinder vier Monate später ebenfalls mit dem glorreichen Martertod. Welch ein Empfang muss doch die große Frau im Himmel erlebt haben! Ihrer gedenkt die Kirche am 23. November, während sie das Fest der heiligen Sieben Brüder am heutigen Tag begeht.

 

Von den sieben Söhnen der heiligen Felizitas muss uns vor allem der zweitjüngste, Alexander mit Namen, teuer sein, denn seine heiligen Überreste kamen im frühen Mittelalter in das Städtchen Wildeshausen im heutigen Oldenburg. Man kann sich keine Vorstellung machen, mit welcher Pracht und unter welchem Zulauf aus dem ganzen Land die Überführung der Reliquien stattfand, aber den Weg, den der Zug damals nahm, kann man heute noch verfolgen, denn überall wo die heiligen Überreste eine Nacht verweilten, bauten die Leute danach ein Gotteshaus zu Ehren des jugendlichen Martyrers. Daher gibt es so manche Alexanderkirchen in Deutschland.

 

Welch herrliche Menschen waren doch die zwei Mütter und ihre Söhne! Auf die Mutter im Haus kommt es meistens an.

 

Der heilige Walderich aus Regensburg, Mönch in Cluny,

+ 10.7.1100 – Fest: 10. Juli

 

Während der 59 Jahre, da der heilige Abt Hugo dem weltberühmten Kloster Cluny vorstand, lebte daselbst ein frommer Mönch, namens Walderich, der aus einer edlen Familie Bayerns stammte und im Anfang des 11. Jahrhunderts zu Regensburg geboren war.

 

Derselbe hatte sich mit Gerard, der später Bischof von Ostia und Kardinal der römischen Kirche wurde, nach Cluny begeben, um daselbst unter der Leitung des gotterleuchteten Abtes Hugo ein gottseliges Leben zu führen. Der Abt gewann die zwei Jünger aus Bayern sehr lieb und ließ sich ihre Förderung im geistlichen Leben sehr angelegen sein. Walderich wurde auf Befehl des Abtes gar bald zur Würde des Priestertums erhoben und zum Lehrer der jüngeren Mitbrüder aufgestellt. Ausgezeichneten Ruf erwarb er sich als Beichtvater. Junge Leute und Greise eilten zu seinem Beichtstuhl, um ihm ihr Herz zu offenbaren und ihn in ihren Gewissensangelegenheiten zu Rate zu ziehen. Alle empfingen bei ihm die notwendige Belehrung, und Trost und Beruhigung für ihre Seele. Alle fügten sich willig in seine Forderungen, obgleich er oft sehr Schweres und Hartes verlangte. Sie erkannten die Weisheit seiner Führung und die Liebe, mit der er um ihr Seelenheil bekümmert war. Darum vertrauten sie sich unbedingt seiner Leitung an. Zudem hatte ihm der Herr die Gabe der Wunder verliehen.

 

Nach einem Bericht aus dem Jahr 1104 wurde Walderich auch nach Deutschland gesendet, um die klösterliche Zucht in einigen verfallenen Klöstern dieses Landes zu ordnen und auf strenge Haltung der heiligen Regel zu dringen. Er vollendete seine Lebenstage zu Cluny, wahrscheinlich im Jahr 1100, somit 21 Jahre vor seinem Lehrer und Abt, dem heiligen Hugo. Als sein Todestag wird der 10. Juli angegeben. Dass er ein Bayer gewesen und in Regensburg geboren sei, ist erst durch die im Jahr 1641 in Druck erschienene Chronik des Klosters Cluny bekannt geworden.

 

11. Juli

 

Der heilige Benedikt, Abt und Ordensstifter von Monte-Cassino, Italien,

+ 21.3.547 - Fest: 21. März / 11. Juli

 

Der heilige Benedikt wurde im Jahr 480 in Nursia geboren, in einem kleinen Städtchen in der Nähe von Rom. Weil die Eltern es sich leisten konnten, schickten sie den Sohn nach Rom, wo er an den hohen Schulen studieren sollte, damit er ein berühmter Mann werde. Berühmt ist er dann auch geworden, sogar einer der berühmtesten Männer, die es gegeben hat, aber seine Berühmtheit war von anderer Art, als die Eltern es sich träumten.

 

Gleich von Anfang an gefiel es Benedikt nicht in Rom. Er konnte sich im weichen und gedankenlosen Wohlleben der leichtsinnigen Großstadt nicht zurechtfinden. Albern und läppisch kamen ihm die Mitschüler vor, er jedenfalls war aus härterem Holz geschnitzt. Schnell auch durchschaute der kluge Bauernsohn aus den Bergen das Leben und Treiben in der verlotterten Römerstadt. Alles schien ihm hohl und leer zu sein. Da erfasste ihn der Ekel, er brach das Studium ab, verzichtete darauf, ein berühmter Mann im Sinn der Welt zu werden und zog von den Büchern weg in die Einöde, um in strenger Einsamkeit und weltferner Abgeschiedenheit betend sein Leben einzig Gott zu weihen.

 

Die nächsten drei Jahre lebte Benedikt verborgen in einer unzugänglichen Felsenhöhle. Niemand kannte seinen Aufenthaltsort außer einem Einsiedler, der ihm die Reste der eigenen kärglichen Mahlzeit an einem Seil hinabließ. Für die Welt war Benedikt spurlos untergegangen, in ihm selbst aber wurde in jenen begnadeten Jahren der Heilige geboren. Nicht ohne Kampf geschah es, denn kein Mensch bleibt von Versuchungen verschont, auch der heiligste nicht. Heilig wird man nur dadurch, dass man die Versuchungen überwindet. Und weil Sankt Benedikt die Welt und sich selbst überwand, ist er ein Heiliger und ein berühmter Lehrer der Heiligkeit geworden.

 

Eines Tages wurde durch Gottes Zulassung der Schleier des Geheimnisses gelüftet, der über Benedikt lag. Wie ein Rosenduft verbreitete sich da der Ruf von seinem heiligen Leben, und wie ein Magnet mit Gewalt Eisenspäne anzieht, so sammelten sich um Sankt Benedikt gleichgesinnte Männer, die unter seiner Leitung nach einem sehr hohen Ziel strebten, nämlich nach der Heiligkeit in der strengen Zucht des katholischen Klosterlebens.

 

Im Jahr 529 gründete der heilige Benedikt das weltberühmte Kloster auf dem Monte Cassino in Mittelitalien, von dem aus im Lauf der Zeit an die hunderttausend Tochterklöster entstanden, und groß ist die Zahl der Menschen, die im Orden des heiligen Benedikt und unter seiner weisen Regel heilig geworden sind.

 

Weltweit ist dazu der Segen, der von den Benediktinerklöstern ausging; denn die schwarzen Mönche haben sich bis auf den heutigen Tag nicht damit begnügt, nur sich selbst zu heiligen, sondern sie haben auch andere Menschen zum Himmel geführt. Überall und immer sind sie eingesprungen, wo Not groß und Dienst und Hilfe gebraucht wurden. Sie haben Wege und Straßen gebaut und Wälder und Ödland gerodet, Balken gezimmert und Häuser errichtet, Ackerbau und Viehzucht vorbildlich gepflegt und haben vor allem Schulen gegründet und dadurch der Welt und den Menschen gedient wie sonst wohl niemand. Dieses große Verdienst darf niemand den Klöstern vom schwarzen Orden nehmen. Die Quelle aber, von der aus sich der gewaltige Segen über die Welt ergoss, war Sankt Benedikt, der Vater aller abendländischen Mönche.

 

Was doch aus einem Menschen nicht alles werden kann, wenn er das Herz auf dem rechten Fleck hat und danach strebt, ein wirklicher Mensch, ein Heiliger zu werden!

 

Der heilige Papst und Martyrer Pius I.,

+ 11.7.155 - Fest: 11. Juli

 

Papst Pius der Erste dieses Namens, wird als Sohn eines gewissen Ruffinus angegeben, in Aquileia in Italien geboren. Er bestieg den päpstlichen Stuhl unter der Regierung des Kaisers Antoninus. Sein Vorgänger war der heilige Papst Hyginus. Von seinem Leben ist nur wenig überliefert worden. Ihm werden einige kirchliche Verordnungen zugeschrieben, z.B. über genaue Achtsamkeit auf den Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus, damit nichts davon verschüttet werde, und über die Kirchen- und Armengüter, dass diese unveräußerlich bewahrt und nur zu ihrem Zweck verwendet werden. Schließlich über die Einsegnung von Klosterfrauen und gegen den Missbrauch oder die Falschheit des Eides. So wird ihm auch die allgemeine Festsetzung des Osterfestes auf einen Sonntag zugeeignet. Er weihte auch die warmen Bäder Novitians zu einer Kirche zu Ehren der heiligen Potenziana, hielt dort oft seine persönliche Andacht und gab dieser Kirche viele Geschenke.

 

Besonders wird von ihm ein Hirtenbrief an Justus, Bischof zu Vienne in Frankreich, als Beweis seiner oberhirtlichen Sorgfalt gerühmt. Hier eine Kostprobe aus diesem Brief:

 

„Verschaffe den heiligen Blutzeugen, die da Glieder Jesu Christi sind, eine anständige Grabstätte, wie die Apostel dem heiligen Stephanus. Besuche die heiligen Bekenner in den Gefängnissen, damit keiner im Glauben erkalten möge. Prüfe im Geist Gottes die Leiden der Heiligen, und lasse es keinem an Ermunterung zur Standhaftigkeit mangeln. Erzeige dich gegen deine Priester und Diakone nicht als Herr, sondern als ein Diener Christi. Schütze die Gläubigen durch eigene Heiligkeit. Unsere Brüder, deren Namen dir Atalus bekannt machen wird, haben den Kampf vor den Tyrannen bestanden und ruhen nun im Herrn. Ich mache dir auch bekannt, mein gottseliger Amtsgenosse!, dass mir mein baldiges Hinscheiden geoffenbart wurde. Sei meiner eingedenk im heiligen Opfer. Dich grüßet die Gemeinde Jesu Christi zu Rom.“

 

Papst Pius I. am 11. Juli und wurde im Vatikanhügel beerdigt. Alle alten Martyrologien und Kirchenagenden zählen ihn unter die Märtyrer. Die meisten Chronisten setzen seinen Martertod in das Jahr 158.

 

12. Juli

 

Der heilige Hermagoras, Bischof und Märtyrer von Aquileja,

+ 54 - 68 - Fest: 12. Juli

 

In Kärnten und den angrenzenden Ländern wird oft der heilige Hermagoras genannt. Ortschaften, Kirchen und Vereine tragen seinen Namen, sind ihm geweiht, verehren ihn und bewahren sein Andenken von Generation zu Generation. Wer war Sankt Hermagoras? Der erste Bischof von Aquileja und Märtyrer.

 

Das römische Martyrologium (das amtliche Heiligenbuch der Kirche) sagt von ihm: „In Aquileja der Tod des heiligen Hermagoras, eines Schülers des heiligen Evangelisten Markus: er war der erste Bischof dieser Stadt, heilte auf wunderbare Weise Krankheiten, verkündete unermüdlich die evangelische Wahrheit und bekehrte ganze Volksstämme; man hatte schon verschiedene Strafen über ihn verhängt; zuletzt wurde er mit seinem Diakon Fortunatus enthauptet und konnte so triumphierend in den Himmel einziehen.“

 

Aquileja ist heute ein kleiner Ort südlich von Görz, westlich von Triest, unweit der Küste des Adratischen Meeres an den Lagunen. Es ist eine alte, berühmte Stadt, die in der Welt- und Kirchengeschichte einst eine große Rolle gespielt hat, heute aber kaum mehr gekannt wird. Sie wurde um das Jahr 180 vor Christus von den Römern zum Schutz vor den Illyriern gegründet. Überaus günstig gelegen auf dem Verbindungsweg zwischen Italien und den nordischen Ländern, wuchs die Stadt rasch und wurde ein blühender Handelsplatz. Kaiser Marc Aurel erkannte die militärische Wichtigkeit des Platzes als Schlüsselpunkt Italiens an der Nord-Ost-Seite und machte es zur ersten Festung des Reiches. Dadurch kam die Stadt so empor, dass sie den Namen „Zweites Rom“ erhielt und bei einem Umfang von 12.000 Schritten über 100.000 Einwohner zählte. Sie war oft Residenz der Kaiser, wurde aber 452 von dem Hunnenkönig Attila nach dreijähriger Belagerung so zerstört, dass man kaum noch die Spuren fand, wo die Stadt gestanden. Die Einwohner flohen auf die Inseln, auf denen später Venedig entstand. Nachdem sich Aquileja aus dem Schutt wieder erhoben hatte, wurde es 590 von den Langobarden abermals verwüstet; wieder hergestellt, stand es einige Zeit unter dem Herzog von Friaul, kam unter Karl dem Großen an das Römische Reich und wurde seit dem 11. Jahrhundert Eigentum des Patriarchen.

 

Bischofssitz wurde Aquileja schon in den ersten christlichen Zeiten. Lateinische Handschriften des 10. Oder 11. Jahrhunderts berichten die Gründung der dortigen Kirche durch den heiligen Evangelisten Markus. Nach Überlieferungen, die sich bis in das 7. Jahrhundert verfolgen lassen, ging Markus im Auftrag des heiligen Petrus um das Jahr 46 von Rom nach Aquileja, um hier das Evangelium zu verkündigen, was bei der Wichtigkeit, die die Stadt damals schon hatte, sehr wahrscheinlich ist. Als er dann um das Jahr 48 wieder nach Rom zurückkehren musste, veranlasste er das Volk, den heiligen Hermagoras zum Bischof zu wählen. Der heilige Petrus habe diese Wahl bestätigt und Hermagoras zum ersten Bischof der Stadt bestellt.

 

Mit Eifer und Klugheit leitete der Erwählte seine Herde und Gott unterstützte sein Wirken mit Wundern und Zeichen, so dass die dortige Gemeinde der Gläubigen bald wuchs.

 

Sein Eifer für Christus drängte ihn hinaus in entfernte Gegenden und Provinzen, um auch den dortigen Bewohnern das Licht des Christentums zu bringen. Nach sehr alten Berichten sei er bei seinen apostolischen Reisen, vielleicht über Kärnten, sogar nach Tirol gekommen und habe dort auf den Trümmern eines Heidentempels eine Kirche zu Ehren des Erlösers geweiht und den heiligen Jovinus als Bischof von Trient eingesetzt.

 

Da inzwischen die Christenverfolgung durch Kaiser Nero ausbrach, eilte Hermagoras nach Aquileja zurück, um als guter Hirte seine Herde zu schützen und zu stärken. Aber schon bald wurde er durch den Statthalter Sebastus gefangengenommen, als Feind der Götter verklagt und zum Abfall vom Glauben aufgefordert. Mutig bekannte der Bischof seinen Glauben an den einen, wahren Gott und seinen Schöpfer Jesus Christus. Dafür musste er Folter und mancherlei Peinen erdulden, bis er endlich am 12. Juli mit seinem heiligen Diakon Fortunatus enthauptet wurde.

 

Nero und seine Nachfolger sind längst verschwunden und von allen Guten werden sie wegen ihrer Grausamkeit verurteilt. Hermagoras aber triumphiert im Himmel und ist heute noch in vielen Ländern geehrt und gepriesen.

 

Möge der heilige Apostelschüler auch uns allen unerschütterliche Liebe und Treue zu Christus und seiner heiligen Kirche erflehen! Nach seinem Beispiel und durch seine Fürbitte wollen wir mutig und standhaft im wahren katholischen Glauben leben und sterben!

 

13. Juli

 

Der heilige Heinrich II. von Sachsen, deutscher Kaiser,

+ 13.7.1024,

 

und die heilige Kunigunde von Lützelburg, deutsche Kaiserin,

+ 3.3.1040

Fest: 13. Juli

 

Der heilige Heinrich

 

Unter allen Heiligen gibt es meines Wissens nur einen einzigen Kaiser. Es ist Kaiser Heinrich II., den Gott, wie es im Kirchengebet heißt, von der Höhe der irdischen Kaiserwürde in das himmlische Reich versetzte.

 

Als des Bayernherzogs Heinrich ältester Spross und Stammhalter kam Heinrich auf einem Schloss in der Nähe von Regensburg am 6. Mai 972 zur Welt. Der Vater führt in der Geschichte einen zwar nicht gerade entehrenden, aber immerhin aufschlussreichen Zunamen, denn man nennt ihn heute noch Heinrich den Zänker. Das kleine Beiwort sagt sehr viel. Ständig lag sich der Mann mit dem Kaiser in den Haaren, weil es ihn selbst nach der Krone gelüstete. Da gab es Krach und Krieg, und des Sohnes Kindheit war überschattet mit Flucht und Verbannung. Weil aber nichts von ungefähr, sondern alles von oben her kommt, hatte auch Heinrichs unerfreuliche Jugend den Vorteil, dass er, fern der Heimat, in Hildesheim bei dem vortrefflichen Bischof Bernward eine gediegene Erziehung erhielt. Ein zweiter heiliger Bischof, Wolfgang von Regensburg, hat nachher Heinrichs Ausbildung vollendet.

 

Später heiratete Heinrich die Grafentochter Kunigunde von Luxemburg, auch eine Heilige, und mit dreiundzwanzig Jahren wurde er Herzog der Bayern, der im Gegensatz zu seinem verstorbenen zänkischen Vater ein treuer Reichsvasall war und seinem Vetter, dem Kaiser Otto III., durch dick und dünn Gefolgschaft leistete. Als aber Otto kinderlos starb, wusste Heinrich seinen berechtigten Erbanspruch auf den Kaiserthron schnell und entschlossen gegen zwei Mitbewerber durchzudrücken, und am 8. September 1002 bestieg er im Dom zu Aachen den Krönungsstuhl Karls des Großen. Einige Zeit danach setzte ihm der Papst zu Rom auch die Kaiserkrone aufs Haupt.

 

Zweiundzwanzig Jahre lang leitete Heinrich die Geschicke der deutschen Volksstämme, und man kann wohl sagen, dass er in dieser Zeit kaum aus dem Sattel kam, denn er nahm die Herrscherpflichten ernst, und überall war gerade damals eine starke Hand nötig, weil das Reich wegen der Uneinigkeit der Fürsten auseinanderzufallen drohte. Auf diese Stunde warteten längst an den Landesgrenzen, Gewehr bei Fuß, die Feinde, um in Deutschland einzurücken. Auch an persönlichen Bitterkeiten fehlte es dem Herrscher nicht, er musste gegen die eigenen Brüder und Schwäger zu Feld ziehen, und falsche Freunde erfüllten sein Herz mit schmerzvollem Argwohn gegen die heilige Gattin Kunigunde. Kein Heiliger hat es im Leben leicht, selbst dann nicht, wenn er Kaiser ist. Wohl ist Heinrich der Schwierigkeiten, die sich ihm entgegentürmten, kraftvoll Herr geworden, aber man kann verstehen, dass er zuweilen den Kopf hängen ließ und, dem frommen Zug des Herzens folgend, gern den goldenen Kaisermantel mit einer schwarzen Mönchskutte vertauscht hätte.

 

In einer solchen Stimmung der Niedergeschlagenheit übernachtete Heinrich einst in einem Kloster, und es überkam ihn bei dieser Gelegenheit die Sehnsucht nach Ruhe mit solcher Wucht, dass er inständig um die Aufnahme in den Orden bat und keine Einwendungen gegen den Plan zulassen wollte. Da rief der Abt die Brüder zusammen und fragte, wie es Brauch ist, in ihrer Gegenwart den Kaiser, ob er bei seinem Entschluss beharre und nach der Vorschrift der Regel unbedingten Gehorsam gelobe. Laut und freudig gab Heinrich sein Jawort, und dann sagte der Abt, und es war sehr klug, was er sagte, dann also sagte er: „Wohl, ich nehme dich als Bruder Heinrich in unsere Gemeinschaft auf, aber zugleich befehle ich dir, in der Welt zu bleiben und das Reich zu regieren, das Gott deiner Sorge anvertraut hat.“ So musste auch Heinrich wie jeder andere den eigenen Kreuzweg bis ans Ende gehen.

 

Kaiser Heinrich war also ein guter, tüchtiger Herrscher, bedächtig und überlegt, sanft, mild und leutselig. Wo aber Unrecht geschah, konnte er ohne Erbarmen richten und strafen, wie es sich gehört. Der lieben Mutter Gottes war er innig zugetan. Viele Kirchen hat er errichtet, unter denen der Dom zu Bamberg und das herrliche Münster zu Basel die schönsten sind. Kaiser Heinrich der Heilige, der am 13. Juli 1024 starb, wird für immer eine Zierde Deutschlands sein.

 

Die heilige Kunigunde

 

Luxemburg, früher Lützelburg genannt, ist nicht nur eine sehr schöne, sondern auch eine sehr alte Stadt. Mitten darin findet man, an einem Abhang gelegen, die letzten Überreste eines Turmes aus grauer Zeit. Weil die Ruine in ungeheurer Vergrößerung ziemlich Ähnlichkeit mit einem eingestürzten Zahn aufweist, heißt sie im Volksmund „der hohle Zahn“. Dort stand vor über tausend Jahren das Stammschloss der mächtigen Grafen von Luxemburg. Dort wurde Kunigunde als die Tochter des Grafen Siegfried geboren, wurde fein und vornehm erzogen, und als sie mit der Zeit zu wunderbarer Schönheit erblühte und ins heiratsfähige Alter kam, stellten sich bei ihr mehr Freier ein, als sie Finger an beiden Händen hatte.

 

Die schöne luxemburgische Grafentochter brauchte also nur zu wählen, und man kann nicht sagen, dass ihr die Wahl eine Qual bereitete. Mit sicherem Griff zog sie aus der Menge der Bewerber sofort den besten heraus, den Bayernherzog Heinrich, der nach außen hin zwar etwas rau tat, inwendig aber wie reines Gold war. Der heilige Erzbischof Willigis traute das fürstliche Paar, und kurze Zeit später krönte der gleiche Willigis in Paderborn Heinrich zum deutschen König und Kunigunde zur Königin. Das geschah im Jahr 1002, und zwölf Jahre später empfingen beide in Rom aus der Hand des Papstes die Kaiserkrone. Damit war die Grafentochter aus dem Felsenhorst in Luxemburg zur höchsten Frau in Deutschland emporgestiegen. Zwanzig Jahre lang zierte eine Heilige den deutschen Kaiserthron. Wo aber Heilige leben und wirken, da gedeiht das Gute zu hundertfältiger Frucht.

 

Es ist das unbestrittene Verdienst der heiligen Kaiserin Kunigunde, dass sich an ihrer Seite auch der Gemahl zum Heiligen entwickelte; denn Heinrich wurde später als einziger aus allen deutschen Kaisern von der Kirche heiliggesprochen.

 

Kunigundes und Heinrichs Heiligkeit zeigte sich aber weniger in dicken Gebetbüchern mit großen Kreuzzeichen als vielmehr in christlichen Werken. Landauf und landab wanderte das heilige Kaiserpaar pflichtgemäß von Stadt zu Stadt durch ganz Deutschland. Während Heinrich als Herrscher und oberster Richter überall nach dem Rechten sah und für Frieden und Eintracht unter dem Volk sorgte, ging Kunigunde in die Spitäler und Schulen und übte mit königlicher Freigebigkeit die Nächstenliebe. Von dem hohen Sinn der Kaiserin legt auch die Tatsache ein glänzendes Zeugnis ab, dass sie im deutschen Land an die tausend Kirchen entweder neu errichtete oder wiederherstellte. Kunigunde war nicht nur von Herzen gläubig, sondern auch durch die Tat.

 

Da es aber manche Menschen lieben, das Strahlende schwarz zu machen und das Große in den Staub zu ziehen, wagten sich auch an die hohe, heilige Kaiserin Verleumder heran und bezichtigten sie in hinterhältiger Weise der Treulosigkeit gegen den Gemahl. Und der glaubte sogar eine Zeitlang dem gemeinen Geschwätz. Das waren bittere Tage und Wochen für die beiden heiligen Ehegatten. Kunigunde betete viel und forderte schließlich von sich aus zum Beweis ihrer Unschuld ein Gottesurteil, wie es damals Sitte war. Man legte zehn glühende Pflugscharen nebeneinander, und die Kaiserin schritt mit bloßen Füßen darüber hinweg, ohne sich auch nur im geringsten zu verbrennen. Da galt ihre Unschuld als erwiesen. Als aber der Kaiser daraufhin die Verleumder zum Tod verurteilte, setzte sich Kunigunde so lange für sie ein, bis ihnen Heinrich Leben und Freiheit zurückschenkte. Auf diese Weise übte die heilige Kaiserin christliche Rache, die nach dem Vorbild des gekreuzigten Heilandes darin besteht, dass man allen Feinden von Herzen verzeiht.

 

Die heilige Kunigunde überlebte den heiligen Gemahl noch um viele Jahre, die sie in christlicher Trauer um ihn und in Werken der Nächstenliebe verbrachte, bis auch sie die irdische Krone mit der weit kostbareren Himmelskrone vertauschen durfte.

 

Der heilige Papst und Martyrer Anakletus,

+ 13.7.90 - Fest: 13. Juli

 

Über diesen heiligen Papst ist leider nur sehr wenig bekannt. Er war, wie aus dem Pontifikal zu entnehmen ist, ein Grieche und in Athen geboren. Er war der Nachfolger des heiligen Papstes Klemens. Er darf nicht mit Kletus, dem Vorgänger von Klemens verwechselt werden. Schon zur Zeit der Verbannung des heiligen Klemens muss er als sein Stellvertreter der Kirche Gottes wichtige Dienste geleistet haben. Die Zeiten seines Papsttums waren sehr traurig, weil der Kaiser Trajan, der damals im Orient war, im Jahr 107 überall dort eine Verfolgung gegen die Herde Jesu Christi anrichtete. Ihm wird von den Alten eine Verordnung zugeschrieben, dass die bischöfliche Weihe immer öffentlich und durch drei Bischöfe geschehen soll, damit kein Verdacht weder gegen die Person noch gegen die Weihe obwalten möge. Auch ermunterte er die Gläubigen zum öfteren Empfang des heiligsten Altarsakraments, damit sie im Kampf für den Glauben bestehen mögen. Er hatte also viele Sorgen und Drangsale während seiner Amtsführung auszuhalten, bis er ungefähr im Jahr 112 als Martyrer starb, nachdem er etwa über neun Jahre der Kirche vorstand. Er wurde im Vatikan begraben.

 

14. Juli

 

Der heilige Kamillus von Lellis, Priester und Ordensstifter von Rom,

+ 14.7.1614 - Fest: 14. Juli

 

Die Heiligen sind wie Berge. Nicht alle sind gleich hoch, aber alle weisen zum Himmel. Einer von ihnen ist ein verarmter italienische Baron, Kamillus von Lellis mit Namen, eine interessante Persönlichkeit.

 

Der Vater war ein Offizier und die Mutter eine Offizierstochter. In den Adern ihres Sohnes schien allerdings ein leichtes Blut zu fließen. Er war ein Luftikus. Natürlich wurde der leider früh verwaiste Kamillus Soldat, aber nicht einmal bis zum Leutnant hat er es gebracht, denn er war ein schlechter Soldat. Dafür war er jedoch ein um so besserer Spieler, Karten und Würfel waren seine Leidenschaft. Wie ein fauler Schüler den Unterricht als eine unangenehme Unterbrechung der Ferien empfindet, so sah Kamillus Drill und Marsch und Kampf als eine unangenehme Unterbrechung des Spieles an. Er spielte Tag und Nacht, sofern er nur einen Mitspieler fand. Und einmal verspielte er sogar den Waffenrock und das Hemd vom Leib. Kamillus war der ewige Spieler.

 

Das eine Gute hatte allerdings die Spielwut an sich, dass Kamillus, von ihr besessen und völlig ausgefüllt, für andere Dinge weder Sinn noch Zeit hatte. Der Spieler blieb stets ein anständiger Mensch.

 

Solche Leute kann Gott brauchen, und deshalb war auch die Gnade hinter dem Spieler her. Zunächst ließ Gottes Barmherzigkeit es zu, dass sich bei Kamillus eine offene, stets eiternde Beinwunde bildete, so dass er hinkte. Und weil ein hinkender Soldat ein Unding ist, musste er, wie leid es ihm auch tat, vom Militär Abschied nehmen. Fuhrknecht wurde er und Eseltreiber, und zu betteln schämte er sich auch nicht, bis ihm eines Tages Gottes Barmherzigkeit zum zweitenmal erschien. Diesmal trug Gottes Barmherzigkeit eine Mönchskutte, denn ein graubärtiger Kapuziner, der durch die äußere Schale den inneren Wert des jungen Mannes erkannte, warf ihm ohne die geringste Schmeichelei derb und deutlich die Wahrheit an den Kopf. Er wrang ihn aus wie einen nassen Lappen. Der Schlusssatz der durchaus nicht zahmen Worte lautete:

 

„Kamillus, du könntest mehr!“

 

Ewig wird es die Welt dem haarigen Bärenbeißer im braunen Kapuzinerhabit danken müssen, dass er dem Spieler derart den Kopf wusch, dass er von dem Augenblick an kein Spieler mehr war, sondern ein Heiliger wurde und doch ein Spieler blieb. Denn mit der gleichen Leidenschaft, mit der Kamillus bisher den Karten und den Würfeln gedient hatte, gab er sich ab jetzt der Krankenpflege hin, in Pestjahren als echter Spieler oft genug unter letzten und höchsten Einsatz des eigenen Lebens. Herrlich spielte er das heilige Spiel der christlichen Barmherzigkeit.

 

In der Folgezeit wurde Kamillus der Stifter des nach ihm benannten Kamillianerordens, dessen Mitglieder sich den Kranken widmen. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, dass Kamillus der Begründer der modernen Krankenpflegehäuser ist. Unerhört groß muss man daher den Segen nennen, der sich durch den ehemaligen Spieler über die leidende Menschheit ergossen hat. Kamillus von Lellis starb am 14. Juli 1614.

 

Wenn man also gelegentlich, wie einst Kamillus von Lellis, eine harte und deutliche Zurechtweisung erhält, so ist es klug, sich die Frage zu stellen, ob die Zurechtweisung nicht vielleicht eine Gnade sein könnte.

 

Der heilige Ulrich von Regensburg, Propst von Ulrichszell,

+ 14.7.1093 – Fest: 14. Juli

 

Während der Regierungszeit Heinrichs III. hatte Freising vortreffliche Bischöfe an Egilberdt und Nitker. Der letztere hatte einen Verwandten, namens Ulrich, an seine Kirche berufen und ihn zum Diakon geweiht. Er war, aus Regensburg von hochadeligem Geschlecht stammend, von Kindheit an gottesfürchtig erzogen worden und hatte schon früh das Gelübde der Keuschheit abgelegt. Einige Zeit soll er sich am Hof Heinrichs III. aufgehalten und als Vorbild aller Tugenden geleuchtet haben.

 

In Freising wurde Ulrich zum Propst am Dom ernannt. In dieser Stellung drang er mit allem Ernst auf gute Zucht unter den Geistlichen und brachte auch die Schule daselbst zu einem Ansehen. Ganz ausgezeichnet war seine Wohltätigkeit gegenüber den Armen. Einst, zur Zeit einer großen Hungersnot, verpfändete er sogar seine Landgüter, um die Armen unterstützen zu können.

 

In seinem heiligen Eifer unternahm der fromme Ulrich eine Wallfahrt nach Jerusalem. Während seiner Abwesenheit, die wahrscheinlich sehr lange dauerte, wurde seine Stelle in Freising an einen anderen vergeben. Dies war dem frommen Diener Gottes ein Anlass, die Welt ganz zu verlassen und sich dem Klosterleben zu weihen.

 

Schon längst war er von diesem Verlangen beseelt, allein noch immer hatte er seinen frommen Wunsch nicht ausführen können. Er vereinigte sich mit dem Kanoniker Gerald von Regensburg, der denselben Entschluss gefasst hatte, und beide begaben sich in das Kloster Cluny.

 

In diesem ausgezeichneten Kloster sah der demütige Ulrich sich für den Allerletzten an. Obwohl an geistigen Gaben und an vielen Tugenden die meisten übertreffend, erniedrigte er sich unter alle. Hier erst empfing er die Priesterweihe. Der Abt Hugo kannte die vortrefflichen Gaben des eifrigen Mönches und ernannte ihn zum Beichtvater für die Mönche und zum Novizenmeister. In dieser Stellung hatte er viel zu leiden. Auch mit leiblichen Krankheiten wurde er heimgesucht und von inneren Versuchungen gepeinigt. Alles, was ihm zustieß, musste ihm zu seiner Förderung auf dem Weg der Vollkommenheit dienen.

 

Um diese Zeit gründete der edle Hesso von Breisgau auf seinen Besitzungen ein Kloster und bat den Abt Hugo, dass er ihm Mönche für diese heilige Stätte sende. Hugo willfahrte dem Verlangen des Edlen und sendete den frommen Ulrich als Vorstand mit der neuen Genossenschaft ab. Diese erste Ansiedelung war zu Grüningen. Weil aber dieser Ort nicht die entsprechende Lage hatte, so vertauschte ihn Ulrich mit einem andern, der drei Stunden von Freiburg gegen Süden gelegen war. Das neue Kloster nannte Ulrich die Zelle der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Später aber erhielt es von ihm selber den Namen St. Ulrich.

 

Dieses neue Kloster wurde ganz nach der Ordnung von Cluny eingerichtet. Mit dem seligen Abt Wilhelm von Hirschau blieb Ulrich beständig in Verbindung. Mit ihm hielt er an dem rechtmäßigen Papst. Auf sein Verlangen schrieb Ulrich zwei Bücher über die Sitten und Gebräuche von Cluny.

 

Die Mönche des neuen Klosters nahmen sich ihren gottseligen Abt zum Vorbild, und so wurde die neue Pflanzung gar bald eine Schule christlicher Tugenden und wahrer Vollkommenheit. Viele, denen es mit der Sorge für ihre Seele rechter Ernst war, begaben sich zu Ulrich und suchten unter seiner Leitung Fortschritte im geistlichen Leben zu machen. Er war für alle ein Muster von Weltentsagung und Abtötung. Ihm war die Gabe der Tränen in ausgezeichnetem Grad verliehen. Als ihn einst ein Bruder fragte, warum er denn so viel weine, antwortete er: „Ich habe drei Ursachen zu weinen, erstens, um den Schmutz meiner Sünden wegzuwaschen, zweitens, weil ich noch in diesem zeitlichen Elend pilgern muss und noch so fern von der himmlischen Heimat bin, drittens, weil die geheiligte Stätte der Klöster so zahlreich mit Mönchen angefüllt, aber so ärmlich mit Tugenden ausgestattet ist.“

 

Neben einer ausgezeichneten Gnade der Andacht war dem gottseligen Abt auch die Wundergabe verliehen. Er hatte zu Bollschweil, in der Nähe seines Klosters, auch ein Nonnenkloster gestiftetIn demselben wurde eine Nonne von einem bösartigen, unheilbaren Übel befallen. Ulrich begab sich in dieses Kloster und heilte die Kranke durch sein Gebet.

 

In seinem höchsten Alter erblindete der treue Diener Gottes. Diese Heimsuchung ertrug er mit vollkommener Ergebung in den heiligen Willen Gottes. Endlich starb er, vollkommen geläutert im Glutofen der Trübsal und der heiligen Liebe, eines seligen Todes am 10. Juli 1093. Sein Leichnam wurde im Kreuzgang des Klosters begraben. Unter Bischof Gebhard von Konstanz wurde sein Leib in der Klosterkirche beigesetzt. Auf seine Fürbitte geschahen viele Wunder.

 

15. Juli

 

Der selige Bernhard, Markgraf von Baden, Bekenner,

+ 15.7.1458 - Fest: 15. Juli

 

Alban Stolz schrieb: Ich habe acht Jahre meiner Jugend in dem Schloss von Rastatt zugebracht. Es war mir gestattet, in den vielen Sälen und Zimmern des mächtigen Gebäudes nach Belieben umherzugehen. Außer mit einer Bildergalerie waren auch sonst die hohen Räume mit Gemälden geschmückt; unter diesen vielen höchst mannigfaltigen Bildern machten aber zwei besonderen Eindruck auf mich und schweben mir jetzt noch vor. Das eine stellte einen jungen Mann vor, eine wunderbar zarte, edle Gestalt; der Blick seines sanften Gesichtes ist betend zum Himmel gewandt. Man sagte mir, es sei der selige Bernhard, Markgraf von Baden.

 

Vor fünfhundert Jahren regierte über das kleine Land Baden ein Markgraf, namens Jakob. Durch Weisheit, Sorgfalt für die Untertanen, Förderung der Religion, Wohltätigkeit gegen Arme und Gerechtigkeit gegen alle war er weit und breit berühmt; man nannte ihn den Salomon von Deutschland. Er hatte fünf Söhne. Die drei jüngeren traten in den geistlichen Stand, die beiden älteren, Karl und Bernhard, sollten dem Vater in der Regierung nachfolgen.

 

Die vortrefflichen Eltern sorgten dafür, dass ihre Söhne wahrhaft christlich erzogen und zugleich durch gelehrte Männer in der Wissenschaft bestens unterrichtet wurden. Schon als Kind zeigte Bernhard einen ungewöhnlichen Geist, an den Spielen der Jugend hatte er keine Freude, desto mehr aber an Gott, zu dem er die größte Ehrfurcht und Liebe trug. Die christliche Lehre und das Gebet waren sein Vergnügen, das Zeichen des hl. Kreuzes der Anfang und das Ende aller seiner Handlungen. Dabei war er voll Ehrerbietung, Untertänigkeit und Treue gegen seine Eltern und Lehrer, und überaus freundlich, friedsam und liebreich gegen jedermann. Als junger Mann ging er jeden Monat zweimal zur heiligen Kommunion. Immer bereitete er sich mit größter Sorgfalt darauf vor. Die hl. Messe hörte er von früher Jugend auf täglich an. Bei diesen Andachtsübungen lag er auf den Knien, ohne sich zu regen, in so ehrerbietiger eingezogener Haltung und so versenkt in Gott, dass schon sein Anblick den übrigen Leuten in der Kirche eine stille Predigt und Mahnung zur Gottesfurcht war. Mit den Jahren nahm auch seine Gottseligkeit zu. Allmählich gewöhnte sich seine Seele so sehr an den Umgang mit Gott, dass selbst seine wichtigsten Geschäfte, seine Unterhaltungen und Spaziergänge mit religiösen Betrachtungen durchflochten waren. Man bemerkte oft auf seinem Angesicht einen eigentümlichen Glanz, wenn er von der Andacht zurückkehrte, wie manche Edelsteine auch nachher noch leuchten, wenn sie einige Zeit im Sonnenschein gelegen sind. Er äußerte sich selbst, wenn man sich wärmen wolle, müsse man zum Feuer gehen; desgleichen müsse man im Gebet Gott sich nähern, wenn man himmlische Süßigkeit inne werden wolle.

 

Wie im Beten zeigte Bernhard auch im Fasten einen ungewöhnlichen Eifer. Er hielt nicht nur schon als Junge das Fasten, das die katholische Kirche für bestimmte Tage denen vorschreibt, die das 21. Lebensjahr vollendet haben, er fastete vielmehr jeden Freitag in der Art, dass er entweder gar nichts oder nur sehr wenig aß. Er wollte dadurch das Leiden und Sterben des Heilandes verehren, indem er auch etwas zum Leiden übernahm. Er sagte selbst zuweilen zu seinen Bekannten: „Wie das Pferd durch den Zaum gebändigt wird, dass man nicht zum Sturz fortgerissen wird, so werde der Leib durch Fasten gebändigt, damit er die Seele nicht mit sich in das Verderben stürze.“ Er nannte das Fasten und Beten zwei Felsen, die der höllische Feind zwar bestürmen, aber nicht überwältigen könne.

 

Obschon der junge Markgraf einige Zeit am Hof des Kaisers Friedrich IV. zubrachte, führte er für seine Person ein so sittsames Leben, als wäre er in einem strengen Kloster. Er war in seinem ganzen Tun und Lassen äußerst behutsam und vermied jeden Anlass, der seiner Keuschheit auch nur im Entferntesten nachteilig hätte werden können. Schon der Anblick des reinen, gottseligen jungen Mannes reichte hin, dass selbst die leichtfertigsten Leute sich hüteten, zweideutige Reden oder ungeziemende Späße in seiner Gegenwart vorzubringen. Während aber Bernhard so streng gegen sich selbst war, erwies er sich äußerst liebevoll gegenüber den Mitmenschen, insbesondere gegenüber den Armen. Es kam manchmal vor, dass er selbst im Winter eines seiner Kleider vom Leib hinweggab, um Dürftige damit zu bedecken. Ungeachtet eines so christlichen Wandels hielt sich Bernhard doch niemals für gesichert und gut genug, um vor dem heiligen Richter ohne Sorge erscheinen zu können. Er legte sich daher niemals schlafen, ohne vorher sein Gewissen erforscht und die etwa gefundenen Verfehlungen seinem Kaplan gebeichtet zu haben. Bernhard äußerte sich selbst, der Christ solle niemals in einem Seelenzustand einschlafen, in dem er sich nicht getrauen würde zu sterben, weil schon viele im Schlaf ihr Leben geendet hätten.

 

Als dem seligen Bernhard mit dem Tod seines Vaters selbst ein Teil des Landes zufiel, benützte er dieses, um seine Wohltätigkeit noch zu vermehren. Alle seine Einkünfte sonderte er zu drei Teilen ab; der eine Teil wurde verwendet zur Unterstützung der Dürftigen, der zweite zur Erbauung und würdigen Ausstattung von Gotteshäusern und der dritte zur Bestreitung seiner und seiner Leute Bedürfnisse.

 

Allein im wahrhaft christlichen Leben gibt es keinen Stillstand. Obschon Bernhard schon eine hohe Stufe der Vollkommenheit erstiegen hatte, ließ es ihm keine Ruhe, er wollte noch weiter schreiten, er wollte alles Zeitliche verlassen, um das arme Leben unseres Heilandes nachzuahmen. Der Vater des seligen Bernhard hatte es schon vorbereitet und bestimmt, ihn mit der Tochter des Königs von Frankreich, Karls VII. zu verloben. Auf dieses, nach der Ansicht der Welt so glänzende Glück verzichtete nun Bernhard, überließ seinen eigenen Anteil an dem Landesgebiet seinem Bruder Karl und fasste den Entschluss, mit zwei seiner Vertrauten in eine Einöde sich zurückzuziehen und daselbst abgeschieden von der Welt Gott zu dienen. Gottes Leitung wies ihn jedoch auf einen anderen Weg.

 

Um diese Zeit hatte der türkische Sultan Muhamed II. die Stadt Konstantinopel erobert und das ganze griechische Reich sich unterworfen; schon drohte Gefahr, dass er von Ungarn herauf auch in Deutschland einbrechen und auch noch andere christliche Länder sich unterwerfen werde. Deswegen wollte Kaiser Heinrich die christlichen Fürsten auffordern sich zu vereinigen, um den gemeinsamen Feind der Christenheit niederzuwerfen. Nichts weniger also wollte der Kaiser als einen Kreuzzug gegen die Türken. Er kannte nun keinen Fürsten, der tauglicher und eifriger ein solches Geschäft für das Wohl der Christenheit besorgen würde, als den seligen Bernhard. Deshalb trug er diesem auf, bei den einzelnen Fürsten herum zu reisen und sie zu einem gemeinsamen Feldzug gegen die Türken zu bewegen. Bernhard nahm diese Aufforderung an; denn er wollte lieber der ganzen Christenheit einen Dienst leisten, als auf sein eigenes Seelenheil allein Bedacht nehmen. Vor allem sollte er mit dem Papst in Verhandlung treten. Um aber die Reise nach Rom dahin möglichst fruchtbringend zu machen, reiste er über Frankreich und brachte den König dahin, dass er seine Hilfe zum Türkenkrieg versprach. Dann begab sich Bernhard zu dem Herzog von Savoyen. Der sagte gleiches zu. Da er aber nun seine Reise nach Rom fortsetzen wollte und nach Moncalieri gekommen war, überfiel ihn eine schwere Krankheit. Bernhard, der sein Ende voraussah und ohnedies ein Mitglied des dritten Ordens war, ließ sich in das Franziskanerkloster bringen, um sich auf den Tod vorzubereiten. Nachdem er hier mit großer Andacht die heiligen Sakramente empfangen hatte, ließ er sich ein Bußkleid anlegen, ein Kruzifix in die Hände geben und erwartete, dreißig Jahre alt, den Tod, der eine reine Seele zu Gott führte.

 

Bernhard hatte auf der Reise den Franziskaner Johannes Argot als seinen Beichtvater mitgenommen. Als nun der Leichnam des jungen Fürsten in die Stiftskirche getragen und beim Hochaltar beigesetzt wurde, hielt Argot, der Freund seiner Seele, die Leichenrede. Ein Aussätziger, der seiner Krankheit wegen wahrscheinlich nicht in die Kirche hinein durfte und zugleich auch lahm war, hörte von außen das Lob des Verstorbenen, bekam Vertrauen, rief ihn um seine Fürbitte an und wurde auf der Stelle geheilt. Aber auch nachher geschahen auffallende Wunder an seinem Grab und manche Kranken wurden geheilt. Daher verehren die Einwohner von Moncalieri den seligen Bernhard als ihren Beschützer und feiern jährlich seinen Todestag am 15. Juli. Sie bauten ihm zu Ehren Kapellen und Altäre und haben eine besondere Andacht und Vertrauen zu ihm. Desgleichen verehrt man ihn noch an verschiedenen anderen Orten in Piemont, und mannigfach ist dort sein Bildnis anzutreffen.

 

Ebenso wird der selige Bernhard im Bistum Metz verehrt; in der Stadt Vie zeigt man ein Bein, seinen Degen und ein seidenes Tuch, in das sein Leichnam gewickelt war. Auch in Lothringen wurde der Selige verehrt. Hingegen in Baden weiß man, die Geistlichen und das Kloster Lichtenthal ausgenommen, wenig von ihm. Das Gebiet, welches einst dem seligen Bernhard gehörte, Pforzheim und Umgebung, ist jetzt protestantisch und die Protestanten wollen nichts von Heiligen wissen. Das schöne Bild vom seligen Bernhard, welches ich in meiner Kindheit sah, wurde nicht wert gehalten in einem Zimmer zu hängen; es hing in dem Gang vor einem Saal – im Saal aber hingen rings an den Wänden allerlei Markgräfinnen in Reifröcken und ihre Hündlein dazu gemalt.

 

Dieses und noch manches andere muss dem Katholiken in Baden traurige Betrachtungen wecken; - aber es weist ihn auch hin auf ein größeres und herrlicheres Vaterland. Hat die Heimat den gottseligen Markgrafen vergessen und ist sie zum Teil abgefallen von dem Glauben, der ihn zur Heiligkeit und Seligkeit geführt hat, so wird er doch noch in Italien und in Frankreich verehrt; denn der Katholik ist überall ein Angehöriger und ein Landsmann, wo es Katholiken gibt: - sein geistliches Vaterland fängt nicht an und hört nicht auf, wo die Zollhäuser stehen, sondern über die ganze Welt, ja bis in den Himmel erstreckt sich dasselbe; dort wohnen unsere Ehrenbürger. Die katholische Kirche ist das große, weite Vaterland aller rechtgläubigen Seelen, das mächtige Reich, das alle anderen Reiche auf Erden allein überleben wird.

 

Der heilige Gumbert, Bischof und Stifter von Kloster Ansbach,

+ 11.3. um 795 – Fest: 15. Juli

 

Die Mächte der Finsternis haben von jeher alle List und Gewalt aufgeboten, um dem Reich des Lichtes und der Wahrheit entgegenzutreten, und nur zu oft hat der böse Feind zur Nachtzeit das Unkraut ausgestreut mitten unter den Weizen. Dies sehen wir besonders in jener Zeit, wo das Heidentum in Deutschland in seinen letzten Zuckungen lag und die Fahne des Kreuzes über den Unglauben und Aberglauben der Götzendiener triumphierte. Was die Bosheit der Welt gesündigt hat, sühnte der religiöse Eifer der treuen Nachfolger Jesu.

 

Ein solcher edler Charakter war der heilige Gumbert, ein Sohn des Herzogs Gosbert und der Geilana, auf deren Anstiften der heilige Kilian getötet worden war. Er schauderte vor dem schändlichen Verbrechen seiner Mutter und nichts lag ihm mehr am Herzen, als es zu sühnen. Deshalb machte er viele fromme Stiftungen und führte seine Herrschaft nur so lange fort, bis ihm sein Sohn Rudolf auf den Herzogsthron folgen konnte. Darauf trat er in das Andreaskloster zu Würzburg und nahm als schlichter Mönch unter der Leitung seines Freundes und Lehrers, des heiligen Bischofs Burkhard, täglich mehr an Bußeifer und Gottseligkeit zu.

 

Um die Mitte des 8. Jahrhunderts stiftete Gumbert auf seinem Gut im Radeezgau, da wo der Holzbach oder Oltsbach in die Rezat mündet, zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria ein Benediktinerkloster, um dort inmitten frommer Mönche sein Leben zu beschließen. Allmählich ließen sich bei diesem Kloster am Oltsbach mehrere Ansiedler nieder, und so entstand die Stadt Ansbach. In diesem Kloster wetteiferte der fromme Stifter mit den übrigen Mönchen im unermüdlichen Streben nach einem vollkommenen Leben. Um sich ganz ungestört und abgeschieden von der Welt seinen Betrachtungen widmen zu können, zog sich der Heilige oft in die Waldeinsamkeit zurück, und noch heute wird eine Quelle zu seinem Gedächtnis der „Gumbertsbrunn“ genannt.

 

Einem heiligen Leben folgte ein heiliger Tod. Am 11. März um das Jahr 795 empfing der heilige Gumbert die Palme des ewigen Friedens. Sein Leib wurde in der Klosterkirche bestattet. Am 3. Mai 1165 wurden seine heiligen Gebeine erhoben und in einem steinernen Sarg vor dem Hochaltar beigesetzt, bis ihnen zu Ehren eine besondere Kapelle in der neuen Gumbertikirche erbaut wurde.

 

Bis ins 17. Jahrhundert wurde alljährlich das in Gold und Silber gefasste Haupt des heiligen Gumbert in feierlicher Prozession vom Kloster zur Pfarrkirche getragen. Als Ansbach der Religion seines protestantischen Oberherrn folgen musste, kam ein Teil der Reliquien nach Köln, ein Teil der Hirnschale in das Jesuitenkollegium zu Brüssel.

 

Der heilige Bonaventura, Kardinal und Kirchenlehrer,

+ 15.7.1274 - Fest: 15. Juli

 

Frömmigkeit und Gehorsam zeichneten den jungen Bonaventura vor anderen Kindern aus. Die Vögel und die Blumen waren seine Lieblinge, und selbst über Kleinigkeiten konnte er sich über alle Maßen freuen. So war er für den Franziskanerorden wie geschaffen. Mit siebzehn Jahren ging er bereits ins Kloster. Nachdem er das Probejahr bestanden hatte, schickten ihn die Obern auf die Hochschule nach Paris.

 

In Paria hatte Bonaventura den heiligen Thomas von Aquin aus dem Dominikanerorden zum Mitschüler, und bald waren die beiden in herzlicher Freundschaft verbunden. Eigentlich passten die beiden gar nicht recht zueinander, denn Thomas war mit seinem scharfen Verstand die Spitzfindigkeit selbst. Während bei Bonaventura alles, was er lernte und später auch lehrte, zu einem gottinnigen Gedicht wurde. Thomas stand stämmig mit beiden Füßen in der Gottesgelehrtheit. Bonaventura dagegen flog stets wie ein Engel im Himmel herum. Es ist schwer zu sagen, wem von den beiden man den Vorrang geben soll. Untereinander jedoch bewunderte in schöner Demut der eine den anderen ohne jeden Neid, wie das die Heiligen fertig bringen. Und als Thomas eines Tages den Freund in ehrlichem Erstaunen fragte: „Sag, Bonaventura, woher hast du eigentlich deine himmelhohe Weisheit? Du musst in deiner Zelle sicher eine große und schöne Bücherei haben.“ Da nahm der Gefragte den Frager mit. Aber in Bonaventuras Klosterklause war nur die Heilige Schrift zu finden und sonst kein Buch. Da machte der gelehrte Thomas ein erstauntes Gesicht, und als er fragend den Freund anblickte, wies dieser auf ein Kruzifix an der Wand hin und sagte: „Das ist meine Bücherei.“ Bonaventura wollte damit sagen, dass man im Gebet vor dem Kreuz alle Weisheit findet.

 

Bonaventura war erst sechsunddreißig Jahre alt, als er zum Generalobern der Franziskaner gewählt wurde. Da hatte er keine guten Zeiten, denn einerseits wurde damals der Orden von mächtigen Gegnern bekämpft, wie das bei allem Guten, was geschieht, stets der Fall ist, andererseits gab es aber auch unter den Franziskanern selbst eine Spaltung. Die einen waren für ein strenges und die anderen für ein milderes Ordensleben. Bonaventura ließ jedoch die Kirche im Dorf stehen, das bedeutet, dass er weder den einen noch den anderen recht gab, sondern alle auf eine goldene Mitte führte. Die Zukunft hat dann bewiesen, dass es der richtige Weg war.

 

Nachdem Bonaventura sechzehn Jahre als General den Franziskanerorden mit Geschick geleitet hatte, kam eine feierliche Gesandtschaft vom Heiligen Vater zu ihm. Sie teilte ihm mit, dass er zum Kardinal erhoben sei. Sie überbrachte ihm außerdem als Zeichen der hohen Würde den Kardinalshut. Es war kurz nach dem Mittagessen, als die Boten des Papstes im Kloster eintrafen, und Bonaventura half gerade den Mitbrüdern beim Spülen. Deshalb sagte er zu den Gesandten, sie sollten den Hut einstweilen an einen Baum im Garten hängen. So wenig wichtig war ihm äußere Ehre, und so tief war er in der Demut verwurzelt. Da muss man schon sagen, dass er wirklich ein Heiliger war, denn die Heiligen erkennt man am ehesten an der Demut.

 

Nur ein Jahr lang war Bonaventura Kardinal, aber in dieser kurzen Zeit hat er der Kirche unschätzbare Dienste geleistet. Als er im Sterben lag, hat ihm der Heilige Vater in eigener Person die Sterbesakramente gereicht. Das war eine Ehre, deren sich Bonaventura allerdings auch würdig erwiesen hatte. Der heilige Bonaventura starb am 14. Juli 1274.

16. Juli

 

16. Juli - Fest der allerseligsten Jungfrau vom Berge Karmel

 

Die heilige Raineldis von Brabant,

Einsiedlerin und Martyrin von Saintes,

+ 16.7.680 – Fest: 16. Juli

 

Die heilige Raineldis, Jungfrau und Martyrin in Brabant, war eine Tochter des Grafen Witger und der heiligen Amalberga. Als ihre jüngere Schwester Gudula (8. Januar) sich in ein Kloster zurückgezogen hatte, fasste auch sie den Entschluss, ihr Leben dem Herrn zu weihen, verteilte ihr reiches Gut unter die Armen und trat hierauf eine Wallfahrt in das gelobte Land an, wozu sie sieben Jahre verwendete. Nach ihrer Heimkehr um das Jahr 662 ließ sie sich in der Gegend zwischen Halle, Nivelle und Soignies als Klausnerin nieder und gelangte zu hohem Tugendruhm. Mittlerweile fielen die wilden Bewohner von Ostfriesland und Niedersachsen in Brabant ein. Bei der Nachricht von dem Anzug der Barbaren verließ die Heilige ihre Zelle und schloss sich in der benachbarten Kirche von Santon ein. Die Feinde aber, nachdem sie den Ort geplündert und in Brand gesteckt hatten, brachen die Türen des Heiligtums auf, rissen die Dienerin Gottes vom Altar weg, den sie umfasst hatte, schleiften sie an den Haaren durch die Gänge und hieben ihr schließlich das Haupt ab. Mit ihr starben noch zwei andere Blutzeugen, Grimoaldus und Gondulphus. Dies geschah um das Jahr 680.

 

17. Juli

 

Der heilige Alexius, Bettler und Bekenner von Rom,

+ 17.7.417 - Fest: 17. Juli

 

Es lebte einst in Rom ein reiches Ehepaar. Sie hatten einen Sohn, der Alexius hieß. Auf den Wunsch der Eltern hin verehelichte sich Alexius mit einem reichen Mädchen, aber in der Nacht nach dem Hochzeitstag kam Gottes Geist über den Bräutigam.

 

Alexius tat etwas, was dem gewöhnlichen Menschen unerklärlich ist. Er nahm den Trauring von der Hand, steckte ihn der Braut an den Finger und sagte: „Habe das zum Andenken an mich, und Gott sei zwischen dir und mir, solange es ihm gefällt.“ Nach diesen geheimnisvollen Worten verließ Alexius schnell das Haus, eilte an das Meer, bestieg ein segelfertiges Schiff und fuhr nach Kleinasien. Und während der Vater ohne Erfolg Boten in alle Welt aussandte, um den Verlorenen ausfindig zu machen, verbrachte Alexius die Tage arm und unbekannt an der Marienkirche der Stadt Edessa in Gebet und Buße siebzehn Jahre lang. Der Fremdling war zufrieden, wenn man ihn in Ruhe ließ. Niemals verriet er auch nur mit einer Silbe Namen und Herkunft. Deshalb nannte ihn das Volk, das ihn hoch verehrte, nur den Gottesmann.

 

Als Alexius merkte, dass ihm die Ehre des Volkes in den Kopf zu steigen drohte, verließ er Edessa, um in Tarsus, der Heimat des Völkerapostels Paulus, sein bisheriges Leben arm und unbekannt fortzusetzen. Da jedoch fügte es Gott, dass das Schiff, mit dem Alexius fuhr, von einem Sturm nach Italien abgedrängt wurde und in der Nähe von Rom landete.

 

Der heilige Alexius ging an Land, kam in die Ewige Stadt und betrat das Haus seiner Eltern. Vater, Mutter und Braut lebten noch, aber niemand von ihnen erkannte in dem abgemagerten Bettler den Sohn und Bräutigam. Alexius bat den Vater demütig um Unterkunft, die ihm auch gewährt wurde. Es war ein dunkler Verschlag unter der Treppe, den sich der Heilige selbst aussuchte. Dort verbrachte er die Nächte. Am Tag pilgerte er von einer Kirche in Rom zur anderen. Bald behandelten ihn die Diener des elterlichen Hauses wie einen Narren, ärgerten und verhöhnten ihn, gaben ihm Ohrfeigen und begossen ihn mit Spülwasser. Alle diese Schmähungen nahm Alexius in Demut auf sich, um dem Herrn Jesus Christus in Armut und Schmach ähnlich zu werden. Mehr noch litt das Herz des Heiligen unter dem Leid, das Eltern und Braut, wie er feststellen musste, immer noch um ihn hatten. Trotzdem gab er sich nicht zu erkennen, weil er glaubte, Gott verlange von ihm und den Seinen dieses Opfer. Es war schon ein seltsamer Weg der Heiligkeit, den er ging, um, wie es in der Bibel heißt, das ewige Leben zu ergreifen.

 

Gott schien indessen mit Alexius, der die Worte des Evangeliums, man solle um Christi willen Vater, Mutter und Braut verlassen, wortwörtlich befolgte, zufrieden zu sein. Denn nachdem der Heilige wieder siebzehn Jahre wie zuvor in Edessa, so jetzt unter der Treppe des Elternhauses arm und unbekannt gelebt hatte, starb er in aller Heimlichkeit. Aber im gleichen Augenblick, als er den letzten Atemzug tat, begannen die Glocken der Stadt von selbst an zu läuten. In Sankt Peter wurde eine Stimme gehört, die verkündete, dass der Heilige von Rom gestorben sei. Da zogen Papst und Kaiser und alles Volk zu dem Haus, in dem die Leiche des Gottesmannes lag. Und man fand in den Kleidern des Toten einen Zettel, auf dem Alexius sein Leben beschrieben hatte. Auch Wunder ereigneten sich sogleich ohne Zahl, und als man Alexius begrub, erbaute man über seinem Grab eine herrliche Kirche, die heute noch steht. Alexius starb unter dem Papst Innozenz I. am 17. Juli 417.

 

Man kann den heiligen Alexius zwar bewundern, aber nicht nachahmen. Anders ist es allerdings mit der Demut überhaupt, die ein jeder Christ üben muss, wenn er in den Himmel eingehen will.

 

18. Juli

 

Der heilige Arnold, Musiker bei Karl dem Großen,

+ 18.7.800 – Fest: 18. Juli

 

Über die Herkunft, die Heimat und Jugendgeschichte des heiligen Arnold ist uns nichts Zuverlässiges bekannt geworden, über sein späteres Leben berichtet uns eine uralte Urkunde folgendes:

 

Zu der Zeit des glorreichen Königs Karl kam aus der Gegend Griechenlands ein gewisser Lautenspieler namens Arnold an den Rhein und wurde wegen seiner ausnehmenden Kunstfertigkeit am königlichen Hof aufgenommen. Gleich einem David wusste er durch Zither- und anderes sanfttönendes Saitenspiel den König häufig zu erfreuen, und in kurzer Zeit war er allen wohlgefällig und liebenswürdig geworden. Er war sohin darauf bedacht, wie er sein Leben ändern, die Sitten verbessern und sowohl Gott im Innern des Herzens, als auch den Menschen äußerlich gefallen möchte. Seine Hauptsorge ging jedoch dahin, den Armen und Waisen beizustehen. Alles, was er mit seinem Saitenspiel erwarb, teilte er getreulich mit ihnen. Wie tugendhaft und edelmütig Arnold war, ist demjenigen allein bekannt, der ihm die Gnade dazu verliehen hat.

 

In jener Zeit verweilte der König Karl mit seinem Gefolge bei dem Dorf Ginnezwilre, das jetzt aus Ehrfurcht vor dem Heiligen Arnoldsweiler genannt wird, um der Jagd nachzugehen. Nicht weit von diesem Ort lag der Wald, der Bürgel genannt wird. Um diesen Wald herum lagen viele Ortschaften, deren Bewohner am notwendigen Holz großen Mangel litten, und auch nichts aus dem Wald zu ihrem Bedarf zu nehmen wagten, weil er zum königlichen Fiskus gehörte. Hierüber wurde der Mann Gottes Arnoldus gar sehr von Mitleid gerührt, und er sann auf Mittel, wie er den Darbenden zu Hilfe kommen könnte. Christus der Herr, der seine Herzensgüte kannte, unterstützte ihn mild mit seinem Beistand, um den Wünschen seines edlen Herzens zu schleuniger Verwirklichung zu verhelfen.

 

Als der König eines Tages zu Tisch saß und der Diener ihm das Wasser zur Händewaschung darreichte, fand sich auch Arnold ein und bat den König mit gar demütigem Flehen: O durchlauchtigster König, ich bitte dich, du wollest hören auf die Worte meines Begehrens und dich würdigen, meine Bitte in milder Freigebigkeit zu gewähren.“

 

Als der König auf das Ansinnen einging und nach dem Gegenstand seines Anliegens fragte, sprach Arnold: „Mein Gebieter, ich bitte, du mögest mir vom benachbarten Wald denjenigen Teil schenken, den ich während der Zeit deines Mittagsmahles umreiten werde.“ Der König erwiderte: „Deine Bitte sei dir gewährt, und vom Wald sollst du so viel für dich erhalten, als du imstande sein wirst, während meiner Mahlzeit zu umreiten.“

 

Unverweilt entfernte sich Arnold, um seinen Zweck zu erreichen. Vorher schon hatte er die kräftigsten und schnellsten Pferde rings um den Wald in gewissen Zwischenräumen so aufgestellt, dass er von dem ermüdeten Pferd sich schnell auf ein frisches schwingen konnte. In größter Geschwindigkeit wurde der Wald umritten, der sich zwei Meilen in der Länge und eine halbe Meile in der Breite erstreckte. Jedes Mal, wenn Arnold abstieg, machte er mit Schwerthieben Merkmale an den hohen Eichen zum Wahrzeichen seines Rittes.

 

Nachdem Arnold den Wald umritten hatte, kehrte er voll Freude und Jubel ob des gelungenen Unternehmens in hurtiger Eile zum König zurück, den er noch bei Tisch antraf. Bei seinem Eintritt in den Speisesaal erstaunte der König und wunderte sich sehr über die schnelle Zurückkunft seines Dieners. Der aber sprach zu ihm: „Verwundere dich nicht, mein Herr und mein König, denn wisse, dass dein Diener vollbracht, was er angekündigt hat. Er hat den Wald umritten. Sollte dir aber die Sache unglaublich vorkommen, so schicke einen deiner Vertrautesten, um sie zu untersuchen. Er wird die Wahrheit meiner Aussage durch unleugbare Merkzeichen bestätigt finden.“ Der König schenkte den Worten seines Dieners Glauben. Was er sich auserbeten und er selbst überdies zu geben versprochen hatte, konnte er nicht länger vorenthalten. Er zog den Ring vom Finger und übergab mit ihm nach königlicher Sitte in Gegenwart des gesamten Hofstaates den vorerwähnten Wald dem Arnold zum vollen Eigentum. Er warf sich vor dem König nieder, wünschte ihm für diese Wohltat langes Leben nebst himmlischer Vergeltung und fügte dann hinzu: „Wisse, mein Herr, dass dieses großartige Geschenk ein immerdauerndes Denkmal deines Namens bleiben wird, denn ich will es dem himmlischen König darbringen sowohl zu deinem, als meinem Seelenheil.“

 

Nachdem Arnold durch den Empfang des königlichen Ringes Eigentümer des königlichen Besitztums geworden war, verteilte er es stückweise an folgende angrenzende Ortschaften: Wilre (jetzt Arnoldsweiler), Ellin (Ellen), Cirie superior (Oberzier), Cirie (Niederzier), Ligch (Lich), Embe superior (Oberemt), Embe (Niederempt), Angilsdorf (Angelsdorf), Egilodorp (Elsdorf), Baffindorp (Pfaffendorf), Glessin (Gletsch), Eppendorp (Heppendorf), Siegendorp (Siedorf), Manheim, Kerpin (Kerpen), Bladesheim (Blatzheim), Godilsheim (Golzheim), Burrin (Buir), Morirsazan (Morschenich) und Mertzenich. Das Andenken an diese uneigennützige Wohltat der Heiligen lebt noch nach tausend Jahren im Mund der dankbaren Bewohner dieser zwanzig Ortschaften am Saum des Bürgelwaldes.

 

Der Gottesmann Arnold erwog die Worte des göttlichen Heilandes: „Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und du wirst dir einen Schatz im Himmel hinterlegen, und komm und folge mir nach.“ Dieser Aufforderung folgend, verteilte er alles, was er noch hatte, unter die Armen, und beschloss, von heiliger Liebe zu Gott und zu seinem Seelenheil entbrannt, eine Wallfahrt zum Grab des heiligen Apostels Jakobus zu Compostella in Spanien zu unternehmen. Schon war er bis zum Fluss Garunda in Frankreich gekommen, aber eine furchtbare Hungersnot, die damals den Erdkreis heimsuchte, verhinderte ihn, seine Reise fortzusetzen. Man erzählt von ihm, er habe den Ring, den ihm Karl der Große geschenkt hatte, in den Fluß geworfen, indem er zum Herr flehte, es möge ihm doch vergönnt sein, in dem Jahr, das er zu seinem Todesjahr bestimmt habe, den Ring wiederzuerlangen. Dann entfernte er sich und erwartete vertrauensvoll vom Herrn den Ausgang.

 

Gleich darauf begab er sich in das Haus einer gottesfürchtigen Witwe, und was er durch angestrengte Arbeit gewann, teilte er ihr und anderen Armen mit. So bereitete er sich durch Gebet und gute Werke auf den Tag des Gerichtes vor.

 

Eines Tages kamen, wie gewöhnlich, Arme zu Arnold, um ein Almosen von ihm zu begehren. Weil er keine Lebensmittel zur Hand hatte, gab er ihnen Geld, für das sie sich Lebensmittel kaufen sollten. Die Armen kauften sich auf dem Markt einen Fisch. Als sie ihn ausweideten, fanden sie in ihm einen Ring. Froh und erstaunt über den gemachten Fund, beschlossen sie, ihn ihrem freigebigen Wohltäter zu schenken. Sogleich erkannte Arnold sein liebes Kleinod und er dankte dem Allmächtigen mit unendlicher Freude, dass sein Gebet erhört sei. Den glücklichen Findern gab er zum Lohn so viel Silber, als der Ring wert war. Dann beschleunigte er seine Rückkehr in das Dorf Ginnezwillre, teilte dort alles, was er noch besaß, unter die Armen und entschlief in seligem Frieden. In einer Kapelle wurde er begraben und auch sein Ring sorgfältig aufbewahrt. An seiner Ruhestätte fanden die vertrauensvollen Gläubigen jederzeit durch seine Fürsprache gnädige Erhörung. Sein Jahresgedächtnis wird mit höchster Verehrung am 18. Juli gefeiert.

 

Die dankbaren Einwohner von Ginnezwilre nannten zu Ehren ihres heiligen Wohltäters ihr Dorf fortan Arnoldsweiler, und ihre Kirche, die anfangs dem heiligen Papst und Märtyrer Urban geweiht war, erhielt den Namen Arnoldikirche. Ihm zu Ehren wurde eine besondere Bruderschaft errichtet. Besonders rief man ihn gern an, um die Gnade eines seligen Todes zu erlangen. Sänger und Tonkünstler verehren den heiligen Arnold als die Zierde und Krone ihres Standes und vertrauen mit Recht auf seinen bewährten Schutz. Die Landleute rufen ihn besonders an bei Krankheiten unter dem Vieh.

 

Zur Feier des Todestages des heiligen Arnold, des 18. Juli, und des Pfingstdienstages, an dem die Bewohner der genannten Ortschaften in der Arnoldskirche große Wachskerzen opferten, verlieh Papst Pius VII. am 4. Juli 1815 einen vollkommenen Ablass.

 

Da im Lauf der Zeit die heiligen Tagzeiten und das Messformular zu Ehren des heiligen Arnold außer Übung gekommen waren, nahm sich der Kardinal und Erzbischof von Köln, Paulus Melchers, der Sache an und beantragte in Rom, dass die von den Vätern ererbte Verehrung des heiligen Arnoldus vom Oberhaupt unserer heiligen Kirche bestätigt werde. Nach sorgfältiger Prüfung genehmigte der Heilige Vater Leo XIII. durch Dekret vom 18. Februar und 13. März 1886 das Offizium und die Heilige Messe vom heiligen Arnold, bestimmte, dass sein Name dem Kalender und den besonderen Festen des Erzbistums Köln einverleibt und sein Fest am 18. Juli in der Pfarrkirche zu Arnoldsweiler als festum duplex majus, in den übrigen Kirchen des Erzbistums als festum duplex minus gefeiert werde. Infolge dieser Genehmigung des apostolischen Stuhls wurde das Fest des heiligen Arnoldus im Jahr 1886 am 18. Juli mit nie gesehener Pracht gefeiert. Der neue Erzbischof Philipp Krementz von Köln brachte selbst an der heiligen Stätte, wo er so oft im andächtigen Gebet gekniet hatte und wo jetzt seine Gebeine ruhten, das feierliche Pontifikalamt dar, forderte die Gläubigen zur treuen Nachfolge des tugendreichen heiligen Arnold auf und zeichnete sich selbst in die neu von ihm gegründete St. Arnoldus-Bruderschaft ein. Auch in Rom wurde an demselben Tag in der deutschen Nationalkirche Unserer Lieben Frau „dell Anima“ das Fest des heiligen Arnold vom Kardinal Paulus Melchers prächtig gefeiert, und er hielt an die zahlreich versammelten deutschen Landsleute eine begeisterte Ansprache zur Verherrlichung des heiligen Arnoldus.

 

Ein alter Denkspruch sagt: „Mit einer Sache ist es gut bestellt, wenn sie einem Arnoldus anvertraut ist.“ Möge uns dieser fromme Glaube zu eifriger Verehrung und Nachfolge des heiligen Arnold aneifern.

 

Die heilige Radegund, Dienstmagd in Wellenberg bei Augsburg,

+ um 1280 – Fest: 18. Juli

 

Es soll hier nicht die Rede sein von der heiligen Radegund, der Tochter des thüringischen Königs Berthar und der Gemahlin des Frankenkönigs Chlotar I., die in ihrer hohen Stellung aus christlicher Nächstenliebe die niedrigsten Dienste bei Kranken und Armen verrichtete und später die Pracht und Annehmlichkeiten des königlichen Palastes verließ, um in ärmlicher Klosterzelle die geringste Magd zu werden und am 13. August 587 zu Poitiers in Frankreich ihr heiliges Leben schloss. Ich will einiges erzählen von einer anderen Radegunde, die aus niedrigem Stand hervorgegangen, ihrer heiligen Namenspatronin in der schönen Tugend der christlichen Nächstenliebe treu gefolgt ist und darum ein bleibendes Andenken im Herzen des Volkes gewonnen hat.

 

Die heilige Radegund war geboren in einem Dorf bei Augsburg und verdingte sich als Stallmagd bei einer Familie auf dem Schloss Wellenburg. Erschien auch ihr Stand gering vor der Welt, musste sie auch manche harte Behandlung ertragen, so verrichtete sie alle ihre Dienste pünktlich und treu und opferte ihre Beschwerden und Bitterkeiten dem göttlichen Heiland auf, der ja auch die Armut und Niedrigkeit erwählt hatte, um allen alles zu werden. Gewissenhaft beobachtete sie die Mahnung des Apostels Paulus (Kol 3,22): „Ihr Dienstboten, gehorcht in allem den leiblichen Herrn, nicht als Augendiener, die sich bei Menschen einschmeicheln, sondern mit aufrichtigem Herzen, aus Ehrfurcht vor dem Herrn. Ja alles, was ihr tut, das tut mit Eifer, als wenn es dem Herrn und nicht den Menschen geschehe!“

 

Wo die Gottesliebe einmal im Menschenherzen entflammt ist, da zeigt sich auch die Nächstenliebe in christlicher Gesinnung und Tat. In jener Zeit gab es viele Aussätzige, die von den Gesunden entfernt und in Siechenhäusern untergebracht wurden, um die weitere Verbreitung dieser ansteckenden Krankheit zu verhindern. Zu diesen Kranken ging Radegund, so oft ihr Zeit von ihrem Dienst erübrigte, um sie zu pflegen, ihre ekelhaften Wunden zu reinigen und zu verbinden. Vor allem lag ihr daran, die Kranken zur Reue, zur Geduld und Gottesfurcht zu ermuntern, und ihre Worte fanden einen fruchtbaren Boden, weil sie aus einem liebevollen, opferfreudigen Herzen hervorgingen.

 

So edel und uneigennützig auch Radegund an der leidenden Menschheit handelte, so gab es doch boshafte Zungen, die sie bei ihrer Herrschaft anschwärzten, als veruntreue sie ihr Eigentum, um es den Armen zu geben. Als sie einmal wieder Speise und Trank zu dem Siechenhaus trug, trat ihr der Herr in den Weg und fragte sie, was sie im Korb habe. In der augenblicklichen Angst verirrte sie sich zu einer Notlüge, indem sie sagte, sie habe Kamm und Seife darin, um die Kranken zu reinigen. Radegund entging auf diese Weise der Rüge und Strafe ihres leiblichen Herrn, aber sie hatte durch ihre Lüge Gott beleidigt und empfing dafür eine sehr harte Strafe. Als sie nämlich einige Zeit nachher wieder durch den Wald ging, der zwischen dem Schloss und dem Siechenhaus lag, wurde sie von Wölfen überfallen und schrecklich zerbissen. Als sie lange ausblieb, suchte man sie und fand sie halbtot in ihrem Blut liegen. Nach drei Tagen himmlischer Geduld und christlicher Vorbereitung zum Tod starb sie und wurde neben dem Siechenhaus begraben.

 

Im Jahr 1691 wurden die Gebeine der heiligen Radegund im Auftrag der bischöflichen Behörde zu Augsburg erhoben, von der Gräfin Fugger von Wellenburg mit Gold und Seide geschmückt und in feierlicher Prozession aus der Kirche zu Berkheim nach der Kapelle zu Wellenburg getragen und zur Verehrung der Andächtigen ausgesetzt. Noch heute werden die Überreste der heiligen Magd Radegund häufig besucht und andächtig verehrt.

 

19. Juli

 

Der heilige Arsenius, Diakon und Einsiedler in Ägypten,

+ 19.7.449 – Fest: 19. Juli

 

Arsenius, von Geburt ein Römer, war aus einer mit mehreren Senatorenhäusern verwandten Familie entsprossen. Er wurde mit großer Sorgfalt erzogen, und von Kindheit an bewies er glühenden Eifer für die Tugendübung. Er erwarb sich vielseitige Kenntnis der griechischen und lateinischen Literatur, und drang tief in den Geist der göttlichen Schriften ein. Da er den geistlichen Stand erwählt hatte, erhielt er die Diakonenweihe, und ging sodann in Rom mit einer Schwester die Wege der Gottseligkeit.

 

Kaiser Theodos der Große, der angelegentlich einen Mann suchte, dem er die Erziehung seiner Kinder anvertrauen könnte, wandte sich an Kaiser Gratian, und bat ihn, sich über die von ihm zu treffende Wahl mit dem römischen Bischof zu besprechen. Dieser redete zu ihm von Arsenius auf eine so vorteilhafte Weise, dass er daraus schloss, er müsse alle Eigenschaften besitzen, die Theodosius zu verlangen schien. Gratian schickte ihn daher nach Konstantinopel. Der Kaiser empfing ihn mit großen Ehrenbezeigungen, erhob ihn zur Senatorenwürde, und befahl, ihn als den Vater seiner Kinder, zu deren Vormund und Lehrer er ihn ernannte, zu ehren. Er wies ihm ein prachtvolles Gefolge an, und gab ihm zu seinem Beruf hundert prachtvoll gekleidete Diener.

 

Als eines Tages der Kaiser die Prinzen während der Studienzeit besuchte, und sie sitzend antraf, während Arsenius stehend mit ihnen redete, wurde er darüber nicht nur augenblicklich ungehalten, er nahm sogar seinen Kindern auf einige Zeit ihre Ehrenzeichen, und befahl, dass sie während der Lehrstunden stehen und Arsenius sitzen sollte.

 

Arsenius hatte stets einen unwiderstehlichen Hang zur Abgeschiedenheit; und dieser Hang verstärkte sich von Tag zu Tag wegen des Prunkes und der Zerstreuungen, die mit seinem Amt verbunden waren. Titel und Ehrenstellen waren ihm eine unerträgliche Bürde. Endlich fand er um das Jahr 396 eine Gelegenheit, die Bande, die ihn an den Hof knüpften, zu zerbrechen. Als Arcadius, eines der kaiserlichen Kinder, einen bedeutenden Fehler begangen hatte, ahndete er denselben mit unerbittlicher Strenge. Dies verdross den jungen Prinzen, und er wurde nur noch halsstarriger. Arsenius nützte diesen Anlass, um den seit Jahren her gemachten Plan, die Welt zu verlassen, in Ausführung zu bringen. Als er eines Tages nach seiner Gewohnheit ein inbrünstiges Gebet verrichtete, um den Willen Gottes zu erkennen, vernahm er eine Stimme, die ihm zurief: „Arsenius, fliehe die Gesellschaft der Menschen, und du wirst leben.“ Ohne Verzug befolgte er den Befehl des Himmels, bestieg ein Schiff, das eben nach Alexandrien absegelte: von da ging er in die Wüste Scete, um sich dem Einsiedlerleben zu widmen. Dieses trug sich um das Jahr 394 zu. Arsenius hatte damals sein vierzigstes Jahr erreicht, nachdem er elf an dem Hof zu Konstantinopel zugebracht hatte.

 

Da er in allen Dingen nur Gott zu gefallen suchte, verdoppelte er seinen Gebetseifer, um noch besser zu erkennen, was der Herr von ihm verlangte. Als er nun eines Tages betete, hörte er eine Stimme, die ihm abermals sagte: „Arsenius, fliehe, schweige, ruhe; dieses sind die Grundlagen des Heils“; nämlich: dies sind die Hauptsachen, die man befolgen muss, um das Heil zu erlangen. Zufolge dieser zweimal wiederholten Ermahnung, verschloss er sich in eine weit entlegene Zelle, um keine Besuche annehmen zu müssen; sogar seine eigenen Brüder sah er nur selten. Wenn er in die Kirche ging, die ungefähr dreißig Meilen von seiner Wohnung entfernt lag, stellte er sich hinter einen Pfeiler, um von niemanden bemerkt zu werden und selbst niemanden zu sehen.

 

Indessen ließ Theodosius, der durch des Arsenius Flucht äußerst bestürzt war, zu Wasser und zu Land die genauesten Nachforschungen anstellen, um ihn zu entdecken: bald darauf aber musste er sich in das Abendland begeben, um den Tod Valentinians II. zu rächen, und einen Aufruhr zu dämpfen, an dessen Spitze Eugenius und Arbogast standen. Er starb zu Mailand 395 an der Wassersucht, und hinterließ das morgenländische Reich seinem Sohn Arcadius. Dieser Fürst gab die Stelle eines ersten Ministers einem gewissen Rufin, der Präfectus Prätorio war, und ihm, da er sein Hofmeister gewesen, niederträchtig geschmeichelt hatte. Doch vergaß er auch den Arsenius nicht, und wollte ihn an den kaiserlichen Hof berufen, um dessen weise Räte zu befolgen. Als er erfuhr, dass er in der Wüste Scete sich aufhalte, schrieb er ihm einen Brief, um sich in dessen Gebete zu empfehlen; auch überließ er ihm die Einkünfte von Ägypten, um damit die Klöster zu versehen, und die Armen zu unterstützen, wie er es für dienlich halte: der Heilige aber, der allen zeitlichen Vorteilen das Glück in der Einsamkeit zu leben vorzog, in der er ohne Zerstreuung seine Sünden beweinen, und sich zum Hintritt in die Ewigkeit vorbereiten konnte, begnügte sich damit, dass er dem Gesandten des Kaisers mündlich antwortete: „Ich bitte Gott, dass er uns allen unsere Sünden verzeihen möge. Was die Verurteilung des Geldes anlangt, bin ich keineswegs geeignet, dieses Geschäft über mich zu nehmen, weil ich der Welt abgestorben bin.“

 

Was ihm beim Eintritt in die Wüste begegnete, verdient zur Erbauung des Lesers hier angeführt zu werden. Als er das erste Mal vor den Ältesten oder den Obern der Mönche von Scete erschien, und nun Erlaubnis erhielt, unter ihrer Leitung Gott zu dienen, übergaben sie ihn der Aufsicht des heiligen Johannes, der Zwerg genannt. Dieser setzte sich abends mit seinen Brüdern nieder, um die geringe Mahlzeit zu genießen, den Arsenius aber ließ er stehen mitten in der Versammlung, ohne seiner zu achten. Dieses war in der Tat eine harte Prüfung für einen Hofmann; allein sie hatte in ihrem Gefolge eine zweite, die noch weit empfindlicher war. Unter der Mahlzeit nimmt der heilige Johannes ein Stück Brot, wirft es Arsenius vor die Füße, und sagte ihm ganz gleichgültig und trocken, er möge es essen, wenn er Lust dazu habe. Arsenius wirft sich auf die Erde nieder und isst es in dieser Stellung. Der heilige Johannes, durch ein solches Betragen entzückt und erbaut, ließ es bei dieser Prüfung bewenden, und nahm ihn freudig auf. „Kehrt nun heim“, sagte er dann zu den Brüdern, „in eure Zellen mit dem Segen des Herrn. Betet für uns. Dieser Mann passt für das Einsiedlerleben.“

 

Arsenius zeichnete sich vor allen Einsiedlern aus durch seine Demut und seinen Eifer. Im Anfang erlaubte er sich, ohne jedoch daran zu denken, gewisse Dinge, an die er in der Welt gewohnt war, und die, wiewohl an sich ganz unschuldig, dennoch etwas Leichtsinn und Behaglichkeit zu verraten schienen, wie z.B. die Gewohnheit, die Füße übereinander zu legen. Die Alten, die ihn überaus hochschätzten, wollten ihn nicht in einer öffentlichen Versammlung, wo die Brüder zur Konferenz eingeladen waren, darauf aufmerksam machen. Allein der Abt Pemen oder Pastor bediente sich folgender List: Er kam mit einem Mönch überein, dass dieser jene Stellung einnehme, und dann von ihm darüber zurechtgewiesen würde, als sei sie der Eingezogenheit zuwider: was auch geschah. Der Mönch hörte die Rüge geduldig an, ohne ein Wort zu seiner Entschuldigung zu sagen. Arsenius merkte wohl, dass es ihm auf mittelbare Weise gelte; und von nun an hatte er ein aufmerksames Auge auf sich selber, und suchte sich zu bessern.

 

Unter allen Mönchen von Scete war keiner so ärmlich gekleidet wie er. Er wollte dadurch jene äußere Pracht sühnen, in der er vordem am Hof gelebt hatte. An den Werktagen flocht er Matten aus Palmblättern, und hatte stets ein Tuch auf seinem Schoß, um die Tränen, die beständig seinen Augen entflossen, abzuwischen. Niemals schüttete er das Wasser aus, in das er seine Palmblätter tauchte, mochte es auch einen noch so widerlichen Gestank von sich geben, sondern füllte es nur mit frischem auf. Als ihn jemand um die Ursache dieses Benehmens fragte, erwiderte er: „Durch diesen üblen Geruch muss ich mich abtöten für die Sinnlichkeit, die mich bewogen hatte, wohlriechende Dinge zu gebrauchen, als ich noch in der Welt lebte.“ Um seinen von ihm sogenannten alten Geschmack an überflüssigen Sachen zu sühnen, beschränkte er sich auf die unbedingteste Armut, so dass er in einer Fieberkrankheit einige ihm nötige Unterstützung anzunehmen sich gezwungen sah. Er dankte Gott, dass er ihn würdig erachtet, in seinem Namen von den Gläubigen unterstützt zu werden. Seine Krankheit war von langer Dauer, und der Priester der Einöde ließ ihn in seine Wohnung, die nahe bei der Kirche war, tragen. Man brachte ihn auf ein kleines Bett von Tierhäuten, und legte ein Kissen unter sein Haupt. Als ihn einer der Mönche besuchte, nahm er Ärgernis daran, dass er ihn so liegend fand, und fragte, ob dies der Abt Arsenius sei. Der Priester zog ihn auf die Seite, und befragte ihn, welches Geschäft er im Dorf getrieben habe, bevor er Mönch wurde. „Ich war Hirte“, entgegnete dieser, „und konnte kaum meine Labsucht erschwingen.“ Da antwortete der Priester: „Sieh da den Abt Arsenius; als er noch in der Welt lebte, war er Vater der Kaiser. Er hatte in seinem Gefolge hundert Sklaven in Seide gekleidet, und mit goldenen Armbändern und Gürteln geschmückt; er hatte ein weiches und prächtiges Lager. Du aber, in der Welt ein Hirte, befandest dich weit unbequemer als jetzt.“ Der gute Mönch, durch diese Worte gerührt, warf sich nieder und sagte: „Verzeih mir, mein Vater, denn ich habe gesündigt; ich erkenne, dass Arsenius auf dem wahren Weg der Demut wandelt.“ Dann entfernte er sich innigst erbaut.

 

Einer der kaiserlichen Hofbeamten brachte eines Tages dem Arsenius das Testament eines verwandten Senators, der vor seinem Ableben ihn zum Erben eingesetzt hatte. Der Heilige nahm das Testament, und wollte es zerreißen, hätte nicht der Beamte sich zu dessen Füßen geworfen, und ihn gebeten, dieses nicht zu tun, weil er sonst Gefahr liefe, sein Leben zu verlieren. Arsenius zerriss es also nicht; weigerte sich aber, das ihm zugedachte Gut anzunehmen: „Ich bin“, sagte er, „vor meinem Verwandten gestorben; ich kann demnach unmöglich sein Erbe sein.“

 

Wiewohl man keine genaue Kenntnis seiner Fastenübungen hat, so lässt sich dennoch denken, dass sie außerordentlich streng mussten gewesen sein. Man schickte ihm für das ganze Jahr nur ein gewisses Maß Getreide, das die Ägypter Thallin nennen (Das Thallin war ein kleines Maß aus Palmblättern gefertigt, dessen man sich für die Pflanzen bediente). Nicht nur kam er damit aus, sondern teilte noch seinen Jüngern davon mit, wenn sie ihn besuchten. Brachte man ihm eine Erstlingsfrucht, so kostete er sie, und dankte Gott dafür; doch aß er davon nur so viel, als nötig war, um dem Vorwurf der Sonderbarkeit vorzubeugen. Bei strenger Enthaltsamkeit genügt der Natur ein kurzer Schlaf. Daher brachte Arsenius oft ganze Nächte im Gebet zu. Wenn seine Kräfte erschöpft waren, schlief er einen Augenblick sitzend, worauf er wieder seinen Übungen sich unterzog. Daniel, einer seiner Jünger, berichtet uns, er habe an den Samstagen, beim Sonnenuntergang, begonnen mit aufgehobenen Händen zu beten, und sein Gebet des andern Morgens erst beschlossen, wenn die Sonnenstrahlen in sein Angesicht zu leuchten anfingen. Seine Liebe zu dieser heiligen Übung, wie auch die Furcht vor den Gefahren der Eitelkeit, flößte ihm den glühendsten Eifer für die gänzliche Absonderung von der Welt ein. Er hatte zwei Jünger, die bei ihm lebten, und die auswärtigen Geschäfte führten: der eine hieß Alexander, der andere Zoilus. In der Folge bekam er einen dritten, namens Daniel. Alle drei wurden berühmt durch ihre Heiligkeit und Klugheit. Im Leben der Väter der ägyptischen Wüsten wird ihrer oft gedacht.

 

Arsenius sah ungerne die Fremden, die ihn zu besuchen kamen, indem er, wie er sagte, nur deshalb von seinen Augen Gebrauch machen wollte, um den Himmel zu schauen. Eines Tages begab sich Theophilus, Patriarch von Alexandrien, mit einem Hofbeamten und einigen anderen Personen, in seine Zelle, und bat ihn sich über geistige Gegenstände mit ihm zu unterhalten: da fragte er sie alle, ob sie entschlossen wären, das zu halten, was er ihnen sagen würde. Sie antworteten bejahend. Da sagte der Heilige: „Wohlan! So bitte ich euch, mich, an welchem Ort meinen Aufenthalt ihr erfahren möget, ruhig zu lassen, und auch selber die Mühe zu ersparen, mich aufzusuchen.“ Als ihn der Patriarch Theophilus ein anderes Mal fragen ließ, ob er ihm seine Tür öffnen würde, wenn er ihn zu besuchen käme, erwiderte Arsenius: „Ja, wenn er allein kommt; bringt er aber andere Personen mit sich, so bleibe ich nicht hier, sondern ziehe an einen anderen Ort.“

 

Eine römische Matrone, namens Melania, hatte eigens die Reise nach Ägypten unternommen, um Arsenius zu sehen, und sah ihn durch Vermittlung des Patriarchen Theophilus, als er eben aus seiner Zelle ging. Sie hatte ihn nicht sobald erblickt, als sie sich ihm zu Füßen warf. Da sagte ihr der Diener Gottes: „Eine Frau soll nie ihr Haus verlassen. Du hast eine weite Reise gemacht über das Meer, um in Rom sagen zu können, du habest Arsenius gesehen, und dadurch in den anderen dieselbe Neugier zu erregen.“ Melania, die immer noch auf den Knien lag, und ihre Augen zu erheben sich nicht getraute, beschwur ihn, ihrer zu gedenken, und für ihr Seelenheil zu beten. „Ich bitte Gott,“ erwiderte Arsenius, „dass ich niemals an dich denken möge.“ Melania, durch diese Antwort sehr niedergeschlagen, kehrte zurück nach Alexandrien. Der Patriarch redete ihr aber Trost zu, indem er ihr die letzten Worte des Heiligen dahin auslegte: „Er betet,“ sagte er, „er möchte deine Person vergessen, weil du eine Frau bist; anlangend deine Seele, so zweifle nicht, dass er sie inständig dem Herrn empfehlen werde.“

 

Nie besuchte Arsenius seine Brüder. Er begnügte sich damit, dass er in ihrer Gemeinschaft den geistlichen Konferenzen beiwohnte. Als der Abt Markus eines Tages im Namen sämtlicher Einsiedler von ihm wissen wollte, warum er also ihre Gesellschaft fliehe, entgegnete er: „Gott weiß, wie sehr ich euch alle liebe. Ich fühle aber, dass ich nicht zugleich mit Gott und mit den Menschen sein kann. Es ist mir also nicht erlaubt, den einen zu verlassen, um mit den anderen zu reden.“ Dieses hinderte ihn aber nicht, seinen Brüdern tugendlehren zu erteilen, und wirklich haben wir von ihm noch verschiedene Apoghtegmen, die sich unter denen der Väter befinden. Man hörte ihn oft sagen: „Es hat mich immer ein wenig gereut, dass ich mich mit den Menschen unterhalten, nie aber, dass ich das Stillschweigen beobachtet habe.“ Häufig führte er jene Worte im Mund, die der heilige Euthimius und der heilige Bernhard in der Folge stets wiederholten, um sich zur Tugend anzueifern: „Arsenius, warum hast du die Welt verlassen, und warum bist du hierhergekommen?“ Als man ihn eines Tages fragte, warum er, da er doch in den Wissenschaften so bewandert sei, sich Unterricht und Lehren von einem Mönch erteilen lasse, der nie mit einem Fuß das Feld der Literatur betreten habe, erwiderte er: „Ich kann die Wissenschaften der Griechen und Römer, bin aber noch im Alphabet der Wissenschaft der Heiligen, in welcher dieser vermeinte Unwissende ein vollendeter Meister ist.“ Ungeachtet seiner tiefen Kunde der göttlichen Schriften und der Grundsätze der christlichen Vollkommenheit, vermied er jede Gelegenheit zum Reden, indem er vorzog, von anderen sich unterweisen zu lassen, um nicht in die Sünde der Eitelkeit zu fallen; und dies ist der Grund der Demut und aller übrigen Tugenden.

 

Evagrius von Pontus, der, nachdem er sich zu Konstantinopel durch seine Gelehrsamkeit hohen Ruhm erworben, und zuerst nach Jerusalem begeben hatte, von wo er 385 in die Wüste von Nitria gezogen war, drückte in Gegenwart des Heiligen sein Befremden aus, dass so viele Gelehrte keine Fortschritte in der Tugend machen, während eine Menge Ägypter, die nicht einmal lesen könnten, eine so erhabene Stufe der Beschaulichkeit erschwingen. Da gab ihm Arsenius folgenden Aufschluss: „Die Ursache, warum wir in der Tugend nicht voranschreiten, ist, weil wir uns mit jenem äußeren wissenschaftlichen Punkt begnügen, der nur geeignet ist, das Herz aufzublähen, während jene guten Ägypter ihre Schwäche, ihre Blindheit, ihr Elend wahrhaft erkennen, und dieser Erkenntnis zufolge mit glücklichem Gelingen an der Erlangung der Tugend arbeiten.“ Oft begegnete es dem heiligen Arsenius, dass er mit betränten Augen ausrief: „Herr, verlasse mich nicht, ich habe nichts getan, was dir wohlgefällig sein könnte. Allein ich beschwöre dich durch deine unendliche Barmherzigkeit, mir beizustehen, auf dass ich nun anfange, dir als treuer Knecht zu dienen.“

 

Die Alten haben, wenn sie mit ihm redeten, vorzüglich bemerkt, dass er fast beständig Tränen vergoss. Diese entquollen jener Sehnsucht, womit er ohne Unterlass der glorreichen Ewigkeit entgegenharrte, und jenem Geist der Zerknirschung, mit dem er unaufhörlich die Fehler seines vergangenen Lebens, und die kleinen Vergehen, die täglich seiner Schwachheit entschlüpften, beweinte. Er fand aber in seinen Tränen eine unaussprechliche Wonne, wie man leicht ablesen konnte von der wundervollen Heiterkeit, die immerdar sein Antlitz bestrahlte. Übrigens haben alle Heiligen dasselbe erfahren. „Wenn du von Tränen hörst“, sagt der heilige Chrysostomus bei dieser Gelegenheit, „so denke dir nur nicht das Bild des Harmes; sie sind süßer als alle Süßigkeiten, die man in der Welt genießen mag.“ Der heilige Augustin drückt sich auf dieselbe Weise aus: „Die Tränen der Andacht haben eine Süßigkeit, welche die falschen Freuden der Bühne nicht gewähren.“ Der heilige Johannes Climakus legt wunderschön die Früchte der Tränen dar, die die Diener Gottes vergießen, und sagt unter anderem: „Ich bin erstaunt, wenn ich die Wonne betrachte, womit eine heilige Zerknirschung unsere Seele überschüttet. Wie mögen demnach wohl fleischliche Menschen nur Traurigkeit und Betrübnis darin erblicken? Gleich dem Wachs, das den Honig umschließt, enthält sie eine unversiegbare Quelle himmlischer Süßigkeiten. Gott besucht und tröstet unsichtbarer Weise die im heiligen Schmerz zermalmten Herzen.“

 

Arsenius gab folgende Antwort einer Person, die ihn über die Mittel befragte, die sie anzuwenden habe, um einer heftigen Versuchung, welche unreine Gedanken in ihr erweckten, los zu werden: „Was taten die Madianiten? Sie schmückten ihre Töchter, und führten sie den Israeliten vor, ohne jedoch diesen irgendeine Gewalt anzutun. Die treuen Diener Gottes, die die Madianiten mit Strenge behandelten, und in ihrem Blut ihre Treulosigkeit und frevelnde Absichten wuschen, fielen nicht in das Laster. Tue also desgleichen in Bezug auf deine bösen Gedanken, dränge sie mutig zurück, und züchtige dich selber, dass du auch nur durch eine unwillkürliche Empörung des Fleisches versucht worden bist.“

 

Dieser große Heilige lebte in steter Erinnerung an den Tod und das Gericht: daher rief Theophilus, Patriarch von Alexandrien, der sich immer zu sehr mit Geschäften überhäuft hatte, vor seinem Hinscheiden aus: „Glückseliger Arsenius, dass du diesen Augenblick stets vor Augen hattest!“

 

Die beständigen Tränen, die Arsenius vergoss, hatten ihn nicht entstellt; es strahlte sogar aus seinem Äußeren etwas Himmlisches, das aus der Ruhe seiner Seele, und aus jener nie unterbrochenen Vereinigung mit Gott durch die Bande des Gebetes herrührte. Man bewunderte an ihm eine gewisse anmutige Schönheit, über die jene milden Züge von Würde und Sanftmut, die er bis in seinen Tod behielt, neuen Glanz verbreiteten. Er war schlank und wohl gebildet. In seinem hohen Alter aber beugte ihn etwas die Bürde der Jahre. Er hatte weiße Haare und einen schneeweißen Bart, der bis auf den Gürtel hinabfloss. Der heilige Johannes Climakus, der ihn als ein vollendetes Muster aufstellt, vergleicht ihn mit einem Engel, und sagt, dass, wenn er mit so großer Sorgfalt die Gesellschaft der Menschen floh, es darum geschah, um nicht etwas Kostbareres – seinen Gott – der seine ganze Seele erfüllte – zu verlieren. Zufolge jener Abschälung von der Erde, behauptet Arsenius, die Hauptpflicht eines Mönches bestehe darin, dass er sich nicht in zeitlichen Angelegenheiten mische, und sich niemals erkundige, was in der Welt vorgeht.

 

Er hatte sein vierzigstes Jahr erreicht, als er den Hof verließ. Eine gleiche Anzahl Jahre brachte er in der Wüste Scete zu, ausgenommen, dass er um das Jahr 395 sie auf einige Zeit verlassen musste, wegen der Einfälle der Maziken, eines wilden Volkes in Lybien. Nachdem die Gefahr vorüber war, kam er wieder in seine Zelle zurück, wurde aber um das Jahr 434 abermals genötigt, bei einem zweiten Einfall derselben Barbaren, die mehrere Einsiedler ermordeten, die Flucht zu ergreifen. Anfänglich zog er auf den Felsen Troe, auch Petra genannt, unweit von Memphis, und zehn Jahre später nach Kanope bei Alexandrien. Da er aber die Zerstreuungen, die ihm die Nähe dieser großen Stadt verursachte, nicht ertragen konnte, kehrte er wieder nach Troe zurück, wo er auch starb.

 

Als er seinem Ende sich nahe fühlte, sagte er seinen Jüngern: „Ich bitte, eure Liebe, mir eines zu gewähren, dass ihr nämlich nach meinem Tod beim heiligen Opfer meiner gedenkt. Möchte ich doch, wenn ich in meinem Leben etwas getan habe, das meinem Gott wohlgefällig sein sollte, ihn durch seine Barmherzigkeit besitzen!“ Da seine Jünger sehr betrübt waren, als er zu ihnen redete wie einer, der auf immer Abschied nimmt, fügte er bei: „Meine Stunde ist noch nicht herangekommen, ich werde euch davon Kunde geben. Wenn ihr aber zulasst, dass man irgendetwas von mir als eine Reliquie aufbewahrt, so werdet ihr dafür verantwortlich sein vor dem Richterstuhl Jesu Christi.“ Da sie in Verlegenheit waren, wie sie ihn mit den üblichen Zeremonien begraben könnten, sagten sie ihm, in Tränen zerfließend: „Was sollen wir tun, Vater! Denn wir wissen nicht, wie man die Toten bestattet?“ – „Bindet mir“, erwiderte er ihnen, „einen Strick an den Fuß, schleift dann meinen Leichnam auf die Bergspitze, und lasst ihn allda liegen.“ Da er in den letzten Zügen liegend weinte, befragte ihn einer der Brüder um die Ursache. „Warum weinst du, mein Vater?“ sagte er ihm. „Du fürchtest dich also zu sterben, gleich anderen Menschen?“ – „Ich bekenne“, antwortete er ihnen, „dass ich vor Schrecken erbebe, und dass mich diese Furcht nie verlassen habe, seit ich in der Einöde wohne.“ So fürchten selbst die wahren Diener Gottes seine Gerichte. Allein dieses Gefühl begleitet immer eine wonnevolle Zuversicht auf das göttliche Erbarmen. Es ist mehr oder weniger lebhaft, je nach der Wirkung des heiligen Geistes, der seine Gaben zum Heil der Auserwählten verschiedenartig austeilt. Dieser Furcht ungeachtet, gab daher Arsenius in ungetrübter Ruhe seinen Geist auf. Sein glückseliger Tod ereignete sich um das Jahr 449. Er war fünfundneunzig Jahre alt, und hatte fünfundfünfzig in den Wüsten zugebracht. Als ihn der Abt Pemen sterben sah, rief er mit betränten Augen aus: „Glücklicher Arsenius, dass du, solange du auf Erden warst, über dich weintest! Die hier nicht weinen, werden ewig weinen drüben im anderen Leben.“

 

Die durch ihre Tugenden preiswürdigsten Ordensmänner haben in allen nachfolgenden Jahrhunderten Arsenius als das vollendetste Muster der Vollkommenheit angesehen. Der große heilige Euthimius suchte ihm in allen seinen Übungen nachzuahmen, und dessen Demut, Milde, Gleichmut, Wachsamkeit, Zerknirschung, Enthaltsamkeit, Liebe zur Einsamkeit und zum Gebet, Gottes- und Nächstenliebe, Eifer, Bescheidenheit, und jene Tugendheldenmütigkeit, die mit solchem Glanz in allen seinen Werken strahlte, in sich abzubilden.

 

Der heilige Arsenius wird im römischen Martyrologium unter dem 19. Juli genannt.

 

Die heilige Makrina, Nonne und Ordensstifterin in Kappadocien,

+ 19.7.379 (Dezember 379) – Fest: 19. Juli

 

Makrina war das erstgeborene Kind des heiligen Basilius des Älteren, und der heiligen Emmelia. Nach dem Tod ihres Vaters weihte sie Gott ihre Jungfräulichkeit, und leistete ihrer Mutter große Dienste bei der Erziehung ihrer Brüder und Schwestern. Von ihr lernten der heilige Basilius der Große, der heilige Petrus von Sebaste, und der heilige Gregor von Nyssa, frühzeitig die Welt verachten, und ihre Gefahren fürchten, das Wort Gottes mit Nutzen anhören, und das Gebet lieben.

 

Sie stiftete mit ihrer Mutter zwei Klöster im Pontus, die eine kleine Strecke voneinander entlegen waren. Dasjenige, das sie für die Männer bestimmte, wurde anfänglich vom heiligen Basilius geleitet, dann vom heiligen Petrus, ihrem Bruder. Makrina gab dem zweiten, das von Frauen bewohnt wurde, sehr weise Regeln. Sie führte daselbst die Liebe und den Geist der Armut, die Abschälung von der Welt, die Abtötung, die Demut, und beständiges Gebet, verbunden mit dem Psalmengesang, ein.

 

Die heilige Makrina litt sehr an einem Krebsübel, womit der Herr sie heimsuchte. Endlich wurde sie durch die Kraft des heiligen Kreuzzeichens, das ihre Mutter über sie machte, geheilt.

 

Nach dem Tod der heiligen Emmelia verteilte Makrina ihre Güter unter die Armen und lebte wie die übrigen Nonnen ihres Klosters, das heißt, sie erwarb sich durch Handarbeit die nötige Nahrung. Als der heilige Gregor von Nyssa in ihrer letzten Krankheit sie besuchte, fand er sie, wiewohl sehr abgezehrt durch das Fieber, auf Brettern liegen. Sie schöpfte ungemeinen Trost aus den frommen Zusprüchen ihres Bruders. Ihr Eifer wurde aufs Neue belebt, und sie betete noch alle Tugendübungen, mit denen die Kranken zum Heimtritt sich vorbereiten. Hierauf verschied sie im Frieden des Herrn, nachdem sie sich zuerst mit dem Zeichen des Kreuzes bewaffnet hatte.

 

Die Armut des Klosters war so groß, dass man nur einen gänzlich abgenutzten Schleier fand, um den Leib der heiligen Makrina zu bedecken, als man ihn zu Grabe trug. Der heilige Gregor aber warf über ihn seinen bischöflichen Mantel. Die Dienerin Gottes hatte bei Lebzeiten eine Art Halsgehänge, an das ein Ring und ein eisernes Kreuz geknüpft war, getragen. Der heilige Gregor schenkte das Kreuz einer Klosterfrau, namens Vestiana. Den Ring aber, der hohl war, und ein Stückchen des wahren Kreuzes enthielt, nahm er für sich.

 

Der Ortsbischof und der heilige Gregor wohnten dem Leichenbegängnis der heiligen Makrina bei, wie auch die Geistlichkeit, und Mönche und Nonnen, die in zwei Chöre abgeteilt waren, Kerzen in der Hand trugen, und Psalmen sangen. Der Leichnam der Heiligen wurde in der Kirche der vierzig Märtyrer, die eine Meile entfernt von dem Kloster lag, getragen, und in dem Gewölbe, wo schon der der heiligen Emmelia ruhte, beigesetzt.

 

Die heilige Makrina starb im Monat Dezember 379; ihr Fest aber wird von den Griechen und Lateinern am 19. Juli begangen.

 

Der heilige Symmachus, Papst und Bekenner von Rom,

+ 19.7.514 – Fest: 19. Juli

 

Der heilige Symmachus, in Sardinien geboren, folgte 498 dem Papst Anastasius nach, unter dem er Erzdiakon der römischen Kirche gewesen war. Seine Wahl wurde aber von dem Patrizier Festus gemissbilligt. Wir lesen aber auch bei Theophanes, dass dieser Festus im Sold des Anastasius, des Kaisers von Konstantinopel, eines großen Begünstigers der Eutychianer stand, und beim Vorgänger des Symmachus die Bestätigung des Henotikum von Zeno, und eines Beschlusses zu Gunsten des Eutychianismus betreiben sollte. Da er alle Hoffnung aufgab, bei dem Heiligen dies zu bewirken, fand er Mittel, durch seine Anhänger dem Laurentius, Erzpriester zur heiligen Praxedis, einige Stimmen zu verschaffen. Symmachus und Laurentius wurden an demselben Tag geweiht, der eine in Konstantins Dom, der andere in der Liebfrauenkirche. Theodorich, der König von Italien, obgleich ein Arianer, befahl jedoch der ersten Wahl, und welche die meisten Stimmen habe, sich zu fügen. Infolge dieses Befehls wurde Symmachus als rechtmäßiger Papst erklärt. Er berief nach Rom einen Kirchenrat, dem dreiundsiebzig Bischöfe und siebenundsechzig Priester beiwohnten. Darin wurde beschlossen, um künftig allem Getriebe des Ränkegeistes vorzubeugen, dass alle jene, die bei Lebzeiten des Papstes jemanden ihre Stimme versprechen, oder irgendeiner Versammlung diesen Gegenstand zur Frage bringen würden, ihres Amtes entsetzt und exkommuniziert werden sollten, und dass man nach des Papstes Tod jenen als rechtmäßig anerkenne, dem die meisten Stimmen der Geistlichkeit zugefallen seien. Laurentius unterschrieb diesen doppelten Beschluss an der Spitze der Priester, die dem Konzil beiwohnten, und wurde infolge auf den bischöflichen Stuhl von Nuceria erhoben.

 

Einige Zeit nachher ließen Festus und Probin durch eine gewisse Anzahl Geistlicher und Senatoren, die sie gewonnen hatten, Laurentius nach Rom zurückberufen, wodurch die Spaltung wieder erneuert wurde. Und dies war die erste, die die römische Kirche betrübt hat, wie mehrere Geschichtsschreiber berichten, wiewohl Novatian alles in Bewegung gesetzt hatte, um eine solche hervorzubringen. Da die Schismatiker den heiligen Symmachus mehrerer Laster beschuldigten, ließ Theodorich eine Synode versammeln, um die Sache zu untersuchen. Die Bischöfe von Ligurien, Aemilien und Venetien reisten über Ravenna nach Rom. Bei dem Besuch, den sie dem Gothenkönig abstatteten, stellten sie ihm dringend vor, es sei Sache des Papstes, eine Synode zu berufen, diese Gerechtsame gehöre dem Primat seines Stuhles, den er vom heiligen Petrus empfangen habe, und die ihm zudem auch durch die Konzilien bestätigt worden sei. Sie fügten noch bei, es sei bisher unerhört gewesen, dass man einen Obern vor den Richterstuhl seiner Untergebenen gefordert habe. Allein Theodorich bewies ihnen aus den Briefen des Symmachus, dass dieser Oberhirte mit der Berufung des Konzils einverstanden sei. Auch liest man im Pontifikale, dass die Synode von Symmachus zusammen berufen worden ist.

 

Die Eröffnung dieses Konzils, das zu Rom gehalten wurde, geschah im Monat September des Jahres 501. Symmachus wurde der ihm angeschuldigten Laster unschuldig erklärt. Ferner erließ man den Befehl, jene als Glaubensspalter zu bestrafen, die ohne seine Einwilligung Messe lesen, den Urhebern des Schismas aber zu verzeihen, wofern sie dem Papst Genugtuung leisten würden. Als der Beschluss in Gallien anlagte, wurden alle Bischöfe dieses Landes darüber betrübt, und beauftragten den heiligen Avit, Bischof von Vienne, im Namen aller nach Rom zu schreiben. Dieser richtete seinen Brief an Faustus und Symmachus, die beide die Konsularwürde bekleidet hatten. Er beschwerte sich darin, dass der Papst, der bei dem Fürsten verklagt wurde, von den Bischöfen, die sich einer solchen Ungerechtigkeit hätten widersetzen sollen, gerichtet worden sei. „Man begreift nicht leicht,“ sagt er, „wie ein Vorgesetzter, umso mehr das Oberhaupt der Kirche, von seinen Untergebenen gerichtet werden könne.“ Indessen lobt er das Konzil, dass es der Unschuld des Kirchenoberhauptes Zeugnis gegeben. Auch bittet er den Senat, die Ehre der Kirche zu handhaben, und nimmer zu gestatten, dass die Schafe sich gegen ihre Hirten auflehnen.

 

Der durch seine Tugenden und seine reichen Almosen berühmte Diakon Paschasius hatte gegen Ende seines Lebens das Unglück, die Spaltung, von der hier die Rede ist, zu begünstigen, aber einzig darum, weil er sich hatte täuschen lassen. Man liest bei Gregor dem Großen, dessen Erzählung auf das Ansehen einer besonderen Offenbarung sich stützte, dass er diesen Fehler nach seinem Tod im Fegfeuer abbüßen musste, dass er aber durch das Gebet des heiligen German, des Bischofs von Capua, daraus befreit wurde. Andere Schriftsteller melden, er habe sein Vergehen zu Ende seines Lebens bereut, oder wenigstens habe seine Einfalt seine Sünde vermindert. Paschasius schrieb ein gelehrtes Werk über die Gottheit des Heiligen Geistes: unrichtig aber schreibt man ihm ein anderes über denselben Gegenstand, das seinen Namen führt, zu; es ist von Faustus von Riez verfasst worden.

 

Papst Symmachus ließ dem Kaiser Anastasius melden, er könne keine Kirchengemeinschaft mit ihm pflegen, solange er den Acacius unterstütze. Der Fürst hatte eine solche Drohung erwartet. Auch ließ er bei seiner Thronbesteigung keinen Brief an den Papst ergehen, so wie es eigentlich üblich war. Um sich zu rächen, beschuldigte er ihn des Manichäismus, ob es gleich weltkundig war, dass er die Anhänger dieser Ketzerei aus Rom verbannt hatte. Auch unterließ er keine Gelegenheit, ihm entgegenzuwirken, denn er befürchtete seinen Eifer gegen die Akephalen, deren erklärter Beschützer er war. Der heilige Papst schrieb seine Rechtfertigung, in der er mit jener Würde sprach, die dem christlichen Priestertum so wohl ansteht; und erließ zugleich an die morgenländischen Bischöfe einen Brief, sie zu ermahnen, die Verbannung und alle Arten von Verfolgungen zu leiden, eher als von der Wahrheit abzufallen.

 

Als König Trasimund mehrere orthodoxe Bischöfe Afrikas nach Sardinien verbannte, sorgte Symmachus für ihren Unterhalt, und schickte ihnen alle Jahre Geld und Kleidung. Unter den Werken des Hennodius befindet sich auch noch ein Brief, den er ihnen schrieb, um sie zu trösten. Diesem Schreiben hatte er zugleich Reliquien der heiligen Märtyrer Romanus und Nazarius beigegeben.

 

Seine Liebe zu den Unglücklichen erkaufte eine Menge Gefangener. Auch versah er mehrere Kirchen von Rom mit dem nötigen Schmuck. Der Kreuzkapelle gab er ein goldenes Kreuz, das zehn Pfund wog, und in das er ein Stückchen des geheiligten Stammes einfassen ließ, an dem der Welterlöser sein Blut vergoss. Er schenkte der St. Paulskirche ein Ziborium oder einen Tabernakel, auf dem das Bildnis unseres Heilandes und das der zwölf Apostel eingeprägt war. Er war es auch, der, laut des Pontifikals, verordnete, in der Messe an Sonntagen und den Festen der Märtyrer den Hymnus Gloria in excelsis zu singen. Er starb am 19. Juli 514, nachdem er fünfzehn Jahre und acht Monate auf dem römischen Stuhl gesessen hatte.

 

20. Juli

 

Der heilige Hieronymus Ämiliani, Laie und Ordensstifter, Italien,

+ 8.2.1537 - Fest: 20. Juli

 

Die Familie hieß Ämiliani. Da der Name aber den bequemen Leuten zu Venedig viel zu lang war, sagten sie kurzweg Miani.

 

Der Vater Miani war ein hoher Staatsbeamter, angesehen und einflussreich. Ebenso ehrenwert wie der Vater waren auch die Mutter und die Kinder bis auf den Jüngsten, der Hieronymus hieß und der ein Schlingel war, wie er im Buch steht. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, oder er rollt. Dass sich unter den artigen und anständigen Kindern einer Familie ein schwieriges Kind befindet, ist gar nicht so selten. Bei den Miani zu Venedig war es Hieronymus, der weit vom Stamm weg den Berg hinunterrollte.

 

Sehr oft schwänzte Hieronymus die Schule. Wegen seines Jähzorns lag er mit den Geschwistern ständig im Streit. Deshalb fühlte er sich zu Hause auch nie wohl, aber auf der Straße war er der Held, der anerkannte Anführer bei unzähligen Streichen. Die Mutter konnte froh sein, wenn ihr Jüngster abends einmal mit heilen Sachen heimkam. Mahnungen und Warnungen schlug Hieronymus in den Wind, Strafen waren sofort wieder vergessen, die Bitten des Vaters und die Tränen der Mutter ließen ihn kalt, und immer weiter und immer schneller rollte der Apfel den Berg hinunter.

 

Zu allem Unglück starb im Jahre 1496 der Vater. Damit verlor der Fünfzehnjährige den letzten Halt. Wenige Tage nach dem Begräbnis brannte er durch und ging zu den Soldaten. Da war er allerdings am richtigen Platz. Als er bald darauf das erste Pulver gerochen und sich einen Orden verdient hatte, war er mit Haar und Haut dem Militär verfallen. Da jeder weiß, dass es in einer Kaserne anders zugeht als in einem Kloster, kann man sich ausmahlen, dass der Apfel noch weiter und schneller den Berg hinunterrollte. Vielleicht wäre er sogar in den ewigen Abgrund gerollt, wenn ihn die liebe Mutter Gottes nicht aufgefangen hätte.

 

Wie ging das zu?

 

Hieronymus Miani, fünfundzwanzig Jahren bereits Festungskommandant, musste nach langer ruhmreicher Verteidigung, von Hunger gezwungen, kapitulieren. Die Sieger, die wegen der schweren Verluste, die sie bei der Belagerung erlitten hatten, aufs äußerste erbost waren, schmiedeten den gefangenen Kommandanten in Ketten und kerkerten ihn ein mit dem Bemerken, dass er am nächsten Tag als Kriegsverbrecher hingerichtet werde.

 

Wenn sich ein gesunder und starker junger Mensch plötzlich nur noch zwölf Stunden weit vom Tod entfernt sieht, so ist diese Lage sicher dazu geeignet, heilsame Gedanken in ihm wachzurufen. So erging es auch dem leichtsinnigen Hieronymus Miani. Es war nicht der Tod, den er fürchtete, denn so leicht fürchtet ein Soldat den Tod gerade nicht. Was Miani vielmehr in Schrecken setzte, war der Ausblick auf das Gericht der Ewigkeit, das er am nächsten Tag zu bestehen hatte. Denn bei allem Leichtsinn war der junge Mann zum Glück ein gläubiger Christ geblieben. Wie Schuppen fiel es ihm in dieser Nacht von den Augen, und er erkannte, wie schlecht und sündhaft er gelebt hatte. Bohrende Zweifel ängstigten ihn, ob er das Gericht der Ewigkeit, das über Himmel und Hölle entscheidet, wohl bestehen werde.

 

In dieser größten Gefahr ließ die Gnade den reuigen Sünder den richtigen Weg aus der Not finden, denn auf einmal kam ihm der Gedanke, die liebe Mutter Gottes zu bitten, ihn aus den Ketten und aus dem Gefängnis zu befreien. Zum Dank für die Errettung wolle er dann ein besserer Mensch werden.

 

Hieronymus Miani begann zu beten. Mühsam war es erst, denn Wort für Wort musste er sich das Vaterunser und das Ave-Maria wieder zusammensuchen. Aber dann ging es besser. Stunde um Stunde betete der Todgeweihte heiß und innig, bis die liebe Mutter Gottes dem stürmischen Drängen nicht mehr widerstehen konnte. Die Himmelskönigin kam in eigener Person in den Kerker, löste dem Gefangenen die Fesseln und führte ihn ungesehen und unbehindert durch die Wachen in die Freiheit.

 

Hieronymus Miani hat dann auch seinerseits Wort gehalten. Von Stund an ist er ein besserer Mensch geworden. Später empfing er die Priesterweihe und hat an vielen Orten Waisenhäuser eingerichtet. Für die Betreuung der Waisenhäuser hat er einen eigenen Orden gegründet. So wurde Hieronymus Miani zu einem Segen für viele.

 

Was uns im Leben des heiligen Hieronymus Miani wohl am meisten Freude machen muss, ist die Tatsache, dass die liebe Mutter Gottes den rollenden Apfel aufgefangen und ihn den armen Waisenkindern zum Heil und Segen geschenkt hat.

 

21. Juli

 

Der heilige Arbogast, Bischof von Straßburg,

+ 21.7.550 oder 678 ? - Fest: 21. Juli

 

Bei der Stadt Hagenau im Elsass dehnt sich ein großer Wald einige Stunden in die Länge und Breite aus. Er ist weit und breit bekannt unter dem Namen „Hagenauer Forst“. Dort wohnten vor dreizehnhundert Jahren gottselige Einsiedler und unter ihnen auch einer mit Namen Arbogast. Er war aus Aquitanien gebürtig, seine vornehmen reichen Eltern hatten ihm eine gute Erziehung geben lassen, aber diese Erziehung war anders und viel besser ausgefallen, als sie es gewünscht hatten. Die Eltern hätten gern einen wohlgesitteten und wohlunterrichteten Sohn gehabt, der gut in die Welt passe und ihnen vor der Welt alle Ehre mache. Stattdessen bekam Arbogast Abscheu vor der Welt und ihrer Lust und wollte gänzlich der Gottseligkeit leben. Er verließ Eltern und Vaterland, wanderte weit hinweg in den Wald bei Hagenau und führte daselbst ein heiligmäßiges Leben.

 

Arbogast blieb aber hier nicht lange verborgen; sein heiliger Wandel zog viele Leute an, denen ihr Seelenheil ernstlich am Herzen lag und die bei dem gottseligen Einsiedler Unterweisung und Anleitung zur christlichen Vollkommenheit suchten. Der König Dagobert aber war so von Verehrung für Arbogast erfüllt, dass er ihn nötigte, das Bistum von Straßburg zu übernehmen, als Bischof Rothar daselbst gestorben war.

 

Arbogast zeichnete sich in seinem hohen Amt aus durch Demut, Wachsamkeit, Eifer und Liebe, so dass er allen alles wurde, die anvertraute Kirche gottselig regierte, dem König durch Rat, der Geistlichkeit durch Beispiel, dem Volk durch Ermahnungen, den Armen durch reichliche Gaben ein Wohltäter war. Seine Liebe zu einsamer Andacht verblieb ihm aber auch inmitten des tätigen Lebens, das er als Bischof führen musste. Er ließ sich außerhalb der Stadt neben dem Ufer der Ill eine kleine Kapelle bauen; sobald es Abend wurde und er die Geschäfte seines Amtes beendigt hatte, begab er sich dorthin, um im Gebet die Nacht zuzubringen.

 

Gott verherrlichte seinen Diener schon zu dessen Lebzeiten durch verschiedene Wunder; das berühmteste ist aber folgendes: Der einzige Sohn des Königs Dagobert war einmal auf der Jagd. Während nun seine Begleiter mit ihren Hunden sich im Wald zerstreut hatten und der Königssohn allein war, stürzte plötzlich ein Wildschwein hervor. Das Pferd wurde hierdurch scheu und wollte rückwärts davonlaufen, während der junge Mann es mit dem Zaum zurückhalten wollte. Unglücklicherweise bekam er nun das Übergewicht, fiel von dem aufgeschreckten Pferd herab, blieb aber in den Steigbügeln hängen und wurde von dem Pferd elend geschleift und zertreten. Nach langem Suchen fanden ihn endlich die übrigen Jäger in diesem Zustand; mit großem Wehklagen wurde er halbtot nach Hause getragen. Der Ort, an dem dieses Unglück sich ereignete, heißt jetzt noch „Ebersheimmünster“. Später baute man dort ein Kloster und um dasselbe herum entstand ein Städtchen.

 

Als die Nachricht in der königlichen Residenz sich verbreitete, erhob sich ein allgemeines Jammern und Wehklagen. Auch im Land war der Schmerz und das Leid ganz allgemein. Die Vornehmsten des Reiches waren alle miteinander bestürzt und ratlos; denn was soll werden, wenn der König stirbt und kein rechtmäßiger Nachfolger mehr vorhanden ist? Dagobert selbst aber war in Verzweiflung. Man legte den schwerverwundeten Königssohn auf das Bett – am anderen Tag war er eine Leiche. Die Hofleute berieten sich was zu tun sei, um den großen Schmerz des Königs zu mildern; sie gaben ihm den Rat, den Bischof Arbogast, zu dem er sehr viel Liebe und Vertrauen hatte, kommen zu lassen. Dem König gefiel dieser Rat und es wurden sogleich Boten nach Straßburg zu Arbogast gesandt. Die Residenz des Königs war nämlich damals in Kirchheim, nicht weit von dem jetzigen Molsheim.

 

Der heilige Arbogast, durch die Nachricht selbst von schwerem Schmerz ergriffen, machte sich alsbald auf den Weg. Der König, der seinen geistlichen Freund mit Ungeduld erwartete, ging ihm entgegen und brach mit seinen Begleitern in Tränen aus, als er ihn von weitem kommen sah. Sie konnten zuerst vor vielem Weinen einander nicht begrüßen; erst nach einiger Zeit trockneten sie die Augen und küssten einander. Die Königin eilte gleichsam herbei, als sie die Ankunft des heiligen Mannes erfuhr und fiel vor ihm weinend und bittend auf die Knie, wie einst Martha und Maria um den Bruder weinten und flehten. Arbogast richtete sie auf ohne zu fragen was sie wolle; er verstand wohl, was ihr Schluchzen begehre.

 

Der Heilige ging nun voran um zu beten. Ohne Speise oder Trank zu nehmen ging er in die Kirche, übernachtete darin, um den Herrn anzuflehen für den verstorbenen Jüngling. Als morgens die Dämmerung anbrach, ging er langsamen Schrittes in das Zimmer, in dem der Tote lag. Er hieß alle, die daselbst wachten, hinausgehen, kniete nieder und rief die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria an, auf dass sie, die das Leben geboren, dem toten Jüngling das Leben von ihrem Sohn erflehen möge. Wogend zwischen Hoffnung und Furcht erwartete er in standhaftem Gebet die göttliche Hilfe. Der allmächtige und barmherzige Gott ließ aber seinen Diener nicht lange warten. Während Arbogast noch betete, erhob der Junge sein Haupt, wie wenn er aus tiefem Schlaf erwachte. Da der Heilige seine auf Gott gesetzte Hoffnung so herrlich erfüllt sah, ging er mit Freuden an das Lager, richtete den Jungen vollends auf und rief die Dienerschaft, dass sie ihm die Totenkleider ausziehe und ihm seine fürstlichen Kleider wieder bringe.

 

Die, welche gerade in der Nähe waren, konnten sich nicht zurückhalten in lautes Freudengeschrei auszubrechen, sie liefen durch den ganzen Palast des Königs mit Rufen und Jubel. Alles fuhr aus dem Schlaf auf, lief dahin und dorthin und wusste nicht, was dieser große Lärm zu bedeuten habe. Der König selbst, der vor Schmerz fast die ganze Nacht kein Auge zugetan, war eben ein wenig eingeschlafen, als er auch aufgeschreckt wurde durch den Tumult. Er eilte zu dem Zimmer, in dem man die Leiche des Sohnes niedergelegt hatte; denn von dorther hörte man hauptsächlich Reden und Rufen. Es ist unbeschreiblich, wie sein Herz von Freude und seine Augen von Tränen überströmten, als er den wieder zum Leben zurückgekehrt sah, für dessen Leben er gern das seinige hingegeben hätte. Ebenso wurde die herbeigerufene Mutter plötzlich aus dem Abgrund des tiefsten Schmerzes zu dem höchsten Gipfel der Freude gehoben, als sie den geliebten Sohn wieder lebendig sah.

 

Schon aus dieser Erzählung, die aus den ältesten Zeiten überliefert ist, noch mehr aber aus der eigenen Vorstellung mag der Leser einigermaßen empfinden, wie groß die Wonne der Eltern und aller Freunde des königlichen Hauses gewesen sein müsse, als der Sohn in so wunderbarer Weise wieder zum Leben erweckt wurde. Daraus magst du dir aber auch vorstellen, was das für ein unendlich wonnevoller Ostertag sein müsse, wenn bei der Auferstehung alle guten Christen ihre Kinder, ihre Eltern, ihre Ehegatten, ihre Geschwister, ihre Freunde und alle, die ihnen lieb gewesen sind, wieder lebendig finden, frisch und gesund und frei von allem Leid, wie sie noch niemals sonst gewesen sind. Unaufhörlich wird auf Erden um Sterbende und Gestorbene von den Zurückgebliebenen geweint und gejammert, weil unaufhörlich jeden Augenblick auf Erden gestorben wird – aber umso tiefer dieses Meer von Schmerz und Tränen jetzt ist, umso größer und herrlicher und seliger wird der Tag der Auferweckung und des Wiedersehens sein. Zugleich wird aber diese Freude nicht wie jede irdische Freude von Tag zu Tag matter und zuletzt zur Gleichgültigkeit werden, sondern, weil alles in der Ewigkeit in gleicher Stärke ewig verbleibt, so wird die Freude Millionen Jahre nach der Auferstehung noch so stark sein, wie in der ersten Stunde des Wiedersehens. – Aber dies gilt alles nur von solchen Menschen, die in christlicher Liebe und in der Gnade des Herrn gelebt haben und gestorben sind.

 

Der heilige Arbogast wollte nach Straßburg zurückeilen, um den vielen Lobpreisungen in der königlichen Residenz zu entgehen. Der König beriet deshalb sogleich mit seiner Gemahlin, wie sie dem heiligen Bischof, der ihnen eine so wunderbare Gnade von Gott erworben habe, ihren Dank beweisen wollten. Es wurden Gold und Silber und andere Kostbarkeiten aus dem königlichen Schatz herbeigebracht und Arbogast gebeten, solches anzunehmen. Der Heilige nahm aber nichts an, sondern sprach seinen Wunsch aus, der König möchte lieber seinen Dank gegen Gott dadurch betätigen, dass er zur Verherrlichung des Gottesdienstes in dem der Mutter Gottes geweihten Heiligtum zu Straßburg eine Schenkung mache. Das tat auch Dagobert mit Freuden und ließ alsbald eine Schenkungsurkunde ausfertigen, durch die er den Ort Rufach mit allen dazu gehörigen Gütern und Einkünften dem Münster von Straßburg zum Eigentum übergab.

 

Nachdem Arbogast noch einige Jahre außerordentlich segensreich das Bistum verwaltet hatte, fühlte er seinen Tod herannahen. Er traf nun die Anordnung, dass man seinen Leichnam außerhalb der Stadt auf einem Hügel, auf dem die Verbrecher sonst hingerichtet wurden, begrabe. Er wollte nämlich hierin dem Heiland nachahmen, dessen Leichnam auch außerhalb der Stadt beerdigt wurde. Die Demut des Heiligen wurde aber dann um so mehr von Gott und den Menschen geehrt; es geschahen nämlich viele Wunder an seinem Grab, deshalb wurde eine Kapelle dort erbaut, und der heilige Arbogast wird bis auf den heutigen Tag als Patron des Bistums Straßburg verehrt.

 

22. Juli

 

Die heilige Maria Magdalena,

Jüngerin des Herrn und Einsiedlerin bei Marseille,

+ 22.7.80? - Fest: 22. Juli

 

„Drei Heilige sind mir vor allen anderen Lieb: Maria, meine Mutter, Johannes der Täufer und Maria Magdalena“, so sagte einmal der göttliche Heiland zur heiligen Brigitta von Schweden. Alles, was wir aus den heiligen Evangelien über diese drei Heiligen wissen, bestätigt diese Worte des Herrn. Maria wählte er zu seiner irdischen Mutter, zeichnete sie aus mit den größten Gaben und Gnaden in der natürlichen und übernatürlichen Ordnung. Johannes heiligte er vor seiner Geburt und erwählte ihn zu seinem Wegbegleiter und Herold. Maria Magdalena, die heilige Büßerin, machte er zur immerwährenden Verkünderin seiner unendlichen Barmherzigkeit.

 

Was uns die Heilige Schrift über Maria Magdalena erzählt, sind ebenso viele und große Beweise der barmherzigen Liebe des göttlichen Heilandes; dass er sie von sieben bösen Geistern befreite und sie in den Kreis der frommen Frauen aufgenommen wurde, die dem Meister mit ihrem Vermögen dienten (Lk 8,2); dass sie am Ostermorgen sich bei den Frauen befand, die hinausgingen zum Grab des Herrn, und sie den Auferstandenen zuerst sah, wie der heilige Evangelist Johannes so schön erzählt (Joh 20,1-16). Dies sollte wohl eine Belohnung sein, dass sie beim schwersten Leiden des Herrn nicht von seiner Seite gewichen war, sondern mutig und standhaft mit der heiligen Mutter des Herrn und mit dem heiligen Johannes beim Kreuz ausgehalten hatten (Joh 19,25).

 

Der eigentliche Name der Heiligen war Maria; ihr Beiname Magdalena weist hin auf das Städtchen oder Schloss Magdalena an der mittleren Westbucht des Sees Genezareth; sie war dort zu Hause oder das Schloss gehörte ihr; sie hat sich dort vielleicht vor ihrer Bekehrung aufgehalten.

 

Heilige und gelehrte Männer wie Augustinus, Papst Gregor der Große und viele andere sahen in ihr die „Sünderin“, von der der heilige Lukas erzählt, dass sie bei einem Gastmahl die Füße des Herrn gesalbt und mit ihren Tränen benetzte und von ihm die tröstlichen Worte vernahm: „Ihr sind viele Sünden vergeben, weil sie große Liebe hat.“ (Lk 7,36-50) Die heilige Kirche hat dieses Evangelium in die heutige Festmesse aufgenommen, wohl auch ein Fingerzeig für die Richtigkeit der Auffassung, die in Maria Magdalena jene Bußfertige, großmütige Schülerin des Herrn sieht.

 

Viele Erklärer der Heiligen Schrift halten Maria Magdalena für die Schwester des Lazarus und der Martha, die in Bethanien bei Jerusalem ein Haus besaßen, in dem Jesus öfters einkehrte. Dort lauschte sie den Worten des Meisters und salbte ihn im Voraus für sein Begräbnis.

 

Über ihre weiteren Schicksale ist uns nichts Zuverlässiges überliefert. Nach manchen Berichten wäre Magdalena mit der heiligen Mutter des Herrn nach Ephesus gezogen und dort gemartert worden. Von dort seien ihre Reliquien nach Konstantinopel gebracht worden. Nach anderen Angaben aber wäre sie mit ihren Geschwistern Lazarus und Martha wunderbarerweise an die Küste Südfrankreichs gekommen und habe dort in einer Grotte bei Beaume in Buße und Beschaulichkeit bis zu ihrem heiligen Tod gelebt. Jedenfalls wird in Südfrankreich ihr Grab bis zur Gegenwart in hoher Verehrung gehalten.

 

Im Morgen- und Abendland erfreute sich Maria Magdalena beim christlichen Volk allgemeiner und großer Verehrung. Ortschaften, Kirchen, Klöster, Flüsse und Berge tragen ihren Namen; unzählige Male ist ihr Leben in den Werken der christlichen Kunst geschildert worden; überall begegnen wir ihren Bildern; für alle ist sie ein leuchtendes Vorbild wahrer Buße und innigster Liebe zum göttlichen Heiland.

 

Erhebend und trostreich sind die herrlichen Worte, die der heilige Papst Gregor der Große über die Heilige sagt:

 

„An Maria haben wir eine Zeugin der göttlichen Erbarmung, das ist nämlich jene Maria, von der wir sprechen, jene, von der der Pharisäer, während sie die Quelle des Heils abtrocknen wollte, sprach: „Wäre dieser ein Prophet, so wüsste er, dass diese Frau die ihn berührt, eine Sünderin ist.“ Sie aber wusch mit ihren Tränen die Flecken des Herzens und des Leibes ab und berührte die Fußstapfen ihres Erlösers, den sie auf ihrem schlechten Irrweg verlassen hatte. Sie saß zu den Füßen Jesu und vernahm aus seinem Mund das Wort: dem Lebenden hing sie an, den Toten suchte sie auf. Den Lebenden fand sie, den sie als tot suchte. So viel Gnade hat sie bei ihm gefunden, dass sie ihn selbst den Aposteln, seinen Boten verkündigen durfte. Was also sollen wir hierbei betrachten, wenn nicht die unendliche Barmherzigkeit unseres Schöpfers, der uns als Zeichen des Vorbilds der Buße jene hingestellt hat, die er nach dem Fall, vermöge ihrer Buße, zum Leben erweckt hat?“

 

„Denn ich denke an Petrus, ich erinnere mich an den Schächer, ich schaue den Zachäus an und ich betrachte Maria, und ich sehe in diesen allen nichts anderes als die hellstrahlenden Vorbilder der Buße und der Hoffnung vor unsere Augen hingestellt.“

 

„Hat vielleicht jemand am Glauben Schiffbruch gelitten? Der schaue auf Petrus hin, der darüber bitterlich weinte, dass er Jesus dreimal feige verleugnet hat.“

 

„Entbrannte vielleicht einer in der Bosheit des Herzens in grausamer Weise gegen seinen Nächsten, der denke an den Schächer, der selbst im letzten Augenblick seines Lebens noch durch die Buße zum Lohn des ewigen Lebens gelangte.“

 

„Wieder ein anderer hat, von der Wut des Geizes verleitet, fremdes Gut an sich gerissen; der erinnere sich an Zachäus, der, wenn er irgendjemand betrogen hatte, es vierfach wieder ersetzte.“

 

„Hat jemand, von dem Feuer der Sinnlichkeit verleitet, die jungfräuliche Schönheit verloren, der vergesse ja nicht auf Maria Magdalena zu schauen, die durch das helllodernde Feuer der göttlichen Liebe jedes sinnliche Fünkchen in sich vernichtete.“

 

„Sehet, wie der allmächtige Gott unseren Augen überall Beweise seiner Erbarmung in Beispielen vor Augen hält!“

 

„Das Böse soll also schon missfallen, da man es bereits kennt. Der allmächtige Gott vergisst sehr gerne darauf, dass wir schuldvoll gewesen sind; er ist bereit, uns vermöge unserer Buße als schuldlos zu betrachten.“

 

„Lasset uns, befleckt mit Sünden, nach dem Bad des Heils wiederum geboren werden aus dem Wasser der Tränen! Lasset uns nach dem Ausspruch der ersten Hirten wie neugeborene Kinder nach der Milch der Unschuldigen uns sehnen! Kehret, wie kleine Kinder, zum Schoß eurer Mutter, der ewigen Weisheit, zurück; das Verübte beklaget, das, was euch bevorsteht, meidet; unser Heiland wird unseren zeitlichen Quell der Schmerzenstränen mit ewiger Freude trocknen, der mit Gott dem Vater in Einigkeit des Heiligen Geistes als wahrer Gott regiert in Ewigkeit. Amen.“

 

Einmal predigte der Heiland vor dem Volk in Kapharnaum am See Genezareth. Unter den Zuhörern befand sich die Sünderin Maria Magdalena, die damals – wie oben beschrieben – nahebei in einer Villa am See wohnte. Nicht um sich zu bessern, sondern aus reiner Neugierde war sie gekommen, weil sie gehört hatte, dass Jesus ein guter Prediger sei. Wie sie dann aber den Heiland predigen hörte, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen, und mit tiefer Beschämung erkannte sie, wie schlecht sie wegen ihrer Sünden war.

 

Wenn ehedem bei den Juden ein auswärtiger Gesetzeslehrer eine Predigt gehalten hatte, so war es Brauch, dass einer aus dem Synagogenvorstand den Fremdling zum Essen in der offenen Halle seines Hauses einlud. Man setzte sich zu Tisch, und niemand fand es anstößig, dass auch andere kamen oder vom Zaun her zuschauten und zuhörten. So geschah es damals in Kapharnaum ebenfalls. Simon, einer von den Pharisäern, lud den Heiland zum Essen ein.

 

Wenn zu uns ein Gast kommt, so gibt man ihm die Hand, nimmt ihm Hut und Mantel ab, führt ihn ins Zimmer und bittet ihn, sich zu setzen. Jüdische Höflichkeit war anders. Weil man im Morgenland keine Schuhe und Strümpfe trug, sondern stets barfuß in Sandalen ging, konnte es nicht ausbleiben, dass die Füße schmutzig wurden. Deshalb richtete man dem Gast zunächst ein Fußbad her, und dann umarmte und küsste man ihn auf Hand, Stirn und Wangen und besprengte ihn mit wohlriechendem Wasser. So war es bei den Juden Brauch.

 

Damals in Kapharnaum setzte sich Simon jedoch über die Höflichkeitsformen hinweg. Maria Magdalena, die es vom Zaun her beobachtete, war empört über diese Rücksichtslosigkeit, und da sie bei all ihrer Fehlerhaftigkeit doch ein Herz besaß, das jedes Unrecht verabscheute, so lief sie schnell nach Hause und holte in einem Gefäß von kostbarem Alabaster das feinste und teuerste Salböl, das sie hatte.

 

Mit dem Salböl ging sie in den Saal, wo das Festmahl stattfand, kniete sich vor Jesus nieder und weinte. Dann fing sie an, mit Tränen seine Füße zu benetzen, trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes ab, küsste seine Füße und salbte sie mit dem Salböl.

 

Da tuschelten und witzelten die Pharisäer miteinander, und Simon dachte bei sich: „Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, was für eine Frau dies ist, die ihn berührt, dass sie nämlich eine Sünderin ist.“

 

Doch da nahm der Heiland Maria Magdalena vor allen Leuten öffentlich in Schutz und verteidigte sie und sagte zu Simon:

 

„Siehst du diese Frau? Ich kam in dein Haus, und du gabst mir kein Wasser für die Füße, sie aber hat mit ihren Tränen meine Füße benetzt und mit ihren Haaren abgetrocknet. Du gabst mir keinen Kuss, sie aber hat seit meinem Eintritt nicht aufgehört, mir die Füße zu küssen. Du salbtest mein Haupt nicht mit Öl, sie aber hat mir die Füße mit Salböl gewaschen. Deshalb, sage ich dir, sind ihr die vielen Sünden nachgelassen, weil sie eine große Liebe hat.“

 

Still war es bei den Worten des Heilandes im Saal geworden, und dann wandte sich Jesus an Maria Magdalena selbst und gab ihr die Lossprechung, indem er sagte:

 

„Deine Sünden sind dir vergeben.“

 

Eben war Maria Magdalena noch eine Verworfene, jetzt ist sie eine Auserwählte. Eben war sie noch eine Handlangerin des Teufels, jetzt ist sie eine Begnadete, die vom Heiland geliebt wird, weil sie den Heiland liebt. Eben noch war sie auf dem Weg zur Hölle, und nun wird aus ihr eine große Heilige.

 

Von diesem Tag an ist Maria Magdalena dem Heiland unverbrüchlich treu geblieben. Im Verein mit anderen frommen Frauen durfte sie ihm und den Jüngern auf seinen Reisen folgen. Unter dem Kreuz durfte sie, die ehedem eine große Sünderin war, den Ehrenplatz neben der Immakulata einnehmen, und am Ostermorgen hat sie der Heiland dadurch hoch geehrt, dass er ihr nach seiner Auferstehung zuerst erschien und sie mit ihrem Namen anredete.

 

Weil Maria Magdalena den Heiland innig geliebt hat, deshalb sind ihr viele Sünden vergeben worden, und deshalb ist auch ihr, die eine stadtbekannte Sünderin war, eine der größten Heiligen geworden.

 

23. Juli

 

Die heilige Brigitta (Birgitta Birgersdottier), Witwe, Ordensstifterin,

+ 23.7.1373 - Fest: 23. Juli

 

Brigitta Birgers Wiege stand in Schweden, in jenem Land, wo die Sonne im Sommer auch um die Mitternacht noch scheint und wo sich weiße Birken in dunklen Seen spiegeln. Vornehm und reich war die Familie des Kindes und mit dem Königshaus verwandt. Neben dem irdischen Adel zierte noch ein zweiter Adel das Haus, denn Brigittas Eltern waren hochadelige Christen. Besonders dem Vater wird nachgerühmt, dass er ein heiligmäßiges Leben führte.

 

Die Mutter schlummerte schon unter der Erde, und erst neun Jahre zählte Brigitta, als sie an einem Sonntag in der Fastenzeit durch eine Predigt über das bittere Leiden und Sterben des lieben Heilandes bis ins Innerste aufgewühlt wurde, und als sie die folgende Nacht betend durchwachte, nahm das Kreuzbild vor ihr Leben an, und es sprach der Gekreuzigte zu ihr: „Schau, Kind, wie ich verwundet bin!“ Da entsetzte sich Brigitta, und in dem Gedanken, dass die Verletzungen dem Sprecher eben erst zugefügt worden seien, fragte sie voll Mitleid den Dornengekrönten: „Lieber Heiland, wer hat dir das denn angetan?“ Der Gefragte entgegnete: „Diejenigen tun es, die meine Gebote verachten und sündigen.“ So sprach klagend vom Kreuz der Mann der Schmerzen zu dem Kind Brigitta Birger, und man tut gut daran, wenn man sich die schwerwiegenden, aber durchaus eindeutigen Worte merkt: „Diejenigen tun es, die meine Gebote verachten und sündigen.“

 

Auf des Vaters Wunsch verzichtete Brigitta Birger auf den eigenen Wunsch, um Christi willen ehelos zu bleiben, und heiratete jung den jungen Fürsten Ulf Gudmarsson, und weil beide, Ulf und Brigitta, den gleichen Sinn hatten für ein Gott wohlgefälliges Leben, blieb es nicht aus, dass die Ehe gesegnet war, denn unter den acht Kindern, vier Jungen und vier Mädchen, befindet sich eine Tochter, die heute neben der Mutter unter dem Namen Katharina von Schweden ebenfalls als Heilige verehrt wird. Gemeinsam beteten und fasteten die Eheleute und taten den Armen Gutes, und als die Kinder nach Jahren den elterlichen Händen entwuchsen, machten sich Ulf und Brigitta in ihrem frommen Sinn auf die Wallfahrt nach den drei berühmtesten Wallfahrtsorten des Mittelalters, nach Trondheim zum heiligen Olav, nach Köln zu den Heiligen Drei Königen und nach Compostela in Spanien zum heiligen Jakobus. Auf der Rückreise von dort erkrankte Ulf unterwegs auf den Tod und gelobte mit Zustimmung der Gattin, ins Kloster zu gehen, wenn er gesunde, und als er gesund wurde, erfüllte er das Gelöbnis, wurde Mönch und starb vier Jahre später im Ruf der Heiligkeit.

 

So war Brigitta Witwe geworden. Fast die Hälfte des Lebens lag noch vor ihr, und sie heiligte den Witwenstand mit den Werken der Frömmigkeit und der Nächstenliebe und lebte nach der Ermahnung des heiligen Paulus: „Die alleinstehende Witwe vertraue auf Gott und verharre im Beten und Flehen Tag und Nacht.“

 

Brigitta Birger verlebte die erste Zeit des Witwenstandes in der schwedischen Heimat, und Gott nahte sich ihr in gnadenvollen Schauungen, und hellsichtig sah sie die Zukunft voraus.

 

Eine neue Wallfahrt führte die alternde Frau nach Rom, wo sie bis zu ihrem Lebensende blieb und den Armen diente, für schwedische Pilger und Studenten ein Heim errichtete und für den Frieden in der Kirche Gottes betete, litt und sühnte. Hochbetagt ging sie am 23. Juli 1373 ein in den ewigen Frieden.

 

Brigitta Birgers Witwenjahre waren wie der Herbst, der jetzt in der Natur tausendfältige Früchte zeitigt. Himmelsfrüchte, reich und golden, hat die herrliche Frau als Kind, Jungfrau, Gattin, Mutter und Witwe hervorgebracht, und so war ihr Sterbetag ein glorreicher, freudenvoller Erntetag, der kein Ende finden wird.

 

Die heiligen Apollinaris, 1. Bischof und Martyrer von Ravenna,

+ 23.7.75,

und Liborius, Bischof und Bekenner von Le Mans, Frankreich,

+ 23.7.397

Fest: 23. Juli

 

Heute feiert die Kirche das Gedächtnis der beiden Bischöfe Apollinaris und Liborius. Apollinaris lebte im 1. Jahrhundert in Italien, Liborius im 4. Jahrhundert in Frankreich. Doch so zeitfern und landfremd, wie es auf den ersten Blick scheint, sind den Deutschen die beiden heiligen Bischöfe nicht, denn ihre Überreste kamen später in unsere Heimat, die Reliquien des heiligen Apollinaris nach Remagen am Rhein und die des heiligen Liborius nach Paderborn.

 

Der heilige Apollinaris stammte aus Antiochien. Vom heiligen Apostel Petrus wurde er im Glauben unterrichtet, getauft und später zum Priester und zum Bischof geweiht mit dem Auftrag, das Evangelium zu Ravenna, einer Stadt in Norditalien, zu verkünden, und nachdem er erfolgreich das Evangelium verkündet hatte, wurde er im Jahr 75 nach Christi Geburt mit der Siegespalme des Martyriums geschmückt. Sein heiliger Leib, über den die dankbare Nachwelt einen herrlichen Dom errichtete, der heute noch eine Sehenswürdigkeit ist, ruht, wie die Geschichte zu sagen weiß, in der Stadt Classe bei Ravenna.

 

Nach der Legende allerdings kamen die Überreste des Heiligen oder doch Teile davon nach Deutschland. Reinald von Dassel, Erzbischof von Köln und Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation unter Kaiser Friedrich Barbarossa, brachte im Jahr 1164 zugleich mit den Überresten der Heiligen Drei Könige, zu deren Ruhm der Kölner Dom erbaut ist, auch Reliquien des heiligen Apollinaris aus Italien heim. Von Mainz aus ging die Reise zu Schiff den Rhein hinunter, und als man am Morgen des 23. Juni in die Nähe von Remagen gelangte, wurde das Fahrzeug wie von unsichtbaren Gewalten mitten im Strom festgehalten, und es war nicht eher von der Stelle zu bewegen, als bis man die Überreste des heiligen Apollinaris ans Land gebracht und in der dortigen Martinskirche auf dem Berg über der Stadt, der seitdem Apollinarisberg heißt, beigesetzt hatte. Seit jenen Tagen wird in Remagen der heilige Bischof aus dem Süden vom rheinischen Volk verehrt, und Wallfahrer ohne Zahl pilgern von nah und fern herbei, um sich seinem Schutz anzuvertrauen.

 

Wie aber kamen die Reliquien des heiligen Liborius nach Paderborn?

 

Rund fünfzig Jahre zierte Liborius zur Zeit des großen heiligen Martin den Bischofsstuhl zu Le Mans in Frankreich. Er war ein Mann von gottseligem Wandel, ein eifriger Hirte seiner Herde, Freund und Vater aller Armen und Bedrängten. Lang ist die Reihe der Kirchen und Klöster, die er stiftete, und würdig war die Priesterschaft, die er für seinen Sprengel heranbildete. Sankt Martin, sein bester Freund, stand ihm im Sterben bei, hielt ihm die Leichenrede und begrub ihn auch. Das war im Jahr 397, und bald schon geschahen Wunder am Grab des seligen Bischofs, und der letzte Rest der Heiden bekehrte sich zum wahren Glauben, während fern im deutschen Sachsenland noch vierhundert Jahre lang das Heidentum weiterblühte.

 

Als dann im 9. Jahrhundert durch Kaiser Karl den Großen das Bistum Paderborn gegründet wurde, zog von dort eine Gesandtschaft nach Frankreich, um Teile der Reliquien des heiligen Liborius, von dessen Wundern damals die ganze Welt redete, für die Bischofsstadt an der Pader zu erbitten, damit auch im Sachsengau die gleichen Wunder wie im Frankenreich erblühen möchten, denn umso eher würde das Christentum bei den Menschen zwischen Weser und Ems, die einem Auge mehr trauen als zwei Ohren, festen Fuß fassen.

 

Also geschah es. Die Paderborner erhielten die erbetenen Reliquien, die sich bereits auf der Reise und erst recht an ihrem Bestimmungsort, wo sie heute noch in einem Silberschrein ruhen, als wunderkräftig erwiesen, und nicht lange dauerte es mehr, dass Wittekinds Nachkommen samt und sonders Christen waren.

 

Durch den heiligen Apollinaris ist Remagen am Rhein und durch den heiligen Liborius Paderborn zu einem Gnaden- und Segensquell für viele geworden. Es ist also nicht zu leugnen, dass den Überresten der Heiligen eine geheimnisvolle Kraft innewohnt.

 

24. Juli

 

Die heilige Christina, Jungfrau und Martyrin von Tiro, Italien,

+ 24.7.300 - Fest: 24. Juli

 

Christina war in Tyrus, einer ehemaligen Stadt im Toskanischen, geboren. Ihr Vater, Urban, der Stadtvogt und ein eifriger Götzendiener war, verfolgte die Christen auf jede nur mögliche Weise.

 

Christina hatte daher öfters Gelegenheit, in dem Haus ihres Vaters Christen zu sehen, die er vorführen ließ. Die Frömmigkeit, Standhaftigkeit und Sanftmut der Christen machte auf ihr unbefangenes Herz einen tiefen Eindruck. Beim Anblick der Martern, mit denen ihr Vater die Christen oftmals quälen ließ, fühlte sie sich zu ihnen durch die Liebe mächtig hingezogen, und fand Gelegenheit von einigen christlichen Frauen in der Lehre des Heils unterwiesen und zur heiligen Taufe begleitet zu werden.

 

Sie war zu der Zeit ungefähr zwölf Jahre alt und davon fest überzeugt, dass der Gerechte für die Sünder starb und dass sich deswegen „im Namen Jesu die Knie aller beugen sollen, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind, und dass alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters“. Diese Beherzigung entzündete ihre Seele zu einer so eifrigen Gegenliebe, dass sie einmal die silbernen und goldenen Hausgötzen ihres Vaters zerbrach und das Gold und Silber den Armen austeilte.

 

Über diese Entehrung der Götter geriet ihr Vater in großen Zorn und ließ ihr blühendes Angesicht durch Backenstreiche jämmerlich verunstalten. Dann sprach er zu ihr: „Wie ist es denn möglich, dass du unsere Götter so misshandelt hast?“ Christina antwortete: „Es ist nur einer Gott, und den bete ich an. Deine Götter sind nur tote, ohnmächtige Bilder, die dir nicht helfen können.“ Diese Antwort versetzte ihren Vater in eine solche Wut, dass er sie so grausam schlagen ließ, dass das Fleisch stückweise von ihrem Leib fiel. Die heilige Jungfrau, die alles aus Liebe zu ihrem gekreuzigten Heiland litt, war dabei so voller Mut, dass sie mehrere Stücke sammelte und sie dem Vater vorhielt. Urban konnte aber dieses Schreckensbild nicht ertragen und ließ sie in einen Kerker sperren.

 

Inzwischen wandte er alle erdenklichen Mittel, Versprechungen und Drohungen an, um sie wieder von der Liebe zu Jesus abzubringen. Beschämt durch ihr Ausharren und ihre Standhaftigkeit, ließ er sie an ein Rad binden, unter ihr ein großes Feuer anzünden, sie dort mit Öl begießen und sie so am Rad umdrehen. Gott, der sie mit seiner beseligenden Nähe stärkte, machte aber, dass sie die Flamme nicht im Geringsten verletzte, sondern sich auf die Zuschauer verbreitete und von ihnen viele verbrannte. Wie ihre Standhaftigkeit, so war auch dieses Wunder der Gnade an ihrem verhärteten Vater vergeblich. Er ließ sie wieder in den Kerker werfen, und starb selbst bald aus Gram eines schnellen Todes.

 

Über den schnellen unglückseligen Tod des Vaters wurde das Mädchen mehr betrübt, als über alle ihre Qualen, die sie erdulden musste. Denn die Liebe zu Jesus ließ sie das Leiden um seines Namens willen ertragen, und der Herr, der sich diese Kinderseele auserwählt hatte, sandte ihr Engel in den Kerker, die sie mit Himmelstrost erfüllten, ihre Wunden heilten und den scheußlichen Kerker zu einem angenehmen Aufenthaltsort machten. Der Nachfolger des Urbanus, Dion mit Namen, ließ Christina in den Tempel des Apollo führen, um sie zum Götzenopfer zu bewegen. Allein bei ihrem Eintritt in den Tempel stürzte das Götzenbild zu Boden und viele Menschen bekehrten sich bei diesem Anblick. Dion starb auch bei diesem Geschehen eines jähen Todes. Ihm folgte Julianus nach, ein gleicher Eiferer für das Götzentum. Der wandte allerhand Mittel, gute und böse Worte, danach Schlangen, Feuer und andere Qualen an, um sie zu zwingen, den Götzen zu opfern. Da er aber alle seine Bemühungen vergeblich angewandt sah, ließ er sie mit Pfeilen durchschießen, worunter die Heilige betend ihren Geist in die Hände ihres Heilandes übergab, der sich so mächtig an ihr verherrlichte zum Heil vieler anderer um das Jahr 300 während der Verfolgung Diokletians. Christina ist im feierlichen Andenken bei den Griechen und Lateinern. Auch der heilige Hieronymus zählt sie unter die Märtyrer. Ihr heiliger Leib wurde nach Palermo in Sizilien überbracht, wo sie als Schutzpatronin verehrt wird.

 

25. Juli

 

Der heilige Christophorus, Martyrer von Lycien, Kleinasien,

+ 25.7.251 - Fest: 25. Juli

 

Sicher ist es, dass der heilige Christophorus gelebt hat und für Christus gestorben ist. Und wenn auch alles andere, was man von ihm erzählt, nicht sicher ist, so ist es doch schön, und deshalb soll es erzählt werden. Die Legende wird erzählt, weil sie einen tieferen Sinn hat.

 

Im 3. Jahrhundert wurde im Land Kanaan ein Junge geboren, der wuchs und wuchs und wuchs, bis er drei Meter groß war und noch etwas darüber. Wenn er Kirschen pflücken wollte, brauchte er keine Leiter, sondern reichte mit dem ausgestreckten Arm bis in die Krone der Bäume. Dabei war er durchaus nicht mager, sondern von breitem, festem Körperbau. Er hatte tellergroße Fäuste, Arme wie Eichenäste und Muskeln wie von Stahl. Als ihn einmal ein Bär anfiel, drückte er das Tier so fest an die Brust, dass der Bär nicht mehr atmen konnte und schließlich besiegt war. Als das geschehen war, musste sich der Riese allerdings einen Augenblick setzen. Der Schweiß brach ihm von der Anstrengung aus allen Poren. Aber nach fünf Minuten erhob er sich wieder, warf sich den zentnerschweren Bären über die Schultern und trug ihn heim. Wer den Hünen mit der schreckhaften Gestalt zum erstenmal sah, lief vor Angst gleich davon. Und allgemein nannte man den Riesen Reprobus, was auf deutsch Bösewicht heißt. Mit diesem Namen tat man ihm allerdings Unrecht, denn nur von außen sah er gefährlich aus. Innerlich war er ein herzensguter Kerl.

 

Wie die meisten Leute, so hatte auch Reprobus einen Tick. Seine Schrulle bestand darin, dass er nur dem mächtigsten Herrn dienen wollte. Lange suchte er nach ihm, bis er ihn schließlich in einem König gefunden zu haben glaubte. Der König freute sich natürlich darüber, dass Reprobus in seine Dienste trat, denn er ersetzte ihm ein ganzes Regiment Soldaten und entschied jede Schlacht zu seinen Gunsten. So war alles in bester Ordnung, bis eines Tages der König bei dem Namen des Teufels, der im Gespräch fiel, das Kreuzzeichen machte. Sofort fragte Reprobus, was das Zeichen zu bedeuten habe. Der König entgegnete, wenn er das Kreuzzeichen mache, könne ihm der Satan nicht schaden. Über diese Antwort dachte der Riese lange nach und fand schließlich heraus, dass der Teufel wohl stärker sein müsse, weil der König ihn fürchte. Deshalb nahm er seinen Abschied, um den Satan zu suchen und ihm seine Dienste anzubieten.

 

Reprobus machte sich auf den Weg, und bald schon begegnete er dem Teufel. Es war in einer pechschwarzen Nacht, mitten in einem finsteren Wald. Gerade schlug die Uhr mit zwölf Schlägen und kündigte die Geisterstunde an. Da fuhr ein gewaltiger Sturm daher, so dass sich die Bäume bis auf den Boden bogen. Zugleich ritt auf nie gesehenen Tieren, die noch am ehesten riesigen Wildschweinen glichen, ein ganzes Heer von Teufeln heran. Alle saßen rücklings und hielten sich am Schwanz der wilden Schweine fest. Furchtlos ließ Reprobus die Schar rechts und links an sich vorübersausen, bis schließlich auf einem mächtigen Keiler mit gewaltigen Hauern der Oberteufel vor ihm stand, der den Riesen gern in seine Dienste nahm. Sogleich ging die wilde Jagd weiter, doch da erhob sich am Weg ein schlichtes Kreuz. Und als es der Teufel sah, machte er auf der Stelle kehrt und floh, und alle Teufel flohen mit ihm Hals über Kopf davon. Reprobus aber stand allein vor dem Bild unseres Herrn Jesus Christus und wusste nicht, wie ihm geschah.

 

Da kam mit der Morgendämmerung ein Einsiedler daher. Diesem erzählte der Riese das nächtliche Abenteuer und teilte ihm auch seinen Wunsch mit, dass er nur dem Stärksten dienen wolle. Da erklärte ihm der Gottesmann, dass der Gekreuzigte der stärkste von allen sei. Ihm diene man, wenn man ihm in den Mitmenschen gefällig sei. So erhielt der Riese christlichen Unterricht, wurde getauft, und um dem stärksten Herrn Jesus Christus in den Mitmenschen zu dienen, trug er ab jetzt auf seinen breiten Schultern Wanderer über einen brückenlosen Strom.

 

Da weckte ihn in einer Nacht ein kleiner Junge mit der Bitte, dass er ihn hinübertrage. Wie eine Feder so leicht war anfangs das Kind. Aber mit jedem Schritt, den der Riese tat, wurde es schwerer und schwerer, bis der Träger schließlich sagte: „Kind, du bist mir fast zu schwer! Mir ist´s, als läge die ganze Welt auf mir.“ Da antwortete Christus, der das Kind war: „Mehr noch trägst du, denn ich bin der Stärkste, derjenige, der Himmel und Erde erschuf, und weil du mich trägst, sollst du ab jetzt Christophorus, das bedeutet Christusträger, heißen.“

 

Das ist die schöne Legende von dem heiligen Christophorus, dessen Bild man heute in vielen Autos und Flugzeugen findet, denn er ist der Patron der Autofahrer und der Flieger.

 

Der heilige Jakobus der Ältere, Apostel und Martyrer von Jerusalem,

+ 44 - Fest: 25. Juli

 

Der heilige Jakobus war der Sohn des Zebedäus und der Salome und der ältere Bruder des heiligen Evangelisten Johannes. Der Vater betrieb mit seinen Söhnen und einigen Gehilfen eine Fischerei in Bethsaida am See Genezareth in Galiläa, wie es scheint, in Verbindung mit Simon Petrus. Die Mutter war eine nahe Verwandte der heiligen Mutter des Herrn; sie gehörte zu den frommen Frauen, welche sich Jesus in Galiläa angeschlossen, im nach Golgatha folgten, und ihn noch im Grab ehren wollten; so wurde sie Augenzeugin des Leidens und der Auferstehung des Herrn.

 

Ihre Söhne Jakobus und Johannes waren wohl Jünger des heiligen Johannes des Täufers und scheinen durch diesen auf Jesus von Nazareth als den verheißenen Messias aufmerksam geworden zu sein.

 

Nachdem sie bereits Zeugen mehrerer Wunder des Herrn gewesen, waren sie eines Tages mit ihrem Vater am See beschäftigt; da kam Jesus und forderte Petrus auf, die Netze noch einem auszuwerfen; es folgte der wunderbare Fischfang. Jakobus und Johannes halfen mit, die reiche Beute in die Schiffe zu bringen. Da lud nun Jesus zuerst den Petrus und Andreas und dann die beiden Söhne des Zebedäus ein, bei ihm zu bleiben: er werde sie zu Menschenfischern machen. Der heilige Evangelist Matthäus hebt hervor: „Sie aber verließen allsogleich die Netze und ihren Vater und folgten ihm nach.“ (Mt 4,22)

 

Diese großmütige Bereitwilligkeit erwarb ihnen das besondere Wohlgefallen des göttlichen Meisters, der sie dann unter die Zahl der zwölf Apostel aufnahm und ihnen wie dem Simon einen eigenen Namen beilegte. Er nannte sie Boanerges, was der heilige Evangelist Lukas mit „Donnersöhne“ übersetzt. Es sollte damit ihr energischer, feuriger Charakter angedeutet werden, der allerdings noch der Bildung und Mäßigung bedurfte (Lk 3,17).

 

Jakobus und Johannes gehörten zum kleinen Kreis der vertrautesten Apostel des Herrn, die bei drei wichtigen Begebenheiten allein in seiner Gesellschaft bleiben durften. So bei der Erweckung der Tochter des Synagogenvorstehers Jairus (Mk 5,37), dann bei der Verklärung auf dem Berg Tabor (Mt 17,1) und zuletzt auch noch bei seiner Todesangst am Ölberg (Mt 26,37).

 

Jakobus wird dabei in den heiligen Evangelien immer an zweiter Stelle gleich nach Petrus genannt.

 

Er heißt sonst auch Jakobus „der Ältere“ zum Unterschied von dem Apostel desselben Namens, der als „der Jüngere“ bezeichnet wird, weil jener früher als dieser zum Apostelamt berufen wurde und wahrscheinlich auch an Lebensjahren älter war.

 

Auffallend ist die Bitte der Mutter Salome und der beiden Brüder Jakobus und Johannes, dass der Herr ihnen die ersten Plätze zur Rechten und zur Linken verspreche. Ging die Bitte auch aus übergroßer Liebe einer Mutter für ihre Söhne und aus lebendigem Glauben an seine Macht und Gottheit hervor, aus rührender Einfalt und Vertraulichkeit, so war dabei doch auch eine unvollkommene Auffassung des Messiasreiches; deshalb wies sie auch der Heiland zurück, wenn auch mit außerordentlicher Weisheit, Güte und Rücksicht (Mk 10, 35-45; Mt 20,20-28).

 

Von dem heiligen Jakobus sagt uns die Heilige Schrift nicht mehr, als das der König Herodes Agrippa ihn zu Jerusalem mit dem Schwert hinrichten ließ, um sich bei den Juden in Gunst zu setzen (Apg 12,2). Es war um Ostern des Jahres 42, noch ehe er Petrus gefangen nehmen ließ, und scheint anzudeuten, dass der Apostel als Verkünder des Evangeliums eine sehr hervorragende Stellung einnahm. Er war der erste aus dem Apostelkollegium, der sein Leben für den Herrn hingab und so wirklich den Kelch trank, den der Herr vor ihm getrunken hat.

 

Nach alten Berichten heilte Jakobus kurz vorher noch einen Gichtbrüchigen; der Gerichtsdiener aber, der den Apostel zum Tod führte, sei von seiner Standhaftigkeit so gerührt worden, dass er sich selbst als Christen bekannte, Jakobus um Verzeihung bat und mit ihm den Tod erlitt.

 

In Jerusalem befindet sich auf dem Berg Sion eine Jakobskirche, die an der Stelle der Enthauptung des Heiligen erbaut ist.

 

Der Leichnam des Heiligen wurde nach alter Überlieferung nach Spanien gebracht. Compostela in der spanischen Provinz Galicien nimmt die Ehre für sich in Anspruch, die Reliquien des Apostels zu besitzen. Der 25. Juli ist der Tag der Übertragung oder Beisetzung seiner Gebeine.

 

Ob der Heilige in Spanien je gepredigt habe, kann nicht mit Sicherheit entschieden werden. Sicher ist aber die große und allgemeine Verehrung, die der Apostel in Spanien bis zur Gegenwart gefunden hat. Zum Teil ist sie auf den Schutz zurückzuführen, den Spaniens Könige und Volk im Kampf gegen die Mauren durch den heiligen Jakobus erfahren haben. Die prachtvolle Kirche über seinem Grab galt Jahrhunderte mit Rom und Jerusalem als größter und berühmtester Wallfahrtsort der Christenheit. Die Wallfahrt dorthin galt gleich einer Wallfahrt zum Grab der Apostelfürsten oder unseres Herrn. Die Reliquien des Heiligen waren längere Zeit verborgen; im Jahr 1884 wurden sie neuerdings in der Basilika entdeckt und ihre Echtheit durch Papst Leo XIII. am 19. Juli 1884 bestätigt. Aus demselben Anlass gewährte er einen vollkommenen Ablass, den alle Gläubigen unter bestimmten Bedingungen in und außerhalb Compostela gewinnen können.

 

Möge der heilige Apostel, der sich durch großmütige Hingabe an den göttlichen Heiland so sehr ausgezeichnet und für ihn das Martyrium erduldet hat, auch uns Großmut in der Nachfolge des Herrn und Treue bis zum Tod erflehen! In jeder heiligen Messe wird der Name des Heiligen in Ehren genannt.

 

Beten wir mit dem heiligen König Ludwig, der im Angesicht von Tunis mit sterbenden Lippen noch das Kirchengebet zum heiligen Jakobus flüsterte: „Heilige, o Herr, und bewahre dein Volk, damit es, beschirmt durch den mächtigen Schutz deines Apostels Jakobus, durch seinen Wandel dir wohlgefalle und mit ruhigem Gemüt dir dienen möge!“ Durch unseren Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Der heilige Magnerich (Magnerikus), 49. Bischof und Bekenner von Trier,

+ 25.7.596 – Fest: 25. Juli

 

„Freunde in der Not gehen sieben auf ein Lot“ – sagt ein altes und wahres Sprichwort. In guten Tagen finden sich Freunde genug bei reich besetzter Tafel ein, aber in der Bedrängnis ziehen sie sich zurück und wollen von dem Unglücklichen nichts mehr wissen, dem sie so oft Treue geschworen haben. Aber es gibt – Gott sei Dank! – noch immer rühmliche Ausnahmen unter edlen Christen, die, treu wie Gold, den Freund in Not und Elend nicht verlassen. Zu diesen hochherzigen, freundestreuen Menschen gehört der heilige Magnerich.

 

Um die Mitte des sechsten Jahrhunderts zierte den bischöflichen Stuhl zu Trier der heilige Nicetius, der durch seine hohe Gelehrsamkeit, durch Herstellung zerfallener Kirchen, durch Erneuerung der gelockerten Kirchenzucht, durch sein bedeutendes Ansehen und gesegnetes Wirken, sowie durch seine unbeugsame Unerschrockenheit einen solchen Ruhm erwarb, dass ihn der Dichter Venantius Fortunatus in Lobgesängen verherrlichte. Als Nicetius den blutschänderischen König Chlotar mit der Strafe des Kirchenbannes belegte, vertrieb ihn dieser aus dem Land. Die bisherigen Freunde des Bischofs verließen ihn im Unglück, nur Magnerich, ein edler junger Mann, wollte freiwillig mit seinem Bischof in die Verbannung gehen. Nicetius sprach zu ihm: „Willst du nicht lieber mit den anderen halten und dich von mir zurückziehen?“ Magnerich antwortete: „So wahr Gott lebt, ich werde dich nicht verlassen, so lange noch mein Geist in diesen Gliedern bleibt.“ Nicetius lächelte wohlgefällig: „Weil du so redest, so will ich dir auch mitteilen, was mir der Herr geoffenbart hat, nämlich morgen schon werde ich wieder in Amt und Würde eingesetzt, und die mich verlassen haben, werden ihre Zuflucht zu mir nehmen.“ Wirklich brachte in der Frühe des nächsten Morgens ein Bote ein Sendschreiben, worin Sigebert den Tod seines königlichen Vaters Chlotar anzeigte, mit dem Bemerken, dass er die Regierung übernehme und mit Bischof Nicetius in Einigkeit leben wolle.

 

Der heilige Nicetius verzieh großmütig seinen treulosen Freunden, erwählte aber den Magnerich zu seinem treuesten Freund, der alle Lehren und Tugenden des Bischofs annahm. Darum wurde auch nach dem Tod des heiligen Nicetius sein Freund und Schüler Magnerich einstimmig zu dessen Nachfolger erwählt. Über zwanzig Jahre hatte er sein bischöfliches Amt ruhmreich verwaltet und alle Tugenden geübt, wie sie der Apostel Paulus von einem Bischof verlangt.

 

Am königlichen Hof genoss der heilige Bischof Magnerich ein so hohes Ansehen, dass ihn König Childebert zum Taufpaten bei seinem Sohn Theodebert erwählte. Magnerich benutzte die seltene Gunst, um Bedrängten Hilfe zu verschaffen. Als der fromme Bischof Theodor von Marseille verleumderisch des Hochverrats beschuldigt und in die Verbannung geführt wurde, ging Magnerich trotz des strengen königlichen Verbotes zu dem Verbannten aufs Schiff, tröstete und küsste ihn unter Tränen des Mitleids und gab ihm Kleidungsstücke. Dann reiste er nach Koblenz, wo sich der König gerade aufhielt, rechtfertigte den Bischof Theodor und bewirkte seine Freilassung.

 

Da man überall die Güte des edlen Bischofs Magnerich kannte, so nahmen auch Unwürdige seine Hilfe in Anspruch. Ein Edelmann, namens Bozo, war wegen vieler Verbrechen zum Tod verurteilt worden. Um Rettung zu suchen, eilte er zu Magnerich, riegelte die Tür hinter sich zu, zog das Schwert und sprach zu ihm: „Ich weiß, dass du viel beim König vermagst. Hilf mir, dass ich begnadigt werde. Wenn du dich weigerst, kostet es uns beiden das Leben, denn ich werde dich vorerst töten und dann selbst sterben.“ Magnerich sagte: „Was kann ich aber tun, wenn du mich hier zurückhältst? Lass mich gehen. Ich will den König bitten, vielleicht erbarmt er sich.“ Bozo weigerte sich und begehrte, Magnerich solle einen seiner Geistlichen zum König schicken, der in seinem Namen das Anliegen vortragen sollte. Unterdessen hatte eine Schar Bewaffneter das Haus umzingelt, einige Priester brachen die Tür auf und drangen in das Zimmer, um ihren Bischof zu befreien. Bozo fiel unter den Streichen der Soldaten. Gottes Gericht kam der Güte des menschenfreundlichen Bischofs zuvor.

 

Magnerich fuhr fort, die Werke der leiblichen und geistigen Barmherzigkeit zu üben, an seiner eigenen Heiligung zu arbeiten und die ihm anvertrauten Seelen durch Lehre und Beispiel für den Himmel zu erziehen. Reich an Tugenden und Verdiensten, wohlgefällig vor Gott und den Menschen, starb er im hohen Alter, wurde in der Kirche des heiligen Martin zu Trier beerdigt und wegen der vielen Wunder, die ihn schon auf Erden auszeichneten und nach seinem Tod auf seine Fürbitte geschahen, vom gläubigen Volk hochverehrt.

 

26. Juli

 

Hl. Anna und hl. Joachim, Eltern der Gottesmutter Maria,

+ 1. Jahrhundert - Fest: 26. Juli

 

Die Eltern Marias (die Großeltern Jesu) werden im Neuen Testament nicht erwähnt (auch nicht im Stammbaum Jesu: Mt 1; Lk 3). Die Namen Anna und Joachim werden zum ersten Mal gegen Ende des zweiten Jahrhunderts n. Chr. in einer Schrift genannt, die vor allem der Verehrung Marias dienen will. Der Name Anna (Hanna) erinnert an die Mutter Samuels (1 Sam 1), die von ihrem Mann geliebte und von Gott begnadete Frau. Die Verehrung der heiligen Mutter Anna hat sich in der abendländischen Kirche vor allem seit dem 10. Jahrhundert ausgebreitet, die des heiligen Joachim seit dem 16. Jahrhundert. Erst das neue römische Missale feiert die Erinnerung an beide gemeinsam am 26. Juli (früher: Joachim am 16. August, Anna am 26. Juli).

 

Die heilige Anna

 

Hochfeierlich ist der heutige Tag.

 

Schon die Eingangsworte der heiligen Messe sind nicht alltäglich, sondern von jener stimmungsvollen Art, wie wir sie nur selten finden: „Lasst uns im Herrn frohlocken, da wir den Tag der heiligen Anna begehen, an deren Fest sich die Engel freuen und Gottes Sohn lobpreisen.“ Noch feierlicher klingt es bei der Opferung: „Dein Ehrengeleit bilden Königstöchter, und an deine Rechte tritt die Königin (Maria) in goldenem Gewand, mit Glanz und Pracht umhüllt.“ Schließlich heißt es bei der Kommunion: „Gott hat auf ewig dich gesegnet für ewige Ewigkeiten.“

 

So hochfeierlich feiert die Kirche den heutigen Tag, und es geschieht mit Recht, denn die heilige Anna ist die Mutter der allerseligsten Jungfrau und daher auch die Großmutter des lieben Heilandes. Das ist eine Doppelwürde, so hoch und hehr, dass sie die Herrlichkeit aller Königinnen weit überstrahlt, und wenn uns die Gottesmutter lieb und teuer ist, weil sie uns den Heiland gebracht hat, dann müssen wir auch die heilige Anna gern haben, denn sie hat uns das holde Kind Maria geschenkt.

 

Die heilige Anna wurde zu Bethlehem geboren. In ihrem vierundzwanzigsten Lebensjahr heiratete sie einen Grundbesitzer mit Namen Joachim, der aus dem königlichen Geschlecht Davids stammte, und zog mit ihm auf sein Landgut in Nazareth. Beide waren glücklich miteinander, lebten fromm und gottesfürchtig und taten den Armen Gutes. Trotzdem kam schweres Leid über Joachim und Anna, denn die Wiege, die sie kurz nach der Hochzeit angeschafft hatten, blieb leer, und ein Kindlein ward ihnen nicht geschenkt, wie sehr sie sich auch danach sehnten und wie innig sie auch darum beteten. Jahr um Jahr verging, und immer geringer wurde die Hoffnung, dass der Herzenswunsch der beiden in Erfüllung gehe, trotz aller Almosen, aller Gebete, aller Wallfahrten und aller Tränen. Das war ein schweres Leid.

 

Es sollte noch ärger kommen, denn als einmal Joachim, während er im Tempel zu Jerusalem opferte, wegen seiner Kinderlosigkeit in böser Weise zurückgesetzt wurde, nahm sich der Geschmähte dieses Unrecht so zu Herzen, dass er wie närrisch wurde, von Zuhause fortlief und in die Einöde ging und nicht mehr essen und trinken wollte, vierzig Tage lang.

 

Auch Sankt Anna hat geklagt, bitter und gramvoll, bis der Himmel sich erbarmte und ihr zwanzigjähriges Gebet erhörte; denn ein Engel trat zu ihr und sagte:

 

„Anna, Anna, erhört hat Gott dein Flehen, denn du sollst eine Tochter gebären, die gebenedeit sein wird im Himmel und auf Erden von nun an bis in Ewigkeit.“

 

Darauf entgegnete Anna in überreicher Freude:

 

„Wenn es so ist, dann soll das Mägdlein auch dem Herrn geweiht sein alle Tage seines Lebens.“

 

Nachdem Anna die Worte gesprochen hatte, schied der Engel von ihr. Joachim, dem eine gleiche Botschaft zuteil geworden war, kehrte heim, und beide freuten sich in großer Freude gar sehr, alle Tage von neuem, bis endlich am 8. September das Kindlein geboren wurde, dem sie den Namen Maria gaben. Über die Maßen groß war die Freude; denn es war dieses Mägdlein, dem Anna das Leben schenkte, die Gebenedeite unter den Frauen, die Mutter der Barmherzigkeit, die unser Leben, unsere Wonne, unsere Hoffnung und die Himmelskönigin ist, Maria hochgelobt in Ewigkeit.

 

Drei Jahre behielten Joachim und Anna das Kind bei sich, dann opferten sie es dem Versprechen gemäß dem Herrn im Tempel.

 

Während Joachim vier Jahre nach der Geburt des Gnadenkindes starb, erlebte Anna es noch, dass sie Gottesmutter wurde und ihren Enkel, den lieben Heiland, an ihr Herz drücken durfte. Hochbetagt ging sie in den Frieden des Herrn ein und lebt doch ewig weiter in der Liebe aller Gottes- und Marienkinder, denn sie war es, die uns durch Maria auch das göttliche Kind geschenkt hat.

 

Die christliche Kunst stellt Anna als eine fromme, würdige Mutter dar, die ihrem Töchterlein aus einem offenen Buch oder einer Schriftrolle Unterricht über Gott erteilt. Der heilige Joachim, eine ernste Gestalt, steht auf manchen Bildern etwas weiter zurück und schaut schützend und sinnend auf Mutter und Kind, den größten Schatz, den der Himmel ihm anvertraut. Eine heilige Familie!

 

Andere Bilder zeigen Anna, Maria und das Jesuskind. Sie werden „Selbdritt“ genannt oder die „drei heiligsten Personen“.

 

Ein berühmter Prediger, der im 9. Jahrhundert in Konstantinopel lebte, sagte einmal: „Zu eurem Lob, Joachim und Anna, genügt, dass ihr der Mutter Gottes das Leben gegeben habt.“

 

Diese Tatsache allein ist der Grund, dass die heilige Anna eine so hohe und allgemeine Verehrung gefunden hat, dass die heiligen Väter unserer Kirche, besonders die des Morgenlandes, sie in den herrlichsten und innigsten Worten gepriesen haben. Die abendländischen Schriftsteller kamen denen des Orients nach, und bald war die Verehrung der Heiligen im Abendland ebenso ausgedehnt und innig wie die im Osten.

 

In der Zeit von den Kreuzzügen bis zum 15. Jahrhundert entstanden viele Kirchen, Kapellen und Klöster zu ihrer Ehre. Es bildeten sich Bruderschaften, fromme Stiftungen, Wallfahrten unter ihrem Namen. Städte und Berge, Glocken und Kelche wurden ihr geweiht; allüberall begegneten einem ihre Bilder und Statuen. Berühmte Stifte und Städte bemühten sich um ihre Reliquien. Spanien, England, Frankreich, Deutschland, Italien wetteiferten in ihrer Verehrung.

 

Im Jahr 1378 ermahnte Papst Urban VI. die Erzbischöfe und Bischöfe Englands, die dort übliche Feier der heiligen Anna aufrechtzuerhalten.

 

In Spanien war es eine Schülerin der heiligen Theresia, Schwester Anna vom heiligen Augustin, welche die Verehrung der heiligen Anna förderte.

 

In Italien und Sizilien tat dies der Minorit Innozenz von Clusa; wegen seiner zärtlichen Andacht zur Mutter Mariens wurde er „Innozenz von der heiligen Anna“ genannt und wirkte durch ihre Vermittlung viele Wunder.

 

Einer der durch sie Geretteten war Papst Gregor XV. Als er tödlich erkrankt war und die Ärzte ihn bereits aufgegeben hatten, kündigte ihm Innozenz die Genesung durch den Schutz der eiligen Anna an. Zum Dank dafür verordnete der Genesene im Jahr 1622, dass das Fest der Heiligen fortan jährlich am 26. Juli in der ganzen Kirche gefeiert werden sollte.

 

In Deutschland stritten lange Zeit die Stadt Düren in der Rheinprovinz und Mainz um den Besitz einer Reliquie der heiligen Anna, bis endlich Papst Julius II. entschied, dass Düren im Besitz der Reliquie verbleibe.

 

Selbst die Glaubensspaltung des 16. Jahrhunderts konnte die Verehrung der Heiligen nicht ganz zerstören, wenn sie auch in manchen Gegenden nicht mehr so wie früher blühte.

 

Noch immer sieht das katholische Volk in der heiligen Anna ein herrliches Vorbild der Mütterlichkeit. In einer Zeit, wo das Familienleben überall in Auflösung begriffen ist, wo die Religion ihren Einfluss verloren hat, verkündet Sankt Anna den Wert und die Würde der Mutter und lehrt, den Beruf der Mutter nicht als Last, sondern als Weihe und Auszeichnung zu empfinden und großmütig die Opfer desselben auf sich zu nehmen. Zahllose christliche Frauen und Mütter schauen mit Recht voll Vertrauen und Bewunderung zu derjenigen auf, die gewürdigt ward, der seligsten Jungfrau und Gottesmutter das Leben zu geben, ihr Lehrerin und Erzieherin zu sein; sie erwarten Gnade von ihr, Segen und Hilfe in ihrem schweren, aber erhabenen Beruf.

 

In dankbarer Freude werden die christlichen Frauen und Mütter mit der ganzen Kirche beten: „O Gott, du hast dich gewürdigt, der heiligen Anna die Gnade zu verleihen, der Mutter deines eingeborenen Sohnes das Leben zu schenken; gewähre uns gnädig, die wir ihr Fest begehen, dass wir durch ihre Fürsprache bei dir Hilfe finden. Amen.“

 

Der heilige Joachim

 

Während die Kirche das Fest der heiligen Anna, der Mutter der allerseligsten Jungfrau, wie es schon lange allgemein Brauch war, an ihrem Sterbetag, dem 26. Juli, beging, feierte sie früher das Gedächtnis des heiligen Joachim, ihres Vaters, dessen Sterbetag man nicht kennt, schön und sinnvoll am Tag nach Mariä Himmelfahrt, am 16. August.

 

Der heilige Joachim, der in Nazareth lebte, war ein Nachkomme des Königs David und entstammte somit jenem Geschlecht, dem die Verheißung gegeben war, dass aus ihm der Erlöser sollte geboren werden. Es war ein Doppeladel ohnegleichen, und zu dem zweifachen Adel des Blutes und der Verheißung gesellte sich bei Joachim auch noch der Adel der Seele, denn mit der Gattin Anna lebte er fromm und gottesfürchtig, und beide waren überaus mildtätig. Was ihnen die Felder und die Weiden einbrachten, teilten sie alljährlich gewissenhaft in drei Teile. Den ersten Teil schenkten sie als Opfer dem Tempel in Jerusalem, der zweite Teil gehörte den Armen, und von dem Rest lebten sie selbst. Joachim und Anna hatten also ein gutes Herz, und nicht anders konnte es wohl sein, denn sie waren doch die Eltern jener, die nächst dem Heiland das allerbeste Herz besaß, das je in eines Menschen Brust geschlagen hat.

 

Wer anderen wohltut, sagt das Sprichwort, macht sich Gott zum Schuldner, und Gott zahlt die höchsten Zinsen. Auch Joachim hat diese Tatsache an sich erfahren. Zwar ist er nicht ohne Leid durch das Leben gegangen, denn Leid bleibt nach Gottes weiser Anordnung keinem Menschen erspart, aber am Ende ist Joachim für sein Wohltun von Gott über die Maßen belohnt worden.

 

Das Leid, das Joachim mit der Gattin Anna zu tragen hatte, bestand darin, dass die beiden kinderlos blieben. Das wurde damals als Schande angesehen, und als Joachim einst im Tempel opfern wollte, wies man ihn zurück, weil er nach damaliger Ansicht als kinderloser Mann unter dem Fluch Gottes stehe.

 

Das war arg und tat so weh, dass der Geschmähte sich in die Wüste verkroch und Gott unaufhörlich bestürmte, bis ihm ebenso wie seiner Gattin ein Engel erschien und ihm sagte, dass sein Flehen Erhörung gefunden habe und dass der Himmel ihm ein Kind bescheren werde, das gebenedeit sollte sein auf dem ganzen Erdkreis bis in die fernsten Zeiten.

 

Da ging Joachim getröstet heim, und als er sich dem Haus näherte, lief ihm Anna entgegen und rief ihm schon von weitem freudestrahlend zu:

 

„Nun weiß ich, dass Gott der Herr uns überreich gesegnet hat.“

 

Am 8. September wurde dann das Kind geboren. Nie hat es Eltern gegeben, die solch ein Gnadenkind ihr eigen nannten, wie es Joachim und Anna in Maria besaßen.

 

Der 8. September soll in jenem Jahr, in dem Maria geboren wurde, ein Samstag gewesen sein. Deswegen ziemt es sich also, dass wir Maria, wenn wir sie auch alle Tage loben, doch vorzugsweise am Samstag verehren.

 

Auf Bildern wird der heilige Joachim mit einer weißen Taube in der Hand dargestellt. Wen die weiße Taube versinnbildet, braucht nicht gesagt zu werden.

 

Gut zweitausend Jahre vorher hatte Gott durch ein furchtbares Strafgericht die lasterhaften Menschen der Frühzeit vernichtet. Nur Noah und die Seinen waren in der Arche vor dem Verderben bewahrt geblieben. Als dann die Wassermassen der Sintflut zurückgingen, sandte Noah eine Taube aus, die mit einem grünen Ölzweig im Schnabel heimkehrte. Daran erkannten diejenigen, die in der Arche waren, dass das Strafgericht vorüber war und dass wieder Friede sei zwischen Himmel und Erde.

 

Noah ist ein Sinnbild Joachims und Noahs Taube ein Vorbild von Joachims Tochter Maria, die den Menschen durch den Heiland, den sie uns brachte, den immerwährenden Frieden mit Gott schenkte.

 

Der heilige Joachim gehört also zu jenen großen Heiligen, die Gott mehr nach ihrem Tod der Welt bekannt machen wollte als zu ihren Lebzeiten.

 

Im 6. Jahrhundert fing man an, das Gedächtnis des Heiligen kirchlich zu feiern, zuerst im Morgenland, bald auch im Abendland, immer in Verbindung mit der heiligen Anna und zwar am 9. September, nachdem man tags zuvor die Geburt der seligsten Jungfrau festlich begangen hat, oder, wie oben gesagt, am 26. Juli oder am 9. Dezember. Gegen das Jahr 1510 verordnete Papst Julius II., dass der 20. März als Tag des heiligen Joachim zu gelten habe. Klemens XII. verlegte das Fest 1738 auf den Sonntag nach Mariä Himmelfahrt. Papst Leo XIII., der selbst in der Taufe den Namen Joachim erhalten hatte, erhöhte am 1. August 1879 den Rang des Festes seines erhabenen Patrons gleich dem der heiligen Anna.

 

In dem päpstlichen Dekret heißt es: „Jesus Sirach lehrt, dass man diejenigen loben soll, aus denen eine glorreiche Nachkommenschaft entsprossen ist. (44,1) Demnach muss man eine ganz besondere Verehrung dem heiligen Joachim und der heiligen Anna zollen, weil sie, denen die unbefleckte Jungfrau und Gottesmutter entsprossen ist, darum über allen glorreich sind. Da nun die göttliche Barmherzigkeit es gefügt, dass in unseren unglücklichen Zeiten die der allerseligsten Jungfrau gezollten Ehren und ihr Kultus im Einklang mit den wachsenden Bedürfnissen des christlichen Volkes einen neuen Aufschwung genommen haben, so musste dieser neue Glanz und diese neue Glorie, womit ihre glückselige Tochter umgeben wird, auf ihre glücklichen Eltern zurückstrahlen. Konnte doch ihre dadurch vergrößerte Verehrung bewirken, dass die Kirche in noch erhöhtem Maße ihre Hilfe erfahre.“

 

Durch die Erhöhung dieses Festes ging der Wunsch einer großen Verehrerin des heiligen Joachim in Erfüllung, der seligen Kreszentia von Kaufbeuren, die sich um einen höheren Rang seines Tages bemüht hatte.

 

Papst Leo XIII. ließ sich stets die Verehrung seines heiligen Namenspatrons sehr am Herzen gelegen sein. Deshalb wurde seinen Wünschen entsprechend zu seinem goldenen Priesterjubiläum aus den Gaben der ganzen katholischen Welt in einem äußeren Stadtteil Roms eine herrliche St.-Joachims-Kirche (San Gioacchino) von 1891-1893 erbaut, ein unvergleichliches Kleinod an Schönheit und ein unvergängliches Denkmal der Liebe des Heiligen Vaters zu seinem erlauchten Patron.

 

Sein Nachfolger, Papst Pius X., bestimmte den 16. August als Fest des Vaters der seligsten Jungfrau.

 

Der heilige Epiphanius, Bischof von Salamis auf Cypern, sagt: „Von der Wurzel Jesse ist ausgegangen König David und vom Stamm des Königs David die heilige Jungfrau, ich sage die „heilige“, die Tochter heiliger Menschen, deren Eltern Joachim und Anna waren. Diese haben in ihrem Leben Gott gefallen und haben eine solche Tochter gehabt, die heilige Jungfrau Maria, die zugleich Tempel und Mutter Gottes war. Joachim, Anna und Maria, diese drei brachten öffentlich der Dreieinigkeit das Opfer des Lobes. Der Name Joachim bedeutet „Vorbereitung des Herrn“, weil aus ihm vorbereitet wurde der Tempel des Herrn, nämlich die heiligste Jungfrau. Anna hinwieder wird ähnlich als Gnade erklärt deshalb, weil Joachim und Anna Gnade erhalten haben, indem sie durch ihre Gebete ein solches Kind erhielten; denn Joachim betete auf dem Berg und Anna in ihrem Garten.“

 

Die heilige Kirche hat gewiss recht, uns zur Verehrung dieser heiligen Eltern zu ermahnen. Wie sie am 26. Juli seit alter Zeit besonders der heiligen Mutter Anna gedachte, so feiert sie heute am gleichen Tag den heiligen Joachim und stellt ihn wegen seiner Tugenden als Vorbild für uns alle auf, besonders aber für die christlichen Männer und Väter. Wer wie Joachim heilig zu leben strebt, auf dem ruht Gottes Segen, und ein solcher Mensch ist in Ehren bei Gott und den Menschen, bei Mit- und Nachwelt.

 

27. Juli

 

Der selige Berthold, Abt und Bekenner von Steyergarsten,

+ 27.7.1142 - Fest: 27. Juli

 

An dem linken Ufer der Enns in der Nähe der Stadt Steyr in Oberösterreich liegt die herrliche Klosterkirche von Garsten. Einst ein angesehenes Benediktinerstift, dienen die ausgedehnten Klostergebäude seit 1787 profanen Zwecken. Trotz dieses Verfalls und vielfacher Änderungen im Lauf der Zeiten lebt in Oberösterreich das Andenken an den ersten Abt des Stiftes, den seligen Berthold, fort. Auf Bitten des ehrwürdigen Dieners Gottes Franz Josef Rudigier, Bischof von Linz, hat der Apostolische Stuhl am 30. August des Jahres 1883 die Feier des Festes des seligen Abtes Berthold für die Diözese Linz für den heutigen Tag gestattet.

 

Berthold oder Berchtold, das heißt „der glänzend Herrschende“, stammte aus dem Geschlecht der Grafen von Bogen in Niederbayern und ward um das Jahr 1090 geboren. Er wurde in den Benediktinerstiften Admont in Steiermark und St. Blasien im Schwarzwald erzogen und wurde im letzteren selbst Mönch.

 

Der junge Ordensmann zeichnete sich bald so sehr durch Tugenden aus, dass er zum Prior ernannt wurde; später wurde er in das Stift Göttweig in Niederösterreich als Nachfolger des seligen Wirnto berufen, und im Jahr 1111 zum ersten Abt des Stiftes Garsten gewählt. Dieses hatte 1080 Markgraf Ottokar III. von Stermark gegründet und 1108 den Benediktinern von Göttweig übergeben.

 

Berthold war seinen Mönchen als Abt wirklich das, was sein Name sagt, ein Vater und Meister, Vater durch unbegrenzte Liebe, der den Seinen in allem mit schönstem beispiel voranging, ein Meister, der genau für Einhaltung der klösterlichen Zucht sorgte, wie er sie in St. Blasien gelernt hatte.

 

Für sich lebte der Abt streng und begnügte sich mit dem geringsten Maß von Speise und Trank und Ruhe und verzichtete auf alle Bequemlichkeit. So viel es möglich war, oblag er geistlichen Betrachtungen und Studien und der Sorge für seine Untergebenen und die vielen Leute, die um Rat und Hilfe von allen Seiten zu ihm kamen.

 

Voll Eifer für das Heil der Seelen, brachte er gar viel Zeit im Beichtstuhl zu, so dass seine Untergebenen manchmal darüber klagten. Als Beichtvater genoss er bald einen solchen Ruf, dass unzählige von allen Seiten, Arme und Hohe, das einfache Landvolk und vornehme Herrschaften, zu ihm kamen, um bei ihm Trost zu suchen und zu finden. Kaiser Konrad III. wählte den frommen und klugen Mann zum Beichtvater. Markgraf Leopold der Heilige benützte seine Vermittlung in einer wichtigen Angelegenheit.

 

Da das Stift wegen des guten Geistes, der in ihm herrschte, bald bekannt wurde, mehrte sich von Jahr zu Jahr die Zahl derer, die um Aufnahme baten. Aber so groß auch die Zahl der Diener Gottes wurde, so hatten sie doch nie einen Mangel. Dafür sorgte ihr geistlicher Vater, der Abt.

 

Auch Arme und Gäste fanden immer liebevolle Aufnahme. Dem Erzbischof Konrad von Salzburg, der vor Kaiser Heinrich V. fliehen musste, gewährte Berthold in seinem Kloster ein Asyl. Aus Dankbarkeit und Verehrung für den vortrefflichen Abt, der vor allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchte, kamen viele Reiche und Wohlhabende dem Stift durch bedeutende Schenkungen und Vermächtnisse zu Hilfe.

 

Streng sah Berthold darauf, dass nichts auf unrechtmäßige Weise erworben wurde; wo er das vermutete, ließ er die Schätze lieber in die Enns werfen, als dass er ungerechtes Gut unter seinem Dach geduldet hätte.

 

Gott selbst half oft mit Wundern, die auf das Gebet des heiligen Abtes geschahen. So vermehrte er den Vorrat an Brot und Fischen, mit denen viele Gäste gesättigt werden sollten. Unzählige Kranke und vom bösen Geist Gepeinigte heilte er durch sein Gebet und das Zeichen des heiligen Kreuzes. Er erkannte das Innere fremder Menschen und sagte kommende Ereignisse voraus.

 

So leitete der Abt in Heiligkeit und Weisheit durch 30 Jahre seine Ordensfamilie; sie und die ganze Umgebung von Garsten betrachteten und verehrten ihn wie ihren geistlichen Vater, Wohltäter und Führer und liebten und schätzten ihn über alles.

 

Als im Jahr 1142 Nachricht vom Stift Admont kam, sich dorthin zum Begräbnis des Abtes Godefried zu begeben, sagte Abt Berthold zu den Boten: „Kehret um; euer Herr befindet sich wieder besser und wird genesen. Aber saget ihm, wenn Botschaft von mir kommt, soll er nicht zögern, zu mir zu kommen.“ Abt Godefried war wirklich genesen; Berthold aber musste sich todkrank zu Bett legen. Er hörte noch die Bekenntnisse der Seinen, gab ihnen rührende Ermahnungen, empfahl ihnen seinen Kaplan Eberhard als Nachfolger und betete mit ihnen die Litanei, bis er seine reine Seele aushauchte; es war am Fest des heiligen Pantaleon, dem heutigen Tag. Abt Godefried geleitete ihn zur letzten Ruhe.

 

Viele Wunder verherrlichten Bertholds Andenken; Prozessionen kamen an sein Grab, dem Mann Gottes, der im Leben so mitleidig und liebevoll gewesen, sich zu empfehlen. Mancherlei Schicksale kamen über sein Stift; wurde es auch durch die unglückseligen Klosteraufhebungen Kaiser Josef II. seinem ursprünglichen Zweck entzogen, Kirche und Gebäude blieben erhalten und das Andenken an den edlen ersten Abt ist im oberösterreichischen Land nicht erloschen. Es erfüllte sich an ihm die Worte des Heiligen Geistes: „Geliebt ward er von Gott und den Menschen; sein Andenken ist ein Segen; er hat ihn wie einen Heiligen verherrlicht, ihn groß gemacht zum Schrecken der Feinde, und ließ auf sein Wort große Plagen aufhören. Er verherrlichte ihn vor Königen, gab ihm Befehle an sein Volk und zeigte ihm seine Herrlichkeit. Um seiner Treue und Sanftmut willen heiligte er ihn und erwählte ihn vor allem Fleisch... Er gab ihm selber die Gebote und das Gesetz des Lebens und der Zucht.“ (Jesus Sirach 45,1-6)

 

Der heilige Benno II., Bischof und Bekenner von Osnabrück,

+ 27.7.1088 – Fest: 27. Juli

 

Unter den Bischöfen von Osnabrück ragt der heilige Benno durch hohen Glanz der Heiligkeit hervor. Er wurde geboren zu Lüningen in Schwaben. Seine Eltern zeichneten sich durch Unbescholtenheit des Lebens und durch Liebe zur Religion aus. Da sie lange der Nachkommenschaft entbehrten, unternahmen sie eine Wallfahrt nach Rom, um von Gott einen Sohn zu erbitten. Gott erhörte ihr demütiges Flehen und schenkte ihnen einen Sohn, den sie Benno nannten und ihrem Gelübde gemäß dem Dienst Gottes weihten. Deshalb übergaben sie ihn dem berühmten Geschichtsschreiber Hermann dem Lahmen zu Straßburg zur Erziehung. Bei ihm machte Benno solche Fortschritte in den Wissenschaften und übertraf seine Mitschüler so sehr in leichter Auffassung, an Geist und Wissenschaft, dass vornehme Männer, insbesondere der Bischof von Straßburg, auf ihn aufmerksam wurden. Dieser nahm ihn auf einer Reise in das Heilige Land als Begleiter mit.

 

Als Benno von Palästina zurückgekehrt war, begab er sich nach Speier, wo zu jener Zeit die Wissenschaften in schönster Blüte standen, und sammelte sich dort einen großen Schatz von Gelehrsamkeit. Er folgte dann dem Ruf des Kaisers Heinrich III. nach Goslar und bald wurden seine außerordentlichen Kenntnisse so bekannt, dass viele Fürsten sich bestrebten, ihn für ihr Land zu gewinnen. In diesem Wettstreit siegte Ezelin, der Bischof von Hildesheim, der ihn mit großen Versprechungen bewog, das Amt des ersten Leiters an der Domschule zu Hildesheim zu übernehmen. Dieses Amt verwaltete er mit solcher Umsicht und Pflichttreue, dass diese Schule in ganz Deutschland einen hohen Ruf erlangte. Außerdem bediente sich Ezelin des Rates von Benno in allen wichtigen Angelegenheiten und vertraute ihm Gesandtschaftsdienste an. Nachdem er mit Ezelin von einem Feldzug zurückgekehrt war, den Kaiser Heinrich III. gegen die Ungarn unternommen hatte, wurde er Dompropst zu Hildesheim und Erzpriester zu Goslar, und zeichnete sich durch Klugheit und Frömmigkeit so vorteilhaft aus, dass nach dem Tod des Bischofs Benno I. von Osnabrück der Kaiser kein Bedenken trug, ihn im Jahr 1067 zu dessen Nachfolger zu ernennen.

 

Am ersten Tag des folgenden Jahres wurde er als Benno II. vom heiligen Erzbischof Anno zu Köln unter feierlichen Zeremonien zu Bischof geweiht. Von da reiste er nach Osnabrück und sorgte mit großem Seeleneifer für das Heil seiner Diözese, er streute den Samen des göttlichen Wortes unter das Volk, eiferte für die guten Sitten seiner Untergebenen, und übte alle seine Pflichten mit solcher Herablassung und solcher Güte, dass er sich und allen nützlich wurde und hohes Ansehen genoss. Durch unwegsame Sümpfe, deren es in jener Gegend viele gibt, ließ er für die Reisenden trockene und ebene Wege anlegen, auf dem Platz der alten Feste Iburg, die zur Zeit Karls des Großen zerstört war, errichtete er ein Benediktinerkloster, stattete es mit vielen Gütern aus, und tat noch viel anderes Gutes, um das Heil seiner Diözese zu fördern. Bis zu seinem Ende lebte er wie die Mönche zu Iburg, mit denen er aufs Freundschaftlichste verkehrte und denen er in geistlichen Übungen so folgte, als wäre er durch ihre Regeln verbunden. An Verdiensten und Tugenden reich, starb er am 27. Juli 1088 im Kloster Iburg.

 

Der Lebensbeschreiber des heiligen Benno, der zweite Abt des Klosters Iburg, namens Norbert, zeichnet seine Tugenden mit den Worten: „Es wohnte dem Bischof Benno eine große Geisteskraft und eine ausgezeichnete Standhaftigkeit, eine schlagfertige und fließende Rede inne, so dass er seine Zuhörer wirksam lenkte. Zu überzeugen und zu bessern, war seine Absicht. Was er versprochen hatte, hielt er unverbrüchlich, und ließ sich weder durch Versprechungen von Geschenken, noch größere Vorteile in seiner Treue und Freundschaft wankend machen. Gegenüber den Seinigen war er ziemlich sparsam, gegenüber Armen und Fremden außerordentlich freigebig, den Betrübten zeigte er zartes Mitleid, Gefangenen und Kranken, Hungernden und Nackten, Reisenden und Fremdlingen, Witwen und Waisen kam er mit allen Kräften zu Hilfe. Aber Übeltäter, Ehebrecher, Meineidige, Schänder des Heiligtums bestrafte er mit aller Strenge und ohne Nachsicht. War jemand durch das weltliche Gesetz verurteilt, so versuchte er ihn zur Lebensbesserung zu bewegen oder würdig auf den Tod vorzubereiten. Wenn ihm selbst dies nicht gelang, dann schickte er einen anderen Priester hin und bat die Richter, das Urteil zu mildern.

 

Der Abtötung des Fleisches ergeben, pflegte er oft zu fasten und sich von Fleischspeisen zu enthalten, und ermahnte durch Wort und Beispiel auch andere dazu. Wenn ihn jemand um Dispens vom Fasten anging, so pflegte er dafür ein Almosen für Arme und Obdachlose zu fordern, denn – meinte er – es sei Gott besonders wohlgefällig, einen Armen zu bekleiden, nach Jesu Wort: „Ich war nackt und ihr habt mich bekleidet.“

 

Außer seiner hohen und bewunderungswürdigen Kenntnis aller Wissenschaften, die sein bischöfliches Amt verlangte, besaß der heilige Benno auch eine erstaunliche Kenntnis in geringeren Sachen. Vom Haushalt wusste er mehr, als alle anderen, besonders, wie man die Häuser bauen, das Vieh aufziehen, den Acker bestellen und besäen und die Bauernwirtschaft fördern müsse. Dies lernte er indes nicht durch eigene Übung, vielmehr durch Kunst und Nachdenken, so dass ihn keiner an Fleiß, Sorgfalt und glücklichen Erfolgen übertraf.

 

Der heilige Cölestin I., Papst und Bekenner von Rom,

+ 27.7.432 – Fest: 27. Juli

 

Cölestin, ein Römer von Geburt, folgte dem heiligen Bonifacius im September 422 nach, wo er einhellig zum Papst ausgerufen wurde. Als die Nachricht seiner Erhebung nach Afrika gekommen war, schrieb ihm der heilige Augustin, um ihm zu huldigen. In demselben Brief beschwört er ihn durch das Andenken des heiligen Petrus, der allen Hirten jede Art von Gewaltsamkeit und Tyrannei untersage, dem Bischof von Fussala, den ein Concilium von Numidien zum Ersatz seiner Räubereien und Erpressungen verurteilt hatte, seinen Schutz nicht angedeihen zu lassen.

 

Dieser Bischof hieß Antonius. Er war anfänglich ein Jünger des heiligen Augustin, und dieser Heilige hatte nicht wenig zu dessen Erwählung zum Bischof beigetragen. Diese Würde war aber die Ursache seines Falles: der Stolz erstickte seine guten Anlagen, und der Geiz steigerte seine Unordnungen aufs Höchste. Der heilige Augustin erhob sich am kräftigsten gegen ihn. Sein Eifer war umso feuriger, weil er fürchtete, man möchte ihn für die Laster eines Mannes, zu dessen Erhöhung er am meisten beigetragen hatte, verantwortlich machen. Antonius gewann für sich den Metropoliten von Numidien, der bei dem Concilium, wo jener verdammt wurde, den Vorsitz hatte. Und er appellierte nach Rom, in der Hoffnung, auch Bonifacius I. durch seine Ränke zu überraschen. Er mochte eine Zeitlang geglaubt haben, dass ihm dies gelungen sei, denn Bonifacius, nachdem er die Empfehlungsbriefe des Antonius von seinem Metropoliten gelesen hatte, schrieb in der Tat zu seinem Vorteil an die Bischöfe von Numidien, und deutete ihnen an, sie möchten ihn wieder einsetzen, doch nur in der Voraussetzung, dass alles, was man ihm desfalls berichtet habe, der Wahrheit entspreche. Antonius kam nach Fussala zurück, bedrohte die Einwohner, mit gewaffneter Hand sich wieder einsetzen zu lassen, wofern sie ihn nicht aus freiem Willen annehmen sollten. Als mittlerweile Papst Bonifacius gestorben war, meldete Augustin dem Nachfolger von ihm alles, was sich in dieser Sache zugetragen hatte. Cölestin sah, dass Antonius aller Verbrechen, deren man ihn angeklagt hatte, schuldig sei. Daher entsetzte er ihn seines Amtes, nachdem er den Ausspruch des Conciliums von Numidien bestätigt hatte.

 

Der heilige Cölestin schrieb an die Bischöfe von Illyrien, um den Erzbischof von Thessalonich in der Eigenschaft eines apostolischen Vikars in jener Gegend zu bestätigen. Er schrieb ebenfalls an die Bischöfe der Provinzen Vienne und Narbonne, um sie zur Abstellung mehrerer Missbräuche zu vermahnen. Unter anderem deutete er ihnen an, allen Sündern die Lossprechung zu erteilen, die sie auf dem Totenbett aufrichtig verlangten, weil die Reue nicht sowohl von der Zeit, als vom Herzen abhänge. Da er sich in seinem Brief kräftig aussprach, machte daselbst dessen Ansehen den gewünschten Eindruck. „Meine hirtenamtliche Obhut“, sagte er, „ist nicht durch die Orte beschränkt, sie erstreckt sich auf alle Länder, wo man Jesus Christus anbetet.“

 

Als Nestorius, Patriarch von Constantinopel, von den Morgenländern seine Lehre verdammt sah, schrieb er zwei Briefe nach Rom, worin er seine Gesinnungen mit verfänglichen Worten ausdrückte. Allein der heilige Cyrillus, Patriarch zu Alexandrien, gab zu gleicher Zeit dem Papst Kunde von den Irrlehren, die Nestorius ausstreute. Cölestin berief 430 eine Kirchenversammlung nach Rom, in der man die Schriften deses Ketzers prüfte, und seine Gotteslästerungen wider die Einheit der Person in Jesus Christus verdammte. Nestorius wurde als exkommuniziert erklärt, wofern er in 10 Tagen, nachdem ihm dieses Urteil bekannt gemacht wurde, seine Irrtümer nicht widerriefe. Der Papst nannte den heiligen Cyrillus zum Commissar im Orient, und gab ihm Vollmacht, in seinem Namen einzuschreiten.

 

Da Nestorius den Gehorsam verweigerte, versammelte man einen allgemeinen Kirchenrat zu Ephesus. Cölestin schickte die zwei Bischöfe Arcadius und Projectus, und den Priester Philippus als Legaten dahin, und gab ihnen zugleich die Weisung, sich an den Patriarchen von Alexandrien zu halten. Auch erließ er an das Concilium einen Brief, in dem er sagte, er habe seine Legaten bevollmächtigt, das, was er im Kirchenrat zu Rom bereits beschlossen hätte, in Ausführung zu bringen. Auch ermahnte er die Väter zu Ephesus zu jener Liebe, die so dringend anempfohlen wurde vom heiligen Johannes, dessen Überbleibsel der Gegenstand ihrer Verehrung sei.

 

Die Vorlesung dieses Sendschreibens wurde mit großem Beifall von der ganzen Kirchenversammlung vernommen, die in der großen Kirche zu Unserer Lieben Frau am 22. Juni 431 ihren Anfang nahm. Bei der 1. Sitzung waren 190 Bischöfe zugegen. Nestorius, der sich in der Stadt aufhielt, wurde vergebens vorgeladen, er wollte nicht erscheinen. Seine Hartnäckigkeit in Behauptung seiner Irrlehre bewog die Väter des Conciliums ihn zu exkommunizieren, und seines Amtes zu entsetzen.

 

Auf die Verdammung des Nestorianismus erfolgte nicht gleich die Wiederherstellung des Friedens in der Kirche. Es herrschte noch immer Spaltung unter den morgenländischen Bischöfen. Cölestin suchte sie zu vereinbaren, was ihm auch nach vielen Mühen gelang.

 

Da einige Priester aus Gallien fortwährend die Lehre des heiligen Augustinus über die Notwendigkeit der Gnade tadelten, schrieb der Heilige an die Bischöfe des Landes, um sie zu ermahnen, dass sie eine so ärgerliche Neuerung schleunig unterdrücken sollten. In seinem Brief legt er dem heiligen Augustinus großes Lob bei. „Unsere Vorfahren“, sagte er, „haben ihn immer als einen der berühmtesten Kirchenlehrer angesehen, und das Andenken dieses großen Mannes wird nimmermehr durch das Geschrei einiger Menschen verdunkelt werden können“.

 

Als er um dieselbe Zeit erfuhr, dass ein gewisser Agricola in Britannien den Samen des Pelagianismus ausstreute, sandte er den heiligen Germanus von Antissiodorum (Auxerre) in der Eigenschaft eines Vikars dahin. Dieser heilige Bischof, von eben so reinem als erleuchtetem Eifer entflammt, verdrängte die Blendwerke des Irrtums, und bewahrte die britische Kirche vor den sie bedrohenden Gefahren.

 

Eben dieser große Papst schickte auch den heiligen Palladius als Glaubensboten zu den Schotten, die Irland und den nördlichen Teil von Britannien bewohnten. Nach dem Bericht mehrerer Verfasser von Lebensbeschreibungen des heiligen Patricius, erhielt dieser große Apostel Irlands seine Sendung 431 ebenfalls von Cölestin.

 

Dieser heilige Papst starb am 27. Juli 432, nachdem er ungefähr 10 Jahre auf dem apostolischen Stuhl gesessen hatte. Er wurde auf dem Kirchhof der Priscilla beerdigt, wo er das Concilium von Ephesus hatte abmalen lassen, um dadurch seine Ehrfurcht für diese heilige Kirchenversammlung zu beurkunden. Seine Reliquien würden später in die Kirche der heiligen Praxedis übersetzt. Seine Grabschrift sagt von ihm, er sei ein trefflicher Bischof gewesen, geliebt und geehrt von jedermann, und zum Lohn seines heiligen Lebens der Anschauung Jesu Christi und der ewigen Glückseligkeit gewürdigt worden. Das römische Martyrologium, das seiner an diesem Tag gedenkt, erteilt ihm dieselben Lobsprüche.

 

28. Juli

 

Der heilige Botwid (Botuidus), Missionar und Martyrer in Schweden,

+ 28.7.1100 - Fest: 28. Juli

 

Botwid stammte von heidnischen Eltern in Schweden. Als er zum jungen Mann herangewachsen war, reiste er nach England, um dort ein Handelsgeschäft zu betreiben. Hier nahm er durch Fügung Gottes seine Herberge in dem Haus eines Priesters, der ein sehr gelehrter und frommer Mann war. Dieser gab dem jungen Schweden Unterricht im christlichen Glauben, erteilte ihm die heilige Taufe und lehrte ihn, ein wahrhaft christliches Leben zu führen. Botwid fühlte sich als Christ überaus glücklich und da er in seine Heimat zurückgekehrt war, bekehrte er mit Hilfe Gottes durch seine Ermahnungen und sein Beispiel viele seiner Landsleute in Schweden auch zum wahren Glauben. Aber auch selbst manche Wunderzeichen ließ Gott geschehen, um Botwid in der Verbreitung des Christentums beizustehen.

 

Eines Tages ging er mit einigen Bekannten zum Fischfang; aber Bovin, der Besitzer eines fischreichen Gewässers, duldete nicht, dass sie die Netze auswarfen, wenn sie nicht den vierten Teil der gefangenen Fische ihm geben würden. Der friedsame Botwid wollte lieber sein Vorhaben aufgeben, als im leerem Hin- und Herreden die Zeit verstreichen zu lassen und setzte über zu der Insel, die ihm selbst gehörte und die in genau diesem See lag. Hier kniete er nieder und verrichtete sein Gebet zu Gott; dann befahl er seinen Dienern, die Netze auszuwerfen. Der Herr zeigte nun, wie groß die Kraft des rechten Gebetes ist; denn wie einst die Apostel im See Genezareth, so zogen jetzt die Diener Botwids eine außerordentliche Menge Fische aus dem See. Als der Diener Gottes das bemerkte, wandte er sich zu seinen Leuten und sprach: „Lasset uns Gott loben, der Himmel und Erde, das Meer und alles was darin ist, erschaffen hat, und der uns auch diese Gabe unverdienter Weise geschenkt hat.“

 

Die andern, die am Gut des Bovin stundenlang umsonst gefischt hatten, sahen nun, was für einen wunderbaren Fang Botwid gemacht hatte. Er gab ihnen die Erlaubnis, ja er segnete ihr Beginnen und siehe! auch sie machten einen außerordentlich reichen Fang. Nur Bovin ging leer aus, offenbar zur Strafe dafür, dass er sich vorher so missgünstig gezeigt hatte. Doch Botwid trug ihm nichts nach, sondern er bezeigte ihm wie den anderen alles Wohlwollen und viel Freundlichkeit. Dieses liebreiche sanfte Wesen an Botwid und der Ruf des geschehenen Wunders bewirkten, dass seine heidnische Umgebung umso leichter sich von ihm bereden ließ auch das Christentum anzunehmen.

 

Botwid zeigte sich gar gut und fromm; sein Glaube war groß und sein Herz floss über von Liebe zu Gott und den Menschen. Deshalb schonte er weder seine Person, noch sein Vermögen, wenn es galt Gutes zu tun und anderen zu helfen. Er gab sehr viel zu Kirchenbauten, die Armen bekamen reichliches Almosen; für gefangene Heiden aber gab er gewöhnlich das Lösegeld um Christi willen, damit sie sich bekehrten, und die Barmherzigkeit, welche er sich selber von Gott wünschte und hoffte, übte er gegenüber allen.

 

Nun hatte der heilige Mann auch einmal einen heidnischen Gefangenen losgekauft und im christlichen Glauben unterrichtet. Nachdem er getauft war, schenkte ihm Botwid die Freiheit und wollte ihm noch zur Rückkehr in sein Vaterland verhelfen. Er sprach zu ihm: „Du hast jetzt deine Freiheit und kehrst in dein heidnisches Vaterland zurück. Dies ist eine große Gefahr für dich. Habe wohl acht, mein Sohn, dass du den Glauben nicht verlierst, denn du hast unserem Gott und Heiland Jesus Christus Treue versprochen. Unterrichte du vielmehr deine Eltern und Verwandten auch im Glauben und in der Liebe zu Jesus Christus, damit ihr einst miteinander zu seiner Barmherzigkeit gelangt.“

 

Als die Jahreszeit angebrochen war, da die Schiffe wieder ihre Fahrten machten, wollte Botwid nun seinen Schützling nach Haus befördern. Er nahm ihn und noch einen seiner Bauern namens Hesbern mit sich und sie fuhren dann miteinander auf einem Boot an verschiedenen Meerbusen und Inseln, um ein Schiff zu suchen, das nach Gothland ginge. Da es einmal abends spät wurde, landeten sie an einer waldigen Insel und gedachten hier zu übernachten. Botwid verrichtete nach Gewohnheit kniend sein Gebet unter einem Baum und schlief dann vor Müdigkeit ein. Der Bauer Hesbern hatte sich in der Nähe des Schiffes niedergelegt und war auch eingeschlafen. Der Freigelassene aber war ein ganz schlechter Mensch; äußerlich nur heuchelte er Glauben an Christus, im Herzen aber diente er dem Satan. Er schlich sich zu dem schlafenden Botwid, nahm das Beil, das er nach dortiger Sitte bei sich hatte und spaltete ihm den Kopf; dann suchte er Botwids Begleiter Hesbern und schlug ihn auch tot. Danach raubte er das Geld und die Vorräte, die Botwid mitgeführt hatte, setzte sich auf den Nachen und ruderte davon.

 

Man hat schon manchmal bitterlich über Undank klagen hören. Manche, die böse Erfahrungen gemacht haben, sagen oft: es sei ihnen ganz verleidet, anderen noch Wohltaten zu erweisen; denn allenthalben sei Undank der Welt Lohn. Ein größerer Undank kann aber wohl einem Menschen nicht widerfahren, als es dem heiligen Botwid geschah. Allein was hat es ihm geschadet? Er hat dadurch den Lohn und die Verherrlichung eines Märtyrers gewonnen, was ihm sonst nicht zuteil geworden wäre. Gerade, wenn du aus reiner Liebe zu Gott und den Menschen Gutes tust wie Botwid, und man zeigt nichts als Undank gegen dich, so ist es zwar für die Undankbaren eine Sünde und eine Schande, aber für dich ist es ein reiner Gewinn; denn wenn dir kein Mensch dankt, so dankt dir desto mehr Gott für das, was du getan hast. Hast du dagegen Menschendank empfangen, so verringert es leicht den Gotteslohn.

 

Die Eltern und Verwandten des heiligen Botwid wurden mehr und mehr ängstlich über sein langes Ausbleiben. Schließlich fragten sie einen frommen Priester namens Heinrich, was sie machen sollten. Er forderte sie zu gemeinsamem Gebet auf, dass der Herr sie den Verlorenen lebendig oder tot auffinden lassen möge. Als sie das Gebet verrichtet hatten, setzten sie sich in ein Schiff, um überall nach Botwid zu suchen; sie wussten freilich nicht, wohin sie sich zunächst wenden sollten. Da setzte sich ein kleiner weißer Vogel vorne auf die Spitze des Schiffes, der überaus lieblichen Gesang hören ließ. Die jungen Leute auf dem Schiff wollten ihn fangen, aber der Priester mahnte sie, es zu unterlassen, denn vielleicht sei der Vogel von Gott gesandt sie an den rechten Ort zu leiten. Der Ausgang bestätigte auch die Ansicht des Geistlichen. Denn sie wollten gerade an der Insel, auf der der Heilige gemordet wurde, vorbeifahren, als der Vogel vom Schiff hinweg auf den Baum flog, unter dem Botwid lag. Dieses veranlasste sie auszusteigen, und so fanden sie ihn. Sie trugen den heiligen Leib nach Hause und begruben ihn; später ist eine Kirche über seinem Grab erbaut worden, die Botwidkirche genannt wurde.

 

29. Juli

 

Der heilige Olav II., König und Martyrer von Norwegen,

+ 29.7.1028 - Fest: 29. Juli

 

König Olav von Norwegen wurde im Jahr 995 geboren. Die Eltern waren heidnische Normannen. Olav bekam eine Erziehung, die allein darauf abzielte, den Körper für Kampf und Krieg stark und hart zu machen. Mit Sport hatte die Erziehung schon gar nichts zu tun. Sicherlich soll besonders die Jugend Sport treiben und im Turnen und Laufen und Rennen und Rudern und Springen und Ringen den Körper stärken und kräftigen, aber jeder weiß auch, dass der Sport nicht viel wert ist, wenn nicht anständig und ehrlich und fair gespielt wird. Auch muss der Sport immer in vernünftigen Grenzen bleiben.

 

So war es bei den Normannen nicht. Wer sich beispielsweise einem einzelnen Feind gegenübersah, durfte sich nicht von einem anderen helfen lassen. Gegen zwei Feinde hatte man sich zu wehren, gegen drei durfte man nicht weichen, erst bei einem Kampf gegen vier war die Flucht keine Schande. Wer nicht ohne Klage die Schmerzen der Wunden ertrug, war kein Mann. Nie durfte der Pfeil das Ziel verfehlen. Den Speer musste man mit der Linken geradeso gut führen können wie mit der Rechten. Und das Schwert war so schnell zu schwingen, dass es schien, es blitzten viele Schwerter zugleich in der Luft. In voller Rüstung musste man so hoch springen können, wie man groß war. Im Laufen galt es, gleichen Schritt mit dem schnellsten Pferd zu halten, und im Schwimmen musste man wendig sein wie ein Fisch.

 

So wurden bei den Normannen die Jungen einseitig und allzu hart erzogen. Die Königssöhne unter ihnen, wie Olav einer war, hatten es noch schwerer als die anderen, denn nur derjenige wurde als König anerkannt, der an Kraft und Stärke alle übertraf.

 

Olav war der Beste von all seinen Altersgenossen. Keiner reichte an ihn heran. Und als man seinen Vater hinterrücks erschlug, wurde er mit jungen Jahren König. Olav war ein kriegerischer König, den es kaum zu Hause hielt. Mit pfeilschnellen Wikingerboten befuhr er nach Normannenart die Meere, enterte die Schiffe und brandschatzte die Städte an den Küsten des Festlandes. Bis Köln und bis Paris fuhren die Normannen die Flüsse hinauf, raubten und plünderten, und weil sie das Kreuz, das sie nicht kannten, hassten, scheuten sie sich nicht, die Altäre zu entweihen, die Gotteshäuser in Ställe umzuwandeln und die Priester zu erschlagen.

 

Olav wusste es nicht anders, denn so war es ihm von den Vorfahren überliefert worden. Von christlicher Heiligkeit kann also bei dem jungen Olav keine Rede sein.

 

Da griff Gott ein. In einem Krieg verlor König Olav Thron und Land und flüchtete über das Meer nach Frankreich. Dort gingen ihm in christlicher Umgebung Augen und Herz für die Schönheit des wahren Glaubens auf. Er ließ sich taufen. Und wie einst aus dem Christenverfolger Saulus ein Apostel Paulus, so ähnlich wurde aus dem heidnischen Wikinger Olav ein christlicher Held, der, als er später wieder in die Heimat zurückkehren konnte, alles daransetzte, den Glauben an Christus in Norwegen einzuführen.

 

An vielen Orten erbaute Olav Kirchen und Kapellen. Von England ließ er christliche Priester kommen. Mit eigener Hand zerschlug er die Götzenbilder, kämpfte gegen Trunksucht und Zauberei, verbot den Seeraub und strafte alle, die Unrecht taten, ob sie Herren oder Knechte waren, ohne Ansehen der Person nach Recht und Gerechtigkeit. In wenigen Jahren, so schien es wenigstens, wurden unter dem Einfluss des Christentums aus den wilden Wikingern gesittete Menschen.

 

Doch es schien nur so. Die Großen des Landes, die sich in ihren Rechten beeinträchtigt glaubten, hetzten so lange, bis das Volk sich gegen den König erhob. In der Nähe von Drontheim kam es zum entscheidenden Kampf. Allzu ungleich waren die Kräfte verteilt. König Olav verlor Schlacht und Leben. Das Heidentum hatte über das Christentum gesiegt. Und dann siegte trotzdem das Christentum über die anderen, denn bereits an der noch warmen Leiche des gefallenen Helden erhielt ein Blinder das Augenlicht wieder. Von der Stunde an versiegte der Strom der Wunder nicht mehr, die sich an dem Königsgrab zu Drontheim ereigneten, um davon zu berichten, dass derjenige, der im Grab ruhte, ein Heiliger war.

 

Vor dem Strom der Wunder vom Königsgrab zu Drontheim zog sich das Heidentum zurück, und der wahre Glaube, vom Blut des christlichen Heldenkönigs befruchtet, eroberte für immer das Land und die Leute, die Häuser und die Herzen.

 

Die heilige Martha, Jüngerin des Herrn von Bethanien,

+ in Taraskon, Frk. 29.7.84 - Fest: 29. Juli

 

In jener Zeit, da der liebe Heiland auf Erden weilte, lebten in einem Haus zu Bethanien bei Jerusalem drei unverheiratete Geschwister, zwei Schwestern und ein Bruder. Die eine Schwester hieß Martha, die andere Maria (Magdalena), und der Bruder nannte sich Lazarus.

 

Es gibt kein Häuschen ohne Kreuzchen. Von Leid und Sorge bleibt kein Haus verschont. Im Heim der drei Geschwister zu Bethanien ist es auch so gewesen. Zweimal kam schwerer Kummer über die Familie.

 

Das erste Mal war es Maria Magdalena, die ihre Schwester Martha und dem Bruder Lazarus qualvolle Tage und schlaflose Nächte bereitete. Maria Magdalena geriet nämlich auf Abwege, so dass die Leute böse von ihr redeten und mit dem Finger auf sie zeigten. Dadurch kam Schmach und Schande über Martha und Lazarus. Bitter haben die beiden darunter gelitten, manche Träne auch um die verlorene Schwester geweint und viel für sie gebetet, und weil sie nicht müde wurden im Beten, hat sich der Heiland voll Güte der verirrten Maria Magdalena erbarmt, hat sie in Gnaden aufgenommen und hat aus ihr, der Sünderin, eine der größten Heiligen gemacht, deren Ruhm, wie der göttliche Heiland selbst gesagt hat, nicht aufhört, solange das Evangelium verkündet wird.

 

Frieden und Freude herrschten seit Magdalenas Bekehrung im stillen Heim zu Bethanien. Doch das Glück lässt sich nirgendwo festbinden. Bald kam durch die Erkrankung des Lazarus ein neuer Kummer ins Haus. Erst hatte man der Sache wenig Bedeutung beigemessen. Als aber das Fieber nicht weichen wollte, sondern immer höher stieg, sorgten sich die Schwestern sehr um den Kranken, und in ihrer Not schickten sie einen Boten an den Heiland und ließen ihm sagen: „Herr! Derjenige, den du lieb hast, ist krank.“

 

Der Heiland wusste wohl, was ihm die Schwestern mit der Botschaft sagen wollten. Martha und Maria meinten, er, der göttliche Heiland, der an anderen viele wunderbare Heilungen vollzog, solle kommen und auch den Bruder gesund machen, der doch sein Freund war.

 

Jesus verstand den Sinn der Botschaft sehr wohl, aber er ging nicht nach Bethanien zu dem sterbenskranken Lazarus. Weil er an ihm, seinem guten Freund, das weit größere Wunder der Totenerweckung wirken wollte, zögerte er mit dem Kommen, und über dem Zögern ist Lazarus gestorben. Martha und Maria aber hatten damals tränenreiche Stunden.

 

Einige Tage später ist dann allerdings der Heiland doch gekommen und hat seinen Freund Lazarus von den Toten auferweckt. Unbeschreiblich groß war die Freude im Haus zu Bethanien, als die drei Geschwister wieder alle gesund beisammen waren.

 

Wie Martha und Maria es in Bethanien gehalten haben, so müssen es Geschwister stets machen, wenn einmal jemand im Haus krank wird oder gar sterben muss. Dann soll man beten, damit der liebe Heiland dem Kranken die Gesundheit wiederbringt oder aber, wenn er sterben muss, zum ewigen Leben erweckt und in den Himmel aufnimmt.

 

30. Juli

 

Die heiligen Märtyrer Abdon und Sennen zu Rom,

+ 250 - Fest: 30. Juli

 

Der heilige Abdon und der heilige Sennen waren Perser, vornehm von Geburt, reich an Mitteln, aber noch größer an Tugend; denn sie waren wahrhafte Christen. Sie kamen anlässlich eines Perserkrieges als Gefangene nach Rom und bekannten während der Christenverfolgung des Dezius unerschrocken den Glauben. Mancherlei Qual und Marter wurde gegen sie angewandt, aber vergeblich, die Gnade des Himmels erglänzte nur desto herrlicher an ihnen. Sie litten schließlich den Tod im Amphitheater. Die Christen zu Rom behandelten sie als ihre Brüder in Christus, weil sie die gleiche Hoffnung des ewigen Lebens mit ihnen teilten. Ihre Leichname wurden im Haus eines Unterdiakons, Namens Quirinius, beerdigt. Zur Zeit Konstantins wurden die Überreste dieser Heiligen aufgefunden und auf den Gottesacker, genannt Pontion, unfern der Tiber auf dem Weg nach Porto beigesetzt.

 

31. Juli

 

Der heilige Ignatius von Loyola, spanischer Priester, Ordensstifter,

+ 31.7.1556 – Fest: 31. Juli

 

Es ist billig und recht, den heiligen Ignatius von Loyola nicht zu vergessen. Es sind über 520 Jahre her, dass er unter dem Pontifikat Innozenz VIII., zur Zeit Kaiser Friedrich III., unter der Herrschaft Ferdinands und Isabellas von Spanien, auf Schloss Loyola bei Azpeitia in der Provinz Guizpuzcoa im Baskenland, aus altadeligem, wohlhabendem Geschlecht stammend, am 31. Mai 1491 geboren wurde.

 

Die Eltern des heiligen Ignatius waren reich mit Kindern gesegnet: 5 Töchter werden genannt und 8 Söhne, von denen Ignatius der jüngste war. Nach sorgfältigem christlichen Unterricht im väterlichen Schloss wurde Ignatius an den Hof des Königs Ferdinand von Kastilien gegeben, um dort als Edelknabe standesgemäß erzogen zu werden. Nachdem Ignatius herangewachsen war, wählte er die kriegerische Laufbahn, als seiner Neigung besonders zusagend. Bei der Verteidigung von Pampeluna gegen die Franzosen wurde er durch einen Kanonenschuss 1521 schwer verwundet. Auf dem Krankenlager las er das Leben Christi und der Heiligen, und es wandte sich sein Blick von der Eitelkeit weltlichen Ruhmes und Strebens ab und ausschließlich dem Dienst Gottes zu. Nachdem er sich wieder erholt hatte, zog er auf den Montserrat, legte dort am 25. März 1522, dem Fest Mariä Verkündigung, seine Lebensbeichte ab, hielt in der Nacht darauf fromme Ritterwache vor dem Gnadenbild der Mutter Gottes und vertauschte seine Waffenrüstung mit einem Bettelkleid. Hierauf ging Ignatius nach Manresa und widmete sich bei einem äußerst strengen, bußfertigen Leben im dortigen Spital den niedrigsten Diensten der christlichen Liebe. Für eine geraume Zeit zog er sich gänzlich von allem Verkehr in die sogenannte Paradieseshöhle zurück, wo er das wunderbare Büchlein der geistlichen Übungen niederschrieb.

 

Da Ignatius aber einsah, dass ihm, um auf andere zu wirken, wissenschaftliche Bildung große Dienste leisten würde, so entschloss sich der 33jährige Kriegsmann, nachdem er 1523 eine Wallfahrt nach Rom und Jerusalem gemacht hatte, im Frühjahr 1524, sich mit den Jungen in die Bänke der Lateinschule zu setzen. Natürlich fehlte es da nicht an Schwierigkeiten aller Art, an Verdemütigung und Verfolgung. Aber der Ritter Jesu Christi überwand das alles mutig, und bald konnte er nach besonderer Prüfung die Hochschulen von Alkala und Salamanko besuchen und setzte dann seine Studien durch volle 7 Jahre an der damals berühmtesten und größten Universität der Welt, zu Paris, fort. Im März 1534 erlangte er mit Auszeichnung das Magisterium der Philosophie und widmete sich dann mit gleichem Eifer der Theologie. Hier gewann er für seinen Gedanken, im Verein für Gottes Ehre zu wirken, auch andere tüchtige Männer, Mitglieder der Universität und durch die akademischen Grade ausgezeichnet. Und nachdem er sie durch die geistlichen Übungen vorbereitet hatte, verbanden sie sich am 15. August 1534, dem Fest Mariä Himmelfahrt, in der Muttergottes-Kirche auf dem Marterberg zu Paris durch Gelübde und legten so den Grund zur Gesellschaft Jesu.

 

Nachdem dieser Anfang sich glücklich weiterentwickelt hatte, wurde der Orden zuerst am 27. September 1540 von Paul III. bestätigt und dann wiederholt von den Päpsten und vom Konzil von Trient gutgeheißen. Christliches Leben und christliche Frömmigkeit zu erneuern, war die Absicht des heiligen Ignatius und der Zweck seiner Stiftung. Der Glanz der Gotteshäuser, die Erteilung des nötigen Religionsunterrichtes, insbesondere an Kinder und Ungebildete, die Verkündigung des Wortes Gottes, die Beförderung des Empfanges der heiligen Sakramente, Unterricht und Erziehung der Jugend bildeten den Gegenstand seiner Arbeiten und Sorgen, denen er sich mit einem Eifer hingab, dass er einmal sagte, wenn ihm die Wahl gelassen würde, so wollte er lieber, seines eigenen Heiles ungewiss, am Heil der Seelen zu Gottes Ehre fortarbeiten, als, seiner ewigen Seligkeit sicher, im Augenblick sterben. Es rief ihn aber der Herr, dessen größere Ehre er immer im Mund führte, immer im Werk suchte, in seinem 65. Lebensjahr zur Seligkeit und Herrlichkeit.

 

„Ignatius hat den heiligen Franz Xaver nach Indien geschickt, um das Evangelium zu predigen, und in andere Weltgegenden hat er andere Männer ausgesandt zur Verbreitung des Glaubens und hat so dem heidnischen Aberglauben und dem Irrglauben den Krieg erklärt, der mit solchem Erfolg fortgeführt worden ist, dass es die feste Meinung aller ist, auch durch päpstlichen Ausspruch bestätigt, Gott habe, wie zu anderen Zeiten andere Heilige, so Luther und den Irrlehrern jener Zeit Ignatius und die von ihm gegründete Gesellschaft entgegengestellt.“ Diese Worte des römischen Breviers mögen Anlass gegeben haben, dass die Protestanten behaupten, die Gesellschaft Jesu sei von Ignatius eigens zur Bekämpfung des Protestantismus gegründet worden, und es sei darum nicht an Frieden zu denken, so lange sie bestehe. Allein das Exerzitienbüchlein, aus dem die Gesellschaft Jesu hervorgewachsen ist und noch immer ihren Geist schöpft, weiß nichts von Protestanten. In der Verfassung und den Regeln des Ordens ist nirgends von Protestanten die Rede, sondern nur von Ungläubigen und Irrgläubigen überhaupt, und wie unter den ersteren doch nicht z.B. Juden oder Türken insbesondere gemeint sind, so wenig geht die letztere Bezeichnung eigens auf die Protestanten. Seine ersten Arbeiter sandte Ignatius nicht gegen die Protestanten aus, deren Zahl und Bedeutung ihm damals noch nicht genügend bekannt sein mochte. Erst später, als er vom Mittelpunkt aus die Lage der Christenheit besser überschauen konnte, wandte sich seine Tätigkeit gleichsam naturgemäß gegen sie, weil die Kirche von dieser Seite am schwersten angegriffen und bedroht war. Aber auch dann beschränkte sich sein Kampf auf die Waffen des Geistes, und mit diesen wird er allerdings fortgeführt werden müssen, bis alle, die die Wahrheit ernstlich suchen, sie gefunden haben, und jene endgültig zurückgeworfen sind, die sie bekämpfen.

 

Zu den Waffen des Geistes, mit denen Ignatius kämpfte, zählt vor allem das Gebet. Das Exerzitienbüchlein, wohl die vorzüglichste Waffe des Gottesstreiters Ignatius und derjenigen, die seiner Fahne folgen, das Büchlein, von dem schon der heilige Franz von Sales sagt, dass es mehr Seelen gerettet, als es Buchstaben enthält, ist vorzugsweise eine Schule des Gebetes. Der heilige Apostel Paulus wünscht vor allem, dass von allen und für alle Menschen gebetet werde. Er hat mit diesen Worten gleichsam das Grundgesetz jedes Gebetsapostolates niedergeschrieben im 2. Kapitel seines 1. Briefes an Timotheus. Der heilige Ignatius war ein getreuer Nachahmer des heiligen Paulus, so wie Paulus ein Nachahmer Christi war. Darum führt er unter den Mitteln apostolischer Tätigkeit in der Verfassung seines Ordens an erster Stelle das Gebet der Fürbitte an und schreibt mit Worten, die an die Worte des heiligen Paulus erinnern folgendes: „Das Heil des Nächsten wird gefördert durch heiliges, sehnsüchtiges Gebet, das vor Gottes Angesicht für die gesamte Kirche verrichtet wird, und für jene insbesondere, die größeren Einfluss auf das Gesamtwohl haben; für unsere Freunde auch und jene, die sich um uns verdient gemacht haben, lebendige sowohl als verstorbene, ob sie darum bitten oder nicht bitten. Dann für jene, für deren geistliche Hilfe insbesondere wir selbst und die anderen Mitglieder unserer Gesellschaft an verschiedenen Orten unter Gläubigen und Ungläubigen tätig sind, dass sie Gott alle bereite, durch die schwachen Werkzeuge dieser mindesten Gesellschaft seine Gnade zu empfangen.“

 

Die Exerzitien des heiligen Ignatius heißen eine Schule des Gebetes. Aber wie die Schule nicht um ihrer selbst willen da ist, sondern für das Leben, für das Leben lernt man, und nicht für die Schule, heißt der bekannte Spruch, so will auch der heilige Ignatius nicht, dass man im christlichen Leben beim Gebet stehen bleibe, sondern zur Tat fortschreite, zur Überwindung, zur Verleugnung seiner selbst. Selbstüberwindung, dass man von keiner unordentlichen Neigung mehr sich leiten lässt, und in allem dem Licht des Glaubens und der Vernunft folgt, gibt Ignatius als das Ziel an, das durch die Exerzitien erreicht werden soll. Überwinde dich selbst! Das war auch der Spruch, den er immer im Mund führte, den er mit Nachdruck einprägte: „Überwinde dich selbst! Es ist kein anderer Weg zur Heiligkeit, als beständig in allem sich selbst verleugnen und abtöten. Fasse ein großes Herz und greife die Sache mutig an. Eine einzige großmütige Selbstüberwindung ist Gott angenehmer als viele andere gute Werke!“

 

Der selige Johannes Kolumbini von Siena, Laie und Ordensstifter,

+ 31.7.1367 - Fest: 31. Juli

 

Am heutigen Tag feiert die Kirche das Fest eines sehr bekannten Heiligen, es ist Ignatius von Loyola, der Stifter des Jesuitenordens. Wir wollen aber einen anderen Heiligen des heutigen Tages auswählen, der etwas weniger bekannt ist.

 

Wie der Christ aber überhaupt nichts lesen kann, das ihm größeres Heil brächte, als das Leben der Heiligen, das erwies sich nicht nur am heiligen Ignatius selbst, sondern auch noch an einem anderen Heiligen vom heutigen Tag, an dem heiligen Kolumbini. Ignatius von Loyola war ein spanischer Offizier und wollte in der Langeweile, da er wegen seiner Wunden das Bett hüten musste, Romane lesen; weil im Haus aber keine waren, gab man ihm eine Heiligenlegende zu lesen; und diese Legende wirkte mit der Gnade Gottes so auf ihn, dass er sich bekehrte und ein großer Heiliger wurde. Mit Kolumbini ging es aber so:

 

Er stammte aus einem vornehmen Geschlecht in Siena in Italien. Diese Stadt war zu jener Zeit (1300 n. Chr.) von fürstlicher Gewalt unabhängig und regierte sich selbst. Heute würde man sagen: Siena war eine Republik. Da Johannes Kolumbini durch diese Verhältnisse Aussicht hatte einmal selbst an der obersten Regierung teilnehmen zu können, widmete er sich in der Jugend den Wissenschaften für den in Aussicht stehenden Beruf; zugleich lernte er auch ein Handelsgeschäft; das wurde damals auch bei adeligen Familien für anständiger gehalten als untätig zu leben. Er war noch jung, als er sich auf den Wunsch seiner Eltern mit Blasia, einer schönen tugendhaften Tochter aus einer angesehenen Familie, verehelichte.

 

Im Verlauf einiger Jahre wurde diese Ehe auch mit Kindern gesegnet, einem Jungen und einem Mädchen. Allein die Freude darüber wurde bald in ebenso großes Leid verwandelt; die Kinder starben bald wieder. Für Kolumbini war das wohl ein harter Schlag; jedoch hatte die Vorsehung eine gute Absicht dabei, wie wir bald sehen werden.

 

Als Kolumbini zum Mann geworden war, wurde er als Mitglied in den Magistrat der Stadt aufgenommen und allmählich wurden ihm die wichtigsten Geschäfte anvertraut. Dabei führte er jedoch sein Handelsgeschäft fort, aber der Ausspruch des Apostels ging auch in Erfüllung, der an Timotheus 1,5.9: „Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstricke des Teufels und in viele törichte und verderbliche Begierden, die die Menschen ins Verderben ziehen. Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht.“ Von Jugend auf bestrebt im Handel zu gewinnen, überschritt allmählich dieses Streben bei Kolumbini das rechte Maß; Habsucht und Geiz schlichen sich ein; hier öffnete er die Hand, um zu fassen was fremd war, dort schloss er sie, um zurückzubehalten, was er nach Billigkeit hätte geben sollen. Zwar hielt ihn ein natürliches Rechtsgefühl noch von größeren Versündigungen gegen fremdes Gut zurück, aber Hausgenossen und sonst Nahestehende merkten wohl, wie er mehr und mehr von Habgier umstrickt wurde. So z.B. hielt er altes Getreide sorgfältig verschlossen, bis gegen Frühjahr der Preis höher wurde und ihm wegen des allgemeinen Mangels ein großes Angebot gemacht wurde. Wenn ihm aber durch das lange Aufbewahren die Frucht verdarb und angefressen war, gab er sie an Bauern und sonst dürftige Leute unter der Bedingung, dass sie ihm zur Erntezeit ein gleiches Maß gesunder Frucht zurückgeben mussten.

 

Eines Tages kam Kolumbini etwas früher als sonst vom Wechseltisch (Bank, Börse) nach Hause und wollte alsbald essen, da er Hunger hatte. Aber es war eben noch nicht ganz fertiggekocht; deshalb ermahnte er ärgerlich Magd und Frau schnell fertig zu werden. Diese beeilten sich zwar seinem Befehl nachzukommen, aber sie konnten eben doch nicht sogleich die Mahlzeit auftragen, weil das Kochen eben seine Zeit erfordert. Kolumbini, zugleich vom bellenden Magen und nagenden Hunger geplagt, wurde über das Zögern mehr und mehr zornig und erfüllte das Haus mit Schimpfen und Fluchen.

 

Die rechtschaffene und kluge Gemahlin setzte dem Toben des Mannes Sanftmut entgegen und bat ihn noch ein wenig zu warten, in der Heiligenlegende zu lesen und sich damit die Zeit zu vertreiben, bis das Essen fertig sei. Er aber, aufgebracht, riss ihr das angebotene Buch aus der Hand und warf es auf den Boden und stieß in seinem Zorn Reden aus, die sich für einen gesitteten und ehrbaren Mann nicht geziemen. Um nicht die Flamme noch mehr anzufachen, entfernte sich die betrübte Blasia ohne ein Wort weiter zu sagen und bemühte sich möglichst schnell das Essen zu bereiten.

 

Da legte sich allmählich der Zorn bei Kolumbini; er kam zur Besinnung und schämte sich seines Fehlers; er hob das Buch wieder vom Boden auf, öffnete es und fing an zu lesen, was sich ihm gerade aufgeschlagen hatte. Es war aber gerade die wunderbare Bekehrung und Buße der Maria aus Ägypten, die vorher eine ganz verrufene Sünderin war, dann aber in 45jähriger Buße in der Wüste zu einer so reinen Seele umgewandelt wurde, dass sie des Umgangs mit Engeln und dem Herrn der Engel gewürdigt wurde. Als Johannes dies las, wurde sein Herz davon ganz erfreut; der Zorn legte sich vollständig und die ungeduldige Stimmung verwandelte sich in fromme Gedanken. Bald hielt er ein wenig mit dem Lesen ein und überließ sich der Bewunderung, bald wandte er die Augen wieder dem Buch zu; ein anderer Hunger war erwacht, an einem heilsameren Mahl erquickte er seine Seele. Die Begierde der Nachahmung stieg in ihm auf und schließlich fasste er den Entschluss, sein Leben zu ändern. Unterdessen erscheint die emsige Gemahlin, meldet, das Essen sei fertig und aufgetragen. Johannes antwortete: „Wartet noch ein wenig und habt jetzt ihr auch Geduld, bis ich die Geschichte, die ich angefangen, fertig gelesen habe.“ – „Recht gern“, sagte die Frau, „fahre nur fort, wir wollen unterdessen sorgen, dass das Essen nicht kalt werde.“ Sie freute sich verwundert über diese Veränderung ihres Mannes, warf sich im Nebenzimmer auf die Knie, dankte Gott dem Allmächtigen und bat inständig, dass er das angefangene gute Werk vollenden, die Augen des Blinden öffnen, seinen Sinn von der Begierde nach Reichtum losreißen und ihm ein gelehriges und zu den göttlichen Geboten bereitwilliges Herz erschaffen möge.

 

Und dieses Gebet war nicht vergeblich; Johannes wurde in einen anderen Menschen verwandelt. Es war in seine kalte Brust von oben herab ein Funke gefallen, der anfänglich langsam um sich griff, aber doch lebhaft den Vorsatz eines besseren Lebens anfachte und allmählich in volle Flammen ausbrach. Zuerst legte er die Habsucht und das Jagen nach Gewinn ab. Den Teil der Zeit, dem er dem Handelsgeschäft entzog, verwandte er auf das Gebet. Er erbarmte sich der Armen, gab allmählich reichlichere Almosen, besuchte die Kirchen, und zeigte noch andere derartige Merkmale des erwachten innerlichen Lebens. Blasia flehte Tag und Nacht den Herrn an, er möge doch die guten Vorsätze ihres Mannes segnen und stärken und sie selbst nährte sie tagtäglich durch ermunternde, fromme Zusprüche.

 

Der neue Geist, der bei Kolumbini zur Herrschaft gekommen war, gab sich aber besonders in Bezug auf seine bisherige Hauptleidenschaft zu erkennen. Er forschte fleißig darüber nach, wo und wem er zu wenig gegeben oder zu viel abgenommen habe, um es dann ohne Verzug reichlich zu ersetzen. Desgleichen hinterging er niemanden mehr beim Einkaufen, sondern er gab zuweilen noch etwas mehr; dagegen gab er beim Verkauf die Ware oft unter dem üblichen Preis. Dieses verursachte ihm einen großen Zulauf, obschon er es nicht suchte; aber es erweckte auch allgemein Verwunderung, weil er vorher als ein gewinnsüchtiger Mann, der es selbst bei den Armen äußerst genau zu nehmen pflegte, bekannt war. Einige meinten, irgendein Freund müsse den Kolumbini Vorstellungen gemacht haben, wie er durch seinen Geiz sich und der Familie Schande bringe. Andere sahen diese große Umänderung seines Charakters für ein Zeichen an, dass es in seinem Kopf nicht mehr ganz richtig sei. Nur einige einsichtsvolle Leute errieten das Wahre, dass nämlich die Gnade Gottes ihn ergriffen habe und dieses der Beginn zu einem heiligen Leben sei. Johannes selbst aber war schon so in Christus fest gegründet, dass ihm weder Tadel noch Lob zu Herzen ging.

 

Nachdem Johannes auf diese Weise angefangen hatte Gott zu dienen, machte er rasche und große Fortschritte. Täglich widmete er mehrere Stunden der Betrachtung, er ging fleißig den Predigten nach, las erbauliche Schriften, besuchte Kranke und Spitäler, suchte Umgang mit Gleichgesinnten. Gleichzeitig mied er um Zeit zu ersparen Gesellschaften und beschränkte sein Handelsgeschäft. Aber auch dies war ihm nicht genug. Mit Einwilligung seiner Frau machte er das Gelübde lebenslänglicher Enthaltsamkeit und nahm sich vor sein Geschäft ganz aufzugeben und allmählich alles den Armen zu verteilen.

 

Nach einiger Zeit wurde Kolumbini krank. Da machte es ihm Bedenken, dass er zu Hause so sorgfältig in seinem weichen Bett verpflegt werde, während sein Herr nichts hatte, wohin er sein Haupt legen konnte, und niemanden, der ihn am Kreuz getröstet hätte. Deshalb machte er sich in der Nacht, als alle im Haus schliefen, fort und suchte das ärmste Spital in der Stadt auf und bat um Aufnahme und wurde hier, da man ihn nicht kannte, wie ein anderer Armer gehalten. Nach mehreren Tagen entdeckten endlich seine Angehörigen, wo er sich aufhielt, und brachten ihn zu seinem größten Leidwesen wieder in sein Haus.

 

Nun aber erwuchs dem gottseligen Mann eine Versuchung und schwere Plage von einer Seite, woher man es nicht hätte vermuten sollen. Seiner sonst religiösen Frau nämlich schien das bußfertige Leben des Kolumbini übertrieben; bald machte sie ihm bittere Vorwürfe, bald suchte sie ihn durch schmeichelhaftes Zureden dahin zu bringen, dass er sein Fasten, seine Einfachheit in der Kleidung, sein vieles Beten verringere und zu einer Lebensweise zurückkehre, die der Welt nicht anstößig sei. Kolumbini blieb aber standhaft gegen all diese Anfechtungen; er gab zur Antwort: „Seit die Liebe des Gekreuzigten mein Herz erfasst hat, scheint mir das, was der Welt bitter und abscheulich ist, nichts als Süßigkeit und Honig zu sein.“

 

So war es schon acht Jahre fortgegangen, als bei der zunehmenden Heiligkeit des Johannes allmählich auch Wunderzeichen zum Vorschein kamen. So leuchtete er einmal in der Nacht während des Gebetes am ganzen Körper; ein Aussätziger, den er nach Hause trug und in das Bett legte, während Blasia darüber schimpfte, erfüllte das ganze Zimmer mit übernatürlichem Wohlgeruch und bei späterem Nachsehen war er verschwunden. Blasia erkannte nun, dass sie bisher dem Heiligen Geist, der ihren Mann getrieben, widerstanden habe. Sie ging in sich und erklärte, von nun an willige sie in alles ein, wozu Gottes Geist ihn mahnen werde. Jetzt erst glaubte Kolumbini wahrhaft frei zu sein. Nachdem er dafür Sorge getragen hatte, dass seine Frau ihren lebenslänglichen Unterhalt habe, gab er sein ganzes Vermögen zu religiösen und wohltätigen Zwecken hinweg, und wollte von nun an in vollkommener Armut nur von dem Brot leben, das er als Almosen bekam. Es war eine wunderbare Erscheinung für die ganze Stadt Siena, den Mann, der einst als Stadtrat in vornehmer Kleidung einherging, von adeligen und hochgestellten Personen begleitet, allenthalben geehrt und gegrüßt, den jetzt zu sehen barfuß, in dürftiger, zerrissener Kleidung, vor den Häusern um ein Stück Brot betteln. Um sich recht zu demütigen, ging er in den Regierungspalast, wo er einst selbst als angesehene Magistratsperson geglänzt hatte und wo öffentliche Gastmähler gehalten wurden. Dort bat er den Küchenmeister, der einen Knecht brauchte, ihn selber dazu anzunehmen. Sobald ihm seine Bitte gewährt war, fegte er den Boden, trug Holz, reinigte die Schüsseln, schwenkte die Gläser, und da das Wasser ziemlich weit von einem Brunnen geholt werden musste, trug er es in großen Gefäßen über die Straßen. Diese Knechtsdienste verrichtete er zwei Monate lang, ohne dass er die geringste Nahrung aus der Küche annahm, sondern er wollte lieber das notwendige Brot erbetteln.

 

Durch die Überfülle der Liebe Gottes getrieben, konnte sich Kolumbini nicht enthalten, an öffentlichen Plätzen auch zu predigen, d.h. den Leuten recht ernstlich ins Gewissen zu reden, dass sie sich doch von ganzem Herzen von der Sünde und der Welt zu Gott bekehren möchten. Und sein Wort und Beispiel übten eine solche Kraft aus, dass nicht nur viele Sünder Buße taten, sondern dass manche sich dem seligen Kolumbini anschlossen, um in gleicher Weise dem Heiland nachzufolgen. Da aber auch Jünglinge und Männer aus vornehmen Familien die Lebensweise des Dieners Christi ergriffen, so entstand darüber viel Empörung und die Verwandten derselben brachten es zuletzt dahin, dass Kolumbini als Anstifter dieser Verkehrtheiten, wie sie es nannten, von dem Magistrat aus Siena ausgewiesen wurde.

 

Als der Heilige auf diese Weise die Vaterstadt verlassen musste, entstand ein furchtbares Gewitter mit Hagel und Wolkenbruch, und darauf brach in der Stadt eine verheerende Krankheit aus, die kein Haus verschonte. Das Volk sah diese Heimsuchung allgemein als Strafe an, weil man den Diener Gottes so ungerecht vertrieben habe, und der Magistrat schickte eine Deputation nach Aretino, wohin sich Kolumbini begeben hatte, um ihn um Verzeihung zu bitten und zur Rückkehr einzuladen. Gott hatte aber gerade diese Verbannung zugelassen, um auch in Aretino und anderen Orten das Feuer der Bekehrung durch Kolumbini anzuzünden. Viele Sünder änderten auf seine Bußpredigten hin gänzlich ihr Leben, Feinde versöhnten sich, ungerechtes Gut wurde zurückgegeben, Klöster kehrten wieder zu größerem Eifer und zur Zucht zurück. Er kam auch nach Pisa und in andere Städte. Überall hatte er den gleichen Erfolg, er bekam mehr und mehr Jünger, von denen manche selbst Heilige geworden sind.

 

Diese Bekehrungen geschahen oft ganz wunderbar. Da er einmal auf seiner apostolischen Wanderung war, traf er im Feld einen Bauern, der gerade pflügte. Kolumbini blieb ein wenig stehen, richtete fest seinen Blick auf ihn und sprach: „Komm und folge mir nach.“ Der Bauer ließ alsbald Pflug und Ochsen stehen und wurde ein so treuer Nachfolger seines neuen Lehrmeisters, an den er sich von nun an hielt, dass er es zu einem hohen Grad von Vollkommenheit brachte. In Viterbo brachte Kolumbini viele zur gründlichen Bekehrung; ein lasterhafter Mann aber war weder durch seine feurigen Predigten, noch durch Unterredung unter vier Augen zur Sinnesänderung zu bringen. Da sprach der Heilige im Übermaß der Liebe zu ihm: „Mein Bruder, wenn du umkehren und deinem Sündenleben ein Ende machen willst, so schenke ich dir alles, was ich bisher an Verdiensten von Gott mir erworben habe und weihe es deinem Seelenheil.“ Darauf sprach sein geistlicher Gehilfe Vincentius: „Und ich nehme die ganze Last deiner Sünden auf meine Schultern und will dafür die Verantwortung vor dem gerechten Richter tragen. Der barmherzige Gott wird die Bürgschaft annehmen, wenn du von deinem bösen Weg dich bekehren willst.“ Dieses überwältigte endlich das steinerne Herz des Sünders so, dass er in heftige Tränen ausbrach.

 

Das Geschlecht der Piccolomini ist eines der berühmtesten in Italien. Bartholomäus Piccolomini war damals in Siena zu den höchsten Ehrenstellen gelangt und hatte seinen ausgezeichnet begabten und wohlunterrichteten Söhnen gleichsam auch die Bahn dazu eröffnet. Bei diesem zündete auch das heilige Feuer, das aus den Reden des heiligen Büßers strömte. Wie ein Schneehaufen in der Frühlingssonne, zerschmolz all seine bisherige Liebe zum Irdischen; und seine Bekehrung zündete wieder bei den Söhnen. Sie meldeten sich alle drei bei Kolumbini, der sie mit Freuden als seine Genossen annimmt. Der Vater verteilte nun sein ganzes Vermögen; den einen Teil bekamen die Armen, der andere war zur Aussteuer für arme Mädchen bestimmt zum Ehestand oder ins Kloster; den dritten verteilte er auf den Rat einsichtsvoller Männer an seine Verwandten. Seinen Söhnen gab er nichts, weil sie, wie er selbst, den Herrn als ihr Erbteil erwählt hatten. Sie legten miteinander die weltlichen Kleider ab, zogen ein einfaches und grobes Gewand an, gingen barfuß und unbedeckten Hauptes einher; ihre geringe Speise bettelten sie; die Erde war ihr Bett; ihr Vergnügen Bußübungen, Arbeiten und Gebet. Täglich gingen sie auf öffentliche Plätze und riefen: „Vivat Jesus Christus, gelobt sei in Ewigkeit Jesus Christus!“ Es ist unbeschreiblich, welch Aufsehen es machte, dass die angesehensten Männer der Stadt so gänzlich der Welt und all ihrer Hoffart und Lust entsagten; und wie sie selbst durch das Beispiel des heiligen Kolumbini, und der durch das Beispiel der Maria von Ägypten zum Büßerleben erweckt wurde, so wurden nun wieder viele durch der drei Piccolomini bekehrt, ein gottseliges Leben zu beginnen.

 

Als die Schülerzahl immer größer wurde, wandte sich Kolumbini an Papst Urban V., um von ihm seine Genossenschaft und ihre Regeln gutheißen zu lassen. Dieselbe hatte sich zur Hauptaufgabe Bußübungen und Krankendienst gemacht. Der Papst genehmigte die Genossenschaft. Die Mitglieder wurden „Jesuaten“ genannt. Als nämlich Kolumbini mit seinen Genossen nach Viterbo kam und ihrer Gewohnheit gemäß öfters auf der Straße den Heiland priesen mit den Worten: „Gelobt sei Jesus, Vivat Jesus!“ riefen die Kinder ihnen den Namen „Jesuaten“ nach. Von nun an behielten sie diesen Namen bei; Kolumbini aber starb bald, nachdem der Papst seine Gesellschaft gutgeheißen hatte. Nach seinem Tod bezeugte Gott durch manche Wunderzeichen, wie wohlgefällig dieser Mann vor Ihm, dem unendlich Heiligen, war.

 

Das Senfkörnlein im Leben des seligen Kolumbini war eine Heiligenlegende, aus deren viertelstündiger Lesung eine große Umwandlung, ein heiliges Leben, die Bekehrung von zahllosen Sündern, mehrere Heilige und eine vielverbreitete religiöse Genossenschaft erwachsen sind. Auch über uns streut Gott zahllose Senfkörnlein aus, von innen durch gute Einsprechungen und von außen durch Predigt, Beispiel, Bücher, Heimsuchung, Ereignisse verschiedener Art. Aber leider will selten eines auf dem gefrorenen Boden unseres Herzens zum Sprießen und zum Gedeihen kommen. Bei Kolumbini ist es spät noch dazu gekommen, er war schon 51 Jahre alt. Allmächtiger, lass es bei uns nicht zu spät sein; streue jedem noch ein solches Senfkörnlein ins Herz und ins Leben, von dem du weißt, dass es einmal keimen und zu mächtigem Wuchs erstarken werde!

 

Die gottselige Mutter Isabella vom göttlichen Herzen, Subpriorin von Lisieux,

+ 31.7.1914 – Gedenktag 31. Juli

 

Bald nach dem seligen Heimgang der kleinen Heiligen – Schwester Theresia vom Kinde Jesu – schrieb der hochwürdige P. Louis Ph., Passionist, der Oberin von Lisieux: „ . . . Das kleine Sternlein wird mehr und mehr leuchten in der Kirche Gottes. Noch ist es nur der Morgenstern inmitten leuchtenden Gewölks, dereinst jedoch wird es das Haus des Herrn erfüllen.“ Heute glänzt der kleine Stern schon in wunderbarer Herrlichkeit und nimmt sieghaft seinen Lauf den Altären zu.

 

Am Ende ihres Hochgesangs der Liebe (Geschichte einer Seele) bittet Theresia Gott um eine Legion kleiner Seelen, die gleich ihr den Weg kindlichen Vertrauens und liebender Hingabe wandeln als Brandopfer seiner barmherzigen Liebe. Diese neue, liebliche Art der Heiligkeit, wie Theresia sie sehrte, hat die katholische Welt wie im Sturm erobert und Legion darf man schon die Seelen nennen, welche den „kleinen Weg“ zum Himmel eilen.

 

Eine Seele, die so von Theresias leuchtendem Beispiel angezogen, zu großer Vollkommenheit gelangte, war die Subpriorin von Lisieux, Mutter Isabella vom göttlichen Herzen. Sie wie Mutter Maria Angela, Priorin von Lisieux (+ 1909), waren besonders berufen, die Mission Theresias weiterzuführen, die Barmherzigkeiten des Herrn und den kleinen Weg zu ihm bekanntzumachen durch die Herausgabe der Schriften der kleinen Heiligen, durch Sammlung ihrer Wunder und durch eigene Aufsätze über Theresia. So darf Mutter Isabella den Ehrentitel „Herold des kleinen Prinzesschen“ führen. Bald nach ihrem seligen Verscheiden sah eine Karmelitin einen großen Stern, besser gesagt, eine Sonne, in ihre Zelle strahlen. Und dieses Gestirn umfasste, als sie genauer schaute, zwei kleinere Sterne und bildete mit diesen ein leuchtendes Dreieck. Tiefergriffen betrachtete die Schwester die Himmelserscheinung, ihren Sinn klar erkennend, obwohl sie damals noch nicht die Stelle aus den Aufzeichnungen Mutter Isabellas kannte: „Nach meinem Tod wird die Zeit meiner Siege kommen. Ich will mich zu einem leuchtenden Dreigestirn vereinen mit Schwester Theresia und Mutter Maria Angela und ihnen helfen, die göttliche Liebesglut bis ans Ende der Zeiten lieben zu lassen.“

 

Schwester Theresias Leben war ein Leben reinster Unschuld, tiefster Gottesliebe seit dem ersten Erwachen ihrer Vernunft. In Mutter Isabella sehen wir, wie geeignet und lieblich der Weg geistiger Kindheit auch für Seelen ist, die Gott spät finden und erst nachdem sie die Leerheit irdischer Güter an sich erfuhren. Bis in ihr 18. Jahr übte Ivonne Daurelle, wie Mutter Isabella hieß, rein äußerlich die Vorschriften unserer Religion – kalt, eisigkalt war ihr Glaubensleben. Früh verwaist, lebte sie bei ihrer Tante Sanial du Fay heran und erhielt eine vornehme, ausgezeichnete Erziehung. Ivonne war immer zum Träumen geneigt und in ihrer glühenden Phantasie dichtete sie sich eine Zukunft zusammen, in der die irdische Liebe sich ihr in entzückenden Reizen zeigte. Auch ein heißes Streben nach Größe und Ehren wurde mit ihr groß. Bezeichnend hierfür ist die Antwort, die sie bei einer Preisfrage über einen kommenden Kometen in die Zeitschrift „Moniteur littèraire“ sandte: „Nein, der Komet wird der Erde in keiner Weise schaden, denn ich habe die bestimmte Vorahnung, dass mein Name berühmt wird; es muss also meinem Ruhm und meiner Glorie Zeit und Muße bleiben, sich zu entfalten und bekannt zu werden bis an die Enden des Erdkreises!“

 

Wie anders wird jetzt Ivonne der Welt bekannt, als sie damals ahnte! Unmittelbare Folge ihres Traumlebens war, das alles Alltägliche ihr roh und unleidlich vorkam und ihre Launen und Missstimmungen ihre Umgebung gehörig quälten.

 

Ganz unvermittelt traf da Ivonne ein Strahl göttlicher Gnade. Wie in Blitzeshelle erkannte sie plötzlich, wie allein Ewiges, wie Gott nur unserem Herzen genügen könne. Von diesem Tag an war sie wie verwandelt. Sie begann mit aller Energie Gott zu suchen und fühlte den Beruf als Karmelitin in sich erwachen. Statt aber in Demut Gott zu dienen, vertiefte sich Ivonne in die Werke der hl. Theresia, Verwechselte den Begriff der Heiligkeit, wurde überspannt, finster, ja, eine Betschwester, die ihre Familie nicht weniger quälte als früher. Da fiel ihr eine Lebensbeschreibung Theresias von Lisieux in die Hände und in Strömen von Licht und Frieden wurde ihr das Wesen der Gottesliebe und der Irrtum ihres bisherigen Weges klar. Gleichzeitig wusste Ivonne, dass der Karmel von Lisieux ihre gottgewollte Heimat werden sollte. Schwere Prüfungen hielten sie drei Jahre vom Eintritt zurück, während welcher sie bei ihren Verwandten gutzumachen suchte, was sie an ihnen bisher gefehlt hatte. 1904 endlich öffnete der Karmel von Lisieux dem glücklichen Mädchen seine Pforte. Bis zu ihrer Professablegung musste Schwester Isabella eine Schule harter Demütigungen und verborgener Leiden durchmachen. Sie schien so gesund, so stark und brach schon damals fast zusammen. Mit keinem Wort berührte die heldenmütige Schwester, dass die Strenge der Regel sie völlig aufrieb, und so durfte sie ihr ohne jede Dispens folgen und hatte nebenbei Arbeit über Arbeit. Nach ihrem Noviziat, besonders in der Zeit ihrer Krankheiten, erkannten die Mitschwestern erst die große Heiligkeit der so verborgenen, einfachen Schwestern, die in Riesenschritten ihrem Lebensziel – Opfer der barmherzigen Liebe zu werden – entgegeneilte. 1909 wurde sie Subpriorin und hatte das Noviziat – selbst erst 28 Jahre alt – zu führen. Zu gleicher Zeit begannen ihre großen Arbeiten für den Seligsprechungsprozess der kleinen Heiligen, die Wundersammlungen usw. Auf Gebot ihrer Oberin schrieb Mutter Isabella ihre eigene Seelengeschichte, die an herrlichen Führungen, erleuchteten Gedanken und Tugendfülle in vielem jener Schwester Theresias ähnelt. Es ist derselbe Weg zu Gott, nur Mutter Isabella hatte in ganz besonderer Weise dabei ihr Vertrauen auf Maria gesetzt, so zwar, dass sie sich und all ihre Verdienste ganz der Gottesmutter schenkte und nur an ihrer Hand vor Gott im Gebet und im Opfer trat. Sie folgte dabei dem Werk eines seligen, marianischen Sodalen: „Die wahre Andacht zu Maria oder: Das Geheimnis Mariä vom seligen Grignon de Montfort“.

 

1911 begann ein Lungenleiden Mutter Isabella dem Zeitpunkt ihres heißersehnten Heimgangs zu Gott nahe zu bringen. Aber noch vier Jahre musste sie einen harten Kreuzweg gehen, während dessen ihr noch ein großer Freudentag beschieden war. Von Rom kam die Kunde von der Einleitung des Seligsprechungsprozesses Schwester Theresias, an dessen Vorarbeiten sie so großen Anteil gehabt hatte. Vom Krankenlager aus leitete sie ein dreitägiges Dank- und Jubelfest im Karmel. Es war ihr letztes auf Erden. Am 31. Juli 1914 verschied sie gerade im Augenblick der heiligen Wandlung, 32 Jahre alt. Ihre letzten Worte waren: „O, wie sehr liebe ich Gott! Seine Güte lobpreisend, will ich sterben!“

 

Der heilige Batho, Priester und Mönch in Freising,

+ 31.7.1085 – Fest: 31. Juli

 

Zur Zeit des Bischofs Ellenhard, der vom Jahr 1057 bis 1085 die Kirche Freisings regierte, lebte daselbst ein frommer Priester, namens Batho. Er soll des Bischofs Kaplan und Sekretär gewesen sein. Man hat von ihm wenig Nachrichten. Aus einem alten Gebet, das zu Ehren des Batho gesprochen wurde, geht hervor, dass er einmal eine große Menge Volks mit wenigen Broten wunderbar gesättigt hat. Das Gebet heißt: „O Gott, der du auf die Fürbitte deines seligen Bekenners Batho in wüster Gegend eine Volksmenge durch deine Kraft gesättigt hast, verleihe uns gnädig bei unserem Scheiden aus dieser vergänglichen Welt die geistige Nahrung, damit wir nicht umkommen.“ Im ältesten Verzeichnis der Heiligen wird er Watho genannt und als heiliger Bekenner bezeichnet. In der Domkirche ist ein Altar zu Ehren des heiligen Batho geweiht. Alle Jahre wurde am 31. Juli sein Fest auf diesem Altar gefeiert. Der Ort seines Begräbnisses war im Chor, auf der Epistelseite. Ein kleiner Gedenkstein aus alter Zeit neben dem Hochaltar gibt davon Zeugnis. In diesem Stein ist folgende Inschrift eingegraben: „Unter diesem Stein ruhte einst der Leib des heiligen Batho.“ Im Jahr 1376 aber wurde er samt den Reliquien des heiligen Papstes Sixtus und mit dem Altar in die Kapelle des heiligen Ulrich der Bequemlichkeit halber übertragen. In der alten bischöflichen Kapelle wurde ein Arm des Seligen aufbewahrt. In der ehemaligen Stiftskirche des heiligen Andreas hat man das Haupt des Seligen, den unteren Kinnbacken und den größten Teil der Gebeine dieses heiligen Bekenners verehrt. Diese Reliquien sind mit vielen anderen vom seligen Domdechant Heckenstaller gesammelt und in Reliquienkästen aufbewahrt worden und werden alle Jahre am Reliquienfest, dem 2. Sonntag im August, zur Verehrung der Gläubigen feierlich ausgesetzt. Außerdem weiß man von diesem seligen Bekenner, sowie von den Heiligen Freisings nach dem heiligen Corbinian nichts zu erzählen.