Heilige im Januar

 

1. Januar

 

Der heilige Odilo, Abt und Bekenner von Cluny, Frankreich,

+ 1.1.1049 – Fest: 1. Januar

 

Der heilige Odilo oder Olo stammte aus der edlen Familie der Mercoeur, einer der berühmtesten in der Auvergne in Frankreich. Schon von Kindheit an zeigte er eine besondere Frömmigkeit, die von Tag zu Tag zunahm.

 

Als Odilo das Alter erreicht hatte, wo er sich seinen Stand selbst wählen konnte, trat er in das berühmte Benediktinerkloster Clugny ein und empfing aus den Händen des Abtes Majolus das Ordenskleid. Majolus nahm 991 Odilo zu seinem Gehilfen in der Leitung des Klosters, obgleich der junge Ordensmann damals erst 29 Jahre alt war. 3 Jahre danach starb Majolus, und die Leitung des Klosters wurde Odilo allein übertragen. Früh schon hatte sich der heilige Abt mit der Betrachtung himmlischer Dinge so vertraut gemacht, dass nützliche äußere Unterhaltung und notwendiger Verkehr mit der Welt die Sammlung seines Geistes nicht zu stören vermochten. Odilo hatte eine zärtliche Liebe zur seligsten Jungfrau Maria und eine ganz besondere Andacht zum Geheimnis der heiligen Menschwerdung des Herrn. Wenn im Te Deum vom Sohn Gottes der Vers gesungen wurde: Du hast, um die Menschen zu erlösen, den Schoß der Jungfrau nicht gescheut, wurde er von den lebhaftesten Gefühlen der göttlichen Liebe durchdrungen und geriet einstmals sogar in heilige Entzückung. Oft vergoss er während des Gebetes reichliche Tränen, denn er besaß im hohen Grad jenen Geist der Buße und Zerknirschung, dessen Frucht solche Tränen zu sein pflegen. Strenges Fasten, ein raues Bußkleid, eine eiserne Kette mit kleinen Stacheln wandte er an, um seinen Leib zu züchtigen und in Dienstbarkeit zu bringen. Gegen andere aber war Odilo so voll der Güte und Sanftmut, dass man ihm wegen des Übermaßes derselben Vorwürfe machte. Er aber antwortete: Ich will lieber wegen der Barmherzigkeit barmherzig gerichtet werden, als wegen Hartherzigkeit ohne Erbarmen verdammt.

 

Der Ruf der Heiligkeit Odilos drang bald in weite Fernen. Die alte fromme Kaiserin, die heilige Adelheid, verlangte daher sehnlichst, ihn vor ihrem Tod noch zu sehen. Dieser Wunsch wurde ihr 999 auf dem Schloss Orbe gewährt. Die Heilige weinte vor Freude, als sie den Diener Gottes erblickte, sie küsste voll Ehrfurcht sein Gewand und sagte, nun werde sie bald sterben, wie es auch wirklich geschehen ist. Auch ein recht armseliger Aussätziger, der wegen seiner ansteckenden Krankheit abgesondert wohnen musste, hatte ein großes Verlangen, mit Odilo zu sprechen, und der Heilige weigerte sich nicht, sondern, während der elendste Bettler Scheu hatte, mit dem Aussätzigen in Berührung zu kommen, ging er furchtlos zu ihm hin, küsste ihn und ließ sich mit ihm in ein langes Gespräch ein.

 

Als der heilige Kaiser Heinrich II. 1014 nach Rom zog, um sich krönen zu lassen, nahm er auch Odilo mit. Nach der Krönung erhielt der Kaiser vom Papst einen goldenen Apfel, der mit zwei Reihen Edelsteinen besetzt war, und ein goldenes Kreuz. Er nahm es mit Freuden an und schickte es bald darauf dem Kloster Clugny zum Geschenk. Odilo benützte diese Reise, um seiner Verehrung gegen den heiligen Benedikt genug zu tun, indem er das Stammkloster des Ordens, Monte Cassino, besuchte. Dort bat er sich die Gnade aus, der ganzen Ordensgemeinde die Füße küssen zu dürfen. Als er nach Clugny zurückgekommen war, zog auch Kaiser Heinrich da vorüber und kehrte im Kloster ein und wohnte den gemeinschaftlichen Gebeten bei.

 

Der Verkehr mit den Großen der Erde vermochte der Demut Odilos nichts anzuhaben, und hätte man daran zweifeln können, so wurde es klar, als er sich 1031 standhaft weigerte, die Würde eines Erzbischofs von Lyon anzunehmen. Ebensowenig konnten seine Reisen der Liebe zur Einsamkeit Abbruch tun, weil er sie nur unternahm, wenn die Liebe des Nächsten ihn dazu nötigte, sei es, dass er in verschiedenen Häusern seines Ordens, die von der ursprünglichen Heiligkeit ihrer Stiftung abgewichen waren, eine Verbesserung einführen, sei es, dass er anderen Unglücklichen zu Hilfe kommen wollte. Der sein Leben beschrieben hat, sagt, der heilige Odilo sei gewesen der Stab der Blinden, die Speise der Hungrigen, die Hoffnung der Elenden, der Trost der Traurigen, und eine unbeschreibliche Barmherzigkeit und Freude, anderen wohlzutun, sei bei ihm allezeit gewesen. Einmal zur Zeit einer Hungersnot, 1016, fand Odilo an der Landstraße zwei nackte Kinder liegen, gestorben vor Hunger und Kälte. Er stieg vom Pferd, hüllte die Leichname der Kinder in sein Oberkleid und suchte ums. Geld einige Leute, die ihm die Kleinen begraben halfen; dann erst setzte er seine Reise fort. Wie der heilige Martin dem nackten Bettler die Hälfte seines Kleides schenkte, so schenkte der heilige Odilo sein ganzes Kleid den Toten. Die Hungersnot dauerte lange Zeit, und Odilo, unerschöpflich in Almosen, hatte allen Vorrat erschöpft; er ließ also, um den leidenden Gliedern Jesu Christi Hilfe leisten zu können, selbst die heiligen Kirchengefäße einschmelzen und auch die kostbaren Geschenke verkaufen, die Kaiser Heinrich der Kirche von Clugny gemacht hatte. Als schließlich alles nicht mehr reichen wollte, zog er hinaus und predigte überall denjenigen, die noch etwas besaßen, zu geben, und trieb so das edelste Betteln, das es gibt, das Betteln für den Mitmenschen.

 

Es steht geschrieben: Wer sich des Armen erbarmt, leiht dem Herrn auf Zinsen; er wird es ihm vergelten (Spr 19,17). Gewöhnlichen Menschen zahlt Gott oft mit zeitlichem Glück und Segen; recht heiligmäßigen Seelen aber schenkt er am liebsten die kostbare Perle der Leiden, die eine so unermessliche Herrlichkeit im Himmel einträgt. So hielt er es mit Odilo und suchte ihn die letzten fünf Jahre seines Lebens mit sehr schmerzlichen Krankheiten heim. Allein der Heilige blieb sich immer gleich und litt als ein wahrer Jünger des Kreuzes. Er machte eine Wallfahrt nach Rom zu den Gräbern der heiligen Apostel Petrus und Paulus, aber nicht um durch ihre Fürbitte geheilt zu werden, sondern um dort unter ihrem Beistand selig zu sterben. In Rom lag er vier Monate krank darnieder; aber anstatt zu sterben wurde er wieder gesund und kehrte nach Clugny zurück. Hier brachte er fast ein ganzes Jahr in strengem Fasten, Wachen und Beten zu, soweit dies die Schwäche eines 86jährigen Greises gestattete.

 

Odilo wollte mitten in der Arbeit sterben. Obwohl er sein nahes Ende vorhergesagt hatte, machte er sich noch einmal auf, die übrigen Klöster, die ihm unterstellt waren, zu besuchen und den Brüdern als sterbender Vater die letzten Worte der Ermahnung zu sprechen. Da er nun im Advent nach Souvigny gekommen war und dem Volk über die Ankunft des Heilandes gepredigt hatte, befielen ihn wieder seine heftigen Schmerzen, und diesmal in tödlicher Weise. Nachdem er die heiligen Sakramente verlangt und empfangen hatte, ließ er sich in die Kirche tragen und schloss dort ruhig die Augen und verschied in Frieden auf einem mit Asche bestreuten Bußkleid 1049. Odilo war 56 Jahre Abt gewesen und starb im 87. Jahr seines Alters.

 

Die Lebensgeschichte des heiligen Odilo erzählt auch viele Wunder. Wir wollen aber stattdessen hier noch auf zwei seiner besonderen Liebeswerke aufmerksam machen. Zu Odilos Zeiten waren Raub und Mord noch sehr verbreitet, und jeder Edelmann glaubte sich berechtigt, mit gewaffneter Hand seine besonderen Streitigkeiten zu schlichten. Dagegen wurde der sogenannte Gottesfriede eingeführt, nach welchem die Klöster für alle als Freistätten gelten mussten, jene ausgenommen, die selbst den Gottesfrieden verletzt hatten; und von Mittwoch bis Montagmorgen durfte gegen niemand Gewalt geübt werden, auch nicht unter dem Vorwand, wegen erlittener Unbilden sich Recht zu verschaffen. Gegen diesen Gottesfrieden erhoben sich mächtige Schwierigkeiten; aber den vereinten Bemühungen des heiligen Odilo und des gottseligen Richard, Abt von Vannes, gelang es, ihn an vielen Orten einzuführen.

 

Ein anderes Liebeswerk des heiligen Odilo gilt den Armen Seelen im Fegfeuer. Er führte in allen seinen Klöstern den Allerseelentag ein und feierte ihn durch Almosen, Gebete und Messopfer für die Verstorbenen. Wie sehr die Kirche das billigte, hat sie bewiesen, indem sie später diese Erinnerungsfeier allgemein einführte. Beginnen also auch wir das neue Jahr, in das uns der Tag des heiligen Odilo einführt, nach seinem Beispiel mit Gebet und einem namhaften Almosen für Lebendige und Verstorbene.

 

Die heilige Zdislava von Berka, Gräfin, Witwe von Mähren,

+ 1.1.1252 - Fest: 1. Januar

 

Wenn in dieser Beschreibung ein Heiligenbild gezeichnet wird und dies die erste Blüte aus dem dritten Orden des heiligen Dominikus genannt wird, so soll damit nur gesagt sein, dass diese Heilige, die selige Zdislava, die erste und älteste Tertiarin ist, der die Ehre der Altäre zuteilwurde. Zweifelsohne werden schon vor ihr zahlreiche Tertiaren durch musterhaftes Tugendleben den schönen Himmelslohn erlangt haben, da ja in den glaubenseifrigen Zeiten des 13. Jahrhunderts kurz nach der Stiftung des dritten Ordens vom heiligen Dominikus heiliger Wetteifer und geradezu heroische Tugendübung unter den vielen Tausenden von Dominikus-Kindern herrschte; aber deren Tugendgröße und Himmelslohn ist Gott allein bekannt. Zdislava ist die erste Tertiarin, die feierlich selig gesprochen wurde. Es geschah dies durch Papst Pius X. am 28. August 1907. Zdislavas seliges Hinscheiden fällt auf den 1. Januar 1252. Somit sind es jetzt gerade 760 Jahre, dass sie im himmlischen Paradies weilt, zusammen mit so vielen, vielen anderen, die nach St. Dominicis Satzungen ihr Leben geheiligt haben.

 

Es wäre sicher interessant, etwas vorauszuschicken über die Entstehung des dritten Dominikanerordens, seine Tätigkeit, seine Verbreitung, seine Satzungen zu Zeiten des heiligen Dominikus. Schon das ursprüngliche Verhältnis des Ordens von der Miliz (Streitmacht) Christi zu den Genossenschaften von der Buße, sowie die spätere Verschmelzung beider zu dem jetzigen dritten Orden vom heiligen Dominikus bieten viel Beachtenswertes. Miliz Christi und Buße, das ist die ganze Bedeutung des Dominikaner-Wahlspruches: Veritas (Wahrheit). Das sind die beiden hohen Ziele, die St. Dominikus allen drei Zweigen seiner großen Ordensstiftung vorstellte.

 

Zdislava ist eine herrliche Blüte des dritten Dominikanerordens. Ihr Leben und Wirken gleicht fast Zug um Zug dem der heiligen Elisabeth von Thüringen, die ja auch ihre Zeitgenossin war. Zdislava und Elisabeth sind beide aus hohem Geschlecht, werden beide jung verheiratet, finden beide in ihren Ehegatten kein oder nur wenig Verständnis für höhere Tugendübung und haben infolgedessen manche harte Behandlung zu ertragen. Beide wetteifern in der Liebe zu den Armen wie in der Strenge gegen sich selbst. Zdislava erhält sogar den ehrenden Beinamen „Mutter der Armen“. Die Wohltätigkeit beider mag wohl zuweilen die Grenzen einer kühl berechnenden Vernunft überschritten haben. Daher erleben sie Anfeindungen oder wenigstens strenge Überwachung. Aber Gottes Auge schaute wohlgefällig auf ihre liebevollen Werke der Barmherzigkeit. Das Wunder des verwandelten Kruzifixes findet sich im Leben beider Heiligen. Zdislava reichte schon in früher Jugend dem Grafen Gallus von Marquarde die Hand zum Ehebund. Wohl hätte sie lieber im jungfräulichen Stand Gott gedient, aber ihre Eltern verlangten von ihr die Einwilligung zum Ehestand. In dem Willen der Eltern glaubte sie aber Gottes Willen zu erkennen, und so nahm sie mutig das Ehejoch auf ihre Schultern. Ihr Ehegatte scheint ein rauer Ritter gewesen zu sein, der sie nichts weniger als zart und liebevoll behandelte, und der sie viele harte, kränkende Worte hören ließ. Trotzdem war Zdislava nicht missmutig, traurig oder ungeduldig. Im Gegenteil, freudig trug sie ihr schweres Ehekreuz und setzte der rauen Härte ihres Mannes unbesiegbare Sanftmut, Freundlichkeit und Liebe entgegen; Tugenden, die schließlich doch den Sieg über das barsche Gemüt ihres Gatten davontrugen. Der Ehe entsprossen vier Kinder, drei Jungen und ein Mädchen. Dieses, das jüngste der Kinder, nannte man wegen ihrer Anmut nur „die schöne Margaret“. Um diese Zeit lernte Zdislava zuerst den Dominikanerorden kennen, und zwar durch zwei hervorragende Männer: den heiligen Hyazinth und den seligen Ceslaus. Nun rastete und ruhte sie nicht, bis in der nordböhmischen Stadt Gabel, in deren Nähe ihr Schloss lag, eine Dominikanerniederlassung gegründet wurde. Mit großer Freigebigkeit spendete sie aus ihren reichen Mitteln zum Bau von Kirche und Kloster. Ja, sie soll sogar des Nachts mit eigenen Händen Baumaterialien zum Kloster- und Kirchenbau herbeigetragen haben. Endlich war der Bau vollendet. Aber Zdislava wollte noch mehr. Am liebsten hätte sie ihr gräfliches Schloss verlassen und wäre selbst ein Dominikuskind in einem strengen Kloster geworden. Indes das ging nicht. Sie war Mutter und Gattin und konnte den häuslichen Herd nicht verlassen. Da fand nun ihr glühender Eifer, verbunden mit kluger Beharrlichkeit, dennoch einen Weg, ihren Herzenswunsch zu befriedigen. Durch beständige, innige Bitten erlangte sie endlich von ihrem Gatten die Erlaubnis, in den dritten Orden des heiligen Dominikus einzutreten, und sie wurde im Jahr 1224 vom seligen Ceslaus selbst eingekleidet. Damals war es noch gestattet, dass auch die weltlichen Tertiaren das Ordensgewand öffentlich trugen, und so erschien denn die reiche Gräfin vom Schloss Lämberg im weißen Dominikanerhabit täglich in der von ihr gebauten Ordenskirche zu Gabel. Ohne auch nur im geringsten ihre Mutter- und Hausfrauenpflichten zu vernachlässigen, machte sie heiligen Ernst mit der Beobachtung der Ordenssatzungen. Nicht bloß dem Namen nach gehörte sie dem Orden von der Buße an, sondern sie übte auch eine straffe Selbstzucht in ihrem täglichen Leben. Was uns von ihrer treuen Beobachtung der Ordensfasten, von ihrer gewissenhaften Arbeitsfreudigkeit, von ihren verschiedenen strengen Bußwerken, von ihren großen Liebestaten berichtet wird, alles dies beweist, dass sie nicht bloß eine Edelfrau dem Geblüte nach, sondern auch der Gesinnung und Charaktergröße nach war. In der ganzen Umgegend nannte man sie nur „die Mutter der Armen“. Auf ihrer ganzen Erscheinung lag ein solch herzgewinnender Zauber, dass sie alle an sich zog, beglückte und beseligte. Selbst ihr rauer, gemütsarmer Ehegatte konnte auf die Dauer diesem Zauber nicht widerstehen. Eine völlige Gesinnungsänderung trat bei ihm ein. Er lernte das selbstlose, hingebende Wesen seiner heiligmäßigen Gattin schätzen, und ließ ihr nunmehr volle Freiheit, die reichsten Almosen zu spenden und auch sonst ihre mildtätige Liebe auszuüben. Trotz der fast grenzenlosen Freigebigkeit Zdislavas verminderte sich nicht das Stammvermögen ihrer Familie. Im Gegenteil, es wuchs, und noch jahrhundertelang waren die Grafen von Berka die Reichsten des Landes.

 

Während in den ersten Jahren ihres Ehestandes ihr Gatte sie kalt, ja abstoßend behandelte, waltete nun die innigste und edelste Gattenliebe zwischen ihnen. Zdislava war geschätzt und geliebt von allen, weil sie in allem nur Gott suchte, sich selbst vergaß, und jedem wohlzutun strebte. – Das Jahr 1251 ging seinem Ende entgegen, und mit ihm auch die irdische Laufbahn dieser großen Frau. Sie war reif für den Himmel, obschon sie nach menschlicher Berechnung noch lange hier auf Erden hätte wirken sollen. Das 40. Lebensjahr hatte sie kaum überschritten, aber sie fühlte ihr Ende nahe. In diesem Bewusstsein hatte sie in der von ihr gegründeten Dominikanerkirche zu Gabel sich eine Grabstätte herrichten lassen. Es war Ende Dezember. Von ihrem gräflichen Schloss Lämberg ließ sie sich herunterbringen nach Gabel in die Kirche. In ihrem Beisein wurde die Grabstätte eingesegnet. Sie empfing dann in der Kirche selbst die Sterbesakramente. Zurückgekehrt auf ihr Schloss, versammelte sie ihre ganze Familie um ihr Sterbelager. Ihr Gatte, der raue Ritter von ehemals, war untröstlich über den nahen Verlust seiner innigstgeliebten Gattin. Heiße Tränen rannen über sein wetterhartes Gesicht. Aber Zdislava wusste ihn zu trösten mit der sicheren Aussicht auf baldiges Wiedersehen im Himmel, wo es keine Trennung mehr gibt. Sie verschied am 1. Januar 1252. Gallus, ihr Gatte, und mit ihm ihre Kinder und alle, die sie gekannt hatten, empfanden jetzt erst, was sie alles an Zdislava verloren hatten. Bei Gallus mögen auch brennende Gewissensbisse aufgetaucht sein. Er empfand es so bitter, dass er seine herzensgute, heiligmäßige, um ihn so besorgte Gattin früher nicht liebevoller behandelt hatte. Er grämte sich bei Tag und bei Nacht. Da erschien ihm, strahlend in himmlischem Glanz, angetan mit einem roten Gewand, seine verstorbene Gattin, tröstete ihn und bat ihn, nicht weiter über sie zu trauern. „Gallus, bald wirst du bei mir sein“, mit diesen Worten verschwand die Erscheinung. In der Tat starb Gallus zwei Jahre später eines seligen Todes.

 

In Böhmen wird die Zdislava als Schutzheilige der Armen und Leidenden verehrt. Bereits im 14. Jahrhundert berichtete der böhmische Chronist Dalimil über Zdislavas Heilungen von Kranken und die ihr zugeschriebene Auferweckung von fünf Toten. Franz Anton Graf Berka von Dubá errichtete zwischen 1699 und 1722 in Gabel zu Ehren seiner Ahnin, der hl. Zdislava, den Neubau der St.-Laurentius-Kirche. Sie wurde von Johann Lucas von Hildebrandt nach dem Vorbild der Wiener Peterskirche entworfen. In einer Gruft befinden sich die Reliquien der hl. Zdislava. Trotz der Bemühungen der Berka von Dubá erfolgte zunächst keine päpstliche Bestätigung der Erhebung Zdislavas zur Seligen der katholischen Kirche. Dies geschah erst 1907 durch Papst Pius X. 1908 wurden ihre Reliquien in diesen Stand erhoben. Auch nach der Machtübernahme der Tschechoslowakei durch die Kommunisten 1948 bemühte sich ab 1949 der damalige Bischof von Leitmeritz Stepán Trochta um Zdislavas Heiligsprechung, die jedoch erst am 21. Mai 1995 durch Papst Johannes Paul II. erfolgte. Am Wallfahrtsberg Svatá hora befindet sich eine Gedenkstätte. Eine Zdislava geweihte Kirche befindet sich seit 1994 in Lavičky. 1996 wurde die Laurentiuskirche von Jablonné v Podještědí, in der die Reliquien der Heiligen verehrt werden, zur Basilica minor erhoben und das Patrozinium der hl. Zdislava hinzugefügt.

 

Der heilige Almachius, Einsiedler im Orient, Martyrer in Rom,

+ 1.1.404 - Fest: 1. Januar

 

Almachius wurde im Orient geboren und zeigte von frühester Jugend an einen heiligen Eifer für die Erhaltung der Reinheit der christlichen Religion. Als junger Mann begab er sich in ein Kloster, wo er sich unter allen seinen Mitbrüdern sowohl durch Demut als Gelehrsamkeit auszeichnete, und schließlich, vom Geist Gottes getrieben, den Entschluss fasste, die klösterliche Einsamkeit zu verlassen und nach Rom zu reisen, wo noch so viele Heiden in der Finsternis des Unglaubens lebten. Almachius kam im Jahr 395 nach Rom, der damaligen Hauptstadt der Welt, als Siricius auf dem päpstlichen Thron saß, und Theodosius als Kaiser das römische Reich regierte. Am Tag der Beschneidung Jesu, dem Fest das die Gläubigen mit strengem Fasten und ununterbrochenem Gebet feierten, wurden in Rom öffentliche Spiele zur Ehre der Götter gegeben und alles Volk strömte dahin. Almachius, der Gottbegeisterte, erblickte die schändlichen Wettkämpfe, wobei Menschenblut floss, und sah die abergläubischen Opfer, die falschen Götzen gebracht wurden, und unerschrocken drang er durch das Volk bis hin zum erhöhten Sitz des Stadt-Präfekten Alipius und sprach mit lauter Stimme: „Ihr Unglücklichen! Heute ist der Erinnerungstag, an dem einst Jesus, der Sohn Gottes, als Kind sein Blut zum Heil der Welt vergossen hat, und ihr entweiht dieses Fest durch blutige Schauspiele, durch unmäßige Gastmahle und abergläubische Opfer?“ Alles schwieg, und der Heilige predigte der horchenden Menge den wahren und einzigen Gott und zeigte den Wahnsinn, eingebildeten Götzen Opfer zu bringen. Da ergrimmte Alipius und befahl seinen Henkern, den Frevler gegen die Götter zu morden. Almachius erhob seine Hände und Augen zum Himmel, flehte um Verzeihung für seine Mörder und gab, zerfleischt am ganzen Körper, seinen Geist auf.

 

Als der Kaiser Theodosius, der den Christen gegenüber günstig gestimmt war, von diesem grausamen Mord erfuhr, erklärte er mit Übereinstimmung des Papstes den Almachius als einen heiligen Martyrer und verbot unter strengen Strafen alle heidnischen Spiele, bei denen Menschenblut vergossen wurde.

 

Der heilige Fulgentius, Bischof, Bekenner und Kirchenvater von Ruspe, Afrika,

+ 1.1.533 – Fest: 1. Januar

 

Der große Kirchenvater der kleinen Seestadt Ruspe in Nordafrika mag uns über Land und Meer die Hand zum Geleit ins neue Gnadenjahr des Herrn reichen. In zweifacher Hinsicht war sein Name Fulgentius, „der Leuchtende“, von prophetischer Bedeutung. Vor der hörenden Kirche nämlich steht der strenge Mönch und fromme Bischof als Leuchte vorbildlicher Christentugend; die lehrende Kirche aber feiert den berühmten Kirchenvater und großen Gottesgelehrten – vielleicht den größten seiner Zeit – als Leuchte der heiligen Wissenschaft, als den Augustinus seines Jahrhunderts.

 

Fulgentius war Sprössling einer vornehmen Familie. Im Jahr 468 erschloss sich die Edelknospe im damals so blühenden Gottesgarten der nordafrikanischen Kirchenprovinz. Das Gnadenkind empfing aus der Hand der Vorsehung zwei für das spätere Leben besonders entscheidende Wiegengeschenke: eine fromme, verständige Mutter, Mariana mit Namen, die ihm durch die Kindheitstage und Jugendjahre den sicheren Weg wies; sodann eine ungewöhnlich reiche Geistesanlage, die sich unter dem befruchtenden Tau sorgfältiger Ausbildung zu rascher Blüte und reifer Frucht entfaltete.

 

Der edle Charakter und das tiefgründige Wissen eröffneten dem heranreifenden jungen Mann eine glänzende Laufbahn in der Welt. Noch in jungen Jahren wurde er der oberste Verwaltungsbeamte (Präfekt) seiner Vaterstadt Telepte. Doch ihn zog es zum Dienst Gottes in die Einsamkeit der Klosterzelle. Des heiligen Augustin wundervolle Erklärung des 36. Psalmes hatte den Entschluss zur Reise gebracht. Er vertauschte die Amtsbinde mit dem Bußgürtel, den Glanz der Welt mit entsagender Aszese.

 

Gottes Gnade und menschliches Tugendstreben trugen nun den jungen Mönch wie mit mächtigen Schwingen rasch aufwärts zum Höhenpfad christlicher Vollkommenheit. Die Selbstheiligung erreichte jene selige Höhe, auf der die strengsten Bußübungen und herbsten Entsagungen nicht mehr sowohl als Opfer leiblicher Abtötung, sondern als Bedürfnis seelischen Genießens empfunden zu werden pflegen. Aber noch ein zweiter Gottesquell erschloss sich dem Heiligen in der Stille des Klosters, der tiefe Born der heiligen Wissenschaft. Seine Wasser strömten ihm aus den Werken der heiligen Väter zu, insbesondere aber aus dem „Buch der Bücher“, in die er sich von Tag zu Tag mehr vertiefte. Als den „treuesten Sachwalter und Ausspender des ganzen Neuen Testamentes“ feiert ihn darum gleich die erste Zeile seiner Lebensbeschreibung, wohl aus der Feder seines gleichnamigen Schülers Fulgentius Ferrandus.

 

Die schönste Doppelfrucht des stillen Klosterfriedens sollte sich freilich für den ahnungslosen Mönch und (seit etwa 500) Klosterabt zur starken Waffenrüstung wandeln für den „guten Kampf“, den er außerhalb der Klosterumfriedung gegen schwere Bedrückungen der Kirche und gefährliche Irrlehren zu führen hatte. Die Not der Zeit rief nämlich den Mann der Vorsehung in stürmischen Tagen um das Jahr 510 auf den lang verwaisten Bischofsstuhl von Ruspe. Das „nolo episcopari“ („ich will nicht Bischof werden“), das seine Vorliebe für das beschauliche Leben anfänglich so entschieden gesprochen hatte, musste dem Opfer des Gehorsams weichen, das er bringen musste. Schon in die Abgeschiedenheit seines Mönchslebens hatte einmal die gewaltige und gewalttätige Irrlehre des Arianismus, der die Leugnung der Gottheit Christi auf seine gottlose Fahne geschrieben hatte und gerade im vandalischen Nordafrika noch seine starken Ausläufer hatte, eine wilde Sturzwelle hineingeworfen. Auf offener Straße wurde Fulgentius und sein Abt Felix von fanatischen Häretikern überfallen und misshandelt, so dass sie blutüberströmt ins Kloster zurückkamen. Doch noch schwerere Kämpfe und Leiden harrten des Bekennerbischofs. Ihr „gutes, gerütteltes, geschütteltes und gehäuftes Maß“ (Lk 6,38) erreichten dieselben namentlich in jenen acht Jahren (515-523), in welchen er als Opfer seiner Rechtgläubigkeit und Glaubensstandhaftigkeit mit mehr als 60 anderen katholischen Bischöfen seiner Kirchenprovinz vom grausamen Vandalenkönig Thrasamund auf die Insel Sardinien verbannt war. Mit der Thronbesteigung des milderen Königs Childerich im Jahr 523 kehrte allerdings der Kirche der äußere Friede wieder. Doch der unerschrockene Vorkämpfer der katholischen Wahrheit setzte den einmal übernommenen Glaubenskampf wider den Arianismus und andere Irrlehren mit dem „Schwert des Wortes“ wie mit der Feder in der Hand bis zu seinem Lebensende (1. Januar 533) fort. Seine Schriften füllen heute noch einen stattlichen Band im reichen Schatz des altkirchlichen Väterschrifttums und sind Gemeingut der ganzen Christenheit geworden. Gerade in ihnen leuchtet der Name Fulgentius am hellsten mit ungebrochenem Strahl durch die Jahrhunderte herab in jedes neue Jahr hinein, das aus dem Zeitstrom auftaucht. Mit Recht ruft sein begeisterter Lobredner und Schüler am Schluss seiner Lebensbeschreibung aus: „Wer würde nicht voll Bewunderung zum gnadenvollen Lebensbild des seligen Fulgentius aufblicken?“

 

Das Mönchsleben wird von den Feinden der katholischen Religion so gern als „Weltflucht“ und „Lebensverneinung“ verdächtigt. Im Licht unseres obigen Lebensbildes verblassen solche nichtsagende Schlagworte. Der Jünger der christlichen Vollkommenheit flieht allerdings das Böse und die Gefahren dieser Welt, aber nur, um desto mehr dem Guten in der Welt nachzugehen. In seinem Vollkommenheitsstreben liegt die denkbar höchste Lebensbejahung, die selbst ins Kleinste, ins Widrigste in der Welt höheren Sinn und Ewigkeitswerte legt und das Erdenleben aus dem Vergänglichen ins Unvergängliche, aus dem natürlichen Bereich in die Sphäre des Übernatürlichen, Himmlischen und Göttlichen emporhebt.

 

Der selige Diener Gottes Valentin Paquay, Franziskaner-Ordenspriester,

+ 1.1.1905 – Fest: 1. Januar

 

Unsere heilige katholische Kirche wäre nicht die wahre Kirche Jesu, sie wäre nicht heilig, wenn sie nicht fort und fort ungezählte Heilige zum Himmel sendete. Unauffällig wie ihr frommes Erdenleben ist auch der Hingang der seligen Gotteskinder; weder Mitwelt noch Kirche schmückt sie mit dem Heiligen-Namen. Tritt die Heiligkeit aber augenfällig in die Erscheinung, so ist es zuerst das gläubige Volk, das seine Lieblinge gebührend ehrt, bis vielleicht später einmal, nach langer, reiflicher Prüfung, die Kirche mit gottgegebener Vollmacht die Stimme des Volkes bestätigt. Am 1. Januar 1905 verschied zu Hasselt, in der Provinz Limburg in Belgien, ein Mann, der in der Stadt und Umgebung nur unter dem Namen „der heilige Pater“ bekannt war, Pater Valentin Paquay (spr. Pakäh), also ein Heiliger unserer Tage.

 

Geboren zu Tongern am 17. November 1838, verdiente Ludwig Paquay sich schon als Student das ehrende Zeugnis seiner Studiengenossen, dass er für alle ein hellleuchtendes Vorbild großer Frömmigkeit, Demut und brüderlicher Liebe, ein vollkommenes Muster des Gehorsams gegen seine Lehrer gewesen sei. Schon im Seminar von St. Trond habe man ihn als einen Heiligen betrachtet. In der Haltung eines Engels sei er wie ein zweiter Johannes Berchmans in der Betrachtung des heiligsten Geheimnisses auf dem Altar ganz aufgegangen, ohne etwas zu sehen und zu hören von dem, was um ihn vorging. Als der tugendhafte junge Mann am 24. September 1849 bebenden Herzens an der Klosterpforte zu Thielt anklopfte, da führte ihn kein anderer Beweggrund, als das sehnlichste Verlangen, in der Familie des heiligen Vaters Franziskus leichter und rascher zur Vollkommenheit emporsteigen zu können. Mit Vorliebe wiederholte er später bei Exerzitien für Ordensleute die Worte: „Wer zu einem anderen Zweck Ordensmann wird, als um ein Heiliger zu werden, der ist wahrhaftig ein Narr in des Wortes vollster Bedeutung. „Um heilig zu werden, bin ich in den Orden getreten, sagte Johannes Berchmans. Und er sagte es ganz laut, damit jedermann es hören konnte. Wohl denn, sagen auch wir es ganz laut und alle mögen es hören. Bei unserem Eintritt ins Kloster haben wir gelobt, Heilige zu werden. Und eines Tages werden unsere Mitbrüder und die Welt erfahren, ob wir Männer von Wort gewesen sind. Arbeiten wir tüchtig, wappnen wir uns mit unbesiegbarem Mut und unerschütterlichem Gottvertrauen, dann werden wir sicher zum Ziel gelangen.“

 

Der so sprach, handelte auch so, und nur so gelangte er selber ans erstrebte Ziel. Denn auch unser Gottseliger hatte Widerstände und Schwierigkeiten zu überwinden, wie jeder Kämpfer um das Höchste. Sein Charakter hatte etwas von Heftigkeit an sich, weshalb während seiner jungen Jahre selbst die Sorge für seine Vervollkommnung einen Anflug von Überstürzung hatte. Aber nach vielen Mühen trug er den Sieg über seine Heftigkeit davon und alle seine Handlungen vollzogen sich in den von der Klugheit gezogenen Grenzen. Wie hütete Frater Valentin so sorgsam den kostbaren Schatz der Herzensreinheit! „Gott sei Dank“, sagte er einmal betreffs der schon im dreizehnten Lebensjahr Gott gelobten Keuschheit, „ich habe festgehalten, aber wie schwer war es, immer die Wachsamkeit über die Augen zu beobachten!“

 

Die Sünde hasste der Diener Gottes über alles, gleichviel ob es sich um schwere oder lässliche Sünde handelte. Da machte er für sich keinen Unterschied. Er musste denn auch einmal, im November 1897, auf Befragen eingestehen, dass er durch den besonderen Schutz Gottes niemals eine Todsünde begangen habe. „Dieser heiligmäßige Ordensmann“, schreibt einer seiner Mitbrüder, „der für andere so liebevoll besorgt war, war auch unnachsichtig streng gegen sich selbst und behandelte seinen Körper mit der Härte eines unerbittlichen Henkers.“

 

Heiligkeit wächst nur auf dem Grund der Demut. Diese schwere Tugend übte der Jünger des demütigen Heiligen von Assisi mit solcher Beflissenheit, dass er öfters absichtlich sich ganz töricht benahm, um bei anderen die hohe Meinung herabzusetzen, die man von ihm überall bekundete. Von zarter Kindheit an waren seine Träume auf die Priesterwürde als sein höchstes Erdenglück gerichtet. Und doch war sein Entschluss schon gefasst, nach dem Beispiel seines seraphischen Vaters Diakon zu bleiben. Am Vorabend seiner Ordination musste man wirklich Frater Valentin, der sich versteckt hatte, lange suchen, und nur kraft des Gehorsams fügte er sich darein, mit seinen Mitbrüdern nach Lüttich zu gehen, wo er am 10. Juli 1854 die heilige Priesterweihe erhielt.

 

Schlicht und einfach war das Leben des Priesters und Ordensmannes; nichts unterschied ihn äußerlich von seinen Mitbrüdern. Innerlich aber ging er ganz in Gott auf. Eine ganz außerordentliche Liebe zu Jesus verzehrte sein Herz. Diese Liebe belebte seine Handlungen, diese Liebe teilte sich seiner Umwelt mit. „Pater Valentin predigte uns ganz wunderbare Sachen. Woher schöpfte er sie. Sicherlich nicht aus Büchern, denn während der ganzen Dauer der Exerzitien öffnete er nie ein Buch. Alle freie Zeit verbrachte er, auf den Knien liegend, vor dem Tabernakel. Dort fand man ihn stets in Gebet und Betrachtung versunken.“ So schreibt eine Ordensoberin über ihn. Die Vereinigung der Seele mit Jesus, diese „begehrenswerte Vereinigung, diese geheiligte Vereinigung, diese Vereinigung voll unendlicher Süßigkeit“, pries er in den anziehendsten Bildern und Vergleichen. Darum empfahl er auch stets die tägliche Kommunion. Als ihm ein Beichtkind auf die Frage, warum es nicht täglich kommuniziere, antwortete, dass es sich nicht für würdig halte, entgegnete er lebhaft: „Würdig? Würdig? Aber du wirst nie würdig sein. Wenn du dessen würdig wärest, so wäre die heilige Kommunion für dich nicht mehr nötig. Warte, ich werde dich würdig machen! Von jetzt an gehst du alle Tage. Man muss kommunizieren, nicht als wenn man es verdiente, sondern um weniger unwürdig zu werden. Man gewährt dem lieben Jesus mehr Genugtuung, wenn man ihn oft aus Liebe empfängt, als wenn man aus Demut dem Tisch des Herrn fern bleibt.“

 

Einer Ordensfrau, die klagte, dass es ihnen nicht erlaubt sei, alle Tage zum Tisch des Herrn zu gehen, erwiderte Pater Valentin: „Es wird der Tag kommen, wo Ihr den lieben Gott alle Tage empfangen könnt.“ So kam es. Noch war der Eiferer für oftmalige Kommunion kaum ein Jahr tot, als Papst Pius X. das berühmte Dekret über die öftere Kommunion erließ.

 

Liebe zum Heiland erzeugt Liebe zu den Seelen. Pater Valentins Seeleneifer, seine Hingabe für die Rettung der Seelen war unbegrenzt. Diese Liebe war es, die ihm das Vertrauen von Tausenden erwarb, die seinen Namen weit über die Grenzen seiner Heimat getragen hat. Seelen zu retten, galt ihm als das Schönste auf Erden. Keine Mühe war ihm dafür zu groß. Zu dem Zweck verbrachte er sein Leben zum allergrößten Teil im Beichtstuhl. Nur die ihn verzehrende Glut des Seeleneifers ließ ihn die unaufhörlichen Anstrengungen ertragen, denen er sich Tag und Nacht unterzog. Wie oft begehrten ihn die Sterbenden, die Sünder, die von Bekehrung nichts wissen wollten, als letzten rettenden Pförtner des Paradieses. War es ihm süßer Trost, dem Herrn die Herzen zuzuführen, so mag gar oft seine überaus zarte, reine Seele Marterqualen erduldet haben, wenn er so viel sittliches Elend anhören und heilen musste. Nur das Bewusstsein der Pflicht hat den an Selbstverleugnung Gewöhnten vermocht, das Widerstreben der Natur zu besiegen. Im Beichtstuhl hat er gelebt, dort hat er sich geheiligt. „Mein Lieber“, sagte er einem jungen Mitbruder, „wir Priester, wir müssen und sollen uns im Beichtstuhl heiligen“.

 

Wie der auserwählte Diener Gottes im Bußgericht wirkte, darin lag ein Geheimnis. Der Geist der Weisheit und allen Trostes muss durch seinen Mund gesprochen haben. Das bekundet die allgemeine Überzeugung. „Sonderbar, die Beichtkinder gehen zu ihm; er sagt fast nichts und trotzdem kommen sie umgewandelt und bekehrt zurück.“ Eine ganz kurze Ermahnung, ein Wort genügte, um den bittersten Schmerz zu lindern, die dichteste Finsternis zu erhellen, die größten Zweifel zu lösen, den Schwachen wunderbare Kraft und Stärke zu geben. In der Seelenleitung war es auch, wo Gott dem „äußerst fähigen Mann, einem Heiligen, übernatürliche Erleuchtungen gab“, wie Bischof Doutreloux (spr. Dutrelu`) von Lüttich bezeugt. Eine ganze Reihe von Tatsachen sind aufs glaubwürdigste und sicherste bekannt geworden, wo der heilige Pater von Hasselt den Beichtkindern genau nach Zeit, Zahl und Ort ihre verborgensten Sünden vorsagte, zukünftige Dinge, ein Leid, den Tod, oft den Beruf, oft ganz den jeweiligen Neigungen und Lagen entgegen, vorauskündete, wie er ihm völlig unbekannte Leute erwartete: „Warum kamen Sie nicht früher? Schon vor vierzehn Jahren wololten Sie kommen und haben es immer wieder verschoben.“ Oder: „Ach da sind Sie ja. Ich habe ganze Nächte lang für Sie gebetet.“

 

In dem Beileidsschreiben an den Ordensprovinzial beim Tod Pater Valentins nannte der Diözesanbischof „den heiligen Ordensmann“: „Apostel des Beichtstuhls“. Das wird sein Ruhmestitel bleiben. Die Macht seiner Fürsprache bei Gott hat sich bereits als wirksam erwiesen. Der Prozess zur Seligsprechung ist zu Anfang des 20. Jahrhunderts eingeleitet worden. Am 9. November 2003 wurde Pater Valentin Paquay von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

 

Ausspruch des P. Valentin: „Was ist ein Kreuz? Es ist der Wille des Menschen, der dem göttlichen in die Quere kommt. Legt beide Willen nebeneinander, so habt ihr statt eines Kreuzes zwei sich gleichlaufende Linien, zwei Eisenbahnschienen, auf denen Ihr ohne Schwierigkeit mit vollem Dampf dahinrollt.“

 

2. Januar

 

Der heilige Adalhard (Adelhard), Abt zu Corbie bei Amiens,

+ 2.1.826 – Fest: 2. Januar

 

Als Karl der Große nach harten und langwierigen Kämpfen die Macht der heidnischen Sachsen gebrochen hatte, war es seine Hauptsorge, durch Errichtung von Bistümern dem eingeführten Christentum dauernden Bestand zu geben, und ein Kloster als Pflanzstätte für tüchtige Missionare zu gründen. Während er zu Herstelle an der Weser im Jahr 797 sein Winterquartier hielt, teilte er den versammelten Bischöfen und Grafen seinen Plan mit, auf seiner königlichen Villa Huxori, dem heutigen Höxter, eine Abtei zu Ehren des heiligen Erzmärtyrers Stephan zu erbauen, um Gott für seine Siege in dieser Gegend zu danken. Die unermesslichen Reichsgeschäfte und der Wankelmut der Sachsen ließen vor der Hand den Plan nicht zur Ausführung kommen, indes bereitete der umsichtige Kaiser das edle Werk vor, indem er viele vornehme Sachsen in die fränkischen Klöster, insbesondere nach dem Kloster Corbie in der Picardie, verpflanzte, um sie nach tüchtiger Vorbildung als Missionare im eigenen Vaterland zu verwenden.

 

Damals stand dem Kloster Corbie der berühmte Abt Adelhard vor, ein Enkel Karl Martells, mit Karl dem Großen nicht nur leiblich, sondern auch geistesverwandt, ein Mann voll Frömmigkeit und Würde, voll Weisheit und Tatkraft, von Karl hochgeehrt und in den wichtigsten Reichsangelegenheiten zu Rate gezogen. Schon mit zwanzig Jahren hatte Adelhard die Welt verlassen, um sein Leben und seine Kräfte ganz Gott zu weihen, und seine vorzüglichen Geistes- und Herzenseigenschaften erhoben ihn zum Abt von Corbie. Auf den Wunsch des Kaisers verwaltete er eine Zeitlang das lombardische Reich, kehrte aber bald in sein geliebtes Kloster zurück.

 

Adelhards glühender Seeleneifer wünschte nichts mehr, als den neubekehrten Sachsen die Wohltaten eines Klosters zu gewähren und besprach sich öfters mit den im Kloster ausgebildeten Sachsen. Mit Begeisterung gingen diese auf den Vorschlag ein und einer von ihnen, namens Theodrat, sprach: „Ich weiß auf den Gütern meines Vaters einen passenden, einsamen, mit einer Quelle versehenen Ort, und will es bewirken, dass er zu der Stiftung überlassen werde.“ Theodrat wurde in seine Heimat geschickt, stieß aber auf unerwartete Schwierigkeiten. Adelhard ging in Regierungsangelegenheiten nach Italien. So verzögerte sich das Werk. Nach Karls Tod kehrte Adelhard nach Corbie zurück, geriet aber unschuldiger Weise in den Verdacht der Verräterei, wurde seiner Abtswürde entsetzt und auf die Insel Noirmoutier verbannt.

 

Nach dem Befehl des Kaisers Ludwig fand in Corbie eine neue Abtswahl statt, und man wählte einen Zögling und innigen Verehrer Adelhards, der seinen Namen und seinen Geist trug und sein geplantes Werk auszuführen gedachte. Walo, ein Bruder des älteren Adelhard, wünschte sehnlichst, die beabsichtigte Stiftung in Sachsen ins Werk zu setzen. Deshalb reiste der Abt im Jahr 815 nach Paderborn, wo der Kaiser gerade einen Reichstag hielt, um dessen Genehmigung und Hilfe zu erbitten. Gern gab der Kaiser im Einverständnis mit dem Bischof Hathumar von Paderborn und den versammelten Großen seine Einwilligung. Sofort begann Adelhard das Werk, und die Verwandten Theodrats schenkten ihm einen Platz auf ihren Besitzungen im Sollinger Wald, Hethi genannt, wo schon einige fromme Einsiedler gewohnt hatten und wo jetzt das braunschweigische Jagdschloss Neustadt liegt. Hier baute Adelhard im Jahr 816 ein kleines Kloster und ernannte Adelbert zum Vorsteher. Er selbst kehrte nach Corbie zurück und sandte von dort mehrere ausgezeichnete Benediktinermönche in die neue Stiftung. Jetzt wurde mit großer Mühe die öde Heide urbar gemacht, eine Schule eröffnet und die christliche Lehre nach allen Seiten hin verbreitet. Viele vornehme Sachsen traten in das Kloster ein und die Zahl der Mönche nahm bedeutend zu.

 

Unterdessen hatte sich die Unschuld des alten Adelhard herausgestellt, und vom Kaiser hochgeehrt, kehrte er aus seiner Verbannung nach Corbie zurück. Hier vernahm er, dass sein Zögling seinen Lieblingsgedanken ausgeführt habe und reiste sofort nach Sachsen, um das Werk zu sehen. Da fand er seine Brüder in den ärmlichsten Verhältnissen, den Boden trotz allen Anstrengungen unfruchtbar, die Gegend rau und unwirtlich, und als ein furchtbares Unwetter mit Erdbeben im Jahr 819 das urbar gemachte Land verwüstete und die Quelle verdarb, wandte sich Adelhard mit seinem Bruder Walo an den Kaiser mit der Bitte, dass sie eine andere, fruchtbarere Gegend für das Kloster wählen dürften. Die Bitte wurde gewährt. Adelhard, Walo und mehrere andere Mönche durchspähten die Gegend und entdeckten in der Nähe der königlichen Villa Huxori (Höxter) einen Platz, der mit Alt-Corbie an der Somme viel Ähnlichkeit hatte. Diese Stelle wählten sie zur Anlage des neuen Klosters. Alle Brüder versammelten sich hier, errichteten ein Zelt zur Aufnahme der Heiligtümer, sangen Psalmen und beteten zu Gott, dass er zum Werk Glück und Segen verleihen wolle. Der Bischof Badurad von Paderborn weihte den Platz ein, pflanzte das Kreuz in den Boden und an dieser Stelle wurde der Grund zum Altar gelegt. Der Ort wurde, wie das Mutterkloster, Corbie genannt, woraus in plattdeutscher Mundart Corvey wurde, und den Erzmärtyrer Stephanus wählte man zum Patron (822). Später wurden die Reliquien des heiligen Vitus feierlich dorthin übertragen und sein Fest mit großem Glanz gefeiert.

 

Im Herbst desselben Jahres (822) verließen die Mönche ihre erste Ansiedlung im Solling und zogen mit ihrem geliebten Haupt, dem ehrwürdigen Greis Adelhard, in das neue Corvey. In feierlicher Prozession, Loblieder singend, wallten sie durch den finsteren Eichenwald dem schönen Wesertal zu, wo sich das Volk der Sachsen zum Empfang seiner Lehrer und Wohltäter versammelt hatte. Welche Gefühle mögen beim ersten heiligen Messopfer die Herzen der Mönche und Zuschauer erfüllt haben!

 

Das neue Kloster erhob sich bald unter der Leitung Adelhards, der sich die Disziplin und die Einrichtungen des Mutterklosters zum Vorbild nahm. Um die neue Stiftung zur schönsten Blüte zu entwickeln, sandte er seinen Bruder Walo, den jüngeren Adelhard und Varin an den Kaiser mit dem Ansuchen, er möge dem neuen Kloster in Sachsen die Rechte und Freiheiten der fränkischen Klöster verleihen. Der Kaiser, der sich gerade in Ingelheim aufhielt, erteilte im Jahr 823 das gewünschte Diplom, stattete das Kloster in königlicher Freigebigkeit mit umfassenden Privilegien aus, und vermehrte diese noch im folgenden Jahr. Schnell verbreitete sich der Ruhm der neuen Stiftung, von allen Seiten eilten die Sachsen herbei, um die ausgezeichneten Lehrer zu hören, ihrem Tugendbeispiel zu folgen und sie mit Geschenken zu überhäufen. Corvey wurde eine Pflanzschule der religiösen und sittlichen Bildung, der Kunst und Wissenschaft und des Segens für die weitesten Kreise.

 

Als Adelhard am 2. Januar 827 im 74. Lebensjahr starb, konnte er mit Genugtuung auf sein Werk blicken, dem Deutschland zum größten Dank verpflichtet ist.

 

Der heilige Basilius der Große,

Erzbischof von Cäsarea, Ordensstifter, Kirchenlehrer,

+ 1.1.379 – Fest: 2. Januar

 

Der große Kirchenlehrer wurde 330 zu Cäsarea in Kappadokien geboren. Die wohlhabenden Eltern ermöglichten ihrem Sohn eine grundlegende Ausbildung in den damals berühmten Schulen in Konstantinopel und Athen, wo der den heiligen Gregor von Nazianz kennenlernte. Im Jahr 356 kehrte er nach Cäsarea zurück und lehrte dort Rhetorik. Während dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit dem morgenländischen Mönchswesen und zog sich dann selbst in ein Tal zurück. Hier sammelte er Gleichgesinnte um sich, die mit ihm zusammen nach seiner Regel lebten.

 

Für Basilius dauerte die Zurückgezogenheit nur wenige Jahre. 360 begleitete er seinen Bischof nach Konstantinopel, 364 wurde er Priester und 370 Erzbischof von Cäsarea.

 

In dieser Eigenschaft bemühte er sich, den Armen und Kranken seines Bistums zu helfen. Er gründete Hospitäler, Heime und errichtete ein großes soziales Zentrum.

 

Jedoch noch mehr als die sozialen Probleme interessierten ihn die theologischen Auseinandersetzungen seiner Zeit. Unerschrocken kämpfte er für den Frieden und die Einheit der Kirche.

 

Er trat dem Kaiser Valens ebenso mutig entgegen wie den Arianern. Die Gefahr erkennend, suchte er mit allen Mitteln das antiochenische Schisma zu beseitigen und die morgen- und abendländische Kirche zu verbinden.

 

Basilius starb, noch nicht fünfzigjährig, am 1. Januar 379 in Cäsarea.

 

„Nach dem Tod des Bischofs von Cäsarea, der um die Mitte des Jahres 370 erfolgte, wurde Basilius, wie schon erwähnt, zu dessen Nachfolger gewählt. Diese neue Würde zeigte die Tugenden des heiligen Basilius in einem helleren Glanz als jemals; und er schien jetzt ebenso sehr sich selbst zu übertreffen, als er vorher die andern übertroffen hatte. Kein Bischof ging weiter als er in der Liebe zu den Armen, als deren Beschützer und Vater er sich betrachtete. Er gab aber nicht nur reichhaltige Almosen, auch stiftete er zu Cäsarea ein großes Spital, das von heiligen Gregor von Nazianz eine neue Stadt und wegen seines Gründers Basiliade genannt wurde, und lange Zeit nach dem Tod des heiligen Bischofs noch berühmt blieb.

 

Mit besonderer Teilnahme blickte er auf den bedauernswürdigen Zustand jener hin, welche durch Laster, durch Spaltung und Ketzerei, von dem Weg des Heils abgekommen waren, und flehte durch glühende Gebete und beständige Tränen um ihre Bekehrung zu dem Gott der Erbarmungen. Weder Mühe noch Gefahr konnten seinen Eifer aufhalten, wenn es darum zu tun war, die Verirrten zu Gott zurückzuführen. Nichts beweist besser die Kraft und Tätigkeit dieses Eifers, als der Sieg, welchen der Heilige über den Kaiser Valens davontrug.

 

Da dieser Kaiser sah, dass Basilius gleich einer unüberwindlichen Feste dastand, gegen welche alle Anfälle der Irrlehre nichts vermochten, entschloss er sich, Strenge gegen ihn zu gebrauchen; denn durch dieses Mittel hatte er schon mehrere rechtgläubige Bischöfe in Schrecken versetzt. Nachdem er mehrere Provinzen durchreist hatte, wo er jene, die der arianischen Irrlehre nicht huldigen wollten, seinen ganzen Zorn hatte fühlen lassen, kam er auch nach Kappadokien. Seine Absicht war, den Erzbischof von Cäsarea, der sich kräftiger als alle anderen Bischöfe seinem Willen widersetzt hatte, in den Untergang zu stürzen.

 

Der Präfekt Modestus musste schon vorher versuchen, Basilius durch Drohungen oder Versprechen zur Kirchengemeinschaft mit den Arianern zu bewegen; dieser hatte auch, auf seinem Richterstuhl sitzend, umgeben von den Dienern seiner Gewalt, Basilius vor sich berufen, der mit heiterem und ruhigem Angesicht erschien. Modestus empfing ihn mit Höflichkeit und drang mit schmeichelhaften Worten in ihn, dem Wunsch des Kaisers zu willfahren; als er aber durch dieses Mittel seinen Zweck nicht erreichte, nahm er eine drohende Miene an, und sagte in einem zornigen Ton: „Bedenkst du es auch, Basilius, dass du dich einem so großen Kaiser widersetzt, dessen Willen die ganze Welt gehorcht? Oder fürchtest du nicht die Wirkungen der Macht, mit der wir ausgerüstet sind?“

 

Basilius: „Worauf kann sich denn diese Macht erstrecken?“

Modestus: „Auf Einziehung der Güter, Verbannung, Folter und Tod.“

Basilius: „So drohe mir mit etwas anderem; denn nichts davon macht Eindruck auf mich.“

Modestus: „Was sagst du?“

 

Basilius: „Wer nichts besitzt, braucht die Einziehung der Güter nicht zu fürchten. Ich habe nichts als einige Bücher, und die Lumpen, die ich trage; ich glaube nicht, dass du mir diese wirst nehmen wollen. Zur Verbannung mag es dir nicht leicht sein, mich zu verdammen; denn ich sehe den Himmel und nicht das Land, welches ich bewohne, für meine Vatererde an; die Folter fürchte ich nicht sehr; mein Körper ist so abgezehrt und schwach, dass er sie nicht lange wird ertragen können; der erste Streich wird meinem Leben und meinem Leiden ein Ende machen. Den Tod fürchte ich noch viel weniger, da er mir als eine Wohltat erscheint, weil er mich eher mit meinem Schöpfer vereinigen wird, für den ich allein lebe.“

 

Modestus: „Mit solcher Kühnheit hat noch niemand zu Modestus gesprochen.“

 

Basilius: „Dies ist vielleicht das erste Mal, dass du mit einem Bischof zu tun hast. In den gewöhnlichen Verhältnissen sind wir Bischöfe die sanftesten und unterwürfigsten aller Menschen; bei dem gemeinsten Mann sind wir ohne Trotz, um wie viel mehr daher bei jenen, die mit einer solchen Macht bekleidet sind. Allein wenn es sich um die Religion handelt, haben wir nichts als Gott im Auge und verachten alles Übrige. Feuer, Schwert und wilde Tiere, eiserne Krallen sind dann unsere Wonne. Wende alle deine Drohungen und Folter an, nichts wird imstande sein, uns zu erschüttern.“

 

Modestus: „Ich gebe dir bis Morgen Bedenkzeit, zu wählen.“

Basilius: „Dieser Aufschub ist unnötig; ich werde morgen derselbe sein, wie heute.“

 

Der Präfekt konnte sich nicht erwehren, die Unerschrockenheit des heiligen Erzbischofs zu bewundern. Am folgenden Tag ging er zum Kaiser, der zu Cäsarea angekommen war, und berichtete ihm den ganzen Hergang der Sache. Dieser wollte nun, aufgebracht über den schlechten Erfolg der Unterredung, dass eine andere gehalten würde, welcher er mit Modestus und einem seiner Hofleute, Demosthenes genannt, beiwohnte. Dieser Versuch führte aber zu keinem glücklicheren Ergebnis, als der vorige. Der Präfekt stellte eine Dritte an, die ebenfalls wie die zwei andern zur größten Ehre des Heiligen ausfiel. Am Ende sagte Modestus zu dem Kaiser: „Wir sind besiegt, dieser Mann steht über den Drohungen.“ Valens ließ ihn daher auf einige Zeit in Ruhe; und als er an dem Fest der Erscheinung des Herrn in der großen Kirche sich einfand, ward er ebenso sehr überrascht als erbaut durch die schöne Ordnung und die Ehrfurcht, mit welcher der Gottesdienst gehalten wurde. Was ihn aber besonders ergriff, war die Frömmigkeit und die Geistessammlung, wovon der Erzbischof am Altar durchdrungen schien. Er wagte es zwar nicht, bei dem Abendmahl zu erscheinen, aus Furcht, man verweigere ihm dasselbe; seine Opfergabe brachte er jedoch dar, die wie jene der Rechtgläubigen angenommen wurde, da Basilius glaubte, dass es bei einer solchen Gelegenheit die Klugheit erfordere, die Kirchenzucht nicht in ihrer ganzen Strenge zu beobachten.“

 

Frühe Bilder zeigen Basilius im Bischofsornat der lateinischen Kirche mit Mitra und Stab. Auf späteren Darstellungen trägt er das bischöfliche Gewand der griechischen Kirche und hält eine Taube im Arm.

 

In der Ostkirche wird das Fest des heiligen Basilius am 1. Januar begangen. Da im deutschen Sprachraum an diesem Tag zugleich mit dem Hochfest der Gottesmutter Maria das Fest „Namengebung des Herrn“ gefeiert wird, wurde das Gedächtnis des Heiligen bei der Erneuerung des römischen Kalenders auf den 2. Januar verlegt.

 

Der heilige Gregor von Nazianz,

Erzbischof und Kirchenlehrer von Konstantinopel,

+ 9.5.391? – Fest: 2. Januar

 

Der Heilige wurde zwischen 328 und 330 in Arianz bei Nazianz als erster Sohn einer adeligen Familie geboren. Nonna, seine Mutter, die eine fromme Christin war, hatte großen Einfluss in der Familie; denn außer Gregor wurden auch seine Geschwister Cäsarius und Gorgonia heiliggesprochen, und sein Vater wurde zum Bischof von Nazianz gewählt.

 

Gregor studierte an den berühmtesten Schulen seiner Zeit: Cäsarea in Kappadokien und Palästina, in Alexandrien und mit dem heiligen Basilius zusammen in Athen.

 

Nach seinem Studium ließ er sich auf Wunsch der Eltern als Rhetor in Nazianz nieder. Sein Vater taufte ihn und weihte ihn, da er bereits betagt war und dringend bei seiner bischöflichen Arbeit Unterstützung brauchte, zum Priester. Gregor fühlte sich dadurch überfordert und floh zu Basilius.

 

Gestärkt kehrte er von dort nach Nazianz zurück, um seinen Vater zu unterstützen. Von seinem Freund Basilius wurde er zum Bischof von Sasima geweiht, trat aber dieses Amt nie an.

 

Nach dem Tod seines Vaters führte er dessen Arbeit weiter, ohne sein Nachfolger zu werden. 380/381 nach Konstantinopel berufen, leitete er dort die Kirche, ohne zunächst ihr Bischof zu sein. Auf dem Konzil 381 wurde Gregor offiziell zum Bischof ernannt. Dieses Amt legte er aber noch im selben Jahr nieder und zog sich nach Arianz zurück. Hier widmete er sich ausschließlich den theologischen Fragen seiner Zeit, der Philosophie und der Poesie. Er unterhielt eine umfangreiche Korrespondenz und schrieb Gedichte.

 

Er starb um 390 und trägt seit dem 5. Jahrhundert den Ehrentitel „Kirchenlehrer“.

 

„Zu Konstantinopel empfing man Gregor sehr übel. Die Einwohner dieser Stadt, die nur glänzendem Prunk huldigten, verachteten einen vom Alter gebeugten, kahlköpfigen Mann, dessen Angesicht auch von Tränen der Buße und des strengen Lebens abgezehrt war, und der ganz schlecht gekleidet, in allem die Merkmale der äußersten Armut an sich trug. Die Arianer spotteten seiner, überhäuften ihn mit Unbilden, und schwärzten sogar seinen Namen durch Verleumdungen an. Die Verfolgung wurde zuletzt allgemein; die Großen, wie das Volk, misshandelten den Mann Gottes auf die unwürdigste Weise. Allein sie bewirkten dadurch nichts anders, als dass sie ihm Gelegenheit gaben, sich den Ehrennamen eines Bekenners zu verdienen.

 

Gregor wohnte bei seinen Verwandten, die er zu Konstantinopel hatte, und in deren Haus war es auch, wo sich die Rechtgläubigen versammelten, um ihn zu hören. Einige Zeit später verwandelte er dieses Haus in eine Kirche, welcher er den Namen Anastasia oder Auferstehung gab, weil dadurch der katholische Glaube gleichsam auferstand, welcher bis dahin in dieser Stadt so sehr unterdrückt war. Ein Historiker berichtet, der Name dieser Kirche sei durch ein Wunder bestätigt worden. Eine schwangere Frau, die von einer Galerie herunterfiel und tot auf dem Platz liegen blieb, habe durch das Gebet der versammelten Gläubigen das Leben wieder erhalten.

 

Der Heilige führte ein sehr zurückgezogenes Leben; ohne Not machte er nie Besuche. Die Zeit, welche er nicht zu seinen heiligen Amtsverrichtungen verwendete, weihte er dem Gebet und der Betrachtung. Seine Nahrung war Brot und mit Salz zubereitetes Gemüse. Auf seinen Wangen sah man die Furchen der Tränen, die er beinahe unaufhörlich weinte. Tag und Nacht flehte er die göttliche Barmherzigkeit für seine Herde an. Wer ihn hörte, bewunderte seine tiefe Kenntnis, und die seltene Gabe, die er hatte, auch die abstraktesten Wahrheiten fühlbar hinzustellen und sich ebenso klar wie zierlich auszudrücken. Die Irrgläubigen und Heiden, die nach und nach menschlicher gegen ihn wurden, konnten sich der Neugierde nicht versagen, ihn zu hören, und obgleich so sehr gegen ihn eingenommen, waren sie dennoch gezwungen, sein überlegenes Verdienst anzuerkennen. Mit jedem Tag zeigte sich schöner die Frucht seiner Predigten, und die Anzahl der Rechtgläubigen nahm immer zu. Die Anhänger des Irrtums öffneten die Augen und bemühten sich, in den Schoß der Kirche zurückzukehren.

 

Die Tugenden und hohen Geistesgaben des heiligen Gregor zogen viele Zuhörer in seinen Unterricht. Der heilige Hieronymus verließ Syriens Einöden und kam nach Konstantinopel, wo er sich unter die übrigen Schüler des Heiligen reihte. Unter der Leitung dieses großen Bischofs verlegte er sich auf die Heilige Schrift und rühmte sich immer, wie wir aus seinen Werken sehen, einen solchen Lehrer gehabt zu haben.

 

Aber bei allem Trost und der großen Freude, die der Heilige hatte über den großen Segen, den der Herr über seine apostolischen Arbeiten ausgoss, wurde er in die größte Trauer versetzt durch das Ärgernis, welches der berüchtigte Maximus, der sich auf den erzbischöflichen Stuhl von Konstantinopel drängte, unter allen Gläubigen verbreitete. Der Heuchler hatte sich heimlich von ägyptischen Bischöfen zum Oberhirten der Kaiserstadt weihen lassen, und obwohl sich jedermann über die gesetzwidrige weihe empörte, obwohl sie Papst Damasus für nichtig erklärte, stand er doch als Erzbischof da und begünstigte die Arianer auf alle mögliche Weise.

 

Schon wollte der heilige Gregor die Stadt verlassen, als im Jahr 380 der Kaiser Theodosius nach Konstantinopel kam. Sogleich entfernte er den eingedrungenen Arianer Maximus vom erzbischöflichen Sitz, führte auf dringendes Bitten des Volkes den heiligen Gregor in die Sophienkirche, übergab sie ihm samt allen übrigen Gotteshäusern der Stadt, welche bisher die Arianer besessen hatten, und ernannte ihn zum Erzbischof von Konstantinopel. Im Mai des Jahres 381 berief der Kaiser die Bischöfe des Morgenlandes zu einer Kirchenversammlung nach der Hauptstadt, um den Frieden und die Eintracht in der Kirche Gottes wieder herzustellen. Der erste und wichtigste Gegenstand, mit welchem sich die versammelten Väter beschäftigten, war die Berichtigung der Angelegenheiten der Kirche zu Konstantinopel. Der heilige Gregor hatte sich immer noch geweigert, für immer das Erzbistum zu übernehmen; aber jetzt wurde er fast gezwungen auf den Patriarchenstuhl geführt. Da aber einige ägyptische Bischöfe diese Wahl anfochten und in der Versammlung eine Unruhe entstand, fasste Gregor den Entschluss, seine übrigen Lebenstage in stiller Zurückgezogenheit bei Arianz zuzubringen. Er war zwar schon sehr bejahrt und schwächlich; dessen ungeachtet konnte er noch der Kirche, und besonders jener von Nazianz, Dienste leisten. In seiner Einsamkeit hatte er einen Garten, eine Quelle und ein kleines Gebüsch, welches ihm den unschuldigen Genuss ländlicher Freuden gewährte; diese waren die einzigen, die er sich erlaubte. Da übte er alle Arten körperlicher Abtötung, fastete und wachte oft, und betete viel auf den Knien. Hören wir hierüber ihn selbst: „Ich lebe zwischen Felsen und unter wilden Tieren. Nie sehe ich Feuer, und bediene mich keiner Schuhe. Ein einfaches Oberkleid ist meine ganze Bedeckung. Stroh ist mein Lager, und zur Decke habe ich einen Sack. Mein Fußboden ist allzeit befeuchtet von meinen Tränen.“

 

In der Kunst der Ostkirche wird Gregor als Bischof mit der Taube als Symbol des Heiligen Geistes oder auch mit den Personifikationen der Weisheit und Keuschheit dargestellt. Er ist der Patron der Dichter.

 

Vor der Erneuerung des römischen Kalenders wurde sein Fest am 9. Mai gefeiert, weil man davon ausging, dies sei sein Todestag gewesen.

 

Die drei heiligen Brüder:

Argäus, Narcissus und Marcellinus, Martyrer zu Tomi im Pontus,

+ 308-324 – Fest: 2. Januar

 

Constantin der Große, der erste christliche Kaiser, hatte bereits, von den Christen über alle Maßen unterstützt, seine übrigen heidnischen Mitregenten besiegt, und nur Licinus war noch übrig, dessen Herrschaft ein Ende gemacht werden musste, wenn die christliche Religion ohne Verfolgung zur Staatsreligion heranblühen sollte. Im Jahr 323 rüstete sich Constantin zum Krieg und zog mit seinem christlichen Heer unter dem Schutz des Kreuzes dem Feind entgegen. Licinius setzte sein größtes Vertrauen auf die Hilfe der alten Gottheiten Roms, um so mehr, da ihm seine Götzenpriester einen vollkommenen Sieg vorhergesagt hatten, wenn er zuvor alle Christen, die unter seiner Herrschaft standen, ermorden lassen würde.

 

Sogleich eilten die kaiserlichen Herolde durch das Reich und verkündigten die Befehle des Regenten, dass alle Christen den Göttern opfern und im Weigerungsfall unter den grausamsten Martern hingerichtet werden sollten. Nur wenige Gläubige ließen sich dadurch aus Furcht vor einem gewaltsamen Tod zum Abfall von Jesus bewegen; die meisten blieben standhaft in ihrem Bekenntnis, und ohne Erfolg wüteten die kaiserlichen Beamten samt ihren Henkern mit Feuer und Schwert unter den unschuldigen Christen, umsonst flossen Ströme von Blut allenthalben. Je grausamer die Verfolgung wurde, desto heldenmütiger kämpften die Bekenner für ihre Religion. In diesen jammervollen Tagen wurde die Kirche Gottes mit unzähligen Martyrern bereichert.

 

Da sich die Heiden durch die Standhaftigkeit der Christen besiegt sahen und die Zeit herannahte, wo das Kriegsheer dem Feind entgegen rücken sollte, milderte man die Befehle des Kaisers und forderte von den Christen nur, dass sie gegen Constantin kämpfen sollten. Aber die christlichen Soldaten hielten dies für ein Verbrechen gegen die Religion und erklärten, dass sie lieber alle Peinen dulden, ja Blut und Leben opfern wollen, als gegen den christlichen Kaiser zu streiten, der das Zeichen der Erlösung, das heilige Kreuz, auf seiner Fahne führe. Da erneuerte sich die Wut der Heiden noch heftiger gegen die Christen, und wilden Tieren gleich überfielen sie diese und zerfleischten sie.

 

Die Legende aus uralter Zeit nennt besonders drei Brüder, Argäus, Narcissus und Marcellinus, die in der Stadt Tomis am Schwarzen Meer wohnten und in dieser Verfolgung als Opfer der heidnischen Grausamkeit fielen. Sie wurden als Christen aufgefordert, sich an das Heer des Licinius anzuschließen und gegen den christlichen Kaiser zu kämpfen. „Gegen unsere Glaubensbrüder“, antworteten sie, „und zur Erhaltung eines gottlosen, heidnischen Regenten ergreifen wir die Waffen nicht.“ Argäus und Narcissus wurden sogleich enthauptet; Marcellin aber, der jüngste Bruder, sollte durch Versprechungen und Drohungen gezwungen werden, bei dem Heer zu dienen. Als aber alles fruchtlos war und er standhaft bei seinem Entschluss beharrte, wurde er unmenschlich am ganzen Körper zerschlagen, dann in einen unterirdischen Kerker geworfen, wo er mehrere Tage ohne alle Nahrung schmachtete, und schließlich fand er den erwünschten Tod in den Fluten des Meeres.

 

Mehrere ungenannte Martyrer in Rom,

Fest: 2. Januar

 

Die Heilige Schrift war den Christen in den ersten Jahrhunderten die einzige Quelle ihres Trostes und ihrer Erbauung. Besonders aber schätzten sie das Neue Testament, als das kostbarste Vermächtnis ihres Heilandes und Seligmachers, der sie nach seiner Himmelfahrt nicht als Waisen zurücklassen wollte, sondern sorgte, dass ihnen, die er durch sein Blut erkauft und sie zu Miterben seines Reiches erklärt hatte, durch die Apostel die göttlichen Urkunden im Evangelium als der letzte Beweis seiner unendlichen Liebe in die Hände gegeben wurden. Ihnen war daher die Heilige Schrift das größte Kleinod, und in den Zeiten der fürchterlichen Verfolgung von Seite der Heiden, hinausgetrieben in die verlassensten Einöden und Wildnisse, blieb die Bibel ihre tröstliche Unterhaltung. Durch dieses Buch belehrten und erbauten sie sich, und daraus wurden sie im Glauben, Vertrauen und in der Liebe zu Gott und Christus gestärkt und befestigt. Dies wussten die heidnischen Kaiser Diokletian und Maximian. Deswegen drangen sie unter Androhungen der härtesten Todesstrafen darauf, dass die Gläubigen ihre heiligen Schriften ausliefern sollten. Sieben Jahre lang hatten sie mit Landesverweisungen, Kerkern und den ausgesuchtesten Todesstrafen gegen die Christen gewütet, und auf ihre Befehle wurden alle Kirchen verbrannt oder niedergerissen, um das Andenken an Jesus von der Erde zu tilgen. Und doch stand die Kirche Christi noch und die Gläubigen lebten ohne Furcht mitten unter ihren Todesfeinden.

 

Diokletian gab nun das Gesetz, das jedem Christen den Tod drohte, der seine Bibel nicht zum Verbrennen ausliefern würde. Aber diese neue Art der Christenverfolgung bewies, wie sehr die Gläubigen ihre heiligen Schriften, selbst mit Gefahr des Lebens, verehrten, denn die meisten wählten lieber den Martertod, als sie sich von diesem göttlichen Buch trennten, und wer feige genug war, es den Heiden auszuliefern, wurde verachtet und verabscheut, und konnte nur durch die schwerste, nicht selten lebenslängliche Kirchenbuße mit den standhaft gebliebenen Gläubigen wieder ausgesöhnt werden. Die Kirchengeschichtsschreiber nennen zu Anfang des vierten Jahrhunderts viele heilige Martyrer, die während dieser Verfolgung ihr Leben ließen. Zum Beispiel: Die heilige Irene und ihre Schwester. Aber die Namen aller derer, die Gott und die heilige Religion allen Erdengütern vorzogen, sind im Buch des Lebens aufgezeichnet, wie die Namen der römischen Martyrer, die die katholische Kirche am 2. Januar verehrt, und die im Jahr 303 unter Diokletian eines gewaltsamen Todes starben, weil sie ihre heiligen Schriften den Heiden zur Verunehrung nicht übergaben.

 

3. Januar

 

Die heilige Genoveva, Jungfrau und Nonne von Paris,

+ 3.1.512 - Fest: 3. Januar

 

Im Dorf Nanterre, zwei Stunden von Paris entfernt, wurde sie um 422 geboren. Fünfzehnjährig zog Genoveva zu ihrer Tante nach Paris, bei der sie auch, nachdem sie den Schleier der Braut Gottes empfangen hatte, wohnte. Sie führte ein ungemein strenges Leben und bemühte sich immer wieder, dem einzelnen und dem Volk helfend beizustehen. Auf ihre Fürbitte hin blieb Paris 451 vom Hunnensturm verschont.

 

Genoveva starb 502 oder 512 und wurde unter dem heutigen Pantheon in Paris begraben. 100 Jahre später wurden ihre Gebeine in die Kirche St-Etienne-du-Mont übertragen und in einem kostbaren Schrein beigesetzt.

 

„Genoveva wurde um das Jahr 422 geboren und war sieben Jahre alt, als der heilige Germanus von Auxerre und der heilige Lupus von Troyes, die sich nach Großbritannien begaben, um die Irrlehre des Pelagius zu bekämpfen, zu Nanterre ihr Nachtlager nahmen. Kaum waren die zwei Bischöfe angelangt, als sie sich von einer großen Volksmenge umringt sahen, welche ihren Segen begehrte. Unter den frommen Menschen befand sich auch Genoveva mit ihren Eltern. Allein der heilige Germanus wusste sie, durch höhere Erleuchtung, die ihm plötzlich vom Geist Gottes zuteilwurde, zu unterscheiden, hieß sie mit ihren Eltern näher kommen, und sagte diesen die künftige Heiligkeit ihrer Tochter voraus. Er fügte noch bei, dass sie den gefassten Entschluss, Gott zu dienen, ins Werk setzen und durch ihr Beispiel zur Heiligung anderer vieles beitragen würde. Da ihm Genoveva hierauf sagte, sie hege schon seit langer Zeit das Verlangen, in immerwährender Jungfrauschaft zu leben und keinen anderen Namen als den einer Braut Jesu Christi zu tragen, gab er ihr seinen Segen, um sie Gott von diesem Augenblick an zu weihen; dann führte er sie in die Kirche, begleitet von allem Volk, das sich um ihn versammelt hatte, und hielt während des Psalmengesanges und der Gebete seine Hand über ihrem Haupt ausgestreckt. Er behielt sie auch noch während der Mahlzeit bei sich und entließ sie erst, nachdem er vom Vater das Versprechen erhalten hatte, dass er sie am Morgen des folgenden Tages vor seiner Abreise noch einmal sehen könne.

 

Severus und Gerontia begaben sich mit ihrer Tochter zur bestimmten Stunde zu dem Heiligen, welcher Genoveva fragte, ob sie sich noch ihres Versprechens erinnere, das sie Gott gegeben habe: „Ja“, antwortete sie, „ich erinnere mich dessen noch und hoffe mit dem Beistand der Gnade ihm treu zu sein.“ Der Heilige, hoch erfreut über eine so schöne Antwort, ermahnte sie, in diesen Gesinnungen zu beharren. Dann gab er ihr eine kupferne Medaille, auf welcher das Bild des Kreuzes eingegraben war, und empfahl ihr, sie allzeit am Hals zu tragen, um sich stets zu erinnern, dass sie sich Gott geweiht habe. Er hieß sie auch noch, als eine Braut Jesu Christi, den Perlenhalsbändern, den Armbändern, den goldenen und silbernen Kleinodien und allem weltlichen Schmuck zu entsagen.

 

Der Hunnenkönig Attila fiel 451 mit seinen wilden Horden in Frankreich ein und marschierte mordend, brennend, alles verwüstend gen Paris. Die Bürger, vor Schrecken entmutigt und an der Möglichkeit eines Widerstandes verzweifelnd, wollten durch die Flucht sich und ihre Kostbarkeiten retten. Diesem Plan widersetzte sich Genoveva heldenmütig und prophezeite: „Flieht nicht, denn gerade jene Gegend, wohin ihr euch flüchten wollt, wird von Attila verwüstet werden. Nach Paris wird er nicht kommen, wenn ihr durch Gebet und Fasten euch des Schutzes Gottes würdig zeigt.“ Der Erfolg ihrer Bitten und Ermahnungen war, dass die Frauen ihr beistimmten und sich mit ihr zum Gebet vereinigten. Die Männer aber tobten, schimpften sie eine Verräterin, welche sie nur dem Mordbeil der Hunnen überliefern wolle, und drohten ihr mit dem Tod. Gerade rechtzeitig brachte der Archidiakon des heiligen German einige Geschenke, welche der heilige Bischof sterbend für Genoveva bestimmt hatte, nach Paris und nahm sich der verfolgten Jungfrau so kräftig an, dass die leidenschaftliche Aufregung des Volkes sich legte.

 

Als inzwischen Attila unverhofft seinen Marsch von Paris weg dorthin wendete, wohin die Bürger hatten fliehen wollen, und so die Prophezeiung Genovevas sich bewahrheitete, wurde sie als Dienerin Gottes anerkannt und als Retterin mit jubelndem Dank geehrt.“

 

Dargestellt wird Genoveva mit einer Kerze, über der ein Engel und ein Teufel schweben, in der Hand. Die Kerze, die ihr ein Teufel ausbläst, wird von einem Engel immer wieder angezündet. In der anderen Hand hält sie ein kelchartiges Gefäß und die Schlüssel von Paris. Der Kelch soll sich auf ihr Gebet hin solange gefüllt und den Durst der Bauleute von St. Denis gestillt haben, bis der Kirchenbau vollendet war.

 

Genoveva ist die Schutzpatronin der Stadt Paris, der Wachszieher, Frauen, Hirten und Weingärtner. Sie wird insbesondere zur Abwehr gegen Dürre, Krieg, Unglück und Seuchen angerufen.

 

Genoveva wird nur im Regionalkalender des französischen Sprachraums genannt. In der Diözese Straßburg wird der 3. Juli als nicht gebotener Gedenktag der vor allem früher als Namenspatronin auch bei uns sehr beliebten Heiligen begangen.

 

Der heilige Antherus, Papst und Martyrer von Rom,

+ 3.1.238 – Fest: 3. Januar

 

Antherus, dessen Vater Romulus aus Griechenland gebürtig war, zeichnete sich durch so hohe Tugenden und eine solche Gelehrsamkeit aus, dass er mit allgemeiner Übereinstimmung der Priester und des Volkes zu Rom zum Nachfolger des heiligen Papstes Pontianus gewählt wurde, der in Sardinien als Martyrer sein Leben geopfert hatte. Mit unermüdlichem Fleiß sammelte der heilige Antherus die Taten der Martyrer, und hinterließ sie der Nachwelt in einem Buch, weil es, wie er behauptete, eine Ungerechtigkeit wäre, wenn man das Andenken heldenmütiger Bekenner in der Kirche Gottes mit ihrem Tod erlöschen ließe. Noch hatte er dieses Werk nicht vollendet, als er selbst des Martertodes gewürdigt wurde im Jahr 238. Damals verfolgte der heidnische Kaiser Maximin mit unerhörter Grausamkeit die Bekenner Jesu, und auch der heilige Oberhirt Antherus wurde vor das Gericht der wütenden Statthalter Vitalinus und Sabinus geschleppt. Da er weder durch Drohungen noch Peinigungen zum Abfall vom Glauben bewogen werden konnte, wurde er hingerichtet.

 

Die Gläubigen beerdigten seinen Körper in der Stille auf dem Kirchhof des Callistus; in der Folge aber wurden seine Gebeine erhoben und in der Silvesterkirche auf dem Marsfeld beigesetzt. Sein Nachfolger in der päpstlichen Würde war der heilige Fabian, ein Mann, berühmt durch Heiligkeit und tiefe Gelehrsamkeit.

 

Der heilige Gordius, Römischer Hauptmann und Martyrer von Cäsarea,

+ 4. Jhd. (304) - Fest: 3. Januar

 

Der heilige Basilius der Große hielt an einem 3. Januar eine Rede an seine Christengemeinde, in der er den Martertod des heiligen Gordius auf folgende Weise erzählte. Gordius war zu Cäsarea in Cappadocien gebürtig und hatte sich durch seine ausgezeichneten Tugenden und durch seinen Heldenmut bis zur Würde eines Hauptmanns beim kaiserlichen Kriegsheer aufgeschwungen. Galerius Maximian hatte nach dem Tod des Diokletian die Alleinherrschaft des morgenländischen Kaisertums an sich gerissen, und weil ihm von jeher die Religion Jesu verhasst war, beschloss er eine der grausamsten Verfolgungen gegen ihre Bekenner und ließ das Gesetz öffentlich bekanntmachen, dass bei Todesstrafe alle seine Untertanen Jesus verleugnen und die Götzenbilder anbeten sollten. Zugleich wurden alle christlichen Kirchen zerstört, die Altäre und heiligen Gefäße mit unheiligen Händen zerschlagen und alle standhaften Glaubensbekenner unmenschlich gemordet.

 

Mit blutendem Herzen sah Gordius diesen Gräuel der Verwüstung, und weil er den verfolgten Christen auf keine Weise ihr hartes Schicksal lindern konnte, tat er Verzicht auf seine Würde und Reichtümer, verließ die Stadt und floh in eine Wüste, wo er sich ganz dem Dienst Gottes und den Betrachtungen über göttliche Dinge weihte. Nachdem er sich durch Fasten und Gebet zum bevorstehenden Todeskampf gestärkt hatte, trat er aus seiner Einsamkeit hervor und erschien zu Cäsarea an eben dem Tag, wo auf dem Marsfeld feierliche Spiele zur Ehre der Götter gehalten wurden. Auf Befehl des Kaisers musste alles Volk dabei erscheinen und Heiden, Juden und Christen füllten den Schauplatz. Schon hatten die Spiele ihren Anfang genommen, als Gordius – ein schrecklicher Anblick! – mit verwildertem Angesicht, in zerrissenen Kleidern und einen großen Knotenstab in den Händen, mitten unter den Zuschauern auf einem erhöhten Platz erschien und laut Stillschweigen gebot. Dann trat er mutig zu dem Sitz des heidnischen Richters und sprach: „Ich bin Gordius, ein Hauptmann des Kaisers! und kehrte aus dem Ort meiner Zuflucht zurück, um Jesus öffentlich zu bekennen, und dir zu zeigen, dass ich deine Befehle verachte. Da ich hörte, dass du an Grausamkeit alle wilden Tiere weit übertriffst, so mache deinen Versuch an mir.“

 

Der Richter brannte vor Zorn und schrie wütend: „Henker, bereitet alle Arten von Marterwerkzeugen! Zündet Scheiterhaufen an und lasset die wilden Tiere los!“ Ihm entgegnete der heldenmütige Bekenner: „O wenn ich tausendmal sterben könnte zur Ehre meines Jesus, wie gerne wollte ich dies! denn Gott ist mein Schutz, und so fürchte ich die Übel nicht, die mir Menschen zufügen können.“ Mehrere Heiden, als sie den braven Hauptmann erkannten, redeten ihm zu, er möchte seinen Glauben verleugnen und den Göttern opfern. Ja selbst der Richter wendete alle seine Beredsamkeit an, ihn von seinem Vorhaben abzubringen und dem Heidentum den Sieg zu verschaffen. Aber der Heilige schrie, erfüllt vom sehnlichsten Verlangen, mit Jesus vereinigt zu werden, laut auf: „Warum zaudert ihr Unmenschen, mich zu morden! Zerstückelt meinen Körper zu kleinen Teilen und raubet mir meine selige Hoffnung nicht. Je mehr ich leide auf dieser Welt, desto größer ist mein Lohn jenseits.“ Als er schließlich die Christen zur Standhaftigkeit und die Götzendiener zur Bekehrung zum wahren Gott rührend ermahnt hatte, bezeichnete er sich mit dem heiligen Kreuz und ging mit heiterer und freudiger Miene dem Richtplatz entgegen, wo er nach vielen Martern schließlich enthauptet wurde am 3. Januar 304.

 

4. Januar

 

Der heilige Gregor, Bischof von Langres, Frankreich,

+ 4.1.541 - Fest: 4. Januar

 

Der heilige Gregor war einer der vornehmsten Ratsherren der Stadt Autun. Nach dem Tod seiner Gemahlin widmete er sich ganz der Übung der christlichen Vollkommenheit. Trotz seines Widerstrebens wurde er in seinem siebenundfünfzigsten Lebensjahr auf den bischöflichen Stuhl von Langres erhoben. Dreißig Jahre lang stand er seiner Kirche mit ebenso viel Eifer als Klugheit vor. Um jedoch des Himmels Segen noch reichlicher auf sein Wirken herabzuziehen, heiligte er seinen Dienst durch eine tiefe Demut, durch ununterbrochenes Gebet und außerordentliche Strenge sich selbst gegenüber. Der heilige Gregor von Tours, sein Urenkel, berichtet in seinem Geschichtswerk, dass er, nicht zufrieden damit, die freien Stunden des Tages in glühender Unterhaltung mit Gott zuzubringen, auch zur Nacht heimlich aufstand, um in die Kirche zu gehen, deren Türen ihm von Engeln geöffnet wurden, die man dann mehrere Stunden lang mit ihm Psalmen singen hörte. Seine Hirtensorgfalt erstreckte sich nicht weniger auf die Heiden wie auf die Christen. Wie er diese ihrem Lasterleben entriss, so befreite er jene aus der Todesnacht der Abgötterei. Bei seinem Tod am 4. Januar 541 sah man den Himmel sich öffnen, und auf seine Anrufung fühlten Gefangene ihre Ketten fallen und erlangten ihre Freiheit wieder. Sein frommer Sohn Betricus wurde sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Langres.

 

Der heilige Libentius, Erzbischof von Hamburg und Bremen,

+ 4.1.1013 – Fest: 4. Januar

 

Unter den Erzbischöfen von Bremen war einer der tüchtigsten und ausgezeichnetsten der heilige Libentius. An ihm ragte eine solche Herzensreinheit hervor, dass er nur selten in Gegenwart einer Frau erschien; seine Enthaltsamkeit war so groß, dass sein Angesicht von strengem Fasten erblasste und einschrumpfte, seine Demut und Liebe gewann ihm die Herzen seiner ihm untergebenen Ordensgenossen. Noch viele andere Tugenden übte er mit unermüdlichem Streben nach Vollkommenheit. Seine ganze Sorge wandte er an, die ihm anvertraute Herde zur genauesten Beobachtung der Ordensregeln anzuhalten und zum Himmel zu leiten.

 

Wegen seiner hervorragenden Geistes- und Herzenseigenschaften übertrug ihm Kaiser Otto III. das Erzbistum Bremen, Papst Johann XV. beschenkte ihm mit dem Pallium, und von seinen Suffraganbischöfen wurde er konsekriert. Als höchst wissenschaftlicher und tugendreicher Gottesmann war er einst aus Italien dem Bischof Adalgar zum deutschen Norden gefolgt, hatte sich nach dessen Lehre und Leben gebildet und längere Zeit der Kirche zu Hamburg vorgestanden, bis er zur bischöflichen Würde erhoben wurde.

 

Als Erzbischof setzte Libentius seine Fürsorge für Arme und Kranke fort, bediente selbst die Elenden und übertrug seinem Neffen Libentius das Krankenhaus zur steten Beaufsichtigung. Solange noch Friede im Land herrschte, besuchte er häufig sein geliebtes Hamburg und die slawischen Völker jenseits der Elbe.

 

In jener Zeit verfolgte der dänische König Sueno die Christen. Der Erzbischof Libentius schickte Gesandte an den grausamen Verfolger, um ihn durch reichliche Geschenke zur Milde gegen die Christen zu bewegen, der aber ließ von seiner Grausamkeit und Treulosigkeit nicht ab. Deshalb traf ihn die göttliche Strafe; denn er wurde von den Slaven in der Schlacht völlig geschlagen, gefangen genommen und in die Sklaverei fortgeführt. König Herik überflutete mit seinem unzählbaren Heer Dänemark, schlug Sueno zu Wasser und zu Land und setzte den Wüterich ab.

 

Eine schwere Prüfung kam über die Christen durch den Einfall der Normannen in die Länder zwischen Elbe und Weser. Das unbedeutende Heer der Sachsen stellte sich den räuberischen Eindringlingen entgegen, wurde aber geschlagen und aufgerieben. Der Markgraf Sigfried, der Graf Thiaderich und viele andere ausgezeichnete Männer wurden an Händen und Füßen gekettet auf die Schiffe geschleppt und die ganze Provinz verwüstet. Als es dem Markgrafen Sigfried gelang, bei Nacht zu entfliehen, schnitten die erbosten Seeräuber allen Gefangenen die Hände und Füße und Nasen ab und warfen sie halbtot ans Land. Später rächte Herzog Benno und Markgraf Sigfried diese Gräueltat an den besiegten Piraten, indem sie 20.000 von ihnen in die Sümpfe trieben und alle bis auf einen niedermetzelten.

 

Um die Stadt Bremen gegen die häufigen Einfälle der räuberischen Normannen zu schützen, umgab sie der Erzbischof Libentius mit einer starken Mauer, brachte die Kirchenschätze in Sicherheit und sprach den Bannfluch über die Seeräuber aus. König Sueno, von Gott und den Seinigen verlassen, irrte unstet umher, wurde von den Normannen und Engländern abgewiesen, und endlich aus Barmherzigkeit vom König von Schottland aufgenommen.

 

In seiner väterlichen Sorge, die Dänen und Schweden, die gleich ihrem König Herik noch dem Heidentum ergeben waren, für den christlichen Glauben zu gewinnen, weihte Libentius mehrere Bischöfe, die mit kaiserlichen Schutzbriefen versehen, das Evangelium Christi im heidnischen Norden verkündeten. Einer dieser Sendboten, der heilige und weise Missionar Poppo, bewies die Göttlichkeit seiner Heilslehre, indem er ein glühendes Eisen in seiner Hand trug, ohne sie zu verletzen. Ein anderes Mal hüllte er sich in ein wachsgetränktes Gewand und ließ es in Gottes Namen in Brand stecken. Die Augen und Hände zum Himmel gerichtet, pries er mit heiterem Gesicht seinen Herrn und blieb völlig unverletzt, während das Kleid rings um ihn zu Asche verbrannte. Die Zuschauer erkannten die Macht des Gottes der Christen und viele Tausende ließen sich taufen. Einen sehr reichen und angesehenen Dänen, namens Odinckar, weihte Libentius zum Bischof von Ripe und gewann durch ihn viele Norweger für die Religion Jesu Christi.

 

Unter Genehmigung des Erzbischofs Libentius gründete der Graf Heinrich in Rosafeld eine Propstei, die der Erzbischof einweihte. Jütland teilte er in zwei Bistümer, zu den Slaven schickte er den Bischof Folkquard, dann den Reginbert, die segensreich unter den Schweden und Norwegern wirkten und mit Freuden heimkehrten.

 

Nach diesen glücklichen Errungenschaften für das Reich Gottes starb der heilige Erzbischof Libentius am 4. Januar 1013 und wurde in der Mitte des Chores seiner Kathedralkirche vor den Stufen zum Allerheiligsten begraben. Der im Leben seinem Heiland so treu gedient hatte, sollte auch im Tod ihm nahe bleiben.

 

Der heilige Rigobert, Erzbischof und Bekenner von Reims,

+ 4.1.730 - Fest: 4. Januar

 

Rigobert war aus einem alten adeligen Geschlecht entsprossen gegen Ende des 7. Jahrhunderts und zeigte von Jugend auf schon eine solche gründliche Frömmigkeit und Liebe zu allen christlichen Tugenden und einen Eifer zu den geistlichen Wissenschaften, dass es jedermann voraussah, er werde einst als ein helles Licht in der Kirche leuchten. So nahm er täglich mehr an Kenntnissen und Liebenswürdigkeit vor Gott und den Menschen zu, bis er in sein männliches Alter kam, und nach dem Tod des Erzbischofs Reolus zum Oberhirten der Kirche in Reims erwählt wurde. Rigobert entsprach vollkommen den großen Hoffnungen und Erwartungen, die sich die Gläubigen von ihm gemacht hatten, und sein erstes war beim Antritt seines bischöflichen Amtes, dass er mit hoher Klugheit den Unordnungen entgegensteuerte, die sich in seinem Sprengel und besonders unter seiner Geistlichkeit seit einigen Jahren eingeschlichen hatten, während der Erzbischöfliche Sitz vakant war. Er führte unter seinen Domherren nach den alten Kirchengesetzen wieder ein gemeinsames Klosterleben ein, und vermehrte ihre Zahl, damit der Gottesdienst zum Heil der ihm anvertrauten Seelen feierlicher gehalten werden konnte. Durch die Freigebigkeit des damals mächtigen Pipin ordnete und vergrößerte er die Einkünfte seiner Kirche und Geistlichkeit und errichtete zuerst eine allgemeine Schatzkammer.

 

Der oberste königliche Haushofmeister Pipin schätzte den heiligen Erzbischof so hoch, dass er von ihm seinem Sohn Karl Martell nicht nur auf die feierlichste Art die heilige Taufe erteilen ließ, sondern es auch für eine große Ehre schätzte, dass Rigobert dabei die Patenstelle übernahm, diese Wohltat ihm aber Karl Martell in der Folge schlecht belohnte. Denn nach dem Tod Pipins entstand zwischen seinen Söhnen, Karl und Ramanfred ein schwerer Streit wegen der Oberherrschaft, und als Karl Martell durch List und Betrug sich der Stadt Reims bemächtigen wollte, verweigerte ihm der heilige Erzbischof den Einzug in die Stadt. Dadurch war er so beleidigt, dass er es mit einem Eid bekräftigte, er wolle mit der Zeit bittere Rache an dem Heiligen nehmen.

 

Bald darauf besiegte Karl Martell den König Chilperich und seinen Bruder in einer Schlacht und vertrieb sogleich den heiligen Rigobert von seinem bischöflichen Sitz, so dass er bis in sein Greisenalter im Elend lebte, bis er im Ruf der Heiligkeit starb. Die vielen Wunder, die sich bei seinem Grab ereigneten, bewogen den Erzbischof Hinkmarus, die sterblichen Überreste des heiligen Rigobert im Jahr 872 in die Klosterkirche des heiligen Theodoricus zu versetzen.

 

Der heilige Titus, Paulusjünger und Bischof,

+ 1. Jahrhundert – Fest: 4. Januar

 

Der Ruhm des Lehrers verjüngt sich im Lob des Schülers; von seiner Ehrenkrone fällt ein verklärender Strahl auch auf des letzteren Haupt. So erscheint uns denn auch der heilige Titus gerade deshalb so ehrwürdig, weil er ein unmittelbarer Apostelschüler ist: einer der bedeutendsten und verdientesten Paulusjünger, der „Wandergenosse“ (2 Kor 8,19) und „Mitarbeiter“ (ebd. 8,23) des Völkerlehrers und Heidenapostels. Nach seinen eigenen Andeutungen hat Paulus selbst den „geliebten Sohn“ (Titus 1,4), das Kind heidnischer Eltern, für das Christentum gewonnen, wie er ihm auch durch sein Sendschreiben (Titusbrief) das schönste Denkmal im Herzen der Christenheit gesetzt hat. Nicht viele Strahlen zwar fallen vom Tageslicht geschichtlicher Überlieferung auf das Lebensbild unseres Paulusjüngers, aber die wenigen leuchten hell und rechtfertigen die Verehrung, die ihm die ganze Kirche von den Tagen der Apostel an darbringt. Ihr Heiligenverzeichnis aber, das sogenannte „Römische Martyrologium“, setzte seinen Sterbe- oder Geburtstag für den Himmel unterm 4. Januar an. Die Griechen feiern den heiligen Titus am 25. August.

 

Die Wiege des Heiligen steht im Dunkel, doch weisen nicht undeutliche Spuren auf Antiochien in Syrien, die zweitgrößte Weltstadt des damaligen Ostens, die Heimat seines großen Mitschülers und Evangelisten Lukas. Zum ersten Mal treffen wir ihn auf der Reise zum Apostelkonzil um das Jahr 50 an der Seite des heiligen Paulus. Dieser selbst legte seiner Begleitreise noch nachträglich große Bedeutung bei (Gal 2,3). Er sollte nämlich als Muster eines glaubensfesten und sittenreinen Heidenchristen in Jerusalem, der Urgemeinde des Judenchristentums, erscheinen, um das Misstrauen zu zerstreuen, das man gerade in jüdischen Christenkreisen den neubekehrten Heiden entgegenbrachte. Seine Persönlichkeit scheint geradezu den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen gebildet zu haben, welche der Hauptversammlung des Apostelkonzils vorausgingen. Sie endeten, wie die Entscheidung des Konzils selber, zugunsten der Heidenchristen. Den äußeren Ausdruck fand diese Tatsache, die in Antiochien, der Hauptgemeinde des Heidenchristentums, so viele Freude hervorrief (Apg 15,31), in dem Umstand, dass Titus auf Verlangen des heiligen Paulus nicht der Zeremonie der Beschneidung unterworfen wurde.

 

Während der zwei folgenden großen Missionsreisen des heiligen Paulus erfreute sich Titus bereits des besonderen Vertrauens seines Lehrers. Zweimal nacheinander wurde er von ihm mit schwierigen Aufträgen nach der Weltstadt und neugegründeten Christengemeinde Korinth abgeordnet. Die erste Sendung erfolgte von Ephesus in Kleinasien aus. Er sollte durch sein mündliches Wort das schriftliche des heiligen Paulus (1. Korintherbrief) näher erläutern und ergänzen und dessen Mahnungen darin Gehör und Folge verschaffen. Titus löste seine Aufgabe glänzend. Es gelang ihm in kurzer Zeit die durch Falschlehrer in große Verwirrung und leidenschaftliche Spannung versetzte Gemeinde durch sein ebenso taktvolles wie festes Auftreten wiederum in Ordnung zu bringen. In der Hafenstadt Troas, von wo aus Paulus zum zweiten Mal den Fuß auf das europäische Festland setzen wollte, harrte dieser seines Boten: „und ich hatte keine Ruhe in meinem Geist, versichert er, weil ich den Titus, meinen Bruder, nicht fand.“ Erst in Mazedonien fand er ihn und begrüßte ihn freudig wie einen Engel des Trostes (2 Kor 7,6). „In unserem Trost aber“, fährt er fort, „haben wir uns noch weit mehr gefreut über die Freude des Titus“, nämlich wegen des glücklichen Gelingens seines Auftrages. Dieser Herzenserguss beweist in rührender Weise, wie innig und vertraut das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler geworden war.

 

Die zweite Sendung erfolgte von Mazedonien aus. Der erprobte Jünger wurde mit der Doppelaufgabe betraut: den zweiten Korintherbrief des Apostels zu überbringen und die Sammlung milder Gaben für die notleidenden Christen der Mutterkirche in Jerusalem zu Ende zu führen. Paulus weiß, dass er die Doppelaufgabe in verlässliche Hände gelegt, und dankt förmlich Gott, dass er solchen Eifer in des Titus Herz gesenkt habe (ebd. 8,16). Das Lob, das aus diesem kurzen Dankeswort des Weltapostels klingt, wiegt schwerer als noch so ruhmredige Worte einer langen Beschreibung es vermöchten.

 

Nach seiner ersten römischen Gefangenschaft (61-63) hatte der heilige Paulus auch Kreta (jetzt Kandia) im Mittelmeer besucht und dort seinen Schüler Titus als ersten Bischof der Insel zurückgelassen. Er sollte hier an der Spitze eines selbstständigen Wirkungskreises das begonnene Missionswerk vollenden und insbesondere durch Weihe und Einsetzung von Priestern und Bischöfen eine feste kirchliche Ordnung schaffen (Titus 1,5), deren Oberleitung ihm oblag. Die Verhältnisse lagen, wie wir aus dem Titusbrief erfahren (1,10ff) außerordentlich schwierig, so dass es Paulus angezeigt hielt, ihm auch später noch durch erprobte Ratschläge und goldene Pastoralregeln an die Hand zu gehen. Er ließ ihn sogar einmal zu sich nach Nikopolis in Epirus kommen (Titus 3,12), um sich persönlich mit ihm noch des Näheren ins Einvernehmen zu setzen.

 

Wie wir aus glaubwürdigen, außerbiblischen Nachrichten erfahren, griff der apostolische Eifer des heiligen Bischofs von Kreta auch auf die benachbarten Inseln über, wo sein zündendes Wort ebenfalls mächtige Flammen schlug und das Christentum rasch zum Sieg über das Heidentum führte. Selbst nach dem entlegenen Dalmatien lenkt der begeisterte Missionar auf den Wunsch seines Lehrers Paulus (2 Tim 4,10) seinen Wanderschritt mit solchem Erfolg, dass die Dalmatiner ihn als ihren Apostel, als den Vater ihres Christenglaubens verehren.

 

Gar vieles, zum Teil Wunderbares weiß die spätere Überlieferung über das sonstige Leben und Wirken des heiligen Titus zu berichten. Doch ist sie so sehr von sagenhaften Zutaten überwuchert, dass Dichtung und Wahrheit darin für uns nicht mehr zu unterscheiden sind. Übereinstimmend aber lauten die Nachrichten dahin, dass er auf Kreta in hohem Alter eines ruhigen und friedlichen Todes starb und in der Bischofskirche (vielleicht zu Cortyna) beigesetzt wurde. Sein Haupt soll später aus Anlass der Araber- und Türkenkämpfe nach Venedig gebracht worden sein, wo es heute noch im Markusdom verehrt wird.

 

Wie tief wird der heilige Titus, der so innig an Herz und Mund seines geliebten Lehrers hing, in den goldenen Wahrheitsschatz seines Sendschreibens sich versenkt haben! Wie oft wird er es wiedergelesen haben, so dass er jedes Wort im Gedächtnis wahrte! Auch uns hat es Paulus nicht weniger tief ins Herz und Gewissen geschrieben. Auch für uns sollte jedes Blatt der Heiligen Schrift der nimmer versiegende Jungbrunnen sein, aus dem wir fort und fort neue Belehrung und Erbauung, christliche Weisheit und Vollkommenheit schöpfen. Denn aus ihm sprudelt uns „die Gnade Gottes unseres Heilandes, die allen Menschen erschienen ist, und sie lehrt uns, dass wir ... sittsam, gerecht und gottselig leben sollen in dieser Welt“ (Titus 2,11f).

 

5. Januar

 

Der heilige Gerlach, Einsiedler des Prämonstratenserordens in Falkenburg,

+ 5.1.1172 - Fest: 5. Januar

 

Der heilige Gerlach war ein Krieger. Er stammte aus adeliger Familie in Falkenburg. Er war groß und stark, tapfer und mutig. Sein Leben war weltlich wie das seiner Standesgenossen. Einst ritt er mit anderen Rittern zu einem Turnier nach Jülich. Wie er so frohen Mutes und in der linken Hand den Schild, in der rechten die Lanze schwingend sich zum Kampfspiel begab, erhielt er plötzlich die Nachricht vom Tod seiner Gattin. Von Gott über die Eitelkeit alles Irdischen erleuchtet, stieg er vom Pferd, legte seine Rüstung vor allen anwesenden Rittern ab und beschloss, von nun an der Welt zu entsagen. Er setzte sich auf einen Esel und ritt so zum Erstaunen aller in sein Haus zurück. Nachdem er alles geordnet hatte, zog er barfuß aus, mit einem Bußgürtel unter dem eisernen Harnisch, und kam an verschiedene Wallfahrtsorte, zuletzt nach Rom, warf sich dem Papst zu Füßen, bekannte alle Sünden seines bisherigen Lebens und bat um eine Buße. Der Papst legte ihm auf, fünf (nach anderen Schriftstellern sieben) Jahre in Jerusalem die Kranken und Armen im Hospital zu bedienen. Gehorsam tat der edle Büßer, wie ihm geheißen.

 

Als die Bediensteten des Spitals sahen, dass Gerlach aus besseren Verhältnissen sei, wollten sie ihm leichtere Arbeiten übertragen. Er aber erklärte, er sei gekommen zu arbeiten und sich zu verdemütigen nach Christi Beispiel. Man beauftragte ihn sodann, das Vieh zu hüten. Gerlach übernahm es die ganzen fünf Jahre lang. Einst trat er sich einen Dorn in den Fuß und hatte große Schmerzen auszustehen. Da erinnerte er sich, dass er einmal im Zorn die Mutter mit dem Fuß gestoßen habe und dankte Gott, dass er nun Gelegenheit hatte, diese Sünde durch Schmerzen am Fuß abzubüßen. Als die Jahre um waren, kehrte er nach Rom zurück und beriet sich mit Papst Adrian IV. über seine zukünftige Lebensweise. An eine bestimmte Klosterregel wollte er sich nicht binden. Dagegen hatte er gelobt, nie Fleisch und Wein zu genießen und immer einen Bußgürtel zu tragen. Der Papst riet ihm, sich nicht als Besitzer, sondern nur als Verwalter des väterlichen Vermögens zu betrachten und für sich nur das Notwendige zu behalten, alles andere für die Armen und fromme Zwecke herzugeben. Gerlach hatte auf seinem Grund und Boden eine große Eiche von mächtiger Dicke. Diese höhlte er aus und nahm darin Wohnung. Jeden Morgen machte er sich zeitlich auf und wanderte bloßfüßig nach Maastricht in die Kirche des heiligen Servatius, jeden Samstag aber pilgerte er nach Aachen in die von Karl dem Großen gegründete Mutter-Gottes-Kapelle. Im Winter waren seine Füße oft von Eis zerschnitten, so dass Blut herausrann. Er aß Gerstenbrot, das ihm von einer Verwandten bereitet und von deren Tochter zugetragen wurde, und trank aus einer Quelle, die noch jetzt Gerlachquelle heißt. Wenn ihm Lebensmittel gespendet wurden, ließ er daraus schmackhafte Speisen bereiten, schenkte sie aber den Armen und Pilgern. Sein Lager in der Nacht war aus Steinen, über die er eine Matte breitete.

 

Von einigen Mönchen des Klosters Merssen wurde Gerlach beim Bischof von Lüttich verklagt und beschuldigt, dass er in seiner hohlen Eiche viel Geld versteckt habe. Der Bischof ließ die Eiche fällen, aber Geld wurde keins gefunden. Zu seiner Zeit lebte die heilige Hildegard. Diese sah einst in einer Vision einen herrlichen Thron im Himmel, der für den heiligen Gerlach bereitet war. Zum Zeichen ihrer Hochschätzung und Freundschaft schickte sie dem heiligen Einsiedler den Kranz, den sie zugleich mit dem Jungfrauenschleier vom Bischof von Mainz bekommen hatte. Statt der Eiche ließ der Bischof von Lüttich ihm zwei kleine Zellen erbauen, eine für den Gottesdienst und eine zum Wohnen. In der ersteren konnte mit Erlaubnis des Bischofs Messe gelesen werden und Gerlach bat öfters Priester, zu ihm zu kommen und das heilige Opfer zu feiern. Bei zunehmenden Alter konnte der fromme Einsiedler die Wege nach Maastricht und nach Aachen nicht mehr zu Fuß machen und bediente sich eines Esels. Über dem eisernen Wams, das den Bußgürtel verdeckte, trug er das weiße Ordenskleid der Prämonstratenser. Einmal war er bei Verwandten zu Besuch und blieb über Nacht. Man richtete ihm ein Bett her, er aber legte sich nicht hinein, sondern auf den Boden, und früh morgens, als man kam, Feuer zu machen, kniete er noch am Boden, tief im Gebet versunken. Als Gerlach dem Tod nahe und kein Priester zur Stelle war, erschien ein Greis in weißem Gewand, trat in die Zelle und spendete ihm die Sterbesakramente. Viele sagten nachher, es sei der heilige Servatius gewesen. Sein Todestag ist der 5. Januar 1172. Gerlach wollte in der kleinen Zelle, die er bewohnte, auch begraben sein. Sein Leichnam wurde einige Zeit nach seinem Tod auf wunderbare Weise aufgefunden. 1201 wurde ein Prämonstratenserkloster an der Stelle errichtet und die Gebeine in der Kirche beigesetzt. Das Kloster wurde 1786 aufgehoben, die Reliquien befinden sich noch jetzt in der als Pfarrkirche dienenden Kirche zu Houthen-St. Gerlach. Auch an anderen Orten entstanden Klöster und Gotteshäuser, die seinen Namen trugen, z.B. Gerlachsheim in Baden, das erst im Jahr 1803 dem Sturm der Säkularisation erlegen ist.

 

Auch nach der Lossprechung in der Beicht ist Buße notwendig. Wer den Weg der Unschuld nicht gegangen ist, muss den Weg der Buße gehen. „Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle zugrunde gehen“, sagt der liebe Heiland.

 

Der heilige Telesphorus, Papst und Martyrer von Rom,

+ 5.1.154 - Fest: 5. Januar

 

Der heilige Telesphorus, neunter römischer Papst, war ein geborener Grieche, und lebte längere Jahre hindurch als Karmeliter-Mönch in der Einsamkeit. Aus Andacht machte er eine Wallfahrt nach Rom im Jahr 142, und da eben durch den Tod des Papstes Sixtus I. der päpstliche Stuhl erledigt war, wurde er am 8. April dieses Jahres zum Oberhirten der Kirche gewählt. Mit dem größten Eifer für die Ausbreitung und Reinheit der christlichen Religion verband er eine unermüdliche Wachsamkeit für das Seelenheil seiner ihm anvertrauten Gläubigen, und machte in dieser Hinsicht die nützlichsten Gesetze, die noch heut zu Tage in der katholischen Kirche beobachtet werden. Die vierzigtägige Fasten, die zu den Zeiten der Apostel schon gefeiert wurde, aber während den Verfolgungen in Abnahme geriet, erneuerte er, und verordnete, dass diese sowohl die Laien, vorzüglich aber die Geistlichen streng beobachten sollten. Um den Christen die hohe Feierlichkeit der Geburt Jesu recht nahe an das Herz zu legen, erlaubte er, dass in der Heiligen Nacht jeder Priester dreimal das heiligste Opfer verrichten dürfe. Er führte die schöne Gewohnheit ein, dass bei jeder Messe der englische Gesang „Ehre sei Gott in der Höhe“ gebetet und das heilige Evangelium laut gelesen wird. Er war der erste, der verordnete, dass weder die Bischöfe, noch andere geistliche Personen vor ein weltliches Gericht sollten gezogen werden. Damit der Gottesdienst und die Erteilung der heiligen Sakramente nicht unterbrochen wurde, weihte er dreizehn Bischöfe für verschiedene Kirchen, zwölf Priester und acht Diakonen.

 

Elf Jahre und neun Monate saß er auf dem päpstlichen Stuhl, als er unter der Regierung des heidnischen Kaisers Antonin am 5. Januar 154 gewürdigt wurde, sein Blut und Leben zur Verherrlichung der heiligen Religion Jesu zu opfern. Seine sterblichen Überreste wurden zu Rom neben dem Grab des heiligen Apostels Petrus beigesetzt, und nach sieben Tagen der heilige Hyginius zu seinem Nachfolger gewählt.

 

Die heilige Apollinaris, Prinzessin und Jungfrau in Ägypten,

+ 5.1. 5. Jhd. - Fest: 5. Januar

 

Unter der Regierung des Kaisers Arcadius zeichnete sich Anthemius, der die Würde eines römischen Bürgermeisters innehatte, sowohl durch seinen Eifer für die christliche Religion, als durch seine Tugenden und sein heiligmäßiges Leben aus. Er war Vater von zwei Töchtern, deren eine von einem bösen Geist besessen war, und die andere hieß Apollinaris, die von früher Jugend an eine seltene Neigung zur Einsamkeit und zum geistlichen Stand zeigte. Als die fromme Jungfrau, blühend wie eine Rose und geschmückt mit Liebreiz, in das erwachsene Alter kam, flogen ihr die Blicke aller adeligen jungen Männer entgegen und mehrere baten bei den Eltern um ihre Hand. Aber Apollinaris hatte sich längst schon ihrem Heiland geweiht und schlug standhaft alle Anträge aus. Durch ernstliches und unausgesetztes Bitten erhielt sie endlich von ihren Eltern die Erlaubnis, eine Reise in die heiligen Länder machen zu dürfen, und nachdem sie dort ihre Andacht verrichtet und allen Schmuck nebst ihren Reichtümern unter die Armen verteilt hatte und nach Alexandrien zurückkam, kaufte sie sich ein Mönchskleid, entließ ihre Dienerschaft bis auf einen Verschnittenen und einen alten Mann, und als diese eines Tages vor Ermüdung bei einer Quelle schliefen, warf sie eiligst ihre weiblichen Kleider von sich, zog die raue Mönchskutte an und entfloh.

 

Längere Jahre lang führte sie in der Einöde, die nahe bei dieser Quelle lag, die noch immer der Brunnen der heiligen Apollinaris genannt wird, ein so hartes und strenges Leben, dass ihr zarter Körper ohne Ungemach Hitze und Kälte ertragen konnte, und wegen Mangel an Nahrung sie mehr einem Toten, als einem Lebenden ähnlich war. Sie wurde endlich von Gott ermahnt, den Namen Dorotheus anzunehmen und sich in die Wüste Scete zu begeben, um unter der Anleitung des heiligen Abtes Macarius in der Gottseligkeit vollkommen zu werden. Macarius, der sie für einen Verschnittenen ansah, nahm sie gütig auf und wies ihr eine Zelle an, in der sie die harten Regeln der Genossenschaft mit einem solchen Feuereifer ausübte, dass sie in der Abtötung und Heiligkeit des Lebens bald alle Einsiedler übertraf.

 

Nach einiger Zeit verlangte die Schwester der heiligen Apollinaris auf Antrieb des bösen Geistes von ihren Eltern, sie in die Wüste Scete zu dem Einsiedler Dorotheus zu bringen, um dort geheilt zu werden. Anthemius, der nach dem Tod des Arcadius im Namen des unmündigen Kaisers Theodosius das Reich regierte, erfüllte das Verlangen seiner unglücklichen Tochter und schickte sie, begleitet von einer großen Dienerschaft, in die Wüste, wo sie durch das Gebet und die Händeauflegung der heiligen Apollinaris von dem bösen Geist befreit wurde. Ohne ihre heilige Schwester erkannt zu haben, kehrte sie gesund zu ihren Eltern zurück, die aber bald an ihr Spuren einer Schwangerschaft fanden. Bei dieser Entdeckung geriet Anthemius in eine solche Wut, dass er eine Schar Kriegsknechte abschickte mit dem Auftrag, die Einsiedler in der Wüste mit Feuer und Schwert zu verfolgen und den Verführer seiner Tochter ihm lebendig zu überliefern.

 

Wilden Tieren gleich fielen die Soldaten die heiligen Einsiedler an, um blutige Rache an ihnen zu nehmen. Aber Dorotheus trat hervor und sprach: „Ich bin die Person, die ihr sucht. Alle diese sind unschuldig: nur auf mich allein richtet eure Schwerter!“ Sogleich wurde Apollinaris in schwere Fesseln gelegt und vor das Gericht des Arthemis gebracht. Sie fiel ihrem Vater zu Füßen und sprach unter vielen Tränen: „Ich habe deine Tochter von dem bösen Feind befreit, und ihre Unschuld ist so rein, als die Sonne am Himmel. Zum Beweis rufe deine Tochter, damit ich durch das Zeichen des heiligen Kreuzes das Blendwerk des Satans zerstöre.“ Die Jungfrau erschien, und schrie bei dem Anblick des Einsiedlers laut auf: „O heiliger Mann, du hast mich von dem bösen Geist befreit; flehe zu Gott für mich Arme, dass er meine Unschuld aufdecken möge!“ Bei diesen Worten fiel sie auf ihre Knie, und Apollinaris hob ihre Augen und Hände zum Himmel und betete in der Stille. Dann bezeichnete sie ihre Schwester mit dem heiligen Kreuz, und zum Staunen aller Anwesenden wichen alle Anzeichen einer geheimen Sünde. Die Heilige gab sich nun ihren Eltern zu erkennen und zog wieder in ihre Wüste zurück, wo sie am Anfang des 5. Jahrhunderts im Ruf der Heiligkeit starb.

 

Erst nach ihrem Tod, als ihr Leichnam gewaschen wurde, entdeckten die Einsiedler ihr Geschlecht, und lobten Gott, der durch ein so schwaches Werkzeug so Wundervolles tat.

 

Der heilige Eduard der Bekenner, König von England,

+ 5.1.1066 - Fest: 5. Januar / 13. Oktober

 

Schwer hatte es während der irdischen Laufbahn der heilige König Eduard. Englands himmlischer Schirmer und Schutzherr, der um das Jahr 1000 lebte. Früh starb der Vater, die Dänen eroberten das Reich, und die Herrscherfamilie kam landflüchtig an den fränkischen Königshof. Wüste Sitten herrschten dort. Dass sich Eduard in dieser Umgebung in aller Lauterkeit erhielt, verdankt er neben dem besonderen Schutz Gottes und dem eigenen herrlichen Willen, dem aller Schmutz ein Ekel war, vornehmlich der innigen Verehrung und Nachahmung des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes, des Lieblingsjüngers Jesu. Da sieht man, dass die Heiligen beim lieben Gott doch viel vermögen.

 

Eine Lilie, die weiß und rein am Straßenrand blüht, fällt allen, die vorübergehen, in die Augen, und auch Eduards Lauterkeit blieb im Schmutz des königlichen Hofes nicht unbeachtet, und während ihn die Gutgesinnten achteten und ehrten, wie es sich gebührt, hänselten ihn die anderen, die Dreck am Stecken hatten, und nannten ihn spöttisch den „Engel“. Das war gemein und unschön, aber Eduard fiel auf den Schwindel nicht herein, sondern war Manns genug, den Spott zu ertragen, und blieb, was er war, der edle, lautere junge Mann. Nur ein Schwächling lässt sich durch die Hänseleien zügelloser Jungen und Mädchen beirren, ein Held – nie!

 

Als Eduard volljährig geworden war, drängte man ihn, sich mit Waffengewalt sein angestammtes Reich zurückzuerobern. Da gab der König die wahrhaft königliche Antwort, er wolle keine Herrschaft, die mit Blut erkauft sei. Wenn alle hohen Leute so dächten, hätte es nie einen Krieg gegeben und unübersehbares Elend wäre der Menschheit erspart geblieben.

 

Dann jedoch fügte es sich, dass die Dänen aus England weichen mussten, und Eduard wurde auf den angestammten Thron zurückgerufen und am Ostertag des Jahres 1042 im Alter von dreißig Jahren unter großen Feierlichkeiten zum König gesalbt und gekrönt. Gut fünfundzwanzig Jahre führte er als Friedensfürst in der Nachfolge des Christkönigs, dessen Fest wir bald feiern, das Land, und brachte es zur Wohlfahrt und Ansehen vor allem dadurch, dass er die Ehrfurcht vor Gott im Volk hob. So war seine Regierung die denkbar glücklichste, weil er selbst das Gesetz seines Gottes im Herzen trug.

 

Vor allem ließ König Eduard es sich angelegen sein, wie der Heiland Wohltaten spendend einherzugehen. Unerschöpflich war seine Güte gegen die Armen, und schon zu Lebzeiten blühten Wunder an dem Weg, den er ging. Einmal beispielsweise, so berichtet die Legende, traf der König in den Straßen Londons einen Krüppel, dessen Beine so übel verwachsen waren, dass er sich nur mit Hilfe der Hände wie ein Tier fortbewegen konnte. Auf die Frage des Königs, wie er ihm wohl helfen könne, entgegnete der Krüppel: „Herr, es ist mir der Gedanke gekommen, dass ich sogleich gesund würde, wenn mich der König auf seinen Schultern zur Kirche tragen würde.“ Da hob Eduard den Bettler auf und trug ihn huckepack ins nächste Gotteshaus und setzte ihn vor dem Altar nieder, und da streckten sich die Glieder des Mannes, und in einem einzigen Augenblick war er ein wohlgewachsener Mann, stattlich und groß. Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen.

 

Im Jahr 1066 vertauschte König Eduard die irdische Krone mit der himmlischen Krone, die über und über geziert war mit den Diamanten und Edelsteinen seiner Wohltätigkeit und seines heiligen Lebens.

 

Der heilige Johannes Nepomuk Neumann, Redemptorist, Bischof von Philadelphia,

+ 5.1.1860 – Fest: 5. Januar

 

Das an Produkten der Natur und des menschlichen Fleißes reiche Böhmerland hatte in den letzten Jahrhunderten einen harten Kampf für die Erhaltung seines katholischen Glaubens zu führen, dem schon früher die hussitische Irrlehre so schwere Wunden geschlagen hat. Wie ist da der göttlichen Vorsehung gebührend Dank zu sagen, dass sie diesem Land einen neuen Fürbitter unter den himmlischen Scharen zu geben gewillt ist, einen Fürbitter, den zugleich auch sein zweites Heimatland, Amerika, in Anspruch nimmt. Noch hat die „Neue Welt“ mit ihrer kurzen Geschichte dem amtlichen Heiligenkalender kaum einige Namen gegeben. Der Seligsprechungsprozess war aber für Bischof Neumann mit gutem Erfolg im Gange. Am 19. Juni 1977 wurde er von Papst Paul VI. heiliggesprochen.

 

Johann Nepomuk Neumann ist in der alten Stadt Prachatiz im Böhmerwald am 28. März 1811 geboren. Sein Vater, ein Strumpfwirker und Gemeindebediensteter, war dorthin aus Bayern eingewandert. Er wie die Mutter waren kernhaft fromm und christlich. Streng und unnachsichtig strafte der Vater jede Lüge, die Mutter aber flößte den Kindern besonders Liebe zu den Armen ein und hielt sie zu täglichem Besuch der heiligen Messe an ihrer Seite und zu häufigem Kommunionempfang an. So schufen die Worte und noch mehr das treffliche Beispiel der Eltern die sicherste Grundlage für die gute religiöse Entwicklung des unschuldigen Jungen, von dem sein Religionslehrer schrieb: „Ich gedachte oft bei diesem Jungen der Worte, die von Johannes dem Täufer geschrieben stehen: Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ Priester zu werden war Johanns Wunsch. Darum wurde er mit zwölf Jahren aufs Gymnasium nach Budweis geschickt. Die ersten Lehrer aber verleideten ihm das Studium so, dass er nach dem vierten Jahr daran war, es aufzugeben und ein Handwerk zu lernen. Der Vater war einverstanden, aber die Mutter und Geschwister vermochten Johann zur Rückkehr nach Budweis wieder umzustimmen. Ein völliger Umschwung trat nun ein; er überflügelte seine Mitschüler und lernte neben dem Vorgeschriebenen auch noch die neueren Sprachen, die er später so gut sollte verwerten können. Neben dem Studium erfasste der fromme Student aber auch schon damals die Bildung seiner Seele, den Dienst des Herrn. Abtötung und Selbstverleugnung waren ihm nichts Fremdes, ein Zeichen, dass kein gewöhnliches Streben ihn beseelte. Morgens und abends begnügte er sich mit einem Stück trockenen Brotes und legte sich noch überdies manche heimliche Entbehrung auf.

 

„Die erste Eigenschaft des schönen Charakters dieses später so berühmten Mannes war sein kindlich frommes Gemüt, sein anspruchsloses, demütiges Wesen. Dabei war er so freundlich, so gefällig, so leutselig und war jederzeit zu allen Liebesdiensten bereit, die man von ihm verlangte“, so urteilte ein Mitschüler über ihn. Als er sich mit zwanzig Jahren endgültig über den Beruf entscheiden sollte, da neigte der fromme Student auf einmal zum Studium der Medizin hin. Der Vater stimmte wieder zu, aber die Mutter, die das Herz ihres Sohnes kannte, riet zum Eintritt ins Klerikalseminar zu Budweis. Johann folgte dem mütterlichen Rat, und die Zukunft rechtfertigte aufs glänzendste den klaren Blick der Mutter und den Gehorsam des Sohnes.

 

Einst sprach der Professor der Schrifterklärung über den Flammeneifer des Weltapostels Paulus. Die Worte zündeten in dem Herzen eines Freundes Neumanns. Er entschloss sich für die Missionen und teilte dies Neumann mit. Dieser, schon durch die Berichte der Leopoldsgesellschaft für die auswärtigen Missionen eingenommen, entschied rasch die Unterredung: „Ich gehe mit dir nach Amerika.“ Dieser Erdteil war damals noch reines Missionsland. Nicht irdischer Lohn, nicht Ehre, nur reiner Seeleneifer zogen den jungen Mann und befähigten ihn zu den größten Opfern. Und Glied an Glied reihten sich nun die Opfer aneinander an dieser endlosen Kette des Missionsberufes. Es kostete Mühe, die Zustimmung der Eltern zu erlangen. Längeres Studium im Seminar zu Prag, wo er sich auf der Universität Gelegenheit zur Vervollkommnung in den neueren Sprachen erhoffte, brachten ihm viel Enttäuschungen, innere Kämpfe und schließlich auch großes Herzeleid durch einen verleumderischen Mitschüler. Zuletzt wurde ihm auch die Bitte um Empfang der Priesterweihe nicht erfüllt. Es war ein Säen in Tränen; doch stärkte es nur seinen Willen und festigte seinen Charakter.

 

Im Jahr 1836 verließ Neumann die Heimat. Unter vielen Entbehrungen machte er die Reise durch Frankreich zu Wagen und zu Fuß, in tiefer Niedergedrücktheit, als die gegebene Zusicherung der Aufnahme in die Diözese Philadelphia ganz ungewiss wurde. Doch eben diesen Sprengel sollte er einmal als Bischof segnen. Auf der Überfahrt erhoben sich auch die Elemente feindlich gegen ihn. An vier verschiedenen Tagen tobte der Sturm. Einmal lehnte der verlassene Auswanderer, in Gedanken an seine ungewisse Zukunft vertieft, an einem Mastbaum, ohne zu merken, wie der Sturm an Heftigkeit zunahm. Plötzlich, wie von unsichtbarer Macht ergriffen, kam Neumann zu sich und ging von seinem Platz weg. Im selben Augenblick brach die Segelstange und stürzte nieder. Wäre er noch am alten Platz gewesen, würde es ihm das Leben gekostet haben. Von diesem Vorfall an überließ er sich ganz der Vorsehung Gottes.

 

Vom Bischof von New York mit großer Freude aufgenommen, erhielt Neumann sofort die Abhaltung der Christenlehre in der dortigen deutschen Kirche übertragen. Schon am 25. Juni 1836 wurde ihm das Glück zuteil, die Priesterweihe, das Ziel seines Jugendstrebens, zu erhalten. Seinem Tatendrang und glühenden Seeleneifer wurde sogleich ein weites Feld der Betätigung eröffnet, indem er von seinem Oberhirten einen weiten Missionssprengel bei Buffalo zugewiesen erhielt, den er von Williamsville, später von Nordbusch aus leitete. Alle Mühen und Entbehrungen eines Missionspriesters erwarteten ihn hier. Die weiten Märsche durch Sümpfe, die vielen Gefahren von Seiten wilder Tiere und böser Menschen schreckten ihn nicht. Der Anblick der Verlassenheit so vieler Seelen, verbunden mit größter Unwissenheit in religiösen Dingen, machten seinem seeleneifrigen Herzen alle Opfer leicht. Gar oft erfuhr er wunderbar Gottes mächtigen Schutz. Immer mehr wuchs die Arbeitslast, ohne dass ihm, trotz dringender Bitten, ein Mitarbeiter hätte gegeben werden können. Dabei hatte er niemand, der zu Hause seine Wohnung und den Tisch besorgt und ihn gegen die furchtbare Kälte jenes Himmelsstriches genügend geschützt hätte. Viel sind der Dornen, die ein Missionsfeld birgt. Umso schmerzlicher müssen sie verwunden, wenn noch absichtliche Bosheit hinzukommt. So traf den edlen Priester eine schwere Verleumdung, die in aller Öffentlichkeit verbreitet wurde. Der Unschuldige lächelte nur darüber, bis schließlich der Anstifter selber der allgemeinen Verachtung anheimfiel. Neumann aber hatte nur Mitleid mit ihm. Ein anderes Mal wurde er mit Erschießen bedroht, und wieder einmal mit Kot und Steinen beworfen, er, der die Güte und Milde für seine Person selbst war. Galt es freilich die Ehre Gottes oder das Seelenheil des Nächsten, so bestand er allerdings fest auf den kirchlichen Grundsätzen.

 

Lange schon fühlte der Missionar schwer das Gefahrvolle seiner Vereinsamung. Um wieviel fruchtbarer gestaltete sich eine Wirksamkeit im Schutz und Rückhalt einer Genossenschaft! Neumann trat deshalb im Jahr 1840 bei den Redemptoristen in Pittsburg ein, zugleich mit seinem Bruder Wenzel, der ihm schon in letzter Zeit nach Art eines Laienbruders gedient hatte. Aber selbst im Noviziat hatte der Diener Gottes nur wenig Ruhe von apostolischen Arbeiten. Bei dem großen Priestermangel musste er in verschiedenen Städten, wie in Baltimore, New York, Rochester, Norwak, Buffalo bisweilen monatelang aushelfen. Durch Ablegung der Gelübde Mitglied einer Genossenschaft, deren Hauptziel die Seelsorgetätigkeit durch Missionen ist, schien sein Seeleneifer keine Rast und Grenzen mehr zu kennen. Die Liebe Christi, die ihm im Herzen flammte, trieb ihn unaufhörlich zu neuen Unternehmungen. Schon nach einem Jahr wurde Pater Neumann Oberer in Pittsburg. Allen alles zu werden, besonders seinen Mitbrüdern, war ihm Herzenssache. Mit ängstlicher Pünktlichkeit verlangte er die Beobachtung der Regel, denn er war der Überzeugung, dass das äußere Wirken nur dann gesegnet sei, wenn die Ordensregel gewissenhaft gehalten werde. Was er von anderen verlangte, übte er aber selbst aufs Genaueste. Lebendige Wegweiser in Ordenshäusern dürfen nicht wie Straßenzeiger die Richtung angeben und selbst stehen bleiben, sie müssen vorangehen. Das beachtete Pater Neumann.

 

Den erprobten Ordensmann, der kaum von einer schweren Krankheit, die er sich durch Überanstrengung zugezogen hatte, genesen war, traf bald die Ernennung zum stellvertretenden Provinzialoberen der Redemptoristen in Amerika. Sie besaßen damals zehn Niederlassungen mit dreißig Patres. Um dem ausgedehnten Arbeitsfeld neue Kräfte zuzuführen, errichtete der Provinzial neue Häuser in New Orleans, Cumberland, Buffalo und New York. Sehr wichtig erschien ihm auch die Abhaltung von Exerzitien für Priester und Ordenspersonen. Der Heranbildung der Priester seiner eigenen Kongregation galt sein besonderes Augenmerk. Den Novizen in Pittsburg gab er den heiligmäßigen Pater Xaver Seelos zum Novizenmeister, während er die Profess-Studenten bei sich in Baltimore behielt.

 

Überzeugt von der fruchtbaren Wirksamkeit und dem großen Einfluss der Ordensfrauen auf das Leben der Gläubigen durch Wort und Beispiel, besonders in der Erziehung der Jugend, nahm Pater Neumann sich ihrer überall an. Unter seiner väterlichen Fürsorge wuchs das Institut der verlassenen farbigen Schwestern, die Karmelitinnen in Baltimore förderte er sehr als ihr Beichtvater, den Armen Schulschwestern aber, die 1847 von München aus den Versuch einer Niederlassung in Amerika machten, ging er in ganz besonderer Weise an die Hand. Er sorgte für die erste Unterkunft, verschaffte ihnen Haus und Schulen und empfahl sie besonders den Bischöfen. „Dieser Mann Gottes“, so rühmte von ihm die Oberin der amerikanischen Schwestern, „war in der Tat das Werkzeug, dessen sich die göttliche Vorsehung bediente, dem Orden der Schulschwestern in den Vereinigten Staaten Verbreitung und Befestigung zu verschaffen, so dass wir ihn mit Recht als unseren Gründer in Amerika verehren.“ Übrigens gründete der Heilige später (1855) als Bischof eine neue Kongregation von armen Franziskanerinnen, die zu hoher Blüte gelangt ist. Zu ihrer Führung berief er auch Franziskanerpatres aus Deutschland.

 

Dem rastlosen und vielseitigen Arbeiter im Weinberg des Herrn wurde unerwartet eine hohe Auszeichnung und damit ein noch unvergleichlich weiteres Feld der Betätigung seines Glaubenseifers und seiner Seelenliebe übertragen. Erzbischof Kenrick von Baltimore sagte eines Tages scherzend zu Pater Neumann, der sein Beichtvater war: „Verschaffen Sie sich eine Mitra! Ich habe erfahren, dass sie Bischof von Philadelphia werden sollen.“ Da fiel der demütige Ordensmann auf die Knie nieder und flehte den Erzbischof unter Tränen an, er möge doch alles aufbieten, dass diese Bürde ihm nicht auferlegt werde. Er wandte sich auch an den Generalprokurator der Redemptoristen in Rom, betete viel und ließ viel beten, um die Würde abzulenken. Der Heilige Vater Pius IX. ließ jedoch den Befehl an den Erwählten ergehen, das Bistum Philadelphia aus Gehorsam anzunehmen, ohne ferner zu appellieren. Am Passionssonntag 1852 zum Bischof konsekriert, nahm der neue Seelenhirt sich zum Wahlspruch seines Wirkens die schöne Anrufung: „Leiden Christi, stärke mich!“ Vom göttlichen Erlöser erbat er sich immer Kraft zum überaus schweren Amt. Wie er selber gerne betete, so suchte er auch den Gebetseifer in den Herzen der Gläubigen zu mehren. Besonders leitete er sie zur Anbetung des Allerheiligsten an. Daher führte er das vierzigstündige Gebet und die Erzbruderschaft vom allerheiligsten Sakrament ein. Nach und nach besuchte er seine ganze ungeheuer große Diözese, aus der jetzt fünf neue Bistümer gebildet sind. Das war eigentlich eine fortgesetzte Mission. Mit großem Eifer predigte er selbst, hörte Beicht, unterrichtete die Kinder. Da er alle Sprachen, die in seiner Diözese gesprochen wurden, sprach, so konnte er allen genügen. O wie froh war da mancher, wieder einmal in seiner Muttersprache und dazu vom gütigen Vater der Diözese selber das Wort der Lossprechung und des Trostes hören zu dürfen! In den ersten fünf Jahren seiner bischöflichen Amtsführung eröffnete er über fünfzig neue Kirchen. Der Bau der Kathedrale in Philadelphia, eines großartigen Bauwerkes, fiel auch ihm als sorgenvolle Aufgabe zu. Philadelphia verdankt ihm auch das Priesterseminar. Überall sorgte er für katholische Schulen.

 

Auf Wunsch von Papst Pius IX. kam Bischof Johannes Neumann 1854 zur feierlichen Erklärung des Glaubenssatzes von der unbefleckten Empfängnis Mariens nach Rom. Zur Verherrlichung der allerseligsten Jungfrau etwas mitbeitragen zu können, dieser Gedanke erfüllte den innigen Verehrer der Gottesmutter mit seligem Herzensjubel. Auf der Rückreise besuchte er auch seine liebe Heimat, zur größten Freude seines noch lebenden Vaters und seiner vielen Jugendfreunde. Es sollte ihm nicht gelingen, still und unerwartet einzutreffen, vielmehr wurde er im Triumph in seine Vaterstadt geführt und aufs glänzendste empfangen. Der Ruf seiner Heiligkeit war unter das Volk gedrungen, und so entstand während der sechs Tage, die er im Elternhaus zubrachte, bisweilen ein solches Gedränge, dass der Bischof buchstäblich in Lebensgefahr kam. Seine Sanftmut und Leutseligkeit, seine große Demut und Bescheidenheit, wie die Worte der Erbauung, die er sonntags an das Volk richtete, hinterließen den tiefsten Eindruck. So war es auf der ganzen Reise. Auch in Altötting, dem berühmten bayerischen Marienheiligtum, verweilte er einige Tage bei seinen Mitbrüdern in St. Magdalena, die damals dort die Wallfahrtsseelsorge innehatten.

 

Wieder in sein Bistum zurückgekehrt, nahm Bischof Neumann hervorragenden Anteil am Provinzialkonzil in Baltimore vom 9. bis 20. Mai 1855. Nur noch wenige Jahre der unausgesetzten Tätigkeit waren ihm beschieden. Wie sein Ordensvater Alphonsus hatte er das Gelübde gemacht, keinen Augenblick Zeit zu verlieren, ein Gelübde, das die gewaltigste Willenskraft und Selbstzucht zu seiner Ausführung erfordert. Der gottselige Alphonsusjünger hat es treu gehalten bis zum Tod. Oft nahmen ihn die Arbeiten bis Mitternacht in Anspruch, bisweilen bestand sein Schlaf nur in kurzem Ruhen, auf einem Stuhl sitzend. Trotzdem übte der Mann steter Selbstverleugnung noch harte Abtötung in bescheidener, unauffälliger Weise, um niemand lästig zu fallen. Fortwährend gebrauchte er einen scharfen Bußgürtel. Über des Heiligen innere Abtötung bekennt sein Seelenführer: „Durch beständige Wachsamkeit über seine Augen und durch die Sammlung des Geistes hat er jeder Leidenschaft den Zugang zum Herzen verschlossen. Seine jungfräuliche Seele beschäftigte sich stets mit Gott, er hatte einen hohen Grad des Gebetes erlangt.“

 

So wurde der fromme Diener des Herrn reif für den Himmel. Durch die ununterbrochenen Anstrengungen körperlich geschwächt, erlag er ganz unerwartet am 5. Januar 1860, mitten auf der Straße einem Schlaganfall. Er zählte noch keine vollen 49 Jahre. Pater Seelos schreibt später in einem Brief, er habe, als er tags darauf, am Dreikönigsfest, in Pittsburg seinen Predigtzuhörern die eben eingetroffene Trauerbotschaft verkündigte, in aller Augen Tränen sehen können. Bischof Neumann habe wie ein Heiliger gelebt, dies habe ihm großen Trost gegeben und ihn zuversichtlich hoffen lassen, dass er im Himkmel sei. In heiligen Dienstgeschäften sei er auf der Straße verstorben und sein Fleisch bis jetzt noch unverweslich geblieben.

 

Über die Art des Todes äußerte sich Bischof Neumann einmal, vielleicht in Vorahnung des seinigen: „Ein Christ, noch mehr ein Ordensmann soll immer auf einen guten Tod vorbereitet sein, und in diesem Fall hat ein schneller Tod seine Vorteile. Wir ersparen uns und unseren Mitbrüdern, die uns in der Krankheit bedienen, so manche Gelegenheit zur Ungeduld. Und der Teufel hat nicht Zeit, uns zu versuchen. Jedenfalls ist die Art des Todes für uns die beste, die Gott uns zuschickt.“

 

Die heilige Synkletika, Nonne von Alexandria,

+ 5.1. um 350 – Fest: 5. Januar

 

Diese heilige Jungfrau vereinigte so viel Gutes in sich, dass es der menschlichen Sprache, so gewandt sie sein mag, an Kräften gebricht, es darzustellen. So beginnt ein neuerer Heiligenbeschreiber ihren Lebensabriss. Eine alte Beschreibung ihres Lebens aus der Zeit des heiligen Athanasius (+373) – man möchte sie sogar diesem großen Gottesgelehrten selbst zuschreiben, aber ohne festen Grund – erhebt sie mit hohem Lob. Ihr Leben war vorbildlich an heroischen Tugenden, ihre Weisheit und Einsicht ins geistliche Leben war hochgeschätzt von ihren Zeitgenossen, so dass ihre Aussprüche in einer alten Belehrung über die Tugenden, die im „Leben der Väter“ zu finden ist, gleich denen von Geisteslehrern zum Beweis angezogen werden, wie auch ihre umfangreichen Belehrungen gesammelt und so bis auf unsere Zeit erhalten wurden. Schließlich war Synkletika noch ein bewundernswertes Beispiel starkmütiger und ausdauernder Geduld im Leiden. Dieses mustergültige Lebensbild Synkletikas hat, in Anbetracht dessen, dass auch über die Zeit ihrer Geburt und ihres Todes keine näheren Angaben bekannt sind, sogar einige Kritiker in Versuchung gebracht, ihr Leben nur als eine einfache Ermahnung zur Tugend anzusehen, die man in die Form einer geschichtlichen Persönlichkeit eingekleidet habe. Indessen betrachtet sie unsere heilige Kirche nicht als ein Phantasiebild der Heiligkeit, sondern als ein lebendiges Vorbild im Kranz der Heiligen; denn sie feiert ihr Andenken im Morgenland am 4. Januar, im Abendland am 5. Januar und 1. März.

 

Synkletika, deren Eltern aus Mazedonien stammten, war nach Angabe ihrer Akten in Alexandrien in Ägypten geboren, in dem Jahrhundert, in dem Gott den heiligen Antonius (+ um 356) glänzen ließ, damit beide Geschlechter ihr Vorbild haben sollten in einem gänzlichen, rückhaltlosen Verzicht auf die Welt, wie ihn damals der Heilige Geist in Tausenden von Christenherzen zum Staunen der Mitwelt wachrief. Der Adel von Synkletikas Familie, die Schönheit ihres Leibes und Geistes, wie auch ihr Reichtum ließen sie sehr angesehenen Freiern der Stadt als begehrenswert erscheinen. Aber schon hatte der edelste und heiligste Bräutigam, Jesus Christus, als alleiniger siegreicher Bewerber Besitz von ihrem Herzen ergriffen. Den Spuren der heiligen Thekla folgend, kämpfte sie ihr ganzes Leben lang gegen die heftigsten Versuchungen, über die Gottes Gnade sie immer siegreich werden ließ. Sie war überzeugt, dass der Mensch den gefährlichsten Feind in sich selber hat, und oblag deshalb mit Bedacht jeglicher Art von Abtötung des Fleisches und des Herzens. Lange, strenge Fasten waren ihr so lieb, dass sie die Notwendigkeit, öfter als sie wünschte, Speisen nehmen zu müssen, als eine Qual ansah.

 

Nach dem Tod ihrer Eltern widmete sie sich zunächst noch der Pflege einer kränklichen Schwester. Dann aber schied sie sich gänzlich von der Welt, verteilte ihre großen Güter an die Armen und bezog als Wohnung eine jener Grabkammern, wie sie damals in Felsengräbern öfter errichtet wurden. Noch in voller Lebensfrische stehend, wollte sie schon das Sterben lernen und, der Erde tot, nur ihrem Gott leben. Das allein schien ihr das wahre Leben zu sein, denn das einzige Ziel des Menschen ist ja Gott. Die Betrachtung seiner Größe, Liebe und Barmherzigkeit, das Studium der himmlischen Weisheit, die Übung strengster Buße waren fortan ihr eigentlicher Beruf.

 

Um schon äußerlich sich als gottgeweihte Jungfrau zu bekennen, hatte sie sich den schönen Schmuck der Frau, das Haupthaar, durch einen Priester, also in kirchlich-zeremonieller Form, abnehmen lassen. Die Erneuerung des Gelübdes der Jungfräulichkeit, das sie schon früher für sich abgelegt hatte, band sie jetzt noch enger an Gott, den einzigen Gegenstand ihrer Liebe. Er allein war auch in der ersten Zeit der einzige Zeuge eines wahrhaft engelgleichen Lebens, eines wirklichen „Wandels im Himmel“, den diese gottbegeisterte Jungfrau in ihrer Grabeszelle führte.

 

Indessen ließ die göttliche Vorsehung nicht zu, dass ein solcher Schatz allzu lange verborgen blieb, ohne auch anderen durch äußere Anregung zu nützen, wenn auch schon das Gebet und die Bußwerke der Frommen allein die Kirche Gottes reichlich befruchten. Der Glanz ihrer Tugenden durchdrang das Dunkel, in das sie sich zu begraben sorglich bestrebt war. Mädchen und Frauen kamen, erbaten ihre Leitung und schöpften aus ihrem leuchtenden Beispiel und ihren hinreißenden Belehrungen gewinnreiche Förderung ihres geistlichen Lebens. Aus einem liebeglühenden Herzen, reich durch eigene Erfahrung und den Gnadeneinfluss des Heiligen Geistes, floss ihr die Rede mit himmlischer Ruhe, einnehmender Salbung und erhebender Begeisterung. Ihre Ermahnungen sind vortrefflich geeignet, den zeitlichen Wandel der in der Welt lebenden Frauen zu regeln. „O, wie glücklich würden wir sein,“ sprach sie bisweilen, „wenn wir, um Gott zu gefallen und den Himmel zu verdienen, nur tun würden, was die Weltmenschen tun, um vergängliche Güter zusammenzuhäufen. Zu Land setzen sie sich der Raubsucht der Diebe aus, auf dem Meer geben sie sich der Wut der Winde und Stürme hin; weder Gefahren noch Schiffbruch schrecken sie. Sie versuchen, sie wagen alles, und wir, wenn es darauf ankommt, einem so großen Herrn zu dienen, der uns unbegreifliche Güter verspricht, wir lassen uns schon durch den leisesten Widerspruch in Furcht setzen!“

 

Über die verschiedene Lage des geistlichen und weltlichen Lebens sprach Synkletika: „Auf dieser Welt sind wir niemals sicher. Darum sagt der heilige Apostel Paulus: „Wer da steht, der sehe zu, dass er nicht falle!“ Unser Schiff fährt auf unsicherem Element, wie der Psalmist sagt: „So ist diese Welt ein unsicheres Meer.“ Jedoch sind auch die Legen dieses Meeres unter sich verschieden, denn etliche sind voll von Gefahren, andere sind etwas sicherer. Dem gleicht, dass wir im geistlichen Stand an einer guten, windstillen Stelle, die Weltmenschen hingegen an einer gefährlichen Stelle fahren. Hinwiederum haben wir den hellen Tag und leuchtet uns die Sonne der Gerechtigkeit, die Weltlichen aber fahren in der Nacht der Unwissenheit. Nichtsdestoweniger kommt es mehrfach vor, dass die Weltmenschen, die in Finsternis und Ungewitter einherfahren, aus Furcht vor der Gefahr zu Gott rufen und so durch ihre Wachsamkeit glücklich ans Gestade gelangen; dass hingegen wir um unserer Saumseligkeit willen in der Unsicherheit zugrunde gehen, weil wir das Steuerruder der Gerechtigkeit verlieren und verlassen.“

 

So belehrte Synkletika die Ratsuchenden. Da mehrere von denen, die sich ihrer Führung anvertrauten, bei ihr zu bleiben wünschten, bildete sich eine Art klösterlichen Zusammenseins unter gemeinsamen Regeln und unter der lebendigen Autorität der Heiligen. Sie wurde dadurch die Lehrerin zahlreicher Klosterfrauen, weshalb sie auch in manchen Heiligenverzeichnissen den Namen Äbtissin führt. Wir haben hier die Anfänge des weiblichen Klosterlebens, wie zur selben Zeit auch die Schwester des heiligen Antonius eine Vereinigung von Jungfrauen nach dem Vorbild der Männerklöster veranlasste. Wie Antonius der Vater der Mönche, so wurde die heilige Synkletika die „Mutter der Nonnen“.

 

Schon war die Heilige hochbetagt an Jahren, als sie der Herr noch in seine Leidensschule nahm, damit sie auch hierin den Ihrigen ein ruhmvolles Beispiel hinterlasse. Erst litt sie dreieinhalb Jahre an einem langsamen Fieber, das an ihrem Inneren zehrte. Dann wurde sie von einem Krebsleiden ergriffen, das mit einem schrecklichen Geschwür am Mund begann, einen großen Teil des Gesichtes wegfraß und sich dann auf die übrigen Teile des Körpers verbreitete. So unerträglich war der Geruch, den dieses Übel aushauchte, dass niemand sich ihr auch nur auf kurze Zeit nahen konnte, ohne vorher ein Räuchermittel anzubrennen. Nur sie allein schrak nicht davor zurück, sie wollte nicht einmal besondere Heilmittel annehmen, indem sie das Leiden als von Gott gegeben tragen wollte, wie der Dulder Hiob, in vollkommener Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes. Den Arzt ließ sie nur auf seinen Einwand hin zu, dass er die schon abgestorbenen Teile unschädlich machen müsse, um ihre Pflegerinnen gegen Ansteckung zu schützen. Längst schon konnte sie nicht mehr reden, da ihr die Fäulnis Gaumen und Zunge zerfressen hatte; aber laut sprach und predigte noch ihre unvergleichliche Geduld und heilige Ergebung.

 

Gott, der ihr eine neue Art schwersten Martyriums auferlegt hatte, suchte sie zuletzt auch mit großem Trost heim. Er ließ sie erkennen, dass die glückliche Stunde ihrer herrlichen Belohnung nahe, und gewährte ihr im Angesicht des Todes fühlbare Freuden und eine Verzückung, in der sie sich schon im Voraus von den Engeln und den heiligen Jungfrauen umringt sah, mit denen sie für immer vereinigt werden sollte. Das Vorgefühl der nahen Glorie verriet sich in einem unaussprechlich schönen Lichtglanz. Ja im Tod wandelt sich ärgstes Erdenleid in köstlichste Himmelsfreud.

 

Über Leiden sagt die heilige Synkletika: Wenn dein Leib mit Schmerzen durchschnitten, mit Fieber entzündet und mit unerträglichem Durst geplagt wird, und du steckst in Sünden und Lastern, der du dieses leidest, so denke an das ewige Feuer, an die immerwährenden Strafen. So wirst du nicht kleinmütig werden; gib nur hin, was dir auf der Welt widerfährt. Überdies freue dich, dass dich Gott der Herr heimsucht. Führe jenes denkwürdige Wort des Büßers David auf der Zunge: „Der Herr hat mich gezüchtigt und gestraft und hat mich doch dem Tod nicht übergeben.“ Bist du ein Eisen, so wird dieses Feuer den Rost hinwegnehmen. Bist du gerecht und ohne Sünde und musst dennoch leiden, so wirst du an Verdienst nur desto höher steigen. Bist du ein Gold, so wirst du in diesem Feuer nur desto mehr bewährt werden.

 

Der heilige Simeon Stylites der Ältere, syrischer Asket,

der erste und berühmteste Stylit,

+ 25.7.459 (od. 2.9.) – Fest: 5. Januar

 

Aus: Lexikon für Theologie und Kirche:

 

„* im späten 4. Jahrhundert (389/390?) in Sis, an der Grenze zwischen Syrien und Kilikien, + 25.7. (oder 2.9.) 459. Als Sohn christlicher, begüterter Landleute hütete er die Herden der Eltern, wählte dann, durch die Bergpredigt mit den Seligpreisungen bewogen, den Mönchsstand, zunächst bei Asketen der Nachbarschaft, nach 2 Jahren im Eusebona-Kloster bei Tell´eda, begab sich 412 nach Telneschin. Dort ließ er sich für die Dauer der Fastenzeit einmauern, so im Ganzen 28-mal, ohne die geringste Nahrung. Drei Jahre später ließ er sich an einen benachbarten Felsen anschmieden. Seine Heiligkeit zog viel Volk an; es wollte ihn berühren und Stückchen seines ledernen Gewandes mitnehmen. Um dem zu entgehen, bezog er um 422 eine Säule, zuerst nur 3m, zuletzt 20 m in der Höhe, jedem Wetter ausgesetzt; er wurde so der Begründer des Stylitentums. Auf ihr stand er die letzten 30 Jahre aufrecht, nur zum Gebet sich verneigend; an hohen Festtagen hielt er während der ganzen Nacht die Arme zum Himmel erhoben; 2 mal des Tages predigte er den Umstehenden und befasste sich anschließend mit den Nöten und Sorgen der einzelnen, in rührender Demut und Liebenswürdigkeit sich jedem widmend. Ein „Meer von Menschen“ strömte von überall her zu dem weltberühmten Styliten, alle kehrten mit reichem seelischen Nutzen zurück. Die Araber kamen zu Tausenden, um ihren Götzen abzuschwören. Auch Große der Welt und der Kirche holten seinen Rat ein. – Seine Gebeine wurden in Antiochien bestattet. Um die hochverehrte Säule erhob sich bereits Ende des 5. Jahrhunderts eine prächtige Kathedrale, Kalat Siman genannt (Simeonskastell oder -felsen). Fest 5. Januar im Abendland, 1. September in den Ostkirchen. Konnte auch Simeon wahrscheinlich nicht schreiben, dürften doch einige der unter seinem Namen gehenden Schriften echt sein.“

 

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Aus: Leben der Väter und Märtyrer, von Alban Butler, 1. Band, Mainz 1823, ab S. 100:

 

„Der heil. Simeon, der Stylite.

 

Jahr 459.

 

Wegen seines außerordentlichen Lebens wurde der heil Simeon, nicht nur in dem ganzen römischen Reich, sondern selbst bei mehreren ungebildeten und ungläubigen Nationen, als eine Wundererscheinung angesehen. Die Perser, Meder, Araber, Äthiopier, Iberier und Scythen hegten die tiefste Ehrfurcht gegen ihn. Man sah Perserkönige, die es sich zur größten Ehre rechneten, seines Segens teilhaftig zu werden, während die römischen Kaiser ihn um seine Fürbitte bei Gott anflehten, und in den wichtigsten Angelegenheiten um Rat fragten. Allein wir dürfen eine hier notwendige Bemerkung nicht außer Acht lassen. – Seine wundervolle Lebensweise, die so sehr geeignet war, unserem Heiligen die Verehrung aller Menschen zu erwerben, wird für uns mehr ein Gegenstand der Bewunderung als Nachahmung, ohne jedoch aufzuhören, unserer Erbauung und unserem Fortschreiten im geistlichen Leben förderlich zu sein. Und wie wäre es wohl möglich, ernstlich über das mächtige Streben nach Vollkommenheit von Seiten dieses heiligen Mannes nachzudenken, ohne selbst unsere Feigheit zu verdammen, und von Scham wegen unserer Lauigkeit im Dienst Gottes erfüllt zu werden!

 

Der h. Simeon war der Sohn eines armen Schäfers, geboren zu Sisan, einer kleinen Burg auf den Grenzen von Cilizien und Syrien. Seine erste Beschäftigung war die Herden zu weiden. Da er aber als Kind von dreizehn Jahren in der Kirche die Stelle des Evangeliums vorlesen hörte, wo von den acht Seligkeiten geredet wird, war er besonders durch jene Worte: selig diejenigen, die das weinen; selig diejenigen, die eines reinen Herzens sind, mächtig ergriffen. Er wandte sich deshalb an einen verständigen Greis, um von ihm darüber völlige Aufklärung zu erhalten, und die Mittel zu erfahren, die ihm diese versprochene Glückseligkeit verschaffen könnten. Der Mann antworte ihm, diese Worte der Schrift bedeuteten nichts anderes, als dass Beten, Wachen, Fasten, Weinen, Erduldung der Schmach und Verfolgungen der Weg seien, der zur wahren Glückseligkeit führe. Er fügte noch bei, in der stillen Zurückgezogenheit sei es leichter als anderswo, diese guten Werke zu üben, und sich in der Tugend fester zu begründen.

 

Simeon ging, erfüllt von dem, was er soeben gehört hatte, beiseite, warf sich vor Gott nieder, und bat ihn sein Führer zu sein auf den Bahnen der Heiligkeit und Vollkommenheit. Einen Augenblick nachher überfiel ihn ein sanfter Schlummer, in dem er eine Erscheinung hatte, die er so zu erzählen pflegte: „Es schien mir, ich grabe Fundamente, und einer sage mir, ich solle noch tiefer hinunter graben. Als ich ausruhen wollte, befahl er mir unablässig fortzugraben, was zu vier wiederholten Malen geschah. Endlich sagte er mir, die Fundamente seien tief genug, und ich könne ohne Besorgnis ein so hohes und großes Gebäude, als ich wolle, aufführen.“ Die Vorhersagung wurde auch wirklich, bemerkte Theodoret, durch die Tat bewahrheitet, und nur die tiefste Demut, und die glühendste Liebe konnten das Gebäude tragen, das dieser bewunderungswürdige Mann, dessen Handlungen so weit über die Kräfte der Natur erhaben waren, aufführte.

 

Sobald Simeon erwachte, eilte er dem Tor eines nahen Klosters zu, das unter der Leitung des heil. Abtes Timotheus stand, wo er mehrere Tage ohne zu essen und zu trinken auf der Erde hingestreckt liegenblieb, und keine andere Gnade begehrte, als in der Eigenschaft eines Dieners, der zu den niedrigsten Verrichtungen des Hauses bestimmt sei, aufgenommen zu werden. Als er endlich unter die Zahl der zu Prüfenden aufgenommen worden war, fing er an, den Psalter auswendig zu lernen, was man zuerst von den Novizen forderte. Er konnte dieses göttliche Buch, in dem er so viele Nahrung für seine mächtig himmelanstrebende Seele fand, nicht mehr verlassen, unterzog sich, seiner zarten Jugend ungeachtet, den durch die Regeln vorgeschriebenen strengen Bußübungen, und hatte bald alle Brüder gewonnen, die vorzüglich seine Liebe und Demut bewunderten.

 

Nachdem er zwei Jahre in diesem Kloster zugebracht hatte, verließ er es, um sich in ein anderes zu begeben, wo man ein noch strengeres Leben führte, und dem der Abt Heliodor vorstand. Dieser Heliodor war ein ehrwürdiger Greis, der seit zweiundsechzig Jahren in der Einsamkeit lebte, und in einem unaussprechlich hohen Grad den Geist des Gebetes besaß. Seine Seele lebte nur in Gott, und war so der Welt abgestorben, dass er, nach Theodorets Erzählung, der ihn genau gekannt hatte, von allem, was um ihn vorging, sogar von den gemeinsten Dingen, nichts wusste. Unter einem solchen Lehrer machte Simeon in kurzer Zeit die schnellsten Fortschritte. Auch war er bald ein Muster des ganzen Hauses durch pünktliche Beobachtung der Regel. Sein Hunger nach Buße war unersättlich, und wo seine Brüder nur alle zwei Tage Speise nahmen, aß er in der Woche nur ein Mal. Auf gleiche Weise erhöhte er noch alle anderen Bußübungen des Klosters, so dass seine Vorsteher ihm Schranken setzen mussten. Das Ansehen, das die frommen Exzesse seines Eifers zähmte, war zu ehrwürdig, als dass er sich ihm nicht hätte gänzlich unterwerfen sollen. Er gehorchte daher, begehrte aber und erhielt die Freiheit, geheimen Abtötungen sich zu unterziehen. Gott allein kennt die Strenge, mit der er gegen sich selbst verfuhr, und durch die er seinen Leib in des Geistes Dienstbarkeit brachte. Eines Tages kam er auf den Gedanken, das Brunnenseil, das aus zusammengedrehten Palmblättern gebunden und folglich sehr rau war, könnte für ihn ein Werkzeug der Buße werden; er umgürtete sich sogleich damit die bloßen Lenden, und dies ohne Wissen des Vorstehers der Gemeinde. – Allein durch die Länge der Zeit schnitt das fest gebundene Seil in das Fleisch, und verursachte ein Geschwür, dessen übler Geruch endlich Simeons Geheimnis verriet. Drei Tage lang nässte man seine von eiterndem Blut festklebenden Kleider, ehe man sie ihm ausziehen konnte. Die Ärzte mussten sogar noch tiefe Einschnitte machen, um das Seil aus dem Fleisch zu ziehen, das dem Heiligen so große Schmerzen verursachte, dass er einige Zeit wie tot dalag. Sobald er aber wieder hergestellt war, entließ ihn der Abt, aus Furcht, eine solche Sonderbarkeit dürfte auf die notwendige Gleichheit der klösterlichen Zucht einen schädlichen Einfluss haben.

 

Der Diener Gottes zog sich daher in eine Einsiedelei, am Fuß des Berges Telanissa, zurück. Da fasste er den Entschluss, die ganze Fastenzeit ohne irgendeine Speise zuzubringen, um Jesus vollkommen in seinem vierzigtägigen Fasten nachzuahmen. Diesen erstaunlichen Entschluss eröffnete er seinem Gewissensrat, einem tugendhaften Priester, Bassus genannt, unter dessen Leitung zweihundert Mönche standen. Da dieser fürchtete, solcher Heldenmut möchte eher aus dem Trieb seines glühenden Eifers, als aus genauer Prüfung seiner Kräfte herrühren, ließ er ihm zehn Brote und ein Krug Wasser zurück, um der Natur, im Falle sie unterliegen sollte, aufzuhelfen. Nach Verlauf der vierzig Tage kam Bassus zurück, fand die Brote und das Wasser unberührt, sah aber Simeon, beinahe ohne Lebenszeichen, ausgestreckt auf der Erde liegen. Sogleich befeuchtete er dessen Lippen mit einem Schwamm, und erteilte ihm die heilige Eucharistie. Simeon stand, gestärkt durch diese himmlische Speise, auf und aß einige Lattichblätter. Auf diese Weise brachte er in der Folge alle Fasten zu. Er war sechsundzwanzig Jahre alt, als Theodoret seinen Bericht niederschrieb. Von diesem Schriftsteller erfahren wir, wie er in dieser heiligen Zeit lebte. Im Anfang der Fasten betete er aufrechtstehend; wenn sein zu sehr geschwächter Körper sich nicht mehr halten konnte, betete er sitzend; endlich legte er sich auf die Erde nieder, wenn gänzliche Kraftlosigkeit ihm jede andere Stellung unmöglich machte. Auf einer Säule band er sich an einen Balken, um sich aufrecht zu erhalten; allein in der Folge bedurfte er dieser Stütze nicht mehr. Es ist wahrscheinlich, dass er in seinen letzten Lebensjahren von diesem strengen Fasten etwas nachließ. Es gibt Menschen, die in dieser Enthaltung von allen Speisen nichts Übernatürliches finden wollen, und sie einem starken Körperbau, dem allmählige und stufenweise Angewöhnung zu Hilfe komme, zuschreiben.

 

Diesem sei nun, wie da wolle, unser Heiliger verließ seine Einsiedelei nach Verlauf von drei Jahren, und bestieg den Gipfel des Berges, um da seinen Aufenthalt zu wählen. Er verschloss sich, da zwischen ein von bloßen Steinen ohne Speiß errichtetes, dachloses Gemäuer, das ihn nicht gegen Regengüsse und brennende Sonnenhitze verwahren konnte. Und um dem Entschluss, den er gefasst hatte, an diesem Ort zu bleiben, unveränderlichen Bestand zu geben, ließ er eine große eiserne Kette machen, und ein Ende derselben an seinen Fuß, das andere an einen dicken Stein befestigen. Meletius, Chorbischof von Antiochia, der ihn in diesem Zustand sah, stellte ihm vor, es sei unnütz, seinen Leib anzuketten, weil der gute Wille, durch die Gnade unterstützt, genüge, ihn in diesem Gemäuer festzuhalten. Simeon ließ, ohne im Geringsten zu widersprechen, einen Schlosser rufen, der die Kette durchfeilte. Durch den Glanz seiner Tugenden wurde bald der Berg berühmt, und unzählige Menschen, sogar aus den entferntesten Ländern, strömten dahin zusammen. Die Heiden beeiferten sich, wie die Christen, des Heiligen Segen, der Heilkraft hatte, zu empfangen. Mehrere reisten dann erst vergnügt hinweg, nachdem ihnen vergönnt worden ist, ihn zu berühren.

 

Simeon ersann, um sich den Zerstreuungen, die ihn in seiner Einsamkeit störten, zu entreißen, eine Lebensweise, von der man bis dahin noch kein Beispiel gesehen hatte. Im Jahr 423 ließ er eine sechs Ellenbogen hohe Säule errichten, auf der er vier Jahre lang lebte. In der Folge ließ er eine andere zwölf Ellenbogen, und zuletzt eine dritte, zwei und zwanzig Ellenbogen hohe errichten. Dreizehn Jahre brachte er bald auf der einen, bald auf der anderen Säule zu. Die zweiundzwanzig letzten Jahre seines Lebens verlebte er auf einer vierten Säule, die vierzig Ellenbogen hoch war (Dadurch erhielt der Heilige den Beinamen, der Stylite – Säulensteher). Die Spitze dieser Säule, die mit einem Geländer umgeben war, hatte nur drei Fuß im Durchmesser, weshalb der Heilige weder liegen, noch sitzen konnte. Er lehnte sich, wenn er der Ruhe bedurfte, an das Geländer; öfter auch lehnte er sich in dem Gebet. In seinen glühenden Herzensergüssen sah man ihn öfters mehrere Stunden mit gegen Himmel gehobenen Augen in Gott versenkt. Zwei Mal des Tages hielt er an diejenigen, die ihn besuchten, Ermahnungen; dies war aber nur Männern gestattet, da die Frauen in den Umkreis seiner Säule nicht eingelassen wurden. Diesem Verbot musste sogar seine eigene Mutter, die gekommen war, ihn zu sehen, sich unterwerfen. Nachdem er aber ihren Tod erfahren hatte, betete er inbrünstig für das Heil ihrer Seele. Seine Reden betrafen gewöhnlich die Schwüre, die Beobachtung der Gerechtigkeitspflichten, das Laster des Wuchers, die Besuchung der Kirchen, und die Notwendigkeit, nicht nur für sich, sondern auch für alle Menschen im Allgemeinen zu beten. Jedes seiner Worte hatte eine unaussprechliche Salbung und eine unwiderstehliche Kraft. Er verfehlte auch selten bei der Überzeugung des Verstandes die Rührung des Herzens. Man konnte ihn nicht hören, ohne von Liebe zur Tugend und von Abscheu gegen das Laster erfüllt zu werden.

 

Eine so sonderbare Lebensweise konnte jedoch dem öffentlichen Tadel nicht entgehen. Eitelkeit, oder wenigstens Überspannung sollte, wie viele meinten, ihn dazu bewogen haben. Die Bischöfe und Äbte der Umgegend glaubten aber, sich zuerst von den inneren Gesinnungen des Heiligen überzeugen zu müssen, bevor sie über ihn aburteilen könnten. Sie kamen daher überein, jemanden an ihn zu senden mit dem Befehl, von der Säule herabzusteigen, und auf den gewöhnlichen Weg der anderen Diener Gottes zurückkehren. Kaum ward Simeon des Befehles kundig, als er sogleich, ohne die geringste Widerrede, sich anschickte hinabzusteigen. Der Abgeordnete begnügte sich aber, der empfangenen Weisungen gemäß, mit seinem Gehorsam, und sagte ihm: „Bleibe nur; dein bereitwilliger Gehorsam beweist die Reinheit der Beweggründe, aus denen du handelst: fahre fort dem Willen Gottes zu folgen, und treu deinem Beruf zu entsprechen.“

 

Simeon, mehr als jemals überzeugt, dass er auf der ihm von der Vorsehung gezeichneten Bahn wandle, beharrte auf seiner Lebensweise. Man fuhr fort, ihn zu den Stunden, in denen er sich mitteilte, zu besuchen, und die Kraft seiner Predigten, verbunden mit dem Glanz seiner Tugenden, bekehrten eine große Anzahl Perser, Armenier, Iberier, und das ganze Volk der Lazen, die aus Colchis, ihn zu hören, gekommen waren. Die Fürsten und Fürstinnen von Arabien pilgerten zu ihm, seinen Segen zu empfangen. Vararanes V., König der Perser, konnte ihm seine Verehrung nicht versagen, obgleich er ein erklärter Feind und Verfolger der Christen war. Die römischen Kaiser Theodosius der Junge und Leo fragten ihn oft um Rat, und empfahlen sich in seine Gebete. Der Kaiser Marcian verkleidete sich als Privatmann, um sich leichter das Vergnügen zu verschaffen, ihn zu sehen und zu hören. Auf seine Mahnungen schwor die Kaiserin Eudoxia einige Zeit vor ihrem Tod die Irrlehre des Eutyches ab.

 

So viele Ehrenbezeigungen, verbunden mit der Gabe der Wunder und der Weissagung, würden eine gewöhnliche Seele der leisesten, aber zugleich auch gefährlichsten Versuchung der Eitelkeit, der sie vielleicht auch unterlegen wäre, ausgesetzt haben. Allein Simeon war zu fest gegründet in der Demut, um auf sich die Ehren zu beziehen, die er von Seiten der Menschen empfing. Überzeugt, dass man die Zukunft vorhersagen und Wunder wirken könne, ohne deswegen ein Heiliger zu sein, sah er sich als den geringsten der Menschen und den größten der Sünder an. Seine Geduld war aber nicht minder bewunderungswürdig als seine Demut. Nebst dem, dass er mit Freude alle Leiden, Verspottungen und Schmähungen ertrug, hatte er es sich auch zum unumstößlichen Gesetz gemacht, nie davon zu reden. Lange Zeit verbarg er eine schauderhafte Wunde, die er am Fuß hatte, und als man sie entdeckte, wollte er nicht zugeben, dass man sie reinigte und verband, obgleich eine Menge Würmer herausfiel. Was hätten wir nicht noch zu sagen über seine Sanftmut und Liebe gegen alle, die ihn besuchten, über seine glühende Inbrunst für Gott, über seine gänzliche Lostrennung von allem Irdischen, über seinen Gebetseifer, und über alle anderen Tugenden, die er bis zur höchsten Stufe der Vollkommenheit brachte.

 

Es wird erzählt, dass ihm Domnus, Patriarch von Antiochia, der ihn besuchte, die heilige Kommunion auf der Säule erteilt habe; ohne Zweifel empfing er auch öfters von anderen Priestern dieses erhabene Sakrament. Endlich fühlte dieser bewunderungswürdige Büßer sein Ende herannahen. Er beugte sich nieder, um sein gewohntes Gebet zu verrichten, erhob sich aber nicht mehr, weil er sanft im Herrn entschlafen war. Erst nach drei Tagen bemerkte man, dass er tot sei. Es war, nach Cosmas, an einem Mittwoch, den 2. September 459, als dieser Diener Gottes in seinem neunundsechzigsten Lebensjahr in die bessere Welt hinüberging. Den folgenden Freitag brachte man seinen Leichnam nach Antiochia. Die Einwohner der ganzen Gegend und mehrere Bischöfe wohnten dem Leichenzug bei, und die Überzeugung, die man von der Heiligkeit des Verstorbenen hegte, wurde durch Wunder, die Gott bei dieser Gelegenheit wirkte, noch befestigt. Man beging seither sein Fest im ganzen Morgenland mit großer Feierlichkeit. (Majelli, römischer Prälat, erzählt in seiner Abhandlung über die Styliten, die Säule des heiligen Simeon sei oben mit einer Art Geländer umgeben gewesen, und beweist, dass nach dem heiligen Simeon bis zur Gründung des Sarazenischen und Türkischen Reiches, im Morgenland allzeit Styliten waren. Im Abendland konnte diese Lebensart wegen der rauen Witterung keine Nachahmer finden. Dennoch redet der heilige Gregor von Tours, in seinem 8. Buch, K. 15, von einem gewissen Vulfilaicus, der einige Zeit in der Nähe von Trier auf einer Säule lebte. Er war aus der Lombardei und ein Schüler des heiligen Abtes Aredius im Limousin. Er forderte das Volk der benachbarten Dorfschaften auf, dem Götzendienst zu entsagen, und die große Bildsäule der Ardennischen Diana, die seit der Regierung des Domitian verehrt wurde, niederzureißen. Sein Bischof befahl ihm, eine für diesen kalten Himmelsstrich zu harte Lebensart zu verlassen. Er gehorchte auf der Stelle, und zog sich in ein Kloster zurück. Es scheint, Vulfilaicus war der einzige Stylit des Abendlandes gewesen.)

 

Die außerordentlichen Wege, auf denen der heilige Simeon wandelte, zeugen von einem Mann, der in gänzlicher Lostrennung von den Geschöpfen Leben wollte, um sich einzig Gott anzuschließen. Nicht Liebe zum Sonderbaren hatte auch nur den geringsten Einfluss auf sein Betragen. Sein einziges Augenmerk war die Erfüllung des göttlichen Willens: daher diese Bereitwilligkeit seine Säule zu verlassen, sobald man ihm den Befehl seiner Obern bekannt machte. In seiner ungeheuchelten Demut sah er sich als einen Sträfling an, der gerechter Weise aus der menschlichen Gesellschaft verbannt, und dessen Leben ganz in Jesus verborgen sein sollte. Wehe demjenigen, der in der Absicht, groß vor den Augen der Welt zu erscheinen, nach der Tugend trachtete! Die christliche Vollkommenheit soll den Geist der Demut und die Liebe der Verachtung zur Grundlage haben. Wehe daher auch jenen Seelen, die durch einen verfeinerten Stolz in der Heiligkeit nur einen erhabenen und angesehenen Stand suchten! Man muss nach der Heiligkeit streben, weil uns Gott dazu beruft, und weil wir uns durch ein immer regeres Streben danach in seinen Augen angenehm und wohlgefällig machen. Nach diesen hohen Lehren richtete der heilige Simeon sein ganzes Betragen. Es ist wahr, er tat manches, was kein Gegenstand unserer Nachahmung sein könnte: allein können wir nicht, wie er, die Armut, Schmach, Kreuz und Leiden lieben? Ist es nicht auch für uns heilige Pflicht, Jesus Christus gleichförmig zu werden? Haben wir denn vergessen, dass diese Gleichförmigkeit mit unserm göttlichen Meister und unumgänglich notwendig ist, wenn wir des Verdienstes der Erlösung teilhaftig werden wollen? Hüten wir uns vor jenem geheimen Stolz, der unter eitlen Vorwänden uns verleiten wollte, glanzvolle Handlungen jenen vorzuziehen, deren Verdienst allein von Gott gekannt ist. Nie werden wir unserm Beruf entsprechen, wofern wir es nicht als eine der ersten und notwendigsten Pflichten ansehen, unser Kreuz auf uns zu nehmen und Jesus nachzufolgen. Ein, wenigstens dem Geiste nach, verborgenes Leben zu führen, unaufhörlich gegen unsere eigene Gebrechlichkeit misstrauisch zu sein, uns zu verdemütigen, und unser eigenes Nichts beim Anblick des unabsehbaren Abgrundes unserer Schwäche und Armseligkeit zu erkennen.

 

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Charles Lamb

 

Der heilige Simeon Stylites

 

(Dichter schreiben über Heilige, St. Benno-Verlag, Leipzig, 1963)

 

 

Der heilige Simeon war eine besondere Persönlichkeit, daran gibt es keinen Zweifel. Dreißig Jahre lang auf der Spitze einer Säule zu leben kennzeichnet einen Mann in der Geschichte, ganz gleich, ob er zufällig ein Heiliger ist oder nicht. Und so war der heilige Simeon mein Liebling, lange bevor ich Katholik wurde, lange auch, ehe ich wusste, dass er ein Heiliger war. Ich erinnere mich an einen Einakter in der Schule, in dem dieser geheimnisvolle Mann als Held auftrat. Ob es ein Lustspiel war oder nicht, habe ich nicht in der Erinnerung, aber wahrscheinlich ist es eins gewesen, da es sich um ein Schulstück handelte. Wie dem auch sei, es war meine erste Begegnung mit dem heiligen Simeon und mit der Tatsache, dass es in der Vergangenheit einige Menschen gab, die auf Säulen standen und jahrelang nichts taten. Aber dies alles liegt lange zurück: Diese Zeiten hüllten sich für mich in Nebel, und Simeon wurde für mich eine Gestalt aus der fernen, dunklen Vergangenheit, wie Alkestis, Orest, Hektor, der trojanische Krieg, Venus, Helena von Troja, Brutus und Cassius, und eine solche blieb er lange Zeit. Aber von Anfang an gab es einen kleinen Unterschied zwischen dieser besonderen Persönlichkeit und den wirklichen oder mythischen Helden des klassischen Altertums, die während des ganzen Winterhalbjahres jeden Dienstagnachmittag um vier Uhr vor einer vorgetäuschten Felsklippe auf den wackligen Brettern einer Schulbühne, in Schals oder nachgemachten Togen gehüllt, auftraten. Denn während alle diese berühmten Gestalten Männer der Tat waren, die große Dinge vollbrachten und für diese litten, schien Simeon durch absolutes Nichtstun berühmt geworden zu sein – wenn er überhaupt berühmt war, ich hatte nie zuvor etwas von ihm gehört. Er hatte nichts getan und erhielt dafür sozusagen doch seinen Lohn – und das machte Eindruck auf mich, denn ich hielt ihn für sehr schlau. In jener Zeit war ich von Natur aus faul – oder besser gesagt: ich war ein Junge -, und meine Vorstellung vom guten Leben waren ewige Ferien mit einem gelegentlichen Cricketspiel, um die Eintönigkeit aufzuheben, und ich dachte, der alte Simeon habe sich eine leichte Aufgabe gewählt, die ich in meinem späteren Leben nach besten Kräften nachahmen wollte.

 

Er war auch eine romantische Figur, denn die Einzelheiten seines Lebens waren in Geheimnis gehüllt. Es gab nur die eine nackte Tatsache, die Säule. Aber eine Menge listiger Fragen erhoben sich: Wie mag er dort gelebt haben? Wie bekam er zum Beispiel seine Nahrung? Wurde sie ihm in regelmäßigen Zeitabständen in einem Korb hinaufgeschickt, oder verließ er sich auf die Gutmütigkeit eines zufällig Vorbeikommenden? Eins schien sicher – er ist dafür nicht heruntergekommen. Es gibt jenen Ausspruch von Mohammed und dem Berg, und es scheint, in diesem Fall musste der Berg schließlich zu Mohammed gehen. Und es gibt auch jenen anderen, geheimnisvollen Ausspruch vom Glauben, der Berge versetzt, und es schien nicht die Grenzen des Möglichen zu überschreiten, dass dieser wunderbare alte Mann – ich stellte ihn mir wirklich alt und natürlich mit einem Bart vor – auf wunderbare Weise von Vögeln oder Engeln genährt wurde. Natürlich bestand auch jene einfachere Möglichkeit, dass er auf seiner Säule ganz ohne Nahrung lebte; aber diese Lösung schien mir zu prosaisch, um wahr zu sein.

 

Dann tauchte eine weitere Frage auf: Wie schlief er? War Simeon, von der Nacht ganz abgesehen, oft in Gefahr herunterzufallen? Aus irgendeinem Grund – heute glaube ich, wegen der Ähnlichkeit des Klanges von „Stylites“ und „Stelze“ – war ich geneigt, mir den alten Mann als eine Art Balancekünstler auf der Spitze einer wackligen Holzkonstruktion vorzustellen, als eine Art Varietékünstler. Als ich dahinterkam, dass die Säule ja aus Stein war, stellte ich sie mir sehr schlank vor, und Simeon saß nicht, sondern hockte auf ihrer Spitze. Ich vermochte mir beim besten Willen nicht vorzustellen, wie er auch nur eine ruhige Nacht dort oben verbringen konnte. Natürlich war er, da er den ganzen Tag über nichts tat, auch nicht sehr müde; aber vermutlich wird er trotzdem in jeder Nacht das Bedürfnis nach ein paar Stunden Schlaf gehabt haben, aber wie kam er zum Schlafen?

Die entscheidende und grundlegende, aber auch die listigste Frage war die: Was hat er mit seiner Zeit angefangen? Was konnte er den ganzen Tag über tun? Er hatte das Problem gelöst, wie man ohne Arbeit lebt, und deshalb bewunderte ich ihn ungeheuer; aber diese Lösung schien selbst der Einsicht meines jugendlichen Alters doch reichlich negativ – eine Existenz, die sich im Nichtstun erschöpfte . . . Gewiss, meine Vorstellung vom guten Leben schloss die Arbeit völlig aus; aber dadurch sollte sozusagen nur der Boden frei gemacht, Platz für endlose Spiele und Vergnügungen geschaffen werden; und die Zahl der Spiele, die auf der Spitze einer Säule möglich waren, dünkte mir doch sehr begrenzt zu sein, auch wenn, wie es nach dem Theaterstück wahrscheinlich zu sein schien, auf einer anderen Säule ein Nachbar hockte, nicht zu weit entfernt für ein nachbarliches Gespräch. Das Problem blieb: Was machte Simeon den ganzen Tag über?

 

Diese Frage, so kindlich sie auch war und so kindlich sie klingt, war nichtsdestoweniger die grundlegende Frage, die sich in Bezug auf diesen alten Mann, der dort oben saß, erhob. „Warum sollte der alte Adler seine Flügel ausbreiten?“ war eine spätere Frage, die Frage des Desillusionierten, des „Aufgeklärten“, die Frage all jener, die ein bestimmtes Alter erreicht haben und keinen Grund einsehen können, noch weiter vorwärtszuschreiten. Damals stellte sich mir diese Frage noch nicht. Für mich, faul wie ich war, bestand das Leben nur aus angenehmer Beschäftigung. Simeon blieb für mich eine Personifikation rühmlicher Nichtigkeit.

 

Und doch war mir klar, dass er, obwohl untätig, keineswegs vollkommen nutzlos war. Offensichtlich, jedenfalls nach dem Einakter zu urteilen, kamen oft Menschen zu ihm, manchmal sogar in Scharen. Das schien mir durchaus verständlich. Ich besuchte die Schule in den dreißiger Jahren, im „Sportjahrzehnt“, in dem täglich Rekorde gebrochen wurden. Da war zum Beispiel Malcolm Campbell, der in seinem „Bluebird“ auf irgendeiner Sandstrecke einen neuen Rekord aufstellte, irgendwo im fernen Kalifornien. Es mag auch in Daytona gewesen sein. Da gab es Non-stop-Tänze und -Klavierspiele, zu denen sich die Paare in irgendeinem Tanzsaal in Blackpool so lange drehten, bis sie entweder aufgaben oder erschöpft zusammenbrachen. Und wiederum in Blackpool gab es einen modernen Fakir, den Diener irgendeiner Religion, vermute ich, der in einer Tonne lebte oder in einer Tonne irgendetwas verrichtete und an dem die Polizei stark interessiert zu sein schien. Dann kam in den dreißiger Jahren Gandhi – mit Leinentuch und Brille -, der Mann, der phänomenale Zeit hindurch hungerte und immer am Ende sein Ziel zu erreichen schien. Der religiöse Inder Gandhi, der christliche Fakirpriester, die sportlichen und tanzenden Rekordbrecher, alle schienen sie etwas mit der mythischen Gestalt des alten Simeon auf seiner Säule gemeinsam zu haben, irgendetwas, was diesem Menschentyp wesentlich erscheint, der weiter kommen will als jeder andere, der in irgendeiner verrückten Richtung glänzt und in die Zeitungen kommen will. Simeon hatte Erfolg gehabt, wie Gandhi Erfolg hatte. Aber war ein solcher Erfolg es wirklich wert?

 

Ich zerbrach mir nie besonders den Kopf darüber, auf diese Frage eine Antwort zu finden. Mir genügte es, den alten Simeon richtig eingeordnet zu haben. Ich hatte auch Diogenes gehört, und mir schien, dass zu allen Zeiten und überall gewisse Leute etwas Besonderes getan und dafür Beifall geerntet hatten.

 

Dann vergaß ich den heiligen Simeon für lange Zeit. Ich kam in eine zivilisierte Welt, aus der echte Sonderlinge verbannt waren, in der nur die verlogenen Käuze, jene, welche die Spielregeln kennen und wenn sie sie brechen, genau wissen, wie man sie comme il faut bricht, mit offenen Armen aufgenommen werden. Simeon rückte in weite Ferne. Schließlich hatte er vor sehr langer Zeit gelebt und obendrein im fernen Zilizien. Inzwischen hatten sich die Zeiten geändert. Wir waren nicht mehr so ungebildet. Diese haarigen Männer der Vergangenheit, immer mit Bärten, immer grotesk in ihrer voluminösen Bekleidung (da gab es zum Beispiel in der Manchester Art Gallery ein präraffaelitisches Bild von Moses, der aufrecht gehalten wird, um aus der Ferne einen Blick auf das Gelobte Land zu werfen) oder geschmacklos unterbekleidet mit ihren Lendentüchern und kaum mehr – sie standen uns alle so fern! Im Gegensatz zu ihnen kleideten wir uns geschmackvoll, gebrauchten täglich unsere Gilette-Klingen, badeten, lebten in zivilisierten Häusern und nicht in Zelten, gingen ins Kino. Simeon wurde fast prähistorisch. Wir wären nicht überrascht gewesen, wenn wir erfahren hätten, dass er auf einem Dino-Saurier oder Pterodaktylus zu seiner Säule geritten sei.

 

Aber dann änderten sich die Zeiten wieder, die zivilisierte Welt bereitete sich auf den Krieg vor, sie zog in den Krieg. Der Samthandschuh wurde beiseite gelegt, die Eisenfaust erschien. Und wenn man von einer Welt, die mitten im Krieg steht, umgeben ist, beginnt Simeons rühmliche Nichtigkeit einem weniger nichtig zu erscheinen, dafür aber um so rühmlicher. Voll Freude entdeckte ich, dass einige Teile der zivilisierten Welt alte, sonderbare Männer mit Bärten wie Simeon ernst nahmen. Dann entdeckte ich auf einem schönen Bild der Wüstenväter, das jeden abgesondert auf einem kleinen Grundstück, umgeben von Blumen und gezähmten Tieren darstellte, eine blühende Wildnis, und sie schien mir ein gesegnetes Gegenstück zu jener Wildnis, in die unsere modernen Städte verwandelt wurden, als die Bomben dichter und immer dichter fielen. Ich begann mich verwundert zu fragen, ob diese alten Sonderlinge denn überhaupt so sonderlich waren, ob Simeon vielleicht gar nicht der Narr war, der er mir bis dahin zu sein schien.

 

Seitdem habe ich ein wenig mehr über den heiligen Simeon erfahren; nur ein wenig, aber genug, um meine jugendliche Verwunderung über diesen wunderlichen Mann eher zu steigern als abzuschwächen. Offenbar ist er nicht immer alt und bärtig gewesen. Als Junge wenigstens scheint er der ganz normale Sohn eines Schäfers gewesen zu sein – das heißt selbst ein junger Schäfer –, bis er eines Tages nach einem Kirchgang plötzlich die Überzeugung gewann, dass er ins Kloster gehen müsse. Über das Geheimnisvolle und Providentielle dieses Impulses lässt sich kaum etwas sagen.

 

Sein Eintritt ins Kloster vollzog sich auf ungewöhnliche, aber höchst charakteristische Weise: Fünf Tage und fünf Nächte lag er auf dem Boden vor der Klosterpforte, bis man ihn endlich einließ. An dieser Erfahrung scheint er Gefallen gefunden zu haben, denn im Kloster begann er ungewöhnliche Dinge ähnlicher Art zu verrichten. Als die anderen ihm Vorwürfe machten, lief er zu einer verlassenen Zisterne, versteckte sich dort, wurde entdeckt und gewaltsam zurückgeholt. Er sah weder ein, warum sie ihm Vorwürfe machen sollten, wenn er nur an einem Tag der Woche etwas aß und den Rest seiner Nahrung den Armen gab, noch warum er den Körper nicht mit einer festen Schnur umgürten sollte, so dass das Fleisch darüber hinwegwuchs, wenn er es für notwendig hielt, sein rebellisches Fleisch so zu züchtigen. In einem Kloster des fünften Jahrhunderts gab es nichts, was wir als Nachsicht gegenüber der eigenen Person bezeichnen könnten. Aber offensichtlich war es für Simeon noch zu sanft, denn nach einem Jahr verließ er das Kloster wieder, und zwar endgültig.

 

Er ging zu einem Berg in der Nähe, dem Telanassus, und hier wurde er schließlich, auf seiner Säule verborgen, berühmt. Er stieg nicht sofort auf die Spitze des Berges, sondern lebte in dem relativen Luxus – nach einem einleitenden vierzigtägigen Fasten – eines kleinen Hauses unterhalb des Gipfels. Plötzlich, vielleicht als er in einem Augenblick der Schwäche zu entkommen wünschte, mauerte er sich ein. Aber er sah darin keine Chance, und als er sich erinnerte, dass Steinwände noch kein Gefängnis ausmachen, verschaffte er sich eine große Eisenkugel, an der er sich festkettete. Eines Tages besuchte ihn Meletius, der stellvertretende Bischof von Antiochien. Wenn der Wille wirklich da sei, bemerkte er, erübrigt sich die Kette, und trotz all seiner Strenge wies Simeon den Wink des Prälaten nicht zurück, er kettete sich sorgsam wieder los. Der Wille bewies, dass er wirklich da war, denn der Heilige blieb auf seiner Bergspitze, bis er starb.

 

Nach dem Bericht seiner beiden Freunde, Schüler und Biographen, Antonius und Theodoret, war die Frucht seiner Absonderung eine ungeheure Anzahl von Bekehrungen unter den wilden arabischen Stämmen, welche die milderen Missionare des Christentums gar nicht beachtet hatten. Gott, sagt Theodoret, findet Gefallen daran, Heilige zu erwecken, die sich durch besondere Merkmale der Heiligkeit auszeichnen, den verschiedenen Zeiten entsprechend. Und die wilden Iberer, Perser, Ismaeliten und Armenier brauchten offensichtlich einen Mann, der in seiner Heiligkeit genauso unbändig war wie sie in ihrem Leben, ehe sie zu den Wassern der Taufe geführt werden konnten. Immerhin, sie waren von seiner Grimmigkeit gegen sich selbst so beeindruckt, dass sie in Scharen zu dem alten Mann auf dem Berg kamen, um sich bekehren zu lassen. Ich habe mich gefragt, ob hinter seiner Strenge vielleicht ein Sinn für sehr schlauen bäurischen Humor versteckt lag, denn Simeon bewegte sich, um seiner wachsenden Popularität zu entgehen, nicht horizontal, sondern vertikal. Der Wille war noch da, nicht einmal Berühmtheit konnte ihn brechen, und Simeons Säule, die am Anfang sechs Ellen hoch war, wuchs auf zwölf an. Am Ende erreichte sie eine Höhe von sechsunddreißig Ellen, und immer kamen noch raue Kerle, um sich bekehren zu lassen. Simeon scheint sich wenig auf seine Erhebung eingebildet zu haben, denn auf ein Wort seiner Vorgesetzten, der Bischöfe oder Äbte der Umgebung (man fragt sich, ob Meletius einer von ihnen war), zeigte er sich sofort bereit, zur Erde herunterzukommen. Aber die Würdenträger, die seinen Gehorsam und seine Demut erprobt hatten, beschlossen schließlich, dem alten Adler die Flügel nicht zu stutzen, und Simeon blieb auf seiner Säule auf dem Gipfel des Berges.

 

Von diesem hohen Platz aus predigte er, so wird erzählt, zweimal am Tag, manchmal stundenlang. Natürlich fastete und betete er auch. Er heilte die Kranken. Er war sogar eine Art Richter. Hier besuchte ihn seine verständnislose Mutter, hier starb sie, klagend, dass ihr eigen Fleisch sich so grausam selbst getötet habe; und ihr Sohn weinte mit ihr. Hierher kam auch ein Dieb namens Jonathan, um Schutz, Bekehrung und den Tod zu finden, alles innerhalb einer Woche. Und hier starb schließlich auch der alte Mann selbst, nachdem er drei Tage lang seine Säule im Gebet umklammert gehalten hatte. Den Körper holte der treue Antonius herunter und brachte ihn nach Antiochien. Dort wurde er unter großer Verehrung bestattet.

 

Ich habe das Gefühl, als ob dieser Heilige von den „Durchschnittskatholiken“ noch ein wenig von der Seite angesehen wird. Und in einer Zeit, in der ich den unbedingten Wunsch hatte, in jeder Hinsicht orthodox zu sein, im Großen wie im Kleinen, versuchte ich ebenso über ihn zu denken und mir vorzumachen, Heiligkeit werde besser in den Salons erreicht, wie es beim heiligen Franz von Sales der Fall war, als auf der Spitze einer Säule wie beim heiligen Simeon. Aber da die Zeiten sich stets ändern und immer wieder die gleichen werden, kehre ich allmählich mit größerem Eifer zu meinem alten Lieblingsheiligen zurück. Außerordentliche Zeiten erfordern außerordentliche Charaktere, außerordentliche Krankheiten außerordentliche Ärzte. Der heilige Simeon ist für mich die vollendete Gestalt eines außerordentlichen Heiligen. Ich glaube, wir brauchen mehr von dieser Art.

 

Weshalb eigentlich bewundern wir – bewundere ich – den heiligen Simeon so enthusiastisch? Wegen seines erschreckenden Talents, nichts zu tun. Der heilige Simeon steht – sitzt oder hockt – als der rein Kontemplative, der Adler, der in die Sonne schaut, hoch oben in seinem Horst, der Beobachter im Krähennest. Ich weiß, die Lehrbücher berichten – und das Leben der meisten Heiligen bezeugt es -, dass das Leben der Kontemplation nicht ein physisch untätiges Leben ist, dass die großen beschaulichen Menschen ebenso große Männer der Tat waren. Aber es ist eine andere Art des kontemplativen Lebens, eine andere Art der Heiligkeit, deren meiner Meinung nach die moderne Welt bedarf.

 

„Lehre uns sorgen und nicht sorgen,

lehre uns stillsitzen.“

 

Der heilige Simeon hatte sicher gelernt, stillzusitzen, und er kann uns wie kaum irgendeiner von den Heiligen der Christenheit lehren, wie wir das gleiche tun sollen.

 

Warum können wir denn nicht stillsitzen? Warum müssen wir immer etwas tun? Ich bin sicher, der größte Teil der Ruhelosigkeit des Westens geht aus dieser Furcht vor der Langeweile hervor, und Langeweile heißt, der eigenen Leere gegenübergestellt sein. Deshalb ist die kindliche Frage „Was machte Simeon den ganzen Tag über?“ in hohem Maße berechtigt. Wenn wir nicht mehr von ihm sagen könnten, als dass er der Langeweile entgegentrat, mit ihr kämpfte, ihr nicht unterlag – nicht von seiner Säule herunterstieg -, sondern sie besiegte und dort oben blieb, nichtstuend, dann, denke ich, wäre das genug, um ihn zum Thema einer lohnenden Studie und zum Gegenstück zu unserer Zeit zu wählen.

 

Simeon verließ die Stätten der Zivilisation nicht ganz und gar, so weit ging er und nicht weiter, weit genug, um aus allem heraus zu sein, aber nicht weit genug, um unbeachtet und vergessen zu werden. Simeon tat nichts – außer für Gott leben: und darum wurde er der heilige Simeon. Aber auch wenn wir seine vollendete Heiligkeit, die übernatürliche Frucht dessen, was er wirklich „dort oben“ tat, während er nichts zu tun schien, außer acht lassen – wenn wir das alles vergessen und uns nur auf die menschliche Geste konzentrieren, haben wir noch reichlich genug zu bewundern. Ich habe den heiligen Simeon zu meinem Lieblingsheiligen erwählt, weil er sozusagen am östlichsten Ende der westlichen Christenheit wohnt, weil er diese ganz anders geartete Welt des Ostens verkörpert, die nur mit Mühe für das Christentum gewonnen werden konnte. Ihm ist es, würden die meisten Menschen im Westen sagen, gerade noch gelungen, hineinzukommen. Es ist notwendig, werden sie weiter sagen, vor allem gewarnt zu werden, was in seinem Beispiel übertrieben ist, besonders vor dem geistigen Stolz, der leicht hinter einer solchen außergewöhnlichen Lebensart steht. Aber genau das Gegenteil scheint mir wahr zu sein, denn die christliche Religion wie die übrige Welt leiden an einer Überdosierung des westlichen Geistes: Wir brauchen eine mächtige Injektion vom Osten her, je stärker und spürbarer, um so besser. Simeon mag nicht wie Léon Bloy auf die Welt gespuckt haben, aber er wandte ihr den Rücken und kehrte sein Gesicht der Sonne zu. Simeon repräsentiert einen Typ, der mich immer fasziniert hat, den des Außenseiters, des Ismael, des Sündenbocks. Aber er ist ein Außenseiter von besonders nachgiebiger Art: Er geht nicht in die Wüste und verbirgt sich in einer Höhle, er geht eine gewisse Strecke aus der Stadt hinaus, nicht zu weit, und macht dort „einen Laden auf“.

 

Er ist – wenn man es so ausdrücken will – ein Aussteller im wahrsten Sinn des Wortes, er ist entschlossen, eine Ausstellung von sich selbst zu veranstalten. Vermutlich hatte er einen Grund dafür, und vermutlich war sein Grund – da er der heilige Simeon ist – triftig. Es gleicht einer Umwandlung aller Werte, wenn man die Erde verlässt und hoch oben in der Luft lebt, ununterbrochen die Füße vom Boden erhoben. Es ist ein Benehmen – genauso wagemutig wie das eines Ikarus, abgesehen von dem festen Fels der Heiligkeit darunter. Es ist eine Kühnheit damit verbunden, die zurückgezogenere Typen der Heiligkeit beleidigt. Eine orientalische Extravaganz, entblößt von allem orientalischen Glanz, die mich stark beeindruckt, da ich der Ansicht bin, dass sie unserer Zeit besonders angemessen ist.

 

Ich glaube, dass ich jetzt nicht mehr in Gefahr komme, den heiligen Simeon mit bloßen Rekordbrechern zu verwechseln. Ich glaube auch nicht mehr, dass er irgendeinen anderen ausstechen wollte. Aber ich bin noch immer fest davon überzeugt, dass er hervorstechen wollte – durch Heiligkeit. „Lasst euer Licht leuchten vor den Menschen . . .“ „Eine Stadt, die auf einem Berg steht, kann nicht verborgen bleiben.“ „. . . noch zündet jemand ein Licht an und stellt es unter den Scheffel.“ Und obwohl Heiligkeit den Förmlichkeiten und dem Klatsch eines Fünfuhrtees trotzen können, zu unserer Belehrung und Ermutigung, scheint unsere Welt trotzdem eine besondere Art von Heiligkeit zu erfordern, eine Heiligkeit, deren Impuls von menschlicher Seite her so außergewöhnlich und radikal ist wie die Welt, in der wir leben . . .

 

Aber nach alldem bewundere ich diesen Heiligen nicht nur, ich liebe ihn wirklich. Und warum? Der heilige Simeon ist das gewesen, was ich sein möchte, wenn ich statt der Feigheit des Sünders den Heldenmut des Heiligen besäße. Ich hätte gern jenen Mut, den Spott derer zu ertragen, die verspotten, was ich liebe. Ich möchte den Stein, mit dem man nach mir wirft, gern willkommen heißen. Ich wollte gern hoch oben auf einer Säule stehen, anstatt hier unten auf dem Boden in der Menge, während ich meine Sympathie für den Mann dort oben feige verstecke. Man fühlt sich sicher in der Menge, und darum ging Simeon allein dort oben hinauf. Dem Furchtsamen erfasst der Schwindel beim Anblick großer Höhen; aber Simeon bot ihm die Stirn.

 

Ich halte den Mann auf dem Felsen für einen Weisen, für einen Mann Gottes. „Kommt in den Schatten dieses roten Felsens.“ Ich sehne mich, in den Schatten seiner Säule und seiner Heiligkeit zu treten, weil er in meinem Geist mit der Stärke des Felsens, auf dem er thronte, lebt; weil er sich dort wie ein Leuchtturm aus einem besseren Land und einer besseren Zeit erhebt, in der Heiligkeit noch seltener, einfacher und heroischer war, als die von Ewigkeit Auserwählten noch deutlicher erkennbar unter den immer leuchtenden Sternen wandelten, Himmel und Hölle dichter beieinanderlagen und das Schwert des Geistes erbarmungsloser zuschlug. Die Menschheit hat sich immer nach einem goldenen Zeitalter gesehnt, das sie in der Zeit entweder vor- oder zurückverlegt. Wenn sie es in die Vergangenheit verlegt, ist es die Zeit der großen Männer, die zehn Fuß groß waren; wenn in die Zukunft, die Zeit der Flügel. Simeon hatte keine Flügel; aber er hat sein Bestes getan, um von der Erde loszukommen. Er war nicht zehn Fuß groß; aber er hat es fertiggebracht, noch höher zu kommen. Mein Bild von ihm ist, wie Sie sehen, reichlich phantasievoll; er ist mein vollkommener geistlicher Vater.

 

6. Januar

 

Von den heiligen Dreikönigen

 

„Als die Heiligen Drei Könige von den Juden unterwiesen wurden, wo ihr König sollte geboren werden, und darauf mit ihrem Gesinde gen Bethlehem zogen und der Stern wieder vor ihnen herging, da kamen sie an die Stätte, wo der Engel den Hirten in der Christnacht erschienen war. Da fanden sie die Hirten, und die Hirten sagten ihnen, wie die Engel Gottes zu ihnen gesprochen hätten in der Christnacht, und von dem Licht, das sie umschien, und wie sie das Kind gesehen hätten. Das hörten die Herren gar gern und behielten auch die Worte wohl, beschenkten auch die Hirten reichlich und ritten fröhlich weiter und kamen gen Bethlehem. Da hielten sie still und legten ihr stattlich Gewand an und bereiteten sich, dass sie Königen gleich sahen. Als sie nun an die Straße kamen, an deren Ende die geringe Hütte lag, da blieb der Stern stehen und ging nicht weiter, sondern senkte sich herab mit solchem Glanz, dass die ganze Hütte, und alle, die darinnen waren, von dem Schein erleuchtet wurden. Dann stieg er wieder in die Höhe, stand unbeweglich und sein strahlender Glanz verblieb in der Hütte.

 

An dem Tag, da die drei Könige dem Kind das Opfer brachten, da war Jesus ein Kind von dreizehn Tagen und lag in der Krippe in geringe Tücher gewickelt. Maria, seine Mutter, war voll von Gestalt und bräunlich von Angesicht und mit einem blauen schlechten Mantel bekleidet. Die drei Könige aber waren herrlich gekleidet, und Melchior, der König von Nubien und Arabien, der dem Kind Gold opferte, war von Gestalt der kleinste, Balthasar, der König von Saba, der ihm Weihrauch opferte, war der mittelste, und Kaspar, der König von Tharsis, der ihm Myrrhen darbrachte, war der größte von Gestalt und war ein Mohr.

 

Auch ist zu wissen, dass die drei Könige große Schätze und köstliche Kleider mit sich führten aus ihren Landen, denn alle Gezierde, die der große Alexander nach seinem Tod hinterließ, und was die Königin von Saba dem König Salomo brachte, und alles was König Salomo Gott zu Ehren machen ließ, das war alles den drei Königen anheimgefallen, denn ihre Vorfahren hatten den Tempel zu Jerusalem zerstört, und nun führten es die drei Könige bei sich und meinten, sie wollten es dem neuen König verehren. Als sie aber in das arme Hüttlein kamen, da Jesus lag, da war darin so unaussprechlich große Klarheit, dass sie standen wie in einer Glut, und wussten nicht vor Schrecken woran sie waren. Also griffen sie geschwinde in ihre Säcke, und was ihnen zuerst in die Hände kam, das opferten sie und vergaßen aller Herrlichkeit, die sie mit sich brachten. Melchior opferte dreißig goldene Pfennige und einen goldenen Apfel, wie es ihm in die Hände fiel; Balthasar opferte Weihrauch, Kaspar Myrrhen, und was die liebe Maria zu ihnen sprach, das vergaßen sie allzumal, dass sie nichts behielten, als dass sie sich zu jeglichem König gar demütiglich neigte und sprach: „Gedanket sei Gott“.

 

Der goldene Apfel, den König Melchior opferte mit den dreißig goldenen Pfennigen, war des großen Königs Alexander gewesen, und er hatte ihn so gefüge machen lassen, dass er ihn mit einer Hand umgreifen konnte. Denn Alexander hatte die ganze Welt bezwungen und hielt sie in seiner Hand, und dessen zur Urkunde hatte er den Apfel machen lassen, weil die Welt rund ist, und meinte, dass er der Welt so gewaltig wäre als des Apfels. Und da der Apfel dem Kind in die Hand gegeben ward, da ward er zu Asche, zum Zeichen, dass alle irdische Gewalt vor Gott eitel ist und in Staub zerfällt.

 

Als nun die Herrn ihr Opfer löblich vollbracht hatten, da bereitete man die Kost für sie und ihr Gesinde, und als sie gegessen hatten, da legten sie sich nieder mit ihren Dienern und schliefen den Tag und die Nacht, und in der Nacht erschien ihnen der Engel Gottes im Schlaf und warnte sie, dass sie nicht zurück zögen zu Herodes. Das beschlossen sie gemeinsam zu tun, und fuhren einen anderen Weg heim in ihr Land, und auf dem Weg brachten sie zwei Jahre zu, ehe sie nach Hause kamen; auch mussten sie unterwegs in Herbergen einkehren, essen, trinken und schlafen, alles nach menschlicher Weise, denn der Stern schien ihnen nicht mehr. Wo sie aber Nachtruhe hielten, da sagte sie dem Volk des Landes, wie alles ergangen war, und also ward ihre Ausfahrt und Wiederkunft bekannt und offenbar durch alle Lande, dass es nie konnte vergessen noch getilgt werden, obwohl es dem König Herodes und den Juden sehr zuwider war. Und obwohl sie zwei Jahre unterwegs waren, ehe sie die Heimat erreichten, doch gebrach ihnen nichts von alledem, was sie unterwegs bedurften, denn sie hatten große Vorräte mit sich geführt und kamen gesund miteinander zu dem Berg Vaus, wo der Stern zuerst erschienen war.

 

Als nun die Heiligen Drei Könige alle Dinge wohl bestellt und Land und Leute versorgt hatten, da blieben sie beieinander in der Stadt Stulla, die unter dem Berg Vaus liegt und lebten danach nicht mehr zwei Jahre. Eines Tages, nicht lange vor Weihnachten, erschien über der Stadt ein schöner Stern, der nie zuvor gesehen wurde. Die drei Könige verstanden wohl, dass ihr Ende nahte, und Gott sie zu sich nehmen wollte in das ewige Leben, und ließen ein schönes Grab machen wie sie des wohl würdig waren. Und als sie das Weihnachtsfest schön und löblich begangen hatten, danach auf den achten Tag, da König Melchior Messe gehalten, da starb er und war hundertsechzehn Jahre alt. Da nahmen die zwei andern Könige seinen Leichnam und bestatteten ihn mit großen Ehren zur Erde. Danach am fünften Tag, am Erscheinungsfest des Herrn, als Balthasar der König von Saba Messe gehalten hatte, da starb er am zwölften Tag und war hundertzwölf Jahre alt. Da wurde er von dem überlebenden König neben Melchior in dasselbe Grab bestattet. Sieben Tage nachher starb auch Kaspar, der dritte König, nachdem er Messe gehalten, und war hundertneun Jahre alt. Da wurde auch er von dem Volk mit großen Ehren bestattet, und als er ins Grab gesenkt wurde, da rückten die beiden ersten voneinander und ließen ihren Gesellen zwischen sich liegen. Da sahen alle, die gegenwärtig waren, wie die Herren einander lieb gehabt im Leben, so sollten sie nun auch im Tod nicht geschieden werden. Der Stern aber, der vor ihrem Tod erschienen war, blieb unbeweglich über der Stelle stehen, bis sie hinweggeführt wurden, wie danach gesagt wird.“

 

Nachdem Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahr 1164 Mailand erobert hatte, übergab er seinem Kanzler, dem Erzbischof von Köln, Rainald von Dassel, die Reliquien der Heiligen Drei Könige. Der Legende gemäß sollen sie zunächst durch die heilige Helena nach Konstantinopel gebracht worden und von dort nach Mailand gelangt sein.

 

Für diese wurde um 1181 von Nikolaus von Verdun und einheimischen Kölner Goldschmieden ein kostbarer Gold-Email-Schrein geschaffen, über dem wiederum der Kölner Dom als ihre Königskathedrale und zugleich als Wiedergabe des himmlischen Jerusalem sich erheben sollte.

 

Dargestellt werden sie als Könige mit ihren Geschenken, Gold, Weihrauch und Myrrhe, bei der Anbetung des Kindes; ursprünglich galten sie als Magier, als „Weise aus dem Morgenland“, die sich als Vertreter ihrer heidnischen Religionen dem Christentum unterwarfen. Im 12. Jahrhundert symbolisierten sie die Lebensalter; Kaspar den Greis, Melchior den Mann und Balthasar den Jüngling. Ungefähr ab 1300 wird der Jüngling als Mohr dargestellt. Diese Komposition lässt die Möglichkeit zu, dass diese drei Männer zu Vertretern der damals bekannten Erdteile werden, nämlich Kaspar als Europäer, Melchior als Asiat und Balthasar als Afrikaner.

 

Sie sind die Patrone der Stadt und des Erzbistums Köln sowie der Wallfahrer und der Reisenden. Spielkartenfabrikanten und Kürschner haben sich unter ihren Schutz gestellt.

 

Fürbittend werden sie angerufen gegen einen plötzlichen Tod und gegen Epilepsie.

 

* * *

 

Es war am Vigiltag vor Erscheinung des Herrn. Eine fromme Klosterfrau, die selige Veronika von Binasko (* 1445 in Binasko bei Mailand; + 13. Januar 1497 zu Mailand; Nonne und Mystikerin; Papst Leo X. erlaubte 1517 die Verehrung von Veronika Negroni von Binasco als Selige), kniete im Kirchlein von St. Martha in Mailand beim heiligen Messopfer. Es währte nicht lange, da wurde sie den Sinnen entrückt. Ein Engel führte sie im Geist gen Osten: ihr Auge sollte das Geheimnis des nahenden Festes schauen . . .

 

Weite Länderstrecken musste Veronika durchwandern, bis sie in die Heimat der heiligen Dreikönige kam. Sie hörte den Engel des Herrn an drei verschiedenen, weit entlegenen Orten die Freudenbotschaft verkünden, der Heiland der Welt sei geboren. Die Weisen möchten sich aufmachen und ihn anbeten.

 

Als es Abend geworden war, sah Veronika die drei Weisen an einem Ort beisammen. Sie hörte, wie sie miteinander sprachen. Ein jeder erzählte, was er gesehen und vom Engel gehört habe über die Geburt des neuen, großen Königs. „Wer wird unser Führer sein?“ fragten sie sich. Endlich beschlossen sie, gemeinsam die Reise anzutreten, um den neuen König anzubeten.

 

Die verzückte Jungfrau sah sodann, wie sie allerlei Vorbereitungen trafen, um mit königlicher Pracht aufzutreten. Sie sah, wie die Könige Dromedare bestiegen, gewaltig große und wild dreinschauende Tiere. Die drei Könige waren von stattlicher Gestalt und trugen golddurchwirkte Gewänder, die bis zu den Knien reichten.

 

Und sieh, ein Stern, hellleuchtender als die anderen, ging ihnen voran. Die Könige folgten ihm. Da sie aber den Stern erblickten, hatten sie eine übergroße Freude und sprachen: „Das ist das Zeichen des großen Königs!“

 

Veronika folgte dann unter Führung des Engels den heiligen Dreikönigen, die auf ihren Dromedaren eilig dahinzogen, weithin durch die Lande. Eine große Gefolgschaft von Männern und Tieren mannigfacher Art begleitete die Könige . . .

 

Unterdessen war der Festtag selbst angebrochen. Es war Zeit zur Heiligen Messe. Veronika begab sich zum Klosterkirchlein. Kaum hatte sie das heiligste Sakrament durch eine Kniebeugung angebetet, als sie wieder in Verzückung fiel.

 

Sie wurde im Geist nach Jerusalem versetzt. Dort herrschte König Herodes. Die Kunde läuft eben durch die Stadt, drei Könige aus dem Morgenland seien angekommen. Herodes geht ihnen entgegen. Als er aber von den Weisen vernimmt, ein neuer König sei geboren, da bäumt sich sein Stolz und Neid auf. Doch tief im Herzen verbirgt er seine Wut; nach außen bekundet er Freude über die Geburt des neuen Königs. Veronika sieht sodann, wie man sich im Königshof rüstet, wie Tische hergerichtet, Speisen zubereitet werden, um die fremden Könige gebührend zu ehren. Herodes und seine erlauchten Gäste setzen sich zu Tisch und sprechen vieles über den neugeborenen König . . .

 

Unterdessen hat im Kirchlein die Heilige Messe begonnen. Veronika kommt wieder zu sich, folgt andächtig der Opferhandlung und empfängt gemeinsam mit den Schwestern die heilige Kommunion. Dann fällt sie wieder in Verzückung.

 

Da sieht sie, wie die drei Weisen von Herodes sich verabschieden: „Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind“, hört sie ihn sprechen, „und wenn ihr es gefunden habt, dann meldet es mir, damit auch ich komme, es anzubeten!“ Nach diesen Worten des Königs ziehen sie von dannen.

 

Als sie auf der Weiterreise waren, hörte Veronika, wie sie sich fragten: „Wohin sollen wir nun gehen? Wir haben den Stern verloren?“

 

Doch alsbald war der Stern wieder da, den sie im Osten gesehen hatten, und ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stillstand, wo das Kind war.

 

Als die Weisen den Stern wiedersahen, waren sie voll übergroßer Freude. Schon von fern sahen sie, wie der Stern stillhielt. Da stiegen sie von ihren Reittieren und nahmen ihre Geschenke zur Hand. Ihre Gefolgschaft ließen sie zurück und gingen allein zu dem Ort hin, wo zu ihrer Verwunderung der Stern stillstand.

 

Unterdessen meldete der Engel des Herrn der Jungfrau und Mutter, dass die Könige angekommen seien, um das Kindlein Jesus anzubeten. Als die heiligen Dreikönige eintraten, erhob sich die Jungfrau und Mutter. Die Könige neigten sich ehrfurchtsvoll vor ihr. Dann setzte sich die Jungfrau und nahm das Jesuskind, das in ein Linnengewand gehüllt war, auf den Schoß. Die Füße des Kindleins waren bloß. In der Nähe standen Josef und ein Diener. Bevor die Weisen zum Kindlein traten, um es anzubeten, machten sie dreimal die Kniebeugung. Vorher unterhandelten sie, wer es zuerst anbeten solle. Da trat der Jüngste vor, küsste die Füße des Kindleins, nahm die Krone vom Haupt und legte sie dem Kindlein zu Füßen. Und das Jesuskindlein segnete ihn. Das alles sah Veronika in der Verzückung.

 

Als die Dreikönige aus dem Morgenland ihre Anbetung vollendet hatten, brachten sie Gaben dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Josef nahm die Geschenke in Empfang. Der Engel Gottes eröffnete Veronika den tieferen Sinn dieser geheimnisvollen Gaben.

 

Nachdem die drei Weisen die geheiligte Stätte verlassen hatten, blieben sie nur eine Nacht lang in einer benachbarten Herberge. Veronika sah im Geist den Engel des Herrn, wie er im Schlaf den Königen erschien und sie warnte, zu Herodes zurückzukehren. Sie zogen deshalb auf einem anderen Weg heimwärts.

 

Veronika wurde hierauf vom Engel Gottes im Geist an den Ort geführt, wo sich Herodes aufhielt. Er und sein ganzer Hofstaat schienen sehr zornig darüber zu sein, dass die Weisen nicht mehr zu ihm zurückgekehrt waren. Er ließ durch Ausrufer allen ankündigen, wer die drei Könige aufspüre und sie ihm vorführe, werde mit reichen Geschenken bedacht werden . . .

 

In frommem Schauen verbrachte Veronika so den ganzen Tag. Im Chor der Kirche hatten die Schwestern unterdessen bereits den größten Teil der Vesper gesungen, als die verzückte Seherin zu sich kam und ihrer äußeren Sinne wieder mächtig war.

 

Nach alter, frommer Ansicht kamen die Leiber der heiligen Dreikönige in späteren Jahrhunderten über Konstantinopel nach Mailand. Als Kaiser Friedrich Rotbart diese Stadt eroberte, schenkte er die Dreikönigsreliquien seinem Kanzler Reinold von Dassel. Der brachte sie am 23. Juli 1164 in seine Bischofsstadt Köln am Rhein. Dort ruhen sie seitdem in einem kunstvollen, kostbaren Schrein, überwölbt vom herrlichsten Dom Deutschlands.

 

Der heilige Erminold, Abt und Märtyrer von Prüfening,

+ 6.1.1121 – Fest: 6. Januar

 

Wie die Apostel, dem Auftrag des göttlichen Heilandes gemäß, in alle Lande gingen und den Samen des Evangeliums ausstreuten, so fanden sich zu allen Zeiten apostolische Frauen und Männer, die keine Mühe und Opfer scheuten, um das Reich Gottes auszubreiten. Zu diesen hellen Leuchten gehört der heilige Erminold, der erste Abt der berühmten Benediktinerabtei Prüfening in Bayern.

 

Der heilige Erminold kam aus einer angesehenen Familie in Schwaben. Die frommen Eltern übergaben ihren Sohn, den ihnen Gott im hohen Alter geschenkt hatte, aus Dankbarkeit den Mönchen des Klosters Hirsau, damit sie ihn für Gott erzögen. Der edle Wunsch der beglückten Eltern erfüllte sich im reichsten Maß, denn der talentvolle Junge nahm von Tag zu Tag in Tugendübungen und Wissenschaften zu und hegte keinen anderen Wunsch mehr, als in den Orden des heiligen Benedikt einzutreten. Der Teufel suchte ihn von diesem Vorhaben abzubringen, aber mit den Waffen Jesu Christi schlug er den Widersacher in die Flucht. Gern wurde ihm die Aufnahme in das Kloster gewährt. Wie einst der Geist des Propheten Elias auf Eliseus überging, so prägten sich die Tugenden des berühmten Abtes Wilhelm von Hirsau dem jugendlichen Gemüt des Novizen Erminold ein, so dass er sich gar bald zum Führer einer geistigen Heeresschar befähigte.

 

Der Ruf seiner Heiligkeit und seiner vorzüglichen Geistesgaben verbreitete sich so weit, dass er von den Brüdern des Klosters Lorch mit Gutheißung des Kaisers Heinrich V. einstimmig zum Abt ihres Klosters gewählt wurde. Der treue und kluge Diener Gottes war in seiner neuen Würde mehr ein Untergebener, als ein Gebieter, und es lag ihm alles daran, durch Wort und Beispiel seine Brüder in Gottesfurcht und regem Tugendeifer zu befestigen. Als aber einst der leibliche Bruder Erminolds sich anmaßte, ohne Wissen und Willen desselben dem Kaiser von den Klostergütern Geschenke zu machen, legte der heilige Abt seine Würde nieder und kehrte mit 40 seiner Schüler in das Kloster Hirsau zurück, der Taube Noahs ähnlich, die in die Arche zurückflog, als sie draußen keinen reinen Boden fand. Wie ein Engel Gottes wurde er dort mit Ehren aufgenommen, weil seine Tugenden nicht verborgen bleiben konnten.

 

In jener Zeit hielt Kaiser Heinrich V. einen Reichstag zu Regensburg ab, zu dem auch der heilige Bischof Otto von Babenberg reiste. Da er wegen der Menge fremder Gäste in der Stadt keine Unterkunft fand, schlug er draußen zwischen zwei Nussbäumen sein Nachtquartier auf. Dort hörte er einen wundersamen Glockenklang und er sah, wie einst der Patriarch Jakob, von seinem Lager eine Leiter, die bis in den Himmel reichte und auf der die Engel Gottes auf und nieder stiegen. Der heilige Bischof beschloss, an dieser Stelle ein Kloster zu bauen, deren Bewohner engelgleich zum Himmel hinaufsteigen sollten. Nachdem der Bau vollendet war, sah er sich nach einem ausgezeichneten Vorsteher des neuen Klosters um, und er fand keinen geeigneteren und würdigeren, als den bewährten Erminold. Diesen erhob er zum ersten Abt des jungen Klosters Prüfening, damit er den unbebauten Boden mit Klugheit und Eifer urbar machte und eine reichliche Saat für den Himmel gewinne.

 

Erminold zierte seine Würde mit ebenso viel Heiligkeit, wie mit Entschiedenheit. Als einst der vom Papst exkommunizierte Kaiser Heinrich V. das Kloster Prüfening besuchen wollte, verweigerte ihm der Abt den Eintritt, und der Kaiser zog ab nicht mit Groll, sondern voll Ehrfurcht gegen den heiligen Diener Gottes, und er verbot seinen erzürnten Schmeichlern, dem Kloster irgendwie zu schaden. So streng der heilige Abt seine Rechte wahrte und für die Ehre Gottes eiferte, so sanft und liebreich behandelte er seine Feinde, lud sie freundlich zu Tisch und entließ sie mit Geschenken. So gewann er durch Milde und Geduld die Herzen seiner Gegner. Eine besondere Fürsorge wandte er den Armen zu. Als einst in Bayern eine große Hungersnot ausbrach, öffnete er alle Scheunen und Speicher des Klosters, teilte alle Vorräte an die Bedürftigen aus und veräußerte selbst die heiligen Gefäße, um die Not zu stillen. Als die Brüder ihm mitteilten, alles sei fortgegeben und sie müssten selbst Hunger leiden, flehte der Heilige inbrünstig zu Gott und zum heiligen Georg, seinem Kirchenpatron. Kaum hatte er sein Gebet vollendet, da schickte Gott einen edlen und reichen Herrn, der mit seinem Überfluss die Not der Mönche beendigte.

 

Als einst der heilige Abt in die Kirche gehen wollte und die Pforte verschlossen fand, eilte der Küster fort, um die Schlüssel zu holen. Zu seinem höchsten Erstaunen fand er den Heiligen bereits am Altar im Gebet. Als er sich erhob, verbot er dem Küster, mit irgendeinem vor seinem Tod von diesem Ereignis zu sprechen.

 

Wie ein Riese schritt der heilige Erminold unentwegt dem Himmel zu und zog eine auserwählte Schar gottbegeisterter Schüler mit sich fort, aber die Hölle ergrimmte über ihre Verluste und goss Gift in die Herzen einiger Boshaften, die sich gegen das Leben des Heiligen verschworen und eine günstige Gelegenheit abpassten, um ihren Mordplan auszuführen. Dem Heiligen wurde das verbrecherische Vorhaben der Verschwörer offenbart, aber er sprach, wie einst der Herr zu Petrus: „Warum soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater darreicht?“ Voll Ruhe ging er den Mördern entgegen, die beim Anblick des unverzagten Heiligen derart erschüttert wurden, dass der Dolch ihrer Hand entfiel.

 

Nicht lange danach lauerte ihm einer der Verschworenen, namens Aaron, wieder auf und schlug ihn mit einer hölzernen Keule auf den Kopf. Betäubt sank der Heilige zu Boden, kam aber nach einiger Zeit wieder zu sich, richtete seine Augen auf seine Brüder und sprach mit heiterer Miene, er sei zum himmlischen Thron erhoben gewesen und habe tröstliche Versprechungen vernommen. „Ich freute mich“, sprach er, „weil mir gesagt wurde, an diesem Ort werde man immer Gott dienen. Ich sah mit goldenen Buchstaben die Namen unserer verstorbenen, lebenden und künftigen Brüder im Buch des Lebens verzeichnet. Und dies soll euch das Zeichen sein, dass ich die Wahrheit rede: morgen, wenn im Hochamt das Gloria gesungen wird, werde ich von dieser Welt scheiden.“ Wie er vorhergesagt, so geschah es. Am folgenden Morgen, - es war das Fest der Erscheinung des Herrn – verließ seine Seele während des Engelgesanges das zerbrechliche Haus des Leibes, um unter Engelchören den himmlischen Jubelgesang anzustimmen.

 

Die Wunder, die das Grab des heiligen Abtes und Märtyrers Erminold verherrlichten, könnten ein ganzes Buch füllen. Ein wunderbarer Wohlgeruch strömte aus seinem Grab, Blinde erhielten ihr Augenlicht, Lahme gerade Glieder, Taube ihr Gehör, Kranke aller Art ihre Gesundheit, Teufel wurden ausgetrieben und unzählige Gebetserhörungen und Wohltaten gewährt. Deshalb wallfahrteten schon bald nach seinem Tod viele Hilfsbedürftige zum Grab des Heiligen, und kehrten erfreut, getröstet und erhört in die Heimat zurück voll Dank gegen den heiligen Wohltäter von Prüfening.

 

Die heilige Makra, Jungfrau und Martyrin von Reims,

+ 6.1.304 - Fest: 6. Januar

 

Während der heftigen Christenverfolgung des Kaisers Diokletian wütete Rictiovarus, der römische Statthalter in Gallien, mit unerhörter Grausamkeit gegen die Gläubigen, und, um sie alle zu vertilgen, durchzog er mit seinen Henkern alle Ortschaften, und suchte neue Opfer, seinen Blutdurst zu stillen. Im Jahr 303 kam er in die Stadt Reims, wo unter anderen bei ihm auch eine gottesfürchtige Jungfrau, Makra mit Namen, als Christin verklagt wurde. Als sie vor dem gottlosen Richter erschien und von ihm zum Götzenopfer aufgefordert wurde, bekannte sie ohne alle Furcht den wahren und einzigen Gott und wurde deswegen zum Feuertod verurteilt. Zum Staunen aller Heiden aber ging die Bekennerin unversehrt aus den Flammen hervor, und der Statthalter durch dieses Wunder beschämt, ließ ihr die Brüste aus dem Leib schneiden und sie zu noch größeren Peinen im Gefängnis aufbewahren.

 

Die heilige Martyrin lobte Gott und sang frohen Mutes heilige Psalmen, als zur Nachtzeit der Kerker mit einem glänzenden Licht plötzlich erhellt wurde, und ein freundlicher Greis ihr zur Seite stand, der sie so anredete: „Makra! Gott sendet mich zu dir, dass ich deine Wunden heile.“ Ihm antwortete die Jungfrau: „Nimmermehr wünsche ich die Gesundheit meines Körpers, wenn ich dadurch die Krone der Gerechtigkeit verlieren sollte. Doch der Wille des Herrn geschehe“, und bei diesen Worten ließ sie sich auf die Knie nieder, fiel in einen Schlummer und als sie erwachte, war sie geheilt.

 

Am anderen Tag wurde die Martyrin wieder vor den Richterstuhl des Rictiovarusgebracht, der von einer unzähligen Menge Heiden umgeben war, und alle schrien laut auf vor Verwunderung, als sie die Christin gesund und unversehrt erblickten. „Durch welche Zauberei“, fragte der Richter, „wurdest du geheilt?“ – „Dieses Wunder geschah“, antwortete Makra, „durch die Gnade und Macht meines Jesus.“ Im höchsten Zorn entgegnete ihr der Heide: „Wie, du belästigst neuerdings meine Ohren mit dem mir so verhassten Namen? Unter den schrecklichsten Peinen sollst du diesen Jesus noch verleugnen.“ Makra erwiderte: „So eile, damit meine einzige und seligste Hoffnung bald erfüllt werde.“ Nun wurde die Heilige auf spitzigen Steinen und glühenden Kohlen so lange herumgewälzt, bis sie den Geist aufgab.

 

Der heilige Melanius, Bischof und Bekenner von Rennes, Frankreich,

+ 6.1.530 - Fest: 6. Januar

 

Der heilige Melanius stammte aus einer vornehmen Familie; verzichtete aber aus Liebe zu Jesus auf alles Irdische und wählte das einsame Klosterleben, in dem er sich so hohe Tugenden auszeichnete, dass ihn wider seinen Willen der heilige Bischof Amandus von Rennes zu seinem Nachfolger ernannte. Wegen seines heiligen Lebenswandels liebte ihn der fränkische König Clodoväus sehr und bediente sich seines Rates in den wichtigsten Staatsangelegenheiten. Im Jahr 511 hatte Melanius auf der fränkischen Kirchenversammlung zu Orleans unter 32 Bischöfen den Vorsitz und durch sein Ansehen beim König wurden die trefflichsten Kirchenverordnungen gemacht und mehrere Kirchen und Klöster erbaut.

 

Er war ein unermüdlicher und wachsamer Seelenhirt und wirkte auf seinen Reisen durch seinen Sprengel viele Wunder an Kranken und Behinderten. Gregor von Tours erzählt, dass der heilige Bischof einst einen vom bösen Geist besessenen und aus Verzweiflung sich selbst erwürgten Menschen wieder zum Leben erweckte. Durch dieses Wunder wurden die Einwohner zu Vannes in der Bretagne, die noch Heiden waren, zur christlichen Religion bekehrt. So wirkte der heilige Melanius zum Seelenheil seiner Gläubigen und zur Ausbreitung des Christentums rastlos sein ganzes Leben hindurch, bis ihm Gott die Stunde seines Todes offenbarte. Er bereitete sich mit der innigsten Andacht auf die Ankunft des Herrn vor und nachdem er mit heiligster Sehnsucht die Sterbesakramente empfangen hatte, starb er im Jahr 530 in einem Kloster zu Plörmöl, das er selbst gestiftet hatte. Aus Dankbarkeit erbauten ihm die Gläubigen ein herrliches Grabmal in der Domkirche zu Rennes, das durch ein Wunder unversehrt blieb, als die ganze Kirche vom Feuer vertilgt wurde.

 

7. Januar

 

Der heilige Valentin, Bischof und Bekenner von Passau,

+ 29.10.474 – Fest: 7. Januar

 

Wer die Eltern des heiligen Valentin waren und aus welchem Land er gekommen ist, weiß man nicht. Umso gewisser ist seine Wiedergeburt aus dem Heiligen Geist, wodurch wir Kinder eines himmlischen Vaterlandes werden. Dies beweist seine Liebe, die ihn um das Jahr 440 nach Passau trieb, um dort die Erbarmungen Gottes zu verkünden. Aber niemand wollte von Jesus, dem Gekreuzigten, hören und von der trostvollen Botschaft der unverdienten Vergebung der Sünden und dem Geschenk des ewigen Lebens.

 

Da ging Valentin nach Rom, um vom Papst Leo die apostolische Sendung zu erhalten, in der Hoffnung, dann mit mehr Segen zu predigen. Er tat es nach seiner Rückkehr nach Passau mit doppeltem Eifer, aber noch immer fruchtlos an einem rohen Volk ohne Bildung, das in die schändlichsten Laster versunken war.

 

Eingedenk der Worte Jesu: „Wenn euch jemand nicht aufnehmen und eure Reden nicht hören wird, so geht aus der Stadt heraus“ (Mt 10,14), beschloss er nun, das Feuer der göttlichen Liebe, das anzuzünden Jesus gekommen war, in anderen Gegenden zu entzünden. Er kam zum Erstaunen Papst Leos wieder nach Rom. Dieser ermahnte ihn aber mit dem Apostel: „Predige das Wort und höre damit nicht auf, sei es gelegen oder ungelegen, weise zurecht und bestrafe, ermahne nur mit aller Geduld und Belehrung!“ (2. Tim 4,2) Hierauf legte er ihm die Hände auf und weihte ihn zum Bischof, und gestattete ihm nur dann zu einem anderen Volk zu gehen, wenn auch der dritte Versuch fruchtlos sein sollte.

 

Mit der neuen Würde bekleidet und gestärkt durch die oberhirtliche Ermahnung und die erhaltene Gnade, ging nun Valentin mit neuem Eifer nach Passau. Er predigte und ermahnte mit aller Geduld und Langmut. Aber jetzt wollten ihn die Einwohner, teils Heiden, teils arianische Christen, immer weniger hören, misshandelten ihn am Ende und nötigten ihn, diese Stadt ganz zu verlassen.

 

Weinend, wie einst Jesus über das unbußfertige Jerusalem, das er so oft sammeln wollte, sah er zum letzten Mal auf die Mauern von Passau zurück, und verließ sie auf immer. Er zog nun in den Gegenden Rätiens umher, wo er überall seinen Jesus predigte. Schließlich begab er sich in das heutige Südtirol, wo er in der Gegend von Meran ein empfängliches Erdreich fand. Hier sammelte er bald eine zahlreiche Gemeinde zum Preis des Herrn und zu seinem Trost, und starb um das Jahr 474.

 

Seine Leiche wurde im Schloss Majes begraben. In der Folge wurden seine Gebeine durch Corbinian nach Passau gebracht, und von den dankbaren Einwohnern mit allen Ehrenbezeigungen empfangen, wo der früher von ihm ausgestreute Same nun reichliche Früchte brachte.

 

So prüft Gott noch oft den Glauben der Seelsorger und Eltern. Fahre nur fort, trauriger Vater oder betrübte Mutter, zu belehren und zu ermahnen in aller Geduld und Langmut, im Vertrauen auf den Herrn, wenn es auch immer an manchen Kindern fruchtlos zu sein scheint, wenn du auch hier ihre Besserung nicht mehr erleben solltest. Vielleicht erst spät nach deinem Tod werden deine vergossenen Tränen durch den Segen des Herrn deine Worte befeuchten, dass sie keimen und Frucht bringen.

 

Der heilige Tillo (Tillmann),

Sklave von Sachsen und Mönch in Solignac, Frankreich,

+ 7.1.700 - Fest: 7. Januar

 

Dieser heilige Abt von Solignac, ein geborener Westfale, wurde in seiner Jugend als Sklave verkauft. Der heilige Eligius kaufte ihn los, taufte ihn und ließ ihn von den Mönchen von Solignac erziehen und zum Goldschmied ausbilden.

 

Später trat Tillo selbst in das Kloster ein. Er stand diesem einige Jahre als Abt vor und zog sich dann auf eigenen Wunsch in die Einöde zurück. Er starb am 16. Januar um das Jahr 702 in Solignac.

 

Man erfleht seine Hilfe gegen Fieber und Kinderkrankheiten.

 

Der heilige Reinhold, Mönch und Martyrer von Köln,

+ 7.1.690 – Fest: 7. Januar

 

An den Namen des heiligen Reinhold knüpfen sich viele alte Sagen, die von seinem seltenen Heldenmut und seinen berühmten Taten ein ruhmreiches Zeugnis geben. Hier soll nur erzählt werden, was die Bollandisten, auf zuverlässige Zeugnisse gestützt, als echten Kern aus der Schale der Poesie gelöst haben.

 

Reinhold stammte aus der höchst angesehenen und reich begüterten Familie der Karolinger. Wer hätte nicht von seinem ritterlichen Vater Haimon gehört? Der hatte vier Söhne, deren Heldentaten in Liedern besungen wurden. Wie aber ein Stern an Klarheit die anderen überstrahlt, so übertraf Reinhold an Edelmut und Reinheit der Sitten nicht nur seine Brüder, sondern auch alle seine Zeitgenossen. Von seinen frühesten Jahren wuchs er mehr und mehr in der Erkenntnis und Liebe Gottes.

 

Von der Weisheit Gottes erleuchtet, verließ er sein irdisches Besitztum, um die dauernden Güter des Himmels zu gewinnen. Deshalb ging er nach Köln, nahm das Ordensgewand und widmete sich ganz der Liebe desjenigen, dessen Dienst Herrschaft ist. Dort leuchtete er bald durch so viele herrliche Tugenden, dass er von allen geliebt und von Gott mit der Wundergabe begnadigt wurde. In seiner Klause heilte er die Kranken, gab den Lahmen gesunde Glieder, den Tauben das Gehör und den Blinden das Augenlicht wieder. Augenzeugen berichteten, dass er durch sein Gebet einen Toten erweckte und ihn in Gegenwart vieler seiner trauernden Mutter zurückführte. Einen Jungen, der viele Jahre am Fieber gelitten hatte, heilte er so vollständig, dass er noch am selben Tag Gott lobend und mit Freuden nach Hause zurückkehrte.

 

Zu jener Zeit wütete unter dem Volk der Provinz die Pest. In ihrer höchsten Not wandten sich die Heimgesuchten an den heiligen Reinhold, warfen sich ihm zu Füßen und baten mit Tränen, er möge das Volk von jener schrecklichen Krankheit befreien. Der Heilige flehte sofort demütigst zum Herrn, dass er jenen Barmherzigkeit angedeihen lasse, denen das Bild des Todes schon aufgeprägt war. Gott erhörte seinen demütigen Diener und gab dem kranken Volk die erwünschte Gesundheit zurück. Alle dankten Gott, der sie auf die Fürbitte des Heiligen gerettet und die schreckliche Krankheit verscheucht hatte. Überall verbreiteten sie die Tugenden und Verdienste des heiligen Reinhold und sangen später alljährlich sein Lob.

 

Der Gottesmann Reinhold wurde später auf Befehl seines Abtes zum Steinmetzmeister gemacht. Da er aus Eifer für die Ehre Gottes mehr, als die übrigen Gesellen arbeitete und sie streng und öfters an ihre Pflicht erinnerte, hassten und beneideten sie ihn und verschworen sich heimlich gegen sein Leben. Der Diener Gottes hatte die Gewohnheit, häufig die Klöster und Kirchen in der Nähe und Ferne zu besuchen und unterwegs den Armen Almosen zu spenden. Diesen Umstand benutzten die lasterhaften Menschen, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und nach Räuberart ihm aufzulauern und ihn heimlich zu ermorden. Der Heilige durchschaute ihren Mordplan und bereitete sich zum Tod, wie zu einem königlichen Festmahl. Den Räubern ging er wie seinen Freunden entgegen, um als Märtyrer zum Himmel emporzusteigen. Die gottlosen Männer überfielen ihn, schlugen ihm mit Hämmern den Schädel ein, beraubten ihn seiner Kleider und warfen den Leichnam in ein tiefes Wasser in der Nähe des Rheins. So fand der ausgezeichnete Märtyrer die Palme des Martertums. Himmlische Heerscharen trugen seine Seele unter Jubelgesängen zur ewigen Freude. Der Abt und seine Mönche suchten den Vermissten lange vergebens.

 

Der Herr wollte den Leib seines treuen Dieners nicht länger verborgen sein lassen. Eine Frau lag schon mehrere Jahre auf dem Krankenbett und alle ärztliche Hilfe erwies sich als fruchtlos. In einer Nacht nahmen die Schmerzen derart überhand, dass sie den Tod erwartete und zu Gott flehte, er möge ihrem Leben ein Ende bereiten. Nach Mitternacht fiel sie in einen Schlaf und im Traum sah sie einen hell glänzenden Mann, der zu ihr sagte: „Gehe zum Wasser, in dem der von den Steinmetzen gemordete heilige Reinhold liegt, dort wird es besser mit dir werden.“ Und er zeigte ihr die Stelle. Als die Frau erwachte, erzählte sie ihren Traum. Man trug die Kranke zu dem bezeichneten Ort. Sogleich erschien der heilige Leichnam an der Oberfläche des Wassers und gab der Frau die Gesundheit zurück. Sie erhob sich sofort von ihrem Krankenbett, half mit, den Leichnam herauszuziehen, und trug in demselben Bett, in dem sie hergebracht war, mit den übrigen Trägern den heiligen Leichnam zum Kloster.

 

Nach langer Zeit wandte sich die Stadt Dortmund an den Erzbischof von Köln, um die Reliquien eines Heiligen zu erhalten, damit das Land beruhigter und sicherer vor den Feinden würde. Um dem Begehren zu willfahren, berief der Bischof die Geistlichkeit der Stadt zu sich und befragte sie, welchen Heiligen er Dortmund schicken solle. Nach langem Zweifeln setzte der Herr vor der Kirche den heiligen Märtyrer Reinhold im Sarg aus. Da der verblendete Geist der Menschen noch zweifelte und den heiligen Leib in die Kirche zurücktrug, wiederholte sich die Erscheinung des Heiligen vor der Kirche öfters, so dass das Volk klar erkannte, dass nach Gottes Willen diese Reliquien für Dortmund bestimmt seien. Deshalb kam die Geistlichkeit mit dem Volk überein, legte den heiligen Märtyrer Reinhold in einen schön geschmückten Schrein, und eine ungeheure Volksmenge begleitete die heiligen Reliquien von Köln noch drei Meilen weit. In Dortmund kamen die heiligen Überreste am 7. Januar um das Jahr 1060 an und fanden ihre Ruhestätte in der prächtigen Kirche, die nach dem Namen des Heiligen St. Reinholdikirche genannt wurde. Das gläubige Volk verehrte ihn als Patron ihrer Kirche und ihrer Stadt, und der Herr wirkte durch die Fürbitte seines treuen Dieners viele Wunder: Blinde wurden sehend, Aussätzige gereinigt, gichtbrüchige Glieder geheilt zum Lobe Gottes und zur Ehre des heiligen Märtyrers Reinhold.

 

Der heilige Nicetas, Bischof und Bekenner in Dacien,

+ nach 401 - Fest: 7. Januar

 

Dieser Heilige arbeitete unermüdet an der Ausbreitung des Christentums unter den wildesten Völkern zu Ende des vierten und im Anfang des fünften Jahrhunderts. Es ist zu bedauern, dass uns die Kirchengeschichtsschreiber von seinem Leben so wenig hinterlassen und dieses Wenige noch dadurch entstellt haben, weil sie die Taten zwei verschiedener Bischöfe, die den gleichen Namen führten, miteinander vermengten. Selbst Baronius hat sich dieses Fehlers schuldig gemacht, indem er keinen Unterschied machte zwischen dem Bischof Nicetas von Romatiana, dessen Fest am 22. Juni, und zwischen dem Nicetas, Bischof von Aquileja, dessen Andenken am 7. Januar gefeiert wird. Dieser Letztere hatte sich durch seine Bekehrungen mehrerer heidnischen Völker unendliches Verdienst um die Kirche Gottes erworben. Er war Bischof in Dacien und nachdem er die Götzendiener in seiner Diözese zum wahren Glauben geführt hatte, begab er sich unter die barbarischen Völker, die uns unter dem Namen der Scythen, Geten und Thracier bekannt sind, und predigte ihnen unter den größten Lebensgefahren das Evangelium.

 

Im Jahr 397 machte er eine Wallfahrtsreise nach Rom, um bei den Gräbern der heiligen Martyrern seine Andacht zu verrichten und den päpstlichen Segen zu erhalten. Von da ging er nach Nola zum Grab des heiligen Priesters und Glaubensbekenners Felix. Dann nach Canosa in Apulien und endlich nach Kalabrien. Zuletzt durchzog er ganz Griechenland, Ungarn, Siebenbürgen und alle Länder, die am Schwarzen Meer lagen, und milderte die rohen Sitten dieser Völker und brachte unzählige Heiden zum Glauben an den wahren und einzigen Gott. Im Jahr 401 kam er nochmal nach Rom und von dieser Zeit an mangeln die Nachrichten von seinem übrigen Leben, wie von seinem Tod.

 

Der heilige Luzian,

Priester von Antiochien, Kirchenschriftsteller, Märtyrer von Nikomedia,

+ 7.1.312 – Fest: 7. Januar

 

Dieses Heiligenleben führt uns an die Ufer des Orontes. Das nahe Meer trägt, wie vor zweitausend Jahren, das Rauschen seines Wellenschlages über dessen reichgesegnetes Gelände. Weltgeschichtliche Erinnerungen weben darüber. Zu unsren Füßen das kleine Antakya – über einem großen Ruinenfeld. Das verfallene Dörfchen ist das alte Antiochien, Syriens Residenzstadt (1928), die einst so stolze Königin des Ostens, nach Rom eine der größten und schönsten Städte der Welt (ist heute eine Großstadt in der Südtürkei und Hauptstadt der Provinz Hatay). Ihre Mauern bargen die Wiege des sogenannten Heidenchristentums, denn hier sammelte sich die erste Christengemeinde aus heidnischen Neubekehrten, wie auch der Name „Christen“ als Bezeichnung der Christgläubigen hier zum ersten Mal den Bekennern der neuen Religion beigelegt wurde. Die ersten Heidenapostel Paulus und Barnabas weilen und wirken in ihrer Mitte, dem Mittelpunkt des weltweiten Missionsfeldes des großen Völkerlehrers. Ihr erster Bischof ist der heilige Apostelfürst Petrus, ihr dritter Oberhirte der berühmte Märtyrerbischof und Johannesjünger Ignatius. Der bekannteste unter den mehreren hochgerühmten Heiligen und Märtyrern nach ihnen ist wohl der heilige Luzian.

 

Seine Heimat lag im Zweistromland (Mesopotamien) zu Samosata am Euphrat. Seine gründliche Ausbildung in der heiligen Wissenschaft empfing er in der damals nach Alexandrien zweitbedeutendsten Hochschule im nachbarlichen Edessa, namentlich zu den Füßen des gefeierten Lehrers der Heiligen Schriften und der Gottesgelehrsamkeit, des heiligen Makarius. Gleichen Schritt damit hielt sein Fortgang in der christlichen Tugendschule. Noch bevor er seine Heimatstadt verließ, verteilte er sein väterliches Erbgut unter die Armen, um sich dafür das himmlische Erbe einzutauschen. Er fand die kostbare Perle, womit der Heiland einmal den Schatz des Gottesreiches vergleicht (Matthäus 13,45f), ging hin und gab alles weg, um sie zu erwerben.

 

Nach Vollendung seiner Studien siedelte Luzian nach Antiochien über, das eigentliche Feld seiner segensreichen Lebensarbeit. Sein wissenschaftlicher Ruhm fing hier an mit dem des sittenstrengen Aszeten zu wetteifern. Bald fiel des Bischofs Auge auf ihn, der ihn durch die heilige Priesterweihe in seinen Klerus aufnahm.

 

Eine zweifache wissenschaftliche Tat sicherte seinem Namen für immer das Lob der dankbaren Nachwelt. Er wurde zunächst der Begründer einer theologischen Hochschule, der sogenannten antiochenischen Exegetenschule, die an Verdienst und Bedeutung alle übrigen der nächstfolgenden Jahrhunderte überstrahlte. Der gesunde Sinn dieser Schule, welcher der Stifter die Bahnen wies, wusste in der Schrifterklärung zwischen der starren, geisttötenden Buchstabengebundenheit und der über den Wortlaut des Schrifttextes leichtfüßig hinausschweifenden Ungebundenheit (Allegorese) die glückliche Mitte zu halten. In dieser Mitte erwuchs jener fruchtbeladene Baum wahrer Bibelwissenschaft, der bald seine Äste über die ganze Kirche breitete, und dessen segensfülle noch heute die kirchliche Schriftauslegung speist. Aus dieser Schule ging beispielsweise der gefeiertste Verkünder und Erklärer des Gotteswortes im christlichen Altertum hervor, der wort- und geistesgewaltige heilige Chrysostomus, dessen herrliche Lobrede auf unseren Heiligen am 7. Januar 387 noch erhalten ist.

 

Das zweite, mit dem ersten engverbundene Arbeitsverdienst lag in der Verbesserung des bis dahin stark entstellten umlaufenden Bibeltextes. Auch diese schwierige und langwierige Aufgabe löste der Gelehrte mit anerkanntem Geschick und glänzendem Erfolg, indem er den damaligen Text mit alten, guten Handschriften verglich und tunlichst auf den ursprünglichen Wortlaut der Heiligen Schrift zurückführte. Er trug damit zur Behütung des wahren Glaubensgutes und des echten Tugendgoldes in der Heiligen Schrift ein nicht unwichtiges Scherflein bei. Aber auch noch andere Schriften bezeigen seine umfassende und tiefschürfende Gelehrsamkeit. Inmitten dieser heiligen Gottessaat wucherten freilich zunächst gegen Wissen und Willen des Heiligen giftige Keime des Irrtums, aus denen sogar die größte Irrlehre des folgenden Jahrhunderts herauswachsen sollte, die gottlose Irrlehre seines Schülers Arius, der die wahre Gottheit Christi leugnete. Der Widerspruch, in den Luzian durch solche Falschlehren mit der christlichen Überlieferungslehre und dem kirchlichen Lehramt geraten musste, führte zeitweilig sogar zu seinem Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft. Trotz dieser beklagenswerten Tatsachen aber trug die Kirche kein Bedenken, dem irrenden Priester, der schließlich auf Gnadenwegen zur Gemeinschaft der Kirche zurückkehrte, die Ehren des Altares zuzuerkennen.

 

Seinen Gottesglauben und seine Christentugend besiegelte der Heilige mit dem Märtyrium am 7. Januar 312. Schon die grausame Christenverfolgung des Kaisers Diokletian brachte über ihn Leiden schwerer Kerkerhaft. Mehr der Not der Gläubigen in Antiochien als der eigenen gedenkend, suchte er jene durch ein rührendes Trostschreiben aus der dunklen Kerkergruft zu ermutigen. Wenige Jahre später fiel er dem neuen Verfolgungssturm unter Kaiser Maximin zum Opfer. Er wurde von Antiochien nach Nikomedien, der Residenzstadt des Kaisers, geschleppt, woselbst er unmenschlichen Foltern erlag. Berühmt wurde seine Verteidigungsrede, die er hier im Angesicht des Kaisers mit ebenso apostolischem Freimut wie glänzender Beredsamkeit hielt, so dass sie desüberwältigenden Eindruckes auf alle Umstehenden nicht verfehlte. Der Vater der Kirchengeschichte, Eusebius von Cäsarea, hebt denn auch aus der großen Zahl von Blutzeugen gerade sein Märtyrium als besonders herrliches hervor: „Er habe in Gegenwart des Kaisers das himmlische Reich Christi zuerst in Wort und dann durch die Tat verkündet.“ Kaiser Konstantin ehrte den heiligen Märtyrer, indem er über seiner Todesstätte eine neue, nach seiner Mutter (heilige Helena) Helenopolis benannte Stadt erbauen ließ und derselben Steuerfreiheit schenkte (heute Hersek in der Türkei).

 

Das Leben des heiligen Luzian zeigt, wie selbst größte Gelehrsamkeit den Menschen nicht immer vor schwerer Verirrung zu wahren vermag. Höhere Erleuchtung als aus der Wissenschaft wird dem Menschen gerade an wichtigen Scheidewegen und dunklen Lebensstunden aus dem Licht der inneren Gnade zufließen. Gottes Gnade und eigenes Tugendstreben wurden denn auch für den irrenden Priester Luzian das rettende Engelpaar, das ihn wiederum in die kirchliche Glaubensgemeinschaft und schließlich durch Marter und Tod in die selige Gemeinschaft der Heiligen führte.

 

8. Januar

 

Die heilige Gudila (Gudula), Jungfrau und Reklusin bei Brüssel,

+ 8.1.712 – Fest: 8. Januar

 

Zur Zeit, als Sigibert, ein Sohn des Königs Dagobert, auf dem fränkischen Thron saß, lebte zu Brüssel in den Niederlanden ein Graf, Witgerus mit Namen, der samt seiner Gemahlin Amelberga sowohl wegen hoher Geburt und großen Reichtümern, noch mehr aber wegen Frömmigkeit und seltener Tugenden allgemein berühmt war. Gott segnete ihre Ehe mit drei Kindern; nämlich mit einem Sohn, Eniebert, der als Bischof ein heiliges Leben führte, und mit zwei Töchtern, von denen die erstere, Reineldis, als Martyrin starb, und die andere, Gudila, wegen ihres engelreinen Lebens die Zierde der Heiligkeit genannt wurde. Nicht ohne Einwirkung der heiligen Vorsehung geschah es, dass dieses Kind, das später in der Kirche Gottes als ein helles Licht durch seine ausgezeichneten Tugenden leuchtete, bei der Taufe von der heiligen Gertrud, die damals schon im größten Ruf der Heiligkeit stand, auf den Händen gehalten und von ihr zur Gottseligkeit des christlichen Lebens geführt wurde.

 

Nach dem Tod der heiligen Gertrud begab sich Gudila, um getrennt von der Welt, Gott und ihrem Seelenheil desto ungehinderter dienen zu können, auf das zwei Meilen entfernte und ihren Eltern gehörige Landgut Morsellen, wo sich eine Kirche befand, in der sie Tag und Nacht ihren heiligen Betrachtungen und dem Gebet oblag und dabei in einer solchen Armut und Selbstverleugnung lebte, dass sie beinahe ihr ganzes Vermögen zur Unterstützung der Armen und Bedrängten verwendete. Mehrere Geschichtsschreiber des 7. Jahrhunderts erzählen von dieser heiligen Jungfrau unzählige Wunder, die sie in Heilung der Kranken wirkte, und erwähnen der heftigen Versuchungen, die sie vom bösen Geist auszustehen hatte, so zwar, dass sie ununterbrochen zu Gott flehte, sie aus diesem armseligen Leben zu befreien. Ihre Sehnsucht nach dem Himmel wurde erfüllt und sie starb am 8. Januar 712 als ein Muster der Heiligkeit. Ihr Leichnam wurde in der Kirche zu Ham feierlich beerdigt unter dem Wehklagen der Armen und Waisen, die an ihr eine so zärtliche Mutter verloren.

 

Bei ihrem Grab ereigneten sich so viele Wunder, dass die Kirche die vielen Wallfahrer nicht mehr fassen konnte, und man übertrug ihre Reliquien in die Kirche zu St. Salvator in Morselle, wo Kaiser Karl der Große an ihrem Grab selbst seine Andacht verrichtete und durch die auffallenden Wunder, die da geschahen, bewogen, ein Kloster zu stiften, damit zur Verherrlichung der christlichen Religion und zum Seelenheil der Gläubigen Gottes Lob Tag und Nacht verkündigt würde. Durch verheerende Kriege wurde dieses Kloster nebst der Kirche zerstört und der Leib der heiligen Gudila nach Brüssel gebracht, wo er noch heutzutage in einer herrlichen Kirche aufbewahrt wird.

 

Der heilige Severin, Abt und Bekenner von Norikum-Österreich,

+ 8.1.482 - Fest: 8. Januar

 

Am 8. Januar 482 starb irgendwo an der österreichischen Donau der heilige Severin. Er war ein Mann, dessen Leben von Geheimnissen dicht verschleiert ist. Was man aber von dem geheimnisvollen Mann Severin weiß, reicht aus, um ihn als einen großen Menschen und Heiligen zu schildern.

 

Es war um die Zeit, da von Asien her die Hunnen nach dem Westen vorwärts stürmten und die Germanen aus den Wohnsitzen verdrängten und flüchtend vor sich hertrieben. Die Vertriebenen überschritten auf der Flucht an Donau und Rhein die Grenzen des alten großen Römerreiches, das, innerlich geschwächt, dem Untergang geweiht war. Da gab es vor den heranstürmenden Barbarenhorden keine Sicherheit mehr. Wie ein vernichtender Sturm fegten die wilden Völkerschwärme über das Land. Blut floss in Strömen, und in jeder Nacht rötete sich der Himmel im Schein brennender Dörfer und Gehöfte. Hoffnungslosigkeit, Verzagtheit und Verzweiflung bemächtigten sich der Menschen.

 

In dieser Not tauchte plötzlich ein Mönch auf, barfuß und in zerlumpter Kutte. Er war eine hohe, hagere Erscheinung, ein Mann ohne Furcht, der gleich alle Blicke auf sich zog. Von ihm redete man bald im bedrohten Land mit großer Ehrfurcht, von ihm gingen Mut und Kraft auf die bedrängten Menschen aus. Es war Sankt Severin. Niemand wusste, woher er kam, und nie ist etwas über seine Herkunft bekannt geworden. Aber aus der Art, wie er sich gab, war zu schließen, dass fürstliches Blut in seinen Adern floss.

 

Geheimnisvoll war auch Severins Auftreten. Man glaubte, er könne zu gleicher Zeit an verschiedenen Orten sein. Denn stets war er überall dort zur Stelle, wo eine Gefahr drohte. Er ermahnte die Menschen, rief zur Buße, zu Gebet und Besserung auf, beruhigte, tröstete und sorgte ausgiebig und nachdrücklich dafür, dass diejenigen, die noch etwas besaßen, den Besitz mit den Besitzlosen teilten.

 

Niemanden konnte sich den Forderungen des geheimnisvollen Mönchs entziehen. Aber alle fühlten, dass sich von ihm ein Kraftstrom über das Land ergoss. Wunder ereigneten sich, wo er sich aufhielt. Ein Segen von ihm mit dem Kreuzzeichen genügte, um die Donau, die in verheerender Weise über die Ufer getreten war, in das Flussbett zurückzuweisen. Wo anders öffnete ein Toter die Augen und beantwortete alle Fragen des heiligen Severin. Öl vermehrte sich wunderbarerweise, bis der letzte Arme seinen Krug gefüllt hatte. Auch die Augen des fremden Mannes waren so scharf, dass sie in das Dunkel der Zukunft schauen konnten. Weissagungen, die er machte, gingen in Erfüllung.

 

Am geheimnisvollsten war jedoch Severins Eindruck und Einfluss auf die Barbaren. Allein und ohne Waffen ging der mutige Mann ins Lager der Feinde. Er wies sie mit mutigen Worten zurecht, forderte die Gefangenen zurück und verlangte die Einstellung von Brandstiftung und Plünderungen. Bei solchen Gelegenheiten wollten sich die Feinde voll Wut auf ihn stürzen, aber keiner tat es. Und eines Tages gestand einer der heidnischen Anführer, dass er nie so erschüttert gewesen sei wie beim Anblick dieses Mönches.

 

Sonderbar ist bei Severin auch, dass er weder Bischof noch Priester war, aber der Abt von zwei Klöstern, die er gegründet hatte. Alles ist sonderbar in diesem Leben, auch die Tatsache, dass nach dem Tod des Heiligen die Barbaren, die er als einzelner Mann dreißig Jahre lang wie ein schützender Damm aufgehalten hatte, das Land überschwemmten und alles Bestehende vernichteten. Dreihundert Jahre später erst konnte das Christentum in Bayern und in Österreich wieder Fuß fassen.

 

Sankt Severins Andenken ist also von Geheimnissen umrankt wie eine Ruine von wildem Wein. Und doch liegt bei ihm die Lösung aller Rätsel in einem einzigen Wort, und dieses Wort heißt Heiligkeit. Der heilige Mensch regiert seine Zeit. Und nur deshalb siegt vielfach scheinbar das Böse, weil nicht genug Heilige da sind, um dem Bösen zu wehren.

 

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Nach Attilas Tod, 453, zog ein Mann von unbekannter Herkunft als Pilger zwischen Passau und Wien umher, um der dort ansässigen römischen Bevölkerung gegen die andrängenden Germanen zu helfen. Er unterstützte sie nicht nur in ihrem christlichen Glauben, sondern er war auch politisch tätig. Er organisierte den etappenweisen Abzug der Romanen – bedingt durch die zahlreichen Einfälle der germanischen Stämme – von Norikum in den Osten.

 

Mönch und Staatsmann zugleich, gründete er zwei Klöster: Boiotro (Passau-Innstadt) und Favianis (vermutlich Mautern in Niederösterreich). Eigentlich wollte Severin in der Abgeschiedenheit seiner Klöster sein Leben betend und fastend verbringen, aber die damaligen Verhältnisse zwangen ihn, ein Mann der Tat zu werden.

 

Hochgeachtet auch von Germanen, Arianern und Heiden, starb Severin 482 in Favianis.

 

Einige Jahre später nahmen Mönche seinen Leichnam nach Italien mit. Seit 1807 ruht er in der Pfarrkirche zu Fratta Maggiore bei Aversa (nördlich von Neapel).

 

„Die Predigten, welche dieser apostolische Mann an das Volk hielt, brachten die erstaunlichsten Wirkungen hervor. Wer ihn hörte, wurde von lebhaftem Abscheu gegen die Sünde erfüllt und fühlte sich hingezogen, Gott mit größerer Inbrunst zu dienen. Man sah ihn als einen Engel an, den der Himmel in seiner Barmherzigkeit auf die Erde geschickt hatte; und die Ehrfurcht, die man gegen ihn trug, wurde noch erhöht, als man ihn die Kranken heilen, die Gefangenen loskaufen, die Not der Unterdrückten erleichtern, den Armen beistehen, die allgemeinen Plagen abwenden, ihn mit einem Wort den Segen an alle Orte bringen sah, die er mit seiner Gegenwart beehrte. Mehrere Städte begehrten ihn zum Bischof; allein er weigerte sich stets, ihren dringenden Bitten zu willfahren. „Ist es nicht genug“, sagte er ihnen, „dass ich meine geliebte Einsamkeit verlassen habe, um euch zu unterrichten und zu taufen?“

 

Der hohe Ruf der Heiligkeit, in dem er stand, zog viele Menschen zu ihm hin. Könige und Fürsten verschiedener Völkerstämme besuchten ihn. So auch Odoaker (um 430-493), König der Heruler, der beim Anblick der Zelle des Heiligen, die so niedrig war, dass er nicht einmal aufrecht stehen konnte, tief erschüttert wurde. Severin sagte ihm den glücklichen Erfolg seines Feldzugs in Italien und die baldige Eroberung dieses Landes vorher. Odoaker, damals noch ein Jüngling, war in schlechte Kleidung gehüllt; Severin sprach zu ihm: „Gehe hin nach Italien, jetzt noch mit abgenutzten Fellen bekleidet, bald aber imstande, vielen gar viel zu schenken.“ Da diese Weissagung durch die Erfüllung bewahrheitet wurde, schrieb Odoaker dem Diener Gottes einen sehr ehrenvollen Brief, in welchem er versprach, ihm jede Bitte, die er an ihn richten würde, zu gewähren. Severin, dem die Gaben der Gnade genügten, begehrte nichts für sich selbst, sondern bat nur den herulischen Fürsten, einige Landesverwiesene zurückkehren zu lassen.“

 

Als Pilger mit Stab und Buch, oder mit Abtstab, das Kruzifix in der Rechten und dem Volk predigend, wird der Apostel von Norikum dargestellt. Manche Abbildungen zeigen ihn auch, wie er auf einem Grabmal betet.

 

Er ist der Fürsprecher der Leinweber, Winzer und der Gefangenen. Seine Hilfe wird bei Hungersnot erbeten.

 

In den Diözesen Passau, St. Pölten und Wien ist sein Fest am 8. Januar ein gebotener Gedenktag.

 

Der heilige Erhard, Bischof von Regensburg,

+ 8.1.707 ? – Fest: 8. Januar

 

Einer der eifrigsten Glaubensboten in deutschen Landen war im siebten Jahrhundert der heilige Erhard. Wahrscheinlich stammte er aus einer angesehenen Familie Schottlands und zog, wie so viele seiner Landsleute, über das Meer, um den heidnischen Völkern Deutschlands die Segnungen des Christentums zu bringen. Schon als Junge zeichnete er sich durch Lernbegierde und fromme Übungen aus und durch angestrengten Fleiß erwarb er einen reichen Schatz von Kenntnissen und Tugenden. Versuchungen und Prüfungen mancherlei Art blieben auch ihm nicht erspart, aber mit dem Beistand der göttlichen Gnade bezähmte er die Sinnenlust, überwand die Lockungen des Geistes der Finsternis, und verachtete die Reize der Welt.

 

Zum Priester geweiht, verdoppelte Erhard seinen Eifer für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen. Hatte er während des Tages die Unwissenden belehrt, die Sünder mit Gott versöhnt, die Betrübten getröstet, dann warf er sich des Nachts auf seine Knie nieder, um in Gebet und Betrachtung mit Gott zu verkehren und neue Kraft für seinen apostolischen Beruf zu gewinnen. Die Unschuld und Herzensreinheit seiner frühesten Kindheit bewahrte er unverletzt bis zum letzten Lebenshauch. Um dieses unschätzbare Kleinod zu erhalten, empfahl er sich täglich dem Schutz der reinsten Jungfrau Maria, und im heiligen Messopfer legte er seine Seele ganz in die Hände seines Erlösers.

 

Wegen seiner Weisheit und Tugend zur bischöflichen Würde erhoben, arbeitete er mit verdoppeltem Eifer für das Heil der Seelen, stand seinem Bruder Hildulf, Bischof von Trier, würdig zur Seite und wanderte unermüdlich von einem Ort zum andern, um den Samen Gottes in die Herzen zu säen. Er hatte die Freude, eine reiche Frucht aus seiner Saat emporsprossen und gedeihen zu sehen. Sein mildes, eindringliches Wort erweichte die härtesten Herzen, sein erbauliches Beispiel fand Nachahmung. Da er bemerkte, dass das Volk besonders bei häuslichen Unglücksfällen noch häufig zu heidnischem Aberglauben und Zaubereien seine Zuflucht nahm, und bedachte, wie leicht oft den Leuten zu helfen wäre, wenn sie sich zu Gott wenden und die Segnungen der Kirche vertrauensvoll gebrauchen wollten, so gab er ihnen unter vielfachen Belehrungen und Ermahnungen geweihte Sachen, und zog sie damit von den Götzen zu dem allmächtigen Gott. Als sein heiliger Bruder Hildulf starb, richteten sich aller Augen auf Erhard als den würdigsten Nachfolger. Aus Furcht vor dieser Würde entfloh er heimlich aus Trier und begab sich mit seinem anderen Bruder Albert nach Bayern. Unterstützt von den Liebesgaben frommer Seelen gründete er vierzehn Klöster, unter diesen das nachmals berühmte Reichsstift Niedermünster zu Regensburg, wo er sich nach dem Tod Emmerams niederließ und das bischöfliche Amt verwaltete. Von Regensburg aus wirkte er unablässig in seinem apostolischen Amt, führte durch heilsame Belehrungen, durch sein aufmunterndes Beispiel und viele Wunder die Verirrten auf den rechten Weg, stärkte die Schwachen, belehrte die Unwissenden mit Geduld und Liebe und lieferte eine reiche Ernte für die Scheuer Gottes.

 

Einst erhielt Erhard in einem Gesicht die göttliche Weisung, sich zum Kloster Palma im Elsass zu begeben, um dort ein von Geburt an blindes Mädchen zu taufen und ihm das Licht der Augen wiederzugeben. Dieses Kind war die Tochter des elsässischen Herzogs Eticho und seiner Gemahlin Bereswinda und kam blind zur Welt. Der erzürnte Vater befahl, das Kind aus der Welt zu schaffen. Allein die fromme Mutter ließ ihr zärtlich geliebtes Kind durch eine treue Magd heimlich aus dem Schloss schaffen und aufs sorgfältigste verpflegen. Da sie aber immer noch fürchtete, es möge der Aufenthaltsort ihres Kindes ihrem jähzornigen Gemahl bekannt werden, ließ sie es zu einer guten Freundin, der Äbtissin im Kloster Palma, bringen. Unaufhörlich betete die fromme Mutter für ihr Kind und fand Erhörung. Eines Tages klopfte der Bischof Erhard an die Klosterpforte, unterrichtete die bereits zwölfjährige Herzogstochter sorgfältig in der christlichen Religion, erteilte ihr dann feierlich die heilige Taufe und gab ihr den Namen Othilia. In demselben Augenblick, wo Othilia mit dem Taufwasser begossen wurde, erhielt sie das Licht ihrer Augen wieder. Alle Umstehenden staunten und lobten Gottes Allmacht und Güte. Voll Dank weihte sich Othilia ganz dem Dienst Gottes, nahm auf den Rat des heiligen Bischofs den Schleier und stiftete das Kloster Hohenburg, dessen erste Äbtissin sie wurde. Sie lebte und starb als Heilige.

 

Der heilige Bischof Erhard kehrte nach Regensburg zurück, wo er nach einigen Jahren seinen ruhmreichen Lauf glücklich vollendete am 8. Januar um das Jahr 700. Sein Leib ruht in der Nonnenkirche Niedermünster zu Regensburg. Papst Leo IX. nahm ihn im Jahr 1052 in die Zahl der Heiligen auf. Bei Gelegenheit des elfhundertjährigen Jubiläums des Bistums Regensburg im Jahr 1840 wurden die Reliquien des heiligen Erhard feierlich erhoben und mit denen der Diözesanpatronen Wolfgang und Emmeram in feierlicher Prozession durch die Stadt getragen und nach beendigten Jubiläum im St. Erhardi-Altar zu Neumünster wieder beigesetzt. Die Bewohner der Stadt und des Bistums verehren noch heute dankbar ihren hochverdienten Bischof Erhard.

 

Der heilige Lucian, Priester und Martyrer von Beauvais, Frankreich,

+ 81-96 – Fest: 8. Januar

 

Der heilige Lucian war von Geburt ein Römer und wie einige Schriftsteller behaupten, ein Sohn des römischen Bürgermeisters Lucius. So viel ist gewiss, dass er vorher Lucius geheißen hat und erst bei seiner Taufe Lucian genannt wurde. Er war ein Jünger des heiligen Petrus und erhielt vom heiligen Papst Clemens den Auftrag, in Begleitung des heiligen Dionisius den heidnischen Galliern das Evangelium zu predigen. Auf seiner Reise dahin verkündete er allenthalben Jesus den Gekreuzigten und wurde schließlich zu Parma in Italien von den Götzendienern in das Gefängnis geworfen, aus dem ihn aber die Christen zur Nachtzeit wieder befreiten. Da er, um das Reich Gottes unter den Menschen auszubreiten, keine Gefahr achtete, predigte er neuerdings zu Pavia das Evangelium, bekehrte eine Menge Heiden zum Glauben an Jesus und schiffte sich schließlich nach Arles ein, von wo er nach Beauvais kam und diese Stadt zu seinem beständigen Aufenthalt wählte. Hier arbeitete er unermüdlich an der Bekehrung der heidnischen Gallier, wahrscheinlich als Bischof, unterstützt von dem Priester Maximian und dem Diakon Julian.

 

Durch den Eifer dieser heiligen Männer waren schon dreißigtausend Seelen für die Wahrheit des Christentums gewonnen, als sich unter der Regierung des Kaisers Domitian die zweite Christenverfolgung erhob und der heidnische Statthalter Fescenius Sisinius nach Gallien kam, der die Bekenner der christlichen Religion allenthalben aufsuchen und unter den heftigsten Martern töten ließ. Während dieser Verfolgung erhielten nicht nur die Gehilfen des heiligen Lucian, Maximian und Julian die Marterkrone, sondern auch er, der die Gläubigen öffentlich zur Beständigkeit ermahnte, wurde vor Gericht geschleppt, wo man ihm die Wahl ließ, entweder den Göttern zu opfern, oder eines gewaltsamen Todes zu sterben. Freudig bekannte der Heilige Jesus, als den wahren Gott und Erlöser der gefallenen Menschheit und hielt auch an die anwesenden Heiden eine eindringliche Predigt über die Torheit des Götzendienstes, wodurch er den Statthalter in eine solche Wut brachte, dass er ihn zuvor mit Peitschen den ganzen Körper zerfleischen und schließlich enthaupten ließ. Der Heldenmut des heiligen Martyrers während seines schrecklichen Leidens machte einen so starken Eindruck auf die Gemüter der Anwesenden, dass auf der Stelle ungefähr 500 Heiden das Christentum annahmen. In der Folge erbauten die Christen über das Grab des heiligen Lucian eine prächtige Kirche, in der sie auch die Reliquien seiner heiligen Gefährten beisetzten.

 

Der heilige Laurentius Justiniani, 1. Patriarch von Venedig,

+ 8.1.1455 - Fest: 8. Januar

 

Laurentius, der dem reichen Haus der Justiniani zu Venedig entstammte und im Jahr 1381 geboren wurde, war ein stiller und ernster Junge.

 

War denn Laurentius krank oder körperbehindert, dass er so still und ernst war? Nein, er war weder krank noch behindert, und ein Duckmäuser war er auch nicht; aber mit fünf Jahren verlor er den Vater durch den Tod, und die Mutter legte vom Sterbetag des Gatten bis an ihr Lebensende die schwarzen Trauerkleider nicht mehr ab. So kam es, dass Laurentius ein stiller und ernster Junge war, anders geartet als es die Jungen sonst sind. Der junge Justiniani war eher in einer Kirche beim Gebet als auf der Straße beim Spiel anzutreffen. Früh lernte er von der gutherzigen Mutter auch die Wege des Wohltuns.

 

Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass der Neunzehnjährige den Reichtum des elterlichen Hauses verließ, um arm, vergessen und weltverloren im Sankt-Georgs-Kloster auf der Insel Alga bei Venedig Gott zu dienen, und weil Laurentius nie im Leben ein Stümper war und das, was er tat, nicht halb, sondern stets ganz tat, war er unter den Mitbrüdern bald der eifrigste und beste, dem man mit fünfundzwanzig Jahren die Leitung des Klosters und später auch die des gesamten Ordens übertrug.

 

Höher noch stieg der heiligmäßige Ordensmann, als ihn der Papst zum Bischof und Patriarchen seiner Vaterstadt Venedig ernannte. Auf Seitenwegen hielt der neue Oberhirte ohne Prunk und Pracht seinen Einzug in die bischöfliche Residenz, und als man ihn darauf aufmerksam machte, dass er als Bischof der reichen Handelsstadt ein fürstliches Haus führen müsse, gab er die bezeichnende Antwort, es seien der Armen, für die er als Bischof zu sorgen habe, so viele, dass sich von seinen Einkünften auch nicht ein roter Heller erübrige, um Aufwand zu treiben.

 

In der Folgezeit war Laurentius Justiniani vor allem und zuerst ein Apostel der christlichen Caritas, der nicht nur persönlich Geld, Nahrungsmittel, Kleider, Wäsche und Möbel reichlich verschenkte, sondern auch, über die Stadt Venedig zerstreut, Caritasstellen einrichtete. Dabei war der Patriarch von Venedig ein prächtiger Mann, der klug und tatkräftig über zwanzig Jahre lang als „der gute und getreue Knecht“, wie es von ihm im Tagesevangelium rühmend heißt, sein Bistum verwaltete, bis er im Alter von vierundsiebzig Jahren am 8. Januar 1455 im Herrn entschlief.

 

Schön war das Sterben des ausgezeichneten Mannes, denn als man ihn in der letzten Not, da es mit ihm zu Ende ging, von der harten Pritsche nehmen und weicher betten wollte, schüttelte er den Kopf und wehrte sich dagegen, indem er sagte: „Der Heiland ist nicht auf Federn, sondern auf hartem Holz gestorben. Lasst auch mich so sterben!“

 

Zu teilen war nach des Bischofs Tod nichts, weil er elbst zu Lebzeiten schon alles verteilt hatte, damit auch nicht ein Pfennig den wirklichen Erben, den Armen, vorenthalten blieb. Es war noch immer so, dass, wenn ein Heiliger stirbt, keine Erbschaft vorhanden ist. Der heilige Laurentius Justiniani macht darin ebensowenig eine Ausnahme wie sein späterer Nachfolger auf dem Bischofsstuhl zu Venedig, der heilige Pius X., der, obwohl er Papst war, nicht so viel zurückließ, dass seine hinterbliebenen Schwestern davon leben konnten. Heilige schenken immer alles den Armen.

 

9. Januar

 

Der heilige Martyrer Julian, Martyrer von Antiochia,

+ 9.1.311,

und seine Gattin Basilissa, Martyrin von Antiochia,

+ 9.1.311 - Fest: 9. Januar

 

Nach ihrer legendären Lebens- und Leidensgeschichte führten Julian und seine Frau Basilissa eine jungfräuliche Ehe. Julian starb unter Diokletian und Maximian zu Antiochia in Syrien. Er wurde 303 oder 313 nach langen Qualen mit dem Schwert enthauptet.

 

Der Name seiner Gattin wurde in der Schreibform Wassilissa zu einem der beliebtesten russischen Mädchennamen.

 

„Julian, zu Antinous in Ägypten geboren, war der einzige Sohn adeliger und reicher Eltern, die dem talentvollen Jungen eine sehr sorgfältige Erziehung in der Religion und in der Wissenschaft gaben. Zur hoffnungsreichen Blüte entfaltete sich Geist und Gemüt des frommen Jünglings, und die Eltern drängten ihn mit liebenswürdigem Ungestüm, sich eine Lebensgefährtin zu wählen, damit ihr Familienstamm nicht aussterbe.

 

Julian, der sich schon zur immerwährenden Keuschheit entschlossen hatte und doch auch die geliebten Eltern nicht betrüben wollte, flehte inständig zu Gott um Rat und Hilfe. Da offenbarte ihm Jesus in einer Erscheinung: „Gehorche deinen Eltern, handle männlich, dein Herz wird begnadigt sein.“ Wunderbar getröstet verlobte er sich mit der nach Körper und Geist ihm ebenbürtigen Jungfrau Basilissa. Am Vermählungstag unter dem Spiel der Musik und dem Jubel der Gäste war dem Bräutigam bang und weh ums Herz, in leisen Seufzern bestürmte er den Himmel um Rettung seiner Keuschheit. Als die Neuvermählten nach Beendigung des Festes ins Brautgemach traten, und zum gemeinsamen Gebet niederknieten, wehte sie ein wundersamer Duft von Lilien und Rosen an. Erstaunt fragte Basilissa, woher dieser Wohlgeruch käme. Julian nahm zärtlich ihre Hand in die seine und sprach: „Meine Teure, diese süßen Blumendüfte sind der Wohlgeruch der jungfräulichen Reinheit und ein Vorgeschmack der ewigen Freuden, die Gott denen bereitet, welche hienieden jungfräulich leben; o möchtest du dich doch entschließen, in mir nur deinen Bruder zu lieben!“ Basilissa, der eine Träne über die rotglühende Wange perlte, küsste ehrerbietig seine Stirn und gelobte, ihm eine treue Schwester zu sein. Sie lebten nun wie Joseph und Maria und heiligten ihre Tage durch frommes Gebet und gute Werke.

 

Nicht lange nach dem Tod ihrer Eltern, die ihnen ein sehr reiches Erbe hinterließen, verkündete Kaiser Diokletian das Gesetz, dass das Christentum in seinem Reich unter Todesstrafe verboten sei, und strengte seine Macht in allen Provinzen an, den Glauben an Christus gänzlich zu vertilgen. Seine furchtbaren Gewalttaten verbreiteten unter den Christen Angst und Bestürzung: sie zerstreuten sich und irrten umher, von Mühsalen und Leiden niedergebeugt. In diesen Tagen der Not erprobte sich Julians und Basilissas Frömmigkeit als echtes funkelndes Gold. Sie öffnete ihr Haus und ihre Vorräte den Trost- und Hilfebedürftigen, und litten gerne selbst Mangel, um desto reichlicher geben zu können; sie teilten sich in die ruhelose Arbeit dieser Verpflegung. Julian besorgte die jungen und älteren Männer, betete mit ihnen, unterrichtete sie in den Lehren des Evangeliums und stärkte ihren Glaubensmut bis zur Bereitwilligkeit, für Jesus den Martertod zu sterben; Basilissa tat dasselbe bei den Frauen. In kurzer Zeit gestaltete sich dieses gastfreundliche Zusammenleben wie von selbst zu zwei klösterlichen Vereinen, deren Seele, Lehrer und Führer Julian und Basilissa waren. Inzwischen kam als kaiserlicher Statthalter nach Ägypten Marcian, ein blutdürstiger Christenhasser, und mit ihm die von vielen nicht gewünschte Gelegenheit, ihren Glauben an Christus offen vor dem Richter zu bekennen und ihr Bekenntnis mit einem qualvollen Tod zu büßen.

 

Basilissa, gar mütterlich um ihre geistlichen Töchter bekümmert, kniete Tag und Nacht mit ihnen vor dem Altar im Gebet: „Nimm, o Jesus, deine Bräute aus den Gefahren dieses Jammertales zu Dir und lass sie nicht in die Hände deiner Feinde fallen!“ Wunderbar erhörte der göttliche Bräutigam ihr Flehen, Noch ehe die Heiden ihr Kloster angriffen, führte ein ansteckendes Fieber die noch jugendliche Basilissa mit ihren frommen Genossinnen hinüber zum ewigseligen Hochzeitsfest.

 

Unter den ersten, welche Marcian aufforderte, dem kaiserlichen Gesetz gemäß den Göttern zu opfern, war Julian und seine Genossenschaft. Er erwiderte: „Ich ehre den Kaiser als die von Gott gesetzte Obrigkeit, aber seinen Befehlen, wenn sie den Geboten Gottes widersprechen, gehorche ich nicht, und darum werden ich und meine Brüder nicht opfern.“ Marcian ließ das Kloster anzünden und mit sämtlichen Bewohnern verbrennen, den Julian aber an vier Pfählen ausspannen und furchtbar mit Prügeln schlagen. Dabei wurde einem Schergen, den der Statthalter besonders lieb hatte, zufällig ein Auge ausgeschlagen. Als Marcian hierüber sehr betrübt in grimmige Verwünschungen ausbrach, rief ihm Julian zu: „Wie magst du dich so sehr darüber erzürnen! Befiehl deinen Götzenpriestern, dass sie die Götter um Hilfe anflehen und deinen Freund heilen; wenn sie nichts ausrichten, so will ich meinen Gott bitten, dass er dem Verunglückten nicht nur das Licht des Auges, sondern auch das viel kostbarere Licht des Geistes gebe.“ Marcian nahm den Vorschlag an. Die Götzenpriester flehten mit Opfer und Gebet die Hilfe der Götter an; aber statt zu helfen, fielen die Götterbilder plötzlich von den Altären und zerbrachen in Stücke. Nun machte Julian das heilige Kreuz über das Auge des Verwundeten unter Anrufung des heiligen Namens Jesus. Sogleich erfreute dieser sich wieder des Augenlichtes und jubelte: „Der Gott der Christen ist der allein wahre und mächtige, ihm allein gebührt Anbetung, alle anderen Götter sind nur Lug und Trug!“ Wutentbrannt ließ Marcian den geheilten Freund – jetzt dankbaren Bekenner Christi – nicht ausreden, mit dem eigenen Schwert ermordete er ihn. Julian aber befahl er durch die Straßen der Stadt zu führen und auf den öffentlichen Plätzen erbarmungslos zu martern, um so die Christen zu entmutigen. Allein das Gegenteil geschah. Der Anblick der entsetzlichen Leiden, die Julian nur mit göttlicher Hilfe überleben konnte, und des Wunders, durch das Julian eine ihm vorgelegte Leiche zum Leben erweckte, bewirkte, dass viele Heiden sich zum Glauben an Christus bekannten. Marcian, einen Aufruhr befürchtend, wenn er die Peinigung des Julian weiter fortsetzen würde, befahl in ratlosem Ingrimm, ihn mit mehreren Christen zu enthaupten. Er selbst wurde wahnsinnig und bei lebendigem Leib von Würmern zernagt.

 

Die heilige Marciana,

Jungfrau und Martyrin von Cäsarea in Mauretanien,

+ 9.1.307 ? – Fest: 9. Januar

 

Die heilige Marciana wurde zu Cäsarea in Mauretanien aus einer adeligen Familie geboren und hatte sich schon in ihrer Kindheit der Tugend und dem Dienst Gottes geweiht. Da sie zur Jungfrau herangewachsen war und ihre Schönheit sie heftigen Versuchungen aussetzte, verließ sie die Stadt und lebte in der Einsamkeit nach Art der Einsiedler, indem sie von allem Irdischen entfernt, sich bloß mit dem Gebet und himmlischen Betrachtungen beschäftigte. Damals, es war im Jahr 302, verfolgte Diokletian die christliche Religion mit Feuer und Schwert und überall wurden die Bildnisse der Götter öffentlich ausgestellt mit dem Befehl, dass alles Volk bei Verlust des Lebens ihnen seine Verehrung bezeugen und ihnen Opfer bringen sollte. Während dieser für die Kirche Jesu so unglücklichen Zeit, wo so viele ihrer Bekenner aus Furcht eines gewaltsamen Todes abfielen, verließ Marciana ihre Einöde und kam nach Cäsarea, wo sie mit Schrecken und Abscheu die Bildsäule der Göttin Diana und um sie herum eine große Menge Volkes erblickte, das soeben Opfer brachte. Von heiligem Eifer begeistert, riss die christliche Jungfrau die Säule zu Boden und zertrat das Bild der Göttin mit Füssen. Über dieses heldenmütige Unternehmen gerieten die Heiden in Wut. Sie misshandelten die Bekennerin und halbtot schleppten sie sie vor den Richter, der ihr das schändliche Urteil sprach, dass sie den Soldaten zur Befriedigung der unreinen Lust solle ausgeliefert werden.

 

Drei volle Tage und Nächte lang war Marciana den Angriffen ausgearteter Kriegsknechte preisgegeben, und Gott der Allmächtige stärkte sie während dieses schrecklichen Kampfes mit einem solchen Mut, dass ihre Keuschheit unversehrt blieb. Als dem Richter dieses Wunder hinterbracht wurde, schwur er bei den Göttern, dass er den Schimpf, den diese Christin gegen sie verübt hatte, fürchterlich rächen wolle, und er verdammte sie zu den wilden Tieren. Sogleich wurde sie einem der wildesten Löwen vorgeworfen, der aber beim Anblick der Heiligen alle Wildheit ablegte, zu ihren Füßen sich legte und zur Verwunderung aller Zuschauer ihre Hände leckte. Gerührt durch dieses Wunder, verlangte das Volk die Freilassung der heiligen Jungfrau. Aber Burdarius, der Vorsteher der Juden-Synagoge, gab aus Hass gegen die Christin dem beschämten Richter den Rat, auf sie einen wilden Stier loszulassen, der nicht so schonend gegen die Martyrin sein würde. Sein Rat wurde befolgt und der Stier, begleitet von einem Leoparden, einem der blutdurstigsten Tiere, zerrissen in einem Augenblick die Heilige. Zur gleichen Zeit fiel ein Blitz vom Himmel auf das Haus des Juden Burdarius; es stürzte zusammen und erschlug seine Frau und Kinder. Er selbst starb bald darauf in voller Verzweiflung.

 

Der heilige Marcellinus, Bischof und Bekenner von Ancona, Italien,

+ 9.1.555 – Fest: 9. Januar

 

Marcellinus führte von frühester Jugend an ein stilles, heiliges Leben und verachtete irdisches Ansehen und Reichtümer. Sein einziges Verlangen war auf Gott gerichtet und sein rastloses Streben nach Vollkommenheit und Gottseligkeit eines christlichen Lebens. Wegen seiner hohen Tugenden wurde er zum Bischof von Ancona gewählt. In dieser Würde entsprach er vollkommen den Erwartungen, die man sich von ihm gemacht hatte. Mit einem brennenden Eifer verwaltete er das heilige Amt und war in Wort und Wandel, im Glauben und in der Liebe ein aneiferndes Vorbild für seine Gläubigen. In seinem Greisenalter litt er heftige Schmerzen an seinen Füßen, die schließlich seine Glieder ganz lähmten, und zwar so, dass er sich überall, wo er Geschäfte hatte, musste hintragen lassen.

 

Noch im Leben verherrlichte Gott seine Heiligkeit mit der Wundergabe, wie der heilige Gregor erzählt; denn als eines Tages in Ankona eine verheerende Feuersbrunst wütete und ihrer nicht mehr Einhalt getan werden konnte, ließ sich der heilige Oberhirt in der Gegend hintragen, wo es brannte, und auf der Stelle unterdrückte er durch sein Gebet die Flammen. Viele Jahre danach wurde in Ankona noch das Buch gezeigt, in dem er zu beten pflegte und das bei jener Feuersbrunst selbst angebrannt wurde. Bei seinem Grab, in dem er in der Kirche des heiligen Cyriacus beerdigt wurde, geschahen viele Wunder; besonders erhielten auf seine Fürbitte mehrere Blinde ihr Gesicht.

 

Die gottselige Pauline Maria Jaricot,

Stifterin des Vereins zur Verbreitung des Glaubens

und des Lebendigen Rosenkranzes in Lyon, Frankreich,

+ 9.1.1862 – Fest: 9. Januar

 

Pauline Jaricot ist eine jener auserwählten Seelen, die Gott in Frankreich zu einer Zeit berufen hat, wo die Mächtigen und Klugen in den Abgrund der Revolution versanken, um inmitten der Ruinen die Grundlage einer neuen christlichen Gesellschaft zu legen. Die Nächstenliebe, verbunden mit wirklicher Selbstaufopferung, ist diese Grundlage. Sie wird auch zum Neubau unseres zerrütteten deutschen Vaterlandes als sicheres Fundament sich bewähren.

 

Die „Märtyrerstadt“ Lyon barg die Wiege der Pauline Jaricot, die am 22. Juli 1799 einem frommen Kaufmannspaar geboren wurde. Das Kind entsprach der guten Erziehung der Eltern. „Liebe Mama“, seufzte es einmal mit bewegter Stimme, „ich hätte gern einen „Goldbrunnen“, um jedem Elend abzuhelfen, damit es keine Armen mehr gebe und damit niemand mehr weine“. Gerührt nahm die Mutter ihr erst sechsjähriges Töchterchen in die Arme, und was sie ihm zuflüsterte, wurde für Pauline einst selber Licht und Trost, als auch über sie schlimme Tage hereinbrachen: „Gewiss, wir würden uns überaus glücklich schätzen, wenn wir allen Notleidenden ungezählt geben könnten. Doch würde uns es nicht gelingen, dadurch alle Tränen zu trocknen, weil es eben Tränen gibt, die kein Gold zurückdrängen kann. Aber tröste dich: wenn du den lieben Gott recht gerne hast, so wirst du in deiner Seele Reichtum genug finden zur Linderung aller Schmerzen.“ Unverwandten Auges hatte das Kind der Mutter zugehört. Nun einen Kuss ihr auf die Wange drückend, lispelte es bewegt: „Nun denn, liebe Mutter, begehre vom lieben Gott, dass ich ihn gerne habe, damit ich alle Unglücklichen trösten kann.“

 

Und Pauline hatte Gott gerne. Das göttliche Herz Jesu im Tabernakel zog sie mit sanfter Gewalt an sich. Heilige Opferliebe zum Nächsten, besonders zu den armen Arbeitern, beseelte sie zugleich. Aber auch die Weltliebe pochte eindringlich an ihr Herz. Eitelkeit, Gefallsucht und die Anknüpfung einer weltlichen Verbindung nahm sie ganz ein. Es war ein langer Kampf zwischen Gnade und Welt, ein jahrelanger Seelenkampf, in dem die Gnade nur an der heiligmäßigen Mutter der Kämpferin, die Welt aber an den hohen Geistesanlagen, der Anmut und dem Reichtum Paulinens Helferinnen hatte. „Gott war mir Bedürfnis, ein unermessliches Bedürfnis“, so gestand sie. „Durch den Reiz seiner Verwundungen zog er mich zu sich heran und sagte mir, dass alles außer ihm Bitterkeit für mich wäre. Und dennoch ergab ich mich nicht! Mein Herz behielt seine Ketten und zog die Qualen der Knechtschaft dem dargebotenen Frieden vor.“ Wenn sich aber Pauline auch von den Lockungen der Eitelkeit und der menschlichen Liebe einnehmen ließ, so hielt sie sich doch von jeder Makel frei, gleich jenen Wasserblumen, die, wenn sie vom Strom fortgerissen werden, doch ihre weißen Kronen hochhalten und dem Himmel zuwenden. Zu alledem erkrankte Pauline an einem schweren Nervenleiden, so dass ihr alle Glieder den Dienst versagten und sie in allem von ihren Wärterinnen abhängig war. Auch die Mutter wurde schwer krank und starb als Opfer für ihr Kind.

 

Der himmlische Arzt wachte über diesem Kind der Auserwählung. Ein einziger Besuch von ihm, die heilige Kommunion, die Pauline nur auf strengen Befehl ihres Seelsorgers zu empfangen wagte, wobei sie aber aus innerster Seelenangst flehte, wurde ihr das einzig zuträgliche Heilmittel. „Etwas Unaussprechliches ging in mir vor“, gestand sie. Von Stund an konnte die Zunge wieder die Gedanken verständlich ausdrücken, die Glieder wurden lenksamer, die Nervenzuckungen hörten auf. Und doch, ihr Herz widerstand noch weiter dem Ruf der Gnade, bis auch der Seele die Stunde der Genesung schlug. Die Predigt eines heiligmäßigen Priesters, auf den Pauline aufmerksam gemacht wurde, ergriff sie tief. Kurz entschlossen fragte sie ihn hernach , worin die sündhafte Eitelkeit bestehe. Da er ihr die Herzensunschuld aus den Augen leuchten sah, gab er die entschiedene Erklärung: „Für die meisten Frauen besteht diese Eitelkeit darin, dass sie sich aufputzen, um die Blicke auf sich zu lenken und ein Abgott der Geschöpfe zu werden. Für andere beruht sie ganz allein schon in der Liebe dessen, was das Herz gefesselt hält, während Gott es zu höheren Bahnen ruft.“ Ein offenes Bekenntnis der führerlosen Seele im Bußgericht vollendete ihre „Bekehrung“.

 

Diese war eine vollständige, unwiderrufliche. Die bisher so zierlich gekleidete Pauline Jaricot ging jetzt in ärmlichem Gewand, das den Spott der Welt herausforderte, übernahm im Spital die widerlichsten Dienste für die Kranken, legte sich für die Kümmernisse, die sie ihrer frommen Mutter bereitet hatte, eine lange und ihre allzu große Empfindlichkeit überwindende Buße auf und begann überhaupt, im Verein mit armen Arbeiterinnen, eine werktätige Abbitte als Versöhnerinnen des verkannten und verachteten Herzens Jesu. Ein wahres apostolisches Leben, voll strenger Selbstheiligung und angefüllt von den ausgedehntesten Liebeswerken, ein Leben des Seeleneifers, dessen Wohltaten unberechenbar waren, war nun die Aufgabe und das Glück der gottbegnadeten Jungfrau. Dabei waren bei solch heroischer Überwindung schwere Anfechtungen und Leiden nicht verwunderlich. Da war dann der eucharistische Tabor der sichere Zufluchtsort ihrer Seele. Wie durch einen durchsichtigen Schleier nahm dort ihr fester Glaube denjenigen lebendig wahr, dessen Schönheit die ewige Freude der Heiligen ausmacht. Daher ihre raschen Fortschritte, ihre vollkommene Liebe zu Gott.

 

Ein heiliges Feuer trieb Pauline Jaricot für Gott und die heilige Kirche zu arbeiten. Angeregt und begeistert von ihrem Bruder Phileas für das Wohl der Missionen, sann sie eifrig nach einem Mittel, den Missionaren möglichst reichliche Mittel zukommen zu lassen. Da kam ihr eines Abends der Gedanke, wie leicht es wäre, dass jede ihrer Freundinnen unter den armen Arbeiterinnen zehn Genossinnen finden könnte, die für die Verbreitung des Glaubens wöchentlich einen Sou (vier Pfennig) geben würden. Zehn solcher Zehnergruppen (Dekaden) sollte eine Zenturie oder Hundertergruppe bilden, deren Vorsteher die gesammelten Beiträge von den Vorstehern der Zehnergruppen in Empfang nehmen würde. Ein Hauptvorsteher liefert das Sammelergebnis von zehn Zenturienvorstehern an die Zentralkasse ab.

 

Dieser Plan fand gleich anfangs neben ermunternder Zustimmung auch Ablehnung, bis ein Generalvikar von Lyon und hernach auch Pius VII. „den von Gott kommenden Plan“ in seinem ganzen Umfang billigte und der demütigen und gehorsamen Jungfrau, die so Großes zustande gebracht hatte, seinen zärtlichsten Vatersegen gab.

 

Drei Jahre trug Pauline allein die Lasten der Organisation dieses Werkes. „Pauline Maria Jaricot“, sagte später Leo XIII. im Breve vom 13. Juni 1881, „hat den Plan des sogenannten Werkes der Verbreitung des Glaubens entworfen und zur Ausführung gebracht. Es ist dies jene erstaunliche Geldsammlung, die aus dem wöchentlichen Beitrag der Gläubigen bestehend und von den Bischöfen und dem Heiligen Stuhl mit Lobeserhebungen überhäuft, den katholischen Missionen so reichliche Hilfsmittel zuführt.“ Da fand am 3. Mai 1822 in Lyon eine Versammlung von Missionsfreunden statt. Sie nahm den Plan Paulines auf, beschloss seine Ausdehnung auf alle Missionen, entwarf feste Satzungen und übertrug die Verwaltung des Werkes einem Zentralausschuss. An Pauline Jaricot stellte man aber das Ansinnen, ihr Vereinswerk an die neue Organisation abzutreten. Sie war demütig und großherzig genug, es zu tun, in der Überzeugung, dass ihr Werk in der Hand angesehener Männer rascher sich entwickeln würde als unter der Leitung eines jungen Mädchens. Daher kam es aber dann, dass ihre Verdienste in Vergessenheit gerieten und sie später vom Verwaltungsrat nicht mehr als Stifterin des Vereinswerkes anerkannt wurde.

 

Ein zweites Mal bediente sich Gott ihrer schwachen Hand, um Großes zu vollbringen. Tief bewegten die edle Seele die vielen sittlichen Schäden der Gesellschaft, der allgemeine Leichtsinn des Volkes und die geringe Gebetslust. Von 1826 an verließ Pauline fast gar nicht mehr den Tabernakel. Da sie von den wunderbaren Wirkungen des Rosenkranzgebetes hörte, so nahm sie den Gedanken auf, dieses Gebet so zu organisieren, dass immer fünfzehn Teilnehmer je ein bestimmtes Gesätz täglich beten, miteinander also den ganzen Rosenkranz täglich fertig bringen. Diese Übung wurde allmählich unter dem Namen „Lebendiger Rosenkranz“ von der ganzen Welt angenommen, wenngleich auch der böse Feind sich alle Mühe gab, sie in ihrem Entstehen zu unterdrücken. Auf Vermittlung und unter dem Schutz des Kardinals Lambruschini, der Pauline zeitlebens sehr gewogen war, gab auch der Heilige Vater seinen Segen und 1836 ließ der Ordensgeneral der Dominikaner allen Vereinsgenossen des Lebendigen Rosenkranzes die geistlichen Vorteile seines Ordens zuteilwerden.

 

Die Leitung dieses Vereins war Paulines hauptsächliche Aufgabe. Mündlich und schriftlich gingen immer wieder ihre Aufmunterungen hinaus an die zahlreichen Vereinsförderer. In ihr „Loretto“ auf dem berühmten Fourviére-Hügel von Lyon, wo sie mit einigen gleichgesinnten Jungfrauen, der „Gesellschaft Mariä“, beisammen wohnte, kamen Bischöfe, Ordensleute, Missionare, Rat- und Hilfesuchende aller Art. Sie hatten alle Anlass, die Freigebigkeit und Liebenswürdigkeit der geistvollen, seelenkundigen und bisweilen prophetischen Pauline Jaricot zu preisen.

 

Doch diese für Gottes Reich und des Nächsten Wohl so rastlos tätige Jungfrau wollte Gott auch noch in die Feuerglut der Leiden nehmen, um das Gold der Heiligkeit, das in dieser armen, zuletzt bitter armen und verlassenen Dulderin verborgen war, klar und rein herauszuschmelzen. Schon in dem Revolutionssturm 1834, wo die Kugeln der Aufständischen und der Verteidigungstruppen sich über dem Besitztum Paulines trafen, litt die noch dazu schwer erkrankte Dienerin des Herrn Unsägliches.

 

Ihr Herzleiden war damals nach dem Urteil der Ärzte hoffnungslos. Da entschloss sich die glaubensstarke Jungfrau zu einer Reise zum Grab der heiligen Philomena in Mugnano in Süditalien, wo damals viel Wunderbares sich ereignete. Schier leblos kam sie mit dem Wagen in Rom an. Zweimal empfing sie dort den Besuch des Vaters der Christenheit, Gregors XVI., der ihr in eigener Person für die zwei großen Vereinswerke dankte, wodurch sie sich um die Kirche wohl verdient gemacht hatte. In Mugnano aber fand die schwer Leidende zum Fest der heiligen Philomena, am 10. August 1835, die Gesundheit wieder. Das Wunderbare dieses Ereignisses ist über alle Zweifel sicher gestellt.

 

Ein anderes Leiden sollte die gottselige Pauline zur Märtyrin machen. Von klarem Blick getragen für die sozialen Übel der Zeit, die sich erst in unseren unglücklichen Tagen vollends auswirkten, wollte sie eine christliche Arbeiterkolonie schaffen, die vollen Anteil am Ertrag der Arbeit haben sollte. Hierzu kaufte sie ein großes Hüttenwerk an. Alle Bedingungen eines guten Gedeihens schienen gegeben. Aber der Leiter und Vertreter Paulines war ein treuloser Verräter und Schwindler, der die Gelder für sich verwendete. Nicht nur war das eigene große Vermögen verloren, auch viele andere, darunter arme Arbeiter, die ihre Ersparnisse in dem neuen Werk angelegt hatten, kamen zu Schaden. Darunter litt Pauline unvorstellbar, vierzehn Jahre lang hindurch. Nichts konnte den Ruin aufhalten, keine noch so schweren, verdemütigenden Bittgänge, keine hilfsbereiten Rettungsversuche angesehener Freunde. Sie konnten kaum die Zinsen decken. Auf das Zeugnis des Kardinals Villecourt, der Pauline von Jugend auf kannte und hochschätzte, erklärte sogar Papst Pius IX., es sei eine Gerechtigkeitspflicht des Vereins der Glaubensverbreitung, für das neue, bedrohte Liebeswerk seiner Gründerin einzutreten. Der Verwaltungsrat erlaubte nicht einmal eine freiwillige Sammlung der Mitglieder. Die einst so gefeierte Pauline Jaricot starb an ihrem großen Herzeleid, heilig und erbaulich, wie sie gelebt hatte, unter den Worten: „O Paradies, wie schön bist du! . . . O Glück ohne Ende! O göttliches Licht! . . . Verzeih deinen Kindern, wie wir denjenigen verzeihen, die uns beleidigt haben . . . Maria, meine Mutter, ich bin ganz dein!“

 

Die Vorarbeiten für den Seligsprechungsprozess wurden eingeleitet.

 

Kardinal Villecourt tat über Pauline Jaricot den Ausspruch: „Die Lage dieser wahren Tochter der Kirche ist ein Rätsel, das niemand lösen kann. In allem liegt etwas Außerordentliches, so dass man sich nicht des Gedankens zu erwehren vermag, so große Prüfungen haben wohl nur darin ihren Grund, dass Pauline in ganz besonderer Weise vorherbestimmt war, ein Schlachtopfer zu werden.“ Alle großen Werke, besonders die Werke der Liebe und Missionstätigkeit gedeihen nur unter großen Opfern.

 

Der selige Murcherad (Muricherodachus), Einsiedler,

+ 9.1.1080 – Gedenktag: 9. Januar

 

Schon vor dem seligen Marianus war der Irländer Murcherad nach Regensburg gekommen. Er lebte in einer Klause, die an das Kloster Obermünster angebaut war, ein gottgeweihtes beschauliches Leben. Als Marianus in Regensburg angekommen, eine Wallfahrt nach Rom unternehmen wollte, gab ihm Murcherad den heilsamen Rat in dieser Stadt zu bleiben und ein Kloster für seine Landsleute zu gründen. So hat man die Entstehung der sogenannten Schottenklöster in Deutschland diesem seligen Diener Gottes zu danken. Marianus erkannte aber auch durch göttliche Erleuchtung, dass der Rat seines Freundes Gottes Wille sei. Murcherad blieb indessen in seiner Klause, verharrte in unablässigem Gebet und beschloss sein heiliges Leben noch vor dem Abt Marian, am 9. Januar 1080.

 

10. Januar

 

Der heilige Marzianus (Marcian), Priester von Konstantinopel,

+ 10.1.489 - Fest: 10. Januar

 

Der heilige Marzianus, Beichtvater, Priester und Ökonom der Kirche zu Konstantinopel zu den Zeiten des Kaisers Marzian, machte durch Fasten und Almosen sein Gebet wohlgefällig und angenehm vor Gott. Keinen Tag ließ er jemals einen Armen leer von sich gehen, und zur Nachtzeit besuchte er die Bedürftigen der Stadt, um ihnen helfen zu können. Einst hatte er nichts mehr als nur ein einziges Kleidungsstück, und selbst dieses gab er noch einem Armen hin. Dafür empfing er aber in einer Erscheinung ein goldenes Gewand vom Himmel im Jahre Christi 472. – Reiche dem Armen dar, wenn du Gott zu deinen Schuldner machen willst!

 

Aus dem Römischen Martyrologium:

 

Der heilige Marcian wurde im Anfang des 5. Jahrhunderts aus einem alten adeligen Geschlecht zu Rom geboren und kam mit seinen gottesfürchtigen Eltern nach Konstantinopel, wo er eine in jeder Hinsicht so treffliche Erziehung erhielt und als junger Mann durch so hohe Tugenden sich auszeichnete, dass er allgemein bewundert wurde und dass der Patriarch von Konstantinopel ihn für würdig hielt, ihm die Priesterweihe zu erteilen. In diesem heiligen Stand offenbarte sich seine Frömmigkeit von Tag zu Tag mehr, und er wurde schließlich mit Übereinstimmung der ganzen Geistlichkeit zum Probst der Patriarchalkirche gewählt, was die höchste Würde nach dem Erzbischof war, und in welchem Amt er die Verwaltung der ungeheuren Kirchenschätze auf sich hatte. Mit so großen Versuchungen dieses Amt verbunden war, so gerecht verwaltete er es, und um seine Sinnlichkeit gänzlich zu unterdrücken, führte er ein armes, abgetötetes Leben, und verwendete nicht nur die ansehnlichen Güter, die er von seinen Eltern geerbt hatte, sondern auch sein ganzes Einkommen dazu, das Elend der Armut zu lindern und unglückliche Verführte wieder auf den Weg der Tugend zu führen. Aus dieser Ursache suchte er unermüdet die Hausarmen auf und verbesserte ihre häuslichen Umstände mit größter Freigebigkeit, damit sie nicht gezwungen wurden, ihre Töchter dem Laster Preis zu geben.

 

Mit unermüdetem Eifer sorgte der heilige Marcian auch für den Schmuck und die Reinlichkeit der Gotteshäuser. Von seinem eigenen Geld erbaute er in Konstantinopel die prächtige und kostbare Kirche der heiligen Anastasia und die des heiligen Isidor, weswegen ihn Gott noch in seinem Leben mit der Gabe der Wunder verherrlichte. Denn als eines Tages in Konstantinopel eine heftige Feuersbrunst entstand, die eine ganze Reihe Häuser in Asche gelegt und auch die Kirche der heiligen Anastasia schon ergriffen hatte, begab sich Marcian auf das Dach der Kirche und von den Flammen umgeben, flehte er unter häufigen Tränen zu Gott und plötzlich war das Feuer gelöscht und so das herrliche Gotteshaus gerettet. In dieser Kirche der heiligen Anastasia ereignete sich das Unglück, dass eine Frau in gesegneten Umständen von dem hohen Säulengang herabstürzte und tot auf der Erde lag. Das laute Wehklagen der Herumstehenden rief den heiligen Marcian herbei, der, gerührt durch diesen schrecklichen Anblick, sich auf die Knie warf, einige Zeit in der Stille betete, dann die Unglückliche mit dem heiligen Kreuz bezeichnete und zum Leben erweckte.

 

So lebte und wirkte der heilige Marcian für die Ehre Gottes und für das Seelenheil seiner Mitmenschen bis in sein hohes Alter, wo er am 10. Januar des Jahres 472 im höchsten Ruhm seiner Heiligkeit starb. Sein Leichnam wurde im Kloster des heiligen Johannes des Täufers feierlich beigesetzt.

 

11. Januar

 

Der heilige Paulinus, Missionar in Kärnten,

Patriarch von Aquileja, Italien,

+ 11.1.810 - Fest: 11. Januar

 

Bevor Paulinus Bischof wurde, war er Lehrer der Grammatik. Er gewann die Freundschaft Alkuins, der ihn auch an den Hof Karls des Großen holte.

 

Als Bischof nahm er an wichtigen Synoden teil und bekämpfte unerbittlich die Häretiker. Darüber hinaus wirkte er auch als Missionar in Kärnten. Er starb 802.

 

Der heilige Hyginus, Papst und Martyrer von Rom,

+ 11.1.140 – Fest: 11. Januar

 

Das Altertum hinterließ uns wenige Nachrichten vom Leben des heiligen Hyginus und in diesem Wenigen widersprechen sich die Schriftsteller, die ihn erwähnen. Er war, vom heiligen Petrus an gerechnet, der 10. Papst, aus Griechenland gebürtig und wahrscheinlich der Sohn eines heidnischen Weltweisen von Athen. Wer ihn bekehrt, im Christentum unterrichtet und getauft hat, ist unbekannt; aber aus all seinen Handlungen geht hervor, dass er ein wahrhaft apostolischer Mann und ein eifriger Kirchenhirt gewesen ist. Stets bemüht, alle Missbräuche in der Kirche Jesu abzustellen und die Reinheit der Lehre Jesu zu bewahren, führte er unter seiner Geistlichkeit die strengste Ordnung ein, predigte nach dem Beispiel der Apostel zu jeder Zeit und überall den Gläubigen das Evangelium und kämpfte heldenmütig gegen die Angriffe der Ketzer, die in jenen Zeiten wie brüllende Löwen das Heiligtum anfielen und die Christen zum Irrtum zu verführen trachteten. Es ist Tatsache, dass der heilige Hyginus es war, der den Ketzer Valentin gründlich widerlegte und ihn, weil er boshaft und halsstarrig in seinem Irrtum beharrte, aus der Kirchengemeinde ausschloss; ob ihm aber die Briefe und kirchlichen Gesetze, die wir noch besitzen, mit Recht zugerechnet werden, ist nicht erwiesen. Er regierte die Kirche Christi mit vollem Ruhm zwölf Jahre, drei Monate und sechs Tage und starb während der Christenverfolgung des Kaisers Antonin als Martyrer. Einige behaupten, dass er den Martertod nicht wirklich gelitten habe und nur deswegen unter die Blutzeugen gezählt werde, weil er unter den größten Gefahren die Religion Jesu verteidigt und deswegen große Verfolgungen erduldet habe.

 

Der heilige Leucius, Bischof und Bekenner von Brindisi, Italien,

+ 11.1.172 – Fest: 11. Januar

 

Dieser Heilige wurde unter der Regierung des Kaisers Theodosius zu Alexandrien geboren und erhielt von seinen gottesfürchtigen Eltern, Euprescius und Eufrodisia, eine fromme Erziehung. Er war ein Junge von 10 Jahren, als seine Mutter starb, und sein Vater, aus heftigem Verlangen nach christlicher Vollkommenheit, seine Güter unter die Armen verteilte und mit seinem Sohn sich in das Kloster des heiligen Hermes begab. Leucius, in dessen zartem Herzen die Frömmigkeit schon durch die Lehren seiner Eltern tiefe Wurzeln gefasst hatte, wurde durch das Beispiel der frommen Mönche ganz für die Tugend begeistert und machte solche bewundernswürdige Fortschritte in der Heiligkeit des Lebens, dass man ihn einstimmig, ungeachtet seines jungen Alters zum Vorsteher des Klosters erwählte. Aber der demütige Diener Gottes schlug diese Würde standhaft aus und lebte in seiner Einsamkeit in ununterbrochener Geistessammlung und steter Selbstverleugnung, bis er aus Gehorsam die Stelle eines Erzpriesters an der Kirche zu Alexandrien annehmen musste. In dieser Würde bewies er einen solchen Eifer in Bekehrung der Heiden und der Sünder, dass ihn der Statthalter Saturnin, der ein geschworener Feind jeder Tugend war, zu töten suchte, was aber durch die Gläubigen verhindert und der Heilige bald darauf zum Erzbischof erwählt wurde.

 

Nach einiger Zeit legte Leucius, durch eine Erscheinung von Gott ermahnt, seine Würde nieder und nachdem er für einen würdigen Nachfolger gesorgt hatte, begab er sich über Otranto nach Brundusium, einer Stadt am Ende Italiens nach Griechenland zu, wo er den Kriegsobersten, Armaleo, nebst 67 anderen vornehmen Männern zum Christentum bekehrte. Da dies großes Aufsehen erregte und die Götzenpriester mit allgemeinen Strafen der Götter drohten, wurde der heilige Bischof vor ein öffentliches Gericht zur Verantwortung gefordert, wo er mit einer solchen Begeisterung über den wahren Glauben an Gott und über die christliche Religion sprach, dass der anwesende Statthalter Antiochus dem Heidentum abschwor und sich mit 27.000 Menschen taufen ließ. Lange Jahre stand dieser ansehnlichen Christengemeinde der heilige Leucius als Oberhirt vor und starb schließlich als Greis voll sehnlichen Verlangens nach dem ewigen Vaterland.

 

Der heilige Theodosius, Erzvater der Mönche, Abt und Bekenner in Judäa,

+ 11.1.529 – Fest: 11. Januar

 

Vier vortreffliche Männer mit dem Namen Theodosius sind fast in einem Jahrhundert berühmt geworden, zwei Kaiser und zwei Ordensmänner. Waren jene ausgezeichnet durch Herrschertugenden und Eifer für die Kirche, wobei freilich der zweite Theodosius der Irrlehre nachgab, so diese durch große Heiligkeit des Lebens und reiche Verdienste um das Mönchswesen im Orient. Dieses, erst in den Anfängen der Entwicklung begriffen, nahm rasch einen solchen Umfang an, dass wir ungläubig lauschen, wenn wir von vielen Tausenden hören, die nach gemeinsamer Regel unter einem Vorsteher zusammen lebten. Theodosius, der jüngere der zwei Klostergründer gleichen Namens, ist weitaus der berühmtere, da er sich den Ehrentitel eines Zönobiarchen, d.h. eines Erzvaters oder Vorstehers der in Gemeinschaft Lebenden (der Mönche) sich erwarb.

 

Geboren um das Jahr 424 im Dorf Garissos in Kappadozien in Kleinasien und unter der Hut guter Eltern aufwachsend, wurde Theodosius in der Jugend Psalmensänger und Vorleser in der Kirche, wodurch er mit den Heiligen Schriften vertraut wurde. Angezogen vom Leben der Väter in der Wüste, verließ er seine Heimat und pilgerte nach Palästina. Unterwegs wollte er den heiligen Simeon, den vielbewunderten Säulensteher, besuchen, um seinen Segen und seine Gebetshilfe zu erbitten. Vom Heiligen Geist erleuchtet, rief der merkwürdige Mann schon von weitem den Ankömmling mit Namen: „Theodos, Diener Gottes, sei mir willkommen!“ Erstaunt und verwirrt über den unerwarteten Gruß, konnte dieser nur mit einer tiefen Verdemütigung erwidern, in dem er sich mit dem Angesicht auf die Erde warf. Aber Simeon hieß ihn zu sich auf die Säule kommen, umarmte ihn zärtlich, sagte ihm einiges voraus, was ihm begegnen werde, und bestärkte ihn in seinem Vorhaben.

 

In der heiligen Stadt wählte sich Theodosius zum Lehrer im geistlichen Leben den hochbetagten Mönch Longinus, der in einer Zelle des sogenannten Turmes Davids wohnte. Dieser pries sich glücklich, einen so tugendhaften Jünger gefunden zu haben, entließ ihn dann aber auf Drängen einer reichen Frau namens Ikelia, die eine prächtige Marienkirche an der Straße nach Bethlehem erbaut hatte, zum Dienst an dieser Kirche. Er wird also wohl schon damals Priester gewesen sein. Doch entsagte er diesem Amt, das er nur auf ausdrücklichen Befehl seines Oberen übernommen hatte, auch bald wieder aus Furcht, die vielen Lobeserhebungen, die seiner trefflichen Amtsführung und seinen Tugenden zuteilwurden, möchten sein Herz verderben. Er wanderte in der Wüste Juda weiter ostwärts und bezog auf einem Berg eine Höhle. Hier lebte er, ganz der inneren Sammlung ergeben, in solcher Zerknirschung des Herzens, dass bei seinen ganze Nächte währenden Gebeten häufige Tränen der innigsten Rührung flossen. Gemüse und wilde Kräuter waren seine ganze Nahrung. Den Genuss von Brot hatte er sich gänzlich versagt. Dreißig Jahre lang übte er diese große Entsagung, bis später eine Milderung gebeten erschien.

 

Gedachte so Theodosius sich den Blicken der Menschen zu entziehen, so gab Gott seiner Tugend einen Solchen Glanz, dass er wie ein helles Licht sich selber entdeckte, um anderen nützlich zu werden. Bei dem allgemeinen Zug nach einem vollkommenen Leben, der damals alle Wüsten bevölkerte, kamen Heilsbegierige auch zu dem heiligen Einsiedler und baten, sich ihm als ihrem Führer anschließen zu dürfen. Da er hierin den sichtbaren Willen Gottes zu erkennen glaubte, so konnte er nicht widersprechen. Nur bis sieben sollte die Zahl der Jünger gehen, aber wie gewaltig ist sie in der Folge gewachsen!

 

Als erste eindringliche Lehre wollte Theodosius unvergesslich die Nützlichkeit des Andenkens an das Ende, an den Tod einprägen. Daher ließ er eine für die ganze Gemeinde bestimmte Grabstätte machen. Als sie vollendet war, führte er seine Brüder dahin und sprach in seiner einnehmenden Art, mit der er die ernstesten Dinge durch gewinnende Freundlichkeit zu mildern wusste: „Hier ist uns allen das Grab bereitet; aber wer von euch wird es einweihen?“ Einer von ihnen, Basilius, ein Priester, nahm das Wort als ihm geltend auf. Er warf sich vor dem Vorsteher auf die Knie und bat um seinen Segen. Der Heilige, der in die Zukunft zu schauen vermochte, wusste, dass Gott wirklich das Opfer des Basilius annehmen würde, ließ ihn in die Grabstätte eintreten und für ihn die Gebete für die Verstorbenen verrichten, wie sie am Tag des Hinscheidens und am dritten, neunten und vierzigsten Tag üblich waren. Bekanntlich ist heute noch in der Kirche der Dritte, Siebente und Dreißigste in Gebrauch. Und merkwürdig! Nach Schluss dieser Gebete, am vierzigsten Tag, verfiel Basilius, ohne vorher ein Fieber oder sonst einen Schmerz gehabt zu haben, in einen sanften Schlaf, der ihm zum Todesschlaf wurde.

 

Diesem ersten Zeugnis, das Gott für die Tugendgröße seines Dieners Theodosius ablegen wollte, folgten noch mehrere. Das zog aber eine große Zahl von Schülern an und zwang schließlich den Vorsteher, ein geräumiges Haus zu ihrer Aufnahme zu bauen, nachdem er Gottes augenscheinlichen Willen hierzu erkannt hatte. Männer aus allen Ständen, Beamte, Gelehrte, Kaufleute, Militärpersonen entsagten ihren Stellen, und wie ein Wunder war es zu schauen, wie eine so große Verschiedenheit der Stände und Nationen sich eines Sinnes an einem Ort zusammenfanden. Was aber noch wunderbarer zu schauen war, das war die treffliche Ordnung und Einrichtung, die Theodosius, die Seele des Ganzen, dem scheinbaren Wirrwar zu geben wusste. Zelle um Zelle, Gebäude um Gebäude wuchsen, so wie es das Bedürfnis verlangte, wuchsen zur Form einer Stadt in der Wüste, deren Ruinen noch heute den Namen Der-Dosi (Theodosius) führen. Die Mönche waren nach ihren Wohnräumen und teilweise auch im Gottesdienst in drei Abteilungen geschieden. Die griechisch Redenden aus dem Reich, die Armenier, zu denen auch Perser und Araber zählten, und als dritte, die Bessen, slavonische Völker aus Thrazien und den nördlichen Ländern, hatten jede ihre eigene Kirche. Darin hielten sie die sieben kirchlichen Tagzeiten und den vorbereitenden Teil der heiligen Messe bis zum Evangelium. Dann versammelten sich die Armenier und Bessen zur Feier der heiligen Geheimnisse und zum Empfang der heiligen Kommunion in der großen Kirche der Griechen. Eine vierte Kirche wurde errichtet für die Büßer, die Besessenen und Irrsinnigen, deren Heilung der Heilige mit besonders väterlicher Liebe und zartem Mitleid sich hingab. Mit dem Kloster waren dann drei Krankenhäuser verbunden für fremde Mönche und Einsiedler, für Laien besseren Standes und für Gebrechliche Arme. Ein Herbergshaus nahm die fremden Pilger auf, deren Zahl einmal so groß war, dass beinahe hundert besetzte Tische zu ihrer Speisung aufgestellt werden mussten. Da ereignete es sich auch mehr als einmal, dass Theodosius durch die Kraft seines Gebetes dem Mangel der erforderlichen Nahrungsmittel abhelfen musste.

 

Aus diesen Einrichtungen erhellt von selbst, dass die Brüder außer dem Gebet die Übung der christlichen Nächstenliebe und die Betätigung aller Handwerke und Arbeiten, wie man sie in einem so großen Haushalt brauchte, zu ihrer Pflicht gemacht hatten. Nie und nimmer, schon von Anfang an nicht, duldete man in den Klöstern den Müßiggang. Wo übrigens die Gottesliebe lebendig ist, da sucht und findet sie immer Wege, um auch das Wohl des Nächsten in opferfreudiger Liebe zu fördern.

 

Wegen der großen Verdienste um die Einrichtung des klösterlichen Lebens wurde Theodosius, dessen Kloster das größte in Palästina war, von den unter dem Vorsitz des Patriarchen Sallustius in Jerusalem im Jahr 493 versammelten Mönchen zum Archimandriten, zum Vorsteher aller Mönche des Heiligen Landes gewählt, während die Oberaufsicht über die Anachoreten oder Eremiten (Einsiedler) dem heiligen Sabbas (Fest 5. Dezember) übertragen wurde. Diese beiden Männer waren in treuer Freundschaft miteinander verbunden. Was sie aber so oft zusammenführte, das war die gegenseitige Erbauung, die Beratung in geistlichen Dingen und das Wohl der Kirche. In den damaligen Kämpfen gegen die Irrlehre des Eutyches, der die zwei Naturen in Christus leugnete, waren es diese beiden unerschrockenen Heiligen, die dem Eindringen des Irrtums in die Kirche von Jerusalem kräftig wehrten. Schon hatte der Erzbischof Johannes dem Treiben des hinterlistigen und gewalttätigen Kaisers Anastasius nachgegeben und der Kirchenversammlung von Chalcedon, durch die des Eutyches Irrlehre verworfen worden war, die Anerkennung versagt. Da bewogen Theodosius und Sabbas den Erzbischof zu öffentlichem Widerruf. Umgeben von den beiden Äbten, verkündete der Erzbischof von der Kanzel aus dem dichtgedrängten Volk die Verwerfung der Irrlehre und aller ihrer Anhänger. Als die drei von der Kanzel herabgestiegen waren, kehrte Theodosius in seinem Glaubenseifer nochmals dorthin zurück und rief feierlich aus: „Wer die vier heiligen Konzilien nicht wie die vier heiligen Evangelien annimmt, der sei im Bann.“ Der Plan, den mutigen Verteidiger der Lehre der Kirche in die Verbannung zu schicken, kam nicht zur Ausführung.

 

Dem so segensreich wirkenden Diener Gottes blieben auch die Leiden nicht erspart. Als ihm in seiner letzten, sehr schmerzhaften Krankheit jemand den Rat gab, von Gott Linderung zu erbitten, sprach er das schöne Wort: „Nein, nein, ein solches Gebet würde ein Zeichen der Ungeduld sein und mir meine Krone rauben.“ Sterbend konnte er auf 105 gottgesegnete Lebensjahre zurückblicken.

 

Er hat unserer heiligen Kirche viel Mühe und Kampf gekostet, die Lehre Christi in allen Stürmen rein und unverfälscht zu erhalten. Darum sei das Erbgut unseres Glaubens uns auch jederzeit ein treu zu hütendes Kleinod in den alles stürzenden Wirren unserer Zeit!

 

Die gottselige Maria Mörl, stigmatisierte Jungfrau,

+ 11.1.1868 – Fest: 11. Januar

 

Als die ägyptischen Zauberer zu Zeiten des Pharao es dem Mose gleichtun wollten an Wundern, es aber nicht vermochten, da mussten sie notgedrungen bekennen: „Das ist der Finger Gottes!“ Wie oft, auch in unseren Zeiten noch, erscheint Gottes Finger, ob er nun strafend erhoben ist oder gütig und barmherzig an einem Menschenkind seine wunderbare Macht zeigt. Durch eine innige, übernatürliche Liebesvereinigung mit dem Menschen hebt Gott bisweilen in der Ekstase die Betätigung der Sinne teilweise oder gänzlich auf. Nicht gar selten sind auch die Fälle, dass der Herr die Begnadeten an seinem Leiden fühlbar teilnehmen und an ihnen die Wundmale sichtbar werden lässt, die er in seinem Leiden getragen hat. Derartige im Leben der katholischen Kirche nicht überraschende Erscheinungen, wie weltunbekannt und arm die so Begnadeten auch immer sein mögen, dienen doch in besonderer Weise zur Verherrlichung Gottes, zur Stärkung des Glaubens und zur Verteidigung der katholischen Wahrheit.

 

Kaltern bei Bozen im katholisch-gläubigen Tirol, das merkwürdig viele Stigmatisierte aufweist, war die Heimat der so außerordentlich begnadeten Jungfrau Maria Theresia von Mörl, geboren am 16. Oktober 1812. Ein frommes Kind von Jugend auf, besaß sie gute Geistesanlagen, aber kein Zeichen einer besonders lebhaften Einbildungskraft. Sie tat auch nichts, eine solche durch Lesung von Büchern und dergl. hervorzurufen oder zu nähren. Was sie auszeichnete, war eine große Verständigkeit und Geschicklichkeit in allen Verrichtungen, eine liebreiche Gutmüdigkeit, die sich besonders gegen die Armen äußerte, und ein seltener Eifer im Gebet. Schon von ihrem fünften Jahr an suchte sie Gott mit vielen Krankheiten heim, was sie immer nur noch ernster und religiöser machte.

 

In dem schweren Haushalt der Eltern Marias, die durch ihrer Hände Arbeit ihre vielen Kinder ernähren mussten, war nicht selten die Not zu Gast. Maria wurde in ihrem vierzehnten Lebensjahr nach Cles in Nonsberg über das Gebirge geschickt, um dort das Italienische zu erlernen. Doch starb bald die Mutter. Maria wurde zurückgerufen, dem Haushalt vorzustehen. Sie schien den harten Verlust nicht überwinden zu können. Kummer und Sorgen, wachsende Not bedrängten das arme Mädchen. Abermals, im achtzehnten Lebensjahr, erkrankte sie aufs heftigste. Krämpfe aller Art durchzuckten ihren schwachen Körper, häufiger Blutauswurf zeigte sich. Wohl trat wieder Besserung ein, doch blieb sie seitdem fortdauernd siech. Gott zuliebe und wohl auch mit Rücksicht auf die ärztlichen Kosten, verzichtete Maria auf die Linderung, die ihr der Arzt hätte verschaffen können. Mit heldenmütiger Ergebung ertrug sie die anhaltenden großen Leiden.

 

Zu den körperlichen Prüfungen gesellten sich auch geistige mancherlei Art. Doch da kannte sie eine wirksame Arznei, das heiligste Altarsakrament. Stufenweise schritt die fromme Jungfrau fort auf dem inneren Weg der Gnade, während äußerlich noch keine ungewöhnliche Erscheinung wahrnehmbar war. Vom zwanzigsten Lebensjahr an machte man aber die Erfahrung, dass Maria zu gewissen Zeiten, besonders so oft sie die heilige Kommunion empfangen hatte, auf gestellte Fragen keine Antwort gab und ganz abwesend schien. Bald prägten sich immer bestimmter die Erscheinungen der Ekstase, der Verzückung in Gott, aus. Stundenlang verharrte sie kniend im Gebet, ohne wahrzunehmen, was um sie her vorging. Das innere Schauen wurde ihr zur zweiten Natur. Am Fronleichnamstag 1832 blieb sie sechsunddreißig Stunden auf derselben Stelle kniend in Beschauung. Ihr Beichtvater, der Kapuzinerpater Kapistran, ein frommer, durch eigene Leiden geprüfter und in der Seelenleitung erfahrener Mann, sah sich veranlasst, diesen außerordentlichen Zustand in Kraft des Gehorsams, zu dem sich Maria durch ein Gelübde als Terziarin verpflichtete, zu regeln. Das innere Sehvermögen erstreckte sich auch auf natürliche Dinge ihrer Umgebung. Sie warnte vor Gefahren, deren Bestehen sich hernach als richtig erwies.

 

Der Ruf ihres ekstatischen Gebetes verbreitete sich allenthalben. Eine allgemeine Bewegung ergriff das Volk. Zu Tausenden, ganze Gemeinden mit Kreuz und Fahnen, wallfahrteten die Leute nach Kaltern, um sich an dem unbeschreiblichen und tief ergreifenden Anblick der betenden Jungfrau zu erbauen. Schließlich mussten geistliche und weltliche Obrigkeit dem Zudrang des Volkes, das sich auch willig fügte, ein Ziel setzen. Aber noch lange nachher wurden die guten Folgen des Eindrucks gerühmt, den die wunderbare Erscheinung auf das gläubige Gemüt ausgeübt hatte.

 

Um Lichtmess 1834 trat die Stigmatisation ein, die Bezeichnung mit den Wundmalen Christi. Ohne alles Aufsehen, ganz einfach ging es zu, wie bei allen Erscheinungen. Schon im Herbst vorher wurden inmitten der Hände Vertiefungen sichtbar. Als ihr Beichtvater dann einmal die Jungfrau traf, wie sie, kindlich erschrocken, sich mit einem Tuch die Hände wischte, und Blut daran bemerkte, fragte er, was das zu bedeuten habe. Sie erwiderte, sie wisse selber nicht recht, was ihr widerfahren ist, sie müsse sich wohl blutig gerissen haben. Es waren aber die Male, die sich mehr und mehr zeigten und nun bleibend befestigten. Auch an den Füßen und der Seite traten sie auf. Am Donnerstagabend und am Freitag drang meistens helles Blut in Tropfen aus ihnen hervor, an den übrigen Tagen deckte eine vertrocknete Blutkruste die Wunden, ohne dass die geringste Entzündung oder Geschwulst sich zeigte. Die Wunden heilten nicht, eiterten aber auch nicht, trugen somit wunderbaren Charakter. Der Unglaube macht geltend, solche Erscheinungen könnten durch Autosuggestion, das heißt durch kräftige Erweckung einer Vorstellung, durch Selbstbeeinflussung des eignen Willens, durch lebhafte Vorstellung besonders der Wundmale Christi, an sich herbeigeführt werden. Wenn auch eine starke Einbildungskraft bisweilen das Austreten einiger geringer Blutstropfen hervorzurufen vermag, so doch niemals ein anhaltendes Bluten und dauernde Wundmale. Die bescheidene, kindlich demütige Maria Mörl hatte von vornherein gar keinen Gedanken an derartiges, und nachdem einmal die Wundmale auftraten, suchte sie sie aufs sorgfältigste zu verbergen, wie gewöhnlich alles, was ihren inneren Zustand hätte verraten können.

 

Joseph von Görres, einer der scharfsinnigsten Geister, vielleicht der gelehrteste Mann seiner Zeit, beobachtete die ekstatische Jungfrau zu wiederholten Malen. Er berichtet ausführlich darüber, wie er sie den größten Teil des Tages in ihrem Bett kniend in der Ekstase gesehen habe. Die Hände mit den sichtbaren Malen waren vor der Brust gefaltet, das Angesicht war zur Kirche hingewandt und etwas erhoben, der Blick der Augen mit dem Ausdruck des tiefsten Versenktseins in die Höhe gerichtet, keine Bewegung an der knienden Gestalt stundenlang bemerkbar, außer ein leicht in der Brust spielendes Atemholen, manchmal auch ein kleines Wanken; ein Anblick, keinem anderen vergleichbar, als von ferne dem, den die Engel Gottes geben mögen, wenn sie in Betrachtung seiner Herrlichkeit versunken, vor seinem Thron knien. Kein Wunder, dass die Gestalt von der allerergreifendsten Wirkung auf jeden Beschauenden ist, so dass selbst die rohesten Gemüter ihm nicht zu widerstehen vermögen und Tränen der freudigsten Überraschung und Erhebung um sie her in Menge fließen.

 

Sie beschäftigt sich in diesen Ekstasen mit einer fortlaufenden inneren Anschauung des Lebens und Leidens Christi, mit Anbetung des allerheiligsten Altarsakramentes und mit einem wohlgeregelten, betrachtenden Gebet nach der Ordnung des Kirchenjahres. Die Ereignisse, die sie vorhergesagt hat, haben durchgängig zur Zeit der Vorhersage keinen irgend haltbaren Grund zur Erkenntnis gehabt, weil ihr viel späteres Eintreffen ausschließlich von der immer wandelbaren und nicht zu berechnenden Willkür und von höherer Fügung abhingen. Über ihre Gesichte hat sie sich nur ihrem Beichtvater gegenüber ausgesprochen, dabei wusste sie häufig bei ihrer geringen Erfahrung für die Dinge, die sie gesehen hat, keinen Namen zu finden. Deutlich aber spiegelt sich das Allgemeine des Bildes, das vor ihrer Seele steht, in der Haltung ihrer teilnehmenden Persönlichkeit ab. Am tiefsten drückt sich die Passion des Herrn in ihrem Äußeren aus. Die Handlung beginnt schon am Vormittag des Freitags. Im Verhältnis, wie sie im Vorschreiten wehevoller und darum ergreifender wird, treten auch die Züge des Todes kenntlicher hervor, bis zuletzt, wenn die Sterbestunde am Kreuz naht, außen das Bild des Todes aus allen Zügen spricht. Wenn sie dann, die Hände vor der Brust gefaltet, auf ihrem Bett kniet, die tiefste, kaum vom Atemzug der Anwesenden unterbrochene Stille um sie her, dann ist es, als ob nun ihre Lebenssonne im Niedergang steht und sich langsam unter den Gesichtskreis senkt. Bleich, wie sie während des ganzen Vorganges ist, sieht man sie dann immer mehr erbleichen, wie die Todesschauer häufiger ihr Gebein durchfahren und das sinkende Leben immer mehr verdämmert. Eben dieses Miterleben oder vielmehr Mitsterben des Todes Christi durch Maria muss ein innerlichst erschütternder Vorgang gewesen sein. Görres schildert es: Die verdickte Zunge scheint am lechzenden Gaumen zu kleben. Die vor der Brust gefalteten Hände, die anfangs nur unmerklich gesunken, gleiten nun schneller hinab, die Nägel beginnen sich blau zu färben und die Finger verschlingen sich krampfhaft ineinander. Bald wird ein Röcheln hörbar in der Kehle, der Atem immer gepresster, ringt sich nur mit Mühe aus der wie mit eisernen Banden umfangenen Brust, die Züge verstellen sich bis zur Unkenntlichkeit, der Mund des Schmerzensbildes ist jetzt weit geöffnet, die Nase zugespitzt, die starren Augen wollen brechen, in langen Zwischenräumen drängen noch einige röchelnde Atemzüge stockend sich durch die erstarrten Organe; endlich ist´s, als ob der letzte sich verhauchen wollte, dann neigt sich das Haupt, mit allen Zeichen des Todes bezeichnet, senkt sich in gänzlicher Erschöpfung, und es ist ein anderes, kaum mehr erkenntliches Gesicht, das jetzt gegen die Brust niederhängt.

 

Bei alledem bewahrte Maria Mörl ihre fröhliche, unbefangene Kindlichkeit; und das ist das Kennzeichen der Echtheit und Übernatürlichkeit ihrer Ekstasen. Nichts Trübes, Kopfhängerisches und Überspanntes war in ihrem ganzen Wesen zu entdecken, keine Spur eines heuchlerischen Gebarens oder irgend eines versteckten Hochmutes, überall nichts als der Ausdruck heiterer, unbefangener, in Einfalt und Schuldlosigkeit bewahrter Jugend. Über vierunddreißig Jahre lang lebte die begnadete Jungfrau, seit 1841 abgesondert im Tertiarinnenkloster, in ekstatischer Betrachtung der Glaubensgeheimnisse, im Fürbittgebet für allgemeine und besondere Anliegen und im Wohltun gegenüber den Armen.

 

Maria von Mörl ist nicht heilig und nicht selig gesprochen. Ihre wunderbare Begnadung war eine ihr für die Mitwelt gegebene Gnade, die sie freilich in Demut und Heiligkeit hütete. Aber auch ihr galt wie jedem schwachen Menschenkind die Mahnung: Wachet und betet!

 

Das Verfahren zur Seligsprechung Maria Mörls wurde im Jahr 2015 eingeleitet.

 

Und nochmals:

 

Die gottselige Maria von Mörl von Kaltern in Tirol,

+ 11.1.1868 – Gedenktag: 11. Januar

 

Wie überall in katholischen Ländern, so hat auch hier in Südtirol der fromme Sinn unserer Vorfahren an Straßen und Wegkreuzungen und besonders in den ausgedehnten Weinbergen zahlreiche Kreuze und andere Passionsbilder, sogenannte „Marterln“, aufgestellt, offenbar in der löblichen Absicht, dass die Wanderer und Arbeiter bei ihrem Hasten um des Leibes Unterhalt nicht ganz auf der Seele Sorge vergäßen, und dass sie beim Anblick auch ihr Gemüt doch manchmal zu demjenigen erheben mögen, der uns für sich erschaffen und erlöst und von dem alles Gute und aller Segen kommt.

 

Desgleichen pflegt auch Gott im Weinberg seiner Kirche und an der Heerstraße des Lebens von Zeit zu Zeit solch lebendige Kreuze oder blutige „Marterln“ aufzustellen, teils um die ganz ins Irdische versunkene Menschheit so recht eindringlich an höhere Wahrheiten zu gemahnen und ihr das schier vergessene erlösende Leiden und Sterben des Heilandes sozusagen lebendig wieder vorzustellen und ins Gedächtnis zurückzurufen, teils auch, um ein Mittel der Fürbitte und Sühne zu haben, um der sündigen und bußescheuen Menschheit Barmherzigkeit erweisen zu können. Eine solche auserwählte, begnadete Seele – wie Gott deren durch die Jahrhunderte schon viele erkoren – ist auch unsere Maria von Mörl, deren wunderbares und leidenvolles Leben ich hiermit im Auszug und in möglichster Kürze nach den wahrheitsgetreuen Aufzeichnungen ihres letzten Beichtvaters, p. Simon Prantauer vom hiesigen Franziskanerkloster (Kaltern), und nach Berichten von Augenzeugen, die sie noch gekannt haben, schildern will.

 

Dem aufmerksamen Leser ihrer Lebensgeschichte muss es auffallen, dass zwischen ihrem Leben und dem ihres göttlichen Bräutigams, unseres Herrn, eine große Ähnlichkeit besteht. Wie Christus der Herr seine Jugendzeit still und zurückgezogen im Haus seiner Eltern verbrachte, so auch Maria von Mörl. Als Tochter des Josef von Mörl zu Mühlen und Sichelburg und der Maria Sölva am 15. Oktober 1812 zu Kaltern als das zweitgeborene von neun Kindern geboren, zierten sie schon als Mädchen außerordentliche Frömmigkeit und zärtliche Liebe zu den Armen und Kranken. Mit 15 Jahren verlor sie durch den Tod ihre gute Mutter und musste nun bei ihren jüngeren Geschwistern Mutterstelle vertreten und das ganze Hauswesen leiten. Glühend war schon damals ihre Liebe zum leidenden Heiland und zur schmerzhaften Mutter, in deren Nachfolge sie sich abtötete und heiligte. Aber nicht immer sollte sie so still und unbekannt leben – ein Schauspiel sollte sie werden für Engel und Menschen, ein lebendiges Kreuz am Weg des Lebens, den einen Ärgernis und Torheit, den anderen aber Gottes Kraft und zum Heil! . . . Aber wie Christus, ehe er sein öffentliches Leben begann, „vom Geist in die Wüste geführt und vom Teufel versucht wurde“, so auch Maria. Im Jahr 1830 befielen sie verschiedene große und zum Teil außergewöhnliche Leiden und Krankheiten, die sie meist ans Bett fesselten, wozu sich endlich noch unsägliche Seelenleiden und Plackereien von Seite der bösen Geister gesellten. Sie sah sie in verschiedenen Schreckgestalten, als hässliche Männer, die sie fortschleppen wollten, als wilde Tiere, die sie zu zerreißen drohten, die bösen Geister versuchten sie zu verschiedenen Sünden, zum Fluchen und Gotteslästern, zum Ungehorsam gegen den Beichtvater, zu Verzweiflung und dergleichen mehr. Oft wurde sie von unsichtbaren Händen aus dem Bett geschleudert, unter die Bettstelle gepresst, der Kopf stundenlang an die Wand geschlagen. Glasscherben, Drahtstücke, Stecknadeln, Eisennägel und dergleichen wurden unter die Speisen gemischt, in den Mund gestopft, auf das Bett gestreut usw., kurz sie wurde auf verschiedene Weise gepeinigt. Aber wie einst der Herr selbst den Versucher mit dem allmächtigen Wort: „Weiche Satan!“ in die Flucht trieb, so machte auch hier das Machtwort der heiligen Kirche im Exorzismus, den der Beichtvater mit Erlaubnis des Fürstbischofs von Trient über sie anwendete, endlich diesen höllischen Plackereien ein Ende. Für die ausgestandenen Leiden und Ängsten belohnte sie nun der Herr mit außergewöhnlichen Gnaden und Tröstungen, mit der Gabe der Verzückung, der Beschauung, der Weissagung und Herzensdurchforschung und vor allem mit der höchsten Auszeichnung eines Menschen von Zeichen Gottes, mit den heiligen fünf Wundmalen, die sie am 4. Februar 1834 erhielt. Hiermit begann sozusagen ihr öffentliches Leben, denn der Ruf von diesen ihren außergewöhnlichen Zuständen zog bald Tausende aus nah und fern, aus hoch und nieder herbei, Neugierige und Hilfesuchende, und wie einst Christus umherzog „predigend und Wohltaten spendend“, so war sie auch bald all den Tausenden selbst eine stumme Predigt in ihrem Zustand oder ermahnte auch selbst infolge ihrer Herzensdurchschauung solche, deren Gewissen nicht in Ordnung war, erteilte anderen Rat und Trost, Armen und Kranken auch reichliche Almosen – ihre Pfründe einer Haller Stiftsdame verteilte sie auch fast ganz unter die Armen – und führte überhaupt nur ein Leben der Fürbitte, der Buße und Sühne für andere, für besondere und allgemeine Anliegen der ganzen heiligen Kirche. Wie einst der heilige Vater Franziskus von Assisi, dessen geistliche Tochter sie als Tertiarin und dessen getreues Nachbild sie infolge ihrer heiligen Wunden, ihres Buße- und Liebelebens war, so flogen auch ihr Vögel und Tauben beim Fenster herein zu, setzten sich zu ihr aufs Bett, auf Schultern und Arme, worüber sie sich kindlich freute.

 

Doch die größte Wonne, die Sonne ihres Lebens war das heiligste Altarsakrament. Nach der Kommunion, die ihr der Beichtvater alle acht Tage brachte, fiel sie gewöhnlich in lange, selige Verzückung, oft schwebte sie über dem Bett, mit den Zehen kaum die Bettdecke berührend, und bei Versehgängen und Prozessionen mit dem Allerheiligsten drehte sich ihr Leib in der Ekstase unwillkürlich – wie eine Blume nach der Sonne – nach der Richtung der Prozession. Jeden Donnerstag sah sie und betrachtete in der Entzückung die Einsetzung des heiligsten Altarsakramentes und vernahm alle Reden des Herrn. Abends sah sie dann und litt die Todesangst Jesu am Ölberg mit, wobei sie sich jedes Mal dreimal mit geschlossenen Händen in ihrem Bett aufs Angesicht niederwarf. Von da an in der ganzen Nacht und den ganzen Freitag betrachtete sie die verschiedenen Leidensstationen bis zur Grablegung. Besonders von 1 bis 3 Uhr war ihre Teilnahme an den Schmerzen des göttlichen Opferlammes ganz deutlich sichtbar. Ihr Antlitz wurde bleich, die Lippen blau, die Zunge vertrocknet, sie stöhnte und zuckte in unsäglichem Schmerz, der Atem wurde immer mehr gepresster, stockend, röchelnd wie bei einer Sterbenden – endlich nach 3 Uhr sank gewöhnlich ihr Haupt wie sterbend herab, und sie selbst mitwie am Kreuz ausgespannten Armen aufs Bett zurück. Jeden Donnerstagabend und Freitag bluteten ihre Wundmale. Dieses allwöchentliche Mitmachen der Leiden des Herrn war natürlich am Karfreitag noch viel peinlicher und ergreifender.

 

Der Prüfstein jeder Tugend – besonders außergewöhnlicher – ist der Gehorsam. Sie wurde von der geistlichen und weltlichen Obrigkeit verschiedenen Proben unterzogen, die sie glänzend bestand. Mochte sie noch so tief in der Ekstase und für äußere Dinge unempfänglich sein, ein einziges leises Wort ihres Beichtvaters, ja ein nur in Gedanken gegebener Befehl rief sie im Augenblick zurück. Sehr peinlich war ihr und ihrer Demut der große Zulauf des Volkes. Auch an Spöttereien und häuslichen Verdrießlichkeiten fehlte es nicht, darum sehnte sie sich nach einem ruhigen, verborgenen Plätzchen, das sie endlich gefunden zu haben glaubte. Als nämlich 1841 ihr Vater starb, übersiedelte sie samt ihrer Magd in das hiesige Tertiarinnenkloster, wo sie sich dicht neben der Kirche eine kleine, eigene Wohnung bauen ließ. Ein Fenster ihres Gemaches mündete gerade zum Tabernakel hinab. Hier verlebte sie noch 27 Jahre meist kniend auf ihrem Schmerzensbett in verzückter Betrachtung des Lebens und Leidens Jesu Christi und seiner heiligsten Mutter, im Gebet und in sühnenden Leiden für Kirche und Welt. Doch auch hier wurde sie noch von Besuchen belästigt, da auf Einflussnahme hochgestellter Personen das kirchliche Verbot ihres Besuches öfter wieder zurückgenommen wurde.

 

Aber wie einst Christus am Ende seines Lebens erst noch den Hauptzweck seiner Sendung zu erfüllen hatte, nämlich sein genugtuendes Leiden, so hatte auch Maria von Mörl erst noch kurz vor ihrem Ende das schrecklichste Leiden, den schwersten Kampf zu bestehen. In der Nacht zu Mariä Geburt 1867, so erzählt ihr Beichtvater, fühlte sie sich plötzlich mächtig angetrieben, für den Heiligen Vater in Rom und für den Kaiser von Österreich zu beten und hernach überfielen sie so schreckliche, körperliche und geistige Plagen, Angst und Trostlosigkeit, wie noch nie, sie konnte nicht mehr beten, keine Sakramente mehr empfangen, sie hielt sich für betrogen, verloren, ja ganz von Gott verlassen – wie Christus am Kreuz, so jammerte auch sie über Gottverlassenheit –, sie fand nicht einen Augenblick Ruhe noch Schlaf, weder bei Tag noch bei Nacht, sie litt schrecklichen Hunger und brennenden Durst – und konnte die ganze lange Zeit – von Mariä Geburt bis Mitte Oktober! – kein Bissen essen, keinen Tropfen Wasser trinken!

 

Endlich wie Christus der Herr in seiner Todesangst von einem Engel gestärkt wurde, so scheint auch ihr ihre zweite Namenspatronin, die heilige Theresia, zum tröstenden Engel geworden zu sein, denn seit ihrem Fest, 15. Oktober, wurde es wieder besser, die Angstbilder verschwanden, sie konnte wieder beten, kommunizieren, die Verzückungen stellten sich wieder ein, sie konnte endlich auch wieder leiblich etwas genießen. Schließlich kam sie in einen ganz außergewöhnlichen Zustand der Freude, sie hörte den ganzen Tag Triumphgeläute und Jubelgesänge und sang und jubelte selbst den ganzen Tag: „Gott sei gedankt, die Kirche hat gesiegt . . . wie groß – so hörte sie der Beichtvater einmal sagen – wie groß bist du o Gott, ein armes Mädel wie ich, hast du erwählt, um deine Feinde zu Schanden zu machen!“ –

 

Aber körperlich konnte sie sich nicht mehr erholen, es ging rasch ihrem Ende zu, das sie selbst schon längst für diese Zeit vorausgesagt hatte, ihre Aufgabe war erfüllt. Am Fest der heiligen drei Könige spendete ihr der Beichtvater die heiligen Sterbesakramente, und am Morgen des 11. Januar 1868 entschlief sie sanft und ruhig im Herrn, nachdem sie kurz vorher noch gesagt haben soll: „o wie schön, o wie schön!“ Ihr Leib ruht in einem Metallsarg in der von Mörlschen Grabstätte am hiesigen Friedhof. Im Jahr 2015 wurde das Verfahren zu ihrer Seligsprechung eingeleitet.

 

12. Januar

 

Die heilige Tatjana, Martyrin von Rom,

+ 222-235 – Fest: 12. Januar

 

Über diese frühzeitig verehrte Glaubenszeugin ist – wie dies ja vielfach der Fall ist bei Märtyrerinnen und Märtyrern der frühchristlichen Zeit – nur wenig gesichert überliefert. Sie erlitt, das jedenfalls dürfte feststehen, unter Kaiser Septimius Severus (146-211) den Martertod; ihre früher vorwiegend für den slawischen Raum geltende Beliebtheit als Namenspatronin hat sich inzwischen auch bei uns verbreitet.

 

Der heilige Satyrus, Martyrer von Achaja, Griechenland,

+ 12.1.257 – Fest: 12. Januar

 

Satyrus, in Arabien geboren um die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts, zeichnete sich unter allen seinen Zeitgenossen durch eine seltene Anhänglichkeit an die Religion Jesu und durch einen vorzüglichen Eifer aus, sie gegen die Angriffe der Heiden zu verteidigen, weswegen er schweren Verfolgungen ausgesetzt war. Aber freudig ertrug er alle Leiden um Jesu willen und sah mit inniger Sehnsucht der Zeit entgegen, wo er gewürdigt werden würde, für Gott und die heilige Religion sein Blut und Leben zu opfern. Sein Verlangen wurde erfüllt, als er in Begleitung seiner heiligen Gefährten, Cyriacus und Moscentius in Achaia vor einem Götzentempel vorbeiging und das darin sich befindliche Bild erblickte, dem soeben Opfer gebracht wurden. Ergriffen vom heiligen Zorn über den schändlichen Götzendienst, verfluchte er ihn und nachdem er sich mit dem heiligen Kreuz bezeichnet hatte, stürzte der Abgott samt seiner Säule zu Boden. Dieses Ereignis brachte die Heiden in Wut und Verzweiflung. Sie überfielen die heiligen Bekenner auf öffentlichem Platz, misshandelten sie unter den größten Gewalttätigkeiten und halbtot wurden sie schließlich enthauptet im Jahr 257.

 

Der heilige Tigrius, Priester und Martyrer von Konstantinopel,

+ 395-408 – Fest: 12. Januar

 

Tigrius kam am Ende des 4. Jahrhunderts als ein christlicher Sklave nach Konstantinopel, wo er sich durch seine Treue und Frömmigkeit so sehr die Liebe seines Herrn erwarb, dass er ihm die Freiheit schenkte und ihn wegen seiner hohen Tugenden und gründlicher Gelehrsamkeit dem Patriarchen empfahl. Der ersteilte ihm nach einer langen und strengen Prüfungszeit die heiligen Weihen und stellte ihn als Priester an der Patriarchalkirche an. Tigrius machte seinem Stand durch sein heiliges Leben große Ehre, denn Gebet und die Lesung der heiligen Schriften, die Verkündigung des göttlichen Wortes und der Besuch der Kranken, Armen und Gefangenen, verbunden mit einem reinen, gottseligen Wandel, war sein Tagewerk. Geehrt und geachtet von allen Frommen als die Zierde der Geistlichkeit, wirkte der heilige Tigrius rastlos in seinem Beruf, bis zu der unglücklichen Zeit, wo unter der Regierung des Kaisers Arcadius in Konstantinopel eine Feuersbrunst unersetzlichen Schaden anrichtete und den Gläubigen die Schuld daran zur Last gelegt wurde. Optatus, damals Präfekt der Kaiserstadt, begünstigte die Ketzer und wartete schon lange mit Sehnsucht auf eine gute Gelegenheit, die wahren Gläubigen zu verfolgen und zu unterdrücken. Jetzt war sein Verlangen erfüllt und unter dem Schein der Gerechtigkeit wütete er wie ein Barbar und vergoss eine Menge unschuldiges Blut. Besonders traf seine Rache jene Priester, die bei ihm wegen ihres tätigen Eifers für die Erhaltung der Reinheit der christlichen Religion angeklagt waren. Unter vielen anderen wurde auch der heilige Tigrius von den Gerichtsdienern überfallen, in ein Gefängnis gebracht und nach einigen Tagen vor den Richter geführt. Als er auf seiner Unschuld beharrte und in einer rührenden Rede auch mit eindeutigen und guten Gründen die Unschuld der Gläubigen bewies, wurden ihm die Kleider vom Körper gerissen und auf einer Folter seine Glieder schmerzhaft ausgedehnt. Dann schlugen ihn die Henker so grausam, dass er unter den größten Schmerzen den Geist aufgab.

 

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Am selben Tag erhielt auch der heilige Eutropius, Lektor an der Patriarchalkirche zu Konstantinopel, die Marterkrone. Er war ein sehr junger Mann, der von seiner frühesten Jugend an sein Herz Gott und der Tugend geweiht hatte und durch seine seltenen Anlagen die schönsten Hoffnungen von sich gab, dass er einst ein ausgezeichnetes Licht in der Kirche Jesu werden würde.

 

Der gottselige Johann Kaspar Kratz, Märtyrer aus der Gesellschaft Jesu,

+ 12.1.1737 – Fest: 12. Januar

 

Golzheim, ein Dorf bei Düren im Rheinland, war der Geburtsort des Pater Johann Kaspar Kratz. Am 14. September 1698 erhielt er in der Dorfkirche die Taufe. Die Eltern hatten durch unglückliche Ereignisse ihr Vermögen verloren. Als nun noch der Vater früh starb, lebte die Mutter mit ihren Kindern in sehr beschränkten Verhältnissen. Deshalb musste Johann als der älteste Sohn bei den ländlichen Arbeiten mithelfen. Doch hoffte die Mutter immer, den talentvollen Jungen einst als Priester am Altar zu sehen. Als er fünfzehn Jahre alt war, gab sie ihm die Erlaubnis, im Jesuitenkolleg zu Düsseldorf seine Studien zu machen. Dort fand er nicht bloß Aufnahme, sondern sein Lehrer Pater Vrechen, der den unschuldigen, fleißigen Jungen bald liebgewann, erwarb ihm auch eine Freistelle. Nachdem Johannes den sechsjährigen Gymnasialkursus mit Auszeichnung vollendet hatte, ging er nach Münster in Westfalen, um dort Philosophie zu studieren. Aber seine Hoffnung, eine Stelle als Hauslehrer zu finden und so den nötigen Unterhalt zu verdienen, ging fehl. Deshalb kehrte er nach Düsseldorf zurück. Ein Franziskanerpater nahm sich seiner an und gab ihm Privatstunden in der Philosophie. Doch bald regte sich in ihm eine unwiderstehliche Wanderlust. Oder war es die Vorsehung, die sich der Neigung des jungen Mannes bediente und ihm nach manchen Irrfahrten bis nach Tonkin führte, damit er sich dort die Märtyrerpalme pflücke? Im Jahr 1721 nahm ein vornehmer Herr ihn als Begleiter mit nach Rom. Hier wurde er bedenklich krank. Doch er genas wieder. Unterstützt von seinem Gönner reiste Kratz nach Madrid, Lissabon und Paris. Überall blieb er wenigstens ein Jahr und lernte mit großem Eifer die Landessprachen.

 

In Paris bekam er eine solche Sehnsucht nach seiner Mutter, dass er den Wanderstab ergriff und nach der Heimat zurückkehrte. Wie freute sich die gute Frau, ihren Johannes wiederzusehen. Jetzt, hoffte sie, würde er sich auf die Priesterweihe vorbereiten. Wohl war er ernster geworden, aber die Wanderlust trieb ihn wieder hinaus. Er begab sich über Köln nach Amsterdam, um sich als Soldat für Batavia in Indien anwerben zu lassen. Als sprachkundiger Mann von 29 Jahren erhielt er die Stelle eines Offiziers im ostindischen Heer. Im Juni 1727 wurden die Anker gelichtet. Nach siebenmonatiger Fahrt langte er in Batavia an. Aber bald schrieb er seiner Mutter: „Es reut mich, diese Ufer betreten zu haben, wo man den Pflichten der Religion nicht genügen kann.“ Die katholische Religion war dort streng verboten. Die kalvinischen Holländer ließen alles zu: Lutheraner, Wiedertäufer, Juden und Mohammedaner, nur keinen katholischen Priester. Auch keine katholische Kirche. Deshalb sammelte der brave Offizier die wenigen Katholiken in seiner Wohnung und betete mit ihnen den Rosenkranz. Eines Tages hörte er, im Hafen liege ein Schiff, auf dem ein Priester der Gesellschaft Jesu sich befände. Sofort eilte er hin, um die heiligen Sakramente zu empfangen. Auch führte er die anderen Katholiken zum Missionar. Doch nach 14 Tagen segelte das Schiff wieder ab. Da Kratz auch als Offizier frei seinen Glauben bekannte, musste er bei seinen Kameraden vielen Spott hören. Er weile, schrieb er an Pater Vrechen, in einem Abgrund von Bosheit. Deshalb nahm er nach drei Jahren seinen Abschied und schloss sich einem katholischen Kaufmann an, mit dem er nach Makao in China fuhr. Hier vernahm er den Ruf der Gnade. Durch die Empfehlung des Paters, der ihn in Batavia hatte kennen und schätzen gelernt, erhielt er die Aufnahme in die Gesellschaft Jesu. Er stand im Alter von 32 Jahren. Nach Vollendung der Studien wurde er zum Priester geweiht und brachte am Tag vor Weihnachten 1734 zum ersten Mal das unblutige Opfer dar. Er ahnte wohl nicht, dass er drei Jahre später sein Blut für den Heiland opfern würde. Wegen seiner allseitigen Sprachkenntnisse hätten die Obern ihn gern in Makao gehalten; aber auf seinen inständigen Wunsch wurde er im März 1735 mit drei anderen Patres nach Tonkin geschickt, um in diesem heidnischen Land das Evangelium zu predigen. Kaum waren sie gelandet, als Häscher sie ergriffen und ins Gefängnis von Nau-chao schleppten. Von April bis September hielt man sie fest und brachte sie dann nach Makao zurück. Bleich und abgezehrt kamen sie am 24. Dezember bei ihren Mitbrüdern an. Schon im März des folgenden Jahres wagten sie von neuem die Fahrt. Doch sie wurden ergriffen und zur Hauptstadt gebracht. Die Häscher, fürchtend, die Christen möchten die Priester erkennen und befreien, deckten ihnen einen Kasten über den Kopf, so dass nur die Füße sichtbar blieben. Die Qual war entsetzlich. Im königlichen Palast wollte man sie zwingen, das Kreuz mit Füßen zu treten; aber sie küssten es ehrfurchtsvoll. Darauf legte man ihnen den gemeinschaftlichen Kang um den Hals. Dieser bestand aus zwei zusammengefügten Brettern, aus deren Löchern die Köpfe hervorragten. Neun Monate schmachteten die Bekenner, mit dem Kang beladen, in einem Gefängnis, das der Volksmund wegen seiner ausgesuchten Qualen die Hölle nannte. Und doch priesen sie Gott ob dieser Leiden. Da teilte ein Katechist ihnen mit, dass sie am 12. Januar sterben würden. Voll Freude über das Märtyrium, das ihm winkte, schrieb Pater Kratz an Pater Sibin: „O glücklicher Tag, o selige Stunde, von so vielen Heiligen ersehnt, und von so vielen, die besser waren als ich, nicht gefunden! Mit dem innigsten Frohlocken erwarten wir den Heldenkampf und wünschen aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein.“ Am Morgen des 12. Januar 1737 wurden die Gefangenen zum Richtplatz geführt. Der heidnische Pöbel überhäufte sie mit Schimpfworten, während die Soldaten sie mit Faustschlägen vorantrieben. Auf dem Richtplatz waren die Augen der Menge besonders auf Pater Kratz gerichtet; denn auf seinem Antlitz strahlte eine himmlische Seligkeit. Auf das Zeichen schwangen die Henker das Schwert, und vier Märtyrerhäupter rollten in den Staub. Die heiligen Gebeine wurden später in der Jesuitenkirche zu Makao beigesetzt.

 

Pater Kratz stand im 39. Lebensjahr und im siebenten seines Ordenslebens. Er liefert ein herrliches Beispiel, dass ein junger Mann auch in den größten Gefahren der Welt seinen Glauben und seine Herzensreinheit bewahren kann. Möchten doch alle jungen Leute seinem Beispiel folgen und sich so wie er an Gott anklammern, wenn ihnen sittliche Gefahren drohen!

 

Der heilige Bernhard von Corleone, Kapuziner-Laienbruder, Italien,

+ 12. Januar 1667 – Fest: 12. Januar

 

Zwei Wege führen die Menschenseele auf ihrer Erdenpilgerschaft heimwärts zum ewigen Vaterland – der Weg der Unschuld und der Weg der Buße. Weiße Lilien und rote Rosen umsäumen den Engelsweg der Unschuld, während auf dem schmalen Büßersteig viel Dornen und Passionsblümlein stehen. Doch aus den Dornen der wahren Buße blüht auch die herrliche Christrose echter Tugend und Vollkommenheit.

 

Da klopfte einst im Jahr 1632 an die Pforte eines armen Kapuzinerklosters der berühmte und berüchtigte Philipp Latini, der „beste Haudegen“ auf der Insel Sizilien.

 

Groß und stark, kühn und ehrgeizig, hatte ihm einst das ruhige Sitzen auf dem Schusterdreibein seines Vaters nicht behagt. Die friedliche Schusterahle gefiel ihm weniger als der klingende Degen. Mit dem Waffenhandwerk dachte er eher sich Ruhm, Reichtum und Weltglück zu erobern. Bald war der junge Mann als der beste Raufer weit und breit gefürchtet. Jeden Kampf nahm er auf und immer blieb er Sieger. Waffenruhm und Ehrgeiz berauschten den „tollen Philipp“. In dieser Selbsttäuschung betrachtete er die wilden und ärgerlichen Streiche seines unchristlichen Lebenswandels als „Heldentaten“, die immer mehr überboten werden mussten.

 

Und doch war in dem wilden Fechtmeister noch ein Fünklein christlicher Gesinnung. Zur Sühne seiner Sünden und Taten stiftete er eine stets brennende Lampe vor einem Kruzifixbild. Kaum hatte Philipp von Klagen gehört, dass arme Mädchen und Frauen, die abends von der Arbeit auf den Feldern in die Stadt zurückkehrten, von der verwilderten Soldateska schwere Übergriffe zu erleiden hätten, so übernahm er ritterlich ihren Schutz. Wo ein Hilferuf erscholl, war er zur Stelle. Klingen kreuzten, Funken sprühten. Mit schwerer Wunde bezahlte jeder Frevler sein Unterfangen. Allein Gottes Vorsehung hatte den Haudegen zu Höherem bestimmt. „Jedem ist sein Tag beschieden!“ und auch der Fechtmeister brachte Kampf und Streit zu rechtem Frieden. Bei einem Waffengang mit einem Gegner lieferte er noch ein Meisterstück, so dass dieser schwer verwundet liegen blieb. Philipp musste aus der Stadt Palermo flüchten – gerade in die Arme Gottes. Eine Gnadenerleuchtung ließ ihn erkennen, dass der Mensch nicht über dem Leib die Seele, nicht über der Erde den Himmel vergessen dürfe, nicht über der kurzen Zeit die lange, lange Ewigkeit. Auf demütiges und inständiges Bitten hin empfing dann der Haudegen das arme Ordenskleid der Kapuziner und wurde mit dem Ordensnamen Bernhard der großen Armee der Streiter Jesu Christi einverleibt, um unter dem sieghaften Zeichen des heiligen Kreuzes ein stilleres, aber noch rumvolleres Heldentum zu beginnen.

 

Mit heldenmütigem Erstlingseifer brach Bruder Bernhard mit seinen bisherigen Weltleben in Ehrsucht, Vergnügungssucht und dem Streben nach irdischem Reichtum. Die drei Ordensgelübde der heiligen Armut, des Gehorsams und der Keuschheit nahm er sich als Richtpunkte in dem schweren, langwierigen Kampf gegen den Weltgeist in seinem Leib und in seiner Seele. Auf diesem harten Kreuzweg der Buße musste er den Himmel mit heiliger Gewalt erstürmen.

 

In welche Gefahr hatte er doch bisher seine Keuschheit gebracht durch allzu große Weichlichkeit und Sinnlichkeit seines Lebens! Zur Buße dafür ließ er jeden Tag siebenmal seine schreckliche Bußgeißel auf das verweichlichte Fleisch niedersausen. Im Eifer der Selbstüberwindung und Abtötung verwandelte Bruder Bernhard sein ganzes Leben in eine beständige Fastenzeit, sühnte seine frühere Lüsternheit durch das Versagen jeglicher Ergötzung der Gaumenlust und freudige Hinnahme von körperlichen Schmerzen. Einige mitleidige Mitbrüder ersuchten den Büßer einst, sein Folterbett für die drei Stunden Nachtruhe etwas bequemer zu gestalten, allein der Heilige gab zur Antwort: „Der Weg zum Paradies ist auch eng und schmal.“ Strenge Behutsamkeit der Augen, Leben in Gottes Gegenwart, heilige Zurückhaltung und die körperlichen Bußwerke bildeten den Dornenzaun, in dessen Schutz die Lilie der Keuschheit wohlverwahrt blühte. Diese Tugend der Herzensreinheit gab dem demütigen Bruder auch oft eine heilige Energie ein und flammenden Eliaseifer, wenn er mit den Donnerworten prophetischer Strafdrohungen lasterhafte Menschen von ihrem Sündenleben abschreckte.

 

Stolz und selbstbewusst hatte der frühere Fechtmeister als „Herrenmensch“ sich aufgespielt, jede vermeintliche Beleidigung blutig gerächt und sich darob wegen seiner scheinbaren Selbstherrlichkeit bewundert. Im Orden des heiligen Franziskus lernte er nun allmählich die schwere Kunst, demütig und sanftmütig zu werden und sich unter das christliche Joch des freiwilligen Gehorsams zu beugen. Nicht als ob diese Umwandlung ohne Schwierigkeiten und Wehen bei Beleidigungen wieder auf, allein Bruder Bernhard strafte sich für gereizte Worte so schwer, dass diese Äußerungen des Hochmutes schließlich ganz verschwanden. Bei all seinem Tugendstreben ließ er sich von einer erleuchteten Klugheit leiten und vermied so die Gefahren des aszetischen Eigensinnes und Tugendstolzes, der oftmals vor dem Fall kommt. Sobald der Gehorsam ihm Fasten und Bußübungen verbot, ließ er mit heiliger Gleichmütigkeit davon ab. Wurde der Befehl wieder zurückgenommen, begannen sie wieder in heldenmütiger Freude.

 

Woher nun schöpfte der ungelehrte Bruder diese Wissenschaft der Heiligen? Unkundig des Lesens gab er sich einst auf den guten Rat anderer hin viel Mühe, die Anfangsgründe zu erlernen, um geistliche Bücher lesen zu können. Um die gleiche Zeit betete Bernhard vor einem Bild des Gekreuzigten, ganz in Andacht und mystische Ekstase versunken, da hörte er aus dem Mund des Gekreuzigten deutlich die Worte: „Bernhard, dein Buch seien meine Wunden!“ Diese Vision entfachte aufs Neue den Eifer, in dem großen Buch des Leidens Christi recht zu lesen, bis sich ganz die Loslösung von dem sündhaften Selbst und die Umbildung in Christus vollzogen hätten.

 

Einstmals suchte Philipp Latini sein Lebensglück in den Scheingütern dieser Welt, als Bruder Bernhard fand er das wahre Glück in dem geistlichen Reichtum der freiwilligen Armut. Aus dem Schatz dieser seiner christlichen Welt- und Himmelserfahrung teilte er gerne aus, um kleinmütige Seelen zu trösten und aufzumuntern. "Höret", sagte er bei einer geistlichen Unterredung einmal, „der Ordensstand ist ein schöner Garten, der den Augen der göttlichen Majestät in seiner Mannigfaltigkeit sehr angenehm ist. Unter den Religiosen soll darum der eine sich auszeichnen in der Demut, der andere in der Armut, jener in der Bußfertigkeit und Abtötung, dieser im Gehorsam und in der Unterwürfigkeit, einige obliegen den Werken der Liebe, andere der Betrachtung und dem hohen geistlichen Leben. Sei nun einer minder oder mehr, so sind doch alle dem himmlischen Gärtner angenehm und wohlgefällig. Lasst uns daher seinem göttlichen Willen uns ergeben und jenen geistlichen Weg gehen, den er selbst uns zeigt, auch zufrieden sein mit dem, was er uns gibt, das Verlangen aber nach dem, was er zu größerem Nutzen uns entzieht, ihm zum Opfer bringen.“

 

Fünfunddreißig Jahre büßte der frühere Fechtmeister in seiner heroischen Weise die Fehler seiner wilden Jugendjahre, schritt auf dem Weg der Buße stetig vorwärts, aufwärts, himmelwärts, bis er dann kurz nach seinem Tod einem großen Diener Gottes in strahlender Himmelsherrlichkeit erschien und jubelnd ausrief: „O selige Verleugnung des eigenen Willens! O seliges Fasten und Wachen! O selige Bußfertigkeit!“

 

Auf dem Weg der Unschuld oder auf dem Weg der Buße muss jede Seele zum Himmel pilgern. Ach wie viele lassen sich vor täuschenden Irrlichtern weglocken vom Unschuldspfad und müssen langsam und mühsam auf dem Bußweg sich emporarbeiten. Nur Mut und Vertrauen, liebe Seele! Du findest schon den rechten Himmelsweg:

 

„Hast den ersten du verlassen,

Walle standhaft auf dem andern!

Hier auch wird es einmal tagen,

Und die Friedenssonne grüßen.

Harre! Hoffe! Bald siegst du!

Selig sind, die reuvoll büßen!“

 

Bernhard von Corleone wurde am 5. Mai 1768 seliggesprochen und von Papst Johannes Paul II. am 10. Juni 2001 heiliggesprochen.

 

13. Januar

 

Der heilige Hilarius, Bischof und Kirchenlehrer von Poitiers,

+ 13.1.366 - Fest: 13. Januar

 

Um 315 kam Hilarius in Poitiers als Sohn einer vornehmen heidnischen Familie zur Welt. Er heiratete und hatte eine Tochter.

 

Ständig war er bemüht, sein Wissen zu erweitern und seinen Geist zu schulen. Die Heilige Schrift, die er während seiner Studien las, beeindruckte ihn so, dass er sich taufen ließ. Von den Mitgliedern seiner Gemeinde zum Bischof gewählt, bekämpfte er in Wort und Schrift den Arianismus.

 

Von Kaiser Konstantin II., der die Arianer begünstigte, wurde Hilarius 356 nach Kleinasien verbannt. Bereits in den ersten Monaten seines Exils begann er sein Hauptwerk über die Dreifaltigkeit, „De Trinitate“, niederzuschreiben. Dieses zwölfbändige Werk wurde zur Streitschrift gegen den Arianismus.

 

Hilarius konnte 360 nach Poitiers zurückkehren und kämpfte von dort aus unermüdlich für die Widerherstellung des rechten Glaubens.

 

Der Kirchenlehrer starb 367 in seiner Bischofsstadt Poitiers.

 

„Der heilige Hilarius verwandte die Zeit, welche er in Phrygien zubrachte, zur Abfassung mehrerer gelehrter Werke, wovon das vorzüglichste und am meisten geschätzte seine Abhandlung über die Dreieinigkeit ist. Es enthält zwölf Bücher. Der Heilige bewies darin auf die bündigste Weise die gleiche Wesenheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Er lehrt, dass die Kirche nur Eine ist, und dass alle Irrlehrer außerhalb stehen; dass sie sich dadurch von den verschiedenen Sekten unterscheidet, weil sie, ihre Einheit stets erhaltend, sie alle bekämpft und des Irrtums überführt, obgleich sie allein allen gegenüber stehen muss; und dass sie den Anlass zu ihren schönsten Triumphen in den immerwährenden Spaltungen findet, welche unter den Anhängern des Irrtums herrschen. Dann zeigte er, dass der Arianismus die wahre Lehre nicht sein könne, weil er dem heiligen Petrus nicht geoffenbart worden, den doch der Herr zur unerschütterlichen Grundfeste der Kirche bis zum Ende der Zeiten erwählt hat, dessen Glaube nie untergehen werde, weil Jesus Christus geboten hat, dass er nie aufhöre; dem die Schlüssel des Himmelreiches übergeben worden, und dessen Urteile Gott im Himmel bestätigt, obgleich sie auf der Erde ausgesprochen werden.

 

Als Hilarius auf seiner Heimreise aus der Verbannung zu Selencia in eine Kirche ging, schrie Florentina, ein heidnisches Mädchen, durch die Volksmasse sich drängend, mit lauter Stimme: „Ein Diener Gottes, ein Diener Gottes!“ Dann warf sie sich zu seinen Füßen und sprach: „Mann Gottes, ich weiche nicht von dir, bevor du mich gesegnet hast.“ Der Vater des Mädchens, der dieses sah, wurde so ergriffen, dass er sich mit seiner ganzen Familie taufen ließ.

 

Florentina verließ ihre Eltern, folgte dem Heiligen bis Poitiers, und ehrte ihn, so lange er lebte, als den Vater, der sie für den Himmel erzogen hatte. Auf derselben Reise kam Hilarius an einer Insel vorbei, die man wegen der vielen wilden Hühner die Hühnerinsel nannte. Ebendort waren sehr viele giftige Schlangen, so dass diese Insel allgemein gemieden wurde. Als der Heilige dies hörte, bestieg er ein Schiff, fuhr bis zur Insel hin und ließ sich ein Kreuz voraustragen. Kaum wurden die Schlangen desselben ansichtig, ergriffen sie die Flucht.

 

Bald nach seiner Rückkehr starb zu Poitiers ein Kind ohne die heilige Taufe. Die Mutter, deren einziges Kind es war, ging zu Hilarius, warf sich ihm zu Füßen und bat ihn unter Tränen, ihr Söhnlein lebendig zu machen, damit es die heilige Taufe bekäme. Der Heilige, von Mitleid gerührt, warf sich in Gegenwart einer großen Volksmenge auf die Erde nieder und betete. Unterdessen röteten sich allmählich die Wangen des Kindes, seine erstarrten Glieder wurden warm, endlich öffneten sich auch die Augen, es atmete und fing an zu schreien. Das Kind wurde sogleich getauft und ward in der Folge ein frommer Diener der Kirche.“

 

Hilarius wird oft mit Schlangen (Symbol für arianische Irrlehren), die er zertritt oder mit dem Bischofsstab durchbohrt, dargestellt.

 

Die Stadt Poitiers ernannte ihn zu ihrem Schutzheiligen. Hilarius hilft gegen Schlangen und ist der Patron der kleinen und schwächlichen Kinder.

 

Der heilige Agritius (Agricius, Agroecius),

Bischof und Bekenner von Trier,

+ 13.1.335 - Fest: 13. Januar

 

Die heilige Helena soll der Legende nach diesen heiligen Mann selbst zum Bischof von Trier vorgeschlagen haben.

 

Agritius beseitigte in seiner Diözese die letzten Spuren des Heidentums und predigte außerdem noch in Gallien und Belgien. Er starb 332 oder 335 und wurde in Trier in der Kirche Sankt Maximin beigesetzt.

 

Der heilige Agritius wird mit Buch und Kreuz dargestellt.

 

Die erste christliche Kaiserin, die heilige Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, hielt sich längere Zeit in der Stadt Trier auf, die damals schon eine der berühmtesten und ältesten Städte Deutschlands war. Ihre unablässige Sorge ging dahin, die heidnischen Bewohner jener Gegend für den christlichen Glauben zu gewinnen. Deshalb bat sie den damaligen Papst Silvester inständig, der hochansehnlichen Stadt Trier, die man das zweite Rom zu nennen pflegte, einen ausgezeichneten Bischof zu geben. Aller Augen richteten sich auf Agritius, den Patriarchen von Antiochien, als den ausgezeichnetsten und würdigsten Kirchenfürsten jener Zeit.

 

Obgleich sein ganzes Herz in Liebe an seinem bisherigen Kirchensprengel hing, folgte Agritius doch gehorsam dem Ruf des Papstes Silvester nach Rom und übernahm demütig die schwierige Stellung in Trier. Durch Vermittlung der gottbegeisterten Kaiserin erhielt der neue Oberhirt von Trier kostbare Reliquien, die sie selbst aus dem Morgenland mitgebracht hatte, z.B. das Haupt des heiligen Apostels Matthias, einen Nagel, mit dem der göttliche Heiland am Kreuz befestigt war, ein Messer, das der Herr beim letzten Abendmahl gebrauchte, eine Zahn des heiligen Petrus, das Haupt des heiligen Papstes Cornelius und viele andere kostbare Reliquien. Zudem erhob der Papst das Bistum Trier zu einer Metropolitankirche.

 

Als der heilige Agritius nach Belgien und an die Mosel kam, fand er vom Christentum nur zerstreute Trümmer; denn unter den blutdürstigen Kaisern Diokletian und Maximian, besonders unter der Verfolgung des römischen Statthalters Rictiovarus floss das Blut der Christen in Strömen. In Trier wurden Tausende von Christen ermordet, so dass sich die Mosel von Blut rot färbte und dass sich der Fluss vor der Menge der Leichen staute. Ein breiter und tiefer Brunnen war mit Gebeinen der heiligen Märtyrer gefüllt. Agritius tat alles, um die Religion Jesu Christi wiederherzustellen. Später legte der heilige Bischof Felix die heiligen Überreste der Märtyrer jener Zeit in der von ihm erbauten Kirche des heiligen Paulinus nieder, dessen Gebeine er von Phrygien erhalten hatte.

 

Der heilige Agritius fand ein mit Disteln und Dornen überwuchertes Feld vor, weil in den blutigen Verfolgungen nur wenige Christen übrig geblieben waren, aber wie ein fleißiger Landmann nicht ruht, bis er den verwilderten Acker in fruchtbaren Boden umgeschaffen hat, so ließ auch der unermüdliche Bischof nicht nach, bis er das Unkraut des Unglaubens und der Gottlosigkeit ringsumher ausgerottet und den Weizen des göttlichen Wortes mit dem besten Erfolg in die Herzen seiner Pflegebefohlenen gesät hatte. Was Wunder, dass Gott seinen Segen reichlich über seinen treuen Diener und dessen Wirken ausgoss.

 

Nahm sich der heilige Agritius den Apostelfürsten Petrus zum Vorbild in seinem unermüdlichen Wirken für das Reich Gottes, so blieben ihm auch dessen Leiden nicht erspart. Seine Sehnsucht nach dem Martyrium sollte sich in gewisser Weise erfüllen, denn auf seinen Missionsreisen erlitt er Mühsale, Schmerzen, Schmähungen aller Art, so dass er dem göttlichen Heiland ähnlich wurde, von dem er auch seinen Lohn erwartete.

 

In jener Zeit wagte es ein treuloser Küster, den heiligen Nagel zu entwenden. Siehe, da quoll aus dem eisernen Nagel eine solche Menge Blut, dass das Kleid des Kirchenräubers ganz davon erfüllt wurde. Mit Entsetzen sah der Gottlose das Wunder und bekannte öffentlich vor dem Bischof und dem versammelten Volk, das auf den ungewohnten Klang der Glocken herbeieilte, seinen Frevel und zeigte den bluttriefenden Nagel Christi. Eine vom Teufel besessene Frau aus Regensburg, namens Winniberga, hatte viele heilige Stätten besucht, um von ihren harten Banden befreit zu werden, jedoch ohne Erleichterung. Als in Trier der Exorzismus angewendet wurde, erklärte der Teufel, dass er dem Nagel, der den rechten Fuß des Heilandes durchbohrt habe, nicht widerstehen könne. Mit furchtbarem Gebrüll wich er aus der vielfach gequälten Frau.

 

Der heilige Bischof reinigte sein Bistum Trier so gründlich vom Schmutz des Unglaubens und der Gottlosigkeit, dass es im Lauf der Jahrhunderte nicht wieder in Ketzerei verfiel. Dazu trug seine himmlische Geduld, sein unüberwindlicher Eifer und seine geläuterte Klugheit wesentlich bei. Wie von einem Baum viele Äste und Zweige ausgehen und zahlreiche Früchte hervorbringen, so beschränkte sich die Wirksamkeit des heiligen Agritius nicht auf seine Stadt, sondern sie dehnte sich auf Belgien, Gallien und einen großen Teil Deutschlands aus. Den Palast der heiligen Kaiserin Helena wandelte er in eine Metropolitankirche um und weihte sie ein zu Ehren des Apostelfürsten Petrus. Um seinem Werk die Krone aufzusetzen, gesellte er sich zwei ausgezeichnete Schüler zu, die ihm im Oberhirtenamt folgen und wie zwei hellglänzende Sterne auf dem Bischofssitz des heiligen Agritius leuchten sollten, den Maximinus und Paulinus. Beiden flößte er seine Wissenschaft und seine Heiligkeit ein. Er selbst stand in ihrer Mitte wie eine Stadt auf dem heiligen Berg, auf ihn richteten sich bewundernd die Augen seiner Zeitgenossen. Seinen treuen Gefährten und späteren Nachfolgern im Amt sagte er voraus, dass sie schwere Kämpfe gegen die Irrlehrer zu bestehen haben würden, aber auf diesen beiden Säulen würde der Glaube und die Gottesliebe sicher ruhen.

 

Als der hochverdiente Agritius im vorgerückten Greisenalter seine baldige Auflösung fühlte, ernannte er nach göttlicher Aufforderung seinen älteren Schüler Maximin zu seinem Nachfolger, lud dann das ganze Volk zu sich, verkündete ihm mit großer Herzensfreude, dass ihm die Engel Gottes seine baldige Abberufung angekündigt hätten, und weihte mit eigener Hand seinen lieben Maximin zum Bischof. Nicht lange danach gab er seinen Geist auf, um von der himmlischen Heerschar die Krone der Vergeltung zu empfangen. Sein Todes- und Gedächtnistag ist der 13. Januar.

 

Das schöne Dreigestirn Agritius, Maximin und Paulin leuchtet glänzend am Himmel der Heiligen Deutschlands und mit Stolz nennt die uralte Stadt Trier jene drei heiligen Bischöfe die ihrigen.

 

Der selige Gottfried von Kappenberg, Graf, Priester,

+ 13.1.1127 - Fest: 13. Januar

 

Auf steiler Anhöhe an dem wiesengrünen Ufer der Lippe erhebt sich das prächtige, fensterreiche Schloss Kappenberg, das weit hinausschaut über das westfälische Land mit seinen zahlreichen Städten und Dörfern. Das war voreinst der Stammsitz der Grafen von Kappenberg, die von väterlicher wie von mütterlicher Seite mit dem Kaiserhaus verwandt waren. Dort erblickte der edle Graf Gottfried im Jahr 1097 das Licht der Welt. Von seinem Großvater, dem gottseligen Grafen Hermann, erlebte er tiefe Gottesfurcht, Demut, Sanftmut und Güte, womit er angeborene Klugheit, eine reiche Erfahrung und glänzende Beredsamkeit verband. Die Kriegsfehden jener Zeit nötigten ihn oft, zu den Waffen zu greifen, aber er schärfte seinen Mannen die Worte des Bußpredigers Johannes ein: „Tut niemand Gewalt an, beschuldigt niemand fälschlich, begnügt euch mit eurem Sold!“

 

In den Armen und Kranken erkannte Gottfried die leidenden Glieder des dornengekrönten Heilandes. Er brachte ihnen kräftige Speisen und Getränke, bereitete ihnen mit eigenen Händen ein weiches Lager, verband ihre Wunden, tröstete und ermutigte sie zur Geduld. Einem Aussätzigen, vor dem jedermann floh, wusch er die ekelhaften Wunden und trank sogar aus seinem Becher. Nie schlug er einem Bettler ein Almosen ab, und wenn er ausritt, nahm er eine gefüllte Börse für Notleidende mit, und kehrte stets mit leerem Säckel, aber immer mit frohem Herzen heim. Sein Hausgesinde liebte ihn wegen seiner Sanftmut und Leutseligkeit, und ehrte ihn überaus hoch. Mit seiner jungen Gemahlin Jutta, einer Tochter des Grafen Friedrich von Arnsberg, lebte er in der glücklichsten Ehe.

 

Um diese Zeit durchzog der heilige Norbert, der durch die Gnade Gottes aus einem genusssüchtigen Weltmann in einen demütigen Mönch umgewandelt war, als Prediger der Buße das Rheinland und kam, demütig auf einem Esel reitend, auch auf das Schloss Kappenberg. Gottfried wurde durch die Worte und Wunder des Heiligen so gewaltig ergriffen, dass er den Entschluss fasste, sein Leben als Ordensmann ganz Gott zu weihen und schein Schloss Kappenberg in ein Kloster umzubauen. Aber seinem Vorhaben standen viele Hindernisse im Weg. War zu erwarten, dass seine Gemahlin einwilligte, und dass sein Bruder Otto auf das Erbrecht verzichtete? Der vereinten Beredsamkeit Norberts und Gottfrieds gelang es, die irdische Liebe Juttas mit dem Feuer der himmlischen Liebe zu dämpfen und den Bruder Otto zu bewegen, dass er nicht nur das Vorhaben seines Bruders billigte, sondern sogar beschloss, dessen Beispiel nachzuahmen. Am 31. Mai 1122 beriefen die Grafen Gottfried und Otto ihre Verwandten und Vasallen und erklärten in ihrer Gegenwart feierlich, dass sie um ihres Seelenheiles willen die Burg Kappenberg samt allen Gütern und Höfen dem Bruder Norbert zum Nutzen des Prämonstratenser Ordens übergäben. Gleicherweise stiftete Gottfried aus seinen Gütern noch zwei andere Klöster, nämlich Varlar und Ilmstädt (Ilbenstadt) am Main.

 

Der Bischof von Münster weihte die Burg Kappenberg zu einem Prämonstratenserkloster feierlich ein. Der heilige Norbert übernahm als erster Abt die Leitung des Klosters, zu dem sich zahlreiche Novizen einfanden. Gottfried empfing die Tonsur und das geistliche Kleid. Sein Bruder Otto trat in das neue Kloster. Frau Jutta errichtete am Fuß des Berges ein Frauenkloster und nahm mit ihrer Schwägerin Beatrix ebenfalls die Regel des heiligen Norbert an.

 

Über die neue Ordnung der Dinge auf Kappenberg war Gottfrieds Schwiegervater, der mächtige Graf Friedrich von Arnsberg, höchst ergrimmt und wollte nicht hinnehmen, dass seine Tochter den Schleier nehme und dass die reichen Güter dem Kloster verfielen. Er drohte mit Gewalt, aber ein plötzlicher Schlagfluss zerstörte seinen Plan.

 

Während des Noviziates verrichtete Gottfried die niedrigsten Geschäfte, fastete streng, genoss fast nur noch Wasser und Brot, freute sich, wenn er gering geschätzt wurde und verabscheute alles Lob. Gegen alle war er liebreich, nur gegen sich selbst unnachsichtig streng. Beschwerten sich zuweilen die Novizen über die Strenge des Ordens, so ermahnte er sie ernstlich: „O meine Brüder, mit der menschlichen Trägheit durchschiffen wir den reißenden Strom des Lebens nicht. Behalten wir nicht das höchste Ziel im Auge und verfolgen wir es nicht mit aller Kraft, so werden wir bei einem sehr niedrigen Ziel landen. Deshalb wollen wir lieber die Strenge vermehren, als vermindern.“ Wenn der heilige Norbert die Begeisterung und tiefe Demut Gottfrieds beobachtete, rief er freudig aus: „Nun kann ich doch ruhig sterben; denn ich weiß, welchen treuen Nachfolger ich haben werde.“

 

Einige Zeit vor der Professablegung sandte der heilige Norbert die beiden Brüder nach dem Mutterkloster Prämonstrat in Frankreich. Dort legten sie die feierlichen Gelübde ab und kehrten dann nach Kappenberg zurück. Als dort infolge von Missernte Hungersnot und Seuchen ausbrachen, erbaute Gottfried neben dem Kloster ein großes Hospital, in dem die Ordensbrüder die Krankenpflege übernehmen mussten.

 

Als der heilige Norbert im Jahr 1126 auf den erzbischöflichen Stuhl zu Magdeburg erhoben wurde, berief er seinen lieben Freund Gottfried zu sich, um sich seines weisen Rates zu bedienen und ihm auf seine Nachfolge im Amt vorzubereiten. Aber schon nach wenigen Tagen erkrankte Gottfried und bat den heiligen Erzbischof um Erlaubnis zur Heimreise. In dem von ihm gestifteten Kloster Ilmstädt erkrankte er schwer und bereitete sich auf sein Ende vor. Sein Bruder Otto, der ihn begleitet hatte, war sehr um ihn bekümmert. Gottfried aber frohlockte, dass er bald zur Anschauung Gottes gelange, und sprach heiter: „Lass uns doch diese Stunde mit Freude annehmen und Gott Dank sagen, dass er uns von der Arbeit zur Ruhe, von der Armseligkeit zur wahren Glückseligkeit abfordert! Es gibt ja keinen anderen Weg zum letzten Ziel und Ende, als den Tod.“ Darauf empfing er mit seliger Wonne die heiligen Sterbesakramente, nahm von allen Klosterbrüdern Abschied und bat sie um Verzeihung. Als ihn Otto fragte, ob er gar keine Lebenshoffnung mehr habe, entgegnete er: „Ich habe eine große Hoffnung, aber um alles in der Welt möchte ich nicht länger in diesem Tal der Zähren leben.“ Nachdem er einige Augenblicke seine Augen geschlossen hatte, sprach er zu seinem Bruder: „Ich höre eine Stimme, die da sagt: geh ihm entgegen! Siehe, die Abgesandten meines Herrn eilen mir entgegen! Willkommen, willkommen, ihr himmlischen Boten meines Herrn!“ Mit diesen Worten verschied er am 13. Januar 1127, in seinem dreißigsten Lebensjahr.

 

In derselben Stunde sah ihn seine Base Gerberga mit einer Krone auf dem Haupt, auf der die Worte des Propheten standen: „Er hat mich bekleidet mit dem Gewand des Heils.“ Seine Gebeine wurden zwischen Kappenberg und Ilmstädt geteilt. Eine Menge Wunder geschahen am Grab und auf die Fürbitte Gottfrieds. Deswegen nahm ihn die Kirche unter die Seligen auf. Während des unseligen dreißigjährigen Krieges erbrachen hessische Soldaten die Gruft und zerstreuten die heiligen Gebeine, aber die Verehrung des Seligen konnten sie nicht aus den Herzen reißen.

 

Die heiligen Hermylus, Martyrer von Singidonum, Serbien,

+ 308-324 – Fest: 13. Januar,

und Stratonicus, Kerkermeister und Martyrer in Serbien,

+ 308-324 – Fest: 13. Januar

 

Licinius hatte sich auf den morgenländischen Kaiserthron emporgeschwungen, und als ein Feind des Christentums den schrecklichen Entschluss gefasst, das Andenken an Jesus, den Erlöser der Menschen, ganz von der Erde zu tilgen, und alle Völker zur Verehrung der Götter zu zwingen. Deswegen befahl er in seinem ganzen Reich eine allgemeine Christenverfolgung, und wer sich weigerte, erdichteten, falschen Götzen Weihrauch zu streuen, der wurde unter den schrecklichsten Martern zu Tode gequält. Es war im Jahr 316, wo die Verfolgung den höchsten Grad erreicht hatte, als Hermylus beim Kaiser als ein Christ verklagt und eingekerkert wurde. Der Kaiser saß auf seinem Thron, als der Bekenner vor Gericht erschien mit unerschrockener und heiterer Miene, den er so anredete: „Bekennst du dich zur christlichen Religion?“ Hermylus antwortete: „Ich bin nicht nur ein Christ, sondern auch ein Diener Gottes; denn ich bin durch die Händeauflegung des Bischofs zur Würde eines Diakons eingeweiht worden.“ – „Und ich“, entgegnete der Kaiser, „weihe dich ein zur Würde eines Priesters der unsterblichen Götter.“ Lächelnd antwortete der Bekenner: „Ich würde sehr töricht handeln, wenn ich die Stelle eines Dieners des wahren und lebendigen Gottes mit jener deiner Götter vertauschen wollte, die du aus Holz und Steinen hast verfertigen lassen.“ Schamröte übergoss das Gesicht des Kaisers bei diesen Worten und wütend befahl er dem Frevler den Mund zu zerquetschen und ihn drei Tage lang ohne alle Nahrung in einem finsteren Kerker schmachten zu lassen.

 

Der Heilige brachte diese Zeit im Gebet zu und himmlischer Trost stärkte wie Balsam seine lechzende Seele. Schon am vierten Tag wurde er wieder vor den Richterstuhl des Licinius gebracht, der ihn fragte, ob ihn Hunger und Durst nicht auf andere Gesinnungen gebracht hätten? „Nein“, erwiderte Hermylus, „ich habe mich Gott geweiht und von ihm trennt mich keine Marter.“ – „Also wird dich dein Gott wohl auch aus meiner Gewalt befreien“, sprach höhnend der heidnische Kaiser, und gab sechs blutdürstigen Henkern einen Wink, die sogleich den Heiligen zu Boden rissen und ihn grausam schlugen. Während dieser Marter erhob er seine Augen zum Himmel und flehte um Standhaftigkeit im Kampf für die Ehre Jesu, und eine laute Stimme ertönte: „Amen, Amen. Nach drei Tagen wirst du die Krone des ewigen Lebens erhalten!“ Bei diesen Worten stürzten die Henker vor Schrecken zu Boden und auch der Kaiser erschrak heftig; aber er erholte sich schnell, und da auf sein böses und verhärtetes Gemüt nichts mehr einen Eindruck machte, geriet er in Wut und ließ den Bekenner rücklinks auf ein Marterwerkzeug werfen, das die größte Grausamkeit erfunden hatte. Denn spitzige Messer, die im Kreis herumliefen, zerfleischten den Rücken von unten, und oben wurde der Körper mit Ruten geschlagen.

 

Hermylus ertrug diese schreckliche Marter mit christlicher Geduld, und als er seinen verstümmelten Leib, aus dem die Gedärme drangen, ansah, betete er laut: „Mein Herz und mein Fleisch haben sich in dem lebendigen Gott erfreut.“ Hierauf wurde er wieder in das Gefängnis gebracht, wo Stratonicus, der im Geheimen ein Christ und der Aufseher über die Gefangenen war, durch den Anblick seiner Wunden so gerührt wurde, dass er in einen Strom von Tränen und in ein lautes Wehklagen ausbrach. Dieses bemerkte ein heidnischer Soldat von der Kerkerwache, entfernte sich und brachte dem Kaiser darüber Nachricht, dass Stratonicus selbst ein Christ sei. Sogleich wurde er in das Verhör genommen, wo er es auch frei und ohne Zaudern gestand, dass er an den wahren Gott glaube, der Himmel und Erde erschaffen habe. Licinius befahl, ihn bis aufs Blut zu geißeln, und weil er während dieser Marter standhaft Jesus bekannte, ließ er ihn zu noch heftigeren Leiden in ein Gefängnis werfen, wo er in der Nacht, als er zu Gott um Verzeihung seiner Sünden und um Standhaftigkeit in dem ihm bevorstehenden Kampf flehte, die Stimme vernahm: „Du hast deinen Lauf vollendet und den Glauben bewahrt. Auf dich und deinen Freund wartet die Krone der Gerechtigkeit, die euch morgen der gerechte Richter erteilen wird!“

 

Am andern Tag wurde Hermylus noch einmal im Namen des Kaisers gefragt, ob er den Göttern opfern wolle? Und als er mit wenigen Worten sich erklärt hatte, dass er lieber tausendmal sterben, als ein so großes Verbrechen gegen den wahren Gott begehen wolle, wurde er im Gefängnis halbtot an eine Säule gebunden und nochmal mit Ruten geschlagen, worauf ihm und dem Stratonicus das Urteil eröffnet wurde, dass sie in der Donau ersäuft werden sollten. Beide frohlockten vor heiliger Freude, des Namens Jesu willen den Martertod leiden zu dürfen, und wurden am 13. Januar des Jahres 315 in die Fluten gestürzt. Drei Tage danach fanden christliche Männer ihre Leichname am Ufer und beerdigten sie mit größter Ehrfurcht und unter heiligen Liedern außer der Stadt.

 

14. Januar

 

Der heilige Engelmar, Einsiedler und Martyrer im bayrischen Wald,

+ 14.1.1100 - Fest: 14. Januar

 

Im Bayerischen Wald baute sich der aus der Gegend von Passau stammende Engelmar eine Hütte. Schon bald kamen die Leute der Umgebung zu ihm, um seinen Rat und seine Hilfe zu erbitten. Dies erregte den Neid seines Gefährten, und er erschlug Engelmar im Jahr 1110.

 

„Der heilige Engelmar war ein geborener Bayer und seinem Geschäft nach ein Landmann, aber aus Liebe zu Christus verließ er sein irdisches Besitztum und seine weltlichen Wünsche und wählte das Einsiedlerleben unter Anleitung des ehemaligen armenischen Erzbischofs Gregor, welcher in sehnsüchtiger Hoffnung auf himmlische Güter seine hohe Würde niedergelegt hatte und als armer Pilger nach Passau gekommen war. Nach dem Tod des heiligen Gregor, am 23. September 1093, wo eine von jenem angekündigte Sonnenfinsternis die damalige Welt in Schrecken setzte und zum Kreuzzug gegen die Türken anfeuerte, begab sich der heilige Engelmar in die Einöde, baute sich eine Klause, begann nach apostolischer Weise von der Arbeit seiner Hände zu leben und durch Nachtwachen, Gebet und Fasten die Gnade seines Schöpfers zu gewinnen.

 

Da er wegen seiner Güte und Frömmigkeit bei allen Bewohnern der Umgegend sehr beliebt war, beneidete ihn sein Genosse, ein zweiter Kain, um der ihm verliehenen größeren göttlichen Gnade willen, und voll Ingrimm, dass er dem Heiligen so unähnlich erschien, legte er in Abwesenheit von Zeugen Hand an ihn, erschlug ihn und deckte die Leiche mit Schnee und Steinen zu. Dieses Verbrechen verübte er am Tag nach der Oktav vom Fest der Erscheinung des Herrn und verheimlichte es unter verschiedenen Täuschungen und Ausreden bis Pfingsten. Über das Fest des Heiligen Geistes hinaus konnte die Schandtat nicht verborgen bleiben, weil derselbe die Welt der Sünde überführt. Das Blut des neuen Abel schrie zum Himmel, und der neue Kain irrte unstet in den Wäldern umher, nicht begünstigt und geliebt vom Volk, wie er erwartet hatte, sondern verflucht und verachtet und von seinem bösen Gewissen verfolgt.

 

Ein Priester fand die Leiche des Einsiedlers und Märtyrers und begrub sie in der Stille, ohne auf seine Heiligkeit Rücksicht zu nehmen. Aber als Rudbert, ehemals Weltpriester, dann erster Vorsteher des im Jahr 1125 neu errichteten Prämonstratenserklosters Windberg, für seine neue Kirche einen Schutzheiligen erwählen wollte, gedachte er des heiligen Märtyrers Engelmar, erbaute ihm ein würdiges Grab und übertrug die Überreste in die prächtige steinerne Kirche im Jahr 1131.

 

Vom Tag des Begräbnisses an eilte das gläubige Volk alljährlich mitten in der Pfingstwoche zu dem Grab des Heiligen und feierte andächtig das Patronsfest des Märtyrers. Als einst noch der Leichnam des erschlagenen Einsiedlers in dem ärmlichen Hüttchen lag, erblickten bei Nacht Vorübergehende eine zahllose Menge Lichter voll wunderbaren Glanzes. Staunend gingen sie dorthin und sahen den Lichtglanz nicht nur in unmittelbarer Nähe, sondern wurden auch mit den süßesten Wohlgerüchen erfüllt. Viele Kranke erhielten dort Heilung, viele Heimgesuchte Trost und Hilfe. Der Name Engelmar ist im Lauf vieler Jahrhunderte nicht im Herzen und Munde des Volkes erloschen, viel weniger im Buch des Lebens.“

 

Engelmar ist der Patron der Bauern. Für die Bewahrung der Feldfrüchte und gegen Viehseuchen wird seine Hilfe erfleht. Das in der Legende genannte Kloster Windberg bei Bogen ist nicht nur ein bedeutendes Baudenkmal, sondern auch durch die Jahrhunderte berühmt wegen seiner wissenschaftlichen Arbeit; noch aus der Zeit des ersten Abtes Gebhard (1142 bis 1191) sind wertvolle Handschriften erhalten.

 

Der heilige Datius, Erzbischof und Bekenner von Mailand,

+ 14.1.552 - Fest: 14. Januar

 

Der heilige Datius war aus einem vornehmen Geschlecht entsprossen und wurde wegen seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit nach dem Tod des heiligen Magnus zum Oberhirten der Kirche von Mailand erwählt. Er war der 28. Bischof und verwaltete mit einem seltenen Eifer das heilige Amt. Als ein Muster eines apostolischen Mannes leuchtete er seiner Geistlichkeit sowohl als seiner gläubigen Herde voran an Gottseligkeit und christlicher Tugend, an Demut und Selbstverleugnung. Ein liebevoller Vater der Armen, beschützte und tröstete er Witwen und Waisen, und ihr Elend zu lindern, erkaufte er bei einer Hungersnot Getreide zu ungeheuren Preisen und verteilte es unentgeltlich unter die Armen seines Sprengels. Während seiner Regierung erhielten die Gothen über Belisar, den griechischen Feldherrn, einen vollkommenen Sieg und eroberten Mailand wieder, bei der Gelegenheit der Heilige in die Gefangenschaft geschleppt wurde. Auf Verwenden seines Freundes Cassiodorus kam er wieder in Freiheit und in seine Diözese zurück. Er wurde aber bald darauf wegen seines Eifers für die Reinheit der christlichen Religion von seinem bischöflichen Stuhl vertrieben und in das Elend gestoßen, wo er seine übrigen Lebenstage zu Konstantinopel in Ausübung frommer Werke und in heiliger Einsamkeit zubrachte. Der heilige Papst Gregor sagt von ihm, dass er einer der eifrigsten Bischöfe war, der mit Papst Vigilius die heilige Religion gegen die Feinde der Wahrheit verteidigt habe.

 

Der heilige Datius starb zu Konstantinopel am 14. Januar 552, und erst nach seinem Tod wurden seine Reliquien nach Mailand gebracht und mit Erlaubnis der Kirche dem gläubigen Volk zur Verehrung ausgestellt.

 

Die 38 heiligen Mönche und Martyrer auf dem Berg Sinai,

Fest: 14. Januar

 

In der großen Wüste, die sich von Arabien bis nach Ägypten ausdehnt und von diesem Land nur durch das Rote Meer und den Jordan getrennt ist, lebte in den ersten christlichen Jahrhunderten ein wildes, barbarisches Volk in der größten Sittenlosigkeit und beinahe ohne alle Religion. Diese Wilden ernährten sich von der Jagd und von der Beute, die sie auf ihren Streifzügen machten, und zur Zeit der Not verzehrten sie das rohe Fleisch ihrer Kamele. Sie beteten die Sonne als ihren Gott an und brachten ihr das Beste von ihrer Beute als Opfer dar. Bei besonderen Festen aber schlachteten sie einen Knaben aus ihrer Mitte, opferten sein Fleisch unter abergläubischen Zeremonien der aufgehenden Sonne und verschlangen es dann bei einem festlichen Mahl.

 

Die andere Seite der Wüste bewohnten heilige Einsiedler, die durch gänzliche Abtötung ihrer Sinnlichkeit, durch ununterbrochenes Gebet und immerwährende Betrachtung himmlischer Wahrheiten nach Gottseligkeit strebten. Sie lebten nur von Wurzeln und Kräutern, die sie erst nach dem Untergang der Sonne aßen, und mehrere von ihnen enthielten sich die ganze Woche hindurch von aller Nahrung. Damit keiner den anderen in seiner Einsamkeit stören konnte, bewohnten sie Zellen, die weit voneinander entfernt lagen und die sie die ganze Woche nicht verließen, bis am Sonntag, wo sie sich gemeinschaftlich in der Kirche versammelten, während des Gottesdienstes heilige Psalmen sangen und von einem Priester die heilige Kommunion empfingen. Am frühen Morgen eines Sonntags, wo die frommen Einsiedler schon alle versammelt waren zum Lob Gottes, ritten die wilden Barbaren auf Raub aus und erblickten schon von weitem die Kirche. Aus Begierde nach Beute drangen sie in die Kirche ein und da sie nichts als Armut erblickten, gerieten sie in Wut, schleppten die Heiligen aus der Kirche, entblößten sie von ihren Kleidern und stellten sie nach dem Alter in die Reihe zum Martertod. Mit dem heiligen Sabbas, einem ehrwürdigen Greis, machten sie dadurch den Anfang, dass sie ihm befahlen, seinen Hals empor zu richten. Als er mit unerschrockenem und heiterem Angesicht sich ihnen dargestellt hatte, durchstach ihm einer der Unmenschen die Kinnlade und ein anderer stieß ihm das Schwert durch die Schulter bis in die Brust, worauf er sogleich seinen Geist aufgab. Mit einem so grausamen Blutdurst ermordeten sie die übrigen 37 Einsiedler, indem sie ihnen entweder den Rücken unter langsamer Marter aufschnitten, oder ihnen lebend die Haut vom Leib rissen, oder sie mit stumpfen Sägen entzwei schnitten. Einige Schriftsteller behaupten, dieser gräuliche Mord habe sich zu der Zeit ereignet, als Diokletian auf dem römischen Kaiserthron saß.

 

Der selige Odo, Priester und Prior von Tivoli, Italien, Kartäuser,

+ 14.1.um 1200 – Fest: 14. Januar

 

Der selige Odo ist geboren im Jahr 1100 in Novara in Italien und trat frühzeitig in die nicht fern von seinem Geburtsort befindliche Kartause von Casotta. Fast neunzigjährig wurde er Prior in der Kartause von Gairach (Gyrio) in Slavonien. Doch war er nur etwa zwei Jahre in diesem Amt. Der Bischof Districus (Theodosius) von Colnitz machte dem Kloster Verschiedenes streitig. Weil aber der Prior allem Streit und aller Rechthaberei gründlich abgeneigt war, begab er sich zu Papst Klemens III. (1188-1191), um seines Amtes enthoben zu werden. Nach Erlangung seiner Bitte wurde er durch Unpässlichkeit auf der Reise von Rom aufgehalten und verweilte im Benediktinerkloster von Trisulti, das 1208 eine Kartause wurde. Der Ruf seiner Heiligkeit gelangte auch zu den Ohren der Äbtissin Aduhisa im Kloster zum heiligen Kosmas und Damian in Tagliacozzo im Abruzzengebirge. Sie sandte alsbald einen Fürsprecher zum Papst, ihrem Oheim, um Odo als Beichtvater für ihr Kloster zu erlangen. Der Papst gestand diese Bitte seiner Nichte Aduhisa durch förmliches Breve zu. Die Äbtissin ließ nun auf Wunsch des Seligen eine Zelle an die Kirche anbauen, worin Odo noch etwa acht Jahre bis ungefähr 1200 lebte.

 

In diesem einfachen, äußeren Rahmen verbirgt sich aber ein sehr reiches, gottgefälliges Innenleben. Nachdem Odo im Kloster die heiligen Weihen empfangen hatte, zeichnete er sich bald aus durch die Strengheit seines Lebens, die Liebe zum Stillschweigen und zu den Ordensregeln. Seine Seele war so entleert von allem Weltlichen, dass er nach eigenem Eingeständnis vor seinem Beichtvater auch im Schlaf keine derartigen Vorstellungen hatte. Der Friede seiner Seele prägte sich in seinem ganzen Äußeren aus.

 

Nachdem er gewissermaßen auf Befehl des Papstes dem Orden entrissen war als Seelenleiter der Abruzzen-Nonnen, war dies für ihn nur eine Gelegenheit, noch strenger, als es im Orden gestattet ist, seine letzten acht bis zehn Jahre zu verleben. Er schlief auf einer Pritsche, auf der ein mit Reisig gefüllter Sack war. Unter seiner rauhen, leinenen Kleidung trug er ständig auf bloßem Leib ein Bußhemd. Mit Ausnahme der Sonntage fastete er stets nach Art der Fastenzeit und geißelte sich täglich. Aus seiner Zelle ging er zur Kirche, wo er die heilige Messe in aller Andacht und unter reichlichen Tränen las; danach predigte er. Die freie Zeit zur Abspannung verwandte er zur Handarbeit, so dass er harte Schwielen an seinen Händen hatte.

 

Nach dem Sprichwort „Wie gelebt, so gestorben“ bietet auch der Tod unseres Seligen einen der Betrachtung würdigen Gegenstand. Für den 13. Januar hatte er den Klerus der Umgegend zusammengerufen, gab den Geistlichen Mahnungen und sagte: „Morgen um diese Stunde werde ich aus der Welt scheiden.“ Er verlangte sodann, dass ihm keinerlei weltliche Ehren erwiesen werden, dass er vielmehr in dem Kleid, das er am Leib hatte, beerdigt werden wolle, zu Häupten das Kreuz, das er sich selbst gemacht hatte. Natürlich waren viele Geistliche auch am anderen Tag zugegen, um dem Hinscheiden beizuwohnen. Als der Heilige in tiefster Andacht betete: „Erwarte mich, o Herr, siehe, ich komme zu dir!“ wurde er von den geistlichen gefragt, zu wem er dies gesagt habe. Darauf gab der Sterbende die Antwort: „Schon sehe ich meinen König, schon stehe ich vor seinem Angesicht“, und die Hände nach oben ausbreitend und vom Lager sich aufrichtend gab der fast hundertjährige Ordensmann seinen Geist in die Hand des Schöpfers zurück.

 

Nun sollten wir aber von den geradezu „unzähligen Wundern“ erzählen, durch die Gott die Heiligkeit seines Dieners bezeugt hat. Während seines Lebens schon hatte Odo durch das heilige Kreuzzeichen einen Mann augenblicklich von seinen Skrofeln geheilt, hatte Wasser in Wein verwandelt. Als er gestorben war, berührte ein Kranker seine Hand und war sofort geheilt. Vierzig Jahre später erschien der Heilige dem Erzpriester Oderisius und verlangte, dass die Äbtissin seinen Leib an einen ehrenvolleren Ort verbringen lassen solle. Und als der nicht gleich gehorchte, erschien er ihm noch zweimal. Bei der Öffnung des Grabes entströmte ihm ein gar lieblicher Wohlgeruch, der die Gemüter aller zur Andacht bewegte. Der Leib aber war unversehrt und nach Aussage solcher, die den Heiligen lebend gekannt hatten, von gleicher Gesichtsfarbe. Bei dieser Gelegenheit ereigneten sich auch viele Wundertaten, die sich in der Folge überaus vermehrten, da eine große Menge Menschen zu seinem Grab gingen. Nur auf ein Wunder aus den vielen Berichten sei noch hingewiesen. Ein Mädchen lag infolge seiner Fallsucht-Krankheit schon drei Tage fast bewusstlos da. Ihr erschien der der Heilige, machte über ihr das Kreuzzeichen und ermahnte sie, zu seinem Grab zu gehen. Das Mädchen tat dies und war geheilt.

 

Der Ruf von diesen Wundertaten drang bis zu Papst Gregor IX. (1227-1241). Er bestimmte zu ihrer Untersuchung eine Kommission von Priestern, im Jahr 1240, und leitete so den Seligsprechungsprozess selbst ein. Doch aus unbekannten Gründen wurde Odos Fest erst 1859 offiziell mit anderen Seligen von der Kirche genehmigt und im Kartäuserorden begangen.

 

Muss man nicht nach Betrachtung solcher Zierden der Menschheit mit dem Psalmisten ausrufen: „Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen!“ Gleich Leuchtfackeln, ja gleich Leuchttürmen umsäumen sie den Weg, den die Kirche durch die Jahrhunderte geht, bis zur Stunde, und weisen durch ihr Tugendbeispiel, das alles Natürliche und gewöhnlich Menschliche weit überragt, auf die jenseitige Welt, auf Christus, auf den Heiligen Geist und seine Gaben hin, um derentwillen alles Irdische verächtlicher Kot wird. Und in diesem ihrem Tun sind sie von Gott durch die mannigfaltigsten Wunder als ihm wohlgefällig bezeugt! Und doch! Trotz dieser Leuchten, die bis zur Stunde in die Finsternisse der Welt hinausflammen, bleibt die Welt in ihrer Finsternis und schlagen sich die Menschen einander zu Tausenden tot um des bisschen Erdboden willen. Arme Welt! Auf! Organisiert im Volk das Apostolat der Heiligen durch das Beispiel der Guten! Lasst Christus wieder aufleben in den Christen: Dann findet die Welt wieder den Weg aus dem Dunkel nach oben!

 

15. Januar

 

Der heilige Maurus, Jünger des heiligen Benedikt, Abt von Anjou,

+ 15.1.584 - Fest: 15. Januar

 

Angezogen von der faszinierenden Gestalt des heiligen Benedikt, wurde Maurus, der Sohn des römischen Senators Equitius, Schüler und Gehilfe des Ordensgründers.

 

Wahrscheinlich starb Maurus als Abt von Subiaco.

 

Seine Entsendung nach Gallien und die Gründung des Klosters Glanfeuil, später Saint-Maur-sur-Loire, und sein dortiger Tod sind legendäre Berichte.

 

„Maurus, aus Rom gebürtig, wurde von seinem Vater Equitius, der dem Rang der Senatoren angehörte, schon als Junge von zwölf Jahren dem berühmten Patriarchen der Mönche des Abendlandes, Benedikt auf Montecassino, zur wissenschaftlichen und religiösen Ausbildung übergeben. Der sehr lebhafte und talentvolle Junge wurde bald der Liebling seines großen Meisters, weil er nicht nur im Wissen, sondern auch in der Tugend, im Gebetseifer, im Fasten, Stillschweigen, Gehorsam und in der Bescheidenheit seinen Mitschülern weit voraneilte. Eines Tages sollte Placidus, sein Mitschüler, Wasser holen; dabei fiel er in den See und wurde von einer Welle weggeschwemmt. Benedikt sah die drohende Gefahr und befahl dem Maurus, schnell zu Hilfe zu eilen. Dieser bittet um den Segen, eilt zum See, schreitet – nur an den Auftrag des Meisters denkend – über das Wasser hin, als hätte er festen Boden unter den Füßen, und zieht den Sinkenden aus dem Wasser glücklich ans Land. Als er mit dem gerettet Placidus zurückkam, wurde dieses Wunder des Gehorsams durch ein neues Wunder der Demut verherrlicht. Es entstand nämlich ein frommer Streit zwischen dem Lehrer und dem Schüler, wem von beiden die Ehre dieses Wunders gebühre. Benedikt schrieb es dem vollkommenen Gehorsam des Maurus zu, dieser dem heiligen Segen des Benedikt. Beide hatten Recht; denn, wie der berühmte französische Prediger und Schriftsteller Bossuet sagt: „Der Gehorsam bewirkt die Gnade, das Befohlene treu zu erfüllen; der Befehl wirkt die Gnade, den Gehorsam erfolgreich zu machen.“

 

Der Heilige wird als Abt, mit Stab, Buch und Kreuz, dargestellt. Häufig wird er auch auf dem Wasser wandelnd abgebildet.

 

Maurus ist Patron von Badajoz und der Maurinerkongregation. Außerdem ist er Schutzheiliger der Köhler, Kupferschmiede Lastträger, Laternenanzünder und Lichterzieher.

 

Seine Fürbitte wird angerufen gegen Gicht, Heiserkeit, Kopfschmerz, Lähmung, Rheumatismus, Schnupfen und Skrofeln.

 

Der heilige Paulus von Theben,

1. Ordensgründer der Einsiedler in Ägypten,

+ 10.1.343 – Fest: 15. Januar

 

Nach der vom heiligen Hieronymus verfassten Lebensbeschreibung wurde Paulus, der „Ur-Einsiedler“, 228 in Theben (Ägypten) als Kind reicher Eltern geboren.

 

Während der decischen Christenverfolgung (249-251) floh er in die Wüste und lebte dort einsam in einer Felsenhöhle ein Leben in Meditation und Gebet.

 

Kurz vor seinem Tod suchte ihn der heilige Antonius auf, der durch einen Traum auf ihn, als den besseren Einsiedler, aufmerksam geworden war. Beide Greise führten lange Gespräche. Als der heilige Paulus bald danach im 113. Jahr starb, kam der heilige Antonius zurück, um ihn zu begraben.

 

„Paulus war erst zweiundzwanzig Jahre alt, als er in die Wüste ging. Seine Absicht war, da nur so lange zu bleiben, wie die Verfolgung dauern würde, aber nachdem er einmal die unaussprechlichen Süßigkeiten des bußfertigen und beschaulichen Lebens gekostet, nachdem er durch Erfahrung die Vorteile, die man in der Einsamkeit findet, erkannt hatte, fasste er den festen Entschluss, nie mehr in die Welt zurückzukehren, sondern desto eifriger für diejenigen zu beten, die in ihr wohnen. Er lebte bis zu seinem dreiundvierzigsten Jahr nur von der Frucht seines Palmbaumes. In seiner übrigen Lebenszeit wurde er wunderbar, wie ehedem der Prophet Elias, durch einen Raben genährt, der ihm jeden Tag ein halbes Brot brachte. Wir wissen die einzelnen Umstände des Lebens nicht, das Paulus neunzig Jahre lang in der Wüste führte; die Menschen erfuhren nur kurz vor seinem Tod etwas von ihm, und zwar durch folgende Begebenheit.

 

Der große Antonius, der damals neunzig Jahre erreicht hatte, wurde von eitlem Ruhm versucht. Er bildete sich ein, niemand habe so lange wie er, Gott in einer gänzlichen Abgeschiedenheit von der Welt gedient. Als er mit diesem Gedanken sich beschäftigte, schickte ihm Gott einen Traum, durch den er ihn von seinem Irrtum überzeugte. Er befahl ihm gleichzeitig, einen seiner Diener aufzusuchen, der tief in der Wüste wohne. Antonius trat unverzüglich mit Tagesanbruch die Reise an. Da ihm ein Ungeheuer in den Weg trat, machte er das Kreuzzeichen, und sogleich verschwand diese Truggestalt, die vielleicht vom Geist der Finsternis hergezaubert war; diese Erscheinung war ihm ein sicheres Zeichen, dass dies der Weg sei, den er einzuhalten habe. Kurze Zeit danach stellte sich ihm ein Satyr in den Weg. Er gab ihm zu verstehen, er bewohne diese Einöde, und gehöre unter die Zahl derer, die von den Heiden als Götter angebetet werden. Nachdem der Heilige zwei Tage und eine Nacht gereist war, gewahrte er in der Ferne ein Licht, das ihm die Wohnung desjenigen zeigte, den er suchte. Er trat an die Tür der Höhle und bat den Heiligen, sie ihm zu öffnen; aber erst nach vielem Zureden wurde ihm sein Wunsch gewährt und er von Paulus mit sanftem Lächeln empfangen. Sie umarmten sich wechselseitig und nannten sich bei ihrem Namen, den Gott jedem geoffenbart hatte. Paulus fragte dann den Antonius, ob sich die Menschen immer noch so um das Irdische plagten und dem heidnischen Aberglauben nachhingen.

 

Nach geendigter Unterredung kam ein Rabe herbeigeflogen und legte ein ganzes Brot zu ihren Füßen. „Sieh“, sagte Paulus, „Gott schickt uns unsere Nahrung. Schon viele Jahre sendet mir seine Güte jeden Tag ein halbes Brot; aber da du jetzt zu mir gekommen bist, hat der Heiland das Gericht verdoppelt.“ Sie dankten dann beide Gott, setzten sich an einen nahen Quell, um ihr Mahl einzunehmen.“

 

Die Begegnung der beiden heiligen Einsiedler war ein beliebtes Thema der Malerei. Die frühen Darstellungen bilden den heiligen Paulus und den heiligen Antonius unter einem Baum ab, bei einer Quelle sitzend mit dem Raben, der das doppelte Brot bringt. Als Einzelfigur erscheint der heilige Paulus barfuß mit Krückstock und in einen faltenreichen dunklen Mantel gehüllt. Manche Bildwerke zeigen den Heiligen auch mit einem Gewand aus geflochtenem Palmstroh bekleidet. Paulus von Theben ist der Patron der Korb- und Mattenmacher.

 

Der heilige Johannes Calybita, Akömeten-Mönch von Konstantinopel,

+ 15.1.450 - Fest: 15. Januar

 

Zu Anfang des 5. Jahrhunderts lebte in Rom Eutropius, ein reicher und angesehener Mann, der unter der Regierung des Kaisers Leo Oberster des römischen Kriegsheeres war, und mit Theodora seiner Gemahlin drei Söhne hatte, die sich unter allen Jünglingen ihres Zeitalters durch hohe Gelehrsamkeit auszeichneten. Besonders hatte sich Johannes, der jüngste von ihnen, durch seinen anhaltenden Fleiß eine solche wissenschaftliche Bildung erworben, dass er schon in seinem zwölften Jahr mehrere Sprachen beherrschte, und in philosophischen Gegenständen die dunkelsten Stellen zu erklären wusste. Die göttliche Vorsehung fügte es, dass Johannes vom Streben nach eitlen, menschlichen Kenntnissen zur Wissenschaft des Heils geführt wurde; denn er begegnete eines Tages einem Klostermann, der von einer Wallfahrt nach Jerusalem zurückkam, und dessen arme Kleidung, stille Geduld und Frömmigkeit den Jüngling so sehr rührte, dass er ihn begierig fragte, wer er sei und durch welche Wissenschaft er sich eine so gänzliche Verachtung alles Irdischen und eine solche Heiterkeit des Gemütes erworben habe? Der Mönch belehrte ihn nun über den Zweck des klösterlichen Lebens und über die seligen Früchte, die den Geist, losgerissen von allem Irdischen, in der Einsamkeit erquicken, und Johannes wurde durch diese Schilderung so sehr begeistert, dass er den heiligen Mann fußfällig bat, ihn mit in sein Kloster zu nehmen. Weil er aber voraussah, welche Hindernisse er von Seite seiner Eltern zu bekämpfen haben würde, entfloh er heimlich und kam glücklich mit seinem Begleiter im Kloster an, wo er auch nach einer strengen Prüfung unter die Ordensbrüder eingereiht wurde.

 

Zum Staunen seines Obern übertraf Johannes bald alle Ordensmänner an Demut und Abtötung, und er vertiefte sich so in den Betrachtungen göttlicher Wahrheiten, dass er oft mehrere Wochen hindurch keine andere Nahrung genoss, als das himmlische Brot im allerheiligsten Altarsakrament. Dabei wurde auch seine Tugend durch die schwersten Versuchungen geprüft; besonders quälte ihn eine Sehnsucht nach seinen Eltern so sehr, dass der vorher blühende Jüngling ganz ausgezehrt, jetzt einem Toten ähnlich war. Er erhielt deswegen die Erlaubnis, in sein väterliches Haus zurückzukehren, und um dort nicht erkannt zu werden, verhüllte er sich in die Kleidung eines Bettlers, und bat seine Eltern um einen finsteren Winkel außerhalb des Hauses, worin er ein äußerst abgetötetes Leben führte, und mit bewunderungswürdiger Geduld den Spott und die Misshandlungen der Dienerschaft seines Vaters ertrug. Die Nahrung, die ihm täglich Eutropius aus Mitleid reichen ließ, verteilte er unter die Armen, und so lebte er drei Jahre lang, ohne sich seinen Eltern zu erkennen zu geben, bis ihm durch eine Erscheinung die Stunde seines Todes geoffenbart wurde. Da ließ er seine Mutter zu sich bitten, eröffnete ihr, dass er ihr Sohn sei, und bat sie, ihn nach seinem Tod ebenso arm, wie er gelebt hatte, in jenem Winkel zu begraben, worauf er sogleich seinen Geist aufgab.

 

Unter Wehklagen und Tränen küsste die Mutter den Leichnam des Heiligen und bedeckte ihn mit einem kostbaren Sterbekleid. Sie wurde aber sogleich von einer heftigen Krankheit befallen, von der sie nur dadurch geheilt wurde, dass sie den Leichnam wieder mit seiner vorigen Bettlerkleidung umgeben ließ. Von dieser Stunde an entsagten die Eltern des heiligen Johannes allen Erdengütern, verteilten ihre Reichtümer unter die Armen, und nachdem sie über dem Grab des Heiligen ein herrliches Gotteshaus erbaut hatten, weihten sie sich dem Dienst Gottes und starben im Ruf der Frömmigkeit.

 

Der heilge Bonitus, Bischof zu Clermont, Frankreich,

+ 15.1.710 - Fest: 15. Januar

 

Dieser Heilige wurde zu Anfang des 7. Jahrhunderts zu Auvergne in Frankreich aus einem adeligen Geschlecht geboren. Sein Vater Theodatus war römischer Ratsherr und seine Mutter Syagria wurde schon vor der Geburt ihres Sohnes dessen künftige Heiligkeit durch eine Erscheinung geoffenbart. Beide Eltern wendeten alle Sorgfalt auf die Erziehung ihres Kindes, und Bonitus wurde ein so ausgezeichneter Jüngling, dass ihn der fränkische König Theodorich IV. an seinen Hof nahm und mit den höchsten Würden überhäufte. Nach dem Tod des Königs wurde er Statthalter von Marseille. In diesem Amt zeichnete er sich durch seine Liebe zur Gerechtigkeit und durch sein Erbarmen gegenüber den Armen und Gefangenen aus und erwarb sich dadurch die Achtung aller Menschen. Dabei führte er ein so heiliges Leben, dass sich der Ruf von seiner Frömmigkeit allgemein verbreitete, und dass bei dem Tod seines Bruders Avitus, der vierzig Jahre lang als Bischof mit seltenem Ruhm die Kirche zu Auvergne regierte, der König und die Geistlichkeit keinen würdigeren Nachfolger zu wählen wussten, als den heiligen Bonitus, der sich zwar wegen seiner tiefen Demut ernstlich weigerte, dieses heilige Amt zu übernehmen, aber endlich die feierliche Weihe empfing, als er Gottes Willen erkannt hatte.

 

Längere Jahre hindurch stand der heilige Oberhirt seiner Kirche mit apostolischem Eifer vor und lebte, so viel ihm seine Geschäfte erlaubten, einsam und in der größten Armut. Wegen Altersschwäche legte er schließlich seine Würde nieder und wählte das Kloster Manlieu zu seinem Aufenthalt, wo er die strengen Ordensregeln genau beobachtete und zur Verherrlichung der Kirche Jesu viele Wunder wirkte. Am Ende seines Lebens machte er eine Reise nach Rom, um an den Gräbern der heiligen Martyrer seine Andacht zu verrichten. Auf seiner Rückreise sagte er Aripert II., dem König der Longobarden, einen vollkommenen Sieg über seine Feinde vorher, versöhnte den Bischof zu Lion mit dem Herzog von Bourgogne, und starb schließlich zu Lion in Frankreich am Ende des 7. Jahrhunderts. Sein Leichnam wurde feierlich nach Auvergne übertragen und in der Kirche des heiligen Mauritius beigesetzt, wo durch die Fürbitte des Heiligen große Wunder geschahen.

 

Der selige Konrad, Abt von Mondsee und Märtyrer, Österreich,

+ 15.1.1145 – Fest: 15. Januar

 

Der selige Konrad Bosinlother, ein geborener Trierer, war zuerst Mönch in Siegburg, im Kölnischen, das damals unter Abt Kuno eine Hochschule der Heiligkeit und Gelehrsamkeit war. Kaum hatte Kuno (Konrad I.) den Bischofsstuhl von Regensburg bestiegen, berief er (1127) den gelehrten und in der Ordenszucht wohl erprobten Konrad als Abt des Klosters Mondsee, das als Stiftung des Agilolfinger Herzogs Otilo 8um 740) zu Bayern gehörte, jetzt in Oberösterreich. Durch Tausch war Mondsee 833 an den Bischof von Regensburg gekommen. Abt Konrad sollte das Kloster aus seinem traurigen Verfall wieder emporheben. Der Tatkraft und Klugheit des Seligen gelang das Werk auch in kurzer Zeit. Zur Sicherung für die Zukunft unterstellte er dann das Kloster unmittelbar dem Heiligen Stuhl und ließ sich von Papst Innozenz II. im Jahr 1142 das Recht der freien Abtwahl wieder bestätigen. Damit war dem Kloster die Grundlage für eine selbstständige Entwicklung gegeben. Abt Konrad Bosinlother war der letzte Abt, der vom Regensburger Bischof aufgestellt worden war.

 

Nach außen vertrat der ehrwürdige Abt mit aller Entschiedenheit die Rechte und Besitzansprüche seines Stiftes. Er musste es in guten Stand setzen und sichern, damit es sowohl seinen eigenen Ordenszweck wie die vielen Aufgaben für das Wohl der Mitwelt, die Seelsorgearbeit, die Erziehung der Jugend und die Wohltätigkeitswerke erfüllen konnte. Ungerechterweise entfremdete Klostergüter mussten zurückgefordert werden. Das brachte dem treuen Verwalter natürlich manche Feinde. Mehrere Zehentleute des Klosters verschworen sich gegen sein Leben. Als er am 15. Januar 1145 von einem Gottesdienst in der Pfarrkirche Oberwang heimritt, überfielen ihn die Mordgesellen und schlugen ihn mit Knütteln und Schwertern tot. Den Leichnam schleppten sie in eine nahe Hütte und zündeten sie an. Durch Gottes Fügung aber blieb sowohl die Leiche als das Brett, auf dem sie lag, unversehrt. Die Gebeine des seligen Konrad ruhen jetzt in einem Glasschrein über dem Hochaltar der alten Stiftskirche.

 

In einen argen Missklang scheint das Leben des seligen Konrad von Mondsee ausgelaufen zu sein. War es auch ein Missklang vor Gott? Es wäre ein arger Misserfolg gewesen, wenn der Mann der Tat und Festigkeit nicht auch immer voller Einfalt auf den Willen Gottes geschaut hätte, wenn er sich in seine Geschäfte nicht auch mit reiner Absicht, mit übernatürlicher Aufmerksamkeit, in Erfüllung des Berufes eingelassen hätte. Abt Konrad war aber ein ganzer Ordensmann, ein Mann der Innerlichkeit, des Gebetes. Auch ein Ordensmann, zumal ein Oberer, kann sich nicht in seine Zelle einschließen. Abt Konrad war als Reformator, als Erneuerer berufen. Er war ein Eiferer für die Verbesserung der geistlichen Verhältnisse seines Stiftes wie der weltlichen. Um deswillen hat auch sein Name im Heiligenverzeichnis als „ehrwürdig“ oder „selig“ Aufnahme gefunden, wenngleich er auch seliggepriesen werden mag, weil er um der irdischen „Gerechtigkeit willen Verfolgung gelitten“ hat.

 

Über die doppelte Tätigkeit des Ordensmannes, des Priesters, des Christen überhaupt lehrt der heilige Thomas: „Die Vereinigung des kontemplativen (beschaulichen) Lebens mit dem tätigen Leben stellt das wahrhafte Apostolat, den Hauptzweck des Christentums dar. Das Apostolat verlangt Seelen, die fähig sind, sich von der Begeisterung für eine Idee hinreißen zu lassen, sich zu opfern für den Triumph eines Prinzips. Wenn dann dieses Ideal ins Übernatürliche übertragen ist durch den Geist der Innerlichkeit, so haben wir das vollkommene Leben in seiner ganzen Größe; vollkommen sage ich, denn die Theologen ziehen dasselbe selbst der einfachen Kontemplation (der Beschauung, dem ausschließlich inneren Leben) vor.“ Der heilige Thomas will also einer rechten Vereinigung des geistlichen mit dem tätigen Leben die Vortrefflichkeit zusprechen. Die Wahrheit betrachten ist gut, sie anderen mitteilen ist besser. Erleuchten ist mehr als bloß unter dem Scheffel brennen. Immer aber muss für das ideale tätige Leben, für äußere Amtsgeschäfte, wie für das apostolische Wirken das Gebet die Quelle bleiben. Das Gebetsleben darf durch die Tätigkeit nicht unterdrückt werden. Die Seele muss bei ihren Werken die Wachsamkeit des Herzens so gut bewahren, dass sie nicht Gefahr läuft, sich in ihrem Tun dem Einfluss Jesu Christi zu entziehen. „Ein Apostel ist ein Kelch, voll von Jesus, der seine Überfülle auf die Seelen ergießt“ (Matheo Crawley). Der sogenannte Amerikanismus, dessen Anhänger von einem gemischten Leben träumen, bei dem das beschauliche durch das tätige erstickt wird, ist als moderne Irrlehre zu verwerfen und durch die Lehre des heiligen Thomas schon verurteilt.

 

16. Januar

 

Der heilige Honoratus, Bischof und Bekenner von Arles, Frankreich,

+ 16.1.430 - Fest: 16. Januar

 

Honoratus war der Abkömmling einer römischen Konsularen-Familie. Seine heidnischen Eltern bildeten die natürlichen Anlagen ihres talentvollen, aber dabei äußerst eitlen Sohnes mit allen jenen Kenntnissen aus, die zum Antritt eines höheren Staatsamtes erforderlich sind; denn zu einem solchen hatte sein Vater ihn bestimmt. Doch der Mensch denkt, Gott lenkt. Durch eine besondere Gnadenfügung wurde Honorat mit den Wahrheiten des Christentums bekannt und mit solcher Liebe für sie eingenommen, dass er gegen den Wunsch seiner Eltern sich taufen ließ und, aller Lockungen seines Vaters zu einem üppigen Weltleben ungeachtet, sich in die Einsamkeit eines Landgutes zurückzog und dort mit seinem gleichgesinnten Bruder Venantius ein heiligmäßiges, die ganze Umgebung erbauendes und mit seinem Ruhm erfüllendes Leben führte. Dies bewog das demütige Brüderpaar jedoch, von dort weg nach Griechenland zu wandern, um dort Erkundigungen über das Leben heiliger Einsiedler einzuholen, in deren Fußstapfen sie zu treten gedachten. Vorher jedoch verteilten sie den größten Teil ihres von den inzwischen gestorbenen Eltern ererbten Vermögens unter die Armen. Kaum in Griechenland angekommen, verlor unser Heiliger durch den Tod seinen Bruder Venantius, kehrte nach Frankreich zurück und wählte auf den Rat des heiligen Leontius, Bischof von Frejus, die Insel Lerins zu seinem Aufenthalt. Dahin zogen dem neuen Einsiedler so viele Jünger nach, dass er zu ihrer Aufnahme ein Kloster bauen musste, wo man bald alle Tugenden der Einsiedler im Morgenland aufblühen sah, und welches durch mehrere Jahrhunderte eine berühmte Pflanzschule gelehrter und heiliger Bischöfe blieb. Der erste heilige Bischof, der daraus hervorging, war der Gründer selber. Als nämlich im Jahr 426 der bischöfliche Sitz zu Arles frei wurde, wurde Honorat ungeachtet seiner demütigen Weigerung darauf erhoben und versuchte nun dieselben Tugenden der Liebe, Sanftmut, Enthaltsamkeit und Geduld, die er seit 35 Jahren als Leiter seines Klosters geübt und die Seinigen üben gelehrt hatte, auch in seinem Bistum durch eine gründliche Herzensbekehrung seiner Diözesanen anzupflanzen, was ihm während seiner leider nur dreijährigen Amtsführung vollständig gelang. Eine tödliche Krankheit infolge allzu großer Anstrengungen versetzte ihn im Jahr 430 in die himmlische Welt. Noch acht Tage vor seinem Tod hatte er sich in seine Kirche tragen lassen, um darin zu predigen.

 

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Honoratus, der in der letzten Hälfte des 4. Jahrhunderts zu Arles aus einer der berühmtesten römischen Familien geboren wurde, gab schon in seiner Jugend durch seinen Eifer für die christliche Religion die deutlichsten Anzeigen seiner künftigen Heiligkeit. Denn obschon sich sein verblendeter Vater alle Mühe gab, den frommen jungen Mann mit den Freuden der Welt bekannt zu machen und ihn auf diese Art zu bewegen, von seinem Verlangen nach der heiligen Taufe abzustehen, ließ er sich doch im Geheimen von einem christlichen Priester taufen, widerstand allen Reizen zur Wollust und bewahrte sein Herz rein von den Sünden seines Zeitalters. Sein heiliges Leben machte einen tiefen Eindruck auf das unverdorbene Gemüt seines Bruders Venantius, und beide weihten sich der Gottseligkeit und dem Streben nach christlicher Vollkommenheit. Nach dem Tod ihres Vaters verteilten sie ihr Vermögen unter die Armen, verließen in Begleitung des heiligen Caprosius ihr Vaterland und besuchten mehrere heilige Orte. In Messinien erkrankte Venantius und starb, und der heilige Honoratus ging nach Italien und nahm seinen Wohnsitz auf der berüchtigten Insel Lerin, die wegen der Menge giftiger Schlangen unbewohnt war. Durch sein Gebet vertrieb er diese schädlichen Tiere, baute eine Kirche und ein Kloster, und bald verbreitete sich der Ruf seiner Heiligkeit so sehr, dass aus allen Gegenden Jünglinge und Männer zu ihm strömten, um von ihm in den Heilswissenschaften unterrichtet zu werden. Mit unermüdeter Geduld erzog er seine Jünger zum geistlichen Leben und behandelte sie so schonend und liebreich, dass ihn alle wie ihren Vater liebten und ehrten, wie der heilige Hilarius, einer seiner Schüler, von ihm sagt. Nachdem er die Insel Lerin, wie auch sein Kloster in den besten Stand gebracht hatte, wurde er wegen seiner herrlichen Tugenden zum Bischof von Arles erwählt, in welcher Würde er sich als der eifrigste Verteidiger der reinen Lehre Jesu, als ein wachsamer Seelenhirt und Beschützer und Vater der Armen ewige Verdienste sammelte. Er starb im hohen Ruf der Heiligkeit am 16. Januar des Jahres 430 und sein Leichnam wurde auf der Insel Lerin in der Kirche zum heiligen Kreuz beigesetzt.

 

Der heilige Marcellus I., Papst und Martyrer von Rom,

+ 16.1.309 – Fest: 16. Januar

 

Der heilige Marcellus war von Geburt ein Römer und wurde unter der Regierung der heidnischen Kaiser Constantius und Galerius wegen seiner Frömmigkeit und seines unerschrockenen Mutes in Verteidigung des Christentums auf den päpstlichen Stuhl erhoben. Diese Wahl geschah nicht ohne besondere Einwirkung der göttlichen Vorsehung; denn damals wurde die Kirche Jesu hart gedrückt und verfolgt, und wenn sie während diesem unglücklichen Zeitraum aufrechterhalten werden sollte, musste ein Oberhirt dastehen, der als ein Beispiel des Heldenmutes in Verachtung aller Martern und selbst des Todes die niedergeschlagenen Gemüter der Gläubigen aufrichtete und sie mit dem felsenfesten Glauben an einen allmächtigen Gott erfüllte. So ein gottbegeisterter, apostolischer Mann war der heilige Marcellus. Nicht die gewalttätigsten Verfolgungen, nicht die augenscheinlichsten Todesgefahren, die ihm allenthalben drohten, konnten ihn abschrecken, öffentlich Jesus zu bekennen, den Christen das Evangelium zu predigen und die Heiligen, die im Kampf für Gott und ihre Religion Blut und Leben opferten, nach christlicher Sitte zu beerdigen. Noch trauriger wurde das Schicksal der Gläubigen, als der wütende Maxentius, ein blutdürstiges Ungeheuer, sich auf den römischen Kaiserthron schwang. Der heilige Oberhirt hatte um diese Zeit von der frommen Lucina, einer christlichen Matrone, zur Unterstützung der armen Christen beträchtliche Güter erhalten, und arbeitete eben rastlos daran, schicklichere Gebäude zu Gotteshäusern, und tauglichere Plätze zu Kirchhöfen zu errichten, zu deren Aufsicht, und damit die heiligen Sakramente ungehindert erteilt werden konnten, er 21 Bischöfe, 25 Priester und zwei Diakonen weihte, als ihn Maxentius gefangen nehmen ließ und ihm mit den schrecklichsten Martern drohte, wenn er nicht sogleich den Göttern opfern würde. Der heilige Papst verachtete diese Drohungen und wurde deswegen verurteilt, im Stall als Knecht zu arbeiten, wo die wilden Tiere zu den Kampfspielen ernährt wurden. Neun Monate lang schmachtete Marcellus unter unausgesetztem Fasten und Beten in diesem jammervollen Aufenthalt, und schrieb während dieser Zeit rührende Briefe an seine Christengemeinde. Endlich befreiten ihn zur Nachtzeit einige Geistliche aus seiner harten Gefangenschaft und brachten ihn in das Haus der gottseligen Lucina, das er zu einer Kirche einweihte und da den Gläubigen das Evangelium predigte.

 

Sobald Maxentius davon Nachricht erhielt, entheiligte er dieses Gotteshaus zu einem Viehstall, verurteilte den heiligen Papst wieder zum Sklavendienst in dem Stall, wo er schließlich unter den größten Mühseligkeiten um das Jahr 309 seinen Geist aufgab, nachdem er die Kirche Christi fünf Jahre, ein Monat und fünfundzwanzig Tage ruhmvoll regiert hatte. Seinen Leichnam beerdigte Lucina auf dem Kirchhof der heiligen Priscilla an der Salarischen Straße.

 

Die heiligen Berard, Petrus, Akkursius, Adjutus und Otto,

Erstlingsmärtyrer des Franziskanerordens in Marokko,

+ 16.1.1220 – Fest: 16. Januar

 

Zu den erhabenen Tugenden des heiligen Franziskus von Assisi gehörte auch ein glühender Seeleneifer. Dieser trieb ihn an, seinem ersten Orden auch die auswärtige Mission als Arbeitsfeld zuzuweisen und er selbst ging hierin mit heldenmütigem Beispiel voran, indem er geradezu sich zum Sultan von Ägypten begab und diesem das Evangelium verkündete, freilich ohne den gewünschten Erfolg. Franziskus´ gottliebendes Herz war aber bei diesem Streben auch von einem noch edleren Verlangen erfüllt, nämlich: Für Christus sogar den Martertod zu erleiden. Ihm selbst war nun dies nicht beschieden. Aber er erlebte noch die Freude, eine ganze Schar seiner Brüder als die ersten oder Erstlingsmartyrer des Ordens selig preisen zu können, nämlich die fünf Ordensbrüder: Berardus, Petrus, Akkursius, Adjutus und Otto. Die hatte er nämlich ausgesandt, den in Spanien und Nordafrika wohnenden Mohammedanern den christlichen Glauben zu predigen, gleichwie er selbst dies im Orient zu tun gedachte. Und die fünf Brüder machten sich auch sofort voll glühender Begeisterung und Sehnsucht nach dem Martertod auf den Weg. Anfangs waren es übrigens ihrer sechs, da ihnen der heilige Franziskus den Bruder Vitalis als Führer und Vorgesetzten mitgab. Allein der wurde in Spanien krank und musste infolgedessen die fünf Genossen allein ziehen lassen. Der erste Schauplatz ihrer Glaubenspredigt war die spanische Stadt Sevilla, die wie überhaupt ein großer Teil des südlichen Spanien unter der Herrschaft der mohammedanischen Mauren stand. Gleich ihrem heiligen Ordensstifter drangen die fünf Brüder daselbst unerschrocken bis zum Thron des maurischen Herrschers vor und verkündeten ihm die christliche Wahrheit, während sie gleichzeitig die Lehre und das Gesetz Mohammeds als Irrtum und Betrug erklärten. Aufs höchste ergrimmt, gab der König den Befehl, die kühnen Prediger zu enthaupten und nur der Fürsprache seines Sohnes hatten sie es zu danken, dass der Blutbefehl nicht ausgeführt, sondern sie ins Gefängnis geworfen wurden. Dieses befand sich hoch oben in einem Turm, aber selbst von da herab setzten sie ihre Predigt mutig und gottbegeistert fort, diesmal aber mit dem Erfolg, dass der König ihnen sein Land verbot und sie nach Afrika hinüber und zwar nach Marokko bringen ließ. Hier herrschte der Sarazenenfürst Miramolin. Schon nach wenigen Tagen hatte er zufällig Gelegenheit, den Führer der fünf Brüder, den Vater Berardus, auf öffentlicher Straße predigen zu hören. Auch er gab nicht der Gnade, sondern der Wut Gehör und verwies die fünf Franziskussöhne aus Stadt und Reich. Und nun konnte man das Schauspiel eines förmlichen Wettstreites sehen zwischen dem Predigteifer dieser heiligen Männer und dem Bestreben des sarazenischen Herrschers sie zum Schweigen zu bringen und zu entfernen.

 

Denn als einige christliche Freunde sie wieder in christliche Gegenden zurückführen wollten, entzogen die Brüder sich ihnen durch die Flucht, eilten nach Marokko zurück und begannen sofort wiederum den christlichen Glauben zu predigen. Die Folge war abermalige Einkerkerung, verschärft durch Hunger und Durst.

 

Nun brach aber plötzlich ein gewaltiger Sturm über das ganze Land herein, den man als göttliches Strafgericht ansah wegen der grausamen Behandlung der fünf Ordensbrüder, weshalb sie der König aus dem Kerker entließ, höchst erstaunt, dass sie trotz der zwanzigtägigen Kerkerhaft und Hungersqual gesund und frisch vor ihm standen. Wiederum sollten und wollten christliche Freunde die Brüder in die Heimat zurückgeleiten – aber siehe da, wiederum kehrten sie in die Stadt und zu ihrer Predigttätigkeit zurück. Doch einer ihrer christlichen Freunde ließ es diesmal zu einem öffentlichen Auftreten der Brüder gar nicht mehr kommen, sondern verbarg sie in seinem Haus. Allein dies gelang nur auf kurze Zeit. Die Ordensbrüder wussten abermals die Aufmerksamkeit ihrer Freunde zu täuschen und als an einem Freitag König Miramolin die Gräber seiner Vorfahren besuchte, musste er neuerdings Zeuge einer Predigt des Fraters Berardus sein. Und wiederum geriet er, anstatt zu glauben, in die höchste Wut und gab den Befehl, die Diener Gottes sofort zu töten. Doch der damit beauftragte Fürst, Albozaido mit Namen, der einige Zeit vorher Zeuge eines großen Wunders gewesen war, das Frater Berard wirkte, vollzog die Todesstrafe nicht sofort, sondern ließ die furchtlosen Bekenner Christi ins Gefängnis werfen, wo sie übrigens ziemlich gut behandelt wurden. Allein nicht um es gut zu haben, waren sie nach Marokko gekommen, sondern um zu predigen und womöglich für Christus zu sterben! Und so verkündeten sie selbst in der Kerkerhaft den ihnen so teuren Glauben. Aber jetzt kannte auch Albozaido kein Erbarmen mehr. Er ließ die Missionare von dreißig Sarazenen so grausam geißeln, dass ihre Leiber ganz zerrissen waren und zuletzt auch noch Essig und siedendes Öl in die schrecklichen Wunden gießen. In der folgenden Nacht sahen die Wächter ein wunderbares Licht vom Himmel auf die fünf Glaubenshelden herabstrahlen. Hiervon wurde auch König Miramolin benachrichtigt, der sie deshalb vor sich kommen ließ und jetzt einmal auf andere Weise sie zum Abfall vom Glauben zu bewegen suchte. Er ließ einige schöne Frauen herbeiführen und versprach diese den Brüdern zur Ehe zu geben und sie selbst außerdem zu reichen und hochgeehrten Männern zu machen, wenn sie nur zur mohammedanischen Religion übertreten würden. Aber unsere christlichen Bekenner antworteten dem König: "Wir wollen weder deine Frauen noch dein Geld, denn wir verachten dies alles um Christi willen!“ Nun war des Königs Freundlichkeit und Geduld zu Ende. Eigenhändig hieb er den fünf Ordensbrüdern die Köpfe ab und verhalf ihnen so zur langersehnten Marterkrone. Es war dies am 16. Januar 1220. Die Leiber der Heiligen wurden vom Pöbel unter Schimpf und Spott durch die Straßen der Stadt geschleift, ganz in Stücke zerrissen und zuletzt außerhalb der Stadt liegen gelassen. Die Christen wollten sie ehrfurchtsvoll an sich nehmen, wurden aber von den Sarazenen daran gehindert, die alsdann nochmals über die heiligen Leiber herfielen und sie ins Feuer warfen, worin sie aber durch göttliches Eingreifen völlig unversehrt blieben. Endlich gelang es den Christen, die heiligen Reliquien in ihren Besitz zu bringen. Sie wurden in zwei kostbaren Schreinen beigesetzt und später nach Coimbra in Portugal gebracht, wo bei ihrem Anblick der junge Kanonikus Ferdinand Buglio so begeistert war, dass er den Entschluss fasste, ebenfalls ein Sohn des heiligen Franziskus zu werden. Und so geschah es auch, es ist aus ihm geworden: Der große, heilige – Antonius von Padua! Ja, ihn haben die fünf ersten Franziskanermärtyrer dem seraphischen Orden geschenkt und zwar waren es zunächst ihre heiligen Reliquien, ihre sterblichen Überreste, wovon diese so beglückende Wirkung ausging.

 

Hier haben wir demnach einen Beweis übernatürlicher Segenskraft der heiligen Reliquien. Mit Recht also verehrt sie die katholische Kirche und leitet auch die Gläubigen zu dieser Verehrung an, besonders dadurch, dass sie solche Reliquien auf den Altären ausstellt und den Gläubigen auch zum Kuss darreicht (Partikel-Kuss). Es ist klar, dass, wer eine heilige Reliquie also fromm verehrt, dadurch sowohl zeitliche wie übernatürliche Gnaden von Gott erlangen kann. Stets aber muss man Sicherheit darüber haben, dass die betreffende Reliquie echt ist. Dies darf jedoch der katholische Christ immer annehmen, wenn ihm eine heilige Reliquie von einer kirchlichen Amtsperson oder Behörde gezeigt oder dargeboten wird. Verehren wir also gerne und andächtig solche Reliquien, aber nicht ohne auch zugleich die Gesinnungen der Heiligen in uns aufzunehmen und zu betätigen, z.B. den Glaubensmut und die Standhaftigkeit dieser Erstlingsmärtyrer des Franziskanerordens.

 

17. Januar

 

Der heilige Antonius der Große,

Mönchsvater, Einsiedler-Abt in Ägypten, Ordensstifter,

+ 17.1.356 - Fest: 17. Januar

 

In Ägypten, und zwar im Dorf Keman bei Heraclea, wurde Antonius um 251 geboren. Dem Wort Gottes folgend, verschenkte der Sohn wohlhabender Eltern sein Erbe und zog sich in ein Felsengrab zurück.

 

Seine Standhaftigkeit wurde durch Versuchungen verschiedenster Art immer wieder auf die Probe gestellt. Vor der großen Verehrung, die man ihm entgegenbrachte, floh er über den Nil und erst viele Jahre später, auf Drängen seiner ständig wachsenden Jüngerzahl, gründete er eine „Einsiedlergemeinde“. Er setzte an Stelle des asketischen Einsiedlerlebens das Leben in der Gemeinschaft. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus diesem Modell die Mönchsgemeinde.

 

Antonius starb 356. Ursprünglich wurde er vor allem von Kopten, Syrern und Byzantinern verehrt, seit dem 12. Jahrhundert dann auch in Rom.

 

„Antonius hatte neben seiner Zelle einen kleinen Garten, den er mit eigenen Händen anbaute, und dessen Früchte ließ er für jene bereiten, welche, um zu ihm zu gelangen, eine ungeheure Wüste mit tausend Beschwerden durchwandern mussten. Der Anbau des Gärtchens war aber nicht die einzige Arbeit, , womit er sich beschäftigte; er verfertigte auch noch Matten aus Binsen. Eines Tages, da er sich nicht anhaltend der heiligen Beschauung hingeben konnte, hatte er folgendes Gesicht. Er sah einen Engel, der eine Matte aus Palmblättern machte und von Zeit zu Zeit seine Arbeit verließ, um sich mit Gott im Gebet zu unterhalten. Nachdem er so öfters zwischen Arbeit und Gebet abgewechselt hatte, sagte er zu dem Heiligen: „Tu dasselbe, und du wirst selig werden.“ Antonius unterließ hinfort nie diese Übung; während seine Hände arbeiteten, blieb sein Herz mit Gott vereint.

 

Aus folgenden Zügen mag man von der Glut seiner Gebete und der Erhabenheit seiner Beschauung urteilen. Er stand um Mitternacht auf und betete auf den Knien mit gegen Himmel gehobenen Händen bis Sonnenaufgang, und oft bis um drei Uhr nachmittags. Zuweilen beklagte er sich, dass ihn die Rückkehr der Sonne zu seinen täglichen Beschäftigungen rief. „Was soll ich mit deinem Licht machen“, sagte er zur Sonne, wenn sie zu scheinen anfing. „warum kommst du, mich zu zerstreuen? Warum gehst du nur auf, um mir die Helle des wahren Lichtes zu nehmen?“

 

Die Verehrung, welche man gegen unseren Heiligen hatte, war so allgemein, dass Konstantin der Große und seine zwei Söhne, Konstantius und Konstans, ihm gegen das Jahr 337 schrieben, ihn um seine Fürsprache bei Gott baten, und das lebhafteste Verlangen äußerten, von ihm eine Antwort zu erhalten. Da die Jünger des heiligen Antonius über die Ehre staunten, die ihm der Beherrscher der Welt zeigte, sagte er ihnen: „Ihr dürft nicht staunen, dass ich einen Brief von dem Kaiser empfange. Es ist ein Mensch, der an einen anderen Menschen schreibt. Allein staunet, dass uns Gott seinen Willen durch die Schrift zu erkennen gab, und dass er durch seinen eigenen Sohn zu uns geredet hat.“ Anfangs wollte er keine Antwort geben, indem er als Grund anführte, er wisse nicht, wie man sich dabei benehmen müsse. Endlich aber gab er den wiederholten Vorstellungen seiner Schüler nach und schrieb an den Kaiser und seinen Söhnen einen Brief, in dem er sie ermahnte, die Welt zu verachten, und niemals den Gedanken an das letzte Gericht aus ihrem Auge zu verlieren.“

 

Seit dem 14. Jahrhundert trägt Antonius in den zahlreichen Darstellungen ein gegürtetes grobes Gewand und einen Mantel mit „T-Zeichen“ (Antoniuskreuz). Vor allem manche „Versuchungen des heiligen Antonius“ zählen zu den eindrucksvollsten Werken der europäischen Malerei. Oft sitzt auch der Teufel zu seinen Füßen oder er wird mit Feuerflammen neben sich, mit einem geöffneten Buch, in einer Höhle und mit Kreuzstab, an dem Glöckchen hängen, dargestellt. Das bekannteste Attribut des Heiligen ist das Schwein. Es weist offensichtlich auf seine helfende Macht bei ansteckenden Tier- besonders Schweinekrankheiten hin.

 

Äthiopien, die französische Landschaft Dauphiné, Hildesheim und andere Städte verehren den heiligen Antonius als ihren Patron.

 

Er beschützt auch das Vieh, insbesondere die Schweine, die Haustiere, die Schweinehändler und Hirten, die Metzger, Bürstenbinder, Glöckner, Handschuhmacher, Korbmacher und die Totengräber. Angerufen wird er in Feuersnot, gegen Hautkrankheiten, besonders die Gürtelrose, den Rotlauf und Seuchen.

 

Der heilige Gamelbert, Pfarrer zu Michaelsbuch, Niederbayern,

+ 17.1.787 - Fest: 17. Januar

 

Die Großtaten sieggekrönter Feldherrn und berühmter Staatsmänner werden in Geschichtsbüchern der Nachwelt überliefert, aber ihre Namen und Werke sind zumeist mit Blut geschrieben. Was hingegen fromme Seelen im häuslichen Kreis, im stillen Kämmerlein oder in treuer Erfüllung ihres Berufes getan, geduldet und verdient haben, bleibt der Welt gewöhnlich verborgen, nur im Buch der ewigen Vergeltung ist alles aufgezeichnet und wird einst vor allen Völkern offenbar werden, wenn der Herr auch die geheimsten Gedanken und Werke ans Licht zieht.

 

In dem Dorf Michaelsbuch in der fruchtbaren Ebene Niederbayerns wohnte im 8. Jahrhundert ein adeliges, christlich-frommes Ehepaar, von dessen Söhnen sich einer, namens Gamelbert oder Amalbert, durch kindliche Unschuld und Herzensgüte, durch freudigen Gehorsam und tiefe Frömmigkeit auszeichnete. Seine Eltern bestimmten ihn zum Kriegsdienst, aber der friedfertige junge Mann verabscheute die blutigen Fehden, und zog es vor, die Herden seines Vaters zu hüten, weil er in der Stille der Fluren und Wälder seinen Geist zum Gebet und zu frommen Betrachtungen sammeln konnte. Einst war er draußen eingeschlafen. Als er erwachte, fand er ein Buch in seinem Schoß, und dies erschien ihm als ein Wink von Gott, sich dem Priesterstand zu widmen. Ein Geistlicher in der Nachbarschaft unterrichtete ihn und sein ausdauernder Fleiß, verbunden mit anhaltendem Gebet, überwanden alle Hindernisse.

 

Bald nachdem Gamelbert die Priesterweihe empfangen hatte, verlor er seine Eltern durch den Tod. Seine bedeutende Erbschaft verwendete er zur Stiftung einer Pfarrei in Michaelsbuch, in der er fortan fünfzig Jahre bis an sein Lebensende als Pfarrer wirkte. Unter Gebet und Betrachtung, unter Fasten und Abtötung, in väterlicher Sorge um seine geistigen Kinder, und treuer Erfüllung seines geistlichen Amtes brachte er seine Tage zu. Alle seine Einkünfte gab er für Arme und Notleidende hin und litt lieber selbst Hunger, als dass er andere in Not sah. Außer seiner unerschöpflichen Mildtätigkeit war ihm eine unverwüstliche Sanftmut eigen. In seinem eigenen Haus duldete er niemals Unfrieden und wenn er anderswo entzweite Gemüter fand, ruhte er nicht, bis er sie versöhnt hatte. Als einmal die Knechte in seinem Haus miteinander stritten und sich nicht vertragen wollten, entließ er sie mit den Worten: „Lieber keine Knechte, als Unfrieden im Haus.“ Sein Lieblingsaufenthalt war eine kleine Zelle neben der Kirche, wo er in allen freien Stunden im Gebet mit Gott verkehrte und frische Kraft und Freudigkeit in seinem Beruf schöpfte.

 

Nur einmal verließ der seeleneifrige Pfarrer seine geliebte Gemeinde, um zu dem Mittelpunkt der katholischen Einheit, zu den Gräbern der Apostelfürsten in Rom zu wallfahrten und frische Begeisterung für seinen heiligen Beruf zu gewinnen. Auf der Rückreise fand er gastliche Aufnahme in einem Haus, wo eben ein Junge geboren war. Die Mutter bat den Heiligen, ihr Kind schleunigst zu taufen, weil es sehr schwächlich war. Gern erfüllte Gamelbert den frommen Wunsch der Eltern und sah im prophetischen Geist die ganze Zukunft des Kindes. Vor seiner Abreise empfahl er den Eltern dringend, ihr Kind sorgfältig zu erziehen, denn es würde einst sein Nachfolger werden. Dann reiste er heim und wirkte mit unermüdlichem Seeleneifer in seinem Beruf fort. Wenige Tage vor seinem Tod kam der inzwischen zu einem stattlichen Mann herangewachsene Junge in Michaelsbuch an, sein Nachfolger zu werden. Es war der selige Utto, dessen sorgfältige Vorbereitung auf den geistlichen Stand zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. Gamelbert stellte ihn seinen Pfarrkindern als seinen Nachfolgern vor, empfing dann die heiligen Sterbesakramente und entschlief gottselig im Herrn am 17. Januar 787. Zum Grab des Heiligen wallfahrteten viele Pilger und Hilfsbedürftige und es geschahen dort viele Wunder.

 

Was der heilige Gamelbert vorausgesagt hatte, erfüllte sich. Utto wurde sein Nachfolger als Pfarrer von Michaelsbuch und trat in die Fußstapfen seines Vorgängers. Als die barbarischen Horden der Avaren ins Land einfielen und das ganze Donaugebiet verwüsteten, flüchtete Utto in einen dichten Wald oberhalb Deggendorf. Als ihn dort Karl der Große auf der Jagd fand, beauftragte er ihn, dort ein Kloster zu bauen und schenkte ihm dazu alles Land ringsum. So entstand das Kloster Metten, dessen erster Abt Utto wurde. Papst Leo III. sandte ihm einen Hirtenstab mit der Inschrift: „Was der Herr dem Petrus, gibt Petrus dem Utto.“ Nachdem er 24 Jahre dem Kloster vorgestanden hatte, starb er hochbetagt am 3. Oktober 813, auf welchen Tag sein Gedächtnis gefeiert wird.

 

Der heilige Sulpitius, genannt der Fromme,

Erzbischof und Bekenner von Bourges,

+ 17.1.644 – Fest: 17. Januar

 

Ausgezeichnet durch eine hohe Geburt und ungeheure Reichtümer hatte Sulpitius in größter Frömmigkeit seine Jugend verlebt und weihte sich nun ganz der Tugend. Statt sich dem Genuss irdischer Freuden zu ergeben, wozu ihm sein Stand und seine Glücksgüter die schönsten Gelegenheiten darboten, unterdrückte er seine Sinnlichkeit mit Beten und Fasten, besuchte die Krankenhäuser und Gefängnisse, und linderte nicht bloß durch seine reichlichen Gaben, sondern vorzüglich durch die Trostgründe der heiligen Religion das Elend der Unglücklichen. Gewöhnlich durchwachte er, eingehüllt in das Kleid eines Büßenden, die Nacht in einer Kirche, die nahe bei seiner Wohnung war. So sehr übrigens der Heilige seine Tugenden und guten Werke vor den Menschen verbarg, so wurden sie doch öffentlich bekannt, und der Bischof von Bourges, der heilige Austergisilus, weihte ihn zum Diakon seiner Kirche und übertrug ihm das Predigtamt. Durch seine eindringlichen Reden und durch die Kraft der Wunder, die er zur Verherrlichung des Namens Jesus wirkte, bekehrte er in kurzer Zeit nicht nur die verhärtetsten Sünder, sondern auch eine Menge Juden, die mit sehnlichstem Verlangen nach der christlichen Religion sich taufen ließen.

 

Bald verbreitete sich auch der Ruhm des frommen Dieners Gottes am Hof des fränkischen Königs Childebert, der den Bischof von Bourges drängte, ihm den Heiligen zu senden, damit er als Feldprediger unter den Soldaten bessere Sitten einführen möchte. Da ereignete es sich, dass der König in eine tödliche Krankheit fiel und dass selbst die Ärzte ganz an seiner Genesung zweifelten. Die Königin fiel dem heiligen Sulpitius zu Füßen und bat ihn unter einem Strom von Tränen um seine Hilfe. Er gab ihr den Trost, dass der Kranke nicht sterben würde. Fünf Tage lang fastete und betete er für die Wiedergenesung des christlichen Königs. Und als die Hohen des Reiches ihn baten, er möchte eine Nahrung genießen, denn der Kranke sei schon dem Tod nahe, antwortete der Heilige: „Lasst euer Vertrauen nicht sinken! Nach zwei Tagen speisen wir alle mit dem König.“ Wirklich wurde der König wie der ein Wunder plötzlich gesund und ernannte beim Gastmahl, das er wegen der erhaltenen Gesundheit feierte, den Sulpitius zum Bischof von Bourges. In dieser Würde arbeitete er rastlos an dem Seelenheil seiner ihm anvertrauten Herde; er stiftete Kirchen und Krankenhäuser, beschützte die Armen und Unterdrückten und starb schließlich als ein lebensmüder Greis voll Verlangen nach der Krone der ewigen Seligkeit am 17. Januar 644.

 

Der heilige Speusipus samt zwei Brüdern

und seiner Großmutter Leonilla, Martyrer von Langres, Frankreich,

+ 17.1.166 – Fest: 17. Januar

 

Speusipus und seine Brüder Eleusipus und Meleusipus wurden in der Gegend von Langres von heidnischen Eltern geboren und mussten sich ihr Brot wegen Armut dadurch verdienen, dass sie die Herden reicher Landbewohner auf die Weide triebenSie würden vielleicht nie zur Erkenntnis des wahren Gottes gekommen sein, wenn sich ihre fromme Großmutter, Leonilla mit Namen, der verwahrlosten Kinder nicht erbarmt und sie im Christentum unterrichtet hätte. Nachdem sie die heilige Taufe empfangen hatten, wurden sie mit einem solchen Eifer zur Ausbreitung der Religion Jesu erfüllt, dass sie mehrere Heiden auf dem Land bekehrten und schließlich in der Stadt Langres die Götzenbilder zerschlugen. Wegen dieses Verbrechens wurden sie unter der Regierung des heidnischen Kaisers Marcus Aurelius vor Gericht geschleppt und aufgefordert, den Göttern zu opfern. Weil sie sich aber dessen weigerten und Jesus standhaft bekannten, befahl der Richter ihre Großmutter herbeizuführen, um die drei jungen Männer zum Abfall vom Christentum zu bereden. Aber sie gestand nicht nur freiwillig und ohne Furcht, dass sie selbst eine Christin sei, sondern sie ermahnte auch unter vielen Tränen ihre drei Enkelsöhne, lieber alle Peinen und Marter mit Geduld zu ertragen, als den wahren Gott zu verleugnen und ihre Seelen dem ewigen Verderben aufzubewahren. Deswegen wurde sie auf der Stelle enthauptet und die drei Brüder, durch ihren Heldenmut begeistert, starben so freudig und geduldig unter den grausamsten Martern, dass sich Neon und Turbon, heidnische Gerichtspersonen, auf der Stelle bekehrten, Jesus bekannten und am gleichen Tag noch von den Götzendienern gesteinigt und so der Marterkrone gewürdigt wurden.

 

Zu Elwangen, wohin in der Folge die Reliquien der drei Martyrer und Brüder gebracht wurden, werden sie als die Landespatronen verehrt.

 

Die selige Euphemia Domitilla, Dominikaner-Ordensfrau, Priorin von Ratibor,

+ 17.1.1359 – Fest: 17. Januar

 

Die Zeit der sogenannten Mystik ist die Periode der Frömmigkeit. Man mag über das viele Außergewöhnliche denken, was man will, das macht ja die Frömmigkeit nicht aus. Das Wesentliche aber, die Liebe, der Opfermut und Gebetseifer, das beharrliche heroische Tugendstreben, prangt in einer solchen Vollendung, dass alle anderen Perioden bewundernd auf die Zeit der deutschen Mystik zurückblicken dürfen. Wie ein herrlicher Gottesgarten blühte damals die deutsche Ordensprovinz der Dominikanerinnen. Manch duftiges Blümlein dürfen wir daraus noch pflücken. In der schlesischen Stadt Ratibor an der Oder, damals polnisch, später zum Deutschen Reich gehörend, heute wieder polnisch, strebten die Ordensfrauen nach dem gleichen hohen Ziel. Ihrer edelsten eine verdient am heutigen Tag ein Gedenken, weil nicht nur ihr Hochgrab in Ratibor, sondern noch mehr ihre Frömmigkeit und Seelengröße sie nicht der Vergessenheit anheimfallen lassen: Euphemia Domitilla.

 

Im hohen Haus des Herzogs Lescek von Ratibor stand der Glücklichen Wiege. Schon in frühester Jugend weihte sie ihre Jungfräulichkeit dem Herrn. Mannigfache Tugenden schmückten ihre kindlich reine Seele, so namentlich eine aufrichtige, herzliche Frömmigkeit, die sich äußerte in der anhaltenden Neigung zum Beten und Betrachten, eine für das kindliche Alter außerordentliche Bußstrenge, womit sie den zarten Leib der Seele zu unterwerfen versuchte und ihm deshalb lange Fasten, ermüdende Wachen, die Schmerzen der Geißelung und des Bußgürtels auflud. In tiefster Demut wollte sie dem Ärmsten der Untertanen ihres Vaters bereitwillig dienen. Die größte Wonne bedeuteten für sie die Augenblicke, in denen sie vor dem Allerheiligsten weilen und traute Zwiesprache mit dem Erwählten ihrer Seele halten durfte.

 

Dieses fromme, selige Leben schien ein jähes Ende nehmen zu sollen. Zwei hohe Bewerber um ihre Hand harrten auf das Jawort, der Markgraf von Brandenburg und der Herzog von Braunschweig, beide reich, beide jung, beide ritterlich kühn und beide von stürmischer Liebe zu der jugendlichen Prinzessin entbrannt. Der Vater betrachtete die Sache als abgetan. Nur auf Drängen der Mutter überließ er der Tochter die Wahl. Wohl eine schwere Wahl für ein Weltkind! Euphemia wählte keinen von beiden. Die Mutter war sprachlos und brach in Tränen aus. Der Vater zürnte und drohte, mit Gewalt ihren Kopf zu beugen. Aber weder die Tränen noch die Drohungen vermochten Euphemia umzustimmen. „Ich will Jungfrau bleiben“, entschied sie. „Fort mit dir! Komm mir nicht mehr unter die Augen!“ So der Herzog. Euphemia ging in ihre Gemächer, das Herz voll Wehmut über den Schmerz der Mutter, voll Trauer über den Zorn des Vaters. Einen Augenblick wollten die Gefühle sie überwältigen. Dann kniete sie nieder vor dem Bild dessen, den sie erwählt hatte. Er musste sie trösten.

 

Unten liefen die Diener. Die Gesellschaft zerstreute sich. Euphemia betete. Erst als die Nacht hereinbrach, machte Müdigkeit sich bei ihr geltend. Sie war erschöpft von der seelischen Erregung und doch beglückt über den Ausgang, ohne Reue, wenn auch voll Wehmut. Nur eins noch wirkte störend: Sollte sie bleiben, hier, wo sich täglich ähnliche Auftritte wiederholen konnten? Sie trat ans Fenster. Verlangend blickte sie auf zum gestirnten Himmel. Da sah sie einen blendenden Schein. Sah drei hellleuchtende Strahlen wie eine Sonnenbahn sich hinziehen vom Himmel, hoch hinab zu dem stillen Klösterlein der Dominikanerinnen zu Ratibor. Zwischen den Strahlen auf der Sonnenbahn schwebte eine schneeweiße Taube himmelan. Da war das Schwanken entschieden. Die Prinzessin erbat und erhielt die Zustimmung der Eltern zum Eintritt in das arme Kloster vom Orden des heiligen Dominikus.

 

Während der feierlichen Messe, die bei ihrer Einkleidung gelesen wurde, war von allen Anwesenden zwischen der Wandlung und der Kommunion ein himmlischer Gesang vernommen und als ein Zeichen der Freude gedeutet worden, die in den Scharen der heiligen Engel herrschte über dies reine Opferlamm, das sich Gott darbrachte. Mit der Übernahme des Ordensgewandes überkam die Selige ein neuer Eifer, ihre Seele mit dem Gewand der Tugenden zu zieren. Mit den Schwestern teilte sie demütig Armut und Not. Von Gott war sie durch himmlische Tröstungen und Offenbarungen ausgezeichnet. Als sie am 17. Januar 1359 starb, begann das Volk sie als Heilige zu verehren.

 

Eine Sonnenbahn vom Himmel zur Erde! Ist es nicht Gottes heiliger Odem, der Liebeshauch des Heiligen Geistes, der in die arme Menschenseele sich ergießt? „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,8). Durch den Propheten versichert er (Jes 31,3): „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt und dich voll Erbarmen an mich gezogen.“ Unaussprechliche, geheimnisvolle Vermählung Gottes mit der menschlichen Natur! Gott, der himmlische Bräutigam – die Seele die erkorene Braut! „Als es Gott die Zeit deuchte und er Mitleid hatte mit dem Leid seiner Geliebten, da sandte er seinen eingeborenen Sohn auf die Erde herab in einen reichen Saal und einen glorreichen Tempel; das war der Leib der Jungfrau Maria. Der Priester, der die Braut traute, das war der Heilige Geist, der Engel Gabriel verkündete die Ehe, die glorreiche Jungfrau gab die Einwilligung.“ Nun magst du wohl fassen, dass auch die auserwählte Seele in ganz ausschließlicher, jungfräulicher Liebe auf der gottbereiteten Sonnenbahn entgegen dem Heiland ziehen und himmelan fahren will, folgend dem Ruf des Bräutigams im Hohen Lied (2,10): „Mache dich auf, eile meine Freundin, meine Taube, meine Schöne, und komm.“

 

18. Januar

 

Die heilige Prisca, Jungfrau und Martyrin von Rom,

+ 18.1.64 - Fest: 18. Januar

 

Ihrer ungeschichtlichen Lebensbeschreibung zufolge war Prisca die dreizehnjährige Tochter eines römischen Konsuls unter Kaiser Claudius I. Während der Christenverfolgung verhaftet und zum Tod verurteilt, wurde sie nach langen Qualen mit dem Schwert enthauptet.

 

Dargestellt wird Prisca mit ein oder zwei Löwen, die ruhig zu ihren Füßen liegen. Andere Bilder zeigen sie im Grab liegend und von zwei Adlern bewacht. Häufig wird sie auch mit Palme und Schwert abgebildet.

 

Aus dem Römischen Martyrologium:

 

Prisca, die Tochter einer angesehenen Familie, wurde von zarter Kindheit an in der christlichen Religion erzogen, lebte so fromm und tugendhaft, dass man sie als eine Christin erkannte, und dem heidnischen Kaiser Claudius auslieferte. Sie war eine blühende Jungfrau und in einem Alter von 13 Jahren, als sie vor dem Richterstuhl des Kaisers erschien, der durch ihre liebliche Gestalt und ihre Sanftmut selbst gerührt wurde, und befahl, man sollte sie mit aller Schonung behandeln, und nachdem sie im Tempel des Apollo geopfert haben würde, ihr die Freiheit geben. Da sie sich aber standhaft weigerte, dem Götzen ein Opfer zu bringen, wurde sie bis aufs Blut mit Ruten geschlagen und in ein Gefängnis geworfen, wo sie durch die traurige Einsamkeit und durch den Schmerz ihrer Wunden zum Abfall vom christlichen Glauben bewogen werden sollte. Allein die Bekennerin stärkte sich während dieser Zeit durch ein inniges Gebet auf den ihr bevorstehenden Todeskampf und zeigte im zweiten Verhör einen solchen Mut, für Jesus ihren Heiland und Erlöser alles zu dulden, dass sie nach einer grausamen Geißelung zum Tode verurteilt wurde. Drei Tage schmachtete sie noch im Kerker, in dem sie, verwundet am ganzen Körper, heilige Psalmen sang, und dann wurde sie im Beisein einer unzähligen Menge Volkes einem heißhungrigen Löwen vorgeworfen. Zum Staunen aller Heiden trat das wilde Tier erschrocken von ihr zurück, aber diese, grausamer als der Löwe, banden die Heilige an eine Säule, zerfleischten mit eisernen Krallen ihren zarten Körper, und warfen sie zuletzt auf einen brennenden Scheiterhaufen, aus dem sie unversehrt hervorging. Die Wut der Heiden, die sich von einer schwachen Jungfrau besiegt sahen, stieg dadurch auf das höchste, und weil sie das Wunder dieses christlichen Heldenmutes für Zauberei hielten, führten sie die Martyrin aus der Stadt und enthaupteten sie. Ihren Leichnam beerdigten fromme Christen an der Straße nach Ostia, und ihre sterblichen Überreste werden zu Rom in der ihr zu Ehren erbauten Kirche aufbewahrt.

 

Die heilige Margarita von Ungarn, Prinzessin,

+ 18.1.1270 - Fest: 18. Januar

 

Im Diadem einer Königin glänzen neben den Edelsteinen kostbare Perlen, deren Wert manchmal Millionen aufwiegt. In dem Schmuck der Königin aller Heiligen bemerken wir einen strahlenden Kranz echter Perlen, die jungfräulichen Seelen darstellend, die ihrem erhabenen Vorbild treu nachgefolgt sind. War Maria die erste, die erhabenste und vollkommenste Jungfrau, die sich durch das Gelübde der steten Jungfräulichkeit und Keuschheit Gott verband, so haben ihr im Lauf der christlichen Jahrhunderte tausende und tausende edler Jungfrauen und Jünglinge nachgeeifert, um gleich ihr am Thron des makellosen Gotteslammes in weißen Kleidern stehen zu dürfen. Eine dieser edlen, reinen Jungfrauen war Margarita, die Tochter des Königs Bela IV. von Ungarn.

 

Als die Mongolen, wie einst bei der Völkerwanderung, das asiatische Steppenland verließen und Ungarn mit Feuer und Schwert verwüsteten, floh der bedrängte König mit den Seinigen nach Dalmatien. In seiner äußersten Bedrängnis gelobte er, das Kind, das seine Gattin bekommen würde, dem Dienst der Kirche zu weihen. Die Königin gebar eine Tochter, die in der heiligen Taufe den Namen Margarita (d.h. Perle) empfing. Der Name des Kindes entsprach ihrem späteren Leben, denn sie wurde eine Perle unter den Jungfrauen. Die Königstochter hatte noch nicht ihr viertes Lebensjahr vollendet, als ihre Eltern sie den Dominikanerinnen zu Vesprin übergaben. Nicht lange danach erbaute der König ein Kloster desselben Ordens auf einer Donauinsel zwischen Ofen und Pesth und ließ seine Tochter dorthin bringen. Hier legte Margarita in einem Alter von zwölf Jahren die Ordensgelübde ab.

 

Die junge Nonne bildete sich mit außerordentlichem Fleiß in den Wissenschaften und weiblichen Handarbeiten aus, besonders drang sie tief in die Kenntnis der Religion ein und übertraf darin viele Erwachsene. Ihre Andachtsglut und ihre Liebe zu göttlichen Dingen würdigte sie besonderer Erleuchtungen. In ihrer Demut und Selbstverleugnung wollte sie als niedrigste Magd angesehen werden und wurde immer betrübt, wenn man sie an ihre vornehme Geburt erinnerte. Mehrere Fürsten bewarben sich um die Hand der schönen Prinzessin und ihre Eltern wollten Dispens für sie erwirken, sie aber erklärte voll Entrüstung, sie wolle lieber ihr Leben verlieren, als ihr Ordenskleid.

 

Margarita war das Muster einer vollkommenen Ordensfrau. Obgleich sie ihre Seele von jedem Schatten der Sünde rein bewahrte, so betrachtete und behandelte sie sich als die größte Sünderin. Sie schlief auf dem Boden ihrer Zelle, nur mit einem rauen Fell bedeckt, einen Stein als Kopfkissen unter ihrem Haupt. Suchte sie Gott mit einer Krankheit heim, so verbarg sie sorgfältig ihre Schmerzen, damit man sie nicht nötige, die den Kranken gestatteten Erholungsmittel zu gebrauchen.

 

Behandelte Margarita sich selbst mit aller Strenge, so zeigte sie gegen andere eine außerordentlich zarte und wohlwollende Liebe. Erhielt eine ihrer Mitschwestern einen Verweis oder eine Strafe, so wünschte sie sehnlichst, anstatt ihrer diese Verdemütigung zu leiden. Schien eine Mitschwester auch nur die geringste Abneigung gegen sie zu hegen, so warf sie sich ihr zu Füßen und bat um Verzeihung. Erhielt sie von ihren königlichen Eltern Geschenke, so wandte sie diese den Armen zu. Den Kranken erwies sie die niedrigsten Dienste ohne Abscheu und Ekel. So wurde sie allen alles.

 

Eine besondere Verehrung hegte Margarita zum heiligen Kreuz. Von dem Kreuz, an dem unser Erlöser für die Sünden der Menschheit gestorben war, trug sie stets eine Partikel bei sich und küsste sie oft mit tiefster Verehrung. Vor dem Kreuzaltar der Klosterkirche kniete sie oft in tiefster Andacht nieder und rief voll Inbrunst den heiligen Namen Jesus an. Während der Anhörung der heiligen Messe und beim Empfang der heiligen Kommunion rannen gewöhnlich Tränen der Rührung von ihren Wangen. Am Vorabend des Tages, wo sie die heilige Kommunion empfing, nahm sie keine andere Nahrung zu sich, als Wasser und Brot, und brachte die Nacht im Gebet zu. Am Tag, wo sie sich mit ihrem göttlichen Heiland im Mahl der Liebe vereinigt hatte, genoss sie erst am Abend ein wenig Speise. Aus ihrer Liebe zu Jesus entquoll auch die innige Verehrung zu seiner heiligen Mutter. An den Festtagen der allerseligsten Jungfrau strahlte das Angesicht ihrer warmen Verehrerin von heiliger Freude und Inbrunst und in ihrem Herzen sprossen neue Entschlüsse auf, der Königin der Jungfrauen möglichst ähnlich zu werden.

 

Wegen ihrer vorzüglichen Tugenden wurde Margarita zur Äbtissin des Klosters erwählt. In ihrem Amt verdoppelte sie ihren Bußeifer, las eifrig in den heiligen Schriften, betrachtete andächtig die ewigen Wahrheiten und vervollkommnete ihre eigene Seele, wie die Seelen ihrer Mitschwestern. In der Blüte ihrer Jahre, in einem Alter von 28 Jahren, rief sie Gott im Jahr 1270 zu den ewigen Freuden des Himmels, um dort als auserwählte Perle zu glänzen im Ehrenkranz der Königin aller Jungfrauen. Das Kloster, das Margarita mit dem Glanz ihrer Tugenden erfüllte, wurde später von den Türken zerstört, aber heute noch wird die Insel nach ihrem Namen Margareteninsel genannt. Die Stadt Preßburg bewahrt voll Ehrfurcht ihre Reliquien.

 

Der heilige Deikola, Abt und Bekenner von Lure, Frankreich,

+ 18.1.625 – Fest: 18. Januar

 

Der heilige Columban hatte sich mit zwölf Mönchen von Irland nach Frankreich begeben, um dort unter der Regierung des Königs Siegeberts die Überreste des Heidentums zu vertilgen. Zu diesem Ende errichtete er zu Luxeu und Fontaines Klöster, um Glaubensprediger zu bilden und durch sie die Sitten der Landbewohner zu mildern. Nach dem Tod des Königs kam Theodorich zur Regierung, dessen rachgierige Mutter den heiligen Columban so heftig verfolgte, dass er mit seinen Jüngern das Königreich verlassen und sich nach Italien flüchten musste. Weil ihm Deikola, der sich unter der Zahl seiner Schüler befand, wegen Schwäche seiner Füße nicht folgen konnte, nahm er Dienste bei einem Hirten zu Lure und hütete die Schweine. Seine Tugenden und seine Treue und Redlichkeit erregten ihm Feinde, die ihm das Leben auf mancherlei weise verbitterten und schließlich sogar den Entschluss fassten, ihn zu ermorden. Aber er entging ihren Nachstellungen dadurch, dass er sich in einer Feldkapelle verbarg, in der ihn Waisarius, der Gutsherr dieser Gegend, auf die Anklage seiner Feinde hin, gefangen nehmen und in ein Gefängnis werfen ließ, um ihn über die ihm zur Schuld gelegten Verbrechen zu bestrafen. Aber plötzlich wurde Waisarius von einer schweren Krankheit befallen, von der er nur dann erst geheilt wurde, als der heilige Deikola ihm die Hände aufgelegt hatte, für welche Wohltat ihm die fromme Bertildis, die Gemahlin des Gutsherrn, den Ort Lure schenkte, und da auch seine Unschuld entdeckt wurde, ihn so reichlich unterstützte, dass er eine Kirche und ein Kloster errichten konnte, in dem er mehrere Schüler versammelte, die nach seinem Beispiel und unter seiner Aufsicht zur christlichen Vollkommenheit herangebildet wurden. Als er die ganze Einrichtung in Ordnung gebracht hatte, reiste er nach Rom, übergab sein Kloster dem Schutz des obersten Hirten der Kirche, der es mit vielen Gnaden auszeichnete und mit kostbaren Reliquien beschenkte, und nach seiner Zurückkunft wählte er den Columbinus als Abt an seine Stelle und starb im hohen Alter geziert mit Frömmigkeit und allen christlichen Tugenden.

 

19. Januar

 

Der heilige Kanut (Knut), König und Martyrer von Dänemark,

+ 10.7.1086 – Fest: 19. Januar

 

Kanutus, ein Sohn Swenos, des zweiten Königs von Dänemark, vereinigte alle schönen Eigenschaften der Seele mit denjenigen des Leibes. Man übergab ihn früh der Leitung gelehrter Männer, unter denen er die schnellsten Fortschritte in jeder Wissenschaft machte, und wobei er eine Frömmigkeit zeigte, die seinen übrigen Tugenden einen hohen Glanz verlieh. Als er das Alter erreicht hatte, dass er unter das Kriegsheer treten konnte, zeigte er jene Geistesgröße, die dem wahren Helden eigen ist, und bewies seinen Mut dadurch, dass er noch bei Lebzeiten seines Vaters mehrere benachbarte Völker, die durch immerwährende Einfälle Dänemark verheerten, bekämpfte und zur Ruhe brachte, und dass er die Meere von unzähligen Seeräubern, die allen Handel unsicher machten, reinigte. Nach seines Vaters Tod wurde er auf eine kränkende Weise durch die Wahl seines älteren Bruders Harald übergangen, dagegen wegen seines großmütigen Verhaltens zwei Jahre nachher, als Harald starb, vom ganzen Land im Jahr 1080 einstimmig zu dessen Nachfolger erwählt. Unser Heiliger schien von der Vorsehung ausersehen, die Bekehrung der Dänen, denen bereits im Jahr 826 das Evangelium verkündet worden war, zu vollenden. Der Anfang seiner Regierung wurde durch glänzende Siege verherrlicht. Sein Waffenruhm erfüllte ihn aber nicht mit Übermut. Mitten in seinen Triumphen sah man ihn stets die Krone zu den Füßen Jesu, des Gekreuzigten, niederlegen und dem König der Könige das Opfer seiner selbst und seines Reiches darbringen. Er handhabte überall strenge Gerechtigkeit auch gegenüber den Großen, und stellte im ganzen Reich die schönste Ordnung her, überall selber mit dem schönsten Beispiel tiefster Gottesfurcht und eines makellosen Lebens erleuchtend. Seine Ehe mit Eltha, einer Tochter des Königs Robert von Flandern, war mit einem Sohn, Karl dem Heiligen oder dem Guten, gesegnet. Je weiter der junge König in der Gottseligkeit kam, mit desto größerer Betrübnis sah er auf die Fehler seiner Jugendjahre zurück, und unterwarf sich, um sie vor Gott auszusöhnen, einer strengen Buße, wie er denn oft bei Wasser und Brot fastete, während den Armen und Kranken der Stadt die Speisen der königlichen Tafel insgeheim zugutekamen. Wie für die Armen, sorgte der Heilige auch für die Diener der Religion, denen er, um sie in den Augen des Volkes ehrwürdiger zu machen, durch Zuwendung der Zehnten ein anständiges Auskommen gesichert wissen wollte, wobei er jedoch bei den Übelgesinnten seines Volkes auf hartnäckigen Widerstand stieß. Besonders lag ihm aber die Erweiterung des Reiches Christi durch Bekehrung der Heiden am Herzen. Solche Heiden waren auch die in England eingedrungenen Normänner. Sein Bemühen, diese auf dringendes Verlangen der Engländer von ihrer Insel zu vertreiben, scheiterte an dem Verrat seines niedrig gesinnten Bruders Olaus. Als den Fahnenflüchtigen zur Strafe entweder die Entrichtung der Zehnten oder einer Steuer aufgelegt werden sollte, entstand eine Empörung, in welcher der sorglos in Odensee sich aufhaltende König plötzlich von Verrätern, die sich zum Schein unterworfen hatten, überfallen wurde. Nun bereitete er sich durch Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares auf den Tod vor und empfing in der Kirche, betend vor dem Altar liegend, den Todesstreich am 10. Juli 1086, nachdem er ungefähr 6 Jahre regiert hatte. Wie kostbar sein Tod vor dem Angesicht des Herrn war, beweisen die vielen Wunder, die unmittelbar darauf bei seinem Grab erfolgten, und die auch in den späteren Zeiten andauerten. Über Dänemark kamen nach seinem Tod schwere Strafen, besonders eine schreckliche Hungersnot, die das Land 8 Jahre hindurch quälte.

 

Der heilige Pontianus, Martyrer von Spoleto, Italien,

+ 19.1.154 – Fest: 19. Januar

 

Unter der Regierung des heidnischen Kaisers Antonin erhob sich eine heftige Christenverfolgung, während der sich der Statthalter Fabianus durch eine viehische Grausamkeit gegen die unschuldigen Gläubigen auszeichnete. Als dieser Unmensch nach Spoleto kam, um neue Opfer zur Sättigung seines Blutdurstes aufzusuchen, ließ er neben anderen Christen auch den Pontianus ergreifen und vor seinen Richterstuhl führen, um ihn entweder durch herzerschütternde Drohungen zum Abfall zu bringen, oder unter den schrecklichsten Martern hinrichten zu lassen. Im Verhör fragte der Statthalter den gefangenen Christen, wie er sich nenne. Er antwortete ihm: „Meine Eltern gaben mir den Namen Pontianus; aber ich habe mir einen weit schöneren Namen erworben, nämlich den eines Christen.“ Fabianus entgegnete ihm: „Lass diese Torheit und stürze dich und deine Familie nicht dadurch in Schande und Verderben, dass du einen Übeltäter als Gott verehrst, den die Juden mit der schimpflichsten Strafe, mit dem Kreuzestod, belegten. Opfere den unsterblichen Göttern, durch deren Wohltaten du bisher erhalten wurdest und verleugne diesen Jesus, den die Sekte der Nazarener als einen Gott anbetet und der dich aus meinen Händen nicht befreien kann.“ Mit heiligem Ernst erwiderte dem Heiden der unerschrockene Bekenner: „Umsonst versuchst du mich mit deinen schändlichen und gottlästerlichen Reden zum Götzendienst zu verführen, und selbst dein Kaiser ist zu ohnmächtig, mich von der Liebe zu meinem Gott und Heiland zu trennen und zum eitlen Dienst eurer erdichteten Götter zu zwingen.“ Diese Worte erfüllten den heidnischen Richter mit einer unbändigen Wut und er befahl, ihm die Kleider vom Leib zu reißen und ihn so grausam zu schlagen, dass sein Blut den Boden bedeckte. Während dieser Marter sprach der heilige Pontianus zu Fabian mit freudiger Miene: „Boshafter Mensch! Schämst du dich nicht deiner falschen Götter, wenn du die Standhaftigkeit der Bekenner des allmächtigen und wahren Gottes siehst, mit der sie deine vergänglichen Strafen verachten?“ Den Frevler gegen die Götter zum Stillschweigen zu bringen, ließ der erzürnte Richter glühende Kohlen auf den Boden streuen und über diesen mit entblößten Füßen den Christen führen. Aber der bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuz, ging unversehrt durch die Glut und sprach zu Fabian: „Siehe, im Namen meines Gottes und Erlösers Jesus zertrete ich mit nackten Füssen und ohne Schmerzen das Feuer: tauche du, um die Macht deines Jupiters zu erproben, doch deine Hände in ein heißes Wasser.“

 

Aber statt sich dieser Probe zu unterziehen, befahl der Richter, den Bekenner auf die Folter zu werfen, und als die Henker ihn zu peinigen anfingen, schrien sie laut auf: „Wehe uns! Wir leiden heftigere Schmerzen, als dieser Christ. Siehe, unsere Arme sind ermattet, unsere Kräfte erschöpft und die Marterwerkzeuge abgestumpft.“ Vor Scham und Zorn sich seiner nicht mehr mächtig, ließ Fabian den heldenmütigen Martyrer in das Gefängnis führen, um unterdessen andere Qualen zu erfinden, womit er dessen Standhaftigkeit zu besiegen hoffte.

 

Zu dieser Zeit besuchten fromme Christen den heiligen Pontianus im Kerker und flehten unter Tränen und Gebet mit ihm vereint zu Gott um Mut in seinem bevorstehenden Todeskampf, der am folgenden Tag stattfinden sollte; denn Fabian ließ in ganz Spoleto durch Herolde bekannt machen, dass auf öffentlichem Platz ein Lästerer der Götter mit den zwei wildesten Löwen kämpfen werde. Schon am frühen Morgen war der Schauplatz mit einer ungeheuren Menge Menschen bedeckt und eine Todesstille breitete sich aus, als der heilige Martyrer aus seinem Gefängnis ankam und mit heiterem Angesicht seinen Mördern entgegen sah. Jetzt wurden die Löwen aus ihren Behältern losgelassen und unter heftigem Gebrüll stürzten sie sich auf den Unglücklichen, bei dessen Füßen sie sich aber wie Lämmer auf den Boden lagerten. Die Heiden erhoben ein lautes Geschrei und mehrere Stimmen riefen: „Groß und mächtig ist der Gott der Christen! Gebt dem Gefangenen die Freiheit, denn er ist unschuldig und hat den Tod nicht verdient!“ Aber Fabian, dessen grausames Gemüt kein Mitleiden kannte, ließ den Martyrer, weil er eine Empörung fürchtete, von dem Schauplatz in das Gefängnis zurückbringen, wo er ihn zum Hungertod verurteilte. Zwölf Tage waren vergangen, in dieser Zeit, wie die alte Urkunde erzählt, täglich ein Engel Gottes den Pontianus mit dem himmlischen Brot erquickte, als die Gerichtsdiener in den Kerker kamen, um den entseelten Leichnam abzuholen; aber zu ihrem größten Erstaunen fanden sie den Gefangenen gesund und hörten ihn heilige Psalmen singen.

 

Diese Nachricht erschreckte den Statthalter wie ein Donnerschlag und in größter Eile befahl er, den verhassten Christen mit zerlassenem Blei zu töten. Er begleitete die Henker selbst in das Gefängnis und als er den Heiligen nochmals fruchtlos zum Götzenopfer ermahnt hatte, wurde das glühende Metall in seinen Schlund gegossen, das aber wie kühles Wasser hinabfloss und ihm nicht den geringsten Schaden verursachte. Nun sprach er ihm das Urteil der Enthauptung, und der heilige Pontianus ging wie ein Sieger auf den Richtplatz, fiel dort auf die Knie und flehte zu Gott, dass er seine Seele gnädig aufnehmen wolle; dann beugte er seinen Nacken dem Henker dar und endete als Blutzeuge Jesu am 19. Januar im Jahr 152. Seine Reliquien wurden in der Mitte des 18. Jahrhunderts nach Utrecht gebracht.

 

20. Januar

 

Der heilige Sebastian, Hauptmann und Martyrer von Rom,

+ 20.1.288 - Fest: 20. Januar

 

Sebastian wurde im dritten Jahrhundert als Sohn römischer Eltern, die Christen waren, in Südfrankreich geboren. Bald nach seiner Geburt verzog die Familie und siedelte nach der großen Stadt Mailand in Oberitalien. Dort ist Sebastian groß geworden.

 

Von der frühesten Kindheit an schwärmte der Junge für das Militär. Wo sich Soldaten zeigten, da war auch Sebastian zur Stelle. Soweit es seine kurzen Beine zuließen, marschierte er neben den Kolonnen her. Die Soldatenlieder kannte er schon alle, bevor er lesen und schreiben lernte. So wurde Sebastian ein wenig später selbst Soldat. Fähnrich zuerst, dann Leutnant und mit zweiundzwanzig Jahren bereits Hauptmann, der jüngste Hauptmann im Regiment.

 

Drei Jahre später wurde Hauptmann Sebastian zur kaiserlichen Garde nach Rom versetzt. Damit erfüllte sich für ihn der schönste Traum, den die Soldaten in der damaligen Zeit träumten, denn bei der Garde zu dienen galt als ehrenvolle Auszeichnung. Die Garde erhielt höheren Sold und trug eine prunkvolle goldene Rüstung. Auf dem Helm schwankte ein herrlicher Federbusch. Ein einziges Leuchten und Funkeln war es jedes Mal, wenn die Garde aufzog, ein Schauspiel, das regelmäßig bei den Zivilisten laute Bewunderung hervorrief.

 

Den glänzendsten Eindruck machte der Hauptmann Sebastian. Einen prachtvolleren Soldaten, als er war, konnte man sich kaum vorstellen. Sebastian war zwei Meter groß, hatte edle Gesichtszüge und besaß einen geschmeidigen und muskulösen Körperbau. Sebastian war, mit einem Wort gesagt, ein schöner Mann. Als Soldat tat er seine Pflicht, und als Offizier war er bei seinen Untergebenen beliebt. Sein Mut und seine Tapferkeit waren sprichwörtlich, und an seiner Treue gegen den Kaiser konnte keiner zweifeln.

 

Sebastian war aber nicht nur Soldat, sondern auch Christ, und zwar ein Christ von der Art, wie Christen sein sollen, ehrlich und treu.

 

Damals, zu Sebastians Zeit, genoss die junge christliche Kirche nach langen schweren Verfolgungen eine vierzigjährige Friedenszeit. Die Zahl der Gläubigen vermehrte sich ständig, nicht nur unter den armen Volksschichten, sondern auch unter den Gebildeten und bis in die höchsten Kreise. Doch da kam über Nacht eine neue Verfolgung über die Christen. Es war die zehnte und schrecklichste seit der ersten zweihundert Jahre vorher. Tausende haben auch in dieser Verfolgung mutig den Glauben an Christus mit dem eigenen Blut besiegelt.

 

Gerade zu der Zeit, als diese Verfolgung ausbrach, erhielt Sebastian die Beförderung zur Garde. Lange überlegte er, ob er sich in Rom gleich von Anfang an öffentlich als Christ bekennen solle. Am Ende hielt er es aber für besser, seinen Glauben wenigstens vorläufig geheim zu halten. Das tat er nicht aus Feigheit, weil er den Martertod fürchtete, denn Feigheit und Furcht kannte Sebastian nicht. Nein, als echter Christusjünger brannte er vielmehr darauf, das Leben für Christus möglich zu machen. Er sagte sich, wenn er schon sterben müsse, so sei es doch gut, dass er möglichst spät den Martertod erleide. Denn in der Zwischenzeit könne er in seiner hohen Stellung noch vielen verfolgten Christen eine Stütze sein.

 

So geschah es auch. Wo er nur konnte, nahm sich Sebastian der Mitchristen an. Ihm, dem hohen Offizier der kaiserlichen Garde, öffneten sich ohne Schwierigkeiten die Kerkertüren. Den todgeweihten Christen brachte Sebastian den letzten Trost und letzte Aufmunterung. Besonders wichtig war ihm, diejenigen, die im Angesicht des Todes schwankend wurden, im Glauben zu stärken. Er brachte es sogar fertig, mitten im Sturm der Verfolgung Menschen für Christus und den Glauben zu gewinnen.

 

So kam es, wie es kommen musste. Eines Tages wurde Sebastian verraten, und der Kaiser, äußerst wütend, ließ ihn am gleichen Abend noch mit Pfeilen erschießen. Wie ein tapferer Soldat hielt Sebastian, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, am Marterpfahl aus. Schließlich brach er sterbend zusammen, und die Pfeilschützen entfernten sich in der Meinung, dass der Hingerichtete tot sei. Als jedoch bei Einbruch der Nacht eine christliche Witwe, Irene mit Namen, kam, um den Leichnam ehrenvoll zu bestatten, traf sie den Blutzeugen noch lebend an. Eiligst schaffte die Frau den Schwerverletzten von der Hinrichtungsstätte fort, versteckte ihn und pflegte ihn so gut, dass er wieder gesund wurde.

 

Wer aber meint, Sebastian sei nun geflohen, um sich in Sicherheit zu bringen, der irrt. Nein, denn als er kaum wieder stehen und gehen konnte, trat er erneut vor den Kaiser hin und hielt ihm mutig das Unrecht vor, das er den Christen antue. Da kannte des Kaisers Wut keine Grenzen mehr. Mit Keulen und Knütteln ließ er den Mann erschlagen.

 

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Das einzige, historisch nachweisbare Datum, das als Zeugnis für den heiligen Sebastian herangezogen werden kann, ist sein Gedenktag im römischen Heiligenkalender. Seit 354 feiert die Kirche das Fest dieses Märtyrers.

 

Der Legende nach soll er in Narbonne geboren, aber in Mailand aufgewachsen sein. Seine Stellung als kaiserlicher Offizier erlaubte es ihm, seine christlichen Glaubensgenossen in den Gefängnissen zu besuchen, zu trösten und zu ermutigen. Bei diesem Tun wurde er jedoch schließlich verhaftet und nun selbst zum Tod verurteilt. Wahrscheinlich starb er während der diokletianischen Verfolgung um 300.

 

„Die Absicht des heiligen Sebastian war aber nicht, Ruhm oder Reichtum zu sammeln, sondern bei Gelegenheit den Bekennern und Blutzeugen in ihren Drangsalen beizustehen. Bald auch bot sich seinem Eifer die erwünschte Gelegenheit dar. Marcus und Marcellianus, die beide des Glaubens wegen zum Tod verdammt worden waren, ließen sich durch die Tränen ihrer Verwandten und Freunde erweichen und schienen wankend in ihrem Entschluss. Sebastian, bestürzt über die drohende Gefahr, eilte ihnen zu Hilfe und belebte durch seinen feurigen Zuspruch, wodurch sogar alle Umstehenden lebhaft gerührt wurden, ihren schon halb gesunkenen Mut. Kaum hatte er abgelassen zu reden, als Zoe, Nikostrats Frau, die seit sechs Jahren den Sprachgebrauch verloren hatte, sich zu seinen Füßen niederwarf und durch Zeichen ihr Verlangen zu erkennen geben suchte. Der Diener Gottes machte das heilige Kreuzzeichen über ihren Mund, und sogleich fing sie an ganz verständlich zu sprechen. Zoe, voll des Dankes für diese große Wohltat, bekehrte sich mit ihrem Mann. Dieser war der erste Schreiber der Präfektur. Auf ihre Bekehrung folgte auch jene der Verwandten das Marcus und Marcellianus, des Kerkermeisters, namens Claudius, und sechzehn anderer Personen. Nikostrat, mit dessen Amt die Bewachung der Gefangenen verbunden war, führte sie in sein Haus, wo sie vom heiligen Priester Polykarp unterrichtet und getauft wurden.

 

Als der Kaiser während der großen Christenverfolgung im Jahr 286 erfuhr, dass Sebastian ebenfalls Christ sei, ließ er ihn vor sich kommen, und hielt ihm den vermeintlichen Undank vor, womit er alle seine Wohltaten vergolten habe. Dann übergab er ihn den Händen einiger mauretanischer Bogenschützen, die ihn, mit Pfeilen durchschossen, als tot auf dem Platz liegen ließen. Irene, die zurückgelassene Witwe des Märtyrers Castulus, kam ihn zu begraben, fand ihn aber noch am Leben. Sie ließ ihn daher heimlich in ihr Haus tragen, wo er nach kurzer Zeit wieder vollkommen gesund war. Sebastian war weit entfernt, sich jetzt, wie ihm die Christen rieten, zu verbergen. Vielmehr stellte er sich eines Tages auf die Treppe, welche der Kaiser, wenn er in den Tempel ging, besteigen musste. Als dieser ihm nahe kam, redete er ihn an, und hielt ihm mit Kraft das Unrecht seiner feindseligen Gesinnung gegen die Christen vor, welche sich doch eine Pflicht daraus machten, für die Wohlfahrt seiner Regierung zu beten, und eine unverbrüchliche Treue gegen ihn zu bewahren. Diese freie Sprache überraschte den Kaiser Diokletian; aber wie groß war sein Befremden, als er den Sebastian, den er schon längst tot geglaubt hatte, erkannte! Er ließ ihn von neuem greifen und in den Zirkus, oder die Rennbahn, die an seinen Palast stieß, führen, um ihn da durch Stockschläge töten, und dann in die große Kloake werfen zu lassen, die am Ende der Rennbahn war.

 

Eine christliche Matrone, Lucina genannt, ließ den Leib des heiligen Sebastian heimlich aus der Kloake, in die ihn die Götzendiener geworfen hatten, herausziehen und beerdigten ihn an dem Eingang einer unterirdischen Begräbnisstätte, zu Füßen von Petrus und Paulus.“

 

Die für den Heiligen typische Darstellung zeigt einen unbekleideten jungen Mann, von Pfeilen durchbohrt und an einen Baumstamm gebunden. Andere Bildwerke stellen ihn als Ritter, die Pfeile in der Hand, dar.

 

Folgende Länder und Städte verehren ihn als ihren Patron: Deutschland, die Gegend um den Chiemsee, Gent, Soissons, Oppenheim, Rom. Ebenso wird er von den Schützenbruderschaften, Soldaten, Büchsenmachern, Eisenhändlern, Gärtnern, Gerbern, Leichenträgern, Steinmetzen, Töpfern, Tuchmachern, Zinngießern und den Sterbenden als Schutzheiliger verehrt.

 

Vor allem in Pestzeiten wurde er als Nothelfer angerufen. Pfeile galten als Symbol plötzlicher Krankheit, und die Pest wurde, nach den damaligen Vorstellungen, von den Pfeilen der Pestengel hervorgerufen.

 

Der heilige Fabian, Papst und Martyrer von Rom,

+ 20.1.250 - Fest: 20. Januar

 

Von diesem Papst sind nur wenige geschichtliche Daten überliefert. Er regierte von 236 – 250 in Rom und soll die Stadt in sieben Seelsorgebereiche, mit je einem Diakon an der Spitze, eingeteilt haben.

 

Während der Christenverfolgung unter Kaiser Decius wurde Papst Fabian enthauptet.

 

„Der heilige Fabian, Nachfolger des heiligen Anterus, bestieg den Stuhl des heiligen Petrus im Jahr 236. Eusebius erzählt, dass, als sich das Volk und die Geistlichkeit von Rom zur Wahl eines Oberhirten versammelt hatten, plötzlich eine Taube aus der Höhe herabflog, und sich auf Fabians Haupt niederließ, und dass durch dieses Wunder sich alle Stimmen für ihn vereinigten, obgleich vorher niemand auf ihn, weil er ein Laie und Fremdling war, sein Augenmerk gewendet hatte.

 

Ein solcher Eintritt in das Vorsteheramt der ersten der Kirchen musste ohne Zweifel merkwürdige Begebenheiten nach sich ziehen; allein die Geschichte hat uns ihr Andenken nicht aufbewahrt. Alles, was wir von dem heiligen Fabian wissen ist, dass er sechzehn Jahre lang der Kirche Gottes vorstand, der heiligen Dionysius mit anderen Missionaren nach Gallien schickte und den Privatus, Bischof von Lambäsa verdammte, der eine neue Ketzerei in Afrika verbreitete. Wir erfahren durch die heiligen Cyprian und Hieronymus, dass er im Jahr 250, in der Verfolgung des Kaisers Decius, sein Leben durch den Märtyrertod endigte. Der erste nennt ihn in einem Brief an den heiligen Papst Cornelius, seinen Nachfolger, einen unvergleichlichen Mann und sagt, dass sein ruhmvoller Tod völlig der Reinheit und Heiligkeit seines Lebens entsprochen habe.“

 

Da am 20. Januar das Fest des heiligen Fabian und des heiligen Sebastian gefeiert wird, werden beide häufig zusammen dargestellt. Der heilige Fabian trägt die Pontifikaltracht, hält ein Schwert in den Händen und hat eine Taube bei sich. Töpfer und Zinngießer wählten ihn zu ihrem Fürsprecher.

 

Der heilige Neophytus, Junge und Martyrer von Nicäa,

+ 284.305 – Fest: 20. Januar

 

Dieser Heilige, der in der zarten Blüte seiner Jugend zur Verherrlichung des Namens Jesus und seiner Kirche sein unschuldiges Blut im standhaften Bekenntnis vergoss, wurde zu Nicäa in Bithynien geboren und von seinen frommen, christlichen Eltern Theodorus und Florentia in der Furcht des Herrn erzogen. Seine Marterakten bestimmen weder die Zeit seiner Geburt, noch sein Todesjahr, und es ist wahrscheinlich, dass er nach dem Tod seiner Eltern, etwa am Anfang einer Christenverfolgung seine Vaterstadt verlassen habe. Er bewohnte längere Zeit eine Höhle in einer abgelegenen Gegend, lebte unter Gebet und Abtötung von Kräutern und Wurzeln, und wurde in seinem 15. Lebensjahr entdeckt und als ein Christ dem heidnischen Richter ausgeliefert. Dieser forderte ihn auf, den Göttern zu opfern, und dadurch seinen Körper vor Misshandlungen zu bewahren, staunte aber, als er bei dem Jungen eine männliche Entschlossenheit und eine ernstliche Zurückweisung seines Antrages fand. Als auch anlockende Versprechungen und verführerische Schmeicheleien auf ihn nicht den geringsten Eindruck machten, mussten ihm die Henker die Marterwerkzeuge vorlegen, deren fürchterlicher Anblick schon die kaltblütigsten Männer zum Abfall gebracht hatte. Unerschrocken und mit aller Fassung fragte der jugendliche Bekenner, wie lange wohl die Qualen und das Leiden unter diesen Werkzeugen dauern könne, und als er zur Antwort erhielt, dass manche schon zwei oder drei Tage lang in der Marter ausgehalten hätten, sprach er: „Ihr verblendeten Toren! Was sind wenige kurze Tage des Leidens gegen eine Ewigkeit im Himmel bei Gott? Hier ist mein Körper, martert, zerfleischt ihn nach Gefallen: mein Jesus lebt, und ich weiß es, dass er mich wieder zum Leben erwecken wird." Aufgebracht über den christlichen Heldenmut des Jungen, ließ ihn der Richter grausam geißeln, und als Neophytus während dieser Marter den Namen Jesus öfters nannte und zu Gott flehte, ihn des Martertodes zu würdigen, befahl er, ihn den wilden Tieren vorzuwerfen, und da ihn die Tiere nicht berührten, in ein Feuer zu stürzen, aus dem er aber unversehrt und Gott preisend hervorging. Schließlich wurde er mit dem Schwert hingerichtet und so seine keusche Seele mit den himmlischen Geistern vereinigt.

 

Der heilige Euthymius, Abt und Bekenner in Palästina,

+ 20.1.473 – Fest: 20. Januar

 

Euthymius wurde im Jahr 374 in der Gegend von Jerusalem von vorher lange unfruchtbaren Eltern geboren, die ihn gleich nach seiner Geburt durch ein Gelübde dem Dienst Gottes weihten. Schon als Junge übergaben sie ihn der Aufsicht eines frommen Bischofs, der ihn zur Gottseligkeit leitete und ihm besonders Unterricht in der Erklärung der heiligen Schriften erteilte, weswegen Euthymius auch wegen seiner Schriftkenntnis unter seinen Zeitgenossen allgemein berühmt war. Schon als Jüngling versah er das damals übliche Amt eines Lektors in der Kirche und zeichnete sich durch einen solchen Eifer in der Frömmigkeit aus, dass er zum Priester geweiht wurde und die Aufsicht über die Klöster in Jerusalem erhielt. Aber seine Sehnsucht nach der Einsamkeit bewog ihn, mit Erlaubnis seines Bischofs die Stadt zu verlassen und in der Wüste ein abgetötetes Leben zu führen. Er begab sich zu dem damals berühmten Einsiedler Theoctistus, mit dem er eine Berghöhle bewohnte und sich bloß von den Kräutern der Wüste ernährte. Als mehrere heilsbegierige Jünger sich um die heiligen Einsiedler versammelten, verteilte sie Euthymius in Zellen, übergab sie der Leitung und Aufsicht des Theoctistus und erwählte sich einen abgelegenen Ort, wo er ungestört von allen lebenden Wesen Tag und Nacht dem Gebet und der Betrachtung göttlicher Wahrheiten oblag. Um diese Zeit brachte man zu ihm einen unheilbaren jungen Mann, den Sohn des römischen Statthalters, der über Palästina gesetzt war, dem er durch Händeauflegung sogleich die Gesundheit erteilte. Durch dieses Wunder sowohl, als durch seine eindringlichen Ermahnungen nicht nur den Geheilten, sondern auch alle seine Begleiter zum Christentum bekehrte und taufte.

 

Diese wundervolle Heilung eines angesehenen jungen Mannes machte großes Aufsehen in der ganzen Gegend und von allen Seiten strömten die Menschen in die Wüste, um den Wundermann zu sehen. Euthymius aber verließ seine Zelle, floh in die Wüsten Ruban und Ziphon, wo er Klöster errichtete, und baute sich endlich seine Laura, die von ihm noch immer den Namen hat und wo er große Wunder wirkte. Er war ein Vater aller Armen und Bedrängten und besonders nahm er sich der verfolgten Mönche an. Zur Zeit einer anhaltenden Dürre, die eine große Hungersnot über Palästina verbreitete, fiel auf sein Gebet ein fruchtbarer Regen vom Himmel. Übrigens hatte er einen unüberwindlichen Abscheu vor den Feinden der Kirche und besonders vor den Ketzern und bewog durch seine Beredsamkeit den Bischof Petrus, dass er auf der Kirchenversammlung zu Ephesus die Verdammung der Nestorianer bewirkte. Er war auch einer der ersten, der die Beschlüsse des Kirchenrats von Chalcedon unterzeichnete und sich von der Kirchengemeinschaft des Theodosius, Bischofs von Jerusalem, trennte, weil er der euthychianischen Irrlehre zugetan war. Er starb in seinem 99. Lebensjahr im Jahr 473 als ein durch Heiligkeit und alle christlichen Tugenden ausgezeichneter Diener Gottes.

 

21. Januar

 

Der heilige Meinrad, Priester, Einsiedler und Martyrer von Einsiedeln,

+ 21.1.863 - Fest: 21. Januar

 

In der Zeit, in der Kaiser Karl der Große regierte, wurde dem Grafen von Zollern auf Schloss Sülchen am Neckar nach vielem Beten und Warten als Geschenk des Himmels ein Kind geschenkt. Die glücklichen Eltern ließen den Jungen auf den Namen Meinrad taufen. Als der kleine Meinrad mit der Zeit aus der Wiege in die erste Hose wuchs, stellte es sich zur größten Freude des Vaters und der Mutter heraus, dass er ein echter Schwabe war. Denn außer einem hellen Kopf hatte er ein tiefes Gemüt und ein weiches Herz. So sind die Schwaben nämlich, kluge, gute und liebe Leute.

 

Als Meinrad dann heranwuchs, schickten die Eltern ihn in eine Klosterschule auf der Insel Reichenau im Bodensee. Nichts Lieberes konnten sie dem Jungen antun, denn lernen wollte er sehr. Und weil er auch die Stille und das Beten gerne hatte, fühlte sich Meinrad gleich vom ersten Tag an im Kloster zu Hause und lernte lesen, schreiben, zeichnen, malen und dichten, wie es damals auf den Schulen Brauch war.

 

Mit der Zeit gefiel es dem jungen Zollerngrafen im Kloster immer besser, er vergaß dabei sogar die Heimkehr auf das elterliche Schloss und wurde Mönch, Priester und Lehrer und unterrichtete mit Liebe und Lust Jungen aus dem Schwarzwald und der Schweiz, die auf den gleichen Bänken saßen, auf denen er selbst gesessen hatte.

 

Jahr um Jahr hielt Meinrad mit schönem Erfolg Unterricht, aber allmählich fühlte er sich im Kloster doch nicht mehr richtig wohl. Die Jungen waren ihm, wie man sich vorstellen kann, zu unruhig und störten ihn in den Gedanken an Gott. Da ging Pater Meinrad zu Vater Abt und bat ihn um die Genehmigung, Einsiedler werden zu dürfen. Als ihm seine Bitte gewährt wurde, verzog sich der stille Gottsucher auf den Berg Etzel am Züricher See in der heutigen Schweiz, baute sich eine Klause in tiefer Waldeinsamkeit, fastete und betete alle Tage, sieben Jahre lang.

 

In der ersten Zeit, als Meinrad auf dem Etzel in seiner Klause wohnte, störte ihn niemand. Später jedoch kamen von nah und fern Leute und suchten ihn auf und sprachen sich bei ihm aus. Sie fragten um Rat und baten um Hilfe in tausend Anliegen des Leibes und der Seele. Von allen, die zu ihm kamen, ging keiner ungetröstet wieder weg. Bald redete alle Welt rundherum von dem gütigen und weisen Einsiedler auf dem Etzel. Und als daraufhin die Zahl derer, die ihn oft auch nur aus bloßer Neugierde aufsuchten, mit jedem Tag zunahm, war Meinrad eines Morgens spurlos verschwunden. Wo war er denn geblieben? Er war noch ein gutes Stück weiter in die Einsamkeit gewandert, in den sogenannten Finsteren Wald. Das war ein Urwald, den sicher noch nie ein Mensch betreten hatte. Ganz still war es dort. Und wieder war der Einsiedler mit Gott allein. Bären und Wölfe waren die Nachbarn des Gottesmannes, aber sie taten ihm nichts zuleide. Und die Rehe und die Hasen gingen bei ihm ein und aus, und die Vögel setzten sich dem Klausner gar nicht scheu auf die Schulter und auf die Hand. Der Einsiedler besaß auch zwei Raben, die er, kaum den Eiern entschlüpft, aus dem Nest genommen und großgezogen hatte. Die beiden schwarzen Gesellen folgten dem Heiligen auf Schritt und Tritt und lernten auch einige Worte sprechen. Nur wenn Sankt Meinrad betete, hielten sie sich still, aber wenn der Beter „Amen“ sagte, sagten auch sie laut und deutlich „Amen“ und nickten dazu bekräftigend mit dem Kopf.

 

Das war für den Einsiedler eine selige und schöne Zeit, aber dann wurde er eines Tages doch wieder entdeckt. Wieder fanden sich die Leute bei ihm ein, mit jedem Tag mehr, und fragten um Rat und baten um Hilfe. Da erkannte Meinrad, dass es so Gottes Wille sei, und er blieb an Ort und Stelle und half allen, die zu ihm kamen. Und wenn die Reichen ihm zum Dank Geld oder Tuch oder Nahrungsmittel hinterließen, so verschenkte der Einsiedler die Gaben dem nächsten Armen, der zu ihm kam.

 

Neben Meinrads Klause stand eine hölzerne Kapelle mit einer Statue der Mutter Gottes auf dem Altar. An diesem Altar feierte der Einsiedler jeden Morgen die heilige Messe. Da geschah es, dass einmal im strengen Winter gleich nach der heiligen Messe zwei Räuber in das kleine Kirchlein eindrangen. Sie nahmen dem Klausner das wenige, was er besaß, weg und erschlugen ihn. Als sich die Mörder entfernen wollten, stürzten sich die Raben auf sie, hackten auf sie ein und folgten ihnen krächzend und schreiend Schritt für Schritt bis nach Zürich, wo man die beiden ergriff und sie für ihre Tat mit dem Tod bestrafte. Aus Meinrads Klause im Finsteren Wald aber entstand allmählich das große Kloster Einsiedeln mit dem berühmten Gnadenbild der Mutter Gottes. Es ist heute noch das gleiche Gnadenbild wie zu Meinrads Zeiten.

 

Der heilige Fructuosus, Bischof und Martyrer von Tarragona, Spanien,

+ 260-268 – Fest: 21. Januar

und seine Diakonen, die heiligen Augurius und Eulogius, Martyrer von Tarragona

 

Der heilige Fructuosus, Bischof zu Tarragonien in Spanien, war ein eifriger und apostolischer Mann und verdiente es, ein auserwähltes Gefäß und ein Lehrer der Völker genannt zu werden. Wegen seines Eifers in der Verbreitung der christlichen Religion wurde er gewürdigt, unter der Regierung der heidnischen Kaiser Valerian und Gallienus als Blutzeuge Jesu sein Leben zu opfern. Es war an einem Sonntag im Jahr 262, als der heilige Oberhirt nebst seinen Diakonen, Augurius und Eulogius, nach Vollendung des allerheiligsten Opfers von den Heiden ergriffen und in das Gefängnis geworfen wurden, in dem sie sich sechs Tage lang unter anhaltendem Gebet auf ihren Todeskampf vorbereiteten. Am siebten Tag schließlich wurden sie vor den Richterstuhl des Statthalters Aemilianus geführt, der ihnen zuerst die Verordnungen der Kaiser zur Unterdrückung der christlichen Religion vorlesen ließ und sie dann ermahnte, den Göttern zu opfern. Die Bekenner erklärten sich einstimmig, dass sie als Verehrer des wahren und einzigen Gottes falschen Götzen nicht huldigen könnten und lieber alle Peinen erdulden wollten, als ein solches Verbrechen begehen. Der Richter verurteilte sie also zum Tod durch das Feuer, das er zum Schrecken der Christen auf öffentlichem Platz zu errichten befahl.

 

Als die Martyrer auf dem Richtplatz angekommen waren, den eine unzählige Volksmenge umgab, und der heilige Oberhirt die bitteren Tränen der Gläubigen sah, die sie über seinen Verlust weinten, sprach er laut und freudig zu ihnen: „Lasst den Mut nicht sinken, meine Kinder, und setzt euer Vertrauen auf Gott! Er wird euch nicht als Waisen ohne einen Hirten lassen und die Leiden, zu denen wir verurteilt sind, dauern nur einen Augenblick und führen zur ewigen Seligkeit.“ Nach diesen Worten ermahnte er seine Leidensgefährten zur Standhaftigkeit in der Todesstunde und dann traten sie in den brennenden Scheiterhaufen, fielen auf ihre Knie und sangen heilige Psalmen zur Verherrlichung des Namens Jesus. Nachdem das Holz verbrannt war, erblickte man die drei Heiligen, wie sie unversehrt von den Flammen im Herrn entschlafen waren, und die Gläubigen und selbst die Tochter des Statthalters Ämilianus sahen es, wie der Engel Gottes ihre Seelen zum Himmel emportrug. Fromme Christen trugen in der folgenden Nacht die Leichname der heiligen Martyrer von dem Richtplatz und beerdigten sie an einem geweihten Ort.

 

Der heilige Epiphanius, Bischof und Bekenner von Pavia,

+ 21.1.496 – Fest: 21. Januar

 

Der heilige Epiphanius wurde zu Pavia aus einem hohen Geschlecht im Anfang des 5. Jahrhunderts geboren und von seinen frommen Eltern, Maurus und Focaria, dem heiligen Bischof Crispinus zur Erziehung übergeben, unter dessen Leitung er in den Wissenschaften sowohl als in allen christlichen Tugenden die bewundernswürdigsten Fortschritte machte. Schon im zwanzigsten Jahr seines Alters empfing er die Weihe als Diakon und acht Jahre lang arbeitete er rastlos in seinem heiligen Amt zur Verbreitung des Reiches Gottes und unterstützte durch Rat und Tat seinen vom Alter geschwächten heiligen Oberhirten Crispinus, bis er nach dessen Tod wider seinen Willen von der Geistlichkeit und den Gläubigen zum Bischof von Pavia erwählt wurde. Er änderte beim Antritt des heiligen Amtes seine vorige Lebensart nicht im Geringsten, sondern war stets darauf bedacht, den Seinigen in allen Tugenden, vorzüglich in der Demut und Enthaltsamkeit, als ein leuchtendes Beispiel voranzugehen und so die Ehre Gottes und der heiligen Religion zu befördern. Er lebte sehr arm und einsam und suchte in allen Verhältnissen den Frieden zu erhalten. Durch seine unwiderstehliche Beredsamkeit versöhnte er die entzweiten Gemüter des Kaisers Anthemius und Ricimerus, der als Fürst Mailand regierte, und deren Feindschaft zu einen verheerenden Krieg ausgebrochen war, und auf sein Bitten verschonten die Rugier, als sie Pavia eroberten, die Stadt mit Plünderung und Brand. Mitten im Winter machte er eine beschwerliche Reise an den Hof des Königs Gondovadus in Burgund, bei dem er die Loslassung sechstausend gefangener Italiener bewirkte.

 

So arbeitete der heilige Epiphanius unermüdet daran, Menschenelend zu lindern und Tugend zu verbreiten, und starb beweint von der ganzen Christenheit, im 58. Jahr seines Alters 496. Seine Reliquien wurden unter der Regierung Kaisers Otto des Ersten nach Hildesheim gebracht, wo sie feierlich der Verehrung der Gläubigen ausgesetzt wurden.

 

Die heilige Agnes, Jungfrau und Martyrin von Rom,

+ 21.1.304 - Fest: 21. Januar

 

Seit sechzehnhundertfünfzig Jahren verkündet die Kirche das Lob der heiligen Agnes. Die größten Kirchenlehrer feiern ihren Ruhm. Berühmte Päpste haben ihr Leben und Sterben begeistert geschildert. Ihr zu Ehren haben Dichter ohne Zahl ihre Lieder gesungen. Zahllos sind auch die Kirchen, die ihr geweiht sind, und Millionen Frauen und Mädchen trugen zu allen Zeiten und tragen heute noch ihren Namen. Die heilige Agnes gehört zu den ganz Großen im Himmel und auf Erden.

 

Was hat sie denn so groß gemacht?

 

Agnes wurde als Tochter eines vornehmen römischen Hauses im Jahre 291 geboren. Schon als Kind war sie schön wie eine Rosenknospe. Später staunten alle Menschen, die sie sahen, denn so viel Liebenswürdigkeit und Schönheit und Freundlichkeit wie bei ihr findet man selten bei einem einzelnen Menschen.

 

Schön war Agnes von Gestalt, und noch weit herrlicher entfaltete sich die Schönheit ihrer Seele. Rein wie die weiße Wolle eines Lammes war ihr Herz, wie Schnee, über den noch kein Fuß gegangen ist. Und bald auch blühte in ihrem Herzen die Liebe zum schönsten und herrlichsten Bräutigam, den es gibt, zu Christus, dem König der reinen Seelen. Mit diesem unvergleichlichen Bräutigam verband sich Agnes für immer und ewig durch ein Gelübde.

 

Angelockt durch die Art und die Erscheinung des Mädchens, bat eines Tages ein vornehmer heidnischer junger Mann um die Hand der Heiligen. Sie aber, die an irdische Liebe nie gedacht hatte, gab zur Antwort:

 

„Du kommst zu spät. Ein anderer ist dir zuvorgekommen. Ich bin bereits verlobt. Mein Bräutigam ist der, dessen Schönheit Sonne, Mond und Sterne bewundern und dessen Mutter eine Jungfrau ist. Mit einem Ring hat mich Jesus Christus, der Herr, sich verbunden, und wie eine Braut hat er mich mit einem Kranz geschmückt.“

 

So sprach Agnes. Hohe, heilige Worte waren es, mit denen sie sich offen als Christin bekannte.

 

Es war damals die Zeit der Christenverfolgung, und so ging der enttäuschte Bewerber hin und klagte die Christusbraut, die ihn abgewiesen hatte, bei dem heidnischen Richter an.

 

Der Richter ließ die Bekennerin aus dem Elternhaus holen und sich vorführen. Mit freundlichen Worten forderte er sie auf, zum Zeichen des Abfalls vom wahren Glauben vor einem Götzenbild Weihrauch zu verbrennen. Schmeichelnd versprach er ihr dafür alles Glück der Welt. Doch Agnes schüttelte ernst, aber bestimmt den Kopf. Irdisches Glück ließ sie kalt, und deshalb weigerte sie sich, Weihrauch zu streuen, um dem himmlischen Bräutigam nicht untreu zu werden.

 

Da stieß der Richter schreckliche Drohungen aus und zeigte ihr die grauenhaften Marterwerkzeuge, wie sie damals gegen die Christen angewandt wurden: klirrende Ketten, eiserne Krallen, blutbespritzte Foltern, die wilden Tiere und die lodernden Flammen des Scheiterhaufens. Doch auch dadurch ließ sich Agnes nicht einschüchtern. Sie stand in Treue fest zu Christus. An dieser Treue änderte sich auch dann nichts, als sie zum Tod durch Enthauptung verurteilt wurde.

 

Wie sie den Martertod erlitt, beschreibt der heilige Bischof Ambrosius von Mailand, der die Geschichte noch von Augenzeugen erfahren hat, so schön, dass es ihm schöner keiner nacherzählen kann.

 

„So schreitet keine Braut dem Bräutigam entgegen“, erzählt der heilige Ambrosius, „wie diese Jungfrau fröhlichen Schrittes zur Marterstätte eilt. Alle Leute weinen, einzig ihre Augen bleiben tränenleer. Ringsum staunt man, dass sie ihr Leben so leichten Herzens hingibt ... Ruhig steht sie da, betet und neigt den Nacken. Da konntest du den Henker zittern sehen ..., seine Hand bebt, bleich sind seine Lippen ..., bis Agnes ihm zuruft: Warum zögerst du, Henker?“

 

So berichtet der heilige Ambrosius von dem glorreichen Tod der Christusbraut Agnes, und voll Bewunderung fährt er fort:

 

„Mädchen ihres Alters weinen über einen Nadelstich, als hätten sie sich schwer verletzt, sie aber stand unerschrocken vor dem Henker. Sie hatte kaum eine Ahnung, was Sterben heißt, und schon ist sie bereit, ihr junges Leben unter dem Schwert auszuhauchen. So viele Menschen nun ihren Namen aussprechen, so viele Herolde verkünden den Ruhm dieser jungfräulichen Martyrin.“

 

- - -

 

Es war am 21. Januar des Jahres 304 nach Christi Geburt, als die heilige Agnes den Märtyrertod erlitt. Noch so jung, erst im 13. Lebensjahr stehend, war sie schon im Guten vollendet. Ihr heiliger Engel, der im Leben ihr so treu zur Seite gestanden hatte, führte die reine, unschuldige Seele zum Himmel empor. Allem Erdenleid für immer entrückt, wird sie von den Engeln und Heiligen als Teilnehmerin an ihrer Seligkeit begrüßt. Sie schaut – o welche Freude! – nun zum ersten Mal ihren göttlichen Bräutigam, den sie so treu geliebt, nach dem sie so glühend verlangt hat. Nun besitzt sie Ihn und nichts mehr vermag sie von Ihm zu trennen. Liebend schließt Er sie in Seine Arme, krönt sie mit der Doppelkrone der Jungfräulichkeit und des Martyriums und lässt sie für alle Ewigkeit teilnehmen an seiner himmlischen Herrlichkeit.

 

Die Glorie und Freuden, in der sie nun lebt und ewig leben wird, beschreiben zu wollen, wäre eitles Beginnen. Kein Menschenauge ist fähig, den Glanz zu ertragen, keine Menschenbrust kann die Wonne verkosten, keine Engelszunge kann die Herrlichkeit verkünden, die Gott im himmlischen Paradies jenen bereitet hat, die Ihn lieben (1 Kor 2). Und Agnes gehört zu Seinen auserwählten Bräuten, zu jenen bevorzugten Heiligen, die das Kleid der Jungfräulichkeit unbefleckt vor den Thron des Lammes gebracht haben. Strahlend in leuchtendem Gewand, die Siegespalme in der Rechten, ihr Herz erfüllt von unbeschreiblicher Seligkeit, folgt sie, eine der ersten in der Schar der Jungfrauen, dem Lamm, wohin es immer geht, und singt mit ihnen ein Lied, das nur sie zu singen vermögen (Offb 14). Ewig prangt sie mit der Siegeskrone, die der besondere Lohn der Jungfrauen ist für die Siegreichen Kämpfe zur unbefleckten Bewahrung ihrer Keuschheit (Sir 4).

 

Aber auch auf Erden hat der Herr Seine Braut verherrlicht und durch alle christlichen Jahrhunderte ist ihr Andenkenglorreich geblieben.

 

Kaum hatte das unschuldige Mädchen sein Leben ausgehaucht, da drängten die Christen sich hinzu, um in den Tüchern das Blut der jugendlichen Märtyrerin aufzufangen, das sie als teures Andenken und wertvolle Reliquie mit sich nach Hause nahmen. Den heiligen Leib ließen ihre Eltern auf einer ihrer Besitzungen in der Nähe der Stadt Rom ehrfurchtsvoll bestatten. Die Christen kamen in großer Zahl zum Grab der Heiligen, um dort zu beten, durch ihr Beispiel sich zu ermutigen und durch ihre Fürbitte Kraft zu erflehen für ihren Glauben. Manche erlitten dort, von den Heiden überfallen, den Märtyrertod. Unter diesen war auch Emerentiana, ein Mädchen, das mit Agnes vom gleichen Alter, jedoch noch nicht getauft war. Als Emerentiana den Heiden mutig entgegentrat und ihnen unerschrocken ihre Ruchlosigkeit vorhielt, wurde sie von der wütenden Menge zu Tode gesteinigt. So empfing sie die Bluttaufe. Im selben Augenblick erfolgte jedoch ein furchtbares Erdbeben, begleitet von Donner und Blitz, wodurch viele getötet wurden, so dass man es fortan nicht mehr wagte, hier die Christen zu belästigen.

 

Am teuersten war die Grabstätte der heiligen Agnes ihren Eltern. Täglich besuchten sie das Grab, um dort zu beten. Sie freuten sich wohl innig über das Glück ihres Kindes, aber es tat ihnen doch weh, es nicht mehr bei sich zu haben. Da erschien ihnen eines Abends, als sie zusammen mit vielen anderen an dem Grab ihrer Tochter beteten, Agnes, von blendendem Licht umstrahlt und begleitet von vielen Jungfrauen, ein glänzend weißes Lämmlein auf ihren Armen tragend. „Seid nicht traurig“, so tröstete sie freundlich ihre Eltern, „dass ihr mich verloren habt, sondern freut euch wegen meines Glücks. Denn seht, ich schaue nun, wonach ich verlangte und besitze, was ich gehofft habe. Ich bin nun vereint im Himmel mit Ihm, den ich auf Erden mit ganzer Inbrunst geliebt habe.“ Hierauf verschwand die Erscheinung; die Eltern aber waren durch diese Worte sehr erfreut.

 

Das Grab der heiligen Agnes blieb in großen Ehren und ihre Verehrung breitete sich immer weiter aus. In allen Kirchen und Sprachen des Erdkreises wurde ihr Andenken geehrt, ihr Lob verkündet und ihr Fest gefeiert. Christliche Jungfrauen wählten sich die jungfräuliche Märtyrerin als Patronin und ehrten sie als Vorbild und Schützerin ihrer Unschuld. Konstantia, die Tochter des Kaisers Konstantin, erbaute über ihrem Grab eine Kirche und daneben ein Haus für fromme Jungfrauen, die dort unter dem Schutz der heiligen Agnes ein gottgeweihtes Leben führten. Diese Kirche zählt jetzt zu den schönsten Kirchen Roms. Sie birgt als kostbaren Schatz unter dem Hochaltar den größten Teil der Reliquien der heiligen Agnes. Die große Anzahl Weihegeschenke, die man in diesem Gotteshaus erblickt, geben Kunde von der Liebe und Verehrung, die der jugendlichen Heiligen gezollt wird und von den vielen Gebetserhörungen, die auf ihre Anrufung stattfanden.

 

Der Tag, an dem die heilige Agnes durch ihren blutigen Tod das ewige Leben fand, in der Sprache der Kirche „Geburtstag“ genannt, wird am 21. Januar gefeiert und sieben Tage darauf das Gedächtnis ihrer Erscheinung. Die priesterlichen Tagzeiten ihres Festes gehören zu den schönsten des Breviers. Ihr Name ist in den Kanon der heiligen Messe aufgenommen und Tag für Tag steigt unzählige Male von den Altären das Gebet um ihre Fürbitte zum Himmel empor. In Rom werden alljährlich an ihrem Grab zwei weiße Lämmlein gesegnet; aus deren Wolle werden die Pallien bereitet, die der Papst den Erzbischöfen verleiht und womit er ihnen Vollmacht gibt zur Ausübung ihrer Rechte.

 

Von vielen Heiligen ist es bekannt, dass sie eifrige Verehrer der heiligen Agnes waren. Dazu zählen unter andern der heilige Martin, dem sie wiederholt erschien, der heilige Thomas von Aquin, die heilige Brigitta, der selige Thomas von Kempen. Christliche Dichter besangen ihr Leben und berühmte Kirchenväter verkündeten ihr Lob. Insbesondere der heilige Ambrosius hat sie mit beredten Worten gefeiert.

 

So ist die heilige Agnes geehrt im Himmel und auf Erden. Sie hat, was der heilige Hieronymus von ihr preist, durch ihre Festigkeit und Ausdauer die Schwäche ihres Alters und die Wut des Tyrannen überwunden: das ist und bleibt ewig ihr Ruhm.

 

Die heilige Agnes war, was der heilige Augustinus an ihr rühmt, wirklich, was ihr Name andeutet, die Keusche und Reine, ein Lamm an Einfalt und Unschuld und treuer Anhänglichkeit an Jesus, den guten Hirten, von dem sie durch nichts sich trennen ließ: das verdiente ihr die Kronen der Jungfräulichkeit und des Martyriums.

 

Heilige Agnes, lass nicht ab, für uns zu bitten, damit wir in den Gefahren nicht erliegen und den Versuchungen standhaft widerstehen und so vom ewigen Verderben bewahrt, einst mit dir ewig uns in der Glorie des Himmels erfreuen mögen!

 

22. Januar

 

Der heilige Vinzenz von Saragossa,

Diakon und Martyrer von Valencia, Spanien,

+ 22.1.304 - Fest: 22. Januar

 

Geboren wurde der Märtyrer in Huesca (Aragonien), aber seine Jugend- und Studienjahre verbrachte er in Saragossa.

 

Nach seinem Studium wurde er zum Archidiakon des heiligen Bischofs Valerius geweiht. Während der diokletianischen Christenverfolgung verhaftete man Vinzenz und brachte ihn zusammen mit seinem Bischof nach Valencia, wo man ihn längere Zeit gefangen hielt.

 

Nach einer alle in Erstaunen setzenden Verteidigungsrede wurde er grausam gequält und starb um 304 an den Folgen der Marter.

 

„Datianus, der Statthalter des Kaisers Diokletian in Spanien, wütete, um die kaiserliche Gunst sich zu erwerben, gegen Bischöfe und Priester, und so wurden bei der ausbrechenden Christenverfolgung auch Valerius und Vinzenz gefesselt vor den Richterstuhl geschleppt. Der heilige Bischof, alt und gebrechlich, wurde verbannt, Vinzenz aber grausam gemartert. Seine Hände und Füße wurden aus den Gelenken gezerrt, sein Leib mit eisernen Krallen zerfleischt, das Blut rann von allen Teilen seines Körpers; darauf wurde er, gleich dem heiligen Laurentius, auf einen glühenden Rost geworfen und gegeißelt, seine Wunden wurden mit Salzkörnern bestreut. Dann brachte man ihn in ein finsteres Gefängnis und legte ihn auf spitzige Scherben. Allein der Kerker wurde wunderbar erhellt; der Heilige aber lobte Gott, und Engel erfreuten ihn mit himmlischen Trost. Die Wächter, die den hellen Glanz des Kerkers sahen und die himmlische Musik hörten, bekehrten sich zum Christentum.

 

Der große Sieger Vinzenz aber starb bald darauf, verehrt von der ganzen Stadt. Datianus ließ den Leichnam des Heiligen auf den Schindanger werfen, den wilden Tieren zur Beute; allein es flog ein gewaltiger Rabe herbei, umflatterte mit wildem Geschrei den Leichnam und schützte ihn vor den herankommenden Tieren. Erzürnt darüber, ließ Datian die heilige Leiche mit einem Stein beschwert in das Wasser werfen, aber die Wellen spülten sie wieder an das Ufer, und die Christen konnten sie heimlich bestatten.“

 

Vom 14. Jahrhundert an wird Vinzenz als jugendlicher Diakon mit einem Buch dargestellt. Aber auch die Palme, der Mühlstein oder ein Feuerhaken können seine Attribute sein. Häufig findet man ihn auch mit einem Raben abgebildet. Dieses Tier beschützte der Legende nach seinen unbegrabenen Leichnam.

 

Viele Städte, darunter auch Magdeburg und Salzburg, haben ihn als Patron gewählt.

 

Er schützt die Schüler, Brotverwalter, Ziegelbrenner, Dachdecker, Seeleute und ist seit alters her der Patron der Weinbauern. Vinzenz hilft beim Wiederfinden gestohlener Sachen, gegen Körperschwäche und gegen Darmkrankheiten.

 

Die heiligen Vincentius, Orontius und Victor (Levit),

Martyrer von Ebron, Frankreich,

+ 22.1.291 – Fest: 22. Januar

 

Diese Heiligen wohnten in der Stadt Cimera in Gallien und waren aus christlichen Familien gebürtig, die durch die Bemühungen der Apostel Jesu zum wahren Glauben bekehrt wurden. Als unter der Regierung des Kaisers Diokletian in Gallien alle christlichen Gotteshäuser zerstört, oder zu Götzentempeln verändert und die Gläubigen hart verfolgt wurden, begaben sich diese Bekenner nach Spanien, bekehrten viele Heiden und suchten schließlich den Bischof Pontius auf, der sich während einer Verfolgung in einer Einöde verborgen hatte, und bewogen ihn, zu seiner Gemeinde zurückzukehren und sein heiliges Amt unter Todesgefahren zu verwalten. Sie selbst besuchten unerschrocken die gefangenen Christen in den Kerkern, trösteten die Martyrer in ihren Leiden und beerdigten sie nach ihrem Tod, bis sie bei dem heidnischen Richter als Christen verklagt wurden. Sie entflohen vor ihren Verfolgern auf einen Berg, wo sie sich mehrere Tage lang durch Gebet und Fasten zu dem ihnen bevorstehenden Todeskampf bereiteten, legten dann, als sie gefangen genommen wurden, standhaft das Bekenntnis ihres Glaubens an Jesus ab und wurden enthauptet.

 

Der heilige Vinzenz Pallotti, Stifter der „Frommen Missionsgesellschaft“,

+ 22.1.1850 – Fest: 22. Januar

 

Vinzenz Pallotti wurde am 22. Januar 1950 von Papst Pius XII. seliggesprochen und von Papst Johannes XXIII. am 20. Januar 1963 heiliggesprochen.

 

Dieser heilige Diener Gottes verdient schon wegen seiner ausgezeichneten Tugenden und seines feurigen Tatendranges für Christi heilige Sache allen Katholiken bekannt zu sein. Besonders uns Deutschen darf er nicht gleichgültig sein, weil zahlreiche Landsleute, besonders Süddeutsche, auch Österreicher und Deutschschweizer der von ihm gegründeten Missionsgesellschaft beitraten und in unserer ehemaligen Kolonie Kamerun der Glaubensverbreitung sich widmeten.

 

Vinzenz Pallotti, der Sohn eines reichen Kaufherrn in Rom, hatte das nie genug zu schätzende Glück, seine Jugendzeit von Braven, christlichen Eltern behütet zu sehen. Der Vater pflegte täglich zwei heilige Messen zu hören und alle acht Tage zu den Sakramenten zu gehen. Noch tiefer und inniger war die Religiosität der Mutter. Die äußerst sorgfältige Erziehung, die sie ihren zehn Kindern angedeihen ließen, belohnte Gott bei Vinzenz mit ganz besonderen Gnadenerweisen. Oder kann es etwas anderes sein, als der klare Gnadeneinfluss des Heiligen Geistes, wenn man von dem Kind, in dem erst die Vernunft zu reifen begonnen hatte, Dinge hört, und zwar aufs sicherste beglaubigt, über die man bei Erwachsenen billig staunen müsste? Die Frömmigkeit von Vinzenz war eine ganz außergewöhnliche, die Scheu vor der geringsten Sünde, besonders vor allem, was die Lilienreinheit der Schamhaftigkeit trüben könnte, war äußerst zart. Um die bösen Neigungen zu überwinden, übte er schon in früher Jugend große Strenge gegen seinen Körper, indem er auf dem Boden schlief und sich bis aufs Blut zu geißeln pflegte, was selbst die guten, opferfähigen Eltern erschrecken ließ. Die Nächstenliebe kannte keine Grenzen. Er verteilte nicht nur die Speisen, die er bei der Mahlzeit sparte, unter die Armen, er gab öfters seine Schuhe und Kleider, ja selbst sein Bett an die Bedürftigen hin. Wollte man dem reichen Kaufmannssohn eine so rühmenswerte Freigebigkeit und Nächstenliebe vielleicht nicht so hoch anrechnen, wer darf aber noch an der vollendeten Heiligkeit und seltensten Selbstverleugnung den geringsten Zweifel hegen, wenn er hört, dass ein Knabe, ein Student, das zu verheimlichen über sich bringt, was sonst den Altersgenossen die Brust mit Hochgefühl und stolzer Befriedigung schwellen lässt? Vinzenz schwieg nämlich über seine Anerkennung, die er im römischen Kolleg erhielt, selbst vor seinen Eltern und verkaufte die Preismedaillen, um den Erlös den Armen geben zu können.

 

Dass ein junger Mann, der so ernst nach der höchsten Vollkommenheit strebte, seine Blicke auf das Priestertum richtete, ist nicht zu verwundern. Lange trug er sich mit dem Gedanken, Kapuziner zu werden, wie er denn nachher als Weltpriester das strenge Leben eines armen Sohnes des heiligen Vaters Franziskus führte, die Regeln und Fasten beobachtete und im Kleid dieses Ordens die wenigen Stunden schlief, die er sich nachts auf hartem Boden gönnte. Die himmlische Seligkeit, die ihn durchströmte, als er am 16. Mai 1818 die Priesterweihe empfing, und das immer neue Glück, das er bei Darbringung des täglichen heiligen Messopfers empfand, kann mit menschlichen Worten nicht geschildert werden. Aus Ehrfurcht vor dem Heiligsten glaubte er jeden Morgen seine ohnehin reine Seele durch reumütige Beicht noch lauterer und fleckenloser schmücken zu müssen, die innere Glut der Andacht glänzte im Rot des Antlitzes wieder, oft rannen ihm die Tränen über die Wangen, nicht wenige Personen sahen ihn während der heiligen Messe vom Boden erhoben schweben. Kein Geringerer kann als Zeuge hierfür aufgeführt werden als der spätere hochselige Bischof von Regensburg, Ignatius von Senestry, der als Student des römischen Kollegs dem ehrwürdigen Pallotti bei der Messe diente.

 

Als Privatgeistlicher zunächst noch weiter seinen Studien lebend, promovierte Pallotti zum Doktor der Philosophie und Theologie und ließ sich dann als Professor der Dogmatik (Glaubenslehre) an der Gregorianischen Universität nieder. Hohe, ihm angebotene Würden schlug er bescheiden aus. Wo immer aber sich Gelegenheit für apostolische Arbeit bot, stellte er sich zur Verfügung. Ja um dem Drang des Seeleneifers zu genügen, gab er nach zehn Jahren das Lehramt ganz auf. Der Ruf eines gottbegnadeten Beichtvaters und Seelenführers hielt ihn nun Tage lang im Beichtstuhl fest, und kam er endlich nach Hause, so fand er wieder sein Zimmer umstellt von Personen aller Stände, die seinen Rat in Seelenangelegenheiten begehrten. Als Exerzitienmeister, Volksmissionar und eindrucksvoller Prediger an allen öffentlichen Plätzen der Stadt entfaltete er eine so emsige und ersprießliche Tätigkeit, dass kein Name in ganz Rom so populär war als der des Padre Pallotti. Hervorragende Männer wie Kardinal Karl Fürst von Odescalchi, der später alle Würden ablegte und als Jesuit heiligmäßig starb, Staatssekretär Kardinal Lambruschini, der selige Kaspar des Bufalo und vor allem der ehrwürdige Bernhard Maria Clausi aus dem Orden des heiligen Franz von Paula (+ 20. Dezember 1849, durch Wunder verherrlicht) waren seine vertrautesten Freunde.

 

Lange schon fühlte sich der ehrwürdige Diener Gottes lebhaft von Schmerz bewegt bei dem Gedanken, dass noch so viele Völker in Irrtum und Unglauben schmachteten. Oft bat er inständig den Herrn der Ernte, dass er neue Arbeiter in seinen Weinberg sende. Da ließ ihn Gott erkennen, dass er selber berufen sei, ein beständiges Apostolat zu errichten. Am 9. Januar 1835 wurde der Diener Gottes nach der heiligen Messe durch ein Gesicht erleuchtet, eine Genossenschaft zu gründen. Zufällig hatte er eine Vereinigung zur Verbreitung guter Schriften gebildet. Immer neue Mitglieder hatten sich gemeldet. Diese stellte er nun durch eine strammere Organisation in den Dienst des guten Werkes. Noch im selben Jahr erhielt er durch Vermittlung des Kardinalvikars Odescalchi für seine „Gesellschaft des katholischen Apostolates“, die er unter den besonderen Schutz Mariens, der unbefleckt Empfangenen und Königin der Apostel stellte, die kirchliche Approbation durch Gregor XVI. Die ihr erteilten Privilegien wurden durch Pius IX. 1847 bestätigt und vermehrt, wobei die Kongregation den Namen „Fromme Missionsgesellschaft“ annahm, die Statuten aber erst 1904 durch Pius X. approbiert. Ihr Zweck sollte sein, den Glauben und die Liebe unter den Katholiken zu wecken und unter Irr- und Ungläubigen zu verbreiten. Die Mitglieder legen nicht die Gelübde ab, sondern nur bestimmte Versprechen, vor allem das des Beharrens in der Kongregation. Die erste, die eigentlichen Pallottiner, besteht aus Priestern, die in Gemeinschaft leben und von Laienbrüdern unterstützt werden, die zweite, die Pallottiner-Schwestern, die nach der gleichen Regel leben, und dem Dritten Orden des heiligen Franziskus angehören, die dritte Klasse, die sogenannten Aggregierten (Angegliederten), bildet eine Bruderschaft, der jedermann beitreten kann, der durch Gebet und Almosen das Werk des katholischen Apostolates unterstützen will. Im Jahr 1892 wurden die Pallottiner durch Pater Max Kugelmann aus Bobingen bei Augsburg in Deutschland eingeführt, wo sie nun in Limburg a.L., in Ehrenbreitstein und Vallendar a.R. Missionshäuser besitzen.

 

Immer größer wurde der Einfluss des Dieners Gottes. In allen Anliegen ging man zu ihm. Von Mitleid für die materielle Not der ärmeren Bevölkerung bewogen, gründete er Innungen für die verschiedenen Berufsstände, Landwirtschaftsschulen und ländliche Sparkassen. Diesem eifrigen, für das Wohl des Volkes besorgten, uneigennützigen Priester trachteten die freimaurerischen Revolutionäre des Jahres 1848 nach dem Leben. Doch konnte er sich durch Verbergen retten. Alle Guten aber betrauerten ihn bei seinem Tod am 22. Januar 1850 als den größten Wohltäter der Stadt. Der Leib des Heimgegangenen hauchte einen entzückenden Wohlgeruch aus, der während eines ganzen Monats das Zimmer erfüllte. Den Wundern im Leben folgten noch mehr nach dem Tod.

 

Der Seelenführer soll das Beispiel Jakobs nachahmen, der seine Reise nach dem Schritt seiner kleinen Kinder, ja nach dem Schritt seiner Lämmer einrichtete (Franz von Sales).

 

Der selige Walter von Birbeke (Bierbeek), Ritter von Birbach,

Laienbruder von Himmerod, Zisterzienser,

+ 22.1.1220 – Fest: 22. Januar

 

In den stolzen Zeiten des Rittertums war es Sitte, dass jeder Ritter eine Dame sich erkor, in deren Dienst oder zu deren Preis er alle seine Taten vollbrachte. War bei manchem dieser Frauendienst nicht weit weg von Sünde, so fanden andere ihr Frauenideal nur in der höchsten Blüte ihres Geschlechtes, in Maria. Solch ein echter Ritter Unserer Lieben Frau war der selige Walter von Birbeke (Birbeek, Birbach, heute Bierbeek in Brabant).

 

Sein ganzes Leben war ein Minnedienst, seiner himmlischen Königin geweiht. Als er noch mit Leib und Seele des edlen Waffenhandwerkes nachging, ehrte er Maria schon durch Fasten und Almosen und durch fleißigen Besuch der heiligen Messe. Sein Zeitgenosse und späterer Mitbruder im Orden, Cäsarius von Heisterbach, dem wir die näheren Nachrichten über unseren Seligen verdanken, weiß da manch sinnige Geschichte zu erzählen. Einst ritt Walter zu einem Turnier aus, aber zuvor meinte er zu seinen Gefährten, sie wollten doch erst eine heilige Messe zu Ehren Unserer Lieben Frau lesen lassen und hören. Die achteten nicht auf seine Rede, sondern ritten weiter ihres Wegs. Walter aber verrichtete seine Andacht. Gerade als er seine Genossen wieder einholte, begegnete ihnen ein Ritter, der vom Fest kam. „Hat das Turnier schon begonnen?“ fragte Walter. „Ja.“ „Wer hält sich denn am tapfersten?“ „Herr Walter von Birbeke ist in aller Mund.“ Herr Walter schüttelte den Kopf – andere, die ihnen begegneten, sagten das Gleiche. Am Schluss des Turniers stellten sich gar einige Ritter bei Walter als Gefangene, der nichts von ihnen wissen wollte: „Ich habe euch ja gar nicht gefangen!“ „O doch!“ erhielt er zur Antwort. „Wir haben Euch unseren Handschlag gegeben, wir haben Eure Waffen mit unseren Augen gesehen, Eure Stimme mit unseren Ohren gehört.“ Nun erkannte der fromme Rittersmann, dass Maria selbst an seiner Stelle turnierte, während er ihr zu Ehren die Messe gehört hatte.

 

Ein andermal fand ein Priester, gerade als er den Kelch bei der heiligen Wandlung erheben wollte, ein goldenes Kreuzlein darunter mit einem Zettel: „Bring dieses Kreuz von mir, der Mutter Christi, meinem Freund, dem Ritter Walter von Birbach.“ So werden noch mehrere auffallende Gunstbezeigungen erzählt, wodurch Maria den Dienst ihres treuen Knappen erwiderte und seine Liebe noch mehr entflammte.

 

Schließlich genügte es Walter nicht mehr, Maria bloß in der Welt zu dienen, er wollte ihr zu Liebe alles verlassen. Und da er hörte, dass der Zisterzienserorden ganz besonders der seligsten Jungfrau geweiht sei, nahm er das Ordenskleid in Himmerod, einem Kloster in der Eifel. Seine Andacht zur Himmelskönigin steigerte sich jetzt womöglich noch. Was ihm nur an Gebeten und Psalmen und Liedern zu ihrer Ehre unter die Hand kam, das lernte er auswendig und wurde nicht müde, es immer und immer wieder zu beten. Den ganzen Tag weilten seine Gedanken bei den Geheimnissen des Lebens und Leidens Christi und seiner heiligsten Mutter. Auch für die Tischzeit, wo er die Lesung oft nicht verstand, hatte er sich Betrachtungen darüber zurecht gelegt und oft gaben reichliche Tränen Zeugnis von seiner innigsten Anteilnahme. Von äußeren Zeremonien war er sonst kein großer Freund. Er pflegte beim Gebet aufrecht zu stehen oder gerade zu knien und die Augen zum Himmel zu erheben. Und wie sein Beten war auch sein ganzes Wesen von großer Demut und Einfachheit. Wenn es dem Mitbruder zum Heil war, bekannte er ungescheut seine eigenen Schwächen. Als der erwähnte Cäsarius einst eine Auseinandersetzung mit ihm hatte, zog Walter ihn auf die Seite und sagte ihm bloß: „Ich leide ja auch große Versuchungen an meinem Fleisch.“

 

Wie das Leben war auch der Tod des seligen Walters der eines treuen Dieners Mariä. Die Gottesmutter selbst erschien ihm vor seinem Hinscheiden und holte ihn ab in die Freuden der ewigen Heimat (am 22. Januar 1220).

 

„Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn;

In Freuden und Leiden ihr Diener ich bin.“

 

„Sei bei mir im Tode, dann reich mir die Hand –

Und zieh mich nach oben ins himmlische Land!“

 

23. Januar

 

Der heilige Raymund von Pennafort, Spanischer General,

+ 6.1.1275 – Fest: 23. Januar

 

Im politisch zerrissenen Spanien mit teils maurischer Bevölkerung wurde Raimund um 1175 auf Schloss Peñafort bei Villafranca del Panadés in der Nähe von Barcelona geboren.

 

Nach seiner Priesterweihe ging er nach Italien, um an der berühmten Hochschule in Bologna Kirchenrecht zu studieren und zu lehren. Nach Barcelona zurückgekehrt, wurde er zunächst Domherr mit allen Rechten und Pflichten und trat dann 1222 in den Dominikanerorden ein.

 

Auf Bitten des heiligen Petrus Nolascus, der Stifter des Mercedarierordens, der sich insbesondere um den Loskauf gefangener Christen aus mohammedanischer Haft kümmerte, schrieb er die Ordenssatzung. Papst Gregor IX. berief Raimund zu seinem Hauskaplan und Beichtvater. Im Auftrag Gregors sammelte er die Dekrete der Päpste des 12. und 13. Jahrhunderts.

 

Aus gesundheitlichen Gründen bat Raimund, nach Barcelona zurückkehren zu dürfen. Aus denselben Gründen lehnte er auch das ihm angebotene Erzbistum Tarragona ab. Als Ordensmeister gliederte er die Dominikanerkonstitution neu und wirkte als Berater bei kirchlichen Rechtsfragen mit. Er gründete Seminare zur Erlernung der arabischen und hebräischen Sprache, um die Christianisierung unter diesen Völkern voranzutreiben.

 

Fast hundertjährig starb er 1275, von allen hoch geachtet, in Barcelona.

 

„Der Papst Gregor IX., der unseren Heiligen 1230 nach Rom berief, machte ihn zu seinem Kaplan, das heißt, zunächst zum Besitzer in Rechtssachen des apostolischen Palastes, dann zu seinem Beichtvater. Voll Vertrauen in dessen Einsichten, fragte er ihn jedes Mal um seine Meinung, bevor er in wichtigen Angelegenheiten ein Urteil fällte. Er nannte ihn den Vater der Armen, wegen seines Eifers, mit dem er für ihre Bedürfnisse sorgte. Die Buße, welche ihm Raimund auferlegte, war, dass er alle Bittschriften, die eingereicht wurden, annehmen und lesen und dann ohne Aufschub darauf antworten musste. Dieser Oberhirt, der selbst in der Wissenschaft des kirchlichen Rechtes sehr bewandert war, beauftragte unseren Heiligen, die Dekrete der Päpste und Konzilien vom Jahr1150, wo Gratians Sammlung endigte, zusammenzutragen. Raimund verwandte auf dieses Werk, das unter dem Namen der Dekretalien bekannt ist, drei Jahre. Es ist in fünf Bücher eingeteilt. Gregor befahl 1234 dessen Einführung in Schulen und Gerichtshöfen.

 

Da er im Eifer für das Heil der Seelen allzeit mehr erglühte, widmete er sich wieder den heiligen Verrichtungen des Priesteramtes. Das einzige Ziel aller seiner Gedanken war, für Jesus Christus, vorzüglich unter den Sarazenen, neue Eroberungen zu machen. In der Absicht, die Bekehrung dieser Ungläubigen zu erleichtern, bewog er den heiligen Thomas von Aquin, seine Abhandlung gegen die Heiden zu schreiben, führte den Unterricht in der arabischen und hebräischen Sprache in mehreren Klöstern seines Ordens ein, und stiftete sogar zwei Genossenschaften unter den Mauren, eine zu Tunis, die andere zu Murcia (Spanien), wo damals noch Sarazenen wohnten. Alle diese Mittel zusammen brachten so glückliche Wirkungen hervor, dass der Heilige im Jahr 1256 an seinen General schrieb, zehntausend Sarazenen hätten die Taufe empfangen.

 

Diese Reise, welche Raimund mit Don Jakob nach Mallorca machte, gab ihm Gelegenheit, die seit kurzem auf dieser Insel gestiftete Kirche fest zu begründen. Don Jakob, der ein ebenso großer Krieger wie Staatsmann war, liebte aufrichtig die Religion; allein eine verderbliche Frauenliebe verdunkelte den Glanz seiner erhabenen Eigenschaften. Seine Gelehrigkeit gegenüber den Ermahnungen, welche ihm der Heilige über seine Unordnungen gab, und selbst der schönsten Versprechen, womit er ihn auf eine sichere Lebensänderung hoffen ließ, ungeachtet, hatte er den Mut nicht, seinen unseligen Hang zu besiegen. Da sich das Gerücht verbreitete, er habe einen unerlaubten Umgang mit einer Hofdame, drang Raimund in ihn, sie zu entlassen, was er auch versprach, aber nicht hielt. Der Heilige, missmutig über diesen immerwährenden Aufschub, begehrte die Erlaubnis, nach Barcelona zurückzukehren; allein der König verweigerte sie ihm und verbot sogar unter Todesstrafe, ihn einschiffen zu lassen. Raimund, voll Vertrauen auf Gott, sagte zu seinem Gefährten: „Ein König auf Erden versperrt uns die Abfahrt; allein der König des Himmels wird uns helfen.“ Seine Hoffnung wurde auch nicht zuschanden; denn Gott wirkte für ihn ein Wunder, um ihm einen Weg nach Barcelona zu öffnen. Als Don Jakob das Ereignis gehört hatte, ging er in sich und befolgte hernach stets Raimunds Weisungen, sowohl in Betreff seiner eigenen Gewissensangelegenheiten, als der Verwaltung seines Reiches.“

 

Raimund wird auf einem Mantel, das Meer überquerend, oder auf einem Fluss in einem Kahn, dessen Segel sein Mantel ist, dargestellt.

 

Er ist der Patron Barcelonas, des Königreichs Navarra und der Kirchenrechtsgelehrten.

 

Die heilige Lüfthildis, Jungfrau und Einsiedlerin bei Köln,

+ 9. Jhd. - Fest: 23. Januar

 

Alljährlich pilgern viele andächtige Christen zum Grab der heiligen Lüfthildis, das sich inmitten der Pfarrkirche zu Lüftelberg in der Erzdiözese Köln erhebt. Besonders an ihrem Sterbetag, den 23. Januar, sowie am Tag ihrer feierlichen Erhebung, den 1. Juni, rufen die Gläubigen in andächtigen Gebeten und frommen Liedern den Schutz der mildreichen und mächtigen Jungfrau an.

 

Wie von dem Jugendleben Jesu, seiner Apostel und vieler Heiligen der früheren Jahrhunderte wenig bekannt geworden ist, so wird uns auch von der Abstammung und der Zeit der Geburt der heiligen Lüfthildis, auch Leuchteldis genannt, nichts Zuverlässiges berichtet. Was wir aber sicher von ihr wissen, muss uns mit Ehrfurcht und Bewunderung erfüllen.

 

An der heiligen Lüfthildis wird besonders ihre barmherzige Fürsorge für die Armen gepriesen. Um den Hilfsbedürftigen Almosen geben zu können, vermied sie alle Kleiderpracht und Üppigkeit, sparte sich selbst am Munde vieles ab und fastete streng. Ihre boshafte Stiefmutter verdächtigte ihre Mildherzigkeit als Verschwendung und Geltungssucht, wusste ihr die Liebe ihres Vaters zu entziehen und beschäftigte sie gewöhnlich draußen, um sie von christlichen Liebeswerken und Andachtsübungen abzuhalten. Aber dem edlen Mädchen erschien die ganze Natur als ein großer Gottestempel und sie verherrlichte den allgegenwärtigen Schöpfer mit Gebet, Betrachtung und lautem Jubelgesang. Der gute Gott belohnte seine treue Magd mit einem süßen Vorgeschmack des Himmels. Einst sollte sie die zahlreichen Kraniche vom Acker ihrer Eltern jagen. In Andacht versunken, merkte sie weder die Vögel im Feld, noch das Kommen ihrer schlimmen Stiefmutter, die das unschuldige Kind nicht nur zornig beschimpfte, sondern auch mit Schlägen misshandelte. Auf ihr kindliches Gebet verbannte Gott die schädlichen Vögel aus jener Gegend.

 

Die gottlose Stiefmutter fuhr fort, Lüfthildis des Ungehorsams, der Nachlässigkeit und der Lügenhaftigkeit zu beschuldigen und sie bei ihrem Vater des Diebstahls zu bezichtigen, weil sie alles den Armen zuwende. Deshalb schnitt man ihr jede Gelegenheit ab, ihre Liebe zu den Armen durch die Tat zu beweisen. Indes die Liebe ist erfinderisch. Als sie einst in ihrer Schürze Brot zu den Armen trug, begegnete sie unvermutet ihrem Vater, der sie mit strengen Worten aufforderte, zu zeigen, was sie in ihrer Schürze verborgen habe. Sie wandte ihren Blick flehend zu Gott, öffnete ihre Schürze und siehe da, alles Brot hatte sich augenblicklich in Kohlen verwandelt. So segnete Gott ihr Wohltun, und so entging sie dem Zorn ihres Vaters.

 

Weil Gott die barmherzige Liebe der gütigen Lüfthildis so wunderbar belohnt hatte, wagte sie, an ihre Stiefmutter die demütige Bitte zu stellen, ihr ein frisch gebackenes Brot für die Armen zu schenken. Die arglistige Stiefmutter gab sich den Anschein, als wolle sie die Bitte gewähren, erteilte aber ihren Knechten den Befehl, statt eines Brotes glühende Kohlen in ihre Schürze zu werfen. Jene taten, wie ihnen befohlen war, aber siehe da, sofort verwandelten sich die glühenden Kohlen in ihrem Schoß in duftende Rosen.

 

Frühzeitig hatte Lüfthildis schon dem Herrn, ihrem himmlischen Bräutigam, die Jungfräulichkeit und Treue versprochen und die Lockungen der Welt vermochten ihre Liebe zu Gott nicht zu erschüttern. Damit auch ihr Leib eine würdige Wohnung des Heiligen Geistes würde, bereitete sie sich durch strenge Bußübungen und Fasten auf die ewige Hochzeit sorgfältig vor. Weil „der Müßiggang aller Laster Anfang“ zu sein pflegt, so beschäftigte sie sich fleißig mit Handarbeiten, um der Mutter Gottes, dem heiligen Paulus und den Eremiten in der Wüste auch in dieser Tugend nachzufolgen.

 

Einst geriet ihr Vater mit einem anderen Gutsbesitzer in Zwist über die Grenze eines Waldes und verwarf erbittert jeden gütlichen Ausgleich. Lüfthildis flehte zu dem Gott des Friedens und erbot sich zu einem für beide streitenden Parteien annehmbaren Vermittlungsvorschlag. Sie begab sich mit ihrem Vater in den Wald und zog mit ihrer Spindel auf Anordnung Gottes die Grenzlinie, und eine unsichtbare Kraft warf nach ihrer Richtschnur einen Graben auf, den man noch heute den Lüfthildis-Graben nennt. Beide Grundbesitzer waren durch diese Scheidung vollkommen befriedigt. Noch öfters entschied die Spindel der heiligen Lüfthildis die Streitigkeiten um die Grenzen der Äcker.

 

Um den Ehrenbezeugungen der Welt zu entgehen und ganz für Gott leben zu können, entschloss sich die gottbegnadigte Jungfrau, sich in eine enge Klause einzuschließen, die an die Kirche stieß. In dieser freiwilligen Gefangenschaft sammelte sie in fortwährenden Andachtsübungen und Abtötungen das Öl der Verdienste, um gleich den fünf weisen Jungfrauen mit dem himmlischen Bräutigam zum Hochzeitssaal eingehen zu können. Immer mehr starb sie der Welt ab und sehnte sich nach der glücklichen Stunde, wo ihr geliebter Heiland ihre reine Seele von den Banden des Fleisches erlösen sollte. Aber erst im hohen Alter und nach der sorgfältigsten Vorbereitung flog ihre geheiligte Seele dem himmlischen Bräutigam entgegen am 23. Januar.

 

Auf die Nachricht vom Tod der heiligen Lüfthildis strömte eine große Menge Volkes herbei, um sie als Heilige zu verehren. Gott selbst lieferte den Beweis ihrer Heiligkeit, denn schon vor ihrem Begräbnis wurde ein Besessener zu ihrer Leiche geführt und sogleich fuhr der böse Geist aus, Kranke wurden plötzlich hergestellt, Lahme und Blinde gingen geheilt von ihr nach Hause, von tollen Hunden Gebissene wurden durch sie vor einem schrecklichen Ende bewahrt.

 

Auch in der Folgezeit bewies die heilige Lüfthildis ihre besondere Begnadigung bei Gott. Der gelehrte Cäsarius von Heisterbach erzählt, die Äbtissin Gertrud des Zisterzienserklosters zu Hoven habe ein halbes Jahr lang die heftigsten Augenschmerzen gelitten und sei fast erblindet. Da rief sie inbrünstig die heilige Lüfthildis an. Diese erschien ihr im weißen Gewand, berührte ihre Augen, und in demselben Augenblick, wo die Erscheinung verschwand, waren die Schmerzen verschwunden und die Augen völlig geheilt. – Ein neunzehnjähriges Mädchen aus Mainz hatte ihr Gehör gänzlich und ihr Augenlicht größtenteils verloren. Nachdem sie vergeblich alle ärztliche Hilfe in Anspruch genommen hatte, wallfahrtete sie zum Grab der heiligen Lüfthildis, flehte dort voll Glauben und Vertrauen und erhielt ihr vollkommenes Gehör und Gesundheit ihrer Augen. Es könnte noch eine Reihe von Wundern hier aufgeführt werden, die auf die Fürbitte der heiligen Lüfthildis geschahen. Besonders wird sie von Gehörleidenden gern und mit häufigem Erfolg angerufen.

 

Am 1. Juni 1623 wurden die Gebeine der heiligen Lüfthildis vom Erzbischof Ferdinand von Köln in Gegenwart des Bischofs Johann Wilhelm von Osnabrück und einer großen Anzahl von Geistlichen und Laien feierlich erhoben. Ein höchst angenehmer Wohlgeruch verbreitete sich bei der Eröffnung des Schreines durch die ganze Kirche und erfüllte die Anwesenden mit Freude und Dank gegenüber Gott, der wunderbar ist in seinen Heiligen. Auch die Spindel der heiligen Lüfthildis fand sich in ihrem Grab, das Zeichen ihres Fleißes und ihrer Friedensliebe. Der Tag ihres Todes, wie ihrer feierlichen Erhebung wird zu Lüftelberg alljährlich vom Volk festlich begangen.

 

Der heilige Klemens, Bischof und Martyrer von Ancyra,

+ 4. Jhd. – Fest: 23. Januar

 

Der heilige Klemens wurde in der Mitte des 3. Jahrhunderts zu Ancyra, einer Stadt in Galatien, geboren. Sein Vater war ein eifriger Götzendiener und starb auch als ein solcher sehr früh und Sophia, seine Gemahlin, betete von Jugend auf den wahren Gott an und ließ sich es sehr angelegen sein, ihren einzigen Sohn im Christentum zu erziehen und sein zartes Herz an Frömmigkeit und Tugend zu gewöhnen. Ihre Lehren und Ermahnungen bekräftigte sie mit ihrem eigenen Beispiel eines heiligen Lebens, und Klemens wurde ein Muster eines christlichen jungen Mannes und lebte wie ein Engel Gottes unter den Menschen. Nach dem Tod seiner Mutter begab er sich in ein Kloster, um von den bösen Beispielen der Welt entfernt, sein Herz näher an Gott anschließen zu können und durch Selbstverleugnung, Wachen und Abtötung den Grund zu seiner künftigen Heiligkeit zu legen.

 

Damals herrschte in der Provinz Galatien eine drückende Hungersnot und auf allen Wegen lagen heidnische Kinder, die ihrer Eltern beraubt, dem Hungertod preisgegeben waren, und mit ihrem Jammergeschrei nach Hilfe riefen. Niemand erbarmte sich diese Unglücklichen, denn in jedem Haus war die Not auf das Höchste gestiegen. Da verließ Klemens mit Erlaubnis seines Obern das Kloster, sammelte diese verlassenen Waisen und führte sie in das Haus einer reichen, christlichen Frau, wo er sie nicht bloß ernährte, sondern sie auch mit einer solchen Geduld und väterlichen Liebe erzog, dass die meisten von ihnen zum wahren Glauben bekehrt wurden und in der darauf kommenden Christenverfolgung als Blutzeugen ihr Leben ließen. So sorgfältig übrigens Klemens seine Verdienste für die christliche Religion zu verbergen suchte, so sehr verbreitete sich der Ruf seines heiligen Lebens und er erhielt schon als 18jähriger junger Mann die Priesterweihe und nach zwei Jahren wurde er zum Bischof von Ancyra gewählt. Nie war ein Hirt wachsamer über seine Herde, nie ein Vorsteher demütiger und liebevoller gegenüber seinen Untergebenen, als der heilige Klemens. Um die Armen reichlich unterstützen und ihr Elend lindern zu können, lebte er sehr arm und genoss nichts als Hülsenfrüchte und Wasser.

 

Aber nach den Ratschlüssen der heiligen Vorsehung sollte auch seine Tugend in Kreuz und Leiden erprobt und seine heldenmütige Standhaftigkeit im Bekenntnis des Namens Jesus zum Beispiel der Gläubigen öffentlich dargestellt werden. Dieses geschah, als der grausame Diokletian den römischen Kaiserthron bestieg und die Christen zu Feinden des Reiches erklärte. Die Verfolgung wütete auch in Galatien und der dortige römische Statthalter ließ den heiligen Bischof Klemens in das Gefängnis werfen; und da alle Drohungen fruchtlos waren, ihn zum Abfall zu bringen, ließ er ihn so unmenschlich foltern, dass sein ganzer Körper zerfleischt war. So schickte er ihn nach Rom zum Diokletian, der es anfangs mit Schmeicheleien und Versprechungen versuchte, den Oberhirten zu Verleugnung seines Glaubens zu verführen. Als er aber seine Absicht nicht erreichte, verurteilte er ihn zu den schrecklichsten Martern, währenddessen der Heilige frohlockte und Jesus den Gekreuzigten predigte, wodurch viele Heiden bekehrt wurden. Beschämt und besiegt von dem unerschütterlichen Mut des christlichen Martyrers, ließ Diokletian ihn unter größten Misshandlungen nach Nicomedia führen, wo er vom Maximian den wilden Tieren preisgegeben und, da ihn die nicht verletzten, in einen unterirdischen Kerker geworfen wurde, in dem er mehrere gefangene Götzendiener taufte. Als Maximinian davon hörte, befahl er, den Klemens wieder nach Ancyra zu bringen und ihn dort durch den Hungertod im Gefängnis verschmachten zu lassen. Am frühen Morgen eines hohen Festtages aber bestachen ansehnliche Christen den Aufseher des Kerkers, dass er den heiligen Oberhirten seiner Fesseln entledigte, um das heiligste Opfer in der Kirche entrichten zu können. Nachdem er das Opfer vollendet und die Gläubigen zur Standhaftigkeit rührend ermahnt hatte, wurde er von einem heidnischen Soldaten mit dem Schwert ermordet am 23. Januar im Jahr 303.

 

24. Januar

 

Der heilige Timotheus, Apostelschüler und Bischof von Ephesus,

+ 24.1.97 - Fest: 24. Januar

 

Man muss schon sagen, dass man dem heiligen Timotheus einen besseren Platz im Kalender kaum hätte geben können; denn morgen ist das Fest der Bekehrung des heiligen Paulus, und Paulus und Timotheus gehören fast so innig zueinander, wie Vater und Sohn miteinander verbunden sind.

 

Etwa um dieselbe Zeit, da der liebe Heiland im Heiligen Land lehrte, litt und starb, wurde Timotheus zu Lystra in Kleinasien geboren. Von seinem Vater ist bekannt, dass er ein Grieche und ein Heide war; die Mutter dagegen und die Großmutter lebten als gläubige Israeliten, die den kommenden Erlöser mit Sehnsucht erwarteten. In ihrem frommen sinn gab die Mutter dem Neugeborenen den Rufnamen Timotheus. Es ist ein schöner Name, denn auf Deutsch heißt Timotheus. „Hab Ehrfurcht vor Gott!“ Sooft also Timotheus mit seinem Namen gerufen wurde, lag in dem Ruf bereits die Aufforderung, dass der Gerufene Ehrfurcht vor Gott haben soll. Als Timotheus etwa fünfzehn Jahre zählte, kam der Völkerapostel Paulus auf seiner ersten Missionsreise nach Lystra, um dort das Evangelium zu verkünden. Es gab einen aufregenden Zwischenfall. Es war da nämlich ein Mann, dessen Beine von Geburt an schlaff und ohne Kraft waren, so dass er weder stehen noch gehen konnte. Der behinderte Mann wohnte der Predigt des Apostels bei, und als Paulus in seinen Augen las, dass er genügend Glauben an Christus hatte, um geheilt werden zu können, sprach er zu ihm mit lauter Stimme: „Stell dich aufrecht auf deine Füße!“ Da sprang der Mann auf und ging umher.

 

Die Wirkung dieses offensichtlichen Wunders war zwiespältig. Die Heiden in Lystra nämlich glaubten, dass ihr oberster Gott, Zeus genannt, in Paulus Menschengestalt angenommen habe, und gleich kamen sie mit Stieren und Kränzen, um ihm zu opfern. Der Apostel aber lachte darüber und legte ihnen noch einmal den christlichen Glauben klar auseinander.

 

Anders als die Heiden verhielten sich die Juden in Lystra und Umgebung, denn diese sahen in Paulus einen Abtrünnigen und steinigten ihn fast zu Tode. Daraufhin verließ der Völkerapostel die Stadt, nicht ohne dass er vorher eine kleine Christengemeinde gegründet hatte, und zu den Erstlingen im wahren Glauben zu Lystra gehörte mit Mutter und Großmutter auch Timotheus. Der heilige Paulus hat damals den Fünfzehnjährigen getauft, ohne ihn vorerst weiter zu beachten.

 

Etwa sechs oder sieben Jahre später kam der Apostel auf einer neuen Missionsreise zum zweiten Mal nach Lystra, und weil er bei dieser Gelegenheit von dem Vorstand der christlichen Gemeinde nur Gutes über Timotheus hörte, beschloss er, den jungen Mann als Reisebegleiter und Gehilfen bei der Predigt des Evangeliums mitzunehmen. Es war für Timotheus sicherlich eine hohe Auszeichnung, dass er von dem größten Mann seiner Zeit zum Lebensgefährten auserlesen wurde. Dass aber die folgenden Reisen alles andere als ein Vergnügen waren, zeigt die Legende am Festtag des heiligen Paulus.

 

Glänzend hat sich der junge Timotheus bei den Drangsalen bewährt, und Paulus steht nicht an, dem Mitarbeiter im Weinberg des Herrn ein gutes Zeugnis auszustellen. Dieses Zeugnis zeigt die heutige Lesung, wo es heißt, dass Timotheus vor vielen Zeugen ein herrliches Bekenntnis für die Wahrheit abgelegt hat, das jenem Zeugnis ähnlich ist, welches Jesus Christus vor Pilatus ablegte. Welch ein Lob aus dem Mund des großen Paulus!

 

Ein inniges Vertrauen verband die beiden Männer, und die Liebe zu Christus, ihrem Herrn und Meister, fesselte sie auch dann noch aneinander, als ihre Wege sich trennten. Paulus ernannte nämlich seinen Lieblingsschüler zum Bischof von Ephesus in Kleinasien, während er selbst nach Rom zog, und von Rom aus schrieb Paulus mehrfach an den unvergesslichen Freund in der Ferne. Zwei von diesen Paulusbriefen stehen heute noch in der Heiligen Schrift des Neuen Testamentes, wo man sie gelegentlich einmal nachlesen möge. Es erübrigt sich, zu bemerken, dass Timotheus den Martertod für Christus erlitt.

 

Der heilige Felician, Bischof und Martyrer zu Foligno, Italien,

+ um 250 – Fest: 24. Januar

 

Der heilige Felician war ein Jünger des Papstes Victor und zeichnete sich durch einen so heiligen Wandel und durch einen so großen Eifer für die Verbreitung der Lehre Jesu aus, dass ihn der Oberhirt der Kirche zum Bischof weihte und auf den bischöflichen Sitz zu Foligno in Umbrien erhob. Felician brachte durch seine Wachsamkeit und seine Predigten nicht nur die Heiden, die sich in seinem Sprengel befanden, zum wahren Glauben, sondern verkündigte auch das Evangelium in vielen anderen Städten und bekehrte unzählige Sünder und Ungläubige. Bis in sein graues Alter arbeitete er unermüdet im Dienst seines Gottes, und da erst wurde er gewürdigt, seine Lehren mit seinem Blut zu versiegeln. Er wurde wegen seines Eifers unter der Regierung des Kaisers Decius verhaftet und zum Götzenopfer aufgefordert. Da er sich aber weigerte, seinen Herrn und Heiland zu verleugnen, musste er die grausamsten Martern erdulden und wurde schließlich zur lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt. Die Jungfrau Messalina, die er zum christlichen Glauben bekehrt hatte, besuchte den Heiligen in seinem Kerker und erquickte seine schwachen Kräfte mit Speise und Trank und durch seine Lehren und Ermahnungen wurde sie so gestärkt, dass sie sich freiwillig als Christin vor dem heidnischen Richter angab und so die Marterkrone erwarb. Auch der heilige Felician endete sein Leben als Blutzeuge, wiewohl andere behaupten, er wäre auf dem Weg nach Rom, wo er zum Kampf mit den wilden Tieren verurteilt war, eines natürlichen Todes gestorben. Seine Reliquien wurden im Jahr 969 zu Foligno erhoben und nach Metz gebracht.

 

Der heilige Babilas, Bischof und Martyrer von Antiochia,

+ 24.1.250 – Fest: 24. Januar

 

Decius, der im 3. Jahrhundert den römischen Kaiserthron mit den ungeheuersten Lastern entehrte, beging auch die verabscheuungswürdige Tat, dass er den Sohn eines Fürsten, der ihm während der Friedensunterhandlungen als Geißel anvertraut wurde, grausam ermorden ließ. Noch befleckt mit dem Blut der Unschuld kam er zu dem Tempel der Christen und verlangte, eingelassen zu werden. Damals, es war im Jahr 253, saß auf dem bischöflichen Stuhl in Antiochia der heilige Babilas, an Heiligkeit und Wissenschaften der Ausgezeichnetste unter allen Bischöfen der morgenländischen Kirche. Mit prophetischen Geist hatte er schon länger die kommende Christenverfolgung vorhergesehen und deswegen seine Gläubigen unermüdet zur Standhaftigkeit im heiligen Glauben ermahnt. Dieser apostolische Mann trat mit dem Mut des Vorläufers Christi dem Mörder entgegen und verwehrte ihm, nicht achtend seine Macht und Majestät, den Eingang in das Gotteshaus. Zähneknirschend vor Scham und Mut befahl der Kaiser seinen Kriegsknechten, den Tempel zu stürmen, alle, die sich darin befanden, in Eisen und Bande zu legen, sie in die Gefängnisse zu schleppen und das Gotteshaus mit Feuer zu verheeren. Eine geraume Zeit schmachtete der heilige Babilas unter den größten Misshandlungen, umgeben von Jammer und Elend im Kerker, als er eines Tages zum Kaiser geführt wurde, der ihn höhnisch fragte, ob er noch andere so eifrige Verteidiger der christlichen Lehre gebildet habe? Ihm antwortete der eilige Oberhirt: „Unter meinen Gläubigen kenne ich drei, nämlich den Urban, Prilidian und Epolonius, die lieber alle Peinen leiden, als zugeben würden, dass die heilige Religion entehrt würde.“ Sogleich ließ der Tyrann die Genannten aus ihren Kerkern herbei bringen und staunte, als drei Jungen mit ihrer Mutter, Theodulla, vor ihm erschienen, die ohne Furcht und mit heiliger Freude den Namen Jesus bekannten. Um ihren Mut zu schwächen, mussten die Gerichtsdiener die unschuldigen Kinder grausam schlagen; aber durch die Ermahnungen des Bischofs und ihrer Mutter wurden sie so sehr gestärkt, dass sie mit männlicher Standhaftigkeit in ihrem Bekenntnis verharrten und alle Martern verachteten. Wütend und beschämt gebot nun Decius seinen Henkern, sie alle vorher zu foltern, und wenn sie dadurch nicht zu anderen Entschließungen gebracht würden, sie zu enthaupten. Der heilige Babilas fiel vor der Hinrichtung noch auf seine Knie, ermahnte die weinenden Christen, in Leiden und Verfolgungen den Heldenmut der erwürgten Kinder stets vor Augen zu haben und bat sie zuletzt, seinen Leichnam samt den Fesseln zu begraben. Er starb am 24. Januar 253.

 

25. Januar

 

Der heilige Wolfram, Abt von Wadgassen,

+ 25.1.1158 - Fest: 25. Januar

 

Wolframs Name ist eng mit dem Kloster Wadgassen im Saarland verbunden. Die Gräfin Gisela von Saarbrücken und der Erzbischof Adalbero von Trier setzten ihn 1135 als ersten Abt in das von ihnen gegründete Prämonstratenserkloster ein.

 

Während seiner Amtszeit wurde das Kloster, bis ins späte 14. Jahrhundert Grablege des Saarbrücker Grafenhauses und von diesem mit reichen Besitzungen ausgestattet, ein kultureller Mittelpunkt. Wolfram starb nach einem arbeitsreichen Leben am 25. Januar 1158.

 

Der selige Heinrich Suso (Seuse), Priester und Prior von Konstanz,

+ 25.1.1366 - Fest: 25. Januar

 

„Wer mein Jünger sein will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“ so spricht der große Kreuzträger, unser göttliches Vorbild. Alle treuen Jünger Christi haben den Leidensweg gehen müssen, aber das Kreuz ist ihnen auch der Himmelsschlüssel geworden. Dies sehen wir recht augenfällig im Leben des seligen Heinrich Suso, eines der vorzüglichsten Mystiker des vierzehnten Jahrhunderts.

 

Heinrich Suso entstammte dem vornehmen Geschlecht derer vom Berg, und mütterlicherseits dem Geschlecht Säußen aus Überlingen, und erblickte um 1290 das Licht der Welt zu Konstanz. In dieser seiner Vaterstadt empfing er einen vortrefflichen Unterricht bei den Dominikanern. Schon als junger Mann entsagte er dem Glanz und den Ehren der Welt, trat in den Orden der Dominikaner ein und leuchtete all seinen Ordensbrüdern durch strenge Bußübungen und Fasten, Wachen und Beten vor. In den heftigen Versuchungen des Fleisches und bösen Feindes tröstete ihn Gott mit himmlischen Verzückungen. Auf der Hochschule zu Köln vollendete er seine Studien und zeichnete sich in den Wissenschaften so ruhmvoll aus, dass man ihn zum Doktor der Gottesgelehrtheit befördern wollte, allein seine Demut untersagte es ihm. Er beschloss, sich ganz zu Gott zu wenden und seine ganze Kraft der Predigt des göttlichen Wortes und dem Seelenheil seiner Mitmenschen zu widmen. Deshalb empfing er die Priesterweihe und feierte das heilige Messopfer mit einer solchen Andacht, dass man ihm den Namen „Amandus“, der Liebenswürdige, beilegte. Seine glühende Beredsamkeit setzte alle seine Zuhörer in Erstaunen, und die Gemeinden schätzten sich glücklich, wo er sein trostvolles Wort erschallen ließ und zur Gottesminne entflammte. Seine Wirksamkeit als Prediger erstreckte sich über ganz Deutschland. Längere Zeit wirkte er im Dominikanerkloster zu Zürich, leitete die Frauenklöster zu Thöß, Ödenbach, Dießenhofen und erwarb sich um das Aufblühen des religiösen Lebens hervorragende Verdienste.

 

Dem seeleneifrigen Ordensmann sollten die Leiden nicht erspart werden. Einst sah er in der Verzückung eine Schar Engel und einer sprach zu ihm: „Tue deine Hände auf!“ Er streckt die Hand aus und sieht mitten aus der Hand eine schöne rote Rose entspringen mit hübschen grünen Blättern. Die Rose war so groß, dass sie die Hand bis an die Finger bedeckte, und so schön und prächtig, dass man den Blick nicht von ihr lassen konnte. Er kehrte die Hand um, außen und innen, da war es beiderseits ein wunderbarer Anblick. Er sprach höchst verwundert: „Eja, lieber Gesell, was bedeutet dieses Gesicht?“ Der Engel sprach: „Es bedeutet Leiden und Leiden und abermals Leiden und Leiden, und das sind die vier roten Rosen an beiden Händen und Füßen.“ Da seufzte Suso und sprach: „Ach, lieber Herr, dass Leiden dem Menschen so weh tut, und es doch ihn geistlich so schön ziert, das ist ein wunderlich Gefüge von Gott.“

 

Die Leiden brachen in der Tat wie eine wilde Flut über ihn herein. Böse Menschen verdächtigten ihn als Kirchenräuber, als scheinheiligen Betrüger, als Giftmischer und Ketzer. Eine gottlose Frau behauptete, er sei der Vater ihres unehelichen Kindes. Er wurde verurteilt und musste jahrelang die Unterhaltskosten für das Kind bezahlen und die Verachtung seiner Brüder wie den Spott der Welt tragen, bis Gott seine Unschuld glänzend rechtfertigte. Seine Schwester, die ins Kloster gegangen war, hatte sich wieder herauslocken und zu einem sündhaften Leben verführen lassen und erst nach unsäglichen Anstrengungen gelang es ihm, sie zur Buße und Besserung zu bewegen. Ein verrückter Klosterbruder gab ihn als Brunnenvergifter an und kaum entging er dem Tod in dem entstandenen Volksaufruhr. In diesem Meer von Trübsalen fand er Trost und Stärkung im Gebet. Jede Nacht erhob er sich von seinem harten Lager, betrachtete lebhaft das Leiden Christi und ging mit ihm leidend den Stationsweg bis Golgotha. In seiner Liebesglut zum leidenden Erlöser grub er sich einst den Namen Jesu mit einem eisernen Griffel so tief in seine Brust ein, dass das Blut auf den Boden seiner Zelle floss und er betete: „O mein Jesus! Die Liebhaber der Welt tragen das Bild ihrer Geliebten in Gemälden oder Zeichnungen bei sich; ich liebe dich inniger und habe dich mit meinem Blut ins Herz selber eingegraben.“

 

Wie Heinrich Suso eine innige Liebe zum leidenden Heiland pflegte, so verehrte und liebte er auch die Mutter des Herrn. Am Tag nach Mariä Himmelfahrt schaute er in einem Gesicht den Himmel offen und eine glühende Sehnsucht zog ihn dorthin. Da kam zu ihm ein Jüngling und sprach: „Du darfst noch nicht hinein, du musst noch büßen für deine Missetat, ehe du den himmlischen Gesang hören magst.“ Und der Jüngling führte ihn unter die Erde in ein Loch, das finster und öde war, dass er sich weder hin- noch herwenden, weder Sonne noch Mond sehen konnte. Dies schmerzte ihn und er klagte über sein Gefängnis. Bald kam der Jüngling wieder und fragte ihn, wie es ihm gehe? Heinrich jammerte: „Übel und übel!“ Jener erwiderte: „Wisse, dass die oberste Fürstin des Himmels jetzt dir zürnt, weil du an ihren Festen so ungern predigst, und gestern noch hast du deinen Obern gesagt, dass du nicht predigen wollest.“ Heinrich seufzte: „O weh mir! Doch vernimm, mein Herr: mich dünkt, die Mutter Gottes ist also großer Ehre wert, dass ich mir zu klein vorkomme, von ihr zu predigen, und überlasse es den Älteren und Würdigeren.“ Der Jüngling belehrte ihn: „Wisse, dass sie auch von dir es gerne hat und ihr ein angenehmer Dienst ist; darum sage es nie mehr ab!“ Heinrich weinte: „Ach, herzlieber Jüngling! Versöhne mich mit der reinsten Mutter! Ich gelobe es dir treu, dass es nicht mehr geschieht!“ Der Jüngling lächelte, führte ihn aus dem Gefängnis und tröstete ihn: „Ich hab es an der Himmelsfürstin gütigem Antlitz und Worten, die sie für dich hatte, bemerkt, dass sie dir nicht mehr zürnt und immer zu dir mütterliche Treue haben will.“ Von nun an predigte er fröhlich und feierlich an allen Marienfesten.

 

Sein minnereiches Herz ließ ihn an den Leiden der Trauernden und Weinenden innigen Anteil nehmen. Jederzeit war er bereit zum Raterteilen, eifrig zur Bekehrung der Sünder, liebevoll gegenüber allen Freunden Gottes, versöhnlich gegenüber allen seinen Feinden, milde gegenüber allen Geschöpfen Gottes, geduldig in jeder Trübsal.

 

Nachdem Heinrich Suso ein halbes Jahrhundert lang unermüdlich für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen gearbeitet, glänzende Erfolge erreicht und viele Wunder gewirkt hatte, vergönnten ihm seine Ordensobern, dass er den Rest seines tatenreichen Lebens in Ruhe auf seine Vorbereitung zum Tod verwende und schickten ihn zu dem Ende in ihr Kloster nach Ulm. Erschöpft von seinen vielen Mühen und harte Bußwerken, gestählt von der Gnade, geläutert im Feuerofen der Leiden, ging er in den Himmel, den er manchmal geöffnet gesehen hatte, wirklich ein am 25. Januar 1365. An seinem Grab geschahen so viele Wunder, dass er zugleich mit Thomas von Aquin dem Papst zur Heiligsprechung vorgeschlagen wurde, doch der fand die Akten über ihn noch nicht völlig spruchreif. Als man im Jahr 1613 eines Baus wegen im Kreuzgang des Dominikanerklosters zu Ulm das Grab des Seligen öffnete, fand man die Leiche noch ganz unversehrt in den Ordenskleidern und ein lieblicher Wohlgeruch ging von ihr aus. Der protestantische Bürgermeister ließ das Grab sogleich wieder schließen, damit kein Aufsehen entstehe. Papst Gregor XVI. bestätigte 1831 die allgemeine Verehrung des Seligen. Seine Schriften hauchen Weisheit und herzinnige Gottesminne.

 

Der heilige Poppo, Abt und Bekenner von Stablo, Belgien,

+ 25.1.1048 – Fest: 25. Januar

 

Unter die Geistesmänner, die ihr ganzes Leben dem Seelenheil ihrer Mitmenschen und dem Streben nach eigener Vollkommenheit weihten, darf mit vollem Recht auch der heilige Poppo gezählt werden. Er wurde im Jahr 978 als ein Kind von sieben Monaten in Flandern geboren, wo sein Vater Tizekinus als ein ausgezeichneter Kriegsheld in hoher Achtung stand und seine Mutter Adelviva wegen ihrer Frömmigkeit berühmt war. Nach dem Tod seines Vaters, der in einer Schlacht fiel, wählte er den Soldatenstand und hatte sich durch seine Tapferkeit schon großen Ruhm erworben, als das verzweiflungsvolle Ende einiger seiner Kriegsgefährten, die ein lasterhaftes Leben geführt hatten, einen solchen Eindruck auf sein frommes Gemüt machte, dass er das Kriegsheer verließ mit dem Entschluss, sein Leben dem Dienst Gottes zu weihen. Er machte zuvor eine Wallfahrtsreise nach Palästina, wo er alle die heiligen Orte mit inniger Andacht besuchte, die durch das Leiden und Sterben des göttlichen Erlösers berühmt wurden, und als er nach seiner Rückkehr in Rom an den Gräbern der Apostelfürsten sein Gebet verrichtet hatte, begab er sich wieder nach Flandern und erwarb sich durch seine Tugenden so sehr die Liebe des Frumoldus, der erster Minister des Fürsten Balduin war, dass ihm dieser seine Tochter, eine Jungfrau von besonderer Schönheit und Unschuld, zur Gemahlin antrug. Schon waren die feierlichsten Anstalten zur Vermählung gemacht und unzählige Männer beneideten Poppo wegen seines glänzendes Glückes, als er der Versuchung entfloh, sich heimlich in das Kloster Stablo flüchtete und fußfällig den heiligen Abt Theodoricus bat, ihn unter die Zahl seiner Jünger aufzunehmen. Bald übertraf er durch seinen Eifer alle Ordensmänner und wurde zum Vorsteher des Armen- und Krankenhauses erwählt. Mit unaussprechlicher Geduld und Liebe bediente und pflegte er da die Unglücklichen und Bedrängten und wirkte durch sein Gebet viele Wunder durch Heilung der bösartigsten Krankheiten. So erhielt ein Aussätziger seine Gesundheit über Nacht, dem der Heilige seinen Mantel zur Bedeckung gab.

 

Allgemein verbreitete sich nun der Ruf der Heiligkeit des Dieners Gottes und der Abt Richardus bediente sich seiner, um in verschiedenen Klöstern die Missbräuche und das eingerissene Sittenverderbnis aufzuheben und die Befolgung der alten, strengen Klosterregeln wieder einzuführen. Da er dieses schwere Unternehmen mehr durch das Beispiel seiner Frömmigkeit und Demut, als durch Befehle zu Stande gebracht hatte, begab er sich wegen kirchlicher Angelegenheiten an den Hof des Kaisers Heinrich, wo er mit den größten Ehrenbezeigungen empfangen wurde und durch seine Ermahnungen die gefährlichen Faustkämpfe aufhob, an denen bisher der Kaiser so großes Vergnügen hatte. Dadurch zog er sich den Hass der Höflinge zu, die ihn sogar durch Gift töten wollten. Aber der Heilige entging durch ein Wunder ihren Nachstellungen, wie auch anderen Verfolgungen, die sittenlose Mönche ihm bereiteten, da er auf Drängen des Kaisers Heinrich die Würde eines Abtes zu Stablo und später des Klosters zum heiligen Maximin übernehmen musste.

 

Nach dem Tod Heinrichs bestieg Conrad den Kaiserthron und weil auch König Heinrich von Frankreich auf diese Würde gegründete Ansprüche zu haben glaubte, entstand ein verheerender Krieg, welcher aller Bemühungen der Mächtigen des Reiches ungeachtet nicht vermieden werden konnte. Da verließ schließlich der heilige Poppo seine Einsamkeit, bewirkte eine Versöhnung zwischen den beiden Regenten und wurde zur Belohnung vom Kaiser Conrad zum Bischof von Straßburg ernannt. Doch der demütige Diener Gottes hielt sich für zu unwürdig dieses heiligen Amtes und begab sich wieder auf den Weg zu seinem Kloster. Aber auf der Reise überfiel ihn ein Fieber und er starb im Kloster Marchienes 1048 im siebzigsten Jahr seines Lebens, nachdem er in einem Bußkleid auf bloßer Erde liegend, die heiligen Sterbesakramente empfangen hatte. Unter dem Wehklagen aller Ordensmänner, die ihn als ihren Vater liebten, wurde sein Leichnam nach Stablo geführt, wo er, beweint von vielen Menschen, in der Klosterkirche beigesetzt wurde.

 

26. Januar

 

Der heilige Polykarp, Apostelschüler,

Bischof und Martyrer von Smyrna,

+ 23.2.166 – Fest: 26. Januar

 

Das Leben des heiligen Polykarp reicht zurück bis in die Zeit der Urkirche. Der heilige Apostel Johannes, sein Lehrmeister, hat den Dreißigjährigen um das Jahr 100 nach Christi Geburt zum ersten Bischof der Hafenstadt Smyrna in Kleinasien bestellt.

 

Uns klingt der Name Polykarp recht fremd, weil er griechischen Ursprungs ist. Aber schön ist das, was er bedeutet. Stelle dir eine pralle Weizengarbe vor, die im hohen Sommer auf dem Erntefeld steht mit tausend reifen Ähren, dann siehst du bildlich das, was der Name des Heiligen bedeutet, denn Polykarp heißt „Reich an Frucht“.

 

Fruchtreich war auch das Leben des heiligen Polykarp. Über fünfzig lange Jahre hütete er treu die Herde, die ihm der Lieblingsjünger des Herrn anvertraut hatte. Groß ist auch die Zahl der verirrten Menschen, die er als guter Hirt der Seelen in den Schafstall Christi heimführte. Sonst ist wenig aus dem Leben des Heiligen bekannt, aber über sein Sterben sind wir desto besser unterrichtet.

 

Stell dir einen großen steinernen Zirkus vor mit Tausenden von vollbesetzten Plätzen. Am Kopfende der länglichen Runde sitzt auf einem thronartigen Stuhl, von Soldaten in schimmernder Rüstung umgeben, der oberste Leiter und Richter der Stadt. Vor ihm steht als Angeklagter ruhig und würdevoll ein weißhaariger Mann, Polykarp, der Bischof der Christen in Smyrna. Und während Tausende Menschen in gespanntester Aufmerksamkeit zuschauen und zuhören, beginnt zwischen dem Angeklagten und dem Richter das folgende Gespräch.

 

„Du alter Mann“, beginnt der Richter, „sei doch vernünftig, denk an deine grauen Haare! Verfluche den Gekreuzigten, dann kannst du in Ruhe und Frieden sterben.“

 

„Sechsundachtzig Jahre“, antwortet der Greis, „habe ich dem Gekreuzigten in Treue gedient. Nie tat er mir ein Leid an. Wie kann ich da meinen Herrn und Heiland lästern?“

 

„Bekenne wenigstens“, fährt der Statthalter fort, „dass unser Kaiser in Rom Gott ist und dass ihm göttliche Ehre, Weihrauch und Lobpreis gebühren.“

 

Doch da fällt dem Sprechenden der altersschwache Greis voll jugendlicher Lebhaftigkeit ins Wort und bemerkt schwertscharf:

 

„Du tust, als wüsstest du nicht, wer ich bin. So höre noch einmal vor allem Volk, dass ich ein Christ bin!“

 

Ganz klar und wie ein Trompetenstoß klingt das stolze Bekenntnis des Bischofs durch die Runde. Und wieder spricht der Richter mit drohendem Unterton in der Stimme:

 

„Ich habe wilde Tiere, Löwen und Tiger“, und die Antwort lautet:

 

„Lass sie kommen!“

 

„Ich kann dich auch ins Feuer werfen lassen“, brüllt gereizt der Statthalter.

 

Und Polykarp entgegnet: „Tue es!“

 

Da rufen im gleichen Augenblick die Tausende im weiten Ringtheater: „Ins Feuer mit ihm! Ins Feuer mit ihm!“

 

Stumm nickt der Richter. Das Urteil ist gefällt und wird sogleich vollstreckt.

 

Eilfertige Hände richten aus mit Pech getränktem Holz und Reisig einen hohen Scheiterhaufen auf, zuoberst mit einem Pfahl, an dem das Opfer angebunden

 

werden soll. Mit freudestrahlendem Gesicht legt Polykarp mit eigener Hand Mantel und Gürtel ab und bittet die Henker, ihn nicht zu binden. In aller Freiheit wolle er für den König Christus das Leben lassen, und schon steht der mutige Mann auf dem großen Holzstoß.

 

Betend bekennt dann Bischof Polykarp vor ungezählten Zeugen noch einmal den heiligen Glauben. Und wie nun von allen Seiten rundum das Feuer prasselnd emporsteigt, geschieht es, dass die Flammen vor dem Leib des Martyrers wie in Ehrfurcht zurückweichen. Die Flammen umhüllen ihn wie ein Segel, so dass der Scheiterhaufen wie ein Schiff aussieht, das den Heiligen zum Himmel trägt.

 

Die Menge staunt bei diesem Anblick, bis schließlich einer von den Henkern auf den Holzstoß springt und Polykarp den Dolch ins Herz stößt.

 

Muss solch ein Bekennermut und solch eine Christustreue nicht für jeden Christen ein Ansporn sein, stets und immer den heiligen Glauben hochzuhalten?

 

Die heilige Paula, Witwe von Betlehem,

+ 26.1.404 - Fest: 26. Januar

 

Die Mutter von fünf Kindern verlor früh ihren Gatten. Trost und Hilfe in diesem Leid kam aus dem Kreis der heiligen Witwe Marcella, die sich auch mit dem heiligen Hieronymus bekannt machte. Paula erwählte den Heiligen zu ihrem Seelenführer und folgte diesem 385 zusammen mit ihrer Tochter nach Bethlehem.

 

Mit Hieronymus besuchte sie gemeinsam die heiligen Stätten und die Einsiedler in der Nitrischen Wüste. Ab 386 weilte sie ständig in der Geburtsstadt des Herrn und gründete und leitete dort ein Mönchs- und drei Nonnenklöster.

 

Paula starb 404 in Bethlehem.

 

Pilgerstab, Geißel, Kürbisflasche oder ein Weihwasserwedel können ihre Attribute sein. Manchmal trägt sie auch einen Pilgerstab in der Hand oder ist in die Betrachtung der Heiligen Schrift versunken.

 

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Aus dem römischen Martyrologium:

 

Diese im 3. Jhd. So berühmte Heilige wurde in Rom aus einer der ältesten adeligen Familien geboren, denn ihr Vater Rogatus stammte aus einem griechischem Geschlecht, welches den Agamemnon zum Stammvater hatte, und ihre Mutter Blesilla zählte die Grachen und Scipionen unter ihre Vorahnen. Als Paula nach einer fromm verlebten Jugend zur Jungfrau herangewachsen war, wurde sie mit Toxotius, einem Mann von ungeheuren Reichtümern, vermählt, dem sie fünf Kinder gebar, und nach dessen Tod sie sich gänzlich dem Dienst Gottes weihte. Sie verteilte aus Liebe zur Armut alle ihre Güter unter die Notdürftigen und ihr Haus war die Herberge aller Pilger und der Zufluchtsort der Betrübten. Als die Bischöfe der morgen- und abendländischen Kirche wegen obwaltenden Streitigkeiten nach Rom kamen, bewirtete Paula die heiligen Bischöfe Epiphanius aus Cypern und den heiligen Paulinus von Antiochia, durch deren Frömmigkeit sie so sehr begeistert wurde, dass sie sich entschloss, alles Irdische zu verlassen und in der Einsamkeit ein heiliges Leben zu führen. Nicht das Wehklagen ihrer Kinder, nicht die Tränen ihrer Freunde und Anverwandten konnten sie bewegen, in Rom zu bleiben; sie schlug ihre Augen zum Himmel empor, um dort Trost bei dem traurigen Abschied von den ihrigen zu finden und bestieg mit ihrer Tochter Eustochia ein Schiff und begab sich nach Palästina. Da besuchte sie mit glühender Andacht und unter den größten Gefahren die heiligen Orte und die Klöster in Jerusalem, Galiläa und Samaria und kam schließlich nach Bethlehem, wo sie drei Jahre lang in größter Armut eine enge Zelle bewohnte, bis sie Klöster, Krankenhäuser und Pilgerwohnungen in der Gegend erbaut hatte, wo Jesus der Heiland geboren wurde. Die Klöster besetzte sie teils mit frommen Ordensmännern, damit das Wort Gottes verkündigt und die heiligen Sakramente ausgespendet wurden, teils mit Jungfrauen aus mehreren Provinzen, die sie zur Frömmigkeit des christlichen Lebens führte. Zwanzig Jahre lang züchtigte sie ihren ohnehin schwachen Körper durch strenge Abtötungen, lebte beständig im Umgang mit Gott und starb schließlich, verherrlicht im Tod, mit den auffallendsten Wundern am 26. Januar des Jahres 404.

 

27. Januar

 

Die heilige Angela Merici, Jungfrau und Ordensstifterin von Brescia,

+ 27.1.1540 - Fest: 27. Januar

 

Zu Desenzano, am südlichen Gardasee, wurde die spätere Gründerin der Ursulinen am 21. März 1474 geboren. Den Frauenorden, der sich insbesondere um die Erziehung und den Unterricht der Mädchen kümmert, gründete sie 1535. Angela Merici stellte ihn unter das Patronat der heiligen Ursula und wurde 1537 zur ersten Oberin der Ursulinen gewählt. Sie starb am 27. Januar 1540 zu Brescia in Oberitalien.

 

„Angela wurde 1470 zu Desenzano am Gardasee von unbemittelten Eltern geboren und in heiliger Gottesfurcht erzogen. In ihrem Herzen lag der gesunde Keim einer tiefen Religiosität, der von dem Eifer und der Wärme ihrer frommen Mutter geweckt und gepflegt, im friedlichen und wohlgeordneten Familienkreis gar lieblich sich entfaltete. Sie hatte zierliche blonde Haarlocken, welche in Italien für eine auszeichnende Schönheit gelten, ihr süße Schmeicheleien eintrugen und natürlich auch die Prophezeiung, dass sie einen reichen Mann bekommen werde; aber sie wollte nur Gott und nicht der Welt gefallen und – färbte ihren Hauptschmuck schwarz. Nur zu bald verhüllte eine finstere Wolke die Maisonne ihres jugendlichen Glückes, das kalte Grab schloss sich über den teuren Leichen ihrer Eltern, und sie kam mit ihrer inniggeliebten Schwester zum Oheim nach Salo.

 

Hier hatten sie zwar volle Freiheit, dem Gebet und frommen Übungen sich hinzugeben; aber der Drang nach vollkommener Einsamkeit verleitete die Schwestern zu der jugendlichen Unbesonnenheit, dass sie heimlich das Haus verließen und einige Stunden von Salo entfernt in einer Höhle sich verbargen. Der besorgte Oheim fand sie nach langem Suchen und führte die Reumütigen wieder heim. Sie lebten nun so abgeschieden von der übrigen Welt und in so heiliger Schwesterliebe, dass man sie die „zwei Turteltauben von Salo“ hieß. Aber kurze Zeit darauf zerschnitt der Tod das schöne Liebesband; Angela weinte bittere Schmerzenstränen an dem blumenbekränzten Grab ihrer teuren Schwester, das sie Tag und Nacht fast nicht verlassen konnte. Doch Gottes Güte heilte diese Wunde mit der Hoffnung des Wiedersehens und gab ihr den Mut, Ihn allein aus ganzem Herzen zu lieben. Sie empfing – schon dreizehn Jahre alt – die erste heilige Kommunion und fand in dem „Brot der Engel“ eine solche Süßigkeit, dass sie, um öfters kommunizieren zu können, in den Dritten Orden des heiligen Franz von Assisi eintrat. Jesus in der heiligen Hostie war ihr Alles, ihr Höchstes, ihr Liebstes, weshalb sie das Fasten und die Abtötung in Kleidung und Wohnung mit äußerster Strenge beobachtete.

 

Nach dem Ableben des Oheims begab sich Angela in ihre Heimat Desenzano, entschlossen, sich dem religiösen Unterricht der weiblichen Jugend zu widmen. Darin wurde sie bestärkt durch ein Gesicht, womit sie während des Gebetes begnadigt wurde. Sie sah eine Schar glänzender Jungfrauen mit Kronen auf dem Haupt und Lilien in den Händen, links und rechts von Engeln begleitet, auf einer Leiter zum Himmel emporsteigen und hörte eine Stimme: „Angela, du wirst die Erde nicht verlassen, bis du einen Verein von Jungfrauen, wie du sie jetzt geschaut, wirst gestiftet haben.“ Sie schloss sich an einige Ordensschwestern an, versammelte die jungen Mädchen des Ortes zu gewissen Stunden und unterrichtete sie im Katechismus und im frommen Leben. Ihr Beginnen wurde von Gott außerordentlich gesegnet; die Sittsamkeit, die Demut, die Frömmigkeit ihrer Schülerinnen erregte die allgemeine und freudigste Aufmerksamkeit; die Väter und Mütter kamen von allen Seiten zu ihr, sie um Rat zu fragen und um ihre Belehrung und ihr Gebet zu bitten. Sie wurde in die Hauptstadt des Landes, nach Brescia, berufen, um dort Schulen einzurichten, was ihr gut gelang.

 

Immer klarer wurde ihr das Bedürfnis eines religiösen Vereines für diesen so wichtigen Zweck des Unterrichts. Um den Beistand Gottes dazu sich zu erflehen, wallfahrtete sie nach Jerusalem. Auf dem Weg verlor sie das Augenlicht, aber nicht das Gottvertrauen. An der Hand einer Führerin kam sie in das Heilige Land, nach Bethlehem, an den Ölberg, auf Golgatha, schaute mit den Augen des Geistes die Geheimnisse der göttlichen Liebe und ehrte mit der Glut des Herzens die Wege des kreuztragenden Erlösers. Auf der Rückfahrt wurde das Schiff auf die Insel Candia verschlagen, wo in der Nähe des Hafens ein wundertätiges Kruzifix, viel besucht von Andächtigen, stand. Angela kniete flehend vor dasselbe, fand Erhörung und stand mit gesunden Augen auf. Voll des Dankes pilgerte sie nach Rom, um den Jubiläumsablass des Jahres 1525 zu gewinnen; Papst Clemens VII. nahm sie huldvoll auf, prüfte ihre gotterleuchtete Weisheit und spendete ihr den apostolischen Segen zu dem Werk, das die göttliche Vorsehung ihr aufgetragen hat. Sie verweilte einige Zeit noch in Cremona und legte dann in Brescia den Grund zu dem verdienstreichen Orden, der sie als Stifterin verehrt.

 

Am 25. November 1535 kommunizierte Angela in der Sankt-Afra-Kirche zu Brescia mit zwölf gleichgesinnten Jungfrauen zur Besiegelung ihres Schwesternbundes, sich ganz dem Dienst des göttlichen Kinderfreundes zu widmen. Am gleichen Tag gesellten sich noch fünfzehn andere zu ihnen, und diese siebenundzwanzig Schwestern waren das Weizenkorn, aus dem so viele Konvente in den katholischen Ländern aufsprossten. Angela stellte sie unter den Schutz der heiligen Ursula, und nannte sie „Ursulinen“, um ihren Namen desto sicherer zu verbergen. Der Zweck dieses Vereines war, nicht in klösterlicher Stille ein beschauliches Leben zu führen, sondern im Schoß der Familie zu bleiben, die jungen Mädchen in den Häusern in der Religion zu unterweisen, vor Gefahren zu hüten, Armen und Kranken beizustehen, Zucht und Sittlichkeit zu fördern. Sie verfasste eine Regel, welche der Kardinalbischof von Brescia prüfte und – ohne ein Wort zu ändern – als eine göttliche Eingebung genehmigte und die Papst Paul III. bestätigte.

 

Schnell mehrte sich dieser Verein auf sechsundsiebzig Mitglieder und wählte Angela trotz ihres Widerstrebens zur Oberin. Sie leitete ihn drei Jahre lang mit jener Weisheit des Geistes und mit jener Innigkeit der Liebe, welche nur engelreinen Seelen eigen ist: dann gefiel es Gott, die weitere Sorge für diese Genossenschaft selbst zu übernehmen und die treue Dienerin am 27. Januar 1540 in die ewige Ruhe heimzurufen.“

 

Angela wird in Ordenstracht, junge Mädchen unterrichtend, abgebildet. Manche Darstellungen zeigen sie auch mit Kreuz, Rosenkranz und einem offenen Buch.

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Das Leben der heiligen Angela Merici zeigt die wunderbaren Wege der göttlichen Vorsehung, die die Menschen mild und stark zu ihrem Ziel leitet. Gott führte Angela zu einem Beruf, der bis dahin von Frauen noch wenig gepflegt wurde, der ihnen aber einen großartigen Wirkungskreis eröffnete, in dem Tausende von christlichen Frauen unermesslich viel Gutes zum Segen der ganzen Welt gewirkt haben.

 

Unbeschreibliches Elend kam über die Völker Europas durch die Glaubensneuerer des 16. Jahrhunderts. Eine Hauptursache der raschen Ausbreitung der Irrlehren war die religiöse Unwissenheit; diese bestand vielfach nicht bloß in den deutschen Ländern, sondern teilweise auch in den romanischen, in Oberitalien und anderen. In Mailand zum Beispiel kannten viele Leute nicht einmal das Vaterunser und das Ave-Maria, geschweige denn die Zehn Gebote und die Glaubensartikel. Dies trug dazu bei, dass viele Gebildete sich dem Protestantismus zuwandten, der den verwilderten Sitten und Leidenschaften freie Bahn ließ.

 

Diesem Elend konnte nur abgeholfen werden durch gründlichen Unterricht in religiösen Dingen, dazu erweckte Gott neue Orden, wie die Gesellschaft Jesu durch den hl. Ignatius. In demselben Jahr 1535, als Ignatius auf dem Montmartre (Marterberg) zu Paris den ersten Grundstein zu seiner „Compagnia di Jesu“, zur „Gesellschaft Jesu“, legte, gründete in Brescia die hl. Angela die „Compagnia di santa Orsola“, die „Gesellschaft der heiligen Ursula“. Da muss man unwillkürlich an das Wort von Papst Paul III. denken, das bald darauf gesprochen wurde: „Das ist der Finger Gottes.“

 

Angela war damals bereits 61 Jahre alt. Die reichen Erfahrungen eines wechselvollen Lebens kamen ihr und der neuen Gesellschaft sehr zustatten.

 

Angelas Wiege stand am lieblichen Gardasee, wo sie am 21. März 1474 in dem Städtchen Desenzano das Licht der Welt erblickte und fromm erzogen wurde. Mit fünfzehn Jahren verlor sie ihre vortrefflichen Eltern und kam mit ihrer Schwester zu einem Onkel. Begeistert von dem Einsiedlerleben der alten Mönche, begaben sich die beiden Mädchen eines Tages zu einer Felsenhöhle, um dort das Leben der Einsiedler nachzuahmen; dies dauerte einige Zeit, bis sie der besorgte Onkel suchte und fand; er nahm sie in seine Familie zurück und ließ ihnen eine standesgemäße Ausbildung zuteilwerden.

 

Als Angela auch ihre Schwester und den Onkel durch den Tod verlor, kehrte sie nach Desenzano zurück. Um ein Leben der Christusliebe führen zu können, entsagte sie dem väterlichen Erbe und wählte das Kleid und die Regel des Dritten Ordens vom hl. Franziskus. Heftige innere Leiden und Stürme überwand sie mutig und treu durch die Waffe des Gebetes und durch Werke der Buße. Dadurch wurde sie geprüft und geläutert und vorbereitet für Gottes Pläne. Die Welt war für sie überwunden; Christus allein war ihr Trost und ihre Kraft, die Freude und Schönheit ihres Lebens; mit ihm vereinigte sie sich jeden Tag in der heiligen Kommunion.

 

So verlebte sie zwanzig Jahre im Haus ihrer Verwandten, verrichtete fleißig die gewöhnlichen Hausarbeiten und übte zugleich die Werke der Frömmigkeit und der Nächstenliebe. Mit besonderem Eifer widmete sie sich den Kindern. Sie übte mit ihnen die täglichen Gebete und unterrichtete sie in den Glaubenswahrheiten. Ihr Beispiel zog ähnlich gesinnte Frauen an, die sie zu gleichem Tun ermunterte. Viele Leute aus nah und fern kamen, bei ihr Trost und Hilfe zu suchen, darunter auch eine wohltätige Familie aus Brescia. Als diese von einem schweren Unglück, dem Tod ihrer Kinder, betroffen wurde, erlangte sie von den Obern der Tertiaren, dass Angela nach Brescia übersiedelte.

 

Die kleine, arme Zelle, die sich die Dienerin Gottes dort wählte, wurde bald der Mittelpunkt einer religiösen Erneuerung der Stadt. Zahlreiche Frauen aus den ersten Gesellschaftskreisen ließen sich durch ihr Beispiel zu einer eifrigen Nachahmung Christi begeistern und das Volk, hoch erstaunt über den Wandel Angelas, betrachtete sie fast wie einen Engel des Himmels. Fromme Frauen und edelste Männer wählten sie zu ihrer geistlichen Führerin, selbst Theologen und Fürsten, wie der Herzog Franz Sforza, suchten ihren Rat. Im Jahr 1524 machte sie aus Liebe zu Jesus eine Wallfahrt in das Heilige Land, im Jahr darauf nach Rom, um die Gnade des großen Jubiläumsablasses zu gewinnen. Papst Klemens VII. wurde auf Angela aufmerksam und legte ihr den ständigen Aufenthalt in der Ewigen Stadt nahe; doch sie glaubte, nicht darauf eingehen zu sollen; der Heilige Vater war damit einverstanden.

 

Im Jahr 1529 musste sie in den Kriegswirren nach Cremona fliehen. Erschöpft durch Entbehrungen und Bußübungen, wurde sie schwer krank. Die Ärzte hatten bereits jede Hoffnung aufgegeben. Schon wollte man die Sterbegebete beginnen, da richtete sich die Todkranke plötzlich auf, sprach wie verklärt über die Seligkeit der Auserwählten, als habe Gott sie einen Blick in seinen Himmel tun lassen, und war gesund.

 

Angela kehrte nach Brescia zurück. Um der immer weiter sich ausbreitenden Glaubens- und Sittenlosigkeit entgegenzuarbeiten, wählte sie aus ihren Freundinnen zwölf Frauen aus und weihte sich mit ihnen auf dem Monte Varallo dem gekreuzigten Gottessohn (1532); sie suchte dieselben immer mehr mit Liebe zu Jesus und seinem Geist zu durchdringen. Am 25. November 1535 stellte sie ihre Vereinigung unter den Namen und den Schutz der heiligen Ursula.

 

Angela beabsichtigte zunächst nicht, eine klösterliche Gemeinschaft zu gründen; auf Anraten ihres Beichtvaters und anderer erfahrener Männer und Frauen entwarf sie aber doch einen bestimmten Plan, Anweisungen und Regeln für ihre Mitarbeiterinnen und überreichte diese Regeln dem vortrefflichen Bischof von Brescia, Kardinal Franz von Cornaro, der sie am 28. August 1536 genehmigte und damit die neue und neuartige Gründung der Ursulinen sicherstellte.

 

Am 18. März 1537 wurde Angela trotz ihres Alters und ihrer Gegenvorstellungen zur ersten „Mutter“ oder Oberin gewählt. Unter ihrer umsichtigen, liebevollen Leitung vermehrte sich rasch die Mitgliederzahl der Genossenschaft. Die Liebe Gottes und der Eifer für das Wohl der Seelen waren der Beweggrund all ihrer Handlungen. „Eher helfen als befehlen, mehr geliebt als gefürchtet werden“, dieses Wort des hl. Augustin an eine Klosterfrau war der Grundton ihrer Leitung.

 

Auch als Oberin änderte sie nichts an ihren Gewohnheiten. Sie blieb die demütige Magd, die für sich die geringsten Arbeiten aussuchte; sie blieb die strenge Büßerin wie vordem in Fasten und Nachtwachen und Abtötungen jeder Art; sie blieb die innige Beterin. Täglich empfing sie die heilige Kommunion. Der Verkehr mit ihrem Herrn und Schöpfer wurde noch mehr ihre Lebensader, da sie für so viele zu sorgen hatte. Fand die Heilige während des Tages keine Zeit zum Gebet, so waren ihr die stillen Stunden der Nacht gerade recht, sich in Gott zu versenken. So blieb Angela auch die allzeit Freundliche, die für jeden ein Wort der Aufmunterung und des Trostes hatte, für alle Rat und Hilfe suchte. Neben hohen Gästen kamen fast alle Armen zu ihr; und sie, die selbst von Almosen lebte, fand stets noch ein Mittel, anderen zu helfen.

 

Ein heiliger Tod krönte Angelas heiliges Leben. Es war gegen Ende des Jahres 1539, da sie sich wegen eines leichten Fiebers legen musste. Ihre Umgebung, auch der Arzt fand nicht Beunruhigendes; aber die Heilige wusste, dass ihre letzte Stunde nahte. Sie traf alle notwendigen Verordnungen. Am 25. Januar nahm die Schwäche auffallend zu, dass man dem Verlangen der Sterbenden nach der letzten Wegzehrung entsprach. In heiliger Andacht und tiefster Freude sah Angela dem Heiland und Erlöser entgegen, der seit ihrem 18. Lebensjahr fast täglich zu ihr als seiner reinen Braut gekommen war. Als wollte sie ihren Herrn und Gott nicht mehr lassen, kreuzte sie nach Empfang der heiligen Kommunion die Arme über der Brust. Die Welt war ihr versunken.

 

Die Heilige verschied am 27. Januar 1540, im Bußkleid des Dritten Ordens auf einer Strohmatte liegend und mit friedlich heiterer Miene dem sterbenden Christus die Worte nachbetend: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.“

 

Ihr Leichnam blieb durch vierzig Tage unbeerdigt, aber nicht die geringste Spur von Verwesung zeigte sich, vielmehr verbreitete er einen lieblichen Wohlgeruch um sich; er wurde dann in der Kirche von St. Afra in Brescia beigesetzt. Sie wurde 1768 selig- und am 24. Mai 1807 heiliggesprochen. Das Fest wurde auf den 31. Mai festgesetzt.

 

Die Bestätigung ihres Ordens geschah am 9. Juni 1544 durch Papst Paul III., denselben, der am 27. September 1540 die Gesellschaft Jesu bestätigt hatte.

 

Wohl war die Heilige überzeugt, dass Gott ihre Gründung nicht verlassen werde, solange die Welt steht, aber die herrliche Zukunft ihrer Schöpfung, ihr großartiges Wirken in vielen Ländern, ihre gesegneten Erfolge konnte sie nicht ahnen. In ihrem „Testament für die Vorsteherinnen“ und ihre „letzten Ermahnungen an ihre geistlichen Töchter“ hat sie ihnen ein reiches Kapital gediegener Lebensweisheit und christlicher Erziehungskunst hinterlassen. „Jesus Christus sei eure einzige Liebe“, war ihre stete Mahnung, die sie vor allem selbst ihr Leben lang befolgte. Gott hat Angela Merici auserwählt zu seinem Werkzeug, zu einer Führerin ihres Geschlechtes für Mit- und Nachwelt, neben Ignatius von Loyola zu einer wahren Reformatorin des 16. Jahrhunderts, darum wird ihr Name stets mit goldenen Lettern in den Büchern der Kirche stehen.

 

Der heilige Vitalian, Papst und Bekenner von Rom,

+ 27.1.672 – Fest: 27. Januar

 

Nach dem Tod des Papstes Martinus, wurde der heilige Vitalianus am Ende des Monats Juli im Jahr 656 zu dessen Nachfolger erwählt. Er war zu Segin in Italien geboren und hatte sich durch ein heiliges Leben und durch eine tiefe Gelehrsamkeit unter seinen Zeitgenossen ausgezeichnet. Mutig verteidigte er gegen die Feinde der Kirche die Reinheit der christlichen Lehre und hielt auf strenge Ordnung bei seiner Geistlichkeit. Den Bischof von Ravenna, den er fruchtlos zum schuldigen Gehorsam ermahnt hatte, belegte er mit dem Kirchenbann, und Ferrara erhob er zu einem Bischofssitz. Als sich die griechischen Bischöfe gegen ihn empörten und ihn nicht als Oberhaupt der Kirche anerkennen wollten, wendete er sich an den Kaiser, indem er eine verderbliche Trennung befürchtete und durch dessen Verwendung wurde der Friede erhalten. Er war ein wachsamer Kirchenhirt und sorgte vorzüglich für die Verbreitung des Christentums in England, weswegen unter seiner Regierung in Frankreich, Spanien und England viele Kirchenversammlungen gehalten wurden. Durch seine Bemühungen wurde der Kirchengesang verbessert und in Ordnung gebracht und, wie mehrere Schriftsteller behaupten, führte er beim Gottesdienst die Orgeln ein. Vierzehn Jahre und sechs Monate regierte er die Kirche Christi mit ausgezeichnetem Ruhm und stand sowohl beim Kaiser und anderen christlichen Regenten in einem so hohen Ansehen, dass er von ihnen für die Kirche wichtige Begünstigungen und Freiheiten erhielt. Er starb am 27. Januar im Jahr 672.

 

Der heilige Julian, Apostelschüler und Bischof von Le Mans,

+ 1. Jhd. – Fest: 27. Januar

 

Als die Apostel an die von ihnen gestifteten Kirchen heilige Männer sendeten, die die christlichen Gemeinden im Glauben erhalten und stärken mussten, kam Julian auf Befehl des heiligen Petrus nach Mans in Gallien als erster Bischof, von dem einige Kirchengeschichtsschreiber glauben, er sei jener Simon der Aussätzige, dessen im Evangelium Meldung geschieht. Dieser gottbegeisterte Mann und würdige Schüler der Apostel arbeitete rastlos an dem Seelenheil seiner Gemeinde und bekehrte unzählige Heiden durch die Wunder, die er durch die Kraft des Namens Jesus wirkte. Vielen, die von Geburt aus blind waren, gab er das Gesicht, er erweckte drei Tote zum Leben und als bei einer anhaltenden Dürre die Stadt Mangel an Wasser hatte, eröffnete er durch das Kreuzzeichen eine reichliche Brunnenquelle. Durch diese Wunder und noch mehr durch seine sanften und rührenden Ermahnungen fand Julian Eingang beim Fürsten des Landes und brachte es dahin, dass er sich mit seinem ganzen Hof zum Christentum bekehrte und sich taufen ließ. Der fürstliche Palast wurde in eine christliche Kirche verändert und die Reichtümer, die bisher zur Hoffart und zur heidnischen Verschwendung dienten, linderten nun das Elend der Armen. Beinahe alle Einwohner der Stadt waren für die Wahrheit der Lehre Jesu gewonnen, und nur die Götzenpriester allein widerstanden wegen zeitlicher Vorteile dem heiligen Oberhirten und suchten eine Empörung gegen ihn zu erregen. Da versammelte Julian seine Christen im heidnischen Tempel und flehte in Gegenwart der Götzenpriester zu dem wahren Gott um ein Zeichen und nachdem er das heilige Kreuz emporhob, stürzten die Altäre samt den Göttern zu Boden und heulend entflohen ihre Priester.

 

Der heilige Julian wirkte segensvoll bis in sein Greisenalter in seiner heiligen Gemeinde und war besonders ein barmherziger Vater gegenüber den Gefangenen. Am Ende seines tatenreichen Lebens ernannte er den heiligen Turibius zu seinem Nachfolger und starb mit größter Sehnsucht nach dem himmlischen Vaterland.

 

28. Januar

 

Der heilige Irmund, Viehhirt und Bekenner bei Jülich, Rheinland,

+ 28.1.450 ? - Fest: 28. Januar

 

Zur Zeit, als der heilige Severin den bischöflichen Stuhl zu Köln inne hatte, lebte zu Mund im Jülicher Land ein frommer Hirt, der auf den fruchtreichen Triften zwischen den Flüssen Roer und Erft seine Herde weidete. Über das Leben und Wirken des heiligen Irmund sind uns wenige Tatsachen überliefert, weil die vom katholischen Glauben abgefallenen Holländer bei ihrem räuberischen Einfall in die Rheinlande im Jahr 1602 allen Schmuck der Kirche zu Mund raubten, die Schriften und Denkmale, selbst die Standbilder der Heiligen den Flammen übergaben. Nach der Verwüstung des Heiligtums wurde folgendes von der Geistlichkeit und dem Magistrat zu Mund aufgezeichnet und eidlich erklärt:

 

Nach der uralten Überlieferung weidete der heilige Irmund seine Herde auf der Flur und im Gehölz zwischen Mund, Beckerath, Keskorb und Kirchberde und führte, abgeschieden von dem Geräusch der Welt, ein unschuldiges Leben. Als in einem äußerst trockenen Sommer Mensch und Vieh in Gefahr gerieten z Grunde zu gehen und den heftigsten Durst ausstanden, stieß der heilige Irmund mit seinem Hirtenstab in die Erde, und sogleich sprang eine sehr reiche Quelle hervor, die man heute noch den Sankt Irmundsbrunnen nennt.

 

Nicht weit von diesem Born sieht man die Spuren des alten Tempels und Kirchhofes zu Mund. Von dort wurden die Reliquien des heiligen Hirten mit großer Verehrung zur neuen Kirche in dem Städtchen übertragen.

 

Durch die Gnade Gottes erweist jene St. Irmundsquelle noch heute ihre Wunderkraft, indem nach würdiger Verehrung und Anrufung des Heiligen das aus jenem Brunnen geschöpfte Wasser oftmals den kranken Menschen und Tieren die Gesundheit zurückgibt. Wegen der vielen Wunder, die dort geschahen, wird alljährlich das Bildnis des Heiligen in feierlicher Prozession unter großem Zulauf des Volkes mit heiligem Gepränge durch die Gemeinde getragen.

 

Als die Holländer im Jahr 1602 das Herzogtum Luxemburg verwüsteten und sengend und raubend das Jülicher Land durchzogen, verübten sie unter anderem sakrilegischen Gräueln auch in der Kirche zu Mund die empörendsten Schandtaten. Die ketzerischen Soldaten hüllten sich in priesterliche Gewänder, rissen die Heiligenbilder vom Altar, läuteten die Totenglocke, zündeten mitten in der Kirche ein großes Feuer an und warfen unter spöttischen Zeremonien die Bilder und heiligen Gewänder ins Feuer. Die Statue und der Sarg des heiligen Irmund wurden von den Flammen verzehrt, aber durch Gottes Kraft blieben alle Gebeine, sogar die feine Leinwand, mit denen sie umhüllt waren, mitten in den Flammen unverletzt und unberührt. Voll Staunen sahen viele Bürger dieses auffällige Wunder und erhoben Gott preisend die unversehrten heiligen Reliquien aus der verglühenden Asche.

 

Ein Mädchen hatte unbefugt eine Partikel von den Reliquien heimlich weggenommen und ihrem Halsschmuck eingefügt, aber bei Tag und Nacht fand es keine Ruhe, bis es die gestohlene Reliquie zu den übrigen in die Kirche zurückgebracht hatte.

 

Ein Bild des heiligen Irmund zeigen noch die sehr alten Glasfenster der Pfarrkirche: das Haupt umstrahlt der Glorienschein, die Hand hält den Hirtenstab, am Eremitengewand glänzt ein großer Rosenkranz, an der Leine hält er einen Hund, viele Füllen, Kühe, Ferkeln und Esel umstehen ihn.

 

Noch in unseren Tagen gehen die frommen Landleute und Hirten gern zu dem St. Irmundsbrunnen und schöpfen des klare Wasser, das sich jahrelang ungetrübt erhält, in Gefäße, um es in gesunden und kranken Tagen für Menschen und Vieh verwenden.

 

Der selige Karl der Große, Deutscher Kaiser,

+ 28.1.814 - Fest: 28. Januar

 

In der langen Reihe deutscher Herrscher hat keiner den Kaiserthron so sehr geziert und der vollen Blüte des Christentums so eifrig gedient, als der erste deutsche Kaiser, Karl, mit vollem Recht „der Große“ genannt. So eifrig sich die Feinde des Christentums auch bemüht haben, die Verdienste Karls zu schmälern, seinen Lebenswandel zu verdächtigen und seine Taten herabzuwürdigen, so werden sie ihm doch kaum ein zweites Muster eines christlichen Regenten an die Seite stellen können. Hier soll nicht die Rede sein von seiner Weisheit und Festigkeit in seiner Regierung, nicht von seinen Großtaten in Kriegen und Schlachten, nicht von Deutschlands Größe und Machtstellung in der christlichen Welt, deren Gründer er war, vielmehr soll nur das berührt werden, was ihn groß und herrlich gemacht hat in den Augen Gottes.

 

Karl, 742 geboren, war ein Sohn des Frankenkönigs Pipin und der griechischen Prinzessin Bertha. Von seinen Eltern erhielt der reichbegabte Sohn eine sorgfältige Erziehung. Nach dem Tod seines mächtigen Vaters wurde er zum König gekrönt (768). Karls höchstes Ziel war das Glück seines Volkes, und da er erkannte, dass nur im Christentum das wahre Glück der Seelen, Bildung, Kunst und Wissenschaft gedeihen, so strebte er mit allem Eifer nach Ausbreitung der katholischen Kirche, die er wie seine eigene Mutter verehrte.

 

Da die Sarazenen in Spanien die Christen hart bedrängten, unternahm er gegen sie einen Feldzug. Dann wandte er sich gegen die kriegerischen Sachsen, die öfters verwüstend in sein Reich einfielen und die Glaubensboten ermordeten. Der Sachsenkrieg dauerte 32 Jahre und wurde seitens der heidnischen Sachsen mit großer Erbitterung geführt. Nachdem ihr Nationalheiligtum, die Irminsäule, zerstört war und ihr Herzog das Christentum angenommen hatte, pflanzte Karl überall das Kreuz auf und ließ Priester zurück, um das Volk zu unterrichten und mit den Segnungen des Christentums zu beglücken. Zweimal zog Karl mit seiner Heeresmacht über die Alpen, um die Päpste Hadrian I. und Leo III. vor den Bedrängungen der Langobarden zu schützen.

 

Im Jahr 800 feierte Karl das Weihnachtsfest in Rom. Während er, ganz in Andacht vertieft, im Hochamt demütig auf den Knien lag, trat Papst Leo III. vor ihn hin und setzte ihm feierlich die Kaiserkrone aufs Haupt. Der Petersdom widerhallte von dem begeisterten, tausendstimmigen Jubelruf des Volkes: „Leben und Sieg dem von Gott gekrönten Kaiser der Römer!“ War die Kaiserkrone durch die ohnmächtigen und selbstsüchtigen Cäsaren des Morgenlandes entweiht, so sollte sie auf dem Haupt des ersten abendländischen, römisch-katholischen Kaisers neuen Glanz entfalten. Um seinen Untertanen die Segnungen des christlichen Glaubens, der Bildung des Geistes und Herzens zuwenden, und selbst in den sittlichen und bürgerlichen Tugenden befestigt zu werden, berief er fromme und gelehrte Männer aus Italien und England an seinen Hof, errichtete 24 Klöster und stattete sie mit reichlichen Einkünften aus, stiftete zwei Erzbistümer und neun Bistümer, baute 27 neue Kirchen, versah sie mit reichem Schmuck und kostbaren Gefäßen, sorgte für die Würde und den Glanz des Gottesdienstes, führte einen erbaulichen Kirchengesang ein, errichtete zahlreiche Volksschulen, zwei Hochschulen zu Paris und Pavia, ließ viele Bücher abschreiben und errichtete Bibliotheken, wodurch kostbare Schätze der Wissenschaft der Nachwelt erhalten wurden.

 

Mit dem größten Eifer förderte Karl die christliche Lehre und Zucht. Die Bischofswahl legte er in die Hände der Geistlichkeit und des Volkes, die Verordnungen Roms waren für sein ganzes Reich maßgebend, den gregorianischen Kirchengesang verpflanzte er nach Frankreich und Deutschland, die Bischöfe und Äbte hatten Sitz und Stimme in den Reichsversammlungen, die Kirchengüter schützte er als Opfer der Gläubigen und Erbteil der Armen. Sobald sich Irrtümer zu verbreiten drohten, versammelte er die Bischöfe zum Konzil, um die rechte Lehre gegen Ketzerei zu schützen. Auf Zucht und fromme Sitte hielt er mit allem Eifer. Oft besuchte er die Schulen, belobigte die Fleißigen und tadelte die Trägen. Er wollte sein Volk nicht nur zeitlich, sondern auf ewig glücklich machen.

 

Zeigte sich Kaiser Karl als unbesiegbaren Kriegshelden, als weisen und tatkräftigen Herrscher, so glänzte er nicht minder durch seine Tugenden im Privatleben. Er beobachtete in Speise und Trank strenge Mäßigkeit, hielt die Fasten genau wie ein Mönch, trug, außer bei feierlichen Gelegenheiten, ein einfaches Kleid, das ihm seine Gattin Hermengarde gesponnen und gewebt hatte, und unter dem ein härenes Bußhemd. Täglich wohnte er dem Gottesdienst und in der Nacht dem Chorgesang bei, selbst auf seinen Feldzügen mussten ihn immer Geistliche begleiten und das heilige Messopfer im Feldlager halten. Mochte er noch so sehr beschäftigt sein in Staatsdiensten, niemals versäumte er seine religiösen Pflichten. Sehr gern beschäftigte er sich mit dem Lesen geistlicher Bücher, selbst während der Mahlzeit ließ er sich aus dem Werk des heiligen Augustinus, „die Stadt Gottes“, abschnitte vorlesen. Oft saß er zu den Füßen seines Lehrers Alkuin, um von ihm zu lernen. Allen Armen und Hilfsbedürftigen nicht nur in seinem weiten Reich, sondern auch in den fernsten Ländern, teilte er so reiche Almosen aus, dass sein Schatz oft erschöpft war.

 

Die letzten Lebenstage Karls des Großen wurden durch den schmerzlichen Verlust seiner beiden hoffnungsvollsten Söhne, Pipin und Karl, getrübt. Als er seinen baldigen Tod verspürte, ließ er seinen Sohn Ludwig nach Aachen kommen, versammelte die Bischöfe und Großen des Reiches in der prachtvollen, von ihm erbauten Marienkirche, legte seine Kaiserkrone auf den Altar, bestimmte Ludwig zu seinem Nachfolger und legte ihm feierlich seine Regentenpflichten ans Herz mit den Worten: „Liebe Gott und halte heilig seine Gebote! Trage Sorge für die Kirche Jesu Christi und schütze sie alle Zeit gegen Boshafte! Ehre die Priester als deine Väter und liebe die Untertanen wie deine Kinder! Den Klöstern und Armen sei ein Tröster, wähle nur gerechte und gottesfürchtige Richter und betrage dich selbst vor Gott und den Menschen unsträflich!“ Nachdem Ludwig dies zu befolgen mit lauter Stimme versprochen hatte, fuhr er fort: „Nimm nun die Krone vom Altar als aus der Hand Gottes, setze sie dir selbst auf zum beständigen Andenken an dein Gelöbnis!“

 

Nur wenige Monate nach der Krönung Ludwigs ergriff Karl ein heftiges Fieber. Da ließ er den Bischof Hildbold, seinen Vertrauten, rufen und empfing aus seiner Hand die letzte Wegzehrung. Am folgenden Morgen, den 28. Januar 814, fühlte er die Annäherung des Todes. Mit letzter Kraftanstrengung drückte er das Zeichen des heiligen Kreuzes auf Stirn und Brust, legte dann die Hände gefaltet auf der Brust zusammen und sang mit geschlossenen Augen und leiser Stimme: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!“

 

So entschlief der große Mann im zweiundsiebzigsten Lebensjahr, nach einer sechsundvierzigjährigen glorreichen Regierung. In vollem Kaiserschmuck, mit Krone und Zepter, ein goldenes Evangelienbuch auf den Knien, ein Stück des heiligen Kreuzes auf dem Haupt, die goldene Pilgertasche um die Hüfte, auf einem goldenen Stuhl sitzend, wurde er in der Gruft der Münsterkirche zu Aachen feierlich beigesetzt. Noch lange lebte der Name des großen Karl in den Sagen und Liedern des Volkes fort und viele Jahrhunderte hindurch knüpfte man alles Große und Schöne an den Namen Karls des Großen.

 

Der heilige Thomas von Aquin, Italien,

Priester, Bekenner und Kirchenlehrer,

+ 7.3.1274 – Fest: 28. Januar

 

Der berühmteste Gelehrte und Kirchenlehrer stammte aus dem lombardischen Adelsgeschlecht der Grafen von Aquino. Er wurde 1225 in Roccasecca geboren und schon mit fünf Jahren zur Erziehung in das Benediktinerkloster Montecassino gebracht. 1236 setzte er an der Universität in Neapel seine Studien fort und entschloss sich 1243, in den Dominikanerorden einzutreten.

 

Seine Brüder, die seinen Entschluss, Mönch zu werden, nicht billigten, entführten ihn und hielten ihn auf der väterlichen Burg gefangen. Durch List und mit Hilfe einiger Dominikaner konnte Thomas aus dieser Haft entkommen. Im selben Jahr schickte sein Orden ihn zum Studium an die berühmte Pariser Hochschule.

 

Von dort zog er 1248 mit seinem Lehrer Albertus Magnus an die neugegründete Universität in Köln. Nach vier Jahren intensiver Studien begann er mit philosophisch-theologischen Vorlesungen seine eigene Lehrtätigkeit in Paris. Von Papst Urban IV. gerufen, leitete er von 1259-1269 die Ordensschulen in Orvieto, Viterbo und Rom; ab 1269 lehrte er wieder in Paris. In dieser wissenschaftlich sehr fruchtbaren Zeit entstand auch seine bedeutsamste Schrift: „Summa theologiae“, die als das Hauptwerk der Scholastik gilt.

 

1272 kehrte er nach Neapel zurück und reiste zwei Jahre später auf Wunsch Gregors X. zum Konzil nach Lyon. Unterwegs starb er am 7. März 1274 im Zisterzienserkloster Fossanova.

 

„Zwei seiner Brüder, Landulph und Raynald, welche bei der Armee des Kaiser Friedrich II. dienten, hatten von dieser Reise Kunde erhalten; sie ließen daher alle Wege so sorgfältig bewachen, dass Thomas bei Acqua-Pondente gefangen und ihnen ausgeliefert wurde. Sie versuchten ihn zur Ablegung des Kleides, das er trug, zu bewegen; allein der junge Novize erklärte standhaft, dass ihn nichts dahin bringen könne. Sie brachten ihn daher in seinem Ordenskleid auf das Schloss Monte San Giovanni, das seiner Familie gehörte. Seine Mutter war hoch erfreut, ihn bei sich zu haben, und schmeichelte sich mit dem Gedanken, dass man ihn schon allmählich zur Wahl eines anderen Standes überreden werde. Unter dem Vorwand, dass er ohne die Einwilligung seiner Eltern über seine Freiheit verfügt habe, versuchte sie ihn zu bereden, er gehe nicht den Weg, der ihm von der Vorsehung bestimmt sei. Sie folgerte sodann, dass er sich umsonst auf den Ruf des Himmels stütze, weil dieser dem Gesetz nicht widersprechen könne, welches die Kinder verpflichte, nichts ohne die Zustimmung der Eltern zu tun. Die Mutter brachte noch andere Gründe vor, denen sie durch Bitten, Tränen und Liebkosungen neue Kraft zu geben wusste. Man weiß, wie beredt die Natur in solchen Umständen ist. Thomas blieb nicht ungerührt bei dem Schmerz seiner Mutter; allein dieses Gefühl wusste er in den Schranken der Pflicht zu halten. Er antwortete ihr mit bescheidener und ehrfurchtsvoller Festigkeit, er habe alles wohl erwogen, sein Beruf komme gewiss von Gott und er sei entschlossen, demselben, was es ihn auch kosten möge, zu folgen. Die Gräfin, da sie ihre Hoffnung vereitelt sah, geriet in heftigen Zorn, machte ihrem Sohn die bittersten Vorwürfe, ließ ihn in enge Verwahrung bringen, und erlaubte nur seinen zwei Schwestern, ihn zu besuchen und mit ihm zu sprechen.

 

Man stelle sich die Anstürme vor, welche Thomas von Seiten seiner Schwestern zu bestehen hatte. Sie griffen seine Standhaftigkeit mit allen Mitteln an, welche die Zärtlichkeit zu erfinden vermag. Sie schilderten ihm vor allem in den lebhaftesten Farben den Schmerz der trostlosen Mutter, der durch nichts als seine Rückkehr geheilt werden könne. Der Heilige, stets unerschütterlich, antwortete nur durch ergreifende Reden über die Verachtung der Welt und die Liebe zur Tugend.

 

Unterdessen kamen Landulph und Raynald vom Heer zurück und fanden bei ihrer Ankunft ihre Mutter ganz in Trostlosigkeit versunken, Thomas aber eben noch so fest entschlossen wie vorher. Diese Lage, die sie vielleicht nicht erwarteten, brachte sie auf Ideen, welche die Menschlichkeit sowohl als auch die Religion missbilligten. Die erste gewalttätige Handlung, die sie an ihm verübten, war, dass sie ihn in den Schlossturm sperrten. Sein Ordenskleid zerrissen sie in Stücke, überhäuften ihn mit Schmähungen und fügten ihm tausend andere Misshandlungen zu. Da nichts imstande war, den Heiligen zu erschüttern, benützten sie ein Mittel, das ihnen nur der Geist der Finsternis eingeben konnte. Sie führten eine der schönsten Buhlerinnen des Landes in sein Gemach und versprachen ihr eine große Belohnung, wenn sie ihn verführen würde. Diese Unglückselige bot alles auf, was eine solche Frau durch List und Unverschämtheit vermag. Thomas, obgleich bestürzt über die Gefahr, in welcher er seine Unschuld ausgesetzt sah, verlor den Mut nicht. In demütigem Misstrauen zu sich selbst, rief er den Gott der Reinheit um Beistand an. Dann ergriff er einen glühenden Brand, ging auf die schändliche Buhlerin los und jagte sie mit dieser Waffe zum Zimmer hinaus.

 

Es verflossen ein oder sogar nach einigen Schriftstellern zwei Jahre und Thomas war noch im Schloss eingekerkert. Papst Innozenz IV. und Kaiser Friedrich II., die von der grausamen Verfolgung, welche er leiden musste, Nachricht erhielten, verwendeten sich mit vieler Anteilnahme für dessen Befreiung. Sie ließen bei seiner Mutter und seinen Brüdern für ihn sprechen, so dass diese endlich auch zu menschlicheren Gesinnungen zurückkehrten. Die Gräfin schien sogar nicht abgeneigt, heimlich die Flucht ihres Sohnes zu begünstigen. Die Dominikaner von Neapel, von ihrer Denkweise benachrichtigt, schickten einige Ordensbrüder verkleidet in das Schloss Monte San Giovanni; diese fanden sich zur bestimmten Stunde am Turm ein, empfingen den Heiligen, den seine Schwester in einem Korb hinabließ, in ihre Arme, und führten ihn freudevoll in ihr Kloster. Thomas legte im folgenden Jahr die Gelübde ab. Der Tag, an dem er Gott das Opfer seiner Freiheit darbrachte, schien ihm der schönste seines Lebens; er brachte ihn zu in den Übungen der innigsten Frömmigkeit. Indessen missbilligten es seine Mutter und seine Brüder laut, dass er die Gelübde abgelegt habe; sie unterschoben ihm niedrige Beweggründe, und brachten ihre Klagen vor den Heiligen Stuhl. Der Papst berief sogleich den jungen Ordensmann nach Rom, um seine Berufung zum Klosterstand zu prüfen. Seine Antworten befriedigten ihn auf das vollkommenste, und seine Tugenden setzten ihn in Erstaunen. Er billigte dessen gewählte Lebensweise und erlaubte ihm, darin zu beharren. Seit dieser Zeit ward unser Heiliger nicht mehr durch seine Familie beunruhigt.

 

Da unterdessen der Dominikanergeneral Johannes Teutonius eine Reise nach Paris machte, nahm er unseren Heiligen mit sich. Danach schickte er ihn nach Köln, wo Albert der Große Theologie lehrte. Thomas wohnte den Vorträgen dieses trefflichen Lehrers bei und widmete alle Zeit, die ihm die Religionspflichten übrig ließen, den höheren Wissenschaften. An seiner Lernbegierde hatte aber Ruhmsucht nicht den mindesten Anteil, und die außerordentlichen Fortschritte, welche er bald machte, wusste seine Demut zu verbergen. Aus demselben Beweggrund beobachtete er auch ein strenges Stillschweigen, welches aber seine Mitschüler als Stumpfsinn ansahen. Man nannte ihn daher spottweise den stummen Ochsen, oder den großen Ochsen aus Sizilien. Es ereignete sich sogar einmal, dass sich einer seiner Mitschüler anbot, ihm den Lehrvortrag zu erklären, um ihm dessen Verständnis zu erleichtern. Thomas nahm mit innigem Dankgefühl das Angebot an, obgleich er damals schon Lehrer der andern hätte sein können. Eine solche Demut war um so verdienstvoller vor Gott, als studierende Jünglinge sonst geneigt sind, ihre Fähigkeiten glänzen zu lassen, und ihre Überlegenheit gegenüber anderen zu zeigen. Allein Gott, der seine Diener umso mehr zu verherrlichen weiß, als sie von aller Ruhmbegierde entfernt sind, fügte es, dass man bald in dem Heiligen einen großen und durchdringenden Geist, der mit vielen Kenntnissen und einer gründlichen Beurteilungskraft ausgestattet war, erkannte. Als ihn Albert über sehr dunkle Gegenstände fragte, antwortete er mit solcher Richtigkeit und Kürze, dass alle Zuhörer in Verwunderung gerieten und Albert selbst vor Freude entzückt, ausrief: „Wir nennen Thomas den stummen Ochsen, allein seine Gelehrsamkeit wird einst brüllen, dass man ihn auf der ganzen Erde hören wird.“

 

Zahlreiche Attribute werden dem Heiligen zugeordnet. Dargestellt wird er im weißen Dominikanerhabit mit Skapulier und Kapuze, ein offenes Buch haltend. Kelch und Monstranz in seinen Händen sollen an seine innige Frömmigkeit, an seine Hymnen und an das Fronleichnamsoffizium, das er verfasst hat, erinnern. Die Taube am Ohr ist das Symbol für seine übernatürliche Erleuchtung, und die Lilie in seiner Hand deutet auf sein engelgleiches reines Leben hin. Mitra und Stab zu seinen Füßen zeigen an, dass er alle kirchlichen Ämter und Würden abgewiesen hat. Sein ganz besonderes Kennzeichen ist jedoch ein Stern oder ein Edelstein oder eine Strahlensonne, die er auf der Brust trägt.

 

Thomas von Aquin ist der Patron aller katholischen Hochschulen, der studierenden Jugend, der Buchhändler und Bleistiftfabrikanten. Er schützt die Keuschheit und hilft gegen Blitz und Sturm.

 

Weil der bisherige Festtag, der 7. März, wegen der Fastenzeit oft nicht gefeiert werden konnte, wurde der Gedenktag auf den 28. Januar verlegt.

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Der heilige Thomas von Aquin, ein Nachkomme aus dem edlen Geschlecht der Grafen von Aquin in Mittelitalien, gilt als einer der größten Gottesgelehrten aller Zeiten. Als er 1274 im Alter von erst fünfzig Jahren starb, hinterließ er über zwanzig dicke Bücher. Diese hatte er so gut und treffend geschrieben, dass auf ihnen zusammen mit der Heiligen Schrift heute noch die gesamte katholische Glaubenslehre wie auf einem festen und sicheren Fundament begründet ist.

 

Thomas war erst fünf Jahre alt, als ihn die Eltern zur Erziehung in das berühmte Benediktinerkloster auf dem Cassinoberg zwischen Rom und Neapel brachten, wo zu jener Zeit sein Onkel Sinnibald Abt war. Vater und Mutter, kluge Leute, hatten im Herzen den stillen Wunsch, ihr Sohn solle später des Onkels Nachfolger in der Leitung des mächtigen Klosters werden. Es kam aber anders. Nachdem Thomas seine Studien abgeschlossen hatte, trat er in den Bettelorden der Dominikaner ein. Die Eltern und Geschwister waren entsetzt über diesen Schritt, denn da stürzten mit einem Schlag alle ehrgeizigen Zukunftspläne zusammen. In ihrer Wut bemächtigten sie sich des jungen Ordensmannes, rissen ihm das Ordenskleid in Fetzen vom Leib und hielten ihn ein ganzes Jahr lang im Turm eines ihrer Schlösser gefangen. Thomas ließ sich dadurch jedoch in seinem Sinn nicht irremachen.

 

Die Freiheitsberaubung des jungen Ordensmannes durch die eigene Familie hat in der damaligen Welt viel Staub aufgewirbelt, so dass schließlich sogar Papst und Kaiser eingriffen, bis endlich wenigstens die Mutter Verstand annahm und dem Eingekerkerten zur Flucht verhalf. Thomas begab sich daraufhin nach Paris und nach Köln am Rhein. Dort wollte er unter der Leitung des heiligen Albert des Großen, des angesehensten Gelehrten seiner Zeit, die unterbrochenen Studien vollenden. Damals trug sich auch die folgende Begebenheit zu.

 

Thomas, der ein Riese von Gestalt war, etwas dickleibig und im Auftreten unbeholfen und schwerfällig, der wenig sprach und ohne Hintergedanken wie ein Kind jedem traute, galt anfangs als ein Dummkopf, der von den Mitschülern gerne geärgert wurde. Einmal rief ihm ein Mitschüler scherzend zu: „Thomas, komm, komm schnell! Schau, da fliegt ein Ochse durch die Luft!“ Thomas hastete herbei und suchte mit seinen Augen fieberhaft den Himmel ab. Da lachten ihn natürlich alle aus. Nur der Gehänselte lachte nicht, sondern sagte im heiligen Ernst: „Eher sollte man glauben, dass ein Ochse durch die Luft fliegt, als dass der Mund eines Christen lügt.“ So streng urteilte ein Heiliger über eine Lüge, die nicht einmal eine Sünde ist; denn solange man eine Lüge fühlen kann, ist sie nicht sündhaft. Schöner und geradliniger ist es allerdings, wenn man überhaupt nicht lügt, auch nicht aus Scherz.

 

Aus der Studienzeit von Köln wird vom heiligen Thomas noch eine andere Geschichte berichtet. Einmal musste er nämlich, als die Reihe an ihn kam, während des Essens bei Tisch vorlesen, wie es in den Klöstern üblich ist. Plötzlich schellte der Obere und tadelte den Vorleser, weil er ein Wort falsch ausgesprochen habe. Thomas berichtigte sofort den gerügten Fehler, obwohl er wusste, dass sich der Obere in diesem Fall irrte. Als ihm nachher die Mitschüler sagten, das hätte er nicht tun dürfen, weil er doch im Recht und der Vorgesetzte im Unrecht war, entgegnete der Heilige: „Es liegt nicht viel daran, ob ein Wort richtig oder falsch ausgesprochen wird, wohl aber liegt sehr viel daran, dass man gehorsam ist.“ Da können sich an Thomas jene ein Beispiel nehmen, die, meist zu Unrecht, klüger sein wollen als die Eltern und Lehrer.

 

Aus dem scheinbar einfältigen Studenten Thomas von Aquin ist später, wie bereits erwähnt, einer der tiefsinnigsten Gottesgelehrten aller Zeiten geworden, dessen Ruhm bis heute noch die Welt erfüllt. Als es dann mit ihm zu Ende ging, fragte ihn im Angesicht des Todes ein Mitbruder: „Thomas, nun sage uns noch das eine! Was ist dir bei all deinem Wissen das Unbegreiflichste gewesen?“ Auf diese Frage gab der Gelehrte eine ganz schlichte Antwort, die jedes Kind versteht, denn er erwiderte: „Das, was ich nie verstanden habe, ist die Tatsache, dass sich ein Mensch abends zur Ruhe legt mit einer schweren Sünde auf dem Herzen. Das habe ich wirklich nie begreifen können.“

 

St. Thomas von Aquin

 

Dem Orden des hl. Dominikus gebührt der Ruhm, unter die Schar seiner Mönche den größten Gottesgelehrten aller Zeiten und Nationen zu zählen, einen Mann, der viel genannt wurde, da durch eine Verfügung des Heiligen Vaters Pius X. seine Werke neuerlich allen Theologiestudierenden dringendst zum intensivsten Studium anempfohlen wurden, da sie hervorragenderweise geeignet sind, den Priestern jene tiefe philosophische Bildung zu geben, die nötig ist, um den modernen Irrtümern gewappnet entgegentreten zu können. Dieser Mann ist Thomas von Aquin, geb. 1226, gest. 1274.

 

Thomas war der Sohn des Grafen von Aquin, Herrn von Loretto und Bebastro, der aus königlichem Geblüt stammte und mit Kaiser Friedrich II. verschwägert war. Auf dem Schloss Roccasicca wuchs der Junge bis zu seinem 5. Lebensjahr heran, dann wurde er in die Klosterschule der Mönchsburg Monte Cassino gebracht, um hier die Grundbildung in allen Wissenschaften zu empfangen. Schon da erkannten seine Erzieher, dass dieses Kind von Gott mit ganz außergewöhnlichen Talenten und Gnadenvorzügen bedacht sei. Nach sechs Jahren erklärten sie, dass der Junge in Monte Cassino nichts mehr zu lernen habe, dass der Zwölfjährige für die Hochschule reif sei. Der Graf holte seinen Sohn heim, er sollte einige Zeit die Freiheit und die Freuden der Jugend genießen. Alles war alsbald über Thomas entzückt. Seine Liebenswürdigkeit und Anmut, seine Sanftmut und Frömmigkeit gewann ihm aller Herzen. Auch am väterlichen Schloss, wo es an Festen und Zerstreuungen nicht fehlte, studierte er weiter und schien überhaupt dem höfischen Treiben wenig Gefallen abzugewinnen. Zwei Jahre später bezog Thomas die Universität in Neapel. Hier ging er bereits ganz andere Wege als die übrigen Studenten, die ihn umsonst zu ihrem tollen Leben zu gewinnen versuchten. Die Zeit teilte er sich in Studium und Gebet und nichts liebte er mehr, als vor einem Tabernakel die Liebe und Weisheit des Heilandes zu betrachten. Die Erholungszeit verbrachte der junge Mann gerne in einem neugegründeten Dominikanerkloster, dessen innigfromme, hochgelehrte Priester ihn ungemein anzogen. Und doch kam es aller Welt unerwartet, als es eines Tages hieß, der Sohn des Grafen von Aquin ist Novize eines Bettelordens geworden. Ohne Wissen der Eltern, deren Einwilligung er nie erhalten hätte, aber in vollster Überzeugung eines gottgewollten Berufes, hatte Thomas den entscheidenden Schritt getan. Um ihn vor Verfolgung zu schützen, sandten die Oberen den jungen Mann über Rom nach Paris. Doch unterwegs lauerten ihm seine zwei Brüder auf, die im kaiserlichen Heer dienten, und brachten ihn gefangen nach Roccasicca. Eltern und Geschwister versuchten durch alle Mittel, durch Güte wie auch durch Misshandlung seinen Sinn zu ändern – umsonst! So flammend sprach er von der Liebe Gottes und den ewigen Gütern, dass er dadurch sogar seine älteste Schwester, die bereits verlobt war, zu dem Entschluss brachte, sich gleich ihm Gott zu weihen. Diese Schwester war es auch, die ihn nach zwei Jahren rettete, indem sie ihn in einem Korb vom Gefangenenturm in die Tiefe ließ, wo ihn Dominikaner erwarteten. Bald darauf legte Thomas die heiligen Gelübde ab. Die Eltern klagten nun ihren unbotmäßigen Sohn beim Heiligen Vater an, der Thomas kommen ließ und seinen Beruf prüfte. Er erkannte klar die Heiligkeit und Unschuld des Verfolgten, nahm sich seiner an und seit der Zeit beunruhigte ihn seine Familie nicht mehr. – So ist es immer: schenkt Gott jemand wirklich einen hohen Beruf und türmen sich Berge vor dem Ziel, der den Beruf gibt, gibt die nötige Kraft und räumt die Hindernisse beiseite, wenn es Zeit ist.

 

Nun reiste der junge Ordensmann nach Köln, um die Vorträge des weltberühmten Dominikaners Albertus Magnus zu hören. Später folgte er diesem Meister der Scholastik nach Paris. Unermüdlich studierte Thomas unter der großartigen Anleitung und der Meister sah bald in ihm den Stern, der seine eigene Wissenschaft überstrahlen würde. Nicht kleinere Fortschritte machte er in der Heiligkeit. Stieß er im Studium auf Schwierigkeiten, so eilte er zum Tabernakel oder unter das Kreuz. Im Gebet fand er alle Erleuchtung, das demütige Gebet war die Quelle seines erhabenen Wissens. So erklärte Thomas später einmal, er habe weniger aus Büchern als zu Füßen des Gekreuzigten gelernt.

 

Mit 22 Jahren wurde Thomas zum Lehrer in Köln ernannt und empfing bald darauf die heilige Priesterweihe. Das heiligste Sakrament des Altares ist fortan der Mittelpunkt in des Heiligen innerem und äußerem Leben. Thomas ist ein Heiliger der Eucharistie. Bei der heiligen Messe flossen immer reichlich seine Tränen. Stundenlang, auch des Nachts, kniete er, in Liebe und Anbetung versunken, vor einem Tabernakel. Was er da dachte und fühlte, das legte er in seinen Schriften über die heilige Eucharistie nieder, das quoll wohl auch als Hymne von seinen Lippen, und wer diese heiligen Gesänge heute hört, meint, sie seien den Engeln im Himmel abgelauscht worden. So der Hymnus aus der Messe am Gründonnerstag: „Pange lingua gloriosi . . . Preiset, Lippen, das Geheimnis“, dessen letzte zwei Strophen „Tantum ergo . . .“ und „Genitori, Genitoque . . .“ bei jedem feierlichen Segen angestimmt werden. Dann die herrliche Sequenz von der Fronleichnamsmesse, die das Geheimnis der heiligen Eucharistie in ganzer Vollständigkeit und schlichter Erhabenheit besingt: „Lauda Sion, Salvatorem . . . Deinem Heiland, deinem Lehrer . . .“, dann die zwei Lobgesänge von der Fronleichnamsprozession: „Sacris Solemniis juncta sint gaudia . . . Lasset am heiligen Fest heut uns fröhlich sein . . .“, „Verbum supernum prodiens . . . Das ew`ge Wort im Himmel hoch . . .“ und endlich der „Hymnus zum heiligsten Sakrament“, dem ein Teilablass verliehen ist, so er nach der heiligen Kommunion gebetet wird. Dieses weniger bekannte, innigfromme Lied lautet:

 

„In Demut bet` ich dich, verborgne Gottheit, an,

Die du den Schleier hier des Brotes umgetan.

 

Mein Herz, das ganz in dich anschauend sich versenkt,

Sei ganz dir untertan, sei ganz dir hingeschenkt.

 

Gesicht, Gefühl, Geschmack betrügen sich in dir,

Doch das Gehör verleiht den sicheren Glauben mir.

 

Was Gottes Sohn gesagt, das glaub` ich hier allein,

Es ist der Wahrheit Wort, und was kann wahrer sein?

 

Am Kreuzesstamme war die Gottheit nur verhüllt,

Hier hüllt die Menschheit auch sich gnädig in ein Bild;

 

Doch beide glaubt mein Herz und sie bekennt mein Mund,

Wie einst der Schächer tat in seiner Todesstund`.

 

Die Wunden seh` ich nicht, wie Thomas einst sie sah;

Doch ruf` ich: Herr, mein Gott, du bist wahrhaftig da!

 

O gib, dass immer mehr mein Glaub` lebendig sei;

Mach` meine Hoffnung fest, mach` meine Liebe treu.

 

O, Denkmal meines Herrn an seinen bittren Tod,

O lebenspendendes und selbst lebend`ges Brot!

 

Gib, dass von dir allein sich meine Seele nährt

Und deine Süßigkeit stets kräftiger erfährt.

 

O, guter Pelikan, o Jesu, höchstes Gut!

Wasch` rein mein Herz mit deinem teuern Blut;

 

Ein einz`ger Tropfen macht die ganze Erde neu,

Wascht alle Sünder rein, stellt alle schuldenfrei.

 

O Jesu, den verhüllt jetzt nur mein Auge sieht,

Wann stillst das Sehnen du, das in der Brust mir glüht,

 

Dass ich enthüllet dich anschau` von Angesicht

Und ewig selig sei in deiner Glorie Licht? – Amen.“

 

Von Köln weg, wo der junge Lehrer hohe Berühmtheit erlangt hatte, kam er als Lehrer der Theologie nach Rom. Hier wie dort gewann er die weitesten Massen durch seine unvergleichlichen, zündenden Predigten. Auch seine Angehörigen durfte er Gott zuführen. Neben dem anstrengenden Beruf eines Hochschullehrers schrieb Thomas unermüdlich Werke über Philosophie und Theologie, in denen er sein gotterleuchtetes Wissen niederlegte. Bis zu seinem Ende blieb Thomas so demütig, dass er alle Ehrenstellen, die ihm vom Papst angetragen wurden, zurückwies.

 

Über seine Werke war er oft unruhig, ob sie doch – alle die 18 Folianten – nichts gegen die katholische Lehre enthielten. Gott selbst gab ihm Antwort. Als er einst in Neapel vor einem Kruzifix betete, fiel er in Extase und hörte die Worte: „Thomas, du hast gut von mir geschrieben; welche Belohnung begehrst du dafür?“ Da erwiderte der Heilige: „Keine andere, als dich, o Herr!“ – Und der große Lohn kam bald. Von übergroßer Geistesarbeit geschwächt, begann Thomas zu kränkeln. Der Papst sandte ihn als Verteidiger der katholischen Lehre gegen die Griechen zum Konzil von Lyon (1274). Unterwegs erkrankte der Heilige so heftig, dass er in der Zisterzienser-Abtei in Fossa Nuova die Fahrt unterbrechen musste. Als er die Pforte durchschritt, sagte er: „Hier ist der Ort meiner Ruhe für alle Zeit!“ Schnell schwanden trotz der besten Pflege seine Lebenskräfte und nach einer allgemeinen Beichte und der mit der Andachtsglut eines Heiligen empfangenen heiligen Wegzehrung verschied der Fürst der Gottesgelehrten sanft und leicht.

 

Er wurde 1567 von Pius V. zum Doctor ecclesiae (Kirchenlehrer) und 1880 von Leo XIII. zum „Patron der studierenden Jugend und der Schulen“ ernannt. Er heißt auch „Doctor angelicus“ – der englische Kirchenlehrer – da er durch eine besondere Gnade keine Anfechtungen gegen seine Unschuld zu leiden hatte.

 

Die heiligen Thyrsus, Leucius und Kallinikus,

Martyrer von Apollonia, Klein-Asien,

+ 249-251 – Fest: 28. Januar

 

In jenen jammervollen Zeiten, wo der grausame Kaiser Decius die christliche Religion und ihre Bekenner wütend verfolgte und sie ganz von der Erde zu tilgen suchte, standen drei Männer von hohem Ansehen auf und kämpften gegen dieses schreckliche Unternehmen. Sie nannten sich Leucius, Thyrsus und Kallinikus und waren in Bithynien geboren. Damals kam von Nikomedia der heidnische Richter Cumbricius nach Cäsarea, wo schon so viele Christen für ihren Glauben ihr Blut vergossen hatten und stellte auf öffentlichen Plätzen die Götzenbilder auf, um die Gläubigen entweder durch Versprechungen oder Drohungen zum Abfall zu zwingen. Aus Furcht vor Todesqualen und ausgesuchten Martern wankten schon viele Bekenner in ihrer Standhaftigkeit, als sich Leucius, ein weiser und hochgeachteter Mann, durch die Menge der Anwesenden drängte und den Richter so anredete: „Wie ist es möglich, Cumbricius, dass du nicht nur allein zu deiner ewigen Verdammung, sondern auch zum Verderben so vieler unschuldigen Seelen verlangen kannst, dass steinernen und hölzernen Bildern Opfer gebracht werden, die nur dem wahren Gott gebühren? Komm zurück von deiner Verblendung, öffne deine Augen der Wahrheit, erkenne den einzigen Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat!“

 

Über diese Worte ergrimmte der Heide und befahl, den Frevler so lange zu schlagen, bis er den Göttern opfern würde. Aber der heilige Martyrer flohlockte während seines Leidens, bekannte laut und standhaft den Namen Jesus und so wurde er halbtot auf den Richtplatz geschleppt und enthauptet. Auf dem Rückweg begegnete Thyrsus, ein angesehener Magistratsrat, dem Cumbricius, schimpfte ihn einen Mörder treuer und redlicher Bürger und fragte ihn, welche Verbrechen Leucius und die übrigen begangen hätten, dass sie wie die schändlichsten Missetäter hingerichtet werden? Ihm antwortete der Richter, dass er vom Kaiser die strengsten Befehle habe, alle Christen mit Feuer und Schwert zu verfolgen. „Nun so vollziehe“, sprach Thyrsus, „diesen Befehl auch an mir; denn auch ich bin ein Christ!“ Sogleich ließ ihn der Richter auf die Erde werfen, ihm die Haut von Händen und Füssen reißen, die Augenwimpern herausschneiden und seine Augen durchstechen. Der Martyrer litt diese Qualen mit freudiger Standhaftigkeit und erregte dadurch so sehr den Zorn des Cumbricius, dass er ihm siedendes Blei in den Mund und in die Ohren gießen und, als ihn dieses nicht verletzte, in das Gefängnis werfen ließ. Da fiel Thyrsus auf seine Knie und weil er noch nicht getauft war, flehte er zu Gott, dass er ihn vor seinem Todeskampf noch würdigen wolle, die heilige Taufe zu empfangen. Mitten in der Nacht öffnete der Engel Gottes die Tür des Kerkers und der Gefangene eilte zu dem Bischof Phileas von Cäsarea, der ihm die heilige Taufe erteilte und ihn so sehr im Glauben stärkte, dass er aus Sehnsucht nach dem Martertod freiwillig wieder in sein Gefängnis zurückkehrte.

 

Unterdessen erbat sich ein persischer Graf, Sylvanus mit Namen, ein blutdürstiges Ungeheuer, vom Kaiser die Erlaubnis, den Thyrsus durch die ausgesuchtesten Peinen zur Verleugnung seines Glaubens zwingen zu dürfen, und als als er die erhalten hatte, wurde der Martyrer nach Nicäa geführt und dem Sylvanus übergeben, der alle seine Beredsamkeit anwendete, ihn zum Götzenopfer zu bewegen. Thyrsus schien einzuwilligen und er wurde in den Tempel des Apollo gebracht, wo alles zu einem feierlichen Opfer bereitet war. Vor der Bildsäule des Götzen flehte der Heilige zu seinem Gott und sie stürzte in Trümmern zu Boden und die Heiden flohen bestürzt und unter lautem Geheule aus dem Tempel. Vor Scham und Wut sich seiner nicht mehr mächtig, ließ Sylvanus den Christen auf eine Folter werfen, seinen Körper mit Messern zerfleischen und ihn zuletzt mit dem Kopf in ein Gefäß voll siedenden Wassers stürzen, das aber zersprang und ihn nicht verletzte. Nun wurde er den wilden Tieren preisgegeben und als ihn diese nicht berührten, schrie Kallinikus, der Oberste der Götzendiener laut auf: „Groß und mächtig ist der Gott der Christen!“ und warf seine Priesterkleidung von sich und bekannte Jesus als den wahren Gott. Er wurde auf der Stelle enthauptet und Thyrsus zur schrecklichen Pein verurteilt, dass sein Körper sollte von oben bis unten entzwei gesägt werden. Die Henker konnten aber diese Strafe an ihm nicht vollziehen, denn aller Anstrengungen ungeachtet blieben ihre Arme wie gelähmt. Mehrere Heiden bekehrten sich bei diesem Wunder zum Christentum und der heilige Martyrer dankte freudig Gott und betete: „In deine Hände, o Jesus, empfehle ich nun meinen Geist“, und starb am 28. Januar im Jahr 254.

 

29. Januar

 

Der heilige Aquilin, Priester von Würzburg und Martyrer bei Mailand,

+ 29.1.786 - Fest: 29. Januar

 

Dieser heilige Märtyrer wurde um das Jahr 970 in Würzburg geboren, studierte in Köln und hatte in dieser Stadt auch eine Kanonikerstelle inne. Von Köln aus ging er zunächst nach Paris und von dort wiederum nach Oberitalien, wo er, wahrscheinlich auf einer Reise nach Rom, in Mailand um 1015 von den Manichäern getötet wurde.

 

Dargestellt wird Aquilin mit dem Schwert im Hals, weil ihm die Kehle durchschnitten worden war. Im Bistum Würzburg ist sein Fest ein nichtgebotener Gedenktag.

 

Der heilige Valerius, Apostelschüler und 2. Bischof von Trier,

+ 1. Jhd. – Fest: 29. Januar

 

Der heilige Valerius, ein Schüler des Apostels Petrus, ging mit anderen frommen Männern als Glaubensprediger nach Frankreich, und als er nach Trier kam und auf öffentlichem Platz Jesus den Gekreuzigten verkündete, hoben die Heiden Steine auf, um ihn zu töten. Aber sie konnten ihre Hände nicht bewegen, bis der Heilige sie segnete. Durch dieses Wunder bekehrten sich viele und Valerius blieb in Trier bis zum Tod des dortigen Bischofs Eucharius, zu dessen Nachfolger er gewählt wurde. Fünfzehn Jahre lang stand er dieser Würde vor und bekehrte so viele Heiden zum Glauben an den wahren Gott, dass seine Gemeinde die zahlreichste unter allen von Frankreich und Deutschland war. Unermüdet wachte er mit apostolischem Eifer für das Seelenheil seiner Christen und jede Stunde, die ihm von seinen Geschäften frei blieb, weihte er der Betrachtung und dem Gebet. Seine Predigten waren ein Strom, der alle Herzen dahinriss und dem die verhärtetsten Sünder nicht zu widerstehen vermochten und sein Leben war so tadellos, dass seine Todfeinde an ihm nichts auszusetzen fanden.

 

Der heilige Oberhirt war schon im Greisenalter und in segensvoller Blüte stand die Kirche in Trier, als ihm einst im Schlaf der heilige Eucharius erschien und ihn so anredete: „Mein lieber Bruder! Es naht sich die Zeit deiner Auflösung und deiner wartet der Lohn der Gerechtigkeit. In fünf Tagen wirst du um diese Stunde im Herrn entschlafen. Weihe deswegen deinen Gehilfen im heiligen Amt, den Maternus, zu deinem Nachfolger und eröffne ihm meine Erscheinung.“ Nach diesen Worten verschwand er. Sogleich am anderen Tag verkündigte der heilige Valerius den Brüdern mit vor Freude glänzenden Augen seine Sterbestunde und erteilte mit der größten Feierlichkeit dem Maternus die bischöfliche Weihe, wobei er ihn mit Tränen beschwor, keine der ihm anvertrauten Seelen durch Nachlässigkeit verderben zu lassen. Die übrige Zeit verharrte er unter strengem Fasten im Gebet und am fünften Tag hielt er die letzte Rede an die versammelten Christen, in welcher er in hoher Begeisterung von dem unaussprechlichen Lohn sprach, welcher die Tugend im ewigen Vaterland krönt. Dann feierte er das allerheiligste Opfer und am Ende desselben gab er in den Armen seiner Jünger den Geist auf am 29. Januar um das Ende des 1. Jahrhunderts. Sein Leichnam wurde im Grab des heiligen Eucharius beigesetzt.

 

Der heilige Constantius, Bischof und Martyrer von Perugia, Italien,

+ 161-180 – Fest: 29. Januar

 

Im Anfang des 2. Jahrhunderts lebte zu Perugia in Hetrurien eine adelige Familie, die sich durch hohe Geburt sowohl als Reichtum, noch mehr aber durch Frömmigkeit vor allen übrigen auszeichnete. Constantius war der einzige Sohn dieser gottseligen Eltern, für dessen fromme Erziehung und wissenschaftliche Bildung sie ihre größte Sorgfalt verwendeten und schließlich gottselig starben. Mit Furcht betrachtete der verwaiste Sohn die ihm hinterlassenen Reichtümer und genoss nicht eher den Seelenfrieden, als bis er sie als Hindernisse, zur christlichen Vollkommenheit zu gelangen, unter die Armen verteilt hatte. Dann widmete er sich dem Dienst Gottes mit reinem Herzen, empfing die heiligen Weihen und wurde im dreißigsten Jahr seines Lebens wegen seiner hohen Tugenden zum Bischof von Perugia gewählt. Er erhielt und bekräftigte seine Christen in der heiligen Religion nicht bloß durch seine Predigten und Ermahnungen, sondern vorzüglich durch das Beispiel seines frommen, gottseligen Lebens. Beinahe alle Heiden seines Sprengels hatte er zur Anbetung des wahren Gottes geführt und seine Wohnung war die Zuflucht der Armen und Trostlosen. Gott verherrlichte ihn mit der Gabe der Wunder und der Ruf seiner Heiligkeit verbreitete sich in den entferntesten Gegenden und von allen Seiten strömten Menschen herbei, um entweder seinen Rat in ihren Anliegen oder seine Hilfe in ihren Bedrängnissen zu erflehen. Unter den vielen Unglücklichen, die der heilige Oberhirt durch sein Gebet von Krankheiten befreite, befand sich auch eine Frau, Attasia mit Namen, die schon mehrere Jahre blind war. Vertrauensvoll warf sie sich dem Diener Gottes zu Füßen und sprach: „Erbarme dich meiner; denn weder die Kunst der Ärzte, noch die Opfer, die ich den Göttern brachte, heilten mich von meiner Blindheit!“ Constantius erwiderte ihr: „Frau, da du die Nichtigkeit der heidnischen Götter einsiehst, glaubst du an Jesus Christus, den Heiland und Erlöser?“ Unter vielen Tränen antwortete die Unglückliche: „Ja, ich glaube an den wahren Gott.“ Der Heilige bezeichnete sie nun mit dem heiligen Kreuz und zum Staunen aller Anwesenden öffneten sich ihre Augen und wurde nebst einhundertfünfzig Heiden auf der Stelle getauft.

 

Damals verfolgte der Kaiser Marcus Aurelius die Christen heftig und weil er von den Wundertaten und vielen Bekehrungen des Bischofs in Perugia gehört hatte, sendete er den Lucius, einen eifrigen Götzendiener, als Richter mit dem Auftrag dahin, alle Christen, die sich weigern würden, den Göttern zu opfern, hinrichten zu lassen. Sogleich wurde Constantius vor Gericht geschleppt, und da er nicht zum Abfall gebracht werden konnte, grausam geschlagen und dann in das Gefängnis geführt. Da bekehrte und taufte er in der ersten Nacht die Kerkerwache, die aus fünfzig Soldaten bestand, die in ihn drangen, mit ihnen zu entfliehen und sie in der christlichen Lehre zu unterrichten. Nachdem er sie im Glauben gestärkt hatte, wurde er erneut von den Heiden ergriffen, zu den fürchterlichsten Qualen verurteilt und schließlich enthauptet am 29. Januar im Jahr 175.

 

Der heilige Aquilin (auch Wezelin), Priester von Würzburg und Martyrer bei Mailand,

+ circa 1017 – Fest: 29. Januar

 

1000 Jahre heiliger Aquilin

 

Wenn kein Verlass mehr ist auf den wirksamen Schutz des Staates für seine Bevölkerung, dann ist der Heilige anzurufen als Schutzpatron der unschuldig Gefährdeten und Opfer brutaler terroristischer Angriffe mit Messern, Äxten, Schwertern und ähnlichen Stich- und Stoßwaffen besonders in unserer Zeit.

 

Heiliger Aquilin – bitte für uns!

 

Der heilige Aquilin wurde wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts (um 970) zu Würzburg geboren. Seine Eltern gehörten zu den Edlen der Stadt. Der Vater hieß Clavus, die Mutter Aquilia. Schon vor der Geburt hatte die Mutter ein Gesicht, worin ihr angedeutet wurde, dass ihr Kind etwas Großes werde. Es kam ihr vor, sie hätte einen Adler geboren, der in die Luft aufflog, sich auf eine goldene Wolke setzte, und dem eine mit Rubinen besetzte Krone aufgesetzt wurde (Aquilin = der Adlergleiche). Als Kind zeichnete sich Aquilin durch Sittsamkeit vor seinen Altersgenossen aus. Einst wurde er mit anderen Jungen in einen Streit verwickelt. Die Jungen sprachen die gotteslästerliche Behauptung aus, Jesus Christus sei nicht vom Heiligen Geist empfangen worden. Aquilin widersprach ihnen mit aller Kraft. Die Sache wurde vor den Bischof gebracht, und es fand sich, dass es unter den Vornehmen viele gäbe, die diesen Irrtum behaupteten. Durch den Eifer des Bischofs wurden die Irrenden fast allesamt zum Glauben zurückgeführt.

 

Noch sehr jung kam Aquilin nach Köln und wurde vom dortigen Bischof in die Zahl der gemeinsam lebenden Kanoniker aufgenommen. Hier lebte er eine Zeit lang, bis zum Tod seiner Eltern. Als er die Nachricht von ihrem Tod erhielt, begab er sich nach Würzburg. Daselbst verkaufte er sein elterliches Erbgut und verteilte den Erlös und alles, was ihm von den Eltern zugekommen war, unter die Armen. Darauf wurde er wieder nach Köln zurückberufen und dort zum Priester geweiht. Zugleich übertrug ihm der Bischof einen Teil seiner Arbeiten und ernannte ihn zum Vorstand der Kanoniker. Nach dem Tod des Bischofs wurde er einstimmig zu dessen Nachfolger erwählt. Um der Last und Verantwortung dieses Amtes zu entkommen, ergriff er die Flucht.

 

Der Heilige wendete sich jetzt in Richtung Frankreich und kam nach Paris. In dieser Stadt wütete gerade damals eine verheerende Seuche. Der Heilige flehte zu Gott um Schonung der Stadt, und auf sein Gebet hörte die Seuche auf zu wüten. Auch hier nahm ihn der Bischof als seinen Gehilfen auf und wollte ihn zu seinem Nachfolger bestimmen. Alles Volk wünschte, diesen großen Diener Gottes als Bischof zu erhalten. Nach dem Tod des Bischofs wurde er wirklich zum Oberhirten erwählt. Auch diesmal entfloh der Heilige und begab sich nach Pavia. Hier führte er im Verein mit mehreren Priestern ein heiliges Leben.

 

Aus Verehrung zum heiligen Kirchenlehrer Ambrosius, der einst die Kirche von Mailand als Bischof regiert hatte, begab sich Aquilin einige Zeit später in diese Stadt und wohnte daselbst bei den Kanonikern an der Kirche des heiligen Laurentius. Schon in Pavia hatte er eine solche Fertigkeit in der Sprache dieses Landes erlangt, dass er in ihr das Wort Gottes verkünden konnte. Er predigte mit großem Eifer gegen die Ungläubigen und Ketzer. Es gab nämlich damals auch in Mailand viele, die den Sohn Gottes leugneten. Man nannte sie Arianer. Durch die Predigt des Heiligen wurden viele bekehrt. Die Verstockten aber erzürnten über den mächtigen Prediger und wollten ihn anfangs durch List von seinem Eifer in der Bekämpfung der Irrtümer abbringen. Sie stellten sich, als wären auch sie bekehrt und rieten ihm, er sollte jetzt, nachdem alle Ketzerei überwunden sei, vom Frieden predigen. Allein Gott gab ihm ihre Tücke zu erkennen und verlieh ihm neue Kraft zur Bekämpfung der Irrlehren. Die Zahl der aufrichtig Bekehrten nahm von Tag zu Tag zu. Jetzt nahmen die Verstockten ihre Zuflucht zur Gewalt. Als der Heilige sich einst in aller Frühe in die Kirche des heiligen Ambrosius begab, ergriffen sie ihn, schlugen ihn und ließen ihn halbtot liegen. Der Heilige erholte sich wieder und predigte aufs Neue gegen die Gottlosigkeit. Nun überfielen sie ihn zum zweiten Mal, da er eben wieder in dieselbe Kirche ging, und stachen ihm einen Dolch in die Kehle. Der Heilige sank tot zur Erde. Die Mörder wollten seinen Leichnam zerstückeln und heimlich wegschaffen. Allein ein dichter Nebel verhinderte diese Ruchlosigkeit. Der heilige Leichnam wurde von einigen Gläubigen aufgefunden und in die Kirche des heiligen Laurentius gebracht. In dieser Kirche ist der Leib des Heiligen beigesetzt und bis auf den heutigen Tag noch unversehrt. Das große steinerne Grab, in das der heilige Aquilin gelegt wurde, hat der heilige Karl Borromäus im Jahr 1581 zum Hauptaltar der Kirche zu St. Laurentius verwendet. Später wurde zu Ehren des heiligen Aquilin eine eigene Kapelle erbaut, und sein Leichnam in einem Sarg von weißem Marmor in ihr beigesetzt. Auf dem Sarg ist die Inschrift: „Des Priesters und Martyrers Aquilinus unverweseter Leichnam.“ Der heilige Karl Borromäus ließ den heiligen Leichnam mit Albe und Messgewand bekleiden. Von dort wurde er in einen von Silber und Bergkristall verfertigten Sarg den 28. Mai 1697 feierlich versetzt, und dieser Sarg am Hochaltar der Kapelle des heiligen Genesius angebracht. Diese Kapelle erhielt nun vom heiligen Aquilin den Namen.

 

30. Januar

 

Die heilige Martina, Jungfrau und Martyrin von Rom,

+ 1.1.236 – Fest: 30. Januar

 

Die legendäre Leidensgeschichte der Heiligen berichtet, dass Martina eine junge Frau aus edlem römischen Geschlecht gewesen ist und unter Kaiser Septimius Severus (146-211) den Martertod erlitten hat. Sie musste viele Qualen erdulden, bis sie schließlich um 210 enthauptet wurde.

 

Papst Urban VIII. (1623-1644) verfasste ihr zu Ehren eine Hymne.

 

„Diese berühmte Jungfrau, eine der Schutzheiligen Roms, die Papst Urban VIII. selbst in einer herrlichen Hymne besungen hat, stammte aus einer der edelsten Familien dieser Stadt. Ihr Vater hatte dreimal die Konsulwürde bekleidet und war sehr reich wie an schönen Tugenden so auch an zeitlichen Gütern.

 

Martina, mit der größten Sorgfalt im christlichen Glauben und Leben unterrichtet, verlor schon im zarten Alter beide Eltern. Aus Liebe zu Christus, die ihr Herz entflammte, verteilte sie mit wundersamer Freigebigkeit das Geld, welches sie im großen Überfluss besaß, unter die Armen, gelobte beständige Jungfräulichkeit und wurde wegen ihrer hervorragenden Tugenden des Geistes und Herzens unter die Diakonissinnen aufgenommen, eine Ehre, zu welcher nur erprobte Frömmigkeit den Weg bahnte.

 

Kaiser Alexander Severus, entschlossen, die Sekte der Galiläer – so nannte man die Christen – auszurotten, bot alles auf, um die wegen ihrer Schönheit, ihres Adels und ihrer Mildtätigkeit im höchsten Ansehen stehende Martina für sich zu gewinnen, und versprach ihr, sie zur Mitregentin zu erheben, wenn sie dem Apollo opfere.

 

Martina erklärte: „Dem unbefleckten Gott will ich opfern, damit mein Opfer den Apollo zu Schanden mache, und er aufhöre, Seelen zu verderben.“ Der Kaiser deutete diese Rede fälschlicherweise als eine Einwilligung, veranstaltete ein feierliches Opferfest und führte Martina in den Tempel des Apollo, wo die Götzenpriester mit vielem Volk versammelt waren. In lautloser Stille waren aller Augen auf sie gerichtet; sie bezeichnete sich andächtig mit dem heiligen Kreuz, erhob Hände und Augen flehentlich zum Himmel und betete mit lauter Stimme: „O mein Herr und Gott, erhöre meine Bitte und zertrümmere dieses blinde und stumme Götzenbild, damit der Kaiser und sein Volk erkenne, dass du der allein wahre Gott bist, und dass man keine anderen Götter anbeten dürfe, als nur dich!“ In demselben Augenblick erschütterte ein Erdbeben die ganze Stadt, das Götzenbild des Apollo fiel vom Altar herab in hundert Stücke, ein Teil des Tempels stürzte ein und begrub die Götzenpriester mit vielen Anwesenden unter seinem Schutt. Wütend über diesen Ausgang des Opfers befahl der Kaiser, dass Martina ins Angesicht geschlagen, mit Ruten gegeißelt, und ihr mit Zangen das wunde Fleisch vom Leib gerissen werde. Die Schergen strengten ihre Kräfte bis zur gänzlichen Ermüdung an; aber ein Engel stärkte und beschützte die heilige Jungfrau so wunderbar, dass sie in der Glut der Schmerzen in frohlockender Begeisterung Jesus Christus lobpries und verkündete, und die Schergen zum Glauben an ihn aufforderte. Die Gnade begleitete ihre Worte. Acht Schergen sanken auf ihre Knie, baten die Dulderin um Verzeihung der ihr angetanen Misshandlungen und bekannten laut ihren Glauben an Jesus Christus. Ergrimmt über diesen Vorfall ließ der Kaiser die Jungfrau ins Gefängnis führen, die acht Bekenner mit eisernen Krallen zerfleischen, und da er ihre Standhaftigkeit nicht zu besiegen vermochte, enthaupten.

 

Am anderen Tag ließ Severus die „Zauberin“ wieder vor sich kommen und höhnte: „Betrügerin, jetzt wollen wir sehen, wie weit du deine Künste noch treibst! Willst du den Göttern des Staates opfern, oder es noch länger mit Christus, dem Schwarzkünstler, halten?“ In edler Entrüstung sprach die Heilige: „Halt ein, lästere nicht meinen Gott; wenn du Qualen vorrätig hast, wende sie nur an, ich fürchte sie nicht, Gott wird mich stärken!“ Unmenschlich wurde Martina am ganzen Leib geschlagen, zerschnitten, ihre Glieder verrenkt; aber keine Folter schwächte die Freudigkeit ihres Mutes. In lauten Lobgesängen pries sie Gott, und ein süßer Wohlgeruch entströmte ihren klaffenden Wunden. Ratlos in seiner Ohnmacht ließ der Kaiser die Halbtote wieder in den Kerker werfen; aber wie staunte er, als am folgenden Tag die Wächter ihm anzeigten, Martinas Wunden seien vollständig geheilt, während der ganzen Nacht hätten sie ihr Gefängnis von einem wunderbaren Lichtglanz erleuchtet gesehen und ein mehrstimmiges Beten und Singen gehört.

 

In wildem Unmut befahl Severus, sie ins Amphitheater zu führen und den Löwen vorzuwerfen; er selbst wollte dabei zuschauen. Marina kniete in entzückender Schönheit auf dem Sand und betete; der hungrige Löwe stürzte brüllend aus dem Zwinger und legte sich, von unsichtbarer Macht gezähmt, schmeichelnd zu ihren Füßen; dann erhob er sich, flog in rasendem Sprung über die hohen Schranken und tötete viele Zuschauer. Der erboste Kaiser schrieb dieses Wunder der Zauberei Martinas zu und glaubte entdeckt zu haben, dass diese Zauberkraft in ihren Haaren liege. Sogleich befahl er, ihr Haupt kahl zu scheren und sie in den Tempel des Jupiters, in welchem noch zwölf andere Götter verehrt wurden, einzusperren. An den folgenden zwei Tagen ging Severus mit Priestern und dem Volk zum Tempel, aber er trat nicht hinein, weil man viele Männerstimmen darin hörte und meinte, Jupiter habe seine Götter versammelt, um Martina zu bekehren. Erst am dritten Tag wurde der Tempel geöffnet zum festlichen Opfer; aber – alle Götzenbilder lagen zertrümmert am Boden. Entrüstet fragte der Kaiser, wo Jupiter sei? Martina sprach lächelnd: „Er hat Christus, meinem Herrn, Rechenschaft geben müssen, dass er die zwölf Götzen hier nicht vom Untergang gerettet; und zur Strafe hat ihn mein Gott den Teufeln übergeben, welche ihn dann zerrissen.“ Über diesen Spott rasend befahl der Kaiser, sie mit heißem Fett zu übergießen und im Feuer zu verbrennen. Aber ein furchtbarer Regenschauer löschte plötzlich die Flammen. Auf dieses neue Wunder folgte endlich das Todesurteil durch das Schwert.“

 

Martina trägt eine Lilie zum Zeichen ihrer Reinheit. Manche Darstellungen zeigen sie auch mit eisernen Nägeln, Zange und Haken, umgeben von ihren Henkern. Auch ihre Enthauptung wird dargestellt; wobei im Hintergrund ein Apollotempel vom Blitz zerstört wird. Ferner wird sie auch auf dem Scheiterhaufen stehend, den der Regen auslöscht, abgebildet. Auf einigen Bildern sitzt auch ein Löwe zu ihren Füßen.

 

Die heilige Thiatildis, Äbtissin von Freckenhorst, Westfalen,

+ 30.1.865 ? - Fest: 30. Januar

 

Die heilige Thiatildis wurde von frühester Kindheit an zu Ewerswinkel bei Warendorf in dem Haus der seligen Eheleute Everword und Geva aufgezogen, die selbst keine Kinder hatten und deshalb die Enkelin des Bruders von Geva an Kindesstatt annahmen. Infolge eines augenfälligen Wunders, durch das die göttliche Güte das Leben und die Gesundheit der kleinen Thiatildis schützte, weihten sie die frommen Edelleute Gott und übergaben sie dem heiligen Dienst an der Kirche zu Freckenhorst. Es lag nämlich das Kind mit offenen Augen in seinem Bettlein und spielte mit einem Apfel, den ihr die Pflegemutter bei ihrem Weggang aus dem Haus gegeben hatte, damit es nicht weinen sollte. Als Everword eintrat, richtete sich die kleine Thiatildis auf, drehte sich aus dem Bettlein, um fröhlich den Nährvater zu begrüßen, und fiel, ohne dass der es bemerkte, in einen Kessel voll siedenden Wassers. Everword erschrak aufs höchste, zog Thiatilde aus dem Wasser und erzählte seiner Frau das unglückliche Ereignis. In ihrer Angst fassten sie den Entschluss, das Kind dem steten Dienst Gottes zu weihen, wenn es ihm gefiele, das schrecklich verbrannte und gefährdete Kind zu heilen. Der Himmel zeigte sich diesem Gelübde gewogen. Kaum hatten sie sich nach ihrem inbrünstigen Gebet erhoben, so fanden sie das Kind schlafend. Sie wecken es auf, untersuchen, waschen es und sehen es nicht nur fröhlich und wohlgemut, sondern auch frei von jeder Verletzung, so dass auch nicht einmal die geringste Spur des Unglücksfalles am Körper erschien. Wer war glücklicher, als diese frommen Eheleute? Voll Dank Gott gegenüber für dieses plötzliche Wunder, trafen sie die eifrigste Fürsorge, das Mädchen zu solcher Heiligkeit heranzubilden, die der Dienst Gottes und die Würde der Religion von einer Gott geweihten Jungfrau verlangt.

 

Nachdem Thiatildis ihre Kinderjahre zurückgelegt hatte, übergab sie sich ganz dem göttlichen Dienst in dem Jungfrauenstift zu Freckenhorst, das Everword gestiftet hatte, und ließ keinen Tag vorübergehen, ohne einen weiteren Schritt zur Heiligkeit zu tun und sich mit Tugenden zu schmücken. Sie war die erste Äbtissin dieses Frauenklosters und führte dieses Amt mit einem solchen Eifer, dass sie allen das Muster eines vollkommenen Lebens wurde. Was sie ihre Ordensfrauen lehrte, tat sie selbst, wozu sie ermahnte, hatte sie selbst geübt, was sie befahl, hatte sie zuerst ausgeführt. Mit einem Wort, obgleich sie unter Menschen weilte, erschien ihr Leben mehr ein Engel- als Menschenleben. Reich an den schönsten Tugenden und Verdiensten ging sie zum Himmel ein am 30. Januar um das Jahr 865, und wurde in der Kapelle, die nach ihrem Namen St. Thiadilden-Kapelle genannt wird, an der linken Seite des Chores der Stiftskirche zu Freckenhorst beigesetzt.

 

Das Kreuz zu Freckenhorst

 

Die gelehrten Bollandisten knüpfen an das Leben der heiligen Thiatildis die Geschichte des wunderbaren Kreuzes zu Freckenhorst. Die heilige Äbtissin flehte inbrünstig zu Gott, er möge ihr zum ständigen Schutz ihrer Kirche Reliquien geben. Als sie eines Tages heftiger den Himmel mit ihren Bitten bestürmte, sah sie plötzlich durch das Gewölbe des Tempels ein Kreuz vom Himmel fallen und auf dem Estrich zu ihren Füßen niedersinken. Sogleich eilte sie hocherfreut zu einem Priester, damit er das heilige Pfand von der Erde aufnehme und auf den Altar stelle. Von der Zeit an hielt sie mit ihrer ganzen Genossenschaft das Kreuz in höchsten Ehren.

 

Einst besuchte die Äbtissin ihr Bruder und klagte, er habe viel Unglück und Fehde mit seinen Feinden und Nebenbuhlern. Die gütige Schwester entgegnete, sie habe ein sicheres Schutzmittel in dem heiligen Kreuz. Wenn er es mit sich führe, so zweifle sie nicht, dass er alle Unglücksfälle und Feinde besiege und weiteren Schaden verhüte. Was konnte dem Bruder erwünschter sein, als ein solches Unterpfand? Er bat um das Kreuz und sie überließ es ihm unter dem feierlichen Versprechen, dass er es ihr zurückstelle, sobald er den Feind überwunden habe. Aber was galt die Treue einem siegestrunkenen Soldaten? Er hielt mit seinen Gesellen Rat, wie er das so heilbringende Kreuz für sich behalten könnte. Sie rieten ihm, er solle seinem Gelübde gemäß das Kreuz zurückbringen lassen; sie wollten indes Soldaten ausschicken, die es mit bewaffneter Hand zurückbrächten. So geschah es. Die Äbtissin schmerzte eine solche Gottlosigkeit so tief, dass sie bald darauf starb.

 

Der Bruder wurde nicht wenig durch den plötzlichen Tod seiner Schwester erschrocken, da er sich die Schuld ihres frühen Endes beimessen musste. Deshalb ging er nach Lievland, um im heiligen Krieg gegen die Feinde des christlichen Namens seinen Frevel zu büßen. Das Kreuz nahm er mit und stellte es in einer Kirche auf, wo es von den Gläubigen sehr verehrt wurde. Einige Zeit darauf entstand in der Stadt ein großes Wehgeschrei über das Näherrücken der Feinde, und ein solcher Schrecken, dass selbst der Priester, der schon zur heiligen Messe an den Altar getreten war, sofort die Gewänder ablegte und zu den Stadtmauern eilte. In diesem Tumult blieb nur ein Mann, namens Legwik, in der Kirche. Plötzlich erscholl eine Stimme vom Himmel und mahnte ihn, er solle heimlich das Kreuz vom Altar nehmen, in seine Tasche stecken und nach Freckenhorst zurücktragen. Er gehorchte, aber weil sich schon das Gerücht vom Verlust des Kreuzes verbreitet hatte, sah er nicht weit von der Stadt auf einer Brücke eine Menge Männer stehen, die alle Vorübergehenden untersuchten, ob einer vielleicht das ihnen weggenommene Pfand in der Tasche trüge. Der in die Enge getriebene Mann flehte im heißen Gebet zu Gott und er sah das Kreuz von selbst aus der Tasche in das Wasser springen, bis er den spähenden Augen und Händen der Männer entgangen war.

 

Nach einer halben Meile sah der Hocherfreute das Kreuz wieder in seiner Tasche und setzte seine Reise glücklich fort. Gegen Abend kam er in ein Gasthaus und bat die Witwe des Hauses, sein Heiligtum für die Nacht unverletzt zu bewahren. Ihrem Versprechen getreu, wachte die Frau bei dem Kreuz und sah in der Nacht bei ihm brennende Lichter und hörte den schönsten Engelgesang. Entzückt von dem Wunder, wollte die Frau das kostbare Pfand nicht herausgeben. Betrübt und weinend ging der Mann aus dem Gasthaus und setzte die Reise mit dem heißesten Gebet fort, Gott möge ihm den Schatz zurückgeben, um ihn nach seinem Bestimmungsort bringen zu können. Er wolle in der Folge vorsichtiger sein. Was geschieht? Während er mit Seufzern und Flehen den Himmel bestürmt, sieht er plötzlich wieder das Kreuz in seiner Tasche, und seine Freude war so groß, dass er die weitere Beschwerde der Reise gar nicht achtete. Endlich kam er nach Westfalen und in ein Dorf, das nahe bei Freckenhorst liegt. Dort ließ er das Kreuz zurück, eilte zu dem Jungfrauenstift und erzählte allen Nonnen mit großer Freude, unter welchen Wundern er das lange vermisste Kreuz nach Gottes Geheiß zurückgebracht habe. Unverzüglich zogen die Geistlichen und das Volk mit Kreuzen und Reliquien in feierlicher Prozession dem heilbringenden Kreuz entgegen und führten es zur Kollegiatkirche, wo es fortan bis auf unsere Zeit an Wundern reich berühmt war und vom gläubigen Volk besonders am Fest Kreuzauffindung hoch verehrt wird.

 

Die heilige Bathilde, Königin von Frankreich und Nonne von Chelles,

+ 30.1.680 – Fest: 30. Januar

 

Bathildis, eine Tochter christlicher, sächsischer Eltern, erhielt eine gottesfürchtige Erziehung und hatte in ihrer Jugend das Unglück, von Seeräubern entführt und in Frankreich an den Fürsten Erchionald als Sklavin verkauft zu werden. Die christliche Jungfrau, geziert mit blendender Schönheit und mit allen jenen Tugenden, die besonders dem weiblichen Geschlecht allenthalben Ehrfurcht verschaffen, erwarb sich durch ihre Treue und Redlichkeit so sehr die Liebe und das Zutrauen ihres Gebieters, dass er ihr nach dem Tod seiner Gemahlin seine Hand anbot. Aber Bathilde weigerte sich aus Demut ernstlich gegen diesen Antrag und wurde bald danach, nicht ohne besondere Einwirkung der Vorsehung Gottes, die Gemahlin des Königs Clodoväus, eines Sohnes des Dagobert, in welcher Würde sie Macht und Gelegenheit hatte, zur Verbreitung und zur Wohlfahrt der christlichen Religion unendlich viel Gutes zu tun. Sie beglückte den König mit reiner, zärtlicher Liebe und bildete durch ihre rührenden Ermahnungen und besonders durch ihr sanftes, gottseliges Leben zu einem der frömmsten und gerechtesten Regenten. Täglich besuchte sie die Kirche mit innigster Andacht und vergoss während ihres Gebetes häufige Tränen der Liebe zu Gott. Sie war die Mutter und Beschützerin aller Armen und Unglücklichen und damit sie für diese bequemer sorgen konnte, gab ihr der König den heiligen Abt Genesius zu ihrem Almosenpfleger, durch dessen Rat und Unterstützung sie das Elend der Armen linderte, die Klöster im ganzen Reich versorgte, die Überbleibsel des Götzendienstes vertilgte und Sittlichkeit und Tugend beförderte.

 

Im 17. Jahr seiner Regierung starb König Clodoväus, dem sein Sohn Lotharius auf dem Thron folgte, und zu gleicher Zeit erwählten die Austrasier aus Liebe zur heiligen Bathildis ihren zweiten Sohn Childerich zu ihrem König, wodurch Burgund und Frankreich vereinigt wurden. Nachdem die königliche Witwe die größte Ordnung in den Reichsgeschäften hergestellt und mehrere Klöster, besonders für Jungfrauen, gestiftet hatte, verteilte sie ihren Schmuck unter die Armen, zog ein Bußkleid an und verschloss sich in das Frauenkloster zu Kalam (Chelles), wo sie durch ihre Gottseligkeit und Demut alle Nonnen beschämte. Sie verrichtete die niedrigsten Dienste aus Liebe zu Jesus, tröstete und pflegte Tag und Nacht die Kranken und gehorchte der Äbtissin wie einer Mutter. Alle übrigen Stunden widmete sie dem Gebet oder der Lesung und Betrachtung der heiligen Scrift, bis sie in eine schmerzhafte Krankheit fiel, in der sie um das Jahr 680 starb. Bei ihrem Tod wurde ihre Zelle mit einem himmlischen Glanz erfüllt und die Heilige bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuz, erhob Hände und Augen zum Himmel und verschied. Ihr Leichnam wurde in diesem Kloster beigesetzt, wo an ihrem Grab große Wunder geschahen und viele Könige Frankreichs auf den Knien die vollendete Heilige um ihre Fürbitte bei Gott anflehten.

 

Die heilige Hyazintha Mariscotti,

Nonne aus dem Dritten Orden des heiligen Franziskus, Viterbo, Italien,

+ 30.1.1640 – Fest: 30. Januar

 

Hyazintha, sie siebenjährige Tochter des italienischen Grafen Markus Antonius Mariscotti und seiner Gattin Oktavia Orsini, war eines Tages nahe daran in einen Brunnen zu fallen, wurde aber auf die Anrufung der göttlichen Hilfe hin aus der Gefahr errettet. Dies war wohl mit ein Grund, warum das Mädchen von seinen frommen Eltern den Schwestern vom Dritten Orden des heiligen Franziskus im Kloster des heiligen Bernardin zu Viterbo zur Erziehung anvertraut wurde. Als Hyazintha dann zur Jungfrau herangereift war, nahm sie auch selbst das Kleid des Dritten Ordens und wurde Mitglied des genannten Klosters, ohne jedoch auch sofort den rechten Klostergeist zu zeigen; vielmehr führte sie noch ein ziemlich weltliches Leben und hatte Freude an Bequemlichkeit, Geld und Luxusgegenständen. Da fiel sie in eine schwere Krankheit und musste versehen werden.

 

Bei dieser Gelegenheit nun wurde sie vom Beichtvater ernst auf das Sündhafte und Gefährliche ihrer Lebensweise aufmerksam gemacht. Und Hyazintha gab diesen Mahnungen und der Stimme der Gnade Gehör und gelobte für den Fall ihrer Wiedergenesung, ein neues besseres Leben führen zu wollen. Sie wurde auch gesund und hielt Wort, entsagte allem Weltsinn, allen überflüssigen und eitlen Dingen und begann ein Leben strengster Buße und geradezu erfinderischer Selbstkreuzigung. Wermut und bittere Kräuter zum Beispiel bildeten ihre Hauptnahrung, mit einem schweren Kreuz beladen stieg sie oft kniend die Treppen des Klosters hinan, Brennnesseln, heißes Wachs, Schnee und Eis oder eiskaltes Wasser mussten ihr dienen, den Leib zu peinigen und die Sinnlichkeit zu bezwingen. Bei diesen Bußübungen war vor allem der leidende Heiland ihr Vorbild. Ebenso sehr übte sie aber auch die übrigen Tugenden, besonders Geduld, Demut und Reinheit, und als sie Novizenmeisterin geworden war, leitete sie auch ihre Schülerinnen mit der größten Sorgfalt an, den Weg der Vollkommenheit zu gehen. Umfassend war auch ihre Nächstenliebe. Für die Armen und Kranken erbettelte sie unermüdlich das Nötige und rief sogar zwei eigene Bruderschaften zu ihrer Unterstützung und Pflege ins Leben. Hyazintha war ferner eine besondere Verehrerin des hochheiligen Altarsakramentes. Oft stand sie mitten in der Nacht auf und warf sich mit Ausrufen glühendster Liebe vor dem Tabernakel nieder. Sie tat aber noch mehr: Sie veranlasste und förderte die öftere feierliche Aussetzung des Allerheiligsten, um auch recht viele andere für seine Verehrung zu gewinnen. Desgleichen war die liebe Gottesmutter Gegenstand von Hyazinthas zärtlichster Liebe und Andacht, weshalb ihr auch alle Frauen und Jungfrauen besonders teuer waren, die den Namen Maria trugen. Die allerseligste Jungfrau würdigte daher ihre Dienerin wiederholter gnadenvoller Erscheinungen. Aber auch Gott der Herr anerkannte ihre Heiligkeit durch wunderbare Gnadengaben, zum Beispiel die Gabe der Weissagung.

 

Ganz verzehrt von Gottesliebe und Sehnsucht nach dem Himmel schied sie von dieser Welt im Jahr 1640, im Alter von 54 Jahren. Ihre heiligen Überreste ruhen zu Viterbo in demselben Kloster, wo sie gelebt hatte und gestorben war. Papst Pius VII. hat sie im Jahr 1808 heiliggesprochen. So war diese wohlriechende Hyazintha in den Garten des Himmels versetzt worden, nachdem sie hier auf Erden durch den köstlichsten Duft der Tugend Gott und der Kirche Ehre gemacht und viele Menschen erfreut und erbaut hatte. Aber nicht sogleich nach ihrem Eintritt ins Kloster verbreitete Hyazintha diesen himmlischen Wohlgeruch: Sie lebt zuerst eine Zeit lang in der Lauheit, bis sie durch die Krankheit auf einen anderen Weg gebracht wird.

 

Es gibt eine zweifache Lauheit: diejenige, die den Übergang vom Welt- oder Sündenleben zum frommen Leben, und jene, die den Übergang vom frommen Leben zum Sünden- und Weltleben bildet. Letztere Lauheit ist die schlimmere, denn sie ist nichts anderes als Rückfall und Verachtung der Gnade Gottes. Hyazinthas Lauheit war zwar noch mehr von der ersteren Art, aber, weil sie sich bereits im Kloster befand, doch auch schon bedenklicher und gefährlicher. Um so mehr musste sie dann die ihr zuteil gewordene göttliche Gnade preisen und tat es auch. Hüten wir uns vor jeder Lauheit im religiösen Leben, denn der Herr sagt: „O, dass du kalt wärest oder warm! Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich anfangen dich aus meinem Mund auszuspeien“ (Offenbarung 3,15-16).

 

31. Januar

 

Der heilige Johannes Don Bosco,

Priester und Ordensstifter von Turin,

+ 31.1.1888 - Fest: 31. Januar

 

Als Sohn armer Leute wurde der spätere Ordensgründer am 16. August 1815 in Becchi bei Turin geboren. Mit zwei Jahren verlor er den Vater, aber seine Mutter, Margarete Bosco, war eine ausgezeichnete Erzieherin, die es meisterhaft verstand, die guten Anlagen ihres Kindes zu fördern. Sicher hat die Erziehung dieser frommen Frau die Grundlagen für das spätere pädagogische Wirken des Johannes Bosco geschaffen.

 

Mit neun Jahren hatte er einen Traum, in dem er deutlich auf seinen zukünftigen Beruf hingewiesen wurde. Die Visionen wiederholten sich und wurden immer konkreter. Angeregt durch diese Träume, sammelte Johannes die Dorfkinder, erzählte ihnen Geschichten und unterhielt sie mit Kunststücken, verband damit aber immer eine religiöse Unterweisung und schloss mit einem Gebet oder einem frommen Lied.

 

Johannes Bosco wollte Priester werden, aber die finanziellen Mittel für den Besuch einer höheren Schule fehlten. 1831 erhielt der Sechzehnjährige einen Freiplatz am Seminar von Chieri. Essen und Unterkunft musste er sich selbst verdienen. Er arbeitete in einem Café, bei einem Schneider, einem Schmied, einem Schlosser und einem Schreiner.

 

Nach seiner Priesterweihe am 5. Juni 1841 ging Johannes zur Weiterbildung in das Theologische Konvikt in Turin, an dem sein Beichtvater und vertrautester Freund Josef Cafasso tätig war.

 

Am 8. Dezember 1841, als Don Bosco sich für den Gottesdienst ankleidete, bemerkte er, wie der Küster einen zerlumpten Jungen aus der Sakristei hinauswies. Er rief den Jungen zurück und unterhielt sich mit ihm. Ohne Eltern aufgewachsen, konnte dieser weder lesen noch schreiben und wusste von Religion überhaupt nichts. Johannes Bosco begann sofort mit dem religiösen Unterricht und forderte den Jungen beim Weggehen auf, doch wiederzukommen. Er kam bald wieder und brachte seine Freunde mit.

 

Die Schar um Don Bosco wuchs von Woche zu Woche. Er versammelte sie zunächst sonntags in irgendeiner Kirche, feierte mit ihnen die Messe und unterrichtete sie im Katechismus. Den Rest des Tages gestaltete er mit Ausflügen, Spielen und gemeinsamen Festen.

 

Seinen oben erwähnten ersten Traum schildert er selbst in seinen Erinnerungen wie folgt:

 

„Im Alter von ungefähr neun Jahren hatte ich einen Traum, der mir für mein ganzes Leben unvergesslich blieb. Im Schlaf glaubte ich, in der Nähe des Hauses in einem sehr großen Hof zu sein, wo eine muntere Schar von Jungen sich herumtummelte. Die einen lachten und scherzten, die anderen spielten, wieder andere fluchten. Als ich die Gotteslästerungen hörte, stürzte ich mich gleich unter die Jungen, um sie mit Rufen und Stößen zum Stillschweigen zu bringen. In diesem Augenblick erschien ein ehrwürdiger, vornehm gekleideter Mann, der im besten Alter stand. Ein weißer Mantel umgab seine ganze Gestalt; sein Antlitz aber war so leuchtend, dass ich es nicht anzuschauen vermochte. Er rief mich beim Namen und befahl mir, mich an die Spitze dieser Jungen zu stellen, indem er hinzufügte: „Nicht mit Schlägen, sondern mit Sanftmut und Liebe sollst du diese dir zu Freunden machen. Schicke dich darum gleich an, sie über die Hässlichkeit der Sünde und die Schönheit der Tugend zu belehren!“ – Verwirrt und erschrocken bemerkte ich, ich sei ein armer, unwissender Junge, gänzlich unfähig, diese Jungen in der heiligen Religion zu unterrichten. In diesem Augenblick hörten die Jungen auf zu streiten, zu lärmen und zu fluchen und alle scharten sich um jenen Mann. Fast ohne zu wissen, was ich sprach, fragte ich:

 

„Wer seid Ihr, dass Ihr Unmögliches von mir verlangt?“

 

„Gerade weil es dir unmöglich scheint, musst du es durch Gehorsam und Wissenschaft ermöglichen.“

 

„Wo und mit welchen Mitteln werde ich mir dieses Wissen erwerben?“

 

„Ich werde dir eine Lehrmeisterin geben, unter deren Obhut du weise werden wirst und ohne deren Einfluss jede Weisheit nur Torheit ist.“

 

„Aber wer seid Ihr denn, dass Ihr so zu mir sprecht?“

 

„Ich bin der Sohn derjenigen, die täglich dreimal zu grüßen deine Mutter dich lehrte.“

 

„Meine Mutter befiehlt mir, mich keinem Unbekannten ohne ihre Erlaubnis anzuschließen; sagt mir darum Euren Namen.“

 

„Danach frage meine Mutter!“

 

In diesem Augenblick sah ich an der Seite jenes Mannes eine Frau von majestätischer Gestalt, angetan mit einem Gewand, von dem ein solcher Glanz ausging, als sei es mit lauter hellstrahlenden Sternen übersät. Da sie meine wachsende Verwirrung in meinen Fragen und Antworten wahrnahm, hieß sie mich näher treten, nahm mich dann gütig bei der Hand und sprach: „Sieh dort!“ Aufschauend bemerkte ich, dass alle jene Jungen geflohen waren, und statt ihrer sah ich eine große Herde von Ziegen, Hunden, Katzen, Bären und verschiedenen anderen Tieren. Die hohe Frau fuhr fort: „Das ist dein Arbeitsfeld; hier sollst du wirken. Werde demütig, stark und mannhaft, und die Verwandlung, die du jetzt bei diesen Tieren sehen wirst, sollst du später bei meinen Söhnen vollbringen.“ Ich schaute abermals hin und erblickte statt der wilden Tiere ebenso viele sanfte Lämmer, welche freudig hüpfend und blökend sich um jenen Mann und um jene Frau scharten, wie um ihnen zu huldigen.

 

Sobald ich dies bemerkte, fing ich im Schlaf zu weinen an und bat die hehre Frau um Aufklärung über das, was ich gesehen hatte, da ich nicht wüsste, was dies alles zu bedeuten habe. Sie legte mir aber nur die Hand aufs Haupt und sagte: „Zur rechten Zeit wirst du alles verstehen.“ Kaum hatte sie diese Worte beendet, da erwachte ich durch ein Geräusch und alles war verschwunden. Ich war wie betäubt. Die Hände schienen mir weh zu tun von den Faustschlägen, die ich ausgeteilt hatte, das Gesicht schmerzte mich von den Ohrfeigen, die ich von den Straßenjungen erhalten hatte. Der geheimnisvolle Mann, die hohe Frau, alles was sie gesagt und was ich gehört hatte, beschäftigte derart meinen Geist, dass ich die ganze Nacht nicht mehr schlafen konnte.

 

Am anderen Morgen drängte es mich, den merkwürdigen Traum zuerst meinen Brüdern zu erzählen – sie lachten mich aus; dann ging ich zur Mutter und Großmutter. Jeder gab eine andere Erklärung. Mein Bruder Joseph sagte: „Du wirst einmal als Hirt Ziegen, Schafe und andere Tiere zu hüten haben.“ Meine Mutter: „Wer weiß, ob er nicht doch Priester wird.“ Anton bemerkte trocken: „Vielleicht wirst du Räuberhauptmann.“ – Das Schlusswort aber gab die Großmutter, die ja in religiösen Dingen wohl bewandert war, wenngleich sie weder lesen noch schreiben konnte: „Träume sind Schäume“, sagte sie. Ich war der gleichen Meinung wie die Großmutter, trotzdem konnte ich mir jenen Traum nicht aus dem Kopf schlagen.“

 

Der Zulauf, den Giovanni Bosco unter der Jugend fand, brachte ihn allmählich in Schwierigkeiten. Wo sollte er eine so große Gruppe, inzwischen waren es über 400 Jugendliche, unterbringen? Eine Scheune in Turin-Valdocco, die er zunächst pachten und später kaufen konnte, richtete er als Schule ein. Er bildete selbst seine begabtesten Schüler als Lehrer für ihre Kameraden aus und gründete auf dem Schulgelände Lehrwerkstätten.

 

Zur Unterstützung seiner erzieherischen Tätigkeit gründete er 1868 die „Fromme Gesellschaft des heiligen Franz von Sales und einige Jahre später eine Frauengenossenschaft: die Mariahilfschwestern.

 

Seine Erziehungsmethode beruht auf dem System des Vertrauens, der Ausschaltung jeglichen Zwangs, der Vermeidung von Strafen und auf einer umfangreichen religiösen Bildung. Das Jugenddorf in Valducco wurde zum Modell für zahlreiche ähnliche Einrichtungen im In- und Ausland.

 

Don Bosco starb am 31. Januar 1888.

 

Der heilige Cyrus, Heilkundiger von Ägypten und Martyrer in Rom,

+ 31.1.312 – Fest: 31. Januar,

und der heilige Johannes, Soldat und Martyrer von Rom,

+ 31.1.312 – Fest: 31. Januar

 

Cyrus wurde zu Alexandria in Ägypten geboren und studierte in seiner Jugend die Medizin mit einem so großen Fleiß, dass er als ein berühmter Arzt allgemein bekannt war. Weil er aber die Kranken, indem er ihre körperlichen Leiden milderte, gewöhnlich auch zur Erkenntnis des wahren und einzigen Gottes führte und sie dem Götzendienst entriss, gab der heidnische Statthalter den Befehl, ihn in das Gefängnis zu werfen. Als Cyrus das hörte, entfloh er nach Arabien in ein Kloster, wo er ein heiliges Leben führte und durch seine Wunder, die er in Heilung jeder Krankheit wirkte, sich einen so hohen Ruhm erwarb, dass die Menschen aus den entferntesten Gegenden herbei eilten, um den Wundermann zu verehren. Unter diesen war auch Johannes von Edessa, ein Mann von ausgezeichnetem Heldenmut, der lange Zeit als Kriegsoberster im kaiserlichen Heer diente, schließlich wegen sehnlichen Verlangens nach einem gottseligen Leben auf Ansehen und Reichtümer verzichtete, eine Wallfahrt nach dem gelobten Land machte und von dort nach Arabien in das Kloster zurückkehrte, in dem der heilige Cyrus lebte. In Vereinigung strebten beide rastlos nach christlicher Vollkommenheit und wurden schließlich gewürdigt, auch ihr Blut und Leben zur Verherrlichung der Religion Jesu zu opfern.

 

Es war i Jahr 310, als der heidnische Kaiser Maximin in der morgenländischen Kirche eine grausame Verfolgung erregte und unter anderen Gläubigen auch die fromme Athanasia mit ihren drei unschuldigen Töchtern Theoctista, Theodata und Eudoria als Gefangene nach der Stadt Canopos geführt wurden, wo Syrianus der Statthalter seinen Sitz hatte. Kaum hatten Cyrus und Johannes von der Gefangennahme dieser christlichen Familie gehört, als sie sich sogleich entschlossen, die Jungfrauen zu begleiten und ihnen während ihrer Marter Trost und Mut einzusprechen. Auf öffentlichem Markt hielt Syrianus Gericht und den Christinnen wurde die Wahl gelassen, den Göttern zu opfern oder ihr Leben qualvoll zu beenden. Angefeuert durch die rührenden Ermahnungen ihrer Begleiter, blieben sie standhaft in ihrem Bekenntnis und ertrugen freudig die heftigsten Peinigungen auf der Folter, die Zerfleischung ihrer Körper und schließlich den Tod durch das Schwert. Aber nun entbrannte die Wut des Statthalters gegen die heiligen Bekenner Cyrus und Johannes und nachdem er sie durch Versprechungen und Drohungen fruchtlos zur Verleugnung ihres Glaubens zu bringen gesucht hatte, ließ er sie foltern, dass nur die bloßen Gebeine an ihren Körpern mehr zu sehen waren, und da die Martyrer unter diesen unaussprechlichen Leiden frohlockten und den Heiden Jesus den Gekreuzigten predigten, befahl er, sie zu enthaupten. Fromme Christen beerdigten ihre Leichname samt denen der Jungfrauen in der Kirche des heiligen Marcus und wurden unter der Regierung des Kaisers Arcadius auf ein in der Nähe der Stadt Canopos gelegenes Landgut Manuthen versetzt, wo bei ihrer Ankunft sogleich die bösen Geister heulend entwichen.

 

Die heilige Marcella, Witwe von Rom,

+ 31.1.410 – Fest: 31. Januar

 

Marcella war aus einem edlen römischen Geschlecht entsprossen und hatte von Jugend auf eine solche Liebe zur Gottseligkeit, dass sie sich nach dem Tod ihres Gemahls, mit dem sie sieben Monate im Ehestand lebte, entschloss, ein einsames, gottgeweihtes Leben zu führen. Deswegen wies sie auch alle Anträge der angesehensten Männer in Rom, besonders des berühmten Bürgermeisters Cerealis, zurück, kleidete sich wie eine Büßerin und las Tag und Nacht in den heiligen Schriften, um ihr Leben nach der Lehre Jesu zu ordnen. Um ihre Sinnlichkeit dem Geist zu unterwerfen, genoss sie keine Fleischspeise und keinen Wein, sondern begnügte sich mit Brot und Wasser, mied jeden Besuch, die Kirche der heiligen Apostel ausgenommen, wo sie täglich dem Gottesdienst beiwohnte. Damals waren in Rom noch keine Klöster. Als aber der heilige Athanasius samt seinen Priestern von den Arianern aus Alexandria verbannt wurde und nach Rom kam und der frommen Marcella von der abgetöteten und rauen Lebensweise des heiligen Antonius und seiner Einsiedler erzählte, veränderte sie sogleich ihre Wohnung in ein Kloster und ihr gebührt der Ruhm, dass sie die erste Nonne in der Stadt Rom war. Große Verdienste sammelte sich auch diese Heilige dadurch, dass sie mutig gegen die Irrlehren des Origenes kämpfte, den Anhängern derselben ihren Irrtum zeigte und sich schließlich an den heiligen Papst Anastasius wendete, dass er diese Ketzerei öffentlich verdammte. So bewirkte und verbreitete Marcella Frömmigkeit und Tugend unter ihren Zeitgenossen, so kämpfte sie für die Reinheit und Wahrheit der Lehre Jesu, bis sie am Ende ihres Lebens auch noch durch harte Verfolgungen geprüft wurde. Nachdem Alarich, der König der Gothen, Rom erobert hatte und seine Soldaten die ganze Stadt verheerten, fielen sie auch im Kloster der eiligen Marcella ein und da sie dort keine Reichtümer, sondern die größte Armut fanden, misshandelten sie die Heilige bis auf das Blut und schleppten sie schließlich in die Kirche des heiligen Apostels Paulus, wo sie Hunger und Elend aller Art erduldete und schließlich am Ende des Jahres 410 selig verschied.