Die Heiligen im Februar

 

1. Februar

 

 Der heilige Ignatius, Bischof und Martyrer von Antiochia,

 + 20.12.107 - Fest: 1. Februar

 

"In jener Zeit", so berichtet das Evangelium, "traten die Jünger vor Jesus mit der Frage: Wer ist denn der Größte im Himmelreich? Da rief Jesus ein Kind herbei und stellte es mitten unter sie mit den Worten: Führwar, ich sage euch, wenn ihr euch nicht bekehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Doch wer sich demütig macht wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich."

 

So berichtet das Evangelium, und die Legende will wissen, dass jenes Kind, das Jesus damals den Aposteln als Beispiel vor Augen stellte, der spätere heilige Martyrer Ignatius war, dessen Gedächtnis man heute begeht. Der Heilige muss daher gerade den Kindern wert und teuer sein, denn in dem kleinen Ignatius hat der liebe Heiland alle Kinder hoch geehrt und sie den großen Leuten sogar als Muster hingestellt. Sie müssten werden wie die Kinder, hat er ihnen gesagt, sonst könnten sie nicht in den Himmel kommen.

 

Vom heiligen Ignatius berichtet die Legende weiter, dass er später nach Ephesus in Kleinasien ging, wo der Lieblingsjünger Johannes als Bischof wirkte. Bei diesem großen Heiligen ist er in die Schule gegangen, und weil im Hause des heiligen Johannes bekanntlich auch die Mutter Gottes weilte, durfte Ignatius alle Tage die Hochgebenedeite sehen, durfte ihr kleine Gefälligkeiten erweisen und durfte mit ihr reden, und Maria hat ihn gern gehabt und hat ihn oft mit ihrem kräftigen Muttersegen beglückt und begnadet.

 

Später wurde Ignatius vom heiligen Apostel Johannes zum Bischof der Weltstadt Antiochien geweiht. In dieser Stellung wirkte er vierzig Jahre lang als der gute Hirt seiner Herde, und ganz glorreich war schließlich sein Sterben.

 

Als nämlich die dritte römische Christenverfolgung ausbrach, wurde Ignatius verhaftet und zum Tod um des Glaubens willen verurteilt. Nicht an seinem Wohnort Antiochien sollte er den Tod erleiden, sondern in Rom. Dort wollte man ihn zur Schaulust der Menge im Zirkus den wilden Tieren vorwerfen.

 

Von Antiochien in Asien bis nach der Hauptstadt des römischen Reiches war es eine weite Strecke. Die Reise, die teils zu Fuß und teils mit dem Schiff zurückgelegt werden musste, dauerte mehrere Monate, und was das für einen achtzigjährigen Mann bedeutet, kann man sich leicht ausdenken. Zehn Soldaten begleiteten den Glaubenszeugen. Ignatius war gut zu ihnen, aber je freundlicher er sich gegen sie benahm, desto unfreundlicher behandelte man ihn. Es war ein harter Kreuzweg für den Christusjünger.

 

Um den Gefangenen überhaupt lebend nach Rom zu bringen, musste unterwegs zweimal eine Ruhepause eingelegt werden. Diese Zeit benutzte Ignatius, um eine Reihe herrlicher Briefe an die ihm bekannten Christengemeinden zu schreiben, in denen er die Gläubigen zur Treue gegen Christus aufforderte.

 

Dann drängte er selbst zur Weiterreise, denn eine glühende Sehnsucht nach dem Martertod erfüllte ihn, und als er unterwegs hörte, dass die Christen in Rom ein Gnadengesuch für ihn an den Kaiser planten, bat und beschwor er sie, es doch nicht zu tun. "Erweist mir kein unangebrachtes Wohlwollen", schrieb er, "sondern lasst mich eine Speise der wilden Tiere werden, denn ich bin ein Brotkorn Gottes und muss von den Zähnen der wilden Tiere zermalen werden, nur dass ich zu Jesus Christus gelange."

 

Welch ein Held war dieser Bischof Ignatius, der trotz seiner achtzig Jahre mit dem feurigen Mut eines jungen Mannes für Christus in den Tod ging.

 

Die heilige Brigida (Brigitta), Jungfrau und Ordensstifterin in Irland,

+ 1.2.523 – Fest: 1. Februar

 

Die heilige Viehpatronin und Patronin Irlands, die das erste Frauenkloster Keldare gründete, lebte zur Zeit des Apostels Irlands, des heiligen Patrick. Ihr Leben ist so von Wundern umrankt, dass man sie die Wundertäterin nannte. In ihrer rührenden Sorge für die Armen gab sie die ihr geschenkten kostbaren Altartücher den Notleidenden. Am 1. Februar 523 starb die Siebzigjährige. Eine Reliquie brachten irische Mönche nach Köln in die Kirche Groß-St. Martin. Das mag ihre Verehrung am Rhein und in Westdeutschland begründet haben. Da sie trotz ihrer Stellung im Kloster freiwillig die Wartung des Viehes besorgte, so wurde sie Patronin der Kühe. Sorgte ja ihr Landsmann St. Wendelin für die Schafe, Antonius für die Schweine, Quirinius für die Pferde. Diese Viehpatronate zeigen wieder, wie stark volksverbunden die Heiligen waren, wie aber auch die Sorge für das Vieh eine heilige Pflicht war.

 

Der selige Klarus, Mönch und Klausner von Seligenstadt,

+ 1.2.1043 – Fest: 1. Februar

 

Im Kloster Seligenstadt im Odenwald in der Diözese Mainz lebte im 11. Jahrhundert ein Mönch, der den Ordensnamen Klarus, der Berühmte, führte. Diesem Namen machte er durch ein tugendhaftes Leben und Kenntnis der weltlichen und geistlichen Wissenschaften alle Ehre. Da wehte eines Tages durch seine Seele ein wunderbarer Hauch vom Heiligen Geist und mächtig rührte ihn die ewige Liebe. Von Stund an verwandte der Begnadete all den Eifer, mit dem er bisher die Wissenschaft pflegte, ganz auf Erwerbung der vollkommenen Liebe Gottes. Willst du aber Gott finden und ihm allein mit ganzer Kraft dienen, dann musst du den Verkehr der Welt meiden. Deshalb ließ sich der selige Klarus in eine ganz enge Zelle neben dem Kloster einschließen. Dreißig Jahre brachte er hier Gott das Opfer seines Dienstes, indem er seinen Geist beständig darauf gerichtet hielt, Gott mit Akten des Lobes und der Liebe zu verherrlichen. Im achten Jahr nach seiner Einschließung wurde er von Gott der prophetischen Schau gewürdigt, einer Gabe, die bis zum Tod andauerte. Wie dankbar war doch hierfür der Selige und tat alles, um diese seine innige Gottvereinigung fest zu bewahren. Seinen Leib hielt er in strenger Zucht. Er aß nie Fleisch, überhaupt nichts, was ehemals Leben in sich hatte; Wein und Bier kam nicht in seine Zelle. Seinen Geist ließ er nie müßig sein, nährte ihn vielmehr beständig durch das Studium der Heiligen Schrift, durch Gebet und Betrachtung.

 

Schon längst der Welt entrückt, hatte der Selige sich so durch gute Werke bereit gemacht, sie ganz zu verlassen. Am 1. Februar 1043 ging er in die ewige Ruhe des himmlischen Vaterlandes ein. Bei seinem Hingang hörten mehrere Mitbrüder den englischen Lobgesang: „In den himmlischen Reichen ist der Heiligen Wohnung, Halleluja, und in Ewigkeit währet ihre Ruhe, Halleluja.“

 

Nicht jeder ist berufen, sich gänzlich von der Welt abzuschließen, aber für jeden gilt das Apostelwort: „Flieht die Welt und was in ihr ist!“ Jeder soll sein Herz zu einer kleinen Einsiedlerzelle machen, wohin die Welt nicht dringen kann. Dahin soll er sich immer wieder zurückziehen, um Gott zu loben und anzubeten. Und der Herr wird dann dieses Herz auch zu einer Stätte innigster Liebesvereinigung und himmlischen Friedens machen.

 

Der heilige Pionius, Priester und Martyrer,

+ 1.2.250 - Fest: 1. Februar

 

Pionius war ein Priester in Smyrna und hatte viele Jahre durch sein Wort und Beispiel die Christen im Glauben gestärkt.

 

Im Jahre 250 offenbarte ihm Gott im Traum, dass er am Fest des heiligen Polykarp des Glaubens wegen von den Verfolgern ergriffen werde. Er bereitete sich daher am Tag zuvor mit Asklepias und Sabina durch Fasten und Gebet auf die kommenden Leiden vor. Als sie am Todestag des heiligen Bischofs noch beteten, kam Polemon, ein Vorsteher eines Götzentempels, mit Schergen und führte sie, weil sie sich weigerten am Götzenopfer teilzunehmen, mit Gewalt auf den öffentlichen Platz. Hier ermahnte sie Polemon in Gegenwart vieler Juden und Heiden wiederholt, den Göttern zu opfern, wenn sie dem Tod entgehen wollten. Die Bekenner weigerten sich aber standhaft. Da sagten einige aus dem Volk aus Mitleid: "Es ist doch gut zu atmen und das Licht zu sehen." Pionius antwortete: "Wohl ist es gut zu leben und das Licht zu schauen; aber jenes Licht, nach welchem wir verlangen! Wir verlangen nach einem andern Licht. Wir verkennen zwar diese Gaben Gottes nicht; aber wir verlassen sie gerne, weil wir uns nach höheren Dingen sehnen."

 

Hierauf fanden noch verschiedene lebhafte Reden statt, und man sah Sabina lächeln, als Pionius einen Heiden mit wenigen Worten abgefertigt hatte. "Du lachst?" rief man ihr drohend zu. Sie antwortete: "Ich lache, wenn es Gott gefällt; denn wir sind Christen." "Nun," hieß es, "so wird dir widerfahren, was du nicht willst. Denn die Frauen, welche sich zu opfern weigern, werden in Häuser der Unzucht geführt." "Darüber," sagte sie ohne Unruhe, "wird der heilige Gott walten." Darauf legten sie noch, einer nach dem andern, das Bekenntnis ab, dass sie den allmächtigen Gott anbeten, und wurden ins Gefängnis geführt. Man ließ ihnen hier die Freiheit, zu tun, was sie wollten. Sie unterhielten sich daher den ganzen Tag und einen großen Teil der Nacht mit Gott im Gebet und mit geistlichen Gesprächen. Doch kamen verschiedene Heiden zu ihnen, um sie in ihrem Vorsatz zu erschüttern. Sie mussten aber die Weisheit des Pionius bewundern. Auch solche kamen zu ihnen, welche sich durch Zwang zum Falle hatten hinreißen lassen, und jammerten und weinten. Dies war für Pionius ein herzzerreißender Anblick, um so mehr, da einige darunter waren, welche bis dahin einen unsträflichen Wandel geführt hatten. Er konnte sich der Tränen nicht enthalten, und sprach ihnen zu mit der zärtlichsten Liebe. Unter anderem sagte er: "Ich leide eure Peinen, und werde so gequält, als würden mir meine Glieder vom Leibe gerissen, indem ich vor mir sehe die Perlen der Kirche von den Füßen der Schweine zertreten, - euch, meine Kinder! die ich abermals mit Schmerzen gebäre, bis dass Christus in euch eine vollkommene Gestalt gewinne!" "O meine Söhne," setzte er hinzu, "glaubet ja nicht, dass Gott von uns gewichen sei; wir sind von Ihm gewichen!"

 

Nachdem er sie entlassen, kam Polemon, und rief mit fürchterlicher Stimme: "So eben hat euer Vorsteher (der Bischof Eudämon) geopfert. Die Obrigkeit befiehlt euch, sogleich in den Tempel zu kommen." Da sich Pionius auf die Ankunft des Proconsuls berief, wurden sie mit Gewalt aus dem Kerker geschleppt in den Tempel, wo sie sich standhaft zu opfern weigerten. Als man sie mit donnernder Stimme fragte, (noch stand ihr abtrünniger Bischof vor dem Götzenaltar) warum wollet ihr nicht opfern? antworteten sie: "Weil wir Christen sind." Auf die Frage der Richter, welchen Gott verehrt ihr? sagte Pionius: "Denjenigen, der den Himmel erschaffen, und ihn mit Gestirnen geschmückt, - der die Erde gegründet, und sie mit Bäumen und Blumen geziert hat." "Meinst du", fragten die Richter, "den Gekreuzigten?" "Ja," antwortete Pionius, "den, welchen der Vater zum Heil der Menschen gesandt hat."

 

Jetzt versuchte man, dem Pionius Opferkränze auf das Haupt zu setzen. Er aber zerriß sie, und warf sie vor den Altar. Die Bekenner riefen laut: "Wir sind Christen!" Einige vom Volk gaben ihnen Backenstreiche, worüber sie sich freuten, mit ihrem Heiland auch dieser Schmach teilhaftig zu werden. Die Richter blieben unschlüssig, was sie tun sollten, und ließen sie wieder in das Gefängnis führen. Die Bekenner lobten und priesen Gott. Als nach einigen Tagen der Proconsul nach Smyrna gekommen war, ließ er den Pionius vor den Richterstuhl fordern, redete ihm noch einmal zu, und verurteilte ihn dann, verbrannt zu werden.

 

Freudig ging Pionius dem Tod entgegen, entkleidete sich selbst, und bot auf dem Scheiterhaufen selbst die Hände hin, um sie an den Pfahl zu nageln. Als ihn das Volk so angenagelt sah, wurde es bewegt und rief ihm zu: "Pionius! ändere deinen Sinn, so werden dir deine Nägel wieder ausgezogen." Er aber antwortete: "Wohl fühle ich die Nägel!" und bald darauf sprach er: "Möge das ganze Volk überzeugt werden, dass eine Auferstehung der Toten künftig sei!" Schon sauste die Flamme, als er die Augen schloss und leise betete. Bald eröffnete er sie wieder, sah mit freudigem Blick in die Glut, und sagte: "Amen!" Dann atmete er den Geist aus mit diesen Worten: "Herr, nimm meine Seele auf!"

 

Nach eingesunkener Glut fand man seine Leiche frisch und wie verjüngt, und Haare und Bart unversengt. Die Gläubigen wurden darüber mit großer Freudigkeit erfüllt. Asklepias und Sabina sollen gekreuzigt worden sein.

 

Der selige Wolfhold, Priester zu Hohenwarth,

+ 1.2.1100 – Gedenktag: 1. Februar

 

In derselben Zeit mit der seligen Richildis lebte in Hohenwarth ein gottseliger Priester namens Wolfhold. Aus seinem Leben weiß man nur, dass er gewohnt war, den größten Teil der Nacht immer betend in der Kirche zuzubringen. Die zur Nachtzeit verschlossene Kirche wurde ihm jedesmal, wenn er sich ihr näherte, von den heiligen Engeln geöffnet, und wenn er wieder zurückkehrte, schlossen die seligen Diener Gottes die Tür wieder zu. Nach seinem seligen Tod nahm das Volk seine Zuflucht zur Fürbitte des treuen Dieners Gottes. Die Urkunden des Klosters Hohenwarth enthielten viele Wunder, die an seinem Grab geschahen. Um das Jahr 1492 war zu Hohenwarth ein von Seiboltsdorf gebürtiger Schneider namens Stephan, der entsetzlich an Steinschmerzen litt. Die Ärzte erklärten ihm, dass sie eine Operation vornehmen wollten, dass diese aber gar leicht den Tod nach sich ziehen könne. Er solle sich also aufs Sterben gefasst machen. Dem armen Stephan wurde entsetzlich bange. Die ganze folgende Nacht litt er wahre Todesangst. Zuletzt nahm er seine Zuflucht zu den heiligen Patronen von Hohenwarth und gelobte, auf bloßen Füßen zur Klosterkirche hinauf zu rutschen, wenn er von seinem Übel befreit würde. Darauf schlummerte er ein. Im Schlaf erschien ihm ein gar ehrwürdiger Priester mit zwei heiligen Jungfrauen und fragte ihn, ob er gesund werden wolle. Stephan antwortete: Freilich wünsche ich, geheilt zu werden. Siehe nur, wie entsetzlich ich leide. Kannst du es, so hilf mir Armseligen. Ich will es dir in alle Ewigkeit nicht vergessen. Aber sage mir, wer bist du denn? Der Priester antwortete: „Ich bin Wolfhold und war Seelsorger dieses Ortes. Man nannte mich nur den Wochner. Mein Leichnam liegt in der Kirche dahier begraben. Ich bin von Gott gesendet worden, dich von deinem Elend zu befreien, damit die Leute Gott preisen und seine Heiligen verehren mögen. Die eine dieser Jungfrauen ist Richildis, die andere ist Juliana, eine Gefährtin der heiligen Ursula. Beide ruhen hier in einem Grab.“ Als Stephan von seinem Schlaf erwachte, fühlte er sich von seinen Schmerzen vollkommen befreit, und zugleich fand er den Stein, der ihm solche Leiden verursacht hatte, in seiner rechten Hand. In aller Frühe verkündete er die wunderbare Heilung zuerst seiner Frau und dann den Ärzten, die bald darauf kamen, um die Operation an ihm vorzunehmen. Alle erstaunten und lobten und priesen Gott, der wunderbar ist in seinen Heiligen. Durch dieses Wunder wurde die Verehrung des seligen Wolfhold und der seligen Richildis ungemein befördert, und fortwährend kamen Leidende, die auf die Fürbitte der seligen Diener Gottes Befreiung von ihren Leiden erlangten.

 

2. Februar

 

Mariä Lichtmess

 

Der heilige Laurentius, Erzbischof von Canterbury,

+ 2.2.619 – Fest: 2. Februar

 

Der heilige Laurentius war von Geburt ein Römer und Ordensmann und als der heilige Papst Gregor vierzig Missionare im Jahr 596 nach England schickte, denen er den heiligen Augustin zum Anführer gab, begleitete sie Laurentius aus heiligem Eifer zur Verbreitung des wahren Glaubens. Sie besuchten auf ihrer Reise durch Frankreich den christlichen König und die frommen Bischöfe und kamen endlich glücklich in England an, wo sie der König Ethelbert sehr gütig aufnahm und ihnen zu Canterbury Wohnungen anwies, wo sie durch ihre Predigten und ihr heiliges Leben viele Heiden und im Jahr 597 den König selbst zum Christentum bekehrten. Als die Zahl der Bekenner Jesu sich von Tag zu Tag vergrößerte, reiste Laurentius wieder nach Rom, um dem obersten Kirchenhirten die günstigen Nachrichten ihres segensvollen Unternehmens zu hinterbringen und ihn zu bitten, einen Bischof zu ernennen für die neuen Christengemeinden. Papst Gregor erwählte den heiligen Augustin zum Erzbischof zu Canterbury und überschickte ihm bei dieser Gelegenheit das Pallium, mehrere Glaubensprediger, geistliche Kleidungen und heilige Reliquien. Bis auf das Jahr 608 arbeitete Augustin rastlos an der Bekehrung der Engländer, der Sachsen und Angeln, und ernannte und weihte noch vor seinem Tod den heiligen Laurentius zu seinem Nachfolger, der nicht nur nach dem Beispiel seines Vorgängers mit unermüdeter Sorgfalt über die ihm anvertraute Herde wachte, sondern auch alle Mittel anwendete, um die Bewohner Schottlands und anderer angrenzender Länder im wahren Glauben zu erhalten und sie zu bewegen, mit der römischen Kirche zu gleicher Zeit das Osterfest zu feiern.

 

Schon stand die Kirche in England in der hoffnungsvollsten Blüte, als der fromme König Ethelbert starb und sein Sohn Eduald den Thron bestieg, der ein lasterhafter Mensch war, im Heidentum lebte und sogar die Gemahlin seines Vaters zur Beischläferin hatte. Noch größer wurde das Unglück und die traurige Lage der christlichen Religion, als auch Sabereth starb, der so christlich gesinnte sächsische König, und seine drei Söhne überall die Gläubigen verfolgten und den Götzendienst wieder einführten. In einer Versammlung der Geistlichen unter dem Vorsitz des Erzbischofs wurde also beschlossen, das Bekehrungswerk Englands ganz wieder aufzugeben und über Frankreich und Rom zurückzukehren. Schon hatten Melitus und Justus, die eifrigsten Gefährten des heiligen Laurentius, England verlassen, und auch er war schon bereitet, ihnen mit den übrigen Missionaren nachzufolgen, als er die letzte Nacht vor seiner Abreise in der Hauptkirche der heiligen Apostelfürsten Peter und Paul unter vielen Tränen zu Gott um die Erhaltung der verfolgten Kirche flehte und schließlich von einem Schlummer überfallen wurde. Da erschien ihm der heilige Apostel Petrus, schlug ihn mit einer Geißel heftig und wies ihn hin auf die Treulosigkeit, die durch das Blut Jesu so teuer erkauften und ihm von Gott anvertrauten Seelen dem Verderben zu überlassen. „Hast du“, sprach er, „deine heiligen Pflichten ganz vergessen und gilt dir mein Beispiel denn gar nichts, der ich Ketten und Schläge, Gefängnis und Qualen, ja selbst den Martertod willig gelitten habe, ohne je daran zu denken, durch Flucht meine Herde zu verlassen?“ Diese Ermahnung und Züchtigung ermutigte den heiligen Erzbischof so sehr, dass er sogleich am folgenden Morgen zum König ging, ihm die frischen Wunden seines Körpers zeigte und im Namen des wahren und lebendigen Gottes ihn beschwor, abzulassen von der Verfolgung der Kirche Jesu und die errichteten Götzenbilder zu zerstören. Der König wurde gerührt, er änderte seinen lasterhaften Lebenswandel, empfing die heilige Taufe zur Vergebung seiner Sünden, ließ den Melitus und Justus wieder aus Frankreich zurückbringen und unterstützte und beförderte die Bemühungen der frommen Glaubensprediger so eifrig, dass in kurzer Zeit das Christentum in seinem Reich von neuem aufblühte. Unter seiner Regierung noch, nämlich im Jahr 619, starb der heilige Laurentius als ein lebensmüder Greis und wurde in der Kirche der heiligen Apostel neben dem heiligen Erzbischof Augustin beigesetzt.

 

Der heilige Kornelius, Hauptmann und Bischof von Cäsarea,

+ 1. Jhd. – Fest: 2. Februar

 

Mit heiliger Sehnsucht blicke ich zurück in jene seligen Zeiten des ersten christlichen Jahrhunderts, wo die gottbegeisterten Jünger des göttlichen Erlösers noch lebten und durch ihre einfachen, apostolischen Predigten die verlorenen Kinder Israels und die verblendeten Anbeter falscher, erdichteter Götter einführten in das Reich der Wahrheit und des Lichtes, sie versammelten unter dem siegreichen Zeichen des Christentums unter dem heiligen Kreuz, an dem Jesus von Nazareth mit seinem Blut die Schuld des sündigenden Menschengeschlechtes ausgetilgt hatte. Damals ging der verfinsterten Welt durch die Religion der Liebe in jugendlicher Schönheit die Sonne des Heils auf und Herzensfriede, den die Welt nicht geben kann, und innige Bruderliebe, Seelenreinheit und die beseligende Hoffnung eines ewigen Lebens bei und mit Gott beglückte die jungen Gläubigen. Unter den ersten, die durch die unendliche Barmherzigkeit Gottes zum Christentum berufen wurden, befand sich auch Kornelius, der heidnische Hauptmann bei der italienischen Legion, ein gerechter und tadelloser Mann, der allenthalben Menschenelend linderte und mit Gebet und Tränen den Weg des Heils suchte. Gott erhörte sein Flehen und eröffnete ihm durch seinen Engel, dass er Männer nach Joppe senden sollte zum Simon Petrus, der dann nach Cäsarea kommen und ihm Unterricht in der heiligen Religion erteilen würde. Unterdessen wurde dem heiligen Petrus, der als ein geborener Jude die Heiden als unrein verabscheute, in einer Erscheinung die Berufung der Heiden zum Christentum kundgetan und er begleitete freudig die Boten des Hauptmanns nach Cäsarea.

 

Als der Apostel in das Haus des Kornelius trat, fiel der ihm zu Füßen, was der heilige Petrus aber dadurch verhinderte, dass er ihm sagte, er sei nur ein sündiger Mensch und alle Ehre gebühre nur Gott und seinem Sohn Jesus, dem guten Heiland. Dann unterrichtete er den Hauptmann und seine Familie in den Heilswahrheiten und taufte sie im Namen des dreieinigen Gottes, worauf Kornelius seine Wohnung sogleich in ein christliches Gotteshaus veränderte, das der heilige Paulus besuchte, als er von Rom nach Jerusalem ging, und auch noch zu den Zeiten des heiligen Hieronymus stand. Unterdessen wirkte Kornelius mit der Gnade Gottes so sehr und zeichnete sich durch ein so heiliges Leben aus, dass er nach dem Tod des Zachäus, des Bischofs von Cäsarea, vom heiligen Petrus zu dessen Nachfolger erwählt und geweiht wurde. Mit unermüdetem Eifer predigte er Juden und Heiden das Evangelium und bekehrte unzählige Menschen zum Glauben an Jesus.

 

Mehrere Geschichtsschreiber des Altertums und besonders Metaphrastes erzählen, dass der heilige Kornelius auch nach Scepsis, einer Stadt in Mysien, kam, wo ihn der Landpfleger Demetrius nur unter der Bedingung das Predigen erlaubte, wenn er zuvor durch ein Zeichen die Wahrheit seiner Sendung beweisen würde. Kornelius begab sich zum Tempel des Apollo, der sogleich, nachdem der Heilige sich mit dem Kreuz bezeichnet hatte, im Beisein einer Menge Volkes zusammenstürzte, worüber die Heiden in eine solche Wut gerieten, dass sie ihn zu morden suchten. Allein Demetrius schützte den Heiligen und empfing von ihm nebst 207 Einwohnern der Stadt die heilige Taufe. Nach vielen Bekehrungen und heftigen Verfolgungen starb schließlich der heilige Kornelius im Jahr 41 und erhielt von der katholischen Kirche den Ehrennamen eines Blutzeugen Jesu.

 

Der heilige Burkard, Bischof zu Würzburg, im 8. Jahrhundert,

+ 2.2.752 - Fest: 2. Februar / 14. Oktober

 

Burkard verdankte sein zeitliches Leben und seine gute Erziehung frommen Eltern aus dem Adelsstand in England, Gott aber ein kindlich frommes Gemüt. Schon als Kind fand er keine Freude an den Kinderspielen, sondern am Beten und am Besuch der Gottesdienste. Unverdrossen erlernte er, was mit der Zeit ihm zu seinem Seelenheil und Beförderung der Ehre Gottes dienen konnte. An zeitlichen Dingen hatte er kaum ein Interesse. Seinen Leib versuchte er durch Enthaltsamkeit als Tempel des heiligen Geistes zu bewahren und mit Tugenden auszuschmücken. Er hatte ein immer größeres Verlangen, mit ungeteiltem Herzen Gott zu dienen. Etwa zu dieser Zeit suchte der heilige Bonifatius, der Apostel Deutschlands, tüchtige Arbeiter für seine große Mission und lud den heiligen Lullus und den heiligen Burkard zu diesem apostolischen Werk ein. Beide folgten dem Ruf und legten mit der Zeit die schönsten Proben ihrer Heiligkeit und ihres Religionseifers ab. Einige sagen, Bonifatius habe den Burkard mit sich nach Rom zum Papst Zacharias geführt und dort zum Bischof von Würzburg weihen lassen. Einige andere sind der Meinung, Bonifatius habe ihn konsekriert und nach Würzburg geschickt, obschon dadurch die Demut des Heiligen sehr gekränkt wurde. Würzburg zählte damals schon viele Gläubige seit der Zeit des heiligen Kilian und seiner Gehilfen. Burkard wurde von ihnen mit Freude im Herrn aufgenommen. In diesem Amt war der treue Oberhirt das Licht zur Erleuchtung der noch übrigen Heiden und der treue Haushalter der göttlichen Geheimnisse für die Gläubigen, indem er mit Nachdruck sowohl auf den heiligen Glauben, als auf die Erfüllung der Glaubensvorschriften drang, weil ohne beides die Erbarmung Gottes fruchtlos, ja nur zu größerer Verdammung sein würde. Seine Predigt wurde durch seinen Lebenswandel bestätigt und sein Hirtenamt durch sein eifriges Gebet von Gottes Geist gesegnet. An ihm sah man die christliche Sanftmut gegenüber jedermann, Geduld bei den Lästerungen böser Zungen, Mitleid gegenüber Armen und Betrübten, große Abtötung seiner selbst, Demut im ganzen Lebenswandel und bei der Hauseinrichtung, Gebets- und Seeleneifer, so dass sein geistliches Ansehen bei Großen und Kleinen vieles vermochte, wodurch die Ehre Gottes befördert wurde, weil der Heilige alles nur aus der Liebe zu Gott tat. Durch seine große Verehrung Gottes erhob Pipin die Bischöfe von Würzburg zu Grafen des Landes.

 

Um der Religion Kraft und Würde zu geben und die Gläubigen zur Dankbarkeit und Andacht zu ihren ersten Glaubensboten zu bewegen, fasste Burkard nach zwei Jahren seines Hirtenamtes den frommen Entschluss, die heiligen Leiber des heiligen Kilian und seiner Gehilfen zu erheben und der öffentlichen Verehrung auszusetzen. Für den guten Ausgang seines Vorhabens verordnete er einen Tag des Gebetes und des Fastens. Dann ging er mit der Geistlichkeit und dem Volk an den Ort, wo man glaubte das Heiligtum zu finden. Dort stach der erste in die Erde. Andere Arbeiter gruben die Erde aus und das Heiligtum wurde gefunden, das sich durch Wohlgeruch und Heilung vieler Pestkranken bei und nach der Entdeckung bewährte. Auf ihren Gräbern wurde eine Kirche erbaut und von nun an wurden diese Märtyrer öffentlich verehrt. Burkard stiftete auch mehrere religiöse Institute für Frauen und Männer. Seine Hirtentreue war von Gott so gesegnet, dass die ganze Umgegend zu Jesus Christus bekehrt wurde. Indessen nahmen bei seiner zehnjährigen Amtsführung seine Kräfte zusehends ab und er sehnte sich danach, die letzten Lebenstage enthoben von der Hirtenlast in stiller Ruhe zu verleben und sich zum Tod zu bereiten. Mit Bewilligung des heiligen Lullus (Bonifatius predigte damals in Friesland) und Pipins weihte er den zum Nachfolger bestimmten Megingaud oder Megingoz, einen Jünger des heiligen Wigbert, zum Bischof und übergab ihm den Hirtenstab. Darauf zog er nach Hohenbrug, einem einsamen Ort des Bistums, nahm den Büchervorrat mit sich, und verlebte da mit sechs Mönchen oder Priestern, die den frommen Eifer mit ihm teilten, den Rest seiner Tage im Wachen, Fasten und Beten. Er starb am 9. Oktober 752, wurde neben dem heiligen Kilian auf dem Marienberg begraben, wo er unter Anrufung des heiligen Andreas ein Kloster gebaut hatte. Hugo, Bischof zu Würzburg, erhob mit Erlaubnis und auf Befehl Papst Benedikts VII. die Gebeine des Heiligen im Jahr 983 am 14. Oktober, weshalb sein Andenken um diese Zeit gehalten wird. Die Ehre des Heiligen vor Gott wurde bekannt durch viele Wunderwerke.

 

3. Februar

 

Der heilige Anscharius (Ansgar), Bischof von Hamburg und Bremen,

+ 3.2.865 - Fest: 3. Februar

 

Anscharius wurde am 8. September 801 im nördlichen Frankreich geboren und verlor seine Mutter schon als er sechs Jahre alt war. Sein Nachfolger im Erzbistum und Verfasser seiner Lebensgeschichte, der heilige Rembert, schreibt, dass er sich nicht lange vom gewöhnlichen Leichtsinn der Jugend beherrschen ließ, sondern schon als Junge den Ernst eines Mannes zeigte. Der Grund dafür waren folgende Ereignisse:

 

"Es träumte ihn," wie Rembert wörtlich erzählt, "dass er auf einem sehr morastigen und schlüpfrigen Wege wandelte, und nur mit der allergrößten Anstrengung sich durcharbeiten konnte. Neben diesem lief ein anderer anmutiger und wohlgebahnter Weg. Auf demselben wandelte eine Gesellschaft weiß gekleideter Frauen, angeführt von einer durch Schmuck und Anstand vor allen übrigen sich auszeichnenden, großen und erhabenen Frau, welche die Gebieterin aller übrigen zu sein schien. Auch seine Mutter sah Anschar unter diesen Frauen. So wie er sie erkannte, wollte er zu ihnen laufen; vermochte aber nicht, sich aus dem Morast loszuarbeiten. Da kam es ihm vor, als spräche die Gebieterin der übrigen,- in welcher er bald die heilige Jungfrau Maria erkannte - so zu ihm: "Mein Sohn, willst du zu deiner Mutter?" Und als er nun mit sehnlichem Verlangen sprach: "Gerne! gerne!" da erwiderte sie: "Willst du Teil an unserer Gemeinschaft haben, so fliehe alle Eitelkeit und lass fahren die Kinderpossen! Denn wir verabscheuen gar sehr alles, was eitel und böse ist, und keiner kommt zu uns, den dergleichen noch erfreut."

 

Diese Erscheinung machte auf das Gemüt des Jungen einen so tiefen Eindruck, dass er eine Zeit lang alle Kinderspiele unterließ. Bald aber glaubte er durch seinen erwachenden Verstand nicht mehr an die Erscheinung. Er hielt sie für einen gewöhnlichen Traum, und lebte zerstreut, wie zuvor. Gott weckte ihn aber bald wieder aus dem Schlaf des Leichtsinns durch eine abermalige Erscheinung in einem Traum und durch den Tod des Kaisers Karl des Großen, den er noch kurz zuvor in seiner ganzen Herrlichkeit und Pracht gesehen hatte. Die schnelle Vergänglichkeit aller irdischen Freuden und Ehren machte mit dem Traumgesicht auf sein Herz diesmal einen bleibenden Eindruck, obgleich er erst im dreizehnten Lebensjahr war. Er wurde von diesem Augenblick an noch ernster und verlor in all seinem Tun und Lassen die Ewigkeit nie mehr aus seinen Augen.

 

Im Jahre 822 wurde er im Kloster Neu-Corvei in Westphalen zum Vorsteher der dortigen Schule, nach drei Jahren zum Glaubensprediger von Dänemark, wo er großen Segen stiftete, und im Jahre 832 zum Erzbischof von Hamburg ernannt.

 

Anscharius befürchtete, wie der heilige Paulus, nachdem er andern Christen gepredigt hatte, am Ende selbst verworfen zu werden. Um dies zu verhindern, heiligte er alle seine Gedanken, Worte und Werke durch den Beweggrund der Liebe Gottes und durch beständige Herzensandacht, und hielt seinen Leib mit seinen Neigungen und Leidenschaften durch eine abtötende Lebensweise in strenger Zucht. Er trug ein härenes Bußkleid, aß gewöhnlich nur Brot und trank nur Wasser. Das viele Gute, das durch ihn geschah, schrieb er nur Gott zu. Seine Liebe zu den Armen war so groß, dass er keine größere Freude kannte, als ihnen die Füße zu waschen, und sie am Tisch zu bedienen. Um die Gefühle der Liebe und Reue immer lebendig in seinem Gemüt zu erhalten, hatte er sich eine Sammlung sehr rührender Stellen gemacht, von denen er immer einige am Ende eines jeden Psalmes beisetzte. Er ging ein in die Ruhe des Herrn am 3. Februar 865. Auf seine Fürbitte geschahen nach seinem Tod viele Wunder.

 

Maria ist unsere Mutter und unsere mächtige Fürsprecherin bei Gott. Wollen wir sie auf eine ihr wohlgefällige und uns nützliche Art verehren, und uns jetzt ihres Schutzes, einst aber ihrer Gesellschaft erfreuen, so bekämpfen wir wie der heilige Anscharius unsere bösen Neigungen und entfernen uns immer weiter weg von den Eitelkeiten der Welt, und leben wir entweder unschuldig oder doch wahrhaft bußfertig.

 

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Preist die Welt kühne Helden, die mit dem Schwert die Feinde besiegten, blutige Schlachten schlugen und sich fremde Länder und Völker unterwarfen, so verdienen jene doch höhere Verehrung und Liebe, die nicht unter Kanonendonner, Mord und Brand in fremdes Gebiet eindrangen, sondern mit dem weltbesiegenden Wort des Evangeliums die Herzen der Völker eroberten und mit dem Licht der ewigen Wahrheit die Todesschatten des Heidentums verscheuchten. Als einen solchen Helden des Glaubens und der heiligen Liebe verehren wir den heiligen Ansgar.

 

Ansgar oder Anschar, gewöhnlich der Apostel des Nordens genannt, wurde am 8. September 801 im nördlichen Frankreich von angesehenen Eltern geboren, und von seiner frommen Mutter frühzeitig zur Gottesfurcht und Frömmigkeit angeleitet. Da sie ihm aber schon im fünften Lebensjahr durch den Tod entrissen wurde, so schickte ihn sein Vater in die berühmte Klosterschule zu Altcorvey in Frankreich, wo er unter der liebevollen Leitung des gelehrten Paschasius Radbert sich durch Fleiß, Frömmigkeit und Fortschritte in den Wissenschaften auszeichnete. Sein männlicher Ernst setzte seine jugendlichen Mitschüler in Erstaunen. Die Ursache war ein wunderbarer Traum. Ihm träumte einst, er gehe auf einem morastigen, sehr schlüpfrigen Weg. Neben dem Sumpf lief ein anmutiger, wohlgebahnter Weg hin, auf dem viele weißgekleidete Frauen und Jungfrauen liefen. Unter ihnen erkannte er auch seine selige Mutter. Er wollte zu ihr hineilen, vermochte aber nicht sich aus dem Morast herauszuarbeiten. Da sprach zu ihm eine hohe Frau, in der er die allerseligste Jungfrau zu erkennen glaubte: „Mein Sohn, wenn du an unserer Seligkeit teilnehmen willst, so musst du alle Eitelkeit der Welt fliehen und alle Kinderpossen ablegen; denn wir verabscheuen alles, was eitel und böse ist, und keiner kommt zu uns, der an solchen Dingen noch Freude hat.“ Dieses Traumgesicht machte auf Ansgar einen unauslöschlichen Eindruck.

 

Noch eine andere Begebenheit bestärkte den frommen jungen Mann in seinem Lebensernst. In seinem dreizehnten Lebensjahr hatte er den Kaiser Karl in aller Pracht und Herrlichkeit, mit Krone und Zepter, umgeben von den Großen des Reiches gesehen, und hörte dann, der Kaiser sei gestorben. Da erkannte er die Wahrheit des göttlichen Ausspruchs: „Alles ist eitel! Die Welt vergeht mit ihrer Lust, nur wer den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.“ Mit neuem Eifer widmete er sich frommen Übungen und den Wissenschaften, empfing das Ordenskleid des heiligen Benedikt und erhielt schon mit 20 Jahren die Oberaufsicht über die Klosterschulen.

 

Kaiser Ludwig der Fromme errichtete nach dem Muster des Klosters Corvey in Frankreich, ein ähnliches Kloster in Westfalen bei Höxter an der Weser, und nannte es Neu-Corvey. Dorthin schickte der Abt Wala den eifrigen Ansgar und übertrug ihm die Einrichtung und Leitung der Schulen, sowie das Predigtamt. Erst im Jahr 826 bot sich ihm Gelegenheit, seinen heroischen Entschluss auszuführen, den Heiden das Evangelium zu verkünden.

 

Harald, der König der heidnischen Dänen, war zum deutschen Kaiser Ludwig gekommen, um Hilfe gegen seine Feinde zu erbitten, lernte die christliche Religion kennen und ließ sich in Mainz taufen. Ansgar mit seinem Freund Autbert begleitete den König nach Dänemark, predigte dort den Dänen das Evangelium und bekehrte unzählige zum christlichen Glauben. Vor ihm hatten schon Ebbo und Halitgar den Samen des Evangeliums ausgestreut, aber des dauerhaftesten und wirksamsten Erfolges konnte sich nur Ansgar rühmen. Unter unsäglichen Opfern und Anstrengungen reiste der eifrige Mönch im ganzen Land umher, besiegte alle Hindernisse, bildete Gemeinden und errichtete eine Pflanzschule, aus der die ersten Bischöfe Dänemarks und Schwedens hervorgingen.

 

Im Jahr 831 wurde Ansgar vom Kaiser Ludwig zurückberufen, um in Verbindung mit seinem alten Freund Witmar die erste Missionsreise nach Schweden anzutreten, wie es der König Biöre wünschte. Von Wikingern ausgeplündert kam er in Birka an, predigte jeden Tag, taufte viele Heiden und erbaute eine Kirche. Nach anderthalb Jahren kehrte er zum Kaiser zurück.

 

Als die Zahl der Neubekehrten in Dänemark und Schweden mehr und mehr zunahm, gründete Kaiser Ludwig ein Erzbistum in Hamburg, und ernannte mit Genehmigung des Papstes Gregor IV. den hochverdienten Ansgar zum Erzbischof von Hamburg. Im Jahr 833 wurde Ansgar konsekriert, empfing vom Papst das Pallium und die Würde eines apostolischen Legaten bei den Dänen, Schweden, Slaven und anderen nordischen Völkern. Seine erste Sorge war, Anstalten zum Besten der Stadt und des Erzbistums zu gründen. Er baute den Dom, die Peterskirche, ein Kloster mit sehr reichhaltiger Bibliothek und eine Bildungsanstalt für junge Priester. Dabei vergaß er nicht seine nordalbingischen Missionen in Dänemark, Schweden und Norwegen. Dorthin sandte er von Zeit zu Zeit Glaubensboten und reiste selbst dahin, um sie zu unterstützen.

 

Eine harte Prüfung wurde unserem Heiligen bereitet, als im Jahr 845 ungefähr 600 Schiffe der normannischen Seeräuber den Elbstrom hinauffuhren, Hamburg überfielen und niederbrannten, und die Einwohner niedermetzelten oder als Sklaven mit sich führen. Kaum rettete Ansgar durch die Flucht das nackte Leben. Mit Hiob sprach er gottergeben: „Der Herr hat`s gegeben, der Herr hat`s genommen, der Name des Herrn sei gepriesen.“ Vergebens suchte der heimatlose Erzbischof lange ein Unterkommen. Schließlich erbarmte sich eine reiche und vornehme Frau, namens Ikia, des Obdachlosen und seiner Genossen und schenkte ihm eines ihrer Schlösser, nämlich Ramesloh, einige Stunden südlich von Hamburg. Als Kaiser Ludwig die feindlichen Normannen vertrieben hatte, kehrte Ansgar nach Hamburg zurück, sammelte seine zerstreute Herde wieder um sich und baute die Stadt wieder auf.

 

Nach dem Tod des Bischofs Leuderich von Bremen wurden im Jahr 848 die beiden Bistümer Hamburg und Bremen miteinander vereinigt und Ansgar nahm seine erzbischöfliche Residenz zu Bremen, weil es sich durch günstigere Lage empfahl. Der Heilige knüpfte gleich eine Verbindung mit dem Dänenkönig Horich an, überwand die entgegenstehenden Hindernisse und gründete die Kirche von Hadeby oder Schleswig. Unermüdlich predigte er und zwar mit so hinreißender Beredsamkeit, dass auch die Verstockten sich bekehrten. In Schweden fasste die christliche Religion am tiefsten Wurzel, als der König Olaus die Würfel entscheiden ließ, ob er das Christentum annehmen soll und diese zu Gunsten des letzteren fielen.

 

Während seiner rastlosen Bemühungen, Seelen für das Reich Gottes zu gewinnen, vergaß er seine eigene Heiligung nicht. Alle seine Gedanken, Worte und Werke ließ er von der Liebe leiten. Seinen Leib kreuzigte er durch Fasten und Abtötungen. Er trug ein härenes Bußkleid, aß gewöhnlich nur Brot und trank nur Wasser. Überall, wohin er kam, sorgte er liebreich für die Armen und setzte sich erst zu Tisch, wenn er seine lieben Armen gespeist hatte. Durch seine dringenden Bitten und Ermahnungen erwirkte er den Sklaven die Freiheit. Die Kranken tröstete er, betete über sie und viele wurden sogleich gesund. Als man ihn eins wegen eines offenbaren Wunders pries, sprach er voll Demut: „Das größte Wunder der Allmacht und Barmherzigkeit Gottes ist, dass ein sündiger Mensch heilig werde; und ich flehe zu Gott, dass dieses Wunder auch an mir zustande kommen möge.“ Den glücklichen Erfolg seiner Predigten und Bekehrungsarbeiten schrieb er nicht sich, sondern allein Gott zu.

 

Ansgar hatte nichts sehnlicher gewünscht, als seine irdische Wirksamkeit mit dem Martertod beschließen zu können und schrieb es seiner Unwürdigkeit zu, dass sein Verlangen nicht erfüllt wurde. Ganz abgezehrt brachte er auf seinen Sterbebett vier Monate lang in stiller Andacht zu, gab seinen Jüngern noch heilsame Ermahnungen, empfing die heiligen Sterbesakramente, betete mit aufgehobenen Händen für Freunde und Feinde, dankte Gott mit freudigem Herzen für die glückliche Vollendung seines Tagewerks, ließ das Te Deum anstimmen und verschied selig am 3. Februar 865 zu Bremen. Auf seine Fürbitte geschahen viele Wunder, und sein Name wurde bald nach seinem Tod in das Verzeichnis der Heiligen gesetzt. Die Hauptkirche zu Bremen wurde nach ihm St. Ansgariuskirche genannt. Bis zur Reformation wurde er als Apostel des Nordens verehrt. Sein Nachfolger, der heilige Rembert, hat sein Leben beschrieben.

 

Der heilige Celerinus, Diakon und Martyrer von Afrika,

+ 3. Jhd. – Fest: 3. Februar

 

Der heilige Celerinus wurde zu Anfang des 3. Jahrhunderts zu Karthago in Afrika geboren, von seinen frommen und christlichen Eltern gottselig erzogen und wegen seiner hohen Tugenden vom heiligen Cyprian unter die Zahl seiner Jünger aufgenommen. Er erwarb sich die Liebe seines heiligen Oberhirten so sehr, dass er ihm die Briefe anvertraute, die er während der heftigen Christenverfolgung nach Rom schickte, um mit den Nachfolgern des heiligen Petrus in steter Vereinigung zu leben. Als Celerinus das erste mal im Jahr 250 nach Rom kam, wurde er wegen seines unerschrockenen Eifers für die christliche Religion ins Gefängnis gesperrt, grausam gemartert und schließlich wieder freigelassen. Nach seiner Rückkehr nach Karthago weihte ihn der heilige Cyprian auf die Ermahnung Gottes zu seinem Diakon und der eifrige Diener Gottes widmete sein ganzes Leben der Verteidigung seiner heiligen Religion und starb schließlich als Blutzeuge Jesu. Welchen Ruhm er sich in der Kirche Gottes erworben habe, mit welcher Bereitwilligkeit er sein Blut und Leben für das Christentum opferte, lesen wir in der Rede, die der heilige Cyprian am Gedächtnistag des Martertodes unseres Heiligen an die Gläubigen zu Karthago hielt. „Celerinus“, sagt er, „war ein so tugendhafter und heiliger Mann, dass er nicht durch menschliches, sondern durch göttliches Urteil des priesterlichen Amtes für würdig geachtet wurde. Stets wachsam und bewaffnet gegen die Feinde der Kirche Gottes, war er immer der erste im Kampf und bahnte seinen Gefährten den Weg zum Sieg. Keine Marter, nicht Hunger und Durst, nicht die 19 Tage hindurch dauernden Qualen, wo er an der Tür des Kerkers aufgehangen war, konnten seinen Mut brechen, seine Geduld ermüden: an Fesseln geschmiedet, blieb sein Geist frei und selbst als Gefangener schien er der Gebieter seiner Verfolger zu sein. Das Geschlecht, aus dem er entsprossen war, war von jeher ein heiliges, denn seine Eltern und Verwandten zeichneten sich durch ruhmvolle Frömmigkeit aus. Celerina, seine Großmutter, Laurentius, seines Vaters Bruder, und Ignatius, sein Oheim, erhielten alle die Martyrerkrone.“

 

Der heilige Celerinus starb am dritten Februar zwischen den Jahren 259 und 260.

 

Der selige Johannes Nelson, Priester und Märtyrer in England, SJ,

+ 3.2.1578 – Fest: 3. Februar

 

Wenn in unserem Geist die Erinnerung an eine schwere Verfolgungszeit des christlichen Glaubens, an eine Märtyrerzeit auftaucht, so schwebt ihm gewöhnlich das Bild des Amphitheaters zu Rom vor. Ein grausamer Diokletian oder Nero bringt unser beleidigtes menschliches Gefühl in Erregung. Und doch bietet das schon längst christliche England des 16. Jahrhunderts ein Saatfeld von Märtyrerblut, für Christus und seine Wahrheit vergossen, das nicht weniger fruchtbar und glorreich ist als irgend eines aus der Heldenzeit der Kirche. Dort wütete ein Wüstling und Tyrann auf dem Thron, Heinrich VIII., und eine nichtswürdige, eitle Königin, Elisabeth, durch ihre dienstbaren Schergen Jahrzehnte hindurch mit den ausgesuchtesten und gewalttätigsten Mitteln gegen die Katholiken, besonders die katholischen Priester, die ihrer Neuerung in Glaubenssachen zu widerstehen und für die Erhaltung der katholischen Religion zu wirken wagten. Vielfach haben diese seeleneifrigen Apostel sich im Ausland auf ihren gefahrvollen Beruf vorbereitet. Kaum einige Monate, während derer sie von den furchtbaren „Priesterjägern“ wie gehetztes Wild im Land herumirrten, waren ihnen meist zur Aussaat gegönnt. Ein entsetzlicher Tod am Galgen oder ein langes Siechtum im Kerker war ihr Los, ihr zumeist selbst ersehnter Lohn, die Krone eines Märtyrers Christi.

 

John Nelson dürfen wir heute als ersten dieser ruhmreichen Helden grüßen. Er war im Jahr der Losreißung Englands vom Heiligen Stuhl, 1534, in Yorkshire geboren. Schon hatte er das vierzigste Lebensjahr zurückgelegt, als er von dem Seminar in Douay in Flandern und seinem Zweck hörte. So glühend war er für den Glauben seiner Väter begeistert, dass ihn sein Alter nicht zurückhalten konnte, die Studien nochmals aufzunehmen, um sich zum Dienst der heiligen Kirche in seiner Heimat vorzubereiten. Im Jahr 1573 kam er nach Douay und schon nach drei Jahren war er als würdiger Missionar wieder auf dem Weg nach England.

 

Allzu kurz war ihm die Gelegenheit gegönnt, am Seelenheil seiner Landsleute zu arbeiten. Am Abend des 1. Dezember 1577 wurde er zu London in seinem Zimmer verhaftet, während er eben beim Lampenschein das Breviergebet, die Matutin für den folgenden Tag, verrichtet. Das genügte natürlich, ihn als papistischen Priester sofort in den Kerker zu werfen. Vor die Kronkommissare gestellt, wurde er aufgefordert, den Suprematseid, der die Königin als Oberhaupt der englischen Kirche erklärte, zu leisten. Er verweigerte ihn ganz entschieden, denn niemals habe er gelesen oder gehört, dass ein weltlicher Fürst mit der obersten Leitung der Kirche betraut sei. Das sei allein der Papst. Als man ihn fragte, was er denn von der englischen Kirche halte, entgegnete er, sie sei ohne allen Zweifel sowohl schismatisch als auch häretisch (irrgläubig). Aufgefordert, was er unter Schisma verstehe, erklärte Nelson: „Das Schisma ist die freiwillige Trennung von der Gemeinschaft des römisch-katholischen Glaubens.“ Sofort zogen die Kommissare den richtigen Schluss: „Wie? Also ist die Königin schismatisch?“

 

„Das weiß ich nicht,“ antwortete er vorsichtig, „denn ich kenne die Gesinnung ihres Herzens betreffs der Verkündigung und Verteidigung der neuen Religion nicht.“

 

„Gerade sie ist es,“ drängten die Kommissare, „welche diese Religion verkündigt und verteidigt. Was denkst du also?“ Der Selige schwieg einen Augenblick. Er kannte das Statut wohl, das jeden, der die Königin schismatisch oder häretisch nannte, mit der Strafe des Hochverrats bedrohte. Er wollte sie nicht ohne Not reizen, aber auch seinen Glauben nicht verleugnen. So antwortete er bedingungsweise: „Wenn sie diese Religion öffentlich verkündigt und verteidigt, so ist sie zweifelsohne schismatisch und häretisch.“ Dieses Bekenntnis war genügender Beweis, ihn auf Leben und Tod anzuklagen. Sieben Wochen später wurde Nelson, da er auf dieser bedingt gegebenen Behauptung verblieb, zum Tod des Hochverrats verurteilt. Mit großer Seelenruhe nahm er das Urteil auf. Es war am Vorabend von Mariä Lichtmess. Am Tag nach diesem schönen Muttergottesfest sollte es vollstreckt werden. Mit Fasten und Beten bereitete sich der Selige auf den Hingang vor, der für ihn der Eingang in die unaussprechlichen Wonnen werden sollte, die der Herr seinen treuen Blutzeugen vorbehalten hat. Von irdischen Dingen wollte er so wenig hören, dass er nicht einmal die Märtyrerakten, wie ihm ein Freund riet, zur Lesung nehmen wollte. Er habe Betrachtungsstoff genug, sagte er, und denke an das blutige Leiden, das so viele tausend Heilige für Christus geduldet hatten. Eine Quelle süßer Zuversicht war ihm der Empfang der heiligen Kommunion. Ist doch kein Kerker so tief und keine Mauer zu dick, dass nicht der eucharistische König zum Trost seiner Getreuen Eingang fände. Noch bevor sein Urteil gesprochen war, kamen nämlich einige Katholiken zu ihm in den Kerker und wünschten aus seiner Hand mit dem Himmelsbrot gespeist zu werden. Ein Priester würde ihm denselben Liebesdienst erweisen. Sie schlugen den Tag nach Mariä Lichtmess vor, weil man an diesem Tag am wenigsten Argwohn schöpfen würde. Allein Nelson entschied für vier Tage vorher, ohne eine Ahnung zu haben, dass er dem Martertod unmittelbar nahe sei. Ohne diese glückliche Fügung würde er die heilige Wegzehrung nicht mehr haben empfangen können. Auch hatte der Selige während seiner Gefangenschaft um Aufnahme in die Gesellschaft Jesu nachgesucht und sie erhalten.

 

Am Morgen des 3. Februar besuchten ihn nochmals zwei seiner Verwandten, vermutlich Brüder. „Was fangt ihr an,“ sprach er zu den Weinenden. „Ich sollte in dieser Stunde von euch getröstet werden. Weint und seufzt über eure Sünden! Was mich betrifft, so bin ich der zuversichtlichen Hoffnung, dass mir dieser Tod das größte Glück bringen wird.“ Gefasst nahm er Abschied. Die ihn besuchenden anglikanischen Geistlichen wies er kurz ab, ohne sich in einen Disput mit ihnen einzulassen. Als die Beamten, die ihn auf die Schleife warfen, ihn aufforderten, er solle die Königin um Verzeihung bitten, weigerte er sich, da er sich keines Vergehens bewusst sei. Die Volksmenge schrie tobend, dann würde er auch mit all den ausgesuchten Qualen eines Hochverräters sterben. „Gut,“ sagte er, „Gottes Wille geschehe! Ich sehe den Tod vor Augen und sterbe gerne. Besser ist es, hier unter den ausgesuchtesten Qualen zu sterben, als die ewigen Qualen der Verdammten in der Hölle zu leiden.“ Schon auf dem Karren stehend, der unter den Füßen weggezogen zu werden pflegte, wenn der Hinzurichtende die Schlinge um den Hals hatte, betete Nelson die gewöhnlichen Gebete eines katholischen Christen nebst dem Miserere, De profundis und Confiteor. Darauf sprach er zu dem versammelten Volk:

 

„Euch alle, so viele ihr am heutigen Tag diesem Schauspiel anwohnet, fordere ich zu Zeugen auf, dass ich ein Katholik bin und für meinen Glauben, den ich nicht verraten wollte, mit größter Freude Blut und Leben hinopfere. Deshalb bitte ich den allmächtigen Gott, dass er gemäß seiner großen Barmherzigkeit eure Herzen erleuchten wolle, damit ihr wahre Katholiken werdet und im Schoss der heiligen, katholischen, römischen Kirche lebt und sterbt.“

 

Das Volk schrie bei diesen Worten: „Nieder mit dir und deinem römisch-katholischen Glauben!“ Der Selige aber wiederholte unerschrocken nochmals diese Bitte. Dann bat er alle um Verzeihung und forderte die anwesenden Katholiken auf, für ihn zu beten. Viele riefen offen: „Herr, nimm auf seine Seele!“

 

Nochmals bedrängten ihn die Beamten, die Königin um Verzeihung zu bitten: Einen Augenblick sich besinnend, sprach der Selige: „Wenn ich sie oder sonst jemand beleidigt habe, so bitte ich sie und jedermann um Verzeihung, wie auch ich allen verzeihe.“

 

Sobald der Selige hing, wurde er wieder vom Strick losgeschnitten. Man riss ihm, noch bei voller Besinnung, die Eingeweide aus dem Leib. Als der Henker nach seinem Herzen griff, betete der Sterbende noch namentlich für seine Verfolger. Das Volk, das noch kurz zuvor sosehr gegen den Seligen tobte, wurde jetzt hiervon tief ergriffen. Die ehrwürdigen Gliedmaßen des Seligen wurden in der üblichen Weise an den vier Toren der Hauptstadt, sein Haupt an der Londoner Brücke aufgespießt. Nach einem Bericht des Kardinals Allen wirkte Gott durch die Reliquien des seligen Blutzeugen verschiedene Krankenheilungen.

 

„Für die Frommen ist der Tod nur wie eine Wäsche,“ sagte der heilige Pfarrer vor Ars. Die Wäsche muss erst in der Lauge liegen, dann wird sie schön weiß. Der Tod wird die Frommen zur Verherrlichung. Darum fürchteten sie nicht den leiblichen Tod, sondern nur den ewigen. Lieber die ausgesuchtesten Qualen des irdischen Leidens und Todes als die Qualen der Hölle!

 

Der heilige Blasius, Bischof und Märtyrer von Sebaste, Armenien,

+ 3.2.316 – Fest: 3. Februar

 

Die Lebensgeschichte dieses heiligen Bischofs ist uns unbekannt. Wir wissen von ihm nur, dass er Bischof von Sebaste war, und auf Befehl des Agricolaus, des Statthalters von Cappadocien und Kleinarmenien, um das Jahr 316, während der Verfolgung des Licinius, gemartert wurde. Ferner finden wir noch in den Akten des heiligen Eustrat, der unter Diocletian hingerichtet wurde, dass der heilige Blasius, der Bischof von Sebaste, seine Gebeine mit Ehrfurcht sammelte, um sie mit jenen des heiligen Orest zu begraben, und dass er mit aller Genauigkeit die letzten Befehle des seligen Eustrat (13. Dezember) vollzog. Das Fest unseres Heiligen ist bei den Griechen ein gebotener Feiertag, und wird am 11. Februar gefeiert. Man findet auch seinen Namen in den alten Martyrologien des Abendlandes, die dem heiligen Hieronymus zugeschrieben werden. Als durch die Kreuzzüge die Gebeine des heiligen Blasius ins Abendland gebracht wurden, ist seine Verehrung da zugleich sehr verbreitet worden. Durch viele wunderbare Heilungen, die auf seine Fürbitte geschehen sind, hat sich die Verehrung dieses heiligen Märtyrers beim Volk noch vermehrt. Er ist Titularpatron von Ragusa.

 

Dürfen wir wohl der Peinen gedenken, die die Märtyrer aus Liebe zu Jesus Christus erduldet haben, ohne uns unserer Feigheit zu schämen? Was für eine Unbeständigkeit in unseren Entschlüssen, einem Gott zu dienen, der so viel für uns getan hat! Die kleinste Beschwerde bringt uns in Verwirrung, und wir kehren schnell wieder auf den Weg unserer ersten Verirrungen zurück. Werden wir denn nie den Mut haben, unser Leben nach unseren besseren Einsichten einzurichten? Werden wir uns immer als Schwächlinge vom Strom der Welt hinreißen lassen, ihren verführerischen Beispielen folgen, und ihre falschen Grundsätze annehmen, die wir doch, als dem Geist des Evangeliums zuwider, verdammen, wofern wir nur ein wenig mit ruhigem Gemüt über dieselben nachdenken? Werden wir nie aufhören, Sklaven einer Einbildung zu sein, die die Hindernisse immerdar in unseren Augen vergrößert, um uns vom einzig wichtigen Werk der Bekehrung stets zurückzuhalten. Soll uns denn immer die Eigenliebe blenden, die uns unsere Schlaffheit unter trügerischem Schein verbirgt? Fassen wir heute einen neuen Entschluss, uns fest an Gott anzuschließen. Allein dieser Entschluss muss auch wirksam sein, und uns siegreich aus allen Kämpfen führen, die wir gegen das Fleisch und die Welt zu bestehen haben, und die uns immer in unsere alten Treulosigkeiten zurückzuwerfen versuchen.

 

4. Februar

 

Der heilige Andreas Corsini, Bischof von Fiesole, Italien,

+ 6.1.1373 - Fest: 4. Februar

 

Die Eltern unseres Heiligen, vornehme und gottesfürchtige Leute in Florenz, beteten lange Zeit zu Gott, dass er ihnen eine Nachkommenschaft schenken möge, und sie wurden erhört. Ihnen wurde 1302 ein Junge geboren. Da man an diesem Tag gerade das Fest des heiligen Apostels Andreas feierte, erhielt er den Namen Andreas. Am Tag vor der Geburt träumte die Mutter, sie werde einen Wolf zur Welt bringen, der einem Karmeliterkloster zueilend in ein Lamm verwandelt würde.

 

Andreas war ein lebhafter Junge, hatte einen hellen, durchdringenden Verstand. Allerdings fühlte er sich von Natur aus sehr zu sinnlicher Lust hingezogen, was seinen Eltern, besonders seiner Mutter, viele Kummer verursachte. In der Gesellschaft anderer junger Leute machte er Jagd auf alle Freuden, die ihnen die große Welt ermöglichte. Spiele, Trinkgelage und schlechte Gesellschaften löschten in ihm den letzten Funken der Gottesfurcht aus. Seine Frechheit und sein Übermut übertraf sogar die seiner Gefährten. Die fromme Mutter warf sich vor dem Bild der Himmelskönigin auf die Knie und flehte zu ihr: "Du weißt es, liebe Mutter Gottes, du Mutter unseres Erlösers, wie die Seele meines Sohnes, die dein Sohn durch sein kostbares Blut so teuer erkauft hat, in Gefahr steht, ewiglich zu Grunde zu gehen. Du weißt es, wie ich dir meinen Sohn in frühester Kindheit, ja von Geburt an aufgeopfert und deiner Pflege ihn so inniglich empfohlen habe. O erbarme dich meiner, du mächtige und gebenedeite Jungfrau!, und bitte für ihn deinen göttlichen Sohn." Darauf fing die Mutter bitterlich zu weinen an. Und so traf sie Andreas an, als er sich gerade ankleidete, um in eine lustige Gesellschaft zu gehen. Von den Tränen der Mutter bewegt, fragte er sie nach der Ursache ihres Leids, und war sehr betroffen, als sie ihm wieder sein liederliches Leben ernst vorhielt und den Abgrund des Verderbens, an dem er stehe. Als aber die Erzählung des Traums entschlüpfte, den sie am Tag vor der Geburt des Jungen gehabt hatte, und sie ihm sagte, dass zu ihrem größten Leid der erste Teil des Traumes wahr geworden wäre, ermahnte sie ihn, er möge nun darauf sehen, wie er den Wolf in das Lamm verwandle. Der Sohn bedeckte voller Scham sein Gesicht, und von Gottes Gnade angerührt fing er bitterlich zu weinen an; und als er vor lauter Schluchzen zu Worte kommen konnte, sprach er: "Ja Mutter, du sollst es erleben, dass aus dem Wolf ein Lamm geworden ist. Du hast mich der Mutter Gottes aufgeopfert. Ich will nun ganz und gar in ihren Dienst treten. Erbitte mir von Gott Verzeihung meiner Sünden und verzeih auch du mir all das Herzensleid, das ich dir durch mein gottloses Leben angetan habe." Andreas wurde Karmeliter. Während des Probejahres hatte er schreckliche Anfechtungen zu überwinden. Seine böse Natur und seine Gewohnheiten versuchten ihn auf alle erdenkliche Weise zur früheren Gottlosigkeit zu verleiten. Man erzählt, es sei ihm während des Noviziats der Teufel in der Gestalt eines seiner früheren Freunde erschienen und habe ihn zu überreden versucht, das geistliche Kleid abzulegen und wieder in die Welt zurückzukehren. Aber getreu seinem Vorsatz ein beständiges Stillschweigen zu beobachten, habe er den Satan besiegt; dieser sei beschämt verschwunden.

 

So wurde Andreas aus dem vornehmen Geschlecht der Corsini zum Priester geweiht und geschickt, um auch die verstocktesten Sünder auf den dornigen Weg der Buße zur Gottseligkeit zurück zu bringen. Einer seiner Verwandten wurde bis zur Verzweiflung von Melancholie geplagt. Um sich davon abzulenken, verwandelte er sein Haus in ein öffentliches Spielhaus. Andreas brachte ihn dazu, statt dessen täglich sieben Vater Unser und Ave Maria zusammen mit dem Salve Regina zu beten, und die Melancholie war verschwunden.

 

Der allerseligsten Jungfrau war der heilige Andreas mit solcher Andacht und Liebe zugetan, dass sie ihm einmal, als er eben die Messe las, erschien und sprach: "Du bist mein Diener, in dir will ich mich rühmen."

 

Andreas erhielt auf der hohen Schule zu Paris den Doktorhut, kehrte von da nach Florenz zurück, und wurde zum Vorsteher seines Klosters erwählt. Bald darauf wollte die Stadt Frisoli, eine Meile von Florenz entfernt, ihn zu ihrem Bischof haben. Andreas, der davon hörte, floh und versteckte sich in einem Karthäuserkloster. Umsonst war alles Nachfragen und Suchen. Bereits schritt man zu einer neuen Wahl. Da schreit ein dreijähriges Kind aus der Menge des versammelten Volkes laut auf: "Andreas, den Gott zu unserem Hirten bestimmt hat, befindet sich wirklich bei den Karthäusern im Gebet." Andreas, der den Willen Gottes erkannte, ließ sich zum Bischof von Frisoli weihen und sah ein, dass ein Bischof mehr in der christlichen Vollkommenheit, als an Würde den Priester übertreffen sollte. So wurde er noch strenger gegen sich selber, fastete, trug sein ganzes Leben hindurch ein Bußkleid, betete täglich die sieben Bußpsalmen und schlief nur kurze Zeit auf gedörrten Rebschossen. Je strenger er zu sich selbst war, um so liebevoller war er gegenüber den anderen. Besonders wichtig war es für ihn, große und verstockte Sünder, diese verirrten Schafe, zu Christus, dem guten Hirten, zurückzubringen. Was ihm denn auch mit Gottes Gnade besonders gut gelang, zu großer Erbauung und zum Segen für sein ganzes Bistum.

 

Von Papst Urban V. beauftragt, begab er sich als außerordentlicher Gesandter nach Bononien, und stillte dort die Auseinandersetzungen und die Uneinigkeit der Bürger durch seine Milde und sein sanftmütiges Zureden.

 

Nachdem dieser heilige Bischof das 71. Jahr bereits angetreten hatte, wurde er in der heiligen Nacht, in der man die gnadenreiche Geburt unseres Herrn feiert, während er die heilige Messe las, innerlich von Gott ermahnt, dass die Stunde seines Todes herannahe. Sogleich darauf überfiel ihn ein heftiges Fieber. Die ganze Stadt erschrak und weinte um ihren heiligen Bischof, der ihr sollte entrissen werden. Er selber aber war voller Freude und voll des lebendigen Vorgefühls seiner künftigen Seligkeit. So starb er am 6. Januar 1373. Sein Leichnam wurde, wie er es selber verordnete, in der Karmelitenkirche in Florenz begraben. Im Jahre 1440 versetzte Papst Eugen IV. den heiligen Andreas Corsini in die Zahl der Seligen, Papst Urban VIII. 1629 in die Zahl der Heiligen, und verordnete seinen Festtag auf den 4. Februar.

 

Der heilige Rhabanus Maurus, Erzbischof und Bekenner zu Mainz,

+ 4.2.856 - Fest: 4. Februar

 

Was der erste Erzbischof von Mainz, Bonifatius, der große Apostel der Deutschen, ruhmreich begonnen hatte, hat der fromme und gelehrte Rhabanus Maurus mit den Waffen des Geistes, der Liebe und des Kreuzes glücklich vollendet. In der Reihe vieler ausgezeichneter Kirchenfürsten auf dem Mainzer Bischofsstuhl glänzt er als einer der gelehrtesten und verdienstvollsten.

 

Rhabanus wurde zwischen 774-776 zu Mainz geboren und gehörte einem weitverbreiteten, alten Geschlecht an. Schon frühzeitig entwickelten sich seine außerordentlichen Geistesgaben. Zur weiteren Ausbildung übergaben ihn seine Eltern den Mönchen des Klosters Fulda. Unter der Leitung des Abtes Baugolf genoss Rhabanus einen gründlichen Unterricht nicht bloß in den theologischen, sondern auch in den weltlichen Wissenschaften und wurde 801 zum Diakon geweiht. Darauf ging er nach Tours, um den weisen Lehren des berühmten Lehrers Alcuin zu lauschen, und dieser gewann den hochbegabten und bescheidenen Schüler so lieb, dass er mit ihm einen innigen und unauflöslichen Freundschaftsbund schloss und ihm wegen der Reinheit seiner Sitten den Namen Maurus, des Lieblingsschülers des heiligen Benedikt gab.

 

Nach seiner Rückkehr nach Tours übernahm Rhaban mit dem ebenso frommen als gelehrten Samuel die Leitung der Schulen zu Fulda und brachte sie zu einer hohen Blüte. Einige Jahre später hob der Abt Radgar die vom heiligen Bonifatius und Sturmius eingeführten und erprobten Einrichtungen auf, änderte die Ordensregel und Kleidung der Mönche, hob die Studienzeit auf und brachte die größte Unordnung herbei, so dass die völlige Auflösung des Klosters befürchtet wurde. Dem Rhaban nahm er selbst sein Teuerstes weg, seine Bücher, um ihn, so wie die übrigen Mönche als Handlanger zu seinen kostspieligen Bauten zu verwenden. Erst im Jahr 817 wurde Radgar abgesetzt und Abt Eigil trat an seine Stelle.

 

Mit Eigil kehrte der Friede und die Pflege der Wissenschaften in das Kloster Fulda zurück und Rhaban übernahm wieder das ihm so teure Lehramt. In kurzer Zeit verbreitete sich der Ruhm der Fuldaer Schule durch ganz Europa und der berühmte Albertus Magnus trug kein Bedenken, dem ebenso frommen als weisen Benediktinermönch Rhaban den Ehrentitel eines Kirchenlehrers beizulegen. In dieser Zeit verpasste Rhaban mehrere Bücher, die sich nicht nur über theologische Wissenschaften, sondern auch über Zeitrechnung, Sternkunde und Rechenkunst verbreiteten.

 

Nach dem Tod Eigils eröffnete sich ihm ein neuer Wirkungskreis, indem ihn die Wahl der Brüder zum Abt erhob. In diesem Amt verkündete er eifrig die Lehre des Heils in Predigten und Homilien, eiferte gegen den noch bestehenden Aberglauben und den Umgang mit Heiden, beendete den Bau des Klosters zu Fulda, vermehrte die kleinen Klöster, ließ die Klostergüter nicht mehr durch Laien, sondern durch Geistliche verwalten, damit niemand ohne Gottesdienst sei und niemand ohne die hl. Sakramente aus dem Leben scheide. Zur Verherrlichung des Gottesdienstes und Erweckung der Andacht ließ er die Kirchen durch tüchtig ausgebildete Mönche mit Malereien, Bildwerken und Metallarbeiten ausschmücken und für die Reliquien kostbare Schreine anfertigen. Noch im höheren Grad beförderte er die Wissenschaften. Eine Menge der frömmsten und gelehrtesten Männer seiner Zeit empfing aus seinem Mund das Wort der Wahrheit und Weisheit, oder begeisterte sich an seinem Beispiel zu den großmütigsten und segensreichsten Opfern für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen. Seine Bibliothek nahm derart zu, dass fast alles, was die Weisheit der Welt je hervorgebracht hatte, dort zu finden war. Er selbst verfasste eine Reihe von Büchern, aus denen der Reichtum seines Wissens und seine glühende Begeisterung für das Reich Gottes hervorleuchtet. So verbreitete sich Rhabans Tätigkeit und Ruhm in den weitesten Kreisen, und zwar insbesondere auch dadurch, dass er mit seinen Mönchen mehrere neu entstandene berühmte Klöster, wie Corvey und Hirschau, bevölkerte. Dabei vergaß er nicht die zarte Sorgfalt für Arme und Bedrängte. So ordnete er an, dass jedes Mal nach dem Tod eines Mönches sein täglicher Anteil an Speise und Trank dreißig Tage lang den Dürftigen verabreicht werden sollte.

 

Dem Kaiser Ludwig war Rhabanus immer treu geblieben und hielt es nach dessen Tod mit Kaiser Lothar. Als dieser aber gestürzt war, konnte Rhaban nicht mehr Abt zu Fulda bleiben und übergab seine Würde an seinen Schüler und Freund Hatto (842). Bis zum Jahr 847 hielt er sich teils bei seinem Freund Haymo zu Halberstadt, teils auf dem Petersberg bei Fulda auf und schrieb mehrere sehr wertvolle Werke.

 

Nach Otgars Tod 847 wurde Rhabanus auf den Erzbischöflichen Stuhl zu Mainz berufen. Obwohl im Alter weit fortgeschritten, entfaltete der neue Kirchenfürst eine außerordentliche Tätigkeit. Um die Reinheit des Glaubens zu erhalten, den Eifer der Geistlichkeit und die guten Sitten des Volkes zu fördern, berief er ein Provinzial- und ein Nationalkonzil, verdammte die Ketzerei des Mönches Gottschalk, erließ mehrere sehr nützliche und zeitgemäße Kirchengesetze, die durch den Kaiser bestätigt und bekräftigt wurden gegen unbefugte Eingriffe weltlicher Großen. Seine Mußezeit benutzte Rhaban, um noch mehrere ausgezeichnete Werke zu verfassen, z.B. über das Leiden des Herrn und seiner Heiligen, über das heiligste Altarsakrament, Homilien, ein Lied vom Lob des hl. Kreuzes u.a., die das Gemüt tief ergreifen.

 

Seine vorzügliche Barmherzigkeit gegenüber den Armen legte er besonders während einer großen Hungersnot im Jahr 850 an den Tag. Denn täglich speiste er mehr als 300 Arme, diejenigen nicht mit eingerechnet, die er an seinem eigenen Tisch fortwährend verpflegte. Durch fortwährende Arbeiten für Gottes Ehre und das Heil der Menschen erschöpft, ging er zum unsterblichen Leben hinüber am 4. Februar 856 zu Winkel im Rheingau, nachdem er neun Jahre lang den erzbischöflichen Stuhl geziert hatte. Sein hl. Leib wurde in der St. Albanskirche zu Mainz beigesetzt. Vom Kardinal-Erzbischof Albert von Mainz wurden im Jahr 1515 die Reliquien des heiligen Rhabanus Maurus mit denen des heiligen Maximus feierlich nach Halle in Sachsen übertragen. Noch heute zeigt man seine Wohnung zu Winkel. Sein Andenken lebt unter den Bewohnern des Rheingaues fort und viele rufen ihn um seine Fürbitte an.

 

Der heilige Rembert, Erzbischof von Hamburg und Bremen,

+ 11.6.888 – Fest: 4. Februar

 

Kaiser Ludwig der Fromme erfüllte vollkommen sein Versprechen, das er seinem christlichen Vater, Karl dem Großen, damals gemacht hatte, als er ihn zum Herrscher über alle von ihm besessenen und eroberten Reiche ernannte. Als ein Freund und Beschützer der katholischen Kirche, verbreitete er mit rastloser Sorgfalt die heilige Religion in den entferntesten Ländern, sorgte für die Bildung eifriger Priester, die er als seine Väter liebte, und erbaute Klöster und Kirchen, damit dem gläubigen Volk das Wort Gottes zu jeder Zeit verkündigt wurde. Unter den Gottesmännern, die während seiner Regierung das Reich Gottes erweiterten und in den entferntesten nordischen Provinzen das Heidentum bekämpften, zeichnete sich besonders der heilige Anscharius, Erzbischof von Hamburg und Bremen aus. Als er auf dem Totenbett lag und die Christen und seine Geistlichen ihn unter Tränen fragten, wer sein Nachfolger werden sollte, antwortete er ihnen, dass er mit gutem Gewissen behaupten könne, sein Jünger Rembertus sei wegen seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit bei weitem würdiger, Erzbischof zu sein, als er selbst verdient habe, je zum Diakon geweiht zu werden. Auf dieses Zeugnis wurde Rembert nach dem Tod des heiligen Oberhirten einstimmig zum Bischof gewählt und erhielt von Lintbertus, dem Erzbischof zu Mainz, die heilige Weihe. Er war aus Flandern gebürtig und erwarb sich schon als Knabe durch seine Frömmigkeit so sehr die Liebe des heiligen Anscharius, dass er ihn im Kloster Thurolt erziehen ließ und ihn dann zu seinem vertrautesten Jünger wählte, der ihn auf allen seinen Reisen begleitete und später sein heiliges Leben beschrieb.

 

Ehe der neue Erzbischof seinen oberhirtlichen Stuhl in Besitz nahm, begab er sich in das Kloster Corvey, legte die feierlichen Ordensgelübde des heiligen Benedikt ab, die er sein ganzes Leben lang getreu beobachtete, und wählte den Aldegarius, einen Ordensbruder, zu seinem Jünger, den er stets um sich hatte und zum Zeugen aller seiner Handlungen machte. Als ein Muster der Demut, Abtötung und aller christlichen Tugenden leuchtete er seiner Herde und besonders seiner Geistlichkeit voran und nachdem er in seinem Bistum die schönste Ordnung eingeführt, mehrere Klöster und Kirchen errichtet und eingeweiht hatte, machte er selbst eine Missionsreise in die dänischen und schwedischen Provinzen, um die Überreste des Heidentums zu vertilgen und allenthalben die Anbetung des wahren und einzigen Gottes einzuführen. Bei dieser Gelegenheit verwendete er sein Hab und Gut zur Unterstützung der Armen und zur Befreiung der Gefangenen, und als er unter den slavischen Völkern eine gottgeweihte Jungfrau in Fesseln erblickte und nichts mehr hatte, um ihre Loslassung zu erkaufen, gab er sein eigenes Pferd und seine bischöfliche Kleidung für die Gefangene. Durch sein Gebet wirkte er schon im Leben auffallende Wunder, stillte öfters auf seinen Seereisen nach Schweden die heftigsten Stürme des Meeres, erteilte mehreren Blindgeborenen das Augenlicht und befreite den Sohn eines schwedischen Königs vom bösen Geist.

 

Nach so vielen und beschwerlichen Reisen erkrankte der heilige Erzbischof Rembertus, nachdem er 23 Jahre unermüdet im Weinberg des Herrn gearbeitet hatte und empfing bis zu seinem Tod mit innigster Andacht täglich die heilige Kommunion. Er starb am vierten Februar im Jahr 888 in einem Alter von 68 Jahren und wurde seinem Verlangen gemäß bei der Domkirche in Bremen beerdigt.

 

Der heilige Gilbert, Priester und Ordensstifter von England,

+ 4.2.1190 – Fest: 4. Februar

 

Der heilige Gilbertus wurde im Jahr 1083 aus der berühmten Familie von Gent in der Grafschaft Lincoln in England geboren und erhielt seine wissenschaftliche Bildung in Frankreich, wo er sich durch seinen Fleiß und seine Frömmigkeit unter allen jungen Männern so vorzüglich auszeichnete, dass er nach seiner Rückkehr nach England zum Priester geweiht und von Bischof Alexander in Lincoln als Beichtvater gewählt wurde. Er legte den Grund zu seinem Orden dadurch, dass er arme Jungen und Mädchen in der Gottseligkeit des christlichen Lebens unterrichtete und zur strengsten Enthaltsamkeit von allen irdischen Freuden und Lebensgenüssen anhielt. Im Jahr 1135 erbaute er 2 Männer- und 8 Frauenklöster, in denen er ca. 2000 Personen beiderlei Geschlecht unter seiner Aufsicht hatte und ihnen die strengsten Regeln aus allen damals bekannten Orden vorschrieb. Sie wurden die weißen Canonici des Gilbertus oder der Orden von Sempringham genannt, weil die Klöster auf dem Landgut dieses Namens errichtet waren. Die Ordensmänner und Nonnen führten ein sehr strenges, abgetötetes Leben, das in ununterbrochenem Gebet, Betrachtungen und Handarbeiten bestand. Sie enthielten sich von allen Fleisch- und Fischspeisen, genossen nur Früchte, Kräuter, Wurzeln und Wasser aus hölzernen Gefäßen, hatten Sommer und Winter nur eine Kleidung und schliefen auf dem bloßen Boden oder gewöhnlich sitzend mit dem Rücken an eine hölzerne Wand gelehnt.

 

Wegen seiner Strenge und Armut wurde dieser Orden und dessen Stifter von Geistlichen und Weltlichen verfolgt und verleumdet, und zwar so, dass Papst Eugenius gezwungen war, dessen Einrichtungen genau prüfen zu lassen, wobei alle Klagen und Beschuldigungen als falsch und erdichtet gefunden wurden und der Orden, als zum Seelenheil dienlich, im Jahr 1136 die kirchliche Bestätigung erhielt. Während eines verheerenden Krieges wurde der Bischof Alexander von seinem Bistum vertrieben, und der heilige Gilbertus und seine Mönche predigten unter den größten Gefahren und Verfolgungen den Gläubigen so unerschrocken das Wort Gottes und linderten die Drangsale des Krieges so unermüdet, dass bei seiner Rückkehr der Bischof aus Dankbarkeit dem heiligen Gilbert das Kloster zur heiligen Maria in Haverholm als Eigentum schenkte und den Orden durch den Papst neuerdings bestätigen ließ. Damals wurde der heilige Thomas, Erzbischof von Canterbury, grausam verfolgt und sogar vom König Heinrich II. aus England verbannt. Lange Zeit hindurch fand dieser unschuldige und fromme Oberhirt in den Klöstern des Gilbert Schutz gegen seine Feinde und als er seines Lebens nicht mehr sicher war und nach Frankreich überschiffte, unterstützte den Verfolgten nur dieser Orden in seiner Armut, weswegen er von dem gottlosen König hart misshandelt wurde.

 

Der heilige Gilbert starb im hohen Ruf der Heiligkeit am 4. Februar des Jahres 1189 und wurde schon nach dreizehn Jahren wegen der vielen Wunder, die sich bei seinem Grab ereigneten, unter die Zahl der Heiligen gesetzt.

 

Der heilige Joseph Desiderio von Leonissa, Kapuzinermissionar, Italien,

+ 4.1.1612 – Fest: 4. Februar

 

Apostelwege sind Heilandswege. Apostelberuf ist Heilandsberuf, zur Fortführung der großen Weltmission Jesu Christi, zur Ehre Gottes und dem zeitlichen und ewigen Wohl der Menschen durch alle Jahrhunderte. Gottes Vorsehung erweckt jedem Jahrhundert seine apostolischen Männer und Frauen, die mit Gottesgnade und Märtyrermut an einer Erneuerung der Welt im Geist Jesu Christi arbeiten, allen finsteren Höllenmächten zum Trotz.

 

Zum Missionar- und Apostelberuf hatte Gottes Vorsehung einen jungen, hochbegabten Studenten bestimmt. Gottes Wege sind aber nicht immer auch Menschenwege, und so träumten die Verwandten des frommen Jünglings von einer herrlichen weltlichen Laufbahn. Schon wurde die Zeit für seine Vermählung mit einem Edelfräulein von ausgezeichneter Schönheit und mit großem Reichtum bestimmt – da entfloh der junge Mann und bat in der Heimatstadt des heiligen Franziskus, in Assisi, um das Ordenskleid der Kapuziner. Die stille Paradiesesseligkeit des Novizen innerhalb der Klostermauern sollte bald gestört werden. Wilder Tumult vor dem Klösterlein. Leitern werden wie zum Sturm an die Gartenmauern angelegt. Eine Rotte wild erregter Männer stürzt in das Kloster. Es sind die Verwandten des Novizen, die ihren Vetter heimholen wollen. Bittere Vorwürfe und Drohungen hageln auf ihn nieder, Bitten und Versprechungen sollen ihn abtrünnig machen. Alles umsonst. Verblendet von leidenschaftlichem Zorn stürzte sich die tobende Verwandtschaft auf den Novizen, um ihn mit Gewalt fortzuschleppen. Doch der wehrt sich um seinen Beruf, ruft um Hilfe. Ein paar handfeste Klosterbrüder eilen herbei, und bald ist der äußere und innere Sieg erfochten, den der Himmel mit reichen Gnaden lohnte.

 

Die Vorbereitungsjahre zum Priestertum benützte der eifrige Ordenskleriker auch als Hochschule der klösterlichen und priesterlichen Tugenden. Hatte er sich seinen apostolischen Beruf mit heldenmütiger Standhaftigkeit gewahrt, nun wollte er auch den apostolischen Geist sich zu eigen machen. Sein Eifer wurde noch verdoppelt durch den Tod seines frommen Studiengenossen Frater Hieronymus von Visso. Der Verstorbene erschien bald nach dem Tod seinem Freund, als er betend auf seiner Zelle verweilte. Zuerst Erstaunen und Verwunderung, als der totgeglaubte Mitbruder leise in die kleine Zelle trat. „Bruder, bist du denn nicht gestorben? Wie sehe ich dich hier gegenwärtig?“ Hieronymus erwiderte: „Allerdings bin ich gestorben, aber nicht ohne den göttlichen Ratschluss bin ich zu dir hierhergekommen.“

 

Da sagte Joseph: „Tu es mir also kund, ich bitte dich, wie steht es mit dir?“ Der Freund antwortete seufzend: „O Joseph, wenn du es nur wüsstest, welch strenge Rechenschaft Gott beim Tod fordert! Wie schwer der Eingang in die Seligkeit ist!“

 

Nach den ersten Priesterjahren, in denen der liebeglühende Aposteleifer auch noch die wichtige Tugend der vollkommenen Hingabe und Ergebung in Gottes Fügung praktisch gelernt hatte, erhielt Pater Joseph vom Ordensgeneral die Erlaubnis, als Missionar nach dem Orient zu den Türken gehen zu dürfen. Die gefahrvolle Über- und Irrfahrt auf dem stürmischen Meer endete durch wunderbare Hilfe Gottes an der Küstengegend von Konstantinopel. Ganz verlassen und unbekannt in dieser wildfremden Gegend betete Pater Joseph. Da tauchte plötzlich aus dem Gebüsch ein holdseliges Kind auf, nahm den erstaunten Missionar bei der Hand und führte ihn in die Weltstadt hinein, durch Gassen und Straßen, und verschwand auf einmal wieder vor einem zerfallenen, alten Klostergebäude, worin einige vorausgereiste Kapuzinermissionare sich notdürftig eingerichtet hatten. Konstantinopel, das Ziel der apostolischen Sehnsucht, war erreicht. Wie blutete dem seeleneifrigen Missionar das Herz beim Anblick der Menschenmenge in den engen, schmutzigen Gassen, auf den breiten Straßen und großen Plätzen mit der Märchenpracht der Marmorpaläste am Goldenen Horn. Und dort trauerte unter dem Halbmond der Prachtbau der Hagia Sophia, der große, herrliche Ruhmestempel zu Ehren Jesu Christi, der menschgewordenen Weisheit. Kaiser Justinian rief einst bei der Einweihung dieser Riesenkirche in ihrem Wunderglanz von Marmor, Gold und Edelsteinen: „Salomo, ich habe dich übertroffen!“ – und im Jahr 1453 ritt Sultan Mohammed II. über die Leichenhaufen der erschlagenen Christen in diese Kirche und rief höhnend vor dem Hauptaltar: „Es ist kein anderer Gott als Allah, und Mohammed ist sein Prophet!“

 

Ein weites, doppeltes Arbeitsfeld bot in Konstantinopel überreiche, apostolische Missionswirksamkeit. Zu Tausenden schmachteten die armen Christensklaven in den Kerkern und wurden durch harte Misshandlung zum Übertritt in den Islam gelockt. An den Ruderbänken der Galeeren im Seehafen waren meist geraubte Christen mit eisernen Ketten angeschmiedet, von grausamen Aufsehern gepeinigt, bis sie unter der Ruderarbeit und den Peitschenhieben tot zusammenbrachen. All diesen Armen und Ärmsten erschien Pater Josef als ein vom Himmel gesandter Engel, mit der Sendung, ihr leibliches und seelisches Elend zu lindern. Noch reichlichere Ernte versprach die Bekehrung der Ungläubigen. Der Anfang schien ermutigend. Gelang es doch der Liebe und dem Eifer des Missionars einen hochgestellten türkischen Pascha zu bekehren, oder vielmehr zur Kirche wieder zurückzuführen. Der Unglückliche war Renegat geworden, d.h. er hatte als Christ, ja sogar als Erzbischof der griechischen Kirche, einst seinen Glauben abgeschworen. Dieser Erfolg ermunterte Pater Josef nach dem Beispiel seines heiligen Ordensvaters Franziskus sich an den Sultan selbst zu wenden, um wenigstens die Abschaffung der Todesstrafe zu erreichen, die auf die Annahme des Christentums gesetzt war. Mit heiliger Kühnheit suchte er in den Sultanspalast einzudringen, wurde aber von den Wachen schwer misshandelt und das zweite Mal in den Kerker geworfen und zu dem grausamen Tod des Hakengalgens verurteilt. Drei Tage und drei Nächte hing der fromme Dulder an den zwei Ketten des Galgens, an denen seine linke Hand und sein rechter Fuß mit zwei schrecklichen Haken durchbohrt befestigt waren. So wenigstens halb gekreuzigt, erwartete er in heiliger Sehnsucht den Märtyrertod, da erschien wieder jener geheimnisvolle Engelsknabe, befreite und heilte und belehrte ihn, dass Gottes Wille ihn jetzt zur inneren Mission unter den Christen berufen habe. Der Heilige kehrte mit jenem bekehrten Renegaten nach Italien zurück und beide empfingen in Rom den Segen von Papst Sixtus V., der eine als Bekenner Christi mit den Malen des Martyriums, der andere als reumütiger Büßer und wieder gefundener Sohn der katholischen Kirche.

 

In unermüdlichem Eifer setzte Pater Josef seine Missions- und Apostelarbeit in Italien fort, predigte oftmals an einem Tag vier- bis siebenmal, erschütterte mit den Flammenblitzen des göttlichen Wortes die verstocktesten Herzen. Wie einst in den Aposteltagen begleiteten seine Wirksamkeit auch Wunder und prophetische Weissagungen. Ein Wunder der göttlichen Gnade war der Heilige vor allem selbst durch seinen Heroismus in jeglicher Tugend, durch seine lächelnde Heiterkeit bei aller Bußstrenge, durch Demut bei Ehrungen und Schmähungen, durch die opferwillige Beharrlichkeit in seinem apostolischen Beruf, bis er im Alter von 58 Jahren von der Apostelarbeit zum Apostellohn abberufen wurde, im Jahr 1612. Als eben die Morgensonne ihre ersten Verklärungsstrahlen auf den Kranken warf, betete ihm ein Ordensbruder die kirchliche Tagzeit der Prim vor. Bei den Worten: „Kostbar in den Augen des Herrn ist der Tod seiner Heiligen. Heilige Maria und alle Heiligen bittet für uns!“ ging der Heilige ein in die ewige Herrlichkeit.

 

Durch die heilige Firmung ist jeder Christ zum Apostolat berufen in seinem kleinen Wirkungskreis. Christ sein, heißt Apostel sein. Vielfach sind die Wirkungsfelder, die die heilige Kirche dem Laienapostolat zugeteilt hat. Freilich nicht Laienregiment in der Kirche, wohl aber Laienapostolat durch Gebet, Wort und Tat, in den Werken der Barmherzigkeit, in Familie, Schule und Gemeinde, in der Presse und Jugendpflege, in der Sorge für die äußeren und inneren Missionen und nicht zuletzt in den Liebeswerken für die Armen Seelen im Fegfeuer. Alle ohne Ausnahme müssen Apostel sein für die große Weltmission der christkatholischen Kirche unter dem Wahlspruch: „Ehre Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen!“

 

5. Februar

 

Die heilige Adelheid von Villich, Äbtissin von St. Maria in Köln,

+ 5.2.1015 - Fest: 5. Februar

 

Nach Aussage der Feinde unserer heiligen Kirche herrschte im Mittelalter dunkle Nacht über Deutschlands Ländern. Wir sehen aber in dieser angeblichen Finsternis so viele glänzende Sterne am Himmel der katholischen Kirche, dass wir mit Bewunderung und inniger Freude zu ihnen aufschauen. Insbesondere begegnen uns aus den höheren und höchsten Ständen wissenschaftlich und religiös gebildete Frauen und Männer, die der Welt Lebewohl sagten und hinter stillen Klostermauern nach höherer Vollkommenheit strebten.

 

Auch Adelheid, die Tochter des Grafen Megengoz von Geldern, schätzte schon in früher Jugend die Reichtümer und Eitelkeiten der Welt gering, und strebte nach nichts so sehr, als das Gewand der Unschuld rein zu bewahren, mit dem die Verklärten im Himmel dem Lamm folgen, wohin es geht. Zur Jungfrau herangereift, nahm sie den Schleier im Kloster zu St. Ursula in Köln. Wegen ihrer ausgezeichneten Tugenden erwählte man sie bald zur Äbtissin. Als ihre Schwester, die Äbtissin des Klosters zu St. Maria im Kapitol zu Köln, starb, musste sie auf Befehl des Erzbischofs auch die Verwaltung dieses Stiftes übernehmen. Ihr einziger Bruder wurde ebenfalls von Tod hingerafft. Die tiefbetrübten Eltern erbauten nun zu Villich bei Bonn eine ansehnliche Kirche nebst Kloster und beriefen ihre Tochter dorthin.

 

Hatte Adelheid bisher nach der Klosterregel des heiligen Hieronymus gelebt, so führte sie in dem neuen Kloster die Regel des heiligen Benedikt ein, weil ihr diese schärfer und vollkommener erschien. Viele fromme Jungfrauen schlossen sich ihr an, erbauten sich an dem musterhaften Leben ihrer Vorsteherin und wetteiferten mit ihr in Fasten, Gebet und gottseligen Werken.

 

In ihrer Stellung als Vorsteherin des Klosters leuchtete Adelheid allen Ordensschwestern durch ihre Vollkommenheit vor und hegte zu ihnen eine so fürsorgliche Liebe für ihr geistiges und leibliches Wohlergehen, dass alle freudig ihren Anordnungen und Ratschlägen folgten. Ihre Lebensbeschreiberin, die Nonne Bertha, zeichnet das hochherzige und gottgefällige Leben der heiligen Adelheid in kurzen Zügen so: „Da die hl. Jungfrau nach dem Tod ihres Vaters mit ihrem Eigentum frei schalten und walten konnte, so sorgte sie besonders dafür, dass keine Nonne durch irgend eine Not abgehalten würde, den Weg der Tugend zu gehen und die Satzungen des hl. Vaters Benedikt zu erfüllen. Sie tat alles, was eine Mutter tun konnte; sie verschaffte ihnen alles Notwendige, Kleidung und Nahrung, damit ihre Untergebenen in nichts Schaden litten. Zur Winterszeit, nach vollendetem Frühchorgebet, ging sie wieder in das Schlafzimmer zurück, besah fleißig die Betten der Mädchen und sorgte selbst zugleich, dass sie gehörig erwärmt wurden. Den kranken Schwestern erzeigte sie besondere Liebe und Sorgfalt. Diese vertraute sie nach den Ordenssatzungen nicht nur erfahrenen und zuverlässigen Schwestern an, sondern sah auch, wenn sie nicht gerade verhindert war, selbst nach, kniete vor ihre Betten hin, ordnete die Kissen und reichte ihnen freundlich Arzneien und Speisen. Dabei wurde sie von solchem Mitleid erregt, dass ihr die Tränen über die Wangen herabflossen, als ob sie die Mutter der Kranken gewesen wäre. Ihre größte Sorge war, die Kranken durch geistliche Gespräche zur Geduld und Ergebung in Gottes Willen aufzumuntern.“

 

Ihre barmherzige Liebe und mütterliche Sorgfalt beschränkte sich aber nicht auf die Nonnen ihres Klosters, vielmehr dehnte sie auch auf die Kranken und Armen der Nachbarschaft ihre wohlwollende und werktätige Liebe aus. Täglich ließ sie fünfzehn Armen außerhalb des Klosters Nahrung reichen, sorgte aber zudem noch für alle, deren Hilfsbedürftigkeit ihr bekannt wurde. Man verehrte sie deshalb allgemein als die gute Mutter der Armen. Damit sie auch nach ihrem Tod ihre Nächstenliebe fortsetzen könne, bestimmte sie zum Unterhalt von mindestens fünfzehn Notleidenden ein Landgut, das ihr durch Erbschaft zugefallen war.

 

Viele Jahre hatte die heilige Adelheid ihrem Kloster vorgestanden und einen reichen Schatz von Verdiensten für die Ewigkeit gewonnen, als ihr Gott in einer schmerzlichen Halskrankheit ihre baldige Befreiung von den Banden des Fleisches ankündigte. Mit großer Andacht empfing sie die heiligen Sterbesakramente, erweckte fromme Tugendübungen und verschied im Kloster St. Maria zu Köln im Jahr 1015, am 5. Februar. Die Klosterfrauen zu Villich baten den Erzbischof dringend, ihnen den Leib ihrer heiligen Äbtissin verabfolgen zu lassen, was er bereitwillig gestattete. Ihr Fest wird dort mit Oktav gefeiert.

 

Die heilige Agatha, Jungfrau und Martyrin zu Catania, Sizilien,

+ 5.2.251 - Fest: 5. Februar

 

Wenige Martyrer sind berühmter als die heilige Agatha. Die Kirche begeht ihr Andenken sogar täglich im 1. Hochgebet der heiligen Messe.

 

Agatha war die Tochter sehr vornehmer Eltern. Sie besaßen große Reichtümer. Die ältesten Geschichten über sie erzählen, dass sie eine wunderschöne und sehr kluge Frau gewesen ist. Früh schon lernte sie den kostbaren Schatz des Christentums kennen und lieben, sie stand sogar in dem Ruf der christlichen Vollkommenheit. Zu dieser Zeit regierte Kaiser Dezius das Römische Reich und verfolgte durch noch strengere Gesetze die Christen. Da die kaiserlichen Statthalter diese Gesetze mit unmenschlicher Strenge ausführten, wurde viel kostbares Blut der Heiligen vergossen. Über Sizilien, wo Agatha lebte, war Quintianus zum Statthalter gesetzt worden. Sobald der Befehl zur Christenverfolgung erschien, begab er sich nach Katana, um da seine Untersuchungen zu beginnen. Bald bekam er heraus, wer Agatha war, dass sie eine Christin war und zugleich reich, vornehm und außerordentlich schön. Diese Vorzüge reizten den Statthalter Quintianus so sehr, dass er Agatha für sich gewinnen wollte. Er gab sich alle Mühe, die heilige Agatha in seine Gewalt zu bringen. Durch Verrat wurde ihr Aufenthalt entdeckt und sie musste vor ihm erscheinen. Der Anblick der jungen Frau betörte ihn vollends, so dass er sich nicht lange zurückhielt und ihr entsprechende Anträge machte. Die Heilige antworte ernst und entschlossen: „Ich werde weder dir noch dem Kaiser gehören!“ Quintianus wollte noch keine Gewalt anwenden, sondern verordnete, dass sie in das Haus der Aphrosia abgeführt würde. Diese war die berüchtigste Kupplerin des Ortes und verdiente sich dadurch ihren Unterhalt. Quintianus versprach ihr reiche Belohnung, wenn sie Agatha durch Geschenke und Versprechungen, und wenn das nicht fruchtet, durch Drohungen vom Christentum abbringen und ihn als Liebhaber empfehlen würde.

 

Dreißig Tage lang hatte die heilige Agatha den Kampf gegen diese wahrhaft teuflische Verführung zu bestehen. Aber vergebens: Weder Bitten noch Drohungen vermochten etwas auszurichten. „Mein Leben“, sprach sie zu der Verführerin, „ist auf einem Felsen gegründet, und dieser Fels ist Christus. Eure Worte sind Wind, eure Liebkosungen Regenschauer, eure Drohungen wilde Wasser; sie bestürmen das Fundament meines Glaubens, aber sie vermögen nicht das selbige zu erschüttern.“ Tag und Nacht betete sie und bat Gott mit Tränen, dass er sie für würdig halten möge, die Palme des Martyriums zu erringen.

 

Als die Kupplerin alle Versuche, den Felsensinn der jungen Frau zu erschüttern, scheitern sah, sprach sie zu Quintianus: „Entlasse mich aus diesem Auftrag, mit dem du mich belastet hast; leichter ist es den Marmor flüssig zu machen und das Eisen wie Blei zu biegen, als dieser Christin den Kopf zu brechen.“

 

Die Liebe des Statthalters verwandelte sich nun in bitteren Zorn. Er ließ Agatha vorführen, setzte sich auf den Richterstuhl, und hielt das öffentliche Verhör. „Wessen Standes bist du?“ fragte er sie. Die Heilige antwortete: „Ich bin eine Freie, eine Reiche, eine Edle.“ Der Richter sprach: „Wenn du frei, reich und edel bist, warum beträgst und kleidest du dich wie eine niedrige Sklavin?“ Agatha erwiderte: „Weil ich eine Magd Christi bin.“ „Wenn du frei geboren und vornehm bist, wie kannst du dich eine Magd nennen?“ fragte der Statthalter; und Agatha antwortete: „Christi Dienstbarkeit ist eben die wahre Freiheit, und übertrifft weit den Reichtum, den Hochmut und den Übermut der Könige.“ Quintianus sprach: „Wie, sind wir also nicht frei, die wir den Dienst Christi verachten und die Götter ehren?“ Agatha sagte: „Eure Freiheit führt euch zu einer solchen Knechtschaft, dass ihr nicht bloß Sklaven der Sünde, sondern dem Holz und den Steinen unterwürfig werdet.“ Sehr zornig sprach der Statthalter: „Wähle von Zweien Eines: entweder opfere den Göttern, oder sei der härtesten Marter gewärtig!“ Darauf antwortete sie: „Mögest du sein wie dein Gott Jupiter, und deine Frau wie deine Göttin Venus!“ „Wie“, rief der Statthalter, „darfst du den Richter des Volkes schmähen?“ und befahl den Dienern, sie ins Gesicht zu schlagen. Als das geschehen war, sprach Agatha: „Also mein Wunsch schien dir eine Schmähung? Was müssen das für Götter sein, mit welchen verglichen zu werden du dich schämst!“ Quintianus versetzte: „Spare die unnützen Worte; entweder opfere oder leide!“ Unerschrocken antwortete Agatha: „Lass nur deine Bestien auf mich los, durch Christi Namen will ich sie bändigen. Wirf mich in das Feuer, der Tau des Himmels wird die Flamme löschen. Spanne mich auf die Folterbank, der Geist, der mich beseelt, ist ein Geist der Kraft, der Zucht und der Liebe. Schlage mich mit Geißeln, mein Gott kann mich wohl deinen Händen entreißen.“ Quintianus, der vor dem Volk die Beschämung fürchtete, ließ sie ins Gefängnis führen, um sich da eines Besseren zu besinnen. Dahin aber ging sie freudig, wie sonst ein Mädchen zum Tanz geht.

 

Am folgenden Tag ließ der Statthalter sie wieder vor sich rufen, und sprach zu ihr: „Was hast du zu deinem Heil beschlossen?“ „Mein Heil ist Christus!“ antwortete sie. Darauf sagte Quintianus: „Wie lange willst du, Unglückliche, auf deinen törichten Sinn beharren? Verleugne Christus, ehre die Götter, bedenke deine Jugend, damit du nicht durch einen grausamen Tod zu Grunde gehst!“ Agatha erwiderte: „Verleugne vielmehr du deine Götter, die weiter nichts als Holz und Stein sind, und bete an den wahren Gott, deinen Schöpfer, dem du dein Dasein verdankst. Wenn du diesen verachtest, so werden die schwersten Strafen und ewiges Feuer dein Los sein.“ Quintianus war über diese Rede sehr erbittert. In der Hitze seines Zorns ließ er die standhafte Bekennerin auf die Folterbank legen und sie da auf die grausamste Weise quälen durch gewaltsames Auseinanderzerren der Glieder, durch Rutenstreiche, durch eiserne Hacken, mit denen ihre Seiten zerfleischt, und durch brennende Fackeln, mit denen sie gebrannt wurden. Während dessen redete er ihr beständig zu, dass sie Christus verleugnen und so ihr Leben erhalten sollte. Allein auch in diesen schrecklichen Martern verlor die heilige Agatha ihren freudigen Mut nicht. Sie rief jauchzend: „Heil mir! So ist dem zu Mute, der eine frohe Botschaft vernimmt; wie einer, der auf einmal den sieht, welchen er schon lange mit heißer Sehnsucht erwartet hat, oder wie der, der unvermutet einen großen Schatz findet, freue ich mich, dass ich dieser vergänglichen Leiden gewürdigt werde. Mag doch der Weizen nicht in die Scheune gesammelt werden, bis die Ähre auf der Tenne zertreten, und das Korn von jeder Spreu gereinigt wurde. Ebenso kann auch meine Seele mit der herrlichen Marterkrone nicht eingehen in das himmlische Paradies, wenn du nicht meinen Körper durch viele Plagen peinigen lässt.“ Den Richter verdross diese Freudigkeit. Nicht um der Marter ein Ende zu machen, sondern um sie noch grausamer fortzusetzen, ließ der Unmensch sie von der Folterbank wegnehmen, und einen Befehl geben, den man nicht ohne Grauen erzählen und hören kann. Er befahl nämlich in seiner unsinnigen Wut, sie an eine Säule anzubinden und ihr die Brüste wegzureißen. Mit bewunderungswürdigem Mut erlitt Agatha diese grausame Tat. „Gottloser, unmenschlicher Tyrann! So ist dir nicht einmal jener Ort mehr heilig, an welchem deine Mutter dich genährt hat? Doch ich habe in meiner Seele noch andere Nahrungsquellen, die du nicht verletzen kannst, durch die alle meine Sinne, die ich von Jugend auf Jesus Christus gewidmet habe, genährt und gekräftigt werden.“ Sie deutete auf den Glauben, die Zuversicht und die Gnade. Jetzt wurde sie ins Gefängnis zurück gebracht und das Verbot gegeben, dass ihr keine Nahrung und kein Wasser, noch viel weniger eine Linderung ihrer Schmerzen durch Arzneimittel zugelassen werden sollen.

 

Um Mitternacht öffneten sich die Türen des Kerkers mit hellem Glanz. Es trat ein Greis herein. Vor ihm ging ein Junge und trug eine brennende Kerze. Er selbst trug einen köstlichen Balsam in einer goldenen Büchse. Nachdem der Greis Agatha mit großer Freundlichkeit begrüßt hatte, sprach er zu ihr: „Liebe Tochter! zwar hat der Statthalter dich mit schlimmer Pein gequält und geängstigt! Du aber hast ihm noch heftigere Qualen und Angst gemacht durch deine Reden. Seine Wunden werden ewig bluten, die deinen aber komme ich zu heilen.“ Agatha sprach: „Bis jetzt habe ich der leiblichen Arznei nie bedurft; ich brauche sie auch heute nicht. Habe dank für deinen guten Willen!“ Der Greis sprach: „Warum willst du mir nicht erlauben, dich zu heilen?“ Sie antwortete: „Will mein Herr Christus, dass ich gesund werde, so kostet es ihn nur ein Wort.“ Lächelnd sprach nun der ehrwürdige Greis: „Ich bin sein Apostel, und im Namen unseres Herrn gebiete ich dir, dass du gesund wirst.“ Und augenblicklich verschwand er. Und siehe, Agatha war vollkommen geheilt. Mächtig gestärkt an Geist und Seele und mit ganz unverletztem Körper stand sie da, freute sich dankend, und pries Gott für diese Gnade, die er an ihr getan hatte. Die Wache des Gefängnisses war durch die Erscheinung des himmlischen Lichtes in solches Staunen und in so großen Schrecken versetzt, dass die Gefangene ungehindert aus dem Gefängnis hätte entweichen können. Allein sie wollte die nahe Marterkrone nicht verlieren.

 

Quintianus erfuhr, was mit Agatha im Kerker vorgegangen war. Er war aber zu sehr verblendet, als dass er daran die Macht des einzig wahren Gottes erkannt hätte. Vielmehr schrieb er die Erhaltung und die so wundervolle Heilung Agathas den Zauberkünsten zu, deren die Christen immer beschuldigt wurden. Nach vier Tagen ließ er sie wieder vor sein Gericht stellen und forderte sie auch diesmal auf, von ihrer Torheit abzulassen und den Göttern zu opfern, wenn sie nicht noch schrecklichere Marter erdulden wolle. Agatha antwortete ihm: „All dein Zureden ist eitel und fruchtlos, es ist gottlos und beleidigend. Unglücklicher! Wie kannst du doch so unverständig sein? Wie sollte ich wohl Stein zu meiner Hilfe anrufen und nicht vielmehr den höchsten und einzig wahren Gott, der mich von allen Wunden, die du mir schlagen ließest, so wundervoll befreit hat?“ „Wer hat dich geheilt?“ fragte der Statthalter. Agatha sprach: „Christus, der Sohn Gottes.“ Der Statthalter sagte: „Höre auf Christus zu bekennen, dessen Namen zu hören mir unerträglich ist.“ Agatha erwiderte: „Diesen Namen will ich mit Herz und Mund bekennen und preisen so lange ich lebe.“ Darauf sprach der zornige Richter: „Ich will doch sehen, ob dieser dein Herr Christus dir wird helfen können,“ und ließ jetzt in seiner rasenden Erbitterung allerlei spitze Scherben auf dem Boden ausbreiten, glühende Kohlen darunter mischen und Agatha entkleidet darauf herumwälzen. Gott stärkte sie auch in dieser sehr schmerzhaften Qual. Während diese unmenschlichen Martern an Agatha vollzogen wurden, erfolgte ein plötzliches Erdbeben. Die ganze Stadt wurde erschüttert und eine baufällige Mauer, die an den Richtplatz grenzte, stürzte ein und begrub zwei böse Ratgeber des Quintianus unter ihrem Schutt. Das Volk stürmte herbei und schrie: „Lass ab von dieser, du ungerechter Richter; die Götter rächen die Unschuld!“ So befahl er, sie in das Gefängnis zurückzuführen, und verbarg sich selbst, um der Wut des zornigen Volkes zu entkommen.

 

Kaum war die Heilige wieder im Gefängnis, als sie ihre Hände zum Himmel erhob und betete: „Herr, mein Schöpfer! mein Schutz und meine Stärke von Jugend an, der du alle böse Neigung aus meinem Herzen vertilgt und meinen Leib unversehrt bewahrt hast, der du mir in den Martern die Gnade großer Geduld und den Sieg über die Wut grausamer Henkersknechte, über die Schrecken des Kerkers und des Feuers verliehen hast, zu dir flehe ich, dass du meinen Geist aufnehmest, denn der Augenblick ist jetzt da, dass ich die Erde verlasse und zu dir, Barmherziger, kommen werde.“ Also gab sie betend ihren Geist auf im Jahr nach Christi Geburt: zweihundertdreiundfünfzig.

 

Sobald es bekannt wurde, dass die heilige Jungfrau gestorben sei, kamen die Christen, trugen die heilige Leiche heraus, und ordneten alles zu einem anständigen Begräbnis. Fromme Frauen salbten den Leichnam mit köstlichen Spezereien. Als sie ihn mit großer Ehrerbietung in das Grab legten, sah man einen jungen Mann, umgeben von einer Schar lieblicher Kinder, auf das Grab zugehen. Herrlich und majestätisch war er gekleidet. Die Kinder waren alle mit glänzendweißen Gewändern angetan und trugen Kränze auf dem Haupt. Der junge Mann trat zu dem Sarg und nachdem er zu dessen Haupt eine Tafel aus Marmor befestigt hatte, verschwand er mit seinem ganzen Gefolge. Auf der Tafel aber standen die Worte: „Mentem sanctam, + spontanam, honorem Deo + et Patriä liberationem.“

 

Es ist fromme Gewohnheit, diese lateinischen Worte auf ein Papier zu schreiben, dieses segnen zu lassen und aufzubewahren. Diese Worte, welche eine sehr passende Grabinschrift für die heilige Agatha sind, heißen: „Ein heiliges, leitsames Gemüt zur Ehre Gottes und Befreiung des Vaterlandes.“ Halten wir also lieber Glauben und Treue unserem Gott, lassen uns leiten durch das göttliche Gesetz, sind eifrig im Dienst Gottes und wagen Leib und Leben zur Erhaltung des wahren Glaubens, suchen nicht eigennützig bloß unseren Vorteil, sondern auch den Nutzen unserer Mitchristen, dann verdienen wir über unserem Grab die Aufschrift: Hier ruht die irdische Hülle eines Christen, der ein heiliges und lenksames Gemüt hatte, Gott zur Verherrlichung und seinem Land zum Heil.

 

Gott verherrlichte seine Dienerin Agatha durch viele Wunder, die er bei ihrem Grab geschehen ließ.

 

Quintianus gierte nun nach den Gütern der getöteten Agatha. Seiner ungerechten Habsucht sollte seine Grausamkeit zu Hilfe kommen. Er ließ nichts unversucht, die nächsten Verwandten der heiligen Agatha aufzusuchen und aus dem Weg zu räumen. Allein Gottes strafende Gerechtigkeit machte seinen Grausamen Umtrieben bald ein Ende. Als er nämlich in dieser Angelegenheit ausgeritten war und über einen Fluss übersetzen wollte, stürzte er ins Wasser, in dem er seinen durch unzählige Ausschweifungen gezeichneten Geist aushauchte.

 

Ein Jahr nach dem Martertod der heiligen Agatha hat der Berg Ätna mit solcher Gewalt Feuer ausgespien und so viel Lava ausgeworfen, dass die Stadt Katana in die größte Gefahr kam zu Grunde zu gehen. In dieser schrecklichen Not haben einige ein bei dem Grab der heiligen Jungfrau befindliches Tuch genommen und es dem Lavastrom entgegen gehalten. Dadurch sei dem Strom sogleich Einhalt geschehen und die Stadt vor dem drohenden Untergang gerettet worden. Auf diese Begebenheit hin gründete sich der Brauch, die heilige Agatha in Feuersgefahr um ihre besondere Fürbitte anzusprechen, wobei der Christ jedoch nie vergessen soll, dass die Hilfe selbst nur vom Herrn kommt.

 

Die am jährlichen Gedächtnistag der heiligen Agatha in der katholischen Kirche übliche Brotweihe soll uns daran erinnern, dass wir das liebe Brot und alle anderen Speisen und Getränke mit herzlichem Dank an Gott und mit christlicher Mäßigkeit genießen und gern auch unseren dürftigen Brüdern und Schwestern etwas davon mitteilen sollen, so dass durch den Genuss der irdischen Gaben unsere geistliche Vervollkommnung befördert und vermehrt werde.

 

Der heilige Isidor, Soldat und Martyrer von Alexandria,

+ 249-251 – Fest: 5. Februar

 

Der heilige Isidor, in Alexandria geboren, war Soldat im Kriegsheer des Kaisers Decius zu jenem schrecklichen Zeitpunkt, als dieser heidnische Tyrann die Kirche Jesu mit Feuer und Schwert verfolgte. Isidor linderte, so viel er konnte, das traurige Schicksal der Gläubigen, besuchte sie in den Gefängnissen, sprach ihnen Mut zu während ihrer Leiden und beerdigte ihre Leichname. Dadurch wurde er des Christentums verdächtig und sein Hauptmann Julius, ein eifriger Götzendiener, verklagte ihn bei dem Obersten Numerius, der wegen seiner Grausamkeit der Liebling des Kaisers war. Als die Kriegsflotte, auf der sich Isidor befand, auf der Insel Chios im ägäischen Meer gelandet hatte, berief Numerius den christlichen Soldaten vor sein Gericht und fragte ihn nach seinem Glauben. Er bekannte freimütig, dass er den wahren Gott anbete und Götzen, von Menschenhänden gemacht, verachte. Darüber geriet der heidnische Oberst in Wut und sprach: „Du bist deines Lebens überdrüssig; denn dein Bekenntnis verdient die heftigsten Strafen und den Tod auf der Folter.“ Der christliche Bekenner erwiderte ihm: „O wie freue ich mich, dass ich es würdig bin, für die Ehre meines Gottes und Jesus Martern und den Tod zu leiden! Doch frohlocke nicht, Tyrann! Denn nur meinen Körper kannst du peinigen, meine unsterbliche Seele aber nicht. Zaudere also nicht und wende alle Qualen an, diesen hinfälligen Leib zu vernichten.“ Auf diese Worte befahl Numerius seinen Henkern, ihm die Zunge herauszureißen, seinen Körper auf der Folter auszudehnen und ihn unmenschlich zu zerfleischen. Die anwesenden Heiden überfiel ein Schauder bei dem Anblick dieser grässlichen Marter und sie hatten Mitleid mit dem Unglücklichen und baten ihn, den Göttern zu opfern und sich so einem gewalttätigen Tod zu entziehen. Aber Isidor erhob seine Augen und Hände zum Himmel empor und flehte um Standhaftigkeit, um sein Opfer zur Verherrlichung Jesu, seines Erlösers, vollenden zu können; und da sein Mut durch die heftigen Qualen nicht erschüttert werden konnte, sprach ihm der Richter das Todesurteil. Er wurde also auf den Richtplatz geführt, wo er sich vorher auf die Knie warf, Gott seine Seele empfahl und dann freudig dem Henker seinen Hals darbot, der ihn enthauptete am 5. Februar im Jahr 253. Sein Körper sollte auf den Befehl des Numerius den wilden Tieren preisgegeben werden. Aber Amonius, ein Christ und der innigste Freund des heiligen Martyrers, entriss ihn der Schande und beerdigte ihn in der Nähe der Richtstätte.

 

Nachdem die Verfolgung ein Ende hatte, erhoben die christlichen Bürger von Chios auf den Rat der frommen Frau Mirope den Leichnam des heiligen Isidors und erbauten ihm eine Kirche, in der er solange aufbewahrt wurde, bis Marcianus das prächtige Gotteshaus zu Ehren der heiligen Irene und Anastasia vollendet hatte, wohin er auch die Reliquien Isidors als einen kostbaren Schatz brachte.

 

6. Februar

 

Die heilige Dorothea, Jungfrau und Martyrin von Cäsarea,

+ 6.2.304 - Fest: 6. Februar

 

Am 6. Februar des Jahres 304 nach Christi Geburt erlitt die heilige Dorothea den Martertod. Vorher hatte man sie bereits wegen ihres mutigen Bekenntnisses des christlichen Glaubens auf alle mögliche Weise erfolglos gequält und drangsaliert. Zuletzt übergab man sie ihren beiden leiblichen Schwestern Christa und Kallista. Diese beiden hatten sich durch die Androhung von Folter und Pein bewegen lassen, vom Glauben abzufallen. Die beiden sollten nun auch ihre Schwester Dorothea dazu bringen, den gleichen Schritt zu tun. Das Gegenteil jedoch trat ein, denn Dorothea führte die beiden zu Christus zurück. Darauf geriet der heidnische Richter dermaßen in Wut, dass er Christa und Kallista kurzerhand hinrichten ließ.

Es herrschte strenger Winter, als dieses geschah. Heute noch heißt eine Bauernregel: „Sankt Dorothe gibt den meisten Schnee.“ So war es damals auch. Fußhoch lag der Schnee. Frostig und schneidend blies der Wind. Der Himmel war mit grauen Wolken verhangen. Öde, trostlos und leer war der Tag, an dem Dorothea das Blutzeugnis für Christus ablegte.

Um die zehnte Stunde am Morgen holten die Henker das mutige Mädchen aus dem Gefängnis und führten es auf den öffentlichen Richtplatz. Viele Leute säumten den Weg und schlossen sich dem Zug an, so dass zuletzt wohl an tausend Menschen dabei waren. Dorothea aber befand sich in fröhlicher Stimmung wie eine Braut, die am Hochzeitstag dem Bräutigam freudig entgegengeht. Im scherzenden Ton sagte sie zu den Anwesenden:

„Kalt ist die Welt und freudenleer. Deshalb bin ich von Herzen froh, dass ich in jenes Land gehen darf, wo es keinen Winter und keinen Schnee gibt, wo die Sonne nie untergeht, wo allezeit die Felder grünen, wo im Garten meines Bräutigams Lilien und Rosen immer blühen und die schönsten Früchte das ganze Jahr hindurch reifen. Wie freue ich mich doch auf das Paradies!“

So sprach Dorothea an der Richtstätte. Es war da aber ein junger und reicher Mann anwesend, der Theophilus hieß, was auf Deutsch Gottlieb bedeutet. Auch er hörte die Rede der Blutzeugin. Und beim Hören lachte er laut auf, und mit spöttischen Lippen rief er über den Platz:

„He, du schönes Mädchen, sei doch so gut und schicke mir einige Rosen und Äpfel aus dem Garten deines Bräutigams! Es sollte mich freuen, wenn du es tätest, und gern würde auch ich dir dann in dein Paradies folgen.“

Als Dorothea die Worte hörte, schaute sie den Sprecher bedeutsam an und sagte, das wolle sie wohl tun, nur müsse er dann auch zu seinem Wort stehen.

Daraufhin entfernte sich Gottlieb eiligst, um seinen Freunden zu erzählen, welch einen lustigen Scherz er eben erlebt habe. Dorothea indessen nahm die Sache sehr ernst, und bevor sie ihr Haupt auf den Richtblock legte, betete sie ein Weilchen, und da stand auch schon ein überirdisch schöner Junge neben ihr, der ihr in einem Körbchen drei prächtige Rosen und drei eben gereifte rotwangige Äpfel brachte, mitten im Winter, in Eis und Schnee. Dorothea lächelte glücklich und schickte den Himmelsboten zu Gottlieb, während sie selbst tapfer den Todeshieb empfing.

Kaum war das geschehen, da stürmte Gottlieb heran, die Rosen und die Äpfel hatten ihm die Augen geöffnet. Mutig stand er zu seinem gegebenem Wort und bekannte laut vor dem Richter und vor allem Volk, dass auch er sich zu Christus bekenne und um den Martertod bitte. Sogleich wurde ihm die Bitte erfüllt, und wenige Augenblicke später folgte Gottlieb, durch die Bluttaufe von aller Schuld gereinigt, Dorothea ins Paradies.

Die Rosen und die Äpfel in der Legende sind ein Sinnbild der Gnaden, die Gott auf die Fürbitte der Heiligen hin den Menschen schenkt.

 

Dorothea und Theophilus

 

Gleich wie ein fruchtbarer Regen

Ist der Martyrer Blut,

Und Frucht durch Gottes Segen

Reichlicher bringen tut.

 

Durch`s Kreuz die Kirche bringet,

Und wächst ohn` Unterlass,

Durch Tod zum Leben dringet,

Wer herzlich glaubet das.

 

Aus guter Zucht und Namen

Sich gute Art erschwingt;

Von Gott die Frommen kamen,

Zu Gott der Fromme dringt.

 

Ist Dorothea geboren

Von Eltern keusch und rein,

So geht sie nicht verloren,

Und bleibt sie auch allein.

 

Die Heiden wollten zwingen

Sie zur Abgötterei;

Dem Feind wollt`s nicht gelingen

Christum bekennt sie frei.

 

Ein Urteil ward gefället:

Verdient hätt` sie den Tod.

Ritterlich sie sich stellet,

Vertrauet froh auf Gott.

 

Und Theophil dem Kanzler

Dem jammert die Jungfrau sehr;

Er sprach: "O schon dein Leben,

Verlass die falsche Lehr`,

 

Und rett` dein junges Leben!"

D`rauf Dorothea spricht:

"Ein bessres wird er geben,-

Und das vergehet nicht.

 

Zum schönen Paradiese

Komm ich nach meinem Tod,

Christo zu Ehr und Preise

Steh`n da viel Röslein rot;

 

D`raus wird mir Christ mein Herre -

Machen einen Ehrenkranz;

Der Tod geliebt vielmehre,

Als so ich ging zum Tanz."

 

Das Fräulein war gerichtet,

Da klopft es an sein Haus,

Der helle Morgen lichtet,

Ein Knäblein stehet draus.

 

Geschwingt mit golnen Flügeln

Reicht`s Rosenkörbchen dar,

Verschwindet auf den Hügeln,

Von wo es kommen war.

 

Und auf den Rosenblättern

Da steht geschrieben klar:

"Mein Christus ist mein Retter,

Und er mir gnädig war;

 

Ich leb` in Freud und Wonne,

In ew`ger Herrlichkeit!" -

"Mein Irrtum ist zerronnen!"

Theophilus sagt mein Freund.

 

Bald fing er an zu preisen

Dich Christus wahren Gott,

Und ließ sich unterweisen

Wohl in des Herrn Gebot;

 

Hat heil`ge Tauf empfangen

Und Christum frei bekennt,

Zur Marter ist gegangen

Und mit der Ros` verbrennt.

 

 

Der heilige Vedastus, Einsiedler bei Toul und Bischof von Arras,

+ 6.2.540 – Fest: 6. Februar

 

Nachdem König Clodoväus in jener merkwürdigen Schlacht bei Zülpich am Rhein im Jahr 496 die Heere der Sueven und Alemannen besiegt hatte, entschloss er sich, den christlichen Glauben anzunehmen und begab sich auf seiner Rückreise nach Toul, wo ein heiliger Priester, Vedastus mit Namen, unter Gebet und himmlischen Betrachtungen ein einsames Leben führte. Bei seinem Eintritt in dessen Zelle sprach der König: „Lange schon hat mich meine fromme Gemahlin Clotilde unter Tränen beschworen, an den wahren Gott zu glauben, der ein allmächtiger Schöpfer und Gebieter Himmels und der Erde ist, und ich Tor weigerte mich, ihre Bitte zu erfüllen, und opferte den ohnmächtigen Göttern des Heidentums. Aber während der Schlacht, als meine Soldaten schon zerstreut die Flucht ergriffen, flehte ich zu dem Gott der Christen und machte das Gelübde, wenn ich siegen würde, mich nicht nur allein taufen zu lassen, sondern auch das Christentum in meinem ganzen Reich einzuführen. Bald darauf sammelte sich mein Kriegsheer wieder um mich, ich drang in die Feinde und siegte. Und nun, heiliger Mann, unterrichte mich während der Reise an mein Hoflager in den Lehren deines Glaubens, damit ich die Taufe zur Vergebung meiner Sünden empfangen möge.“ Freudig begleitete der heilige Vedastus den heilsbegierigen König und gab ihm Unterricht in den Glaubenswahrheiten, die auf sein unverdorbenes Herz umso mehr Eindruck machten, da er sie durch ein Wunder bekräftigte. Denn auf dem Weg begegnete ihnen ein blinder Mann, der unter Tränen und Heulen den Priester um Hilfe bat. Das ganze Gefolge des Königs, das aus Heiden bestand, war äußerst begierig auf den Ausgang dieses Ereignisses und der Heilige, der hier die schönste Gelegenheit sah, die Götzendiener von der Macht des wahren, lebendigen Gottes zu überzeugen, sprach im Vertrauen auf Gott: „Zeige, o Jesus, deine Gewalt, damit diese Unglücklichen aus ihrem Verderben gerettet werden!“ Bei diesen Worten machte er das heilige Kreuz über den Blinden, der sogleich geheilt wurde und freudig den Namen Jesus bekannte. Voll des sehnlichsten Verlangens, ein Christ zu werden, eilte nun der König zu dem heiligen Bischof Remigius, wo er und alle Großen und Mächtigen seines Reiches die heilige Taufe erhielten.

 

Der heilige Vedastus begab sich wieder in seine Einsamkeit zurück, die er aber im Jahr 500 verlassen musste, denn der heilige Remigius ernannte ihn zum Bischof von Arras und erteilte ihm selbst die bischöfliche Weihe. Bei seinem Einzug in die Stadt, wo noch viele Heiden lebten, saßen am Tor noch zwei unglückliche Männer, der eine von Geburt blind und der andere lahm an Händen und Füssen und baten ihn um ein Almosen. Da sprach der Heilige zu ihnen: „Gold und Silber besitze ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich euch: Steht auf im Namen Jesus des Gekreuzigten und dankt ihm eure Heilung!“ Dieses Wunder erfüllte die Heiden mit Staunen und Bewunderung und alle bekehrten sich zum Glauben an den wahren Gott. Die neue Christengemeinde unterstützte ihren Oberhirten mit so reichlichen Gaben, dass er in seinem Bistum die herrlichsten Gotteshäuser erbauen und alle Arme und Bedrängte versorgen konnte. Er selbst lebte als Bischof in der größten Armut, Abtötung und Demut und arbeitete rastlos an dem Seelenheil seiner ihm anvertrauten Herde. Über dreißig Jahre lang stand er als ein wahrer Apostel seinem Bistum vor und am Ende seines Lebens war dort keine Spur eines Götzendienstes mehr zu finden; denn das heilige Kreuz, das er allenthalben gepredigt und aufgepflanzt hatte, prangte siegreich auf allen Tempeln und Häusern. Beweint wie ein zärtlicher Vater von seinen dankbaren Kindern, wurde sein Leichnam in der Domkirche zu Arras beerdigt, wo ihn Gott mit unzähligen Wundern verherrlichte.

 

Der heilige Guarinus, Kardinal von Palestrina,

+ 6.2.1159 – Fest: 6. Februar

 

Der heilige Guarinus wurde am Ende des elften Jahrhunderts zu Bologna aus einer adeligen Familie geboren und erhielt von seinen frommen Eltern eine so gottesfürchtige Erziehung, dass er schon als zartes Kind alles Ansehen vor den Menschen und die irdischen Güter verachtete und nur nach Frömmigkeit und Tugend strebte. Nach dem Tod seiner Eltern beraubten ihn seine Blutsverwandten aller seiner Güter und zwangen ihn zum geistlichen Stand, obwohl er sich gemäß seiner tiefen Demut für zu unwürdig hielt, Gott am Altar zu dienen. Nach einer langwierigen Selbstprüfung erhielt er die heiligen Weihen und die Stelle eines Domherrn an der Kirche von Bologna; aber die freien Sitten und die weichliche Lebensart der dortigen Geistlichkeit erfüllte ihn mit einem solchen Widerwillen, dass er entfloh und in größter Armut teils in Einöden lebte, teils die einsamen Klöster besuchte, um sich durch das Beispiel und die frommen Gespräche gottseliger Ordensmänner immer mehr in seinem Vorsatz zu stärken, die Welt ganz zu verlassen und sich dem Dienst Gottes und dem Streben nach christlicher Vollkommenheit zu widmen. Diesen Entschluss führte er schließlich aus und wählte das Kloster Mortaria zu seinem Aufenthalt, wo er in einer armen Mönchskleidung eine Felsenhöhle bewohnte, in der er Tag und Nacht dem Gebet und der Lesung und Betrachtung der Heiligen Schrift oblag. Sein Gemüt wurde in dieser Zeit mit einem solchen himmlischen Trost erfüllt, dass er oft in der Folge unter Vergießung schmerzlicher Tränen versicherte, damals habe er die ganze Welt vergessen und seine Seele sei vollkommen mit Gott vereinigt gewesen.

 

Aus Gehorsam gegenüber seinen Oberen musste er schließlich seine Einsamkeit wieder verlassen und in seine Stelle als Domherr zurückkehren, wo sich bald der Ruf seines heiligen Lebens so sehr verbreitete, dass ihn die Geistlichkeit und die Gläubigen zu Pavia zu ihrem Bischof erwählten und ihn, weil es bekannt war, wie sehr er jede Würde und alles Ansehen floh, so lange in seiner Wohnung bewachen ließen, bis sie Anstalten gemacht hatten, ihn feierlich durch eine Gesandtschaft abholen zu lassen. Aber der demütige Diener Gottes entfloh seinen Wächtern dadurch, dass er bei Nacht durch ein Fenster stieg und wieder zu seinem Kloster eilte, das er endlich auf den ausdrücklichen Befehl des Papstes Lucius II. verlassen musste, indem er ihn im Jahr 1144 zum Cardinal-Bischof von Präneste ernannte, nachdem er vierzig Jahre lang als Ordensmann gelebt hatte. Weil der Papst als sein Landsmann die Armut des frommen Guarinus kannte, schenkte er ihm einen kostbaren Wagen mit prächtigen Pferden bespannt, samt dem ganzen Vorrat einer bischöflichen Einrichtung, damit er seiner Würde gemäß in Präneste seinen Einzug halten konnte. Aber der Heilige machte diese Geschenke zu Geld und verteilte es unter die Armen. Als Kardinal änderte er sein Leben nicht im Geringsten, als dass er noch demütiger und wegen der vielen kirchlichen Geschäfte noch wachsamer wurde. Als getreuer Nachfolger der Apostel, predigte er selbst seiner ihm anvertrauten Herde das Wort Gottes, spendete die heiligen Sakramente aus und tröstete die Kranken und Sterbenden auf ihren Schmerzenslagern. Mit eigenen Händen linderte er das Elend der Armen und deckte die Blöße der Witwen und Waisen. Kurz vor seinem Tod empfing er mit innigstem Verlangen nach der Vereinigung mit Jesus die heiligen Sterbesakramente und nachdem er seine Geistlichen, die sein Sterbelager umgaben, mit größter Rührung zu einem heiligen Lebenswandel ermahnt hatte, wurde er durch ein himmlisches Licht verherrlicht und seine reine Seele schied in das Reich der ewigen Seligkeit im Jahr 1159. Sein Leichnam wurde in der Kirche und neben dem Grab des heiligen Martyrers Agapitus beerdigt und Papst Alexander III. setzte ihn unter die Zahl der Heiligen.

 

Die heiligen japanischen Martyrer,

+ 5.2.1597 - Fest: 6. Februar

 

Heute soll das Gedächtnis der heiligen japanischen Martyrer nachgeholt werden. Um das Jahr 1550 landete der heilige Franziskus Xaverius, der größte Heidenmissionar im Mittelalter, auch in Japan, das erst sieben Jahre vorher entdeckt worden war. Nur kurze Zeit blieb er im Land, aber es gelang ihm, einige kleine Christengemeinden zu gründen. So fanden die Missionare, die später in das ferne Inselreich zogen, den Boden für die Saat des Evangeliums bereits aufgelockert, und bald schoss das Christentum mächtig in die Halme, so dass sich die Zahl der Bekehrten vierzig Jahre später auf mehrere Hunderttausende belief. Dann brach jedoch eine blutige Verfolgung aus, und wie sich die japanischen Neuchristen bei dieser Gelegenheit benahmen, wird ein lauer Halb- oder bloßer Taufscheinkatholik nie begreifen.

 

Lange vorher sah man aus mancherlei Anzeichen den drohenden Sturm herannahen. Nicht die geringste Bestürzung zeigte sich deswegen unter den Christen. Alle bereiteten sich durch den Empfang der heiligen Sakramente und durch eifriges Gebet auf die Stunde der Bewährung vor und richteten die Sonntagskleider her, denn sie waren der Meinung, dass der Tag des Martertodes für sie das schönste Fest des ganzen Lebens sein werde. Als die Ächtungslisten angefertigt wurden, brauchte die Polizei nicht lange nach den Christen zu forschen, denn sie fanden sich aus eigenem Antrieb scharenweise selbst aus den entlegensten Dörfern ein. Manche brachten gleich ein Kreuz für die eigene Hinrichtung mit. Eine unbeschreibliche Freude hatte sich aller bemächtigt, selbst Kinder drängten sich zum Martertod, und groß war die Enttäuschung, als bekannt wurde, dass nur sechsundzwanzig von ihnen zum Tod um des katholischen Glaubens willen verurteilt würden. Es waren sechs spanische Franziskaner und zwanzig einheimische Japaner.

 

Am 3. Januar 1597 begann der Strafvollzug. Um die Bekenner auch äußerlich zu ächten, schnitt man ihnen das linke Ohrläppchen ab. Dann band man ihnen die Hände auf den Rücken, setzte sie auf Ochsenkarren und führte sie unter Gespött durch die Straßen der Hauptstadt Meako und anschließend sechsundzwanzig Tage lang als abschreckendes Beispiel in Eis und Schnee durch Dörfer und Weiler bis nach Nagasaki, wo die Kreuzigung erfolgen sollte.

 

Unmenschliche Leiden haben die Helden auf der Fahrt ertragen müssen. Es war ein langer Kreuzweg, der viel Ähnlichkeit mit dem Kreuzweg des lieben Heilandes nach Golgatha aufwies. Der Mut der Christusbekenner blieb indessen ungebrochen, und besonders die drei Jungen, die sich unter den Glaubenshelden befanden, Ludwig, Anton und Thomas, zeigten sich so heiter und froh, als ginge es zum Spiel und nicht in den Tod. Als sich unterwegs ein reicher Heide an den elfjährigen Ludwig heranmachte und ihm goldene Berge versprach, wenn er vom Glauben abfalle, antwortete der Junge: „Nie und nimmer! Das tue ich nicht, aber du tätest gut daran, wenn du auch Christ würdest.“ Zu solcher Heldengröße kann schon ein Elfjähriger heranwachsen.

 

Endlich näherte sich der Zug dem Ziel. Von weitem bereits sah man auf einer Anhöhe bei Nagasaki sechsundzwanzig hochaufgerichtete Kreuze. Wie Siegeszeichen standen sie dort. Singend und betend schritten die Verurteilten auf die Richtstätte zu. Als sie bei den Kreuzen anlangten, fragte Ludwig gleich, welches Kreuz das seine sei, und als man es ihm zeigte, lief er hin und umarmte voll Freude das kalte Holz, wie man den besten Freund begrüßt. Dann hob man die einzelnen zu den Kreuzen empor, band sie mit Stricken fest und durchbohrte mit scharfen Lanzen die Herzen der Helden, die bis zum letzten Atemzug beteten und sangen und Gott lobten und priesen für die Gnade, dass sie für Christus sterben durften. An jenem Tag, am 5. Februar 1597, hatte Japan die ersten Martyrer und die Kirche neue Heilige erhalten.

 

7. Februar

 

Der heilige Romuald, Stifter und Abt der Camalduenser, Italien,

+ 19.6.1027 - Fest: 7. Februar

 

Petrus Damianus, ebenfalls ein Heiliger, hat uns das Leben des heiligen Romuald fünfzehn Jahre nach dessen Tod beschrieben.

 

Sergius, aus herzoglichem Geblüt, ein ehrgeiziger und rachgieriger Mann, der in Ravenna lebte, forderte einen nahen Verwandten, von dem er sich beleidigt hielt, zum Zweikampf heraus. Die Herausforderung wurde angenommen. Und der junge Romuald, der als Sekundant seines Vaters Sergius bei dem Zweikampf dabei war, sah es, wie sein Vater den Vetter ums Leben brachte. Angst und Entsetzen überfielen ihn, und nur der Entschluss, für den Vater zu büßen, linderte in ihm die Gewissensqual. Da machte er es mit sich selbst aus, dass er für den Vater vierzig Tage in irgendeinem Kloster Bußübungen verrichten wollte, um des Vaters Blutschuld zu sühnen. So begab er sich unmittelbar nach dem Ende des Kampfes in das etwa eine Stunde von Ravenna entfernte Benediktinerkloster des heiligen Apollinars.

 

Romuald wurde geboren im Jahr 956. Außer dass er in allen ritterlichen Übungen bestens unterrichtet worden ist, sorgte man wenig für seine Erziehung. Im Gegenteil, er wurde durch Beispiel und Umgebung zu allem möglichen Müßiggang und zum sorglosen Genuss aller Freuden der Welt verleitet. Er wusste nichts davon, was es heißt, Verzicht und Bescheidenheit zu üben. Als er im Kloster des heiligen Apollinars dem Ende der vierzigtägigen Bußzeit mit großer Sehnsucht entgegensah, lachte er über die Idee eines Laienbruders, der ihn dazu bewegen wollte, im Kloster zu bleiben, und ihm die Gefahr für seine Seligkeit vor Augen führte, wenn er wieder in die Welt zurückkehren würde. Der Laienbruder sagte dann weiter in seiner frommen Einfalt zu Romuald: „Was würdest du mir geben, wenn ich dir unseren heiligen Apollinaris leibhaftig und lebendig zeigen würde?“ – „Wenn du mir den Heiligen so zu zeigen vermagst“, entgegnete Romuald, „so verspreche ich dir, im Kloster zu bleiben.“ Die darauf folgende Nacht bringen beide nach Verabredung in der Kirche zu. Als die Mitternachtsstunde schlägt, erhellt ein außerordentlicher Glanz die Kirche, und der heilige Bischof Apollinaris erscheint in seinem bischöflichen Ornat von himmlischem Schimmer umgeben, ein Rauchfass in den Händen, womit er alle Altäre beräuchert und danach wieder verschwindet. Romualdus, von diesem Gesicht ganz durchdrungen und erschüttert, wirft sich vor dem Altar der Mutter Gottes auf die Knie und gelobt da, von Stunde an im Kloster zu bleiben und ein Benediktiner zu werden.

 

Romuald war zwanzig Jahre alt, als er den Ordenshabit annahm. Lange weigerte sich der Abt und das Convent ihn aufzunehmen, aus Furcht vor dem Zorn seines mächtigen und grausamen Vaters. Endlich aber gaben sie seinem standhaften Verlangen nach. Aber nicht lange, so ärgerten sich seine Mitbrüder über seine große Zurückgezogenheit und Strenge. Man hatte von diesem vornehmen, ganz weltlich erzogenen und verweichlichten Jüngling einen so großen Bußeifer, so ungemeine Härte gegen sich selber und eine so besondere Abtötung nicht erwartet. Da Romuald merkte, dass seinetwegen Überdruss und Uneinigkeit in das Kloster kam, verließ er dasselbe und begab sich mit Erlaubnis seiner Oberen in eine Wildnis im venezianischen Gebiet, wo er den heiligen Einsiedler Marius, einen gutmütigen, aber rohen Mann, als seinen geistlichen Vorgesetzten anerkannte. Dieser trug ihm die schwersten und widersinnigsten Arbeiten auf. Täglich musste Romuald mit Marius den ganzen Psalter beten; und wenn er sich dabei im Geringsten etwas vertat, gab Marius seinem Schüler eine derbe Ohrfeige. Dieser hielt es willig aus und ohne die geringste Äußerung von Empfindlichkeit. Nur bat er endlich seinen Meister, er möchte ihm in Zukunft auf das rechte Ohr schlagen, damit er an dem linken das Gehör nicht gänzlich verliere. Jetzt erkannte Marius seine unnötige Strenge und behandelte von nun an seinen Schüler viel nachsichtiger. Zu dieser Zeit kam Urseolus, das Haupt der venezianischen Republik, zu Romuald in die Einöde. Diesen bewegte Romuald, weil er zum Tod seines Vorgängers Candianus viel beigetragen hatte, dass er die Stelle eines Oberhauptes der Republik aus freien Stücken niederlegte. Urseolus verließ mit Gradanus, seinem vertrauten Freund, Venedig. Beide schifften sich mit Romuald und Marius ein und begaben sich nach Katalonien. Im Kloster St. Michael zu Cason angekommen, blieb Urselous mit seinem Gefährten im Kloster unter der Leitung des Abts Quärinus. Romuald und Marius begaben sich in eine nahe Einöde, wohin ihnen viele andere nachfolgten, um dort mit ihnen gemeinschaftlich Gott zu dienen. Romuald gewann den Abt Junianus ebenfalls für seinen Oberen, und wurde von ihm angehalten, die Unterweisung seiner Gefährten auf sich zu nehmen. Er nahm sich vor, nach der Weise und Strenge der alten Einsiedler, deren Leben er fleißig las, in aller Einfalt zu leben. Er fastete immer fort, wachte fast die ganze Nacht hindurch, brachte seine Zeit mit Ermahnen, Unterweisen, mit Handarbeit, Lesen und dem Gebet zu, und hatte sehr viel von den Anfechtungen der höllischen Geister zu leiden.

 

Als Romuald gehört hatte, dass sein Vater aus Antrieb der göttlichen Gnade sich in ein Kloster begeben hatte, um dort für sein vorheriges Sündenleben zu büßen, wie ihm aber dieses Klosterleben verleidet sei, und er im Sinn habe, in die Welt zurückzukehren, da begibt er sich eilig zurück nach Italien, besucht seinen Vater in dem Kloster, und redete ihm so dringlich ans Herz, dass er doch in seinem Entschluss, Gott im Kloster sein noch übriges Leben zu dienen, weiter bleiben möchte, so dass der Vater einwilligte und auch bald darauf in Gegenwart des Sohnes bußfertig starb.

 

Sobald nun bekannt war, Romuald sei wieder in sein Vaterland zurückgekehrt, da strömten von allen Seiten Leute hinzu, die verlangten, unter seiner geistlichen Leitung zu stehen, so dass man wegen der großen Anzahl der Novizen einige andere Klöster errichten musste. Romuald stand dem Kloster Bagni vor, nicht weit von Sassia, aber nicht lange. Seine strenge und ernste Aufsicht erbitterte die Mönche so sehr, dass sie ihn sogar aus dem Kloster verstießen. Durchdrungen vom bitteren Schmerz, glaubte sich der Heilige für die geistliche Leitung anderer ganz untauglich, und nahm sich vor, von nun an sich nur seinem eigenen Seelenheil zu widmen. Er begab sich deshalb ganz allein nach Commaglio, von da in die Appeninen und endlich auf die kleine Insel Verra. Kaiser Otto der Dritte und der Erzbischof von Ravenna ließen ihn aufsuchen, und nachdem man ihn endlich gefunden hatte, musste er auf Verlangen der Religiosen neuerdings als Abt das Kloster zu Klassis regieren. Aber auch diesen war seine Regierung zu streng, und sie zwangen den Heiligen, sein Amt wieder niederzulegen. Indessen bekehrten sich auf sein Zureden viele vornehme Herren. Unter diesen der Graf von Alibam, der sich in das Kloster auf dem Berg Cassino begab. Mehrere Adlige folgten seinem Beispiel.

 

Der Fürsprache des heiligen Romuald hatte Tivoli es zu verdanken, dass diese Stadt der zürnende Kaiser nicht zerstörte. Denn in solchem Ansehen stand der Heilige bei dem Kaiser, dass dieser auf das Geheiß des heiligen Romuald von Rom aus barfuß auf den Berg Gangeno zu St. Michael wallfahrtete, um dadurch öffentlich kund zu tun, wie sehr er bereue, dass er den Senator Creszentius wider das gegebene Versprechen habe hinrichten lassen.

 

Romuald begab sich nach Pavenzo in Istrien in ein von ihm gestifteten Kloster, und blieb da drei ganze Jahre von allem Umgang mit der Welt entfernt; er hatte sich selber eingesperrt.

 

Hier nahm er durch Gebet und Betrachtung göttlicher Dinge in der Vollkommenheit des innerlichen geistlichen Lebens zu. Gott schloss ihm den Verstand der heiligen Schrift in schwierigen Stellen auf, und erteilte ihm die Gabe der Weissagung, so wie auch die Gabe einer so reumütigen Zerknirschung bei dem Andenken an die Sünden seiner Jugendjahre, dass er sich nicht mehr traute, öffentlich Messe zu lesen, weil ihm so leicht dabei ein lautes Schluchzen und Weinen ankam. Man hörte ihn wohl hundertmal den Tag hindurch laut seufzen und aufschreien im Übermaß der göttlichen Liebe, von der er durchdrungen war: „O mein süßer Jesus! O Gott meines Herzens! O mein liebster Heiland! Freund der Auserwählten! Du Trost der reinen Seelen! Süßester Jesus! Du einziges Ziel all meines Wünschens und Verlangens!“ – Nach den drei Jahren wurde er neuerdings genötigt, zu Arvinto ein Kloster zu stiften. Dort hörte er von dem Martertod seines Jüngers, des Heidenapostels Bonifatius; und nun machte er sich, versehen mit päpstlicher Vollmacht, voll hitzigen Verlangens sogleich auf nach dem Ungerland, um dort ebenso wie Bonifatius für seinen lieben Gott und Heiland sein Blut zu vergießen. Auf dem Weg wurde Romuald so sehr krank, dass er seine Reise beenden musste. Er musste zurückkehren, gedrängt von dem überall herbeiströmenden Volk, das ihn sehen und Gottes Wort von ihm hören wollte. Von allerhand Leiden gedrängt begab er sich in ein Kloster auf dem Berg Sykia, lebte da vier Monate in strenger Buße und schrieb eine Auslegung über die Psalmen. Die Handschrift des Heiligen wird jetzt noch in Kamaldoli aufbewahrt.

 

Damals geschah ihm Folgendes: In einem wilden unbesuchten Bergtal in den Appeninen im Florentinischen Gebiet schläft der heilige Romuald, als er den Berg Sykia verlassen, ermüdet von der beschwerlichen Reise. Außer dem Rauschen eines Waldbaches, an dessen Saum er eingeschlafen war, schweigt alles weit in der großen Wildnis um ihn her. Da werden dem Schwerbekümmerten die Augen des Geistes aufgetan, und er sieht, wie einst der Patriarch Jakob, der mit schwerem Herzen das Haus seiner Eltern verlassen hatte, eine Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reichte. Die Leiter hinauf stiegen seine Jünger in weißen Kleidern. Romuald erwacht, eröffnet seinen Jüngern das Gesicht, gibt ihnen eine weiße Kleidung und stiftet nach dem Namen des Ortes Kamaldoli, wo er die Erscheinung hatte, den Kamalduenser-Orden.

 

Von Arbeiten und hohem Alter gebeugt begab sich Romuald in das Kloster zu Val de Castro. Da baute er sich eine eigene Zelle samt einer Kapelle, und bereitete sich auf seinen Tod vor, dessen Stunde er, von Gott erleuchtet, voraus sah. Obschon seine Schwäche zunahm, ließ er doch von seinen bisherigen strengen Bußübungen nicht ab, schlief auf bloßer Erde, und schickte, so viel er konnte, die Krankenwärter und alle, die ihm Erleichterung verschaffen wollten, von sich weg. Da dachte er bisweilen an sein voriges Leben zurück und wie wunderbar ihn der barmherzige Gott zu sich gezogen und geleitet habe; und wie er zur Zeit, da er noch ganz der Begierde dieser Welt diente und von Christentum und Religion wenig oder nichts kannte, wenn er während der Jagd sich in großen Wüsten und Wäldern verlor, eine unbeschreibliche, unerklärbare Sehnsucht in sich verspürte, in diesen wüsten Wäldern, entfernt von allen Menschen, sein Leben zuzubringen.

 

Am letzten Tag seines Lebens schickte Romuald die zwei Ordensbrüder, die gerade für ihn sorgten, von sich, und verlangte von ihnen, dass sie am morgigen Tag zurückkehren sollten. Diese aber wollten den heiligen Vater nicht beleidigen und doch den Kranken nicht in seiner Not verlassen. Sie blieben darum außerhalb der Zelle lauschend stehen und hörten, wie er durch Gebet und Liebesseufzer sich mit Gott eifrig unterhielt. Auf einmal wurde alles still, die Mönche eilten hinein und fanden den Heiligen soeben verschieden.

 

Der heilige Petrus Damian, der wie Romualdus aus Ravenna gebürtig war und ihn kannte und fünfzehn Jahre nach dessen Tod sein Leben beschrieb, sagt, dass der heilige Romuald hundertundzwanzig Jahre alt geworden sei. Er verschied am neunzehnten Heumonat 1032. Da aber auf den Tag das Fest der heiligen Martyrer Gervasius und Protasius trifft, wurde das festliche Andenken des heiligen Romuald vom Papst Clemens VIII. auf den siebten Februar versetzt, an dem Tag sein heiliger Leichnam im Jahr 1466 noch ganz unversehrt gefunden und zur Verehrung auf den Altar erhoben wurde.

 

Der heilige Parthenius,

Bischof und Bekenner von Lampsakus, Bethynien,

+ 4. Jhd. – Fest: 7. Februar

 

Der heilige Parthenius wurde im Anfang des 4. Jahrhunderts in der Stadt Melita geboren, wo sein Vater Christodulus Diakon war, der von Wissenschaften wenig kannte, aber beinahe die ganze Heilige Schrift auswendig wusste und als ein heiliger und gerechter Mann vor Gott lebte. Mit größter Sorgfalt erzog er seinen einzigen Sohn mehr durch sein Beispiel als durch Ermahnungen in der Furcht Gottes und in der christlichen Abtötung, und zwar so, dass Parthenius als ein junger Mann von achtzehn Jahren wegen seiner hohen Tugenden und besonders wegen seiner tätigen Liebe gegenüber den Armen allgemein bewundert wurde. Sein Ruhm vergrößerte sich durch die Wunder, die er an Besessenen und Kranken durch die Kraft des Namens Jesus wirkte, so sehr, dass ihm Philetus der Bischof von Melita, die Priesterweihe erteilte und ihm die Sorge für die Armen und Kranken seines Kirchensprengels übergab. Dieses Amt versah er mit unermüdlicher Treue und Liebe so lange, bis ihn der Erzbischof von Cyzicum, der heilige Ascholius, zum Oberhirten der bischöflichen Kirche in Lampsacus ernannte. Die Einwohner dieser Stadt waren noch größtenteils dem Götzendienst ergeben und lebten in Unzucht und Unmäßigkeit, in Zwietracht und Mord. Im Vertrauen auf Gott fing der heilige Bischof sein Bekehrungswerk an, duldete anfangs von den Heiden Spott und Verachtung, Misshandlungen und Verfolgungen, bis er eindrang in die felsenharten Herzen der Verblendeten durch seine apostolische Beredsamkeit und sie erwärmte mit den beseligenden Tugenden der Religion Jesu. Da flohen die heidnischen Laster des Geizes, der Mordsucht und Fleischeslust wie vertriebene böse Geister in die finsteren Winkel der Hölle zurück und Reinheit der Sitten, Bruderliebe, Frieden und Gerechtigkeit kehrten wieder in die Herzen der Menschen zurück. Parthenius zertrümmerte nun die Tempel und Altäre der Götzen, zu deren Opfern oft Menschenblut vergossen wurde, und ging zu dem christlichen Kaiser, Konstantin dem Großen, und bat ihn, dem allmächtigen Gott in der Stadt Lampsacus eine Kirche zu erbauen. Konstantin, der damals das Christentum schon als Staatsreligion erklärt hatte, nahm den heiligen Mann mit Ehrfurcht auf und beschenkte ihn so reichlich mit Gold und Silber, dass bald darauf die Christengemeinde zu Lampsacus die Einweihung eines der prächtigsten Gotteshäuser in der Christenheit mit Freude feierte.

 

Der heilige Parthenius wirkte rastlos und segensvoll bis in sein Greisenalter in seinem heiligen Amt. Er bildete fromme Geistliche, die er besonders zur Barmherzigkeit gegenüber den Armen ermahnte, sagte viele zukünftige Dinge voraus und machte die Verordnung, dass der größte Teil des Zehnten zur Unterstützung der Armen, Witwen und Waisen verwendet werden musste.

 

Der heilige Richard, König von England, + in Lucca, Italien,

+ 7.2.721 – Fest: 7. Februar

 

Richard stammte aus einem vornehmen Geschlecht der Angel-Sachsen und besaß während der Regierung des heiligen Königs Ina von Wessex in England so viele Reichtümer, Güter und Untertanen, dass er den Titel eines Königs erhielt. Er erzeugte im Ehestand zwei Söhne und eine Tochter, die er mit größter Sorgfalt in der christlichen Religion erzog und die die Kirche wegen ihrer ausgezeichneten Frömmigkeit und wegen ihres Eifers in der Verbreitung des Christentums als Heilige verehrt. Ihre Namen sind Willibald und Wunibald und Walburga. Nach dem Tod seiner Gemahlin Bonna, die eine Schwester des heiligen Bonifatius war, übergab Richard einen Teil seiner Güter seiner Tochter Walburga und den anderen Teil schenkte er aus Liebe zur Armut den Kirchen und Bedrängten und machte mit seinen Söhnen eine Wallfahrtsreise nach Rom, um an den Gräbern der Apostel und Martyrer zu beten. Auf dieser Reise erduldeten sie zu Wasser und zu Lande so große Beschwerden, Hunger und Not, dass Richard, vielleicht schon durch ein hohes Alter geschwächt, der drückenden Sonnenhitze Italiens unterlag und in Lucca starb im Jahr 722. Seinen Leichnam beerdigten seine frommen Söhne in der Kirche des heiligen Frigidian, wo Gott die Heiligkeit seines vollendeten Dieners durch viele Wunder verherrlichte.

 

8. Februar

 

Der heilige Johannes von Matha, Priester und Ordensstifter, Frk.,

+ 17.12.1213 - Fest: 8. Februar

 

Es war im Jahr 1185. Ein junger französischer Adeliger, Johannes von Matha mit Namen, sehr gelehrt und sehr gläubig, feierte seine erste heilige Messe. Während der heiligen Wandlung wurde der Neupriester im Geist entrückt und hatte eine Vision. Er sah einen jungen Mann von überirdischer Schönheit in einem strahlend weißem Gewand. Auf dem Gewand war in Höhe der Brust ein Kreuz mit rotem Längs- und blauem Querbalken angeheftet. Zur Rechten und zur Linken hatte die Erscheinung je einen Menschen, einen weißen und einen schwarzen, mit eisernen Ketten an Händen und Füßen. Wenige Augenblicke nur dauerte diese Vision, über deren Bedeutung sich der Neupriester von vornherein im Klaren war.

 

Damals lebten in Nordafrika und in Spanien unter der Herrschaft der Mohammedaner ungezählte kriegsgefangene Christen als Sklaven in unvorstellbaren Nöten des Leibes und der Seele. Und durch die erwähnte Vision erhielt Johannes von Matha an seinem Primiztag offenbar den Auftrag, diesen armen Menschen Befreiung und Erlösung zu bringen. Es ist klar, dass der Auftrag bei dem unbeschreiblichen Hass der Mohammedaner gegen alles, was christlich hieß, zu einem Unternehmen führen musste, das tollkühn war. Natürlich wollte Johannes sich dem Ruf Gottes nicht entziehen, aber er zögerte und begab sich erst einmal zu einem Einsiedler, bei dem er mit Beten und Planen drei Jahre blieb und zögerlich auch noch länger geblieben wäre, wenn ihm Gott nicht eine Mahnung geschickt hätte. Eines Tages stand nämlich plötzlich vor ihm und dem Einsiedler ein Hirsch, in dessen Geweih, von Strahlen umgeben, ein Kreuz hervorleuchtete. Es war ein Kreuz, das einen roten Längs- und einen blauen Querbalken aufwies.

 

Johannes verstand sofort die Mahnung. Alles Zaudern und Zögern wich von ihm. Und noch am gleichen Tag machten er und der Einsiedler sich auf den Weg nach Rom, um sich für das neue Unternehmen den Segen des Papstes zu holen, der den neuen Orden vom Loskauf der Gefangenen sogleich erlaubte, bestätigte und segnete. Die Mitglieder der Vereinigung trugen nach dem Engelsbild der Vision ein weißes Gewand mit rotblauem Kreuz auf der Brust. Und weil auf diese Weise das eine Ordenskleid dreifarbig war, nannten sie sich „Brüder von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit“ oder, was dasselbe bedeutet, „Trinitarier“.

 

Nach Überwindung zahlloser Hemmnisse und Schwierigkeiten war es endlich so weit, dass zum erstenmal Ordensbrüder nach Afrika in See stechen konnten. Und als sie nach monatelangem bangem Warten mit zweihundert losgekauften, schon todgeglaubten Christensklaven heimkehrten, erfasste ein Jubel ohne Ende die gesamte Christenheit. Der neue Orden fand schnell großen Zulauf. Die Almosen mehrten sich, Schiff auf Schiff konnte ausgesandt werden.

 

Bei einer solchen Fahrt wurde der Stifter des Ordens um ein Haar erschlagen. So schwer waren die erlittenen Misshandlungen, dass Johannes von Matha bald darauf, erst dreiundfünfzigjährig, am 17. Dezember 1213 starb. Sein Orden aber hat zum eigenen Ruhm und zum unbeschreiblichen Segen anderer im Lauf der Zeit unter gewaltigen Opfern nahezu eine Million Christen aus der Sklaverei der Mohammedaner befreit. Zu danken ist dies vor allem der großen Hilfe und Unterstützung, die das Werk der Barmherzigkeit in der ganzen damaligen Christenheit gefunden hat.

 

In unseren Tagen gibt es in Afrika zwar keine Christensklaven mehr, aber es gibt heute unter den Christen überall viele, die unter der Knechtschaft des Bösen leben. Um diese zu befreien, bilden alle Priester und gläubige Christen auf der Erde gleichsam auch einen Orden vom Loskauf der Gefangenen. Sie tun dies durch ihren Glauben, durch Gebet und Opfer. Tagtäglich sollten wir diese laugewordenen Christen in unser Gebet einschließen.

 

Der heilige Johannes von Matha wurde im Jahre 1160 von seiner gottseligen Mutter von der Geburt an Maria der allerseligsten Jungfrau geweiht. Sorgfältig von der frommen Mutter erzogen, war Johannes als Kind und junger Mann eher still, in sich gekehrt, gern mit Beten und Studieren beschäftigt und dabei von sehr fröhlicher Art. Vor allem zeichnet er sich schon früh durch seine Liebe zu den Notdürftigen aus. Als ihn sein Vater Ephemius von Matha nach Aix schickte, damit er sich da in den Wissenschaften und ritterlichen Künsten übte, da gab er alles Geld, das ihm zur Verfügung stand, den Armen. Er besuchte, und das war seine liebste Beschäftigung, regelmäßig die Spitäler, besonders an den Mutter-Gottes-Tagen, indem er wohl wusste, dass ihn seine Mutter durch ein Gelübde der allerseligsten Jungfrau aufgeopfert hatte, weswegen er auch Maria sein ganzes Leben hindurch hoch verehrte.

 

Diesem Heiligen kam der Herr mit seiner Gnade zuvor. Mit den zunehmenden Jahren nahmen auch seine Frömmigkeit, seine Liebe zu Gott und dem Nächsten zu, bis er zur Vollkommenheit gelangte. Das Leben der Gerechten, spricht der Heilige Geist, ist ein Licht, welches nach und nach zunimmt, bis es zu einem vollkommenen hellen Tag wird. Glücklich, wer durch Gottes Gnade von den Einflüssen der Welt bewahrt wird, und durch Ausübung guter Werke, besonders der christlichen Liebe, welche die Seele der Andacht ist, der Gnade des Herrn entspricht und die in der heiligen Taufe empfangene Gnade der Unschuld unverletzt erhält. Das Mittel, dessen sich der Herr zu diesem Zweck zu bedienen pflegt, ist die christliche Erziehung, die die Kinder von ihren Eltern empfangen, wie es beim heiligen Johannes von Matha geschah. Würden doch alle Eltern ihre Kinder gleich bei der Taufe Gott zum Opfer bringen und ihnen so früh wie möglich den Glauben beibringen. Was tat und litt der heilige Johannes von Matha nicht alles aus Liebe zum Wohl seiner Nächsten. Wie beschämend ist sein Beispiel für uns, wenn wir bei dem Elend unserer Brüder und Schwestern oft ganz gefühllos und kalt bleiben, und so ganz gegen den Geist Jesu handeln!

 

Der heilige Paulus, Bischof von Verdun und Einsiedler,

+ 631-649 – Fest: 8. Februar

 

Der heilige Paulus war der Sohn einer adeligen Familie in den Niederlanden und wurde in seiner Jugend in allen Wissenschaften gebildet. Weil er aber eine sehnliche Neigung zum einsamen Leben hatte, betete er ständig unter Tränen zu Gott, ihn den rechten Weg zu führen, auf dem er am sichersten zur Vollkommenheit des christlichen Lebens gelangen könne. Er erhielt schließlich eine Erleuchtung von Gott, dass er, wie einst Abraham, seine Verwandten und sein Vaterland verlassen und in der Einöde leben sollte. Sogleich verteilte er alle seine Güter unter die Armen, verzichtete auf Ansehen und auf alle Ansprüche, zu denen ihn seine hohe Geburt berechtigte, und floh auf unbekannten Wegen in ein anderes Land, in dem er sich bloß der Leitung der Vorsehung Gottes überließ. Auf den vogesischen Gebirgen fand er eine Wüste, die in früheren Zeiten fromme Einsiedler bewohnt hatten und da erbaute er sich eine Zelle, wo er unter Gebet und Abtötung seine Sinnlichkeit bekämpfte und durch heilige Betrachtungen sich dem näheren Umgang mit Gott weihte.

 

Auf diesen Gebirgen stand in weiter Ferne ein Kloster, Tholei mit Namen, das der heilige Paulus öfters besuchte, um dem Gottesdienst beizuwohnen und die heilige Kommunion zu empfangen. Die Ordensmänner, die mit dem Einsiedler jedes Mal fromme Gespräche führten, staunten über die gründliche Gelehrsamkeit und die tiefe Demut dieses Heiligen, und alle wünschten, ihn in ihrer Genossenschaft zu haben, um durch sein anziehendes Beispiel im gottseligen Leben erwärmt zu werden. Um ihr Verlangen zu erfüllen, berief ihr Abt den heiligen Paulus zu sich und bewies ihm, dass er in einem Kloster eben so einsam, wie in einer Wüste leben und unendlich mehr Gutes verbreiten könne unter seinen Mitbrüdern als ein Muster einer vollkommenen Tugend. Und dieses, setzte er hinzu, verlangt auch Jesus, wenn er sagt: „Lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und den Vater verherrlichen, der im Himmel ist.“ Der demütige Paulus warf sich zu den Füßen des Abtes und überließ sich ganz seiner väterlichen Leitung, der ihm nun das Ordenskleid reichte und ihn unter seine Jünger aufnahm. Bald übertraf er alle Ordensmänner in Abtötung, Wachen und im Gehorsam und der Ruf seiner Heiligkeit verbreitete sich so sehr, dass aus den entferntesten Gegenden Jünglinge und Männer in das Kloster kamen und den heiligen Paulus baten, sie als seine Schüler aufzunehmen und zur christlichen Vollkommenheit zu führen. Unter denen befand sich auch Grimo, ein Enkel des fränkischen Königs Dagobert, der aus Liebe zu Jesus Reichtümer und Ansehen vor den Menschen floh, die Armut wählte in den einsamen Mauern des Klosters und der innigste Freund seines heiligen Lehrers wurde.

 

Im Jahr 621 starb der Erzbischof Ermenfredus zu Verdun und der König Dagobert wusste keinen würdigen Mann zu dessen Nachfolger zu wählen, als den heiligen Paulus, um so viel mehr, da die Geistlichkeit und das Volk denselben einstimmig zu ihrem Oberhirten verlangten. Der demütige Diener Gottes weigerte sich lange, seine Einsamkeit zu verlassen, aber als er Gottes Willen erkannte, der ihn durch die Stimme des Volkes zu einem Licht seiner Kirche berief, empfing er die bischöfliche Weihe, nahm Besitz von seinem Erzbistum und um Ordnung und Sittlichkeit in demselben einzuführen, machte er den Anfang damit, dass er seine Domherren und Geistlichen nach den alten Kirchengesetzen zu einem gemeinsamen, klösterlichen Leben beschränkte, wodurch er nicht nur das Ärgernis eines weichlichen Lebens von Seite der Geistlichkeit entfernte, sondern auch Tugend und Gottseligkeit unter seiner Herde verbreitete. Er war ein Muster eines apostolischen Hirten und stand wegen seines heiligen Lebens bei König Dagobert in so großem Ansehen, dass dieser der christlichen Kirche auf dessen Bitte große Freiheiten bewilligte und viele Gotteshäuser und Klöster erbaute.

 

Der heilige Paulus starb in seinem Greisenalter am 8. Februar 649 und wurde zu Verdun in der Kirche des heiligen Saturnin, die er selbst erbaut hatte, beerdigt.

 

Der heilige Stephan von Thiers,

Priester, Abt und Ordensstifter, Frankreich,

+ 8.2.1124 – Fest: 8. Februar

 

Der heilige Stephan war der Sohn einer ansehnlichen und wohlhabenden Familie zu Thiers bei Clermont und seine frommen Eltern, Stephan und Candida, erzogen ihn durch Lehren und Beispiel in der Furcht Gottes und übergaben ihn als einen talentvollen und heilsbegierigen Jüngling der Leitung des heiligen Milo, Erzbischof in Benevent, der bei ihm den Grund zu seiner künftigen Heiligkeit legte. Zwölf Jahre lang genoss Stephan den Unterricht dieses gottbegeisterten Oberhirten und erwarb sich einen solchen Schatz von Kenntnissen in den Heilswissenschaften und eine solche römmigkeit, dass ihn der heilige Milo zu seinem Diakon weihte und zum Mitarbeiter im heiligen Amt erwählte. Nach dem Tod seines Lehrers begab er sich nach Rom und arbeitete vier Jahre lang unter ununterbrochenem Fasten und Gebet an dem Plan zur Errichtung eines neuen, strengen Ordens und nachdem er die Bestätigung vom Papst erhalten hatte, baute er auf dem Berg Murel, der in der Nähe von Limoges liegt, ein Kloster und nahm Jünger an, die er zur strengen Abtötung und Armut anhielt. Fünfzig Jahre lang lebte der Heilige mit seinen Ordensmännern in der größten Abgeschiedenheit von der Welt auf diesem Berg und nur erst dann verließ er das Kloster, als der Ruf seines heiligen Lebens eine Menge Menschen herbei zog, die bei ihm Rat und Hilfe in ihren Angelegenheiten und Bedrängnissen suchten. Er begab sich daher mit den Seinigen in die einsame Gegend von Grammont, und da er aus Demut seinem Orden keinen Namen gab, erhielt er die Benennung des Ordens von Grammont; denn er selbst pflegte zu sagen, er sei kein Mönch und kein Einsiedler, sondern ein unwürdiger Diener Gottes. Die Regel seines Ordens war einfach und forderte eine gänzliche Lostrennung von allem Irdischen. Seine Jünger lebten nur vom Almosen, das die Gläubigen freiwillig in das Kloster brachten, wo es nur die Laienbrüder in Verwahrung nehmen durften.

 

Der heilige Abt Stephan führte seine Schüler mehr durch sein Beispiel, als durch Befehle und Ermahnungen zu einem gottseligen Leben; denn er beobachtete stets das strengste Stillschweigen, war der Demütigste unter allen und diente den Niedrigsten wie seinen Herrn. Er trug zu jeder Jahreszeit ein altes, abgetragenes Kleid, hatte auf dem bloßen Leib einen eisernen Panzer und schlief auf der Erde. Seine Nahrung bestand nur in Brot und Wasser und von allen übrigen Speisen enthielt er sich sorgfältig und gab seinen Anteil den Armen und Kranken, die er seine Kinder nannte. Während des Gebetes warf er sich oft auf das Angesicht, dass die Haut seiner Knie und Hände so rau wurde, wie die der Kamele. Gott verherrlichte ihn schon während seiner Lebenszeit durch die Gabe der Wunder, die er aber äußerst selten und nur dann wirkte, wenn Armen und Unglücklichen durch Menschen nicht mehr geholfen werden konnte. Er starb im Jahr 1124 und wurde von Papst Clemens III. am 30. August des Jahres 1189 unter die Zahl der Heiligen gesetzt.

 

Der Diener Gottes Philipp Jeningen aus der Gesellschaft Jesu,

+ 8.2.1704 – Gedenktag: 8. Februar

 

Vielleicht ist es gar noch nicht zu lange her, dass in deiner Heimat die letzte Volksmission gehalten wurde. Vielleicht hast auch du, wie so viele andere, etwas von ihren heiligen Wirkungen verspürt. Heute will ich dir nun von jenem Mann erzählen, der diesen frommen Brauch zuerst in Süddeutschland einführte.

 

Philipp Jeningen wurde am 5. Januar 1642 zu Eichstätt in Bayern geboren. Sein Vater war dort der Bürgermeister. Schon mit 16 Jahren wollte Philipp in die Gesellschaft Jesu eintreten. Der Provinzial machte die Aufnahme von der Erlaubnis des Vaters abhängig. Allein noch fünf Jahre sollte der Student kämpfen müssen, bevor er die Einwilligung des Vaters erhielt. Im Noviziat, das er 1663 bis 1665 in Landsberg machte, verlegte er sich in ganz besonderer Weise auf die Übung tiefer Demut und vollkommenen Gehorsams. „Ich will sein wie ein lebloses Bild,“ schrieb er sich damals vor, „das sich nicht bewegt, ob man es lobt oder schmäht. Ich will jeden Wink meiner Oberen befolgen und nicht erst ihre Befehle abwarten.“ Nach den ersten heiligen Gelübden lehrte er drei Jahre am Kolleg der Gesellschaft Jesu in Dillingen in den unteren Gymnasialklassen, vollendete in drei Jahren seine theologischen Studien, empfing 1672 in seiner Vaterstadt die heilige Priesterweihe und machte am berühmten Wallfahrtsort Altötting das dritte Noviziatsjahr, das nach der Bestimmung des heiligen Ignatius den letzten Gelübden vorausgehen soll.

 

Gleich im Anfang seines priesterlichen Wirkens trieb ihn die Demut zu einer bewunderungswürdigen Tat. Seit er vom heiligen Franz Xaver wunderbar geheilt worden war, entbrannte in seinem Herzen ein feuriges Verlangen, in die Fußstapfen des großen Apostels von Indien zu treten. Aber die Demut und Liebe zur Selbstverleugnung kämpften gegen den Drang nach apostolischer Tätigkeit, und die Demut blieb Siegerin. Er bat die Obern, ihm wiederum den Unterricht an den niederen Klassen in Dillingen zu übertragen. Sieben Jahre harrte er in großer Selbstverleugnung auf diesem unansehnlichen Posten aus, wo er in der Klasse wie im Privatverkehr die Knaben zu inniger Liebe des Heilandes und seiner gebenedeiten Mutter anleitete.

 

Im Jahr 1680 wurde Pater Philipp der kleinen Niederlassung der Gesellschaft Jesu in Ellwangen zugeteilt. Das freundliche Städtchen im heutigen Württemberg war der Hauptort des gleichnamigen geistlichen Fürstentums. Wie im Sturm eroberte sich der eifrige und leutselige Mann die Herzen. Besonders die Armen und Kranken erfuhren seine mütterliche Liebe. Viele geistliche und weltliche Herren begaben sich unter seine erleuchtete Seelenleitung. Seinem wunderkräftigen Gebet schrieb man es zu, dass in der 24 Jahren seiner Ellwanger Tätigkeit alle die vielen, die ihn zu ihrem Beistand in ihrem letzten Stündlein wählten, bei vollem Bewusstsein die heiligen Sterbesakramente empfingen.

 

Insbesondere wurde dem Pater Jeningen die Besorgung der kleinen Wallfahrtskapelle auf dem Schönenberg bei Ellwangen anvertraut, wo eine Nachbildung der Muttergottes von Altötting andächtig verehrt wurde. Er ruhte nun und rastete nicht, bis sich durch die Freigebigkeit des Fürstpropstes Freiherrn von Adelmann dort statt der bescheidenen Kapelle 1685 eine stattliche, prächtige Wallfahrtskirche erhob, die auf viele Geschlechter ein Mittelpunkt der Marienverehrung und des katholischen Lebens für die Umgegend wurde. Selbst von fern aus Bayern und vom Rhein, aus Tirol und Böhmen wallfahrtete man dorthin. Tausende versöhnte Pater Philipp in diesem Heiligtum der Mutter der Barmherzigkeit mit Gott. Besonders die Muttergottesfeste waren seine Triumphtage.

 

Aber die heiligen Pläne des seeleneifrigen Dieners Gottes waren viel umfassender. Er war es, der die so segensreiche Einrichtung der Volksmissionen in jene Gegenden verpflanzte. Die Stadt Ellwangen war gleichsam sein Hauptquartier. Von hier dehnte er seine Wirksamkeit als Missionar auf das Fürstentum und in immer weiteren Kreisen auf die vier Bistümer Augsburg, Würzburg, Eichstätt und Konstanz aus. Wir wissen allein von vierzig Pfarreien, die er im zweiten, von fünfzig, die er im dritten Jahr dieser Tätigkeit durchmissionierte. Wie viele mag er insgesamt in den 23 Jahren seiner Wirksamkeit als Missionar geheiligt haben?

 

Betend oder mit seinem Begleiter, dem frommen Laienbruder Simon, über Gott und göttliche Dinge redend, zog er, immer zu Fuß, von einer Mission zur andern. Oft brach er erschöpft am Weg zusammen, war aber nicht zu bewegen, deshalb seine Fasten zu unterbrechen, die Bußgürtel abzulegen, die Geißelungen zu mildern, die er selbst auf den Wanderungen im Dickicht des Waldes oder auf den Missionen nachts im stillen Kämmerlein vornahm, um von Gott Barmherzigkeit für die Sünder zu erflehen.

 

Betrat er eine Kirche, dann bestieg er nach kurzer Sammlung nüchtern die Kanzel. Voll Mitleid weinte er mit den Sündern im Bußgericht, so dass all die vielen getröstet und gestärkt von ihm schieden. Wie der heilige Franz Xaver, den er sich in seiner Missionstätigkeit zum Vorbild erkoren hatte, pflegte er eine innige Liebe zu den Kindern. Sie kamen ihm oft in Scharen weite Strecken entgegen. Er beschenkte sie mit Medaillen, Bildern, Büchlein usw. und hielt ihnen jeden Tag in der Kirche eine herzgewinnende Christenlehre.

 

Gott belohnte ihn schon hienieden mit wunderbaren Gaben. Schon während der Jahre der Vorbereitung auf das Apostolat hatte er ihm die Gabe der Beschauung verliehen, die immer erhabener und tiefer wurde. Auch viele Visionen, die ihm Kraft und Trost verliehen, berichtet der Diener Gottes in seinen Aufzeichnungen. Einmal z.B. bezeichnete ihn der Heiland in einem Gesicht mit dem Blut aus seinen heiligen fünf Wunden, indem er unter anderem dabei die Worte sprach: „Ich bezeichne dich durch meine heiligste Mutter mit diesem Zeichen des Heils, damit du selbst vor Sünde bewahrt wirst und viele zur Buße bekehrst.“ Oft unterstützte der Herr sein Wirken auch durch wunderbare Tatsachen. So sagte Pater Jeningen oft Einzelnen wie dem Volk freudige Ereignisse oder Heimsuchungen Gottes voraus.

 

Der schönste Lohn aber war es für Pater Philipp, dass er mit seinem gekreuzigten König leiden durfte. Zu den Mühsalen seiner Reise, zu den harten Bußwerken kamen Misshandlungen übelgesinnter Menschen, die ihn einmal wie tot am Weg liegen ließen. Sein guter Name und seine Wirksamkeit wurden hin und wieder herabgesetzt; so meinten einige, seine Predigten seien zu einfach. Zahlreich und außerordentlich heftig waren ferner die Versuchungen und Plagen, mit denen der Teufel ihn verfolgte. Aber in allem überwand der Soldat Christi, wie Pater Jeningen sich so gern nannte, mit heldenhafter Tapferkeit.

 

Dreißig Jahre der Arbeit am Heil der Seelen hatten ihm einmal in einer Offenbarung die Mutter Gottes versprochen. Diese Jahre hatten sich 1704 erfüllt. Er bereitete sich durch achttägige eifrige Exerzitien auf seinen Heimgang vor. Dieser erfolgte am 8. Februar.

 

Bewahre gut die Früchte der heiligen Mission. Bete und tu das Deine, damit sie auch in andern bleiben und fortwirken zum ewigen Leben. Denn, sagt Pater Philipp Jeningen: „Eine Seele ist mehr wert als die ganze Welt.“ „Wenn ich eine einzige Sünde verhindert habe, dann habe ich mehr getan, als wenn ich Ellwangen aus einer Feuersbrunst gerettet hätte . . . Kann man die Sünde genugsam beweinen, über die Christus selbst so sehr geweint hat?“

 

Der Seligsprechungsprozess für Pater Philipp Jeningen wurde eingeleitet.

 

9. Februar

 

Die heilige Martyrin Apollonia,

+ 9.2.249, und mehrere andere heilige Martyrer zu Alexandria - Fest: 9. Februar

 

Noch im Jahr vorher, als die Verfolgung unter Kaiser Dezius über die Christen hereinbrach, am Anfang des Jahres 249, erregten die Heiden in der Stadt Alexandria einen plötzlichen Aufstand, in dem sie gegen die Christen so unmenschlich wüteten, dass mehrere von ihnen, und unter ihnen auch die heilige Apollonia, im grausamen Martertod vollendet wurden. Der Urheber des Aufstandes war ein Wahrsager, der in seinem Hass gegen das Christentum das heidnische Volk aufwiegelte und in solche Wut versetzte, dass es sich ein desto größeres Verdienst zurechnete, je unmenschlicher es gegen das Leben der Christen raste. Der Bischof der Stadt, der heilige Dionysius war Augenzeuge dieser blutigen Auftritte, die er in einem Brief an Fabius, den Bischof von Antiochien, beschreibt. Den beträchtlichsten Teil dieses Briefes hat uns der Geschichtsschreiber Eusebius im sechsten Buch seiner Kirchengeschichte aufbewahrt. In diesem Brief beschreibt der heilige Bischof auch die Grausamkeiten, die während der Verfolgung des Dezius an den Christen in Alexandrien verübt worden sind. Auch in dieser Zeit der harten Prüfung haben viele ihr Bekenntnis zu Jesus Christus durch ihr Blut bekräftigt. Wir lesen hier wörtlich, was Dionysius sowohl von dem Volksaufstand, als auch von der Verfolgung schreibt:

 

„Das von dem Wahrsager in Wut versetzte Volk ergriff zuerst einen christlichen Greis, Metras, und wollte ihn zwingen, Lästerungen auszusprechen. Als er sich weigerte dies zu tun, schlug es ihn mit Knitteln, stach ihn mit spitzen Stäben ins Gesicht und in die Augen, schleppte ihn endlich vor die Stadt hinaus und warf ihn mit Steinen tot. Darauf führten die Rasenden eine Frau, Quinta mit Namen, in einen Götzentempel; und als sie sich dem Antrag, die Götzen anzubeten, mit Abscheu widersetzte, banden sie ihr die Füße zusammen, schleiften sie durch die Straßen der Stadt auf dem Steinpflaster, schleuderten sie an große Steine hin, schlugen sie mit Geißeln und steinigten sie endlich außerhalb der Stadt auf dem Platz, auf dem sie den Metras gesteinigt hatten.“

 

„Jetzt stürmten sie gewaltsam in die Häuser der Christen ein, ein jeder in das nächst beste, von dem er wusste, dass Gläubige darin wohnen. Diese Quälten sie, raubten was kostbar war, und warfen weg und verbrannten öffentlich auf der Straße die hölzernen Geräte und die Habseligkeiten von geringerem Wert. Alexandrien bot den Anblick einer von wilden Feinden eroberten Stadt.“

 

Die Gläubigen zogen sich zurück und flohen, so gut sie konnten, vor der Wut des aufgebrachten Pöbels. Freudig ertrugen sie den Verlust ihrer Habseligkeiten. Obwohl doch mehrere in die Hände der rasenden Verfolger gerieten, so war fast keiner darunter, der den Glauben verleugnete.

 

Die Heiden ergriffen auch eine betagte Jungfrau, Apollonia, gaben ihr solche Backenstreiche, dass sie ihr alle Zähne ausschlugen, schleppten sie dann zur Stadt hinaus, machten einen Scheiterhaufen, zündeten ihn an, und drohten, sie lebendig zu verbrennen, wenn sie nicht mit ihnen Lästerworte gegen Christus und den heiligen Glauben aussprechen würde. Die heilige Jungfrau blieb noch nachdenklich stehen. Die Henker meinten, sie wolle nachgeben und ließen sie los. Alsbald stürzte sie sich selbst in die Flammen und verbrannte. Sie, welche vom Feuer des Heiligen Geistes entzündet war, verachtete die Qualen des irdischen Feuers. Die Heiden selbst entsetzten sich, eine Frau zu erblicken, die bereitwilliger war zu sterben, als ihre grausamen Verfolger sie zu peinigen. Einen gewissen Serapion ergriffen sie in seinem Haus, marterten ihn auf die schrecklichste Weise, zerbrachen ihm alle Knochen, und stürzten ihn von dem obersten Stockwerk auf die Straße hinunter. Auf keiner Straße waren Christen sicher, in keinem Gässchen, weder bei Tag noch bei Nacht. Überall hörte man das wilde Geschrei, man müsse jeden, der nicht lästern wolle, herbeischleppen und verbrennen. Diese harten Drangsale dauerten noch längere Zeit, bis endlich die Heiden in Alexandrien unter sich selbst in Uneinigkeit gerieten, ihre Wut gegeneinander ausließen, und dadurch für die Christen Ruhe eintrat. Diese Ruhe aber dauerte nicht lange; denn kaum hatte Dezius den kaiserlichen Thron bestiegen, auf den er sich den Weg durch die Ermordung des Kaisers Philippus, dessen Herrschaft den Gläubigen sehr günstig war, gebahnt hatte, als sich das jammervolle Schauspiel grausamer Verfolgung der Christen in Alexandrien schon wieder erneuerte.

 

Das Verfolgungsedikt des Dezius, versetzte die Gläubigen in dieser Stadt in großen Schrecken, denn es war, wie Dionysius sagt, so grausam, dass selbst die Auserwählten, wenn es möglich wäre, hätten zaghaft werden können. Viele der Vornehmsten wurden auch wirklich zaghaft, so wie auch viele von denen, die öffentliche Ämter verwalteten. Einige wurden selbst von ihren Verwandten vor die Richtstühle geschleppt. Andere wurden namentlich aufgerufen und nahmen Teil an den Gräueln des Götzendienstes. Einige erblassten dabei und zitterten, als sollten sie selbst geopfert werden, und wurden daher, wenn sie opferten, vom heidnischen Volk verspottet. Andere traten frech hinzu und bezeugten, dass sie nie Christen gewesen seien. Diese waren größtenteils solche, die zu sehr an den Reichtümern des Lebens hingen, von denen der Herr vorhergesagt hat, dass es ihnen schwer sein werde, ins Himmelreich einzugehen. Die anderen folgten entweder denen nach, die den Götzen schon geopfert hatten, oder entzogen sich durch die Flucht, oder wurden ergriffen. Unter diesen erlagen manche schon im Kampf, sobald sie in Fesseln gelegt wurden. Manche beharrten längere Zeit im Kerker, verleugneten aber dennoch, bevor sie vor das Gericht geführt wurden. Einige erduldeten die ersten Martern, schwuren aber dennoch dem Glauben ab, aus Furcht vor härterer Peinigung.

 

Es fehlte indessen auch nicht an solchen, die durch Gottes Kraft gestärkt, als unerschütterliche Pfeiler der Kirche Gottes da standen und im heiligen Bekenntnis standhaft verharrten.

 

Julian, der von Gliederschmerzen so heftig gequält wurde, dass er weder stehen noch gehen konnte, musste von zwei Christen zum Richterstuhl getragen werden.

 

Einer von diesen beiden verleugnete sogleich Jesus Christus, der andere aber, der Chronion Eunus hieß, bekannte mit Julian den Sohn Gottes. Sie wurden deswegen auf Kamele gesetzt, durch die ganze große Stadt geführt, auf den Kamelen gegeißelt und zuletzt im Angesicht einer zahllosen Menge Volk in ungelöschtem Kalk verbrannt. Gegen Besas, einen Soldaten, der dabei stand, als sie zum Tod geführt wurden, und denen, welche jetzt noch die Bekenner misshandeln wollten, Einhalt tat, erhob sich das Geschrei des Volkes. Er wurde vor den Richterstuhl geführt und nachdem er Jesus Christus unerschrocken und standhaft bekannt hatte, enthauptet. Ein anderer mit Namen Maker, gebürtig aus Lybien, wurde von dem Richter auf alle mögliche Weise zum Abfall gereizt. Allein er blieb standhaft, und wurde lebendig verbrannt. Epimachus und Alexander waren lange Zeit in Fesseln gelegen, hatten vielerlei Peinen ausgestanden, waren mit schneidenden Werkzeugen und mit Geißeln zerfleischt worden und wurden jetzt in ungelöschtem Kalk verbrannt.

 

Auch Frauen bekräftigten ihren Glauben an Jesus Christus durch den Martertod. Ammonarium, eine sehr gottselige Jungfrau, wurde lange und sehr grausam gefoltert, weil sie erklärt hatte, dass sie nichts von dem sagen werde, was der Richter von ihr erzwingen wolle. Sie bestand in der Prüfung und wurde zum Tode abgeführt. Drei andere, nämlich Merkuria, eine ehrwürdige alte Frau, Dionisia, die Mutter mehrerer Kinder, die sie zwar zärtlich, aber doch nicht mehr als den Herrn liebte, und eine zweite Ammoniarium wurden enthauptet, ohne dass sie vorher andere Peinigung erdulden mussten, weil der Statthalter nicht noch einmal durch die Standhaftigkeit schwacher Frauen überwunden und beschämt werden wollte.

 

Jetzt wurden Heron, Ater und Isidorus, alle drei Ägypter, und mit ihnen Diskorus, ein Junge von fünfzehn Jahren, vor den Statthalter gebracht. Dieser versuchte den Jungen zuerst durch schmeichelndes Zureden zu gewinnen, dann durch Drohungen zu schrecken. Aber alles blieb fruchtlos. Die anderen wurden mit Schlägen grausam zerfleischt, und da sie standhaft verharrten, dem Feuer übergeben. Der Junge Dioskorus, welcher großen Mutes vor allen dastand und die ihm vorgelegten Fragen mit bewunderungswürdiger Geschicklichkeit beantwortete, wurde von dem Richter selbst bewundert, und mit dem Bescheid entlassen, dass er ihm seiner Jugend wegen Zeit zur Besinnung lassen wolle. Der heldenmütige junge Mann gesellte sich den übrigen standhaften Gläubigen bei, einen schwereren und länger dauernden Kampf erwartend.

 

Nemesius, ebenfalls ein Ägypter, wurde zuerst fälschlich beschuldigt, dass er ein Mitglied einer Räuberbande sei. Dann aber, als er diese arge Verleumdung widerlegt hatte, angeklagt, dass er ein Christ wäre. Gebunden wurde er dem Statthalter vorgestellt, der ihn doppelt so stark, als die Räuber, geißeln und peinigen, und dann mit diesen verbrennen ließ. Der heilige Kämpfer rechnete es sich zur besonderen Gnade, nach dem Beispiel seines göttlichen Meisters, unter Räubern sterben zu können.

 

Vier Soldaten, Ammon, Zeno, Ptolomäus und Ingenus, nebst Theophilus einem Greis, standen nicht fern vom Richterstuhl. Und als ein Christ vor dem Gericht bereit schien, den Namen Jesu zu verleugnen, winkten sie ihm, streckten die Hände nach ihm aus, und versuchten durch alle möglichen Bewegungen und Gebärden des Körpers den gefährdeten Bruder im Bekenntnis zu stärken. Aller Augen wurden auf sie gerichtet. Aber noch bevor sie ergriffen wurden, liefen sie selbst zum Richterstuhl und erklärten, dass sie Christen seien. Der Statthalter und die Beisitzer erschraken. Jene aber standen da mit freudiger Bereitwilligkeit, alles zu erdulden. Die Richter verloren darüber alle Fassung und die Soldaten gingen hinweg, froh über ihr Zeugnis und Gott preisend, dass er ihnen diesen herrlichen Triumph verliehen hatte.

 

Nicht nur in Alexandrien, sondern auch in anderen Städten und Flecken Ägyptens wurden viele Christen von den Heiden gewaltsam getötet, wie Dionysius in dem oben angeführten Brief noch weiter berichtet und davon Beispiele anführt. Ischrion stand als Verwalter im Dienst eines öffentlichen Beamten, der durch Befehle, durch Schmähungen und durch Misshandlungen ihn zwingen wollte, den Götzen zu opfern, und ihn, da er alles standhaft ertrug, tötete, indem er ihm einen Pfahl durch den Leib rammte.

 

Eine große Zahl von Gläubigen, die geflohen waren, irrten in den Gebirgen und Wüsten herum. Viele verhungerten, verdursteten oder erfroren oder starben hilflos an Krankheiten. Andere wurden von Räubern ermordet oder von wilden Tieren zerrissen. Die, welche unverletzt zurückkamen, zeugten von der ausharrenden Geduld und dem freudigen Tod der Mitchristen. Chäremon, ein hochbetagter Greis, Bischof von Nikopolis, floh auf das arabische Gebirge und kam von da nicht wieder zurück. Nach der Verfolgung suchten die Gläubigen nach ihm, fanden ihn aber nicht, auch nicht seine Leiche. Viele andere Christen wurden von den Sarazenen ergriffen und in die Sklaverei geschleppt, mehrere von ihnen aber um einen sehr hohen Preis wieder eingelöst.

 

Nachdem der heilige Dionysius in seinem Brief den Kampf der Martyrer erzählt hat, führt er in ihm noch an, dass mehrere von den gefallenen Christen, die ihren Abfall bereuten, auf die Fürsprache der heiligen Martyrer in die Kirchengemeinschaft wieder aufgenommen worden sein. Er sagt: „Die gottseligen Martyrer, welche nun Beisitzer Christi, die Mitgenossen seines Reiches und Richter mit ihm sind, haben (als sie noch lebten) einige der gefallenen Brüder, die den heidnischen Göttern geopfert hatten, mit Güte wieder aufgenommen, weil sie ihre Bekehrung und Buße sahen, und deswegen meinten, dass diese Buße demjenigen angenehm sein werde, der nicht den Tod des Sünders will, sondern, dass er sich bekehre. Sie haben daher solche aufgenommen, sie gesammelt, sie empfohlen (dem Bischof und dem Volk), sie teilnehmen lassen am Gebet und an den Liebesmahlen.“

 

Die Sünde ist ein Zustand des Todes und die Buße ist eine wirkliche Auferstehung von den Toten. Der ganze Himmel feiert, wie uns das Evangelium versichert, ein Auferstehungsfest, so oft ein Sünder Buße tut. Würde doch jeder Sünder aufwachen aus seinem Todesschlaf, erkennen den bejammernswürdigen Zustand seiner Seele und sich mit Reuesinn und Zuversicht Jesus Christus nahen, durch den allein kommt Erbarmen, Gnade, Vergebung der Sünden und ewiges Leben! Wie ermunternd schreibt der Apostel Johannes durch Eingebung des Heiligen Geistes im zweiten Kapitel seines ersten Briefes: „Meine Kinder! Solches schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher beim Vater, Jesus Christus, den Gerechten, der selbst die Versöhnung für unsere Sünden ist, nicht allein aber für unsere Sünden, sondern auch für die Sünden der ganzen Welt.

 

Die katholische Kirche feiert das Gedächtnis des heiligen Metras am 30. Januar, der heiligen Quinata am 3. Februar, des heiligen Julian und Chronion am 19. Februar, des heiligen Makarius 8. Christmonat, des heiligen Epimachus, Alexander, der Ammonarium, Merkuria und Dionisia am 12. Christmonat, des heiligen Heron, Ater, Isidorius und Dioskorus am 14. Christmonat.

 

Der heilige Alto, Einsiedler-Mönch von Altomünster, Bayern,

+ 9.2.760 - Fest: 9. Februar

 

Von heiliger Begeisterung getrieben, ihren stammverwandten heidnischen Brüdern in Deutschland das Licht des Glaubens anzuzünden, und die christliche Kultur unter die barbarischen Völker zu tragen, verließen im siebenten und achten Jahrhundert viele fromme und edle Männer ihre schöne Heimat England und Irland und verkündeten unter vielen Anstrengungen und Opfern die Lehre des Heils in der westlichen Hälfte der deutschen Länder. Dem heiligen Virgilius schlossen sich der heilige Bischof Marinus und sein Diakon Theklanus, der Priester Lullus und der heilige Alto an. Die beiden ersten ließen sich nach vielem Hin- und Herziehen bei Freising nieder. Ihr Gedächtnis wird am 1. Dezember gefeiert, ihre Reliquien werden im Kloster Neustift bei Freising aufbewahrt. Lullus stiftete mit Unterstützung des bayerischen Herzogs Theobald das Kloster Ilmmünster.

 

Der heilige Alto entstammte einer sehr vornehmen Familie Schottlands. Schon von früher Jugend an reifte in ihm ein männlicher Ernst, die kurzen irdischen Genüsse setzte er hintan und strebte nur nach den dauernden Freuden des geistigen Lebens. Nicht die Pracht seines weiten Besitztums, nicht die Liebe seiner Eltern und Verwandten konnte ihn von seiner begonnenen Richtung ablenken, vielmehr ruhte sein Wille im Gesetz Gottes und in seinem Gesetz betrachtete er Tag und Nacht. Da sein Vorsatz mehr und mehr reifte und sein Streben nach Vollkommenheit immer glühender wurde, verließ er, in einer Erscheinung von Gott ermahnt, wie einst der Erzvater Abraham, seine Heimat und seine Verwandten, um im fernen Deutschland ein Ruheplätzchen aufzusuchen. So kam der Gottesmann nach Bayern, wo er sich in einem Wald eine Zelle baute und von seiner Hände Arbeit lebte, um niemand lästig zu fallen, eingedenk des Psalmwortes: „Glücklich wirst du sein, weil du isst von der Arbeit deiner Hände.“ (Psalm 127)

 

Da der Ruf seiner Heiligkeit zu den Ohren des Frankenkönigs Pipin drang, der für fremde und arme Gottesdiener väterlich sorgte, schenkte er dem heiligen Alto einen großen Teil des Waldes, in dem er wohnte. Daher kam es, dass von nah und fern viele Gläubige aus Bayern und Baden herbeieilten und wetteiferten, um ihn mit ihrem Vermögen zu unterstützen. Mit Hilfe dieser Wohltäter rodete er den größten Teil des ihm geschenkten Waldes, und verwandelte den Boden in fruchtbares Ackerland.

 

Als nach einigen Jahren die Arbeit seiner Hände durch eine reiche Ernte belohnt wurde und die Liebesgaben der Gläubigen in bedeutendem Maße zunahmen, erwog der Mann Gottes, wie er diese Wohltaten dem Geber alles Guten vergelten könnte. Und er baute ein Gotteshaus und ein Kloster und lud Liebhaber des geistlichen Lebens zu sich ein. Nach dem Gründer heißt dieses Kloster bis auf den heutigen Tag Altomünster.

 

Der heilige Bonifatius, der in jener Zeit das göttliche Wort mit dem gesegnetsten Erfolg verkündete, wurde durch ein göttliches Gesicht aufgefordert, schleunigst das neue Kloster Altomünster einzuweihen und zwar ein Mönchskloster und ein Frauenkloster. Freudig folgte der Apostel Deutschlands dem höheren Ruf und weihte beide Klöster.

 

Nachdem der heilige Abt Alto längere Zeit dem neuen Kloster in Heiligkeit vorgestanden und mit dem Glanz seiner Tugenden und Wunderwerke seinen Wirkungskreis erfüllt hatte, ging er im seligen Tod in die himmlische Wohnung, nach der er sich von Kindheit an gesehnt hat, und für die er allen Reichtum, alle Ehren und Annehmlichkeiten dieser Erde freudig geopfert hatte.

 

Nach dem Tod des heiligen Alto bemächtigte sich des Klosters ein Graf Welf, aber der Heilige sorgte noch vom Himmel her für sein Lieblingswerk. Er erschien einem frommen Mann im Traum und sprach zu ihm: „Gehe zu den Ältesten jenes Ortes, wo mein Leib ruht, und sage ihnen: Alto zürnt sehr, dass seine Ruhestätte vernachlässigt und kein Gottesdienst dort gehalten wird. Wenn sie dies bessern, werden sie großen Lohn empfangen, wenn sie es aber vernachlässigen, wird die Rache über sie hereinbrechen.“ Der Mann teilte die Erscheinung seiner Frau mit, die meinte, eine solche Botschaft könne ihm Ungelegenheiten verursachen. Deshalb schwieg er. Nach einigen Tagen erschien ihm der heilige Alto wieder und sprach: „Warum hast du meinen Befehl verachtet? Gehe sofort hin und verkündige, was ich dir gesagt habe, sonst wirst du Hartes erleiden.“ Aber auch dieses Mal verschob er den Auftrag.

 

Zum dritten Mal erschien ihm ein Mönch und sprach zu ihm: „Mein Herr hat mich zu dir gesandt, um zu fragen, weshalb du seine Befehle verachtest?“ Jener antwortete: „Wer ist dein Herr?“ Der Mönch antwortete: „Der heilige Alto ist mein Herr und er hat mich gesandt. Damit du dies einsiehst, wirst du augenblicklich die angedrohte Strafe fühlen.“ Und sogleich fühlte sich der Mensch am ganzen Leib so zerschlagen, als ob er mit Ruten gepeitscht wäre.

 

Nun säumte der Mann nicht länger, dem Grafen seine Erscheinung zu offenbaren. Welf stellte das verfallene Kloster wieder her, beschenkte es mit mehreren Grundgütern und gab ihm einen ausgezeichneten Vorsteher in dem Abt Rudolf, der mit aller Strenge auf die genaue Beobachtung der Ordensregeln achtete. Seine Nachfolger, die Äbte Eberhard und Heinrich, brachten die Stiftung des heiligen Alto zu immer schönerer Blüte. Auch die Mutter des Grafen, namens Itha, sowie seine Gemahlin Irmentrud vermehrten die Stiftungen des Klosters, so dass dies immer mehr im Ansehen stieg und eine Quelle des Segens für die ganze Umgegend wurde.

 

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war Altomünster ganz verfallen, aber Herzog Georg erhob es aus dem Schutt. In neuerer Zeit ist es nur noch Frauenkloster, in dem gottgeweihte Jungfrauen nach der Regel der heiligen Brigitta leben und dankbar das Andenken an den heiligen Alto feiern.

 

Der heilige Nicephorus, Laie und Martyrer von Antiochia,

+ 9.2.260 – Fest: 9. Februar

 

Zu Antiochia in Syrien lebten unter der Regierung des Kaisers Valerian Sapricius, ein Priester, und Nicephorus, ein gottesfürchtiger Christ, seit ihren Jugendjahren in der innigsten Freundschaft und einer suchte es dem anderen in der Frömmigkeit und guten Werken zuvor zu tun. Dieser edle Wettkampf wurde durch eine heftige Feindschaft unterbrochen, die aus einer geringen Veranlassung entstand, und in eine solche Erbitterung der Gemüter ausartete, dass jeder sich schämte, mit dem anderen ein Wort zu sprechen. Nach einiger Zeit wagte es Nicephorus, der ein sanfteres Herz hatte und diesem Ärgernis eines unchristlichen Hasses ein Ende machen wollte, einige seiner Bekannten zu Sapricius zu schicken und ihn um Verzeihung und um seine vorige Liebe bitten zu lassen; aber der hartherzige Priester fuhr sie mit rauen Worten an und wies trotzig jeden Antrag zu einer neuen Freundschaft ab. Aus Liebe zum Frieden ging schließlich Nicephorus selbst zu Sapricius, fiel vor ihm auf die Knie und beschwur ihn bei dem teuren Blut, das Jesus einst am Kreuz auch zur Versöhnung seiner Todfeinde vergoss, allen Groll auf die Seite zu setzen und sich wieder mit ihm auszusöhnen. Aber mit größter Erbitterung stieß dieser den demütig Bittenden mit den Füßen zurück und verharrte in seiner Bosheit.

 

Damals, es war im Jahr 260, erregten die Heiden eine Christenverfolgung in Antiochia und unter anderen wurde auch der christliche Priester Sapricius ergriffen und vor den heidnischen Richter gebracht, dem er unerschrocken gestand, dass er nicht nur ein Christ, sondern sogar ein Priester sei. Der Richter ermahnte ihn, die strengen Befehle der beiden Kaiser Valerian und Gallus zu erfüllen und den Göttern zu opfern, wenn er sich nicht den grausamsten Strafen aussetzen wolle. Ihm antwortete der Bekenner: „Wir Christen opfern nur dem alleinwahren Gott, der ein Schöpfer Himmels und der Erde ist, und verfluchen eure Götter als eine Erfindung der Geister der Hölle,“ Über diese Worte geriet der eifrige Heide in eine solche Wut, dass er ihn zu Boden reißen und mit den qualvollsten Martern zu peinigen befahl, die aber Sapricius mit freudiger Geduld ertrug und dem Barbaren zurief: „Meinen hinfälligen Körper kannst du vernichten, doch über meine unsterbliche Seele hast du keine Gewalt!“ Und als alle Martern fruchtlos waren, ihn zur Verleugnung seines Glaubens zu bewegen, und als der Martyrer laut Jesus den Erlöser als den wahren Gott verkündete, verurteilte ihn der Richter zur Enthauptung.

 

Sapricius frohlockte, dass ihn Gott der Martyrerkrone gewürdigt habe und ging mit vor Freude glänzenden Augen auf den Richtplatz. Mitten auf dem Weg dahin kam ihm Nicephorus entgegen und bat ihn unter vielen Tränen, seine Feindschaft nicht mit in die Ewigkeit zu nehmen. Und als ihn jener keiner Antwort würdigte, fiel er zu seinen Füssen und beschwur ihn nochmal im Namen Jesus, für dessen Ehre er sein Blut zu vergießen bereit sei, sich mit ihm vor seinem Tod noch auszusöhnen. Aber Sapricius achtete seiner Tränen und bewegenden Bitten nicht und trat standhaft in seinem Hass der Marter entgegen. Doch der barmherzige Gott sah an die Tränen des frommen und demütigen Nicephorus und strafte die Härte des stolzen Priesters dadurch, dass er ihm seine Gnade entzog. Denn als Sapricius auf der Richtstätte ankam und ihn der Henker ermahnte, sich auf seine Knie niederzulassen, damit er enthauptet werden können, überfiel ihn eine schreckliche Angst und er schrie laut auf: „Warum soll ich Unglücklicher denn enthauptet werden?“ – „Weil du“, entgegnete ihm der Henker, indem er das Schwert empor hob, „den Befehl des Kaisers verachtet und dich geweigert hast, den unsterblichen Göttern zu opfern.“ – „Ach, schont nur mein Leben“, rief der von Gott Verlassene in seiner Todesangst, „ich opfere und huldige den Göttern!“ Plötzlich trat aus der Menge Volkes Nicephorus hervor, umarmte den gefallenen Priester und sprach: „Mein Bruder, was tust du? Wo ist der Mut und die Standhaftigkeit, mit der du bisher deinen Glauben verteidigt und Jesus bekannt hast? Unglücklicher! So willst du die Krone, die du dir durch die Marter schon erworben hast, im letzten, entscheidenden Augenblick verlieren?“ Und als ihn Sapricius nicht hörte, bestieg er, entflammt von der Liebe zu Gott, mutig den Richtplatz und schrie mit lauter Stimme: „Ich bin ein Christ und bekenne öffentlich meinen Glauben an Jesus Christus, den jener zu seinem ewigen Verderben verleugnet hat. Mich also schlachtet für den Abtrünnigen!“

 

Die Gerichtsdiener erstaunten über den heldenmütigen Kämpfer und brachten dem Richter die Nachricht von dem Abfall des Sapricius und von dem Mut des Nicephorus, der sich freiwillig für seinen Glauben dem Henker auslieferte. Auf seinen Befehl wurde Nicephorus enthauptet und Sapricius erhielt die Freiheit und lebte noch wenige Jahre, verachtet von den Heiden und Christen und starb schließlich in Raserei und Verzweiflung.

 

Der heilige Ansbert, Erzbischof und Bekenner von Rouen,

+ 9.2.698 – Fest: 9. Februar

 

Ansbert wurde unter der Regierung des fränkischen Königs Clotar, eines Sohnes des Clodoväus und der Bathildis, aus einem vornehmen Geschlecht geboren und in seiner Jugend in allen Wissenschaften unterrichtet. Als ein sehr gebildeter und frommer junger Mann kam er an den königlichen Hof, wo er sich durch seine ausgezeichneten Sitten die Achtung und Liebe aller Menschen erwarb und von Rothbert, dem ersten Minister des Königs, so hoch geschätzt wurde, dass er ihm seine Tochter Angadeisina zur Gemahlin gab. Da aber sie schon in ihrer Jugend das Gelübde einer immerwährenden Enthaltsamkeit Gott gemacht hatte, überredete sie auch ihren Gemahl zur Haltung des Versprechens. Damit sie ihrem Entschluss getreu bleiben möchten, verließen sie den königlichen Hof, verzichteten auf alle Lebensfreuden und Reichtümer und wählten die klösterliche Armut. Ansbert begab sich in das Kloster zu Fontanelle, in der Gegend von Rouen und wurde von dem heiligen Abt Wandregisil mit väterlicher Güte empfangen und unter die Ordensmänner aufgenommen, unter denen er sich bald sowohl durch seine gründlichen Kenntnisse in den heiligen Schriften, als durch seine Demut und Liebe zum Gehorsam auszeichnete. Er verrichtete die niedrigsten und beschwerlichsten Dienste mit Freude und arbeitete eben eines Tages mit einigen Brüdern im Weinberg des Klosters, als Theodorich, ein junger Mann, der den König auf der Jagd bediente, den Heiligen um seinen Segen bat. Ansbert erteilte ihm den Segen nebst rührenden Ermahnungen zu einem gottesfürchtigen Leben und sagte ihm voraus, dass er in kurzer Zeit Regent des fränkischen Reiches werden würde.

 

Nach dem Tod des heiligen Abtes Wandregisil, der zwanzig Jahre lang mit allem Ruhm seinem Kloster vorstand, wurde Lantbertus zu dessen Nachfolger erwählt, der aber bald als Bischof nach Lion kam und bei seinem Abschied den Brüdern keinen würdigeren als Abt anzuempfehlen wusste, als den frommen Ansbertus. Übereinstimmend wählten sie ihn zu ihrem Oberen und er entsprach den Erwartungen vollkommen, die man sich von ihm gemacht hatte. Mit Sanftmut und Liebe behandelte er seine Mönche und war allen ein Muster in der christlichen Vollkommenheit. Streng gegen sich selbst, war er der liebreichste Vater aller Armen und Unglücklichen und stiftete zwei Häuser neben dem Kloster als eine Zuflucht für die Bedrängten und Verfolgten. Allenthalben verbreitete sich der Ruf des heiligen Abtes und als um diese Zeit der erzbischöfliche Stuhl von Rouen durch den Tod des heiligen Audönus erledigt wurde, ernannte Theodorich, der nun fränkischer König war, den heiligen Ansbert zu dessen Nachfolger, über dessen glückliche Wahl die Geistlichkeit und die Gläubigen frohlockten. Mit Demut und christlicher Liebe regierte der Heilige seine Herde, stiftete allenthalben Friede und Eintracht und beförderte Sittlichkeit und Tugend, bis er das Opfer seiner Feinde wurde. Damals gerieten die fränkischen Fürsten unter sich in Uneinigkeit und böse Menschen verklagten den heiligen Erzbischof bei dem Fürsten Pipin, dass er gegen ihn einen Anhang sammle, um ihn zu stürzen. Sogleich wurde er von seinem bischöflichen Sitz vertrieben und zur Verbannung verurteilt. Der unschuldige Heilige wanderte geduldig und ohne sich zu verantworten in das Elend und fand endlich eine Zuflucht in dem Kloster Hautmont im Hennegau, wo ihn der ehrwürdige Abt Halidulphus mit brüderlicher Liebe aufnahm. Da lebte er wie der geringste Laienbruder unter Gebet, Fasten und Wachen in einer engen Zelle in der größten Armut und bereitete sich auf ein seliges Ende. Als schließlich Pipin seine Ungerechtigkeit einsah und ihn auf seinen erzbischöflichen Stuhl zurückrief, bat ihn der Heilige um Erlaubnis, dass sein Leichnam nach seinem Tod in das Kloster zu Fontanelle überbracht werden dürfe. Da er die Bewilligung seiner Bitte erhalten hatte, wohnte er am folgenden Tag noch dem feierlichen Gottesdienst bei und nachdem er mit innigster Andacht die heilige Kommunion empfangen hatte, gab er sanft und ruhig seinen Geist in die Hände Gottes auf am 9. Februar 695, beweint von allen Frommen und verherrlicht von Gott mit den größten Wundern.

 

Die selige Anna Katharina Emmerick,

+ 9.2.1824 - Fest: 9. Februar

 

Vor vielen Jahren geschah es, dass einmal in dem Weiler Flamske bei Coesfeld in Westfalen ein kleiner Bauersmann, der eine geschickte Hand hatte, einem Nachbarn aus Gefälligkeit eine wackelige Holzbank ausbesserte und sie zum Teil mit neuen Brettern aus dem eigenen Besitz wiederherstellte. Dabei fielen Späne von den alten und den neuen Brettern. Ein siebenjähriges Mädchen, des schreinernden Mannes Tochter Anna Katharina, sammelte die Späne für den Hausbrand. Das Kind hob jedoch nur die Späne von den neuen Brettern auf und ließ die Späne von den alten Brettern liegen. Erstaunt beobachtete der Vater Anna Katharinas Tun und fragte, warum sie denn nicht alle Späne sammle. Darauf entgegnete die Angeredete, das tue sie deswegen nicht, weil die Späne von den alten Brettern doch nicht ihnen, sondern dem Nachbarn gehörten. Bei dieser Antwort schüttelte der Vater den Kopf, blickte betroffen die Mutter an und sprach: „Was haben wir doch ein wunderliches Kind!“

 

Besser hätte der Mann getan, wenn er gesagt hätte: „Was haben wir doch ein Wunderkind!“, denn wenn ein Kind eine solche Zartheit des Gewissens besitzt, wie sie Anna Katharina bei dem erwähnten Vorfall an den Tag legte, so ist das nicht wunderlich, sondern wundervoll.

 

Anna Katharina Emmerick war aber nicht nur wegen ihrer Ehrlichkeit, sondern ganz allgemein ein Wunderkind. Im Jahre 1774 wurde sie am Fest Mariä Geburt geboren, und gleich nach der Taufe erhielt sie als eine besondere Gnade Gottes den vollen Gebrauch der Vernunft. Die Engel spielten mit dem Kind. Gemeinsam sammelten sie Blumen auf den Wiesen und am Rand der Getreidefelder, wanden sie zu Kränzen und brachten die Kränze dem Jesuskind und seiner Mutter. Das alles sah Anna Katharina mit ihren hellen begnadeten Augen. Zuweilen begegnete ihr auch der kreuztragende Heiland, und die Armen Seelen umschwebten sie als leuchtende Flämmchen, und von all diesen Dingen plauderte Anna Katharina arglos, denn sie war der Meinung, dass alle Menschen ohne Ausnahme sähen, was sie allein schauen durfte. Erst als sie merkte, dass es sich nicht so verhielt, sprach sie auch nicht mehr von den Schauungen.

 

Früh musste Anna Katharina kräftig bei der Arbeit helfen, musste den Ackergaul von der Weide holen, musste mit dem Vater auf das Feld, musste das Pferd an der Leine führen, die Egge heben und andere Dinge tun. Weil auch der Vater ein frommer Mann war, beteten die beiden häufig miteinander. Wenn sie beim Ackern wendeten oder ein Weilchen ruhten, wies der Vater auf den Kirchturm hin und sagte: „Da wollen wir den lieben Heiland im Sakrament von weitem grüßen, und dann grüßt er auch uns und segnet unsere Arbeit.“

 

Nachdem Anna Katharina im Alter von sieben Jahren die erste heilige Beichte abgelegt hatte, erschien ihr immer häufiger der kreuztragende Heiland und forderte sie auf, ihm das Kreuz tragen zu helfen. Gern war sie dazu bereit, und es kamen daher mancherlei Beschwerden über sie, wie Kopf- und Zahnschmerzen, die sie zur Sühne für die Sünden der Menschen geduldig ertrug. Auch zähmte sie die Gaumenlust, indem sie auf Speisen, die ihr gut schmeckten, verzichtete, und weil sie ein solch gutes Herz hatte, dass sie keinen Menschen leiden sehen konnte, bat sie Gott, ihr die Krankheiten der anderen aufzulegen, was dann auch oft eintrat.

 

Als Anna Katharina mit vierundzwanzig Jahren einst in der Kirche betete, trat der göttliche Heiland sichtbar auf sie zu und bot ihr zur Wahl einen Blumen- und einen Dornenkranz. Sofort griff sie zu dem Dornenkranz , und von diesem Augenblick an wurde sie die Leidensbraut des Herrn; sie empfing, allen sichtbar, die heiligen Wundmale und hat bis zu ihrem Tod am 9. Februar 1824 unerhörte Schmerzen ausstehen müssen. Es geschah das zur Sühne für die Sünden der Welt in Vereinigung mit dem bitteren Leiden des lieben Heilandes, an das uns die Fastenzeit eindringlich erinnert.

 

Am 3. Oktober 2004 waren viele Blicke nach Rom gerichtet: Anna Katharina Emmerick, die "Mystikerin des Münsterlandes", wurde von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

 

Der selige Marianus, 1. Abt des Schotten-Klosters in Regensburg,

+ 24.4. oder 9.2. 1083 oder 1088 – Gedenktag: 9. Februar / 24. April

 

Unter der Regierung Heinrich IV. kamen drei gottselige Männer, namens Marianus, Johannes und Candidus, geboren in Irland, nach Deutschland und hielten sich eine Zeit lang im Kloster auf dem Michaelsberg zu Bamberg auf. Von da begaben sie sich nach Regensburg. Dort fanden sie im Kloster Obermünster freundliche Aufnahme. Marianus hatte auf eine göttliche Mahnung hin den Entschluss gefasst, in dieser Stadt ein Kloster für seine Landsleute zu gründen. Die Äbtissin des Klosters Obermünster, Emma, überließ ihm zu diesem Zweck das St. Peters Kirchlein vor der Stadt, das zu ihrem Stift gehörte. Auch schenkte sie ihm einige Grundstücke zur Erbauung eines Klosters. So entstand das erste sogenannte Schottenkloster in Deutschland, und Marianus wurde sein erster Abt. Zum Dank für diese Hilfe und Freigebigkeit übergab der selige Marianus dem Kloster Obermünster sieben Exemplare der Heiligen Schrift, die er mit eigener Hand abgeschrieben und mit Erklärungen aus den Kirchenvätern begleitet hatte. Diese frommen Männer waren unermüdlich mit Gebet und Arbeit beschäftigt. Keine Stunde wurde müßig zugebracht. Außer diesen Bibeln schrieb der selige Marianus auch eine Geschichte seiner Zeit, die uns die besten Aufschlüsse über die damaligen Verhältnisse gibt, und Gebet- und Psalmenbüchlein, die er armen Leuten zum Geschenk machte. Einst hatte der Pförtner vergessen, bei einbrechender Nacht dem Abt Licht zu bringen. Erst spät erinnerte er sich seiner Pflicht und ging zum Abt, ihn um Verzeihung zu bitten. Da traf er den Abt schreibend. Die drei Finger, mit denen er schrieb, leuchteten ihm so hell, dass er eines Lichtes nicht bedurfte. Auch andere bemerkten dieses wunderbare Leuchten der Finger des Seligen und offenbarten es nach seinem Tod.

 

Marianus war nicht allein für sich tätig, sondern er hielt auch seine Untergebenen zu unablässiger Arbeit an. Sie folgten dem Beispiel ihres Abtes willig und freudig, denn die Sanftmut, mit der er sein Amt verwaltete und seine Befehle erteilte, gewannen ihm die Herzen aller. Dabei war er lauter Einfalt und ausgezeichnet durch kindliche Demut. Die von ihm verfasste Erklärung der Psalmen Davids nannte er „eine Sammlung weniger Tröpflein Wasser aus dem unerschöpflichen Meer der Schriften heiliger Väter“. Sein Tod fällt in das Jahr 1088. Bei seinem Grab wurden auf die Fürbitte des Seligen viele Wunder gewirkt. Selbes war im Kirchlein des heiligen Petrus. Als sich einst die Brüder am Grab des Seligen mit unnützem Geschwätz unterhielten, gewahrten sie auf einmal einen wunderlieben Geruch, der vom Grab aus sich verbreitete und sie auf andere Gedanken brachte. Daraus zogen sie die Lehre, dass man über einem Grab nicht schlafen und nicht schwätzen soll, denn da habe man Besseres zu tun.

 

10. Februar

 

Die heilige Scholastika, Äbtissin und Ordensstifterin,

+ 10.2.542?, Schwester des heiligen Benedikt - Fest: 10. Februar

 

Die heilige Scholastika ist die Zwillingsschwester des heiligen Ordensgründers Benedikt. Zusammen mit ihm erblickte sie im Jahr 380 in dem Städtchen Nursia, halbwegs zwischen Rom und Neapel, das Licht der Welt. Scholastika war ein fröhliches Kind, von Natur aus heiter veranlagt und immer lustig. Deswegen war sie auch bei den Leuten beliebt. Wenn man sie schnellen Schrittes dahineilen sah, freute man sich, wie man sich eben freut, wenn man zufällig eine schöne weiße Taube erblickt. Schon lange galt die weiße Taube als Sinnbild der Unschuld, und von Unschuld strahlte auch das Mädchen Scholastika.

 

Schon früh half Scholastika hilfsbedürftigen Menschen und war Fürsorgerin den Armen und Kranken in ihrem Heimatstädtchen Nursia. Da war sie auch am richtigen Platz, denn durch ihre Munterkeit machte sie alle Leute froh, und Freude ist bekanntlich die beste Medizin. Da war beispielsweise ein griesgrämiger alter Mann, der jeden Tag vierundzwanzig Stunden lang stöhnte. Oft besuchte Scholastika den Stöhnerich und erzählte ihm ein paar drollige Geschichten. Erst wollte der Alte überhaupt nicht lachen, dann musste er lachen, und schließlich lachte er sich gesund. Auf diese und ähnliche Weise tat Scholastika viel Gutes, und die Leute waren froh mit ihr.

 

Als später Sankt Benedikt das große Kloster auf dem Cassinoberg gründete, verließ Scholastika zum Leidwesen aller die Heimat, bezog am Fuß des Berges eine Wohnung und nahm sich der Arbeiter an, die das Kloster errichteten, kochte, wusch und flickte für sie und war wie eine Mutter gut zu allen. Und während der ernste Bruder in seiner Zelle betete und sich selten sehen ließ, flog Scholastika wie eine Taube auf der Baustelle umher und rief den Arbeitern manch lustigen Scherz zu, dass sie lachen mussten und dadurch leichter über die Mühen hinwegkamen, die mit der Arbeit unter der heißen südländischen Sonne verknüpft waren.

 

Ein einziges Mal nur im Jahr erlaubte der strenge Sankt Benedikt der Schwester, dass sie zu ihm kam und sich mit ihm unterhielt. Die beiden trafen sich auf einem Pachthof außerhalb des Klosters und redeten von diesem und jenem einen ganzen Tag lang. Scholastika kam es vor allem darauf an, von dem gelehrten Bruder zu erfahren, wie es im Himmel aussehe, denn dahin sehnte sie sich mit ganzer Seele. Und wenn dann der gelehrte Bruder von den Schönheiten des Himmels erzählt hatte, so war die Schwester wieder getröstet und gestärkt, um für das nächste Jahr das Leben in Freude auszuhalten und alle mit Freude anzustecken.

 

Jahr für Jahr geschah es so, und als sich die Geschwister wieder einmal trafen, fühlte Scholastika, die ziemlich krank und schwach geworden war, dass sie bei dieser Gelegenheit zum letzten Mal den Bruder auf der Erde sah. Deshalb bat sie ihn gegen Abend, als er sich erhob, um ins Kloster zurückzukehren, er möge doch bei ihr bleiben und ihr noch mehr vom Himmel erzählen. Der ernste Benedikt wollte ihr diese Bitte aber nicht erfüllen und verwies auf die strenge Ordensregel, die es nicht gestatte, dass ein Mönch auch nur eine einzige Nacht außerhalb der Zelle verbringe.

 

Scholastika war enttäuscht, aber nicht entmutigt und sagte still zu sich selbst: „Warte nur, Bruder, wenn du nicht willst, so wird Gott mir helfen.“ Schalkhaft beugte sie dann den Kopf in die Hände und tat so, als schäme sie sich, eine unpassende Bitte ausgesprochen zu haben. In Wirklichkeit betete sie jedoch herzinnig, Gott solle irgendetwas unternehmen, um den strengen Bruder zum Bleiben zu zwingen. Gott half auch sofort, denn mit Minutenschnelle ging ein Platzregen nieder, der die ganze Nacht anhielt, so dass Benedikt notgedrungen bis zum Morgen bleiben musste und Scholastika mit ihm reden konnte.

 

Drei Tage später starb sie, und Sankt Benedikt sah von seiner Zelle aus, wie ihre Seele in Gestalt einer weißen Taube zum Himmel emporstieg.

 

Sehr merkwürdig ist die letzte Zusammenkunft zwischen dem heiligen Benedikt und seiner Schwester Scholastika, die der heilige Papst Gregorius selbst beschrieben hat. Diese Zusammenkunft wird von einem freundlichen Sänger schön auf folgende Weise erzählt:

 

Scholastika, die gottergebene Nonne,

Des heil`gen Benediktus Schwester, pflegte

Einmal des Jahrs den Bruder zu besuchen.

Einst auch erschien sie zur gewohnten Zeit,

Und nach Gewohnheit stieg der Abt sofort

Von seinem Berg herab, um mit der Schwester

Im nächsten Dörfchen des Gesprächs zu pflegen.

 

Der Tag verging, die Sonne stand schon tief;

Noch immer wechselten Scholastika

Und Benediktus inhaltreiche Reden.

Die Sonne sank, die Abendröte glänzte;

Das fromme Paar, zum trauten Mahl sich setzend

Fuhr fort des heiligen Gesprächs zu pflegen.

Das Abendrot verblich, der Mond ging auf,

Vom heitern Himmel blitzten hell die Sterne;

Da sprach der fromme Abt: Spät ist die Stunde;

Der Herr sei mit dir, Schwester! fahre wohl!

 

Doch ahnend sprach Scholastika zu ihm:

Bleib bei mir, Bruder, diese einz`ge Nacht!

Wer weiß, wann wir uns wiedersehn? Wie bald

Ist eine Nacht dahin! Lass bis zum Morgen

Uns reden von des ew`gen Lebens Freuden.

 

Doch Benediktus sprach: Wie magst du solches

Begehren, Schwester! nicht geziemt dem Mönch,

Zu bleiben außer seines Klosters Ring

Die Nacht hindurch. Ich scheide. Fahre wohl!

 

Allein Scholastika, die Fromme, lehnte

Gefaltet auf den Tisch die Hände, barg

Ihr Antlitz in die Hände, und betete

Mit solcher Inbrunst, dass die Tränen reichlich

Durch die gekreuzten Finger niedertrofen.

 

Und ehe sie das Antlitz noch vom Tisch

Erhoben, trübte sich der heitre Himmel.

Der Donner krachte. Blitze flammten rings

Ein schwerer Sturm kam auf. Ein Wolkenbruch

Ersäufte nah und fern das bange Land.

Unmöglich war dem Abt und seinen Freunden

(Steil der Berg, der nasse Fußpfad schlüpfrig)

Für diese Nacht zum Kloster heimzukehren.

 

Unmutig sprach der Abt: Warum, Schwester,

Hast du mir das getan? wie wird der Mönch

Die Regel ehren, die der Abt nicht hält?

 

Scholastika sprach kosend: Trauter Bruder,

Dich bat ich, und blieb unerhört. Ich bat

Den Herrn, und er erhörte mich. Er weiß

Um meine Liebe. Lass uns fröhlich sein!

 

Und fröhlich war der Abt den Rest der Nacht

Mit der geliebten Schwester. Während draußen

Die Stürme brausten, und der Regen klatschte,

Ergötzte sich das gottergebne Paar

In himmlischen Gesprächen. Vieles sprachen

Sie von der Ewigkeit und ihren Freuden,

Und von der süßen Hoffnung, dermaleinst

Den Herrn von Angesicht zu seh`n, und ewig

Bei ihm zu bleiben samt den teuren Freunden.

 

Zu schnell entfloh die ganze Sommernacht.

Vorüber war der Sturm, die Sonne ging

Erquickend auf, und Benediktus schied

In Frieden jetzt von der geliebten Schwester.

 

Nach dreien Tagen starb Scholasika;

Und in dem Augenblick, worin sie starb,

Sah Benediktus, einer Taube gleich,

Zum Himmel ihre reine Seele schweben.

Da schlug das Herz ihm. Eine Stimme sprach:

Die Regel, Abt, ist aller Ehre wert,

Doch größrer Ehre würdig ist die Liebe.

 

Die heilige Austreberta, 1. Äbtissin von Pavilly, Frankreich,

+ 10.2.704 – Fest: 10. Februar

 

Unter der Regierung des fränkischen Königs Dagobert, wo die christliche Religion in Frankreich schon in der schönsten Blüte stand, zeichnete sich Badefridus, Pfalzgraf am königlichen Hof, durch eine besondere Frömmigkeit aus. Er war aus dem Geschlecht der alten fränkischen Könige entsprossen und hatte die Framehildis zur Gemahlin, die von den Königen der Alemannen abstammend, durch ihre besondere Schönheit, noch mehr aber durch ihr heiliges Leben berühmt war. Beide verwendeten ihre Reichtümer und ihre Macht zur Verbreitung und Verherrlichung der Religion Jesu, zum Trost der Armen und Loskaufung der Gefangenen, während sie selbst auf alle Lebensfreuden verzichteten, ein ärmliches Leben führten und unter Wachen, Beten und Ausübung guter Werke nach der christlichen Vollkommenheit strebten. Ihnen wurde eine Tochter, Austreberta mit Namen, geboren, die von zarter Kindheit an ihr Herz der Tugend weihte und nach dem Beispiel ihrer Eltern alles Irdische verachtete und nach den unvergänglichen Gütern einer besseren Welt trachtete. Als sie zu einer Jungfrau von seltener Schönheit herangewachsen war und junge Männer aus den angesehensten Familien um ihre Hand baten und als selbst ihre Eltern und besonders der König sie zu bereden suchten, durch eine Heirat das Glück ihres Lebens zu gründen, entschloss sie sich, lieber ihre teuren Eltern für immer zu verlassen, als das Gelübde einer ewigen Jungfräulichkeit, das sie ihrem Jesus gemacht hatte, zu brechen.

 

Schon wurden die feierlichsten Anstalten zu ihrer Vermählung getroffen, als sie mit ihrem unmündigen Bruder heimlich das väterliche Haus verließ und auf einem ihr unbekannten Weg entfloh. Aber zum Unglück kam sie an einen Fluss, dessen Brücke durch eine Überschwemmung weggerissen war und ihr den Übergang unmöglich machte. Im Vertrauen auf Gott bezeichnete sie sich mit dem heiligen Kreuz, ging über die Fluten und kam freudig zu dem heiligen Bischof Audomarus, der sie zuvor mit ihren Eltern versöhnte und sie mit deren Einwilligung im Jahr 656 in das Nonnenkloster Porte an der Somme brachte, wo sie den heiligen Schleier empfing und mit so großem Eifer die Ordensregeln befolgte, dass sie bald als ein Muster der Gottseligkeit allen ihren Mitschwestern vorleuchtete und durch Sanftmut und tätige Liebe ihre Herzen gewann.

 

Damals erbaute Amelbertus, ein reicher und mächtiger Mann, das Frauenkloster Pauilly und nachdem er es mit Frauen aus allen Ständen besetzt hatte, unter denen Unordnung und Unsittlichkeit herrschte, ernannte er auf den Rat des frommen Priesters Philibert die heilige Austreberta zur Äbtissin des Klosters, die sich alle Mühe gab, durch Ermahnungen und ihr Beispiel die Zügellosen zum notwendigen Gehorsam und zur klösterlichen Zucht zu bewegen. Aber statt sie zu bessern, zog sie sich den Hass ihrer Untergebenen und so schwere Verfolgungen zu, dass sie nur durch augenscheinliche Wunder dem Tod entging. Längere Zeit hindurch litt die Heilige mit himmlischer Geduld alle Misshandlungen, ohne sich je darüber zu beklagen, und siegte schließlich durch Tränen und Gebet über ihre Feinde. Ihr stilles Dulden und ihr sanftes Herz, das Böses mit Gutem vergalt, machten schließlich doch tiefen Eindruck auf ihre Mitschwestern und sie verehrten sie von nun an mit kindlicher Ehrfurcht und Liebe. Austreberta stand bis in ihr hohes Alter mit größtem Ruhm ihrem Kloster vor und führte ein so strenges und heiliges Leben, dass sie Gott mit auffallenden Wundern im Leben und im Tod verherrlichte. Sie starb am 10. Februar des Jahres 704.

 

Der heilige Wilhelm (Guilielmus),

Einsiedler und Ordensstifter von Maleval,

+ 10.2.1157 – Fest: 10. Februar

 

Guilielmus wurde in Poitou aus einem vornehmen Geschlecht geboren und mit Vernachlässigung aller Bildung bloß zum Soldaten erzogen, weswegen er sich auch als tapferer Anführer und Held auszeichnete, aber auch allen Ausschweifungen und Lastern ergeben war. Nur durch die eindringlichen Ermahnungen des heiligen Bernhard, Abt von Clervaux, erwachte er aus seinem Sündenschlaf und suchte einen heiligen Einsiedler in der Wüste auf, den er fußfällig bat, ihn auf den Weg des Heils zu führen. Aber dieser glaubte nicht an seine Bekehrung und prüfte ihn dadurch, dass er ihn wegen seines Lasterlebens mit harten Worten schalt und ihm schließlich gebot, als ein Unwürdiger seine Zelle zu verlassen. Da brach Guilielmus in Tränen und Schluchzen aus und sprach: „Heiliger Mann, habe Erbarmen mit mir und übergebe mich nicht der Verzweiflung! O könntest du in mein Herz blicken und sehen, wie es blutet vor Reue über meine Missetaten, könntest du fühlen die Unruhe und Vorwürfe meines Gewissens; du würdest mich nicht verstoßen, sondern mich um des barmherzigen Gottes willen meinem Verderben entreißen!“ Nun erkannte der Einsiedler, dass es ihm ernst mit seiner Bekehrung sei und zeigte ihm die Mittel an, wie er sich mit Gott und der Tugend wieder versöhnen und die Ruhe des Herzens wiedererlangen könne. „Mein Sohn“, so schloss er seine Ermahnungen, „meide jede Gelegenheit zur Sünde dadurch, dass du die Welt mit ihren Verführungen meidest, deine Begierlichkeit durch Entsagungen und Abtötungen bekämpfst und durch Gebet und Betrachtung dich näher Gott anschließt.“

 

Guilielmus kam in seinen Palast zurück, wo er sogleich seine Dienerschaft entließ, all sein Vermögen unter die Armen verteilte und in einem schweren, eisernen Panzer gehüllt, in größter Armut eine Wallfahrtsreise nach Rom machte, um vom obersten Kirchenhirten im Namen Gottes Verzeihung seiner Sünden zu erhalten. Papst Eugen III. sprach dem Büßer Worte des Trostes und Friedens in sein krankes Herz und gab ihm den Rat, um nicht wieder in die alten Laster zu fallen, sein Vaterland zu verlassen und als Pilger ins heilige Land zu gehen, wo er an dem Patriarchen in Jerusalem einen eifrigen und väterlichen Führer auf den Weg der Vollkommenheit finden würde. Freudig unternahm der Büßer diese lange und beschwerliche Reise, die er mit bloßen Füssen und von dem Almosen barmherziger Menschen sich nährend machte, und wurde mit inniger Freude vom Patriarchen aufgenommen. Er behandelte ihn wie seinen Gastfreund und bot ihm Wohnung und Nahrung in seinem Haus an. Aber Guilielmus, der sich zu einem strengen und abgetöteten Büßerleben entschlossen hatte, schlug dieses Anerbieten beharrlich aus und wählte eine finstere Höhle innerhalb des Eingangs des bischöflichen Hofes zu seiner Wohnung, die zum Aufenthalt solcher Unglücklichen bestimmt war, die den Aussatz oder ansteckende Krankheiten hatten. In diesem Winkel des Elends wohnte er neun volle Jahre, schlief auf der bloßen Erde, genoss keine andere Nahrung, als etwas schwarzes Brot und Wasser und beweinte Tag und Nacht seine Sünden. Am Ende seines Lebens begab er sich aus Palästina nach Hetrurien, wo er in einer wüsten, unbewohnten Einöde noch einige Zeit lebte und vor seinem Tod von einem Priester auf die Ermahnung eines Engels die heiligen Sterbesakramente erhielt. Er starb am 10. Februar des Jahres 1156 als ein strenger Büßer und an seinem Grab ereigneten sich so große Wunder, dass ihn Papst Innozenz III. unter die Zahl der Heiligen setzte.

 

 

11. Februar

 

Die heiligen Saturnius, Lektor und Martyrer von Karthago,

+ 11.2.304,

und Dativus, Lektor und Martyrer von Karthago,

+ 11.2.304,

zusammen mit mehreren anderen heiligen Märtyrern in Afrika

(49 Märtyrer der heiligen Bücher) - Fest: 11. Februar

 

Der Kaiser Diokletian hatte allen Gläubigen unter Todesstrafe befohlen, die heiligen Schriften zum Verbrennen herauszugeben. Und da die Christen diesem Befehl nicht gehorchten, begann eine grausame Verfolgung, wodurch ein ganzes Jahr hindurch Afrika mit dem Blut der Bekenner Jesu gefärbt wurde. Es gab zwar auch ängstliche Leute, die, um ihr Leben zu retten, der ungerechten Forderung gehorchten. Die große Mehrzahl der Christen wollte aber lieber sterben, als bei der Vernichtung der heiligen Bücher mitzuwirken. Abitine, eine Stadt der proconsularischen Provinz Afrika, war einer der Hauptschauplätze im Krieg gegen die Christen.

 

Als Saturnin, Priester dieser Stadt, an einem Sonntag die göttlichen Geheimnisse im Haus des Octavius Felix feierte, eilte die Stadtobrigkeit mit einem Haufen Soldaten herbei und nahm neunundvierzig Christen beiderlei Geschlechts gefangen. Die Vornehmsten dieser Versammlung waren Saturnin mit seinen vier Kindern, der jüngere Saturnin und Felix, beide Vorleser, Maria, eine gottgeweihte Jungfrau, und Hilarion, der noch ein Kind war. Dann der Senator Dativ, Ampelius, Rogatian und Victoria. Dativ, die Zierde des Rates von Abitine, ging an der Spitze dieser geheiligten Schar. Saturnin, von einer gottgeweihten Familie umgeben, ging an dessen Seite. Alle übrigen folgten stillschweigend nach.

 

Vor den Richter bekannten sie Jesus mit einer solchen edlen Unerschrockenheit, dass selbst diese ihren Mut bewunderten. Auf solche Weise machten sie einigermaßen das Verbrechen ihres Bischofs Fundan wieder gut, der an demselben Ort feige die heiligen Bücher auslieferte. Doch da schon hatte der Himmel augenscheinlich unsere heiligen Urkunden verherrlicht, denn als Fundan sie ins Feuer warf, fiel aus heiterer Luft ein so starker Regen, dass er das Feuer auslöschte, worauf ein Hagel folgte, der alle Felder der Umgegend zerstörte.

 

Die Bekenner wurden nun gefesselt nach Carthago abgeführt, zum Sitz des Proconsuls. Unterwegs sangen sie voller Freude Loblieder dem Herrn und dankten ihm, dass er sie gewürdigt habe, für den Namen Jesu gefangen zu sein. Der Proconsul begann das Verhör mit Dativ, indem er ihn fragte, wessen Standes er sei, und ob er der Christenversammlung beigewohnt habe. „Ich bin ein Christ“, antwortete Dativ, „und habe den Versammlungen beigewohnt.“ Nach mehreren anderen Fragen, deren Beantwortung der Proconsul jedoch nicht abwartete, ließ er ihn auf die Folter spannen und mit eisernen Krallen zerfleischen. Zu dieser schmerzvollen Marter verurteilte er auch die meisten der übrigen Bekenner. Alle erduldeten aber auch diese Peinigung mit unüberwindlicher Geduld. Selbst die Verschiedenheit des Geschlechts ließ keinen Unterschied des Mutes wahrnehmen. Vor allen glänzte Victoria. Sie hatte das Glück, von Jugend auf die Wahrheit zu kennen, und aus Liebe zu ihrem jungfräulichen Stand hatte sie einer sehr vorteilhaften Verbindung entsagt. Ihre ganze Begierde ging dahin, die Märtyrerkrone mit der jungfräulichen Reinigkeit zu vereinen. Da sie von edler Geburt war und die Schwester Fortunatians, eines eifrigen Verteidigers des Heidentums, bot der Proconsul alles auf, sie vom Christentum abwendig zu machen. Er fragte sie zuerst um ihre Religion, worauf sie ihm mutig antwortete: „Ich bin eine Christin.“ Fortunatian wollte sie durch vorgebliche Verrücktheit entschuldigen. Allein Victoria, die nichts mehr fürchtete, als die Gelegenheit zu verlieren, ihr Blut für Jesus Christus zu vergießen, zeigte durch die Weisheit ihrer Reden, dass sie vollkommen bei Verstand sei, und frei und aus erkannter Ursache das Christentum angenommen habe. Der Proconsul fragte sie dann, ob sie mit ihrem Bruder zurückkehren wolle, worauf sie erwiderte: „Ich kann dies nicht, weil ich eine Christin bin und keine anderen Brüder anerkenne, als die Gottes Gesetz halten.“ Der Richter bat sie nun mit den schmeichelhaftesten Worten, doch Mitleid mit sich selbst zu haben und ihr Leben zu erhalten, erhielt aber nichts anderes zur Antwort als: „Ich habe dir es ja schon gesagt, dass ich eine Christin bin und der Versammlung beigewohnt habe.“ Der Proconsul aufgebracht, dass er sich überwunden sehen musste, ließ sie mit den anderen in das Gefängnis führen, bis er gegen alle kurze Zeit nachher das Todesurteil fällte.

 

An Hilarion, dem jüngsten Kind Saturnins machte der Proconsul den letzten Versuch, in der Hoffnung, die Schwäche des kindlichen Alters werde da den gewünschten Sieg erleichtern. Bald aber sah er seinen Irrtum ein. Das heilige Kind, erhaben über alle Furcht, antwortete ihm: „Ich bin ein Christ, ich habe der Versammlung beigewohnt, und dieses aus freiem Willen und ohne Zwang.“ Der Proconsul, der nicht wusste, dass Gott selbst in seinen Märtyrern jene Heldentaten wirkt, drohte ihm mit kleinen Kinderstrafen. Allein der Kleine lachte darüber. Und da er ihn mit den Worten schrecken wollte: „Ich werde dir die Nase und Ohren abschneiden lassen,“ entgegnete Hilarion: „Das kannst du, ich bin aber ein Christ.“ Der Proconsul verbiss seinen Ärger und seine Beschämung und ließ das Kind in das Gefängnis zurückführen. Und dieses Kind sagte beim Weggehen: „Herr! Ich danke dir.“

 

Alle diese edelmütigen Kämpfer Jesu Christi starben in dem Gefängnis an den erlittenen Martern. Ihre Namen stehen an diesem Tag in den alten Martyrologien.

 

Wie groß war doch der Eifer der ersten Christen, den Tag des Herrn würdig zu begehen. Auf die Frage des Richters, warum sie trotz des kaiserlichen Verbotes sich versammeln, sagten sie sogar auf der Folter: „Dies geschieht, weil die Feier des Sonntags bei uns eine unerlässliche Pflicht ist.“ Wir erfüllen diese Pflicht, so oft es uns immer möglich ist. „Niemals fehlen wir in der Versammlung. Wir halten Gottes Gebote, sollte uns unsere Treue auch das Leben kosten.“ Dem heiligen Opfer, dem Religionsunterricht und den gemeinschaftlichen Andachtsübungen beiwohnen, hielten die wahren Christen zu allen Zeiten für eine ihrer heiligsten Pflichten. Es ist immer ein Beweis von tief gesunkener Religiosität, wenn die dem Herrn geheiligten Tage durch leichtfertiges Arbeiten, trägen Müßiggang oder Belustigungen entweiht werden. Der Mensch verwildert, wenn er Gott aus den Augen verliert.

 

Wie tief werden viele der heutigen Christen von ihren ersten Glaubensgeschwistern beschämt! Diesen war die Feier des hl. Opfers und der hl. Kommunion so wichtig, dass sie diese Feier, wenigstens am Sonntag, nicht unterließen, wenn dabei auch ihr Leben in Gefahr kam. Heute aber versäumen viele Menschen wegen geringster Hindernisse den sonntäglichen Gottesdienst. Die ersten Christen durften mit Zuversicht sagen: „Wir haben die heiligen Bücher in unseren Herzen.“ Aber wie vielen der heutigen Christen ist der christliche Glauben eine so gleichgültige Sache, dass sie sich um alles eher als um ihn kümmern? Mit welcher Scham werden sie neben jenen vor dem Gericht Gottes stehen!

 

Der heilige Severin, Abt von Agaunum-St. Moritz, Schweiz,

+ 506-512 – Fest: 11. Februar

 

Der heilige Severin wurde aus einem adeligen Geschlecht geboren und von seinen christlichen Eltern mit Sorgfalt sowohl in den Wissenschaften, als besonders in der Frömmigkeit erzogen. Die Sehnsucht nach einem einsamen Leben bewog ihn, als junger Mann auf die ansehnlichen Güter seiner Eltern zu verzichten und sich in das Kloster zu Agaunum im Walliserland zu begeben im Jahr 476, das damals wegen der vielen Wunder in einem großen Ruf stand, die am Grab des heiligen Martyrers Mauritius, eines heldenmütigen Glaubensbekenners von der thebaischen Legion, gewirkt wurden. Der fromme Severin erhielt willige Aufnahme von den Ordensmännern und machte solche Fortschritte in der Gottseligkeit des klösterlichen Lebens, dass ihn seine Mitbrüder nach dem Tod ihres Abtes zum Nachfolger erwählten, in welcher Würde er sich durch seine Leutseligkeit und Sanftmut die Liebe aller seiner Untergebenen erwarb und von Hohen und Niederen in Bedrängnissen und anderen wichtigen Angelegenheiten zu Rate gezogen wurde. Damals lag der fränkische König Clodoväus in einem gefährlichen Fieber krank und als ihn seine Ärzte als unheilbar erklärt hatten, verbreitete sich große Trauer am königlichen Hof und einige Mächtige, die ihr Vertrauen auf Gott setzten, baten den Kranken, den heiligen Abt Severinus zu berufen, damit er ihm durch sein Gebet, wie so vielen anderen, die Gesundheit erflehen möchte. Sogleich wurde eine ansehnliche Gesandtschaft zum Kloster des heiligen Mauritius abgeordnet, mit denen sich der Diener Gottes, nachdem er ihre Bitte vernommen hatte, mit freudiger Eile auf den Weg machte. In der Stadt Nivernum ging er in die Kirche und als er seine Andacht verrichtet hatte, wurde er von der dortigen Geistlichkeit gebeten, er möchte ihren kranken Oberhirten Eulalius besuchen, der schon seit einem Jahr auf dem Schmerzenslager dulde und der Sprache und des Gehörs beraubt sei. Der Heilige trat in das Krankenzimmer, warf sich auf den Boden auf das Angesicht und betete in der Stille; dann stand er auf und sprach zu dem Bischof: „Diener Gottes, öffne deinen Mund und rede!“ Und zum Erstaunen aller Anwesenden rief der Stumme: „Der Name des Herrn sei gebenedeit, der sich auf dein Flehen meiner erbarmt hat!“ Dann hob ihn Severin von seinem Bett mit den Worten: „Steh auf im Namen Jesu, denn heute musst du mit mir das allerheiligste Opfer verrichten und deine Gläubigen segnen!“ Und Eulalius stand auf und war geheilt und erteilte unter lautem Frohlocken seiner Gemeinde den Segen.

 

Am anderen Tag kam der Heilige an das Hoflager des Königs, der unterdessen in eine solche Schwäche gefallen war, dass er kaum mehr atmen konnte. Severinus betete vor dem Bett des Kranken eine Weile, dann bedeckte er ihn mit seinem Mantel, erhob Augen und Hände zum Himmel und befahl schließlich dem König, sich zu erheben. Plötzlich hatte ihn das Fieber und alle Schwäche verlassen und in voller Gesundheit warf er sich auf seine Knie und dankte Gott für die Gnade seiner Genesung. Ganz Paris ertönte vom Jubel der Einwohner und Clodoväus verteilte nicht nur ungeheure Summen unter die Armen, sondern ließ auch alle Gefangene, die kein todeswürdiges Versprechen begangen hatten, in Freiheit setzen. Bald darauf verließ der Heilige den königlichen Hof und kam auf seiner Rückreise bis nach Chateau Landon, wo eine aus Holz erbaute Kirche stand, in der zwei fromme Priester, Paschasius und Urficinus mit Namen, Gott Tag und Nacht dienten. Denen eröffnete Severinus seine Todesstunde und bat sie, seinen Leichnam in dem Gotteshaus zu begraben. Mit brennender Andacht empfing er die heiligen Sterbesakramente und verschied im Gebet um das Jahr 512. An seinem Grab geschahen viele Wunder und der König Childebert, ein Sohn des Clodoväus, erbaute über dem Grab eine prächtige Kirche, die er reichlich beschenkte.

 

Der heilige Kalocerus von Griechenland, Bischof zu Ravenna,

+ 1. Jhd. – Fest: 11. Februar

 

Kalocerus, aus Griechenland gebürtig, wurde im Götzendienst erzogen und kam nach Ravenna, wo er durch die Predigten und Wundertaten des dortigen Bischofs, des heiligen Apollinaris, zur christlichen Religion bekehrt wurde. Er bewies von dieser Zeit an einen solchen Eifer für die Ausbreitung des Christentums und zeichnete sich durch ein so frommes Leben aus, dass ihn der heilige Oberhirt unter die Zahl seiner Jünger aufnahm und ihn schließlich zum Priester weihte. In der Folge erregten die heidnischen Priester einen Aufruhr gegen den Bischof Apollinaris, wobei er so heftig gemartert wurde, dass man ihn als tot außerhalb der Stadt liegen ließ. Er aber erholte sich und reiste verkleidet in andere Provinzen, wo er das Evangelium predigte und viele Heiden zur Erkenntnis des wahren Gottes führte. Während seiner Abwesenheit, die über sieben Jahre dauerte, verwaltete der eifrige Priester Kalocerus mit unermüdlicher Sorgfalt das bischöfliche Amt und brachte schließlich durch sein Ansehen, das er sich bei den Heiden durch sein Mitleiden und seine Wohltaten gegenüber Unglücklichen und Armen erwarb, den heiligen Bischof wieder nach Ravenna zurück. Nach dem Tod des Apollinaris unterstützte er noch drei Bischöfe in ihrem beschwerlichen Amt und wurde endlich einstimmig von der Geistlichkeit und den Gläubigen zum Oberhirten der Kirche von Ravenna erwählt. Er erreichte ein Alter von 100 Jahren und durch seinen rastlosen Eifer hatte er in seinem Sprengel alle Spuren des Götzendienstes vertilgt und Tugend und Sittlichkeit befördert. Er starb im hohen Ruf der Heiligkeit unter der Regierung des Kaisers Hadrian. Probus, sein Nachfolger im bischöflichen Amt, erbaute in Ravenna eine herrliche Kirche, in der er die Leichname der Heiligen Apollinaris und Kalocerus zur öffentlichen Verehrung beisetzte.

 

Der heilige Benedikt von Aniane, Abt,

+ 11.2.821 – Fest: 11. Februar

 

Durch die Ungunst der Zeitverhältnisse waren im 8. und 9. Jahrhundert viele Ordenshäuser von der ursprünglichen Regel des hl. Benedikt von Nursia abgewichen. Insbesondere maßten sich die fränkischen Könige mancherlei Eingriffe in das Leben der Klöster an, betrachteten das Klostergut als Lehen, zogen die Einkünfte ein, um tapfere Soldaten damit zu belohnen, ließen sich selbst oder ihren Verwandten die Abtswürde übertragen, ohne die höhere Weihe des Mönchsstandes zu übernehmen und zwangen oft die Klostervorsteher zur Heeresfolge und zur Teilnahme an Staatsangelegenheiten. So kam es, dass in manchen Klöstern Prachtliebe, Weltsinn und Kriegslust überhandnahmen, während in anderen Häusern übermäßige Strenge und grausame Härte vorherrschten. Die Päpste und Kirchenversammlungen drangen solchen Missständen gegenüber auf Regularäbte und strenge Beobachtung der Ordensregeln, der Kaiser nahm die geheiligten Orte unter seinen besonderen Schutz und bestellte für jedes Kloster einen Schirmvogt, der im Namen des Klosters die weltlichen Angelegenheiten besorgte. Die innere Reform des Ordens vollendete unter Ludwig dem Frommen der hl. Benedikt von Aniane.

 

Aus dem Geschlecht der Grafen von Magelone in Languedoc um 750 geboren, lebte Benedikt in seiner Jugend am Hof Pipins und Karls des Großen, führte aber trotz seiner hohen Stellung ein sehr abgetötetes Leben und sehnte sich inmitten des Hoflebens und Waffendienstes nach einer stillen Klosterzelle. Ein plötzliches Unglück riss ihn vollends von der Welt los. Sein Bruder nämlich ertrank an seiner Seite, und während er ihn mit brüderlicher Aufopferung retten wollte, hätte er beinahe selbst sein Leben eingebüßt. Dieser Unglücksfall erschütterte Benedikt so tief, dass er auf den Rat eines frommen Einsiedlers, namens Widmar, im Jahr 774 in das Benediktinerkloster des hl. Sequanus in Burgund trat. Bald jedoch veranlassten ihn die in diesem Kloster herrschenden Missbräuche, es wieder zu verlassen. In seine Heimat zurückgekehrt, gründete er im Jahr 780 auf seinem Landgut an dem Flüsschen Aniane bei Montpellier ein kleines Kloster zu Ehren des Weltheilandes. Der erste, der sich seiner Leitung unterstellte, war der Einsiedler Widmar. Allmählich sammelten sich um ihn ungefähr einhundert Schüler.

 

Benedikt und seine gleichgesinnten Genossen führten eine sehr strenge Lebensweise, genossen nur Wasser und Brot und waren so arm, dass sie lange nur einen gläsernen Kelch bei der heiligen Messe benutzten; erst später konnten sie einen zinnernen kaufen. Der heilige und opferfreudige Geist des Ordensstifters Benedikt herrschte in dieser klösterlichen Genossenschaft und verbreitete den Ruhm von Aniane in immer weitere Kreise. Der Papst und Kaiser Karl der Große übertrugen ihm die Reform vieler Klöster in Gallien und Aquitanien. Er versuchte es, die Klöster im Frankenreich und Deutschland zu einer gleichen Lebensweise unter der Regel des heiligen Benedikt zu vereinigen, und sandte auf die Bitten vieler Bischöfe Mönche aus seiner Schule, gewöhnlich zwölf, in gesunkene Klöster, um die strengere Zucht und neuen Eifer wieder einzuführen. Auf Benedikts Werk ruhte sichtbar Gottes Segen. Ein frischer Wetteifer und glühende Begeisterung im hohen Streben zeitigte die schönsten Früchte.

 

Im Jahr 794 wohnte Benedikt der Synode von Frankfurt bei und verfasste mehrere Abhandlungen zur Verteidigung des Glaubens. Seine Aussprüche verehrte man als Stimme Gottes. König Ludwig der Fromme berief ihn (817) zu der berühmten Synode nach Aachen, wo sich die Äbte von ganz Deutschland und Frankreich unter Benedikts Vorsitz versammelt hatten. Um den ausgezeichneten Abt immer in seiner Nähe zu haben, stiftete Ludwig bei Aachen das Kloster Corneli-Münster und setzte ihm Benedikt als Abt vor. Dieser gründete unter dem Schutz und mit Unterstützung des Königs zunächst zwölf Klöster, die den übrigen als Muster vorleuchten sollten. Er besuchte alle Klöster, schärfte ihnen den Geist des Ordensstifters ein, fügte Erläuterungen und Zusätze bei, hob die Missstände auf und führte in allen seinen Klöstern mit Aufhebung der abweichenden Ortsgewohnheiten eine gleichmäßige Disziplin ein. Auch das Verhältnis der Klöster zum Staat ordnete er den Verhältnissen der Zeit angemessen. So wurde die Ordensregel Benedikts von Aniane nicht minder berühmt und verbreitet, als die ursprüngliche Regel des hl. Benedikt von Nursia. Nachdem der seeleneifrige und heilige Abt Benedikt mit unermüdlicher Sorge seinen Geist über alle Klöster des Reiches verbreitet und ein verjüngtes Ordensleben hervorgerufen hatte, ging er in seinem geliebten Corneli-Münster zur wohlverdienten Ruhe am 11. Februar 821, im 71. Lebensjahr.

 

Die gottselige M. Fidelis Weiß, Franziskanerin im Kloster Reutberg,

+ 11.2.1923 – Gedenktag: 11. Februar

 

„Die Geschichte der Schwester M. Fidelis vom Kloster Reutberg mutet an wie eine tiefe, blütenweiße Legende. Eine Seele, die die Erde nicht halten kann, himmelstürmend, in schwachem Körper, geht unentwegt ihren Pilgerpfad in schwerer Pflichterfüllung, strenger Klosterzucht.“ Ein solch herrliches Lob spricht eine Gräfin über unsere gottselige Schwester M. Fidelis aus.

 

Die Heimat dieser Schwester ist die schöne Stadt Kempten im bayerischen Allgäu, wo sie am 12. Juni 1882 von armen Eltern geboren und auf den Namen Eleonore getauft wurde. Der Vater starb schon 1890. Die Mutter verstand es auf ganz vorzügliche Weise, ihre Kinder zu erziehen. Sie selbst hatte recht viel zu leiden. Da hörten sie die Kinder oft still beten: „Mein Jesus, mach´s du wieder recht!“ Solche Geduld machte auf die Kinder besten Eindruck und sie nahmen darum auch willig ihre Mahnungen entgegen: „Kinder, man muss alles annehmen, was der liebe Gott schickt.“ Die Mutter erzählte den Kindern gern vom lieben Jesus und von der Himmelsmutter. Da spitzen die Kleinen ihre Ohren. „Mich dünkt“, sagte Eleonore später, „als ob niemand so gut erzählen könnte wie die Mutter!“ Die Mutter behütete die Kinder vor jeder Unreinheit, warnte vor der Lüge, ließ sie nie ohne Aufsicht fort, erzog sie auch zur Charakterfestigkeit. Wenn dem Kind eine Arbeit zu schwer schien und es klagen wollte: Mama, das kann ich nicht! da entgegnete die Mutter in aller Ruhe: „Das soll und darf man nie sagen, ich kann nicht; man kann alles, wenn man nur will! Nur einen guten Willen haben!“ Die Kinder wurden fleißig in die Kirche geschickt und meist ging die Mutter selbst mit.

 

Schon diese wenigen Züge besagen, dass Frau Weiß eine kluge Mutter war, von der manche Mütter lernen könnten.

 

Kein Wunder, wenn ein solches Kind wie ein Engel heranblühte, rein und unschuldig. Kein Wunder, wenn der liebe Gott dieses Kind besonders gnadenvoll heimsuchte. Er zog es schon im siebenten Lebensjahr an sich und gab ihm die Gnade des mystischen Gebetes. Als Erstkommunikantin geriet es in Verzückung und durfte Gott schauen. Aber auch die Leiden setzten jetzt schon ein und gaben dem Kind genug Gelegenheit, seine Treue zu zeigen.

 

Vom 16. bis 18. Lebensjahr war Eleonore Ladnerin. In der Arbeit war sie sehr gewissenhaft, nie duldete sie Zärtlichkeiten von gewissen Kunden, abends widmete sie mehrere Stunden dem Gebet. Von ihren Speisen teilte sie den Armen aus, allen Lohn gab sie der Mutter. Vom 18. bis 20. Lebensjahr weilte sie im Institut der Schulschwestern in Lenzfried, um sich auf den Ordensstand vorzubereiten. Sie hinterließ den Ruf eines Musterzöglings, fleißig in der Arbeit, gehorsam gegen die Vorgesetzten, demütig bei Widrigkeiten, eifrig im Gebet, glühend in der Gottesliebe, liebevoll mit den Mitzöglingen, heiter bei der Unterhaltung.

 

So vorbereitet, trat sie am 16. Oktober 1902 im Kloster Reutberg in Oberbayern ein. Anfangs hatte sie großes Heimweh, das aber rasch überwunden war. Die ersten Jahre führte sie ein strenges Leben. Gott verlangte es von ihr, der Seelenführer erlaubte es. Drei bis vier Jahre nahm sie als Frühstück nur einen kleinen Schluck Kaffee und einige Brosamen und aß nichts bis Mittag. Sie betete oft eine Stunde mit ausgespannten Armen, nahm oft bei der größten Kälte keinen Mantel. Im Sommer trank sie bei heftigem Durst selbst drei bis vier Wochen keinen Tropfen Wasser, kein Bier. Sie verdarb sich die Speisen, wie sie nur konnte. Den Leib rieb sie sich mit Brennnesseln ein. In die Schuhe legte sie kleine Steinlein. Beim Knien zog sie den Schemel so weit zurück, dass sie nur auf seiner Kante zu knien kam usw. Man darf ja solche Strengheiten nicht blindlings nachahmen. M. Fidelis konnte solche Opfer bringen, weil sie sich besonderer Gnaden erfreute. Sie hatte jahrelang das ununterbrochene Gefühl und die deutliche Erkenntnis der Gegenwart Gottes und genoss gleichzeitig eine beständige Liebesvereinigung. „Ich fühlte mich“, so sagte sie später selbst, „immer versenkt und ganz eingehüllt in den unendlichen Gott, ganz angefüllt von der Majestät Gottes. Keine Arbeit, kein Gespräch, keine Leiden, nichts Äußerliches war imstande, mich davon abzulenken.“

 

Auserwählte Seelen müssen viel leiden. M. Fidelis musste von 1908 bis 1911 und später von 1914 bis 1917 in den Tiefen ihrer Seele Schreckliches erdulden. Sie wurde in einen schauerlichen, qualvollen Zustand versetzt. „Vorher eine so erhabene Vereinigung mit Gott, jetzt plötzlich eine fürchterliche Verlassenheit. Die innerliche Lichtfülle verwandelte sich in kohlrabenschwarze finstere Nacht. Der bisherige innere Friede und die Seligkeit verwandelten sich in innere Schrecknisse und qualvolle Ängste und Trostlosigkeit.“ Dabei wurde die Schwester zwei Jahre vom Seelenführer nicht mehr verstanden, vier Jahre von einer Vorgesetzten misskannt und viele Jahre von anderen nichts weniger als verhätschelt. Es waren wirklich Jahre der schwersten Prüfung. Man kann es in wenigen Zeilen unmöglich schildern.

 

Aber alles war von Gott gewollt: das Herbe und das Süße. So wurde die Schwester für ihren erhabenen Beruf als Sühnopfer, als Kreuzesbraut vorbereitet. Im Herz-Jesu-Sendboten war einmal zu lesen: „Die Heiligen der letzten Jahrhunderte haben fast alle einen Zug gemeinsam, den wir bei den Heiligen früherer Zeit nicht in so ausgesprochener Weise finden, nämlich die Sühne für die Sünden und Frevel der Welt.“ Unsere M. Fidelis wurde von Gott auch als Sühnopfer erkoren. Hohe Schauungen bereiteten sie darauf vor. „Es war mir, als ob ich diese Woche die Sünde schauen tät. Es war kein Bild. Wenn ich es nur zum Ausdruck bringen könnte, was die Sünde ist, so wie ich es im Geist geschaut habe, dann würde kein Mensch mehr den lieben Gott beleidigen! Wenn die Menschen diesen meinen Seelenschmerz und die Seelenqual empfinden würden, würde kein Mensch mehr den lieben Gott beleidigen. Ich möchte es in die ganze Welt hinausrufen und den Menschen sagen, was es um die Sünde ist.“ Ansprachen vom Heiland steigerten ihren Eifer: „Ich liebe die Sünder und dürste nach ihren Seelen . . . Ich bin der gute Hirt für die Sünder und deshalb bin ich für dich als mein Opfer der gerechte Richter. Meine Erlöserliebe und Hirtensorge geht dem Sünder mit Langmut nach bis zum Tod, um ihn zu retten und selig zu machen. Denn ich liebe die Sünder.“

 

Schwester M. Fidelis musste unglaublich viel für die Sünder leiden. Es war ihr, als wäre sie selbst mit den abscheulichsten unreinen Sünden beladen, als wäre sie ein Freimaurer, Irrgläubiger, voll Hass gegen Priester und Kirche, als wäre sie ein Sterbender, der Jahrzehnte nicht mehr gebeichtet und den Glauben verloren hat, den der Teufel zur Verzweiflung treibt. So schwer waren diese Anfechtungen, dass sie, wenn sie die Wahl gehabt hätte, sich lieber hätte kreuzigen lassen oder lieber ins Feuer gesprungen wäre, als diese Anfechtungen auszuhalten. Dabei ließ es Gott zu, dass der böse Feind dieses Leiden noch außerordentlich steigerte. Wie ein gehetztes Wild flüchtete alsdann die gute Seele zum Priester oder zur Oberin. Aber am Schluss dieser Sühneleiden hatte sie stets die innere Erkenntnis, dass wieder Seelen gerettet seien.

 

Ihr Seeleneifer war unermüdlich. Sie machte auf Gottes Eingebung große Gelübde, um die christlichen Schulen zu retten, um nach der Revolution von den Klöstern die drohenden Gefahren abzuwenden. Sie opferte sich für die Priester und die heilige Kirche. Als echter Apostel hatte sie alle Seelen in ihr Herz eingeschlossen.

 

Im Eifer für Gott und die Seelen vergaß Schwester M. Fidelis alles Irdische. Sie wusste oft nicht mehr, ob sie schon gegessen habe und was. Sie wollte sich Buße auferlegen, indem sie sich vornahm, das Schlechtere zu essen. Aber jetzt kam sie in Verlegenheit, weil sie nicht wusste, was besser und was schlechter wäre. Einmal tat sie Wermut in die Speise, um sich abzutöten, aber während der Mahlzeit war sie halb der Welt entrückt und merkte nichts vom Wermut. Dann klagte sie: „Jetzt hilft mir der Wermut auch nicht mehr!“

 

M. Fidelis lebte jahrelang nur mehr für Gott. Ihre Liebe glich der eines Seraphs. „Ich tue ihn lieben und immer an ihn denken. Wenn ich stundenlang an ihn denke, kommt mir die Zeit so kurz vor. Es ist mir, als ob ich erst einen Augenblick an ihn gedacht hätte. Immer noch mehr, immer noch mehr möchte ich mich in ihn versenken!“ „Wenn ich Tag und Nacht an ihn denke, ist die Zeit noch zu kurz und ist mir wieder, als ob ich ihn noch gar nicht geliebt hätte.“

 

„Es ist gerade so, als ob die Liebe ein ganz wunderbares Ding, ein Zauberstück wäre. Wenn ich arm bin, ist der liebe Jesus mein ganzer Reichtum. Wenn ich gar nichts habe und das Herz ganz leer ist, dann ist der liebe Jesus meine Fülle. Wenn ich nichts, gar nichts bin, dann ist er dafür alles. Und das ist mir genug.“ M. Fidelis hegte nie einen Neid, außer wenn eine Mitschwester sterben durfte. „Wenn ich am Gottesacker vorbei gehe, denke ich immer: Da ist Ruhe und da ist es schön. Ich mag sein in der Zelle, in der Schule, im Refektorium, alles ist für mich ein Kerker, ein Verbannungsort. Im Chor drin ist allein der Himmel und alles schön. Zwei Orte gibt es bloß für mich, wo es schön ist: drunten vor dem Allerheiligsten und im Himmel droben.“

 

Diese seraphische Liebe brachte die gottselige Schwester sehr oft in Verzückung. In der heiligen Messe hörte und merkte sie nicht, wie alle anderen aufstanden. Es kam vor, dass man sie zehnmal und noch öfters laut anrief, ohne dass sie zu sich kam. Häufig musste sie wie ein zweiter Aloysius an die frische Luft gehen, wenn der Feuerbrand der Liebe in ihre Seele fuhr.

 

Am Karfreitag 1919 erhob der liebe Gott die Gottselige zum höchsten Grad der Vereinigung, die es auf Erden gibt, zur mystischen Vermählung. Jetzt war ihr Inneres noch mehr verklärt, seitdem schaute sie beständig Gott. Von da an durfte sie auch innerlich und geistiger Weise das Leiden Jesu miterleben. Jeden Donnerstag war es ihr in der Seele so wie dem Heiland vor Einsetzung des allerheiligsten Altarsakramentes. Die Liebe drängte ihn, es einzusetzen, aber die Misshandlungen und Sakrilegien, die seiner im Sakrament harren würden, wollten ihn abhalten. Doch die Liebe errang den Sieg. Vom Donnerstagabend an und an jedem Freitag folgte sie in tiefstem Seelenschmerz dem Heiland von Gethsemane bis Golgatha. An jedem Samstag trauerte sie mit Maria in ihrem unsagbaren Leiden des Karsamstags. „Im Donnerstags- und Freitagsleiden sind mir die Tiefen des Herzens meines Jesu erschlossen und ich schaue darin die Fülle der Gottheit, die in ihm thront. Ich schaue Leid und Schmerz, unermessliche Liebe zu den Seelen, unendliches Erbarmen zu ihnen ...“

 

Nach außen ließ Schwester M. Fidelis von ihren außerordentlichen Gnaden gar nicht merken. Sie betete mit den anderen Schwestern, arbeitete sehr fleißig, vermied alles Auffallende. Bei der Unterhaltung wollten alle um sie herum sein, weil sie es wie keine andere verstand, für Gott, für die Seelen, für das Gute zu begeistern.

 

Endlich kam die Zeit, wo Gott sie heimholte. Vier Monate war sie krank und litt sehr viel. Aber immer, wenn sie der Priester fragte, was ihr am meisten wehtue, gab sie zur Antwort: „Dass ich nicht heim (sterben) darf!“ Wirklich vornehm wie eine Königin lag sie da auf ihrem Schmerzenslager, sich selbst vergessend, alle erbauend, für Gott und die Seelen leidend, ohne Klage, voll Friede, voll Hoffnung. Am 11. Februar 1923 pflückte der Heiland diese reine Blume: „Heim möcht‘ ich!“ war ihr letztes Wort.

 

So übe auch du dich in der Sammlung und im Leben vor Gott und meide die dein ganzes Seelenleben zerstörende freiwillige Ausgegossenheit und Zerstreuung! Versuche still und bescheiden, gesammelt und in Gott versenkt zu sein, so wie Schwester M. Fidelis. Sprich, wie man sie sprechen gehört hat, wenn sie andere begeisterte für das Kreuz und das Opfer, wenn sie ermunterte zur Treue im Kleinen, wenn sie im apostolischen Seeleneifer zur Rettung der Sünder anfeuerte! Zeige auch du in den täglichen Kreuzlein wieder mehr Mut, hüte dich vor der kleinsten freiwilligen Untreue, erbarme dich der armen Sünder! Dass auch dein Herz es spüren würde, wie man es erlebt hat, wenn sie in himmlischer Begeisterung rief: „Er muss geliebt werden! Er muss geliebt werden!“ Sie zu, ob nicht deine Gottesliebe viel reiner, viel feuriger sein könnte!

 

Wer sich freuen will an großen Gnaden Gottes, wer sehen will, wie Heilige sich in der Tugend üben – radikal, unerschütterlich, wer für sich oder andere Belehrung will für die inneren Wege, wer will, dass sein Herz in feuriger Gottesliebe entzündet werde, wer die auffallenden Gebetserhörungen erfahren will, der lese die Lebensbeschreibung der gottseligen Schwester M. Fidelis. „Hier handelt es sich“, sagt ein Gelehrter, „um echte, erhabene, katholische Mystik, um tatsächliche, gnadenvolle Führungen Gottes. Wie einfach, kindlich, rein, demütig, voll feuriger Gottes- und Nächstenliebe, voll heroischer Leidensfreudigkeit war doch diese Seele! Aus der stillen Klosterzelle lohte ihre brennende Gottesliebe gen Himmel. Ihr ganzes Leben ist unserer kalten Zeit ein Fanal, das in vielen Seelen gleiches heiliges Feuer entzünden möge!“

 

Der Seligsprechungsprozess der gottseligen Schwester M. Fidelis Weiß wurde 1936 eingeleitet.

 

12. Februar

 

Die heiligen Sieben Stifter des Servitenordens,

+ 13. /14. Jhd. - Fest: 12. Februar

 

Das heutige Fest der heiligen sieben Stifter des Servitenordens ist aus einem ähnlichen Anlass wie die Feier von der Erscheinung der unbefleckten Jungfrau Maria zu Lourdes entstanden. Wie nämlich die liebe Mutter Gottes der heiligen Bernadette erschien und damit den Anstoß zur Gründung des Gnadenortes Lourdes in Frankreich gab, so ähnlich erschien Maria sechs Jahrhunderte früher in Italien sieben Männern und legte dadurch das Fundament zu einer neuen Ordensgemeinschaft, deren Mitglieder sich Serviten nennen, was auf Deutsch Marienritter heißt. Somit ist der heutige Tag, an dem wir das Fest der heiligen sieben Stifter des Servitenordens begehen, eigentlich auch wieder ein Marienfest. Wie kam denn die Ordensgründung der Marienritter zustande?

 

Im 13. Jahrhundert lag ganz Italien im Streit, Stadt gegen Stadt, Bürger gegen Bürger, Familie gegen Familie. Städte gingen dabei in Rauch auf und sanken in Trümmer, und Blut floss in Strömen.

 

In Florenz war es am schlimmsten. Es lebten dort aber damals sieben Männer, reiche und angesehene Kaufherren, die sich außerdem durch einen gottesfürchtigen Lebenswandel so sehr auszeichneten, dass sie ruhmwürdig genannt werden. Die Sieben, die sich zu einer losen Gebetsgemeinschaft vereinigt hatten, gaben sich alle erdenkliche Mühe, die streitenden Parteien zu versöhnen, ohne dass sie indessen einen dauernden Erfolg erzielten. Da erkannten die Sieben schließlich, dass die Ursache alles Übels die Sünde sei, Stolz, Eigensinn, Trotz, Hass, Geldsucht und Herrschsucht. Wie aber sollten sie, die nicht Priester waren und nicht gegen die Laster predigen konnten, gegen die Sünde vorgehen und kämpfen?

 

Lange dachten die edlen Männer über die schwere Frage nach, viel beteten sie auch um klare Einsicht, und da geschah es am Hochfest Mariä Himmelfahrt des Jahres 1233, dass die Himmelskönigin jedem einzelnen erschien und sie insgesamt aufforderte, zu Ehren ihrer Sieben Schmerzen einen neuen Orden zu gründen und durch ihr Beispiel allen Streitenden den Weg zum wahren Frieden zu weisen.

 

So sprach Maria, und sogleich entsprachen die sieben Männer dem Wunsch, verschenkten Hab und Gut an die Armen und bezogen wenige Wochen später ein kleines Haus in der Umgegend von Florenz, wo sie betend und büßend lebten und die Mutter mit den sieben Schwertern im Herzen hoch verehrten.

 

Natürlich gab es ein großes Gerede, und alle Tage strömten Neugierige in Menge herbei und störten die Sieben in ihrem gottesfürchtigen Tun, bis es den heiligen Männern zu bunt wurde. Eines Tages zogen sie weit weg in eine menschenleere Einöde hoch in den Bergen. Dann hatten sie Ruhe, denn die Neugierigen scheuten den weiten Weg und hielten sich fern. Dafür fanden sich andere ein, ernstdenkende Männer, die aus der friedlosen Welt flüchteten und sich in wachsender Zahl dem neuen Orden anschlossen, dessen Einfluss sich mit der Zeit im Hader der Parteien immer mehr bemerkbar machte. Und wenn sich langsam die Wogen des Bürgerkrieges glätteten und sich endlich auch der Friede einstellte, so gebührt ein Hauptverdienst an dieser glücklichen Wendung der Dinge den Marienrittern, die durch das Beispiel der Weltentsagung und der Abkehr von der Sünde den rechten Weg wiesen.

 

Wieder einmal hatte in den gefahrvollen Zeiten des 13. Jahrhunderts Maria, die Hilfe der Christen, durch den neuen Orden der Marienritter segensreich eingegriffen und vielen Menschen Heil und Gnade verschafft. Es war ein neuer Beweis dafür, dass Maria immer hilft, denn sie ist die milde und gütige Mutter aller Menschen. Daran soll man denken in jeder Not und Gefahr.

 

Streben wir danach, uns mit allem Eifer, wie die sieben heiligen Stifter des Ordens der Diener Mariä, wahre Diener dieser mächtigen Königin aller Heiligen, gute Kinder dieser liebenswürdigen Mutter Jesu und unserer Mutter, echte Verehrer der heiligsten Jungfrau und Gottesgebärerin und treue Nachfolger ihrer Tugenden zu sein. So wird sie uns allezeit als ihre Kinder erkennen. Sie wird sich für uns als eine gütige Mutter und mächtige Beschützerin zeigen, besonders in der so wichtigen Stunde des Todes. Sie wird für uns Fürsprechen, dass wir Gottes Gnade und die ewige Seligkeit erlangen.

 

Der heilige Antonius, Patriarch von Konstantinopel,

+ 12.2.895 – Fest: 12. Februar

 

Der Vater dieses Heiligen stammte aus Phrygien und wurde wegen seines Heldenmutes, den er im Krieg bewies, beim kaiserlichen Heer in Konstantinopel als Oberst angestellt, wo er in seiner Ehe mit einer frommen und christlichen Gemahlin einen Sohn erzeugte, der in der Taufe den Namen Anton erhielt. Mit diesem Kind wirkte auf eine besondere Weise die Gnade Gottes; denn als ein Junge von zwölf Jahren unterließ er schon alle kindlichen Spiele, liebte die Einsamkeit und unterhielt sich da mit Beten und Singen heiliger Psalmen, die er, da er nicht lesen konnte und keinen Lehrmeister hatte, nur auf Eingebung des Heiligen Geistes gelernt haben konnte, weshalb ihn auch seine Mutter nur das Gnadenkind nannte. In seinem zwölften Jahr hatte er schon mit männlicher Entschlossenheit über seine künftige Standeswahl entschieden und er verließ das väterliche Haus und begab sich in ein Kloster in Konstantinopel, in dem ein heiliger Abt lebte, der die künftige Größe des heilsbegierigen Jungen mit prophetischem Geist erkannte und ihn unter seine Jünger mit väterlicher Liebe aufnahm. Mit unendlicher Sehnsucht nach höherer Vollkommenheit widmete sich Antonius dem Gebet, der Lesung der eiligen Schriften und den Betrachtungen himmlischer Wahrheiten und überzeugte sich zuletzt, dass nicht das abgetötete Leben in der Einsamkeit jene Vollkommenheit sei, die Jesus fordert, sondern dass sie in einer tätigen Liebe gegenüber Gott und den Menschen besteht und dass in dieser Liebe der Grund aller Tugenden zu suchen sei. Von dieser Zeit an weihte er sich dem Dienst der bedrängten Menschheit; er besuchte täglich die Krankenhäuser und sprach den Leidenden Trost zu, indem er ihnen den unvergänglichen Lohn eines künftigen Lebens zeigte; er sammelte Almosen in den Häusern der Reichen und erquickte damit die Armen und Hungrigen; er suchte in allen Winkeln die verlassenen Witwen und Waisen auf und trocknete ihre Tränen des Jammers und Elends. Seine Barmherzigkeit beschränkte sich aber nicht bloß auf seine Vaterstadt allein, sondern verbreitete sich auch auf die anderen Provinzen. Er sendete den armen Einsiedlern in der Wüste reichliche Geschenke, er unterstützte die Scythen und Thracier bei einer Hungersnot mit Getreide und kaufte unzählige Gefangene los. Der Ruhm seiner Heiligkeit und tätigen Liebe wurde nun so groß, dass ihn die Bischöfe und Priester zu ihrem Patriarchen erwählten. Diese Wahl bestätigte Kaiser Leo VI. mit größter Freude.

 

Antonius änderte in dieser Würde seine bisherige Lebensweise nicht im geringsten; im Gegenteil wurde er noch demütiger gegenüber anderen und strenger gegen sich selbst. Er genoss als Patriarch keine andere Nahrung, als Brot in Öl getaucht und Wasser und alle seine großen Einkünfte flossen in die Hände der Armen. „Während seiner Regierung“, sagt ein alter Geschichtsschreiber, „herrschte allenthalben Friede, Ruhe und Eintracht; denn er wusste durch seine Beredsamkeit alle Menschen zu versöhnen. Damals klagte kein Armer über Not, weinte kein Waise, schluchzte keine Witwe, denn der Heilige war allen Vater, Helfer und Tröster.“ Ein hitziges Fieber beendete schnell sein tatenvolles Leben am 12. Februar im Jahr 895 und als die Glocken der Kaiserstadt seinen Tod verkündeten, ertönte in Konstantinopel ein allgemeines Jammern und Wehklagen.

 

Der heilige Meletius (der Große),

Patriarch und Bekenner von Antiochia,

+ 12.2.381 – Fest: 12. Februar

 

Als die Macht und das Ansehen der Arianer besonders dadurch immer größer wurde, dass sich selbst Regenten des Morgenlandes für diese Irrlehre erklärten und also offenbarer Widerstand gewöhnlich mit heftigen Verfolgungen und Verbannungen bestraft wurde, wagten es einige rechtgläubige Bischöfe, sich unter dem Schein der Freundschaft den Arianern zu nähern, um in ihre schändlichen Pläne gegen die heilige Religion eingeweiht zu werden und ihnen dann wirksam entgegen arbeiten zu können. Unter diesen eifrigen Verteidigern des reinen Christentums zeichnete sich besonders der heilige Meletius aus. Die Ketzer, die ihn für ihren Anhänger hielten, beförderten ihn durch ihre Empfehlungen auf den bischöflichen Stuhl zu Sebastia und später sogar zum Bischof von Antiochia, damit er mit größerer Macht die Rechtgläubigen verfolgen könnte. Im Jahr 360 kam Meletius nach Antiochia, wo er von den Katholiken und Ketzern mit Freude empfangen wurde und auch sogleich in seiner ersten Predigt zeigte, mit welcher Partei er es künftig halten würde. Mit erschütternder und gründlicher Beredsamkeit zeigte er die Unfehlbarkeit der römischen, katholischen Kirche, bewies aus der Kirchengeschichte, dass alle Neuerungen in Hinsicht der Religion ein Machwerk stolzer, boshafter und sittenloser Menschen waren und legte dann öffentlich das Bekenntnis ab, dass ihn weder Verfolgungen, noch Martern, noch der Tod von der Gemeinschaft der alleinseligmachenden katholischen Kirche trennen könne und dass er Tag und Nacht mit Tränen zu Gott flehen werde für die Bekehrung der verblendeten Irrgläubigen. Diese Worte machten einen wundervollen Eindruck auf die Zuhörer und viele Einwohner von Antiochia sahen ihren Irrtum ein und legten das katholische Glaubensbekenntnis ab. Aber die Arianer knirschten vor Wut und setzten alles in Bewegung, bis sie durch Verleumdungen die Absetzung des heiligen Oberhirten bewirkt hatten. Schon nach einigen Tagen wurde er aus Antiochia vertrieben und nach Armenien in das Elend geschickt. Als Kaiser Konstantius im Jahr 361 den morgenländischen Thron bestieg, rief er alle verbannten Bischöfe zurück und setzte sie wieder in ihre Bistümer ein und auch der heilige Meletius nahm wieder Besitz von seinem bischöflichen Stuhl im Jahr 362. Unter der Regierung der Kaiser Valentinian und Valens aber erhielten die Arianer wieder die Oberhand und alle rechtgläubigen Bischöfe schmachteten in der Verbannung, bis Kaiser Gratian auf den Thron kam und alle Bistümer seines Reiches mit katholischen Bischöfen besetzte. Der heilige Meletius arbeitete nun rastlos an der Sittenverbesserung seiner Gemeinde und durch seine Bemühungen bekehrte er den jüngeren Basilius und den großen Chrysostomus nebst seiner Mutter, denen er selbst die heilige Taufe erteilte.

 

Im Jahr 380 wohnte Meletius der Kirchenversammlung zu Konstantinopel bei, während welcher er in eine Krankheit fiel und starb. Der heilige Gregor von Nyssa hielt seine Leichenrede, in der er die Heiligkeit und die Verdienste dieses eifrigen Dieners Gottes für die katholische Religion mit rührender Beredsamkeit schilderte.

 

13. Februar

 

Der heilige Martinian, Einsiedler und Bekenner im hl. Land,

 + 13.2.400 - Fest: 13. Februar

 

Dieser Heilige wurde zu Cäsarea in Palästina, unter der Regierung des Constantius, geboren. In seinem achtzehnten Jahr zog er sich in eine nahe gelegene Einöde zurück, wo er sich in allen Tugenden übte. Bald erreichte er die erhabenste Stufe der Vollkommenheit; und das Gerücht von den Wundern, die er wirkte, machte seinen Namen überall sehr berühmt. In dieser Einsamkeit hatte er schon fünfundzwanzig Jahre gelebt, als Gott zuließ, dass er durch eine der gefährlichsten Versuchungen geprüft wurde. Der Geist der Finsternis suchte ihn durch die verabscheuungswürdigen Künste einer Buhlerin von Cäsarea, namens Zoe, zu Fall zu bringen. Diese boshafte Frau bedeckte sich mit ärmlichen, zerrissenen Kleidern, ging eines Abends zur Zelle des Heiligen und gab sich für eine arme Person aus, die sich in der Wüste verirrt habe. Sie befinde sich in der Gefahr, erbärmlich umzukommen, wenn ihr ein gastfreundliches Obdach verweigert werde. Martinian, durch ihren Jammer gerührt, nahm sie in seine Zelle auf.

 

Am folgenden Morgen warf Zoe ihre zerrissenen Kleider ab und stand in prachtvollem Schmuck da, den sie aus der Stadt mit sich gebracht hatte, und sagte zu dem Einsiedler, sie sei von Cäsarea in der Absicht gekommen, ihm ihre Person mit großem Reichtum anzubieten. „Der Antrag, den ich dir mache,“ sagte sie, „darf dich keineswegs erschrecken, er ist mit der frommen Lebensweise, die du führst, wohl vereinbar. Und du weißt wie ich, dass die Heiligen des alten Bundes reich waren und im Ehestand lebten.“ Martinian hätte ohne Zweifel, nach dem Beispiel des keuschen Josef, sein Heil durch schleunige Flucht suchen sollen; allein Gott ließ zu, vielleicht um ihn wegen eines geheimen Übermutes zu bestrafen, dass er diese verführerische Rede anhörte, und in seinem Herzen in den Vorschlag Zoes einwilligte. Als die Stunde nahe war, in der mehrere Personen zu ihm kamen, um seine Mahnungen und seinen Segen zu empfangen, ging er ihnen in der Absicht entgegen sie abzuweisen. Kaum war er aber wieder allein, als heilsame Gewissensbisse ihn aus dem Sirenen-Schlaf weckten. Errötet über seine Schwäche, kehrte er in seine Zelle zurück, zündete ein großes Feuer an und legte seine Füße hinein. Die Buhlerin lief herbei, als sie den Jammer hörte, den ihm der Schmerz auspresste. Wie groß aber war ihr Staunen, als sie ihn auf der Erde hingestreckt sah. Er war in Tränen zerflossen mit halbverbrannten Füßen. „Ach, sagte Martinian, wie werde ich das Feuer der Hölle vertragen, wenn ich dieses, welches doch nur ein Schatten davon ist, nicht auszustehen vermag?“ Zoe konnte einem solchen Augenblick nicht widerstehen. Die Gnade erweichte ihr Herz, und es wurde aus einer Sünderin eine Büßerin. Sie bat den Heiligen, sie auf den Weg des Heils zu führen. Martinian schickte sie in das Kloster der heiligen Paula zu Betlehem, wo sie ihre übrige Lebenszeit in den strengsten Übungen der Buße zubrachte.

 

Unser Heiliger hatte seine Füße so verbrannt, dass er lange Zeit nicht mehr gehen konnte. Als er sich wieder aufrecht zu halten vermochte, zog er sich auf einen steilen Felsen zurück, der auf allen Seiten vom Meer umgeben war, um sogar den Schatten der Gefahr von sich fern zu halten. Da lebte er unter freiem Himmel, allem Ungemach der Witterung preisgegeben, ohne irgend einen Menschen zu sehen, einen Schiffer ausgenommen, der ihm zwei Mal im Jahr Brot, Wasser und Palmblätter zur Arbeit brachte. Auf diese Weise brachte er sechs Jahre zu. Ein unvorhergesehener Vorfall störte aber auch hier wieder den Einsiedler. In einem Sturm scheiterte ein Schiff an seinem Felsen. Alles ging im Wasser zugrunde, mit Ausnahme eines Mädchens, das sich auf einem Brett rettete. Dieses nahm Martinian wahr und rief ihn um Hilfe an. Der heilige Einsiedler fühlte sich verpflichtet, einer Person, die in Todesgefahr schwebte, das Leben retten zu müssen. Er entschloss sich aber zugleich, seine Einsamkeit zu verlassen, aus Furcht, ein zweites Mal versucht zu werden. Da er noch Lebensmittel bis zur Rückkehr des Schiffers hatte, überließ er sie der Unglücklichen, die ein Muster wahrer Buße wurde, und später auf dem Felsen starb. Nach diesen Vorkehrungen stürzte sich Martinian im Vertrauen auf Gott ins Meer und erreichte durch Schwimmen das feste Land. Nach langer Irre in verschiedenen Wüsten kam er endlich nach Athen, wo er gegen Anfang des fünften Jahrhunderts, in einem Alter von ungefähr fünfzig Jahren, starb. Sein Name steht nicht im römischen Marterbuch; allein man findet ihn in den Menäen der Griechen. Er wurde im Morgenland und besonders zu Konstantinopel in einem nahe bei der Sophienkirche gelegenen Gotteshaus hoch verehrt.

 

„Rette deine Seele, und kämpfe für dein Heil! Wende dich von der Buße nicht mehr ab; denn keiner, der seine Hand an den Pflug legt und sich wieder umsieht, ist für das Reich Gottes tauglich! Sei auf deiner Hut; kehre nicht mehr zurück zu den Gelüsten der Welt! Harre aus in der Buße, damit deine Feinde dich nicht verspotten! Gott ist mit denen, die Buße tun.“

 

„Das zeitliche Feuer kann man mit Wasser auslöschen; jenes ewige Feuer aber löscht kein Wasser aus, jener Wurm in der Hölle stirbt nie, und die Teufel, welche die Menschenseelen peinigen, sind unbarmherzig.“

(Heiliger Martianus)

 

Der heilige Gregor II., Papst und Bekenner zu Rom,

+ 13.2.731 – Fest: 13. Februar

 

Der heilige Gregor war ein geborener Römer aus einer ansehnlichen Familie und erhielt seine Erziehung und Geistesbildung vom heiligen Papst Sergius, der mit inniger Liebe den unschuldigen und blühenden Jüngling unterrichtete und in sein zartes Herz den Grund zu allen den Tugenden legte, mit denen er als Mann die Kirche Gottes erleuchtete und verherrlichte. Wegen seiner Treue wählte ihn der Papst zum Schatzmeister der Kirchen in Rom und nahm ihn im Jahr 710 als seinen Begleiter mit auf einer Reise nach Konstantinopel und Nikomedia, wo Kaiser Justinian sein Hoflager hatte, der den Gregor wegen seiner ausgezeichneten Frömmigkeit und Gelehrsamkeit mit besonderer Achtung behandelte. Im Jahr 715 wurde der heilige Gregor von den Gläubigen und der Geistlichkeit einstimmig zum obersten Kirchenhirten erwählt und er erfüllte alle die Erwartungen vollkommen, die man sich in jenen unruhigen Zeiten von seinem Eifer und seiner Klugheit gemacht hatte. Er war ein getreuer Wächter der ihm durch Gottes Vorsicht anvertrauten Kirche und strafte ohne Ansehen der Person die Vergehen gegen das Christentum. Den Patriarchen Johannes in Konstantinopel, der die Ketzer unterstützte, schloss er aus der Gemeinschaft der Kirche aus und mehrere Bischöfe, die ihre Würde durch ein weichliches Leben entehrten, entsetzte er ihrer Bistümer, und hielt im Jahr 721 in Rom einen Kirchenrat, wo er die strengsten Verordnungen gegen das sittenlose Leben der Geistlichen machte. Mit unerschütterlichem Mut kämpfte er für die Freiheit der Kirche und für die Reinheit der christlichen Lehre und zwang den König der Langobarden, dass er alle der Kirche entrissene Güter zurückgab und einen ungerechten Krieg endigte. Damals richtete der ketzerische Kaiser, Leo Isaurus, durch seine Bilderstürmerei großes Unheil in der Kirche Gottes an und als ihn der heilige Gregor durch seine Gesandten ermahnen ließ, aufzuhören mit der schändlichen Verheerung der heiligen Bilder, dieser aber der Kirche den schuldigen Gehorsam versagte und sogar die päpstlichen Gesandten misshandelte, versammelte der heilige Papst die Bischöfe und belegte dem Patriarchen Anastasius von Konstantinopel mit dem großen Kirchenbann.

 

Um das Seelenheil der Gläubigen zu befördern und Unglauben und den Götzendienst zu vertilgen, sendete der heilige Gregor den heiligen Bonifatius und Korbinian nach Deutschland als Glaubensprediger, die unzählige Heiden zur Erkenntnis des wahren Gottes führten und überall christliche Gemeinden stifteten. Für die Kirchen in Italien weihte er während seiner Regierung einhundertfünfzig Bischöfe, fünfunddreißig Priester und vier Diakonen. Er verwendete hohe Kosten für die Zierde der Stadt Rom und erbaute nicht nur mehrere Gotteshäuser und Klöster, sondern schmückte mit größtem Fleiß die schon vorhandenen und verbesserte die Mauern der Stadt vom Grund aus. Eine Überschwemmung der Tiber, die Rom zu zerstören drohte, wies er durch sein Gebet in ihre Grenzen zurück und machte sie unschädlich. Der Ruhm seines heiligen Lebens verbreitete sich so weit, dass aus den entferntesten Ländern Menschen nach Rom strömten, um den Segen des Dieners Gottes zu empfangen. Unter diesen befand sich auch der bayerische Herzog, Theodor V., und die heiligen Könige von England, Richard und Ina, der in Rom für die Engländer eine Schule stiftete und eine Kirche erbaute. Der heilige Gregor starb am 13. Februar 731, nachdem er die Kirche Jesu fünfzehn Jahre und beinahe neun Monate mit apostolischer Treue regiert hatte.

 

Der heilige Kastor, Priester und Einsiedler zu Karden bei Trier,

+ 4. Jhd. – Fest: 13. Februar

 

„Das Geheimnis des Königs zu verbergen, ist gut, aber die Wunder Gottes zu verkünden, ist ruhmvoll.“ Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen, wie wir es im Leben des heiligen Kastor beobachten können. Schon von Kindheit an erfüllte ihn die Gnade des Heiligen Geistes, so dass er mit seinem ganzen Geist mehr im Himmel, als auf der Erde weilte. Ein Tag in den Vorhöfen des Herrn war ihm lieber, als tausend in der Welt. Mit außerordentlichen Anlagen ausgestattet, trug der Junge das Spiegelbild seiner späteren Frömmigkeit in sich. Wäre es nötig, von seiner hohen Abkunft zu sprechen, da bei Gott kein Ansehen der Person gilt, vielmehr die Gottesfurcht und Rechtschaffenheit? Die Frömmigkeit der Eltern fand sich im Sohn wieder. Wären sie gottlos gewesen, wie hätten sie zu so guten Sitten ihren Sohn erziehen können? Als ihn seine Eltern studieren ließen, verlegte er seinen Fleiß nicht auf die Weltweisheit, da nach dem Ausspruch des Apostels die Weisheit dieser Welt Torheit vor Gott ist, vielmehr gab er sich ganz der Beobachtung der göttlichen und kirchlichen Gebote hin. Bald erwarb er sich einen solchen Schatz von Kenntnissen, dass er mit der Braut im Hohenlied singen konnte: „Mein König führte mich in die Weinkeller und ordnete in mir die Liebe.“ Die Liebe Gottes war in der Tat im Herzen des Gottesmannes so wohl geordnet, dass er Gott liebte aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen seinen Kräften und seinen Nächsten wie sich selbst. Erst lernte er das Himmlische lieben und dann das Irdische verachten.

 

Wie einst der Patriarch Abraham dem göttlichen Ruf folgte: „Geh aus deinem Land und deiner Verwandtschaft“, so eilte der gottbegeisterte junge Mann Kastor mit den Flügeln der Liebe aus seiner uns unbekannten Heimat zu dem hl. Bischof Maximinus II. von Trier, um unter der Führung des Heiligen selbst ein Heiliger zu werden. Als der Bischof die Liebe, die Enthaltsamkeit und Keuschheit des edlen Jünglings erkannte, erteilte er ihm nach und nach die niederen Weihen und beförderte ihn dann zum Diakon.

 

Als Prediger Christi erfüllte der Levit Kastor seinen Dienst mit großer Ehrfurcht und Demut und Herzensreinheit, so dass er dem hl. Maximin, der gesamten Geistlichkeit und dem katholischen Volk sehr angenehm war. Aller Mund floss von seinem Lob über, er selbst aber lenkte alle Lobsprüche von sich ab und wollte lieber das Kreuz Christi tragen, als an seiner Verherrlichung teilnehmen.

 

Um der Eitelkeit und den Verführungskünsten der trügerischen Welt zu entfliehen, beschloss Kastor, sobald ihn der Bischof Maximin zum Priester geweiht hatte, sich in eine Einöde zurückzuziehen. Nachdem er lange in Bergen und Wäldern umhergeirrt, in Höhlen und Felsenklüften verweilt, Hunger und Ungemach, Elend und Erschöpfung erlitten hatte, zeigte ihm Christus einen wüsten Ort, an dem später eine Stadt, namens Karden, entstand. Voll Freuden rief der Heilige aus: „Diesen Ort habe ich mir erwählt; hier will ich für immer ruhen.“ Das glänzende Licht konnte nicht verborgen bleiben, es sollte auch anderen leuchten. Um den ausgezeichneten, tugendreichen Einsiedler sammelten sich bald gleichgesinnte junge Männer, um von ihm Anleitung zur Vollkommenheit zu erlangen.

 

Gott verherrlichte seinen treuen Diener auch durch Wunder. Als einst ein mit Salz beladenes Schiff die Mosel hinauffuhr, an deren Ufer der heilige Einsiedler sich angebaut hatte, bat er die Schiffer, ihm etwas Salz für seine Brüder zu schenken. Die unbarmherzigen Schiffer verweigerten ihm jede Gabe. Da entstand plötzlich ein Sturm, so dass das Schiff dem Untergang nahe war. In dieser Not, die die Schiffer als eine gerechte Strafe Gottes für ihre Unbarmherzigkeit erkannten, bereuten sie ihre Sünde und erhielten Begnadigung. Der Diener Gottes machte das heilige Kreuzzeichen über das untergehende Schiff und sogleich erhob es sich wieder unbeschädigt aus dem Wasser. Dieses Wunder schrieb der Heilige nicht sich, sondern Gott allein zu, und hocherfreut rief er aus: „Deine Rechte, o Herr, zeigte Kraft; deine Rechte, o Herr, erhob mich.“

 

Der edle Bekenner Christi blieb an jenem Ort, bis er hochbetagt der Welt, der er schon lange abgestorben war, für immer Lebewohl sagte, um für den Himmel, in dem sein Geist schon von Jugend an lebte, wiedergeboren zu werden. Sein Todestag war der 13. Februar. Von den irdischen Banden befreit, vereinigte sich seine reine Seele mit seinem göttlichen Erlöser, dem er sein ganzes Leben in Heiligkeit geweiht hatte.

 

Wie auf göttliche Einladung kamen Geistliche und Christgläubige von allen Seiten herbei, um in Gebeten und Psalmen Gott zu verherrlichen, der in seinem verklärten Diener so großes getan, und die Fürbitte ihres geistlichen Vaters anzurufen. Unter großen Feierlichkeiten wurde die teure Leiche in der Kirche, die er zu Ehren Jesu Christi und seiner jungfräulichen Mutter Maria erbaut hatte, beigesetzt.

 

Nach den Verwüstungen durch die Hunnen und Normannen geriet das Grab und die Verehrung des hl. Kastor mehr und mehr in Vergessenheit. Zur Zeit des Bischofs Weomat von Trier gefiel es Gott, die verborgene Perle wieder ans Licht zu ziehen und von neuem zu verherrlichen. Er zeigte in einer Erscheinung einem heiligmäßigen Priester, namens Martius, wo der kostbare Schatz verborgen sei, und er solle dem Erzbischof von Trier seine Erscheinung offenbaren. Nachdem die Erscheinung zum zweiten und dritten Mal sich wiederholt hatte, erfüllte der überzeugte Priester den höheren Auftrag. Der Erzbischof Weomad in Begleitung zahlreicher Mönche und Geistliche und Laien beiderlei Geschlechts kam die Mosel herab, veranstaltete ein dreitägiges Fasten und Beten und erhob unter feierlichen Lob- und Jubelgesängen die Reliquien des heiligen Kastor. Ein Teil der hl. Gebeine verblieb in der St. Paulini-Kirche in Karden, ein Teil von ihnen wurde am 12. November 837 in die von Ludwig dem Frommen neu erbaute Klosterkirche in Koblenz übertragen, wo sie heute noch vom Volk in der prächtigen St. Kastorkirche hochverehrt werden.

 

Der selige Jordan Saxo (von Sachsen), Dominikanergeneral,

+ 13. Februar 1237 – Fest: 13. Februar

 

Das so vielgenannte und in schwerer Zeit so hartbedrängte Ruhrgebiet hat vor ungefähr 800 Jahren einen Mann hervorgebracht, der für die Kirche, insonderheit für den damals entstandenen Predigerorden von einflussreichster Bedeutung war. Bei dem Landstädtchen Ebersberg (Eversberg) liegen auf steilem Berg an der oberen Ruhr die Ruinen der Stammburg des vormals sehr begüterten und angesehenen Grafengeschlechtes der Eberstein. Aus dieser Familie entsprosste zu Borgentreich in der Nähe von Paderborn Jordanis Saxo, dessen Name nach nordischer Mundart „Eberhart“ bedeutet. Mit seltenen Geistesgaben ausgestattet, kam der lernbegierige und strebsame Schüler ums Jahr 1210 auf die hohe Schule nach Paris, wo er alle öffentlichen Studien durchlief und in der Theologie sich den Gelehrtengrad verdiente. Als der heilige Dominikus, der Stifter des Predigerordens, dorthin kam, fühlte sich Jordan sehr zu ihm hingezogen und bat um Aufnahme in die neue Ordensfamilie. Dominikus riet dem jungen heilsbegierigen Grafen noch einige Zeit der Vorbereitung an, bis ihm Reginald von Orleans, der Studien halber nach Paris geschickt worden war, am 12. November 1220 das Ordenskleid verlieh. Als Reginald bald unerwartet schnell starb, hatte ein Ordensbruder ein Traumgesicht. Er sah in seinem Kloster eine klare Quelle plötzlich versiegen, aber bald darauf an demselben Ort einen großen Bach entstehen, der durch die ganze Stadt strömte, von dort sich in alle Provinzen ergoss, alle tränkte und erfreute und immer wachsend endlich ins Meer floss. Ein treffliches Bild der Wirksamkeit des seligen Jordan im Orden.

 

Ungewöhnlich früh begann Jordan die Kraft seines Wirkens zu entfalten. Es war nicht allein bei dem erst aufgehenden Orden der Mangel an älteren Mitgliedern, als vielmehr die hervorragende Tugend und Gelehrsamkeit, der männlich kluge Eifer, das ungewöhnliche Rede- und Verwaltungstalent des „von der Gnade erfüllten, zu jedem guten Werk bereiten und geschickten“ Jüngers, was den heiligen Dominikus bestimmt haben mochte, den vielversprechenden Novizen zur Generalversammlung nach Bologna mitzunehmen und dort besonders auszuzeichnen. Dann begann Jordan auf der Hochschule in Paris mit außerordentlichem Erfolg die Lehrtätigkeit und das Predigtamt auszuüben. Auf der zweiten Versammlung im folgenden Jahr (1221) wurde der Orden in acht Provinzen geteilt und Jordan zum Provinzialprior der Lombardei ernannt. Im Jahr darauf, 1222, starb der heilige Stifter. Wen würden die Brüder für würdig erachten, an Stelle des Heiligen die ganze Ordensgemeinde zu leiten? Einstimmig wählte das Generalkapitel zu Paris den jugendlichen Jordan, der noch kaum zweieinhalb Jahre im Orden lebte, zu seinem ersten Generalvorsteher. Dieses schier beispiellose Vertrauen seiner Ordensbrüder auf seinen hohen Geist, seine tiefe Frömmigkeit und einzigartige Befähigung für das wichtige Amt des ganzen Ordens hat der Erwählte glänzend gerechtfertigt. Jordan Saxo hat dem Dominikanerorden als General seine endgültige Richtung gegeben und es verstanden, die verschiedenen, eine ziemliche Selbstständigkeit genießenden Provinzen und Klöster durch das Band einer hochsinnigen, die rechte Mitte innehaltenden Verfassung zusammenzuhalten.

 

Die Ausbreitung und Befestigung des Ordens forderte vom General viele und weite Reisen. Wohl nahm er seine Lehrtätigkeit in Paris mit gesteigerter Frucht wieder auf, aber die Sorge für den Orden führte ihn alljährlich in die entlegensten Länder. Neunmal machte Jordan den Weg von Paris nach Bologna, da zwischen beiden Staaten jährlich das Generalkapitel wechselte. Deutschland besuchte er dreimal. Zu Oxford in England hielt er 1230 die Fastenpredigten, wie er es schon in Bologna, Paris, Padua und an anderen Orten getan hatte. All diese beschwerlichen Reisen machte er immer zu Fuß, was begreiflicherweise die mannigfaltigsten Beschwerden mit sich brachte. Vorzüglich waren es die Orte hoher Schulen, die Jordan, dem selbst der Ruf großer Gelehrsamkeit vorausging, gerne aufsuchte. Auch seine Ordensbrüder waren gesuchte Lehrer, aus deren Schülern der Orden stets neuen Zuwachs erhielt. Unter den talentvollsten Studierenden, die der Selige mit Vorliebe aufnahm, sind der heilige Kirchenlehrer Albert der Große, 1223 zu Padua aufgenommen, und der bei seinem Eintritt erst zehnjährige Peter von Tarentaise, der spätere Papst Innozenz V., die berühmtesten. Über tausend Brüdern soll der selige General persönlich die Ordensgelübde abgenommen und gegen 250 neue Klöster in Europa, Asien und Nordafrika gegründet haben.

 

Eine besondere Gabe hatte Gott unserem Seligen verliehen, dass er nämlich dem Volk durch die Predigt, dem Einzelnen in liebevollem Verkehr eindringlichst zu Herzen reden konnte. Die Güte und Sanftmut seines Wesens, seine Klugheit und mildreiche Teilnahme fand den rechten Weg in die Herzen der Bedrängten, Versuchten und Sünder, wie er auch besonders für die Armen schon von Jugend auf eine offene Hand hatte. In Bologna führte man ihm einmal einen Novizen vor, der für alles andere eher als für das Ordensleben Sinn hatte. Weltlich erzogen, ganz verweichlicht in Kleidung, Nahrung und Vergnügungen, in religiösen Dingen ganz ungebildet, hatte den ungebundenen, zornmütigen Menschen nur die Neugierde und die Gewohnheit, alles zu tun, was ihn reizte, ins Kloster getrieben. Jetzt bereute er freilich seinen unüberlegten Schritt und war zu Tode betrübt und tief unglücklich. Der milde Geistesmann sprach nun, im Vertrauen auf Gottes Gnade, dem Novizen Mut zu, führte ihn zum Altar des heiligen Nikolaus und hieß ihn das Vaterunser beten. Dann legte er ihm die Hände aufs Haupt und bat Gott inniglich, er möge alle Hindernisse und Schwierigkeiten von dem Jüngling nehmen. Und siehe! Wie Jordan nach langem Gebet die Hände wieder zurückzog, war der Jüngling ein anderer Mensch. Er fühlte eine große Freude in sein Herz einkehren und es von Jordans Händen wie zum Himmel getragen werden. Freudig blieb er nun im Kloster und wirkte später viel für den Orden und sein eigenes Heil.

 

Ein Mann, der vom Glauben abgefallen war, sich aber wieder bekehrt hatte, wollte ernsthaft Gott im Predigerorden dienen. Der General war geneigt, ihm die Aufnahme zu gewähren, wenn die übrigen Brüder damit einverstanden wären. Nur ein einziger war dagegen. Jordan sagte ihm: „Jener Mann hat zwar viele Sünden begangen, vielleicht tut er aber noch mehr, wenn wir ihn nicht der Welt entreißen und in den Orden aufnehmen.“ Das kümmere ihn nicht, meinte darauf jener. Da sprach der mitleidsvolle Seelenfreund das schöne Wort: „In Wahrheit, Bruder, wenn du für jenen Sünder auch nur einen einzigen Tropfen Blut vergossen hättest, wie Christus für ihn all sein Blut hingegeben hat, dann würdest du dich wohl anders um ihn kümmern.“ Der Bruder war von der ernsten Antwort so beschämt, dass er sich reumütig niederwarf und gerne einwilligte.

 

Wie sein Meister Dominikus hatte der Selige auch eine hohe Wertschätzung für das Gebet. Er wusste, dass sein Arbeiten fruchtlos sein würde, wenn es nicht vom Tau des Himmels benetzt würde. Er betete darum viel, und zwar gewöhnlich frei kniend und stundenlang. So groß war seine Gebetssammlung, dass weder die vielfältigen Amtssorgen, noch andere Geschäfte ihn zerstreuen konnten. Selbst auf dem Weg war er in Betrachtung versenkt. Auf den längeren Reisen führte, wenn er nicht sein Brevier betete, mit seinen Begleitern ein frommes Gespräch oder überließ sich der Betrachtung. Da er hierbei gerne hinter seinen Reisegenossen zurückblieb, kam er öfters in Gefahr, vom Weg abzuirren. Den hierüber besorgten Seinen pflegte er zu antworten: „Seid ruhig! Wenn wir nur den Weg zum Himmel nicht verlieren.“ Die innige Vertiefung ins Gebet und die seelische Ergriffenheit Jordans äußerte sich auch oft in vielen Tränen, was ihm später ein schweres Augenleiden zuzog. Der wirkliche Verlust eines Auges zeigte seine ganze glaubensvolle Hochgesinnung. Er rief seinen Ordensbrüdern zu: „Saget Gott Dank, dass ich einen Feind verloren habe.“ So sehr war er innerlich gerichtet, so sorgfältig pflegte er seine Sinne zu beherrschen, damit nichts den Glanz der Herzensreinheit betrübte, dass er das natürlich so harte Geschick als übernatürlichen Gewinn hinnahm.

 

Von Jordans Klugheit und Weisheit im Reden werden viele Beispiele erzählt. Gefragt, ob das Vaterunser im Mund eines Laien so viel gelte als im Mund eines theologisch Gebildeten, der es besser verstehe, antwortete er: „Ebenso viel als ein Edelstein in der Hand eines Menschen, der seinen Wert nicht kennt; er bleibt immer Edelstein.“

 

Die Predigten eines Ordensbruders Johannes von Vicenza brachten in Bologna großen Eindruck hervor. Die Bürger der Stadt baten daher den Ordensgeneral, er möge ihnen den Prediger für immer belassen, damit die Früchte seiner Predigten nicht wieder verloren gingen. Jordan lobte die gute Gesinnung der Bürger, gab aber zu bedenken, dass es nicht gebräuchlich sei, dass ein Sämann, wenn er ein Feld angesät habe, sich dort niederlege und abwarte, bis der Same Frucht trage. Er empfehle vielmehr Gott den Samen und gehe, ein anderes Feld zu bestellen. Selbst der Heiland habe gesprochen: Ich muss auch anderen Städten das Reich Gottes verkünden.

 

Ein Klosterbruder, der viel zeitliche Geschäfte zu besorgen hatte, bat um Enthebung von seinem Posten. Des weisen Oberen Antwort war: „Mit einem solchen Amt können zwei Dinge verknüpft sein: Nachlässigkeit und Ungeduld, aber auch zwei andere, Mühe und Verdienst. Von den ersten zweien entbinde ich dich, die anderen zwei aber lege ich dir zur Genugtuung für die Sünden auf.“

 

Die herrlichen Gaben an Geist und Gemüt, womit Gott den Seligen schmückte, noch weniger die Gabe wunderbarer Krankenheilung, die ihm zuteil war, würden ihm nicht die Heiligkeit gebracht haben, wenn er nicht die Krontugend der Heiligen, die Demut, besessen hätte. Der Mann aber, der durch die bezaubernde Liebenswürdigkeit seines Wortes Wunder der Bekehrung vollbrachte, war aufrichtig demütig. Ehren suchte er auszuweichen. Einmal wurde ihm beim Generalkapitel ein Fehler zur Last gelegt. Die Definitoren meinten, er könne sich rechtfertigen, wenn er wolle. Da erwiderte Jordan bescheiden: „Darf man wohl einem Schuldigen glauben, wenn er sich rechtfertigt?“

 

Das hohe Vermächtnis des Stifters für den Orden, die eifrige Verehrung der seligsten Gottesmutter, war auch dem Nachfolger heiliges Herzensgut, das er treulich wahrte. Vom Generalkapitel 1225 wurde das feierliche Singen des Salve Regina als tägliche Abendpflicht eingeführt. Dafür verlieh die Mutter der Gnade ihrem treuen Diener eine außerordentliche Gunst. Am Fest Mariä Reinigung sah er sie mit ihrem göttlichen Kind auf dem Altar in wunderbar mildem Antlitz erscheinen und mit dem Arm des Sohnes die versammelten Brüder segnen.

 

Der selige Jordan, der auch einige der Schrifterklärung und Erbauung dienende Bücher geschrieben hat, stand im fünfzehnten Jahr mit Umsicht und Weisheit seiner Ordensfamilie vor. Als er von einer Reise ins Heilige Land, das schon länger Ordensniederlassungen besaß, wieder zurückfuhr, geriet das Schiff in einen schweren Sturm, der den Seligen nebst der Schiffsmannschaft in den Wellen begrub, am 13. Februar 1237, nebst der Küste von Satalia. Sein Leichnam trieb an die syrische Küste und wurde im Dominikanerkloster Akka (Ptolemais) beigesetzt.

 

„Wenn du nur vom Weg zum Himmel dich nicht verirrst, alles andere hat wenig zu bedeuten.“ Diesem Grundsatz des seligen Jordan setzen die Weltmenschen den anderen Gegenüber: Suche in der Welt dein Glück zu begründen, alles Übrige mag dir gleichgültig sein! Doch was gilt mehr: Zeitliches Glück und ewiges Unglück oder zeitliches Unglück, danach ewiges Glück?

 

14. Februar

 

Der heilige Valentin, Priester und Martyrer von Rom,

+ 14.2.270 - Fest: 14. Februar

 

Eine alte Bauernregel sagt: „Sankt Valentin, hell und klar, gibt Korn und Wein für jedes Jahr.“ Zum Unterschied von verschiedenen Heiligen mit diesem Namen war Valentin, dessen heute die Kirche gedenkt, ein Priestermartyrer in Rom, der um das Jahr 270 seine Treue zu Christus mit der Hingabe des Lebens heldenhaft besiegelte.

 

Valentin wirkte also als Priester zur Zeit einer Christenverfolgung. Von einem behaglichen Leben konnte da keine Rede sein. Nicht einmal ein eigenes Heim besaß der Verfolgte, sondern nur eine Reihe von Schlupfwinkeln, die er jeden Tag wechselte, um die Polizei irrezuführen. Dabei schwebte der Gehetzte auch stets in Gefahr, verraten zu werden; denn in den Zeiten der Verfolgung sind Verräter eine billige Ware. Valentins Leben verlief daher in immerwährender Angst, und es mag wohl sein, dass manchmal Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit über ihn kamen. Wo blieb denn Gott mit seiner Allmacht? War der christliche Glaube wirklich der wahre Glaube? Jedenfalls war von einem Sieg der Wahrheit nichts zu sehen, aber umso augenscheinlicher triumphierten die heidnischen Verfolger.

 

Solche und ähnliche Gedanken mögen den gehetzten Priester Valentin gequält haben, der sich indessen weder durch die innere noch durch die äußere Not abschrecken ließ, seine priesterlichen Pflichten zu erfüllen. Er suchte die Christen auf und stärkte sie im Glauben. In den Katakomben feierte er zur nächtlichen Stunde die heiligen Geheimnisse, und in allen möglichen Verkleidungen brachte er den Gefangenen die heilige Wegzehr in den Kerker. Trotz der Lebensgefahr suchte er Heiden zu bekehren, um ihre unsterblichen Seelen für den Himmel zu retten. Selbstredend betätigte er sich auch ausgiebig als Jünger der Caritas. Valentin war ein ehrenwerter Priester in schwerer Zeit.

 

Eines Tages wurde Valentin verhaftet, kam in Untersuchungshaft, und wenige Tage später stand er dem Kaiser persönlich gegenüber. Man versuchte, ihn durch Gewalt und List von Christus und der Kirche abspenstig zu machen. Er sollte die Treue brechen. Wie aber kann ein aufrechter Mann treulos werden? Daher hielt Valentin die Treue, und die einzigartige Gelegenheit benutzend, predigte er vor der Hofgesellschaft so glänzend den Gekreuzigten, dass selbst der Kaiser von seinem Wort nicht unberührt blieb. Als dies die hohen Staatsbeamten bemerkten, ging eine Welle des Unwillens durch ihre Reihen, und dann knickte der feige Herrscher schwächlich zusammen und verurteilte Valentin zum Tod.

 

Der heilige Bruno von Querfurt – Bonifatius,

Erzbischof, Martyrer,

+ 14.2.1009 – Fest: 14. Februar

 

Bruno stammte aus einer der angesehensten Familien Sachsens und wurde um die Mitte des zehnten Jahrhunderts wahrscheinlich zu Querfurt geboren. Seine Erziehung erhielt er in der blühenden Domschule zu Magdeburg. In der heiligen Firmung empfing er den Namen Bonifatius und wird deshalb öfters mit beiden Namen benannt. Mit einem hohen Grad wissenschaftlicher Bildung und gediegener Frömmigkeit trat er frühzeitig in den geistlichen Stand, wurde Kanonikus zu St. Moritz in Magdeburg und baute in schönem byzantinischem Stil die Schlosskirche zu Querfurt. Kaiser Otto III. berief den talentvollen jungen Priester an seinen Hof und schenkte ihm sein besonderes Vertrauen. Als Kaiser Otto im Jahr 996 nach Rom zog, begleitete ihn Bruno. Im Bonifatiuskloster auf dem Aventin vernahm Bruno, dass der hl. Adalbert am 23. April 997 als Apostel der Preußen den Martertod erlitten habe, und sogleich entschloss er sich, in die vom hl. Romuald neugestiftete Benediktinerkongregation von Camaldoli einzutreten und sich zum Missionar unter den Preußen vorzubereiten. Unter der Leitung des fast hundertjährigen Romuald überbot er die strenge Ordensregel durch seinen glühenden Eifer. Oft aß er nur zweimal in der Woche und warf sich in Disteln und Dornen, um sein Fleisch zu kreuzigen.

 

Um diese Zeit bat Zoerard, der Bruder des Polenfürsten Boleslaw, Papst Silvester II. um Missionare für sein Vaterland. Auf den Rat des hl. Romuald schickte der Papst unseren Bruno als Missionar mit den nötigen Vollmachten ab. Im Winter des Jahres 1003 auf 1004 kehrte Bruno nach Deutschland zurück und erhielt vom Erzbischof Dagino von Magdeburg die Weihe zum Missions-Erzbischof. Indes verhinderte der Krieg zwischen Herzog Boleslaw und Kaiser Heinrich II. die Ausführung seines Planes. Bruno vermittelte zusammen mit dem Erzbischof von Magdeburg den Frieden zwischen den streitenden Parteien, ging dann nach Polen und wurde vom Herzog mit Ehren und Geschenken überhäuft, die er sogleich wieder an Arme und bedürftige Kirchen verteilte.

 

Die Zeitverhältnisse gestatteten Bruno nicht, sein Missionswerk in Preußen sofort zu beginnen, deshalb benutzte er die Zeit, um zunächst die Sprache der zu bekehrenden Völker zu erlernen. So vorbereitet, begann er mit 18 Gefährten im Jahr 1008 seine Mission in Preußen, um fortzusetzen, was der hl. Adalbert begonnen hatte. Man sagte den Missionaren den sicheren Tod voraus, sie aber ließen sich, durch himmlische Erscheinungen gestärkt, nicht abschrecken. Mit dem Kreuz in der Hand, mit glühender Liebe zu den Seelen im Herzen und unter Anrufung der Apostel überschritten sie die Grenze. Schon am dritten Tag kam ihr Leben in die größte Gefahr und nur durch ein Wunder wurden sie gerettet. Acht Tage lang hielten die heidnischen Bewohner des Landes die Missionare gefangen und geißelten sie grausam, entließen sie aber wieder auf den Wunsch einiger Fürsten. Innerhalb fünf Monaten bereisten sie dreiviertel des Landes, bekehrten aber unter dem hartnäckigen Volk kaum dreißig Seelen. Dem Fürsten Nethimis schleuderten sie seine Götzen ins Feuer, das sie rasch verbrannte. Aufs höchste erzürnt, ließ der Fürst einen großen Scheiterhaufen errichten und Bruno samt seinen Gefährten hineinwerfen. Bruno im bischöflichen Ornat ging mit seinen Gefährten in das lodernde Feuer und blieb so lange mit ihnen in den Flammen, bis sie sieben Psalmen abgesungen hatten. Über dieses Wunder höchst erstaunt, ließ sich der Fürst mit mehr als 300 Männern taufen.

 

Nicht lange nachher erregte ein feindseliger Fürst unter den Heiden einen Aufstand und ließ den heiligen Erzbischof nebst seinen Missionaren grausam martern. Der hl. Bruno wurde enthauptet, die anderen aufgeknüpft. Einem, namens Wipert, wurden die Augen ausgestochen. Jedoch entkam er trotzdem und berichtete in Rom den Martertod seiner Gefährten. Auf diese Kunde hin wollte der hl. Romuald noch die Bekehrung der heidnischen Preußen und Liefländer unternehmen, wurde aber durch plötzliche Erkrankung an der Ausführung dieses Planes gehindert.

 

Der Tod der hl. Blutzeugen erfolgte am 14. Februar 1009. Ihre hl. Leichname blieben unbeerdigt liegen, bis der Herzog Boleslaw ihr Schicksal erfuhr, sie kaufte und unter großen Ehren nach Polen bringen ließ. In Preußen soll später zu Ehren des ruhmreichen Martyrers Bruno die Stadt Brunsberg (Braunsberg) erbaut worden sein.

 

Was der hl. Adalbert begonnen, der hl. Bruno mit seinen Genossen unter den größten Schwierigkeiten fortgesetzt hat, haben 200 Jahre später die Deutsch-Ordens-Herren zu Ende geführt und dem Christentum die Herrschaft über die hartnäckigen heidnischen Preußen verschafft.

 

Die heilige Johanna (Jeanne de Valois) von Valois,

Königin und Ordensstifterin in Frankreich,

Krüppel – Prinzessin – Heilige,

+ 4.2.1505 – Fest: 4. Februar oder 14. Februar

 

Eine verstoßene Tochter, gehasste Ehefrau und enterbte Königin wurde am 28. Mai 1950 von Papst Pius XII. zu einer Heiligen im Himmel erklärt.

 

Dies ist die Geschichte von Jeanne de Valois, der missgestalteten Tochter König Ludwigs XI. von Frankreich, „der wie eine Spinne in der Stille sein Netz spann und auf die unglücklichen Fliegen wartete, die er damit fangen wollte“. Jeanne, die am 23. April 1464 geboren wurde, hatte sich schon vom Tag ihrer Geburt an den Hass ihres Vaters zugezogen. Dieser Hass kam aus der Enttäuschung darüber, dass sie ein Mädchen war (zwei Söhne waren im Kindesalter gestorben), sowie wegen ihres jämmerlichen körperlichen Zustandes. Jeanne drückte es noch milde aus, wenn sie sagte: „Ich weiß, dass ich weder so schön bin noch eine so gute Figur habe wie andere Frauen.“ Sie hatte einen Klumpfuß, und ihr ganzer Körper war durch Rachitis entstellt. Die eine Schulter war niedriger als die andere, und dazu hatte sie einen offensichtlichen Buckel. Daher verurteilte der Vater sie zu einem Leben der Einsamkeit, zuerst in Amboise bei ihrer Mutter Charlotte von Savoyen und später, nach dem Tod der Mutter, im Herrenschloss von Lignières im Herzogtum Berry. Er entzog ihr jegliche Unterhaltung und ließ sie selbst die dringendsten und selbstverständlichsten Lebensnotwendigkeiten entbehren.

 

Was aber ihre Willensstärke betraf, war sie eine echte Tochter des “schrecklichen Königs“. Von frühester Jugend an verschmäht und abgesondert, brachte sie es schon als Kind fertig, ihren Vater einen ganzen Tag auf eine Entscheidung warten zu lassen, die er auf der Stelle von ihr verlangt hatte. Aber während all dieser Jahre der Absperrung entwickelte sich kein Hass gegen den Vater in ihr, sondern nur ein tiefer religiöser Eifer und eine Wesensgüte, die ihr eigentlich eine bessere Behandlung hätten sichern müssen.

 

Aus politischen Gründen war der Vater schon bei ihrer Geburt entschlossen, Jeanne mit ihrem Vetter Louis, dem Erben des Herzogs von Orléans, zu verheiraten. Am 4. Januar 1456, als Jeanne kaum ein Jahr alt war, wurde sie Louis, der auch erst ein Kind war, zur Ehe versprochen. Die Trauung sollte stattfinden, wenn das junge Paar das entsprechende Alter erreicht hätte.

 

Manche glauben, der König habe diese Verbindung aus Bosheit gewünscht, da er hoffte, dass das entstellte Mädchen kinderlos bliebe und so die Orléans aussterben würden. Weder Jeanne noch Louis wünschten diese Ehe, als sie heranwuchsen. Aber keines wagte, dem König zu widersprechen. Als Louis und seine verwitwete Mutter Einwände machten, drohte der König mit der Beschlagnahme ihres Eigentums und sogar mit körperlichen Strafen. Jeanne war schon oft das Opfer der Zornesausbrüche ihres Vaters gewesen. Bei einer Gelegenheit hatte er sogar befohlen, sie hinzurichten, ein andermal hatte er selbst das Schwert gegen sie erhoben.

 

Am 8. Oktober, als Jeanne neun Jahre alt und Louis kaum ein paar Jahre älter war, wurde der Ehevertrag erneuert. Drei Jahre später, am 8. September 1476, wurden die beiden getraut. Jeanne erklärte selbst: „Ich empfing den Ehesegen unter Tränen, da ich zu dieser Heirat gezwungen und nur mit Gewalt so weit gebracht worden war. Louis andererseits hatte Urkunden anfertigen und Zeugenaussagen schriftlich niederlegen lassen, dass diese Ehe gegen seinen Willen geschlossen sei.

 

So begann das 22jährige Martyrium, bei dem Jeanne de Valois die immer ergebene Frau eines Mannes blieb, der sie verabscheute und sie privat und öffentlich demütigte.

 

Die Ehe war ein entsetzlicher Fehler. Louis von Orléans war hübsch, heiter, stark und geschmeidig. Wenn er von seiner Ehe sprach, sagte er: „Ich wollte, ich wäre tot!“ Von Jeanne erklärte er: „Ich habe sie nie als meine Frau betrachtet.“

 

Zweiundzwanzig Jahre dauerte diese Verbindung, bis Karl VIII., der kurzlebige Nachfolger Ludwigs XI., im Jahr 1498 starb. Nun folgte Louis seinem Schwager und Vetter auf den Thron. Eine seiner ersten Taten war, dass er seine Ehe als erzwungen und von Anfang an ungültig erklären ließ.

 

Er verstieß Jeanne als Frau und Königin, gab ihr jedoch das Herzogtum Berry in Besitz. Hier regierte sie mit Umsicht und Entschlossenheit, so dass sie bald die Herzen ihrer Untergebenen gewann. Ihre Liebe zu den Armen und Kranken war grenzenlos. In den langen Jahren ihrer Ehe hatte sie niemals etwas Liebloses über Louis gesagt und ihm nichts Unrechtes angetan.

 

Als Louis als Mitglied einer Verschwörung gegen ihren Bruder, König Karl VIII., entdeckt und ins Gefängnis geworfen wurde, eilte sie ihm mit Nahrungsmitteln und Kleidern zu Hilfe. Durch beständiges Bitten bei ihrem königlichen Bruder erreichte sie seine Freilassung. Doch erwies er ihr keine Dankbarkeit dafür, sondern schrieb das Verdienst dem König selbst zu. Als Louis erkrankte, eilte Jeanne sofort an sein Lager, allerdings nur, um wieder von ihm weggeschickt zu werden.

 

Bis zu ihrem Tod betete sie unablässig für ihren Mann und für ihren Vater. Für beide ließ sie auch stets die Schwestern ihres Annunziatenordens beten, den sie im Jahr 1500 gegründet hatte, und trug selbst unter ihren königlichen Kleidern das Habit.

 

Jeanne starb am 4. Februar 1505 in Bourges. Das französische Volk verehrte sie bald als eine Heilige. Doch wurde sie erst am 21. April 1742 von Papst Benedikt XIV. seliggesprochen. Dann verhinderte die unruhige Geschichte Frankreichs für lange Zeit weitere Schritte zu ihrer Heiligsprechung, bis sie endlich 200 Jahre später erfolgte.

 

15. Februar

 

Die heiligen Faustinus und Jovita, Märtyrer von Brescia,

+ 15.2.122 - Fest: 15. Februar

 

„Die Seelen der Gerechten“, so heißt es im Lied, „sind in Gottes Hand. Der Bösen Folterwerkzeug kann sie nicht erreichen. Sterbende waren sie in den Augen der Toren, sie aber sind im Frieden.“

 

In diesen wenigen Worten ist bereits das ganze Leben der beiden Heiligen zum Ausdruck gebracht.

 

Zunächst muss von Faustinus und Jovita festgestellt werden, dass sie leibliche Brüder und in einem norditalienischen Städtchen beheimatet waren. Um das Jahr 100 nach Christi Geburt kamen sie als Söhne christlicher Eltern in heidnischer Umgebung zur Welt. Schon in ihren jungen Jahren betätigten sich beide eifrig als Laienapostel. Trotz der herrschenden Christenverfolgung wollten sie kühn und draufgängerisch Freunde und Nachbarn für den Glauben an Christus gewinnen. Als später Faustinus zum Priester und Jovita zum Diakon geweiht wurden, kannte ihre Verwegenheit bald keine Grenzen mehr. Die beiden waren das Herz und die Seele in der langsam aufblühenden Christengemeinde ihrer Heimatstadt, bis sie verhaftet wurden. Am gleichen Tag begann auch ihr Martyrium, welches sich von den Folterqualen anderer Blutzeugen besonders dadurch unterscheidet, dass es von Wundern glanzvoll umsäumt war.

 

Zunächst sollten Faustinus und Jovita im Zirkus den wilden Tieren vorgeworfen werden. Man stelle sich ein großes Stadion vor mit Tausenden von aufsteigenden Sitz- und Stehplätzen, die alle ohne Ausnahme von einer erwartungsvollen Menschenmenge besetzt sind. Vor den Blicken der schwatzenden Neugierigen stehen in der Mitte des Zirkus hochaufgerichtet, ohne das geringste Zeichen von Angst zu zeigen, strahlenden Blickes die Brüder, der Priester Faustinus und der Diakon Jovita. Auf einmal erzittert die Luft von dem dröhnenden, grauenerregenden Gebrüll zweier ausgehungerter Löwen. Da verstummt auch gleich das Gemurmel der Zuschauer. Totenstille tritt ein. Die Spannung erreicht den Höhepunkt, als die wilden Tiere aus den sich öffnenden Käfigen hervorstürmen und sich mit blutgierigem Blick und fletschenden Zähnen auf ihre Opfer stürzen. Aber was ist das? Fünf Schritte vor Faustinus und Jovita stehen sie. Wie von einer geheimnisvollen Macht angehalten, stehen sie, still, ducken sich, kriechen winselnd näher und belecken wie liebkosend die Füße der Glaubenshelden. Sie tun dies eine ganze Weile lang, bis Faustinus befehlend die Hand ausstreckt und sagt: „Marsch, in den Käfig zurück!“ Kaum ist das Wort gefallen, da springen die Löwen auf und rennen in ihren Käfig zurück.

 

Doch in dem gleichen Augenblick, als dies geschieht, löst sich die unerträgliche Spannung in der Zuschauermenge und knallartig ertönt aus tausend Kehlen der Ruf: „Zauberei! Zauberei! Ins Feuer mit den Zauberern! Ins Feuer! Ins Feuer!“

 

In aller Eile errichtet man im Zirkusrund einen Scheiterhaufen, auf dessen Spitze die beiden Brüder an Pfählen angebunden werden. Und als man den Holzstoß anzündet, legt sich erneut eine atemlose Stille auf die Zuschauermasse. Gierig fressen die Flammen das trockene Reisig und plötzlich umlodert das Feuer die Glaubenszeugen mit einem lebensgroßen leuchtenden Heiligenschein, sie selbst aber bleiben unverletzt.

 

Wieder entlädt sich die maßlose Enttäuschung der Menge durch einen neuen Sprechchor: „Zauberei! Zauberei! Ins Meer mit den Zauberern! Ins Meer! Ins Meer!“ Sofort folgt dem Ruf die Tat. Faustinus und Jovita werden ins Meer geschleudert. Aber die Wellen tragen die beiden spielend ans Land zurück, wo man sie gleich danach enthauptet und sie dadurch der Himmelskrone teilhaftig macht. Da endlich ist der Hass der Menge gesättigt, aber viele von den Zuschauern, jene, die nachdachten und tiefer schauten, bekehrten sich auf die Wunder hin, die sie mit eigenen Augen gesehen hatten, zu Christus. So bestätigte sich wieder einmal die bekannte Tatsache, dass das Blut der Martyrer zum Samen wird, aus dem die vielfältige Frucht neuer Christen erwächst.

 

Gott versteht es wirklich ausgezeichnet, aus allem Bösen etwas Gutes zu gestalten.

 

Der heilige Claudius de la Colombière aus der Gesellschaft Jesu,

der Apostel der Herz-Jesu-Andacht,

+ 15.2.1682 – Fest: 15. Februar

 

Mit der Geschichte und Förderung der Herz-Jesu-Andacht ist für immer der Name des heiligen Paters Claudius de la Colombière verbunden, dieses würdigen Dieners Gottes, der beinahe mit der verdienten Krone des Bekenners auch die des Märtyrers hätte verflechten können.

 

Geboren zu St. Symphorien d’Ozan in der Diözese Grenoble in Südfrankreich am 2. Februar 1641, verlebte Claudius seine Kindheit in Unschuld und Heiligkeit. Im Jesuitenkolleg zu Lyon zeichnete er sich durch Frömmigkeit wie durch seine Talente unter den Studiengenossen aus und trat 1658, 17 ½ Jahre alt, zu Avignon ins Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Da legte er den Grund zu jener außerordentlichen Vollkommenheit, die ihn befähigte, der Gewissensrat jener auserwählten Seele zu werden, deren sich Gott bedienen wollte, seiner Kirche die Andacht zum Herzen seines Sohnes zu empfehlen, und so die Liebe zu ihm, der aus Liebe zu uns das allerheiligste Altarsakrament einsetzte, in den erkaltenden Herzen aufs neue zu entflammen.

 

Nachdem Pater Claudius Colombière seit 1671 in Lyon als trefflicher, gemütvoller Prediger segensreich gewirkt hatte, wurde er 1675 als Oberer nach Paray le Monial berufen. Es war jene Zeit, in der Margareta Maria Alacoque bitterster Seelennot und peinigendsten Zweifeln anheimgegeben war, nachdem mehrere Geistesmänner, denen sie sich im Gehorsam eröffnen musste, ihre Gnaden und Offenbarungen verworfen hatten. In dieser auch für ein ganz selbstloses und gotterfülltes Gemüt harten Prüfung gab ihr der Heiland selber Ende 1674 die trostvolle Verheißung, er werde ihr „einen seiner Diener“ senden, der der Vertraute all ihrer Gedanken und Geheimnisse sein und ihr alle nötige Klarheit und Ruhe geben werde. Welch eine Ehre für den ehrwürdigen Colombière, aus dem Mund des Herrn selber als sein Diener bezeugt zu werden! Wird der, den Gott ausdrücklich zum Führer einer Heiligen und zum Sachwalter der Offenbarung der Liebe des göttlichen Herzens sandte, nicht selbst ein Mann von ausgezeichnetster Tugend gewesen sein? Und der so Auserwählte bewährte sich auch sowohl als klugen Seelenkenner wie als beharrlichen durch nichts beirrbaren Apostel der ihm übertragenen Aufgabe.

 

Schwester Alacoque, die durch das vorher Erlebte hinsichtlich offener Aussprache vorsichtig geworden sein mochte, war entschlossen, bei dem neuen außerordentlichen Beichtvater Pater Colombière nichts Tieferes zu berühren. Doch ein Wort, ein leises Zeichen verriet die Herzensqual der Jüngerin der Liebe und ihr Ringen nach Klarheit. Aber nur zurückhaltend ging sie auf entsprechende Fragen ein. Als ihr dann die Oberin den Auftrag gab, ihre ganze Seele dem erleuchteten Priester zu eröffnen, da fühlte sie einen unsäglichen Widerwillen dagegen. Demütig bekannte sie dies auch dem Seelenführer. Darauf entgegnete dieser, es freue ihn, ihr Gelegenheit zu einem Opfer für Gott durch ihre Aussprache zu geben. Dies Wort allein genügte, nun jedes, auch das leiseste Bedenken zu zerstreuen, und nun erfuhr zum ersten Mal ein Menschenherz, außer der Oberin, welch eine Fülle von Gnaden der Heiligen zuteil geworden war, ohne dass diese noch über die Wunder des göttlichen Herzens gesprochen hätte. Friede und Ruhe war der Lohn ihrer Offenheit. Der seelenkundige Geistesmann aber zeigte kein Erstaunen über das Gehörte. Seine Antwort waren nur schlichte Hinweise auf das unendliche Erbarmen Gottes, Aufforderungen zur Demut und zur Treue gegen die Gnade, zur vollen Opferhingabe. Mit Sicherheit und Klarheit wusste er die auserwählte Seele zu führen, ohne irgendwie der menschlichen Eigenliebe die Möglichkeit zu lassen, Gottes Pläne zu stören. So bereitete sich der Heiland selber das Feld für den großen Saatwurf vor, und sein treuer Diener Claudius durfte die menschliche, mitpflügende Hand leihen. In der Fronleichnamsoktav, 13.-20. Juni 1675, gab der göttliche Erlöser der heiligen Margareta die bekannte große Offenbarung mit dem Verlangen, am Freitag nach der Oktav ein eigenes Fest zu Ehren seines heiligsten Herzens zu begehen und durch Kommunion und feierliche Abbitte Ehrenersatz für jede unwürdige Behandlung zu leisten. Als dabei Margareta den Herrn bat, ihr doch auch die Mittel zu gewähren, damit sie sein Verlangen befriedigen könne, da befahl ihr der Meister, sich an Pater Colombière zu wenden, dass er die ganze Kraft aufbiete, seinem göttlichen Herzen Freude und Ehre zu verschaffen. Er möge sich nicht entmutigen lassen durch alle auftauchenden Schwierigkeiten und Bedenken, das alles vermöge, wer sich selbst gänzlich misstraue und seine Hoffnung auf den Herrn setze.

 

So war abermals der ausdrückliche Ruf Jesu an seinen ergebenen Diener ergangen. Pater Colombière war nicht leichtgläubig, aber er hatte bereits zu starke Beweise für die erprobte Tugend der Schwester Margareta Maria in Händen, als dass er an dieser Einladung hätte irre werden sollen. Darum begann er zunächst damit, in seiner eigenen Person das Reich des Herzens Jesu zu begründen. Er weihte sich dem heiligsten Herzen mit der ganzen Inbrunst seiner lauteren Seele am 21. Juni, dem Freitag nach der Fronleichnamsoktav, und da gewiss auch gleichzeitig Margareta ihre Hingabe erneuerte, war dies das erste, freilich in noch geheimnisvoller Stille begangene Herz-Jesu-Fest. Was kostete es aber noch an Verdemütigungen für die Jüngerin der Liebe, wieviel stille und umsichtige Mitarbeit ihres opfervollen Beraters, der seine hohe Aufgabe nie mehr aus den Augen ließ, bis die Eroberungen des liebenden Gottesherzens weitere Kreise zogen!

 

Noch schien Colombières vertraute Mission nicht vollendet, da setzte ihn die Vorsehung auf eine nicht minder verantwortungsvolle Stelle. Im Herbst 1676 beriefen ihn seine Oberen zum Hofprediger der Herzogin von York nach London. Diese fromme Fürstin, eine Herzogin von Modena, hätte den Schleier der Krone vorgezogen und ging nur auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes nach dem gefährlichen England, um dort die Beschützerin der Katholiken zu werden. Jedermann ahnte damals, dass ein Sturm gegen die Katholiken in England unmittelbar bevorstehe. Trotzdem nahm Pater Colombière sofort seine gefahrvolle Wirksamkeit im Palast des heiligen Jakob, der zum Mittelpunkt und Asyl des katholischen Glaubens wurde, auf, vielleicht von der Hoffnung angelockt, die Märtyrerpalme erringen zu können.

 

Das Leben am Hof war für den Geistesmann nichts weniger als ein Hof- und Weltleben, es war eher ein Bußleben, eine Schule der strengsten Abtötung bei den vielerlei Gelegenheiten hierzu in solcher Stellung. Liebte er doch und erkannte er gar wohl den Wert der Abtötung für einen echten Jünger Jesu. Die nach englischer Art gekochten Speisen verursachten ihm Unwohlsein. Nur mit Widerwillen konnte er sie genießen. Trotzdem ließ er sie sich nicht anders zubereiten. Der ungewohnte, kalte Winter setzte ihm sehr zu, und dennoch ließ er sich das Zimmer nicht heizen und unterbrach keinen Tag seine gewohnten Bußwerke. Inmitten aller äußeren Zerstreuungen war er gesammelt und mit Gott im Gebet und steten Gedenken vereint. Man nannte ihn im Palast einfach den „Heiligen“. Seinem unermüdlichen Seeleneifer gelang es, viele Katholiken zu einem besseren Leben zu bekehren, eine große Zahl Abgefallener wieder zurückzuführen und Irrgläubige in die Kirche aufzunehmen. Eben diese rühmenswerte Tätigkeit, wie auch seine Vertrautheit mit dem ehrwürdigen Colemann, dem Sekretär der Herzogin von York, der als erstes Opfer der Verfolgung am 3. Dezember 1678 das Blutgerüst besteigen musste, waren die Veranlassung, die auch ihn, den Prediger der Herz-Jesu-Andacht, die er in England zum ersten Mal in begeisterter Rede verkündete, vor die englischen Gerichte brachte. Zwar kannte der „Entdecker“ der Verschwörung Titus Oates den heiligen Claudius de la Colombière nicht, aber ein anderer Verräter fand sich, ein junger Franzose, den der Pater unterstützte, den er aber dann ob seiner schlechten Aufführung fallen lassen musste. Dafür wollte der Ehrlose sich rächen, indem er die erfolgreiche Wirksamkeit des würdigen Hofpredigers, besonders unter den Protestanten, als Verbrechen zur Anzeige brachte. Pater de la Colombière wurde verhaftet. Um 2 Uhr Mitternacht drang man in sein Zimmer im St.-James-Palast und brachte ihn ins Gefängnis. Die Rücksicht auf den französischen König ließen offenbar von einem eigentlichen Gerichtsverfahren und dem Todesurteil gegen den Häftling, der ja Franzose war, absehen. Stattdessen hatte er aber fast drei Wochen die Qual eines englischen Gefängnisses damaliger Zeit zu ertragen. Das strenge Leben und das ungewohnte raue Klima hatten ihm ein schweres Brustleiden mit wiederholtem Blutsturz gebracht. Die verpestete Gefängnisluft versetzte den Kranken vollends in Lebensgefahr, so dass er, als die Strafe der Verbannung gegen ihn ausgesprochen wurde, unfähig zur Reise war. Erst nach zehn Tagen verließ er England, wo er sich die Märtyrerpalme erhofft hatte, die bald so viele seiner Mitbrüder schmücken sollte. Bei Gott wird der Wille für die Tat angenommen worden sein, wie ihn denn die heilige Margareta Alacoque „einen glorreichen Märtyrer durch sein Verlangen nach dem Märtyrium“ nennt. Auch scheint das Kerkerleiden sein Brustübel unheilbar gemacht und ihm so Gelegenheit zu fortwährendem Leiden gegeben zu haben.

 

Ins Vaterland als Schwerkranker zurückgekehrt, sah der heilige Diener Gottes sein geliebtes Paray le Monial wieder und erschien abermals der Jüngerin des heiligsten Herzens als willkommener Helfer. Denn durch Zurücksetzungen von vielen Seiten und durch harte Prüfungen seitens einer neuen Oberin, die sich den Ausnahmeübungen der Heiligen scharf entgegenstellte und sich lange nicht von der Bedeutung und Echtheit der geheimnisvollen Vorgänge in ihr überzeugen konnte, hatte Margareta Bitteres zu leiden. Aber der kundige Meister der Seelen konnte nur sein früheres Urteil befestigen, dass Margareta Maria voll außerordentlicher Demut und Fügsamkeit, voll Liebe zum Kreuz und zum Nächsten war, dem sichersten Zeichen echter Tugend.

 

Allmählich hinsiechend und sich opfernd, dem Herzen Jesu Liebe und Sühne zu verschaffen, starb Pater Colombière am 15. Februar 1682 in Paray gleich einem Heiligen. War er nun der erste Vertreter der geliebten Sache im Himmel, so war sein Wort und Einfluss auch für die Erde noch nicht verstummt. Nach zwei Jahren wurden Colombières Schriften herausgegeben, in denen die Offenbarungen des Herzens nicht die letzte Stelle einnahmen, wenn auch die noch lebende Margareta Maria Alacoque nicht geradezu genannt wurde. Der Eindruck der Veröffentlichung besonders in Paray war ein tiefer. Die Herz-Jesu-Verehrung begann nun öffentlich ihren Lauf, wenn auch die Widerstände in- und außerhalb des Klosters anhielten.

 

Claudius de la Colombière wurde 1929 seliggesprochen und 1992 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.

 

„O wie süß ist es zu sterben, wenn man voll treuer Andacht zum Herzen desjenigen war, der uns richten soll.“ Marg. M. Alacoque

 

16. Februar

 

Die heilige Juliana, Jungfrau und Martyrin von Nikomedia,

+ 16.2.304 - Fest: 16. Februar

 

Juliana war zu Nikomedien in Bithynien geboren. Ihr Vater Afrikanus war ein Heide , ihre Mutter aber weder der heidnischen noch einer anderen Religion zugetan. Die Tochter, ein Mädchen mit ausgezeichneten Gaben des Verstandes und des Herzens, überzeugte sich von der Torheit der heidnischen Götterlehre, besuchte zuerst heimlich die Versammlungen der Christen, und bekannte sich bald darauf öffentlich zur Religion des Gekreuzigten. Als sie erst neun Jahre alt war, wurde sie von ihrem Vater einem vornehmen jungen Mann, Eleusius mit Namen, zur Ehe versprochen. Als sie das achtzehnte Jahr erreicht hatte, sollte die eheliche Verbindung vollzogen werden. Allein Juliana gab ihre Einwilligung dazu nur unter der Bedingung, dass Eleusius, der indessen Stadtvogt geworden war, ebenfalls das Christentum annehme. Dazu wollte er sich aber nicht entschließen.

 

Der Vater versuchte zuerst durch zärtliche Worte und durch schmeichelhaftes Zureden seine Tochter zu bereden, und dann, als er seine Bemühungen fruchtlos sah, durch harte Behandlung und Schläge sie zu zwingen, dass sie die eheliche Verbindung eingehe. Juliana aber blieb standhaft bei ihrem Entschluss.

 

Auch Eleusius wollte sie durch Beweise verführerischer Zärtlichkeit und durch glänzende Versprechungen doch noch für sich gewinnen. Allein sie blieb unerschüttert und wiederholte immer nur die Bedingung, dass sie ihn ehelichen werde, wenn er zum christlichen Glauben sich bekenne. Eleusius fing schließlich an zu drohen. Und als Juliana auch davon unbeeindruckt blieb, sollten seine Drohungen Wirklichkeit werden. Er ließ sie entkleiden, auf den Boden werfen und mit Ruten sehr grausam schlagen. Dann ließ er sie, weil sie im Bekenntnis Jesu des Gekreuzigten standhaft blieb, an den Haaren aufhängen. Durch sechs volle Stunden schwebte sie in so qualvoller Marter zwischen Himmel und Erde. Sie flehte zu Jesus Christus um Stärke und blieb so unerschütterlich im Glauben. Darüber geriet Eleusius in die höchste Erbitterung. Er ließ sie herunternehmen, wieder auf den Boden werfen und mit angezündeten Stoppeln und kleinen Reisern ihren Körper überschütten. Endlich wurden glühende Eisen durch ihre Schenkel gestochen und danach die unerschütterte Dulderin ins Gefängnis geführt. Voll Inbrunst flehte sie da zu Gott um Hilfe. Ihr Flehen wurde erhört. Sie erlangte freudigen Trost für ihren Geist und große Linderung für ihren schmerzlich misshandelten Körper.

 

In dem Gefängnis wurde Juliana von dem bösen Geist, der selbst den göttlichen Heiland auf die Probe zu stellen sich erlaubte, in eine sehr schwere und gefahrvolle Versuchung geführt. Aber auch aus diesem Kampf ging sie als siegreiche Heldin hervor.

 

Nach einiger Zeit wurde sie wieder dem Eleusius vorgestellt. Er hatte gehofft, dass die Schrecken des Gefängnisses ihren Sinn ändern werden, und war daher nicht wenig betroffen, als er sie mit erneuertem Mut vor sich stehen sah. Fruchtlos blieben auch diesmal sein Zureden und seine Drohungen. Er schritt deswegen wieder zu den Martern, die er auf die schrecklichste Weise an ihr vollziehen ließ. Sie wurde auf ein Rad, das mit Eisenspitzen versehen war, gebunden, über einem Feuer herumgewälzt, und danach mit geschmolzenem Blei gequält. Gottes wunderbare Macht zeigte sich herrlich an der Schwachen. Juliana überstand diese fürchterlichen Martern, blieb bei dem Bekenntnis des Glaubens und in der Lobpreisung Gottes. Endlich wurde sie enthauptet zusammen mit mehreren anderen Christen, die durch die unerschütterliche Standhaftigkeit Julianas und durch den wundervollen Beistand Gottes, den sie bekannte, zu Jesus Christus sich bekehrt hatten.

 

Der Martertod der heiligen Juliana fällt in die Zeit des Kaisers Maximin Daja, zwischen den Jahren 304 und 311.

 

Der heilige Onesimus,

Sklave, Apostelschüler, Bischof von Ephesus und Martyrer,

+ 16.2.95-110 – Fest: 16. Februar

 

Onesimus war ein Knecht des Philemon, der unter den Kolossern wohnte, und als er aus diesem Dienst getreten war, begab er sich nach Rom, wo gerade der heilige Paulus im Gefängnis schmachtete. Er bediente Paulus, der ihn auch zum Christentum bekehrte. Nach einiger Zeit schickte ihn der Apostel wieder an Philemon und erteilte ihm in einem Brief folgendes Lob: „Ich, Paulus, ein alter Mann, der jetzt für Christus Jesus im Kerker liegt, ich bitte dich für mein Kind Onesimus, dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin. Früher konntest du ihn zu nichts gebrauchen, doch jetzt ist er dir und mir recht nützlich. Ich schicke ihn zu dir zurück, ihn, das bedeutet mein eigenes Herz. Ich würde ihn gern bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle dient, solange ich um des Evangeliums willen im Gefängnis bin. Aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun. Deine gute Tat soll nicht erzwungen, sondern freiwillig sei. Denn vielleicht wurde er nur deshalb eine Weile von dir getrennt, damit du ihn für ewig zurückerhältst, nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr: als geliebten Bruder. Das ist er jedenfalls für mich, um wieviel mehr dann für dich, als Mensch und auch vor dem Herrn. Wenn du dich mir verbunden fühlst, dann nimm ihn also auf wie mich selbst! Wenn er dich aber geschädigt hat oder dir etwas schuldet, setz das auf meine Rechnung! Ich, Paulus, schreibe mit eigener Hand: Ich werde es bezahlen – um nicht davon zu reden, dass du dich selbst mir schuldest. Ja, Bruder, um des Herrn willen möchte ich von dir einen Nutzen haben. Erfreue mein Herz; wir gehören beide zu Christus. Ich schreibe dir im Vertrauen auf deinen Gehorsam und weiß, dass du noch mehr tun wirst, als ich gesagt habe.“ (Phlm 9b-21) So schrieb der heilige Paulus an seinen Freund Philemon, der dem Onesimus sogleich die Freiheit gab und ihn wieder an den Apostel zurücksandte.

 

Onesimus verdiente auch das Lob, das ihm sein Lehrer erteilte. Mit kindlicher Liebe hing er an dem großen Apostel und teilte alle Leiden und Verfolgungen mit ihm. Nicht Armut, nicht Verfolgungen der Feinde Jesu konnten seinen Eifer schwächen. Er hielt aus in Trübsal und Jammer als ein apostolischer Jünger und wurde für würdig gehalten, der Nachfolger des heiligen Timotheus auf dem bischöflichen Stuhl zu Ephesus zu werden. Unerschrocken predigte er vor Juden und Heiden Jesus den Gekreuzigten, bis ihn schließlich der Statthalter in Asien ergreifen und als Gefangenen nach Rom führen ließ, wo er unmenschlich misshandelt wurde und 18 Tage lang in einem unterirdischen Gefängnis schmachtete. Da er aber in allen diesen Leiden unerschütterlich blieb, wurden ihm alle Glieder zerschlagen und frohlockend gab er seinen Geist auf, indem ihn die Heiden todsteinigten am 16. Februar im Jahr 95 oder 110.

 

Die heiligen Elias, Jeremias, Isaias, Samuel und Daniel,

Martyrer von Cäsarea, Palästina,

+ 16.2.309 – Fest: 16. Februar

 

Elias, Jeremias, Isaias, Samuel und Daniel wurden in Ägypten von heidnischen Eltern geboren und als sie sich zum christlichen Glauben bekehrten, legten sie sich die Namen der Propheten bei und dienten den Christen in Cilicien, die in die Bergwerke verdammt waren. Nach einiger Zeit kehrten sie nach Cäsarea in Palästina zurück, wo sie mehrere Götzendiener zum Christentum führten und unter der Regierung des Kaisers Galerius Maximian von dem Statthalter Firmilianus gefangen genommen wurden. Nachdem sie längere Zeit Hunger, Not und alle Mühseligkeiten im Kerker standhaft erduldet hatten, wurden sie vor ein öffentliches Gericht geführt, wo sie sich unerschrocken als Christen bekannten und durch keine Versprechungen noch Drohungen zum Abfall gebracht werden konnten. „Wir sind Jünger von Jesus dem Gekreuzigten“, antworteten sie einmütig, „und sind als solche zu allen Martern bereitet; denn der Knecht ist nicht besser als sein Herr, der sein Blut am Kreuz vergossen hat!“ Der Statthalter ließ sie unmenschlich foltern und während dieser Qualen verkündeten die Martyrer das Lob Gottes, sangen Psalmen und halbtot wurden sie auf den Richtplatz geschleppt und enthauptet am 16. Februar des Jahres 309. Porphyrius, ein christlicher Diener des heiligen Pamphilus, ging beherzt zum Statthalter und verlangte die Leichname der heiligen Martyrer, um sie der Entehrung zu entreißen und nach christlicher Sitte zu beerdigen. Mit ihm vereinigte sich Seleucus, ein christlicher Soldat aus Cappadocien gebürtig. Er sammelte das Blut der Heiligen, küsste ihre Leichname und bedeckte sie mit seinem Mantel. Aber beide wurden dadurch als Christen erkannt, zur Marter verurteilt und der eine durch das Schwert, der andere mit Feuer getötet. Ihre Leiber lagen lange unversehrt auf der Richtstätte, bis sie fromme Gläubige in der Stille begruben.

 

Der ehrwürdige Dominikus von Jesus Maria, Karmelitenordens-General,

+ 16.2.1630 – Gedenktag: 16. Februar

 

Es war im Jahr 1620. Das altehrwürdige deutsche Kaiserreich schien im entfesselten Sturm politischer und religiöser Leidenschaften in Trümmer zu gehen. Für das österreichische erzherzogliche Haus war wohl eine der schwierigsten Lagen gekommen. Ferdinand II. hatte eben die Krone des Reiches erlangt, da erhob in fast allen Erbländern die Rebellion kühn ihr Haupt. Das aufständische Böhmen ging am weitesten und bot seine Krone einem fremden Fürsten an, dem kalvinischen Friedrich von der Pfalz. In dieser gefahrvollen Lage erbat sich der Kaiser die Hilfe der Liga, jenes katholischen Fürstenbundes, dessen Führer, der treffliche Herzog Maximilian I. von Bayern, so erfolgreich die katholische Sache verteidigte. Dieser zog mit seinem Heer nach Oberösterreich, das eben in hellem Aufruhr stand. „In Schärding“, so schreibt der protestantische Geschichtsschreiber O. Klopp, „stieß noch eine Verstärkung zu seinem Heer. Es war ein einzelner Mann, aber eine moralische Kraft von höchster Bedeutung, Pater Dominikus a Jesu Maria, Ordensgeneral der Barfüßer-Karmeliter. Er brachte mit sich volles Vertrauen auf das Gelingen.“

 

Dieser von Gott gesandte Retter des Reiches, den wir unter die Heiligen Österreichs zählen dürfen, hatte seine Wiege fern im Süden, im schönen Spanien. In Calatayud, in der Provinz Aragonien, war Dominikus Ruzzola am 16. Mai 1559 geboren. Sein Leben lässt tiefe Einblicke tun in das geheimnisvolle Gebiet der übernatürlichen Wege Gottes. Schon die Tage der zarten Kindheit waren von wunderbaren Ereignissen und geheimnisvollen Erscheinungen umwoben. Der Knabe, den man in der Schule scherzweise den „kleinen Seneca“, den Weisen, nannte, liebte vor allem das Gebet und hatte eine innige Andacht zur lieben Mutter Gottes. Mit dem heiligen Schutzengel verkehrte er wie mit einem vertrauten Freund. Kaum recht den Knabenjahren entwachsen, fühlte er sich schon zum Orden der Karmeliten mächtig hingezogen. Da hörte er einmal, vor dem Bild des Gekreuzigten kniend, den Heiland ihn anreden: „Steh auf, Dominikus, fürchte dich nicht! Du sollst mir in dem Orden meiner Mutter dienen!“ In Saragossa begann er das Noviziat. Mit der Vermehrung der geistlichen Übungen und der dadurch sich steigernden Gottesliebe nahmen auch die mystischen Zustände in seinem Leben, besonders Verzückungen und Gesichte an Dauer und Stärke zu. So streng war sein Leben, dass er nachts nur zwei Stunden zu schlafen pflegte, die übrige Zeit brachte er betend vor dem Allerheiligsten zu. Wem Gott besondere Gnadenauszeichnungen verleiht, den lässt er auch zur Erhaltung in der Demut durch die Flut der Leiden und Prüfungen gehen. Dominikus hatte sie reichlich zu kosten. Quälende Geistesdürre und Trockenheit suchten ihn heim. Der böse Feind tat das Mögliche, um den begnadeten Streiter Christi vom rechten Weg abzubringen. Professe (1575) und Priester (1584) geworden, galt er bald allgemein als vorbildlicher Ordensmann und vollendeter Heiliger. In seinem Verlangen nach größtmöglicher Vollkommenheit ging er im Alter von dreißig Jahren zu den unbeschuhten Karmeliten über, die von der heiligen Theresia und dem heiligen Johannes vom Kreuz zur ursprünglichen Strenge des Ordens zurückgeführt worden waren. Er weilte in den Häusern zu Madrid, Alcala, Barcelona, Toledo u.a., wo er durch seine andauernden mystischen Zustände Erstaunen, Erbauung und Bewunderung, nicht weniger aber auch Bedenken und Anfeindungen erregte. Der Ordensgeneral unterwarf daher den Gewissenszustand des außergewöhnlichen Ordensmannes einer genauen Prüfung, wozu er ihm streng auftrug alle besonderen Ereignisse seines Lebens, seine heroischen Tugendakte, Offenbarungen und Wunder aufzuzeichnen. Der Ausgang dieser und anderer Prüfungen war der, dass der ehrwürdige Dominikus von Jesus Maria im allgemeinen Ansehen nur noch höher stieg. In der Tat steht er „in Bezug auf Dauer und Heftigkeit der Ekstasen fast einzig in der Geschichte der Heiligen da.“

 

Größer und wenigstens bekannter wurde der Ruhm des für Gottes Ehre begeisterten Karmelitermönches durch sein entscheidendes Eingreifen in die Wechselgeschichte des furchtbaren Dreißigjährigen Krieges auf offener Walstatt. Papst Klemens VIII. wollte die Unbeschuhten Karmeliten für die Mission in Persien gewinnen. Unter den hierzu zur Stärkung der italienischen Provinz nach Rom berufenen, bewährten Ordensmitgliedern befand sich auch Dominikus, der hier vom Amt eines Novizenmeisters, Generaldefinitors und Priors 1617 zur höchsten Würde des Generalates aufstieg. Ein eigenartiges Missionsfeld jedoch, ein nicht minder wichtiges, hatte die Vorsehung für ihn vorbereitet. Der Ruf des heiligmäßigen Ordensmannes war auch nach Deutschland gedrungen. Herzog Maximilian von Bayern war 1613 mit Dominikus in brieflichen Verkehr getreten und erbat nun, 1620, seine persönliche Mitwirkung an den öffentlichen Bedrängnissen der deutschen Länder. Kaiser Ferdinand unterstützte die Bitten des Herzogs. Der schon sechzigjährige Ordensmann antwortete dem Papst Paul V., der ihm die Gefahren eines Feldzugs nicht zuzumuten wagte: „Heiligster Vater, Eure Heiligkeit werden erkennen, ob es zum Dienst der heiligen Kirche und zum Wohl der katholischen Völker gereicht, wenn Sie mich zur katholischen Armee nach Deutschland senden. Meine Person kommt dabei gar nicht in Betracht. Mir wird es keine Bürde, sondern der größte Trost sein, wenn ich mit meinem Leib und Leben der heiligen Kirche dienen und Eurer Heiligkeit Befehl gehorsam vollziehen kann.“ Während des ganzen böhmischen Feldzuges war Dominikus Begleiter und guter Berater des Heerführers der katholischen Bundesarmee. Einen längeren Aufenthalt in Linz nützte er für die seelsorgliche Tätigkeit im Heer aus, dessen Großteil aus seiner Hand die heiligen Sakramente und das Karmelitenskapulier erhielt. Maximilian und der wackere Führer Tilly gingen mit leuchtendem Beispiel voran. Auf Grund einer Vision, die Dominikus am Fest Mariä Himmelfahrt in Linz hatte, sagte er dem Herzog zum wiederholten Mal den Sieg auf das bestimmteste voraus. Indessen hatte die Armee in Niederösterreich in einem durch beständige Kriege vielfach verwüsteten und verödeten Marschgebiet empfindlichen Mangel an Lebensmitteln zu leiden. Ein bösartiges Fieber richtete in den Truppenbeständen bedenkliche Verheerungen an. Da zeigten sich die Tugenden, der Seeleneifer und Opfermut des gottseligen Feldpaters und geistlichen Führers in glänzendem Licht. Um das Elend der Soldaten zu lindern, nahm er jedes Opfer auf sich. Er sorgte für Nahrungsmittel und Arzneien, besuchte und tröstete die Kranken und ermutigte durch Wort und eigenes Beispiel die verzweifelten Soldaten. Endlich kam man nach Prag, wo die Böhmen auf den Höhen des Weißen Berges eine sehr günstige und gesicherte Stellung bezogen hatten. Die Truppen des katholischen Bundes waren müde. Wie sollte man mit ihnen einen Angriff wagen können? Im Kriegsrat waren die Meinungen geteilt. Uneinigkeit war zu fürchten in einem Augenblick, wo alles auf geschlossenste Einheit ankam. Da trat Dominikus zu den Beratenden. Mit unwiderstehlicher Überzeugungskraft sprach er zu den Kriegsherren und munterte sie zum Vertrauen auf Gott und die gerechte Sache auf. „Morgen muss die Schlacht geschlagen werden und die katholische Armee wird den Sieg erringen“, sprach er. Der ganze Kriegsrat entschied für den Kampf. Als Parole wurde „Maria“ ausgegeben, und das Salve Regina vor der Schlacht gesungen. Dominikus, unter Tillys Scharen, begeisterte die Soldaten, als Panier ein Muttergottesbild hochhaltend, das er bei der Belagerung von Pilsen unter den Trümmern des Schlosses Strakonitz gefunden hatte, und dem von den Irrgläubigen die Augen ausgestochen waren. Die Entscheidung schwankte anfangs. Als schon der rechte Flügel zu weichen begann, flehte der Diener Gottes unter Tränen zum Lenker der Schlachten um Hilfe. Da kam plötzlich ein panischer Schrecken über die Böhmen, die sechstausend Ungarn begannen zu fliehen, die Mähren und Schlesier, die standhielten, wurden niedergemacht. Der Sieg des katholischen Heeres war ein glänzender und vollständiger; seine Tragweite unübersehbar. Der 8. November 1620 ist der denkwürdige Tag. Unter das Mutter-Gottes-Bild, mit dem der vertrauensvolle Feldpater sich bewaffnet und die Seinen geschützt hatte, ließ Kurfürst Maximilian die Inschrift setzen: Clypeus est sperantibus in se – Denen, die auf sie hoffen, ist Maria ein Schild.

 

Dominikus wurde bei seinem Besuch in München und Wien vom Volk festlich empfangen und als „Sieger vom Weißen Berg“ gefeiert. Der Kaiser beriet sich mit ihm in eigenen Gewissensangelegenheiten und zog ihn bei Fragen der Kirchenpolitik im Privatrat bei. Im Auftrag des Papstes musste Dominikus dann in Lothringen als Friedensvermittler zwischen den Herzögen und als päpstlicher Bevollmächtigter am französischen Hof tätig sein. Wieder nach Rom zurückgekehrt, bemühte er sich, das Missionswerk der Karmeliten in Indien und Persien auf jede Weise zu fördern und nahm auch hervorragenden Anteil an der Gründung der Propaganda, dem so überaus segensreichen Weltinstitut für Glaubensverbreitung, 1622.

 

Auf wiederholte Bitten des Kaisers Ferdinand, obwohl geschwächt durch vorausgehende längere Krankheit, reiste Pater Dominikus 1629 nochmals nach Wien, wo er in der königlichen Hofburg Wohnung nehmen musste, damit der Kaiser sich dauernd seines Umgangs erfreuen konnte. Im Streit um die Erbfolge im Herzogtum Mantua zwischen Österreich und Spanien vermochte er den Frieden zu vermitteln. Am Weihnachtstag wurde der ganze Hof Zeuge einer der Ekstasen des so mystisch begnadeten Mannes. Während er über das Geheimnis der Kindheit Jesu sprach, geriet er in Verzückung, erhob sich von seinem Sitz und schwebte ganz frei, seiner Sinne benommen. Weder durch Anruf noch Anrühren konnte er zu sich gebracht werden. Man ließ seinen Beichtvater rufen. Es bedurfte von dessen Seite nur eines leisen Anrufes und der Ehrwürdige kam wieder zu sich, und zwar sofort und wie im Augenblick. Anwesend und somit Augenzeugen des wunderbaren Vorfalls waren auch der Kaiser Ferdinand und seine Gemahlin Eleonora, Ferdinand, König von Ungarn, Erzherzog Leopold Wilhelm und mehrere Prinzessinnen.

 

Die Kränklichkeit des ehrwürdigen Dominikus nahm in Wien wieder zu. Anfang 1630 war sein Ableben zu befürchten. „Mein Testament ist schon gemacht,“ sprach er, „meinen Leib lasse ich den Wölfen, meine Seele habe ich allezeit in die barmherzigen Hände meines Schöpfers gelegt und ihm übergebe ich sie auch jetzt.“ Am 16. Februar schloss er seine Augen für diese Zeitlichkeit, nachdem er sie beim Verrichten der Sterbegebete nochmals geöffnet und mit ungemein lieblichem Ausdruck auf den Anwesenden, namentlich dem Kaiserpaar, hatte ruhen lassen – der Sprache war er schon seit sieben Tagen beraubt. Sogleich galt sein Grab als das eines Heiligen, und verschiedene Gebetserhörungen verstärkten diese Meinung. Die Überreste, die ursprünglich in der Karmelitenkirche ruhten, wurden erst 1903 in die neue Kirche des Ordens nach Döbling übertragen.

 

Der Seligsprechungsprozess des Paters Dominikus wurde schon öfter in Angriff genommen, aber immer wieder unterbrochen, nicht aber aufgegeben. Auch ein großes aszetisches Werk über den „Weg der Reinigung, Erleuchtung und Vereinigung“ ist uns von ihm überliefert.

 

Die Haupttugend des Gottesmannes war sein felsenfestes, auf dem Glauben begründetes Gottvertrauen. Mit fast unwiderstehlicher Gewalt wusste er dies auch anderen einzuflößen, und darin lag das Geheimnis seines Erfolgs. Das Gottvertrauen sollte auch uns in den großen Nöten unseres Vaterlandes die Kraft sein, die alles überwindet.

 

17. Februar

 

Der heilige Polychronius, Bischof und Martyrer von Babylon,

+ 17.2.251 – Fest: 17. Februar

 

Der grausame Kaiser Decius hatte im Jahr 251 die Perser besiegt und erregte nun auch in diesem Land eine heftige Verfolgung gegen die Christen. Er gab die strengsten Befehle, überall die Gläubigen aufzusuchen, sie nicht nur allein ihrer Güter zu berauben, sondern sie auch zu töten oder als Sklaven zu verkaufen. Mit unerschütterlicher Wut behandelte er besonders die gefangenen Mönche und Priester, unter denen sich auch der heilige Polychronius befand. Er war Bischof in Babylon und erfüllt mit dem Heiligen Geist, ein Muster aller Tugenden, die der Apostel Paulus von einem Seelenhirten fordert. Mit Liebe und christlicher Wachsamkeit regierte er seine Gemeinde und bekräftigte sie durch Lehre und Beispiel. Durch seinen Eifer in Verkündigung des Evangeliums und noch mehr durch das anziehende Beispiel seines heiligen Lebens hatte er viele Ungläubige zur Erkenntnis des wahren Gottes geführt, und die Christengemeinde zu Babylon befand sich, umlagert von Feinden und Verfolgern, in einem blühenden Zustand. Aber der Hirt wurde geschlagen und die Herde zerstreute sich. Polychronius wurde als ein Gefangener vor Gericht geschleppt und aufgefordert, den Göttern zu opfern. Der Heilige antwortete auf diesen Antrag kein Wort, sondern erhob seinen Blick zum Himmel empor. Aber Parmenius, sein Diakon, nahm das Wort und erklärte dem heidnischen Richter, dass ein christlicher Priester nur dem allein wahren Gott opfere und nicht Götzenbildern, die zum Andenken schändlicher und lasterhafter Menschen aus Holz und Steinen errichtet wurden. Von Zorn und Wut entflammt über diese Rede, befahl der Richter, dem Diakon die Zunge herauszureißen, und weil ihm während dieser Marter der heilige Polychronius Mut zusprach, ließ er diesen solange mit Steinen auf das Haupt schlagen, bis er den Geist aufgab.

 

Der heilige Silvinus, Missionsbischof in Belgien und Frankreich,

+ 17.2.718 – Fest: 17. Februar

 

Der heilige Silvinus wurde aus einem hohen Geschlecht zu Toulouse geboren, in der Gottesfurcht erzogen und in allen Wissenschaften unterrichtet. Seine Eltern, die von einigen Schriftstellern für den Pipin und die Plektrudis gehalten werden, versuchten ihn zu einer ansehnlichen Heirat zu bereden, wodurch er sich den Weg zu den höchsten Würden und Ehrenstellen bahnen konnte. Aber der heilige Jüngling, der sich seinem Jesus von zarter Kindheit an geweiht hatte, verließ Reichtümer, Ansehen und das väterliche Haus und begab sich nach Terouanne, wo er ein einsames und karges Leben führte und schließlich vervollkommnet in jeder Tugend, die Einsamkeit verließ und unzählige Heiden zum Christentum bekehrte. Er besuchte mit großer Andacht Jerusalem und alle heiligen Orte, die Jesus durch seine Geburt, durch sein Leben und Leiden berühmt machte, und wurde nach seiner Rückkehr zum Bischof von Terouanne gewählt. Vorbereitet durch strenges Fasten und ununterbrochenes Gebet, trat er mit größter Demut das heilige Amt an und widmete sich mit Ausschließung aller Sorge für das Zeitliche dem Seelenheil seiner ihm anvertrauten Herde. Mit Begeisterung predigte er das heilige Evangelium, besuchte die Kranken auf ihren Schmerzenslagern und tröstete die Gefangenen. Er erbaute Kirchen und Armenhäuser und wirkte in der Heilung von Geburt unglücklicher Menschen viele Wunder. Er selbst lebte so arm, dass er nur ein einziges raues Kleid besaß, stets auf bloßer Erde schlief und vierzig Jahre lang nie eine andere Nahrung genoss, als Wurzeln und Kräuter. Ungeachtet dieser strengen Lebensweise hatte er gegen schwere Versuchungen zu kämpfen, die er gewöhnlich dadurch besiegte, dass er seinen Körper bis auf das Blut geißelte, oder dass er schwere Steine und andere Lasten meilenweit trug. Auf seinem Krankenbett litt er mit unsagbarer Geduld die langwierigsten Schmerzen und entschlief schließlich unter Weinen und Beten am 17. Februar im Jahre 718.

 

Der heilige Evermod, 1. Bischof von Ratzeburg, Prämonstratenser,

+ 17.2.1178 – Fest: 17. Februar

 

Der heilige Evermod stammte aus Belgien. Er schloss sich 1120 dem heiligen Norbert an, als der in Cambrai predigte, und wurde sein Lieblingsschüler. Zu Prémontré in den Orden aufgenommen, begleitete er den heiligen Norbert nach Antwerpen zur Bekämpfung der Tanchelinischen Irrlehre und folgte ihm auch nach Magdeburg. Dort wurde er Propst des Marienstiftes und unterstützte den heiligen Norbert bei seinen apostolischen Arbeiten und Reformen. Auch in der letzten Krankheit wich er nicht von ihm und stand ihm bei bis zum Tod. Eine Zeitlang war Evermod auch Propst des Stiftes Gottesgnaden. Voll Eifer für Predigt und Seelsorge wurde er erster Bischof von Ratzeburg, wo er mit zwölf Prämonstratensern in das neugegründete Domstift einzog. Am 13. Juli 1154 wurde er zum Bischof geweiht und erhielt vom Herzog Heinrich dem Löwen die Investitur. Sein Bischofssitz war auf dem Georgsberg bei Ratzeburg. Er erscheint auf zwei Urkunden (18. Oktober 1163 und 9. September 1171) als Zeuge. Als Bischof Vicelin zu Faldera starb (12. Dezember 1154), hielt Evermod die Leichenfeier. Im Jahr 1172 weihte er mit dem Bischöfen Walo von Havelberg und Berno von Schwerin in Gegenwart des Herzogs am St. Johannistag den Bischof Heinrich von Lübeck.

 

Das strenge apostolische Leben des heiligen Evermod und seiner Ordensbrüder bewirkte, dass das halsstarrige heidnische Volk, das so oft zuvor die Bemühungen der christlichen Missionare mit blutiger Hand zunichte gemacht hatte, sich unter das christliche Gesetz beugte. Er soll auch mit Herzog Heinrich ins heilige Land gezogen sein und von dort Reliquien für die Domkirche in Ratzeburg mitgebracht haben. Durch sein eifriges Wirken vermehrten sich die Kirchen im Land der Polabeni. Evermod führte ein gottseliges Leben bis zu seinem Ende. Auch Wunder werden von ihm erzählt. Einst hatte Graf Heinrich von Ratzeburg zwei vornehme Friesen in Gefangenschaft. Da er sie auf tyrannische Weise quälte, hatte Evermod Mitleid mit ihnen und bat den Grafen, er solle sie frei lassen. Aber die Bitten waren vergebens. Unterdessen kam Ostern heran und die gefangenen Friesen wohnten dem Gottesdienst bei, jedoch in Fesseln und von Wächtern begleitet. Als nun der Bischof die Gemeinde mit Weihwasser besprengte, benetzte er mitleidsvoll die Fesseln der Gefangenen, indem er die Worte sprach: Der Herr richtet die Gebeugten auf, der Herr löst die Gebundenen. Und alsbald zersprangen die Fesseln mit großen Geräusch und die Befreiten priesen Gott. Ein anderes Mal war Evermod mit Erzbischof Hartwig von Hamburg in Diethmarsen bei einer Besprechung. Evermod feierte die Messe in Gegenwart des Erzbischofs. Zur selben Zeit verübte ein Einwohner einen Totschlag an einem Vornehmen. Als dies der Bischof Evermod erfuhr, versuchte er Versöhnung zu stiften, und zwar wie es damals Sitte war, bei der Messe und bat den, dessen Verwandter getötet worden war, flehentlich, er solle seinem Nächsten vergeben, indem er sich auf die Worte des Vaterunser berief: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Da jedoch der Mann nicht darauf achtete, schritt der Bischof von seinem Sitz herab und warf sich, die Reliquien in den Händen haltend, zu seinen Füßen. Da aber jener mit schrecklichen Eiden bei Gott, der seligsten Jungfrau und den Heiligen schwur, er werde nie verzeihen, gab der Bischof dem Widerspenstigen einen mächtigen Schlag auf die Wange. Da gewährte jener sogleich mit erhobenen Armen das Verlangen des Bischofs und versöhnte sich mit seinem Nächsten. Evermod starb am 17. Februar 1178 und wurde in der Domkirche zu Ratzeburg begraben.

 

Ein Mensch bewahrt Zorn gegen den anderen und von Gott verlangt er Heilung? Nichts fällt der Natur schwerer als zu verzeihen und die zu lieben, die uns Böses getan haben. Aber gedenke der Furcht Gottes und vergib dem Nächsten, dann wird auch dir vergeben werden.

 

18. Februar

 

Der heilige Simeon, Bischof und Martyrer von Jerusalem,

+ 18.2.106 - Fest: 18. Februar

 

Der heilige Simeon, dessen wir heute gedenken, war ein Cousin des lieben Heilandes, und überdies war er der Bruder der heiligen Apostel Jakobus des Jüngeren und Simon Thaddäus.

 

Simeon soll nach der Legende sieben oder acht Jahre älter gewesen sein als Jesus. Er gehörte zu den zweiundsiebzig Jüngern, die der Heiland auswählte und aussandte, und als der Apostel Jakobus der Ältere und nach ihm der Apostel Jakobus der Jüngere, die zwei ersten Bischöfe von Jerusalem, den Martertod erlitten hatten, wurde Simeon mit fast achtzig Jahren ihr Nachfolger.

 

In die Zeit seiner bischöflichen Regierung fällt unter anderem auch die grauenvolle Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 nach Christi Geburt, ein Strafgericht Gottes, das allen Menschen aller Zeiten eine eindringliche Mahnung bleiben wird, Gott nicht herauszufordern, weil er seiner nicht spotten lässt.

 

Auf der Höhe des Ölberges hatte der Heiland einst vor dem feierlichen Einzug in Jerusalem am Palmsonntag über die Stadt bittere Tränen geweint, weil sie den Tag der Heimsuchung nicht erkannte. Er hatte mit dem Untergang gedroht, und die Leute hatten ihn verlacht. Siebenunddreißig Jahre später stand an der gleichen Stelle auf dem Ölberg der römische Feldherr Titus, und als man ihm die Einnahme der verwüsteten Stadt meldete, weinte auch er wie ehedem der Heiland und sagte, nicht er habe gesiegt, sondern eine höhere Macht habe hier gerichtet. In Jerusalem lachte damals keiner mehr.

 

Für dreißig Silberlinge, den gewöhnlichen Preis für einen Sklaven, hatten die Juden von dem Verräter den Heiland gekauft. Siebenunddreißig Jahre später wurden Tausende von gefangenen Juden als Sklaven verschachert, dreißig für einen Silberling.

 

Jerusalem hatte das unschuldige Blut des Erlösers im frevlen Übermut auf sich und seine Kinder herabgerufen. Siebenunddreißig Jahre später floss in den Straßen der Stadt unschuldiges Blut in Strömen.

 

Christus, das Brot des Lebens, hatten die Juden abgelehnt. Siebenunddreißig Jahre später starben in der Stadt Zehntausende den Hungertod.

 

Christus, den Eckstein, hatte man verworfen. Siebenunddreißig Jahre später blieb in der Stadt kein Stein mehr auf dem anderen.

 

Jerusalem hatte den Messias außerhalb der Stadt auf Golgatha gekreuzigt. Siebenunddreißig Jahre später erhoben sich vor den Ringmauern Hunderte von Kreuzen, an denen täglich Hunderte von Juden gekreuzigt wurden.

 

Wahrlich, Gott lässt seiner nicht spotten, und es ist gut, dass man sich diese Tatsachen merkt und sie alle Tage vor Augen hat.

 

Alles das geschah zu jener Zeit, da der heilige Simeon Bischof von Jerusalem war. Allerdings hatte er mit der Christengemeinde, der Mahnung des Heilandes eingedenk, die Stadt vor der Zerstörung verlassen und war nach Pella im Ostjordanland geflohen. Dort wartete er das göttliche Strafgericht ab, und als es sich verzogen hatte, kehrte er nach Jerusalem zurück, wo auch er später das Martyrium durch den Kreuzestod erlitt. Mit ihm starb der letzte von denjenigen, die den Herrn mit eigenen Augen sahen.

 

Insgesamt fünfundvierzig Jahre hatte Simeon die Kirche zu Jerusalem regiert, während dieser Zeit unzählige Arbeiten und Leiden überstanden, und das seltene Alter von einhundertzwanzig Jahren erreicht, als er ein freudiges und edles Opfer der Verfolgung wurde, die unter dem römischen Kaiser Trajan in Judäa und ganz Syrien wütete. Die Römer suchten alle Abkömmlinge aus dem Geschlecht Davids auszurotten, weil die Juden einen König und Erlöser aus diesem Haus erwarteten. Der heilige Simeon wurde als ein Sprössling aus Davids Geschlecht bei dem Statthalter Artikus angegeben, und zugleich auch als Christ und als Bischof der Christen angeklagt. Artikus zog den ehrwürdigen Greis vor seinen Richterstuhl und ließ mehrere Tage nacheinander die schmerzlichsten Martern an ihm vollziehen, um ihn zur Abschwörung des Christentums zu bewegen. Allein dieser erduldete die grausamsten Peinen mit einer solchen Standhaftigkeit, dass selbst der hartherzige Richter in Erstaunen und Verwunderung geriet. Endlich wurde der heilige Greis, gleich seinem Herrn und Meister Jesus Christus, gekreuzigt im Jahr einhundertsieben.

 

Diejenigen, die aus Hass den heiligen Simeon bei dem Statthalter Artikus angeklagt hatten, wurden überführt, dass sie ebenfalls aus Davids Geschlecht abstammen, und deswegen auch getötet. So empfingen sie die verdiente Vergeltung für ihren boshaften Verrat.

 

Bis zum Tod des heiligen Simeon hatte sich die Kirche zu Jerusalem in jungfräulicher Reinheit, wie sich Eusebius ausdrückt, erhalten, indem bis dahin alles Unkraut falscher Lehre entweder in seinem Keim schon erstickt, oder doch an seinem Aufwachsen gehindert wurde. Jeder Irrlehrer musste verstummen, weil ihm Christen entgegenstanden, die selbst hörten und sahen, was Jesus gelehrt und getan hatte. Nachdem nun aber die heiligen Apostel und die unmittelbaren Schüler des Herrn durch verschiedene Todesarten der Kirche Jesu Christi entrissen waren, erhoben die Irrlehrer ihr Haupt empor. Und von dieser Zeit an musste die Kirche durch alle Jahrhunderte gegen sie sehr schwere Kämpfe bestehen, und mit der größten Sorgfalt beständig auf der Hut sein, dass nicht die reine Lehre des Heils durch falsche Lehre verdunkelt werde. Nur durch den Beistand, den Jesus seiner Kirche verheißen und von Zeit zu Zeit so reichlich und sichtbar bewiesen hatte, war es möglich, die heilige Lehre unverfälscht zu erhalten. Dafür sei hochgelobt und laut gepriesen unser himmlischer Lehrmeister Jesus Christus von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

Dem heiligen Simeon folgte in der bischöflichen Amtsführung zu Jerusalem Justus, ein gläubiger Jude. Zu dieser Zeit bekehrten sich sehr viele Juden zum Glauben an Jesus Christus, wie der Geschichtsschreiber Eusebius versichert.

 

Die heiligen Leo und Paregorius, Martyrer zu Patara in Lycien,

+ 4. Jhd. – Fest: 18. Februar

 

Der heilige Paregorius kam nach Patara Lycien und vergoss da sein Blut für seinen göttlichen Heiland. Der heilige Leo, der Zeuge seines Kampfes war, empfand dabei einerseits die herzlichste Freude über das Glück seines Freundes und andererseits bittere Traurigkeit, dass er noch nicht, wie sein Freund, sich in gleichen Leiden bewähren konnte. Aber bald fand er Gelegenheit, das Licht seines Glaubens leuchten zu lassen. Während der Abwesenheit des Prokonsuls von Asien, der den Kaisern einen Besuch abstattete, wollte der Statthalter von Lycien, der zu Patara seinen Sitz hatte, seinen Eifer für die Verehrung der Götzen beweisen. Er verordnete deshalb ein feierliches Fest zu Ehren des Serapis, mit dem Befehl, dass alle Einwohner von Patara ihm opfern sollten. Die Menschenfurcht bewog mehrere Christen, sich den Ungläubigen anzuschließen. Tief schmerzte den heiligen Leo sowohl die Feigheit der einen, als die Verblendung der anderen. Als er eines Tages seine Wohnung verlassen hatte, um am Grab des heiligen Paregorius zu beten, trug er kein Bedenken, am Tempel des Serapis, wo man ihm gerade Opfer brachte, vorüberzugehen. Die Heiden erkannten an seinem demütigen und bescheidenen Äußeren, dass er ein Christ sei. Er hatte sich auch wirklich von seiner Jugend auf an alle die strengen Übungen des einsamen Lebens gewöhnt und besaß, neben allen übrigen Tugenden, in einem besonders hohen Grad die Tugend der Keuschheit und Mäßigkeit. Sein Gewand war von grobem Zeug, von Kamelhaaren. Auf seinem Rückweg beschäftigte ihn der Gedanke an das glorreiche Ende seines Freundes und ganz darin vertieft, schlief er ein und hatte eine Erscheinung, in der Gott ihm zu erkennen gab, dass er denselben Kampf, wie der heilige Paregorius, werde zu bestehen haben. Das brachte ihm eine unaussprechliche Freude. Indessen fuhr er fort das Grab seines Freundes zu besuchen und anstatt weit entfernte Nebenwege einzuschlagen, ging er vielmehr mitten über den öffentlichen Platz.

 

Eines Tages, als er seinen Weg durch das Tycheum oder den Tempel der Fortuna genommen hatte, sah er diesen durch eine große Anzahl Fackeln erleuchtet. Von Mitleid und Schmerz hingerissen über die Blindheit der Heiden und von Eifer glühend für die Ehre des wahren Gottes, löschte er die Fackeln aus und zertrat sie mit den Füßen in Gegenwart des Volkes. „Wenn eure Götter“, sagte er zu ihnen, „diese Verunehrung empfinden, so mögen sie mich nur dafür bestrafen.“ Das Volk, durch die Götzenpriester angefeuert, schrie sogleich: „Wenn man diese Freveltat nicht bestraft, beehrt Fortuna unsere Stadt nicht mehr länger mit ihrem Schutz.“ Als der Statthalter von dem Vorfall Kunde erhielt, befahl er, dass man den Heiligen vor ihn führen sollte, was auch sogleich geschah. „Alter Bösewicht“, sprach er zu ihm mit zorniger Stimme, „deine gottesschänderische Tat beweist, dass du entweder die Macht der unsterblichen Götter nicht kennst, oder dass du die Befehle der Kaiser verachtest, die wir als Gottheiten und Retter der zweiten Ordnung ansehen.“

 

„Ihr seid Kinder des Irrtums“, erwiderte ihm der Martyrer, „indem ihr mehrere Götter anbetet; es ist nur ein Gott des Himmels und der Erde, der dieser unwürdigen Verehrung, die ihr euren Götzen zeigt, nicht bedarf. Das angenehmste Opfer, das man ihm darbringen kann, ist ein demütiges und zerknirschtes Herz.“

 

Der Statthalter: „Antworte auf die gegen dich vorgebrachte Anklage, statt uns dein Christentum zu verkündigen; den Göttern sei es gedankt, dass sie uns dich nach einer solchen Gräueltat finden ließen. Wähle also: entweder opferst du ihnen mit dem hier versammelten Volk, oder es trifft dich die Strafe, welche dein Frevel verdient.“

 

Der Martyrer: „Die Furcht vor den Qualen wird mich niemals zu einer Pflichtverletzung verleiten; ich bin bereit, alles, was du über mich verhängen wirst, geduldig zu ertragen. Deine Peinen erstrecken sich nicht über dieses sterbliche Leben hinaus; es gibt aber jenseits ein ewiges, zu dem man nur durch Leiden, gemäß der Grundlehre unserer göttlichen Schrift, gelangen kann: Schmal ist der Weg, der zum Leben führt.“

 

Der Statthalter: „Wohlan denn, wenn er schmal ist, so verlasse ihn und betrete unseren, der ist breit und bequem.“

 

Der Martyrer: „Ich nannte ihn schmal, weil man auf ihm Leiden und Verfolgungen der Gerechtigkeit wegen zu ertragen hat. Jene aber, die ihn großmütig gehen, ersteigen die Beschwerden durch den Glauben, der zur Ausübung aller Tugenden aufmuntert. Und selbst dieser Weg wird eben und angenehm für die, die ihn beständig gehen. Viele haben das schon erfahren.“

 

Leo redete noch weiter von der Wahrheit der christlichen Religion; aber ein verwirrtes Geschrei, das die Juden und Heiden erhoben, unterbrach ihn. „Man gebiete ihm Stillschweigen“, riefen sie. „Ich erlaube ihm im Gegenteil“, erwiderte der Statthalter, „so viel zu reden, wie er will; ich biete ihm sogar meine Freundschaft an, wenn er nur unsere Götter anerkennen will.“ Hierauf antwortete ihm Leo: „Es scheint, dass meine vorigen Worte vergessen hast, denn wie kannst du verlangen, dass ich die Wesen für Götter erkenne, die von Natur nichts Göttliches haben?“ Über diese letzten Worte wurde der Statthalter so wütend, dass er den Heiligen grausam geißeln ließ. Während ihn die Schergen ganz unbarmherzig zerfetzten, sprach der Statthalter zu ihm: „Dies ist erst der Anfang der Qualen, die ich für dich bereite. Wenn du willst, dass ich bei diesem Versuch aufhöre, so musst du unseren Göttern opfern.“

 

Der Martyrer: „Ich muss also noch einmal, was ich schon so oft gesagt habe, wiederholen. Ich erkenne eure Götter nicht und werde mich nie entschließen, ihnen zu opfern.“

 

Der Statthalter: „Sage nur, dass die Götter groß sind, dann will ich dich frei lassen, denn ich bemitleide dein hohes Alter.“

 

Der Martyrer: „Ich würde dies gerne sagen, wenn es sich von der Macht handelte, die sie haben – ihre Anbeter ins Verderben zu stürzen.“

 

Der Statthalter: „Nun werde ich dich über Kieselsteine schleifen lassen, bis dein ganzer Leib zerstückelt sein wird.“

 

Der Martyrer: „Es liegt mir wenig daran, wie ich sterbe, weil mir der Tod die Pforten des ewigen Lebens öffnen und mich in die Gemeinschaft der Seligen einführen wird.“

 

Der Statthalter: „Gehorche und sage, dass die Götter die Erhalter der Welt sind, oder du musst sterben.“

 

Der Martyrer: „Deine Drohungen sind eitel; warum lässt du sie nicht in Erfüllung gehen?“

 

Da das Volk sich indessen zusammenrottete, sprach der Statthalter das Urteil aus: der Heilige soll nämlich an einen Fuß gebunden über die Steine bis an die Todesstätte geschleift werden. Als nun Leo seine Wünsche erfüllt sah, hob er seine Augen zum Himmel und verrichtete folgendes Gebet: „Ich danke dir, o Gott! Du Vater meines liebevollen Heilandes, dass du mich sobald mit deinem Diener und meinem Freund Paregorius vereinigst. Ich freue mich, dass ich durch deine Gnade ein Mittel gefunden habe, meine alten Missetaten zu sühnen. Meine Seele übergebe ich in die Hände deiner heiligen Engel mit der Zuversicht, dass sie sie dorthin geleiten werden, wo nichts mehr vom Bösen zu fürchten ist. Herr, der du nicht den Tod, sondern die Bekehrung der Sünder willst, gib, dass meine Feinde und Mörder dich erkennen und Verzeihung ihrer Verbrechen durch die Verdienste deines eingeborenen Sohnes Jesus Christus, unseres Heilandes, erlangen. Amen.“ Noch einmal sagte er dieses Amen und seine Seele schied von seinem Leib.

 

Seinen Leichnam warf man in eine Schlucht über einen hohen Felsen; aber er wurde durch diesen Fall nicht zerschmettert, sondern nur gering verletzt. Und was noch mehr ist, es wurde dieser Ort, der vorher ein schrecklicher Abgrund war, dessen bloßer Anblick den Reisenden Grausen einjagte, vollkommen gangbar. Der Boden wurde fester und man konnte ihn, ohne sich der geringsten Gefahr auszusetzen, betreten. Die Gläubigen nahmen den Leichnam des standhaften Kämpfers Jesu Christi und beerdigten ihn. In seinem Angesicht bemerkten sie noch die Lebensfarbe und seine Hoffnung und ein sanftes Lächeln sprach noch aus seinen Zügen.

 

Die heilige Konstantia, Prinzessin und Jungfrau von Rom,

+ 4. Jhd. – Fest: 18. Februar

 

Konstantia, eine Tochter des Kaisers Konstantin des Großen, hatte von Geburt an eine schwache Gesundheit und bekam schließlich eine langwierige Krankheit, von der sie ungeachtet der zärtlichen Pflege und der Kunst der Ärzte nicht befreit werden konnte. Damals geschahen große Wunder und Zeichen am Grab der heiligen Martyrin Agnes in Rom und auch die kaiserliche Prinzessin hörte davon. Obwohl sie noch nicht getauft war, machte sie zur Nachtzeit eine Wallfahrt zu dem Grab und bat die Heilige unter vielen Tränen, ihr durch ihre mächtige Fürbitte bei Gott die Gesundheit zu erflehen. Plötzlich umstrahlte ein himmlischer Glanz die betende und weinende Jungfrau und vor Schrecken erhob sie sich vom Boden und fühlte sich ganz geheilt. Freudig und jubelnd eilte sie in den kaiserlichen Palast zurück, erzählte das Wunder ihrer Heilung, empfing die heilige Taufe und bekannte sich von nun an zum christlichen Glauben. Das Ereignis dieses Wunders bewährte sich dadurch, dass Konstantin der Große über das Grab der heiligen Agnes sogleich eine Kirche erbauen ließ, die im 7. Jahrhundert noch stand und von Papst Honorius I. verschönert wurde.

 

Konstantia war unterdessen zur Frau herangewachsen und blühte in reizender Schönheit, als die wilden Skythen in Thrakien einfielen und der Alleinherrschaft Konstantins ein Ende zu machen drohten. Er versammelte seine sieggewöhnten Heere und wählte zu ihrem Anführer den heldenmütigen Gallicanus, der öfters schon durch seine Tapferkeit das Schicksal der Schlachten entschieden hatte. Dieser berühmte Held stammte aus einem hohen Geschlecht und war mit reiner Liebe der Konstantia ergeben und ehe er ins Feld rückte, sprach er zum Kaiser: „Ich liebe schon lange deine Tochter aus ganzem Herzen und wenn ich mir Verdienste um das Reich gesammelt habe und wenn ich aus diesem Krieg als Sieger zurückkehre, wirst du mich beglücken mit der Hand deiner Konstantia?“ Der Kaiser gab ihm zum Zeichen seiner Einwilligung in Gegenwart der Mächtigen und Kriegsobersten den Handschlag und Konstantia übernahm mit mütterlicher Liebe während seiner Abwesenheit seine zwei Töchter aus erster Ehe, Attica und Artemia, und bat ihn, zu seinem Schutz ihre beiden christlichen Diener, Paulus und Johannes, mit in den Krieg ziehen zu lassen.

 

Als Gallicanus mit seinem Heer auf die Skythen traf, sah er mit Schrecken, dass sie dreimal stärker als er anrückten und geriet in volle Verzweiflung. In dieser schrecklichen Lage trösteten ihn Paulus und Johannes und sagten ihm mit Gewissheit den Sieg voraus, wenn er den Gott der Christen anrufen und das feierliche Gelübde machen würde, sich taufen zu lassen und dem Götzendienst zu entsagen. Der Feldherr schwur im Angesicht seiner ganzen Armee: „Du mächtiger Gott der Christen, zu dir rufe ich in meiner Not um Beistand und Hilfe! Und wenn ich diese wilden Horden, die deinen Namen lästern und entehren, bezwungen habe, will ich und die Meinigen deine Herrlichkeit verkünden den Völkern und leben nach deinen heiligen Geboten!“ Die Schlacht entbrannte und das Heer der Skythen wurde gänzlich geschlagen. Gallicanus feierte seinen Triumph in Rom und nachdem er die Taufe empfangen hatte, entsagte er allen Freuden des Lebens und lebte als Einsiedler in einer Wüste in Ägypten.

 

Konstantia, Attica und Artemia nahmen den heiligen Schleier, gelobten nebst mehreren vornehmen Römerinnen ewige Jungfräulichkeit und bewohnten ein Haus neben der Kirche, die über das Grab der heiligen Agnes gebaut war. Da ertönten Tag und Nacht heilige Psalmen zur Ehre des allmächtigen Gottes, da fanden Unglückliche Trost und Arme Erquickung, da wohnte selbst Papst Liberius während der Christenverfolgung.

 

Der heilige Franz Regis Clet, Märtyrer von China,

Lazaristen-Missionspriester,

+ 18.2.1820 – Fest 18. Februar

 

Am 27. Mai 1900 hat Papst Leo XIII. siebenundsiebzig Blutzeugen von Anam und China in feierlicher Seligsprechung die Verherrlichung als christliche Märtyrer zuerkannt. Mögen diese starkmütigen Streiter das Missionsfeld China segnen! Papst Johannes Paul II. hat den Missionar Franz, dessen Festtag wir heute begehen, mit 119 anderen Märtyrern in China heiliggesprochen. Zeitgemäß und Pflicht der Dankbarkeit zugleich dürfte es sein, der Namen dieser Helden immer wieder zu gedenken. Das verdient ganz besonders ein Sohn der Missionsgesellschaft der Lazaristen, die heute noch wie früher unter den Glaubensboten des „Reiches der Mitte“ einen ganz hervorragenden Platz einnehmen und die überdies in dem großen, liebenswürdigen heiligen Vinzenz von Paul ihren Vater verehren, nämlich der heilige Franz Regis Clet.

 

Dieser wahrhafte Diener des Herrn ist des Gedenkens und der Verehrung aller Guten nicht bloß wegen seines mutigen Opfertodes wert, er hat auch während seines ganzen Lebens ein bewundernswertes Beispiel zarter Frömmigkeit, andauernden Opfergeistes, tiefer Demut und heroischer Liebe gegeben. In Grenoble, der alten Hauptstadt des südöstlichen Alpengebietes von Frankreich, schien ihm am 20. März 1748 zum ersten Mal das Licht dieser Welt. Von den fünfzehn Kindern seiner frommen und vornehmen Eltern haben zwei in strengen Orden sich Gott geweiht. Franz aber trat nach einer makellos durchlebten Jugend 1769 zu Lyon der genannten Missionsgesellschaft bei, wurde 1773 Priester und wurde zum Lehrer der Moraltheologie im Seminar zu Annecy bestimmt. Klarheit und Tiefe zeichneten den Professor aus. Nach fünfzehn Jahren wurde er ins Mutterkloster St. Lazarus in Paris als Novizenmeister berufen, zu welchem wichtigen Amt ihn seine große Tugendhaftigkeit empfahl. Seine segensvolle Wirksamkeit wurde aber schon im folgenden Jahr, 1789, durch die große Revolution jäh unterbrochen. Das friedliche Missionskloster wurde von den geld- und blutgierigen Freiheitsmännern gänzlich zerstört, selbst die fünfzigtausend Bände zählende Bibliothek vernichtet, mehrere Ordensmitglieder starben unter dem Fallbeil der „freien und brüderlichen Nation“, die Genossenschaft verfiel der Auflösung, ihr Besitz dem Staat.

 

Franz Clet hatte all die unsäglichen Wirren mitgemacht. Sein bloßes Leben hatte er gerettet, aber tiefes Weh über das Unheil seines Vaterlandes und die Leiden seiner Ordensfamilie erfüllten sein Herz. Nun bat er seine Oberen, ihn zu den Heiden zu senden, um ihnen das in Frankreich so missachtete Evangelium zu bringen. Das wäre ja schon längst sein sehnlichster Wunsch gewesen. Aber wie die Ordensleitung schon seither glaubte, eine so tüchtige Kraft der Erziehung des Ordensnachwuchses vorbehalten zu müssen, so zögerte sie auch jetzt noch, gerade in dieser schwierigen Zeit des stillen Wiederaufbaus ihn wegzulassen. Da fügte es die Vorsehung, dass 1791 vor der Absendung dreier Missionare nach China unversehens einer erkrankte. Franz bestürmte von neuem seine Oberen, ihn als Ersatz zu senden, und nun fand seine Bitte Gehör.

 

Noch einen ungeahnten schweren Kampf hatte der nach dem Heilswerk der Heidenbekehrung sich sehnende Priester zu bestehen, den Kampf mit dem eigenen Blut. Eltern wie Verwandte suchten ihn von seinem Vorhaben abzubringen und im Vaterland zurückzuhalten. Der Heilige aber folgte dem Zug seines Herzens und dem Ruf des „Herrn der Ernte“. „Mein Entschluss reut mich nicht“, schrieb er vor seiner Abreise einer Schwester, „weil ich dem Fingerzeig der über mir waltenden Vorsehung zu entsprechen glaube. Allerdings macht die Natur ihre Rechte geltend und ich scheide nicht von euch ohne den Schmerz der Trennung zu fühlen; aber „Gott will es“, das ist mein Wahlspruch und du selbst hattest nie einen anderen. Ist sodann nicht auch der Gedanke, dass dein Bruder zum apostolischen Dienst auserkoren ist, eine Beruhigung? Mir gibt er die Gewissheit meiner Vorherbestimmung für den Himmel.“ Ja, auch die gottbegeisterten Seelen fühlen die Schwere ihrer Opfer; aber die Liebe überwindet alles.

 

Freudepochenden Herzens hatte Pater Clet seinen ersten Missionsposten in der Provinz Kiangsi angetreten. Hatte er von vornherein sich Gott zum Opfer gebracht, so sollte er doch nur zu bald erfahren, dass der Herr, statt die gewöhnlichen und erwarteten Opfer zu verringern, sie eher vermehrte, um ihn zum letzten großen Opfer zu befähigen. Das ungewohnte Klima wirkte schädlich auf seine Gesundheit ein. Und trotzdem! Gerade an ihm zeigte sich, was heiliger Berufseifer, ausdauernde Willenskraft und besonders Gottes Gnade auch im schwachen Menschen vermögen. Der heilige Franz Clet konnte in seinem zweiten und eigentlichen Arbeitsfeld in Hou-Kwang, einem über zweihundert Meilen ausgedehnten, ungesunden und fast ganz heidnischen Bezirk, dem Herrn das Jubelopfer als getreuer Arbeiter darbringen. Schon im ersten Jahr erlagen die zwei europäischen Priester, die ihn in der Seelsorge von etwa zehntausend weit zerstreuten Christen und in der Gewinnung von Neubekehrten unterstützen sollten, den Anstrengungen, Entbehrungen und dem Klima. Franz Clet arbeitete fünf Jahre allein unverzagt weiter, auch als Bürgerkrieg und Unruhen allen Erfolg in Frage stellten. Zwei schon betagte eingeborene Priester brachten nur geringe, ein Ordensgenosse jedoch von 1810 an tatsächliche Unterstützung. Nach acht Jahren aber erlag auch dieser den aufreibenden Mühen des Apostolates. Wieder stand Franz Clet allein da, zuletzt als Prokurator der ganzen weiten Provinz, und blieb es. Fast immer kränkelnd, zeitweilig von einem schweren Fußleiden heimgesucht, scheute er doch keine Anstrengung, keine Nachtwachen, war beständig auf Reisen, da unter Christen, sie bestärkend, dort inmitten der Heiden, sie belehrend, umgeben von Gefahren für Leib und Leben.

 

Fünfundzwanzig Jahre lang hatte so der gottbegeisterte Apostel Chinas auf hartem Missionsfeld treueste Arbeit geleistet, würdig des ewigen Lohnes. Mit vollstem Recht konnte ihm beim Seligsprechungsprozess das ehrende Zeugnis ausgestellt werden: „Clet scheute weder vor Mühen zurück, noch vor Nachtwachen, noch vor langwierigen, beschwerlichen Reisen, noch ließ er sich durch Gefahren und Drohungen einschüchtern, soviel Menschen als möglich für Christus zu gewinnen.“

 

Da brach die Verfolgung aus. Unbeirrt ging der Missionar seiner Pflicht nach. Ein Preis von tausend Taels wurde auf seinen Kopf gesetzt. Doch wusste er sich lange Zeit in Wäldern und Berghöhlen den Augen der Späher zu entziehen. Als man seine Fährte entdeckte, schien ihm die angrenzende Provinz Hunan ein Asyl zu gewähren. Doch der hohe Preis verleitete einen treulosen Christen, den mutigen Missionsoberen zu verraten. Am Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit, am 16. Juni 1819, wurde er, als er eben im Wohnhaus eines Christen das heilige Messopfer gefeiert hatte, von Soldaten überfallen und samt seinem Herberggeber gefangen genommen. Die achtmonatige Gefangenschaft war reich an Entbehrungen und Leiden. Schon der Kerker in Nam-Yang-Fu, ein dunkles, kaltes und feuchtes Loch, war für den vom Alter gebeugten, von Anstrengung erschöpften, von Unpässlichkeit geschwächten Missionar ein Ort der Qual, die durch Unbilden jeder Art vermehrt wurde. Nächte hindurch musste der Märtyrer mit gefesselten Beinen bewegungslos auf dem Boden liegen. Oft erhielt er beim Verhör mit einer Ledersohle bis an dreißig Backenstreiche, die so heftig waren, dass seine Wangen zerschlagen und seine Kleider blutbefleckt wurden. An anderen Tagen musste er stundenlang mit bloßen Knien auf eisernen, von zwei Pflöcken gehaltenen Ketten knien, wobei die Arme an einen in der Höhe angebrachten Balken gebunden waren. Durch ihre lange Dauer wirkte diese Tortur höchst qualvoll. Ohne ein Wort der Klage ertrug Franz alle Misshandlungen.

 

Nach fünf Wochen wurde der heilige Märtyrer, an Händen und Füßen gefesselt und, gleich einem Tier in einem Bambuskäfig eingeschlossen, nach Wu-Tschang-Fu gebracht, 140 Meilen weit. Todesschwach kam der Greis in der Hauptstadt an. Die Verhöre und Martern erneuerten sich. Doch hatte er den Trost, im Kerker einen einheimischen Priester namens Chen und andere Christen zu treffen, so dass sie sich gegenseitig stärken und zur Beharrlichkeit ermuntern konnten. Überdies erhielt der Bekenner von einem anderen Priester, der verkleidet in das Gefängnis kam, die heilige Eucharistie, die wirksamste Speise für Leben und Tod, den köstlichsten Trost für den Märtyrer. Wenn der Richter den ebenfalls standhaft im Glauben verharrenden Mitbruder Chen züchtigen lassen wollte, eilte Clet herbei und bat eindringlich, ihn statt seines Gefährten zu peitschen. Bewunderung ergriff da die Herzen selbst der rohen Henker. Etwas Großes ist es geduldig zu leiden, aber größer noch ist sich freiwillig für andere zum Leiden anbieten. Ist es ja die Nachahmung dessen, was der Herr getan hat, der „unsere Krankheiten trug und unsere Schmerzen auf sich lud“.

 

Nachdem so acht Monate harter Marter den starkmütigen Bekenner nicht erschüttern und umstimmen konnten, wurde endlich das Urteil gefällt: „Wegen Verführung des Volkes soll der Europäer Lieou (sein chinesischer Name) am ein Kreuz gebunden und erdrosselt werden.“ Mit freudigem Entzücken vernahm der Heilige diese längst ersehnte Kunde. Am 18. Februar 1820 wurde das Urteil in grauenhaftester Weise vollzogen. Der Henker drehte den Strick zusammen und schon rang der Märtyrer bewusstlos mit dem Tod. Da stellte der Unmensch seine Arbeit wieder ein. Mühsam schöpfte die Lunge des Sterbenden Luft und langsam kehrte das Bewusstsein wieder. Schmerzlich, wie fragend blickte er umher; aber jetzt drehte der Scherge den Strick wieder zu, von neuem begann der Todeskampf. Noch war die Grausamkeit des Henkers nicht ersättigt; ein zweites Mal drehte er auf und erst beim dritten Mal machte er seinem entsetzlichen Spiel ein Ende. Doch was war das? Das Antlitz des Erstickten war auf einmal nicht mehr angeschwollen, nicht mehr rot und blau: nein, es leuchtete wie verklärt und durchströmt von himmlischem Licht. Der Glanz der Seele schien sich schon jetzt, noch vor dem Auferstehungsmorgen dem Leib mitgeteilt zu haben.

 

Franz Clet zählte bei seinem Tod zweiundsiebzig Lebensjahre, von denen er einundfünfzig im Orden, siebenundvierzig im Priestertum und neunundzwanzig im Apostolat für das Heil der Seelen zugebracht hatte. Er hinterließ das leuchtende Beispiel heldenhaften Mutes und unerschütterlicher Beharrlichkeit, jener Beharrlichkeit, die nicht aus großen Erfolgen entspringt, sondern aus dem Bewusstsein getreuer Pflichterfüllung, jenes Mutes, der sich nicht auf fremde Hilfe und nicht auf eigene Kraft allein, sondern vor allem auf Gottes Gnade stützt.

 

Der Leichnam des Märtyrers erhielt später die gleiche Ruhestätte mit den Überresten des seligen Perboyre und wurde zugleich mit ihm im Jahr 1859 nach Frankreich übertragen, wo er im Mutterhaus St. Lazarus in Paris dereinst der seligen Verbindung mit der Seele harrt, während ihn inzwischen die Liebe der Gläubigen mit kostbaren Gaben ziert.

 

„Ich habe den Vater gebeten und er gibt mir die Völker zum Erbe“, spricht der Herr. Dem Herrn der Herrlichkeit, dem König der Ewigkeiten, dem Unsterblichen, der durch sein Blut die ganze Welt erlöst hat, ihm soll die Welt auch gehören! Die Stunde der Entscheidung ist da. Die ernste Stunde soll keinen zur Mitarbeit unentschieden finden! Horch! Die Märtyrer rufen, die Bannerträger Christi, des Weltkönigs, die Heldenzeugen seiner Größe!

 

„Herr, wer sind die, die den Himmel stürmen,

Ihn an sich reißend mit des Glaubens Kraft?

Sie sind es, so die böse Erde schirmen,

Dass nicht dein Zorn ihr neue Sündflut schafft.

 

Wer sind die, die das Meer, den Felsen zwingen,

Dass es entweicht, dem Fels entströmt die Flut?

Der Dorn muss Feigen, Distel Rosen bringen.

Wenn es ein Herz begehrt, das in dir ruht.

 

Wer sind sie, die dir alles hingeben,

Was deine Hand einst selber ihnen gab?

Sie sehn im Leben Tod, im Tode Leben,

Und jauchzend grüßen sie ihr Blutig Grab.

 

Wer sind sie, deren Leiber nicht verwesen?

Der Auferstehung Primeln duften schon;

Wer gläubig sie berührt, der ist genesen,

Und Schmerz und Siechtum ist vor ihm geflohn.

 

Die treuen Zeugen sind´s, die dir gefielen,

Weil sie durch Blut und Tod von dir gezeugt;

Einst sitzen sie auf hohen Richterstühlen,

Wo dann die Welt vor ihrem Spruch sich beugt.“

(L. Hensel)

 

19. Februar

 

Der heilige Konrad, Einsiedler,

+ 19.2.1351 - Fest: 19. Februar

 

Konrad wurde zu Piacenza in Italien geboren. Seine frommen Eltern erzogen ihn mit aller Sorgfalt in aller Gottesfurcht und drangen in ihn, nachdem er zum Mann herangereift war, sich mit einer tugendhaften Jungfrau zu vermählen. Seine Wahl fiel auf Euphrosyne, eine Zierde der christlichen Töchter ihrer Vaterstadt; Unschuld und Sittsamkeit waren der vorzüglichste Schmuck und Brautschatz, den sie in den Ehestand mitbrachte.

 

Konrad lebte glücklich und gottesfürchtig, doch hafteten ihm manche Schlacken der Unvollkommenheit an, die ihm gefährlich werden konnten. Noch hing sein Herz gar sehr an irdischem Besitz, und besonders war er dem Vergnügen der Jagd leidenschaftlich ergeben. Von diesen Dingen wollte ihn der Herr reinigen.

 

Eines Tages ging Konrad wieder auf die Jagd, konnte aber kein Wild finden; um es aufzutreiben, zündete er das Gesträuch an. Aber plötzlich erhob sich ein starker Wind und von seiner Gewalt wurde das Feuer so heftig angefacht, dass auch der nahegelegene Wald davon ergriffen wurde und gänzlich niederbrannte. Mit Mühe hatte der erschreckte Jäger sich unbemerkt in die Stadt schleichen und so der Strafe entgehen können. Die Obrigkeit forschte nach dem Täter und der Verdacht fiel auf einen alten Mann, der in der Nähe des brennenden Waldes bemerkt worden war. Er wurde in das Gefängnis geworfen und auf die Folter gespannt. Von den Schmerzen der Folter überwältigt, gab sich der Unglückliche wirklich als Täter an und wurde zum Tode verurteilt. Jetzt regte sich in Konrad die Stimme Gottes und trieb ihn an, den Unschuldigen um jeden Preis zu retten; und Konrad ging mutig hin und zeigte sich selbst als den Urheber des Schadens an und erklärte sich bereit, ihn zu ersetzen. Es kostete ihn fast sein ganzes Vermögen.

 

Der Sieg der Gnade Gottes über Konrads Herz war vollständig. Es ergriff ihn ein tiefer Ernst. Er erkannte die Eitelkeit aller irdischen Dinge und beschloss, auch sein noch übriges Vermögen den Armen zu geben und sich ganz dem Dienst des Herrn zu weihen. Als er diesen Gedanken Euphrosyne mitteilte, willigte sie mit Freuden ein und ließ sich in ein Kloster der Klarissinnen aufnehmen.

 

Konrad ging nach Rom und trat in den III. Orden des heiligen Franziskus ein. Von Rom zog er nach Sizilien, wo er sich dem Krankendienst weihte. Später begab er sich mit einem frommen Einsiedler auf einen Berg, um sich ganz dem beschaulichen Leben zu widmen und sich auf einen seligen Tod vorzubereiten. Der Ruf der Heiligkeit dieser Männer verbreitete sich weitum, so dass selbst der Bischof von Syrakus sich aufmachte und sie besuchte und sich mit eigenen Augen von dem überzeugte, was er gehört hatte. Sie aßen nur trockenes Brot und Feldfrüchte und schliefen auf bloßer Erde. Weil aber die Armen Konrad auch in der Einsamkeit aufsuchten und ansprachen, so suchte er durch Handarbeit etwas zu verdienen, um ihnen etwas geben zu können; überdies sammelte er alle Wochen in der nahen Stadt für sie Almosen. Konrad war ausgezeichnet durch die Gabe der Wunder und Weissagung. Einen guten Freund heilte er augenblicklich durch sein Gebet. Ebenso machte er ein gebrechliches Kind, das ihm begegnete, auf der Stelle durch das Zeichen des heiligen Kreuzes gesund. Drei Tage vor seinem Tod begab er sich zu seinem Beichtvater in die Stadt und empfing von ihm die heiligen Sakramente. Er bat ihn dann, nach drei Tagen in seine Klause zu kommen. Der Priester erschien wirklich zu dieser Zeit. Konrad kam ihm entgegen, verkündete ihm seinen nahen Tod, warf sich dann, vom Fieber ergriffen, vor dem Kruzifix nieder, betete für alle seine Wohltäter und gab kniend seinen Geist auf am 19. Februar 1351 im 61. Jahr seines Alters.

 

Der heilige Auxibius, 1. Bischof und Bekenner von Cypern,

+ 19.2.102 – Fest: 19. Februar

 

Der heilige Auxibius wurde in der 2. Hälfte des ersten christlichen Jahrhunderts in Rom aus einer ansehnlichen und reichen Familie geboren und von seinen heidnischen Eltern im Götzendienst erzogen. Er hatte eine äußerst sanfte Gemütsart und machte in den Wissenschaften glänzende Fortschritte, wodurch er sich ganz von seinem einzigen Bruder Themistagora unterschied, der ein aufbrausender, den Lastern der Wollust und Unmäßigkeit ergebener junger Mann war. Auxibius überzeugte sich entweder durch seine Vernunft, oder durch das heilige und tugendvolle Leben der Christen von der Schändlichkeit des Heidentums und erwartete mit Sehnsucht eine Gelegenheit, den Unterricht in der christlichen Religion zu bekommen. Seine hohe Gelehrsamkeit und vortreffliche Bildung vereint mit Tugenden, denen selbst die Heiden ihre Achtung nicht versagen konnten, bahnten ihm den Weg zu den höchsten Staatsämtern. Seine Eltern hatten Anstalten getroffen, ihn mit einer römischen Jungfrau aus einem der ältesten Geschlechter zu vermählen. Aber Auxibius, dessen Streben auf ganz andere Güter, als auf Reichtum und Ansehen vor den Menschen, gerichtet war, weigerte sich ernstlich, eine Heidin zur Gemahlin zu nehmen und um den Drohungen eines aufgebrachten Vaters und den Bitten einer zärtlichen Mutter zu entgehen, verließ er Rom und schiffte sich nach Rhodos ein, von wo er sich auf die Insel Cypern begab und auf einem Landgut sich durch die Handarbeit ernährte.

 

Damals predigten Barnabas und Markus den Juden und Heiden das Evangelium Jesu und bekehrten die Völker zur Erkenntnis des wahren Gottes. Aber die Einwohner von Cypern, die noch ganz in den Götzendienst und Unglauben versenkt waren, empörten sich wider die Heiligen und ermordeten den Barnabas und Markus rettete sich durch die Flucht. Drei Tage lang verbarg er sich vor der Wut der Heiden in einer Höhle und fand schließlich Schutz auf dem Landgut, wo sich der fromme Auxibius befand, der in größter Armut ein heiliges Leben führte, aber noch keine Gelegenheit gefunden hatte, die heilige Taufe zu erhalten. Mit inniger Liebe empfing er den Apostel Jesu und äußerte ihm gegenüber sein sehnliches Verlangen, unter die Zahl der Kinder Gottes aufgenommen zu werden. Markus unterrichtete ihn in den Wahrheiten der christlichen Lehre und nachdem er ihn getauft hatte, fand er ihn so erfüllt mit der Gnade des heiligen Geistes, dass er ihn zum Bischof von Solus weihte. „Mein Sohn“, sprach der Apostel beim Abschied zu seinem Jünger, „erinnere dich stets an die Lehren und Ermahnungen, die ich dir zu deinem und dem Heil deiner Mitmenschen gegeben habe. Wirke unermüdet mit der Gnade des heiligen Geistes, die du durch die Handauflegung empfangen hast, und führe die Herde, die Gott dir anvertraut hat, aus ihrer Verblendung zum Licht des Evangeliums. Wenn du nach Solus kommst, erbittere durch zu großen Eifer nicht die dortigen Einwohner, sondern behandele sie wie Kinder, deren Zutrauen zuerst durch zuvorkommende Liebe und Wohltaten muss gewonnen werden. Niemand darf dich zu Anfang als einen Glaubenslehrer erkennen, denn die Menschen hängen zu sehr am Aberglauben und an Vorurteilen. Suche zuerst ihre Freundschaft und dann wirst du Eingang in ihre Herzen finden. Beobachte bei deinen Belehrungen und Predigten den Gang der Natur und schreite vom Leichteren zum Schwereren. Milch ernährt die Kinder und bereitet ihren Körper zur nahrhafteren Speise vor.“ So sprach Markus und nachdem er seinem Jünger den Kuss des Friedens gegeben hatte, ging er mit Timon und Rhodon nach Alexandria und Auxibius trat die Reise nach Solus an.

 

Vor dem Tor der Stadt Solus stand ein Götzentempel, dem Jupiter geweiht, neben dem ein heidnischer Priester wohnte, der zur bestimmten Zeit dem Götzen opfern musste. Als der den heiligen Auxibius an seinem Haus vorbeigehen sah, rief er ihn zu sich, erquickte ihn mit Speise und Trank und erkundigte sich, woher er komme und welche Geschäfte er in der Stadt zu besorgen habe. Der Heilige antwortete ihm, dass er ein Römer und deswegen hierhergekommen sei, um einige Zeit lang die angenehme Lage dieser Gegend zu genießen. Der Priester bot ihm Wohnung und Tisch als seinem Gastfreund an und wurde bald zum christlichen Glauben bekehrt. Durch seine Empfehlung fand Auxibius bald Zutritt in mehreren Häusern in der Stadt und nach einem Jahr hatte er schon viele Jünger und Schülerinnen, die im Geheimen der christlichen Religion anhingen. Als das der heilige Apostel Paulus hörte, sandte er an den Heraclydes, Erzbischof von Cypern, einen Brief, worin er ihm befahl, den eifrigen und frommen Auxibius in der Stadt Solus feierlich als Bischof einzuführen. Heraclydes fand den Bischof im Haus des bekehrten Götzenpriesters und er begab sich mit ihm in die Stadt, bestimmte einen Ort zu einem christlichen Gotteshaus, stellte ihn der Christengemeinde als ihren Oberhirten vor und befahl ihm, dass er künftig das Evangelium öffentlich verkünden sollte. Unterstützt durch reichliche Gaben von den Neubekehrten, erbaute der heilige Auxibius eine herrliche Kirche und predigte das Wort Gottes mit einem solchen Eifer, dass er bald eine große Menge Heiden zur Erkenntnis des wahren Gottes brachte. Noch größer wurde die Anzahl der Gläubigen, als der Heilige die Wahrheit seiner Lehre mit Wundern bekräftigte. Aus allen Gegenden brachte man zu ihm die Besessenen, Kranken und Bedrängten, die er im Namen von Jesus heilte und die sich alle taufen ließen.

 

Der Ruf von den Wundertaten und der Heiligkeit des Bischofs Auxibius verbreitete sich bis nach Rom und sein Bruder Themistagoras machte sich mit seiner frommen Gemahlin Timo sogleich auf den Weg, um ihn zu besuchen. Schon nach einigen Tagen wurde er durch das heilige Leben und durch die gottseligen Gespräche des Oberhirten so sehr gerührt, dass er die heilige Taufe empfing und mit einem brennenden Eifer die Pflichten des Christentums erfüllte. Mit Einwilligung seiner Gemahlin, die den heiligen Schleier als Diakonissin nahm, wurde er Diakon und weihte sich ganz dem Dienst Gottes. Fünfzig Jahre lang verwaltete der heilige Auxibius segensreich sein heiliges Amt und starb, verehrt von allen Menschen und von Gott mit Wundern verherrlicht, im hohen Greisenalter.

 

20. Februar

 

Der heilige Sadoth, Bischof und Martyrer von Seleucia, Persien,

und seine 128 Gefährten,

+ 20.2.342 - Fest: 20. Februar

 

Einen ergreifenden Einblick in die Leidensgeschichte der persischen Christen gewährt der alte Marterbericht vom heiligen Sadoth und seinen 128 Gefährten. König Sapor II., der von 310 bis 380 regierte, wollte das Perserreich in seiner alten Größe wiederherstellen. Kein Mittel erschien ihm geeigneter als die Anhebung des Sonnendienstes und der Krieg gegen die Grenznachbarn die Römer. Eine blutige Christenverfolgung war die unmittelbare Folge davon. Sie richtete sich besonders gegen Geistliche, Mönche und Nonnen. Am 13. April 344 wurde der greise Bischof von Seleucia und Ktesiphon, Simon Bar Sabbae, mit mehr als 100 Gefährten glorreich vollendet. Schon ein Jahr darauf kam die Reihe an seinen Nachfolger. Der alte Marterbericht erzählt hierüber folgendes:

 

Sadoth, der an Stelle Simons in den Städten Seleucia und Ktesiphon Bischof geworden war, sah eines Tages ein wunderbares Gesicht. Voll Staunen berief er seine Priester und Diakone, die sich verborgen hielten, und sprach: „Ich sah heute in nächtlichem Gesicht eine prächtige Leiter, die von der Erde bis zum Himmel aufgerichtet war. An ihrer Spitze stand der selige Simon in großer Herrlichkeit. Ich aber stand unten auf der Erde. Er rief mir in großer Freude zu: `Steige herauf, Sadoth, steige herauf zu mir und fürchte dich nicht! Ich stieg gestern herauf, du steigst heute herauf.´ Das bedeutet, dass er im vergangenen Jahr getötet wurde und ich in diesem getötet werde.“ Sadoth ermutigte sie mit den Worten des Apostels und sprach: „Seid stark im Herrn und in der Festigkeit seiner Kraft. Ziehet an die Rüstung Gottes. Denn durch diese Dinge erscheint ihr den Menschen als Leuchtende und durch das Wort des Lebens seid ihr behütet. Lasst uns also nicht fürchten und zittern vor dem uns bevorstehenden Tode. Wer stirbt, kämpft als Held, und wer lebt, erscheine tapfer. Denn für Christus und unsere Wahrheit werden wir getötet. Solange das Schwert gezückt ist, kommt, lasst uns eifrig sein. Solange das Schwert glänzt, kommt, lasst uns Geschäfte machen. Bis die Sonne aufgeht in der Nacht, lasst uns wandern zu den Wohnungen des Reiches. Namen und Ruhm in Ewigkeit gewinnen wir, und den kommenden Geschlechtern lassen wir große Ruhmestaten zurück.“ Außerdem sprach er: „Betet, dass die Bedeutung des Gesichtes sich rasch erfülle. Wie ersehnt ist die Ankunft des Todes für den, der geistig lebt; wie furchtbar aber und schrecklich ist seine Kunde für den, der fleischlich wandelt. Die Eifrigen folgen ihm, um das Leben zu erlangen, die Lässigen sehen ihn und verbergen sich. Die Gottliebenden gehen zu Gott; die die Welt lieben, bleiben in der Welt. Der eine geht in die Freuden, der andere in die Peinen.“

 

Im zweiten Jahr unserer Verfolgung war der König in Seleucia. Da wurde der herrliche Sadoth ergriffen, dessen Name „Freund des Königs“ bedeutet. Er liebte nämlich den himmlischen König wahrhaft aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft. Er war lauter und rein, wahrhaftig und heilig, und seinem Vorgänger, dem heldenmütigen seligen Simon gleich.

 

Mit ihm wurden aus den Städten, wie aus den Dörfern und Ortschaften der Umgebung 128 Priester, Diakone, Mönche und Nonnen ergriffen. Alle wurden in Ketten geworfen und in einem harten, bitteren Gefängnis fünf Monate lang eingeschlossen. Man befragte sie drei Mal und brachte sie in böse Folter und harte Schrauben, damit sie die Sonne anbeteten, indem man ihnen im Auftrag des Königs sagte: „Wenn ihr meine Befehle tut, sollt ihr nicht sterben.“ Der selige Sadoth antwortete aus dem Munde aller: „So antwortet dem, der euch gesendet: Wir stehen in einer Kraft, einer Wahrheit, einem Willen, und in einem Glauben verkünden wir einen Gott, und ihm dienen wir mit ganzer Seele. Aber die Sonne, die er geschaffen und gemacht hat, beten wir nicht an. Das Feuer, das er uns zum Dienst gab, verehren wir nicht. Deinem bösen Befehl gehorchen wir nicht mit Übertretung unseres guten Befehls, und wegen deiner Drohungen werden wir unserem Gesetz nicht untreu. Du hast das Schwert, wir den Nacken. Du hast den Tod, wir das Leben. Verzögere unsere Hinrichtung nicht einen Tag. Warte nicht eine Stunde, unser Blut zu vergießen. Denn deine Langmut verdirbt, die sich ihr fügen.“ Als das alles dem König gemeldet wurde, sandte er ihnen folgende harte Antwort: „Wenn ihr meinen Befehlen nicht gehorcht, so kommt sofort die böse Stunde eures Verderbens über euch!“

 

Die Heiligen antworten einstimmig: „Wir gehen unserem Gott nicht zugrunde, noch sterben wir seinem Christus. Er wird uns zu neuem Leben erwecken und im Himmelreich erneuern. Bringt nunmehr euren Tod, wie er auch immer sei. Denn wir sind bereit, tapfer für unseren Gott zu sterben. Wir beten nicht die Sonne an, noch gehorchen wir eurem Befehl, der die Seelen der Kinder Gottes tötet!“

 

Danach wurden sie zur Hinrichtung hergerichtet und zum Tod bereitet, weil das Urteil des Schwertes über alle gleichmäßig ergangen war. Die Henker mit den Beamten des Königs führten sie in Ketten aus der Stadt zum Tode. Die Seligen aber psallierten mit einmütiger und froher Stimme: „Richte, o Gott, unser Gericht und fordere unsere Rache von dem erbarmungslosen Volk und erlöse uns von den Blutvergießern und Betrügern“ und so fort (Psalm 42).

 

Und als sie an den Richtplatz kamen, sprachen sie: „Gepriesen sei Gott, der uns diese Krone gab, auf die wir schauten, und der uns dieses Erbe, das wir begehrten, nicht vorenthielt! Gepriesen sei sein Christus, der uns nicht in dieser Welt ließ, sondern uns rief und vor sich stellte in der Versöhnung unseres Blutes!“ Und das Lob erstarb nicht in ihrem Mund, bis der letzte von allen getötet war.

 

Die Herrlichen wurden am 20. Februar getötet. Den seligen Sadoth brachte man in seinen Ketten nach Bet Lapat in Bet Huzaje. Dort wurde er enthauptet und in Christus, seinem Vertrauten, gekrönt.

 

Der heilige Eleutherius, Bischof von Tournay, Frankreich,

+ 20.2.532 – Fest: 20. Februar

 

Der heilige Eleutherius wurde im Jahr 456 zu Tournai in den Niederlanden von christlichen Eltern geboren, die der heilige Piatus vom Götzendienst zur Erkenntnis des wahren Gottes geführt hatte. Sein Vater hieß Serenus und Blanda seine Mutter. Als König Clodoväus die Römer bekriegte, mussten sie ihre Güter in Tournai verlassen und sich nach Blandine flüchten, wo sie zu Ehren des heiligen Apostels Petrus eine Kirche erbauten. Mit größter Sorgfalt erzogen sie ihren einzigen Sohn in allen Tugenden und ließen ihn, weil er seltene Geistesgaben zeigte, in allen Wissenschaften bilden, in denen er mit dem heiligen Medardus, der sein Jugendfreund war, unterrichtet wurde. Beide machten sowohl in den Heilswissenschaften und in der Frömmigkeit so glänzende Fortschritte, dass sie zu Priestern geweiht wurden und Eleutherius während der Regierung des Theodoricus, Bischof zu Tournai, mit größtem Segen das Predigtamt versah. Im Jahr 487 starb Theodoricus und die Geistlichkeit und das Volk wählten den frommen Eleutherius zu ihrem Oberhirten. Diese Würde begleitete er 44 Jahre lang mit unermüdlichem Eifer und apostolischer Treue. Rastlos kämpfte er wider die feindlichen Angriffe der Heiden und besonders der Arianer und wurde von denen nicht nur zum Gefängnis verurteilt und heftig verfolgt, sondern auch dreimal gegeißelt und wie ein Verbrecher aus Tournai verwiesen, wo er dann neun Jahre lang zu Blandine in der Verbannung lebte. Einer seiner heftigsten Verfolger war der heidnische Statthalter von Tournai, dessen Tochter zu dem Heiligen von unkeuscher Liebe entbrannt war und als sie ihn eines Tages zur Sünde anreizte, von einer schrecklichen Krankheit befallen wurde. Der heilige Oberhirt flehte in seiner Verbannung unter Gebet und vielen Tränen um die Bekehrung der Bürger von Tournai und besonders des Statthalters und seiner unglücklichen Tochter stets zu Gott und sein Flehen wurde endlich erhört. Die Verfolgung nahm ein Ende und Eleutherius kehrte auf seinen bischöflichen Stuhl zurück und brachte es in kurzer Zeit durch seine Predigten und Wundertaten dahin, dass er im Jahr 497 in einer Woche elftausend Menschen taufte, unter denen sich auch der Statthalter mit seiner Tochter befand, die durch die Händeauflegung des heiligen Oberhirten sogleich von ihrer Krankheit geheilt wurde.

 

Zweimal reiste Eleutherius nach Rom in Geschäften der Kirche und besonders wegen der Unterdrückung der Irrlehre des Arius und nach seiner zweiten Rückkehr hielt er im Jahr 527 zu Tournai eine Versammlung seiner Bischöfe, auf der das von ihm verfasste Glaubensbekenntnis als allgemein gültig angenommen und die Verdammung der arianischen Ketzerei neuerdings ausgesprochen wurde. Darüber gerieten die Arianer in eine solche Wut, dass sie den heiligen Bischof auf dem Weg zur Kirche überfielen und ihn so sehr misshandelten, dass er ganz verwundet und halbtot nach Hause getragen wurde. Fünf Wochen lang litt er mit christlicher Geduld die fürchterlichsten Schmerzen an seinem zerschlagenen Körper, betete stets um Verzeihung und die Bekehrung seiner Feinde und starb am 20. Februar 531 im 75. Jahr seines Alters und im 44. Seines bischöflichen Amtes.

 

21. Februar

 

Der heilige Germanus, Abt und Martyrer von Grandval bei Basel,

+ 21.2.666 – Fest: 21. Februar

 

In stiller Waldeinsamkeit erblüht manche schöne Blume, die dem Auge der Menschen verborgen bleibt, aber der Tau des Himmels begießt sie und die goldenen Strahlen des Tagesgestirns begrüßen sie und ruhen darauf mit innigem Wohlgefallen. Eine solche stille Waldblume war der heilige Germanus, ein Sohn des adligen und hochangesehenen Bürgermeisters Othmar von Trier. Von den vier talentvollen Söhnen Othmars bekleidete sein gleichnamiger Sohn eine hohe Stelle am Hof des Königs Dagobert, Sigebert widmete sich mit Auszeichnung dem Kriegsdienst, Numerian trat in den Orden des heiligen Benedikt, wurde später Bischof von Trier und ein großer Heiliger, der jüngste Sohn, German, zeichnete sich schon als Junge durch Demut, Gehorsam und Frömmigkeit aus.

 

Seiner frommen Eltern durch den Tod beraubt, verteilte der siebzehnjährige German sein reiches Erbe unter die Armen und suchte unweit Remiremont den heiligen Eremiten Arnold auf, der zuvor Bischof von Metz und Minister des Königs Dagobert I. gewesen war. Dieser Einsiedler prüfte den jungen Mann, der sein Schüler zu werden begehrte, mit strengen Bußübungen und riet ihm, das Ordenskleid des heiligen Benedikt im Kloster Remiremont zu nehmen. German fügte sich bereitwillig dem Rat des heiligen Einsiedlers und nahm so sehr an allen Tugenden zu, dass er seinen Ordensbrüdern zum Muster diente.

 

Einst besuchte ihn sein Bruder Numerian, der die Freuden des Lebens noch in vollem Maße verkostete. German redete ihm so liebevoll und eindringlich zu, dass er sich sofort entschloss, die Welt und ihre Freuden zu verlassen, um mit seinem Bruder innerhalb der Klostermauern nach Vollkommenheit zu ringen.

 

Um der Ehre zu entgehen, die ihm wegen seiner Anspruchslosigkeit und Demut zuteilwurde, verließ German Remiremont und bat um Aufnahme im Kloster Luxeul, dessen frommer und gelehrter Abt Walbert die seltenen Tugenden Germans bald entdeckte und ihn nötigte, sich zum Priester weihen zu lassen.

 

Als das Kloster Granfel am Fuß des Juragebirges von dem elsässischen Herzogs Gondon neu hergestellt wurde, schickte Walbert aus seinem Kloster mehrere Mönche dorthin und stellte ihnen den geliebten German als Abt vor. Zugleich übertrug er seiner Leitung noch die beiden Klöster St. Ursitz im Kanton Bern und St. Paul zu Schönenwerth im Kanton Solothurn. Durch seine kluge Umsicht und liebevolle Fürsorge brachte German die ihm anvertrauten Klöster zu hoher Blüte. Die Klosterbrüder und das benachbarte Volk ehrten ihn wie einen Vater.

 

Wie allen treuen Dienern Gottes, sollten auch dem hochverdienten Abt German schwere Prüfungen nicht erspart werden. Der Nachfolger des frommen Herzogs Gondon, der rohe und schwelgerische Herzog Bonifatius, beraubte die Kirchen und Klöster, die Städte und das Land. Unter erlogenen und nichtigen Vorwänden ließ er durch sein Raubgesindel das Münstertal verwüsten und ausplündern. Um der drohenden Gefahr zu entgehen, eilte German mit seinem Prior, dem heiligen Randoald, zum Herzog, um ihn durch Bitten, Vorstellungen und Geschenke zu bewegen, von seinen Ungerechtigkeiten abzustehen. Schon unterwegs wurden er und sein Begleiter von den Soldaten schwer misshandelt. Kaum gelang es ihm, zum Herzog zu kommen. Diesem klagte er freimütig die unerschwinglichen Brandschatzungen und Rohheiten seiner Söldlinge und beschwor ihn, Kloster und Volk zu schonen.

 

Der hinterlistige Herzog heuchelte Reue über das Geschehene, versprach Schadenersatz und entließ die Mönche mit scheinbarem Wohlwollen, aber auf der Rückkehr fielen die Soldaten über die beiden her, misshandelten sie mit teuflischem Mutwillen und durchbohrten sie mit ihren Lanzen am 21. Februar 666. Ihre Leichname wurden in der Klosterkirche beigesetzt und durch viele Wunder verherrlicht. Als in der Reformation 1531 das Kloster verwüstet wurde, flüchteten die Mönche und brachten die Reliquien des heiligen Germanus nach Delsberg im Berner Jura, wo sie in der Pfarrkirche noch heute verehrt werden.

 

Der heilige Tyrannio, Bischof und Martyrer von Tyrus,

+ 20.2.304 - Fest: 21. Februar

und andere heilige Blutzeugen aus verschiedenen Ländern

 

Wir wollen hier Eusebius selbst hören, was er als Augenzeuge von diesen heiligen Martyrern erzählt:

 

„Eine große Anzahl Christen aus Ägypten, die in Palästina und in Tyrus wohnten, gaben den glänzendsten Beweis ihrer unerschütterlichen Anhänglichkeit an den Glauben. Man warf dieselben, nachdem sie grausam mit Ruten geschlagen wurden, grimmigen Leoparden, Bären, Ebern und Stieren vor. Ich selbst sah wie gegen sie diese Tiere losgelassen wurden, die es gewöhnt waren, sich von Menschenblut zu ernähren. Doch weit entfernt sie anzufallen, wie man von ihrer Natur erwartet hatte, blieben sie ganz ruhig. Sie schienen die heiligen Martyrer zu verehren. Was zugleich aber ganz offenbar die Kraft Jesu Christi beweist, ist, dass sie auf die Heiden losstürzten, die sich auf dem Platz befanden. Umsonst wurden sie von den Martyrern gereizt, schüchtern zogen sie sich zurück, ohne ihre Beute zu berühren. Manchmal jedoch stürzten sie wirklich mit Ungestüm auf sie los, aber eine geheime und göttliche Kraft hielt sie plötzlich zurück. Dieses geschah immer wieder, wodurch die Zuschauer ganz in Staunen versetzt wurden. Da die ersten Tiere nicht angriffen, ließ man zwei bis drei Mal andere los. Aber auch diese wollten nicht über die Christen herfallen. Indessen blieben die Martyrer stets unerschütterlich, obgleich nur wenige Greise unter ihnen waren. Besonders aber zeichnete sich bei ihnen ein junger Mann aus, der noch nicht sein zwanzigstes Jahr erreicht hatte. Mitten auf dem Kampfplatz sah man ihn die Augen zum Himmel richten mit kreuzweise erhobenen Armen. Er blieb unbeweglich, obwohl ein Bär und ein Leopard wutschnaubend ihn zu zerreißen herbeistürmten. Aber auch diese Tiere zogen sich, ohne ihn zu verletzen, wieder zurück. Auf andere ließ man einen wütenden Stier los, der plötzlich einige Heiden mit seinen Hörnern ergriff, in die Luft empor hob, und sie dann halbtot auf dem Kampfplatz niederwarf. Nur die Martyrer verschonte er. Vergebens stieß man ihn mit einem glühenden Eisen in die Seite. Er aber scharrte wütend den Boden, dass rechts und links der Sand aufstäubte, und weigerte sich vorwärts zu gehen, so als hielte ihn eine unsichtbare Kraft zurück. Man ließ noch andere Tiere los, aber auch ohne jeden Erfolg. Schließlich tötete man die Martyrer mit dem Schwert und warf ihre Leiber in das Meer. Mehrere andere wurden zum Feuertod, andere noch zu anderen Todesstrafen verurteilt. Alle diese heldenmütigen Kämpfer Jesu Christi erlitten unter Diokletian im Jahre 304 den Martertod.“

 

Die Kirche verehrt an eben diesem Tag auch andere Heilige, welche die Martyrerkrone im gleichen Jahr empfingen. Der ausgezeichnetste unter ihnen war Tyrannion, Bischof von Tyrus. Er war Zeuge des Kampfes der Heiligen, von denen eben die Rede war, und hatte sie selbst dazu gestärkt, standhaft für den Glauben zu streiten. Man brachte ihn von Tyrus nach Antiochien mit dem Priester Zenobius, wo er verschiedene Qualen erdulden musste und warf ihn zuletzt in das Meer. Was Zenobius betrifft, so starb dieser auf der Folter unter den Händen der Schergen, die ihm mit eisernen Hacken die Seiten aufrissen. Silvan, Bischof von Emesa in Phönizien, wurde in seiner bischöflichen Residenzstadt mit zwei anderen Glaubensbekennern von den wilden Tieren, denen man sie vorwarf, zerrissen. Peleus und Nilus, Priester aus Ägypten, wie auch einige andere Christen, starben durchs Feuer zu Cäsarea in Palästina. Silvian, Bischof von Gaza, wurde Anfangs zu den Bergwerken verurteilt, in der Folge aber mit 39 anderen Gläubigen enthauptet.

 

Das römische Martyrologium nennt an diesem Tag den heiligen Tyrannion mit jenen, welche zu Tyrus im Jahre 304 gemartert wurden. Die anderen Martyrer haben besondere Tage, nämlich der heilige Zenobius, Priester und Arzt aus Sidon, am 29. Januar, der heilige Silvan von Emesa, dem das griechische Menologium mehrere Gefährten beigesellt, am 6. Februar, und der heilige Silvian von Gaza am 4. Mai.

 

In allen Jahrhunderten hat man Menschen gesehen, die der Welt entsagten, um allein für Jesus Christus zu leben. Solche Beispiele zeigt Gott der Welt, um die Macht seiner Gnade zu erweisen und den Glauben an eine so hohe Vollkommenheit bei den schwachen Menschen zu erhalten. Am Ende der Zeiten wird die Kirche stets solche Muster der Gottseligkeit aus allen Bereichen und Altersstufen aufzuweisen haben. Diese werden die Lauheit so mancher, die sich Christen nennen, aber ihren Sitten nach Heiden sind, beschämen. Die Standhaftigkeit der Heiligen und Martyrer auf der Folter und angesichts der wilden Tiere und mitten in den Flammen war begründet in der Liebe zu ihrem göttlichen Heiland und seiner lieben Mutter Maria, die in ihren Herzen so siegreich triumphierte. Diese Liebe bewog manche von ihnen, Ehren, Reichtümer, Vergnügungen und alle, was ihnen teuer war, zu entsagen, um den mühevollen Weg der Buße zu gehen. Jeder von uns rühmt sich zwar, Jesus Christus zu lieben, aber wie sehr täuschen wir uns! Die Liebe offenbart sich durch Werke. Was tun wir aber für unseren Heiland? Gern gehen wir allem aus dem Weg, was unserem Geist und unserem weichen Herzen als Einschränkung und Zwang erscheint. Sobald die Religion Opfer verlangt, werfen wir feige die Waffen weg. Erkennen wir lieber die Gefahr unserer Haltung und erbitten wir die Hilfe der Gnade durch die Verdienste unseres Erlösers. Bitten wir den Herrn, dass er uns eine göttliche Liebe schenken und sein Reich in unseren Herzen begründen möge, damit wir nur ihm allein leben.

 

22. Februar

 

Stuhlfeier des heiligen Petrus zu Antiochien

Fest: 22. Februar

 

Bevor der heilige Apostelfürst Petrus Bischof von Rom und somit zum ersten Papst wurde, war er sieben Jahre lang Bischof von Antiochien, und weil alle Umstände im Leben des ersten Papstes von Wichtigkeit sind, deshalb erinnert die Kirche heute durch ein eigenes Fest an jenen Tag, an dem der heilige Petrus den bischöflichen Stuhl zu Antiochien bestieg. Es war sicher sehr richtig, dass die Hauptstadt des Orients, wo die Gläubigen zuerst den Namen Christen angenommen haben, den Fürsten der Apostel zum ersten Bischof hatte.

Die Stuhlfeier des heiligen Petrus ist sehr alt. Das Fest kommt schon in einem Kalender vor, den man um das Jahr 354 unter dem Papst Liberius verwendete. „In der ersten Kirche nämlich feierten die Christen, besonders aber jene im Orient, den Jahrestag ihrer Taufe. Sie erneuerten an diesem Tag auch die Gelübde, welche sie Gott gemacht haben, und dankten ihm, dass er sie aus Barmherzigkeit in die Zahl seiner Kirche aufgenommen hat. Auch die Bischöfe hatten den frommen Gebrauch, den Jahrestag ihrer Weihe zu feiern. So haben wir noch drei Reden, welche der hl. Leo am Jahrestag seiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl gehalten hat. Das Volk fuhr oft fort, selbst nach dem Tod der Bischöfe den Tag zu feiern, an dem sie geweiht worden sind. Dies ist der Ursprung der Stuhlfeier des hl. Petrus. Wir müssen“, sagt der hl. Leo, „dieses Fest mit ebenso großer Freude feiern, als wir den Martertod des Fürsten der Apostel feiern. Wir erinnern uns an demselben sowohl an seinen herrlichen Eintritt in den Himmel, als auch an seine Erhöhung zur Würde des ersten Hirten der streitenden Kirche.“

Danken wir Gott für die Gründung seiner Kirche und bitten wir ihn gleichzeitig um ihre Verbreitung. Sie ist jenes geistliche Reich, welches zu stiften Jesus Christus auf die Erde gekommen ist, und das er noch immer durch die sichtbaren Häupter der Kirche regiert. Wenn wir Jesus Christus wahrhaft lieben, wenn wir wünschen, dass er stets mehr verherrlicht wird, wenn uns das Heil unserer Schwestern und Brüder am Herzen liegt, so beten wir um die Bekehrung derer, die nicht glauben, so viel wir können. Gehen wir aber in unserer Liebe noch weiter. Wie viele Glieder der Kirche gibt es, die es mit dem Glauben und der Nachfolge Christi nicht ernst nehmen! Bitten wir Jesus, dass er sie durch seine Gnade belebe und das Reich seiner heiligen Liebe in allen Herzen fest begründe. Bitten wir auch darum, dass wir nie durch die Sünde von ihm getrennt werden, sondern in Gottes Liebe immer mehr befestigt werden.

 

Der heilige Maximian, Bischof und Bekenner von Ravenna, Italien,

+ 22.2.556 – Fest: 22. Februar

 

Maximian wurde im Anfang des sechsten Jahrhunderts zu Pola einer Stadt in Istrien geboren und zeigte schon in früher Jugend seine künftige Heiligkeit. Er vermied alle kindlichen Spiele und hatte sein größtes Vergnügen in einem einsamen Zimmer, in dem ein Altar errichtet war, vor dem er oft mehrere Stunden im Gebet verharrte. Als er ein junger Mann wurde und sich täglich mehr von den Freuden der Welt zurückzog, überzeugten sich seine Eltern von seinem Beruf und widmeten ihn dem geistlichen Stand. Maximian vereinigte das Studium der Gottesgelehrtheit mit ununterbrochenen Betrachtungen und Gebeten und zeichnete sich durch einen so keuschen und heiligen Lebenswandel aus, dass ihn der Kaiser Justinian zum Bischof von Ravenna ernannte und ihm Papst Vigilius im Jahr 546, wo er gerade in Konstantinopel war, die bischöfliche Weihe erteilte. Weil ihn der Kaiser und der Papst besonders in den wichtigsten Angelegenheiten ihres Vertrauens würdigten, wurde seine Abreise in sein Bistum verzögert und die Geistlichkeit in Ravenna wählte unterdessen einen anderen Oberhirten und verschloss dem Maximian bei seiner Ankunft die Tore der Stadt. Der Heilige ertrug diese Kränkung mit Sanftmut und Geduld und damit er in der Nähe seiner ihm anvertrauten Herde lebte, bewohnte er in der Vorstadt ein Haus, wo er in größter Armut lebte und Tag und Nacht in der Kirche des heiligen Eusebius für seine christliche Gemeinde zu Gott flehte. Mehrere angesehene Bürger, die seine stille Geduld und sein heiliges Leben in Verwunderung versetzte, trugen ihm ihre Verwendung für ihn beim Kaiser an. Aber er schlug jedes Anerbieten ernstlich aus, bis ihm auf Befehl des Papstes sein Bistum eingeräumt und er unter einem allgemeinen Frohlocken in Ravenna eingeführt wurde.

 

Die Geistlichen der bischöflichen Kirche erschienen mit Schrecken und Angst vor dem neuen Oberhirten, indem sie eine schwere Ahndung wegen des ihm zugefügten Schimpfes befürchteten. Aber der Heilige empfing sie mit unverstellter, väterlicher Liebe und tröstete sie in seiner Demut damit, dass es der Wille Gottes war, ihn einige Zeit in der christlichen Geduld zu prüfen. Unter Tränen und mit aufgehobenen Händen bat er rührend seine Geistlichkeit, für ihn Unwürdigen zu beten, dass er die wichtigen Pflichten eines Seelenhirten getreu erfüllen möge. Mit Furcht und Zittern trat er sein heiliges Amt an und erbaute durch Wort und Tat seine Gemeinde, denn unermüdlich predigte er selbst das Wort Gottes und seine Beredsamkeit drang in die verborgensten Winkel des Herzens. Vor seinem Anblick verbarg sich das Laster, oder es kam ihm mit Reue entgegen. Er war ein liebreicher Vater der Armen und Unglücklichen und jeder Bedrängte fand bei ihm Trost und Hilfe. Eine besondere Sorgfalt verwendete er auf die Zierde der Gotteshäuser, die er mit den kostbarsten Reliquien schmückte. Unter mehreren Kirchen erbaute er auch jene des heiligen Vitalis in Ravenna von buntem Marmor, in der er auch der gebenedeiten Gottesmutter einen Altar errichtete, der aus den seltensten Marmorsteinen bestand. Der feierlichen Einweihung dieses Gotteshauses wohnte selbst der Kaiser Justinian nebst seiner Gemahlin bei, das ein Gemälde aus uralten Zeiten beweist. Der heilige Maximian starb im Jahr 556 am 22. Februar als einer der eifrigsten und wohltätigsten Bischöfe von Ravenna.

 

Die heilige Margareta von Cortona, Italien,

Büßerin aus dem Dritten Orden des heiligen Franziskus,

+ 22.2.1297 – Fest: 22. Februar

 

„Freude wird sein im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.“ (Lk 15,7) Dieses so tröstliche Wort des Herrn hat sich in besonders rührender und glänzender Weise auch an einer Heiligen des seraphischen Ordens bewahrheitet, nämlich an Margareta von Cortona. Diese Stadt – Cortona, in der italienischen Provinz Toskana – war aber nicht ihr Geburts- sondern ihr Sterbeort. Sie wird jedoch nach diesem genannt, weil sie daselbst die Laufbahn der Heiligkeit betreten und in ihrem seligen Tod die Krone der Heiligen empfangen hat. Geboren war Margareta vielmehr in dem vier Stunden von Cortona entfernten Städtchen Laviano im Jahr 1247. Ihre Eltern waren einfache Leute, dem Kind aber war von der Natur der Reichtum einer ungewöhnlichen Körperschönheit und eines bezaubernd liebenswürdigen Wesens in die Wiege gelegt worden. Und diese natürlichen Vorzüge sollten dem Mädchen, seiner Seele nach, zum Verderben gereichen. Mit acht Jahren verlor Margareta ihre Mutter durch den Tod, und da der Vater wieder heiratete, die Stiefmutter ihr aber nicht gewogen schien, verließ sie das Elternhaus und trat bei einem reichen unverheirateten Edelmann in dem benachbarten Städtchen Montepulciano in Dienst. Bei ihrer Jugend, Schönheit und Eitelkeit einerseits und dieses Mannes Gewissenlosigkeit und Leidenschaft andererseits wurde indes aus dem Dienst- bald ein Liebesverhältnis, das, ohne in eine Ehe überzugehen, zum Ärgernis des Volkes neun Jahre währte und dem auch ein Kind entspross. Wohl war sich Margareta immer ihrer Sündhaftigkeit bewusst und die Gnade Gottes pochte öfters an ihr Herz, jedoch vergebens, bis endlich der liebe Gott in schrecklicher Weise gleichsam mit Donner und Blitz darein fuhr und der Sache ein Ende machte. Einmal war nämlich Margaretas Buhle wieder verreist und sie erwartete seine Rückkehr. Statt seiner aber kam sein Hund allein zurück und zerrte sie unter kläglichem Winseln an den Kleidern, als wollte er sagen: „Komm mit!“ Margareta tat es und der Hund führte sie in einen Wald und zu einem Haufen Reisig, in dem er unter noch kläglicherem Gewinsel zu schnüffeln und zu scharren begann. Von einer schrecklichen Ahnung erfüllt warf Margareta das Reisig auseinander und fuhr mit einem Schrei des Entsetzens zurück. Vor ihr lag tot und blutüberströmt der Genosse ihrer Sünde. Räuber hatten ihn offenbar erschlagen und ausgeplündert. Als nun Margareta so auf die Leiche niederstarrte, stieg in ihr der furchtbare Gedanke auf: „Wo wird jetzt seine Seele sein? Die Seele dessen, der mit mir Jahre lang in der Sünde lebte und wahrscheinlich unvorbereitet in die Ewigkeit hinüberging? Und wenn er verdammt ist, bin dann ich nicht mit daran schuld? Wehe, wehe mir!“ So sprach sie schmerzzerrissen und angsterfüllt zu sich selbst. Aber zugleich stieg in ihr unter der Einwirkung der göttlichen Gnade mit siegender Kraft der Entschluss auf, von nun an ein anderes, ein heiliges Büßerleben zu führen. Und gesagt getan. Zunächst aber kehrte sie in ihre Heimat und in ihr Vaterhaus zurück, wurde aber von der hartherzigen Stiefmutter, ohne dass der Vater es wehrte, hinausgewiesen. Nun trat schon wieder der Versucher an sie heran und flüsterte ihr zu: „Siehe, man verstößt dich! Aber bei deiner Jugend und Schönheit findest du überall offene Türen und Herzen! Also erkaufe und sichere dir damit wieder Geld und Gut, Glück und Freude!“ Allein Margareta blieb fest bei ihrem guten Vorsatz stehen. Sie begab sich nach Cortona, legte hier bei einem Priester des Franziskanerordens eine Lebensbeicht ab und führte dann ein immer erbaulicheres Leben des Gebetes, der Arbeit und der gewissenhaften Sorge für ihr Kind. Nach dreijähriger Probezeit erhielt sie das Kleid des dritten Ordens des heiligen Franziskus und wurde nun vollends ein Muster wahrer und strengster Buße. Ihre Schönheit, die einstige Ursache ihres Unglücks, war ihr jetzt so verhasst, dass sie sie, soweit es nur immer erlaubt war, geflissentlich untergrub. Durch Fasten, Geißeln und andere körperliche Bußübungen bändigte sie die widerspenstige Natur und in unaufhörlichem Gebet flehte sie Gott um Barmherzigkeit und Gnade an. Und der Herr begnadete Margareta auch so freigebig, wie er manche unschuldig gebliebene Heilige nicht begnadet hatte. Sie erhielt die Gabe der innigsten Vereinigung mit Gott und des wunderbarsten Verkehrs mit ihm, die Gabe der Weissagung und der Erkenntnis der Herzen, der Bekehrung der Sünder, der Heilung der Kranken und Befreiung der Besessenen. Sie wurde durch Erscheinungen der Mutter Gottes und des heiligen Schutzengels beglückt und ausgezeichnet. Gegen Ende ihres Lebens musste sie noch viele und große körperliche Schmerzen erdulden, die sie aber standhaft ertrug, gleichwie sie auch die schrecklichen Versuchungen überwand, womit sie der Satan noch quälte. So starb sie vollkommen geläutert als ein herrliches Gefäß der Gnade, am 22. Februar 1297, nachdem sie 23 Jahre lang die Verirrung ihrer Jugend gesühnt hatte. Auch die Frucht dieser Verirrung, ihr Sohn, folgte ihr in der Tugend nach und wurde Mitglied des Dritten Ordens. Papst Benedikt XIII. versetzte sie im Jahr 1728 in die Zahl der Heiligen. Man nennt Margareta von Cortona die „Magdalena des seraphischen Ordens“ und in den kirchlichen Tagzeiten heißt es unter anderen mit Recht von ihr:

 

„Den Groschen, der verloren war,

Man fand ihn endlich wieder

Und legt, dass man ihn treu bewahr`,

Im Königschatz ihn nieder.

Nun glänzt von allem Schmutze rein

So hell jetzt dieser Edelstein,

Dass neben ihm schier dunkel

Erscheint das Sterngefunkel.“

 

Uns aber verkündet das Leben der heiligen Margareta von Cortona in überwältigenden Tönen die Größe und Fülle der göttlichen Barmherzigkeit, die die Sünden vieler Jahre langmütig erträgt, den verlorenen Sohn immer wieder ruft und, wenn er endlich ins Vaterhaus zurückkehrt, in die Arme schließt und noch mit Gnaden überhäuft. Darum braucht kein Sünder, keine Sünderin zu verzweifeln, aber sie müssen gleich der heiligen Margareta wahrhaft bereuen und büßen. Für die weibliche Jugend insbesondere aber enthält diese Lebensgeschichte die ernste Lehre, welch ein gefährliches Gut die Schönheit und wie notwendig es daher für sie ist, wachsam, demütig und fromm zu sein, damit sie durch sie nicht in Sünde, Schande und vielleicht ins ewige Verderben gestürzt wird.

 

23. Februar

 

Der heilige Petrus Damiani, Kardinal von Ostia, Kirchenlehrer,

+ 22.2.1072 - Fest: 23. Februar

 

Der spätere Kardinal, Kirchenlehrer und Heilige Petrus Damiani war als Kind ein unglaublich armer Junge. Seine Jugend war so bitter, hart und schwer, wie sie zum Glück und dank guter Eltern nur ganz wenige Menschen durchmachen müssen. Diese Tatsache allein schon sichert dem Heiligen einen warmen Platz in allen mitfühlenden Herzen.

 

Als Jüngster kam Petrus im Jahr 1006 in einer kinderreichen Familie zur Welt. Als er nach der Geburt zu schreien begann, sprang der älteste Bruder, der anstatt des Herzens einen Stein in der Brust hatte, böse auf und schrie in rauer und ungehöriger Weise die arme Mutter an. Er schimpfte, was ihr denn einfalle, es wären doch schon genug Kinder im Haus und die armselige Erbschaft werde kleiner und kleiner, so dass er und seine Geschwister schließlich leer ausgingen, weil alles aufgeteilt werden müsse.

 

Das waren harte Worte, und so sehr schnitten sie der Mutter ins Herz, dass sie für eine Weile einfach den Verstand verlor. Sie nahm Peter aus der Wiege, trug ihn aus dem Haus, legte ihn draußen auf eine Holzbank und sagte, sie wolle sich um den Jungen überhaupt nicht mehr kümmern.

 

Zum Glück handelte es sich damals bei Peters Mutter nur um eine vorübergehende Verwirrung. Bald kam sie wieder zu sich, holte den Jungen von draußen in die Wiege zurück und zog ihn als ihren Jüngsten mit Liebe groß. Leider starb die Frau allzu früh, und der Vater starb auch, und Peter war schon als kleines Kind Vollwaise.

 

Was geschah dann? Die Familie löste sich auf, die Geschwister zogen in die Welt, und nur der Älteste, der sich inzwischen verheiratet hatte, blieb im Haus und erhielt als lästige Erbschaft auch den jüngsten Bruder. Da hatte Peter nichts zu lachen, nie hörte er ein gutes Wort. Vorwürfe und Beschimpfungen gab es jeden Tag von früh bis spät und Schläge obendrein. Die Brotschnitten, die der Hungrige bekam, waren fast so dünn wie Papier. Nie bekam er ein neues Kleid, nie trug er Schuhe an den Füßen, und arbeiten musste er wie ein erwachsener Knecht.

 

In diese Zeit fällt ein Ereignis, das unbedingt erwähnt werden muss. Eines Tages nämlich fand Peter auf der Straße zufällig ein Goldstück. Peter freute sich königlich und überlegte hin und her, was er sich für das Geld kaufen sollte. Zunächst wollte er sich Brot kaufen, Brot und nochmals Brot, um sich wenigstens einmal satt zu essen. Schon hatte er die Türklinke zum Bäckerladen in der Hand, als ihm einfiel, dass man Gefundenes dem Verlierer zurückgeben müsse. Wie ein Schlag traf den Jungen diese Erkenntnis, aber gleich entschloss er sich, auf das heißbegehrte Brot zu verzichten und den Eigentümer des Geldes zu suchen. Zwei Tage lang fragte der ehrliche Junge überall die Leute, aber der Verlierer war nicht aufzutreiben. Nun durfte Peter das Geld behalten, aber Brot hat er sich dafür trotzdem nicht gekauft. Was hat er denn mit dem Geld gemacht? Das gute Kind hat damit für die verstorbenen Eltern einige heilige Messen bestellt. So ehrlich und so edel war der junge Peter Damiani.

 

Mittlerweile war einer von Peters übrigen Brüdern Priester geworden. Dieser nahm sich seines kleinen Bruders liebend an, sorgte gut für ihn und schickte ihn auf die höhere Schule. Und weil Peter sehr klug und wissbegierig war, lernte er leicht und schnell und ist später ins Kloster gegangen und Priester und Bischof und Kardinal geworden und ein gefeierter Kirchenlehrer und ein Heiliger, der im Kirchengebet als Salz der Erde und als Licht der Welt bezeichnet wird.

 

Wie das Beispiel des heiligen Petrus Damiani zeigt, kann auch aus dem ärmsten Kind etwas Gutes und Erfolgreiches werden, wenn sie sich durch ihr hartes Geschick nicht verbittern lassen und wenn sie trotz größter Armut ehrlich bleiben. Alle anderen Kinder aber, die ihre Eltern haben und denen es gut geht, sollten zu den Kindern, die das alles nicht haben, stets besonders liebevoll sein.

 

Der heilige Lazarus, Maler und Mönch von Konstantinopel,

+ 23.2.870 – Fest: 23. Februar

 

Lazarus wurde von sarazenischen Eltern geboren und in der mohammedanischen Religion erzogen. Aber als junger Mann schon überzeugte er sich von der Falschheit dieser Lehre, verließ das väterliche Haus und ging in ein Kloster, wo er im christlichen Glauben unterrichtet und zur Gottseligkeit des Lebens geführt wurde. Aus Liebe zur Armut und Einsamkeit legte er die feierlichen Ordensgelübde ab und zeichnete sich sowohl durch Gelehrsamkeit, als durch Frömmigkeit so sehr aus, dass er die priesterliche Weihe erhielt. Unaufhörlich widmete er sich der Betrachtung und Lesung der heiligen Schriften und seine Erholungsstunden verwendete er auf die Malerei. In dieser Kunst brachte er es so weit, dass er Meisterstücke verfertigte, die allgemeines Aufsehen erregte. Damals regierte das morgenländische Kaisertum der Bilderstürmer Theophilus, der in seinem Reich und besonders in der kaiserlichen Hauptstadt Konstantinopel alle Bilder und Gemälde, die Altäre und heiligen Gefäße in seiner Ketzerwut zerstören ließ. Lazarus erhielt vom Patriarchen den Auftrag, die Bilder der Heiligen wieder auszubessern und zur Zierde der Gotteshäuser neue zu verfertigen, wodurch er sich den Hass des Kaisers zuzog, der ihn auch gefangen nehmen ließ. Anfangs suchte ihn Theophilus durch Schmeicheleien und Versprechungen auf seine Seite zu bringen. Da das aber an dem Diener Gottes fruchtlos war, ging er in seiner blinden Wut so weit, dass er ihn grausam peinigen und seine rechte Hand im Feuer verbrennen ließ, worauf er ihn wieder in die Freiheit entließ.

 

Durch die Gnade Gottes wurde der heilige Lazarus bald geheilt und er verfertigte nun ein wunderschönes Bild des heiligen Johannes des Täufers und arbeitete eben an dem Bildnis des guten Hirten, als Kaiser Theophilus starb und Michael III. auf den Thron kam, der ein Kenner und Beschützer der Künste und Wissenschaften war und besonders den heiligen Lazarus schätzte. Das schöne Bild des guten Hirten wurde feierlich und zur Bewunderung aller Künstler im kaiserlichen Saal Chalce aufgestellt und zur Belohnung schickte der Kaiser den Lazarus als seinen Gesandten in kirchlichen Aufträgen und mit kostbaren Geschenken an den Papst. Nach seiner Rückkehr von Rom bekämpfte er unter dem Schutz des Kaisers mutig die Irrlehre der Eutychianer und Nestorianer und bewirkte viel Gutes in der Verbreitung der reinen Lehre des Christentums. Nochmal machte er in kirchlichen Angelegenheiten eine Reise nach Rom, wo er aber auf dem Weg erkrankte und am 23. Februar des Jahres 870 im Ruf der Heiligkeit verschied.

 

Der heilige Willigis, Reichskanzler und Erzbischof von Mainz,

+ 23.2.1011 – Fest: 23. Februar

 

Einer der hervorragendsten, entschiedensten und einflussreichsten Männer seiner Zeit war Willigis, der sich für Kirche und Staat unsterbliche Verdienste erworben hat. Willigis war der Sohn eines Wagners in Sachsen. Seine hohe Stellung und Wirksamkeit deutete Gott seiner Mutter schon vor seiner Geburt an, denn sie sah, wie aus ihrem Schoß ein Sonnenstrahl hervorging, der die ganze Erde erleuchtete. Mit außerordentlichen Geistesgaben verband der heranwachsende Junge einen unermüdlichen Fleiß, um in allen Wissenschaften fortzuschreiten. Dabei vergaß er nicht, durch Gebet, Betrachtungen, Nachtwachen und strenge Abtötung das religiöse Leben seiner Seele zu nähren. Wegen seiner seltenen Gelehrsamkeit und Tugend berief ihn Kaiser Otto II. an seinen Hof zu Goslar und betraute ihn mit der Reichskanzlerwürde. Wie groß sein Einfluss am kaiserlichen Hof gewesen sein muss, geht daraus hervor, dass es in mehreren von Otto II. ausgestellten Urkunden hieß: „er habe die betreffenden Anordnungen auf Antrieb und Bitte des Willigis getroffen“.

 

Wegen seiner besonderen Geistesfähigkeiten wurde Willigis nach dem Tod des Erzbischofs Ruotberg von Mainz 975 unter stürmischem Jubel des Volkes zum Metropoliten auf dem Stuhl des heiligen Bonifatius erwählt. Der Adel ärgerte sich, dass ein Bürgerlicher zu einer der ersten Würden des Reiches erhoben war und spottete oft über seine niedrige Herkunft. Der demütige Willigis erwählte aber, um vor jeder Selbstüberhebung bewahrt zu werden, seiner Herkunft eingedenk ein Wagenrad zu seinem Wappen und sprach oft zu sich selber:

 

„Willigis,

Nie vergiss,

Dass dein Vater Wagner ist!“

 

Als Kanzler des Deutschen Reiches wandte Willigis alle Sorge und Mühe auf, den inneren Frieden zu erhalten und das Reich gegen äußere Feinde zu schützen. So brachte er zwischen Otto II. und dem bayerischen Herzog Heinrich II., dem „Zänker“, eine Aussöhnung zustande. Seine ganze Größe und seinen mächtigen Einfluss zeigte Willigis aber erst nach dem Tod des Kaisers Otto II., indem er den kaum dreijährigen Otto III. zum König krönen ließ, tatsächlich aber selbst das große Deutsche Reich mit Umsicht, Weisheit und Festigkeit regierte und vor den zahlreichen Feinden schützte, auch die Heranbildung Ottos zum deutschen Kaiser übernahm. Die Minderjährigkeit des kaiserlichen Kindes benutzten die Dänen und Slaven, um das wiederzugewinnen, was Heinrich I. und Otto I. ihnen in einem sechsjährigen Kampf abgerungen hatten. Der bayerische Herzog Heinrich II. beanspruchte als nächster Verwandter die Vormundschaft über Otto und ließ die Absicht durchblicken, die deutsche Krone auf sein eigenes Haupt zu setzen. Willigis verfocht aber die Rechte des Ottonischen Hauses, zwang Heinrich zum Verzicht auf die Krone Deutschlands, übergab Otto seiner Mutter Theophano und seiner Großmutter Adelheid zurück, unterstützte die vormundschaftliche Regierung dieser Frauen mit Würde, Klugheit und Kraft, so dass auch die slavischen Völker wieder dem jungen Herrscher huldigten.

 

Die Erziehung des jungen Otto übertrug Willigis seinem Jugendfreund Bernward. Dieser höchst gebildete und entschiedene kaiserliche Hofkaplan löste seine schwierige Aufgabe derart, dass, während Höflinge den jungen König durch schlüpfrige Zugeständnisse verdarben und selbst die für seine Liebe eifersüchtig besorgte Mutter Theophano gegen seine bösen Neigungen oft allzu nachsichtig war, er allein den verwöhnten königlichen Knaben mit Strenge in seinen Launen und Neigungen beschränkte.

 

Auf dem Zug Ottos III. nach Rom stand an der Spitze der ihn begleitenden Würdenträger Willigis. Durch seinen Einfluss gelangte der kaiserliche Hofkaplan Bruno, Sohn des Herzogs von Kärnten, als Gregor V. auf den erledigten päpstlichen Stuhl. Dieser setzte Otto III. die Kaiserkrone auf am 21. Mai 996.

 

Nach dem frühen Tod des Kaisers Otto III. (23. Januar 1002), erprobte Willigis von neuem seine Umsicht und Kraft, indem er, um Bürgerkriege zu vermeiden, schleunigst den edlen Heinrich, Sohn Heinrichs des Zänkers, von den deutschen Reichsfürsten zum König wählen ließ am 6. Juni 1002. Er selbst krönte ihn am folgenden Tag zu Mainz und am 15. August die kaiserliche Gemahlin Kunigunde zu Paderborn. In diesem Heinrich II. (1002-1024) wie in seiner Gemahlin Kunigunde, die beide die Kirche als Heilige verehrt, erhielt Deutschland einer seiner besten Könige und frömmsten Kaiser und zwar durch das Verdienst des Erzbischofs und Erzkanzlers Willigis.

 

Hatte die Staatsklugheit und Gewandtheit des Mainzer Metropoliten dem Deutschen Reich einen so würdigen und hochherzigen Herrscher verschafft, so sorgte er mit gleichem Eifer für würdige und tüchtige Kirchenfürsten. Worms gab er den verehrungswürdigen Bischof Burchard, den er von frühester Jugend an geleitet, unterrichtet, zur Weisheit, zum Lebensernst, zum religiösen Eifer und Reinheit des Lebens geführt hatte, wie er sie später in seinem Amt so herrlich an den Tag legte. Dem Hildesheimer Bistum gab er den heiligen und verdienstvollen Godehard, Prag den heiligen Adalbert, den die Marterkrone schmückt; auch andere Kirchen Deutschlands versorgte er mit Oberhirten, die sich durch Gelehrsamkeit und Heiligkeit auszeichneten.

 

Den Zwiespalt mit dem Bischof Bernward von Hildesheim um die Oberhoheitsrechte im Kloster Gandersheim legte er gütlich bei, indem er zu ihm sagte: „Mein Bruder und Mitbischof, ich verzichte auf alle Ansprüche an dieser Kirche und übergebe dir diesen Bischofsstab zum Zeugnis, dass weder ich noch meine Nachfolger je die Ansprüche erneuern werden.“

 

Willigis war ebenso, wie sein Jugendfreund Bernward, ein großer Freund und Kenner kirchlicher Kunst. In Mainz baute er eine prachtvolle Basilika von Grund auf, aber schon am Tag der Einweihung ging sie in Flammen auf. Sogleich begann er den Neubau, indes wurde der erst unter seinem Nachfolger Bardo vollendet. Dort errichtete er auch eine Kirche zu Ehren des Erzmärtyrers Stephanus. Das St.-Viktors-Kloster erweiterte er und stattete es mit seinem Vermögen aus. Gegenüber den Armen zeigte er sich überaus freigebig und speiste täglich dreißig an seiner Tafel, wie wir es im Leben vieler Heiligen finden. Reich an Verdiensten wie an Jahren ging er in die Wohnungen des Herrn am 23. Februar 1011, im 36. Jahr seines Oberhirtenamtes und wurde in der St. Stephanskirche beigesetzt. Sein Messgewand, das er mit ins Grab genommen hatte, blieb nach Jahrhunderten unversehrt.

 

Vom Erzbischof Willigis sagt ein hervorragender Geschichtsforscher: „Der mit Auszeichnung groß zu nennende, nicht bloß um sein Stift, sondern um das ganze Reich, um die ganze Christenheit hochverdiente Erzbischof Willigis verließ die Welt, an dem am meisten zu bewundern, dass er ungeachtet seiner niederen Geburt durch 25 Jahre an der Spitze aller Reichsfürsten stand, und nie von Missgunst oder Eifersucht, ja nicht einmal von der Verleumdung angefeindet war. Wer malt uns die in ruhiger Würde alle Leidenschaften bewältigende Gestalt dieses Prälaten?“

 

24. Februar

 

Der heilige Apostel Matthias, Martyrer von Judäa,

+ 63-74 - Fest: 24. Februar

 

Etwa ein Stündchen Wegs vom Hohen Dom zu Trier die Mosel aufwärts erhebt sich breit und wuchtig aus der Niederung am Fluss, grau und verwittert, ein mächtiges Gotteshaus aus alter Zeit. Jahrhundertelang haben unsere Vorfahren in Ehrfurcht daran gebaut und haben keine Mühen und keine Kosten gescheut, bis das herrliche Werk vollendet war zu Ehren des heiligen Matthias, der dort als einziger Apostel diesseits der Alpen die letzte Ruhestätte gefunden hat, hochverehrt von den Völkern, die ringsum wohnen.

 

Nach der Legende ist Betlehem der Geburtsort des heiligen Matthias. Als der liebe Heiland zu Beginn des öffentlichen Lebens aus der Schar der Jünger die zwölf Apostel auswählte, war Matthias allerdings nicht unter ihnen. Wohl gehörte er zu der Schar der zweiundsiebzig Jünger. Warum, wann und wie aber wurde Matthias in die Schar der Apostel aufgenommen?

 

Judas hatte, wie wir uns erinnern, versagt und den Heiland verraten und verkauft. Weil er also ausfiel, gab es eine Lücke unter den Zwölfen. Bei den vielen Aufregungen, die sich nach der Auferstehung Jesu in der Osterwoche einstellten, kam niemand auf den Gedanken, den Verräter durch einen anderen zu ersetzen. Anschließend zogen die Jünger auf das Geheiß des Herrn nach Galiläa, wo ihnen der Auferstandene mehrmals erschien, und von dort wanderten die Jünger wieder nach Jerusalem zurück, um Zeugen bei der Himmelfahrt Jesu zu sein.

 

Nach der Himmelfahrt versammelten sich die Apostel und die übrigen Jünger im Abendmahlssaal, um betend die angekündigte Herabkunft des Heiligen Geistes zu erwarten. Da endlich wurde es stiller um sie, und langsam kamen sie wieder so weit, dass sie nachdachten, Petrus vor allem; denn er war jetzt derjenige, der nach des Herrn Heimgang die Verantwortung trug. Petrus dachte nach, und da kam es ihm zum Bewusstsein, dass der Verräter vor dem Pfingstfest noch ersetzt werden müsse, damit bei der Herabkunft des Heiligen Geistes die Zwölfzahl wieder aufgefüllt sei und damit sie als die ersten Missionare zu zwölft die Sendung erhielten, die Frohbotschaft in der ganzen Welt zu verkünden.

 

So kam es zur Wahl eines neuen Apostels, und wie es bei der Wahl zuging, wird im Neuen Testament erzählt. Zwei Männer, Joseph und Matthias mit Namen, wurden ausersehen, und Petrus warf über sie das Los, und das Los fiel auf Matthias, und Matthias wurde den elf Aposteln beigezählt. Man kann wohl sagen, dass diese Wahl eine gute und glückliche war, denn Matthias war einer von denen, auf die man sich verlassen konnte. Nach der Legende hat er in Äthiopien, also in Afrika, die Frohbotschaft verkündet, bis auch er das Los aller übrigen Apostel außer Johannes teilte und durch Enthauptung das Leben für Christus hingeben durfte.

 

Auf weiten Wegen kamen später die Überreste des heiligen Matthias durch die heilige Kaiserin Helena in die Stadt Trier an der Mosel, die dadurch zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort wurde bis in unsere Zeit.

 

Leider gibt es auch heutzutage manche, die wie der Verräter Judas für Geld oder weil ihnen die Zugehörigkeit peinlich ist oder für eine gutbezahlte Stellung den Glauben an Christus aufgeben und aus der katholischen Kirche austreten. Das ist eine Armseligkeit und Treulosigkeit sondergleichen.

 

Der heilige Prätextatus, Bischof und Martyrer von Rouen, Frankreich,

+ 24.2.588 – Fest: 24. Februar

 

Dieser mit himmlischer Weisheit und dem Geist Gottes erfüllte Mann war der Nachfolger des heiligen Flavius auf dem bischöflichen Stuhl zu Rouen und zeichnete sich durch seinen apostolischen Eifer für die Verherrlichung der Kirche Jesu auf der 3. Kirchenversammlung zu Paris und auf der zu Tours im Jahr 566 rühmlich aus. Es war im unerforschlichen Ratschluss der heiligen Vorsehung beschlossen, dass seine Sanftmut und Geduld den schwersten Prüfungen ausgesetzt sein sollte, denn der friedliebende und gerechte Heilige wurde bei König Chilperich von Frankreich verleumderisch angeklagt, als versuche er das Volk gegen ihn aufzuwiegeln. Diese schändliche und von seinen Feinden erdichtete Anklage war die Quelle aller seiner schweren und langwierigen Verfolgungen, wurde schließlich sogar die Ursache seines Martertodes. Der heilige Oberhirt verwendete den größten Teil seiner Einkünfte zur Unterstützung der Armen und Unglücklichen, und diesen Hang zum Wohltun missbrauchten böse, lasterhafte Menschen, denen der Diener Gottes wegen seiner Frömmigkeit verhasst war, und zeigten ihn bei dem verblendeten König an, dass er das Volk gegen die Regierung aufwiegle. Chilperich geriet in eine rasende Wut und befahl sogleich, den Majestätsverbrecher von seinem bischöflichen Stuhl zu reißen, ihn zu fesseln und gefangen zu nehmen und versammelte dann die Bischöfe des fränkischen Reiches, über ihn das Verdammungsurteil zu sprechen. Umsonst widerlegte der schuldlose Heilige gründlich alle ihm zur Last gelegten Verbrechen und besonders den angeschuldigten Kirchenraub. Umsonst verteidigten Aetius, der Erzdiakon von Paris, und der ehrwürdige Gregor, Bischof von Tours, die Unschuld ihres Mitbruders. Die Rache des Königs wurde zwar für dieses Mal durch unwiderlegbare gestillt, aber alle List wurde angewendet, um den Verhafteten in Fallstricke zu verwickeln, dass es wenigstens doch einen Schein von Gerechtigkeit hatte, ihn gewalttätig zu unterdrücken. In einem Gespräch mit einem Höfling sagte der heilige Oberhirt, dass Meroveus, wenn er auf dem Thron säße, durch sein liebevolles Benehmen sich die Achtung aller seiner Untertanen erwerben würde. Dies wurde dem König mit dem Zusatz hinterbracht, dass er es selbst eingestanden habe, Chilperich verdiene nicht, König zu sein, und aller Verteidigung ungeachtet, Prätextatus aus seinem Bistum vertrieben und in das Elend verwiesen. Mit unerschütterlicher Geduld ertrug er Verbannung und Armut und erst nach dem Tod des Königs wurde er von dessen Nachfolger Gunthram, der die Sache auf der Synode zu Mascon genau untersuchen ließ, für unschuldig erklärt und in sein Bistum zurückberufen. Als bei seiner Ankunft in Rouen alle Bischöfe über den endlichen Sieg seiner Unschuld frohlockten und das Volk bei dem Anblick ihres heiligen, misshandelten Bischofs in leuten Freudenjubel ausbrach, soll die rachgierige Fredegundis, die verwitwete Königin, mit Hohn gesagt haben: Auf diese allgemeine Freude folgt gewiss bald wieder eine Verbannung.

 

Mit rastlosem Eifer verwaltete nun der Heilige sein bischöfliches Amt, bis ihn am heiligen Osterfest im Jahr 588 Mörder am Altar überfielen, wo er gerade das allerheiligste Opfer verrichtete, und ihn so gefährlich verwundeten, dass er bald darauf seinen Geist aufgab. Jedermann hielt die schändliche Fredegundis für die Urheberin dieser gräulichen Mordtat.

 

Die heiligen Montanus, Lucius und Julianus (Schüler des heiligen Cyprian)

und Genossen, Martyrer von Karthago, + 24.2.259 – Fest: 24. Februar

 

Die Verfolgung des Valerian hatte schon mehrere Martyrer der Kirche geschenkt, als berühmteste in Rom den heiligen Diakon Laurentius, in Karthago den großen Bischof Cyprian. Dieser hatte in einem Brief an Successus geschrieben, seine Schüler und „Kleriker wären alle nach der Frömmigkeit ihres Herzens zu der unvergänglichen himmlischen Herrlichkeit bereit“. Ein so zuversichtliches, trostvolles Vertrauen eines geistlichen Vaters auf seine Schüler hat der Erfolg wirklich bewährt. Wohl war nach des Prokonsuls Galerius Maximus Tod, der den Cyprian verurteilt hatte, einige Zeit Ruhe. Als aber die Härte des Provinzverwesers Solon einen blutigen Aufstand unter der Bevölkerung von Karthago hervorrief, befriedigte dieser, anstatt die wirklich Schuldigen zu ermitteln, seine Zorneswut an den Christen. Durch deren Hinopferung mochte er hoffen, die heidnische Bevölkerung für sich zu gewinnen. Eine Menge von Christen aus allen Ständen, Männer, Frauen und Kinder wurden eingekerkert. Vor allem sollten die Priester mit dem Tod bestraft werden. Während die Zeugnisse über den Martertod so vieler christlicher Helden jener afrikanischen Verfolgung verloren gingen, sind uns über acht Bekenner des Glaubens die Passionsakten glücklich erhalten geblieben. Sie sind zum großen Teil von den Martyrern, wohl von Flavian, selbst verfasst, zum Teil von einem Christen, der alles miterlebt hatte, ergänzt worden und zählen zu den kostbarsten und echtesten Denkmalen des christlichen Altertums. Sie sind auch ein wertvolles geschichtliches Zeugnis, dass wahre christliche Mystik, d.h. die von der Gnade bewirkte Vereinigung mit Gott, die bis zum einfachen Schauen und Wahrnehmen der übernatürlichen Wahrheiten sich vertiefen kann, von Anfang an, auch in der ruhmreichen Zeit des Martyriums, Gottes huldvolles Brautgeschenk und tröstliches Erbgut der Kirche gewesen ist. Gerade die von inniger Gottverbundenheit zeugenden merkwürdigen Erlebnisse der priesterlichen Martyrer Montan und Flavian sind der „deutlichste Beweis dafür, dass die Christenheit jener Tage im Martyrium ein besonderes Unterpfand für die Erfüllung mit mystischen Gnaden erblickte“.

 

Die Namen dieser acht Blutzeugen Christi sind: Montanus, Lucius, Julian, die Priester waren, der Diakon Flavian und Viktorinus und Renus, die ebenfalls Kleriker waren, ferner die Katechumenen Primolus und Donatian. Das ursprüngliche Vorhaben des Prokurators, sie lebendig verbrennen zu lassen, wendete der Herr, in dessen Hand die Worte und Herzen der Mächtigen sind, gnädig ab. Ein Kerker von tiefster Finsternis, dessen Qualen nach ihrem eigenen Geständnis alle Vorstellungen überstiegen, nahm sie auf. Aber „das Licht des Glaubens erhellte die dunkle Grabesnacht, in die sie wie in den Himmel stiegen. Je größer die Pein, umso größer ist der, der sie in ihnen überwindet. Hat er doch dem Tod den Stachel zerbrochen, da er mit dem Siegeszeichen des Kreuzes über ihn triumphierte.“ Durch Hunger, Durst und Erschöpfung sollten die treuen Bekenner abschwören oder erliegen. Donatian, dem Verschmachten nahe, wurde getauft und ging alsbald auf unbeflecktem Pfad von der Taufe zum Martyrium. Dem Primolus wurde das Bekenntnis des Namens Jesu zur Begierdetaufe im Sterben. Es gelang jedoch den Gläubigen der Stadt in der größten Not die duldenden Brüder zu besuchen und mit Lebensmitteln zu erquicken. Noch erhebender waren die Tröstungen, die der allgütige durch mehrfache Traumgesichte seinen Getreuen sandte.

 

In einem solchen Gesicht war dem Renus gezeigt worden, wie den Christen, die man aus dem Gefängnis herausführte, eine brennende Lampe vorangetragen wurde. Wie freuten sich da die armen Gefangenen! Durften sie doch der tröstlichen Zuversicht sich hingeben, in Gemeinschaft mit Christus zu sein, der „eine Leuchte ist für unsere Füße“, und inmitten der tiefsten Finsternis doch im wahren Licht zu wandeln. Auf die frohe Nacht folgte ein froher Tag. Denn welcher echte Bekenner frohlockt nicht, für seinen Herrn und Gott Zeugnis ablegen zu dürfen? Der Prokurator rief sie zum Verhör. Hierzu wurden sie auf öffentlichem Markt, mit klirrenden Ketten beladen, bald dahin, bald dorthin geführt, da die Soldaten ungewiss waren, wo das Verhör stattfinden sollte. Das aber war den frommen Duldern nur ein Trost, weil sie die Süßigkeit länger genießen konnten, über das bevorstehende Glück reden zu können. „O Herrlichkeit dieser Fesseln, rufen sie aus, o allen erwünschte Ketten! O Eisen, glorreicher und kostbarer als das beste Gold! Wie lieblich war das Geklirre dieses Eisens!“ Bei solch himmlisch-froher Stimmung bestätigte das Verhör nur neuerdings die Festigkeit ihres Bekenntnisses, verschärfte dadurch aber auch wiederum ihre ohnehin schon unerträglich harte Lage. Sie erhielten jetzt in fünf Tagen nur einmal ein wenig Brot und Wasser; sogar den Erkrankten versagte man den erfrischenden Trunk.

 

Die Martyrer sollen nicht nur standhaft, sondern auch von fleckenloser Reinheit sein, um recht gottgefällige Opfer zu werden. Sie bleiben aber doch Menschen bis zuletzt mit all den menschlichen Schwächen und Fehlern. Da hat dann Gottes Vatergüte in Visionen warnend und bessernd die Stimme erhoben. Zwischen Montanus und Julian war eine Meinungsverschiedenheit entstanden wegen einer abtrünnigen Frau, die sich wieder zur christlichen Gemeinschaft halten wollte, und infolgedessen blieb Montanus, der feurige strenge Mann, kalt und verstimmt gegen Julian. Da erhielt er in der Nacht eine Offenbarung. Er sah die römischen Hauptleute kommen und ihn auf ein weites Gefilde führen, wo ihm Cyprian und ein anderer Martyrer begegneten. Hell erglänzte der ganze Raum, Montanus Gewand wurde weiß und licht, noch lichter sein Leib und so durchsichtig, dass bis ins Innerste des Herzens zu schauen war. Welch ein Schrecken! Montan schaut Flecken in seiner Brust, dunkle, dunkle Flecken. Zugleich ist es ihm klar: Diese Flecken an seiner Seele sind die Spuren der Uneinigkeit mit seinem Mitbruder. O Allgütiger, Dank für diese Mahnung!

 

Monate vergingen in der qualvollsten Haft. Endlich wurde das Urteil gesprochen und die Martyrer, mit Ausnahme Flavians, zum Richtplatz geführt. Zahlreich strömten Christen und Heiden zusammen. Die Heiterkeit auf dem Antlitz der Zeugen Christi gab kund, wie glücklich sie über ihre nahe Verherrlichung waren. Hätten sie auch nicht geredet, ihr Beispiel allein wäre eine laute Predigt gewesen. Lucius, von Natur zart gebaut und von schüchterner, sanfter Bescheidenheit, war durch die schweren Leiden und Krankheiten so geschwächt, dass er fürchtete, in dem gar zu großen Gedränge der Menge um das Glück zu kommen, sein Blut vergießen zu können; darum ging er mit wenigen Begleitern voraus. Als die Brüder ihn baten, ihrer zu gedenken, rief er in rührender Demut: „Gedenket ihr vielmehr meiner“, als ob er mitten in der Passion der Herrlichkeit noch nicht sicher sei.

 

Dann kamen die übrigen, Julian, Viktorinus und Renus. Zuletzt aber Montanus, stark an Körper und Geist, wie er immer gewesen war, wenn er ohne Ansehen der Person fest und standhaft predigte, was die Wahrheit erforderte, schien jetzt, nahe dem Tod, noch an Kraft zu wachsen. Mit Prophetenstimme rief er den Heiden zu: „Wer den Göttern opfert und nicht dem Herrn allein, wird ausgerottet werden.“ Die Irrlehrer beschwor er, doch aus der Menge der Martyrer die Wahrheit der Kirche erkennen zu wollen und zu ihr zurückzukehren. Den Abgefallenen gab er zu bedenken, dass ihre Aussöhnung mit der Kirche von ihrer vollkommenen Buße abhänge, den Getreuen empfahl er die Standhaftigkeit, den Jungfrauen die Heiligkeit, den Priestern und Vorgesetzten legte er Liebe zum Frieden und einmütige Gesinnung ans Herz. So hatte er für alle ein Wort der Ermunterung. Schon kam der Scharfrichter, um das Schwert über ihren Häuptern zu schwingen, da streckte Montanus seine Hände gen Himmel aus und flehte mit lauter Stimme, dass der zurückgebliebene Flavian ihnen in zwei Tagen folgen möge. Wie um seine Bitte zu bekräftigen, zerriss er das Tuch, mit dem ihm die Augen verbunden wurden, in zwei Stücke und bat, das eine Stück für Flavians Hinrichtung aufzubewahren. So schied Montanus, mit dem Panzer des Glaubens und dem Helm des Heils gerüstet, aus diesem Land der Prüfung ins Land der Vollendung.

 

„Brüder, wir müssen die Eintracht der Liebe festhalten und mit dem Band dieser Liebe verbunden bleiben! So wird der böse Feind niedergeworfen und wir erhalten alles, um was wir den Herrn bitten, wie er verheißen hat: „Wenn zwei von euch einig sind auf Erden, so wird ihnen mein Vater geben, um was sie immer bitten werden.“ Wir werden auch auf keine andere Art das ewige Leben erhalten und die Erbschaft Gottes erlangen, als dass wir Frieden halten mit den Brüdern. Hat der Herr ja selbst verkündet: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ Das erklärt der Apostel: „Wenn wir Kinder sind, dann auch Erben, Erben Gottes, Miterben Christi.““

 Aus den Martyrerakten

 

Die heiligen Viktor, Flavian und Genossen,

Martyrer von Karthago (afrikanische Martyrer),

+ 24.2.259 – Fest: 24. Februar

 

Die Leidensgeschichte der afrikanischen Martyrer Lucius, Montanus u.a. ist so schön und erhebend, dass sie noch etwas ergänzt werden sollen. Besonders schön sind die Visionen, mit denen Gott seine Getreuen in ihrer qualvollen Kerkerhaft tröstete.

 

Unter den Mitgefangenen war auch der Priester Viktor. Er war ein anderer, als der oben erwähnte Viktorius, der mit Montanus enthauptet wurde, während Viktor schon vorher, bald nach der ihm gewordenen Erscheinung, gelitten hat. Er erzählt: Ich sah einen Knaben in den Kerker eintreten, dessen Angesicht in einem unbeschreiblichen Glanz leuchtete. Er führte uns in allen Winkeln des Kerkers herum, als wollte er einen Ausgang suchen; doch konnten wir nicht hinausfinden. Da sprach er zu mir: „Ihr müsst jetzt noch etwas Beschwerden leiden und werdet noch zurückgehalten; aber vertraut auf mich, ich bin bei euch. Sage ihnen (den Mitgefangenen), dass ihr eine desto herrlichere Krone haben werdet. Der Geist eilt schon zu seinem Gott, und dem Leiden nahe sieht die Seele sich um nach ihrer Heimat.“ Da fragte ich: „Wo ist denn das Paradies, unsere Heimat?“ Der Knabe antwortete: „Es ist außerhalb der Welt.“ – „So zeige es mir!“ – „Wenn ich es dir zeigte, wo wäre dann der Glaube?“ Wenn wir jetzt schon all das Zukünftige sähen, dann gäbe es keinen Glauben. Dann hätten wir aber auch kein Verdienst. Denn dadurch, dass wir auf Gottes Wahrhaftigkeit vertrauen, dass wir glauben, was wir nicht sehen, weil es Gott gesagt hat, verdienen wir die Seligkeit als Lohn für unsere vertrauensvolle Hingabe an Gott.

 

Um unseren Bekenner Flavian entspann sich ein eigenartiger Streit zwischen der himmlischen und irdischen Liebe, wobei er, der Gegenstand des Streites, mit der ganzen Sehnsucht seines Herzens die Partei Gottes ergriff. Das Edikt des Kaisers Valerian bedrohte nur die Bischöfe, Priester und Diakone mit dem Tod, während gegen die übrigen Gläubigen keine so harte Strafe ausgesprochen war. Als nun die Martyrer zur endgültigen Verurteilung vorgeführt wurden, beteuerte Flavian wohl immer wieder, dass er Diakon sei; allein seine zahlreichen Freunde und Schüler, schwache Christen und zumeist noch Heiden, von falscher Liebe bewogen, behaupteten immer, er sei nicht Diakon, und setzten es durch ihren Einfluss durch, dass er wieder ins Gefängnis zurückgebracht wurde, während Montan und seine Genossen zum Martertod geführt wurden. Aber unerschüttert war Flavians Bekennermut, unbesiegt seine Glaubenskraft, des kommenden Leidens gewiss seine Zuversicht, ruhig sein Geist und ob des Hindernisses nicht bekümmert. Wer allein sich grämte und wen er beruhigen musste, das war seine Mutter. Diese unvergleichliche Frau, die sich als wahre Tochter Abrahams bewährte, da sie wünschte, ihr Sohn möchte im Gehorsam gegen Gott geopfert werden, war im Innersten schmerzlich ergriffen, dass er noch zurückbleiben musste. O wahrhaft fromme Mutter, auch neben den großen Vorbildern des Altertums noch ehrwürdig! Du makkabäische Mutter, wenngleich du nicht so viele Söhne hast, so hast du doch in diesem einzigen Kind all deine Mutterliebe dem Herrn zum Opfer gebracht! Und dieser Sohn, sich glücklich preisend ob der hochherzigen Gesinnung seiner Mutter, tröstete sie: „Du weißt ja, Mutter, aller Liebe wert, wie ich immer verlangt habe, wenn ich einmal Gelegenheit haben sollte, meinen Glauben zu bekennen, doch die Marter recht auszukosten, mich recht oft in Ketten zu sehen und recht lange darin gefangen gehalten zu werden. Wenn mir nun das alles zuteilwird, was ich gewünscht habe, so ist ja mehr Ursache, sich zu freuen als zu betrüben.“ So erwartete der Martyrer Gottes mit größter Zuversicht, nicht zuletzt auch im Vertrauen auf die Fürbitte seiner vorausgegangenen Brüder den dritten Tag nicht als den Tag des Todes, sondern der Auferstehung. Auch das Heidenvolk, das eben vorher Montans weithin tönendes Gebet mitangehört hatte, wartete voll Begierde auf diesen Tag.

 

Noch einmal bot sich das Schauspiel eines heißen Kampfes zwischen Erde und Himmel um eine Menschenseele, wie er sich ja öfters, unbeachtet von der Außenwelt, in der Menschenbrust abspielt. Flavian wurde wieder vor Gericht geführt. Beim Eintritt in den Gerichtshof schlossen sich seine Freunde aus den Christen fest an ihn an, so dass sie seine Hände in den ihrigen hielten, und erwiesen ihm alle Ehre und Liebe, wie sie einem Martyrer, mit dem sie zusammengelebt hatten, gebührte. Auch seine heidnischen Schüler kamen und suchten ihn wiederum unter Tränen zu bereden, dass er doch jetzt opfere, um das Leben zu erhalten. Den sicheren Tod zu wählen, sei doch töricht. Aber liebreich dankte er für die bewiesene Freundschaft. „Wir Christen, sprach er, leben, auch wenn wir getötet werden. Wir werden durch den Tod nicht besiegt, sondern wir siegen durch ihn.“ Nun stand Flavian vor dem Richter. Dieser schien ihn selbst gerne retten zu wollen und machte ihm zum Vorwurf, dass er lüge, wenn er sich als Diakon ausgebe. Doch der unüberwindliche Bekenner des Herrn beteuerte immer wieder, dass er es sei. Da überreichte ein Hauptmann dem Richter eine Schrift, in der mehrere Personen mit Namensunterschrift bezeugten, dass er noch nicht Diakon sei. Die Erregung des Volkes wuchs, und der Prokurator erging sich in noch bittereren Vorwürfen. Auch Flavians Antlitz erglühte in heiliger Erregung: „Was hätte ich denn davon, mich einer Lüge schuldig zu machen, die mir den Tod bringt? Den vielmehr klage ich der Lüge an, der diesen falschen Bericht geliefert hat.“ Nun schrie das Volk, er solle gefoltert werden, nicht um ihn zu peinigen, sondern in der Hoffnung, ihn dadurch zur Leugnung seines kirchlichen Standes zu zwingen und so zu retten. Wozu doch irdische Liebe führt! Nun zeigte es sich aber offenkundig, wie Gott die Herzen lenkt. Der Prokurator verurteilte jetzt den siegreichen Bekenner ohne weiteres zum Tod durchs Schwert.

 

Wonne und Seligkeit war dem lange Gequälten diese Entscheidung. Von vielen Priestern begleitet, in geordnetem Zug all seiner Schüler, geehrt wie ein Fürst, schritt würdevoll der glorreiche Sieger im Zweikampf der Liebe zur Richtstätte. Ein milder Regen war während des Zuges gefallen, reichlich genug, um die neugierigen heidnischen Zuschauer zu zerstreuen und so den Christen ungehindert Gelegenheit zu geben, die letzten Worte der Liebe mit dem Martyrer zu tauschen und den Friedenskuss zu wechseln. „Es muss regnen“, meinte in sinniger Weise der fromme Jünger Christi, „damit, wie beim Tod des Herrn, sich Blut mit Wasser mische.“ Dabei erzählte er seinen Freunden, dass ihm in den letzten Tagen Offenbarungen zuteil geworden seien über seinen bevorstehenden Tod. Von einem erhöhten Ort aus sprach er dann noch die Abschiedsworte: „Ihr habt den Frieden, geliebteste Brüder, wenn ihr den Frieden der Kirche und die Einheit der Liebe bewahren werdet. Glaubt nicht, dass es etwas Geringes sei, was ich da gesagt habe. Unser Herr Jesus Christus hat, als er dem Leiden nahe war, dasselbe empfohlen, da er sagte: Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe.“ Nachdem ihm mit dem Stück Tuch, das Montan vor zwei Tagen für ihn aufbewahren ließ, die Augen verbunden worden waren, kniete er sich wie zum Gebet nieder, und betend ging er ein in die so lang ersehnte Herrlichkeit der Blutsfreunde Christi.

 

Der Tod vermag die in christlicher Liebe Verbundenen nicht zu trennen. Der Fromme, gewöhnt an die Betrachtung des Übernatürlichen, sieht dem Tod mit Freuden entgegen. Die ihm vorausgegangen sind, kommen nur einige Tage früher ans Ziel und erwarten dort froh die Zurückgebliebenen. Wie die in den Martyrerakten nicht seltenen Vorkommnisse lehren, können die Heiligen mit Gottes Zulassung auch durch Gesichte und ähnliche Erscheinungen mit uns in Verbindung bleiben. Von solchen Dingen hat der glaubenslose Mensch keine Ahnung, da er nur im Irdischen lebt und am Sinnlichen klebt; er hat aber auch keine Ahnung von der Liebe über den Tod hinaus.

 

25. Februar

 

Die heilige Walburga, Äbtissin von Heidenheim,

+ 25.2.779 - Fest: 25. Februar

 

Walburga stammt aus einer Familie, die viele Heilige hervorgebracht hat. Der Vater, ein englischer Fürst, war der heilige Richard. Willibald, später Bischof von Eichstätt in Bayern, und Wunibald, der erste Abt des Klosters Heidenheim, waren Brüder Walburgas. Und zu Sankt Bonifatius, dem Apostel der Deutschen, sagte Walburga Onkel. Das war eine große Heiligkeit in dieser gottgesegneten Familie.

 

Weil alle Heiligen in der Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus Kreuzträger sind, kam auch Walburga früh in diese Leidensschule. Mit jungen Jahren verlor sie Vater und Mutter durch den Tod. Die beiden Brüder halfen dem großen Onkel Bonifatius als Missionare bei der Bekehrung unserer Vorfahren, und Walburga blieb vereinsamt daheim, wo sie in einem Kloster erzogen wurde.

 

Darüber verging die Zeit, bis eines Tages ein Brief von den Ufern des Mains Walburga erreichte. Der heilige Bonifatius hatte den Brief geschrieben und darin stand, die Verhältnisse in der deutschen Mission seien nun soweit geordnet, dass auch Missionsschwestern eingesetzt werden könnten, welche die Predigt des Glaubensboten durch die christliche Caritas unterstützen müssten. Deshalb solle Walburga zu ihm und ihren Brüdern nach Deutschland kommen und auch noch andere Missionsschwestern mitbringen.

 

Walburga las den Brief mit großer Freude, und wenige Wochen später bestieg sie mit dreißig gleichgesinnten Frauen das Schiff und gelangte nach stürmischer Meerfahrt an die Mündung des Rheins und fuhr den Rhein hinauf bis Mainz, wo sie die beiden Brüder und den Onkel nach langen Jahren wiedersah. Es war ein frohes Wiedersehen, und nachdem sich die vier Heiligen erst einmal gründlich ausgesprochen hatten, ging Walburga mit den Gefährtinnen rüstig und fleißig an die Missionsarbeit. Zu Heidenheim wurde neben Wunibalds Männerkloster auch eine Frauenabtei gebaut, der Walburga als Äbtissin vorstand, dreißig Jahre lang. Die Schwestern pflegten die Kranken, nahmen sich der Waisenkinder an und gründeten Schulen, in denen sie die Mädchen unterrichteten und durch Wort und Beispiel zu christlichen Menschen erzogen. Es war eine segensreiche Arbeit.

 

Im Jahr 779 starb die heilige Walburga. Ihre Überreste gelangten später nach Eichstätt in die Walburgakirche, wo sie sich heute noch befinden. Eigentümlich ist es, dass aus ihrem Grabmal ständig eine geringe wasserklare Flüssigkeit fließt, das sogenannte Walburgisöl, das, im gläubigen Vertrauen gebraucht, schon in vielen Krankheiten geholfen hat. So ist es auch zu verstehen, dass Sankt Walburgas Grab ein vielbesuchter Wallfahrtsort war und es heute noch ist.

 

Walburga war also die erste Missionsschwester in Deutschland. Ehre sei ihr daher für alle Zeit und bis in Ewigkeit.

 

 

Der heilige Tharasius, Patriarch und Bekenner von Konstantinopel,

+ 25.2.806 – Fest: 25. Februar

 

Tharasius wurde in der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts aus einem vornehmen Geschlecht in Konstantinopel geboren und von seinen frommen Eltern sehr gottesfürchtig erzogen. Er widmete sich mit Auszeichnung den Wissenschaften, besonders der Rechtsgelehrsamkeit und wurde Geheimschreiber am kaiserlichen Hof, in welchem Amt er viel Gutes zur Erhaltung und Verbreitung der reinen Lehre des Christentums wirkte. Denn damals wüteten die Bilderstürmer in der Kirche Gottes mit einer solchen Macht, dass der ehrwürdige Patriarch Paulus ihnen nicht mehr widerstehen konnte, sein Amt niederlegte und sich in ein Kloster verschloss. Er gab seiner Geistlichkeit den Rat, den frommen Tharasius zu seinem Nachfolger zu wählen, weil der durch sein Ansehen, in dem er beim Kaiser stand, und durch seinen Eifer, den er von jeher für die gute Sache bewies, der Verheerung am meisten Einhalt tun könnte. Tharasius war schon im männlichen Alter, als er den Ruf zum Patriarchalamt erhielt und weigerte sich gegen diese Würde so lange beharrlich, bis die Geistlichkeit und das Volk, an die er eine eindringliche Rede hielt, feierlich versprach, die Beschlüsse aller Kirchensynoden zu erfüllen, zu kämpfen gegen die Bilderstürmer und dem römischen Papst den strengsten Gehorsam zu bezeugen. Jetzt erst, im Jahr 784, ließ er sich zum Bischof weihen und arbeitete unermüdlich an der Herstellung der alten Kirchenzucht. Er verbesserte die Klöster und stiftete mehrere von seinem eigenen Vermögen. Er führte die strengste Ordnung unter seinen Geistlichen ein und bestrafte alle Missbräuche bei ihnen in Hinsicht der weichlichen Lebensart und Kleidung und linderte allenthalben das Elend und die Armut der Unglücklichen und Unterdrückten. Er selbst lebte in der größten Armut und Abtötung, ertrug Hass und Verfolgungen mit Geduld und leuchtete seiner Herde als ein Muster aller Tugenden vor. Die Rechte der Kirche verteidigte er unerschrocken, widersetzte sich mutig der Ehescheidung des Kaisers Konstantin und forderte von den Gerichten einen Übeltäter, der sich in die Kirche geflüchtet und den man durch List daraus entführt hatte, zurück, und verteidigte ihn so lange, bis seine Sache genau untersucht war und er als unschuldig befunden wurde.

 

Um die Irrtümer der Irrlehrer, besonders der Bilderstürmer zu bekämpfen, veranstaltete der heilige Patriarch die 7. Synode in Konstantinopel und da diese Versammlung der Bischöfe durch die Anhänger der Irrlehrer beunruhigt wurde, verlegte er sie nach Nicäa, wobei selbst die Gesandten des Papstes Adrianus erschienen und die Verehrung der Bilder bestätigt wurde. Der heilige Tharasius starb am 25. Februar des Jahres 806, beweint und betrauert von allen Christen und besonders vom Kaiser Nicephorus. Sein Leichnam wurde in der Klosterkirche aller heiligen Martyrer beerdigt.

 

Der selige Konrad von Seldenbüren,

Stifter von Engelberg in der Schweiz, Laienbruder, Märtyrer,

+ 2.5.1126 – Fest: 2. Mai,

und die seligen Äbte Adelhelm I. von Engelberg,

+ 25.2.1131 – Fest: 25. Februar,

und Frowin von Engelberg,

+ 27.3.1178 – Fest: 27. März

 

Das Geschlecht der Edlen von Seldenbüren (Sellenbüren) könnte man ein Geschlecht der Klostergründer nennen. Schon um das Jahr 945 hatte Reginbert im Schwarzwald das Kloster St. Blasien gegründet, das unter dem großen Abt Gerbert im 18. Jahrhundert eine so großartige Blüte erleben sollte. Heinrich von Seldenbüren gründete 1030 das Kloster Muri im Aargau, das nach der Aufhebung im 19. Jahrhundert vom Staat als Armenanstalt eingerichtet wurde. Wenn nun der junge Konrad die Bilder der ehrwürdigen Ahnen staunend betrachtete und in müßigen Stunden in der alten Burgchronik blätterte, kann es uns dann wundern, wenn auch er einem Reginbert oder Heinrich nicht nachstehen wollte? Der Gedanke Gott eine Stätte des Lobes zu bereiten, den Menschen einen Ort des Gebetes und der Fürbitte, den Armen einen Quell des Trostes und der Erquickung, den auf den rauen Höhen und in den schneeigen Tälern Verirrten ein rettendes Dach, der Welt einen Hort der Kunst und Wissenschaft zu schaffen, dieser Gedanke wollte ihm nicht mehr aus dem Kopf. Immer wieder dachte er daran, wie er die Mittel schaffen könne, auf seinen Ritten und Jagden suchte er nach einem geeigneten Ort, ja manchmal glaubte er schon den weihevollen Klang der Psalmen vom Chor der Mönche her zu hören. Konrad befand sich wieder einmal auf einem solchen Ritt, er war von seiner Seldenburg am Westfluss der Albis bei Zürich über den Zuger- und Vierwaldstättersee gekommen und hatte sich von Stans aus mühsam durch die wilden Schluchten hinaufgearbeitet, über Grafenort bis an den Fuß des Engelbergs. Die Gegend gefiel ihm und ohne langes Bedenken war sein Entschluss gefasst: Hier sollte sein Lebenswerk erstehen. Freudigen Herzens ritt er wieder zu Tal auf seine verstreuten Gehöfte, und was dort an Kräften irgendwie entbehrlich war, musste hinauf auf die Berge, um Stein und Holz herzurichten für den Klosterbau. Bald herrschte auf den unbewohnten Höhen frisches, reges Leben; durch die stille Einsamkeit riefen menschliche Stimmen, hallte das Eisen der Äxte, die die Baumriesen stürzten, und der Meißel, der die Steine bearbeitete. Endlich war ein ansehnlicher Fleck gerodet, die Grundmauern wurden tief in die Erde gesenkt und bald erhob sich das Kloster im Rohbau. An der Stelle, wo einst der Waldbär seine Höhle bewohnt hatte, wurde der Hauptaltar errichtet. Der 1. April 1120 wird von der ältesten Chronik von Engelberg als Gründungstag überliefert.

 

Kloster und Kirche waren fertig, die toten Mauern warteten nur noch, dass man sie belebte. Konrad hatte inzwischen schon Umschau gehalten unter den Klöstern, aus denen er die Mönche für seine Stiftung nehmen sollte. Damals entfaltete gerade St. Blasien im Schwarzwald eine fruchtreiche Tätigkeit in der Besiedelung und Neugründung von Klöstern; im Mutterkloster selbst herrschte musterhafte Zucht und Ordnung. Ein Ahne Konrads hatte es vor 200 Jahren gegründet. St. Blasien also konnte Konrad seine Gründung wohl übergeben und hatte dabei die sichere Gewähr, dass sie sich bald selbstständig in die Höhe arbeiten könne. Adelhelm, der später der erste Abt des Klosters wurde, zog mit zwölf in der Ordenszucht erprobten Mönchen in das neue Kloster ein. Noch ist im Klosterarchiv die Urkunde vorhanden, datiert vom 22. November 1122, gemäß der „der edle Mann Konrad . . . den Ort Engelberg selbst mit allen gegenwärtigen und späteren gesetzlichen Gerechtsamen und Zugehörden . . . auf dem Altar der heiligen Maria Gott dem Herrn . . . als unanfechtbares Eigentum des genannten Klosters dem Vater Adelhelm und seinen Nachfolgern . . . abgetreten, überantwortet und übergeben“ hat. Diese Übergabe geschah in damaliger Zeit in einer sehr sinnvollen Zeremonie. Der Eigentümer nahm nämlich ein Rasenstück oder etwas Erde von seinem Grundstück, das er vergeben wollte, trug es in die Kirche und legte es auf den Hochaltar, in dem die Reliquien der Kirchenpatrone eingeschlossen waren und übergab dadurch sein Eigentum Gott und den Heiligen gleichsam persönlich als Geschenk und als Gegenstand ihres Schutzes. Das anwesende Volk wurde dabei in einer feierlichen Erklärung von dem Geschehenen in Kenntnis gesetzt und als Zeuge für alle Zukunft und gegen jedermann angerufen. Um seinem großen Werk das Schlusssiegel aufzudrücken, erwirkte Konrad noch Schutzbrief und Privilegien von Papst Kalixt II. und Kaiser Heinrich V. Seitdem hat sich der Gottespreis der Bergeshäupter vereinigt mit dem Gotteslob der Mönche. Wenn der Sturm um die Felsengrate jagt und seine langgezogenen Weisen singt, dann ertönen im Chor der Mönche die feierlichen Klänge des Chorals; wie die Berge ihre Riesenhände bittend zum Himmel recken, so falten sich still in den Zellen der Brüder die müden Hände zum Gebet, hier hat die Natur mit dem Menschen eine Harmonie gefunden. Konrad hatte dem Schöpfer der ganzen weiten Welt ein Werk der Ehre bereitet und das war auch sein eigentliches Ziel, das war sein Lebensberuf: Gott zu Ehren alles tun und das Heil des Nächsten wirken. Was außerhalb dieses Zieles lag, das war ihm Sünde, das durfte und wollte er nicht tun. Aber je konsequenter Konrad diesen Gedanken durchdachte, desto mehr kam es ihm zum Bewusstsein, wie der ganze Mensch mit all dem Seinen zu Gottes Ehre geschaffen sei; weil aber das Fleisch so schwach sei, dass der Mensch in der Welt dieses Ideal niemals vollkommen verwirklichen könne, so müsse er sich zum ausschließlichen Dienst Gottes von der Welt absondern. Konrad verbarg sich nicht vor diesem Gedanken und der Folgerung, die sich daraus für ihn ergab, denn Denken und Tun war ihm eins: er trat in das von ihm gegründete Kloster unter Abt Adelhelm als einfacher Laienbruder ein. Sein jungfräulicher Leib sollte nunmehr allein Gott zu Ehren seine Kräfte verzehren. Seinen freien Sinn beugte er voll Demut unter das Joch des Gehorsams; die Hand, die einst nur den Degen des freien Mannes geführt hatte, griff zur gewöhnlichen Arbeit seiner Knechte, er, der einst durch Berge und Tal, durch die wilde Schlucht und den dunklen Wald dem Wild nachjagt hatte, ging nur mehr dorthin, wohin der Obere ihm befahl. Gott gewährte ihm die Gnade, dass er in diesem Gehorsam sich selbst zum Schlachtopfer bringen durfte. Ein weltlicher Nachbar des Klosters beanspruchte einige Grenzgebiete des Klosters als sein Eigentum. Abt Adelhelm hatte nun keinen besseren Zeugen für die Rechtmäßigkeit seines Besitzes als Konrad, den einstigen Besitzer dieser Gebiete. Ihn schickte er deshalb, den unseligen Streit zu schlichten. Konrad ging willig und gerne hin, um das gottgeweihte Gut zu verteidigen. Beide legten die strittigen Punkte des Prozesses klar, als man dann auf die Auseinandersetzung über sie einging, wurde Konrad unversehens vom anderen angefallen. Aus zwei tiefen Wunden blutend, stürzte Konrad zusammen um als ein Märtyrer der Gerechtigkeit zu sterben, am 2. Mai 1126. Seine Leiche wurde im Triumphzug nach Engelberg zurückgetragen und im Chor der Kirche beigesetzt. In der neuen Kirche ruhen die Überreste des seligen Stifters seit 1743 in einem altarähnlichen Aufbau links vom Eingang der Kirche. Auf seine Fürbitte hin geschahen an seinem vielbesuchten Grab zahlreiche Gebetserhörungen.

 

Der selige Stifter war tot, doch über seinen Gebeinen hob sich das Werk. Die Klostergebäulichkeiten erhielten einen stattlichen Umfang, man legte auch schon in der Umgegend neue Gehöfte an, um dem fruchtbaren, aber noch gänzlich ungepflegten Boden mühsam das tägliche Brot abzuzwingen. Abt Adelhelm war es, der elf Jahre lang mit unermüdlichem Eifer die Gemeinde leitete und die wirtschaftliche Hebung des Klosters betrieb. Doch ging er in dieser Sorge um die äußere Sicherstellung des Klosters nicht auf. Er war ein Mann voll Tugend und Heiligkeit, dem seine Zeit die Gabe der Prophezeiung nachrühmte und den die Nachkommen als Seligen verehrten. Als Todestag bezeichnet das Sterbebuch den 25. Februar 1131. Seine spärlichen Gebeine wurden 1743 in ein Grabmal, ähnlich dem des Stifters in der Seitenkapelle rechts vom Eingang eingeschlossen.

 

Noch tatkräftiger und energischer als Adelhelm wirkte der gottselige Abt Frowin, der von 1143 bis 1178 das Kloster leitete. Er besaß ein besonderes Talent, sowohl anderen Arbeitsgebiete zu eröffnen, wie auch selbst sie zu pflegen. Im Kloster richtete er eine Schule ein, wie sie in allen größeren Klöstern des Mittelalters zur gewöhnlichen Einrichtung gehörte, eine Schule für den Nachwuchs des Klosters, dann eine zweite für die Söhne der Adeligen. Die Mönche, die in der Schule keine Beschäftigung fanden, mussten in der geräumigen Schreibstube alte Handschriften abschreiben. Man kann es fast kein Schreiben mehr nennen, das war schon ein fein säuberliches Malen, das ihre ganze Fingergelenkigkeit, ihre Geduld und Ausdauer, ihr künstlerisches Zartgefühl, ihre kindliche Phantasie beanspruchte; ja nicht wenige haben uns darin, besonders in den kunstvoll verzierten Anfangsbuchstaben, den sogenannten Initialen, ein Stück ihrer Seele überliefert. Das Ziel, das Frowin bei allen Beschäftigungen verfolgte, war die Vermeidung des Müßiggangs, der aller Laster Anfang auch im Kloster ist, den der heilige Ordensvater Benedikt mit solcher Schärfe aus dem Kloster verbannt wissen will. Abt Frowin ging selbst mit dem besten Beispiel voran. Obwohl die ganze Last der Klosterverwaltung auf ihm lag, obwohl er sein reich entwickeltes Innenleben in keiner Weise verkümmern ließ, fand er doch noch Zeit, seine Gedankenfülle auf dem Pergament festzuhalten. Seine bekanntesten Schriften sind die über das Gebet des Herrn und über den freien Willen. Unter Abt Frowin, Todestag 27. März 1178, steht Engelberg wohl auf dem Höhepunkt seiner ersten Blüteperiode. Und das Fundament zu dem hocherwachsenen Bau bildeten die Grundsätze, die Konrad einst das Kloster hatten gründen lassen: Gottes Ehre und der Seelen Heil.

 

Gottes Ehre und der Seelen Heil, das ist der einzige echte Inhalt eines christlichen Lebens. So wie wir Menschen nun einmal sind, müssen wir uns nehmen: den immerwährenden Zwiespalt zwischen Geist und Fleisch können wir nicht aufheben. Wir werden es immer wieder erleben müssen, dass das Leibliche in uns die Oberhand zu gewinnen sucht, dass wir oft schmählich von ihm überwältigt werden. Aus uns allein werden wir dem Geist nie zum Sieg verhelfen können. Das kann nur einer, der uns rein und stark geschaffen, der uns erlöst hat, der kann uns heiligen, kann uns stärken, kann uns selig machen. Ihm allein also gebührt alle Ehre. Ihm soll unsere Lebenskraft, Leib wie Geist geweiht sein, ihm wollen wir mit der ganzen Schöpfung ein großes Loblied singen: „Ehre sei Gott in der Höhe!“ „Und Friede den Menschen auf Erden“ schließt sich unwillkürlich daran. Friede aber lässt sich nur dann im Menschenherzen nieder, wenn die Seele sich gefunden hat in Gott. Dass wir den Menschen auf den Weg zu Gott verhelfen, das ist also unsere zweite Aufgabe, die sich folgerichtig aus der ersten ergibt. Seelen zu Gott zu führen, das ist die Krone der Nächstenliebe.

 

26. Februar

 

Der heilige Nestor, Bischof und Martyrer von Perge, Pamphylien,

+ 26.2.251 – Fest: 26. Februar

 

Der heilige Nestor war Bischof der Christengemeinde zu Magydis in Pamphylien und sah mit prophetischem Geist die grausame Verfolgung der Kirche Christi unter der Regierung des Kaisers Decius vorher. Deswegen ermahnte er seine ihm anvertraute Herde unermüdlich zur Treue Gott und ihrer heiligen Religion gegenüber und zum standhaften Bekenntnis ihres Glaubens unter den heftigsten Martern und selbst im Tod. Unter Fasten und vielen Tränen flehte er stets zu Gott, dass er ihn vor allen zuerst der Marterkrone würdigen wolle, damit er durch sein Beispiel der christlichen Standhaftigkeit und Geduld seine Gläubigen ermuntern und vor dem Abfall vom Glauben bewahren möge. Im Jahr 254 brach die Verfolgung wirklich aus und der Heilige war der erste, der von den Heiden ergriffen und vor das Gericht geführt wurde. Der Präfekt von Magydis erklärte ihm die strengen Verordnungen des Kaisers gegen das Christentum und redete ihm freundlich zu, sich nicht durch Ungehorsam unglücklich zu machen, sondern den Göttern, wenn auch nur dem Schein nach, zu opfern und friedlichere Zeiten abzuwarten. Aber der eifrige Diener Gottes, der sich schon lange auf den Tod mit Sehnsucht vorbereitet hatte, bekannte Jesus freimütig als den wahren Gott und erklärte das Götzenopfer als Teufelsdienst und als das größte Verbrechen. Da auch Drohungen bei ihm fruchtlos waren, ließ ihn der Richter in schwere Ketten legen und nach Perga schleppen, wo er dem Statthalter Pollio ausgeliefert wurde. Der fragte den Heiligen nach seinem Stand und Namen und Nestor sagte ihm, dass er ein Christ und Priester des wahren Gottes sei. Pollio versuchte ihn zum Abfall dadurch zu bewegen, dass er ihm Ämter und Würden, ja die Stelle eines obersten Götzenpriesters versprach. Aber der Bekenner erhob seine Augen zum Himmel, bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuz und sprach: „Wenn du mir alle Schätze deines Kaisers überlieferst, oder wenn du mich zum Feuer oder Schwert oder zu den wilden Tieren verurteilst, so wirst du mich doch nicht bewegen können, meinen Gott und Herrn zu verleugnen.“ Auf diese Worte ließ ihn der Statthalter auf die Folter werfen und seinen Leib so grausam zerfleischen, dass die bloßen Gebeine sichtbar waren. Aber der Martyrer lobte Gott mit lauter Stimme und antwortete den Heiden, die Mitleid mit ihm hatten und ihm zuriefen, sein Leben zu retten: „Ich lebe nur in Jesus.“ Da schrie der Richter: „So sollst du auch wie dein Jesus sterben“ und verurteilte ihn zum Tod des Kreuzes.

 

Sogleich schlugen ihn die Henker an Händen und Füßen an das Kreuz und der heilige Martyrer ermahnte noch in einer rührenden Rede die Christen zur Standhaftigkeit und zum Vertrauen auf Gott und schloss mit den Worten: „Und nun lasst uns beten und unsere Knie beugen vor Jesus unserem Erlöser und Heiland!“ Und als alle Anwesenden, selbst Heiden, auf der Erde lagen und beteten, sprach er laut: „Amen“ und gab seinen Geist auf.

 

Der heilige Porphyrius, Einsiedler und Bischof von Gaza im Heiligen Land,

+ 26.2.420 – Fest: 26. Februar

 

Porphyrius wurde um das Jahr 353 aus einer vornehmen Familie zu Thessalonich geboren. In seinem fünfundzwanzigsten Lebensjahr verließ er das väterliche Haus und begab sich nach Jerusalem, wo er mehrere Jahre hindurch ein verborgenes, strenges Leben führte. Seine Güter ließ er in Thessalonich verkaufen und teilte sein ganzes Vermögen unter die Armen aus. Er lernte das Sattlerhandwerk und verdiente, weil er von den milden Gaben der Christen nicht leben wollte, sich bis in sein vierzigstes Lebensjahr den notwendigen Lebensunterhalt.

 

Wegen seiner großen Fähigkeiten und hohen Tugenden wurde er von Johannes, dem Patriarchen von Jerusalem, zum Priester geweiht. Das war ihm nur umso mehr Grund, noch eifriger nach Heiligkeit zu streben. So verbreitete sich sein Ruf bald so sehr, dass ihn die Gläubigen zu Gaza nach dem Tod ihres Oberhirten einmütig zu ihrem Bischof verlangten und er im Jahr 396 vom Erzbischof Johannes die bischöfliche Weihe empfing.

 

Die Ungläubigen in Gaza waren aber mit der Wahl des heiligen Mannes nicht zufrieden. Als während einer anhaltenden Dürre auf sein Gebet reichlicher Regen gefallen war und viele Bekehrungen stattgefunden hatten, wurden sie noch feindseliger und quälten den Bischof und die Christen bei jeder Gelegenheit. Da war Porphyrius gezwungen, sich an den Kaiser zu wenden. Lange weigerte sich dieser, aus Furcht vor der Empörung der Heiden, einzuschreiten. Endlich gab er den Befehl, die acht heidnischen Tempel sowie auch die Götzenbilder in den Häusern der Einzelnen zu zerstören. Nun schritt man rasch an den Bau der neuen Kirche; sie sollte die Kreuzform erhalten. Eudoxia, die Kaiserin, sandte 30 kostbare Säulen und Marmor zum Bau.

 

Allein je mehr das Christentum sich verbreitete, desto wütender wurden die noch übrigen Götzendiener und quälten die Christen, wie sie nur konnten, besonders den Bischof. Genötigt zu flüchten, hielt er sich zwei Tage auf einem Dach auf, wo er von einem Mädchen, Namens Irene, das noch Heidin war, bedient wurde. Nachdem der Aufstand sich gelegt hatte, kehrte er in seine Wohnung zurück. Porphyr ließ das Mädchen zu sich kommen und fragte: „Willst du eine Christin werden“? „Ja Herr, es war dies schon längst mein Wunsch und habe deshalb meine Base als Zeugin mitgenommen, die auch dasselbe wünscht.“ Der Bischof sandte den Priester Timotheus in ihr Haus, um sie, ihre Base und Großmutter, die nur schwer mehr gehen konnte, zu unterrichten. Bald traten alle drei durch die heilige Taufe in die Kirche ein. Als die Taufe vorüber war, fragte er Irene: „Willst du nicht, dass ich dich mit einem rechtschaffenen Mann vermähle; denn unsere Religion verbietet eine rechtmäßige Ehe nicht?“ Da fing Irene zu weinen an und sagte: „O guter Vater! Nachdem du mich dem Höchsten verbunden hast, willst du mich wieder lostrennen und einem sterblichen Menschen hingeben?“ Erstaunt fragte der Bischof: „Wer ist denn der, dem ich dich verbunden habe?“ Irene antwortete: „Jesus Christus, der Retter unserer Seelen, mein wahrer Bräutigam, von dem ich mich in Ewigkeit nicht trennen will.“ Der Bischof weinte und pries Gott, dass er seinen Auserwählten solche Weisheit verleihe.

 

Porphyr lebte noch einige Jahre, von nun an in vollkommener Ruhe, zum Heil seiner Herde. In seiner letzten Krankheit machte er ein frommes Testament von dem Wenigen, das er noch hatte, empfahl seine Schäflein dem Herrn und entschlief am 26. Februar des Jahres 420.

 

Gebet. Großer, heiliger Bischof! Der du alles, was deines heiligen Amtes war, im Vertrauen auf Gott unternommen und durch seine Hilfe so glücklich ausgeführt hast, erbitte auch uns jene Demut, die nicht auf eigene Kräfte baut, sondern alles Gedeihen von oben erwartet, auf dass auch wir in allen unseren Unternehmungen stets gesegnet sein mögen, durch Christus, unsern Herrn. Amen.

 

27. Februar

 

Der heilige Baldomer, Schlosser und Subdiakon zu Lyon,

+ 27.2.660 - Fest: 27. Februar

 

Die Kirche von Lyon in Frankreich, die seit den ersten christlichen Jahrhunderten so viele ausgezeichnete heilige Bekenner und Blutzeugen aus jedem Stand, Alter und Geschlecht aufweisen kann, verehrt auch den heiligen Baldomerus als ein herrliches Muster der Nachahmung.

 

Baldomerus wurde in Lyon geboren, wo er von seinen frommen Eltern von Kindheit an zu einem gottseligen und rechtschaffenen Leben angeleitet wurde. Er musste auch sehr früh das Arbeiten erlernen, nämlich das Schmiedehandwerk, das er auch bis an sein Ende mit Eifer betrieb. Er ist ein merkwürdiges Vorbild für alle, die überlegen, wie man die Sorge um das Ewige mit der Sorge um das Zeitliche gut vereinigen kann, ohne dass eins dem andern im Wege steht. Alle seine Arbeiten waren durch eine gute Meinung geheiligt und vom Gebet begleitet und dadurch sichtbar gesegnet.

 

Seine täglichen Verrichtungen waren nach einer klugen Tagesordnung bestimmt. Wenn der Tag nur zu grauen anfing, da verließ Baldomerus schnell sein Nachtlager. Ein herzliches Morgengebet, das er kniend als ein Dankopfer Gott dem Herrn darbrachte, war täglich sein erstes Geschäft. Dann ging er zur nächsten Kirche, wo er der heiligen Messe andächtig beiwohnte. Kam er von der Kirche zurück, so genoss er mit seinen Gesellen und Lehrjungen fröhlich das Morgenbrot. Dann ermunterte er sie zur Arbeit gewöhnlich mit seinem Sprichwort: „Kommt Kinder, im Namen Gottes wollen wir nun arbeiten!“

 

So vergingen Tage und Wochen, und Gott segnete reichlich Meister Baldomers Geschäft. Er erwarb sich weit mehr, als er zum anständigen Lebensunterhalt für sich und die Seinen brauchte. Und da er nicht verheiratet war, auch nicht heiraten wollte, fanden die Armen an ihm einen reichlich spendenden Wohltäter. Doch obwohl er gerne gab, gab er weise und vorsichtig. Nicht jedem Armen reichte er, was dieser verlangte. Unbeschenkt ging zwar niemand von ihm weg, denn er wollte die Worte des Herrn genau erfüllen: „Gib dem, der dich bittet!“ Aber auf jene Hausarme war sein Augenmerk gerichtet, welche bei all ihrer Mühe und Arbeit so viel nicht erwerben konnten, als ihr und ihrer Kinder Notdurft verlangte. Diesen zu helfen, diese zu ermuntern zum Gebet und zum fortwährenden Vertrauen auf Gott, war eine seiner Hauptbeschäftigungen, wenn die Ruhestunde eintrat. In mancher stillen Abendstunde ging er umher und brachte ihnen so viel, als sie noch nötig haben könnten, um bei eigenem unverdrossenem Fleiß ihre Frauen und Kinder ernähren zu können. So sorgte er auch in den Wintermonaten für die Kleider, besonders der Unmündigen. Allein er suchte bei dieser Gelegenheit zugleich auch ihr noch größerer Wohltäter zu werden. Er nahm dabei Anlass, sie zum Gebet, zum Gehorsam ihren Eltern und Vorgesetzten gegenüber, sowie zum Fleiß in der Schule zu ermuntern, und dieses verstand er mit einer ganz einnehmenden Sanftmut und eindringlicher Liebe zu tun. Man sah aber auch sichtbar, wie Liebe Gegenliebe erweckt. Die Kinder der Armen eilten scharenweise zu ihm, umrangen ihn voll dankbarer Empfindungen und baten, dass er sie lehren und segnen möchte. Baldomerus, der alle, die bei ihm Hilfe und Trost suchten, durch sein herzliches, liebreiches und aufrichtiges Benehmen für sich gewann, unterließ auch keine Gelegenheit, alle für Gott zu gewinnen. Er ermunterte sie zur Gottseligkeit und freute sich, wenn er heilsame Wirkungen seiner Ermahnungen in den Hütten der Armen bemerkte.

 

So brachte er seinen Feierabend zu. War der vorüber, so eilte er wieder nach Hause. „Im Namen Gottes lasset uns wieder anfangen“, war sein Zuruf an die Gesellen; und so arbeitete er mutig und unverdrossen weiter, bis der Feierabend kam, den er meistens seinen Arbeitsgefährten mit den Worten ankündigte: „Gott sei für alles gelobt!“

 

Seine Gesellen und Lehrjungen hingen mit solcher Liebe und Achtung an ihm, dass, wenn sie einmal in sein Haus eingetreten waren, sie dasselbe nicht mehr verlassen wollten, denn er war auch ihr wahrer Freund, Ratgeber und Vater. Musste sich der eine oder der andere von ihm trennen, so geschah es nicht ohne die aufrichtigste Wehmut. Aber die Liebe zu ihrem alten Meister blieb ihnen unaustilgbar. Denn Baldomer wusste so auf das Herz und den Geist seiner Gesellen zu wirken, dass sie ihm lebenslänglich für die Belehrungen dankten, die aus dessen liebevollem Herzen gekommen waren.

 

Für seine Lehrlinge sorgte er mit ganz vorzüglicher Liebe. Es waren nur Kinder der Armen, die er in seine Werkstätte aufnahm. Aber es meldeten sich bei ihm so viele, dass er nicht alle annehmen konnte. Doch seine Liebe wusste auch noch für diese Rat. Diese Lernbegierigen suchte er bei anderen frommen und geschickten Meistern unterzubringen.

 

Die Lehrjahre sind den meisten Jungen Zeiten harter Prüfungen, die ihnen wegen der mannigfaltigen Kränkungen unvergesslich sind. Allein im Haus des Baldomerus hatten sie nichts von solcher Art zu erfahren. Er duldete keinen Gesellen, der mit Zorn und Härte einen Lehrjungen behandelte. Er selbst wies sie mit Liebe, aber wenn es sein musste, auch mit allem Ernst zu ihren Pflichten an. Doch er hatte es größtenteils nicht nötig, ihnen zweimal dasselbe zu sagen, weil sie als Kinder ihn herzlich liebten. Die Eltern pflegten in dieser Gegend ihre Kinder mit den Worten zu bedrohen: sie würden es dem Meister Baldomer melden, was sie Unartiges und Pflichtvergessenes getan haben. Dies allein war genug, um Kinder, und die Jungen insbesondere, in einer heilsamen Furcht zu halten.

 

Hatte ein Lehrling ausgelernt, so sorgte Meister Baldomer für dessen gute Unterkunft in einer entfernteren Stadt, und da der Name Baldomer in allen Städten Frankreichs bald sehr bekannt wurde, so fehlte es seinen Zöglingen nie an Aufnahme und Arbeit.

 

Viele Jahre hatte Baldomer in seinem Gewerbe verlebt, viel Gutes hatte er gestiftet. Die Zahl der Armen war beinahe ganz verschwunden. Denn da alle Familienväter nach Baldomers Beispiel ihre Arbeiten auch mit Gott anfingen und beendeten, so verbreitete sich auch der Segen Gottes reichlich unter ihnen. Das große Tagwerk, dass ihm die ewige Liebe aufgetragen hatte, war getan, und Gott wollte den treuen Diener Baldomer nun zur ewigen Belohnung seiner Verdienste abrufen. Er starb im Jahr 660, verehrt schon damals wie ein Heiliger, und allgemein betrauert. So wie einst bei dem Tod der menschenfreundlichen Tabitha, standen nun auch die Witwen und Waisen um seine Leiche herum und weinten und zeigten die Röcke und Kleidungsstücke, die ihnen der Heilige verschafft hatte.

 

Am Grab Baldomers geschahen viele, unleugbare und erstaunenswürdige Wunder, die nach strenger Untersuchung die Ursache dafür waren, warum Baldomer von der Kirche in die Zahl der Heiligen gesetzt wurde.

 

Liebe Handwerker! Möchte euch der heilige Baldomer oft im Sinn sein. Von ihm lernt ihr, wie man es anzufangen habe, um mit Segen zu arbeiten. Von ihm lernt ihr, eures Namens „Meister“ wert zu werden, wenn ihr nicht bloß den zeitlichen Unterricht der Lehrlinge, sondern auch ihr Seelenheil in väterliche Fürsorge nehmt und so ihnen alles werdet, um alle für Gott und die Heiligkeit zu gewinnen.

 

Aber allen Christgläubigen ist er ein nachahmungswürdiges Beispiel der Liebe und des tätigen Christentums, mit dem er viel weise Klugheit verband. Er liebte aber nicht, um geliebt zu werden, sondern in aller Herzen die Liebe Gottes zu entflammen. Er war ein Kinderfreund und die lieben Kleinen waren gerne bei ihm. Aber er benützte diesen Anlass, um die jungen Herzen durch Worte des Heils zu beleben und sie für die Gnade Gottes offen zu behalten. Er verband Gottseligkeit mit unverdrossenem Arbeitsfleiß und zeigte allen Christgläubigen, wie passend Beten und Arbeiten zusammen gehören.

 

Der heilige Julian, Martyrer von Alexandria,

+ 249-251 – Fest: 27. Februar

 

Kaiser Decius war am Anfang seiner Regierung ein gütiger Herr und gewann die Liebe und das Zutrauen aller seiner Untertanen. Aber plötzlich änderte er seine menschenfreundlichen Gesinnungen und wurde ein Tyrann und ein blutdürstiges Ungeheuer. Mit rasender Wut verfolgte er besonders die Bekenner Jesu und es schien dies der schreckliche Zeitpunkt zu sein, von dem der göttliche Erlöser vorhersagte, dass eine solche Verfolgung und ein solcher Jammer sein werde, dass selbst die Gerechten, wenn es möglich wäre, in den Irrtum fallen würden. Die Befehle dieses Kaisers zur Unterdrückung der Religion Jesu und die Martern und die qualvollen Peinigungen, die man gegen die Christen anwendete, waren schauderhaft und übertrafen die Grausamkeit der wildesten Völker. Alles bebte vor Schrecken und Furcht und die Christen, die Reichtümer und Würden besaßen und deren Herzen ganz an den zeitlichen Gütern hingen, jene, bei denen das Wort Gottes auf felsenharte Gemüter gefallen war und keine Wurzeln fassen konnte, jene Scheinchristen endlich, die es mit Gott und der Welt nicht verderben wollten: Alle die verleugneten sogleich ihren Glauben und opferten den Göttern. Andere verließen zwar für Jesus all ihren Besitz und flüchteten sich aus Furcht vor dem Martertod in Einöden und Wüsteneien, aber sie wurden ergriffen, in Kerkern gequält und wenn sie im öffentlichen Gericht das Bekenntnis ihres Glaubens ablegen sollten, verstummten sie und huldigten den Götzen.

 

Klein war damals das Häuflein derjenigen, die Martern und selbst den Tod verachteten und vom Geist Gottes beseelt, wie Felsen dastanden und der Wut der heidnischen Barbaren trotzten. Unter ihnen zeichnete sich besonders der Bekenner Julian aus, ein ehrwürdiger Greis, dem eine Krankheit alle Glieder gelähmt hatte und der sich von seinen zwei Helfern vor den Richter tragen lassen musste. Freimütig bekannte er, dass er ein Christ, ein Anbeter des wahren Gottes sei und dass er lieber sterben wolle, als falschen Götzen Weihrauch streuen. Vereint mit ihm legte auch der eine seiner Helfer, Eunus mit Namen, das standhafte Bekenntnis seines Glaubens ab. Der andere aber unterlag bei dem Anblick der Marterwerkzeuge dem Schrecken und er opferte mit zitternden Händen. Der Richter verurteilte die beiden Bekenner zum Feuertod und ließ sie zuvor durch alle Straßen von Alexandria, auf Kamele gebunden, führen, wo sie von dem rasenden Pöbel die größten Misshandlungen erdulden mussten. Als sie vor dem Scheiterhaufen angekommen waren, der hoch aufloderte, und den eine unzählige Menge Volkes umgab, fielen einige wütende Menschen über die Schlachtopfer her, um sie noch vorher grausam zu peinigen. Aber Besa, ein heidnischer Soldat, der Mitleid mit den Unglücklichen hatte, schützte sie gegen die grausamen Angreifer und wurde zugleich mit den Martyrern Julian und Eunus in die Flammen gestürzt, in denen sie unter Anrufung des Namens Jesus freudig den Geist aufgaben am 27. Februar des Jahres 251.

 

Der heilige Leander, Erzbischof und Bekenner von Sevilla, Spanien,

+ 27.2.601 – Fest: 27. Februar

 

Der heilige Leander wurde in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts zu Cartagena in Spanien geboren und erhielt von seinen gottesfürchtigen Eltern eine so fromme Erziehung, dass er sich in der Folge sowohl durch seine hohe Gelehrsamkeit als Heiligkeit des Lebens in der Kirche Jesu auszeichnete. Wegen seiner glänzenden Tugenden wurde er zum Erzbischof von Sevilla in Spanien erwählt. Diese Würde trat er im Gefühl der tiefsten Demut an und weihte sich ganz dem Dienst der Kirche Gottes dadurch, dass er als ein apostolischer Oberhirt furchtlos für die Wahrheit kämpfte und mit Sanftmut und Liebe seine Herde zum Seelenheil leitete. Streng wachte er über die Kirchenzucht und als ein Feind des Aberglaubens und der Irrlehren verteidigte er die reine Lehre Jesu mündlich und schriftlich, besonders gegen die Arianer, die mit ihren ketzerischen Lehren in Spanien großes Unheil angerichtet hatten. Auf der Kirchenversammlung in Konstantinopel, wo diese Irrlehre verdammt wurde, war der heilige Leander einer der eifrigsten Bischöfe, die Einigkeit und den Frieden der Kirche zu erhalten. Durch seine unermüdliche Tätigkeit und Sorgfalt für das Christentum bekehrte er nicht nur die Könige Hermenegild und Recared, sondern auch die Goten von der arianischen Irrlehre zum katholischen Glauben und wirkte segensvoll auf alle Kirchen in Spanien. Auf der dritten toletanischen Synode erkannten alle versammelten Bischöfe seine Verdienste um die heilige Religion und erteilten ihm das Lob des eifrigsten und getreuesten Verteidigers der Kirche. Selbst der heilige Papst Gregor bezeugte ihm in einem eigenhändigen apostolischen Schreiben seine innige Freude über die der Religion geleisteten Dienste, lobte seine Schriften als rein katholisch und übersandte ihm das Pallium und die Abhandlung über die Führung der Seelsorge, die der heilige Papst selbst geschrieben hatte.

 

So streng der heilige Leander gegen sich selbst war und so arm und abgetötet er lebte, so groß war seine Barmherzigkeit gegenüber den Armen und Bedrängten. Sein Haus stand allen offen und Witwen und Waisen nannten ihn ihren Vater und Unglückliche ihren Freund und Tröster. Gegen alle Menschen zeigte er sich gütig und sorgte für die geistlichen und leiblichen Bedürfnisse. Könige und Fürsten bewiesen ihm wegen seiner Tugenden die aufrichtigste Verehrung und die Christenheit in Spanien trauerte lange nach seinem Tod noch über seinen Verlust. Voller Sehnsucht nach dem himmlischen Vaterland starb er am 27. Februar im Jahr 601 und Spanien ehrt sein Andenken noch immer als eines seiner eifrigsten und heiligsten Bischöfe.

 

Der heilige Gabriel von der Schmerzhaften Mutter, Kleriker,

Italien, "Ein Edelstein in der Krone Mariens"

+ 27.2.1862 - Fest: 27. Februar

 

Am 31. Mai 1908 hat der Heilige Vater Papst Pius X. einen jungen Kleriker aus dem Passionistenorden feierlich die Ehre der Altäre erwiesen, und das Fest des Seligen auf denselben Tag festgelegt , als wollte er am Ende des Marienmonats allen Gläubigen in dem Seligen die Macht der hehren Maienkönigin zeigen und uns in ihm zugleich ein vollkommenes Muster der Verehrung der allerseligsten Jungfrau vor Augen stellen. Der selige Gabriel von der schmerzhaften Mutter wurde dann am 13. Mai 1920 vom Heiligen Vater Papst Benedikt XV. heiliggesprochen. Am 27. Februar wird das Fest des Heiligen begangen.

 

Er wurde am 1. März 1838 zu Assisi geboren und Franziskus genannt.

 

Sein Vater bekleidete angesehene Ämter, und ihm selbst waren die herrlichsten Herzens- und Geistesgaben vom Himmel verliehen. Somit war es ihm ein leichtes, die Gunst der Welt zu gewinnen, und er unterlag dieser Versuchung. Zwar bewahrte er seine Seele vor groben Fehlern, aber in leichtsinnigem Jagen haschte er nach den gefährlichen Lustbarkeiten der höheren Stände. Er wandelte am Rand des Abgrundes. Doch die Mutter Gottes wachte über ihn und ließ es nicht zu, dass er seine Unschuld befleckte. Als er eines Tages vor einer Muttergottesstatue betete, vernahm er eine innere Stimme: „Mein Kind, dein Platz ist nicht in dieser Welt, das Kloster erwartet dich.“

 

Franziskus hörte die Mahnung; aber lauter sprachen zu dem munteren, nur zu leichtsinnigen Jungen die Vergnügungen, die ihm in der Welt geboten wurden. Später werden wir hören, wie er in den beredtesten Worten seiner himmlischen Mutter für ihre treue Liebe dankt; für den Augenblick jedoch, konnte er sich nur schwer von der Notwendigkeit einer Trennung von der Welt überzeugen; viermal machte er in verschiedenen ernsten Mahnungen des Himmels das Gelübde, ins Kloster zu gehen, doch ohne es auszuführen. Bei einem feierlichen Umzug mit dem Gnadenbild der lieben Mutter Gottes von Spoleto wurde Franziskus aber so getroffen, dass er unverweilt und im stillen alles für die Ausführung seines Entschlusses vorbereitete und in den Passionistenorden eintrat im Jahr 1856.

 

Maria hatte gesiegt. Aber noch herrlicher sollte ihre Liebe und ihre Macht sich offenbaren. Sechs Jahre lebte der heilige Gabriel von der schmerzhaften Mutter im Kloster in treuer Übung der schönsten Tugenden; von seinem Eintritt ins Noviziat an betete er um die Gnade, in der Jugend sterben zu dürfen, und seinem Wunsch gemäß starb er am 27. Februar 1862 in dem einsamen Kloster seines Ordens zu Isola in den Abruzzen. Infolge der großen Wunder wurde der Ruf der Heiligkeit so allgemein, dass Papst Leo XIII. von der vorgeschriebenen Untersuchung dispensierte und Papst Pius X. den sehnsüchtigen Wunsch aussprach, ihm möglichst bald der Jugend als neuen Patron hinstellen zu können. Dies geschah am 31. Mai 1908, also sechsundvierzig Jahre nach dem Tod des nunmehr Heiligen. Einer seiner Brüder wohnte der Feier der Seligsprechung bei.

 

Woher kommt nun diese außerordentliche Verherrlichung? Wie viele hervorragende Frauen und Männer, die Großes taten, sind in Vergessenheit geraten! Und ein Junge, dessen Leben in stiller Einsamkeit dahinfloss und nichts Außergewöhnliches bietet, wird plötzlich ans helle Tageslicht gezogen.

 

Wir finden die Erklärung einer solchen Tatsache zum Teil in der schlichten Einfachheit dieses Lebens und in der ganz besonderen Andacht des Heiligen zu Maria.

 

In dieser Andacht liegt das unterscheidende Merkmal seines Lebens, das die Kirche in ihrem Offizium vor allem hervorhebt. Und diese außerordentliche Verehrung Mariens hat ihn zu einer so staunenswerten Vollkommenheit geführt. Stets betrachtete er in Maria das lieblichste Muster aller Tugenden, das ihn erleuchtete und zu jedem Opfer freudig begeisterte. Hatte er sie vor allem als die schmerzhafte Mutter betrachtet, wie groß war dann seine Freude, wenn er Gelegenheit fand, aus Liebe zu seiner Mutter auch ein Opfer bringen zu können! Stand er vor einer Schwierigkeit, vor der seine Eigenliebe zurückschauderte, so ermutigte er sich mit dem Gedanken: „Wie, du solltest dich nicht aus Liebe zu Maria überwinden können?“ Zu Maria betete er ohne Unterlass, da sie die Ausspenderin aller Gnaden ist. „Maria!“ das war sein Wahlspruch in dem Kampf, den er fortwährend mit sich selber führte, und Maria half ihm zu jeder Zeit.

 

So war der heilige Gabriel in der Tat ein besonderer Liebling Mariens und ein treuer Diener seiner himmlischen Mutter. Über dem Altar, der sich an seinem Grab erhebt, hat man in sinniger Weise die Worte unseres Heilandes am Kreuz angebracht: „“Frau, siehe, dein Sohn!“ Der liebe Heiland vertraute uns alle seiner Mutter an; mögen wir nach dem Beispiel des heiligen Gabriel ihrer Mutterliebe stets als treue Kinder durch Gebet und gute Werke Freude bereiten.

 

28. Februar

 

Der heilige Romanus von Condat, Bekenner,

Einsiedler-Abt auf dem Jura-Gebirge und Ordensstifter,

+ 28.2.460 - Fest: 28. Februar

 

Der heilige Roman ist um das Jahr 390 in der alten Grafschaft Burgund auf die Welt gekommen. Man weiß von ihm, dass früh in ihm der ernsthafte Gedanken entstanden ist, in der Einöde Gott zu dienen und so ein Heiliger zu werden. Weil man nun in seinem Land von der Weise eines einsiedlerischen Lebens nichts wusste, begab sich Roman nach Lyon zum heiligen Abt Sabinus um sich in dessen Kloster in der Regel eines einsamen geistlichen Lebens unterrichten zu lassen.

 

Von da zurückgekehrt, suchte er sich einen einsamen Ort aus, wo er Gott die ganze Zeit seines Lebens nach dem empfangenen Unterricht getreu zu dienen vorhatte. Roman hatte dazu auch zwei Bücher aus Lyon mit sich gebracht: „Das Leben der Altväter in der Einöde und die Unterweisung der Einsiedler von Abt Cassianus.“

 

In einer der Bergschluchten des Jura, gerade da wo die Grafschaft Burgund an die Schweiz angrenzt, befindet sich, von hohen Felsen eingeengt und von finsterer Waldung bewachsen, ein tiefes Bergtal, Condat genannt. In der Mitte des Tales ist eine freie sonnige Ebene, deren Mittelpunkt ein ungewöhnlich großer Feigenbaum zierte, dessen fleischige Äste rund herum von den süßen Früchten beschwert auf den Boden herabhingen und so eine natürliche Laube bildeten. Neben der Wurzel des Baumes öffnet sich die Erde und aus der Spalte strömt reichliches reines Quellwasser. Diese Stelle wählte sich Roman zum Aufenthalt, da sie ihm für seine Bedürfnisse Obdach, Speise und Trank darbietet. Einige Jahre hielt er sich da auf, las in dem Leben der Altväter, betrachtete, betete, las oder sang die Psalmen und baute täglich einige Stunden die um den Feigenbaum umgrenzende Erde an. Das Lesen diente ihm zur Erholung, denn er schlief wenig, fastete streng und erlaubte sich fast keine Erquickung. Nach viel verflossener Zeit erschien Roman einmal in der Nacht seinem Bruder Lupizinus und lud ihn ein, mit ihm die Süßigkeiten des einsamen Lebens zu kosten. Lupizinus verlässt seine Mutter und Schwester, bei denen er bisher wohnte, und begibt sich zu seinem Bruder in die Einöde. Der heilige Gregor, Bischof von Tours, der das Leben des heiligen Romanus und Lupizinus beschrieben hat, erzählt, wie die beiden Brüder so von ganz verschiedener Gemütsbeschaffenheit und doch dabei so nahe Geistesverwandte und einander mit unverbrüchlicher Liebe zugetan gewesen. Lupizinus war von Natur rau und streng gegen sich selber, so wie gegen andere, der heilige Romanus aber war von stiller, sanfter Gemütsart, wenn auch mit sich selber strenger, gegen andere sehr nachsichtig und liebevoll und ängstlich bekümmert um all ihre Bedürfnisse.

 

Die geistlichen Übungen und das heilige Leben der frommen Brüder wollte dem höllischen Feind keineswegs behagen. Darum ängstigte er die beiden, wie er nur konnte, und tat ihnen alles nur erdenkliche Herzensleid an. Sie waren in einem solchen Streit noch wenig erfahren. Und als einmal während sie beteten, der Teufel einen Hagel von Kieselsteinen über sie ausschüttete, verließen sie den Ort, um anderwärts bessere Ruhe zu finden. Auf dem Weg kehrten die Brüder bei einer armen Frau ein. Als diese ihre Not und ihr Vorhaben vernommen hatte, entsetzte sie sich darüber, dass so fromme geistliche Leute die Nachstellungen des Teufels fürchteten. Die Brüder wurden dadurch beschämt und kehrten noch in derselben Stunde wieder in ihre Einsamkeit zurück und dankten Gott nun umso eifriger, so dass das Gerücht ihrer Heiligkeit weit im Land umher erscholl und eine große Anzahl Nachfolger und Jünger der heiligen Eremiten sich auf dem Juragebirge ansiedelte. Die ersten Jünger waren zwei junge Chorherren aus dem Stift Nyon.

 

Es kam dahin, dass man ein Kloster erbaute, aus dem nachher die berühmte Abtei zu Kondat entstand, die nachher von dem heiligen Augendus, einem Jünger der heiligen Brüder, später aber von dem heiligen Klaudius den Namen erhielt. Der heilige Klaudius war Bischof von Besancon, verließ sein Bistum und begab sich in das Kloster von Kondat, wo sein unversehrter heiliger Leib aufbewahrt wird. Ein zweites Kloster in der Nähe des ersten wurde in Leukonne errichtet. Diesem stand Lupizinus, dem Kloster von Kondat Romanus vor. Dieselbe Klosterregel und der gleiche Eifer in treuer Befolgung derselben herrschte in beiden Klöstern.

 

Ein ungemein fruchtbares Jahr ergab, dass man auch einen reichlicheren Vorrat in den beiden Klöstern sammelte. Da murrten einige Mönche des Klosters in Kondat, die noch nicht genug abgetötet waren, dass nicht auch die Tafel reichlicher mit Speisen besetzt werde. Der heilige Lupizin vermutete, die Milde des Bruders gebe dem Mangel an klösterlicher Zucht Vorschub. Auf Antrag des Lupizinus wechselten beide Brüder auf einige Zeit miteinander ihre Aufseherstellen. Aber nach harter Bestrafung fliehen die für schuldig erkannten Brüder nachts aus dem Kloster Kondat, worauf Ruhe und Einigkeit wieder im Kloster einkehrte. Der heilige Roman war damit keineswegs zufrieden und war traurig über den Verlust seiner geistlichen Brüder, und dass vielleicht weniger Strenge und mehr Liebe ihre Seelen gerettet haben würde. Er ließ auch nicht nach mit Weinen und Beten, bis Gott ihn erhörte, so dass durch Gottes Gnade gerührt, die geflohenen Mönche in das verlassene Kloster reumütig wieder zurückkehrten und durch strenge Buße das gegebene Ärgernis wieder gut machten.

 

Der heilige Hilarius, Erzbischof von Arles, bereiste als Primas von Frankreich das Bistum Besancon. Er ließ den heiligen Romanus zu sich nach Besancon einladen und nachdem er sich in vertraulichem Gespräch lange mit ihm unterhalten hatte, erkannte er dessen große Heiligkeit und nötigte den demütig Widerstrebenden, dass er von ihm die heilige Priesterweihe empfangen musste. Die wachsende Anzahl der Jünger machte die Errichtung mehrerer Klöster notwendig. Auch ein Nonnenkloster wurde erbaut und stand unter Aufsicht des heiligen Romanus. Die Schwester des heiligen Roman war die erste Äbtissin des Nonnenklosters zu Beaume und man zählte nach dem Tod des heiligen Romanus 105 Klosterfrauen.

 

Als der heilige Romanus mit seinem Jünger Palladius nach Agaunum wallfahrtete, um das Grab des heiligen Martyrers Mauritius zu verehren, begaben sich beide, von der Nacht überrascht, in eine einsame Berghöhle. Zwei Aussätzige, Vater und Sohn, bewohnten diese Höhle. Sie waren gerade ausgegangen, um Holz zu sammeln. Bei ihrer Rückkehr verwunderten sie sich sehr, zwei fremde Männer in ihrer Wohnung anzutreffen. Noch mehr aber erstaunten sie, als die beiden Fremden die grüßend freundlich umarmten und küssten, obwohl sie ihnen ihre Krankheit mitteilten. Die zwei Mönche durchwachten die Nacht im gemeinschaftlichen Gebet und verließen die Höhle vor Tagesanbruch. Als bei anbrechendem Tag die zwei Aussätzigen sich völlig von ihrem Siechtum befreit sahen, ergriff sie ein freudiger Schrecken. Sie machten sich beide sogleich auf, eilten dem heiligen Roman nach und trafen ihn endlich in Genf an, wo sie das Wunder ihrer Heilung den Leuten überall erzählten. Der Bischof, die Geistlichkeit und das Volk machten sich auf und gingen in Prozession, wie im Triumph, dem heiligen Roman entgegen. Diese Auszeichnung war dem heiligen Abt in der Seele zuwider. Er entwich, sobald er konnte, kehrte in sein Kloster zurück und sperrte sich allda ein, um von niemanden gesehen zu werden. Nach wenigen Monaten hatte er das Ziel seines zeitlichen Lebens erreicht. Er starb 60jährig am 28. Februar 460. Dreißig Jahre hatte er in der Einöde zugebracht. Sein Leichnam wurde in dem Kloster zu Beaume begraben.

 

29. Februar

 

Der heilige Phokas, Gärtner und Märtyrer von Synope,

+ 284 - Fest: 29. Februar

 

Eine glaubwürdige Nachricht von dem Martertod des heiligen Phokas findet sich in der Lobrede, die Osterius, der als Bischof von Amasea in Pontus am Ende des fünften und des sechsten Jahrhunderts lebte, auf diesen Martyrer gehalten hat.

 

Phokas, ein gottesfürchtiger Christ, lebte zu Sinope in Pontus. Er hatte einen Garten vor dem Tor der Stadt, den er mit großer Sorgfalt bebaute und von dem er durch seine Arbeit so viel erwarb, dass er seinen sparsamen Unterhalt davon haben und überdies noch den Armen wohltätige Unterstützung geben konnte. Sein kleines Haus stand allen offen, die in ihm Herberge nehmen wollten. Gott belohnte die Mildtätigkeit seines Dieners mit der Gnade des Martyriums. Er wurde, nachdem er sich viele Jahre hindurch, mitten unter einem abgöttischen und lasterhaften Volk, als ein zweiter Lot, gerecht erwiesen hatte, und nie eine Gelegenheit, die Werke der Liebe zu tun, versäumt hatte, sein Blut und sein Leben für Jesus Christus hinzugeben gewürdigt.

 

Während einer heftigen Verfolgung der Christen wurde er dem Statthalter als Bekenner Jesu angezeigt. Dieses vermeintliche Verbrechen wurde darum für hinlänglich erwiesen angesehen, weil es stadtbekannt war, und man glaubte deswegen, eine förmliche Untersuchung oder gerichtliche Verhandlung übergehen zu dürfen. Der Mann war in den Augen des stolzen Statthalters vielleicht zu gering, als dass es ihm der Mühe wert war, viele Untersuchungen angesichts seiner Verurteilung zu machen. Phokas war Christ und dieses war genug, ihn zum Tode zu verurteilen. Er war ein einfacher, ungeachteter Mann, und das reichte hin, das Urteil auf dem kürzesten Weg an ihm vollstrecken zu lassen. Es wurden daher Schergen losgeschickt, die ihn aufsuchen und sogleich töten sollten. Die Schergen suchten außerhalb der Stadt nach ihm, konnten ihn aber nicht auffinden. Weil sie nicht unverrichteter Dinge zurückkehren wollten, so traten sie in das nächste aus, ohne zu wissen, dass es das Haus des christlichen Mannes war. Phokas war eben mit seinen Blumen beschäftigt und sang sein Gartenlied:

 

Das Gartenlied des heiligen Phokas

 

Die Schergen näherten sich dem Gärtner in der Absicht, ihn nach dem Wohnort und der Person des Phokas zu befragen. Phokas nahm sie, wie er es bei allen Fremden zu tun gewohnt war, sehr liebevoll auf, und bewirtete sie so gut er es vermochte. Während der Mahlzeit befragte er sie nach ihren Absichten und sie erklärten ihm, nachdem sie sich das Versprechen strenger Verschwiegenheit von ihm hatten geben lassen, dass sie einen Christen, Phokas mit Namen, suchten, um ihn nach dem Befehl der Obrigkeit zu töten. Phokas war darüber so wenig betroffen, dass er sich vielmehr der nahen Marterkrone in seinem Herzen innigst freute. Er sagte zu den Schergen, dass er den, den sie suchten, sehr gut kenne und ihnen am folgenden Morgen sichere Auskunft über dessen Aufenthaltsort geben wolle. Die Schergen ließen sich, als sie dieses vernommen hatten, gerne bereden, bei ihm zu übernachten. Der Diener Gottes machte, nachdem sich seine Gäste zur Ruhe begeben hatten, sein Grab und bereitete sich auf den Tod vor. Als es Tag geworden war, sprach er zu den Schergen: „Phokas hat sich gefunden und ihr könnt ihn verhaften, wann immer ihr wollt.“ Hierüber sehr erfreut, fragten sie wo er sei? „Er ist nicht weit von hier,“ antwortete er. „Er steht vor euch. Ich selbst bin der, den ihr sucht. Tut, was euch befohlen ist!“ Erstaunt standen die Schergen da und konnten sich lange nicht entschließen, einem Mann das Leben zu nehmen, der sie so liebevoll aufgenommen und so gut bewirtet hatte. Die freudige Bereitwilligkeit, die Phokas zeigte, den Todesstreich zu empfangen, machte ihnen schließlich Mut, den Befehl zu vollziehen. Sie enthaupteten ihn, wahrscheinlich bei dem Grab, das er sich vorher gemacht hatte und in welches sie seine Leiche einsenkten. Über seinem Grab wurde in der Folge eine herrliche Kirche gebaut.

 

Auch der Handwerksmann, ja selbst der Arme kann Barmherzigkeit ausüben, wenn er Liebe im Herzen hat. Kann man die Notleidenden auch nicht mit Gaben unterstützen, so kann man ihnen doch dienen, ihnen helfen und sie trösten.

 

Schon zur Zeit des Bischofs Asterius wurde der heilige Phokas von den Schiffleuten, die den Pontus Euxinus, das ägoische und adriatische Meer befuhren, als vorzüglicher Patron verehrt. Es lässt sich mit Gewissheit nicht sagen, in welcher Christenverfolgung der heilige Phokas den Martertod gelitten hat, wahrscheinlich war es die dioklezianische.

 

Der heilige Oswald, Erzbischof und Bekenner von York, England,

+ 29.2.992 – Fest: 29. Februar

 

Der heilige Oswald war ein Enkel des heiligen Odon, Erzbischof von Cantelberg, der jede Mühe aufwand, um ihn zur Furcht und Liebe Gottes zu erziehen. Da er schon in den Jahren, in denen man die geistlichen Weihen empfangen darf, durch sein frommes und tugendhaftes Leben ein Beispiel für andere war, ernannte er ihn zum Dechant des Stiftes zu Winchester. Oswald behielt aber diese Pfründe nicht lange. Durch das Ansehen, die Ehre und Lebensweise, die mit dieser Würde verbunden waren, glaubte er, bei den Regungen der Eigenliebe in seinem Herzen, sein Seelenheil gefährdet. Er begab sich daher nach Frankreich und trat in der Abtei von Fleuri in den Orden des heiligen Benedikt, um allem, was Gott nicht ist, zu entsagen, allen Regungen der Eigenliebe und Sinnlichkeit abzusterben und seinen eigenen Willen ganz durch den Gehorsam gegenüber seinen Obern dem göttlichen Willen zu unterwerfen.

 

Als Oswald hier durch die Übungen der Andacht und Selbstverleugnung eine hohe Stufe der christlichen Vollkommenheit erlangt hatte, rief ihn Gott zum Segen seiner Kirche im Jahr 959 in seinem Vaterland auf den bischöflichen Sitz zu Worcester. Er leuchtete hier als Vorbild der Gläubigen im Wort, im Wandel, im Glauben, in der Liebe, in der Keuschheit, Sanftmut und Geduld. Um seine anvertrauten Schäflein durch das Beispiel des Gehorsams, der Andacht, der Selbstverleugnung und Abtötung zu erbauen, und um selbst, in den Zerstreuungen seiner Geschäfte, einen Zufluchtsort der Geistessammlung zu haben, stiftete er zu Worcester ein Benediktinerkloster, in dem er in der genannten Absicht so oft, als es seine Amtsverrichtungen erlaubten, mit den Ordensmännern den Übungen der Andacht und Abtötung oblag.

 

Der Gedanke, der unserem Heiligen immer vor Augen schwebte, dass unser Heiland für jedes seiner Schäflein sein Blut am Kreuz vergossen habe, hielt seinen Seeleneifer in beständiger Regsamkeit. Er predigte unermüdlich das Wort Gottes und war ebenso tätig in der Bildung seiner Geistlichen, um durch das in Wort und Beispiel leuchtende Licht des Glaubens die Finsternisse der Unwissenheit zu zerstreuen. Täglich speiste er zwölf Arme an seinem Tisch, die er, nachdem er ihnen nach dem Beispiel Jesu, die Füße gewaschen hatte, selbst bediente, um sich stets in der Demut und Nächstenliebe zu üben.

 

Er starb, nachdem er dreiunddreißig Jahre ein guter Hirt seiner Herde gewesen war, im Kloster zu Worcester, umgeben von seinen Ordensgeistlichen, mit den Worten: Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, sanft am 29. Februar im Jahr 992.