Heilige im Dezember

 

1. Dezember

 

 Maria im Advent

 

Der selige Edmund Campion, Priester und Martyrer von England,

 + 1.12.1581 - Fest: 1. Dezember

 

Der selige Edmund Campion war ein Engländer. Weil auch die Engländer ähnlich wie die Franzosen die Wörter anders aussprechen, als man sie schreibt, sagt man nicht Campion, sondern Kämpi-en. Das Fest des Seligen wird in England am 1. Dezember, dem Datum seines glorreichen Martyriums, begangen.

 

Edmund Campion war Jesuit und erlitt den Tod um des katholischen Glaubens willen. Allerdings war er zeitweilig ein Abtrünniger, ein Mann, der um Menschengunst die Treue brach. Dass er trotzdem heute in der katholischen Kirche als Seliger verehrt wird, deutet darauf hin, dass sein Leben nicht ohne Interesse ist.

 

König Heinrich VIII., der in den Jahren von 1509 bis 1547 in England regierte, fiel vom katholischen Glauben ab, gründete eine neue Kirche, die man die anglikanische Kirche nennt, warf sich selbst zum Papst der Gegenkirche auf und zwang alle Untertanen, ihn eidlich nicht nur als weltlichen Herrscher, sondern auch als Oberhaupt im kirchlichen Bereich anzuerkennen. Da machten selbstredend die echten Katholiken nicht mit. Die Folge der Weigerung aber bestand in einer grausamen Verfolgung, die auch unter Heinrichs Nachfolgern über hundert Jahre lang die Katholiken in England bedrückte und die namentlich unter der Regierung der Königin Elisabeth I. einen Höhepunkt erreichte.

 

Wie immer in Verfolgungszeiten, so ging es auch damals in England. Neben der Edelrasse jener, die hochherzig Gut und Blut für den Glauben opferten, gab es Abfall, Katholiken, die versagten und abtrünnig wurden. Zu diesen zählte Edmund Campion.

 

Edmund Campion, Katholik von Geburt, studierte an der Hochschule zu Oxford. Weil er glänzende Anlagen besaß, wurden die Lehrer auf ihn aufmerksam. Man berichtete sogar der Königin Elisabeth von ihm als von einem neuen kommenden Stern erster Größe am Himmel der Wissenschaft. Die Königin interessierte sich daraufhin für den jungen Mann, befahl ihn zu einer Audienz und überschüttete ihn mit Beweisen ihrer königlichen Huld. Diesem Ansturm war der Katholik Campion nicht gewachsen. Sein Glaube knickte zusammen wie ein Schilfrohr im Wind. Der Schwächling brach um der Gunst einer irdischen Königin willen dem König der Könige die Treue und löschte die Taufkerze aus, die jeder Katholik brennend durch das Leben bis in die letzte Stunde und nach dem Tod brennend in den Himmel tragen muss.

 

Von dem unglückseligen Tag an, da Edmund Campion die katholische Treue brach, hatte der junge Mann keine Ruhe mehr. Niemand brauchte es ihm zu sagen, denn er wusste es selbst nur zu gut, dass er ein Verräter war ähnlich jenem, der um dreißig Silberlinge den Herrn verriet. Unstet und flüchtig zog Edmund Campion durch das Leben, von Gewissensbissen gequält, und wenn er zusehen musste, dass ehemalige Glaubensgenossen frei und froh für Christus in den Tod gingen, dann kam es ihm erst recht zum Bewusstsein, dass er im Vergleich zu diesen Helden ein Lump war, ein katholischer Lump, ein erbärmlicher, denn ein aufrechter Katholik verkauft auch um alle Schätze der Welt nie und nimmer den katholischen Glauben.

 

Eines Tages hielt Edmund Campion es nicht mehr aus. Reumütig kehrte er zur Mutterkirche zurück. Gott sei Dank, dass er zurückkehrte, denn jetzt konnte noch alles gut gehen, und es ging tatsächlich gut. Edmund beichtete, floh aus England, wallfahrtete unter unsäglichen Beschwerden zu Fuß betend und büßend nach Rom, wurde Jesuit, wurde Priester und kehrte nach Jahren verkleidet in die Heimat zurück, und dann ging es mit ihm geradeso, wie es vielen Martyrern erging.

 

Mit gefälschten Papieren, als Bauer oder Handwerker getarnt, verfolgt und gehetzt, zog Edmund Campion durch das Land, suchte die treuen Katholiken auf und spendete ihnen die heiligen Sakramente. Auch an die Irrgläubigen machte er sich kühn heran, und schrieb und verbreitete Flugzettel zur Verteidigung des katholischen Glaubens. Täglich geriet der Missionar in neue Gefahren, aber Furcht kannte er nicht, bis sich ein Verräter fand, der ihn der Polizei auslieferte. Monatelang schmachtete er in einem finsteren Kerker, sein Körper zerfiel, aber der Geist blieb wach, und als er vor Gericht stand, verteidigte er den katholischen Glauben so überzeugend, dass sich sogar einer der Richter bekehrte. Daraufhin machte man den gefährlichen Mann dadurch mundtot, dass man ihn vierteilte, das will sagen, dass er am 1. Dezember 1581 von vier Pferden mit Seilen an Händen und Füßen auseinandergerissen wurde. Pater Edmund Campion hat seine Schuld herrlich gesühnt.

 

Der heilige Eligius, Goldschmied und Bischof von Noyon, Frankreich,

 + 1.12.659 – Fest: 1. Dezember

 

Der heilige Eligius, um 588 zu Cadillac geboren, wurde in einem Alter von zwölf Jahren von seinen Elternnach Limoges gebracht und bei dem berühmten Goldschmied und Münzmeister Abbo daselbst in die Lehre gegeben. Der Knabe bildete mit glühender Lernbegierde seine natürlichen Anlagen aus und machte in kurzer Zeit gewaltige Fortschritte. Mit seinem Eifer in der Kunst verband er eine feurige Liebe zu Gott und war ein Vorbild in der genauen Erfüllung aller Christenpflichten. In dieser Weise fuhr er fort, bis er zum Mann und vollendeten Meister herangereift war. Eine Geschäftsreise nach Paris gab ihm Gelegenheit, mit dem Schatzmeister Cobo bekannt zu werden, und dieser empfahl ihn als den Tüchtigsten in seinem Fach dem König Clotar II., der damals den Gedanken nährte, sich einen goldenen, mit Edelsteinen besetzten Thron anfertigen zu lassen. Eligius erhielt den Auftrag dazu und entledigte sich desselben mit solcher Geschicklichkeit und Redlichkeit, dass der König dem bewährten Mann von der Zeit an sein ganzes Vertrauen schenkte und ihn zu seinem Münzmeister erhob. Diese Würde beeinträchtigte jedoch nicht im Mindesten die Demut und Gottesfurcht des Heiligen, der nach wie vor alle freien Stunden dem Gebet widmete und mit Fasten und Wachen sich kasteiend im königlichen Palast wie in einem Kloster lebte. Seine Wohltätigkeit war grenzenlos, und was ihm die Freigebigkeit seines Herrn zukommen ließ, wurde als Almosen verteilt oder zur Loskaufung von Sklaven gebraucht. Nebenbei gründete er fromme Anstalten. Die erste dieser Stiftungen war die Abtei Solignac bei Limoges, und nicht lange nachher wandelte der Mann Gottes das schöne Haus in Paris, das er vom König erhalten hatte, in ein Frauenkloster um. In vorgerücktem Alter trat er dem Priesterstand bei und wurde nach dem 639 erfolgten Tod des heiligen Acharius auf den bischöflichen Stuhl von Noyon erhoben. Dies war sein eigentlicher Beruf, denn so schön es auch sein mochte, das Metall zu Bildern umzuformen, war es doch noch tausendmal schöner, aus den Seelen wahre Ebenbilder Gottes zu machen. Das tat er, indem er mit dem Eifer eines Apostels zum Volk predigte und es im Glauben und in der Liebe befestigte, die Sünder zur Buße brachte und die Heiden, deren damals noch viele in seiner Diözese sich fanden, zur Bekehrung. Flandern zumal verdankte ihm die Kunde des Evangeliums. Wie vordem gehörte auch jetzt der größte Teil seiner Einkünfte den Notleidenden. Täglich hatte er zwölf Arme an seinem Tisch, denen er die Speisen mit eigener Hand vorlegte. Nachdem er während eines fast zwanzigjährigen Waltens in seinem Sprengel die eingeschlichenen Missbräuche getilgt, die Kirchenzucht neu belebt und allenthalben wahrhaft christliche Sitte eingeführt hatte, unterlag er endlich den vielen für die Ehre Gottes und das Wohl des Nächsten ausgestandenen Mühen und beschloss sein heiliges Leben am 1. Dezember 659. Auf die Kunde von seiner Erkrankung war die Königin Bathilde mit ihren Söhnen und vielen Großen nach Noyon geeilt, um seinen letzten Segen zu empfangen. Sein Grab verzierte sie mit einem goldenen Kreuz, das sie aus ihren Armbändern hatte verfertigen lassen. Wie im Leben so auch nach seinem Tod wurde der treue Diener Gottes durch viele Wunder verherrlicht.

 

2. Dezember

 

Die heilige Bibiana, Jungfrau und Martyrin zu Rom,

+ 2.12.363 - Fest: 2. Dezember

 

Nicht Bibiana hat die Tagesheilige geheißen, sondern Viviana. Dass in dem Namen zweimal ein Buchstabe geändert wurde, nennen die Gelehrten Lautverschiebung.

 

Die heilige Bibiana hieß also eigentlich Viviana, und das ist ein schöner Name, denn Viviana heißt auf Deutsch die Lebensvolle, die mit Leben erfüllte, mit jenem heiligen übernatürlichen Leben, das Gott den ersten Menschen im Paradies geschenkt hatte und das uns das Christkind in der Heiligen Nacht wiederbrachte, nachdem es durch die Sünde der Stammeltern verlorengegangen war.

 

Die heilige Bibiana lebte im vierten Jahrhundert zu Rom. Der Vater, Flavian mit Namen, war ein städtischer Beamter. Die Mutter hieß Dafrosa. Zwei Kinder waren vorhanden, Bibiana und ihre Schwester Demetria. Es war eine gute christliche Familie.

 

Gleich beim Aufstehen in der Frühe wurde der neue Tag durch das gemeinschaftliche Morgengebet geweiht. Wenn es die Zeit erlaubte, ging man auch werktags in die heilige Messe. Einer aus dem Haus ging stets, um den Segen für alle zu holen, und die anderen, die verhindert waren, beteten im Geist die Wandlung mit. Mittag- und Abendessen waren nie ohne Tischgebet vorher und nachher. Am Abend dankten alle Gott gemeinsam für den Tag, auch unterließen sie es nicht, kurz das Gewissen zu erforschen und Reue zu erwecken, und zum Schluss baten sie um Gottes Schutz für die Nacht. So soll es ja auch sein, denn durch Gebet muss man jeden Tag heiligen, damit er ein gottgefälliger Tag sei.

 

Die Familie der heiligen Bibiana war eine gute und fromme Familie, und als eine Christenverfolgung ausbrach – die letzte der zehn römischen Verfolgungen –, bestanden, durch die Gnade gestärkt, alle, Vater, Mutter und die beiden Schwestern, glorreich das Martyrium, Bibiana zuletzt, die am härtesten gefoltert wurde. Mit gebundenen Händen wurde sie an eine Säule gefesselt, und rohe Henkersknechte schlugen mit Bleikolben auf sie ein, bis sie tot zusammenbrach. So sehr hat dieser schreckliche Martertod die Christen mit Hochachtung vor dem tapferen Mädchen erfüllt, dass sie ihr zu Ehren bald nach dem Ende der Verfolgung zu Rom eine prachtvolle Kirche bauten, in der unter dem Hochaltar ihre verehrungswürdigen Überreste zugleich mit den heiligen Überbleibsel der gesamten Martyrerfamilie bestattet wurden und heute noch mit Recht verehrt werden, denn eine Familie von der Art dieser Heldenfamilie ist für immer aller Ehren wert.

 

In einem alten Heiligenbuch lesen wir folgenden Bericht:

 

„... Nach Konstanzius kam Julian auf den kaiserlichen Thron und mit ihm der alte Lügengeist in neuer arglistiger Gestalt. Er erklärte die Christensekte für überflüssig, für dumm und gehässig und verfolgte sie mit Tücke und Gewalt. Da bewies Flavian, was ein Christ sei, und wie er handelt. Er nahm sich der Gläubigen an, ermahnte zur Standhaftigkeit, besuchte, tröstete, unterstützte die gefangenen Christen. Das Ansehen, das er früher genoss, war auch jetzt noch sein Schild, bis Schmeichler des Tyrannen den eifrigen Bekenner anzeigten. Der Kaiser befahl dem Statthalter Apronian die Verhaftung Flavians, und entweder das Opfer für die Götter, oder Verlust des Lebens. Apronian vollzog den Befehl. Der Diener Gottes erklärte freudig sein Christentum und den Willen, darin zu leben und zu sterben. Der Statthalter ließ ihm das Ehrenzeichen des Adels wegnehmen, und das Zeichen des Sklavenstandes auf die Stirn einbrennen. Wohl ein großer Schmerz, aber eine noch größere Beschimpfung! Der Heilige nahm freudig die Schmach des Kreuzes auf sich. Darauf schickte Apronian aus Furcht vor dem Volk den Diener Gottes ins Elend nach Aque Taurine, jetzt im Florentinischen; beraubte ihn seiner Güter, und gab den Soldaten Befehl, mit Härte gegen ihn zu verfahren. Der Heilige unterwarf sich von Gott getröstet seinen harten Leiden, nahm rührend Abschied von seiner Frau und Kindern, empfahl sie dem Schutz Gottes, wurde hinweggeführt ins Elend und starb bald hernach vor Hunger und Not, während er betete. Sein Festtag wird am 22. Dezember gehalten. Seine Frau Dafrosa wurde nun auch der Verfolgung ausgesetzt und musste vieles leiden. Schließlich wurde sie in den Kerker geworfen, und darin, weil sie von Jesus Christus nicht abweichen wollte, enthauptet. Ihr Fest fällt auf den 4. Januar. Diese heiligen Eltern hinterließen zwei Töchter Bibiana und Demetria, die Erben ihres Glaubens, Zeugen ihres Eifers, und in ihrer Vollendung die Frucht und Belohnung ihrer Gebete. Der Reichtum in Jesus Christus, die überschwängliche Gnade Gottes, die den Sohn hingab zum Lösegeld aller Schuld und zum Unterpfand ewiger Liebe, war den Töchtern der Ersatz ihrer zeitlichen Güter, da ihnen das väterliche Erbe entzogen wurde, und der Trost ihres Gemütes für den zeitlichen Verlust ihrer Eltern, da diese für Jesus Christus zu leiden sind gewürdigt worden. Von Gott also getröstet und gestärkt ertrugen die Schwestern die Schmach vor der Welt, den Verlust ihrer Eltern und die Armut mit stillem und geduldigem Herzen, ja freuten sich ihres armseligen Zustandes in der Armut Jesu. Es stand aber nicht lange an, sie wurden auch in den Kerker geworfen, mit Hunger und Durst gequält, um sie von Gottes Sohn abwendig zu machen. Allein der Herr wohnte in ihren erzen, stärkte, tröstete und erquickte sie; ihre Wohlgestalt nahm nicht ab, ihr Angesicht blieb ruhig und heiter. Jetzt nahm man Zuflucht zu einem anderen Mittel, da das erste ohne Wirkung blieb. Man versprach den Schwestern die Gunst des Kaisers, die Zurückgabe des väterlichen Gutes, ansehnliche Heirat: ein Verführungsmittel, welches Eifrige auf harte Probe setzt und die Lauen allzeit überwindet. Aber auch dieses Mittel vermochte nichts über die Jungfrauen. Diesem folgten Drohungen nach von allerhand Marter; aber vergeblich; denn die Jungfrauen sahen über die Trübsal hinaus in die Herrlichkeit, die ewig bleibt. Nur dies geschah, den vielen Stürmen unterlag der Leib der zarten schwachen Demetria, sie sank eines schnellen Todes zu den Füßen ihrer Schwester hin. Nun war der Vater, Mutter, Schwester hingegangen in die ewige Herrlichkeit, Bibiana noch im Kerker, und um so mehr der Wut und Arglist des Richters ausgesetzt. Er ergriff ein neues Mittel, die Heilige zum Fall, und durch den Sündenfall zum Abfall von Gott zu bringen. Bibiana wurde einer gewissen Rufina übergeben, mit dem Auftrag, in der blühenden Jungfrau das unreine Feuer der Wollust anzuzünden, ein Mittel des Falles sogar für Starke. Die Heilige aber verabscheute die Sünde, wachte über alle Neigungen, betete zu Gott, und siegte auch da, wo so viele fallen, durch Gottes Beistand bei den vielen Lockungen zur Sünde und Misshandlungen durch Schläge, weil sie unbeweglich blieb im Wandel vor Gott. Aber jetzt brach der Richter in Wut aus. Er ließ die Jungfrau von Henkern entkleiden, an eine Säule binden und mit Stricken, an deren Ende Bleikugeln befestigt waren, so lange geißeln, bis sie den Geist aufgab, im Jahr 362. Zwei Tage nach ihrem Tod wurde sie von einem frommen Priester, Johannes mit Namen, an der Seite ihrer Mutter und Schwester begraben. Ihnen zur Ehre hat mit der Zeit Papst Simplicius eine Kirche erbauen, Papst Urban VIII. dieselbe im Jahr 1628 auszieren und die Reliquien dieser Heiligen unter dem Hochaltar erheben lassen.“

 

3. Dezember

 

Der heilige Franz Xaver, Priester, Missionar,

+ 2.12.1552 – Fest: 3. Dezember

 

Wieder ist die Zeit der Adventslieder gekommen: „Tauet, Himmel, den Gerechten ...“, „Aus hartem Weh die Menschheit klagt ...“, „O komm, o komm, Emanuel ...“. Wir gedenken der langen Zeit, da unsere Vorfahren nach dem Erretter aus Sünde und Schuld seufzten. Es ist die Adventszeit für uns allerdings nur ein Gedenken, denn längst ist uns das Heil erschienen, Christus, der Herr, der sein Volk erlöste von allen seinen Sünden. Uns wurde Gnade zuteil, aber es gibt auf dem weiten Erdenrund tausend Millionen Menschen, die heute noch vom Wahn des Heidentums oder des Islams umfangen sind und deren Advent noch nicht beendet ist. Dass wir der Armen gedenken und durch Opfer und Gebet helfen, damit die Glaubensboten auch ihnen den Heiland und das Heil bringen können, deshalb stellt uns die Kirche am heutigen Tag, gleich zu Anfang des Advents, den größten Missionar der Neuzeit vor Augen, den heiligen Franz Xaver.

 

War das ein Hallo, als Ende 1534 im Sankt-Barbara-Studentenheim zu Paris ein neuer Schüler auftauchte, der hinkte, schon zweiunddreißig Jahre alt war und in der untersten Klasse bei den Zehnjährigen anfing, Latein zu lernen.

 

Ein seltsamer Kauz war er schon, der spanische Edelmann Ignatius von Loyola, ein ehemaliger Offizier, der deswegen das Lernen begann, weil er noch Priester werden wollte.

 

Wenn er nur nicht gar so fromm gewesen wäre! Die Mitschüler begnügten sich allerdings damit, den alten Knaben weidlich aufzuziehen, der seinerseits die kleinen Wichtigtuer nicht ernst zu nehmen schien und gutmütig über ihren Spott und Schabernack hinweglächelte.

 

Nur einer im Haus, auch ein spanischer Edelmann, ein hochfahrender Geist, Franz Xaver mit Namen, der ein fabelhafter Student gewesen und mit fünfundzwanzig Jahren bereits Hochschullehrer war, konnte den Landsmann überhaupt nicht ausstehen, und je mehr Ignatius sich dienstbeflissen um den Jüngeren bemühte, desto beißender spottete Xaver über den Älteren. Ignatius ließ sich jedoch durch keine noch so plumpe Abfuhr entmutigen, denn als geschulter Menschenkenner hatte er trotz der buntschillernden Eitelkeit, mit der Xaver sich gab, den inneren Wert des hochstrebenden Edelmanns erkannt und den großen Vorteil errechnet, der dem Reich Christi auf Erden erwachsen werde, wenn es ihm gelänge, den überragenden Mann für den neuen Orden, den er gründen wollte, zu gewinnen.

 

Lange hat Ignatius um Xaver ringen müssen, denn leicht ist für den Weltmenschen die Bekehrung von Eitelkeit und Ruhmsucht nicht. Viel auch hat er gebetet, und eines Tages gewann er das Spiel, jenes Spiel, das jeden Einsatz tausendfach aufwog. Die größte Eroberung, die der Seelenjäger Ignatius für Christi Reich gemacht hat, heißt Franz Xaver.

 

Franz Xaver war einer von denjenigen, die nicht mehr zurückschauen, wenn sie einmal die Hand an den Pflug gelegt haben. Zwar konnte er so wenig wie andere auch aus der Haut herausfahren, in der er steckte, denn niemand vermag sein Wesen zu ändern, und deshalb blieb auch Xaver, was er war, aber sein Ehrgeiz war nicht mehr weltlicher Ruhm, sondern Gottes Ehre und die Rettung unsterblicher Seelen.

 

Als Xaver im Jahr 1542 nach zehnmonatiger Seefahrt in Indien landete, begann ein einzigartiges Heldenleben. Franz Xaver wurde der größte Missionar der neuen Zeit, der im Dienst der Heidenbekehrung körperliche Strapazen und Anstrengungen von solchem Ausmaß auf sich genommen hat, dass man sich unwillkürlich fragt, ob die Leistungen unserer besten Sportler heute an sie herankommen. Auf hundert Flüssen fuhr sein Boot, und mit den unsicheren Nussschalen der Eingeborenen segelte er der Küste entlang durch die Inseln über das Meer von Indien nach Japan. Barfuß legte Xaver Zehntausende von Kilometern zurück durch Urwald, Sumpf und Wüste, in der brütenden Hitze Indiens und in der eisigen Kälte Japans, unter Kopfjägern und Kannibalen mit immer neuen Sprachen. Dazu quälte den Immer- und Nimmermüden ein schmerzliches Magenleiden, und alle Tage wrang ihn das Fieber förmlich aus. Schonung kannte er keine. Ob er selbst draufging, daran lag dem Champion der katholischen Weltmission nicht das Geringste, wenn er nur Seelen für Christus und den Himmel gewann.

 

Selten mag es einen Glaubensboten gegeben haben, der sein Leben so rückhaltlos in die Schanze schlug, wie Xaver es tat, nie aber gab es auch einen Missionar, der größere Erfolge erzielte als er. Xaver hat mit eigener Hand eine Million Menschen getauft.

 

Nur zehn Jahre lang hielt der heldenhafte Mann die Last aus, aber in den zehn Jahren hat er mehr gearbeitet und geleistet als wohl hundert andere zugleich. Unter den Großen im Reich Christi ist Xaver einer der größten, und es gibt keinen Ruhm, der herrlicher ist als dieser Ruhm.

 

Die heilige Attala, 1. Äbtissin von Straßburg,

+ 3.12.741 – Fest: 3. Dezember

 

„Beispiele ziehen an“, sagt ein altes Sprichwort, und es ist wunderbar, wie tief und nachhaltig die Beispiele in das Leben anderer eingreifen. Während die bösen Beispiele die guten Sitten verderben, befördern die guten Beispiele tugendreiches Streben und edle Werke. Der Bruder der heiligen Ottilia, Herzog Adalbert von Elsass, und seine fromme Gemahlin Gerlinde waren von Gott mit drei Töchtern beschenkt, die in der heiligen Taufe die Namen Attala, Eugenia und Gundelinda empfingen. Die frommen Eltern vertrauten ihre drei Töchter schon in frühester Jugend der heiligen Ottilia im Kloster Hohenburg zur Erziehung und Ausbildung an, und sie hatten sie in der Tat den besten Händen übergeben.

 

Attala nahm sich ihre heilige Tante zum Vorbild und lernte von ihr die glühende Liebe zu Gott, die stille Demut, den freudigen Gehorsam, die engelgleiche Andacht, das zärtliche Mitleid mit Armen und den Eifer in frommen Übungen. Sie legte sich mancherlei Abtötungen auf, beherrschte ihre Sinne, beobachtetes strenges Stillschweigen und hegte keinen sehnlicheren Wunsch, als ihr Leben ganz Gott zu weihen und in der armen Klosterzelle ihre Tage zu beschließen. Ihren andauernden und stürmischen Bitten gab ihr Vater endlich nach und baute ihr im Jahr 717 in Straßburg das Frauenkloster St. Stephan. In diesem Kloster wollte sie als arme Ordensschwester vor allem die Tugend des Gehorsams üben, aber auf den dringenden Wunsch der heiligen Ottilia musste Attala die Würde einer Äbtissin im neuen Kloster übernehmen. In dieser Stellung war sie ein leuchtendes Vorbild für alle Untergebene, streng gegen sich selbst, mild gegenüber anderen, unermüdlich im Dienst Gottes, mütterlich besorgt für Arme und Bedrängte.

 

Nachdem ihre Tante und Erzieherin, die heilige Ottilia, in dem hohen Alter von 103 Jahren in die Freuden des Himmels eingegangen war, verdoppelte Attala ihre bisherigen frommen Übungen, um ihr an Heiligkeit und Verdiensten möglichst ähnlich zu werden. In der Tat erreichte sie einen hohen Grad von Vollkommenheit und wirkte höchst segensreich. Reich an Tugenden und Verdiensten schloss sie am 3. Dezember 741 im 54. Lebensjahr ihre Augen zum letzten Schlummer, um im Land des ewigen Friedens und unvergänglicher Glückseligkeit wieder zu erwachen. Ihr heiliger Leib wurde fünf Wochen lang zur Verehrung ausgesetzt, ohne dass sich Spuren der Verwesung gezeigt hätten. Die „ausgezeichnete, heilige Jungfrau“ wurde vom Volk hoch verehrt. Ein Arm von ihr kam in das Kloster Hohenburg, in dem sie ihre erste Erziehung genossen und den Grund zu ihrem heiligen Leben gelegt hatte. Ihre übrigen Reliquien wurden bis zur französischen Revolution in der St. Stephanskirche zu Straßburg aufbewahrt und verehrt.

 

Der heilige Lucius, König in England und Märtyrer zu Chur, Schweiz,

+ 182 – Fest: 3. Dezember

 

Unter der Regierung des römischen Kaisers Marcus Antonius Verus und seines Bruders Aurelius Commodus lebte in Britannien König Lucius. Dieser König beobachtete das Leben der Christen in seinem Reich und fand an ihrem untadelhaften Lebenswandel, ihren reinen Sitten und hervorragenden Tugenden großes Wohlgefallen. Er schickte daher zwei Abgeordnete, Elvon und Meduin, nach Rom zum Papst Eleutherius, mit der Bitte, ihm Glaubensboten zu senden, damit sie ihn und sein Volk in der christlichen Religion unterrichteten, denn die Wunder, die die Schüler Christi unter den verschiedenen Völkern wirkten, hatten seinen Geist erleuchtet, und von der Liebe zum wahren Glauben erglühend, erreichte er das Ziel seiner Bitte. Der Papst schickte ihm zwei apostolische Männer, Fuganus und Damian, die die Menschwerdung des Gottessohnes verkündigten, ihn zu Christus bekehrten und mit einer großen Menge seines Volkes tauften. Die Glaubensboten verdrängten überall im Land das Heidentum und weihten die Götzentempel zum Dienst des wahren Gottes ein. An die Stelle der 27 Götzenpriester und 3 Oberpriester setzten sie ebenso viele Bischöfe und Erzbischöfe. Darauf sind sie wieder nach Rom gegangen, um ihre Anordnungen vom Papst bestätigen zu lassen und später mit vielen anderen Priestern nach Britannien heimgekehrt, durch deren Lehre das Volk der Briten in kurzer Zeit im Glauben Christi befestigt wurde. Lucius war der erste christliche König in Europa.

 

Einige Jahre später kam ein Pilger, namens Lucius, ein Mann von edler Gestalt und ehrwürdigem Aussehen nach Augsburg und verkündete dort das Evangelium. Dieser Lucius soll der erwähnte König von England gewesen sein, der der Krone und den Freuden und Ehren der Welt entsagte, um das Seelenglück, das er im Christentum genoss, auch anderen Völkern zu bringen. Mit großem Eifer predigte er das Evangelium und mehrere Bürger der Stadt glaubten durch ihn, unter ihnen der angesehene Campestrianus mit seinem ganzen Haus. Die übrigen Bürger verharrten im Heidentum, hassten den Fremden und verfolgten ihn mit Steinwürfen, ja sie stürzten ihn in einen Schöpfbrunnen, aus dem er halbtot von Gläubigen wieder herausgezogen wurde. Unter liebreicher Pflege erholte er sich wieder.

 

Darauf ging er am Lechfluss hinauf ins Hochgebirge und predigte überall die christlichen Wahrheiten. Unter vielen Beschwerden und Gefahren drang er durch die Gebirge bis nach Rätien, dem heutigen Graubünden, und wohnte dort, wo später die Stadt Chur entstand, in einer schwer zugänglichen Berghöhle, nach ihm Luciushöhle genannt.

 

Nachdem Lucius sieben Tage mit Fasten und Beten in dieser Felsenhöhle zugebracht hatte, begab er sich unter das Volk, um ihm den Glauben an den einen wahren Gott und seinen Sohn Jesus Christus zu verkünden, der der Weg, die Wahrheit und das Leben für jeden Menschen ist. Die Bewohner des Landes waren aber so wild und roh, dass sie von der milden Lehre Christi nichts hören wollten. Sie beteten Sonne und Mond an und erwiesen den wilden Auerochsen, die sich in ihren schauerlichen Wäldern aufhielten, göttliche Verehrung. Um sie von der Torheit ihres Götzendienstes zu überzeugen, fing der ritterliche Lucius ein paar Auerochsen, spannte sie ins Joch, belud einen Karren mit Holz und fuhr mit ihnen seiner Höhle zu. Die Heiden staunten und riefen: „Groß ist der Gott der Christen, der seinem Diener die wilden Tiere unterwürfig macht.“ Sie horchten jetzt folgsamer auf seine Predigt und viele bekehrten sich zum Glauben an Christus.

 

Emerita, die Schwester des Königs Lucius, war mit ihm im Glauben unterrichtet und getauft worden. Als ihr Bruder Britannien verlassen hatte, um den in den Todesschatten des Heidentums sitzenden Völkern das Licht der Wahrheit anzuzünden, entschloss sie sich, ihren Bruder aufzusuchen und in seiner Missionstätigkeit zu unterstützen. Nach langen Reisen fand sie ihren Bruder in der Luciushöhle. Von Jugend auf an Werke der Mildtätigkeit gewöhnt, besuchte sie die Kranken, unterstützte die Armen, tröstete die Traurigen und half den Bedrängten. Mit allem Eifer versuchte sie die Heiden von ihrem Irrwahn zu überzeugen und zum Christentum zu führen. Aber die rohen Heiden erregten einen Aufstand gegen sie, ergriffen sie, schlugen sie mit Fäusten und warfen sie in ein schauriges Gefängnis des alten Bergschlosses bei Trimmis. Am folgenden Morgen, den 4. des Christmonats, wurde sie unter wütendem Geschrei des Volkes aus dem Gefängnis geführt und verbrannt. Sie starb voll christlichen Heldenmutes und vereinte mit dem Jungfrauenkranz die Marterkrone. Die Asche und Gebeine der Märtyrin wurden gesammelt, in ein Tuch gewickelt und in der Erde verborgen. Am Marterplatz zu Trimmis wurde später ihr und dem heiligen Apostel Andreas zu Ehren eine Kirche gebaut. Die Gebeine der heiligen Emerita wurden in der Kathedralkirche zu Chur aufbewahrt und verehrt. Ihr Fest wird am Tag nach dem Fest des heiligen Lucius, am 4. Dezember, gefeiert.

 

Sobald Lucius die schauerliche Nachricht von der grausamen Hinrichtung seiner unschuldigen Schwester vernahm, eilte er mit einigen Christen unverweilt nach Trimmis, fand aber auf der Brandstätte nur noch ihre Gebeine. Tief betrübt sammelte er die Reliquien und hüllte sie in einen Schleier, der sich noch in ihrer Wohnung vorfand. Die Mörder hinderten ihn nicht, denn die besseren waren empört über das grauenvolle Unrecht, das man ihrer Wohltäterin angetan hatte.

 

Lucius arbeitete und litt noch unsäglich viel, bis er am 3. Dezember 182, von den Heiden gesteinigt, sein segensreiches Leben schloss. Der erste christliche König Europas, der erste Bischof von Chur und Apostel von Rätien, Lucius, wohnte demütig und weltverachtend in einer Felsenhöhle, aber diese wurde durch seine Gegenwart geheiligt und bald allgemein verehrt. Fromme, gottesfürchtige Leute, Kranke, Presshafte pilgerten zum Luciusbach, und erhielten durch die Fürbitte des Heiligen oft wunderbare Hilfe. Ein schönes Kloster wurde neben der uralten Kirche zu Chur gebaut und St. Luciuskloster genannt.

 

Der heilige Galganus, Einsiedler von Siena,

+ 3.12.1181 – Fest: 3. Dezember

 

Der heilige Galganus, geboren in einem Dorf bei Siena, führte in seiner Jugend ein sehr weltliches Leben. Im Schlaf zweimal ermahnt, ein Soldat Christi zu werden, kam er auf den Berg Sepio, wo er eine dritte Mahnung erhielt. Da ihm seine Eltern um dieselbe Zeit eine reiche Braut ausersehen hatten, und er sie zu besuchen einen Ritt machte, blieb das Pferd zur Hälfte des Weges plötzlich stehen und konnte durch keinen Sporn weiter getrieben werden. Tief bewegt darüber baute er sich eine Zelle und überwand da einsam lebend herzhaft alle Versuchungen. Auch seine Braut bewog er, ein Gleiches zu tun. Gott gab ihm viele Gnaden. Er sah Abwesendes wie Gegenwärtiges, blickte in die Zukunft, trieb die Teufel aus den Besessenen und stellte den Kranken die Gesundheit wieder her. Nachdem er im Jahr 1181 entschlafen war, kamen zu seinem Begräbnis die Bischöfe von Volterra und Massa, auch mehrere Äbte. Die Wunder, die an seinem Grab geschahen, bewogen den Papst, ihn heilig zu sprechen. Es wurde auch auf seinen Namen eine Kirche erbaut und eine Abtei gegründet.

 

4. Dezember

 

Die heilige Barbara, Jungfrau und Martyrin von Nikomedia,

+ 4.12.306 - Fest: 4. Dezember

 

Wenn man am Fest der heiligen Barbara einen frischgeschnittenen Kirschbaumzweig aus der Kälte draußen in die warme Stube holt, in ein Glas mit Wasser stellt und sorglich pflegt, so springen die Knospen an dem Zweig, den man Barbarazweig nennt, am Weihnachtsabend auf zum Sinnbild und Gleichnis für jenes Reis, das in wundersamer Schönheit zur halben Nacht, wohl in dem kalten Winter, ein Blümlein hold gebracht. Das Barbarafest ist also wieder eine neue Bestätigung dafür, dass das hochheilige Weihnachtsfest nicht mehr fern ist.

 

Die heilige Barbara, die aus dem Morgenland stammte, lebte um das Jahr 300. Der Vater, reich und angesehen, war ein eifriger Götzenpriester, der alles nur Menschenmögliche tat, um sein einziges, schönes und kluges Kind vor dem Christentum, das er über die Maßen hasste, zu bewahren. Auf Schritt und Tritt ließ er die Tochter bewachen, und wenn er auf Reisen ging, sperrte er sie in einen Turm, nur damit sie nicht mit Christen in Berührung komme.

 

Vergebens war jedoch alle Mühe, denn die Gnade dringt ungehindert durch dicke Mauern und eiserne Türen, und niemand kann ihr wehren. So musste auch Barbaras Vater, als er einst von einer Reise heimkehrte, feststellen, dass die Tochter sich zu Christus bekehrt hatte. Grenzenlos war die Wut des Getäuschten. Durch den Übertritt zum christlichen Glauben hatte die eigene Tochter, wie er meinte, seine götzenpriesterliche Amtsehre besudelt, und in seiner Verblendung glaubte er, die vermeintliche Unehre nur dadurch wieder in Ehre umwandeln zu können, dass er das Kind in eigener Person dem heidnischen Richter zur Folterung übergab.

 

Es sollte noch schlimmer kommen, denn als Barbara sich weder durch eiserne Krallen noch durch sengende und brennende Fackeln noch durch sonstige Marter vom Glauben abbringen ließ, erbat sich der Rabenvater von dem Richter die Gnade – ja, er hat es ausdrücklich Gnade genannt –, erbat er sich die Gnade, mit eigener Hand die Tochter hinrichten zu dürfen. So weit konnte die Verblendung eines Heiden gehen, dass er aus Hass gegen die christliche Religion das eigene Kind hinmordete. Wir können dem lieben Gott fürwahr nicht genug dafür danken, dass wir nicht im Heidentum geboren wurden.

 

Was sich Barbaras Vater von dem heidnischen Richter als Gnade erbeten hatte, wurde ihm gewährt, er durfte tun, was er tun wollte, und da hat er zu seiner immerwährenden Schande und zum ewigen Ruhm des Kindes die Tochter durch das Schwert hingerichtet.

 

Sankt Barbaras Martertod war wie kein zweiter schrecklich und glorreich zugleich, und deswegen gehört sie seit eh und je bei den Christen zu den bekanntesten und beliebtesten Heiligen, die es gibt. Sankt Barbara zählt zu den heiligen Vierzehn Nothelfern und ist obendrein die Patronin der Bergarbeiter, der Baumeister, der Dachdecker, der Artilleristen, der Feuerwehrleute und der Glockengießer. Auch vor Blitz und Feuer wird sie als Beschützerin angerufen, und ganz besonders ist sie die Patronin der Sterbenden, zu der man alle Tage um die Bewahrung vor einem jähen und unvorgesehenen Tod und um eine gute und glückselige Sterbestunde beten soll, auch schon in der Kindheit, denn nur zu wahr sagt das Sprichwort: „Alte Leute müssen sterben, junge Leute können sterben.“

 

Heilige Barbara, du edle Braut,

Mein Leib und Seel` sei dir vertraut

Sowohl im Leben als im Tod,

Komm mir zu Hilf in letzter Not,

Hilf mir, dass ich vor meinem End`

Empfang das heil`ge Sakrament.

 

Der heilige Anno, Erzbischof und Bekenner von Köln,

+ 4.12.1075 – Fest: 4. Dezember

 

Der heilige Anno war aus einem edlen alemannischen Geschlecht entsprossen und widmete sich auf den Wunsch seiner Eltern in den Jugendjahren dem Waffendienst. Als ihn aber sein Oheim, ein frommer Kanonikus in Bamberg, die Nichtigkeit der irdischen Dinge ans Herz legte, entsagte er der Welt und begann die Erlernung der göttlichen Wissenschaften. Bald erschwang er sich durch seinen Eifer zum Magister an der Schule zu Bamberg, und der Ruf seiner Tugenden und Kenntnisse verlautete im ganzen Reich, so dass ihn Kaiser Heinrich III. an seinen Hof berief und ihm die Erziehung seines Sohnes, des nachmaligen Kaisers Heinrich IV., übertrug. Einige Zeit später wurde er von seinem Gönner zum Probst von Goslar ernannt, ja 1056 sogar auf den erzbischöflichen Stuhl von Köln befördert. Demütig und gottesfürchtig, wie Anno war, übersah er nicht, welche große Bürde seinen Schultern aufgelegt werde, und er konnte sich nicht enthalten, während er die Weihe empfing, viele Tränen zu vergießen. Unablässig suchte er am Fuß der Altäre jenen Trost und jene Hilfe, die ihm in jenen schwierigen Zeiten doppelt notwendig waren. Und mit dem Beistand des Himmels brachte er auch das Ansehen des Erzstiftes höher, als je einer seiner Vorfahren. Er durchreiste seinen Sprengel öfter und predigte selbst mit rührender Salbung. Überall ließ er bleibende Spuren seiner Anwesenheit zurück, und keine Gemeinde war, die ihm nicht irgendeine große Wohltat zu danken hatte. Als Pflanzschule der Gottseligkeit erbaute er fünf Klöster, unter denen das berühmteste das auf dem Siegeberg war. In den Mauern dieses Klosters weilte er oft längere Zeit, um sein Gemüt von den Zerstreuungen der vielen Geschäfte zu sammeln und durch Beobachtung der Ordensregeln Gott allein zu dienen. Nach dem Tod Heinrichs III. unternahm er mit Einverständnis der Großen die Aufsicht über den Thronerben und die Verwaltung des Reiches. Als streng sittlicher Mann suchte er des jungen Königs Leidenschaften zu zügeln und das Wohl Deutschlands ernstlich zu fördern. Allein die Verhältnisse waren mächtiger als er, und er sah sich trotz aller Bemühungen außer Stande, die immer mehr überhandnehmenden Unordnungen, besonders den eingerissenen Simonismus zu unterdrücken. Auch die Schranken, die er durch Warnung seinem königlichen Pflegling gesetzt hatte, wurden von anderen mit frevelnder Hand niedergerissen. Des lästigen Wächters loszuwerden, sandte man ihn 1073 nach Rom, von wo er, nachdem er dem Heiligen Vater über die Zustände in Deutschland Bericht erstattet hatte, die Vorladungsbulle gegen Heinrich IV. mit zurückbrachte. Fortan hielt er sich auf immer vom Hof entfernt und verlebte den noch übrigen Rest seiner Tage auf dem Siegeberg, hier unter fortwährenden Verleumdungen und Lästerungen, körperlichen Gebrechlichkeiten und Schmerzen in stiller Geduld die Ankunft des Herrn erwartend, die am 4. Dezember 1075 erfolgte. Nach seinem ausdrücklichen Wunsch wurde er in der Klosterkirche begraben. Kurz nach seinem Tod erschien ein Lobgesang auf ihn, das sogenannte „Annolied“, das in legendenartiger Weise seine Taten und Wunder feiert.

 

Der heilige Maruthas, Bischof von Tagrite, Mesopotamien,

+ 5. Jhd. – Fest: 4. Dezember

 

Der heilige Maruthas war einer der berühmtesten Lehrer der syrischen Kirche und verfasste unter anderem die Akten der Märtyrer, die in der von 340 bis 380 dauernden Verfolgung unter dem König Sapor gelitten hatten. Im Jahr 411 machte er eine Reise nach Konstantinopel, um die Christen im persischen Reich dem Schutz des Kaisers Arcadius zu empfehlen. Der Nachfolger dieses Fürsten, Theodosius der Jüngere, beehrte ihn mit seinem vollen Vertrauen und sendete ihn zweimal als Abgeordneten nach Persien. Bei dieser Gelegenheit heilte er den König jenes Landes, Isdegerdes, durch sein Gebet von einer lästigen Krankheit und errang dadurch dessen Gunst in dem Grad, dass er ihn nur „den Freund Gottes“ nannte und ihm trotz der Einsprüche der Magier die Gewalt erteilte, nach seinem Belieben im Land Kirchen zu errichten. Bei seiner Heimkehr brachte er aus Persien in großer Menge Reliquien von Blutzeugen in seine bischöfliche Stadt, die von da an den Namen Marthropolis erhielt. Er starb vor der Mitte des 5. Jahrhunderts und wurde in seiner Kirche beigesetzt. Später brachte man seinen heiligen Leib in Sicherheit vor den Einfällen der Perser und Araber in das von syrischen Mönchen bewohnte Kloster zu Unserer Lieben Frau in der Wüste Scete, wo er sich noch befindet.

 

 

Der heilige Osmund de Seez, Bischof von Salisbury, England,

+ 4.12.1099 – Fest: 4. Dezember

 

Der heilige Bischof und Bekenner Osmundus war ein geborener Graf von Seez, und kam mit Wilhelm dem Eroberer aus der Normandie nach England. Er wusste mit den Pflichten eines Hofmannes, Kriegers und Staatsbeamten die eines treuen Dieners Gottes zu vereinen. Doch Würden und Königsgunst hatten für sein Herz nicht lange Reiz, und er entsagte der Welt gänzlich, um sich im geistlichen Stand dem Herrn ungeteilt zu widmen. Nicht lange noch war er Priester, so wurde er in einen seinen Tugenden und Geistesgaben angemessenen Wirkungskreis versetzt, indem man ihn 1078 auf den bischöflichen Stuhl von Salisbury erhob. Sein Eifer für die Ehre Gottes bewog ihn, nicht nur die Kathedrale seines Sitzes neu und prächtig zu erbauen, sondern auch mehrere andere Kirchen zu verschönern und verschiedene fromme Stiftungen zu machen. Den Pfarrgemeinden setzte er erleuchtete Seelsorger vor, und in seiner Umgebung befanden sich immer Welt- und Ordensgeistliche von ausgezeichnetem Ruf. Einen gleichförmigen Gottesdienst in seinem Sprengel herzustellen, verfasste er ein Messbuch, ein Brevier und ein Ritual. Auch stellte er eine Lebensbeschreibung des heiligen Aldhelmus zusammen. Überhaupt trug er solche Liebe zu den Wissenschaften, dass er selbst Bücher abschrieb und einband. Zum Gebrauch seiner Kanoniker legte er eine reichhaltige Bibliothek an. Ungeachtet seiner hohen Stellung in der Kirche sah man ihn häufig Beicht sitzen und mitunter sogar zum Tod verurteilten Verbrechern in der letzten Stunde beistehen. Er starb am 4. Dezember 1099 nach einer langwierigen Krankheit, die er eifrig zu seinem Heil benützt hatte, und wurde in der Domkirche von Salisbury begraben. Calixtus III. setzte ihn 1458 unter die Zahl der Heiligen.

 

5. Dezember

 

Der heilige Sabas,

Einsiedler-Abt und Bekenner von Judäa,

+ 5.12.532 - Fest: 5. Dezember

 

Sabas wurde 439 zu Mutalaska, einem Flecken in Kappadozien, von wohlhabenden Eltern geboren, und im fünften Lebensjahr seinem Vetter Hermias übergeben, weil die Eltern Geschäfte halber sich auf einige Jahre auf Reisen begeben mussten.

 

Achtjährig begab sich Sabas in ein Kloster, blieb dort zehn Jahre, und lernte und übte während dieser Zeit, was Grund und Inhalt zum vollständigen Dienst Gottes ist. Er bemerkte im Haus des Vetters, was Anhänglichkeit ans Zeitliche und unbeherrschte Neigung nach sich ziehen, und entsagte auf immer dem Gut dieser Erde. Mit Erlaubnis seines Obern reiste er nach Jerusalem, um die heiligen Orte und die Klöster in Palästina zu besuchen. Damals lebte dort der berühmte heilige Euthimius, ein geistlicher Vater vieler Mönche und eine große Stütze des einsamen Lebens. Zu ihm begab sich Sabas und verlangte sein Jünger zu werden, um das vollkommene Leben zu ersteigen. Er wurde aufgenommen, und Theoktistes sein geistlicher Führer.

 

Sabas hatte sich früher schon an Verleugnung seiner selbst und ans Fasten gewöhnt. Und jetzt war er der erste und letzte beim Gebet, der Fleißigste bei der Arbeit, der Eilfertigste zum Gehorsam, in der Abtötung der Strengste, in seinem ganzen Wesen der Frömmste, somit allen Mönchen zur Erbauung und Freude. Ein Beweis seiner Verleugnung und des Mutes in seiner Strenge ist auch dieses: er war einst im Garten und bekam Lust, einen Apfel zu essen. Er pflückte die Baumfrucht, besann sich aber, dass dies eine Versuchung sei, warf den Apfel von sich, und versprach es Gott, von nun an kein Obst mehr zu essen.

 

Auf Geheiß seines Obern kam er nach Alexandria, wo sich wirklich seine Eltern aufhielten, ihn erkannten und nimmer entlassen wollten. Er nahm, und zwar nur aus Ehrerbietigkeit gegenüber den Eltern, von zwanzig Goldstücken drei an, machte sich heimlich davon und zurück ins Kloster, wo er die Gabe seinem Abt Euthimius übergab.

 

Darauf bezog er eine verborgene Höhle, lebte fünf Jahre lang in großer Strenge, kam jeden Samstag zu den Brüdern, lieferte seine Arbeit, in der Woche bei fünfzig Körben, blieb bis Sonntagabend bei ihnen, nahm Palmzweige zur Flechtarbeit mit sich, und aß nichts mehr, bis er wieder zu seinen Brüdern kam. Da bestand er den Anfall der Hölle durch Fasten, durch Gebet und Arbeit. Euthimius gewann ihn sehr lieb, nannte ihn seiner erprobten Heiligkeit wegen den „jungen Greis“, und nahm ihn zum Gefährten in die Wüste Rouba mit sich, um seine große Fasten von Mitte Januar an bis Palmsonntag zu halten.

 

Nach dem Tod des heiligen Euthimius begab sich Sabas in eine andere Höhle in der Gegend des Baches Zedron, wo er seine strenge Lebensweise fortsetzte. Da sammelten sich viele Jünger um ihn her, die der Ruf des heiligen Mannes herbeigezogen hatte. Er unterzog sich schließlich, ihr Führer zu sein auf dem Weg zur Vollkommenheit, baute ein Kloster für 140 Jünger in seinem 45. Lebensjahr und ein kleines Bethaus dabei. Fügte es Gott, dass ein Priester vorbeireiste, so ersuchte er ihn, das heilige Messopfer in dem Bethaus zu entrichten, denn bisher hielt die große Demut den Diener Gottes ab, die Priesterweihe zu empfangen. Als er aber ein Vater vieler Mönche, der Stifter mehrerer Klöster und das Oberhaupt der Einsiedler in Palästina geworden war, hielt es der Patriarch zu Jerusalem für nötig und heilsam, ihn zum Priester zu weihen, und der demütige Sabas unterwarf sich.

 

Immer mehr wuchs seine Heiligkeit und sein Ansehen bei Großen und Kleinen. Man bewunderte an ihm in gleichem Maß die hohe Weisheit seiner Seelenleitung, wie die Lauterkeit seines Wandels. Doch es gab auch damals, und sogar unter seinen Jüngern, schwache Augen, die sein Licht nicht vertragen mochten, und deswegen seinen Eifer trübten. Er aber ertrug alle mit Liebe und Sanftmut und wich der Tücke lieber aus und verbarg sich aufs Neue in eine Höhle, um niemanden mehr, als er musste, beschwerlich zu sein. Streiten gegen das Böse und leiden, was gelitten sein muss, hielt er für unerlässliche Pflicht eines Vorgesetzten. Gott verlieh ihm auch die Gabe der Wunder, und bediente sich dieses so armen Mannes zum Trost der Kirche und um den Gewaltigen dieser Erde Ehrfurcht vor Gott und den Heiligen abzugewinnen.

 

Der Kaiser Anastasius zu Konstantinopel verursachte der Kirche Gottes großes Leidwesen, besonders war er feindselig gegen die Bischöfe. Da nahm Elias der Patriarch zu Jerusalem Zuflucht bei dem heiligen Sabas und ersuchte ihn, die Sache der Katholiken vor dem Kaiser zu verteidigen. Sabas, obschon jetzt bei siebzig Jahren alt, übernahm diese Aufgabe, denn es betraf die Ehre Gottes. Er verreiste mit einigen Mönchen nach Konstantinopel. Als er zum Verhör in den Saal hineintrat, stand der sonst so ehr- und geldsüchtige Kaiser von Thron auf, ging ihm entgegen, ehrte ihn und versprach seine Bitte zu erhören. Darauf bot ihm der Kaiser Geschenke an für sein Kloster; Sabas aber wies diese zurück und sagte: „Meine Mönche haben keine Geschenke nötig, denn ihr Erbteil ist der Herr, aber Jerusalem ist hart gedrückt von Auflagen und leidet ohnehin Hunger und Plage genug von der Dürre und Pest, die Christgläubigen sind den Räubern bloßgestellt, ihre Städte sind von Ketzern zerstört, die Klöster sind ohne Wehr gegen die Horden der Sarazenen, da sollst du helfen.“ Der Kaiser versprach es. Marinus, der Schatzmeister, aber widersprach und wollte den Kaiser von dem Erlass der Steuer abhalten. Sabas drohte ihm mit göttlicher Strafe. Er aber achtete die Drohungen nicht, bis in einem Auflauf des Volkes in der Hauptstadt sein Haus in Feuer stand, und er kaum durch Flucht sein Leben retten konnte. Der Kaiser erließ die Steuer und das Volk verdankte dem Mann Gottes die Besiegung des Herzens ihres Kaisers.

 

Nun kehrte der Heilige eilig in seine Einsamkeit zurück. Aber nicht lange konnte er die Ruhe genießen in der Einsamkeit, die Ketzerei des Eutyches erregte Verfolgung, die Katholiken waren deren Hass ausgeliefert. Das Konzil zu Chalzedon fand Widerspruch bei den Ketzern und nicht überall Aufnahme. Da machte sich der Diener Gottes in seinen alten Tagen auf aus seiner sonst so lieben Einsamkeit, denn es galt die Ehre Gottes, den wahren Glauben und das Heil so vieler Seelen. Er durchzog Städte und Dörfer, deckte den Irrtum auf, erklärte die Glaubenslehre, ermahnte zur Festhaltung und Befolgung des Glaubens, und mit Gottes Gnade gelang es ihm, die Annahme des Konzils zu bewirken und die Herzen im Glauben zu stärken.

 

Und noch einmal reiste der bald neunzigjährige Greis. Auf Verlangen seines Patriarchen reiste er nach Konstantinopel zum Kaiser Justinianus, um ihm die grundlose Verdächtigung der Gläubigen in Palästina aus dem Sinn zu nehmen und des Kaisers Herz zu bewegen, den Einfällen der Samaritaner und mitunter der Ketzer Einhalt zu tun. Der Kaiser empfing ihn mit aller Ehrfurcht und versprach Hilfe. Da trug es sich zu, während der Kaiser eine Begünstigung für den Mann Gottes schrieb, dass die Stunde eintraf, in welcher er die Terz beten sollte. Er entfernte sich und betete. Das wurde ihm übel genommen; er aber gab zur Antwort: „Der Kaiser verrichtet sein Amt, und ich das Meine.“

 

Darauf kehrte er in sein Kloster zurück und rüstete sich zum Tod. Der Herr hatte ihm seine baldige Ankunft angedeutet. Er ermahnte die Mönche zur Liebe der Einsamkeit, Festhaltung der Ordenszucht, bestellte seinen Nachfolger und entschlief sanft im Herrn über dreiundneunzig Jahre alt, im Jahr 532.

 

6. Dezember

 

Der heilige Nikolaus, Bischof und Bekenner von Myra in Lycien,

+ 6.12.327 - Fest: 6. Dezember

 

Am Fest des heiligen Nikolaus ist es bis Weihnachten nicht mehr lang. Nikolaus verdient wie kein zweiter die Ehre, der Vorbote des Christkinds zu sein, denn er ist wirklich ein guter Mann.

 

Nikolaus war noch jung, als im Jahr 300 seine Eltern am gleichen Tag durch die Pest zu Tode kamen. Es war bitter für den Jungen, denn Waisenkinder haben es im Leben meistens weit schwerer als andere Kinder, deren Eltern so lange Leben, bis sie groß sind.

 

Weil also Nikolaus früh an sich selbst erfuhr, wie tief Not und Unglück die Menschen quälen können, verstand er auch die Armen und Bedrückten. Und weil er dazu ein gutes Herz hatte, war es ihm sehr wichtig, anderen, die in Sorgen lebten, zu helfen, wo er nur konnte, und wo er nicht helfen konnte, da stand ihm sogar Gott durch offensichtliche Wunder bei.

 

Da war einmal zu Myra in Kleinasien, wo Nikolaus lebte, ein entsetzliches Verbrechen geschehen. Drei kleine Kinder waren getötet worden, und die Leichen hatte der Mörder in einem Fass versteckt. Als diese Tat bekannt wurde, waren die Leute entsetzt und voller Angst. Auch Nikolaus hörte von dem Mord. Sofort ging er hin und erweckte durch das heilige Kreuzzeichen die Kinder wieder zum Leben. Zur Erinnerung an dieses Wunder sieht man auf den Bildern, die den heiligen Nikolaus darstellen, ein Fass mit drei kleinen Kindern.

 

Auf anderen Bildern hat der Heilige ein Buch in den Händen, und auf dem Buch liegen drei goldene Äpfel. Damit hat es folgende Bewandtnis. Es lebte damals in Myra ein Familienvater, der drei Töchter hatte und so arm war, dass er nicht wusste, wie er die Kinder ernähren sollte. Als die Not immer größer wurde, kam dem verzweifelten Vater der schreckliche Einfall, die Mädchen zu verkaufen. Die Leute, die von dem Vorhaben hörten, schüttelten den Kopf und bekreuzigten sich. Nikolaus hörte auch von der Sache, schüttelte aber nicht den Kopf, sondern er beschloss, sogleich zu Hilfe zu kommen. Als es dunkel geworden war, ging er an dem Haus, in dem die unglückliche Familie wohnte, vorüber und warf durch das Fenster, das gerade geöffnet war, einen Beutel mit so viel Geld hinein, wie er im Augenblick besaß. Dann lief er fort, weil er nicht wollte, dass seine helfende Tat bekannt werde. Das gleiche tat Nikolaus, sobald er wieder zu Geld gekommen war, noch zweimal, bis die Familie von aller Not befreit war. Er tat dies ganz verborgen und still. Und so ist es auch zu verstehen, dass Sankt Nikolaus, der noch heute jedes Jahr an seinem Festtag die Kinder beschenkt, das schöne gute Werk immer in der Nacht tut, wenn die Kinder schlafen. Der heilige Mann will in seiner Bescheidenheit das Gute, das er verrichtet, nach echter Christenart heimlich tun. So soll es ja auch sein, denn, so sagt es die Bibel, beim Gutestun darf die linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.

 

Auf den Bildern des heiligen Nikolaus ist neben dem Fass mit den drei Kindern, die er zum Leben erweckte, und neben den goldenen Äpfeln, die seine dreimalige Gabe an die arme Familie darstellen, auch noch ein Schiff im Sturm abgebildet. Als sich nämlich einmal ein Schiff in Seenot befand und fast unterging, erschien plötzlich auf dem Deck der heilige Nikolaus, nahm das Steuer in die Hand und führte das Schiff durch die Wellen in den sicheren Hafen. Deshalb ist Sankt Nikolaus nicht nur der Liebling der Kinder, sondern auch der Patron der Seefahrer und Reisenden auf den Meeren und auf den Flüssen.

 

Zuletzt ist der heilige Nikolaus Bischof in seiner Vaterstadt Myra geworden. Dort ist er auch am 6. Dezember 345 gestorben.

 

7. Dezember

 

Der heilige Ambrosius, Erzbischof von Mailand,

Kirchenlehrer, geb. in Trier,

+ 4.4.397 – Fest: 7. Dezember

 

Trier ist unter den deutschen Städten an Ehren reich, und nicht die geringste unter den christlichen Ehren Triers besteht darin, dass in seinen Mauern der erste von den vier großen Kirchenlehrern des Abendlandes geboren wurde, Sankt Ambrosius, von dem es im Evangelium heißen könnte: „Keiner fand sich, der gleich ihm gehütet das Gesetz des Allerhöchsten.“

 

Ambrosius, der Sohn eines hohen Staatsbeamten, wurde in Trier um das Jahr 333 geboren, zog nach dem frühen Tod des Vaters mit Mutter, Bruder und Schwester nach Rom und erhielt dort eine treffliche Erziehung. Nach den Schuljahren trat der junge Mann in den Staatsdienst, arbeitete eifrig und pflichtgetreu, stieg auf der Leiter der Ämter und Ehren schnell empor und nahm mit vierzig Jahren als Statthalter in Mailand eine der höchsten Staatsstellen ein.

 

In Mailand ging es zu der Zeit kunterbunt her, denn neben den Katholiken machten sich Irrgläubige breit, die schon oft erwähnten Arianer. Es war des Zwistes kein Ende, und alle Tage gab es neue Händel. Mit Geduld und Geschick vermittelte der junge Statthalter zwischen den beiden Gruppen, und infolge seiner Klugheit und Gerechtigkeit hatte sich Ambrosius bald das Vertrauen aller erworben. Als dann der derzeitige Bischof von Mailand starb, konnte man sich über den Nachfolger nicht einigen. Bei der Wahl des neuen Oberhirten standen sich im Dom der Stadt die Gegner mit geballten Fäusten gegenüber, und um Blutvergießen zu verhüten, eilte der Statthalter in eigener Person herbei, griff in den Tumult ein und mahnte mit ernsten Worten zur Besinnung und Einigkeit.

 

Da wurde es still im Dom, und in die Stille rief plötzlich eine helle Kinderstimme: „Ambrosius, Bischof!“ Es wirkte aber das Wort aus Kindermund wie ein Funke, der einen Brand entzündet, denn gleich nachher ging der Ruf von Mund zu Mund: „Ambrosius, Bischof!“

 

Ob Ambrosius wollte oder nicht, ob er sich weigerte und sträubte, es half ihm alles nichts, das Volk hatte ihn gewählt und ließ nicht mehr ab von ihm. Dabei war der Gewählte ein Staatsbeamter, weder Priester noch überhaupt getauft. Wie? Ambrosius war noch nicht getauft? Nein, denn damals bestand der unchristliche Brauch, die Taufe, obwohl man christlich lebte, möglichst bis in die Sterbestunde hinauszuschieben. Welch ein Unverstand! Wie viele Kinder und Erwachsene, die plötzlich vom Tod hinweggerafft wurden, mögen da wohl ohne die Taufgnade verstorben sein?

 

Ambrosius war, wie gesagt, bei der Erwählung zum Bischof von Mailand noch nicht getauft. Bevor er die Bischofsweihe empfing, musste er natürlich getauft werden. Das geschah am 30. November 374, und an den folgenden Tagen erhielt Ambrosius nach der Legende die heiligen Weihen, jeweils eine an einem Tag, erst die vier niederen Weihen, dann wurde er Subdiakon, dann Diakon, dann Priester und endlich am 7. Dezember, also am heutigen Gedenktag, Bischof. So schnell hat es noch keiner fertiggebracht, dass er innerhalb einer Woche vom Ungetauften bis zum Bischof aufstieg.

 

Ambrosius war also Bischof geworden, und nicht lange dauerte es mehr, da war jeder Zoll an ihm ein Bischof. Bischof Ambrosius war ein Vater der Armen. Gegen die Irrgläubigen, die hartnäckig im Irrtum verharrten, ging er vor, wie es die Pflicht eines katholischen Bischofs gebietet, und wenn er sonntags auf der Kanzel Gottes Wort verkündete, machtvoll und kräftig, so lohten erneut die Pfingstgluten auf. Unzählig ist die Zahl jener, die er bekehrte, und der größte unter denen, die er bekehrte, ist der heilige Augustinus gewesen. Dabei war Bischof Ambrosius kein Schönredner, sondern ein mutiger Mann, der auch den Mächtigen und auch dem Kaiser kühn und ungeschminkt die Wahrheit öffentlich an den Kopf warf. An Ambrosius war jeder Zoll nicht nur ein Bischof, sondern auch ein Mann.

 

Es darf ferner nicht unerwähnt bleiben, dass Bischof Ambrosius es war, der oft in Wort und Schrift das hohe Lied der Jungfräulichkeit im ehelosen Stand um Christi willen verkündete, und damit leitet der Heilige bereits vom heutigen Tag über auf das morgige Hochfest der Jungfräulichkeit, an dem wir der Unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau gedenken.

 

Die heilige Fara (Burgundofara), Äbtissin zu Evreux, Frankreich,

+ 3.4.655 – Fest: 7. Dezember

 

Die heilige Fara, Äbtissin des Klosters Faremoutier im Bistum Meaux, war die Tochter Agnerichs, eines der vornehmsten Hofbeamten des Frankenkönigs Theodebert II. Bei ihm fand der heilige Columban im Jahr 610 freundliche Aufnahme und segnete bei dieser Gelegenheit die kleine Fara. Als der Vater sie verehelichen wollte, erklärte sie ihren festen Entschluss, jungfräulich zu leben, und da Agnerich seine Zustimmung verweigerte, fiel sie in eine Krankheit, von der sie aber durch das Gebet des heiligen Eustasius wieder befreit wurde. Nach harten Kämpfen fügte sich endlich der Vater in ihre Wünsche, und jetzt nahm sie ungesäumt aus den Händen des Bischofs Gondoald den Schleier und machte die wunderbarsten Fortschritte auf der Bahn der Heiligkeit. Agnerich empfand darüber solche Freude, dass er zwei Jahre nach ihrer geistlichen Verlobung (616) ein Kloster für sie baute und zureichend ausstattete. Es hieß Brige, nach dem Tod der heiligen Fara aber Faremoutier. Man hielt daselbst die Regel des heiligen Columban, und die Genossenschaft verbreitete auch in die Ferne den guten Geruch Jesu Christi, so dass sogar Fürstentöchter aus England kamen, um darin dem Dienst Gottes sich zu weihen. Die Reden und Beispiele unserer Heiligen wirkten auf ihren Bruder Faro so mächtig ein, dass er sich ebenfalls dem geistlichen Stand widmete und später Bischof von Meaux wurde. Nachdem Fara 39 Jahre lang ihre Herde in aller Liebe und Gottseligkeit geweidet hatte, ging sie ein zur Freude des Herrn im Jahr 655. Als man 1622 ihre Reliquien aus dem sie verschließenden Kasten nahm und der Verehrung aussetzte, ließ eine blinde Nonne, Carolina le Bret, mit ihnen ihre Augen berühren, und nachdem das zum dritten Mal geschehen war, sah sie plötzlich. Der Bischof von Meaux ließ die Begebenheit gerichtlich untersuchen und erklärte am 9. Dezember 1622 die Heilung als wunderbar.

 

 

8. Dezember

 

Mariä Empfängnis

 

 

Der heilige Eucharius, Apostelschüler und 1. Bischof von Trier,

+ 8.12.72 ? – Fest: 8. Dezember

 

Eine der ältesten Städte Europas, unstreitig die älteste Kirche diesseits der Alpen ist Trier. Schon zur Zeit der Geburt Christi, unter dem römischen Kaiser Augustus, war Trier eine wichtige Militärstation zum Schutz der Grenzen des Reiches gegen die deutschen Völkerstämme jenseits des Rheins, im Jahr 287 wurde es kaiserliche Residenz für das Abendland und mit aller Pracht und Herrlichkeit ausgestattet, was die Würde und der Luxus eines römischen Imperators jener Zeit einforderte. Ganz nach dem Muster von Rom erhielt es seinen Senat, Paläste, Tempel, Triumphbogen, Amphitheater, Bäder und Feste, so dass es „das zweite Rom“ genannt wurde. Der erste christliche Kaiser, Konstantin, und seine Nachfolger im 4. Jahrhundert, residierten zumeist in Trier. Bei dieser engen Verbindung Triers mit Rom war es nicht verwunderlich, dass schon die ersten christlichen Glaubensboten ihr Auge nach diesem lohnenden Ziel richteten.

 

Dem Auftrag des göttlichen Heilandes getreu: „Gehet hin in alle Welt, lehrt alle Völker und tauft sie.“ waren die Apostel Petrus und Paulus bis zur Weltstadt Rom gekommen und hatten dort eine Christengemeinde gegründet. Da sie indes dort gefangen gehalten wurden, so schickten sie ihre Jünger in nahe und entfernte Länder, um die Lehre Christi auszubreiten. Unter diesen Verkündigern des Evangeliums befand sich auch der heilige Eucharius, ein Schüler des heiligen Petrus und der Sage nach einer der 72 Jünger des Herrn.

 

Mit seinen beiden Mitarbeitern Valerius und Maternus kam Eucharius in das östliche Gallien und predigte im Elsass und an den Ufern des Rheins. Dann wandte er sich zur Mosel, um dorthin den Frieden und das Heil zu bringen, wohin die Römer den Krieg und den heidnischen Götzendienst überführt hatten. Auf dem Hauptplatz der Stadt Trier standen an hundert Bildsäulen heidnischer Götzen, denen das verblendete Volk göttliche Ehre erwies. Eucharius ermahnte das Volk, diesen törichten Götzendienst aufzugeben, und den einzig wahren Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde, anzubeten, allein der Stolz und Reichtum der Bürger verschloss der Predigt des armen Fremdlings das Ohr. Der Eifer und Mannesmut des Glaubensboten ließ sich indes weder durch Misserfolge, noch durch Drohungen seitens der Götzenpriester einschüchtern. Eines Tages wollte er auf dem öffentlichen Markt vor dem versammelten Volk predigen. Da erhoben mehrere Männer Steine und spannten schon die Arme aus, um ihn zu steinigen. Der ehrwürdige Diener Gottes erhob indes Augen und Hände zum Himmel und betete unter Tränen, Gott wolle den verblendeten Menschen Herz und Sinn öffnen, die Wahrheit zu erkennen und das Heil zu suchen. Die Ruhe und Zuversicht des heiligen Mannes, die Kraft seiner Worte erschütterte die Umstehenden derart, dass sie die Arme sinken ließen, ihm zu Füßen fielen und ausriefen: „Zeige uns den Weg zum Heil! Sag an, was sollen wir tun, was sollen wir lassen, damit wir dazu gelangen?“

 

Mit glühender Begeisterung entwickelte nun Eucharius den Inhalt des christlichen Glaubens, die Lehre von der Schöpfung, vom Sündenfall unserer Stammeltern, von der Erlösung durch Jesus Christus, der von der reinsten Jungfrau Fleisch annahm und durch seinen Opfertod am Kreuz für die Sünden der Welt genugtat, die Macht der Hölle brach, vom Grab glorreich auferstand, seinen Aposteln den Auftrag erteilte, alle Völker zu lehren, zu taufen und dem Himmel zuzuführen und ihnen den Heiligen Geist sendete, damit er sie in alle Wahrheit einführe und alle Tage bei seiner Kirche bleibe bis ans Ende der Welt. Seine Rede schloss er mit den Worten: „Von den Jüngern Christi kamen Petrus und Paulus nach Rom, den Glauben an Jesus Christus standhaft und unermüdet zu lehren, und diese Stadt, die bisher in den Finsternissen des Irrtums dahinlebte, mit den Strahlen himmlischer Weisheit zu erleuchten. Wir aber sind nach Anordnung des Apostels in diese eure Gegenden abgesandt, auch euch eben denselben Glauben zu verkündigen und euch getreulich den Weg des Heils zu zeigen, der allein zum himmlischen Vaterland führt.“

 

Die Worte des gottbegeisterten Glaubensboten gingen seinen Zuhörern tief zu Herzen. Sie bekannten, dass sie nie etwas Herrlicheres gehört hätten.

 

Unter den Zuhörern des heiligen Eucharius befand sich auch eine vornehme und reiche Witwe, namens Albana. Ihr einziger Sohn lag zu Hause gefährlich krank. Sie hatte sich nur auf kurze Zeit von ihm entfernt, um die Predigt des Fremdlings zu hören, von dem sie viel Wunderbares vernommen hatte. Vergeblich hatte sie bei den Menschen Hilfe in ihrer Not gesucht, vielleicht fand sie Trost bei diesem heiligen Mann. Da überraschten sie ihre Diener mit der Trauerbotschaft: „Dein Sohn ist soeben gestorben.“ Sobald sie dies hörte, fiel sie dem heiligen Eucharius zu Füßen und rief unter lautem Jammer und heißen Tränen: „Ich bitte dich inständigst, erbarme dich einer armen Mutter! Habe Mitleid mit mir Unglücklichen, die zweifach bemitleidenswert ist! Denn erst vor wenigen Tagen verlor ich meinen Mann und heute – ach des Jammers! – wird mir nun noch mein einziger Sohn durch den Tod entrissen! Erwecke meinen Sohn! Sieh ich bin aufrichtig bereit, alle deine Lehren aufs willigste zu befolgen. Ich glaube an Jesus Christus, den du uns verkündest, ja auch mein Sohn und mein ganzes Haus werden an ihn glauben.“

 

Von dem Jammer der Mutter innigst gerührt, begab sich Eucharius mit Valerius und Maternus zu ihrer Wohnung. Eine große Menge Volkes folgte voll Erwartung. Eucharius trat mit der Mutter und seinen Gefährten in das Haus der Trauer, fiel auf seine Knie und betete lange. Dann stand er auf, trat zu dem Leichnam, fasste ihn bei der Hand und sprach: „Jüngling, im Namen Jesu Christi, der durch seine Allmacht den einzigen Sohn der Witwe von Naim vom Tod erweckt hat, sage ich dir: Kehre zurück in dieses Leben und lerne hier auf Erden noch deinen Schöpfer erkennen und mit aufrichtigem Herzen an ihn glauben!“ Der Jüngling stand sogleich auf und fing an, Gott zu loben und zu preisen. Eucharius stellte ihn dem versammelten Volk vor und alle riefen mit lauter Stimme: „Groß und mächtig ist der Gott der Christen, der durch seine Diener solche Zeichen und Wunder tut!“ Die beglückte Mutter Albana, ihre ganze Familie und eine große Menge Volkes ließen sich taufen.

 

Albana ließ ihr schönes Haus zu einer Kirche einrichten und vom heiligen Eucharius einweihen. Nach und nach bekannte sich fast die ganze Stadt zum Glauben an Jesus Christus. Eucharius wurde der erste Bischof dieser Christengemeinde, Valerius und Maternus seine Diakonen. Von Trier aus machte Eucharius seine Missionsreisen in der Umgegend weit und breit und bekräftigte sein Wort durch viele Wunder.

 

Nachdem Eucharius 23 Jahre der jungen Christengemeinde zu Trier als Bischofvorgestanden hatte, erschien ihm nachts ein Engel und sprach zu ihm: „Eucharius, du hast nach dem Befehl des Herrn dein Tagewerk getreulich vollendet und deinen Kampf auf Erden männlich durchgekämpft. Gehe nun ein in die verheißene Ruhe und empfange die unverwelkliche Siegeskrone!“ Eucharius rief seine Jünger zu sich und sprach: „Geliebteste! Ich weiß es nun gewiss, dass ich diese Welt bald verlassen und die Schuld der menschlichen Hinfälligkeit abtragen werde. Ich bitte euch daher noch um drei Dinge: Habt beständig einen festen Glauben, eine unerschütterliche Hoffnung und eine wahre, unverfälschte Liebe zu Gott, sowie untereinander. Gebt den Irrtümern, die vom Satan herrühren, niemals Gehör. Meinen Staub übergebt der Erde, meinen Geist aber empfehlt in Andacht und Liebe dem Herrn!“ Darauf ernannte er Valerius zu seinem Nachfolger und mahnte ihn dringend, die Talente, die ihm Gott anvertraut habe, zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen gewissenhaft zu verwenden.

 

Während er sprach, umgab ihn heller Lichtglanz und erfüllte die ganze Zelle. Noch einmal sagte er seinen Jüngern Lebewohl, blickte zum Himmel und schloss die Augen im seligen Tod am 8. Dezember des Jahres 72 nach Christi Geburt. Sein Leichnam wurde in der Matthiaskirche vor den Toren Triers feierlich zur Erde bestattet.

 

Der heilige Romarich, Abt von Luxeuil, Vogesen,

+ 8.12.653 – Fest: 8. Dezember

 

Der heilige Romaricus, Abt von Remiremont, war aus königlichem Geblüt entsprossen und gelangte am Hof zu den ansehnlichsten Würden, die ihn jedoch keineswegs von Gott ableiteten. Er knüpfte frühzeitig ein Freundschaftsband mit dem heiligen Arnulph, der später Bischof von Metz wurde. Seine Anhänglichkeit an König Theodebert zog ihm die Verbannung zu, die aber der Himmel nur deshalb geschehen ließ, um ihn völlig an sich zu ziehen. Wieder heimberufen verschenkte er nach dem Rat Jesu Christi das Seinige an die Armen mit Vorbehalt des Schlosses Habende in den Vogesen, das er zu einem Kloster bestimmte. Als der heilige Amatus, Ordensmann aus Luxeuil, es bereits bezogen hatte, um die erste Leitung dort nach der Regel des heiligen Columban zu übernehmen, empfing Romarich aus seinen Händen den Habit und gedachte in den Übungen der Demut seinen Lauf zu beschließen. Allein nachdem Amatus 627 gestorben war, drang man ihm die Führung der Genossenschaft auf, die er denn auch 26 Jahre lang zur Erbauung aller in Händen hatte. Sein Bußeifer gab den Brüdern einen mächtigen Antrieb, den engen Weg zum Leben zu gehen, und seine brennende Nächstenliebe erwarb ihm Zuneigung von Nah und Fern. Er starb im Jahr 653. Von ihm erhielt das Kloster den Namen Romarichsberg oder Remiremont. Es wurde im 10. Jahrhundert von den Ungarn zerstört und dann am Fuß des Berges, auf dem es vordem gestanden hatte, neu wieder erbaut.

 

9. Dezember

 

Die heilige Jungfrau und Martyrin Leokadia von Toledo, Spanien,

+ 9.12.305 - Fest: 9. Dezember

 

Leokadia war von Geburt eine Toledanerin und sehr gottesfürchtig. Dazian der Statthalter ließ die zarte Jungfrau vor seinen Richterstuhl führen, versuchte an ihr, was Schmeichelei, was Drohung über ihren Glauben vermöge, und ließ sie, weil sein Versuch vergeblich war, einstweilen in den Kerker werfen. Sie ging freudigen Herzens in das Gefängnis, ja tröstete noch die sie begleitenden Gläubigen. Im Kerker hörte sie von der großen Wut des Statthalters und von der glorreichen Vollendung so vieler Märtyrer, besonders von der der heiligen Eulalia zu Merida. Da seufzte sie zum Herrn um ihre eigene Vollendung. Nachdem sie lange im Kerker geschmachtet hatte, erhörte sie der Herr und nahm sie durch einen sanften Tod im Kerker in die volle Freiheit der Kinder Gottes auf. Sie wurde von den Gläubigen ehrenvoll begraben. Drei Kirchen in der Stadt, die eine am Geburtsort, die zweite am Qualort, die dritte am Begräbnisort verewigten ihr Andenken, und besonders die Wunderzeichen, die das gläubige Zutrauen krönen.

 

Die heilige Leokadia starb am 9. Dezember 305.

 

Die heilige Gorgonia,

Schwester des heiligen Gregor von Nazianz, Kappadocien,

+ 9.12.372 - Fest: 9. Dezember

 

Gorgonia, eine Schwester des heiligen Gregor von Nazianz, wurde wahrscheinlich im Jahr 326 geboren und von ihren heiligen Eltern zur Liebe Gottes erzogen.

 

Schon in der aufblühenden Jugend bewährte sich der Spruch: „Wie der Baum, so die Frucht.“ Obgleich sie eine große Schönheit, einen hellen Verstand und viele weltliche Kenntnisse besaß, so war sie doch nur bedacht, ihre Seele mit Tugenden zu zieren. Den Putz, das Schminken und andere Erfindungen der Eitelkeit, schreibt ihr Bruder Gregor, überließ sie den Schauspielerinnen und anderen leichtfertigen Personen. Sie fürchtete das Ebenbild Gottes zu entehren, wenn sie die Haare gekräuselt oder in Locken gelegt, kostbare fliegende Kleider getragen und sich mit Diamanten und Edelsteinen geschmückt hätte. Sie sah die Kleider nur als Mittel an, unsere Blöße zu bedecken, und als Ursache der Demütigung, weil sie ein Beweis sind vom Fall unserer Stammeltern.

 

Beseelt von der lebendigen Erkenntnis Jesu Christi, gab sie ihre Einsicht und Geschicklichkeit nur daran zu erkennen, wenn es die Liebe forderte, anderen mit Rat, Hilfe und Trost beizustehen. Obwohl sie gleich in der alten und neuen Geschichte wohl bewandert war, so suchte sie doch niemals ein gelehrtes Gespräch zu führen. Auch eitle und unnütze Reden verabscheute sie. Sie sprach nur das Notwendige, oder wollte nur reden und hören, was zu Gott führt. Man konnte es ihrem stillen Sinn ansehen, dass sie in ihrem Herzen unablässig mit Gott sich unterhalte. Sie wachte stets über ihre Blicke, aus Furcht, etwas Gefährliches zu sehen; betrachtete sich als einen Fremdling auf der Erde, sehnte sich nur nach dem Himmel, wo der Geliebte ihrer Seele, ihr Trost und ihre Freude war, und suchte allein Jesus Christus und den Heiligen im Himmel zu gefallen. Das Leben auf Erden sah sie an als eine Vorbereitung und Sichfähigmachung zum Genuss und Umgang der Himmelsbürger. Wer hier keine Freude am Himmlischen hat, wird sie dort schwer erhalten. Es war daher ihre ganze Beschäftigung auf die immer größere Erkenntnis Gottes und die Erfüllung seines Willens gerichtet.

 

Solche Jungfrauen, wie Gorgonia eine war, besitzen allein die erforderlichen Eigenschaften, den heiligen Ehestand auf eine würdige Weise anzutreten, und eine wahrhaft christliche Gattin und Mutter zu werden. Unsere Heilige ist daher auch hierin ein nachahmungswürdiges Beispiel. Sie wurde, nach dem Willen ihrer Eltern, mit einem vornehmen und reichen heidnischen Jüngling, Vitalianus, aus Pisidien vermählt, und gebar ihm drei Töchter. Durch ihren willigen Gehorsam und ihre sanfte Nachgiebigkeit in allem, was ihr Gewissen nicht verletzte, lebte sie mit ihm in stätem Frieden, und gewann ihn auch bald für Jesus Christus. Ihre Kinder erzog sie von dem zartesten Alter an zur Liebe Gottes, mehr durch ihr Beispiel als durch Worte. Ihr Haus war stets, mit Einwilligung ihres Mannes, ein Zufluchtsort der Armen, Witwen und Waisen. Fromme Christen empfing sie mit besonderer Freude und verschaffte ihnen jede Bequemlichkeit. Übrigens übte sie gegenüber jedem Fremden Gastfreundschaft und zeigte Mitleid zu allen Leidenden. Ihr Gemüt war aber so fest mit Gott vereinigt, dass weder fremde, noch eigene Leiden ihre ruhige Gleichmütigkeit zu stören vermochten.

 

Bei all diesen Werken der Liebe sah sie nur auf das Wohlgefallen Gottes. Sie wollte keinen anderen Lohn, als den Jesus denen verheißen hat, die sich mit ihren zeitlichen Gütern Schätze für den Himmel sammeln. Ihre linke Hand durfte nicht wissen, was ihre rechte gab. Für ihre Kinder glaubte sie besser zu sorgen, wenn sie einen großen Teil des vergänglichen Reichtums mit dem ewigen vertauschen würde. – Bei ihrer großen Wohltätigkeit führte sie ein strenges Leben. Sie ließ sich, setzt der heilige Gregor hinzu, von dem unseligen Wahn nicht täuschen, als könne man durch Mitleid gegenüber den Armen die Schuld eines sinnlichen Lebens auslöschen. Sie fastete streng, brachte ganze Nächte im Gebet, auf der Erde liegend, zu, sang die Psalmen und las die Heilige Schrift auf den Knien. Nichts vermochte sie in diesen heiligen Übungen zu stören, so fest war dabei ihr Herz durch die Liebe mit Gott vereinigt. Sie liebte einsame dunkle Zimmer, die der Gemütssammlung und der Andacht förderlicher sind, und vermied möglichst weltliche Gesellschaften, die ihr beschwerlich fielen. Ihr Verlangen nach der Gesellschaft der Auserwählten im Himmel wuchs mit jedem Jahr, bis sie endlich in dieselbe aufgenommen wurde.

 

Sie bereitete sich zum Tod, wie zu einem Fest vor, und gab, im Beisein ihrer Mutter, der heiligen Nonna, ihres Gemahls, ihrer Kinder und ihres Beichtvaters, der ein Bischof war, ihren Geist auf, mit den Worten: „Ich will im Frieden einschlafen und ruhen“, um das Jahr 371.

 

10. Dezember

 

Die heilige Jungfrau und Martyrin Eulalia von Merida, Spanien,

+ 10.12.303 - Fest: 10. Dezember

 

Die Heiligen-Verzeichnisse geben zwei christliche Jungfrauen und Martyrinnen mit dem Namen Eulalia an. Beide haben in der Verfolgung des Kaisers Diokletian im Jahr 303 und 305 in Spanien ihr Blut des christlichen Bekenntnisses wegen vergossen, die eine zu Barcelona, die andere zu Merida. Das Gedächtnis der ersten wird am 12. Februar, das der anderen heute am 10. Dezember gefeiert. Von der erzählt der heilige Prudenzius, übereinstimmend mit den vorhandenen Martergeschichten folgendes:

 

Eulalia stammte aus einer vornehmen und sehr angesehenen Familie ab. Merida war ihre Vaterstadt. Von ihrer frommen Mutter wurde sie in der christlichen Religion unterrichtet. In früher Jugend schon leuchtete sie als ein Muster inniger Gottesfurcht und liebenswürdiger Sittsamkeit anderen als Vorbild. Als die grausame diokletianische Christenverfolgung sich auch über Spanien verbreitete, hörte sie vieles von dem hohen Mut der christlichen Bekenner und von der unerschütterlichen Standhaftigkeit, mit der die heiligen Märtyrer ihr Leben um des Namens Jesu willen in der qualvollsten Todesart dahingaben. Solche Erzählungen machten auf ihr jugendliches Gemüt einen tiefen Eindruck. Immer heftiger entflammte in ihrem Herzen die Begierde, eines gleichen Heils durch den Martertod gewürdigt zu werden. Die Gesinnung der Tochter konnte der Mutter nicht verborgen bleiben. Sie war besorgt darüber, dass Eulalia sich selbst bei den Verfolgern angeben würde, und glaubte ernste Maßregeln dagegen treffen zu müssen. Eulalia wurde aufs Land gebracht und da in einem kleinen Häuschen von den Menschen abgesondert gehalten. Das wachsame Auge der besorgten Mutter begleitete alle ihre Schritte. Allein die brennende Begierde für Christus und seine göttliche Heilslehre zu leiden, besiegte alle Hindernisse, die sich ihr entgegenstellten. Sie fand Gelegenheit, in der Nacht aus dem Haus zu kommen. Die Dunkelheit der Nacht schützte sie vor Nachforschungen. Durch unwegsame Gegenden, durch Gesträuche und Dornen ging sie dahin und kam schließlich in ihrer Vaterstadt Merida an. Der Statthalter Dazian saß gerade auf dem öffentlichen Platz zu Gericht. Er war umgeben von Personen der Obrigkeit, von bewaffneten Kriegsleuten und von einer großen Menge Volkes. Eulalia drängte sich durch die Menschenmassen hindurch, stellte sich vor den Statthalter hin und erklärte ihm mit der bewunderungswürdigsten Unerschrockenheit: dass es die größte Torheit sei, vor Holz und Steinen, gleich als wären sie Gottheiten, die Knie zu beugen. „Ihr sucht“, sprach sie weiter, „die Christen auf. Seht, auch ich bin eine Christin! Ich hasse die Götter und möchte alle eure Götzen zertrümmern. Mit Herz und Mund bekenne ich den einzig wahren Gott. Eure Götzen, der Isis, der Apollo, die Venus sind nichts – bloßes Menschenwerk, und Maximian handelt sehr töricht, dass er sie verehrt und zu verehren befiehlt. Er tut großes Unrecht, dass er so viel unschuldiges Blut deswegen vergießen lässt.“ Schließlich sprach sie zu den Schergen: „Was zögert ihr? Nehmt mich! Schneidet, brennt, zerreißt meinen Körper! Er ist vergänglich, deswegen wird es euch ein Leichtes sein, ihn zu zerstören. Nichts aber werdet ihr anhaben können meinem Geist.“

 

Der Statthalter hatte eine so nachdrückliche Erklärung von einem zwölfjährigen Mädchen nicht erwartet. Er wurde heftig erzürnt und befahl den Schergen, dass man sie durch Martern auf andere Gedanken bringen solle. Bevor jedoch dieser Befehl vollzogen wurde, versuchte er, nachdem er sich von der ersten Zorneshitze erholt hatte, durch Zureden sie zu gewinnen und ihren Sinn zu ändern. Er stellte ihr das Ansehen ihrer Familie vor Augen, die durch ihr Bekenntnis tief herabgesetzt werden würde. Er schilderte ihr die Vergnügungen, die sie, wenn sie durch Verleugnung des Christentums ihr Leben erhalte, in ihrem vornehmen Stand genießen könne. Er machte sie aufmerksam auf die vorteilhaften ehelichen Verbindungen, auf die sie seiner Zeit hoffen dürfe. Er bat sie schließlich, dass sie doch der grauen Haare ihrer schon bejahrten mütterlichen Großeltern schonen wolle. Diesem Zureden desto größeren Nachdruck zu verschaffen, wurden die Marterinstrumente vor die Augen der jungen Bekennerin gebracht, mit der Bedrohung, dass sie die Wirkungen derselben bald empfinden werde, wenn sie nicht zu etwas anderem sich entschließe. Zuletzt wurde ihr bedeutet, dass es in der Willkür der Obrigkeit stehe, sie enthaupten oder von den Tieren zerreißen oder verbrennen zu lassen, - lauter Todesarten, vor denen sie zurückschaudern möge.

 

Ganz ruhig hatte Eulalia diesen Vortrag angehört. Ihre Gegenerklärung gab sie jetzt nicht mit Worten, sondern durch eine Handlung kund, die den Statthalter hinlänglich überzeugen konnte, dass sein Zureden ihren Mut nicht geschwächt, sondern vielmehr erhöht habe. Sie ergriff einige Opfergeräte, die neben ihr standen, und zertrümmerte sie. Mit Wut wurde sie nun angefallen von den Schergen, die mit spitzen Krallen ihre Brust und ihre Seiten bis zur Entblößung des Gebeines zerfleischten. Der Schmerz war unbeschreiblich. Das Blut floss häufig bis zur Erde, und doch verlor die junge Kämpferin ihren Mut nicht. Freudig rief sie während der Marter aus: „Herr Jesus Christus, mit Eisen und Stahl haben sie deinen errungenen Sieg meinem Leib eingegraben, und dein heiligster Name glänzt in Purpur auf ihm.“ Die unmenschliche Grausamkeit veranstaltete neue, noch schmerzlichere Qualen. Der ganz wunde Leib wurde mit Fackeln gebrannt. Schließlich legte man rings um sie her Feuerbrände und schürte diese immer näher zu ihr. Der Schmerz war überaus groß. Dabei litt die jungfräuliche Scham am meisten, da das Feuer ihre Kleider und die Haarlocken verzehrte, womit ihr Busen bedeckt war. Endlich schlug die Flamme über ihrem Kopf zusammen und sie atmete das Feuer ein. Da bat sie Gott um Vollendung. Ihre Bitte wurde erhört, der Leib sank in die Glut, die Seele flog in Gestalt einer schneeweißen Taube vor den Augen der staunenden Menge dem Himmel zu. Auch der Henker und der Gerichtsdiener sehen die Wundererscheinung, staunen und zittern darob, verwünschen ihre böse Tat und eilen davon. Sie wurden bekehrt. Indessen erstirbt die Glut, und es fällt Schnee, den Leichnam der zarten Jungfrau vor den unreinen Augen zu bedecken, bis die Gläubigen die Gelegenheit ersahen, die glorreiche Martyrin zu beerdigen. In Folge der Zeit erhob sich über ihrem Grab eine herrliche Kirche und großer Ruhm der Heiligkeit und ihrer mächtigen Fürbitte durch viele Wunderzeichen. Mit dieser heiligen Jungfrau litt zugleich nach dem Zeugnis des römischen Marterbuches eine andere Jungfrau, Julia mit Namen, ihre Spielgefährtin, den Martertod durch das Schwert.

 

„Wahrlich sage ich (der Sohn Gottes) euch: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. So gläubig, so arglos, so ohne Verstellung, ohne Anmaßung, so versöhnlich, so teilnehmend, so liebevoll, wie gute Kinder sind, erklärt die Eigenschaft der Himmelskinder.“ (Der heilige Gregor)

 

Der heilige Melchiades (Miltiades), Papst,

+ 11.1.314 – Fest: 10. Dezember

 

Der heilige Melchiades, Papst von 311 bis 314, ein Afrikaner von Geburt, hatte anfänglich unter der Regierung des Tyrannen Maxentius für den Glauben vieles zu leiden. Nachdem aber Konstantin der Große über ihn gesiegt hatte, erließ er die Beschlüsse, wodurch er den Christen die ungestörte Ausübung ihrer Religion erlaubte und die Freiheit gab, überall Kirchen zu erbauen. Der seeleneifrige Oberhirt sah mit Freude die Zahl der Kinder Gottes sich mehren und arbeitete mit rastloser Tätigkeit an der allseitigen Verbreitung des Reiches Jesu. Indes wurde diese seine Freude getrübt durch die inneren Zwistigkeiten, die die in Afrika entstandene Sekte der Donatisten hervorrief. Er versammelte ein Koncilium im Lateran, das am 2. Oktober 313 eröffnet wurde, und legte bei den Verhandlungen eine ebenso weise als friedliebende Verfahrensart gegenüber den Irrgläubigen an den Tag. Ungeachtet seiner milden Gesinnungen suchten ihn die Donatisten nach seinem Tod durch verleumderische Nachreden zu schwärzen. Der heilige Augustinus rechtfertigte ihn aber gegen diese Beschuldigungen der aufgeregten Bosheit.

 

11. Dezember

 

Der heilige Damasus, Papst und Bekenner zu Rom,

+ 11.12.384 - Fest: 11. Dezember

 

Alle Steine sind hart, aber nicht alle sind gleich hart, es gibt weichere Steine, wie den Sandstein, und härtere, wie den Marmorstein. Welcher Stein mag wohl der härteste sein? Der Diamant ist der härteste Stein, denn er ist so hart, dass er sich von keinem anderen Stein auch nur ritzen lässt, während die Glaser mit ihm spielend Glas zerschneiden, als wenn das Glas Papier sei. Der Diamant ist das härteste Gestein.

 

„Ja“, möchte man fragen, „was hat denn der Diamant mit dem heiligen Damasus zu tun, dessen Fest heute gefeiert wird?“ Der heilige Damasus hat das mit dem Diamanten gemeinsam, dass er in der Kirchengeschichte den ehrenden Beinamen „Diamant des Glaubens“ erhielt. Da kann man sich bereits denken, was den Heiligen besonders auszeichnete. Sein Glaube war ohne alle Weichheit festes war ein katholischer Glaube, hart wie Diamant.

 

Der Name Damasus ist griechischen Ursprungs und heißt auf Deutsch „Bändiger“, und bei ihm ist wieder einmal der rechte Name an den rechten Mann gekommen. Damasus war ein Bändiger. Was mag er denn wohl gebändigt haben?

 

Damasus wurde um das Jahr 304 zu Rom als Sohn eines römischen Neubürgers, der aus Spanien zugewandert war, geboren. Der Vater, ein frommer Mann, ließ sich nach dem Tod der Gattin die heilige Priesterweihe erteilen, und so ist er einer von den wenigen, die im Leben alle sieben Sakramente empfingen.

 

Nach dem Vorbild des gediegenen Vaters schlug auch Damasus die geistliche Laufbahn ein, und wegen seiner Tüchtigkeit und Frömmigkeit zählte er zu den einflussreichsten Geistlichen in der Ewigen Stadt. Als daher der heilige Papst Liberius starb, wurde Damasus im Jahr 366 sein Nachfolger.

 

Damals war der dreihundertjährige Kampf zwischen Christentum und Heidentum zu Ende gegangen. Christi Lehre hatte gesiegt, aber Friede war deswegen nicht, denn wie Pilze im Herbst schossen die Irrlehren aus dem Boden. Der heilige Augustinus, der etwa zur gleichen Zeit lebte, berichtet, dass es damals bereits an die dreihundert verschiedene Bekenntnisse unter den Christen gab, die natürlich samt und sonders wie kurzlebige Pilze längst vom Erdboden verschwunden sind. Heute ist es ähnlich. Die Zahl der Sekten ist vielfältig. Baptisten, Adventisten, Bibelforscher, Neuapostolische, Menschenfreunde, Mormonen, Methodisten und so weiter nennen sich diejenigen die heute in die Irre gehen. Keine von diesen Sekten wird indessen Bestand haben, denn alle sind sie Rebzweige, die vom Rebstock Christi, von der wahren römisch-katholischen Kirche, abgeschnitten wurden und die deswegen Saft und Kraft verlieren und notwendigerweise verdorren und eingehen müssen.

 

Mit solchen falschen Propheten in Menge hatte es Papst Damasus zu tun. Er hielt den wahren Glauben rein und gab auch nicht ein Jota davon preis. Weißt du, was ein Jota ist? Das Jota ist der kleinste Buchstabe im griechischen Alphabet, kleiner noch als unser i, das Jota ist wie ein winziges Häkchen. Damasus hat nicht einmal solch ein Häkchen vom wahren Glauben fallen lassen, und deshalb hat er seinen Namen „Bändiger“ Ehre gemacht, indem er die Irrlehrer bändigte.

 

Zum Schluss sei noch bemerkt, dass Papst Damasus es war, der als erster das „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen“ als Gebetsbrauch eingeführt hat. Seit über anderthalbtausend Jahren klingt bereits dieser Lobpreis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit von den Lippen ungezählter Gläubigen. Es bilden also die Worte ein altehrwürdiges Gebet, das wir stets mit der größten Andacht verrichten sollten.

 

Die selige Ida von Nivelles, Beghine und Nonne von Rameige,

+ 11.12.1231 – Fest: 11. Dezember

 

Schon in der zarten Kinderseele pflegen sich die guten oder bösen Eigenschaften auszuprägen, die sich im späteren Leben mehr und mehr entwickeln und als Tugenden oder Laster in Erscheinung treten, wie das Sprichwort es mit den Worten ausdrückt: „Jung gewohnt, alt getan.“ Die selige Ida von Nivelles in Südbrabant zog sich schon als Mädchen von den Spielen der Kinder zurück, um nicht deren Unarten zu lernen. Regelmäßig ging sie jeden Morgen zu einer entfernten Kirche, obgleich der Weg, besonders im Winter, so kotig war, dass sie oft stecken blieb und von erwachsenen Personen herausgezogen werden musste. Den Armen schenkte sie ihren letzten Bissen Brot und ging sogar für sie betteln.

 

Nach dem Tod ihres Vaters wollten ihre Verwandten sie durch Verehelichung versorgen, sie aber wollte Gott allein dienen als keusche Jungfrau und entfloh heimlich in ein Dorf, wo sieben arme Jungfrauen ein klösterliches Leben führten. Hier übte sie sich in der Tugend der Demut, indem sie am liebsten die niedrigsten Dienste tat und nie die geringste Empfindlichkeit zeigte. Besonders pflegte sie mit unermüdlicher Ausdauer die kranken Mitschwestern und bettelte für sie Kleider und Nahrung.

 

Um Gott noch vollkommener zu dienen und öfters die heilige Kommunion empfangen zu können, wünschte sie in einen von der Kirche genehmigten Orden zu treten, und fand Aufnahme in einem deutschen Zisterzienser-Kloster. Da sie als Niederländerin die deutsche Sprache nicht verstand, konnte sie sich anfangs mit den deutschen Nonnen nicht in Gespräche einlassen. Umso mehr verkehrte sie mit Gott und betrachtete gar innig seine Allmacht, Weisheit und Güte in seinen Werken. Durch ihren steten Umgang mit Gott verklärte sich ihr Angesicht so schön, dass sich alle Klosterfrauen bei ihrem Anblick erfreuten und in trüben Stunden durch sie aufgeheitert wurden.

 

In ihrer großen Liebe zu Gott gründete auch ihre aufrichtige Nächstenliebe. Sah Ida an ihren Mitmenschen einen gottseligen Wandel, dann freute sie sich und dankte dem Lenker der Menschenherzen, bemerkte sie aber Sünden an anderen, dann redete sie ihnen zu, auf den Weg der Buße zurückzukehren. Deshalb sahen viele Sünder und Bedrängte zu dem mütterlichen Herzen Idas ihre Zuflucht und fanden jederzeit Trost und Besserung. Unbilden und Beschimpfungen nahm sie an, wie ein geduldiges Lamm, und dankte Gott dafür. Hatte sie keine Widerwärtigkeiten zu leiden, dann kniete sie vor dem Kruzifix nieder und klagte: „Warum, mein süßester Herr, lässt du mich, deine Magd, so lange Mangel leiden an Trübsalen?“

 

Idas höchste Seligkeit war der öftere Empfang der hl. Kommunion. Einst war sie mit der Priorin und einigen anderen Klosterfrauen auf dem Land, um die Ernte des Klostergutes einzuheimsen. Hier konnte sie nicht so oft kommunizieren. Sie bekam deshalb ein schmerzliches Heimweh, so oft sie zur Wandlung läuten hörte, nach dem Brot des Lebens. Da kam nun in der Nähe eine alte Frau zum Sterben und wurde mit den hl. Sakramenten versehen. Die Klosterfrauen nahmen an der Andacht teil. Als aber der Priester die hl. Hostie der Kranken auf die Zunge legte, war sie nicht mehr imstande, sie zu genießen. Der Priester nahm bestürzt die nasse Hostie wieder aus dem Mund der sterbenden Frau. Was aber dem Priester große Angst machte, erfreute die fromme Ida mit seliger Hoffnung. Sie sprach: „Ich bitte, mein Herr, beunruhige dich nicht! Gib mir den Leib des Herrn, ich bin bereit, ihn zu empfangen.“ Der Priester war froh, der Verlegenheit zu entkommen und reichte der gottseligen Jungfrau die hl. Hostie. Sie aber wurde dabei von einer solchen Fülle himmlischer Liebe und Wonne übermannt, dass sie den äußeren Sinnen entrückt einige Zeit am Boden lag. – Am Tag des heiligen Andreas sah sie einst, als der Priester bei der Wandlung die hl. Hostie in die Höhe hielt, dass sie gerade so rot leuchtete, wie die aufgehende Sonne und es gingen aus ihr sieben Strahlen hervor, die in ihr Herz hineinleuchteten und es mit den sieben Gaben des Heiligen Geistes erfüllten. Den folgenden Tag sah sie nach der Wandlung die drei göttlichen Personen in einer einzigen Wesenheit wunderbar und unaussprechlich auf dem Altar beisammen, nicht die ganze Dreifaltigkeit unter der Gestalt des Brotes, weil nur Jesus, die zweite Person, Mensch geworden ist, sondern wie die anderen göttlichen Personen bei dem heiligen Sakrament des Altares mitwirken.

 

In der heiligen Weihnacht saß Ida krank in ihrer Zelle. Da nun der Priester bei der ersten Messe die hl. Hostie erhob, kam es ihr vor, als sehe sie in seinen Händen ein außerordentlich schönes, neugeborenes Kind. Bei diesem Anblick überfiel sie Furch und Zittern, denn sie hatte nie den Wunsch gehabt, den Herrn in menschlicher Gestalt zu erblicken, sie wollte glauben und nicht sehen. Der Herr aber kannte die Stärke ihres Glaubens und wollte sie deshalb nicht lange in Unruhe lassen, er ermahnte sie innerlich, alle Angst abzulegen. So blieb sie nun in ihrer Zelle sitzen voll seliger Freude über die wunderliebliche Erscheinung. Als das zweite Hochamt gesungen wurde, ging Ida mit den anderen Klosterfrauen in die Kirche und setzte sich in einen Winkel des Chores. Hier sah sie nun wieder in den Händen des Priesters ein Knäblein von außerordentlicher Anmut und Holdseligkeit. Da nun die anderen kranken Schwestern zum Altar gingen, um zu kommunizieren, zögerte Ida erschrocken, vorzugehen, aus Besorgnis, sie könnte doch nicht ein lebendiges Kind essen. Sie flehte deshalb mit tiefer Inbrunst zu ihrem Heiland, dass er nach seiner großen Güte diese Erscheinung von seinem hl. Sakrament hinwegnehmen möge, damit sie ihn ungehindert empfangen und in ihr Herz aufnehmen könne. So blieb sie nun bis zum dritten Hochamt, ohne den Leib des Herrn zu empfangen. Da sah sie nun einen Jungen, der schon etwas erwachsen war und vom Altar sich nahte, zu ihr sich neigte und mit lieblicher Stimme sprach: "Meine liebe Freundin! Dass ich dir sichtbar die Gestalt meiner Menschheit in der Hostie zeige, geschieht nicht aus Zweifel an deinem Glauben, sondern um meine große Liebe zu dir darzutun.“ Da antwortete Ida in stillen Gedanken: „O Treuester, unendlich würde mein Herz sich freuen, wenn du mir auch zeigen würdest, wie herrlich du in deiner Gottheit bist.“ Der liebliche Junge Jesus antwortete: „Verlange dies nicht, meine Tochter, weil kein Sterblicher in diesem Leben meine Gottheit schauen kann. Wenn ich alles neu mache und dich zu mir genommen habe, wirst du die Glorie meiner Gottheit schauen von Angesicht zu Angesicht.“ Herauf bat Ida den geliebten Herrn, dass er ihr gestatte, ohne Hindernis seinen heiligsten Leib zu empfangen, damit nicht die Schwestern Ärgernis nähmen, wenn sie an einem so hohen Festtag nicht kommunizierte. Alsbald hörte die Erscheinung auf und sie trat in allem Frieden zum Tisch des Herrn. Die Fülle wunderbarer Empfindungen, womit sie an diesem Tag gleichsam berauscht wurde, dauerte in ihrer Seele bis Mariä Lichtmess.

 

Als Ida das 32. Lebensjahr erreicht hatte, lag sie mehrere Monate krank und führte mit ihrer leiblichen Schwester Hersindis geistliche Gespräche. Vor ihrem Ende bat sie, dass man das heiligste Sakrament bringe, damit sie durch dessen Anblick Stärke und Trost empfange. Ein Priester hielt ihr das Allerheiligste zur Anbetung vor. In diesem seligen Anblick löste sich ihre Seele vom Körper, um in ewiger Klarheit ihren lieben Jesus ewig zu schauen von Angesicht zu Angesicht.

 

Der heilige Daniel Stylites (Säulensteher) von Konstantinopel,

+ 11.12.490 – Fest: 11. Dezember

 

Der heilige Daniel Stylites war aus der Stadt Maratha bei Samosata gebürtig und bezog in seinem zwölften Lebensjahr ein nahe gelegenes Kloster, wo er sich durch sein Streben nach Vollkommenheit auszeichnete. Als ihn nach dem Tod des Abtes die Mönche zu dessen Nachfolger erwählen wollten, floh er zum Säulensteher Simeon, den er früher einmal auf einer Reise mit seinem Abt nach Antiochia kennen gelernt hatte, hielt sich vierzehn Tage in der Mandra, d.h. in dem unter der Säule dieses Heiligen gelegenen Kloster auf und trat nachher eine Wallfahrt in das Gelobte Land an, während der ihm in einem Gesicht der heilige Simeon erschien und ihn nach Konstantinopel gehen hieß. Hier angekommen blieb er sieben Tage in der Kirche St. Michael außerhalb der Stadtmauern, worauf er nach Philempor wanderte, um sich da in den Ruinen eines verlassenen Tempels anzusiedeln. Neun Jahre hatte er in dieser Einöde zugebracht, als er den Entschluss fasste, dem heiligen Simeon Stylites, der im Jahr 459 gestorben war, nachzuahmen, und er wählte hierzu einen wüsten Berg in der Nachbarschaft. Einer seiner Freunde ließ daselbst zwei Säulen aufrichten, die durch eiserne Stangen miteinander verbunden waren, so dass sie nur eine einzige bildeten, und setzte eine andere kleine Säule darauf mit einem Fass, das von einem Geländer umgeben war. Dies war die Wohnung des heiligen Daniel bis zu seinem Tod. Da vom Schwarzen Meer her heftige Winde wehten und zuweilen eine strenge Kälte herrschte, war sein Büßerleben weit beschwerlicher, als das des heiligen Simeon, wozu noch kam, dass ihm von dem immerwährenden Stehen die Füße anschwollen und Geschwüre sich an ihnen bildeten. Dessen ungeachtet setzte er diese Lebensweise bis zu seinem achtzigsten Jahr fort. Bei den Kaisern Leo und Zeno stand er in hohen Gnaden, und mehr als einmal kamen sie an seine Säule, sich in schwierigen Angelegenheiten Rat zu holen. Auch besaß er die Gabe der Wunder und der Prophezeiung. Drei Tage vor seinem Hintritt brachte er, da er durch den Bischof Gennadius von Konstantinopel zum Priester geweiht worden war, das heilige Messopfer dar, hatte ein Gesicht, worin ihn die Engel trösteten, und starb am 11. Dezember 490 auf seiner Säule unter dem Beistand des Patriarchen Euphemius.

 

 12. Dezember

 

Der heilige Martyrer Synesius, Lektor,

+ 270-275 – Fest: 12. Dezember

 

Synesius war von Geburt ein Römer, und nach seinem Lebenswandel ein recht frommer Christ. Er wurde deshalb in den Kirchendienst aufgenommen und als Lektor (Vorleser) bestellt, unter Papst Sixtus oder Xistus II. Er bekehrte viele Heiden und starb als Martyrer unter Kaiser Valerian. Sein heiliger Leib wurde 830 nach dem Bericht des Hermannus Kontraktus von Rom auf die Insel in die Abtei Reichenau Übertragen.

 

Der heilige Epimachus und seine Gefährten,

Martyrer von Alexandria,

+ 12.12.350 – Fest: 12. Dezember

 

Die vom Kaiser Decius verursachte Verfolgung gab im Jahr 250 zu Alexandria Anlass zu unerhörten Ausschweifungen. Die ganze Stadt schien in eine Räuberhöhle und Mordgrube verwandelt zu sein. Der heidnische Pöbel drang gewaltsam in die Wohnungen der Christen und schleppte sie ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht zu Hunderten zu den Richtstätten, die nicht aufhörten, vom Blut der Bekenner Jesu zu rauchen. Ihre Häuser wurden geplündert, und was man von der Einrichtung nicht des Fortbringens wert hielt, warf man auf die Gasse und legte Feuer daran. Wild und und unmenschlich brutal ging es zu. Der Schrecken lähmte die Gemüter vieler Christen, besonders der begüterten und in Ehrenämtern stehenden. Manche von ihnen waren feige und niederträchtig genug, den Glauben zu verleugnen, um das Leben und ihre Schätze zu retten, so dass sich auch hier bewährte, wie schwer der Reiche zur Seligkeit gelangt. Doch fanden sich dafür wieder andere, die unerschütterlich wie Felsen standen und furchtlos im Bekenntnis für Jesus, den Gekreuzigten ausharrten. Unter diesen war einer der hervorragendsten der heilige Julian, dessen Festtag wir am 27. Februar feiern. Gleichen Starkmut zeigten Epimachus und Alexander, zwei angesehene Bürger der Stadt. Man riss sie aus ihren Häusern und führte sie mit Ketten beladen in das Gefängnis, wo sie die Qualen des Hungers und Misshandlungen aller Art zu ertragen hatten. Da ihre Standhaftigkeit nicht zu besiegen war, wurden sie mit Stockschlägen und eisernen Krallen auf das Entsetzlichste zerfleischt und zuletzt in ungelöschtem Kalk verbrannt.

 

Der heilige Dionysius, Bischof von Alexandria, der Augenzeuge ihrer Peinen war, hat uns einen gedrängten Bericht davon hinterlassen. In ihm macht er auch Meldung von vier Frauen, die die Marterkrone am selben Tag und am selben Ort empfingen. Die erste hieß Ammonaria und war eine zarte Jungfrau, deren schwachen Körper aber eine wahre Heldenseele bewohnte. Sie brachte dem Richter, der mit Hilfe der grausamsten Martern das Geständnis des Abfalles von ihr erpressen wollte, durch ihr lautloses Dulden zur Verzweiflung, so dass er, um nicht wieder von einer Frau beschämt zu werden, die anderen drei ohne vorangehende Folterung kurzweg enthaupten ließ. Merkuria, Dionysia und abermals Ammonaria waren die Namen dieser treuen Bekennerinnen. Dionysia, die Mutter vieler Kinder, die sie zärtlich liebte, erhob sich über die Gefühle der Natur, um in der Liebe zu Jesus nicht wankend zu werden. Alle diese Blutzeugen kommen unter dem 12. Dezember im römischen Martyrologium vor.

 

Der heilige Vicelin, Bischof und Bekenner von Oldenburg,

+ 12.12.1154 – Fest: 12. Dezember

 

Schon Kaiser Otto I. hatte um das Jahr 967 das Bistum Aldenburg oder Oldenburg in Holstein gestiftet und dem Erzbistum Hamburg unterstellt. Der erste Bischof von Aldenburg war Egward. Sein fünfter Nachfolger Bernhard floh, von den Slaven vertrieben, zum Bischof Bernward von Hildesheim, wohnte am 24. September 1022 der Einweihung der St. Michaelskirche bei, wurde im Volksgedränge verletzt und gab einige Tage später seinen Geist auf. Unter dem zehnten Bischof von Aldenburg, namens Enzo, brach eine Empörung der Slaven aus, in der der Bischof entfloh. 84 Jahre blieb der Oldenburger Bischofssitz unbesetzt. Da erschien, wie von Gott gesandt, ein schlichter, frommer Priester, der das verfallene Bistum zu neuer Blüte erhob und sich den Ehrentitel „Apostel der Holsaten und Wagrier“ eroberte. Sein Name ist Vicelin.

 

Vicelin war in Hameln an der Weser, im Sprengel des Bistums Minden, geboren und erhielt seinen ersten Unterricht von gelehrten Kanonikern. Als junger Mann geriet er in große geistige und leibliche Not. Der berühmte Gelehrte Hartmann zu Paderborn nahm ihn als Haus- und Tischgenossen an. „Hier studierte er gar viele Jahre lang mit unbeschreiblichem Fleiß und Eifer“, übertraf bald alle seine Studiengenossen und unterstützte seinen Lehrer im Unterricht an der berühmten Domschule. Unter den Heiligen verehrte er besonders den heiligen Nikolaus, dessen Dienste er sich opferwillig widmete. Sein Oheim Ludolph, Pfarrer von Feule, unterstützte seinen strebsamen Neffen in allem Guten. Von Paderborn wurde Vicelin als Vorsteher der Schule nach Bremen berufen, und wirkte zur höchsten Zufriedenheit des Bischofs Friedrich. Später ging Vicelin nach Frankreich und genoss den Umgang mit den gelehrten und berühmten Lehrern Radulph und Anselm von Laon. Je tiefer er in die Wissenschaften eindrang, desto demütiger bekannte er: „Zu spät habe ich angefangen; ich muss eilen, um noch tüchtiger zu werden.“

 

Nach Deutschland zurückgekehrt, empfing er vom heiligen Norbert, Erzbischof von Magdeburg, die Priesterweihe. Voll glühenden Seeleneifers beschloss er, die Holsaten, Rugier und Obotriten zum Christentum zu bekehren. Mit den Priestern Rodolph und Ludolph, Domgeistlichen zu Hildesheim und Verden, reiste er zunächst nach Lübeck, dann nach Holstein und übernahm 1126 die Pfarrei von Faldera oder Neumünster, an der Grenze der slavischen Wagrier. Seine Predigt wirkte unter den Nordalbingiern so mächtig, dass das Volk, zum großen Teil noch heidnisch und roh, sich willig seiner Leitung zu einem christlichen Leben überließ. Auch der Wendenfürst Zwentepolch nahm ihn in seiner Residenz Lübeck freundlich auf. Als aber im Jahr 1138 die Rugier mit einem starken Raubgeschwader Lübeck überfielen und die Burg und die ganze Gegend verwüsteten, mussten die christlichen Einwohner mit ihren Geistlichen die Flucht ergreifen.

 

Auf Vicelins Rat ließ Kaiser Lothar die Burg Sigeberg (Segeberg) im Land Wagrien bauen und stiftete am Fuß des Berges eine reich dotierte Kirche. Aber schon bald verwüsteten die Obotriten von Lübeck aus das Land mit Feuer und Schwert, verbrannten die Münsterkirche, durchbohrten den frommen Priester Volker, und metzelten nieder, was nicht entfloh. Die Geistlichen flüchteten zum Hafen von Faldera, wo Vicelin alle liebreich aufnahm.

 

Unter vielen Mühseligkeiten und Gefahren drang der eifrige Missionar nach allen Seiten vor, predigte mit dem glücklichsten Erfolg, trieb Teufel aus, heilte Kranke aller Art, baute Kirchen und verzehrte sich im Dienst Gottes. Seitdem die Sachsen die Slaven aus dem größeren Teil von Holstein verdrängten, stellte Vicelin gemeinsam mit dem frommen Priester Thetmar von Bremen die verwüsteten Kirchen wieder her und gründete neue Kirchen und Klöster.

 

Um dem lange verwaisten Bistum Aldenburg wieder einen Oberhirten zu geben, weihte der Erzbischof Hartwig von Bremen den ehrwürdigen und hochverdienten Vicelin am 11. Oktober 1149 in Horseveld zum Bischof dieses Sprengels. Heinrich der Löwe schenkte ihm für sein Bistum die Insel Bozon nebst Dulzaniza, der Graf Adolf von Wagrien trat die Hälfte des Zehnten an das verjüngte Bistum ab. Vicelin baute in Bozon eine Kirche zum Gedächtnis des Apostels Petrus. Während er sich um Pfingsten 1152 in Merseburg aufhielt, starb in Sigeberg sein treuer Gefährte und Freund, der Propst Thetmar. Vicelins letzte Lebensjahre trübte der Kummer über den Streit Heinrichs des Löwen mit dem Erzbischof Hartwig über die Gerichtsbarkeit in seinem Sprengel. Auf einer Missionsreise traf ihn in Faldera ein Schlaganfall, der ihm die Zunge und Glieder lähmte. Zwei und ein halbes Jahr konnte er weder sprechen, noch ein Glied rühren. Denn och ließ er sich von seinen Geistlichen in die Kirche tragen und stärkte sich durch die Besuchung des heiligsten Sakramentes und durch den Blick auf den gekreuzigten Erlöser. Wie er im Leben Christus den Gekreuzigten gepredigt hatte, so opferte er sein schweres Leiden dem Gekreuzigten auf und verschied sanft und selig am 12. Dezember 1154, nachdem er 35 Jahre als Priester und fünf Jahre als Bischof unermüdlich für das Heil der Seelen gearbeitet hatte.

 

Viele Wunder an seinem Grab bestätigten die Heiligkeit des treuen Dieners Gottes. In der Reformationszeit wurde der Glaube an die schönen Werke christlicher Frömmigkeit in jenen Gegenden verwüstet, aber 1866 ist wieder ein katholischer Priester in Neumünster eingezogen, um der jungen Gemeinde die Wahrheit zu verkünden und das Brot des Lebens zu brechen. Nach 300 Jahren Unterbrechung wurde in dem bescheidenen katholischen Kirchlein wieder das Opfer des Neuen Bundes dargebracht, und am 12. Dezember jeden Jahres erschallt dort aus dem Mund des Priesters und der kleinen katholischen Herde laut und feierlich das Lob des heiligen Holsten-Apostels Vicelin.

 

13. Dezember

 

Die heilige Odilia, Othilia, Äbtissin von Hohenburg, Elsass,

+ 13.12.720 – Fest: 13. Dezember

 

Odilia wurde vor dreizehnhundert Jahren im Elsass als die Tochter des alemannischen Herzogs Atich geboren. Die Mutter war recht, aber der Vater war nicht recht, war nur äußerlich ein Christ, innerlich jedoch ein wilder Heide, der die Frauen und Mädchen nicht achtete. Mächtig hatte er sich gefreut, als ihm die Gattin sagte, sie wolle ihm ein Kindlein schenken. Als aber das Kind geboren wurde und der Herzog erfuhr, dass es ein Mädchen und dazu ein blindes, unschönes und hässliches Geschöpf war, geriet er in Zorn, denn einen Sohn wollte er haben und nicht solch einen Wurm von einem Mädchen.

 

Das Ende vom Lied war, dass der unmenschliche Vater den Befehl gab, dass Kind im Rhein zu ertränken. Doch da legte sich die Mutter ins Mittel und ließ die Kleine heimlich in ein weit entferntes Kloster bringen. Dort wuchs das Mädchen unbekannt in ängstlich gehüteter Verborgenheit heran, unschön und blind, und unverständlicherweise wurde es erst mit fünfzehn Jahren auf den Namen Odilia getauft. Bei der Taufe ereignete sich ein Wunder. Als sich nämlich das Taufwasser über Odilias Haupt ergoss, öffneten sich die Augen dem Licht, so dass die Blinde sehend wurde. Zugleich wich alle körperliche Unehre von dem jungen Menschenkind, und in fast überirdischer Schönheit blühte Odilia auf wie eine Rose im Morgentau.

 

Unsichtbarerweise wiederholt sich übrigens dieser Vorgang, sooft eine Taufe gespendet wird. Jeder Mensch ist wegen der Erbsünde, mit der er zur Welt kommt, unschön und hässlich vor Gottes Blick, sobald aber das Taufwasser die schwarzen Flecken der Erbschuld fortspült, wird die Seele des Täuflings mit einer unvergleichlichen Schönheit bekleidet, so dass sich darüber sogar die Engel und Heiligen im Himmel freuen.

 

Weiter berichtet die Legende, dass Odilia später auf das elterliche Schloss Hohenburg im Elsass heimkehrte. Ihr Bruder Hugo verhalf ihr dazu, und weil Hugo es gegen den Willen des Herzogs tat, erschlug der Vater den eigenen Sohn. Weinen möchte man fast, wenn man von solcher Grausamkeit erfährt, und alle Kinder sollen dem lieben Gott herzlich dafür danken, dass er ihnen einen Vater gab, der sich, selbst wenn er zuweilen streng ist und straft, doch vielmals besser aufführt als der wüste Herzog Atich.

 

Dann sollte Odilia auf des Vaters Befehl einen jungen Mann heiraten, den sie nicht mochte, weil sie sich in lebenslänglicher Jungfräulichkeit dem lieben Heiland versprochen hatte. Um dem heiligen Gelöbnis treu zu bleiben, floh die Prinzessin in der Kleidung einer Magd zur nächtlichen Stunde über den Rhein in den Schwarzwald. Als sie dort, eine Stunde von Freiburg im Breisgau entfernt, am Fuß eines Felsens rastete, erschien auf schnaubendem Ross der rasende Vater, um die Flüchtlinge zu züchtigen und heimzuholen. Da betete Odilia aus Herzensgrund zum Himmel um Hilfe und Schutz, und siehe, der Felsen war weicher als das harte Vaterherz, denn er öffnete sich und nahm die Verfolgte auf und verbarg sie vor dem blindwütigen Herzog Atich. Heute steht an der Stelle, wo das geschah, eine Kapelle, und eine Quelle sprudelt dort, aus der Heilwasser für kranke Augen fließt.

 

Nach diesem Ereignis öffneten sich endlich auch des Vaters Augen, und der Herzog erkannte, dass Gottes Hand sein Kind schützte und schirmte. Wahrhaft bekehrte sich der wüste Mann und machte aus der Hohenburg ein Kloster, dem Odilia vierzig Jahre lang bis zu ihrem seligen Ende vorstand. In Freude diente sie dem Herrn, und gegenüber den Armen war sie überaus wohltätig bis in unsere Zeit, denn auf dem Hohenberg, der jetzt Odilienberg heißt, fließt heute ebenfalls eine Heilquelle für kranke Augen.

 

Ottilia und der Pilger

 

Ein Greis, im Schnee ohnmächtig hingestreckt,

Mit Beulen wie ein Lazarus bedeckt,

Zum Himmel schickt er halb erstorbne Laute.

Das hört Ottilia, die Gottgetraute,

Die jeder Seufzer aus dem Schlafe schreckt.

 

Sie eilt dahin, wo sie´s im Geist gesehn;

Allein zu spät, schon ist´s um ihn geschehn,

Sie findet nur den Leichnam des Erstarrten.

„Versuch ich´s, ihn zu betten und zu warten,

Vielleicht erhört der Himmel noch mein Flehn.“

 

Zur Klosterpforte trägt sie ihn im Nu,

Bereitet ihm auf weichen Polstern Ruh,

Auf seine Brust gesenkt, dass er erwarme

Umschlingt sie ihn mit lilienweißem Arme,

Und Leben facht ihr reiner Hauch ihm zu.

 

Da öffnet er die Augen und erschrickt,

Als er so nah die Holde sich erblickt:

„Hinweg, o schnell von dem unselig Kranken!

Soll ich durch Pest und bös Geschwür dir danken,

Du edle Retterin, die Gott mir schickt?

 

Wer mich berührt, den fasst der Seuche Graus,

Drum weichen alle Menschen vor mir aus,

Mich duldet niemand unter seinem Dache;

Denn kaum empfand ich Gottes schwere Rache,

So stieß der Knecht mich aus dem eignen Haus.

 

Und als ich weinend mich zur Kirche schlich,

Der Priester am Altar entsetzte sich,

Und der Gemeinde weigert er den Segen.

Ich musste mich auf eine Bahre legen,

Und eine Messe las man über mich.

 

Dann auf dem Friedhof ward ich ausgeführt,

Verbrannt die Bahre, die mein Leib berührt,

Und mir geboten, Menschenspur zu meiden.

Seitdem nun schweif ich pfadlos über Haiden

Wo nie des Menschen Stapfe ward verspürt.

 

Siehst du die Klapper nicht, das graue Kleid,

Des Misselsücht´gen warnendes Geleit,

Dass du es wagtest, Hilfe mir zu reichen?

O soll das Gift dich, Herrliche, beschleichen,

So find ich erst den Gipfel meinem Leid.“

 

Ottilie schweigt, ein seliges Lächeln schwebt

Ihr um das Auge, das zum Himmel strebt,

Dann küsst sie ihn und weiß von keinem Schrecken.

„Unreines mag das Reine nicht beflecken;

Denn rein verbleibt, wer Gottes Ehren lebt.

 

Den Menschen war dein Atemzug verhasst;

Denn sie gedachten ihrer Sündenlast,

Und deine Näh war sichtliches Verderben,

Du aber musstest Reinigung erwerben

Und hättest du nur meinen Saum gefasst.

 

Erhebe dich, du bist gesund und rein,

Nicht reiner kann des Himmels Sonne sein,

Und deine Sünden hat dir Gott vergeben!“

Durchdrungen fühlt er sich von neuem Leben

Und Gottes Dienst gelobt er es zu weihn.

 

Der heilige Abt Jodokus, Judok,

Prinz und Mönch von Ponthieu, Frankreich,

+ 13.12.668 – Fest: 13. Dezember

 

Zur Zeit des Königs Dagobert in Frankreich kam Rodichael, König der Britanen oder Engländer nach Frankreich, um Friedensunterhandlungen mit ihm zu treffen. Danach ging er zum heiligen Audoen, damals noch am Hof des Königs, und speiste mit ihm, um den Diener Gottes von himmlischen Dingen reden zu hören. Darauf kehrte er nach Hause zurück, rief seinen jüngeren Bruder Jodok zu sich, eröffnete ihm sein Vorhaben, das Reich ihm zu überlassen und einzig und allein das Himmelreich zu suchen. Jodok verlangte acht Tage Bedenkzeit. Sein Sinn ging ebenso auf himmlische Dinge, der Antrag des Bruders war ihm daher nicht willkommen, und er wusste nicht wie er ausweichen konnte. Da ging er ins Kloster Lamailon, in dem er die erste Bildung genossen hatte, und überlegte betend, was zu tun sei. Während dieser Tage kehrten Pilger beim Kloster ein, die sagten, dass sie nach Rom wallfahren wollten. Jodok schloss sich an diese Pilger an, ging heimlich weg, und kam mit diesen nach Paris. Unschlüssig, ob er die Pilger weiter begleiten soll, betete er abermals und entschloss sich schließlich für ein ganz verborgenes Leben. In dieser Absicht bestieg er das Pontinische Gebirge, damals der Aufenthaltsort von vielem Wild und allerlei anderen Tieren, und entschloss sich jenseits Alteja-Flusses zu wohnen. Ihm begegnete aber durch Gottes Fügung der Herzog des Landes Haymon, redete ihm zu in sein Haus zu kommen, er möge bei ihm Gott dienen. Jodok folgt dem Herzog, widmete sich der Heilswissenschaft, wird Priester, bedient als solcher seinen Herrn sieben Jahre lang und hebt dessen Sohn aus der Taufe, dem er den Namen Ursinus gab. Der Herzog gewann ihn sehr lieb und wert wegen seiner frommen Sitten. Jodok konnte das Verlangen nach der Einsamkeit nicht mehr unterdrücken und begab sich zu einem einsamen Ort, Brahik genannt, der ringsum mit Wasser umgeben war. Da baute er ein Kirchlein und eine kleine Hütte, diente Gott Tag und Nacht, und, weil der Einsiedler so wenig menschlichen Umgang hatte, so fügte es Gott, dass Fische und Vögel gar freundlich mit ihm umgingen. Da trug es sich zu, dass seine Mildherzigkeit auf die Probe gestellt wurde. Es kam ein Bettler (Christus in Gestalt eines Bettlers) und begehrte etwas zu essen. Es war aber nur ein einziges Brot vorrätig. Der Bruder Wulmar kam und sagte es. Jodok verschnitt das Brot in vier Teile, und befahl einen Teil dem Bettler zu geben. Dies geschah. In immer dürftigerer Gestalt kam der zweite und dritte Bettler und begehrte des Brotes, und so wurde das zweite und dritte Stück den Armen gegeben. Schließlich kam ein Bettler in gar armer, hungriger Gestalt und begehrte Brot. Wulmar kam ganz ungeduldig und sprach: „Wenn du auch das vierte Stück weggibst, was bleibt uns übrig?“ „Gib, Bruder, auch das vierte Stück, der Herr wird schon für uns sorgen.“ Und nicht lange ging es, es standen vier Schifflein vor dem Ort mit Nahrung beladen. Niemand wusste woher die Schifflein kamen. Und niemand wusste wohin. Darauf machte Gott seinen Diener durch viele Gebetserhörungen bekannt. Er zog nach achtjährigem Aufenthalt, um dem Zulauf des Volkes auszuweichen, an einen anderen Ort, Rimak genannt, und baute da wieder eine Kirche zu Ehren des heiligen Martinus. Da wurde nun der Diener Gottes, statt von Menschen, vom Teufel selbst mannigfaltig versucht und geplagt. Je mehr die Kräfte der himmlischen Welt in der Seele sich zeigten, desto tätiger offenbarten sich die Kräfte des Abgrunds. Eine Schlange vom bösen Geist getrieben versetzte dem Gottesmann einen Biss in die Ferse, der ihn sehr schmerzte. Ungefähr vierzehn Jahre hielt der Heilige die Versuchung des Feindes aus. Nach dieser Zeit begab sich Jodok von Gottes Geist getrieben in ein schattiges Tal nahe am Meer, und schlug da für immer seine Wohnung auf. Er baute zwei Bethäuser zu Ehren der beiden Apostelfürsten. Er machte von da aus eine Wallfahrt nach Rom, weil Papst Martin ihn zu sehen verlangte. Er bekam von ihm einige Reliquien und kehrte zurück. Mit einer großen Feier wurden diese Reliquien in die von Haymon neu aufgebaute St. Martinskirche beigesetzt. Bei dieser Feier wurde dem heiligen Überbringer während des heiligen Messopfers eine Hand gezeigt, die ihn segnete, und eine Stimme wurde gehört, die sprach: „Dem, der die zeitliche Krone verachtet, ist eine ewige bereitet.“ Schließlich hat Jodok, der im Fleisch wie ein Engel gelebt, sein Leben selig beschlossen und seine Seele unter Begleitung der Engel in herrlichem Glanz und Wohlgeruch dem Himmel zugeschickt. So geschehen am 13. Dezember des Jahres 653. Sein Leichnam wurde mit großer Feierlichkeit begraben. Bei Lebzeiten wurde ein Mädchen durch sein Handwasser sehend. Auf sein Gebet entquoll ein Brunnen im Wald. Viele Wunder geschahen bei seinem Grab. So schrieb Fortunas, ein Abt, des von Jodok gestifteten Klosters.

 

Die heilige Lucia, Jungfrau und Martyrin von Syracus,

+ 13.12.304 – Fest: 13. Dezember

 

Spät beginnt um diese Jahreszeit der Tag, und früh bricht der Abend herein. Unsere Vorfahren glaubten, dass in den langen Nächten vor und nach der Wintersonnenwende Hexen und Unholde ihr böses Spiel trieben. Es war ein Aberglaube, trefflich indessen versinnbilden die Dunkelheit und der nächtliche Geisterspuk die Finsternis der Sünde in den viertausend Jahren vor Christi Geburt, an die uns der Advent erinnert.

 

Es war eine dunkle Zeit, die selten nur durch ein Prophetenwort im Alten Bund erleuchtet wurde, aber alle Weissagungen wiesen darauf hin, dass die Finsternis einmal ein Ende nehmen und hell und herrlich das Licht erscheinen werde. Restlos sind die Worte in der Weihnachtszeit erfüllt worden. Da stieg aus dem Lichtschoß des ewigen Vaters der ewige Gottessohn empor, Christus, der Herr, der das Licht vom Licht ist, und leuchtete in die Finsternis der Sünde, und alle Menschen, die im Licht der Gnade wandeln, werden selbst zum Licht, das den anderen leuchtet, die in der Finsternis leben.

 

So war es auch bei der heiligen Lucia, deren Gedächtnis wir am 13. Dezember begehen. Schon der Name kündet von dem Licht, das von ihr ausstrahlte, denn Lucia heißt auf Deutsch die „Leuchtende“. Ihr Leben lang ist sie wie eine kluge Jungfrau mit der brennenden Lampe eines heiligen Wandels dem Bräutigam Jesus Christus entgegengegangen, und als Heilige steht sie durch ihr Beispiel wie ein Licht auf dem Leuchter, das allen Leuchtet, die in der Finsternis der Sünde leben.

 

Lucia wurde vor der dritten Jahrhundertwende zu Syrakus auf der Insel Sizilien als Kind vornehmer Eltern geboren. Früh verband sie sich mit dem lieben Heiland durch das Gelöbnis der jungfräulichen Reinheit. Aus ihrer Jugendzeit wird eine Geschichte berichtet, die den Kindern etwas Schönes zu sagen hat. Einmal erkrankte nämlich Lucias Mutter auf den Tod, und kein Arzt konnte ihr mehr helfen. Mit jedem Tag wurde sie weniger, und bald konnte man an den fünf Fingern der Hand abzählen, wie wenige Wochen sie noch zu leben hatte. In dieser Not bettete Lucia als liebende Tochter die kranke Mutter auf einen Fahrstuhl und schob sie bergauf und bergab den weiten Weg nach Catania an das Grab der heiligen Jungfrau und Martyrin Agatha und sprach zu ihr die denkwürdigen Worte:

 

„Lucia, meine Schwester, was verlangst du von mir? Siehe, dein eigener Glaube und dein eigenes Vertrauen haben deiner Mutter geholfen. Sie ist gesund. Zugleich sollst du wissen, dass du dem lieben Heiland durch deine Jungfräulichkeit in deinem Herzen eine Wohnung bereitet hast, in der er gern weilt.“

 

So sprach eine Heilige zur anderen. Denkwürdige Worte sind es. Zum Dank für die wunderbare Heilung am Grab der heiligen Agatha haben Lucia und die Mutter nach der Rückkehr von der Wallfahrt Hab und Gut unter die Armen verteilt. Das war recht getan, denn wenn der liebe Gott ein Gebet erhört, so dürfen wir nicht vergessen, ihm durch Werke der Wohltätigkeit ein herzliches „Dankeschön“ zu sagen. Weil Gott gut zu uns war, müssen wir auch gut zu anderen sein.

 

Nach der Wallfahrt hat Sankt Lucia sich dem Gebet und dem Dienst an den Kranken gewidmet. Alle Werke aber, die sie verrichtete, waren wie Öl, mit dem sie als kluge Jungfrau das Licht ihres heiligen Lebens nährte, bis sie des Martertodes gewürdigt wurde. Sie konnte getrost dem Heiland entgegengehen, denn hell brannte in ihren Händen die Lampe, als der Bräutigam kam, um die Braut zum ewigen Hochzeitsmahl heimzuführen.

 

Wann unser Sterbetag sein wird, weiß niemand, aber nach dem Vorbild der heiligen Lucia sollen wir durch Gebet und gute Werke dafür Sorge tragen, dass unser Leben hell wie ein Licht leuchtet. Dann mag der Tod kommen zu jeder Stunde am Tage oder in der Nacht, er wird uns bereit finden.

 

Darüber hinaus lädt Sankt Lucia, die „Leuchtende“, am heutigen Festtag kurz vor Weihnachten uns ein, in diesen Tagen uns im liebenden Gedenken bereit zu machen auf das große Licht, dessen Gedächtnis wir in der heiligen Nacht feiern, bereit zu machen durch Gebet und gute Werke an den Armen.

 

14. Dezember

 

Der heilige Johannes vom Kreuz, Priester, Kirchenlehrer,

+ 14.12.1591 - Fest: 14. Dezember

 

Der Heilige des heutigen Tages ist ein Spanier und stammte aus einer freiherrlichen Familie, dem aber von allem Besitz außer dem adeligen Namen nur noch ein Webstuhl übriggeblieben war, an dem sich nach dem frühen Tod des Vaters die Mutter abquälte, um das tägliche Brot für die Familie zu verdienen.

 

Die leidgeprüfte Frau tat, was sie konnte, und freute sich im stillen, das Johannes, der Älteste, ein gutherziger Junge, langsam in die Jahre kam, um ihr am Webstuhl zu helfen. Als es aber soweit war, stellte es sich heraus, dass Johannes nicht das geringste Geschick zum Weben besaß, und bei allem guten Willen, den er aufbrachte, rissen ihm immer wieder die Fäden, und das Tuch, das er herstellte, war nie glatt, sondern wie übersät von Knoten und Knubben. Nein, ein Weber saß in dem Jungen nicht.

 

Die Mutter überlegte, was man machen solle, und weil sie dachte, dass Holz nicht so leicht zu brechen ist wie Garn, schickte sie Johannes zu einem Schreinermeister in die Lehre. Gewiss hatte die besorgte Frau mit ihrer Ansicht recht, denn Garn ist tatsächlich leichter zu brechen als Holz, aber das Holz hat wieder den Fehler, dass man es zersägen kann, und Johannes zersägte alles, was ihm unter die Finger geriet, Balken und Bretter. Konnte er denn nicht, oder wollte er nicht? Doch, er wollte wohl, aber er konnte wirklich nicht. Es gibt solche Kinder, die zu keiner Handarbeit Geschick haben, und zu diesen gehörte Johannes. Kurzum, das Ende vom Lied bestand darin, dass der Meister den Lehrling heimschickte.

 

Wieder überlegte die Mutter, was sie machen solle, und weil sie dachte, dass Stein noch härter als Holz ist, tat sie den Sohn zu einem Bildhauer in die Lehre. Doch auch da versagte Johannes, indem er die Steine zerschlug. Was sollte nun aus dem Kind werden? Das war für die Mutter ein großes Fragezeichen und eine nicht geringe Sorge. Dabei war Johannes zweifelsohne gutgewillt, und niemand litt mehr unter seiner Ungeschicktheit als er selbst. Was sollte also aus dem Kind werden?

 

Gerade zu der Zeit, als sich die Mutter die schwere Frage vorlegte, gründete ein reicher Herr ein Spital für arme Leute, und der Mann erbot sich aus freien Stücken, Johannes als Krankenpfleger anzustellen, und da zeigte es sich, dass Johannes endlich am rechten Platz war. Holz und Stein waren für seine feinfühligen Hände zu hart gewesen, wohl aber war er der gegebene Mann, um Kranke zu pflegen, Wunden zu verbinden und bedrückte Menschenherzen zu trösten. Bald meinte der Gründer des Spitals, dass in dem Jungen nicht nur ein geschickter Wärter, sondern auch ein tüchtiger Krankenhauspfarrer stecke. Deshalb ließ er Johannes, der nichts lieber tat als das, auf seine Kosten die höhere Schule besuchen. Ist es nicht trostreich, dass der liebe Gott für jeden Menschen den rechten Platz zu finden weiß?

 

Johannes studierte auf Priester, aber Krankenhauspfarrer ist er nie geworden, vielmehr zog es ihn mit tausend Fäden ist Kloster, und weil er ein inniger Marienverehrer war, trat er in den Karmeliterorden ein, in dem die Mutter Gottes hoch verehrt wird. Da war der junge Mann erst recht am rechten Ort, da wurde aus ihm ein kunstvoller Webemeister, der die Fäden der Gnade zu einem Heiligenbild verknüpfte, und ein Zimmermeister wurde aus ihm, der durch Gebet und Buße den glanzvollen Rahmen zu dem Heiligenbild herstellte, und ein Bildhauer wurde aus ihm, der aus sich selbst eine Heiligenstatue verfertigte, so prachtvoll, dass sie für alle Zeiten ein Schmuck der Gotteshäuser bleiben wird. Johannes war ein Künstler hoher Heiligkeit.

 

Als Johannes ins Kloster ging, erhielt er nach Karmeliterbrauch einen Zunamen und hieß fortan Johannes vom Kreuz. Viel Kreuz hat er lebenslang tragen müssen, denn er wurde der Erneuerer des Ordens, der nicht ohne Widerspruch die Karmeliterklöster zur anfänglichen Strenge zurückführte. Um der guten Sache willen hat der Heilige einmal sogar neun Monate lang in einem grauenhaften Gefängnis verbringen müssen. Auch quälten ihn bis zum Tod unheilbare Wunden und Geschwüre. Die Heiligen haben es stets am schwersten, und weil sie bei allem Kreuz und Leid nie den Mut, die Geduld und die Freude verlieren, sondern Gott zulieb ausharren bis ans Ende, deshalb werden sie Heilige. Seitdem der liebe Heiland, mit dem schweren Kreuz beladen, als erster seinen Einzug in den Himmel hielt, kommt keiner mehr hinein, der nicht auch seinerseits Kreuz und Leid als Pass und Ausweis vorzeigen kann.

 

Das Tröstlichste, was wir aus der Legende des heiligen Johannes vom Kreuz erfahren, ist, dass der liebe Gott für jeden Menschen den rechten Platz zu finden weiß.

 

Der heilige Martyrer Nikasius, Bischof zu Rheims,

+ 14.12.451 – Fest: 14. Dezember

 

Nikasius war Bischof zu Rheims, ein eifriger Diener Gottes, ein kräftiger Prediger, ein Beispiel der Frömmigkeit. Er sah die Gerichte Gottes über das sündige Volk herannahen, ermahnte zur Buße und bietet sich selbst zur Versöhnung des Volkes Gottes dar. Da kommen die Wenden und erobern die Stadt. Er betet mit Eutropia, seiner Schwester, mit Florens dem Diakon, mit Juvindus dem Lektor und einigen Gläubigen in der Lieben Frauen Kirche, wird überfallen und mit allen Gegenwärtigen von den Barbaren getötet.

 

Der heilige Spiridion, Bischof zu Trimithus in Zypern,

+ 14.12.348 – Fest: 14. Dezember

 

Spiridion, berühmt in der Kirche Gottes durch seine große Glaubenseinfalt, den Geist der Weissagung und viele Wundertaten, wurde gegen Ende des dritten Jahrhunderts auf der Insel Zypern von einfachen Bauersleuten geboren. Als Junge hütete er die Schafe des Vaters und benützte die Einsamkeit zum Gebet. Er ging fleißig in den Gottesdienst der Gläubigen, hörte gern Erbauliches erzählen, las mit Herzensfreude in den göttlichen Schriften, hasste Zank und Unfrieden, wehrte alles Böse ab, wo er nur konnte, vermied unnötiges Reden, verabscheute alles zuchtlose Wesen und liebte die Stille des Gemütes und des Ortes. Er war und blieb die lautere kindliche Einfalt vor Gott und Menschen. Nach dem Willen der Eltern verehelichte er sich mit einer ihm an Gesinnung gleichen Bauerntochter. Ihre Ehe war heilig, ihr Haus stand jedem offen, der Fremdling und der Arme labten sich von den Früchten ihrer Arbeit. Sie bekamen eine Tochter namens Irene, die war das treue Bild der Eltern und widmete sich dem jungfräulichen Stand. Spiridion enthielt sich nach ihrer Geburt mit Einwilligung der Frau des Ehebettes, und als sie starb, ertrugen er und die Tochter ihren Verlust mit großer Geduld. Gott wollte nun diese Glaubenseinfalt mehr bekannt machen. Einst kamen in der Nacht Diebe in seinen Schafstall, wurden aber gebunden von unsichtbarer Hand. So fand sie am Morgen Spiridion, als er zur Herde kam. Er löste die Bande, machte den Dieben Vorwürfe, dass sie lieber stehlen, als sich von ihm ein Schaf erbitten wollten, und fügte hinzu: „Ihr sollt doch nicht vergeblich so viel Mühe gehabt, nicht umsonst die Nacht durchwacht haben. Da, nehmet diesen Widder mit euch.“ So machte es seine christliche Sanftmut, dass er Böses mit Gutem vergalt. Es geschah auch, dass Spiridion, dessen Name und Glaube auf der Insel bekannt waren, teilnahm an der Ehre für Jesus Christus Zeugnis abzulegen; denn er wurde unter der Verfolgung des Kaisers Galerius Maximinus gefangengenommen, ihm das rechte Auge ausgestochen, die linke Kniescheibe abgeschnitten, und zum Erzgraben verurteilt. Nach dem Sieg des Konstantius und der darauf folgenden Befreiung der Christen, kehrte Spiridion zu seiner Herde zurück und verdoppelte seine Gebete, die Werke der Nächstenliebe und gewann so einen großen Ruf der Gottseligkeit, so dass er nach dem Tod des Bischofs zu Trimithus in seiner ländlichen Hütte zum Bischof erwählt wurde. Alle Menschen dieser Gegend waren darüber froh, nur Spiridion nicht, aus Furcht Gottes. Da half aber keine Entschuldigung, er wurde geweiht und musste das Amt übernehmen. Der einfältige Glaubensmann blieb aber nach wie vor derselbe in seiner äußeren Lebensweise, trieb, so viel es sein Amt erlaubte, die ländliche Arbeit fort, seine Tochter besorgte ihm das Hauswesen, lebte einfach von dem Ertrag seines Landgutes, seine anderen Einkünfte waren gering, und verteilte sein Einkommen in drei Teile, davon einer für den Hausbedarf, der andere für Arme und der dritte zum Darlehen an Hausarme und redliche Gewerbsleute bestimmt war. Seines Amtes pflegte er mit aller Liebe und Treue, predigte mit Gottes Weisheit zur Verwunderung aller, befestigte den Glauben, stärkte die Frömmigkeit, und wurde ein Werkzeug göttlicher Gnade für gar viele. Am liebsten und öftesten ermahnte er zur Vermeidung der Sünde oder zur Buße. Denen, die zum Geldleihen kamen, pflegte er nur den Ort zu zeigen, wo sie es nehmen, und wenn sie es wieder brachten, wohin sie es legen sollten, ohne selbst mitzugehen; so ohne alles Misstrauen war er. Einer missbrauchte sein Vertrauen, nahm das zurückgebrachte Geld wieder mit sich und behielt es lange Zeit. Hierauf kam er wieder zum heiligen Bischof, um Geld zu leihen. Er wurde wie gewöhnlich zur Kiste gewiesen, fand sie aber leer. Als er das dem heiligen Spiridion meldete, sagte er zu ihm: „Das ist wunderlich, dass du allein nichts darin findest, denke nach, ob du das vormals Geliehene wieder hingelegt hast.“ Der Betrüger sah sich ertappt und bekannte dem Bischof reuevoll seine gebrauchte List.

 

Im Jahr 325 verteidigte Spiridion auf der Kirchenversammlung zu Nizäa, mit allen anwesenden Bischöfen, die Gottheit Jesu Christi. Nach Beronius begründeter Meinung war er es, der durch seinen gesalbten Vortrag einen auf dem Konzil anwesenden heidnischen Philosophen für Jesus Christus gewann. Nachdem der Philosoph lange die Gründe der gelehrtesten Bischöfe mit scharfsinnigen Vernunftgründen zu vereiteln versucht hatte, redete ihn der ungelehrte Bischof also an:

 

„Im Namen Jesu Christi höre mich und vernimm die Wahrheit! Es ist nur ein Gott, der Himmel und Erde erschuf, und der dem Menschen, welcher aus Leim der Erde gebildet wurde, eine unsterbliche Seele gab. Er hat alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge durch die Kraft seines Wortes erschaffen, und durch die Heiligkeit seines Geistes bestätigt. Dieses Wort und diese Weisheit, die wir den Sohn nennen, trug Mitleid über die Verirrung der Menschen, und wurde darum von einer Jungfrau geboren. Dieser Sohn Gottes hat uns durch seinen Tod vom Tod erlöst, und durch seine Auferstehung uns das ewige Leben gegeben. Und wir glauben, dass er einst kommen wird, uns wegen aller unserer Handlungen zu richten. Glaubst du, Philosoph, dass dem so sei?“ Dieser, getroffen durch die göttliche Kraft dieses Vortrages, wusste nichts zu antworten. Da sagte Spiridion: "Wenn du dieses alles glaubst, so komm mit mir in die Kirche, um das Kennzeichen und das Siegel des Glaubens zu empfangen.“ Herauf wendete sich der Philosoph zu seinen Anhängern und erklärte: „Höret alle, die ihr euch mit Wissenschaften brüstet! Den Worten und Gründen der Vernunft widerstand ich mit gleichen Waffen. Da aber eine mehr als menschliche Kraft gebraucht wurde, vermochten menschliche Worte nichts mehr; der Mensch konnte Gott nicht widerstehen. Hat einer von euch empfunden, während dieser sprach, was ich erfahren habe, der glaube an Jesus Christus, und folge diesem Alten, aus dem Gott sprach.“

 

Nach etlichen Jahren wohnte Spiridion noch dem Kirchenrat zu Sardis bei, und starb um das Jahr 348.

 

Der heilige Agnellus, Abt von Neapel,

+ 14.12.596 – Fest: 14. Dezember

 

Der heilige Agnellus, Abt des Benediktinerordens in Neapel, war der einzige Sohn seiner Eltern und von ihnen durch die Fürbitte der Himmelskönigin erfleht worden. Sichtbar ruhte die Hand Gottes auf ihm, denn schon im Alter von fünfzehn Jahren verließ er die Welt und all ihren Glanz, um als Religiose den engen Weg der evangelischen Räte zu gehen. Er lebte anfangs gleich einem anderen Benedikt als Einsiedler in einer Höhle, und erst nach dem Tod seiner Eltern ging er hervor, um aus dem ihm zugefallenen Erbteil ein Fremdenhaus zu erbauen, in dem er den Armen und Pilgern alle möglichen Liebesdienste erwies. Von Tag zu Tag wuchs die Ehrfurcht und Bewunderung des Volkes ihm gegenüber. Als aber der Zulauf der Leute, die ihn sehen wollten, seiner Demut immer abträglicher wurde, entfloh er in den abgelegensten Teil der samnitischen Gebirge, wo er in liebseligem Umgang mit Gott nur von Wurzeln und Kräutern lebte, bis eine innerliche Mahnung ihn zum Fremdenhaus zurückkehren hieß. Nachdem er daselbst sieben Jahre hindurch unzählige gute Werke verübt und viele wunderbare Heilungen bewirkt hatte, wurde er gegen seinen Willen zum Abt des Klosters ernannt, das der afrikanische Bischof Gaudiosus bei Neapel erbaut hatte. Hier endete er seinen gottseligen Lauf im Jahr 596 und wurde vom Bischof Fortunatus mit allen Ehren begraben. Er wird in Neapel des auffallenden Schutzes wegen, den diese Stadt von ihm erfahren hat, hoch verehrt und „der Vater des Vaterlandes (Pater patriae)“ genannt.

 

Der selige Berthold von Regensburg, Priester,

+ 14.12.1272 – Fest: 14. Dezember

 

Kaum hatte der heilige Franziskus von Assisi seinen Orden gestiftet, als sich zahllose gottbegeisterte Männer herandrängten, um in seine Genossenschaft einzutreten, ihre Seele zur Nachfolge Christi in den drei evangelischen Räten zu erziehen und andere zur Gottesfurcht zu leiten. In allen Ländern wurden in kurzer Zeit eine Menge von Klöstern erbaut und ein reicher Gottessegen ging von ihnen aus. Auch in Regensburg wurde eine Niederlassung gewonnen und durch einen frommen Mönch verherrlicht, der unter den vielen großen Predigern seines Ordens als eine der herrlichsten Erscheinungen hervorragt.

 

Dieser ausgezeichnete Geisteslehrer und hochberühmte Prediger war der selige Berthold, geboren in Regensburg aus der Familie Lech. Man nannte ihn den Elias seiner Zeit. Wenn er predigte schien sich Himmel und Hölle vor seinen Zuhörern zu öffnen, Sünder sanken vor Schmerz über ihre Sünden ohnmächtig zusammen, Räuber gaben das ungerechte Gut zurück, Religionsspötter wurden eifrige Christen, die Verstocktesten bekehrten sich. Vornehme und Niedrige drängten sich zu seinen Predigten und es waren oft 60.000, ja 100.000 Menschen versammelt, um sein begeistertes Wort zu hören. Da die Kirchen gewöhnlich die ungeheure Menge Zuhörer nicht fassen konnten, so bestieg er oft eine Anhöhe oder ein Gerüst im freien Feld. Mehrere Stunden vor der Predigt eilte das Volk hin, um sich einen Platz zu erobern. Wenn dann der einfache Franziskaner seine mächtige Stimme erhob, dann sah man oft strahlende Kronen über seinem Haupt und man sagte von ihm, was der Prophet Jesaja vom Wort Gottes sagt: „Es ist stark wie Feuer, wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert.“ Als er einst gegen das Laster und der Unzucht predigte, wurde eine langjährige Sünderin von so heftigem Reueschmerz ergriffen, dass sie den Geist aufgab. Alle Anwesenden gerieten in Schrecken und sagten, sie sei durch Gottes Strafgericht verdammt. Berthold befahl allen, sie sollten sich zum Gebet niederwerfen, damit der göttliche Ratschluss über ihr Schicksal offenbart werde. Siehe da! Die Tote erwachte wieder zum Leben und erzählte, dass sie wegen ihrer schlechten Taten vor das Gericht Gottes gerufen worden sei, aber in Betracht ihrer großen Reue sei die Seele wieder in den Leib zurückgesandt worden, damit sie ihre Sünden im Sakrament der Buße tilgen könne.

 

Berthold durchzog predigend Bayern, Österreich, Sachsen, Böhmen und Mähren und wirkte durch sein glühendes Wort, durch Ablässe von einigen Tagen, mit denen ihn der Papst bevollmächtigte, und besonders durch zahlreiche Wunder, die seine Wirksamkeit verherrlichten, außerordentlich viel und Großes zur Belebung des Glaubens und zur Förderung guter Sitten. Nur völlig Verhärtete widerstanden der Kraft seiner Predigt, mussten dann aber auch um so härter die Strafgerichte Gottes fühlen.

 

Herzog Otto von Bayern regierte anfangs sein Volk gerecht und gottesfürchtig, griff aber unbefugt in die Rechte der Kirche und Geistlichkeit ein und wurde deshalb vom Papst in den Bann getan. Berthold suchte bei seiner Ankunft in Landshut, wo damals der Herzog residierte, ihn zu bewegen, die Ungerechtigkeiten aufzugeben und sich mit der Kirche zu versöhnen. Um diese Zeit begehrte ein frommer Landmann, beim Herzog vorgelassen zu werden, da er ihm eine Offenbarung mitzuteilen habe, aber er wurde nicht vorgelassen. Deshalb begab er sich zu dem Franziskaner Berthold und offenbarte ihm seinen Auftrag: „In der verflossenen Nacht des hl. Michaelsfestes wurde ich im Geist zu einem Richterstuhl geführt und hörte, wie der Herzog Otto dort angeklagt und zum Tod verurteilt wurde. Es wurde ihm gesagt, wenn er nicht schnell ablasse von der Verfolgung der Armen und der Kirche, so werde bald das Gericht über ihn kommen.“ Berthold teilte dem Herzog die angedrohten Gerichte Gottes mit und redete ihm scharf ins Gewissen, fand aber ebensowenig Gehör, wie einst der Täufer Johannes vor Herodes. Was geschah? Am Vorabend des nächsten Andreasfestes saß Herzog Otto mit seiner Gemahlin und seinen Freunden fröhlich beisammen. Plötzlich stürzte er tot hin, ohne sich mit Gott versöhnt zu haben.

 

Nach außerordentlichen Errungenschaften für das Reich Gottes starb Berthold im Jahr 1272 und wurde in der Franziskanerkirche zu Regensburg begraben. Er wurde als Heiliger verehrt und zu seiner Grabstätte wallfahrteten bis in die neuere Zeit von fernen Ländern zahlreiche Pilger, deren Ahnen einst von seinen beredten Lippen das Lebenswort gehört hatten. Seine Predigten sind uns zum Teil erhalten geblieben und gelten als ein Kleinod des mittelalterlich-deutschen Predigt- und Sprachschatzes.

 

15. Dezember

 

Die heilige Christiana, Sklavin bei den Iberern, Armenien,

+ 4. Jahrhundert – Fest: 15. Dezember

 

Die heilige Christiana, über deren Jugendgeschichte uns nichts bekannt ist, wurde von den räuberischen Horden der Iberier, die ihre Plünderungszüge nach Griechenland ausdehnten, gefangen genommen und als Sklavin verkauft. Ihr Herr war der Fürst eines Stammes, der wie das ganze Volk dem Götzendienst ergeben war und durch wilde Grausamkeit sich auszeichnete. Da sie unter den Heiden die einzige Bekennerin des christlichen Glaubens war, so nannte man sie mit Umgehung ihres eigentlichen Namens „Christiana“, d.h. Christin. Ihr Los war ein ungemein hartes und trauriges. Fern von ihrer Heimat, fern von Eltern und Geschwistern, musste sie unter halbwilden Menschen in harter Arbeit zubringen. Niemand konnte sie ihr Leid klagen, nirgends fand sie Trost. Trotzdem kam kein laut der Klage über ihre Lippen, sondern alles ertrug sie um Gottes willen und in der Kraft des Glaubens mit der größten Geduld. Sie war treu und eifrig in ihrem Dienst und suchte Stärke und Trost im Gebet und in strengen Bußübungen, die sie sich auferlegte. Dabei bemühte sie sich inmitten der sittenlosen, heidnischen Gebräuche einer so großen Unschuld und Reinheit des Herzens, dass die Ungläubigen sie erstaunt fragten, wie es denn komme, dass sie eine so ganz andere Lebensweise führe, wie die Einwohner des Landes. „Ich bin eine Christin“, entgegnete sie, „und muss so leben, wie Jesus Christus, mein Herr, es geboten hat.“ Zugleich benutzte sie die Gelegenheit, um den Heiden die Macht und Herrlichkeit des wahren Gottes zu verkündigen. Aber mehr noch als ihre Worte und ihr Beispiel wirkten auf die rohen Gemüter die Wunder, womit Gott seine treue Dienerin vor dem ganzen Volk verherrlichte. Als sie durch ihr Gebet ein schwerkrankes Kind geheilt hatte, verbreitete sich das Gerücht hiervon im ganzen Land, und die Königin, die eben von einem gefährlichen Fieber geheilt war, nahm nun auch ihre Zuflucht zum Gebet der christlichen Sklavin und erlangte ebenfalls die Gesundheit wieder. Aus Dankbarkeit gegen Gott nahm die Königin die christliche Religion an und versuchte auch ihren Gemahl zu diesem Schritt zu bewegen. Doch dieser weigerte sich anfangs, nachdem er aber einst auf der Jagt in augenscheinlicher Lebensgefahr die Hilfe des Gottes der Christen erfahren hatte, empfing er mit seinem ganzen Volk die heilige Taufe. Auf Christianas Rat ließ der König sich vom Kaiser Konstantin Bischöfe und Priester schicken, welche das von einer armen Sklavin begonnene Werk der Bekehrung Iberiens vollendeten.

 

16. Dezember

 

Die heilige Adelheid, Deutsche Kaiserin,

+ 16.12.999 – Fest: 16. Dezember

 

So nahe ist heute das Weihnachtsfest herangerückt, dass derjenige, der scharfe Ohren hat, von weitem das Gloria der Engel auf Betlehems Fluren schon hören kann, und wer helle Augen besitzt, sieht bereits das göttliche Kind, Maria und Josef, Ochs und Esel und die Hirten, wie sie sich eilends auf den Weg machen zu der Krippe im Stall. Noch sechsmal schlafen, dann ist Weihnachten.

 

Es ist ja so, dass sich hinter der Krippe das Kreuz von Golgatha deutlich abhebt, und die heutige Legende wird uns daran erinnern, dass aus der glücklichen Mutter, die vor der Krippe kniet, später die Schmerzensmutter wurde. Nicht die Freude hat uns erlöst, sondern das Leid, und erst aus dem Leid erblüht des Christen Freude.

 

So tritt heute Sankt Adelheid vor uns hin, jene Frau auf dem deutschen Kaiserthron, die viel Kreuz und Leid getragen hat und die deswegen, wie andere Mütter auch, der Schmerzensmutter ähnlich ist.

 

Als Königskind kam Adelheid zur Welt, aber mit sechs Jahren verlor sie den Vater, König Rudolf II. von Burgund, durch den Tod. Wie arm ist doch ein Kind, das keinen Vater mehr hat, arm selbst dann, wenn es in Samt und Seide gekleidet geht und ein Krönlein auf dem Haupt trägt. So begann vor der Zeit das Leid in Adelheids Leben.

 

Mit sechzehn Jahren wurde Prinzessin Adelheid mit dem König Lothar II. von Italien vermählt. Da war sie eine Königin, obwohl sie noch ein Kind war. In einem Alter, da sich bei den jungen Menschen Jugendlust und Jugendfreude recht entfalten, begann bei Adelheid bereits der bittere Ernst des Lebens, denn gebieterisch traten die Pflichten an sie heran, Pflichten dem Gatten und dem Volk gegenüber, dessen Herrscherin sie war. Allzu früh auch wurde die Königin Mutter eines lieben Mädchens, das in der heiligen Taufe den Namen Emma erhielt. Wohl sind Mutterfreuden schön, aber Mutterlast drückt auch schwer.

 

Erst drei Jahre war Adelheid Königin, als der königliche Gatte starb. Ein Nachbarfürst, der Herzog Berengar von Ivrea, soll ihn vergiftet haben, weil er selbst König von Italien werden wollte. Mit sechs Jahren hatte Adelheid den Vater verloren, und mit neunzehn Jahren war sie eine Witwe.

 

Es sollte noch schlimmer kommen. Herzog Berengar versuchte nämlich, die Witwe zu zwingen, seinen Sohn Adelbert zu heiraten, und als sich Adelheid entschieden weigerte, auf den Plan einzugehen, nahm ihr der Bedrücker Schmuck und Geschmeide weg, setzte sie am Gardasee hinter Schloss und Riegel und behandelte sie wie eine Verbrecherin.

 

Eines Nachts jedoch entwich die Gefangene. Im schwankenden Kahn fuhr sie ein mitleidiger Fischer über den See. An den folgenden Tagen hielt sich die leidgeprüfte Frau vor Berengars Häschern, die mit Hunden hinter ihr her waren, hungernd und frierend, das Kindlein Emma im Arm, im feuchten Schilf am See und in Höhlen und hinter Büschen verborgen.

 

Doch dann kam der edle Otto der Große, an den sich Adelheid durch einen Boten gewandt hatte, der Bedrängten zu Hilfe, rückte mit Heeresmacht heran, besiegte den Übeltäter Berengar, und am hochheiligen Weihnachtsfest des Jahres 951 vermählte sich Otto mit Adelheid. Es war für die Verfolgte ein schönes Weihnachtsfest. Die verstoßene Königin von Italien wurde deutsche Königin, und zehn Jahre später erhielt sie aus den Händen des Papstes neben dem Gatten die kaiserliche Krone aufs Haupt gesetzt.

 

Adelheid war eine gute, fromme, wohltätige, heilige Kaiserin, und deswegen musste sie auch als Kaiserin viel Leid tragen, denn das Kreuz bleibt den Christen treu, und am treuesten folgt es den Heiligen Schritt für Schritt.

 

Von den vier Kindern, die Adelheid dem Gatten schenkte, starben zwei im jugendlichen Alter. Es war ein hartes Geschick, denn mit jedem Kind, das eine Mutter begraben muss, wird auch ein Stück von ihr begraben, und erst vierzig Jahre war Adelheid alt, als sie zum zweiten Mal Witwe wurde. Bald darauf entzweite sich Adelheids Sohn Otto II. mit der Mutter, und Adelheid wurde vom kaiserlichen Hof verbannt. Unglück auf Unglück traf in der Folgezeit den ungeratenen Sohn, und unter den Schicksalsschlägen litt niemand mehr als die ferne Mutter, denn das Leid der Kinder drückt doppelt schwer das Herz der Mütter. Kaiserin Adelheid konnte nur weinen und beten, bis endlich Otto ein Einsehen bekam und reuig die Mutter heimrief.

 

Doch da hatte sich Adelheids Leidenskelch bereits randvoll gefüllt und lief über. Bald darauf starb die Heilige im Jahre 999, nachdem sie vorher auch noch Otto hatte begraben müssen. Alle Mütter haben es schwer, und je mehr eine Mutter der Schmerzensmutter gleicht, desto schwerer hat sie es. Es ist gut, dass Sankt Adelheid uns kurz vor Weihnachten an diese Tatsache erinnert. Hinter der Krippe steht schon das Kreuz.

 

17. Dezember

 

Der heilige Sturm, Gründer-Abt von Fulda,

+ 17.12.779 – Fest: 17. Dezember

 

Man muss überlegen, ob man richtig gelesen hat. Dieser Heilige heißt wirklich Sturm. Zwar wird er in alten Büchern Sturmius genannt, aber diese Endung „ius“ ist nur ein lateinisches „Hintendran“, das man dem Namen angehängt hat und der nicht einmal so schön ist. Und wenn man das unnatürliche „Hintendran“ abschlägt, dann bleibt wieder Sturm übrig, und das ist doch gar nicht mal so ein schlechter Name, irgendwie ein Name, an dem noch Hand und Fuß ist, ein rasanter Name.

 

Eigentlich ist es schade, dass der Name kaum noch Träger hat, denn auf manche Kinder würde er wie zugeschnitten passen, auf jene Jungen und Mädchen nämlich, die, wenn sie eine Treppe hinaufgehen, immer drei oder noch mehr Stufen zugleich nehmen, und auch die, wenn sie die Treppe hinunter wollen, auf dem Treppengeländer hinabrutschen. Diese und andere, die es ähnlich tun und die dem heiligen Schutzengel dadurch viel Arbeit und Sorge bereiten, die müssten von Rechts wegen alle Sturm heißen.

 

Genau so einer war auch der heilige Sturm als Kind. Der Schutzengel hatte es wirklich nicht so leicht bei ihm und musste haarscharf aufpassen, damit kein Unglück geschah. Der wilde Junge war wie ein richtiger Sturm, er tobte und turnte, er ritt, rannte, schwamm und sprang, so als wäre es seine liebste Beschäftigung. Gegen den jungen Sturm hätten es auch die Stars im heutigen Sport schwer gehabt, denn die sind ja oft nur noch Spezialisten in einer Sportart, entweder im Fußball oder im Handball oder im Rad- und Motorradrennen oder im Hoch- und Weitsprung, der junge Sturm dagegen war in allen Arten des damaligen Sports in gleicher Weise geübt.

 

Sturm war ein Bayer und seine Eltern, die aus einem alten Adelsgeschlecht stammten, waren gute Christen. Sie schickten ihren Sohn nach Fritzlar in Hessen auf die Domschule. Vor noch nicht allzu langer Zeit hatte dort der heilige Bonifatius die Donnereiche niedergehauen und die Leute zum christlichen Glauben bekehrt. Und Bonifatius, dieser prachtvolle Hüne, der die Furcht nicht kannte, der war nun so recht nach Sturms Geschmack. So einer wollte er auch werden, ein draufgängerischer Held. Aber er wollte nicht einem Herrscher dieser Welt gehorchen, sondern er wollte dem König Christus dienen und nachfolgen. Bonifatius hatte jedenfalls seine helle Freude an dem quirligen Jungen und weihte ihn selbst nach der Lehr- und Studienzeit zum Priester.

 

Am Anfang war Sturm als Seelsorger bei den bekehrten Hessen tätig, aber dieses Leben gefiel ihm mit jedem Tag weniger. Ihn befriedigte nicht die Ehre, die er als Priester von den Menschen erhielt, ihn zog es viel mehr zu Abenteuer und Gefahr. Schließlich gab Bonifatius dem Drängen des stürmischen jungen Mannes nach und schickte ihn als Missionar an die Grenzen Sachsens, wobei er sich von ihm versprechen ließ, sich nicht leichtfertig in Gefahr zu begeben, denn die Sachsen ließen mit sich weder spaßen noch spielen.

 

So zog Sturm mit zwei Freunden los und ließ sich in Hersfeld gleich vor der Nase der damals wilden Sachsen nieder. Was er dort erlebt hat, ist nicht berichtet, so wie es ein Junge überhaupt gerne verschweigt, dass er irgendwie in der Patsche saß. Es scheint aber doch, dass Sturm sich damals die Hörner abgestoßen hat, denn als Bonifatius den Tollkühnen zurückrief, folgte er sofort, und nach der Rückkehr merkte man ihm an, dass der Sturm nicht mehr ganz so stürmisch tobte wie zuvor, und wie sich übrigens mit der Zeit alle Stürme legen, so erging es auch dem heiligen Sturm.

 

Sturm gründete das Kloster Fulda und brachte es als Abt zu hoher Blüte und Ansehen. Von Fulda aus errichtete er weitum im Kreis eine Missionsstation nach der anderen, und als Karl der Große die Sachsen besiegen konnte, ging auch Sturm dorthin und erbaute überall Missionskirchen, die er mit tüchtigen Mönchen aus dem Kloster Fulda besetzte, so dass Sachsen allmählich christlich wurde.

 

Überall aber, wo im deutschen Wald, der damals noch das ganze Land bedeckte, ein Missionskirchlein entstand, da war dieses Gotteshaus wie eine brennende Kerze am Weihnachtsbaum, die der heilige Sturm und seine Mönche entzündeten.

 

Der heilige Sturm gehört mit dem heiligen Bonifatius, an dessen Seite er in Fulda die letzte Ruhestätte gefunden hat, zu den großen Missionaren unseres Landes.

 

Die heilige Olympias (Olympiades), Witwe von Konstantinopel,

+ 17.12.410 – Fest: 17. Dezember

 

Die heilige Olympiades, geboren um das Jahr 368, stammte aus einer erlauchten Familie, deren Mitglieder hohe Würden am kaiserlichen Hof zu Konstantinopel bekleideten. In zartem Alter schon verlor sie ihre Eltern und wurde Erbin eines unermesslichen Vermögens. Theodosia, die Schwester des heiligen Amphilochus, eine verständige und tugendhafte Matrone, leitete ihre Erziehung und hielt sie zu allem Guten, besonders aber zur Gottesfurcht an. Glänzender Abkunft, überreich mit Glücksgütern gesegnet, seltene Körperschönheit mit den herrlichsten Geistesgaben vereinigend war sie eine Erscheinung, dergleichen man seit langem nicht mehr gesehen hatte, und es konnte nicht fehlen, dass um diese Perle der Jungfrauen die edelsten Männer der Hauptstadt warben. Olympiades schenkte Nebridius, dem Präfekten von Konstantinopel, Herz und Hand. Aber schon zwanzig Monate nach der Hochzeit wurde ihr der Gatte durch den Tod entrissen. Und wie sie vordem der Schmuck der Jungfrauen gewesen ist, zeigte sie sich jetzt als die Zierde der Witwen, indem sie alle irdischen Güter zu den Füßen des Kreuzes legte und vorzog, statt der Lust und Ehre der Welt zu frönen, mit dem Heiland ein abgetötetes Leben zu führen. Vergebens gelangten die dringendsten Anträge der Wiederverehelichung an sie, vergebens suchte der Kaiser Theodosius selbst sie zur Verbindung mit einem seiner Neffen zu bereden. Sie lehnte alles ab und erklärte, wie sie fest entschlossen sei, im Witwenstand zu bleiben. Das verdross den Kaiser, und er ließ sich von der Leidenschaft zu einem unwürdigen Eingriff in die persönliche Freiheit hinreißen und nahm der Wehrlosen Vermögen in Beschlag. Sie aber, weit entfernt, sich darüber zu beklagen, richtete an ihn ein rührendes Schreiben, das ihre christliche Ergebung aufs Schönste beurkundete. Nach geraumer Zeit aber erst wurde sie in ihre Rechte wieder eingesetzt. Sie war 23 Jahre alt, als sie ihre Güter zurückbekam, und nun überließ sie sich ganz dem Drang ihres Herzens, Gott als christliche Witwe nach der Vorschrift des Apostel Paulus zu dienen. Von schwächlichem Körperbau ergab sie sich gleichwohl den strengsten Kasteiungen. Bei all ihrem Reichtum verwendete sie auf den Haushalt nur das unumgänglich Notwendige und widmete alles Übrige den Zwecken der Wohltätigkeit. Den Bischöfen sendete sie bedeutende Summen zur Verteilung unter die Armen ihrer Sprengel, und es fand sich in dem großen römischen Reich kaum eine Provinz, wohin die Gaben ihrer Mildtätigkeit nicht drangen. Sie beschenkte die Kirchen, die Klöster, die Krankenhäuser, die Verbannten und erkaufte zahllosen Sklaven die Freiheit. Da sie wusste, dass der Mensch nicht allein vom Brot des Leibes leben kann, sondern auch des Brotes der Seele bedarf, benützte sie die Gelegenheiten, die ihre Liebeswerke ihr boten, allen, die ihrer teilhaftig wurden, Worte des Heils ans Herz zu legen. Noch sehr jung war sie von Nectarius, dem Patriarchen zu Konstantinopel, ihrer Tugenden wegen als Diakonissin zum Dienst der Kirche bestellt worden. Von den besten Männern ihrer Zeit, einem Gregor von Nyssa, einem Amphilochus, einem Gregor von Nazianz, einem Epiphanius, wurde sie hochverehrt. Chrysostomus, mit dem sie innig befreundet war, und Palladius sprechen in ihren Werken mit Entzücken von der frommen Witwe. Im Jahr 404 wurde sie in die Verfolgung mit hineingezogen, die die Bosheit der Kaiserin Eudoxia gegen den heiligen Chrysostomus erregt hatte. Man beschuldigte sie mit anderen, den Brand gestiftet zu haben, der bald nach der Verbannung des großen Patriarchen und Kirchenlehrers die Hauptkirche der Stadt verzehrte, und zu Anfang des Frühlings 405 erhielt sie den Befehl, Konstantinopel zu verlassen. Ihre Güter wurden öffentlich verkauft, ihre Landhäuser dem Pöbel zur Plünderung überlassen, zerstreut die Genossenschaft der Jungfrauen, die sich vor Jahren ihrer Leitung untergeben hatten. So musste auch sie, wie die meisten Diener des Herrn, durch das Feuer der Trübsal gehen, um ganz gereinigt zu werden. Geduldig, ja frohen Mutes, ertrug sie alle diese Bedrängnisse im Hinblick auf den Erlöser, der für uns sein Blut vergossen hat. Man weiß nicht, wo und wann sie starb. Doch scheint so viel gewiss, dass sich ihr Lebensziel nicht über das Jahr 410 hinaus erstreckte.

 

18. Dezember

 

Maria erwartet die Geburt des Herrn

 

Der heilige Joseph, genannt Komes,

Bekenner von Scythopolis in Palästina,

+ 22.7.356 – Fest: 18. Dezember

 

Siehe, o Mensch, wie geduldig Gott auf unsere Bekehrung wartet, wie er wieder und wieder anklopft an unserem Herzen, dass wir ihm auftun, und, wie wahrhaft der heilige Petrus schreibt: „Der Herr ist nur langmütig um eurer willen, und will nicht, dass jemand verloren gehe, sondern dass sich jeder zur Buße kehre.“ Dies zeigt die Bekehrungsgeschichte des Joseph Komes, der sie selbst dem heiligen Epiphanius anlässlich des Besuches des heiligen Eusebius von Verzelli in seinem Haus erzählte.

 

Joseph Komes war von Geburt ein Jude und zu Tiberias einer derjenigen gewesen, die unter der Benennung von Aposteln den Rat des Patriarchen bildeten, der seit Zerstörung Jerusalems nach erloschenem Hohenpriestertum, als geistliches Oberhaupt, von der Nation angesehen wurde, und dessen Würde im Haus des großen Gamaliel erblich war. Der Patriarch, unter dem Joseph Apostel war, hieß Hillel. Der ließ sich während einer tödlichen Krankheit heimlich taufen. Er hatte seinem minderjährigen Sohn Judas dem Joseph und einen anderen tugendhaften Mann zu Vormündern gesetzt, und beiden wurde die Verwaltung des Patriarchenamtes bis zur Volljährigkeit des Mündels übertragen.

 

Dem Joseph war die Taufe Hillels nicht entgangen, und er hatte ihn belauscht, als er dem Bischof, der die heilige Handlung verrichtet hatte, Gold gegeben, mit dem Auftrag, es für ihn Gott zu opfern, mit den hinzugefügten Worten: „Es steht geschrieben, was Gottes Priester binden oder lösen werden auf der Erde, das werde auch im Himmel gebunden oder gelöst sein.“

 

Josephs Neugierde wurde sehr gereizt. Er fand unter dem Nachlass des Patriarchen hebräische Übersetzungen des Evangeliums des Johannes und der Apostelgeschichte. Die Lesung dieser göttlichen Schriften machten ihm viel Unruhe; aber er versuchte sich der Überzeugung zu erwehren, die ihm bei der Ausübung der Geschäfte seines hohen und jüdischreligiösen Amtes so lästig wurde.

 

Unser Heiland erschien ihm im Traum und sagte ihm: Ich bin Jesus, den deine Väter kreuzigten, glaube an mich.“ Bald darauf wurde er krank. In einer Erscheinung sagte ihm der Sohn Gottes, er sollte glauben, so würde er genesen. Er versprach es, wurde gesund, empörte sich aber wieder gegen die Erkenntnis. Da bekam er wieder diese gefährliche Krankheit. Ein Rabbi, der ihn besuchte, und wohl, gleich ihm, heimlich die Wahrheit im Herzen erstickte, glaubte, dass er sogleich sterben würde, und sagte ihm ins Ohr: „Glaube an Jesus Christus, der da gekreuzigt wurde unter Pontius Pilatus. Er ist der Sohn Gottes; ließ sich gebären von Maria, er ist der Messias Gottes, ist auferstanden, wird kommen, zu richten die Lebendigen und die Toten.“ Jesus Christus erschien ihm wieder im Traum und sprach zu ihm: „Ich mache dich gesund; glaube an mich, dann wirst du gesund sein.“ Joseph wurde gesund, aber verhärtete wieder sein Herz. Unser Heiland ging ihm nach mit unendlichem Erbarmen, erschien ihm noch einmal im Traum, hielt ihm seine Untreue vor und sagte ihm: „Willst du ein Wunder tun in meinem Namen, so gewähre ich es dir zu deiner Überzeugung.“ In der Tat trieb er im Namen Jesu den Teufel aus einem Besessenen. Die ganze Stadt war Zeuge davon, die Juden riefen, Joseph habe den geheimnisvollen unaussprechlichen Namen Gottes geschrieben gefunden, ihn gelesen, und tue daher solche Wunder.

 

Joseph blieb Jude, wurde von Judas, als der die Patriarchenwürde angetreten hatte, im jüdischen Apostolat bestätigt, und betrieb sein Geschäft mit tätigem Eifer. Er durchreiste die Provinzen, prüfte die Lehrer der Schulen, die Ältesten, rügte scharf die Mängel, entsetzte die Unwürdigen. Dadurch zog er den Hass von verschiedenen Personen auf sich. Sie belauerten ihn, als er auf einer Amtsreise in Zilizien war, und ertappten ihn beim Lesen des Evangeliums, das er sich vom Bischof des Ortes geborgt hatte. Sogleich schleppten sie ihn in die Synagoge und schlugen ihn. Der Bischof entriss ihn ihren Händen. Bald darauf stürzten sie ihn in den Strom des Zyndus und meinten, ihn ersäuft zu haben; er aber rettete sich durch Schwimmen.

 

Endlich ließ er sich taufen, wurde dem Kaiser Konstantin bekannt, erzählte ihm seine Geschichte. Der gewann ihn lieb und er durfte eine Gnade von ihm begehren. Joseph erbat sich nur die Erlaubnis, an solchen Orten, die bloß von Juden ohne Mischung von Heiden, Samaritanern und Christen bewohnt wurden, Kirchen zu erbauen, weil dort noch keine waren. Solche Städte waren Tiberias, Diozäsarea, Sephoris, Nazareth und Kapharnaum. Konstantin gewährte ihm nicht nur sehr gern diese Erlaubnis, sondern gab ihm auch schriftliche Vollmachten und Befehle, auf kaiserliche Unkosten diese Gebäude zu errichten, und ernannte ihn zum Komes. Die Kirchen wurden erbaut.

 

Joseph war sehr der Wut der Juden und Arianer ausgesetzt. Die Juden suchten auf alle mögliche Weise ihm weh zu tun und den Bau der christlichen Kirchen zu verhindern. Sie gebrauchten sogar Zaubereimittel, um das Feuer im Kalkofen zu löschen. Joseph ließ ein Gefäß mit Wasser herbringen, bezeichnete es unter Anrufung des Namens Jesu mit dem Kreuzzeichen, warf es sodann in den Ofen, und die Flammen loderten wieder auf und erhoben sich gewaltig. Um den Arianern auszuweichen, verließ er Tiberias und ging nach Skytopolis, wo nun sein Haus das einzige katholische in der Gegend war, und außer dem er der einzige Katholik. Als er den Eusebius von Verzelli in sein Haus aufnahm, war er 70 Jahre alt, und starb gläubig im Jahr 356. Sein Name steht in den griechischen und lateinischen Martyrologien, in den letzteren am 22. Juli.

 

Der heilige Wunibald, Prinz von England und Abt in Heidenheim,

+ 18.12.761 – Fest: 18. Dezember

 

Von inniger Sehnsucht getrieben, die Hauptstadt der christlichen Welt und die heiligen Stätten im Gelobten Land zu sehen, begab sich der hochangesehene, hochadelige Richard im Sommer des Jahres 720 mit seinen beiden Söhnen Willibald und Wunibald von England aus auf die Reise, erkrankte aber unterwegs, starb inmitten seiner tiefbetrübten Söhne zu Lucca und wurde im Kloster zum heiligen Frigdian begraben und als Heiliger verehrt. Nachdem Willibald und Wunibald ihrem Vater die letzte Ehre erwiesen hatten, reisten sie nach Rom und beteten am Grab der Apostel. Willibald zog dann nach Jerusalem, Wunibald aber blieb wegen seiner schwächlichen Gesundheit noch fünf Jahre in Rom und kehrte dann nach England zurück, um sich zum Missionar vorzubereiten und noch andere Landsleute für dieses gottgefällige Werk zu gewinnen.

 

Groß war die Freude seiner Mutter Wunna und seiner Schwester Walburga, ihn wiederzusehen. Aber nicht lange verweilte er in seiner Heimat. Zum zweiten Mal pilgerte er nach Rom, um sich ganz dem Klosterleben zu widmen. Mehrere seiner Verwandten und Freunde begleiteten ihn. Dort fand ihn im Jahr 738 sein Oheim, der heilige Bonifatius, und bewog ihn, mit nach Thüringen zu gehen, um ihn in seinem Missionswerk zu unterstützen. Wunibald folgte der Einladung seines Oheims, ließ sich von ihm zum Priester weihen und wurde sieben neuen Christengemeinden in Thüringen vorgesetzt. Sein glühendes Wort und sein heiliges Leben erweckten in den Gemeinden einen lebendigen Glauben und religiösen Eifer.

 

Wunibalds Sorge für die Rettung der Seelen dehnte sich auch auf Bayern aus, wo er, vom Herzog Odilo bestens aufgenommen und unterstützt, gegen blutschänderische Ehen und heidnischen Aberglauben kämpfte und den Ort Nordfiluse und andere Besitzungen vom dankbaren Herzog zum Geschenk empfing. Als sein Bruder Willibald im Jahr 741 vom Bischof Bonifatius nach Thüringen berufen und zum Bischof von Eichstätt geweiht wurde, sahen sich die beiden Brüder nach langer Trennung zum ersten Mal wieder. Einige Zeit hielt sich Wunibald noch beim heiligen Bonifatius in Mainz auf und genoss als Lehrer der Franken große Ehre. Dann begab er sich zu seinem Bruder nach Eichstätt und gründete auf dessen Rat in einem unkultivierten Waldbezirk das Kloster Heidenheim. Mehrere fromme Männer gesellten sich ihm zu, hieben die Bäume nieder und bauten sich kleine Zellen und ein Kirchlein. Dann rotteten sie die Dornen und Disteln aus, hackten den Boden um und besäten ihn mit Getreide, um das nötige Brot zu gewinnen. Bald entstand ein Kloster und das Beispiel dieser gottbegeisterten Männer übte einen segensreichen und nachhaltigen Einfluss auf die Umwohner. Viele entsagten dem heidnischen Glauben und wurden eifrige Christen. In diesem seinem Kloster Heidenheim hielt Wunibald seine Mönche in eifriger Zucht, Gebet, Psalmengesang und Lesen der Heiligen Schrift. Anfangs litten sie oft große Not, später erhielten sie manche Schenkungen, die die stets offene, mildreiche Hand Wunibalds zumeist für Arme verwendete.

 

Nach dem Tod seiner Mutter berief Willibald seine Schwester Walburga zu sich, damit sie ihm in der Verbreitung des Glaubens unterstütze. Mit dreißig Frauen kam Walburga glücklich zu ihrem Bruder Willibald, suchte dann ihren Bruder Wunibald in Thüringen auf, der ihr dort ein Kloster baute. Als sich Wunibald aber in Heidenheim ansiedelte, zog ihm Walburga nach. Wunibald baute hier ein zweites Kloster, das er der Leitung seiner Schwester anvertraute. Beide Klöster waren Pflanzschulen des christlichen Glaubens, Werkstätten der Wissenschaften und Künste, Zufluchtsorte der Unschuld und Tugend, Wohnungen der Barmherzigkeit für Arme und Kranke, ein Licht in die Finsternis des Heidentums, eine Schule echter Kultur für weite Kreise.

 

Den Charakter und die segensreiche Wirksamkeit Wunibalds zeichnet eine Nonne aus dem Kloster der heiligen Walburga mit den Worten: „Der Mann Gottes ließ sich weder durch die Drohungen der Bösen, noch durch die heuchlerischen Worte der Schmeichler täuschen und von seinem Weg ableiten. Immer unerschütterlich im Glauben an den Herrn, hörte er nicht auf, durch seine Predigten das Volk von der Torheit des Götzendienstes abzuwenden. Weit und breit säte er die heiligen Lehren unter die Völkerschaften und führte eine große Zahl von ihnen dem Dienst Gottes zu. Er verband mit Schlangenklugheit Taubeneinfalt, züchtigte mit kräftigen Strafreden die Verführer, und vergaß die Sanftmut nicht in seinen Verweisen. Gegen die grimmigen Anfälle des bösen Feindes bewaffnete er sich nach den Worten des Apostels mit dem Schild des Glaubens, mit dem Panzer der Gerechtigkeit, mit der Lanze des göttlichen Wortes, mit dem Schwert der Abtötung, und gegen die Künste des Satans kämpfte er Tag und Nacht mit den Pfeilen der christlichen Tugenden. Die Heilige Schrift betrachtete er Tag und Nacht und wusste seine Vorträge nach der Fassungskraft seiner Zuhörer einzurichten. Er wurde allen alles, mitleidig gegenüber den Bedrängten, voll herzlichen Erbarmens gegenüber den Armen und voll Milde und Sanftmut zu allen, die seiner Stimme folgten. Durch seine Liebe zog er die Herzen an sich, denn es steht geschrieben, dass nur derjenige, der liebt, geneigtes Ohr und willige Herzen finde.“

 

Die vielen Missionsreisen und strengen Bußübungen rieben die ohnehin schwächliche Gesundheit Wunibalds mehr und mehr auf. Drei Jahre vor seinem Tod besuchte er den Bischof Megingoz von Würzburg und das Kloster Fulda, um sich dort des Umgangs mit dem heiligen Bonifatius zu erfreuen. Dort erkrankte er schwer, genas indes unter liebevoller Pflege so weit, dass zu seinem Kloster zurückkehren konnte. Sein einziger Wunsch war, dass er am Grab seines heiligen Ordensstifters zu Monte Cassino seine Tage beschließen dürfe, und bereits hatte er die Erlaubnis erhalten, aber seine Ordensbrüder ließen mit Tränen und Bitten nicht nach, bis er einwilligte, bei ihnen zu bleiben. Er ließ nun in seiner Zelle einen Altar errichten und brachte hier, wenn es sein Gesundheitszustand gestattete, das heilige Messopfer dar.

 

Kurz vor seinem Ende berief er seinen Bruder Willibald und unterhielt sich mit ihm in Gebet und frommen Gesprächen. Seine Ordensbrüder umstanden schluchzend sein Sterbebett. Er nahm von ihnen Abschied mit den Worten: „Meine Söhne und Brüder, richtet doch euren Wandel und euer ganzes Tun immer nach dem Willen Gottes. Bewahrt stets unter euch die Liebe und den echten katholischen Glauben. Beobachtet unverbrüchlich die Zucht des Klosterlebens, so wie wir sie euch vorgezeichnet und gelehrt haben und ihr es Gott angelobtet. Jede menschliche Schwachheit erlasse ich euch. Was ich in Worten und Werken oder sonst in etwas gegen euch geirrt habe, das verzeiht mir. Lasst mich mit Gott versöhnt den mir bestimmten Weg aus dieser Welt antreten. Es naht der Tag meines Hinscheidens, wo meine Seele den Kerker dieses Leibes verlassen wird, um hinzueilen zum Lohn des Kampfes und zur Ruhe nach den Mühsalen durch den gütigen Beistand des himmlischen Vaters nach dem Wort seiner Verheißung.“ Hierauf erhob der Heilige seine Augen zum Himmel und mit dem Ausruf: „In deine Hände, o Herr, empfehle ich meinen Geist.“ entschlief er in den Armen seines heiligen Bruders Willibald selig am 18. Dezember 761, in einem Alter von 60 Jahren. Seine trauernden Ordensbrüder begruben ihn in der Klosterkirche in dem steinernen Sarg, den er sich lange vor seinem Tod hatte aushauen lassen. Sechzehn Jahre später ließ Willibald den noch völlig unversehrten Leichnam seines Bruders, den bereits viele Wunder verherrlichten, unter dem Jubel des Volkes und der Mönche in der neuerbauten größeren Kirche zu Heidenheim feierlich in einen reich geschmückten Sarg legen. Das Volk küsste die heilige Leiche und viele wunderbare Heilungen fanden statt.

 

19. Dezember

 

Der heilige Nemesius, Märtyrer von Alexandria,

+ 249 – 251 – Fest: 19. Dezember

 

Der heilige Nemesius, Märtyrer zu Alexandria in Ägypten, wurde anfangs, aber ganz ohne Grund, bezichtigt, als sei er ein Spießgeselle der Straßenräuber. Kaum freigesprochen, verhaftete man ihn erneut, und zwar diesmal seines Glaubens an den Heiland wegen. Als er Jesus Christus, den Sohn Gottes, standhaft bekannte, verhängte der Richter Ämilian über ihn zweimal größere Peinigung, als über die Verbrecher, und ließ ihn schließlich mit ihnen zusammen verbrennen. So starb er wie Christus unter den Mördern. Dies geschah zur Zeit des Kaisers Decius.

 

Der heilige Timotheus, Diakon, und seine Ehegattin Maura,

Märtyrer in Mauretanien,

+ 305 – Fest: 19. Dezember

 

Timotheus, zu Deutsch „Fürchtegott“, wurde im Flecken Perape in der ägyptischen Thebais geboren. Mit Recht trug er den schönen Namen Fürchtegott, denn die heilige Gottesfurcht, die seine frommen Eltern ihm frühzeitig ins Herz gepflanzt hatten, war die Richtschnur seines Lebens. Unter der Obhut dieser schönen Tugend brachte er seine Kindheit in lauterer Unschuld zu. Der Glaube an Jesus und die Liebe zu ihm, so er mit der Muttermilch eingesogen hatte, war sein größter Schatz, die heiligen Schriften zu lesen und zu betrachten seine Freude. Vom Bischof deshalb zum Lektor gewählt, erbaute er alle seine Glaubensgenossen durch sein tugendhaftes Leben, und seinen heiligen Eifer für die Ausbreitung des heiligen Glaubens machte ihn auch den Heiden bekannt. Erst drei Wochen mit einer 17jährigen frommen Jungfrau, Maura mit Namen, vermählt, wurde er vor den Statthalter der Provinz gerufen. Kaiser Diokletian hatte seine grausame Christenverfolgung begonnen. Im ganzen Römerreich sollte der christliche Name vertilgt werden. Timotheus wurde als eifriger Christ angegeben und vom Statthalter aufgefordert, den Herrn Jesus zu verleugnen.

 

Festen Mutes entgegnete ihm Timotheus, dass er dies nie tun werde. Da gebot ihm der Statthalter, die heiligen Bücher auszuliefern. Timotheus gab ihm die schöne Antwort: „Die christlichen Bücher sind meine lieben Kinder. Wäre ich nicht ein Unmensch, wenn ich meine Kinder den Mördern in die Hände liefern würde?“ (Den Lektoren waren die heiligen Bücher zur Aufbewahrung anvertraut.) Voll Zorn über diese Antwort befahl der Tyrann, dem heiligen Bekenner glühende Eisen in die Ohren zu stecken. Furchtbar war der Schmerz, aber Timotheus wankte nicht. Mit lauter Stimme hob er an, Gott den Herrn zu loben. Wütend hierüber, ließ ihn nun der Statthalter an eine Säule hängen, ihm einen Stein an den Hals binden und einen Knebel in den Mund stecken, damit er den Gott der Christen nicht mehr lobpreisen könne.

 

Während der heilige Märtyrer solche unmenschliche Pein litt, hinterbrachte man dem Statthalter, dass Timotheus erst seit drei Wochen mit einer jungen Frau, die er sehr liebe, verehelicht sei. Alsbald kam der Tyrann auf den Einfall, diese junge Gattin rufen zu lassen, um durch sie ihren Gatten zum Verrat zu bewegen. Maura kam. Der Statthalter nahm sie beiseite und drang bald schmeichelnd, bald drohend in sie, ihren Gatten dahinzubringen, dass er wenigstens zum Schein den Göttern opfere. Würde sie ihn dazu bewegen, so erhielte er die Freiheit, sonst müsse er des grausamsten Todes sterben. Maura, zitternd und bebend über das, was sie gehört hatte, vom tiefsten Schmerz ergriffen über die Leiden ihres lieben Gatten, den sie überaus liebte, und von Angst und Furcht, ihn durch den Tod zu verlieren, ganz betäubt, ließ sich überreden. Timotheus wurde von der Säule losgebunden und ihm der Knebel aus dem Mund genommen, damit er mit seiner Gattin reden konnte. Und sie versuchte ihn wirklich zu bewegen, dem Statthalter zu gehorchen. Wie sehr erschrak Timotheus über das Verhalten seiner Frau! Er liebte Maura zwar aufrichtig und herzlich, aber mehr noch als sie und alles Jesus Christus, seinen Heiland. Voll heiliger Entrüstung sprach er daher zu ihr: „Wie, Maura! Bist du eine Christin und eine christliche Frau oder eine Heidin? Ist das die Sprache eines Menschen, der im christlichen Glauben erzogen wurde? Du solltest mir vielmehr zureden, dass ich mutig leide und ausharre bis ans Ende, und nun willst du mich zum Verrat an Jesus bewegen? Soll ich wegen einer kurzen Glückseligkeit auf der Welt die ewige Seligkeit im Himmel verscherzen? Oder um einer bald vorübergehenden Marter zu entgehen, mich leichtfertigerweise in die ewige Pein der Hölle stürzen?“

 

Von der Kraft dieser im heiligen Ernst gesprochenen Worte im Innersten erschüttert, fiel Maura ihrem Gatten zu Füßen und sprach voll Reue über ihre Untreue dem Heiland gegenüber: „O mein Timotheus! Was soll ich tun, um meinen begangenen Fehler zu büßen?" "Gehe zum Statthalter“, sprach Timotheus, „und sage ihm, dass du, anstatt deinen Gemahl zur Verleugnung des Glaubens zu bringen, selbst bereit bist, mit ihm deshalb alle Marter zu leiden“. Maura wankte. Noch hatte die Liebe Christi nicht über die Liebe zu ihrem Gatten gesiegt. Entsetzt über das Verlangen ihres Mannes, sprach sie: „Ach, ich bin noch jung, erst 17 Jahre alt, schwach von Natur aus. Ich wage es nicht, dem Tyrannen unter die Augen zu treten, viel weniger die harte Marter zu erdulden!“ Doch Timotheus, bereit, dem Heiland alles zum Opfer zu bringen, sprach zu ihr: „Maura! Erinnere dich an Felizitas und ihre sieben Söhne, von der du gehört hast, gedenke der zarten Jungfrauen Agnes und Cäcilia, von denen du gelesen hast! Waren sie stärker als du? Und doch haben sie ihr Blut für Jesus hingegeben, und du fürchtest dich, ein Gleiches zu tun? Wird Christus dich nicht stärken im Kampf? Siehe, die Krone winkt. Bald sind wir bei Jesus ewig vereint!“ Bei diesen Worten fiel er auf die Knie und betete, und während des Gebets fühlte Maura jede Furcht schwinden. Ja, es erwachte in ihrem Herzen sogar ein heftiges Verlangen, für Christus mit ihrem Gatten zu sterben.

 

Ohne Verzug begab sie sich zum Statthalter und erklärte ihm festen Mutes, dass sie ihren Gemahl nicht zum Verräter machen wolle, und auch sie bereit sei, für ihren heiligen Glauben Blut und Leben hinzugeben. Der Statthalter sah sich in seinem Plan getäuscht. Von Wut wie außer sich, ließ er der jungen Frau den Schleier vom Haupt ziehen und ihr alle Haare aus dem Kopf reißen. Damit noch nicht zufrieden, befahl er, ihr die Finger abzuschneiden und sie in einen mit siedendem Wasser gefüllten Kessel zu werfen. Doch Gott erhielt sie wunderbar am Leben. Nun ließ er sie mit brennendem Pech und Schwefel peinigen, ohne ihr jedoch einen Klagelaut zu entlocken. Endlich gab der Tyrann den Befehl, beide Ehegatten an das Kreuz zu schlagen, und zwar so, dass beide am Kreuz hängend, einander zu ihrer größten Qual anschauen sollten. Doch gerade dieser Umstand gereichte ihnen zum größten Trost. Das Urteil wurde vollzogen, die beiden Märtyrer hingen am Kreuz. Entsetzlich war ihre Pein. Aber beide munterten sich zuerst mit Worten, und als sie vor Schmerz und Schwäche nicht mehr reden konnten, mit Blicken zum standhaften Ausharren und zum Vertrauen zu Jesus auf. Und so blieben sie am Kreuz hängen, bis sie wie Jesus ihr Haupt neigten und starben. Es war am 19. Dezember des Jahres 305, als Timotheus und Maura in ewiger Liebe vereint eingingen zur himmlischen Hochzeit des Lammes Jesus.

 

Beide Märtyrer werden abgebildet Arm in Arm, ein Kreuz umschlingend.

 

20. Dezember

 

Der heilige Dominikus, Abt und Bekenner von Silos, Spanien,

+ 20.12.1073 – Fest: 20. Dezember

 

Dominikus war der Sohn armer, aber sehr gottesfürchtiger Landleute aus dem spanischen Dörfchen Cannas und hütete in seiner Jugend die Schafe. Dieses Geschäft war freilich nicht geeignet, ihm eine höhere Bildung zu geben, aber mit dem frommen, sanften und unschuldigen Jungen war die Gnade Gottes, und wenn er auch in der Weisheit der Welt zurückblieb, nahm er umso mehr zu in der Wissenschaft des Heils. Allem Mutwillen sich enthaltend, der unter den jungen Hirten gang und gäbe ist, verwendete er seine Freizeit zum Gebet und zur Betrachtung der himmlischen Dinge. So entbrannte in ihm das Verlangen, dem Herrn mit Zurücksetzung aller zeitlichen Sorge in der Abgeschiedenheit zu dienen. Er beriet sich mit seinen Eltern, die meinten, es könne wohl der Geist Gottes dies ihrem Sohn eingegeben haben, und baute sich dann mit ihrer Zustimmung eine Klause im Wald. Dort brachte er mehrere Jahre in strenger Abtötung zu, und es wurde ihm, dem Ungelehrten, im beständigen Umgang mit Gott gar manches Geheimnis erschlossen, was den Doktoren der Weltweisheit ewig verborgen bleibt. Indes war es nicht seine Bestimmung, als Einsiedler zu sterben, denn der Herr wollte die Talente seines Dieners zum Besten der Menschheit benutzen. Deshalb gab er ihm ein, es sei ersprießlicher für ihn, auf dem Weg der Vollkommenheit in Gemeinschaft mit anderen und unter der Leitung eines weisen Oberen zu leben, als für sich nach eigenem Gefallen. Da verließ Dominikus seine Einöde und wallte zu dem benachbarten Kloster St. Ämilian, wo er auf sein Bitten unter die Jünger des heiligen Benedikt aufgenommen wurde. Dem scharfen Blick des Vorstehers entging nicht lange, dass der neue Bruder neben einer gereiften Tugend herrliche Geistesgaben besitze, denen aber noch die wissenschaftliche Ausbildung fehle, und er trug nun Sorge, dass diese Lücke ergänzt werde. In überraschend kurzer Zeit holte Dominikus die mangelnden Kenntnisse nach und wurde nun der Priesterweihe für würdig erachtet. In der Folge trat er sogar als Abt an die Spitze der Genossenschaft, und diese war unter seiner weisen und eifrigen Führung nahe daran, ihre höchste Blüte zu erreichen, als die Habsucht eines Großen der Welt mit roher Faust störend eingriff.

 

Den König Garcia von Navarra, in dessen Gebiet das Kloster lag, gelüstete es seit langem schon nach den Schätzen, die die Frömmigkeit der Gläubigen in der Kirche des heiligen Ämilian niedergelegt hatte. Ihrer habhaft zu werden, bestellte er den Abt zu sich und versuchte ihn anfänglich mit guten Worten zur Herausgabe zu bringen. Als aber Dominikus festen Sinnes erklärte, er wolle eher das Leben opfern, als auch nur einen Heller von dem Eigentum Gottes zu nehmen, schritt der verblendete Fürst zur Gewalt und sandte seine Kriegsknechte aus, das Kloster zu besetzen und die Mönche zu vertreiben. Diese suchten Zuflucht bei Ferdinand I., dem König von Kastilien und Leon, der sie bereitwillig aufnahm und ihnen das ehedem berühmte, damals aber in Verfall geratene Kloster Silos einräumte. Im Namen des Herrn bezog Dominikus mit seinen Gefährten die neue Wohnstätte und richtete sie bald wieder auf das Beste ein. Sein über ganz Spanien sich verbreitender Ruf zog viele heilsbegierige junge und selbst gereifte Männer herbei, um unter seiner Anleitung den Weg der Vollkommenheit zu betreten. Je reicher die Mönche von Silos an Tugenden wurden, desto mehr segnete sie der Herr auch im Zeitlichen, und das Einkommen des Klosters wurde in den 23 Jahren, während der Dominikus hier als Abt waltete, weit bedeutender, als es je gewesen war. Den Überschuss wendete der Heilige den Notleidenden aller Art, besonders den in der Gefangenschaft der Mauren schmachtenden Christen zu. Diese zu erlösen gab er nicht nur von dem Eigenen große Summen hin, sondern bettelte auch bei den Großen und Reichen ansehnliche Beisteuern zusammen. Daneben opferte er für sie Gott viele Gebete, heilige Messen und Bußwerke auf, und es war weniger das leibliche Elend, das auf den unglücklichen Sklaven lastete, als vielmehr die Gefahr, in der ihr Seelenheil unter den Ungläubigen schwebte, was ihn zu diesen Werken der Barmherzigkeit drängte. Bald erfuhren die Gefangenen, welch gütigen und besorgten Vater sie an Dominikus hätten, und viele setzten ein solches Vertrauen auf ihn, dass sie ihn, obwohl er noch lebte, wie einen schon verklärten Himmelsbürger um seine Fürbitte bei Gott anriefen. Die Chroniken des Benediktinerordens berichten, dass auf diese Weise mehrere wunderbarlich ihre Freiheit erhielten und dann zum Zeichen des Dankes ihre Ketten im Kloster des Heiligen niederlegten.

 

Wie im Leben, so war auch im Sterben der ruhmwürdige Abt den seinigen ein Vorbild. Während seiner letzten Krankheit ließ er das Kruzifix fast nie aus den Händen, küsste es vielmals auf das Andächtigste und gab in Umfangung desselben den Geist auf – am 20. Dezember 1073.

 

Der heilige Philogonius, Rechtsanwalt und Bischof von Antiochia,

+ 20.12.323 – Fest: 20. Dezember

 

Der heilige Philogonius, Bischof von Antiochia, war ursprünglich Rechtsgelehrter und trat mit Auszeichnung in seinem Beruf und im christlichen Leben auf. Man bewunderte allgemein seine Beredsamkeit, noch mehr aber die Unbescholtenheit und Heiligkeit seiner Lebensweise. Aus diesem Grund hielt man sich berechtigt, von den Satzungen, nach denen keiner, der nicht eine gewisse Zeit lang im geistlichen Stand gelebt hat, zu den höchsten Kirchenämtern erhoben werden konnte, in Bezug auf ihn eine Ausnahme zu machen, und wählte ihn im Jahr 318 zum Bischof von Antiochia. Nur fünf Jahre aber dauerte seine Verwaltung, denn er verstarb schon am 20. Dezember 323. Der heilige Chrysostomus lobte in der Gedächtnisrede, die er 386 am Jahrestag seines Ablebens hielt, seinen Eifer und die Weisheit seiner Amtsführung, und führt als Beleg den blühenden Zustand der Kirche von Antiochia unter seinem Episkopat an. Ferner ist von ihm aufgezeichnet, dass er, nachdem der heilige Bischof Alexander die Gottlosigkeiten des Arius verdammt hatte, auch seinerseits laut und kräftig die echt katholische Lehre in Schutz nahm.

 

21. Dezember

 

Der heilige Thomas, Apostel und Martyrer zu Kalamina,

+ 1. Jhd. – Fest: 21. Dezember

 

Noch fünf Tage sind es bis zum Weihnachtsfest, auf das uns in den letzten Wochen Sankt Martin, Sankt Elisabeth, Sankt Nikolaus und die herrlichen Blutzeuginnen Cäcilia, Katharina, Barbara und Lucia hingewiesen haben, die alle bereits in der Vorweihnachtszeit wie Rosen und Lilien dem Christkind zu Ehren im Kirchenjahr erblühen.

 

Je näher die hohe Zeit heranrückt, desto feierlicher wird es, denn gleich vor und gleich nach Weihnachten begeht die Kirche das Fest zweier Heiligen, die zu den vornehmsten gehöre, die es im Himmelreich gibt. Es sind die Apostel, und von diesen stellt die Kirche zwei, Sankt Thomas am 21. und Sankt Johannes Evangelist am 27. Dezember, wie mächtige, festlich brennende Kerzen neben die Krippe im Stall zu Betlehem.

 

Was weiß man denn eigentlich vom heiligen Thomas?

 

Das landläufige Wissen um diesen Apostel ist leider sehr beschränkt. Man weiß, dass Thomas, ein Fischer vom See Genezareth, Zwilling genannt wurde und der Zweifler an der Auferstehung Jesu war, und schließlich weiß man auch noch, dass derjenige, der am Thomastag, dem kürzesten Tag, zu spät in die Schule kommt, für das nächste Jahr den Namen „der faule Thomas“ führt, was an sich keine Ehre ist. Das ist alles, was man von Thomas weiß, und das ist sehr wenig. Nur davon weiß man nichts, dass dieser Apostel zu den anziehendsten Heiligen gehört, die man sich denken kann und der uns gerade jetzt zu Weihnachten etwas Schönes zu sagen hat.

 

Nur an drei Stelle wird uns im Evangelium vom heiligen Thomas kurz berichtet, aber nach dem, was da gesagt wird, muss er ein Mann gewesen sein, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte, ein wenig bedächtig zwar und vorsichtig, aber von einer unbedingten Treue und von einer männlich schönen Liebe zum Heiland.

 

Kurz vor dem bitteren Leiden, so berichtet das Evangelium, als es bereits brenzlich um ihn stand, hielt sich Jesus mit den Zwölfen verborgen, weil seine Stunde noch nicht gekommen war. Damals wurde er an das Kranken- und Sterbebett seines Freundes Lazarus nach Bethanien gerufen, und als er sich auf den Weg machen wollte, versuchten ihn die Apostel zurückzuhalten, indem sie ihm sagten, das dürfe er nicht tun, es sei viel zu gefährlich, man würde ihn umbringen und so weiter. Mitten in diesen aufgeregten Redeschwall platzte auf einmal der stille Thomas hinein und sagte fest und kernig: „Ihr Angsthasen und Feiglinge! Wenn der Heiland geht, gehen wir alle mit ihm, und wenn er stirbt, sterben wir mit ihm.“

 

Thomas, das hast du fein gemacht!

 

Als dann der Heiland einige Zeit später beim letzten Abendmahl Abschied von den Aposteln nahm und dabei geheimnisvoll von seinem Heimgang in das Haus des Vaters sprach, wo er ihnen eine Wohnung bereiten wolle, fiel ihm Thomas, der den Sinn der Worte nicht begriff, in die Rede und sagte in seiner biederen Art treuherzig zum Herrn: „Zeig uns nur den Weg! Wohin du gehst, gehen wir mit dir.“ So war Thomas, ein rechter Mann, unbedingt zuverlässig und von einer männlich schönen Liebe zum Heiland.

 

Als schließlich der auferstandene Heiland am Osterabend den Aposteln im Abendmahlssaal erschien, war Thomas nicht unter ihnen. Nachher berichteten ihm die übrigen das Ereignis in höchster Erregung mit Worten, die sich überstürzten und überschlugen. Doch dem bedächtigen Thomas kamen die Reden verdächtig vor, und frank und frei, wie es seine Art war, erklärte er: „Dass der liebe Heiland die Macht hat, von den Toten aufzuerstehen, ist mir klar, aber was ihr da sagt, ist so verworren, dass ich es nicht annehme, bevor ich selbst ihn nicht sehen und berühren kann.“ So spricht ein Mann, und der liebe Heiland hat dem ruhigen und vernünftigen Thomas die Rede nicht übelgenommen, denn wenige Tage später erschien er erneut den Aposteln, und Thomas, der diesmal zugegen war, durfte, wie er es sich gewünscht hatte, die Hand auf das Herz des lieben Heilandes legen, und da ist er in die Knie gesunken und hat vor lauter Glück und Freude nur die Worte sprechen können: „Mein Herr und mein Gott!“ Wie froh war er doch, dass alles so war, wie die anderen es ihm erzählt hatten!

 

So war Thomas, ein wenig bedächtig und vorsichtig, aber von einer unbedingten Treue und von einer männlich schönen Liebe zum Heiland, und so wissen wir nun, in welchen Gesinnungen wir uns in fünf Tagen bei der Krippe einfinden müssen, nämlich unbedingt zuverlässig in der Treue zum Heiland und in männlich schöner Liebe.

 

Der heilige Petrus Kanisius, Priester, Bekenner und Kirchenlehrer,

+ 21.12.1597 – Fest: 21. Dezember

 

Als der wilde Strom der sogenannten Reformation sich verheerend über die deutschen und die angrenzenden Länder ergoss und das sonst so einige Deutschland spaltete und zertrümmerte, als der alte Glaube verspottet, die göttlichen und kirchlichen Gebote mit Füßen getreten, das hochheilige Opfer verworfen, von den heiligen Sakramenten nur ein Bruchteil beibehalten und alle Autorität missachtet wurde, trat ein Mann auf, der als Bollwerk des Glaubens dem verwüstenden Strom des Unglaubens und Irrglaubens sich entgegenstemmte und überall als rettender Engel die Sinkenden stützte, die Gefallenen aufhob und die Schwankenden zur Ausdauer ermunterte. Dieser hochverdiente Beschützer und Erhalter des katholischen Glaubens in vielen Ländern Deutschlands war Petrus Kanisius.

 

In demselben Jahr, in dem Luther durch seine offene Erklärung in Worms seine neue Lehre besiegelte, wurde Petrus Canisius am 8. Mai 1521 zu Nimwegen im damaligen zu Niederdeutschland gehörenden Herzogtum Geldern aus der Familie de Hondt geboren. Er studierte auf der Hochschule zu Köln Philosophie, Rechtsgelehrsamkeit und Theologie mit dem glänzendsten Erfolg. Frühzeitig weihte er sich Gott durch das Gelübde der ewigen Keuschheit und wurde am 8. Mai 1543 von Peter Faber zu Mainz in die Gesellschaft Jesu aufgenommen, die erst vor drei Jahren (27. September 1540) von Papst Paul III. als neuer Orden bestätigt worden war. Als Novize nach Köln zurückgekehrt, vollendete er mit Auszeichnung seine Studien, und verteilte das bedeutende Vermögen, das er von seinem verstorbenen Vater erbte, bis auf den letzten Pfennig unter die Armen und zu kirchlichen Zwecken.

 

Nach abgelegten Ordensgelübden und empfangener Priesterweihe widmete sich Kanisius mit großem Eifer der Predigt, der Christenlehre und Seelsorge und seine Leistungen setzten alle in Erstaunen. Damals war selbst der Kurfürst und Erzbischof von Köln, Hermann von Wied, von der neuen Lehre angesteckt und suchte Köln zum Protestantismus zu verleiten. Die Stadt, die Universität und Geistlichkeit sandten den noch jungen, aber höchst angesehenen Kanisius an Kaiser Karl V. nach Worms und bewirkte im Jahr 1547 die Absetzung des abtrünnigen Erzbischofs, wofür ihm die Bürger Kölns noch heute danken.

 

Während seines Aufenthaltes beim Kaiser lernte ihn der Bischof von Augsburg, Kardinal Otto Truchseß von Waldburg kennen und sandte den kenntnisreichen und seeleneifrigen Jesuiten zum allgemeinen Konzil nach Trient. Von dort zog er mit den Vätern nach Bologna, begab sich dann zum ersten Mal nach Rom, blieb fünf Monate lang bei dem Stifter seines Ordens, dem heiligen Ignatius von Loyola, um sich unter dessen Leitung im Ordensgeist zu vervollkommnen, und übernahm dann die Erziehung der Jugend zu Messina in Sizilien.

 

Der gute Herzog Wilhelm von Bayern erbat sich vom heiligen Ignatius einige Lehrer seines Ordens, um die Universität Ingolstadt im wahren Glauben zu erhalten. Kanisius wurde aus Messina abberufen und mit zwei anderen Jesuiten nach Ingolstadt geschickt. Auf der Rückreise wurde er zu Bologna zum Doktor der Theologie promoviert, und widmete sich als Professor der Dogmatik zu Ingolstadt mit solcher Auszeichnung, dass er bald zum höchsten Ehrenamt, zum Rektor der Universität befördert wurde (1549).

 

Im Jahr 1551 folgte Kanisius dem Ruf des Kaisers Ferdinand I. nach Wien, damit er dem Umsichgreifen der neuen Lehre in der Hauptstadt des Reiches steuere. Mehrere Klöster standen dort leer, die Priester wurden verhöhnt und verfolgt, seit 20 Jahren war kein Priester mehr geweiht worden, mehr als 300 Pfarren hatten keine Priester. Kanisius ging mit Gottvertrauen an das Riesenwerk. Als Lehrer der Theologie, als Hofprediger und Rektor des Kollegiums entwickelte er solche gesegnete Tätigkeit, dass er von Tag zu Tag an Zutrauen gewann, die Schwankenden im Glauben befestigte und viele Abgefallene wieder zur Kirche zurückführte. Die rührende Aufopferung, die er bei der ausgebrochenen Pest zeigte, während die protestantischen Prediger entflohen, erwarben ihm die Herzen des Volkes. Unter den Studenten führte er bessere Sitten ein, aus den Volksschulen verbannte er die ketzerischen Bücher, hielt eifrig Christenlehre für die Kinder, besuchte die Spitäler und Gefängnisse und wirkte durch Wort und Tat unsäglich viel Gutes.

 

Kaiser Ferdinand schätzte den frommen und gelehrten Jesuiten sehr hoch, zog ihn in den schwierigen Religionsangelegenheiten stets zu Rate, übertrug ihm die Abfassung eines größeren und kleineren Katechismus, den man den beiden von Luther verfassten entgegensetzen könnte, und bot ihm dankbar die bischöfliche Würde an. Kanisius schlug diese Würde entschieden aus, übernahm indes vier Jahre lang (1554-1558) die Verwaltung des Wiener Bistums. In kurzer Zeit war die Ordnung wiederhergestellt.

 

Vom eiligen Ignatius zum ersten Provinzial seines Ordens in Deutschland ernannt (1556), erwarb er sich um die Ausbreitung der Gesellschaft Jesu in Deutschland unsterbliche Verdienste. Als er nach Prag kam, um dort ein Kolleg zu gründen, wurde er von den Glaubensgegnern mit Kot und Steinen beworfen. Aber durch seine Geduld und Sanftmut entwaffnete er seine Gegner und gelangte bei ihnen zu solchem Ansehen, dass sie ihm ihre Söhne zur Erziehung anvertrauten.

 

Von Prag reiste Kanisius nach Bayern, um in mehreren Städten Kollegien zu gründen. In Augsburg warf sich ihm der Kardinalbischof Otto zu Füßen und wollte trotz des entschiedenen Widerspruchs sich nicht eher erheben, bis er dem Heiligen die Füße gewaschen hatte. Von den Protestanten wurde er vielfach begeifert und verleumdet, aber der Glanz seiner Tugenden, die Macht seiner Rede, die Liebe seines Herzens triumphierte über alle Angriffe. Predigend und segnend kam er nach Worms, Schletstadt, Breisach, Freiburg, ermunterte in Polen den schwachen König und die höhere Geistlichkeit zur Treue im Glauben und zur Abwehr der bereits stark um sich greifenden Irrlehre. Ihm ist es nächst Gott vorzugsweise zu danken, dass Polen bis heute katholisch geblieben ist.

 

Abermals wurde Kanisius zum Konzil nach Trient berufen und von ihm beauftragt, die Beschlüsse den deutschen Reichsfürsten zu überbringen. Als das geschehen war, reiste er wieder in verschiedene Städte, um den Glauben wiederherzustellen und es gelang seinen Mühen, Würzburg und Erlangen wieder im Glauben zu befestigen. Sieben Jahre lang versah er das Amt eines Hofpredigers zu Innsbruck und wünschte als alter Mann von 60 Jahren sich in die Verborgenheit zurückzuziehen, aber der päpstliche Nuntius in Luzern bat ihn dringend, in die Schweiz zu kommen, um dem verheerenden Umsichgreifen des Protestantismus zu wehren und ein Jesuitenkollegium in Freiburg zu gründen. Die betörten Bewohner der Stadt wollten nichts davon wissen, aber die Geduld und Festigkeit des gelehrten und heiligen Kanisius brachte das Werk zustande. Noch 17 Jahre arbeitete, betete, lehrte und litt er und hatte bei seinem Tod am 21. Dezember 1597 die Freude, dass kein Irrlehrer mehr im ganzen Kanton Freiburg wohnte. Bei seinem Tod entstand in der Stadt ein solches Weinen und Wehklagen, wie über ein allgemeines Unglück. Aus großer Verehrung küssten die Leute dem Leichnam Hände und Füße, berührten ihn mit ihren Rosenkränzen und schätzten sich glücklich, einige Haare oder ein Stückchen von seinem Kleid zu erhalten. Sein Leib wurde in der Jesuitenkirche zu Freiburg bestattet und durch viele Wunder verherrlicht. Am 20. November hat ihn Papst Pius IX. selig gesprochen, und am 21. Mai 1925 erfolgte durch Papst Pius XI. die Heiligsprechung und die Ernennung zum Kirchenlehrer. Unter den Schriften des heiligen Petrus Kanisius haben besonders seine beiden Katechismen jahrhundertelang die gesegnetsten Früchte getragen.

 

Der heilige Themistokles, Hirte und Märtyrer in Lycien,

+ 249-251 – Fest: 21. Dezember

 

Der heilige Themistocles, Hirt und Märtyrer, war gebürtig aus dem Gebiet von Myra in Lycien. Zur Zeit, als die Verfolgung unter Kaiser Decius wütete, verbarg sich auf dem Berg, wo er seine Schafe weidete, ein Christ mit Namen Doiscorus. Da kamen die Häscher und wollten den Flüchtling gefangen nehmen. Themistocles aber war nicht dazu zu bringen, den Ort zu verraten, wo der Flüchtling sich verbarg, und erklärte zuletzt sogar, dass er selbst sich zur christlichen Religion bekenne, wie der, den sie suchten. Sogleich nahmen sie ihn mit sich und führten ihn vor den Statthalter Lyciens. Der ließ ihn auf seine Weigerung, dem Glauben abzuschwören, auf das Rösschen spannen und mit Ruten peitschen. Nach dieser Tortur schleifte man ihn ganz nackt auf Kieselsteinen und spitzen Eisen. Unter diesen Qualen gab er den Geist auf.

 

22. Dezember

 

Die heiligen Martyrer Flavian, Präfekt und Martyrer von Rom,

+ 22.12.363,

Dafrosa, Witwe und Martyrin von Rom,

+ 4.1.362,

Bibiana, Jungfrau und Martyrin von Rom,

+ 2.12.363,

und Demetria, Jungfrau und Martyrin von Rom,

+ 21.6.362

Fest: 22. Dezember

 

Zur Zeit Konstantins des Großen lebte in Rom ein Mann ersten Ranges und verehrt von jedermann wegen seiner Weisheit, Gerechtigkeit und christlichen Liebe, Flavian mit Namen. Der Kaiser hatte ihn im Hinblick auf seine Tugenden zum Präfekten der Weltstadt erhoben, was dazumal die vornehmste Ehrenstelle war, und er erfüllte die Pflichten seines hohen Amtes in ihrem ganzen Umfang. Mit dem größten Eifer erstrebte er stets nur das Beste seiner Untergebenen und war zumal die kräftigste Stütze und das voranleuchtende Beispiel der Christen.

 

So lange der rechtgläubige Konstantin das Staatsruder führte, ging alles gut; aber nach dessen Tod kam jener Konstantius auf den Thron, den wir aus der Lebensgeschichte des heiligen Athanasius als einen eingefleischten Arianer und wütenden Feind der Katholiken kennen. Eine seiner ersten Regierungshandlungen war, Flavian seiner Würde zu berauben, weil man ihm zugetragen hatte, dass er frei und öffentlich der Gottheit Christi Zeugnis gebe und die Bewohner Roms in dieser Lehre stärke. Schlimmer noch wurde dem treuen Bekenner von Kaiser Julian dem Abtrünnigen mitgespielt, der den unsinnigen Plan gefasst hatte, das verfaulte Heidentum im Römerreich wieder herzustellen, und deswegen die christliche Kirche mit Feuer und Schwert verfolgte. Ihm galten alle, die es mit dem „Nazarener“ hielten – so nannte er spottweise den Heiland – für Feinde des Staates, die um jeden Preis unschädlich gemacht werden müssten, und in seinem Hass war er um die Mittel nicht verlegen. Wo List und Überredung nicht ausreichten, die Gläubigen zum Abfall zu bringen, wurde zur Drohung und Gewalt geschritten. Bei Flavian fruchteten alle diese Künste der Tyrannei nichts. Festen Mutes sagte er zu Apronian, dem neuen Statthalter Roms, der ihn vor seinen Richterstuhl befohlen hatte: „Ich bin ein Christ und bleibe ein Christ, und in diesem Bekenntnis will ich leben und sterben.“ Da ließ ihm der Statthalter auf öffentlichem Markt die Zeichen des Adels von den Kleidern reißen und mit einem glühenden Eisen das Brandmal der Verbrecher auf die Stirn brennen. Überdies wurde er ins Elend verwiesen, und die Soldaten, die ihn zum Ort der Verbannung geleiten mussten, erhielten den Befehl, ihn auf jede Art, nur nicht bis zum Tod, zu misshandeln. Hart genug waren diese Qualen, indes schmerzlicher noch fiel dem Dulder, dass er Frau und Kinder verlassen musste, in der Voraussicht, dass man mit ihnen wegen ihrer Anhänglichkeit an den Gekreuzigten nicht glimpflicher verfahren werde. Aber er zeigte auch hier, was ein Christ sei und vermöge, unterwarf sich heldenmütig der göttlichen Fügung und befahl die Seinen voll des Vertrauens der Obhut der Vorsehung. Womit er sich in der Verbannung tröstete, war das Gebet. Hierdurch wurde er so gestärkt, dass man ihn unter den schwersten Drangsalen und Verunglimpfungen, unter Hunger und Not nie bedrückt, sondern stets heiteren Sinnes sah. Mitten im Gebet, das Haupt tief zur Erde geneigt, beschloss er auch sein langes und glorreiches Martertum mit einem seligen Tod. Das geschah im Jahr 363. Die Kirche feiert sein Andenken am 22. Dezember.

 

Flavians Gattin und seiner in jeder Hinsicht war Dafrosa. Wie er vorausgeahnt, wurde nach seiner Verhaftung auch sie der Verfolgung ausgesetzt. Apronian ließ sie in den Kerker werfen, und, weil er sie dem Heiland nicht abspenstig machen konnte, bald darauf enthaupten. Ihr Fest fällt auf den 4. Januar.

 

Die heiligen Eltern hinterließen zwei Töchter, Bibiana und Demetria, die Erben ihres Glaubens und ihrer Standhaftigkeit im Bekenntnis Jesu. Es dauerte nicht lange, so forderte der Statthalter auch sie auf, den Götzen zu opfern, in der Hoffnung, die Töchter gefügiger zu finden, als Vater und Mutter. Aber er irrte sich. Die zarten Jungfrauen setzten seinen Zumutungen den entschlossensten Widerstand entgegen und verharrten unerschütterlich in der Liebe und Treue zum Erlöser, bis sie unter den über sie verhängten Martern den Geist aufgaben. Die Christen beerdigten sie neben ihren Eltern und erbauten nach Julians Tod über der Grabstätte eine Kapelle, die Papst Simplicius später in eine geräumige Kirche umwandelte. Die heilige Bibiana nennt das römische Martyrologium am 2. Dezember und die heilige Demetria am 21. Juni.

 

23. Dezember

 

Der heilige Johannes von Kenty,

Priester, Professor in Krakau,

+ 24.12.1473 - Fest: 23. Dezember

 

Alt ist der Mann, der da im abgetragenen, zerfransten Priesterrock und in Schuhen, aus denen die Zehen vorwitzig hervorschauen, über die Berge der Alpen wandert auf Pilgerfahrt nach Rom. Mühsam zieht er Schritt für Schritt die Füße nach, als wären es Holzklötze. Es ist gut, dass der Pilger ins Träumen gerät, denn wenn er denkt und nachsinnt, merkt er nicht bei jedem Schritt, wie todmüde er ist.

 

Von weit her kommt er schon. Sechs Monate bereits dauert die Wanderung von Kenty bei Krakau in Polen, und weil er von Kenty kommt, nennen ihn die Lateiner Cantius, Johannes Cantius also. Sieben Paar Schuhe hat er bisher auf der Wallfahrt verbraucht, und für das achte Paar ist es längst an der Zeit. Aber wenn einer eine Pilgerreise macht, soll er, so meint der Alte, nicht allzu viel nach solchen Dingen fragen. Und bald ist er ja am Ziel, im Mittelpunkt der Welt, an Sankt Peters ruhmreichem und gnadenvollem Grab. Hell jubelt bei diesem Gedanken das Herz des Wallfahrers auf.

 

Es ist nicht das erste Mal, dass Johannes von Kenty nach Rom pilgert. Dreimal war er schon dort und einmal im Heiligen Land. Viel ist er gewallfahrtet in Hunger und Durst, in Kälte und Hitze, unter mancherlei Mühen und Beschwerden, aber gerne hat er es immer getan und alle Härten der weiten Fußwanderungen auf sich genommen zur Sühne für seine Schuld und weiß dabei nicht – was übrigens alle Heiligen nicht wissen –, dass er ein Heiliger ist.

 

Zur Sühne für seine Schuld! Welche Schuld? Oh, die Heiligen haben scharfe Augen und bemerken das Stäubchen auf der Waage, wo andere in ihrer Blindheit schwere Steine übersehen. War er, Johannes von Kenty, nicht Pfarrer in der großen Gemeinde Ilkusi gewesen mit der schweren Verantwortung für tausend unsterbliche Seelen? Weit mehr jedoch bedrückten den ehrwürdigen Priestergreis die langen Jahre seiner Lehrtätigkeit am Seminar zu Krakau, wo er Hunderte und Hunderte von Seelsorgern herangebildet hat. Ob er da wohl voll und ganz seine Pflicht erfüllt hat? Wie gesagt, Heilige sehen das Stäubchen auf der Waage, und deshalb wollte der Alte für seine Pflichtverletzungen durch die neue und wohl letzte Pilgerfahrt seines Lebens büßen. So denken die Heiligen, und diese Gedanken sind durchaus ehrlich bei ihnen.

 

He! Johannes von Kenty, weißt du denn nicht, dass du als Seelsorger mehr als nur deine Pflicht getan hast? Übersiehst du, dass du den Schülern im Seminar nicht nur umfangreiches Wissen, sondern in Wort und Beispiel auch, echte, tiefe, hingebende Frömmigkeit lehrtest? Denkst du nicht mehr daran, dass du oft nicht einmal das Nötigste zum Leben hattest, weil du alles verschenkt hast? Sogar die Schuhe von den Füßen und die Hose unter dem langen Priesterrock hast du weggegeben, wenn dich ein Armer auf der Straße anbettelte. Nicht einmal, zehnmal, zwanzigmal hast du solche außergewöhnlichen Werke der Nächstenliebe vollbracht, du alter Mann im Lumpenrock, du hochedler Ritter im Heer des Christkönigs!

 

Nein, an all das denkt der Träumende nicht, sondern er liegt plötzlich der längelang auf dem Weg. Das waren sicher Kinder, die ihn ärgern wollten und das Seil über den Weg gezogen hatten, das er übersah! Doch wenn es nur übermütige Kinder gewesen wären! Etwas ganz anderes war es, denn da ertönt ein Pfiff, und aus dem Gebüsch rechts und links treten Räuber. Sie umzingeln den Pilgersmann und rauben ihm den letzten Pfennig aus der Tasche. Und bevor sie sich wieder verziehen, brüllt der Räuberhauptmann den Ausgeplünderten an, ob das auch wirklich alles sei, was er bei sich hat. „Ja, alles, alles, alles“, entgegnet verstört der Gefragte und denkt im Augenblick nicht daran, dass ihm seine Schwester in ihrer vorsorglich klugen Art fünf Goldstücke in den Kleidersaum eingenäht hatte. Und nun ist es für Johannes von Kenty wirklich ein wahres Glück, dass ihm dies wenige Augenblicke später einfällt, denn da konnte er noch die Räuber zurückrufen und sich entschuldigen, und sie sollten doch nicht meinen, dass er sie angelogen habe, er habe wirklich nicht an die Goldstücke gedacht. Mit diesen Worten öffnet der Heilige den Kleidersaum und übergibt den Banditen auch die fünf Goldstücke.

 

Da solltest du die Gesichter gesehen haben! Der Räuberhauptmann sagte tief beeindruckt zu Johannes von Kenty:

 

„ Nun weiß ich wieder, dass es noch Gutes auf der Erde und einen Gott im Himmel gibt. Behalte dein Geld, und hier ist alles, was dir gehört, und bete für mich und für uns alle.“

 

Auf diese Worte musste natürlich Johannes von Kenty antworten, und so schmiedete er gleich das Eisen im Feuer, und zum Schluss der Rede folgten die Räuber dem Heiligen in die nächste Kirche, und da setzte sich der Mann Gottes in den Beichtstuhl, und die wilden Gesellen traten einer nach dem anderen hinzu. Was sie da in den Beichtstuhl brachten, das hatte wirklich Gewicht. Als Johannes von Kenty dann den letzten absolviert hatte und aufstand, sagte er leise, befriedigt und anerkennend vor sich hin:

 

„Wahrhaftig, das war eine Pilgerfahrt wert!“

 

Am 24. Dezember 1473 holte das Christkind seinen treuen Diener durch einen seligen Tod zur ewigen Belohnung heim, gerade recht zur Weihnachtsfeier im Himmel.

 

Der heilige Servulus, Bettler und Bekenner von Rom,

+ 23.12.590 - Fest: 23. Dezember

 

Servulus war ein Zeitgenosse des Papstes Gregor des Großen. Von Kindheit an gelähmt, und zwar in dem Grad, dass er sich weder aufrecht halten, noch eine Hand zum Mund hin bewegen, noch auf seinem Lager ohne Hilfe von einer Seite zur anderen sich wenden konnte, lebte er von den milden Spenden der Barmherzigkeit. Die Seinigen trugen ihn täglich in den Vorhof der Kirche zum heiligen Clemens in Rom, wo er die Almosen der Vorübergehenden empfing. Von diesen Gaben ernährte er sich und seine ebenso arme Mutter, und was von dem notdürftigsten Unterhalt übrig blieb, teilte er an noch ärmere aus. Nicht selten sogar öffnete sich die Hütte des großherzigen Bettlers gastlich Pilgern und Fremden, die an den Türen der Reichen vergebens um ein Obdach gefleht hatten. Seine Leiden und Demütigungen wurden für ihn eine Quelle reicher Verdienste durch den guten Gebrauch, den er davon machte. Er zeigte sich als ein Muster der Geduld, der Ergebung und der Sanftmut. Ungeachtet seines elenden Zustandes hörte man aus seinem Mund nie einen Laut der Klage, geschweige denn des Zorns; vielmehr pries er Gottes Anordnungen dankbar bei Tag und Nacht. Er konnte nicht lesen, kaufte sich aber dennoch die heiligen Schriften und bat, so oft sich eine Gelegenheit ergab, gottesfürchtige Menschen zu sich, dass sie ihm daraus vorlesen möchten. Auf diese Weise lernte er den Inhalt der göttlichen Bücher vollkommen kennen und richtete sein Leben danach ein. Als seine Krankheit von den äußeren Gliedern sich auf die edleren Teile des Körpers warf und er das Herannahen seines Endes fühlte, rief er mitten in der Nacht die Pilger, welche eben damals als Gäste im Haus waren, an sein Lager und bat sie, die Psalmen anzustimmen. Sie taten es; nach einiger Zeit aber unterbrach er plötzlich den Gesang und rief aus: „Stille – Haltet ein! – hört ihr nicht den süßen Klang, der aus den Himmeln tönt?“ Vertieft in die Lieder der Engel, die sein innerer Sinn vernahm, gab er den Geist auf. Im selben Augenblick entquoll der Leiche ein unbeschreiblich süßer Wohlgeruch, der die Umstehenden mit Entzücken erfüllte und bis zur Beerdigung andauerte.

 

Man setzt den Tod des Heiligen in das Jahr 590. Gregor der Große, der in seinen Homilien dessen Geschichte erzählt, fügt die Bemerkung bei, dass sein ganzes Leben ein Verdammungsurteil für jene sei, die im Genuss einer festen Gesundheit und eines namhaften Vermögens keine Werke der Barmherzigkeit tun und das geringste Kreuz zu tragen nicht imstande sind.

 

Der selige Hartmann, Bischof von Brixen, Tirol,

+ 23.12.1164 – Fest: 23. Dezember

 

Einer der heiligsten und seeleneifrigsten Bischöfe seiner Zeit war der selige Hartmann, Bischof von Brixen in Tirol. Zu Polling bei Weilheim von armen, aber frommen Eltern geboren, genoss er im St. Nikolauskloster eine vortreffliche Erziehung und nahm von Tag zu Tag an Gottesfurcht und Weisheit zu. Sein sehnlichster Wunsch, Gott ungeteilt im Orden dienen zu dürfen, wurde erfüllt und er zeichnete sich vor allen seinen Ordensbrüdern durch Abtötung, Selbstverleugnung, religiösen Eifer und Heiligkeit so vorteilhaft aus, dass ihm Erzbischof Konrad von Salzburg die Leitung seines neuerrichteten Klosters der regulären Chorherrn übertrug und ihn später unter den größten Lobeserhebungen als Propst nach Herren-Chiemsee sandte. Auf das dringende Begehren des heiligen Markgrafen Leopold von Österreich begab er sich eine Zeit lang nach Kloster-Neuburg bei Wien und erweckte überall durch seine Demut und Frömmigkeit unter seinen Mitbrüdern das Streben nach Vollkommenheit. Gott begnadigte seinen treuen Diener mit der Wundergabe, die nicht wenig zu seinem Ansehen beitrug. Nach dem Tod des heiligen Markgrafen Leopold empfahl ihn Papst Innocenz II. in einem eigenhändigen Sendschreiben der Markgräfin und ihren Söhnen, „sie sollte ihn in allem ehren und ihm allwärts an die Hand gehen.“

 

Einst sprang er bei einer geistlichen Lesung plötzlich auf und rief schleunigst seine Leute aus dem Nebengebäude. Kaum waren sie alle herausgekommen, so stürzte das Gebäude zusammen und hätte sie unfehlbar verschüttet, wenn nicht der Mann Gottes rechtzeitig gewarnt hätte. Ein anderes Mal rettete er gefährdete Schiffsleute auf der Donau vom sicheren Tod.

 

Nach dem Tod des Bischofs von Brixen wurde der seeleneifrige Mönch Hartmann von der Geistlichkeit und dem Volk einstimmig zu seinem Nachfolger erwählt (1142). Die Demut des heiligen Mannes sträubte sich gegen eine solche Würde und Bürde des bischöflichen Amtes an und wurde unter dem Jubel des Volkes feierlich konsekriert. Die Erwartungen der christlichen Herde wurden weit überboten. Es ist kaum zu sagen, wieviel Gutes er getan, welche Wunder er gewirkt, wie streng er gefastet, wie heilig er gelebt, wie freimütig und entschieden er die Rechte der Kirche verteidigt hat. Unter Beihilfe eines kinderlosen Edelmannes, namens Reinbert, errichtete er ein Chorherrnstift bei Brixen. Auf der Reichsversammlung zu Regensburg im Jahr 1156 half er dem Kaiser den langwierigen Streit zwischen Herzog Heinrich Jasomirgott und Heinrich dem Löwen über das Herzogtum Bayern schlichten.

 

Das einfache, abgetötete Leben Hartmanns erregte allgemeine Bewunderung. Nur einmal am Tag genoss er eine kärgliche Nahrung, trug auf dem Leib ein härenes Kleid, geißelte sich oft bis aufs Blut, hielt strenges Stillschweigen und verwendete den größten Teil der Nacht zum Beten und Betrachten. Täglich beichtete er mit inniger Reue und unter vielen Tränen nicht allein seine eigenen kleinen Sünden, sondern er nahm auch die Sünden anderer auf sich und ließ sich für sie von seinem Kaplan blutig geißeln. Er pflegte zu sagen: „Je höher wir gestellt sind, desto bußfertiger und demütiger müssen wir uns betragen.“

 

Als Kaiser Friedrich Barbarossa den rechtmäßigen Papst anfeindete, sich mit dem Gedanken einer deutschen Nationalkirche beschäftigte und Zwiespalt unter den Kirchenfürsten stiftete, schloss sich Hartmann mit dem Erzbischof von Salzburg umso inniger dem päpstlichen Stuhl an und verteidigte entschieden die Rechte der Kirche, unbekümmert um den Zorn des Kaisers. Musste er für seine Pflichttreue manche Bitterkeiten verkosten, so lohnte ihm Gott mit inniger Zufriedenheit, mit der Gabe, in den Herzen der Menschen zu lesen und mit vielen und großen Wundern. Eine mit Geschwüren bedeckte Frau trank ein wenig von dem Wasser, mit dem der Bischof die Hände wusch, und sogleich wurde sie von allen Geschwüren geheilt. In allen Nöten kamen die Bedrängten von nah und fern und erhielten durch das Gebet und den Segensspruch des heiligen Bischofs Hilfe. Sein Ruhm stieg von Tag zu Tag mit seiner Demut und Heiligkeit.

 

Bei Gelegenheit eines Leichenbegängnisses sagte er seinen Tod voraus: „In acht Tagen ist die Reihe an mir.“ Mit tiefster Zerknirschung beichtete er zwei Tage vor Weihnachten noch einmal alle seine kleinen Vergehen und feierte das heilige Messopfer. Danach nahm er auf den Rat der Ärzte wegen eines Ausschlages am ganzen Körper ein Bad. Schon nach wenigen Augenblicken wurde er darin tot aufgefunden, das Haupt über dem Wasser auf die Hand gestützt, in himmlischer Verklärung, mit freundlichem Aussehen.

 

Mitten im Dom zu Brixen ruhen seine sterblichen Überreste. Wie im Leben bezeugte der heilige Hartmann auch nach seinem Tod seine Heiligkeit durch zahlreiche Wunder, und wird deshalb in Tirol, in Österreich und Bayern gern verehrt und angerufen.

 

Die heilige Viktoria, Jungfrau und Martyrin von Rom,

+ 23.12.250 – Fest: 23. Dezember

 

Die heilige Viktoria wurde von ihren Eltern in der christlichen Religion erzogen und fasste den Entschluss, sich in unversehrter Keuschheit allein dem Herrn zu widmen und nie einen anderen Bräutigam als Jesus zu wählen. Gott hatte großes Wohlgefallen an ihrem frommen Lebenswandel und begnadete sie mit der Gabe der Wunder, infolgedessen sich viele Jungfrauen um sie sammelten, um von ihr die Wege des Heils kennen zu lernen. Da geschah es, dass ein Heide mit Namen Eugenius, angezogen von ihrer blühenden Schönheit, um ihre Hand warb. Als er aber nicht zum Ziel gelangen konnte, klagte er voll der Rachgier sie bei dem Richter des christlichen Glaubens an. Der versuchte umsonst alle Mittel, um sie dahin zu bringen, dass sie den Götzen opfere und Eugenius heirate. Fortwährend standhaft abgewiesen ließ er ihr schließlich mit einem Schwert das Herz durchbohren. Viktorias Martertod fällt in das Jahr 250, da der berüchtigte Christenschlächter Kaiser Decius regierte.

 

Der selige Gaubald, 1. Bischof von Regensburg, Abt-Bischof,

+ 23.12.761 – Fest: 23. Dezember

 

Durch die römischen Soldaten kam das Christentum schon im zweiten und dritten Jahrhundert nach Bayern in die Donaugegend. Aber erst um 650 begann der heilige Emmeram eine regelrechte Missionierung in der Gegend von Regensburg, die um 700 der heilige Rupert fortsetzte. In Franken taufte Kilian und in Freising Korbinian. Die geordnete bischöfliche Verfassung verdanken wir dem heiligen Bonifatius, der im Jahr 739 die bischöflichen Sprengel von Regensburg, Freising, Passau und Salzburg ordnete und in den folgenden Jahren die Bistümer von Würzburg und Eichstätt gründete. Heilige waren die ersten Wanderbischöfe, ein Seliger eröffnet die Reihe der ordentlichen Bischöfe von Regensburg, dem Herrschaftssitz der bayerischen Volksherzoge und Frankenkönige.

 

Gaubald, Gawibald (Herbald, Garibald, Galbald) ist dieser Bannerträger der ehrwürdigen und ansehnlichen Schar der Regensburger Oberhirten, der von 739 bis 761 den Hirtenstab führte. Vermutlich war Gaubald vorher Vorstand des Klosters St. Emmeram. Bald wurde ihm auch noch die bischöfliche Würde übertragen. Mehr als zwei Jahrhunderte waren so die bischöfliche und abteiliche Gewalt in einer Person verbunden, wobei es Regel war, den Bischof abwechslungsweise aus dem Ordensklerus und den Kanonikern zu wählen. St. Emmeram war die Kathedralkirche, zu der erst später als neue Amtskirche des Bischofs innerhalb der Stadt St. Peter hinzukam. Der gelehrte Geschichtsschreiber Abt Trithemius nennt den seligen Gawibald einen „Mönch und Schüler des heiligen Bonifatius, ersten Bischof von Regensburg, einen ausgezeichneten Lehrer und Prediger, hervorragend durch Kenntnis der heiligen Schriften und musterhafte Sitten, der durch seine Predigten viele zu Christus bekehrte“. Diese knappe Kennzeichnung des Seligen besagt uns, dass er die zwei vorzüglichsten Eigenschaften eines Priesters und Oberhirten, die „beiden Augen“, nämlich Wissenschaft und Frömmigkeit in hohem Grad besessen hatte. Diese wirkten sich in einem großen Seeleneifer aus. Galt es doch den heiligen Glauben erst zu befestigen und nach Neuordnung der kirchlichen Hierarchie nun auch die Seelsorgsverhältnisse seines Sprengels neu zu beleben und sorgsam zu überwachen. Deshalb durchzog der selige Gaubald eifrig die Diözese und predigte mit viel Erfolg die christliche Glaubens- und Sittenlehre. Kirchen und Pfarreien wurden errichtet, unter Mitwirkung und kräftiger Förderung der Herzoge Otilo und Tassilo II., und den Klöstern als den Mittelpunkten und den fruchtbaren Herden christlichen Glaubenslebens und aufstrebender Kultur unterstellt. Ins Jahr 741 fällt die Gründung des nachher so berühmt und einflussreich gewordenen Klosters Niederaltaich durch Herzog Otilo und den Bischof Eddo von Straßburg, das in unseren Tagen wieder sich neu aus dem Ruin erhebt. Desgleichen wurde von Otilo Kloster Pfaffmünster, nördlich der Donau bei Straubing, gestiftet und wie Niederaltaich mit Mönchen aus Reichenau bevölkert, dessen Abt der Straßburger Bischof Eddo war, unter Beihilfe des heiligen Pirmin. Aufgabe Pfaffmünsters sollte die Rodung und Kultivierung des Bayerischen Waldes sein. Unter Gaubald fällt dann auch die Gründung Weltenburgs an der Donau durch Tassilo.

 

So wurde die Organisation der Seelsorgeverhältnisse der Diözese gefördert und ausgebaut. Für die Gesetze und den rechten kirchlichen Geist, der die Geistlichkeit und das Volk der neugegründeten bayerischen Diözesen innerlich neu gestalten und heben sollte, hatte schon der heilige Bonifatius im Auftrag des Heiligen Stuhles Sorge getragen. Zweimal hatte Papst Gregor III. den Apostel Deutschlands aufgefordert, „an der Donau ein Konzil zu halten“ und „befohlen, an Seiner Statt in Apostolischer Autorität daselbst anwesend zu sein“. Es ist uns keine ausdrückliche Nachricht über die Ausführung dieses so gemessenen Befehls des Papstes erhalten. Da aber Bonifatius im Jahr 740 mehrfach in Bayern anwesend war, kann mit Sicherheit geschlossen werden, dass tatsächlich die Synode (Kirchenversammlung) zu dieser Zeit in Regensburg stattfand, woran natürlich auch Gaubald regen Anteil hatte. Die notwendige Tieferbegründung des Christentums und die Erforschung der Mittel, wie man den bestehenden Übelständen am besten entgegenwirken könne, nebst der Abgrenzung und Einteilung der Diözesen, mochten die Gegenstände der Beratung gewesen sein. Das Gesetzbuch jener Zeit, die „Gesetze der Bajuarier“, enthält mehrere kirchliche Bestimmungen, von denen ja nicht erwiesen werden kann, von welcher Synode sie gegeben wurden, die aber als Ausführungen der Statuten des heiligen Bonifaz gelten müssen und in die Zeit des seligen Gaubald fallen. Sie geben uns recht interessanten Aufschluss über den Glauben und die Sittendisziplin, die damals erst neu eingeführt oder neu gefestigt werden musste. Da finden wir die Anschauungen und Verordnungen über Beicht, das heilige Messopfer, die Kommunion, auch schon über Ehehindernisse wie sie heute noch Glaube und Gebrauch der Kirche sind. So heißt es neben anderen:

 

„Can. 2. Die Priester sollen das christliche Volk ermahnen, das in der Taufe empfangene christliche Leben zu bewahren, sich von Unzucht rein zu halten . . ., in der Kirche fleißig zu beichten und nicht ohne Sterbesakramente dahin zu scheiden aus diesem Leben.

 

Can. 4. Sie (die Christen) sollen sich gewöhnen, ihre Oblationen (Opfergaben) beizubringen und für sich und ihre lebenden und verstorbenen Eltern opfern, was eine große Befreiung der Seelen von Verschuldungen ist (Genugtuungswert des heiligen Messopfers).

 

Can. 6. Dass sie das Opfermahl (Kommunion) zu empfangen nicht zögern und sich einige Tage vorher hierzu vorbereiten durch Enthaltsamkeit von Unlauterkeit und ehelichen Werken und dass man sich würdig mache durch Buße und Beicht, das Fleisch und Blut des Herrn zu empfangen, damit nicht, wie es leider von vielen zu geschehen pflegt, der Zeitraum von einem Jahr vorübergeht, ohne die Sakramente des Heils zu empfangen, da doch nie eine Woche darüber hingehen sollte. Doch ermahnen wir euch, dass es über den dritten und vierten Sonntag hinaus nicht vernachlässigt werde, da auch die Griechen, Römer und Franken jeden Sonntag kommunizieren.

 

Can. 9. Sie sollen an Mittwoch und Freitag zu fasten in Gebrauch nehmen.

 

Can. 12. Dass sie unordentliche und ungeprüfte Ehen meiden und es niemand wage zu heiraten, ohne es dem Priester, den Eltern und Nachbarn zu sagen, damit diese ihre Verwandtschaft prüfen können und es mit ihrem Rat und Willen geschehe.“

 

Andere Bestimmungen ermahnen, das abscheuliche Fluchen zu meiden, das Almosengeben zu lieben, Trunk und Streit zu meiden, gerechtes Maß und Gewicht zu gebrauchen usw.

 

Über eine andere Diözesansynode betreffend die Erhebung und Übertragung der Gebeine des heiligen Emmeram weiß der Geschichtsschreiber Bischof Aribo von Freising zu erzählen: „Unter Verschiedenem, was Gaubaldus gut anordnete und bestens ins Werk setzte, hielt er auch eine Beratung mit seinem Klerus darüber, dem heiligen Emmeram eine würdige Ruhestätte zu bereiten. Da viele Wunder solch ein Verlangen rechtfertigen und erwünscht machten, fand des Bischofs Vorschlag allgemeinen Beifall. Wozu viele Worte? Am festgesetzten Tag der Erhebung und Übertragung war eine ungeheure Menschenmenge, loberfüllt dem Heiligen gegenüber, zusammengeströmt. Die auserwählten Priester und Diakonen nebst jenen, die zur Eröffnung des Grabes notwendig waren, entfernten das Volk aus der Kirche und verschlossen die Türen. Nachdem sie in heiliger Ehrfurcht die Erde von dem Grab entfernt hatten und auch den Grabstein von der rechten Seite aus nach links etwa eineinhalb Handbreiten emporgehoben, überkam alle eine solch heilige Furcht, dass ihnen vor zu großer Scheu die Hände vom Stein fielen. Einer aber von denen die auf der rechten Seite waren, stützte seine Brust unter den Stein und hielt ihn trotz seiner ungeheuren Größe, so lange, freilich nicht durch seine Stärke, aufrecht, bis die anderen wieder Mut fassten und helfend beisprangen. Für dieses dreifache wunderbare Zeichen sprachen die anwesenden Geistlichen der heiligen Dreifaltigkeit laut ihren Dank aus. Unter freudigem Jubel des Volkes und des Klerus hoben sie nun den unvergleichlichen Schatz des Märtyrerleibes aus dem Grab, in dem er bisher beerdigt lag, und übertrugen ihn mit höchster Ehrfurcht in das neue Grabmal, das sie mit aller Sorgfalt zubereitet hatten, woran die Fürsten herrlich gearbeitete Tafeln und Platten aus Gold- und Silberblech, reich bedeckt mit Edelsteinen, befestigen ließen.“ Dieser neue Grabplatz war im Presbyterium der von Gaubald neu erbauten, erst später vollendeten Emmeramskirche, wohl an der Stelle im Südschiff der jetzigen Kirche, in der Georgskapelle, die durch eine prächtige Marmortumba ausgezeichnet ist.

 

In der Nähe dieser ehrwürdigen Stätte, beim Eintritt in die Ramwoldigruft, fand auch unser seliger Bischof Gaubald nach glücklicher Vollendung seines segensreichen Erdenlebens die letzte Ruhe.

 

Die katholische Kirche war immer eine liebend sorgende Mutter des Volkes. „Der Kirche König ist die Wahrheit, ihr Gesetz die Liebe, ihre Form die Ewigkeit“, sagt St. Augustin.

 

24. Dezember

 

Die heiligen Stammeltern Adam und Eva

 

Am Vortag des Weihnachtsfestes feiert die Kirche das Gedächtnis unserer heiligen Stammeltern. Es ist billig und recht, dass Adam und Eva trotz der Sünde im Paradies nicht verlorengingen, denn sie waren als die ersten Menschen von Gott in einzigartiger Weise erschaffen worden; ihnen wurde als den ersten der kommende Erlöser verheißen, und beide haben lebenslang danach getrachtet, in harter Buße ihre Schuld zu sühnen. Überaus sinnvoll ist es dazu, dass das Fest der Stammeltern, die von der Schlange besiegt wurden, am Tage vor der Geburt dessen begangen wird, der seinerseits die alte Schlange, welche der Satan ist, überwunden hat, und dass gerade heute des ersten Adams gedacht wird, der durch die Sünde den Tod in die Welt einführte, während morgen Christus geboren wird, der als der zweite Adam den Menschen Auferstehung und neues Leben brachte.

 

Legenden ranken um beide Stammeltern.

 

Von Adam weiß die Sage zu berichten, dass seine Reliquien stets in Ehren standen. Noach nahm sie mit sich in die Arche, und nach der Sintflut wurde der Schädel des Stammvaters auf dem Hügel Golgatha, der deswegen Schädelstätte heißt, gerade an der Stelle beigesetzt, wo die Schergen später das Kreuz errichteten, und als sich durch das Erdbeben beim Tod des lieben Heilandes der Felsen auf Kalvaria spaltete, wurde Adams Schädel bloßgelegt und von Christi Blut benetzt und gereinigt. Aus diesem Grund sieht man auf den Gemälden, welche die Kreuzigung darstellen, zuweilen einen Totenkopf abgebildet. Es ist der Schädel Adams.

 

Auch meinen die Gottesgelehrten, dass Adam bei der Ankunft Jesu in der Vorhölle der erste war, der von ihm die Frohe Botschaft über die Vollendung der Erlösung auf Golgatha vernahm, und wieder sei er der erste gewesen, der gleich hinter dem lieben Heiland am Himmelfahrtstag in den Himmel einzog. Das alles mag auch wohl auf diese Weise vonstatten gegangen sein, denn trotz der Sünde bleibt Adam der erste Mensch, dem deswegen größere Ehre gebührt.

 

Nicht minder schön als die Legende, die um Adam rankt, ist auch die, welche um Eva spielt.

 

Es war in der Heiligen Nacht zu Betlehem. Der Heiland ist geboren. Verklungen ist das Gloria der Engel, und die Hirten befinden sich auf dem Rückweg zu ihren Zelten. Sankt Joseph ist in einer Ecke des Stalles eingenickt. Auch das göttliche Kind schläft. Nur Maria, die hochgebenedeite Gottesmutter, kniet, in Andacht und Liebe versunken, wachend vor der Krippe.

 

Da öffnet sich lautlos die Stalltür. Eine Frau tritt ein, in Lumpen gehüllt, nur Haut und Knochen, uralt, mit einem zerfurchten Gesicht, das braun ist wie die Ackerscholle. Sehnsuchtsvoll ruht der Blick der Alten auf dem schlafenden Kind. Leise und behutsam nähert sie sich. Nur vier Schritte sind es von der Tür bis zur Krippe, aber nach der Art, wie die Frau die Schritte macht, sollte man meinen, sie schreite durch vier Jahrtausende.

 

Maria erschrickt, doch mag sie es auch nicht wehren, dass sich die Greisin über das aufwachende Kind beugt und ihm – es sieht wie eine Beichte aus – geheimnisvolle, unverständliche Worte zuflüstert, und dann langt die Frau aus ihrem Kleid einen scharlachroten Apfel hervor, der seit den Tagen des Paradieses das Sinnbild der Sünde ist, und reicht ihn dem Kind, das ihn ergreift und an die Brust drückt.

 

Maria zittert aus Angst um ihr Kind. Doch schon reckt die alte Frau sich hoch. Viel größer ist sie geworden. Alle Falten und Runzeln sind aus dem Antlitz verschwunden. So jung und frisch ist sie, dass man meinen sollte, Jahrtausende seien von ihr abgefallen, und in den Augen steht ein Glanz, hell wie tausend Weihnachtslichter. Tief neigt sich die Gestalt vor der Gottesmutter und spricht in demütiger Verehrung:

 

„Ave, Maria! Ich bin Eva.“

 

Sagt`s, verbeugt sich noch einmal, und mit einem letzten liebenden Blick auf das gütig lächelnde Kind schreitet die Stammmutter rücklings auf den Ausgang zu und verschwindet im anbrechenden Morgen.

 

Schön ist die Legende von unserer Stammmutter Eva, sinn- und lehrreich dazu, denn sie gibt uns die Anregung, heute, am Tag vor Weihnachten, falls es noch nicht geschehen ist, eine gute heilige Beichte abzulegen und dann immerfort, alle Stunden, die Ursache unseres Heils, die liebe Gottesmutter, still im Herzen zu grüßen:

 

Ave, Maria zart, du edler Rosengart,

Lilienweiß, ganz ohne Dornen.

Ich grüße dich zur Stund mit Gabrielis Mund:

Ave, die du bist voll der Gnaden.

 

Durch Evas Apfelbiss Gott uns verstoßen ließ,

Und sollten ewig sein verloren.

Da ist göttliches Wort, Jesus, dein Söhnlein zart,

Zu unserm Heil ein Mensch geboren.

 

Die heiligen Tharsilla, Jungfrau von Rom,

+ 6. Jhd. – Fest: 24. Dezember,

und Ämiliana,

+ 5. Jhd. – Fest: 5. Januar

 

Der heilige Gregor der Große hatte von väterlicher Seite drei Muhmen, die alle das Gelübde der Keuschheit abgelegt hatten und im Haus ihres Vaters, des Senators Gordian, sich den Übungen des beschaulichen Lebens weihten. Ihre Namen waren Tharsilla, Gordiana und Ämiliana. Gregor erzählt ihre Lebensgeschichte wie folgt:

 

Bei Tharsilla und Ämiliana wurde die Liebe zu ott von Tag zu Tag inniger. Nur noch mit dem Körper waren sie auf der Erde, ihr Geist war fast immer in der Betrachtung des ewigen versunken. Bei Gordinana aber geschah das Gegenteil. Ihr Gemüt fing an zu erkalten in der heiligen Liebe und sich hinzuneigen zum Wohlgefallen am Irdischen. Oft sprach Tharsilla zur Schwester Ämiliana: „Ich fürchte, dass Gordiana nicht standhaft bleiben wird; denn ich bemerke, dass sie sich gerne auswärts zerstreut und das Herz zur Bewahrung ihres Gelübdes nicht sorgfältig genug hütet.“ Beide Schwestern bemühten sich, durch tägliche Ermahnungen sie von dem zerstörenden Leichtsinn abzuhalten und zum standesmäßigen Eifer zu bewegen. So lange sie redeten, heuchelte Gordiana großen Ernst, der aber in derselben Stunde auch wieder verschwand, indem sie sich neuerdings den Zerstreuungen überließ. Sie hatte Gemeinschaft mit den Kindern der Welt, und der Umgang mit denen, die der Welt sich entzogen hatten, wurde ihr immer lästiger. In einer Nacht erschien meiner Muhme Tharsilla, die durch anhaltendes Gebet, durch strenge Abtötung und durch den Eifer eines vollkommenen heiligen Wandels ihre Schwestern übertraf, in einem Gesicht ihr Urgroßoheim, der heilige Papst Felix, zeigte ihr die Wohnung der ewigen Herrlichkeit und berief sie, dahin zu kommen. Bald darauf wurde sie von einem Fieber befallen, das den nahen Tod ankündigte. Nach der gewöhnlichen Sitte, dass bei Sterbenden, zumal wenn sie vornehmen Standes sind, sich viele Menschen versammeln, um die Verwandten zu trösten, standen Männer und Frauen um das Lager der Kranken, und darunter befand sich auch meine Mutter. Auf einmal öffnete Tharsilla ihre Augen und schaute aufwärts. Da sah sie Jesus herabkommen, wurde heftig bewegt und rief den Umstehenden zu: „Tretet zurück, tretet zurück! Jesus naht!“ Sie hielt ihren Blick fest geheftet auf den Heiland und verschied. Das Zimmer wurde mit dem lieblichsten Wohlgeruch erfüllt, zum Hinweis auf die Gegenwart dessen, der die Quelle aller Lieblichkeit ist. Als der Leichnam, wie es gebräuchlich war, gewaschen wurde, fand man an den Knien und Ellenbogen Schwielen, groß und hart, wie die Schwielen der Kamele. Sie waren eine Folge ihres anhaltenden Gebetes, in dem sie vor Gott lag, und so zeigte das tote Fleisch die Spuren dessen, womit sich der lebendige Geist beständig beschäftigt hatte.

 

Tharsilla war kurz vor dem Fest der Geburt des Herrn gestorben. Wenige Tage darauf erschien sie in einem nächtlichen Gesicht ihrer Schwester Ämiliana und sprach: Komm, damit ich, da ich am Geburtsfest des Herrn von dir getrennt wurde, den Festtag der Erscheinung gemeinschaftlich mit dir begehen kann. Ämiliana, besorgt um ihre Schwester Gordiana, fragte: Wenn ich allein zu dir komme, wem soll ich unsere Gordiana übergeben? Tharsillas Gesicht trübte sich, und sie kam bekümmert zur Antwort: Komm, unsere Schwester Gordiana gehört den Weltkindern an. Ämiliana fühlte sich bald nach diesen wunderbaren Erscheinungen schwer krank. Das Übel nahm zu, und sie starb noch vor dem Fest der Erscheinung des Herrn. Gordiana ließ sich, nachdem sie von der schwesterlichen Obhut befreit war, mit jedem Tag mehr von irdischen Gesinnungen beherrschen und folgte endlich der Neigung, die lange schon in ihrem Inneren verborgen war. Alle Gottesfurcht beseitigend, nicht achtend auf Ehre und Schande, brach sie das heilige Gelübde und verehelichte sich mit dem Pächter ihrer Güter.“

 

Nachdem der heilige Gregor dies erzählt hat, setzte er hinzu: „sieh, alle drei haben sich anfangs mit dem gleichen Eifer zu Gott gewendet, aber nicht alle drei sind in dem gleichen Eifer verharrt, weil wie der Herr sagt, viele berufen sind, aber wenige auserwählt. Ich habe dieses vorgetragen, damit nicht jene, die zum Guten sich gewendet haben, sich selbst die Kräfte zum Guten zuschreiben oder auf ihre eigenen Kräfte vertrauen. Jeder mag wohl wissen, was er heute sei, was er aber morgen sein werde, das weiß keiner. Niemand erfreue sich also des Guten, als wäre er dessen schon sicher; so lange er in diesem schwachen Fleisch wandelt, kennt er ja das Ende nicht.“

 

Die heilige Irmina, Prinzessin und Äbtissin von Trier,

+ 24.12.720? – Fest: 24. Dezember

 

Die heilige Irmina, Äbtissin des Benediktinerordens im Kloster Ohren in Trier, war eine Tochter des heiligen Königs Dagobert II. von Austrasien und einem Grafen namens Hermann verlobt. Als der aber plötzlich starb, schenkte sie ihre Liebe ungeteilt dem himmlischen Bräutigam Jesus und erhielt von ihrem Vater hinreichende Mittel, das Kloster Ohren zu bauen (675). Da leuchtete sie als Äbtissin den Ihrigen mit dem schönsten Beispiel vor. Als eine ansteckende Krankheit ausbrach, rief sie voll mütterlicher Sorgfalt den heiligen Willibrord zu Hilfe, der alsbald kam, das Messopfer verrichtete und die Kranken mit geweihtem Wasser besprengte, von dem er ihnen auch zu trinken gab. Alle wurden gesund und Irmina gab dem Heiligen zum Dank mehrere Liegenschaften durch Schenkung vom 1. November 698, auf denen sich nun das Kloster Esternach erhob. Sie starb um 720. Im 15. Jahrhundert befand sich ihr Haupt im Kloster Spanheim, der Leib aber im Kloster Weißenburg im Bistum Speier.

 

25. Dezember - Die gnadenreiche Geburt unseres Herrn Jesus Christus

 

Die heilige Anastasia, Witwe und Martyrin von Rom, die Jüngere,

+ 25.12.304 – Fest: 25. Dezember

 

Die heilige Anastasia, deren die Kirche täglich im Messkanon gedenkt, stammte aus einer vornehmen römischen Familie und wurde von ihrer christlichen Mutter Flavia unter dem Beistand des heiligen Chrysogonus (24. November) von Kindheit an in der Lehre des Heils unterrichtet. Sie wäre gerne Jungfrau geblieben, musste sich aber nach dem Willen ihres Vaters Prätextatus mit einem adeligen, jedoch sehr übelgesitteten Heiden namens Publius vermählen. Es lässt sich denken, welch schweren Stand die fromme Dienerin Jesu an der Seite eines Mannes hatte, der mit einem zügellosen, verschwenderischen Leben den bittersten Hass gegen die wahre Religion verband, und welcher Mut dazu erfordert wurde, unter diesen Umständen im Bekenntnis des Glaubens zu verharren. Anastasia suchte in demütigem und eifrigem Gebet Hilfe bei Gott und ermüdete nicht, die gefangenen Christen, unter denen auch ihr Lehrer Chrysogonus war, zu besuchen und mit ihrem Vermögen zu unterstützen. Hierüber aber wurde der gottlose Publius so aufgebracht, dass er sie einsperren und mit unmenschlicher Härte behandeln ließ. Die treue Jüngerin des Herrn wurde durch zwei Briefe des heiligen Chrysogonus, dem sie von ihrer Not Kunde gegeben hat, getröstet und zur standhaften Ausdauer ermutigt. Inzwischen trat ihr Mann im Auftrag des Kaisers Diocletian eine weite Reise an, nachdem er vorher seinen Dienern den Befehl gegeben hatte, die bisherigen Misshandlungen noch zu steigern, in der Absicht, ihren Tod während seiner Abwesenheit herbeizuführen. Allein stattdessen ereilte ihn selbst der Tod auf dem Weg. Anastasia, hierdurch in Freiheit und den vollen Besitz ihres Vermögens gesetzt, begann sogleich wieder ihre Liebeswerke an den eingekerkerten Glaubensgenossen auszuüben. Als der heilige Chrysogonus zum Martertod nach Aquileja geführt wurde, schloss sie sich ihm an, wurde aber auf Anordnung des Statthalters Florus von Illyrien nunmehr selbst verhaftet und nach langer und schwerer Gefangenschaft am 25. Dezember 304 zum Feuertod verurteilt. Gleichzeitig mit ihr litten dem römischen Martyrologium zufolge zweihundert Männer und siebzig Frauen. Anastasias Leiche brachte man nach Rom und setzte sie in der Kirche bei, die noch ihren Namen trägt.

 

26. Dezember

 

Der heilige Stephanus,

Diakon und Erzmartyrer von Jerusalem,

+ 34-37 – Fest: 26. Dezember

 

Heute und an den folgenden Tagen stellen sich die verschiedenen Gruppen der Heiligen in je einem bevorzugten Vertreter huldigend bei der Krippe ein. Dass unter diesen Gruppen die Martyrer den ehrenvollen Vortritt haben, ist nicht mehr als recht, denn sie gaben das Letzte für Christus hin, Leib und Leben. Ihr Fahnenträger ist, wiederum sehr einleuchtend, der erste Blutzeuge überhaupt, der heilige Erzmartyrer Stephanus.

 

Manche Leute stellen sich unter den Martyrern sanfte Lämmer vor, die sich mit Lammsgeduld abschlachten lassen. Nein, mit einer solchen Ansicht tut man den Blutzeugen Unrecht, denn gerade sie ragen durch hohen Mut über andere empor, wie mächtige Eichen über dem Gestrüpp des Kleinholzes. Gleich der erste aller Blutzeugen war solch eine Eiche.

 

Es ist anzunehmen, dass Stephanus zu jenen gehörte, die sich am Pfingstfest zu Christus bekehrten. Die Heilige Schrift berichtet dann von ihm, dass er einer von den sieben Diakonen war, welche die Apostel geweiht hatten, damit sie den christlichen Liebesdienst an den Armen und Kranken, an Witwen und Waisen ausüben sollten.

 

Das tat Stephanus, aber er tat noch mehr. Alle Tage machte er sich an andere heran und versuchte jedermann zu Christus zu bekehren. Warm und überzeugend sprach er auf die Leute ein, und seine Worte wurden von Gott durch Wunder gesegnet. So konnte es nicht ausbleiben, dass sich die Zahl der Anhänger Jesu in Jerusalem andauernd vermehrte. Von allen, welche in jenen Tagen die frohe Botschaft verkündeten, war Stephanus wohl der erfolgreichste. Freimütig und ohne Furcht wagte er sich offen sogar an ausgesprochene Gegner heran und machte sie aus Feinden zu Freunden Christi.

 

Die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die eben erst vor drei Monaten den Heiland gekreuzigt hatten und deswegen glaubten, ruhig sein zu dürfen, sahen sich aufs neue beunruhigt, und um die drohende Gefahr im Keim zu ersticken, beschlossen sie einhellig, schnell und gründlich gegen Stephanus nach dem gleiche Rezept vorzugehen, wie es sich beim Heiland bewährt hatte: Volksaufwiegelung, falsche Anklagen, bestochene Zeugen, parteiische Richter, vorgefasstes Todesurteil mit sofortiger Vollstreckung.

 

So hatte man es beim Heiland gemacht. Warum also nicht auch bei Stephanus? Wieder klappte alles vorzüglich wie am Schnürchen. Nur mit dem Freimut des Angeklagten hatten die Ankläger nicht gerechnet, denn während der Gerichtsverhandlung erhob sich Stephanus und redete kühn und mutig. Nicht, dass er sich verteidigte. Was lag ihm am Leben? Helden von seiner Art haben das Leben noch stets als das Geringere angesehen. Ihnen kommt es zuallererst auf das Recht an.

 

So war es bei Stephanus. Den gewaltsamen Tod sicher vor Augen, hielt der christliche Held mit erhebendem Freimut den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ihr Unrecht vor. Unbelehrbarkeit, Halsstarrigkeit, Gesetzesheuchelei, Prophetenmord, Verrat, so sauste es wie ein Hagel über die geduckten Häupter nieder. Hellauf brannte der Gerichtssaal in den Pfingstgluten des Heiligen Geistes.

 

Dann kam es, wie es kommen musste. Alle erhoben ein wüstes Geschrei, stürzten sich auf Stephanus, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Doch derjenige, der den Mut hatte, offen nach seiner Überzeugung zu reden, besaß auch den noch weit höheren Mut, starkmütig für den Glauben zu sterben.

 

Freimut zierte den heiligen Stephanus mit echter Männlichkeit, Starkmut gab ihm das Gepräge einer glänzenden Treue zum Heiland, und eine herrliche Großmut krönte ihn schließlich zum Heiligen, denn nach dem Vorbild Christi betete er sterbend für seine Feinde: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ Wo das letzte Wort eines Sterbenden ein Segen und ein Gebet ist für diejenigen, die ihn töten, da stirbt ein großer Christ und ein Heiliger. Sankt Stephanus war ein Heiliger, und wohl ist er der Ehre wert, dass er, der Erzmartyrer, als Fahnenträger aller Martyrer gleich neben der Krippe zu Betlehem gefeiert wird.

 

Solch ein freimütiger, starkmütiger und großmütiger Held, wie der heilige Stephanus es war, muss jeder Christ sein. Jedenfalls ist es mit einer schönen Krippe und einigen stimmungsvollen Weihnachtsliedern nicht getan. Erst durch die Bewährung in der Gefahr und durch die Treue bis in den Tod wird man ein Vollchrist.

 

Der heilige Archelaus, Bischof von Cascar in Persien,

+ 3. Jahrhundert – Fest: 26. Dezember

 

Der heilige Archelaus, Bischof zu Cascar in Mesopotamien, lebte im 3. Jahrhundert. Als das römische Heer, das in jenen Gegenden sein Lager aufgeschlagen hatte, an einem Wallfahrtsort über siebentausend Christen gefangen nahm, bot man ihm ihre Freilassung gegen eine große Summe an. Nicht im Stande, aus eigenen Mitteln eine so beträchtliche Zahlung zu leisten, wendete er sich an einen durch Geburt und Reichtum, wie durch Edelsinn und Nächstenliebe ausgezeichneten Mann, Marcellus mit Namen, der auch das Liebeswerk vollbrachte. Später besiegte der ebenso gelehrte als eifrige Oberhirt in einer Disputation den Irrlehrer Manes, den Stifter der Sekte der Manichäer, und brachte ihn gänzlich zum Schweigen. Er schrieb auch in syrischer Sprache eine Geschichte der Ketzer, die dann auch ins Griechische und Lateinische übersetzt wurde. Dieses Werkes halber setzte ihn der heilige Hieronymus unter die kirchlichen Schriftsteller.

 

Der heilige Dionysius, Papst und Bekenner von Rom,

+ 26.12.269 – Fest: 26. Dezember

 

Der heilige Dionysius, Papst von 259 bis 269, war anfänglich Priester der römischen Kirche und nach dem Zeugnis seines Namensvetters, des heiligen Dionysius von Alexandria, ein bewundernswerter Mann, ein Mann von der ausgebreitetsten Gelehrsamkeit. Der heilige Basilius lobt seine werktätige Liebe, die auf die entferntesten Provinzen des römischen Reiches sich erstreckte. Als die Gothen Cäsarea in Kappadokien verheert hatten, schrieb er an die unglücklichen Bewohner der Stadt ein rührendes Trostschreiben und legte ihm auch eine bedeutende Summe bei, um damit die Gefangenen loszukaufen. Er verdammte in seiner Eigenschaft als oberster Bewahrer des Glaubensschatzes die sabellianische und andere Ketzereien und widerlegte später auch die Lästerungen des Paulus von Samosata. Der heilige Athanasius und der heilige Basilius beriefen sich auf seine Schriften, der eine um die Gottheit Jesu, der andere die Gottheit des Heiligen Geistes zu beweisen. Die Väter des Konzils von Nicäa folgten in ihrer Verteidigung der katholischen Lehre häufig seinen Aussprüchen.

 

Der heilige Marinus, Senator und Märtyrer von Rom,

+ 26.12.283 – Fest: 26. Dezember

 

Der heilige Marinus wurde unter Kaiser Numerian und dem Präfekten Marcian des christlichen Glaubens wegen ins Gefängnis geworfen und gleich einem Knecht den gemeinsten Peinigungen unterworfen. Man steckte ihn in ein eisernes Bratrohr, aber das Feuer verwandelte sich in kühlen Tau. Man warf ihn den wilden Tieren vor, aber sie ließen ihn unverletzt. Schließlich, als man ihn noch einmal zum Altar geschleppt hatte, und die Götzenbilder auf sein Gebet von ihren Standplätzen niederstürzten, wurde er mit einem Schwert durchstochen.

 

Der heilige Zosimus, Papst und Bekenner von Rom,

+ 26.12.418 – Fest: 26. Dezember

 

Der heilige Zosimus, Papst von 417 bis 418 und Bekenner, ein geborener Grieche, ließ sich anfänglich von Pelagius und dessen Schüler Cölestinus täuschen und nahm sich ihrer als unschuldig an. Später aber durch wahre Berichte eines Besseren belehrt sprach er den Bann über diese beiden Irrlehrer aus. Während nämlich die beiden dem Papst ein künstlich abgefasstes Glaubensbekenntnis vorlegten, das unter dem äußeren Schein des Katholizismus die Ketzerei versteckt enthielt, eilten die afrikanischen Bischofe, dem römischen Stuhl die Bitte vorzutragen, nichts zu Gunsten der Betrüger zu unternehmen, und hielten hierauf ein Konzil zu Karthago, um den Ausspruch, den schon Papst Innozenz gegen den Pelagianismus erlassen hatte, zu erneuern. Im darauffolgenden Jahr 418 versammelten sie sich abermals, wobei der heilige Augustinus, wie früher, sehr tätig war, und hatten bald den Trost zu erfahren, dass Zosimus über den Betrug, den man ihm gespielt hatte, aufgeklärt sei. Der Papst verdammte nun förmlich im Verein mit den afrikanischen Bischöfen die bezeichnete Irrlehre, die gleich der arianischen in Kurzem sich spaltete, so dass, so wie es Arianer und Semi-Arianer gab, nunmehr auch Pelagianer und Semi- oder Halb-Pelagianer gefunden wurden. Das ist das Schicksal aller Ketzereien. Im Abgang der Wahrheit und eines Einigungspunktes zerfallen sie in verschiedene Sekten, und nach und nach lösen sie sich ganz auf und verschwinden von der Erde oder verkriechen sich in irgendeinen Winkel, was bei der katholischen Kirche nie geschieht. Ihre beständige Fortdauer ist daher das wichtigste Zeugnis für ihren göttlichen Ursprung. Den erzählten Missgriff abgerechnet war Zosimus übrigens ein frommer und würdiger Oberhirt, dessen Gedächtnis die Gläubigen mit Recht feiern. Wir besitzen sechzehn Briefe von ihm, die seine Wissenschaft und seinen Glaubenseifer beurkunden.

 

27. Dezember

 

Der heilige Johannes, Apostel, Evangelist,

Bischof von Ephesus,

+ 100? – Fest: 27. Dezember

 

Weil niemand eine größere Liebe hat, als wer sein Blut für seinen Freund vergießt, deshalb hat der Erzmartyrer Stephanus die hohe Ehre, dass sein gestriges Fest gleichsam eins ist mit dem Weihnachtsfest. Dann aber zündet die Kirche heute die zweite Apostelkerze bei der Krippe an – die erste war Sankt Thomas am 21. Dezember – und feiert das Gedächtnis jenes Mannes, der von allen Männern hier auf Erde dem Herzen des Heilandes am nächsten standen. Es ist der heilige Apostel und Evangelist Johannes.

 

Wenn einer, so verdiente Johannes den erhabenen Vorzug, der Lieblingsjünger des Heilandes zu sein. Nicht deswegen verdiente er ihn, weil er unter den Jüngern der jüngste, sondern weil er, das darf man wohl sagen, der hingebendste von den anderen war.

 

Wie in allen edlen Israeliten zu jener Zeit, so brannte auch in dem Fischersohn Johannes die Sehnsucht nach dem verheißenen Messias, den das Volk in heißen Gebeten erflehte und den die Bauern und Hirten in wehmutsvollen Liedern besangen. Als der Vorläufer erschien und das Nahen des neuen Reiches kündete, wurde der junge Fischer vom See Genezareth einer seiner ersten Anhänger.

 

Doch Johannes der Täufer war nicht das Licht, das in die Welt kommen sollte, er sollte nur Zeugnis geben von dem Licht, und das Zeugnis gab er damals, als er eines Tages seine treuen Jünger Andreas und Johannes an den Heiland verwies. Vom Jordan her folgten die zwei dem Herrn, der gerade vorüberging, und da wurde beiden eine der größten Gnaden zuteil, die es für einen Menschen gibt, die Berufung zum Apostelamt. So tief und beseligend hat der zwanzigjährige junge Mann Johannes das Glück dieser Begnadigung erfasst und erfüllt, dass er sich fünfundsiebzig Jahre später, als er sein Evangelium schrieb, noch genau erinnerte, dass es um die zehnte Stunde gewesen war.

 

Mit ganzem Herzen schloss sich Johannes dem Meister an, dem zulieb er in rückhaltloser Hingabe alles verließ, und der Heiland seinerseits belohnte die Treue des Jüngers dadurch, dass er ihn offensichtlich bevorzugte. Mit Petrus und Jakobus durfte Johannes bei der Verklärung auf Tabor, bei der Totenerweckung der Tochter des Jairus und im Garten Getsemani zugegen sein. Er wurde mit Petrus vom Herrn ausgesandt, um das Ostermahl vorzubereiten, und dann kam die beseligende Stunde, da er während des Mahles an Jesu Brust und Herz ruhen durfte. Nie hat es auf Erden einen Vorzug gegeben, der größer ist als dieser, dass Johannes der Herzbruder des lieben Heilandes war.

 

Johannes hinwieder bewährte gleich darauf dem Heiland die Freundestreue, denn als alle anderen Apostel bei der Gefangennahme Jesu flohen, folgte er ihm mutig von fern in das Haus des Annas, und dann begleitete er die Mutter Jesu tröstend auf dem harten Weg nach Golgatha und stand als einziger von den Aposteln unerschrocken drei Stunden lang unter dem Kreuz.

 

Treu war also Johannes dem Meister bis zuletzt, und diese letzte Treue hat der Herr ihm aufs herrlichste belohnt, denn unter dem Kreuz hat er dem Lieblingsjünger seine Mutter geschenkt. Wie unermesslich reich war doch dieses Erbe! Glücklicher Jünger, dem der Meister seine Mutter schenkte!

 

Auch nach der Himmelfahrt des Heilandes hat Johannes die Treue hochgehalten, nicht nur dadurch, dass er liebend und ehrend für die Mutter Gottes gesorgt hat, wie nur ein Sohn für die Mutter sorgen kann, sondern auch dadurch, dass er in dem Evangelium, das er schrieb, alle Reden und Aussprüche Jesu aufs getreueste festgehalten hat, und bei jeder Gelegenheit betonte er sein Leben lang das große Vermächtnis seines Herzbruders, das Hauptgebot der Liebe, bis er als Greis von fünfundneunzig Jahren noch unter dem letzten Atemzug die Christen ermahnte und anflehte: „Kindlein, liebet einander! Liebet einander! Liebet einander!“

 

Beim heiligen Johannes zeigt sich wieder einmal deutlich, dass es vor allem die Treue ist, die dem lieben Heiland am meisten gefällt und für die er am dankbarsten ist. Die Treue hat den heiligen Johannes zum Herzbruder des Heilandes gemacht. Das wollen wir uns also gut merken, dass man durch die Treue zum Herzbruder des Heilandes wird. Doch auch deswegen muss uns der heilige Johannes überaus teuer sein, weil er so gut für die liebe Mutter Gottes gesorgt hat.

 

Die heiligen Brüder und Bekenner

Theodorus, Mönch und Märtyrer von Konstantinopel, + 27.12.841,

und Theophanes, Bischof und Bekenner von Nicäa, + 27.12.845

Fest: 27. Dezember

 

Die beiden heiligen Brüder kamen noch sehr jung in das Kloster St. Sabas bei Jerusalem, wo sie in kurzer Zeit eine hohe Stufe der Gottseligkeit erreichten. Als Leo der Armenier den Bildersturm zu erregen anfing, wurden sie nach Konstantinopel gesendet, um den Kaiser zu ermahnen, der Kirche den Frieden wieder zu geben. Sie gelangten aber nicht zu ihrem Ziel, vielmehr ließ sie Leo mit Ruten streichen und verbannte sie auf eine Insel am Eingang des Pontus Euxinus, wo sie vielfache Drangsale zu erleiden hatten. Nach dem Tod dieses Zwingherrn im Jahr 822 erhielten sie die Erlaubnis, nach Konstantinopel zurückzukehren, und Theodor gab daselbst einige Schriften zur Verteidigung der katholischen Lehre heraus. Mit der Zeit (829) kam ein anderer Begünstiger der Ketzerei, Theophilus, auf den Thron und verfolgte die Rechtgläubigen mit unbändiger Wut. Theodor und sein Bruder wurden aufs Neue misshandelt und auf die Insel Aphusa verwiesen. Zwei Jahre später brachte man sie in die Hauptstadt zurück, wo der Kaiser in seiner Gegenwart sie entkleiden und geißeln ließ, bis sie halbtot zu seinen Füßen hinfielen. Nach diesem zeichnete man ihnen mit Nadeln ein ganzes Schmähgedicht auf Stirn und Angesicht ein. Diese ebenso grausame als langwierige Marter wurde erst von der Nacht unterbrochen, wo man die mit Blut Überströmten ins Gefängnis zurückschleppte. Kurz darauf wurden sie nach Apamea in Syrien abgeführt, wo der heilige Theodor an den Folgen seiner Wunden starb. Wegen der Einzeichnung erhielt er den Beinamen „Graptos“, d.i. der Gestochene. Inzwischen kam die Kaiserin Theodora, eine eifrige Katholikin, an die Regierung, und der heilige Patriarch Methodius führte 842 die Bilderverehrung wieder ein. Theophanes wurde zum Bischof von Nicäa ernannt und entschlief dort nach siegreichem Kampf über die Häresie im Frieden des Herrn. Die Griechen nennen ihn „Dichter“, weil er heilige Gesänge verfasste.

 

28. Dezember

 

Die Unschuldigen Kinder

 

Der Krippe zunächst steht der heilige Stephanus als Vertreter jener, die großmütig und hochherzig Gut und Blut für Christus in den Martertod dahingaben. Sankt Johannes schließt sich an, ein ehrwürdiger Greis, der an der Krippe jene unübersehbare Schar von heiligen Menschen vertritt, die durch ein gottgefälliges Leben dem Heiland in Treue dienten. Doch an der Krippe des göttlichen Kindes und Kinderfreundes dürfen auch die Kinder nicht fehlen, und deshalb ist heute zu Ehren aller Kinder der Kindertag, an dem unter Anführung der Unschuldigen Kinder von Betlehem alle Kinder auf der weiten Welt im Geist zur Krippe gehen und dem Christkind liebend und dankend ihr Herz schenken.

 

Aus der Biblischen Geschichte erinnern wir uns, dass der gottlose Herodes den drei Weisen aus dem Morgenland, als er sie nach Betlehem schickte, den Auftrag gab, nach dem neugeborenen König der Juden zu forschen und ihm Meldung zu machen, damit auch er hingehe und das Kind anbete. Das war, wie wir wissen, Lug und Trug, und deshalb zogen die heiligen Männer, in einem Traum gewarnt, auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.

 

Nachdem die Weisen fortgegangen waren, erschien ein Engel dem Joseph im Traum und sprach: „Steh auf, nimm dein Kind und seine Mutter und fliehe nach Ägypten.

 

Als Herodes merkte, dass er von den Weisen hintergangen war, geriet er in heftigen Zorn, Er ließ in Betlehem und in der ganzen Umgegend alle kleinen Jungen ermorden, die zwei Jahre und darunter alt waren. Da entstand großes Wehklagen, und die Mütter wollten sich nicht trösten lassen.

 

So lautet in der Biblischen Geschichte der Bericht über die Unschuldigen Kinder von Betlehem. Wie viele Kinder damals zum Leid, aber auch zur höchsten Ehre ihrer Mütter getötet wurden, ist nirgendwo aufgeschrieben, es mögen vielleicht zwanzig oder dreißig gewesen sein, die, kaum zum irdischen Leben geboren, im eigenen Blut getauft wurden und als die Erstlinge der Martyrer in das ewige Leben mit seinen Freuden ohne Ende eingehen durften.

 

Auf den Abhängen der Alpenberge schmilzt der Schnee zum Teil erst im Hochsommer, wenn die Sonne ihre größte Wärme ausstrahlt, und dann kann man es erleben, dass gleich neben dem Schnee, noch in der Schneeschmelze, stark und kräftig Alpenblumen blühen.

 

So ähnlich verhält es sich mit dem Fest der Unschuldigen Kinder. Viertausend Jahre lang war es auf der Erde winteröde, kalt und dunkel gewesen, bis in der Heiligen Nacht das Licht erschien und in die Finsternis leuchtete, und kaum leuchtete und wärmte das Licht, als sich auch schon, noch in der Winterkälte des Unglaubens und im Froststurm der allerersten Christenverfolgung, Blumenknospen, stark und kräftig, zu Betlehem dem neuen Licht und der weihnachtlichen Wärme erschlossen, um als die Blüten der Blutzeugen die Krippe des Christkinds zu schmücken.

 

Doch damit nicht genug, denn mit den Unschuldigen Kindern zu Betlehem hat auf Erden ein Frühling der Herzen begonnen, der nie mehr enden wird, solange die Welt steht. Wo immer nämlich auf dem weiten Erdenrund Kinder sind, die das Jesuskind dadurch liebhaben, dass sie ihm zulieb brav und gut und fromm und folgsam und friedfertig sind, da blühen Blumen an der Krippe ohne Zahl, voll Duft und Schmelz, fein und zart. Solche Kinder sind wie ein großer, schöner Blumengarten, der dem Christkind zur Ehre und zur Freude rings um die Krippe zu Betlehem blüht.

 

Der heilige Antonius, Mönch der Insel Lerin,

+ 28.12.525 ? – Fest: 28. Dezember

 

Der heilige Antonius war aus Valeria, einer Gegend Niederpannoniens an der Donau gebürtig und wurde nach dem Tod seines angesehenen Vaters im Alter von neun Jahren dem heiligen Severin, dem Apostel Österreichs und Bayerns, zur Erziehung übergeben. Später kam er zu seinem Oheim, dem Bischof Konstantius von Lorch, der ihn in aller Wissenschaft und Tugend unterrichtete. Als dieser sein Meister starb, brachte man den verwaisten Schüler zu dem im Veltin wohnenden Priester Marius, wo er bald solche Fortschritte auf dem Weg der Vollkommenheit machte, dass man daran ging, ihm die höheren Weihen zu erteilen. Solcher Erhebung aber hielt Antonius in seiner Demut sich nicht würdig, und um ihr auszuweichen, floh er über die Alpen gen Milanez auf einen einsamen Berg. Hier fand er zwei Einsiedler, die ihn in ihre Gesellschaft aufnahmen, und blieb auch nach ihrem Tod in dieser schauerlichen Öde. Vom Herrn durch Wunder ausgezeichnet erregte er großen Zulauf von Seiten der im Umkreis wohnenden Bevölkerung, was ihn veranlasste, noch tiefer in die Wildnis vorzudringen. Mehrere Jahre nun lebte er unerkannt in einer Felsenkluft, wurde schließlich aber auch hier entdeckt und aufs Neue von den Leuten bestürmt. Da zog er sich in die Stille des Klosters Lerin zurück und ging daselbst durch einen seligen Tod von hinnen. Das Jahr seines Ablebens wird sehr verschieden angegeben. Einige geben 488 an, andere 525.

 

29. Dezember

 

Der heilige Thomas Becket,

Erzbischof und Martyrer von Canterbury,

+ 29.12.1170 - Fest: 29. Dezember

 

In dem Heiligen des heutigen Tages tritt vertretungsweise noch einmal eine ganze Gruppe von Heiligen huldigend an die Krippe heran. Es ist die Gruppe der heiligen Priester und Bischöfe, zu denen der heilige Thomas Becket nicht als erster der Zeit nach, wohl aber als einer der ersten dem Rang und dem Ruhm nach gehört.

 

Als Kaufmannssohn wurde Thomas Becket kurz nach dem Jahr 1100 zu London geboren. In der Jugend war er von Leichtsinn nicht frei. Dass aber ein gesunder Kern in ihm steckte, beweist die Tatsache, dass sich dieser Mann aus dem schlichten Volk Stufe um Stufe zum Kanzler von England emporarbeitete, mit dem der König nicht wie mit einem Beamten, sondern wie mit einem Freund verkehrte. Unter Beckets sachkundiger Leitung blühten in England Handel und Gewerbe mächtig auf, Reichtum und Wohlstand mehrten sich, Kunst und Wissenschaft hatten gute Zeiten, kurzum, der englische Reichskanzler Thomas Becket war der rechte Mann am rechten Platz, und eines Tages machte ihn der König obendrein auch noch zum ersten Bischof im Land, damit er alle weltliche und alle geistliche Gewalt in seiner Hand vereinigte und rücksichtslos zum Nutzen des Königs gebrauche.

 

Thomas Becket sträubte sich anfangs, die Würde anzunehmen, dann aber fügte er sich, wurde zum Priester und am Tag darauf zum Bischof geweiht und war von der gleichen Stunde an ein anderer geworden, nicht mehr ein willfähriger Höfling, sondern der mutige Verteidiger der kirchlichen Rechte gegen die Übergriffe der königlichen Gewalt.

 

Bald brach der Kampf aus zwischen Krone und Kirche, zwischen König und Bischof, jahrelang zog er sich hin, und stets war Thomas der scheinbar Unterlegene, der vor Gericht gestellt und verurteilt wurde und außer Landes nach Frankreich flüchten musste, arm und verfemt wie ein Bettler und Verbrecher, aber unbeugsam in der Wahrung der kirchlichen Rechte, ein wirklicher Gottesstreiter.

 

Nur zwei Jahre hat Thomas Becket als Bischof geamtet, sechs Jahre lebte er, von dem ehemaligen Freund, dem König, überall belästigt und bedroht, als Flüchtling im Ausland, und als er schließlich den scheinheiligen Versprechungen des Fürsten erlag und nach England heimkehrte, erfüllte sich schnell sein Geschick.

 

Zu verschiedenen Malen hatte sich der König seiner Umgebung gegenüber im verärgerten Ton geäußert, dass es in seinem Reich einen Priester gäbe, mit dem er nicht zurechtkomme. Alle wussten, auf wen die Worte zielten, und vier von den Hofleuten taten in der Meinung, , dem König einen Dienst zu erweisen, den entsetzlichen Schwur, nicht zu ruhen, bis sie den Königsfeind, wie sie den Bischof nannten, umgebracht hätten. Gleich machten sie sich auf den Weg, das blutige Vorhaben auszuführen.

 

Der bedrohte Bischof befand sich gerade beim Abendgebet in der Kirche, als die Mörder, die Heiligkeit des Gotteshauses nicht achtend, auf ihn eindrangen und ihn töteten. Der letzte Schwertstreich, den man gegen den Heiligen führte, durchbohrte auf grausame Weise das Haupt des Blutzeugen, und damit war Thomas Becket im Kampf gegen den König um der kirchlichen Rechte willen restlos unterlegen.

 

Scheinbar war er unterlegen, denn letzten Endes siegte er über den König, der, über die Freveltat, die er nicht gewollt hatte, entsetzt und den Bann fürchtend, der Kirche alle angetasteten Rechte und Freiheiten zurückgab. Auch kündeten Wunder, die sich am Grab des Heldenbischofs ereigneten, dass er der eigentliche Sieger war, nicht der König, der sich eines Tages als Pilger im härenen Büßergewand und mit bloßen, blutenden Füßen an der Grabstätte des Martyrers einstellte, um den Schutz des Heiligen gegen den eigenen aufrührerischen Sohn zu erbitten. Selbstredend fand sein Gebet Erhörung, denn die Heiligen tragen nicht nach und vergelten gern Böses mit Gutem.

 

Dass aber jener König, der sich gegen die Kirche und gegen seinen Bischof auflehnte, von dem eigenen Sohn bedrängt wurde, ist wieder einmal ein Beweis mehr für die Tatsache, dass die Sünden, die man durch Auflehnung gegen Priester und Bischöfe begeht, gewöhnlich sehr genau und sehr pünktlich bestraft werden. Im Volksmund heißt es sogar, solche Sünden würden sich bis ins vierte Glied hinein rächen.

 

Der heilige Marcellus, Abt der Akömeten in Konstantinopel,

+ 29.12.486 – Fest: 29. Dezember

 

Der heilige Marcellus stammte aus einer edlen Familie der Stadt Apamea in Syrien und ließ sich nach dem Tod seiner Eltern in Antiochia nieder, wo er seine Zeit zwischen Studium und Gebet teilte. Die stete Betrachtung des göttlichen Gesetzes brachte in ihm stufenweise die Überzeugung von der Nichtigkeit der Erdengüter hervor und beflammte in ihm die Liebe zum Ewigen. Er trat demnach seine Rechte an seine Brüder ab und teilte die Güter, über die er verfügen konnte, unter die Armen aus. So befreit von allen Banden, die ihn bisher an die Welt geknüpft hatten, begab er sich nach Ephesus und unterzog sich der Führung einiger Diener Gottes, die dort lebten. Den größten Teil der Nacht widmete er der Andacht, den Tag hindurch schrieb er Bücher ab, und mit dem Erlös bestritt er seinen und einiger Armen Unterhalt. Als er von der strengen und abgetöteten Lebensweise der Akömeten hörte, beschloss er ihrer Gemeinschaft beizutreten. Wirklich nahm er bei ihnen das Ordenskleid und eilte mit unglaublichem Eifer auf dem Weg der Buße seiner Bestimmung zu. Um das Jahr 440 wurde er zum Abt erwählt. Mit wundervoller Klugheit leitete er die Seinigen. Er wohnte dem Konzil bei, was der heilige Patriarch Flavian zu Konstantinopel wider den berüchtigten Eutyches zusammen berufen hatte, und verdammte in Gemeinschaft mit den übrigen Vätern die Irrlehre dieses Ketzerhauptes. Sein Tod erfolgte in den Jahren 485 oder 486.

 

Der heilige Trophimus, Bischof und Bekenner von Arles, Frankreich,

+ 1. Jahrhundert – Fest: 29. Dezember

 

Der heilige Trophimus ist nach der Überlieferung der dortigen Kirche derselbe mit dem Heiligen gleichen Namens, der ein Jünger des Apostels Paulus und ein Gefährte seiner Arbeiten gewesen ist. Er war zu Ephesus von heidnischen Eltern geboren worden. Nach Gallien geschickt verkündigte er das Evangelium in der Provence und stiftete die Kirche von Arles. Indes behaupten mehrere Gelehrte, auf das Zeugnis des heiligen Gregor von Tours sich berufend, die Sendung des heiligen Trophimus nach Arles falle in spätere Zeiten, und er sei erst um die Mitte des 3. Jahrhunderts mit den heiligen Saturnin von Toulouse, Paul von Narbonne, Martial von Limoges, Austremonius von Auvergne, Gatian von Tours und Dionys von Paris nach Gallien gekommen. Dem sei nun, wie ihm wolle, so scheint dennoch gewiss, dass er der erste Bischof von Arles gewesen ist, und wirklich hat ihn diese Kirche stets als ihren Begründer verehrt. Die Taten seines Lebens sind uns unbekannt. Er starb zu Ende des 1. Jahrhunderts, wofern der Überlieferung von Arles Glauben beigemessen wird. Die aber anderer Meinung sind, setzen seinen Tod nach der Mitte des 3. Jahrhunderts.

 

30. Dezember

 

Der heilige Anysius, Bischof von Thessalonich,

+ 30.12.410 – Fest: 30. Dezember

 

Der heilige Anysius wurde nach dem Tod des heiligen Ascholus auf den dortigen Stuhl erhoben. Der heilige Ambrosius von Mailand wünschte der Geistlichkeit, die ihm diese Wahl mitgeteilt hatte, Glück und erteilte in seinem Antwortschreiben dem neuen Oberhirten glänzende Lobsprüche. Auch richtete der große Kirchenvater an Anysius selber einen Brief und ermahnte ihn väterlich, in die Fußtapfen seines berühmten Vorgängers zu treten. Desgleichen gab Papst Damasus seine Hochschätzung ihm gegenüber zu erkennen, indem er ihm dieselben Vorrechte gab, wie dem heiligen Ascholus, nämlich die geistliche Gerichtsbarkeit in Ostillyrien. Anysius stand der Kirche von Thessalonich sehr lange vor und entfaltete in seiner Amtsführung einen Eifer und eine Wachsamkeit, ganz würdig eines Nachfolgers der Apostel. Er blieb in der damaligen Verwirrung stets unerschütterlich fest in seinem Glauben und dem heiligen Chrysostomus treu zugetan. Mit vierzig anderen Bischöfen war er zu Konstantinopel und half die Sache des verfolgten Patriarchen verteidigen. In derselben Angelegenheit schickte er 404 den Bischof Elysius von Apamea mit Briefen an den Papst Innocenz I. und berief sich auf den Ausspruch des römischen Stuhls, dessen Ansehen allein dem Unwesen Einhalt tun könne. Er war damals schon hoch bejahrt, man weiß aber nicht, wie lange er hierauf noch gelebt hat.

 

Die heiligen Märtyrer

Sabinus, Bischof von Assisi und Märtyrer von Spoleto, Italien,

Exuperantius und Marcellus, seine Diakone und Märtyrer von Assisi,

und der Statthalter Venustianus mit Frau und Kindern, Märtyrer von Spoleto,

+ 30.12.303 – Fest: 30. Dezember

 

Als die Kaiser Diokletian und Maximian im Jahr 303 ihre blutigen Beschlüsse wider die Christen erließen, wurde Sabinus, Bischof von Assisi, mit mehreren Geistlichen verhaftet. Man warf sie in den Kerker und hielt sie bis zur Ankunft Venustians des Statthalters von Hetrurien und Umbrien verwahrt. Vor den Richterstuhl dieses Gewalthabers gerufen sollte Sabinus einem Standbild Jupiters Weihrauch streuen. Der Heilige aber erklärte sich mit Unerschrockenheit gegen dieses Ansinnen und stieß den Götzen mit der Hand von sich. Alsbald wurde ihm das als Gottesfrevel angerechnet, und der Statthalter ließ ihm beide Hände abschneiden. Danach wurden die Diakone Marcellus und Exuperantius auf das Rösschen gelegt, grausam mit Ruten gestrichen und letztlich mit eisernen Krallen zerfleischt. Sie gaben unter diesen Martern Gott lobend den Geist auf, und ihre Leiber wurden in den nächsten Bach geworfen. Ein frommer Priester aber zog sie wieder heraus und beerdigte sie am letzten Tag des Maimondes. Das Endurteil über den heiligen Sabinus wurde auf eine andere Zeit verschoben. Mittlerweile besuchte ihn eine Witwe aus der Stadt mit Namen Serena öfters im Gefängnis und sorgte für seinen Unterhalt. Sie hatte einen Enkel, Priscian mit Namen, der erblindet war, aber von dem Heiligen durch bloße Berührung das Augenlicht wieder erhielt. Dieses Wunder machte solchen Eindruck auf den Statthalter, der selbst an heftigen Augenschmerzen litt, dass er den Bischof rufen ließ, sich vor ihm niederwarf und um Heilung für seinen Körper und seine Seele flehte. Sabinus erteilte ihm einige Tage Unterricht in der Lehre Jesu und sodann die heilige Taufe. Von Stunde an verspürte Venustian kein Augenleiden mehr, worauf auch seine Frau, seine Kinder und ein großer Teil seiner Dienerschaft zu dem wahren Gott sich bekehrten. Kaiser Maximian erfuhr nicht sobald den Hergang der Sache, als er in großen Zorn geriet und den Tribun Lucius nach Assisi sendete, mit dem Befehl, den Statthalter samt all den Seinigen enthaupten zu lassen. Also geschah es. Den Bischof aber führte Lucius bei seiner Abreise von Assisi mit sich nach Spoleto, wo er ihn unter den Geißelhieben der Henkersknechte sterben ließ. Serena, die dem Heiligen nach Spoleto gefolgt war, bestattete seinen Leichnam tausend Schritte außerhalb der Stadt am 7. Dezember des Jahres 304. Die hier aufgeführten Blutzeugen haben zwar zu verschiedenen Zeiten gelitten, werden aber mitsammen an einem und demselben Tag verehrt, nämlich am 30. Dezember.

 

Die wohlehrwürdige Mutter Seraphica von Jesus, Ursulinerin zu Beaucaire,

+ 30.12.1667 – Gedenktag: 30. Dezember

 

(Frei nach dem Originaltext: „Leben der gottseligen Ordens-Genossen

aus der Gesellschaft der Heiligen Ursula“, Landshut 1720)

 

1. Großes Unrecht würde getan der Mutter Seraphica, wenn darüber keine Meldung geschehen sollte, dass sie nicht allein eine Tochter des ganzen Ordens, sondern auch eine Mutter kann genannt werden: eine Tochter war sie, da sie noch in dem Stand der Kongregation begriffen war, in welcher sie ihre Jugend zubrachte; eine Mutter aber, nachdem sie den geistlichen Stand angenommen und alle Schwestern zu Beaucaire durch sie denselben anzunehmen vermochten. Sie war aus adeligem Geschlecht und von vortrefflichen Sitten; ihr Herr Vater Herr von Clausonne ein klug-verständiger Edelmann; und noch in seinem calvinischen Irrtum einen ganz ehrlichen Wandel führend, der dann auch nach seiner Bekehrung zu der wahren katholischen Lehre sich ganz eifrig um den heiligen Glauben angenommen hat; ihre Frau Mutter aus dem hoch-adeligen Haus von Taraud, das sich rühmen kann, die Anzahl der heiligen Märtyrer vermehrt zu haben, weil einer dieses Geschlechtes während der bürgerlichen Kriegs-Empörung von den Calvinischen hart verfolgt und endlich in einem Ziehbrunnen versteinigt worden ist, weil er lieber für den allein seligmachenden Glauben sterben wollte, als es mit den Irrgläubigen zu halten. Gabriela, oder wie sie später im heiligen Orden genannt wurde, Seraphica, kam auf die Welt zu Tarascon den 6ten Jenner des 1602ten Jahres, nachdem sie nur 7 Monate im Mutterleib gelegen hat.

 

2. In ihrem 5ten Lebensjahr wurde sie in der Abtei des heiligen Benedicti in die Kost geschickt, allwo sie in anständigen Sitten und in der Frömmigkeit große Fortschritte machte und auch eine große Lust zum geistlichen Leben bekommen hat: nachdem sie aber wieder nach Hause berufen und von den schönen Tugend-Exempeln entfernt worden, ist ihr Eifer bald wieder erkaltet: besonders weil ihre Eltern, deren einzige Tochter sie war, ihr zur Eitelkeit durch kostbare Kleider und Geschmuck genug Gelegenheit gegeben hatten. Es geschah aber, dass sie da und dort etwas von ihrem Geschmuck verlor, obwohl sie sich befleißigte darauf die beste Obsicht zu haben: was sie dann der vergänglichen Eitelkeit ermahnte und in ihrem Gemüt den alten guten Gedanken vom Kloster-Leben erweckt hat, daraus dann eine neue Begierde entstand, die Welt zu verlassen, die sich auch auf keine Weise mehr hat auslöschen lassen. Es stärkte sie in diesem heiligen Vorhaben ein gewisser Religios aus dem Orden des heiligen Dominici, der ihr zwar auch alle Beschwernisse vorlegte, die im geistlichen Stand sich ereignen, absonderlich in äußerer- und innerlicher Abtötung seiner selbst, und verschiedene Leibes-Strengheiten, die doch alle nichts anderes waren, als Öl ihrem nunmehr schon entzündeten feurigen Vorhaben zugunsten und eine noch größere Lust zum süßen Joch Christi erweckten.

 

3. Um dieselbe Zeit reiste sie mit ihrer Frau Mutter in die Stadt le Pont de S. Esprit, allwo sie öfters zu den Ursulinerinnen kommen, von deren Gespräch und geistlichem Lebenswandel sie ganz eingenommen war, und nun von der Frau Mutter inständig begehrt hat, bei ihnen zu bleiben. Es wollte aber die Frau Mutter anfangs nicht daran, aus Ursachen, weil die Ursulinerinnen allda eine ganz magere Kost hatten und noch nicht in rechter Ordnung eingerichtet waren: weil aber die Tochter in ihrem Begehren beständig war, hat sich die Frau Mutter endlich bereden lassen und ihr liebes Kind der Obsorg der damaligen Oberin und Stifterin des Hauses, der Mutter von Luynes, anvertraute. Die Kost-Präfectin, die mit der Jugend umging, als sie vermerckte, mit was schönen und edlen Geistes- und Gemüts-Gaben die Seele von Gott begnadet sei, auch von dero heiligem Vorhaben berichtet worden ist, hat selbe eben auf dem Fuß angefangen zu tractieren, so wie die alten Väter gehandelt haben mit denen, die in ihre Gesellschaft kommen wollten, nämlich auf eine harte und raue Weise. Unter anderem, um ihre gar zu lebhafte und unruhige Natur zu dämmen, auch ihren Kloster-Geist zu prüfen, legte sie ihr wohl gar Fuß-Eisen an und gab ihr wenig gute Worte, sondern zeigte sich in allem ganz streng gegen sie. Fräule Gabriela von Clauson (so wurde sie damals noch genannt), konnte sich aber ganz wohl darein schicken und ertrug alles ganz beherzt; entwöhnte sich auch nach und nach der schönen Kleider-Pracht, legte von den Fingern die goldenen Ringe, vom Hals die Berlein (Perlen) ab; und zeigte, dass sie alles was weltlich war gar leicht verlassen könne. Diese freiwillige und ungezwungene Verachtung der weltlichen Üppigkeit, machte sie der göttlichen Gnade also fähig, dass ihr auch die gemeine, schlechteste Hausverrichtung nicht die mindeste Beschwernis verursachten: sie stand mit andern in aller Frühe auf; kehrte das Haus aus; begoss den Garten; diente in der Kuchel (Küche), als ob sie zu einer Hausmagd wäre auffgedünget (verdingt?) worden, nur ihrem Eifer zum geistlichen Leben an den Tag zu legen. Weil nun die vornehmsten Glieder der Versammlung mit dieser anhaltenden Ursulinerin ganz und gar zufrieden waren, nahmen sie dieselbe auf und gaben ihr das geistliche Kleid auf den Tag der Opferung unserer lieben Frauen im Jahr 1620 und ließen sie auch nach vollendetem Noviziat zu, die einfachen, dazumal noch allein gebräuchlichen Gelübde abzulegen, wurde also mit ihrer größten Freude Gabriela in die Versammlung einverleibt.

 

4. Bald darauf musste sie mit der Mutter de Luynes nach Paris reisen und einigen kranken Schwestern, die sie mit sich dahin führten, unterwegs aufwarten: sie hatte gegenüber ihren Krankheiten eine natürliche Abscheu, so dass ihr diese Reise freilich mehr eine Mortification (Demütigung), als Ergötzung gewesen war. Was sie aber am meisten schmerzte, war die genaue Obsicht, die Mutter Luynes auf sie hatte, und allen Eintritt in die geistlichen Häuser der gesperrten Ursulinerinnen verhinderte, worin doch das einzige Verlangen Gabrielas bestand, die nichts mehr wünschte, als in einem rechten geistlichen Stand zu leben. Inzwischen wurde sie mit ihrem größten Verdruss sowohl an den Hof und in andere vornehme Häuser geführt, wo sie Zeit verbringen musste, die sie lieber zu Hause in Verfertigung der schönen Handarbeiten für die Altäre und priesterliche Kleidungen wie auch in geistlichen Übungen verlangte zuzubringen. Nach der Rückkehr nach Pont de S. Esprit wurde sie als Oberin in die Ursulinerinnen-Versammlung nach Valence geschickt, obwohl sie erst 21 Jahre alt war: denn ihre reife Klugheit und ihr männlicher Geist ersetzten das übrige Alter: wie sie dann selbiges Haus durch ihre weise Regierung in den besten Stand gebracht und besonders die Einsamkeit, das Stillschweigen, das Gebet, die Abtötung und einen unermüdlichen Eifer in christlicher Unterweisung der Jugend eingeführt hat. Nach 5 Jahren rief man sie wieder auf Pont de S. Esprit zurück und wurde bald darauf auch allda durch die allgemeine Wahlabstimmung in Gegenwart des Bischofs zur Oberin erwählt: in welchem Amt sie sich dermaßen löblich aufführte, dass alle Schwestern ob ihrem Eifer höchst erbaut den häufigen göttlichen Segen in der ganzen Versammlung verspürt haben.

 

5. Nachdem sie alsgemach ihren Untergebenen das Herz abgewonnen hatte, gab sie ihnen deutlich zu verstehen ihr Vorhaben ein geistliches Leben in einem geschlossenen Kloster zu erwählen. Dies aber erweckte im Haus keine kleine Unruhe, indem einige diese Gedanken für eine Versuchung hielten, in der Meinung, das Institut der Ursulinerinnen komme mit einem gesperrten Leben nicht überein: sie gaben davon einen Bericht den Ursulinerinnen zu Avignon, deren einige Ältere alsobald nach Pont S. Esprit sich begaben, um das Vorhaben zu verhindern: die Oberin war wegen der unerwarteten Ankunft entsetzt, ließ sich aber bei ihnen wegen einer Veränderung nichts anmerken. Inzwischen stand sie mitten zwischen zwei streitenden Parteien, von denen einige für die Fortsetzung der Versammlung, andere für ein gesperrtes Kloster-Leben stritten; sie aber hielt sich ganz weißlich gleichsam unparteiisch, bis die hitzigen Gemüter in die Ruhe gesetzt wurden. Kurz darauf hat die Pestilenz in der Stadt eingerissen und die Ursulinerinnen genötigt, sich aufs Land zu begeben, allwo sie für ihre Wohnung ein altes Schloss gefunden, welches tauglicher schien eine Hütte für die wilden Tiere als ein Haus für Menschen abzugeben. In diesem wurde von ihnen nicht minder die geistlichen Übungen und Tugend-Werke in Abtötung, Bußwerken, Gebet und anderen standesmäßigen Verrichtungen fortgesetzt als es in der Stadt geschehen war. Die Oberin bestellte im Geheimen eine Schwester, von der sie nicht anders als eine Novizin sollte traktiert werden, welches von der Schwester auch mit heiliger Einfalt durchgeführt wurde; die anderen aber sind durch dieses demütige Exempel der Oberin also entzündet worden, dass eine jede wollte eifriger in der Lebens-Strengheit sich erzeigen. Wurde also diese Einöde zu einem Paradies und breitete sich der Geruch ihrer Heiligkeit in der ganzen Gegend aus. Gelangte also doch schon die fromme Oberin nach und nach zu ihrem Zweck, die ihr Untergebenen mit Begierde eines vollkommenen geistlichen Klosterlebens zu entzünden. Allein bald äußerten sich neue Hindernisse und gleichwie kein Trost in diesem Leben langwierig ist, so wurde auch die geistliche Freude, die die Oberin durch den Eifer ihrer Untergebenen hatte, bald versalzen; denn die leidige Sucht allbereit einige aus den Schwestern ergriffen und in die Ewigkeit geschickt hat: die liebreiche Oberin sonderte zwar diese von der Gemeinschaft ab, machte ihnen doch Gelegenheit zu beichten, suchte sie täglich öfters heim und tröstete sie bis an ihr Ende.

 

6. Ihr Name wurde inzwischen in der ganzen Gegend bekannt und zog eine Menge von Weltleuten und auch geistliche Männer an diesen Ort; von welchen die gottseligen Schwestern zur Fortsetzung ihres heiligen Lebenswandels durch Predigten und geistlichen Zuspruch nur mehr aufgefrischt wurden; welches alles endlich die Oberin zum Entschluss führte, gar ein Gelübde zu tun ein klösterliches Leben anzunehmen: sie warb dazu einige von den Ihrigen und ganz in der Stille, auf dass nicht wieder, wie zuvor, einige Misshelligkeit entstünde. Als nun alles wohl veranstaltet war, schrieb die eifrige Oberin an ihre Frau Mutter mit der kindlichen Bitte, dass sie beim Bischof und beim Rat zu Nimes die Erlaubnis erhalten wolle, alldort ein Ursulinerinnen-Kloster aufzubauen: die Frau Mutter wendete hierin ihr Möglichstes an, aber konnte weder beim Bischof noch beim Rat etwas erreichen: Es schien nämlich so als ob Gott wolle diese Ehre der Stadt Beaucaire vorbehalten. Und zwar willigte der Erzbischof von Arles alsobald in dieses Vorhaben ein und machte also die Mutter von Clausone den glückseligen Anfang; sie nahm 8 gleichgesinnte Schwestern samt zwei Kostgängerinnen mit sich nach Beaucaire, und es geschah ihr Eingang allda den 6. Mai im Jahr 1630. Drei Tage darauf langte auch aus der Versammlung zu Bagnoli die Schwester Gabriela Dantragues samt zwei anderen an, die auch diesen Sinnes waren. Sie richteten ihre kleine Behausung so gut sie konnten in die Form eines Klosters. Die Oberin fing an die christliche Lehre öffentlich denen auszulegen, die zu ihr kamen: welche Neuigkeit allsobald die ganze Stadt in Verwunderung gesetzt und zu dieser geistlichen Unterrichtung anlockte: Ein gewisser Priester mit einigen anderen stutzten darüber und hielten es für eine große Unanständigkeit; sobald er aber die Mutter Clausone selbst angehört hatte, hat er bekannt, der Heilige Geist rede aus ihr; und so wollte sich niemand mehr dagegenstellen. In kurzer Zeit änderten sie ihre Wohnung, kauften einen Turm für ihre Behausung, die aber so alt und baufällig war, dass sie notwendig hat müssen niedergerissen und ein neues Gebäude für eine klösterliche Wohnung angelegt werden. Inzwischen lebten sie in höchster Armut und aller Sachen Abgang. Sie hatten keine andere Lagerstatt als die bloße Erde, bis sie endlich für die Kranken eine Bettstatt samt einem harten Strohsack erhielten; das Speisegeschirr war von Erden, die Teller von Holz und also der ganze übrige Hausrat so arm, dass er nicht schlechter hätte sein können. Nichts desto weniger lebten sie ganz getröstet und in solcher Zufriedenheit, dergleichen sie in allem Überfluss nicht würden gehabt haben: So viel vermag nämlich die göttliche Gnade und Salbung des Heiligen Geistes. Es ist gewiss hierbei verwunderlich und für ein absonderliches Gnadenwerk der göttlichen Güte zu halten, dass von einem so geringen und schlechten Anfang eine so herrliche Fundation (Gründung) und berühmtes Kloster erwuchs, wie es jetzt an diesem Ort zu sehen ist, und diejenigen Personen, welche des ganzen Ursprungs Wissenschaft gehabt, haben ungescheut bekannt, dass der Finger Gottes allda mitgewirkt habe, und haben sich in der Wahrheit einige augenscheinliche Wunderzeichen der göttlichen Vorsichtigkeit (Vorsehung) da sehen lassen. Dann bald hat es sich das Zeug, daraus sie sich kleideten, unter der Hand verlängert; bald die Fische im Wasser vermehrt; bald das Geldlein in der Truhe verdoppelt; es wurden auch jene, welche das Haus mit Notwendigkeiten versorgten, niemals mit leerer Hand zurückgeschickt, obwohl die Barschafft nicht vorhanden war, alles Gekaufte auf einmal zu bezahlen: Es stand nämlich ihre feste Hoffnung allzeit auf Gott, der die Seinigen, die auf ihn bauen, niemals zu verlassen pflegt.

 

7. Allein Mutter Clausone lebte doch nicht ruhig, weil sie innerlich zu einem mit Ordensgelübden verbundenen Leben unaufhörlich angetrieben wurde: daher ihre so große Begierde endlich zu sättigen, unternahm sie im kalten Winter durch Schnee und Frost mit einer Gefährtin eine Reise nach Montelimar in Delphinat, stellte sich dort den gesperrten Ursulinerinnen vor, von denen sie auch ganz liebreich aufgenommen wurde: und gleich darauf unter die Novizen gezählt wurden. Es war der erste Tag des Jahres 1631. Sie ließ sich mit ihrer Gefährtin auf das Beste unterweisen und nach etlichen verflossenen Monaten kehrte sie wieder nach Beaucaire zurück, allwo sie auch von den Ihrigen begütig erwartet wurde: Sie gab ihnen alsobald die Ordens-Regeln, die sie mit sich gebracht hatte, welche ihnen auch sehr gefielen, und alsobald mit nunmehr von allen gutheisten in die Übung gebracht wurden. Nach ihrem vollendetem Probier-Jahr hat sie ihre Profession in die Hände des wohl-ehrwürdigen Pater Hugues aus der Gesellschaft Jesu, welchen der Erzbischof von Arles dazu verordnet hatte, abgelegt, in Beiwohnung der Mutter de la Touche, Ursulinerin von Montelimar, welche nach Beaucaire gereist war, um die klösterliche Ordensbräuche allda einzurichten und einigen Schwestern, welche aus der Stadt Pont de S. Esprit ankamen, den Kloster-Habit mitzuteilen.

 

8. Dieses neue Kloster hat gleich angefangen wegen der geistlichen Disziplin, und Tugendglanz war in solchen Ruhm zuerwachsen, dass der Erzbischof, um einige Abteien in besseren Stand zu setzen, kein tauglicheres Mittel gefunden, als aus selben einige Klosterfrauen auf eine Zeit zu diesen Ursulinerinnen nach Beaucaire zu schicken, wo sie durch deren Exempel angeleitet, die Weise recht geistlich zu leben erlernen sollten. Wie sie dann in dem Geist bald zugenommen unter der schönen Anführung der Mutter Clausone, nunmehr Seraphica de Jesu genannt. Im Noviziat dieses neuen Klosters befanden sich 25 Personen, welche alle sich sehr verliebten in die Nachfolge der Heiligen, deren Leben sie lasen; wenn man sie bestrafte, warfen sie sich nicht allein der Regel gemäß, auf die Knie, sondern blieben so lange, dass es zuweilen in 3 bis 4 Stunden währte, ja auch die ganze Nacht hindurch; wenn nämlich die Novizen-Meisterin ihrer vergessen hatte. Gleichergestalt so fern man ihnen geboten hat stillzuschweigen, blieben sie oft einen ganzen Monat ohne ein Wörtlein redend: Alles unter guter Veranstaltung unserer Mutter Seraphica, welche zum andernmal für eine Oberin dieses Klosters bestellt worden war.

 

9. Danach hat sie der Erzbischof nach Salon beordert, dort den Ursulinerinnen vorzustehen; welcher Befehl ihr zwar hart ankam, indem sie erst angefangen hatte die Kirche zu Beaucaire zu bauen, doch ihr Gehorsam zu bezeigen, hat sie sich noch am selben Tag, an dem sie den bischöflichen Befehl empfangen, auf die Reise begeben hat, nicht ohne großes Leid der ihrigen. Zu Salon war sie bei der ganzen Gemeinschaft so beliebt, dass diese ihre kluge Weise zu regieren nicht genug rühmen hat können. Sie ist diesem Haus vorgestanden 3 Jahre und hat das Amt einer guten Hirtin bestens erfüllt; insbesondere durch ihr Gebet Wachtbarkeit und beständiger ihrer eignen sowohl inner- als äußerlichen Abtötung, wie auch durch mündliche Aufmunterung der ihrigen zu der Tugend und geistlichen Vollkommenheit. Inzwischen verlangten die Ursulinerinnen zu Beaucaire ihre liebe Mutter Seraphica wieder zu haben, und damit sie ihnen zurückgeschickt wurde, erwählten sie selbe für ihre Oberin: hat also Seraphica diese Gemeinde 40 ganze Jahre teils als Oberin, teils als Assistentin regiert, mit nicht minderem Fleiß und Sorgfalt als großen Trost der ihrigen und des ganzen Haus großen zeitlichen und geistlichen Nutzen.

 

10. Sie hatte ein männliches Gemüt, einen fähigen Geist und sehr erleuchteten Verstand, absonderlich zu geistlichen Erkenntnissen; wie solches jedermann an ihr schätzte, ausgenommen sie selbst nicht, weil sie von sich selbst redend oft sagte: Ich fürchte, meine lieben Schwestern, dass nicht ich als eine Blinde andere Blinde führe und beide endlich in die Grube fallen. In allem wandelte sie in heilsamer Furcht und großem Misstrauen auf sich selbst: man sah sie ihre eigene Meinung beiseits setzen, um anderer Rat zu folgen; ja auch von den jüngeren Schwestern verlangte sie eine gute geistliche Lehre zu empfangen; beklagte sich bei ihnen, dass sie in ihrer Andacht immerdar lauer werde und begehrte dazu von ihnen aufgemuntert zu werden: durch welche ihre Verdemütigung sie selbst in der Tugend gewachsen, andern aber große Auferbauung und Hochschätzung gegen ihr verursacht hat. Das hohe Alter und die Leibs-Schwachheiten, welche bei anderen den Eifer des Geistes zu vermindern pflegen, verursachten bei ihr ganz das Gegenteil; denn gleichwie ein Licht kein größeren Glanz gibt, als wenn es erlöschen will, also gab sie auch zum Ende ihres Lebens viel augenscheinlichere Exempel der Sanftmut, der Liebe, des Seelen-Eifers und insbesondere der Demut. Einzig ihre Gegenwart war allen den ihrigen ein sonderbarer Trost und sie hielten alle Zusammenkünfte fast ohne Leben, wo sie nicht gegenwärtig war. Es schien nämlich aus dem Angesicht der Mutter Seraphica eine wohlanständige Fröhlichkeit; aus den Augen eine geistliche Einfältigkeit; aus ihren Reden eine aufrichtige Redlichkeit; aus ihrer Weise zu handeln eine eindrückliche Liebe mit sonderbarem göttlichen Segen begleitet. Und haben 3 Kirchen-Häupter sich ihrer Hilfe gebraucht in Verbesserung dreier Klöster, wo man sonst nichts hat ausrichten können. Sie gab doch in allem diesem mit größter Demut Gott allein die Ehre und schrieb alles seiner Gnade zu.

 

11. Damit sie aber endlich zu dem Ehren-Kranz, den sie im Himmel durch ihre Verdienste erarbeitet hatte, gelangte, schickte ihr Gott eine schwere Krankheit zu; an der sie sich am heiligen Weihnachts-Abend in dem 1667sten Jahr legen hat müssen: und wurde dadurch ihres herbeinahenden Endes erinnert. Sie säumte auch nicht die notwendige Vorbereitung vorzunehmen, sondern ließ sich gleich folgenden Tags darauf mit der heiligen letzten Wegzehrung versehen: danach hatte sie alle die ihrigen um Verzeihung ihrer Fehler gebeten, ihnen die eifrigen Übungen des Glaubens, der göttlichen Gegenwart, der schwesterlichen Liebe untereinander, wie auch der wahrhaften Demut und Beharrlichkeit im geistlichen Beruf, Haltung der Regeln und Ordensdisziplin anbefohlen, also von ihnen unter größten deren Leid Abschied genommen. Der Beichtvater ermahnte sie, ihnen auch den letzten mütterlichen Segen zu erteilen, was auch so geschehen ist. Die Heftigkeit der Krankheit und bittere Arzneien konnten sie niemals zur mindesten Ungeduld bewegen. Ihre Erkenntnis (Dankbarkeit) aber für alle ihr angewendete Mühe und Sorgen zeigte sie mit vielen Worten, und nach verstrichenen 6 Tagen ihrer Krankheit ist sie den siebenten zur ewigen Ruhe abgeschieden. Welcher ein Samstag war und der letzte des 1667. Jahres, ihres Alters bei 66. Jahr. Es ist nicht zu beschreiben, in welche Betrübnis dieser Todesfall das ganze Kloster gesetzt hatte. So war auch der Zulauf des Volkes zu ihrem Leichnam unbeschreiblich groß und nicht minder die Verehrung, die sie ihm angetan haben. Es ist der Leichnam beigesetzt worden in der Kapelle des Göttlichen Kindlein Jesus, welche sie hat bauen lassen; zwar ohne besonderes Gepränge, weil sie es selbst bei Lebzeiten also ernstlich verlangt hatte. Man sagt, dass ihre Himmelfahrt einer gewissen frommen Person sei offenbart worden an einem Samstag, den dritten Tag im März, etwas länger als 2 Monate nach ihrem Tod:

 

Ihre Grundlehren:

 

1. Wenn wir das Kreuz recht verehren und damit Christus nachfolgen wollen, müssen wir uns gleichförmig machen seiner Armut und Demut; welche Tugenden ein großer Teil seines Kreuzes waren.

 

2. Wenn du durch dein Gebet bei Gott etwas erhalten willst, so befleißige dich gegen deinen Nächsten barmherzig zu sein; denn durch den Weg der Barmherzigkeit gelangt man zur göttlichen Freigebigkeit; und erhält hundertfältig von Gott, was man dem Nächsten getan.

 

3. Gott probiert uns oft durch anderer Bosheit: wenn wir uns aber gegen sie verhalten, als wie die heiligen Märtyrer gegen ihre Tyrannen, so wird Gott wissen selbe zu verändern und aus Feinden zu unseren Freunden zu machen.

 

31. Dezember

 

Die heilige Melania, Witwe,

+ 31.12.439 - Fest: 31. Dezember

 

Die Legende von der heiligen Melania, die am 31. Dezember 439 starb, passt sehr gut in die Weihnachtszeit hinein, denn die Heilige hat die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens in Jerusalem und Bethlehem zugebracht. Sie hat aus Verehrung zum göttlichen Kind von Bethlehem in der Nähe der Stelle, wo die Krippe stand, ein Kloster gegründet und hat sich vor allem dadurch bewährt, dass sie wie unser Herr Jesus Christus arm wurde aus Liebe zu den Menschen. Die heilige Melania ist eine richtige Krippenheilige.

 

Melania wurde in Rom geboren im herrlichsten Palast, den es neben dem Kaiserschloss gab, und Roms reichster Mann war Melanias Vater. So reich war die Familie, dass bereits die jährlichen Einnahmen aus dem großen Grundbesitz in Italien, Spanien und Nordafrika in die Millionen gingen. Und Melania, das Milliardärstöchterchen, war als einziges Kind die Alleinerbin des Riesenvermögens. In Marmor, Gold und Silber, in Samt und Seide, bei Musik und Festen, im Schimmer ungezählter Kerzen, die sich in den Spiegelwänden der Säle verzehnfachten, wuchs das Mädchen auf, dem tausend Diener und Dienerinnen zur Verfügung standen.

 

Melania interessierte sich jedoch nicht für das schöne Leben, so als wenn sie damit nichts zu tun hätte. Nur ihre Haut berührte den Reichtum, nicht ihr Herz, das sich schon ganz früh von den irdischen Dingen loslöste, um Gott allein anzugehören. Gern wäre Melania ins Kloster gegangen, aber der Vater erfüllte ihr diesen Herzenswunsch nicht und verheiratete sie in jungen Jahren nach damaligen Brauch, ohne sie zu fragen, mit dem vornehmen Römer Pinian, damit durch die Tochter das Geschlecht weiterblühe. Zu Anfang schien es auch, als ob die Wünsche des alten Mannes in Erfüllung gingen, denn Melania schenkte erst einer Tochter und im folgenden Jahr einem Sohn das Leben. Da war die Freude groß, aber dann starb die Tochter, und gleich darauf starb auch der Sohn. Die junge Mutter wollte vor Traurigkeit gar nicht mehr Leben und wurde schließlich todkrank. Als sie aber nach vielen Monaten langsam wieder gesund wurde, legte sich der Vater alt und schwach nieder und starb schließlich. In dem Augenblick, als das geschah, war Melania die reichste Frau der ganzen Welt.

 

Die reichste Frau der Welt war inzwischen auch eine ganze Christin geworden. Mit der Zustimmung ihres Mannes, der von gleich guter und edler Art war, begann Melania, das ererbte Riesenvermögen auf christliche Weise zu verwenden, indem sie die Armen versorgte. In kurzer Zeit verkaufte die Milliardärin den gesamten Besitz, und der Erlös floss reichlich den Notleidenden zu. Allen Sklaven, achttausend an der Zahl, schenkte die hochherzige Frau die Freiheit. Sie aß auch mit den Sklaven am gleichen Tisch und bediente sie, wie eine Magd die Herrschaft bedient. Melania machte Ernst mit dem Christentum, und wenn sie dabei schnell verarmte, so wurde sie umso reicher in Christus, nach dessen Beispiel sie sich richtete, der, obwohl er der Herr des Himmels und der Erde ist, um der Menschen willen Knechtsgestalt annahm, der reich war und aus Liebe zum Nächsten arm wurde.

 

Was in der Krippe geschehen war, wiederholte sich im Leben der treuen Christusjüngerin Melania. Die heilige Melania ist die erste in der Geschichte des Christentums, die in solch hochherziger Weise die christliche Nächstenliebe ausgeübt hat, heute noch allen Christen zum Beispiel und Vorbild.

 

Wie bereits erwähnt, verlebte Melania betend und glaubend die letzten zwanzig Jahre des Lebens in Jerusalem und Bethlehem unter armseligen Verhältnissen. In einer Bretterbude wohnte sie. Mit dem Geld, das reiche Freunde ihr schenkten, unterstützte sie weiterhin die Armen und baute ein Kloster, in das sie selbst eintrat, nicht um die Vorsteherin, sondern um die Dienstmagd der anderen zu sein.

 

So hat die heilige Melania in ihrem ganzen Leben das Wort des Herrn zur Wahrheit gemacht. Von ihr kann man sagen, dass sie das gleiche Denken gehabt hat, wie es Jesus Christus hatte. Darin besteht ja letzten Endes das Christentum.

 

Der heilige Silvester, Papst und Bekenner von Rom,

+ 31.12.335 - Fest: 31. Dezember

 

Recht sinngemäß wird das Fest des heiligen Silvester am Ende der weihnachtlichen Achttagefeier begangen, denn wie der heilige Ambrosius und der heilige Eusebius, so war auch Silvester ein machtvoller Verteidiger der Gottheit Christi gegen die falsche Lehre der Arianer, die dem Kind in der Krippe die göttliche Krone rauben wollten. Unter Papst Silvester fand im Jahr 325 zu Nicäa in Kleinasien die erste Allgemeine Kirchenversammlung statt, die zur endgültigen Verurteilung der arianischen Lehre führte. Damals wurde ganz klar die echte Lehre von der Gottheit Christi herausgestellt und als katholischer Glaube für ewige Zeiten festgelegt, dass Jesus Christus Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott und eines Wesens mit dem Vater ist. Wenn wir demnach in diesen Tagen vor der Krippe knien, so sind wir im innersten Herzen davon überzeugt und glauben und bekennen feierlich, dass Mariens Kind Gott gleich und Gott selbst ist. So hat auch der heilige Silvester als Schützer der Gottheit Christi einen passenden Platz an der Krippe zu Betlehem.

 

Der Umstand, dass das Fest des heiligen Silvester auf den letzten Tag des Jahres fällt, ist ferner deswegen nicht ohne Bedeutung, weil der Heilige der Jahreswende in seinem Leben an einer Zeitenwende stand. In der Jugend hat Silvester noch die neunte und im Mannesalter die letzte und blutigste römische Christenverfolgung erlebt. Als er Papst wurde, war der Sieg des Christentums über das Heidentum entschieden. Christus war in dem dreihundertjährigen Streit unbestrittener Sieger geblieben, wie er überhaupt bis zum Ende der Welt in allen Kämpfen Sieger sein wird, denn er ist unüberwindlich stark und überdauert alle Gegner bis in Ewigkeit. Diese Tatsache muss uns am Ende des Jahres den katholischen Rücken straffen, und wenn selbst die ganze Welt in Trümmer gehen sollte, auf den Trümmern erstände verjüngt und neu gekräftigt die katholische Kirche, die auch von den Pforten der Hölle nicht überwältigt wird.

 

Der Silvestertag bildet ferner den Jahresschluss. Wieder ist heute ein Jahr vorüber. Zwölf Monate, zweiundfünfzig Wochen, dreihundertfünfundsechzig Tage sind an uns vorbeigerast wie ein Wolkenschatten auf der Heide, wie ein Schiff, das im Wasser keine Wegspur zurücklässt. Geradeso wird es im neuen Jahr weitergehen, denn die Zeit steht niemals still, und einmal wird auch in unserem Leben der letzte Tag anbrechen. Täglich sterben hunderttausende Menschen. Damit man sich ein Bild von der Zahl machen kann, stelle man sich vor, alle fünf Minuten führe ein langer, vollbesetzter Zug in die Ewigkeit ab. An unserem Sterbetag müssen auch wir in einen der Ewigkeitszüge einsteigen. Himmel, Fegfeuer und Hölle sind die Stationen, an denen der Zug hält. Die Fahrkarte schreiben wir uns selbst durch die guten und durch die bösen Werke, die wir tun. Man schaue also einmal nach, welche Station in diesem Augenblick auf der Fahrkarte steht. Sollte etwa Station Hölle darauf stehen, so lässt man am besten die Karte tunlichst bald im Beichtstuhl umschreiben. Es könnte nämlich sein, dass wir bereits in den nächsten Tagen abreisen müssen. So ernst sind die Gedanken, die sich am Jahresende dem besinnlichen Menschen aufdrängen.

 

Der heilige Silvester schließt das Jahr ab. Es ist das allerdings nur scheinbar der Fall, denn eine Legende ist wie ein Ring, der keinen Anfang und kein Ende besitzt. Da löst ein Tag den anderen ab, und ein Jahr reicht dem nächsten die Hand. So werden wir morgen also von vorn beginnen, und wieder werden uns die Heiligen das neue Jahr entlang begleiten, schützend und führend, aufmunternd und helfend, leicht und sicher, treu und tapfer.

 

Der heilige Marius,

Bischof und Bekenner von Lausanne, Schweiz,

+ 31.12.596 - Fest: 31. Dezember

 

Dieser dritte Bischof der ehemaligen Römerstadt Avenches (Aventicum) in der Schweiz, der 590 seinen Bischofssitz nach Lausanne verlegte, war vielseitig begabt. Neben seinem Amt, das er sehr ernst nahm, fertigte er Kirchengeräte und trieb Ackerbau. Auch die Gründung und Weihe der Marienkirche zu Payerne ist sein Werk. Außerdem nahm er 585 auch am Konzil von Mâcon teil.

 

Der heilige Bischof Marius starb in Lausanne im Jahr 594.

 

Die Wohlehrwürdige Mutter Joanna von St. Bernard, Ursulinerin zu Abbeville,

+ 31.12.1659 - Gedenktag: 31. Dezember

 

(Frei nach dem Originaltext: „Leben der gottseligen Ordens-Genossen aus der Gesellschaft der Heiligen Ursula“, Landshut 1720)

 

1. Joanna Von St. Bernard war eine Tochter des Herrn Nicolai von Mailly und seiner Frau Anna Bequin, die sie geboren hat zu Pondremy unweit von Abbeville, wo der Herr von Mailly Königlicher Renntmeister (Verwalter) war. Nachdem sie bis zum 12. Lebensjahr gottseligst von ihnen erzogen worden war, hat sie beide durch den Tod verloren und ist zu einem Waißlein (einer Waise) geworden; daher hat ihre Schwester, die mit dem Herrn Manessier verheiratet war, sie zu sich genommen und bis zum 25. Lebensjahr für sie Sorge getragen: sie übergab ihr das Hauswesen, welches sie ganz klug und nützlich verwaltete. Ihr Herr Schwager setzte gleiches Vertrauen auf sie und übergab ihr das Almosen, den Bedürftigen auszuteilen, welches wöchentlich ganz reichlich geschehen ist. Inzwischen fühlte sie sich zum Eintritt in das Institut der Ursulinerinnen von Gott berufen zu sein; überließ dieses Ansinnen öfters durch eifriges Gebet dem Himmel, um den göttlichen Willen recht zu erkennen; und nach genügender Erkenntnis dessen fasste sie den endlichen Schluss, diesen Frauen sich beizugesellen.

 

2. Joanna tritt also in den heiligen Orden ein und ließ in kurzer Zeit spüren, was für eine große Zuneigung sie zum Gebet und der Vereinigung mit Gott habe. Öfters bekannte sie es ganz offenherzig ihrer Oberin, sprechend: „Meine liebe Mutter, wofern ich krank wäre und einige Arzney-Mittel vonnöten hätte, würdet ihr mir deren Gebrauch nicht versagen, sondern wie jeder anderen gerne erlauben: ja ihr würdet etliche Tage erlauben, um mich darin von der Krankheit zu erholen: Nun weil mich dann jetzt der gütige Gott in guter Leibs-Gesundheit erhalten hat, so erlaubt mir eben diese Zeit für das Heil meiner Seele, nämlich diese vor dem heiligen Sakrament durch das Gebet zu ergötzen und zu erfrischen.“ Zur Zeit der Geistlichen Übungen hielt sie sich den ganzen Tag, allein das Mittag- und Nachtessen ausgenommen, auf dem Chor vor dem hochwürdigsten Gut auf: und um etwas von ihr zu erlangen, gab es kein kräftigeres Mittel, als ihr eine heilige Kommunion zu versprechen. Das Gesetz des Stillschweigens war ihr also anbefohlen, dass man sie im Konvent mit einem Geizhals verglich, der mit seinem Geld nicht sparsamer sein kann, als sie mit ihren Worten: dagegen war ihr im Arbeiten keine gleich: sie beobachtete inzwischen auf das genaueste die vorgeschriebene Zeit zu allen Sachen und versäumte die geringsten Ordensgeschäfte genauso wenig wie die großen.

 

3. Der Grund all ihrer Tugenden war die Vereinigung ihres Willens mit dem Göttlichen in allen Dingen, was von allen also klar gesehen wurde, dass man sie nur zu nennen pflegte die Schwester des Göttlichen Willens. Aus ihm entsprang der so behände Gehorsam, den sie ihren Oberen in allen Begebenheiten leistete; ihre Zufriedenheit mit allen Zufällen; ihre vollkommene Abschälung von allen zeitlichen Sachen: weil sie sich reich genug achtete, weil sie erfüllen konnte den Göttlichen Willen, besonders im Gehorsam, oder seine Wirkungen in sich erfüllt sah; sie pflegte in allen Zufälligkeiten zu sagen: „bene omnia fecit“: er hat alles wohl getan. Sie nahm also auch alles gleichfalls von der Hand Gottes selbst an: davon hat sie eine schöne Probe gegeben durch eine heroische Überwindung ihrer selbst in einer Krankheit, in der ihr eine unerfahrene Krankenwärterin ein ganz unliebliches und auch untaugliches bitteres Träncklein zurichtete, welches sie etliche Tage aneinander eingenommen hatte, ohne dass sie ein Wort darwieder meldete. Es begab sich zu Abbeville, dass ein gewisser junger Herr, ihr nächster Vetter, von einem andern tödlich verwundet wurde; dessen Eltern, die auf diesen ihren Sohn alle Hoffnung ihres Standes gesetzt hatten, ließen den Täter allenthalben aufsuchen, um ihn der Gerechtigkeit zu überliefern: dagegen die Eltern des Täters hatten ihre Zuflucht zu unserer Mutter Joanna genommen, die alles bei ihren Freunden vermochte, und ersuchten sie, sie möchte bei den ihrigen bewirken, dass sie von der Nachstellung des Täters ablassen und die Rache Gott anempfehlen sollten. Joanna versprach ihnen ihre Hilfe mit der Beteuerung, dass sie das Unglück des Täters ebenso empfindlich bedauere, als das ihres verwundeten Vetters; wie sie dann auch die Sache beiderseits auf das beste gerichtet, dass man dessen Streich für eine Schickung Gottes erkannte und die Rache bald vergessen hat.

 

4. Ihr Gehorsam ist absonderlich lobenswert, sie gab gegen nichts Einwände, alles wurde behänd vollzogen und keine Entschuldigungen wurden beigebracht; es geschah oft, dass sie die Kost-Kinder eine schöne Arbeit gelehret, die sie zuvor selbst nicht gekannt hatten, denen die sich darüber Verwundernden aber geantwortet, dass im Fall der Not der Gehorsam ihr Lehrmeister sei. Die Grund-Lehre des geistlichen Lebens und der christlichen Schule, die der ehrwürdige P. Saint Jure der Gemeinde vorzutragen und auszulegen pflegte, wie nämlich eine geistliche Person müsse blind, stumm und gehörlos sein, hat sie sich also zu eigen gemacht, dass man solche aus ihrem Wandel leicht hat übernehmen können. Einstmals befahl ihr die Oberin, sie solle sich schlafen legen und morgens nicht aufstehen. Dadurch durfte sie nicht beim ersten Gebet erscheinen. Die blind gehorsame Joanna blieb derowegen den ganzen folgenden Tag im Bett liegen ohne Essen und Trinken. Ein anderesmal ließ sie das grobe Cilicium (Bußgürtel) schier am Leib verfaulen, weil man ihr nicht befohlen hat, es abzulegen. Ihre Tugenden wurden von der Liebe gekrönt und sie hatte 12 Jahre lang keinen anderen Gegenstand zur Betrachtung als das Wort: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingegeben hat.“ Und als man sie befragte, was sie für schöne Erkenntnisse daraus gezogen hatte, sagte sie freimütig, dass es ihrer Zunge nicht möglich wäre, es zu erklären.

 

5. Sie starb nach achttägiger Krankheit am letzten Tag des Christmonats 1659. Man will versichern, dass sie nach ihrem Ableben einer aus ihrem Kloster erschienen, mit himmlischen Glanz umgeben, dadurch ihr eine gewisse Gemüts-Bitterkeit, wie auch die Leibs-Krankheit, mit der sie beschattet war, vertrieben hat, also dass die Klosterfrau ganz gesund aufgestanden war und Erlaubnis begehrte zu kommunizieren, mit dem Vermelden, es habe sie die Fürbitte bei Gott der selig verstorbenen Mutter von St. Bernard gesund gemacht: nach empfangener Heiligen Kommunion erzählte sie genau den ganzen Verlauf dieser Erscheinung, wie sich die Sache zugetragen hat.

 

Ihre Grundlehren:

 

1. Das Gebet und die Geduld sind die Waffen, mit denen man alle Widerwärtigkeiten dieses Lebens überwinden muss.

 

2. Eine gehorsame Person muss gleich sein einem toten Leichnam, der sich heben und legen lässt, wie und wohin man will; ohne dass ihm ein Ort oder Veränderung zuwider ist.

 

3. Wo der eigene Wille noch lebt, hat der Gehorsam keinen Platz: dahero der Gehorsam vom heiligen Bernard genannt wird ein Begräbnis des eigenen Willens.

 

Der gottselige Ludwig von Granada, ein ehrwürdiger Vater des Prediger-Ordens,

+ 31.12.1588 – Gedenken: 31. Dezember

 

Ludwig von Granada wurde im Jahr 1504 in der Stadt gleichen Namens von dürftigen, aber gottesfürchtigen Eltern geboren. Sein heller Verstand, seine Lernbegierde, noch mehr aber sein kindlich frommer Sinn, der sich in seiner frühreifen Andacht offenbarte, bestimmten seine Eltern, ihn den Studien und demnächst dem geistlichen Stand zu widmen. In diesen Absichten wurden sie besonders durch den Marquis Mondejar, dessen Aufmerksamkeit des Knaben ausgezeichnete Eigenschaften auf sich gezogen hatten, unterstützt, was umso erwünschter war, da Ludwig, als er kaum vierzehn Jahre alt war, seinen Vater verlor und sich nun von milder Spende behelfen musste. Die Unterstützung seines Wohltäters setzte ihn indessen in den Stand, auf der berühmten Universität zu Valladolid seine in der Schule seiner Vaterstadt begonnenen Studien zu vollenden. Als er hierauf wieder nach Granada zurückkehrte und mit den Vätern des Predigerordens im dortigen Kloster zum heiligen Kreuz, das König Ferdinand nicht lange vorher gestiftet hatte, bekannt wurde, erstaunten sie über den großen Scharsinn, die ausgebreiteten Kenntnisse und erhabene Frömmigkeit des jungen Mannes, so dass sie ihm den Namen des christlichen Cicero beilegten und ihn mit Freuden in ihren Orden aufnahmen.

 

Mit welchem heiligen Eifer er in diesem Orden lebte, geht daraus hervor, dass er – wie sein Lebensbeschreiber uns versichert – in den achtundsechzig Jahren, die er darin verlebte, nie eine Regel überschritten, sondern sein ganzes Leben in vollkommen demütiger Selbstverleugnung zugebracht, unablässig für den Dienst Gottes und zum Heil des Nächsten gewirkt und als ein lebendiges Beispiel aller Tugenden seinen Brüdern vorgeleuchtet hat. Derselbe Biograph erzählt, dass, als Ludwig einst abends spät in seiner abgelegenen Zelle unter Gebet und Seufzern seinen Körper geißelte und sich für ganz unbemerkt hielt, zwei junge Wüstlinge, die, eben im Begriff, sich an einen Aufenthalt des Lasters zu begeben, des Weges daherkamen und ihn hörten, von den Flammenworten seines Gebetes so ergriffen wurden, dass einer zum andern sagte: „O wir Elende! Dieser fromme Ordensmann, der vielleicht nie eine schwere Sünde beging, übt hier die strengste Buße, indes wir Frevler darauf ausgehen, die Zahl unserer Laster zu vermehren. Gewiss hat Gott es zu unserer tiefen Beschämung also gefügt, dass wir Zeugen dieses Werkes seien!“ Sie wurden in ihrem Innern gerührt, kehrten in ihre Wohnung zurück und besserten ihr Leben.

 

In klösterlicher Abgeschiedenheit suchte er sich in den Studien der Gottesgelehrtheit immer mehr zu vervollkommnen, so dass er bald den Auftrag erhielt, sie als Lehrer öffentlich selbst vorzutragen. Seine Predigten brachten die herrlichsten Früchte hervor, denn sie hatten zahllose Bekehrungen zur Folge. Wiewohl sich aber der Ruf seiner Tugenden und Talente bald weithin verbreitete und jeder sich zu ihm drängte, um ihm seine Bewunderung und Ehrfurcht zu zollen, so blieb doch seine tiefe Demut sich immer gleich, denn was auch seine Bemühungen für Erfolg haben mochten, so schrieb er die Verdienste davon nicht sich selbst, sondern der Gnade Gottes zu, von deren Beistand er alles erwartete.

 

In der Nähe von Corduba befand sich ein Kloster, das wegen seiner ungesunden Lage von den Vätern größtenteils verlassen worden war und wie verödet dastand. Dieses zu seinem vorigen Glanz zu erheben und die klösterliche Zucht daselbst wiederherzustellen, erhielt unser Ludwig den Auftrag. Obwohl viele wegen der damit verbundenen Schwierigkeiten und Gefahren diesen Auftrag von sich abgelehnt hatten, so übernahm er ihn doch ohne Widerrede und arbeitete unverdrossen und rastlos für die Ehre des Herrn, der auch seine Bemühungen über alle Erwartung segnete. Denn bald erhob sich dieses Kloster unter Ludwigs Aufsicht und Leitung zu einem glänzenden Muster für alle übrigen.

 

Hier in stiller Einsamkeit, von Felsen umgeben, schrieb er sein herrliches Buch vom Gebet und von der innerlichen Betrachtung, das den schönsten Beweis seiner ungewöhnlichen innerlichen Erleuchtungen liefert, womit der Herr seine unablässige, glühende Andacht lohnte. Diese Abhandlung gehört zu den vollendetsten Werken des geistigen Lebens, denn wenige kommen ihr an Gehalt und Nutzen bei. Der damalige Bischof von Cuenca , Bernhard von Frenesda, schrieb eine eigene Vorrede dazu, und sagt unter andern zum Lob derselben: „Kein Gemüt ist so verstockt, das nicht, von dem Sinn und der Andacht dieses Werkes angezogen, bedeutend sich bessere und zur Übung frommer Werke entflammt werde.“

 

Als der Diener Gottes später dem Provinzialkapitel beiwohnte und den Auftrag erhielt, es mit einer Rede zu eröffnen, wurde der Herzog von Medina Sidonia, in dessen Gebiet das Kapitel gehalten wurde, so sehr von dem Feuer seiner Beredsamkeit hingerissen, dass er eine Abschrift seiner Rede begehrte und ihn von dem Vorsteher der Provinz an seinen Hof verlangte.

 

Nur ungern fügte sich Ludwig dem Wunsch des Provinzials, da er ein abgesagter Feind alles Lobes war, womit man, zumal am Hof, ihn überhäufte. Mit Genehmigung des Herzogs gründete er in der Residenz Badajoz ein Haus seines Ordens, dessen Prior er wurde, und wirkte rastlos in der ganzen Gegend. Sein unablässiger Eifer, die Menschen zur Tugend zurückzuführen, brachte in den umliegenden Städten und Dörfern, wo er die göttlichen Lehren des Christentums verkündigte, die herrlichsten Früchte hervor, indem sich die Sitten der Bewohner sichtlich besserten, Tausende ihre Laster und Unordnungen ablegten und sich wieder zu Gott bekehrten. Um diese heilsamen Wirkungen dauernd zu begründen, verfasste er sein berühmtes Werk: „Die Lenkerin der Sünder“, dem er selbst den ersten Rang unter seinen Schriften einräumte, und dessen Lob ein Schriftsteller mit den Worten erschöpft: „Es hat dieses Werk mehr Irrende auf den Weg des Heils zurückgeführt, als es Buchstaben enthält.“

 

Wirklich hat dieses Buch unzählige Bekehrungen bewirkt, wie kein anderes. In lichtvoller Anordnung stellt darin der Verfasser zuerst die mächtigsten Beweggründe auf, die die Menschen bestimmen müssen, sich Gott ganz hinzugeben und ihm mit unverbrüchlicher Treue zu dienen. Dann widerlegt er auf eine unumstößliche Weise alle Einwendungen, die die Lasterhaften zur Entschuldigung ihres sündvollen Lebens vorzubringen pflegen. Nachdem er nun in dem Leser die feste Überzeugung begründet hat, dass es des Menschen höchste Pflicht ist, Gott zu lieben und ihm gehorsam zu sein und somit die Tugend zu üben, und zu gleicher Zeit auch sein eigener Vorteil solches von ihm erheischt, indem für die Lasterhaften hienieden weder Ruhe, Frieden noch Glück denkbar ist – gibt er ihm die Mittel an die Hand, wie er sich dieses unschätzbare Gut erwerben und, wenn er es erworben hat, erhalten soll, und führt ihn so allmählich vom Anfang seiner Bekehrung bis zur höchsten Vollkommenheit des christlichen Lebens.

 

Der Ruf seiner Tugenden und seines heiligen Eifers verbreitete sich indessen immer mehr und bewog den Kardinal Heinrich, Infant von Portugal und Sohn des Königs Emanuel, den frommen Diener Gottes nach Evora in Portugal, wo er als Erzbischof residierte, zu berufen. Ludwig begab sich auf Befehl seiner Vorgesetzten dahin und wurde gleichsam im Triumph da aufgenommen. Auch hier wirkten seine Predigten so mächtig und wundersam auf die in zahlloser Menge herbeiströmenden Zuhörer, dass in dem Erzbischof der Wunsch entstand, ihn auf immer in seiner Nähe zu behalten. Wirklich brachte er es dahin, dass Ludwig der Provinz Portugal einverleibt wurde, die ihn einstimmig zu ihrem Vorsteher wählte. Er führte dieses Amt mit großer Klugheit, Mäßigung und Liebe, arbeitete noch angestrengter als zuvor, ohne aber dabei von seiner einfachen Lebensweise und seinen strengen Bußwerken abzulassen. Um bei seinen vielfältigen und mühsamen Reisen ja keinen Augenblick zu verlieren, ließ er sich einen Sattel verfertigen, auf dem er selbst reitend lesen konnte.

 

Neben seinen vielen anderen Arbeiten übersetzte er auch um diese Zeit die Werke des heiligen Johannes Climacus ins Spanische, die er der regierenden Königin von Portugal zueignete. Diese gottesfürchtige Fürstin hatte ihm schon früher das Bistum Viseu angeboten, das er aber auf keine Weise hatte annehmen wollen, da er entschlossen war, dem Beispiel seiner Ordensgenossen, des heiligen Dominicus, Thomas von Aquin, Raymundus und anderer hierin zu folgen. Eine neue Prüfung sollte nun seine Standhaftigkeit bestehen, denn kaum hatte die Königin vernommen, dass das Erzbistum Braga erledigt sei, so drang sie von neuem in ihn und forderte ihn zur Annahme dieser Würde mit den Worten auf: „Vater Ludwig! Vor noch nicht langer Zeit entschuldigtet ihr euch und lehntet das Bistum Viseu ab, und ich begreife kaum, wie ich diese Entschuldigung annehmen konnte; jetzt aber hört jede Ausflucht auf, und Ihr müsst das Erzbistum annehmen. Nicht unbewusst ist es euch, wie sehr jener Kirchensprengel verwahrlost ist, und wie sehr das Laster daselbst überhandgenommen hat; diesem Übel kann auf keine andere Weise begegnet werden, als dass Ihr dessen Aufsicht und Leitung auf euch nehmet; denn glaubet mir, eure Gelehrsamkeit und euer tadelloser Wandel wird dazu erfordert, jene Laster auszurotten und den Samen der Tugend in die Herzen zu streuen.“ Ludwig lehnte aber mit seiner gewohnten Demut den Antrag ab, so sehr auch Katharina auf ihrem Willen bestand, und als sie endlich nur unter der Bedingung abstehen wollte, dass er einen geeigneten Mann aufsuchen möchte, dem sie mit gutem Gewissen diese wichtige Stelle anvertrauen könnte, schlug er ihr, nachdem er sich mit Gott darüber beraten hatte, den durch Gelehrsamkeit und Tugend ausgezeichneten und allgemein verehrten Vater Bartholomäus von den Märtyrern vor. „Nun denn“, sprach die Königin, „wenn Gott es euch also eingab, so sei Bartholomäus Erzbischof, und Gott segne sein Wirken!“

 

Bald darauf, nämlich im Jahr 1561, legte die Königin die Last der Regierung nieder und übertrug die Obsorge über ihren noch minderjährigen Sohn Sebastian ihrem Schwager, dem Kardinal Heinrich, der sogleich nach Lissabon reiste, um die Angelegenheiten des Königreichs zu leiten. Da ihm unser Ludwig sozusagen unentbehrlich geworden war, so nahm er ihn mit sich dahin, und hier erwarb er sich die innigste Zuneigung des Thronerben, der ihn, so wie sein Oheim, bis an sein Ende herzlich liebte. Wie sehr Granadas Tätigkeit in der Hauptstadt gesteigert wurde, davon zeugen die vielen Werke, die er zu dieser Zeit zum Druck beförderte, nämlich: vier Bände Predigten auf das Kirchenjahr, denen noch eine Sammlung von Sprüchen über das Gebet und das beschauliche Leben hinzugefügt ist; zwei Bände Fastenpredigten; eine Abhandlung über die Buße; ein Werk in drei Bänden, enthaltend Denksprüche, gesammelt aus den Schriften der Moralphilosophen, als Seneka, Plutarch etc., ein Werk über die geistliche Beredsamkeit, von dem ein berühmter Schriftsteller sagt, es verdiene seines vortrefflichen Inhalts wegen mit goldenen Buchstaben gedruckt zu werden. Zu derselben Zeit erschien auch sein hochberühmtes Gedenkbuch des christlichen Lebens, dessen erste Auflage, wie der Verfasser selbst berichtet, gleich nach ihrem Erscheinen allein in der Stadt Lissabon abgesetzt wurde; auch übersetzte er einige Werke des gottseligen Thomas von Kempen, so wie einige seiner eigenen, ursprünglich lateinisch geschriebenen Werke ins Spanische. Außerdem verfertigte er noch ein großes katechetisches Werk, aus dem seine große Gelehrsamkeit auf eine glänzende Weise hervorleuchtet. So wie er früher eine Sammlung moralischer Aussprüche einiger der älteren griechischen und römischen Lehrer der Weisheit herausgegeben hatte, so beförderte er auch jetzt eine aus den heiligen Schriften, den Kirchenlehrern, den berühmtesten Philosophen, Rednern und Dichtern zusammengetragene und nach Materien geordnete Auswahl von Sprüchen und Weisheitsregeln zum Druck. Dieses Werk ist eine wahre geistige Schatzkammer und bekundet den ungemeinen Fleiß des Sammlers, der, der Biene gleich, hier den köstlichsten Honig zusammentrug, um damit das Herz seiner Mitmenschen zu erquicken. Er schrieb auch die Lebensgeschichten mehrerer seiner Zeitgenossen, die er durch näheren Umgang genau hatte kennengelernt, nämlich die des frommen Erzbischofs Bartholomäus von den Märtyrern, des Kardinals und nachherigen Königs Heinrich von Portugal, ferner des Paters Johannes Avila, eines berühmten Predigers und geistlichen Lehrers u.a.m.

 

Wie sehr diese Werke geschätzt wurden, beweisen die vielen Auflagen, die man davon veranstaltet hat. Sie sind in die meisten europäischen Sprachen, die ursprünglich spanisch geschriebenen ins Lateinische, ja mehrere sogar ins Türkische, Ost- und Westindische übersetzt worden. Der damalige Statthalter Jesu Christi erließ auf Veranlassung des heiligen Kardinals Karl Borromäus, der unseren Ludwig ungemein hochachtete und dessen Schriften das unbedingteste Lob spendete, folgendes Schreiben an ihn:

 

„Seinem vielgeliebten Sohn Ludwig von Granada, aus dem Predigerorden, Papst Gregor VII.

 

Vielgeliebter Sohn, Heil dir und apostolischer Segen! Deine täglichen und unablässlichen Arbeiten, die Menschen sowohl von Lastern abzuschrecken als zur Vollkommenheit des Lebens zu berufen, waren uns immer angenehm, und allen jenen, welche nach ihrem eigenen und ihres Nächsten Heil trachten und von dem Verlangen nach der Ehre Gottes erglühen, höchst heilsam und erfreulich. Bereits hast du viele Predigten und Bücher voll der vorzüglichsten Lehren und Frömmigkeit herausgegeben; dies tust du noch täglich und hörst nimmer auf, sowohl gegenwärtig als abwesend Christo so viele Seelen als möglich zu gewinnen. Innig erfreuten uns so vorzüglich gute Früchte, sowohl in anderen als in dir. Denn so viele mit Nutzen deine Predigten gehört und deine Schriften gelesen, so viele Söhne hast du Christo erzeugt und ihnen eine weit höhere Wohltat erwiesen, als wenn du Blinden das Gesicht und Toten das Leben von Gott erfleht hättest. Denn weit mehr frommt es, jenes ewige Licht und glückselige Leben (sofern dies dem Sterblichen verliehen ist) zu erkennen, und in frommem und heiligem Wandel danach zu streben, als Überfluss an allen irdischen Gütern und Freuden zu haben; dir selbst aber hast du viele Kronen bei Gott bereitet, da du mit aller Liebe diesem Streben, dem vorzüglichsten von allen, dich weihest. Fahre denn fort, wie du bisher getan, gib diesem Wirken aus vollem Herzen dich hin, und vollende die Werke, die du angefangen (denn es ist uns kund geworden, dass du mit einigen noch beschäftigt bist) und befördere sie ans Licht zum Heil der Kranken, zur Kräftigung der Schwachen, zur Freude der Gesunden und Starken und zur Glorie sowohl der streitenden als der triumphierenden Kirche.“

 

Der heilige Franz von Sales nennt Ludwig von Granada den „Fürsten der geistlichen Schriftsteller“ und rät allen Geistlichen, die Schriften von ihm fleißig zu lesen und sie gleichsam als ihr zweites Brevier zu betrachten. „Dieses“, schreibt er, „tat auch der heilige Karl Borromäus, der keine andere Lehre predigte, als die Ludwigs von Granada, und der doch so vortrefflich Gottes Wort vortrug. Doch ist dies nicht der Nutzen allein, den ihr daraus schöpfen könnet; er soll auch in eurem Gemüt der Liebe zur wahren Andacht und zu allen euch notwendigen geistlichen Übungen entzünden. Nach meiner Meinung müsste man mit der Lesung der Lenkerin der Sünder anfangen, dann zu dem Gedenkbuch des christlichen Lebens übergehen, und endlich zu den übrigen Werken. Um ihn aber mit Gedeihen zu lesen, soll man ihn nicht verschlingen, sondern bedächtig erwägen, und ehe man wieder ein neues Kapitel beginnt, das frühere mehrere Mal überdenken und der Seele einprägen, indem man unablässig seine Betrachtungen und sein Gebet zu Gott richtet. Mit Ehrfurcht und Andacht soll man ihn lesen, als ein Buch, das die heilsamsten Erleuchtungen, die die Seele vom Himmel empfangen kann, enthält, um dadurch alle unsere Seelenkräfte zu erneuern, indem man sie durch Betrachtung aller schnöden Begierden reinigt und sie durch feste Vorsätze zu ihrem Ziel hinlenkt.“

 

Der große Bossuet, Bischof von Meaux, zollt den Schriften Ludwigs von Granada die größte Bewunderung und das ungeteilteste Lob. Michael ab Isselt, der beinahe alles Schriften Ludwigs von Granada ins Lateinische übertragen hat, äußert sich folgendermaßen über ihn: „Aus den Worten dieses großen Schriftstellers kann man sich überzeugen, wie sehr sein Gemüt in Liebe zu Gott erglüht und sein Verstand durch das Licht des Heiligen Geistes erleuchtet war. Sein Vortrag ist klar und überzeugend, seine Worte ergreifend und erhaben. Was er über die Bekehrung des Sünders, über die Sakramente der Buße und Eucharistie, über die Beseligung eines tugendhaften Lebens, über das Gebet, die Betrachtung, die Menschwerdung, die Wohltaten Gottes, die Liebe zu Gott, die christliche Vollkommenheit sagt, ist so katholisch, tiefandächtig, geistreich und würdevoll dargestellt, dass man sagen sollte, er sei mit einem mehr als menschlichen Geistesvermögen ausgestattet gewesen.“ An einer anderen Stelle sagt derselbe ab Isselt von Granada: „Nie belehrte er, ohne zu gleicher Zeit das Herz zu rühren, und nie rührt er das Herz und erschüttert, ohne zugleich eine Lehre damit zu verbinden.“

 

Wir könnten hier noch die Zeugnisse und Lobeserhebungen eines Feller, Liguori, Crasset, Overberg, Silbert, Brockmann und vieler anderer gewichtigen Stimmen anführen, doch übergeben wir sie, da Granadas Wandel und Werke über alles Lob erhaben sind. So feind er aber auch allem Lob war, so ungern er sich in weltliche Angelegenheiten mischte, so konnte er es doch nicht verhindern, dass die größten Fürsten und Könige ihm nicht allein ihre Ehrfurcht bewiesen, sondern ihn auch in schwierigen Angelegenheiten um Rat fragten, indem sie mit Recht glaubten, einem solchen Mann müsse eine besondere göttliche Erleuchtung innewohnen. Außer den portugiesischen Königen Johann III., Sebastian, dem Erzbischof und Kardinal Heinrich, der ebenfalls nachher den Thron Portugals bestieg, und der Königin Katharina, die alle, wie wir zum Teil schon oben berichtet haben, eine ehrfurchtsvolle Zuneigung zu ihm hegten, bezeigte auch der König von Spanien, Phillip II., ihm seine hohe Achtung dadurch, dass er ihm die Entscheidung einer wichtigen Staatsangelegenheit, wo es sich um den Besitz eines ganzen Königreichs handelte, übertrug, und seinem Neffen, dem Infanten Albert, Kardinal und Erzbischof von Österreich, eine besondere Sorgfalt für ihn anempfahl.

 

Der damalige Botschafter am portugiesischen Hof, Kardinal Alexandrinus, Neffe des heiligen Papstes Pius V., bezeigte ihm ebenfalls eine besondere Freundschaft. Einst glaubte er ihn angenehm zu überraschen, als er ihm von Rom aus meldete, wie Sixtus V. durch seine Arbeiten für die Ehre Gottes und seine zahlreichen Schriften sich bewogen fühle, ihm nächstens den Kardinalshut zu übersenden. Dieser Brief war ein Donnerschlag für den Mann Gottes, der in Eile den Herrn anflehte, er möchte das Herz des Papstes wenden, und sogleich nach Rom schrieb und Seine Heiligkeit bat, ihm als einen bereits erschöpften achtzigjährigen Greis, der kaum das Zimmer mehr verlassen könne, mit dieser Würde zu verschonen. Nichts vermochte seine tiefbegründete Demut, so oft sie auch durch den Glanz irdischer Größe versucht wurde, zu erschüttern. Je höher man ihn achtete, desto tiefer erniedrigte er sich selbst. Oft sagte er bei den Versuchen der Großen, die alle den gottesfürchtigen Mann zu sehen verlangten, er müsse wohl ein Ungeheuer besonderer Art sein, dass so viele neugierig wären, ihn zu sehen.

 

Die Zeit, die ihm die Ausübung der Pflichten des geistlichen Standes übrig ließ, brachte er am liebsten in seiner Zelle oder im Büchersaal zu, widmete sie allein dem Gebet, der Betrachtung und den Studien. Mit der größten Strenge versagte er sich jede Erholung, begnügte sich mit spärlicher Kost und wollte sogar nicht zugeben, dass man seine Zelle im strengsten Winter heizte. Als einst in grimmiger Kälte ein Gefährte zu ihm kam und den schon bejahrten frommen Mann in solcher Verlassenheit sah, sprach er gerührt zu ihm: „Ehrwürdiger Vater, schweres Alter beugt euch bereits, schon seid ihr von Krankheiten und Schwächen erschöpft, und die Strenge der Witterung ist so ungemein groß, lasst euch doch Feuer in eurem Zimmer anmachen; und da überdies eure Kleider so abgenutzt und zerrissen sind, dass sie euch nicht vor der Kälte zu schützen vermögen, so erlaubt mir, dass ich euch ein neues Gewand besorge.“ Gutmütig hörte ihn der Greis an und sprach: „Dessen bedarf es ganz und gar nicht. Hat die Güte Gottes schon so viele Jahre hindurch in strenger Winterkälte mich erhalten, so hoffe ich, wird sie auch jetzt mich erhalten, zumal, da mein Gewand noch gut genug ist, mich vor übler Witterung zu schützen.“ Und wie sehr auch jener in ihn drang, willigte er dennoch auf keine Weise ein, sondern antwortete in hoher Einfalt und Demut: „Lasst ab, ehrwürdiger Vater, und redet nicht weiter davon, denn es geht mir über alle meine Verdienste gut. Es gibt gewiss weit ärmere Menschen als ich, und die überdies auch von besserem Stand und Wandel sind, die vor Kälte zittern und Hungers sterben; diesen spendet, was ihr mir spenden wollt, und erlaubt mir, auch fernerhin auf diese Weise zu leben, wie ich sie von Kindheit an gewohnt bin.“ So groß war seine Demut und Liebe zur Armut, dass er immer in abgetragener Kleidung einherging, und selbst in schweren Krankheiten alles, was man ihm zur besseren Pflege sandte, den Armen zuwendete, ja oft Tag und Nacht für sie arbeitete und die Großmut der Reichen stets für sie in Anspruch nahm. Seine ganze Seele lebte und wandelte nur in Gott, und sein Leben war nur ein Streben nach Heiligkeit. Mit besonderer Andacht bereitete er sich durch Gebet und Betrachtung zum heiligen Messopfer vor, und nach ihm verwendete er eine geraume Zeit dazu, Gott seinen heißen Dank für die ihm widerfahrene Gnade darzubringen. Wie der heilige Bernhard legte er vor der Tür des Heiligtums jegliche Sorge ab, und dachte an nichts, als sich in dieser heiligen Stunde mit Gott zu beschäftigen. Einst ging er, um Messe zu lesen, als in demselben Augenblick jemand zu ihm kam, um ihn um Rat zu fragen. Er befahl diesem, nach Hause zu gehen und später wiederzukehren. Als der Mann aber solange warten wollte, bis die heilige Handlung vorüber sei, antwortete Ludwig gelassen: „Geht von hier, damit ich nicht, gleichsam wie am Zipfel des Rockes gezogen, gezwungen sei, zu eilen.“ Überhaupt war bei allen seinen Handlungen sein Blick stets auf den Herrn gerichtet, in dessen Gegenwart er bis an sein Ende wandelte.

 

Nach einem in rastloser Tätigkeit und musterhafter Frömmigkeit zugebrachten Leben starb er in seinem vierundachtzigsten Jahr nach einer schweren und schmerzlichen Krankheit am letzten Tag des Jahres 1588, um, wie sein Geschichtsschreiber bemerkt, das neue Jahr im Reich der Seligen zuzubringen.