Heilige im August

 

1. August

 

Die Kettenfeier des heiligen Petrus

 

Gleich zu Beginn der Lesung heute stößt man auf den König Herodes. Dieser Herodes hatte bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich, als er König wurde. Im sechsten Lebensjahr kam er nach Rom und geriet früh unter die Räder. Ein Schlemmer war er, ein Verschwender und Schuldenmacher, der zeitweilig sogar im Gefängnis saß, bis ihn die Gunst des römischen Kaisers von heute auf morgen zum König erhob. Natürlich wollten die Juden von einem solchen König nicht viel wissen und schnitten ihn, wo sie konnten. Da katzbuckelte Herodes vor den eigenen Untertanen, schmeichelte ihnen auf jede erdenkliche Weise, und als er merkte, dass er bei den Pharisäern Eindruck machen könne, wenn er die verhassten Christen verfolgte, ließ er zunächst um Ostern 44 den heiligen Apostel Jakobus den Älteren hinrichten. Als nächster sollte der heilige Petrus an die Reihe kommen, der im Gefängnis saß.

 

Es war in der Nacht vor dem Hinrichtungstag. Petrus wurde im Gefängnis wie ein Schwerverbrecher von sechzehn Soldaten in vier Abteilungen bewacht. Zwei weitere Gefangenenwärter befanden sich bei ihm in der Zelle. Außerdem trug der Verurteilte doppelte Ketten. Da war an ein Entweichen oder an eine Befreiung nicht zu denken, aber die christliche Gemeinde in Jerusalem betete ohne Unterlass zum Herrn für Petrus, und es sollte sich tatsächlich zeigen, dass das Gebet stärker ist als alle Wachen und Ketten.

 

In der Nacht vor dem Hinrichtungstag schlief Petrus trotz der Wachen und Ketten seelenruhig den Schlaf des Gerechten. So fest schlief er, dass der Engel, den Gott zu seiner Befreiung sandte, ihm erst einen kräftigen Stoß geben musste, damit er aufwache, und während er sich verschlafen noch die Augen rieb, fielen ihm die Ketten von den Händen, und schon drängte der Bote des Himmels zur Eile mit den Worten: „Petrus, mal schnell in die Schuhe!“ Petrus tat so, und wieder sagte der Befreier: „Nun nimm den Mantel und dann rasch hinter mir her!“ Petrus tat, wie ihm geheißen wurde, aber bei Verstand war er immer noch nicht, es kam ihm vor, als träume er. Darauf schritten die beiden ungesehen und ungehindert durch die Wachen bis zur dreifach verriegelten eisernen Gefängnistür, und siehe da, das Tor öffnete sich von selbst. Stillschweigend begleitete der Engel seinen Schützling noch ein Stück Wegs und war dann plötzlich verschwunden. Jetzt erst kam Petrus zu sich selbst. Wie versteinert blieb er einen Augenblick stehen, fasste sich mit der Hand an die Stirn und sagte halblaut vor sich hin: „Nun weiß ich sicher, dass der Herr seinen Engel gesandt hat, er hat mich aus der Hand des Herodes und aller Erwartung des Volkes der Juden entrissen.“

 

Da stand also der befreite Petrus mutterseelenallein auf der nächtlichen Straße und überlegte, was er tun solle. Natürlich durfte er unter den gegebenen Umständen nicht in Jerusalem bleiben. Bevor er jedoch das Weite suchte, wollte er erst den Glaubensbrüdern Bescheid geben. So stapfte er durch die Stadt nach dem Abendmahlssaal, der ersten Kirche der Christenheit, wo zur gleichen Stunde die Gläubigen für ihn beteten. Stürmisch, wie es seine Art war, klopfte er drei-, vier-, zehnmal nacheinander, und es kam auch sogleich eine Magd, und als diese die Stimme des Apostels vernahm, vergaß sie die Tür zu öffnen, rannte vielmehr zu den anderen zurück und meldete, Petrus stehe draußen. Da gab es erstaunte Gesichter, einer warf einen vielsagenden Blick nach dem älteren Mädchen, und ein zweiter meinte: „Du, du bist wohl nicht recht bei Trost, was?“ Währenddessen trommelte Petrus unten an der Tür weiter, und als man ihm endlich öffnete, stand er wirklich da. Groß war die Freude, als Petrus von seiner Befreiung berichtete. Darauf gab er noch schnell einige Anordnungen und verließ in der gleichen Nacht die Stadt, um sich in Sicherheit zu bringen.

 

Vierhundert Jahre nach dem erwähnten Vorfall kamen die Ketten, die Petrus in Jerusalem getragen und die die dortigen Christen in all der Zeit als Reliquien verehrt hatten, nach der Ewigen Stadt, und als sie der damalige Papst neben die Ketten legte, an die der Apostelfürst später im Kerker zu Rom angeschmiedet war, schlossen sich beide zu einer einzigen Kette zusammen. Da erbaute man zu Ehren der Ketten eine Kirche, die man die Kettenkirche nannte und in der heute noch die Ketten des heiligen Petrus gezeigt und verehrt werden, und wer sie sieht, wird dabei unwillkürlich an die Tatsache erinnert, dass der liebe Gott ein gutes und beharrliches Gebet gern erhört.

 

Der heilige Petrus Faber, Priester, Ordensmann und Missionar,

+ 1.8.1546 – Fest: 1. August

 

Zur Zeit, als die wilden Wogen der sogenannten Reformation sich verheerend über Deutschland ergossen, im heftigen Anprall alle bestehende Ordnung über den Haufen warfen, den Glauben verkümmerten, die guten alten Sitten verdarben, die deutschen Fürsten und Völker entzweiten und blutige Bruderkriege hervorriefen, als der Abfall der Geistlichen und Laien vom alten Glauben riesige Fortschritte machte und Laster und Gottlosigkeit immer mehr zunahm, richtete die göttliche Vorsehung ein Bollwerk auf, das den zerstörenden Fluten Einhalt tun und den alten Glauben und die guten Sitten der Religion Jesu Christi retten sollte. Dieses Bollwerk in Gottes Hand war der Jesuitenorden. Der erste Jesuit, der in Deutschland wirkte, war der durch Papst Franziskus am 17. Dezember 2013 heiliggesprochene Petrus Faber.

 

Faber erblickte das Licht der Welt im Jahr 1506 zu Villarette in der Diözese Genf. Als kleiner Junge hütete er die Herde seines Vaters, sammelte dann die anderen Hirtenjungen um sich und unterrichtete sie mit solchem Eifer im Katechismus, dass nach und nach selbst Erwachsene kamen und seinen begeisterten Aufforderungen zur Tugend und Gottesfurcht lauschten. Zehn Jahre alt, begann er seine Studien. Mit zwölf Jahren gelobte er immerwährende Keuschheit und bewahrte die lilienreine Unschuld bis zu seinem Lebensende. Auch die übrigen Tugenden pflegte er mit aller Sorgfalt.

 

Ein Verwandter, der Kartäuserprior Faber, schickte den strebsamen und tugendreichen jungen Mann Petrus Faber im Jahr 1525 auf die berühmte Hochschule zu Paris, um dort seine Studien zu vollenden. Im Kolleg St. Barbara, wo er einen Freitisch erhielt, schloss er einen innigen Freundschaftsbund mit einem jungen Spanier, Franziskus Xaverius, der später der Apostel von Indien und Japan wurde. Als Dritten im Bunde führte ihnen Gott im Jahr 1529 den gottbegeisterten Ignatius von Loyola zu, der als Stifter des Jesuitenordens zahllose Seelen für das Reich Gottes erobert hat.

 

Die drei Freunde studierten zusammen die Philosophie und Theologie. Faber war der erste, auf dem Ignatius bei seinem Plan, einen neuen Orden zu stiften, seine Augen warf, indem ihn seine Sanftmut, Bescheidenheit, Klugheit und wissenschaftliche Bildung sehr ansprachen. Mit größter Begeisterung ging Faber auf die Pläne seines Freundes ein, dem apostolischen Stuhl seine Dienste zu widmen, Wahrheit und Recht zu verteidigen und ein armes, keusches, gehorsames Leben in Gott zu führen. Als Faber sich zum Empfang der heiligen Weihen vorbereitete, hielt ihm Ignatius vierzig Tage lang Exerzitien. Während der ersten sechs Tage nahm Faber keine Nahrung zu sich und trotz der schneidenden Kälte duldete er kein Feuer im Ofen. Am 22. Juli 1532 feierte er das erste heilige Messopfer. Am 15. August 1534 legten die drei Freunde Ignatius, Faber, Franz Xaver mit noch vier anderen gleichgesinnten Genossen, nämlich Laynez, Salmeron, Bobadilla und Rodriguez, zu Montmartre bei Paris die Gelübde ab. Faber, damals der einzige Priester der neuen Gesellschaft Jesu, las die Heilige Messe und reichte seinen Genossen die heilige Kommunion.

 

Um von Papst Paul III. die Bestätigung ihres Ordens zu erhalten, ging Faber mit Ignaz und Laynez nach Rom, hielt dort Vorlesungen für die Gelehrten und katechetische Vorträge für Kinder und das einfache Volk. Dann wurde er nach Parma geschickt, wo alles Volk zu seinen Predigten strömte und sein Beichtstuhl beständig von Büßern umlagert wurde. Mit Priestern und angesehenen Laien hielt er Exerzitien, und gründete drei Vereine für Geistliche, für Bürger und für Frauen.

 

Als die Gesellschaft Jesu 1540 die päpstliche Bestätigung erhielt, wurde Faber nach Deutschland geschickt, um der immer mehr um sich greifenden Irrlehre Luthers und Calvins Einhalt zu tun. Er war der erste Jesuit, der in Deutschland wirkte und der Erfolg seiner Tätigkeit war wunderbar. Durch seine geistlichen Übungen erneuerte er zunächst die guten Sitten und den Eifer der Priester, um durch sie auf das Volk segensreich einzuwirken, und es gelang ihm dies in allen Städten. In Speier nahm man den strengen Sittenprediger anfangs mit Misstrauen auf, aber bald hatte er die Herzen in solchem Maß gewonnen, dass nach Ablauf der Osterzeit alle Geistlichen dem Bischof bezeugten: „In diesem einzigen Jahr haben sich zur österlichen Beichte und Kommunion mehr Gläubige eingefunden, als früher in zwanzig Jahren.“ Der Kurfürst Albrecht von Brandenburg berief ihn nach Mainz, wo er Vorlesungen über die Heilige Schrift hielt, und am 8. Mai 1543 den ersten deutschen Novizen, den berühmten Petrus Canisius, in seinen Orden aufnahm. Zu Löwen gewann er den ausgezeichneten Priester Cornelius Vishave als Ordensmitglied und legte hier und zu Köln den Grund zur Errichtung von Jesuitenkollegien.

 

Die glücklichen Erfolge Fabers in Zurückführung der Verirrten sind hauptsächlich den edlen Grundsätzen zuzuschreiben, die er in einem Brief an seinen Freund Laynez aussprach: „Vor allem muss man die Verirrten mit einer innigen, wahren Liebe umfassen, ihre Neigung und ihr Herz gewinnen, sie mit Höflichkeit anreden und im freundschaftlichen Umgang anfangs nur von Gegenständen reden, worin man gegenseitig übereinstimmt, aber nicht von solchen, die gegenseitige Kämpfe und Trennung der Gemüter veranlassen. Hat man es mit einem Verirrten von unsittlichem Wandel zu tun, so muss man ihn erst vom Laster abzubringen suchen, denn Tugend und Frömmigkeit führen selbst wieder zur Wahrheit.“

 

Groß war die Trauer im ganzen deutschen Reich, als Faber nach kaum vierjähriger Wirksamkeit abberufen wurde, denn er hatte wunderbare Erfolge aufzuweisen. Ein Mitbruder schrieb von ihm: „Fabers Name allein ermutigt die Katholiken in ganz Deutschland und kräftigt die Fürsten zur Wiederherstellung der Religion. Auf seinen Antrieb eilen die Besten überall zu Christus zurück und so manche treten in die Gesellschaft Jesu ein.“

 

Unablässig rief Faber den Himmel an, dass die Irrgläubigen sich bekehren möchten und durch Briefe wirkte er auf die Bekehrten und versuchte sie im Glauben zu stärken. Seine unermüdlichen Arbeiten und Bußübungen rieben seine Kräfte vor der Zeit auf. Als er auf Befehl des Papstes mit Laynez und Salmeron zum Konzil von Trient gerufen wurde, um als päpstlicher Theologe an den Beratungen teilzunehmen, starb er in Rom am 1. August 1546, kaum 40 Jahre alt, betrauert von den Katholiken aller Länder, die sich seiner Tätigkeit erfreut hatten. Gleich nach seinem Tod ehrte ihn das Volk als einen Heiligen. Schon 1561 wurde sein Geburtshaus in eine Kapelle umgewandelt und ein Altar darin vom heiligen Franz von Sales geweiht. Die Seligsprechung des Petrus Faber erfolgte unter Papst Pius IX. am 31. August 1872 und seine Heiligsprechung, wie oben erwähnt, am 17. Dezember 2013 durch Papst Franziskus.

 

Die Machabäische Mutter mit ihren sieben Söhnen

 

Die fromme Machabäische Mutter und ihre sieben Söhne waren schon zweihundert Jahre vor Christi Geburt ein leuchtender Beweis, dass den Menschen nichts von der Liebe Gottes zu scheiden vermag, solange er Ihn vor Augen hat und sein Wort im Herzen bewahrt.

 

Als Antiochus Epiphanes, König in Syrien, Jerusalem erobert hatte, versuchte er die Juden mit Gewalt vom wahren Gott abzubringen und zur Anbetung der aufgestellten Götzenbilder zu bewegen. Viele ließen sich von der Furcht vor dem Tod zum Abfall verleiten; andere aber wählten lieber den Tod. Unter denen war auch die Machabäische Mutter mit ihren sieben Söhnen. Da sie sich weigerten, das Gesetz ihrer Väter zu übertreten, wurden sie auf Befehl des Königs mit Geißeln und Ochsensennen grausam geschlagen.

 

Der älteste von ihnen antwortete dem König: „Was willst du viel fragen und von uns wissen? Wir wollen lieber sterben, als gegen den Herrn unseren Gott sündigen.“ Über diese Rede wurde der König sehr zornig und ließ ihm, weil er zuerst geredet hatte, die Zunge ausreißen, die Haut abziehen, Hände und Füße abhauen und ihn dann in einem glühenden Kessel lebendig braten. Die Mutter aber und die sechs anderen Brüder mussten zusehen, wie er auf diese langsame Weise zu Tode gemartert wurde.

 

Hierauf führte man den zweiten zur Marter. Diesem streiften sie die Haut samt den Haaren vom Haupt und fragten ihn, ob er dem Gebot des Königs gehorchen wolle, ehe er an allen Gliedern des Leibes gemartert würde. Er antwortete mit festem Mut: „Nein, ich werde es nie tun.“ Ja noch in den letzten Zügen sprach er zum König: „Grausamer König! Du nimmst uns zwar dieses zeitliche Leben; aber der König des Himmels und der Erde wird uns, weil wir aus Liebe zu Ihm sterben, wieder auferwecken zum ewigen Leben.“

 

Der dritte bot seine Hände freiwillig dar und sprach voll Zuversicht: „Diese Glieder hat mir Gott zum Himmel gegeben, ich habe sie als Gottes Gabe jeder Zeit in Ehren gehalten und nur um seines Gesetzes willen gebe ich sie gerne hin.“ Er starb mit diesen Worten.

 

Der vierte sprach noch im Augenblick des Todes: „König! Du hast zwar selbst die Macht uns zu peinigen; wisse aber: Mitten unter den Qualen des Todes sind wir doch selige als du, denn wir haben die Hoffnung, dass uns Gott wieder auferwecken wird zu einem besseren Leben. Dir aber wird die Auferstehung nicht zum Leben, sondern zum Tod und zur Verdammung sein.“

 

Dann ergriffen sie den fünften und geißelten ihn. Dieser sah auf Antiochus und sprach: „Du bist ein Mensch und musst sterben! Weil du aber Gewalt hast auf der Erde, so tust du jetzt was du willst. Aber nicht lange mehr, so wirst du erfahren, dass Gott noch mächtiger ist als du und dich und dein Geschlecht dafür strafen wird.“

 

Jetzt wurde der sechste Bruder zur Peinigung herbeigeführt. Dieser sprach noch in den letzten Zügen: „Betrüge dich nicht umsonst, o König! Schreibe die Macht, uns zu töten, nicht deiner Hoheit zu. Wir leiden dies alles bloß aus eigener Schuld. Weil wir gegen Gott gesündigt haben, so lässt er so schreckliche Dinge über uns kommen. Dir aber wird es nicht ungestraft hingehen, dass du es wagst, gegen Gott so zu wüten.“

 

Nun war noch der jüngste Bruder übrig. Diesen nahm der König zu sich hin und redete überaus freundlich mit ihm. Er beteuerte es ihm mit einem Eid, wenn er das Gesetz seiner Väter verlassen würde, so wolle er ihn reich und glücklich und zu einem großen Herrn machen, ihn für seinen Freund halten und es ihm an nichts fehlen lassen. Der Junge ließ sich aber durchaus nicht dazu bewegen. Da rief der König die Mutter herbei und riet ihr, sie sollte ihn dazu bereden, damit doch wenigstens einer ihrer Söhne am Leben bleibe. Aber die Mutter beugte sich zu ihrem Sohn herab und sagte zu ihm: „Du mein liebes Kind, das ich unter meinem Herzen getragen habe, so lange Zeit ernährt und mit so großer Mühe bis zu diesem Alter erzogen habe,- erbarme dich doch über mich! Ich bitte dich, mein Kind, sieh Himmel und Erde an und alles was darin ist. Sieh, dieses alles und das ganze Menschengeschlecht hat Gott aus nichts gemacht. Fürchte dich daher nicht vor dem Henker, sondern zeige dich deiner Brüder würdig und stirb gerne. So wird der barmherzige Gott, samt deinen Brüdern, dich mir wieder geben.“

 

Ehe die Mutter noch ausgeredet hatte, sprach der Junge zu den Henkern: „Worauf wartet ihr noch? Ich gehorche allein dem Gebot Gottes, das er uns durch Mose gegeben hat. Du aber, o König! der du dem Volk Gottes alles Leid antust, wirst der Hand Gottes nicht entfliehen. Trotze nicht auf deine Gewalt; denn du bist dem Gericht Gottes, der allmächtig ist und alles weiß, noch nicht entronnen. Meine Brüder sind nun, nach diesen kurzen Leiden, der Verheißung des ewigen Lebens teilhaftig geworden. Du aber wirst noch nach Gottes gerechtem Urteil für deinen Übermut bestraft werden. Ich will nun nach dem Beispiel meiner Brüder Leib und Leben um des Gesetzes meiner Väter willen gerne dahin geben. Gott wird, um was ich herzlich flehe, sich seines Volkes bald wieder erbarmen. Du aber wirst unter großen Qualen und Peinen noch bekennen müssen: Er allein ist der wahre Gott.“

 

Da der König dies hörte, wurde er wütend vor Zorn. Er ließ ihn noch schrecklicher martern als alle übrigen und zuletzt auch noch die Mutter.

 

Welch ein hoher Mut, den uns der Blick ins bessere Leben gibt! Der lebendige Gedanke an den Himmel nimmt dem furchtbarsten Tod alles Schreckliche und vernichtet alle verführerischen Reize dieser sichtbaren Welt, wenn wir mit Paulus glauben: „Dass die Leiden dieser Zeit gar nicht zu vergleichen sind mit der Herrlichkeit, die künftig an uns offenbar werden wird.“ (Röm 8,18)

 

Der heilige Alfons Maria Liguori,

Bischof, Stifter der Versammlung des Erlösers:

Redemptoristen, und Kirchenlehrer,

+ 1.8.1787 - Fest: 1. August

 

Erst im Jahr 1830 wurde Alfons Maria Liguori heiliggesprochen; er lebte im 18. Jahrhundert. Von hochgestellten christlichen Eltern zu Neapel geboren, bekam er eine sehr gute Erziehung, besonders durch seine Mutter. Als zehnjähriger Junge spielte er einmal und gewann dabei. Einer der Kameraden warf ihm vor, er habe betrogen. Liguori warf das gewonnene Geldstück unwillig hin und sprach: „Wie, glaubt ihr, dass ich um eine so elende Geldmünze die Majestät Gottes beleidigen werde?“ Dann entfernte er sich. Da es schon Abend wurde, suchten ihn die anderen und fanden ihn im Garten betend vor einem Baum knien; an den Baum hatte er ein Bildchen der Jungfrau Maria befestigt. Über diesen Anblick wurde der Junge, der dem frommen Alfons den ungerechten Vorwurf gemacht hatte, so gerührt, dass er ausrief: „Ach, was habe ich getan? Ich habe einen Heiligen gekränkt!“

 

Alfons machte so außerordentliche Fortschritte in den Wissenschaften, dass er schon in seinem 17. Lebensjahr die Doktorwürde bekam, d.h. feierlich als befähigt erklärt wurde, selbst Lehrer der Wissenschaften zu sein. Dabei war er aber ebenso eifrig in frommen Übungen. Jede Woche empfing er einmal die hl. Sakramente und alle Tage besuchte er in den Kirchen das heiligste Altarsakrament.

 

Der junge, gelehrte Mann widmete sich zuerst dem Advokatenstand und erwarb sich großes Ansehen. In einem sehr wichtigen Prozess zwischen zwei Prinzen hatte Alfons die Sache des einen übernommen in der Meinung, sie sei gerecht. Allein er hatte einen Umstand übersehen, worauf der Advokat der Gegenpartei aufmerksam machte; deshalb verlor er den Prozess. Alfons war aufrichtig genug, selbst vor Gericht zu erklären, er habe sich geirrt und sei im Unrecht. Allein dieser Vorfall verleidete ihm alle Welthändel; er ging nach Hause, schloss sich ein und blieb drei Tage lang ohne Nahrung. Hier fasste er den Entschluss, von nun an nicht mehr der Welt, sondern nur Gott zu dienen. Er fand jedoch großen Widerstand von Seiten seines Vaters und seiner Familie überhaupt, hautsächlich deshalb, weil man schon seine Verehelichung mit der Tochter eines Fürsten in die Wege geleitet hatte. Der Vater drohte ihm, machte bald die bittersten Vorwürfe, bald die schönsten Versprechungen und Schmeicheleien, ja er misshandelte sogar seinen Sohn. Aber alles war vergeblich. Alfons blieb fest bei seiner Erklärung: „Gott ruft mich, ich darf nicht widerstehen“ und trat in den geistlichen Stand. Ungeachtet all seiner Religiosität hing aber der Vater noch so sehr an seinen weltlichen Plänen, dass er fast ohnmächtig wurde, als er seinen Sohn zum ersten Mal im geistlichen Gewand erblickte und ein ganzes Jahr kein Wort mehr mit ihm redete.

 

Aber Alfons blieb dem erkannten Willen Gottes treu. Er machte schnelle Fortschritte in der Vollkommenheit nicht nur als Christ, sondern auch als Priester. Er schloss sich den Volksmissionaren an und predigte jeden Tag mit außerordentlichem Erfolg. Eines Tages kam sein eigener Vater in eine Kirche, in der gerade Alfons predigte. Zuerst ärgerte er sich aus Standeshochmut, seinen Sohn auf der Kanzel zu sehen und war geneigt wieder wegzugehen. Je länger er aber seinen heiligen Sohn predigen hörte, desto mehr wurde sein Herz gerührt; reuevoll und ausgesöhnt verließ er die Kirche. Als er später Alfons antraf, umarmte er ihn und bat ihn um Verzeihung, dass er sich so lange seinem Beruf widersetzt habe. Manchmal äußerte er sich später, erst durch seinen Sohn habe er Gott kennen gelernt.

 

Der heilige Alfons war schon ein Jahr lang Priester ohne sich entschließen zu können auch Beichte zu hören. Er meinte in seiner Demut und Gewissenhaftigkeit, zu einem solch wichtigen Amt nicht genug Fähigkeit zu besitzen. Als er aber durch seinen Obern dazu genötigt wurde, war er in diesem heiligen Amt eifrig und musterhaft wie im Predigen. Er zeigte im Beichtstuhl stets herzliche Liebe, Güte und Geduld; er pflegte zu sagen: „Je tiefer ein Sünder in die Sklaverei des Lasters geraten ist, desto mehr muss man ihn durch die süße Gewalt der Güte den Klauen des Teufels entreißen und zum Vaterherzen Gottes hinziehen.“

 

Nachdem Alfons längere Zeit durch Unterricht, Predigen und Beichthören für das Reich Gottes an verschiedenen Orten und hauptsächlich in Neapel gewirkt hatte, wurde er infolge seiner übermäßigen Anstrengungen krank. Um sich zu erholen begab er sich auf das Land nach Amalfi und Skala. Aber auch hier ließ es ihm keine Ruhe. Mit einigen gleichgesinnten Priestern suchte er die Hirten und zerstreute Landleute auf, unterrichtete sie in den Wahrheiten der Religion und spendete ihnen die heiligen Sakramente. Eine sehr fromme Klosterfrau namens Castarosa sagte dem heiligen Alfons, als er während dieser Zeit in dem Kloster einmal predigte, Gott habe ihn berufen eine Kongregation von Missionaren für die ärmsten verlassenen Seelen zu stiften.

 

Innerliche Besorgnisse und äußerliche Hindernisse waren nicht stark genug den heiligen Alfons von diesem Ruf Gottes abzuhalten. Einige fromme Priester und auch ein Edelmann gesellten sich ihm bei. In Skala nahmen sie ihre Wohnung unter gar ärmlichen Verhältnissen. Ein Strohsack war ihr Lager, Schwarzbrot, einige Früchte und Wasser waren die Kost, die sie kniend unter Gebet zu sich nahmen. Jede Woche züchtigten sie dreimal ihren Leib. Sie erbauten sich täglich an der Legende der Heiligen, sprachen fast nur von göttlichen Dingen und brachten einen Teil der Nacht vor dem allerheiligsten Altarsakrament zu. Sie legten die einfachen Gelübde des Gehorsams, der Armut und Keuschheit ab und verpflichteten sich zum Gehorsam gegen ihren Obern, wozu sie den heiligen Alfons wählten. Papst Benedikt XIV. bestätigte 1749 die Regel der neuen Genossenschaft und gab ihr den Namen der Redemptoristen (Gesellschaft des Erlösers). Seit dieser Stiftung hat sich der Orden weit verbreitet und zahllose Missionen gehalten bis auf den heutigen Tag.

 

Wenn der heilige Alfons irgendwo mit den Seinigen Mission hielt, so beteten sie vor allem das heiligste Altarsakrament an; sodann zogen die Missionare unter Vortragung eines Kreuzes in den Straßen des Ortes umher, verkündigten die Beweggründe zur Buße und luden das Volk ein in die Kirche zu kommen. An den ersten Tagen wurde über die Schreckenswahrheiten der Religion gepredigt, namentlich über die Sünde, die Hölle und die Ärgernisse. Dann wurde drei bis vier Tage lang die Anweisung zum frommen Leben gegeben und vom Gebet und Leiden Christi, der Geduld und vom Gebrauch der heiligen Sakramente gepredigt. Die Kommunion wurde klassenweise abgehalten zuerst mit den Kindern, dann mit den jungen Frauen, den Frauen, den jungen Männern, den Männern, wobei mit jeder Klasse eine besondere Vorbereitung vorgenommen wurde. Am letzten Tag wurde über die Beharrlichkeit gepredigt und das Aufpflanzen von fünf Kreuzen, während dem Volk das Leiden Christi erklärt wurde, beschloss die Mission. Jeder Priester musste während der Missionszeit täglich sieben Stunden lang Beichte hören, nur zwei Gerichte durften beim Mittagessen aufgetragen werden, und keiner durfte ein Geschenk annehmen außer dem Unentbehrlichsten. Diese Missionen wirkten außerordentlich viel. Feinde wurden versöhnt, Verleumdungen widerrufen, ungerechtes Gut erstattet, Ärgernisse getilgt, Todsünder zu frommen Christen umgewandelt; von allen Seiten wurden schlechte Bücher, unanständige Bilder gebracht und öffentlich vor der Kirche verbrannt. Das Volk wurde eifrig im Gebet, im Empfang der heiligen Sakramente, in Übung der Werke der Barmherzigkeit.

 

Wie viele Seelen durch solche Missionen gerettet worden sind, das weiß nur Gott und das wird einmal jenseits offenbar werden. Viele der Leser werden schon Missionen beigewohnt haben oder noch später in ihrem Leben Gelegenheit dazu bekommen. Wenn in einem Ort Mission gehalten wird, so kann man sagen: Gott bietet der ganzen Gemeinde die größte Gnade an, nämlich die Gnade der Versöhnung und Freundschaft mit Gott. Die täglichen Predigten und Gebete, das Beispiel so vieler Leute, die eifrig an den Andachten teilnehmen, selbst der Anblick der Missionsgeistlichen, die auf der Kanzel und im Beichtstuhl uneigennützig den größten Anstrengungen des Leibes und Geistes sich unterziehen, wirkt auf viele Sünder, wie wenn ihre Seele aufgepflügt würde – und mancher, den man längst für unbekehrbar und verloren angesehen hatte, geht in sich und wird eifriger als manche, die sich selbst zu den guten Christen zählen. Ja wir werden vielleicht einmal erstaunen, wenn uns jenseits die Zahl derer gezeigt wird, die gleichsam wie schon brennendes Holz aus dem Feuer durch die Missionen noch gerettet worden sind. Deshalb wird jeder rechte Pfarrer, wenn es ihm möglich ist, gern in seiner Gemeinde Mission halten lassen; deshalb werden wirklich Gläubige, denen ihr und ihrer Mitmenschen Seelenheil angelegen ist, gern beitragen, um eine Mission zu bekommen; und wo eine solche gehalten wird, da gehe fleißig hin und suche auch besonders alle Sünder, die dich etwas angehen, dahin zu bringen. Bei den Missionen gilt ganz besonders von den Priestern, die sie halten, das Wort des Herrn: „Wer euch hört, der hört mich: und wer euch verachtet, der verachtet mich“, und gilt denen, die Gelegenheit haben sie zu hören, das Wort: „Heute, da ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht“.

 

Der heilige Alfons hatte das Glück, gleich im Beginn wahrhaft gute gleichgesinnte Genossen für seine Bruderschaft zu besitzen. Aber er selbst war das vollkommene Vorbild eines evangelischen Wandels. Obschon er im Besitz von eigenem Vermögen war, überließ er dennoch alles der Kongregation. Einmal wählte er eine mit Brettern zugemachte Öffnung unter der Treppe zu seinem Wohnort. In seiner Zelle fand man ein paar alte Stühle, einen kleinen Tisch, eine irdene Lampe, ein hölzernes Kreuz, einige armselige Heiligenbilder, einen Strohsack, einige Bücher und etwas Papier. Oft benutzte er die Kleidungsstücke, die andere Ordensgenossen als unbrauchbar abgelegt hatten; und in solchem Anzug besuchte er die vornehmsten Personen wie die ärmsten Bettler. Meistens aß er nur Brot und Suppe und diese machte er noch auf künstliche Weise bitter; bei der strengsten Kälte wärmte er sich nicht am Ofen.

 

Wie wohlgefällig vor Gott dieser Wandel seines Dieners war, das zeigte sich selbst durch Wunder. Übrigens fehlte es auch nicht an Verleumdungen und Widerstand bei seinen gottgefälligen Unternehmungen, die aber durch Gottes Hilfe stets überwunden wurden. Es war ihm schon von verschiedenen Diözesen die bischöfliche Würde angetragen, von ihm aber stets ausgeschlagen worden. Endlich ernannte ihn der Papst ungeachtet seines Sträubens zum Bischof von Benevent. Da er nur aus kirchlichem Gehorsam sein Bistum antrat, so war er auch hier das vollendete Muster eines wahren Bischofs. Er fing sein Amt gleich damit an, dass er in allen Teilen seines Bistums Missionen hielt. Während er aber auch als Bischof sehr arm und streng lebte, war er höchst liebreich und gut gegen andere: einmal, zur Zeit einer Not, verkaufte er all sein Besitztum und verteilte den Erlös unter die Armen. Durch die unaufhörlichen Anstrengungen wurde der Körper des heiligen Alfons allmählich so angegriffen, dass er in den letzten siebzehn Jahren einen ganz gekrümmten Hals und Nacken bekam und sein Kopf bis zur Brust herabgedrückt war, wie man ihn gewöhnlich auch abgebildet sieht. Dessen ungeachtet war er unermüdlich tätig in seinem hohen Amt; nur bat er wiederholt den Papst, ihn seines bischöflichen Amtes zu entheben. Als ihm endlich seine Bitte gewährt wurde, kehrte er in vollständiger Armut wieder in das Haus seiner Kongregation zurück. Aber so lange er hier noch seine Glieder bewegen konnte, war er fortwährend auf der Kanzel und im Beichtstuhl tätig und als er das nicht mehr konnte, suchte er durch seine Schriften für Gottes Sache zu wirken. Diese Bücher haben einen außerordentlichen Segen bei Geistlichen und Weltlichen bis auf den heutigen Tag verbreitet.

 

Nachdem der heilige Alfons ungeachtet all seiner Fasten, Wachen, Abtötungen und übermäßigen Arbeiten das Alter von 91 Jahren erreicht hatte, gab er seine treue Seele in die Hände Gottes zurück. Der Papst Gregor XVI. hat ihn heilig gesprochen. Seine Stiftung, die Kongregation der Redemptoristen oder, wie man sie auch sonst nennt, der Liguorianer hat sich in vielen Ländern verbreitet und wirkt durch Missionen für Bekehrung der Sünder bis auf den heutigen Tag.

 

Lied des heiligen Alfons M. Liguori zur allerseligsten Jungfrau Maria:

 

Blick vom Himmelsthron, dem reinen,

O Maria! nur ein Mal,

Süße Mutter! auf die Deinen;

Nur ein einzig, einzig Mal!

 

Reget dann sich voll Erbarmen

Nicht Dein Herz bei diesem Blick:

O dann wende von uns Armen

Immerhin den Blick zurück.

 

Sieh, wie Undank uns entweihte;

Wie mit Gottes Herz die Schuld,

Mit dem milden und entzweite,

Wir verwirkten Seine Huld!

 

Willst Du, dass Er mild erscheine;

O so sprich ein einzig Wort!

Du, Maria! kannst alleine

Öffnen uns des Heiles Pfort!

 

Dass Er Sich mit uns versöhne,

Süße, teure Mutter! sprich,

Sprich, wir seien Deine Söhne!

Sieh und schnell erbarmt Er sich.

 

Sind wir ob der Schuld, auch nimmer

Deine Söhne wert zu sein;

Wird dein Mutterherz doch immer

Voll von milder Liebe sein.

 

Breite, süße Mutter! Deinen

Mantel aus, uns zu umfah´n,

Lass uns furchtlos dort vereinen,

Sieh uns Kinder liebreich an.

 

Teure, süße Mutter, höre:

Ruft zu Dir die Andacht laut:

Rette, wer Dich liebt, erhöre,

Wer sich kindlich Dir vertraut!

 

2. August

 

Das Fest Portiunkula

 

Der heilige Franziskus von Assisi, der die Kirche des heiligen Damian in der Nähe der Stadt Assisi in Umbrien als Ordenskirche für seine Mitbrüder hergestellt hatte, wurde wegen ihrer großen Anzahl gezwungen, noch eine andere kleine Kirche außerhalb der Stadt ausbessern zu lassen, der er dann den Namen Portiuncula – Pförtlein – gab, von der sein Orden in die ganze Welt ausgehen sollte. An diesem Ort verweilte der heilige Ordensstifter gern, und da empfing er auch hohe Gnaden und lag oft in Geistesentzückungen, in denen er des Anblickes der seligsten Gottesmutter gewürdigt wurde; weswegen er das Kirchlein Portiuncula auch „Maria von den Engeln“ nannte.

 

Einst wachte der heilige Franziskus unter Gebet und geistlichen Betrachtungen in seiner Zelle, da kamen um Mitternacht einige seiner Mitbrüder mit hastigen Schritten zu ihm und erzählten, das Kirchlein Portiunkula strahlte wie die Sonne, laut ertönte darin himmlischer Jubelgesang, und umgeben von Engelchören seien Jesus und seine hochheilige Mutter dort sichtbar. Eine heilige Ahnung bemächtigte sich des frommen Dieners Gottes, dass sein Gebet der Himmel erhört habe, und sogleich begab er sich in die Kirche und fand dort die Herrlichkeit Gottes seinen sterblichen Augen sichtbar, wie ihm seine Brüder gemeldet hatten. Entzückt von dem majestätischen und überirdischen Anblick, warf er sich auf sein Angesicht und betete an im Staub. Da vernahm er eine Stimme, die ihm befahl, sich zum Heil und Segen der Menschheit eine Gnade zu erbitten. Franziskus, dessen einziger Wunsch es war, so lange er im Leben wandelte, alle Menschen glücklich und selig zu machen, bat um vollkommenen Nachlass aller ewigen und zeitlichen Strafen für alle jene, die mit wahrer Buße diesen Ort betreten würden. Der Heilige erhielt Gewährung dieser Bitte und wurde ermahnt, den Papst davon in Kenntnis zu setzen, damit alle Gläubigen davon unterrichtet werden könnten.

 

Der damalige Papst Honorius III. überzeugte sich von dieser wunderbaren Erscheinung so vollkommen, dass er keinen Anstand nahm, diese heilbringende Anordnung zu bestätigen und sie in der ganzen Christenheit bekannt zu machen. Er erteilte jenen Ablass, den einzigen in seiner Art, den die Gläubigen alle Jahre am 2. August, als am Gedächtnistag der Einweihung des Kirchleins Portiunkula, nach reumütiger Beichte und Empfang der heiligen Kommunion gewinnen konnten, und zwar längere Zeiten hindurch nur allein in dieser Kirche bei der Stadt Assisi. Aber die heilige Mutter, die katholische Kirche, verbreitete diese Wohltat zum Seelenheil ihrer Kinder zuerst auf alle Kirchen der Väter dieses Ordens und später bei Aufhebung sämtlicher Klöster auf alle Pfarrkirchen der katholischen Christenheit, jedoch mit der Beschränkung, dass dieser Ablass nur am Tag der Gedächtnisfeier der Kirche Portiunkula, nämlich am 2. August, gespendet wird.

 

Für die gläubigen Christen, deren Herz noch erwärmt ist für Gott und die heilige Religion, fügen wir eine kurze Erklärung bei über die zwei Fragen: „Was ist der Portiunkula-Ablass, und wie kann er nach der Meinung unserer heiligen Kirche für uns nützlich werden?“ „Durch diesen Ablass wird all denen, die mit gläubigem Herzen das Andenken dieser wundervollen Begebenheit feiern, sich durch eine wahre reumütige Beichte von ihren Sünden reinigen, die heilige Kommunion würdig empfangen und dann alle Bedingungen einer aufrichtigen Buße, die in gänzlicher Sinnesänderung besteht, erfüllen, vollkommener Nachlass aller, auch zeitlicher Strafen erteilt. Dieser Nachlass wird keineswegs dadurch erhalten, wie dies der Fall bei allen übrigen Ablässen ist, die die Kirche den Gläubigen aus dem Gnadenschatz Jesu so huldvoll darbietet, wenn man ein Bekenntnis seiner Sünden ohne wahre Reue, ohne ernstlichen Vorsatz ablegt, eine gewisse Anzahl Vaterunser gedankenlos hersagt, und in einer Kirche öfters aus- und eingeht. So würde der Portiunkula-Ablass, so wie jede andere Religionshandlung nicht nur ohne allen Nutzen für uns sein, sondern für unser Seelenheil sogar verderblich werden, weil wir uns dadurch von dem Weg, der uns allein zum Heil führt, immer mehr entfernen, in unserem Sündenzustand verharren, in ihm sogar beruhigt leben, und so dem ewigen Verderben entgegen eilen. „Nicht, wer sagt, Herr, Herr! wird eingehen in das Himmelreich“, sagt Jesus, „sondern wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist.“ Und: „Gott will den Tod des Sünders nicht, sondern dass er sich bekehre und lebe.“

 

Wer also von dem Portiuncula-Ablass für sein Seelenheil den Nutzen ziehen will, den die katholische Kirche damit den Gläubigen anbietet, der gehe vorher in sich, überdenke seinen Seelenzustand, demütige sich in Reue und Buße vor Gott, empfange mit einem reinen gebesserten Herzen die heiligen Sakramente der Buße und des Altars, zeige nicht bloß mit Worten, sondern auch in seinen Handlungen, dass er ein Jünger Jesu sei, und er wird dann einen festen Grund legen zu seiner künftigen Seligkeit.

 

Der heilige Eusebius, Bischof und Martyrer von Vercelli, Italien,

+ 1.8.371 – Fest: 2. August

 

In neun Tagen ist Weihnachten, da wir jener hochheiligen Nacht gedenken, in welcher Jesus Christus, die zweite Person in der Gottheit, als ein wahrer Mensch aus Maria, der Jungfrau, geboren wurde. Die oft genannten Arianer behaupteten jedoch, dass Christus nicht Gott von Gott sei, sondern ein gewöhnlicher Mensch. Sie rissen also dem Christkönig die Krone der Gottheit vom Haupt. Da war es vorzüglich der heilige Bischof Eusebius, der mutvoll und stark für die Gottheit Christi eintrat und dafür so viele Martern erduldete, dass er zu den Martyrern zählt, obwohl er eines natürlichen Todes starb. Mit Recht wird daher das Fest des heiligen Eusebius wenige Tage vor der Geburt des Herrn begangen, weil er für die Gottheit des Kindes in der Krippe gelitten hat.

 

Wir können uns heutzutage kaum noch eine Vorstellung davon machen, wie es im 4. Jahrhundert zur Zeit der irrgläubigen Arianer zuging. Durch die gesamte Christenheit ging ein tiefer Riss, auf der einen Seite die Katholiken, die Rechtgläubigen, und auf der anderen Seite die Arianer, die Christusschänder. In jeder Stadt und in jedem Dorf gab es ein katholisches und ein arianisches Gotteshaus, einen katholischen und einen arianischen Pfarrer, und in jedem Bistum regierte ein katholischer und ein arianischer Bischof. Dabei nahm die Zahl der Irrgläubigen machtvoll zu, während das Häuflein der Katholiken von Tag zu Tag geringer wurde.

 

Woher kam es denn, dass die Arianer immer stärker und die Katholiken immer schwächer wurden? Das kam daher, weil die Kaiser und Staatsmänner die Irrgläubigen kräftig unterstützten. Warum aber unterstützten die Großen der Welt den Wahnglauben? Deshalb unterstützten sie ihn, weil Arius, der Urheber der arianischen Irrlehre, behauptete, dass Christus zwar als gewöhnlicher Mensch geboren wurde, dass er aber wegen seines tugendhaften Lebens den Namen des Sohnes Gottes und auch göttliche Verehrung verdiene.

 

Ach so! Riechst du den Braten? Die Mächtigen der Erde sagten sich, was Christus konnte, könnten auch sie. Auch sie könnten Götter werden. Deshalb unterstützten sie den Irrglauben, aber deutlich sieht man da wieder, dass der Stolz der Großvater aller Ketzer ist.

 

Nun darf man aber nicht glauben, dass Katholiken und Arianer schiedlich, friedlich nebeneinander lebten. Nein, da gab es ständig Streit und Händel, und die Arianer drückten die Katholiken, wo und wie sie nur konnten. Oft genug ging der Kampf bis auf Messer und Blut nach dem alten Rezept: „Willst du nicht mein Bruder sein, schlag ich dir den Schädel ein.“

 

Einer der lautesten Rufer und mutigsten Streiter gegen die arianische Irrlehre war der heilige Eusebius, ein Bischof in Italien. Von den Ganzen war er einer, der im katholischen Glauben immer aufrecht stand und niemals umfiel. Den katholischen Nacken beugte dieser katholische Held auch vor dem mächtigen Kaiser nicht. Deshalb wurde er aus der Heimat nach Palästina verbannt. Dort bekam er Predigtverbot und Hausarrest geradeso, wie es heute noch mancherorts geschieht. Die Kirchenverfolger lernen auch in Jahrhunderten nichts hinzu. Nicht einmal die einleuchtende Tatsache kennen sie, dass die katholische Kirche unzerstörbar ist.

 

Bei Bischof Eusebius blieb es nicht bei Predigtverbot und Hausarrest, denn eines Tages wurde er, auf dem Rücken liegend, von Pferden über die Straße geschleift. Solche Martern können allerdings einen echten Katholiken nicht erschüttern, weil er es sich zur Ehre anrechnet, wenn er gewürdigt wird, Anteil an dem Leiden Christi zu haben.

 

So war es damals bei Bischof Eusebius. Starke Eichen verwurzeln desto fester im Boden, je kräftiger der Sturm sie rüttelt. Bischof Eusebius war eine solche Eiche, und weil nichts seinen katholischen Glauben ins Wanken brachte, führte man ihn unter unsäglichen Quälereien von einem Verbannungsort zum anderen bis nach Ägypten. Der edle Christusjünger ging hochgemut in Christi Kraft mit seinem Meister den Weg des Kreuzes, und auf diese Weise erinnert er daran, dass sich hinter der Krippe, vor der wir am Heiligen Abend voll Freude knien werden, bereits das Kreuz erhebt, an dem kein Christ vorüberkommt, ohne dass er sich zu ihm bekennt und es um Christi willen trägt. Gerade am Weihnachtsfest soll man daran denken.

 

Der heilige Gundekar II. (Gunzo), 18. Bischof und Bekenner von Eichstätt,

+ 2.8.1075 – Fest: 2. August

 

Die Eltern dieses Heiligen waren Reginher und Irmengart. Von ihrem Stand weiß man nichts Zuverlässiges. Sie hatten auch eine Tochter, namens Tuta. Gundekar wurde geboren am Fest des heiligen Laurentius 1019. Von seinem früheren Leben ist nichts aufgeschrieben worden. Wir wissen nur, dass als er als Kanoniker der Kirche zu Eichstätt und als Kaplan der Kaiserin Agnes zum Bischof von Eichstätt ernannt wurde.

 

Damals hatte das Domkapitel von Eichstätt sich den größten Ruhm in ganz Deutschland erworben. Der Bischof Gebhard hatte als Papst Viktor II. den päpstlichen Stuhl bestiegen, und schon früher waren mehrere Bischöfliche Stühle in Deutschland und Italien mit Kanonikern von Eichstätt besetzt worden. Nach dem Tod des Papstes Viktor II., der die Leitung der Diözese Eichstätt sich vorbehalten hatte (am 28. Juli 1057), wurde Gundekar auf den Bischofsstuhl des heiligen Willibald erhoben. Diese Erhebung beschreibt der Heilige selbst in dem Buch, worin er über seine 17 Vorfahren Nachricht gibt. Dies Buch, Pontifikale genannt, ist noch vorhanden und wird im bischöflichen Seminar aufbewahrt. Es beginnt also:

 

„Gundekar der Sünder, nicht durch seine Verdienste, sondern durch Anordnung der göttlichen Erbarmung der 18. Bischof zu Eichstätt, hat diese Zusammenstellung (der Lebensgeschichten seiner Vorfahren) zum gemeinen Nutzen sammeln und auf eigene Kosten schreiben lassen. Das Geschriebene hat er als ein dem Erlöser geweihtes Opfer zur Sühne für sich und seine Sünden auf den Altar des heiligen Willibald, der an dieser Stelle ruht, niedergelegt. Es möge allen seinen Vorfahren zur Erquickung sein. Zu ihrer Verehrung und zum würdigen Gedächtnis hat er auch ihre Abbildungen fertigen und ihre Namen aufzeichnen lassen, mit Angabe der Zeit ihrer Bistumsverwaltung und ihres seligen Hinscheidens aus dieser Welt. Mögen sie ihm durch ihre unablässige Fürbitte beim Herrn Hilfe erlangen.“

 

Zum Gedächtnis seiner Vorfahren verordnete er auch, dass alle Tage in seiner Kirche für sie gebetet werde. Zugleich ordnete er auch Gebete für seine Nachfolger an. Am Ende der Nachrichten über seine Vorfahren fügt er noch bei: „Nach diesen wurde Gundekar, der letzte von den Brüdern (Kanonikern), Kaplan der Kaiserin Agnes, auf diesen Sitz erhoben. Am 20. September 1057 geschah zu Tribur in Gegenwart des Erzbischofs Luitpold von Mainz, des Erzbischofs Widdo von Mailand, des Bischofs Gunther von Bamberg und des Bischofs Anselm von Lukka, späteren Papstes Alexander II. die Investierung mit dem Ring. Zu Speyer empfing er dann (am 5. Oktober) den Bischofsstab in Gegenwart der Erzbischöfe Luitpold von Mainz, Arno von Köln, Eberhard von Trier und Widdo von Mailand. Auch waren neben vielen Äbten zugegen die Bischöfe Gebhard von Regensburg, Adalbero von Würzburg, Arnold von Worms, Conrad von Speyer, Hezilo von Straßburg, Rumold von Constanz, Dietmar von Chur, Dietrich von Verdun, Hermanfried von Sitten und Ulrich von Pavia. Alle waren voll Lobes und wünschten sich Glück, sowohl die Geistlichkeit, als der Adel, als auch das Volk. Am 15. Oktober wurde er in Eichstätt inthronisiert und am Fest des heiligen Johannes, des Lieblingsjüngers unseres Herrn (zu Pölte bei Herzberg) auf die höchste Stufe des Priestertums erhoben. Bei dieser seiner Konsekration waren auch König Heinrich und seine geliebte Mutter Agnes, die erhabene Kaiserin, gegenwärtig. Die Kaiserin besorgte alles zur Weihe ihres Kaplans Notwendige mit solchem Eifer, als wenn es ihrem eigenen Sohn gegolten hätte. Es war auch anwesend Herr Hildebrand, Kardinal-Subdiakon des heiligen römischen und apostolischen Stuhles, der damals als apostolischer Legat an König Heinrich gesandt war und später der Nachfolger des Papstes Alexander II. wurde. Außer ihm assistierten noch die meisten der obengenannten und noch andere Oberhirten.“

 

Das erste Osterfest, das Gundekar zu Eichstätt feierte, hielt er mit ausgesuchter Pracht, in Gegenwart des Bischofs Egilbert von Passau, der mit ihm verwandt war, und des größten Teils der Ritterschaft aus dem ganzen Bistum.

 

Eine Zierde seines erhabenen Standes, wie wenige seiner Zeit, war der heilige Bischof ganz ausgezeichnet durch seine Demut. In allen öffentlichen Urkunden nannte er sich nur Gundekar „den Sünder“. Seinem vortrefflichen Klerus stand er vor, nicht als dessen Herr, sondern als der liebreichste Vater aller. Er war reich von Haus aus. Das beweisen die kostbaren Geschenke, die er seiner Kirche machte, und die Bauten, die er bis zu seinem Tod fortführte. All sein Reichtum gehörte seiner Kirche, den Priestern, den Armen. Das beweisen seine großartigen Stiftungen.

 

Vor allem beschäftigten ihn die Pracht des Hauses Gottes und seine Tempel und Altäre. Seine Vorfahren hatten Burgen und Residenzen erbaut, die Domkirche aber zum Teil als Ruine hinterlassen. Er baute an ihr bis zum letzten Jahr seines Lebens. Er berichtet in seinem Episcopale: „Im Jahr 1060, im dreihundertsiebzehnten Jahr nach Errichtung des Bistums wurde dieser Altar (der Hochaltar) erbaut und konsekriert von Gundekar II., dem achtzehnten Bischof dieser Kirche, im dritten Jahr seines Bistums. Mit ihm wurde auch der Chor konsekriert zur Ehre und im Namen des heiligen Erlösers, seiner heiligsten Geburt, seines heilbringenden Leidens . . . und insbesondere der Heiligen, deren Reliquien hier aufbewahrt sind.“

 

In demselben Jahr wurden auch die Altäre des heiligen Ulrich und der heiligen Gunthildis konsekriert. Darauf begab er sich nach Regensburg, wo er während der Vakatur des Bischofssitzes mehrere Weihen vornahm. Auf seinen Reisen durch die Diözese weihte er in diesem und im folgenden Jahr mehrere Kirchen und Kapellen ein, die jetzt in den Händen der Protestanten sind.

 

Zu Eichstätt hatte der Heilige den Bau einer Kapelle zu Ehren der seligsten Jungfrau und des heiligen Johannes des Evangelisten unternommen. Diese Kapelle steht in unmittelbarer Verbindung mit der Domkirche und bildet gegenwärtig die Sakristei. Später wurde sie von ihm herrlich ausgestattet. Auch hatte er sie gleich anfangs als seine künftige Grabstätte bestimmt. Sie war ihm fortwährend eine Erinnerung an sein Ende. Darum erwähnen auch die ältesten Nachrichten von diesem ernsten, heiligen Bischof, er habe unablässig seines Todes gedacht. Die Einweihung dieser Kapelle geschah in Gegenwart des Bischofs Elisäus von Mantua.

 

Während mehrere Bischöfe, mit der Wahl des Papstes Alexander II. unzufrieden, in Verbindung mit Heinrich IV. Reichstage hielten, blieb Gundekar zu Hause, einzig um die Förderung der Ehre Gottes und des Seelenheils seiner Gläubigen bekümmert. Im Jahr 1064 den 20. Mai finden wir unseren Heiligen in Augsburg. Daselbst war die Domkirche neugebaut worden, und Bischof Embriko weihte sie in höchst feierlicher Weise ein. Heinrich IV. war bei dieser Feierlichkeit gegenwärtig. Bischof Gundekar und Bischof Rudhard von Treviso assistierten bei dieser Einweihung.

 

Sieben Jahre (1071) später erscheint der Heilige auf einer Synode zu Mainz. Schon im Jahr 1069 war der Bischof Romuld von Konstanz gestorben. Er hatte das Stift bedeutend gehoben und sich das Vertrauen des Papstes in hohem Grad erworben. Nach seinem Tod wurde sogleich ein Nachfolger erwählt, der in demselben Geist fortwirken sollte. Allein Heinrich IV. verwarf den Erwählten und ernannte den Kanoniker Karl von Magdeburg zum Bischof von Konstanz. Bald wurde bekannt, dass dieser Mensch viel Geld aufgewendet habe, um das Bistum zu bekommen. Zugleich habe er versprochen, einen Teil der Stiftsgüter an den Hof zu überlassen, wenn er Bischof werde. Jetzt erhob sich ganz Konstanz gegen den aufgedrungenen Mietling. Der Papst befahl, die Sache soll von einem Provinzialkonzil entschieden werden. Der Erzbischof Siegfried versammelte die Bischöfe in Mainz. Heinrich IV. kam selbst zur Synode. Er wollte durchweg seinem Günstling Anerkennung verschaffen. Allein die Geistlichen von Konstanz traten mit so schweren Anklagen gegen Karl auf und redeten dem König so ins Gewissen, dass er endlich nachgab. Die versammelten Bischöfe sprachen das Verwerfungsurteil über Karl aus, und so kehrte er wieder nach Magdeburg zurück, woher er gekommen war. An seiner Stelle wurde der Kanoniker Otto von Goslar erwählt und sogleich geweiht.

 

Heinrich IV. reiste mit Embriko und Gundekar nach Augsburg. Hier wurde die neuerbaute Kirche der heiligen Afra feierlich eingeweiht am Fest Mariä Geburt. Es war eine ausgezeichnete Feierlichkeit. Die Bischöfe Gundekar von Eichstätt und Ellenhard von Freising assistierten. Die Reliquien der heiligen Afra wurden bei dieser Feier erhoben und in der neuen Kirche beigesetzt.

 

Nach dieser Feierlichkeit begab sich der heilige Gundekar in Begleitung des Bischofs Embriko nach Herrieden, um die dortige Kirche zu Ehren des heiligsten Erlösers einzuweihen. Diese Kirche wurde mit einer Menge Reliquien von dem Schweißtuch des Herrn, von der Leinwand aus seinem Grab, von der Krippe und dem Grab des Erlösers und anderen Heiligtümern beschenkt.

 

Indessen waren die Kapellen in den beiden Türmen zu Eichstätt vollendet worden. Zu ihrer Einweihung fanden sich der Patriarch Richard von Aquileja und der Erzbischof Gebhard von Salzburg ein. Letzterer weihte die St. Marienkapelle im nördlichen Turm, der Patriarch aber die St. Michaelskapelle im südlichen Turm ein. Dies geschah am 10. Juli 1072. Zwei Jahre später, am 8. Juli 1074 weihte der Heilige noch den St. Kiliansaltar in der Krypta der Domkirche ein, und zehn Tage darauf wurde in derselben Krypta der St. Willibaldsaltar vom Bischof Embriko von Augsburg konsekriert.

 

Die Zahl der vom heiligen Gundekar geweihten Kirchen und Kapellen beläuft sich auf hundertsechsundzwanzig. Die Sorgfalt für die Errichtung und Einweihung der materiellen Gotteshäuser lässt uns schließen auf den heiligen Eifer, womit er die geistigen Tempel des Herrn, die Herzen seiner untergebenen Gläubigen zu heiligen bemüht war. Er hatte ein prachtvoll gearbeitetes mit 172 Reliquien geziertes Brustkreuz, das er immer bei der Feier der heiligen Messe trug. Dieses vermachte er am Ende seines Lebens der Johanniskapelle, die er als den Ort seiner zeitlichen Ruhe sich ausersehen hatte. Um es auf den Altar stellen zu können, hatte es Gundekar in ein zweites, aus Gold, Silber und Edelgestein gefertigtes Kreuz eingeschlossen. Dieses größere Kreuz wurde im Jahr 1655 veräußert, um der durch Krieg ganz verarmten Domkirche eine silberne Ampel verschaffen zu können. Das Brustkreuz selber wurde noch erhalten. Im Jahr 1731 hat man es urkundlich zum letzten Mal gesehen. Die Abbildung davon ist im Pontifikale. Auch die darin eingegrabenen Verse weiß man noch. Es ist eine Lobpreisung des Kreuzes, in dem allein Heil zu finden.

 

Dies ist alles, was wir aus dem Leben dieser Kirchenzierde des 11. Jahrhunderts berichten können. Die Menschen haben es vernachlässigt, von seinem heiligen Eifer und von seinen ausgezeichneten Tugenden uns ein Zeugnis zu hinterlassen. Gott der Herr hat ersetzt, was die Menschen ermangeln ließen. Er hat die Heiligkeit seines treuen Dieners durch zahllose Wunder bezeugt, die an seinem Grab gewirkt wurden. Der ehrwürdige Oberhirt starb am 2. August 1075 und wurde, wie er es verordnet hatte, in der St. Johanniskapelle begraben. Der gütige Gott hatte ihn noch vor der Zeit jener unheilvollen Verwirrung zu sich genommen, die Heinrich IV. in der Kirche Gottes anrichtete. Zahllos waren die Wunder, die am Grab des Heiligen gewirkt wurden. Unter Bischof Philipp im Anfang des 14. Jahrhunderts wurden 56 wunderbare Heilungen aufgeschrieben. Der Zulauf des gläubigen Volkes zum Grab des Heiligen nahm immer zu. Als einst eine Menge Volks zur Kirchweihe und zur Verehrung des heiligen Gundekar nach Eichstätt lief, sah ein Bauer von Mohren, der auf seinem Feld ackerte, den vielen Wallfahrern vom Berg herab zu und dachte bei sich den gotteslästerlichen Gedanken: Was erfinden doch die Geistlichen in Eichstätt für Trügereien, um von den Leuten Geld zu bekommen! Kaum hatte er diesen Gedanken gefasst, wurde er stockblind. Erschreckt durch diese plötzliche Strafe, erkannte er seine schwere Versündigung und wurde im Innersten seiner Seele zerknirscht. Jetzt flehte er in Demut des Herzens zu Gott, er wolle ihm doch seine Sünde verzeihen und die Strafe, die ihn dafür getroffen hat, gnädig von ihm nehmen. Dann bestrich er im gläubigen Vertrauen auf die Fürbitte des heiligen Gundekar seine Augen mit Erde und erhielt augenblicklich das Gesicht wieder. Nun begab er sich nach Eichstätt und bekräftigte in Gegenwart von mehr, denn tausend Menschen eidlich, wie er für seinen frevelhaften Gedanken bestraft und durch die Fürbitte des heiligen Gundekar wieder von seinem Übel befreit worden sei. Im Jahr 1309 wurden die Gebeine des Heiligen feierlich erhoben und in einem neuen Grabmal beigesetzt. Damals floss Öl aus den Gebeinen des Heiligen, durch das viele Kranke die Gesundheit erlangten. Bischof Philipp ließ zwei Becher voll von diesem Öl aufsammeln. Auch durch Anwendung des Weines, mit dem man die heiligen Gebeine gewaschen hatte, wurden viele Wunderheilungen gewirkt.

 

3. August

 

Die Auffindung des Leibes des heiligen Erzmartyrers Stephanus

 

Aus einem altehrwürdigem Martyrologium: „Es war im Jahr nach Christi Geburt 418, als es Gott gefiel, sein gläubiges Volk mit besonderem himmlischen Trost zu erfreuen, die Wunder seiner Gnade und Güte vor ihren Augen zu erneuern, den Glauben und die Andacht aufs Neue zu beleben, den Irrglauben in so vielen Menschen zu beschämen, und den Unglauben auf das göttliche Wesen des Christentums aufmerksam zu machen, und zwar durch die Asche und dürren Gebeine des heiligen Stephanus, der in den letzten Tagen seines Lebens eines Geistes voll war, dem niemand widerstehen konnte. Diese heilige Wurzel, die als Erstlingsmartyrer Jesu Christi gewaltsam in die Erde sank, sollte nach Gottes gnädigem Willen, der alle Zeiten durchschaut, und alle Ereignisse an seiner Hand hält, ausschlagen und herrliche Früchte des Lebens tragen zur Erquickung der Gläubigen nach den schweren Tagen so harter Verfolgung von Innen und Außen, und besonders sollte die Kirche in Asien und Afrika erfreut, erfrischt und gestärkt werden vor dem bald nachfolgenden göttlichen Gericht durch die vandalische Verfolgung, weswegen die Verherrlichung des Heiligen ganz weltkundig werden musste. Vor Gott leben alle seine Heiligen, und er wacht sogar über ihre Gebeine, weil sie sein Eigentum und zur Verherrlichung bestimmt sind. Das Grabmal des Heiligen war in Vergessenheit gekommen, sogar der Ort, wo das Grabmal war, wurde unbekannt. Es war aber im Flecken, namens Kaphargamala, etwa drei deutsche Meilen von Jerusalem entfernt, wo eine Kirche stand, die von einem ehrwürdigen Priester bedient wurde, namens Luzian. Die Entdeckung geschah auf folgende Weise:

 

Eines Freitags am 3. Dezember im Jahr 415, unter dem sechsten Konsulat des Honorius und unter dem sechsten des Theodosius des Jüngeren, um die neunte Stunde des Abends schlief Luzian nach seiner Sitte in der Sakristei bei der Taufstätte, zur Bewahrung des Kirchengerätes. Halb erwacht sah er einen ehrwürdigen Greis, hohen Wuchses und von wunderbarer Schönheit. Dieser Greis hatte einen langen weißen Bart und ein weißes Gewand mit goldenen Kreuzen besetzt, und trug einen goldenen Stab in der Hand. Als er sich Luzian genähert hatte, rief er ihn dreimal mit seinem Namen und befahl ihm, nach Jerusalem zu gehen und dem Bischof Johannes zu sagen, dass er käme, das Grabmal zu öffnen, worin seine Überbleibsel und die Überbleibsel einiger anderer Diener Jesu seien, damit Gottes Erbarmungen durch sie verherrlicht würden. Luzian fragte ihn um seinen Namen. „Ich bin“, sagte er ihm, „Gamaliel, der den heiligen Paulus im Gesetz unterrichtet hat. An der Morgenseite des Grabmals liegt Stephanus, den die Juden vor dem Stadttor gegen Abend gesteinigt haben. Sein Leib lag dort einen Tag und eine Nacht unbegraben, aber weder das Gevögel noch vierfüßige Tiere wagten es, ihn zu berühren. Die Gläubigen nahmen ihn dann auf meine Mahnung während der Nacht, und brachten ihn in mein Landhaus, wo ich ihn in mein eigenes Grabmal auf der Morgenseite legte, nachdem ich sein Leichenbegängnis vierzig Tage lang gefeiert hatte. Nikodemus, der in der Nacht zu Jesus kam, liegt auch da in einem anderen Sarg. Da er wegen seines Glaubens an den Heiland von den Ältesten des Volkes seiner Würde entsetzt und aus Jerusalem verbannt worden war, nahm ich ihn in mein Landhaus auf, unterhielt ihn daselbst bis an sein Lebensende, und begrub ihn nach seinem Tod bei Stephanus. An derselben Stätte habe ich auch meinen Sohn Abidas begraben, der vor mir, in seinem zwanzigsten Jahr, gestorben ist. Sein Leichnam liegt in dem dritten Sarg, welcher der oberste steht, und in welchem man mich selbst nach meinem Tod beigesetzt hat. Erhna, meine Frau und Semelias, meine Tochter, die nicht an Christus glauben wollten, wurden an einen anderen Ort begraben, der Kapharsemalia heißt.“

 

Luzian, fürchtend wegen einer zu großen Leichtgläubigkeit als ein Betrüger gelten zu können, flehte, damit er sich versichere, ob dieses Gesicht von Gott sei, um ein zweites und um ein drittes, und um sich dieser Gnade würdig zu machen, beharrte er im Gebet und im Fasten. Am folgenden Freitag erschien ihm Gamaliel wieder in derselben Gestalt und befahl ihm zu gehorchen. Er gab ihm noch die Verdienste der Heiligen, deren Überbleibsel er ihm entdeckte, unter dem Bild von vier Körben zu erkennen, welche er ihm zeigte. Drei waren von Gold und der andere von Silber. Von den goldenen Körben waren zwei mit weißen Rosen angefüllt, und der andere mit roten. Im silbernen waren Safranblumen, welche einen süßen Wohlgeruch dufteten. Auf Luzians Frage, was diese Körbe bedeuteten, antwortete ihm Gamaliel: „Das sind unsere Überbleibsel. Diese roten Rosen stellen den heiligen Stephan vor, der am Eingang des Grabes liegt. Der zweite Korb bezeichnet Nikodemus, der bei der Tür liegt, der silberne stellt meinen Sohn Abidas vor, der vom Mutterleib an unbefleckt geblieben, er berührt den meinigen.“ Mit diesen Worten verschwand er. Luzian wachte dann auf und dankte Gott, seine Fasten setzte er aber immer noch fort. An demselben Tag und um dieselbe Stunde der dritten Woche erschien ihm Gamaliel von neuem und hielt ihm sein Zögern in Vollziehung des erhaltenen Auftrags vor. Er fügte noch bei, dass durch die Entdeckung seiner und der andern Überbleibsel die Dürre, welche damals das Land hart heimsuchte, aufhören würde. Luzian von Schrecken ergriffen, versprach, ferner nicht mehr zu säumen.

 

Er begab sich dann nach diesem dritten Gesicht nach Jerusalem. Der Bischof Johannes, dem er alles, was ihm begegnet war, erzählte, weinte vor Freuden und hieß ihn die Leiber der Heiligen aufsuchen, mit dem Bemerken, er würde sie unter einem großen Steinhaufen bei seiner Kirche finden. Luzian sagte ihm, wie auch er vermutet habe, dass unter dem Steinhaufen das Grabmal sein möge. Dann ging er heim und ließ am folgenden Tag die Einwohner des Fleckens versammeln, um unter dem Steinhaufen nachzusuchen. Während er aber an den Ort ging, wo man arbeitete, begegnete ihm Migezius, ein frommer Einsiedler, der ihm sagte, dass ihm Gamaliel erschienen sei und ihm den Auftrag gegeben habe, ihm zu bedeuten, dass man umsonst an jener Stätte sich ermüde. Er fügte noch bei, Gamaliel habe ihm Folgendes gesagt: „“Nach unserer Begräbnisfeier legte man uns dorthin, und der alten Gewohnheit gemäß war dieser Steinhaufen bestimmt als Andenken dem Schmerz unserer Freunde. Suchet anderswo, an einem Ort, Debatalia genannt. Und wirklich“, fuhr Migezius in der Erzählung des gehabten Gesichtes fort, „ich befand sich plötzlich an dem angegebenen Ort und nahm da ein altes Grabmal wahr, wo drei mit Gold geschmückte Betten waren. Das eine höher, schloss in sich einen Jüngling und einen bejahrten Mann, die zwei anderen schlossen jedes einen Mann in sich.“ – Da Luzian so einen neuen Beweis für die Wahrheit des gehabten Gesichtes erhalten hatte, verließ er den Steinhaufen und begab sich an den ihm angegebenen Ort. Er ließ die Erde aufgraben und fand drei Särge mit einem Stein, worauf in großen Buchstaben folgende Namen gegraben waren: Cheliel, Nasuam, Gamaliel, Abidas. Die zwei ersten sind syrisch und heißen: Stephanus oder Kranz, und Nikodemus oder Volkssieg. Sogleich berichtete Luzian den ganzen Hergang an den Bischof Johannes, der unverzüglich mit Eutonius und Eleutherius, wovon der eine Bischof von Sebaste und der andere von Jericho war. Sich aufmachte und an die heilige Stätte sich begab.

 

Als sie den Sarg des heiligen Stephanus eröffneten, erbebte die Erde, und es verbreitete sich ein unbegreiflicher Wohlgeruch. Eine große Menge Volkes war herbeigeströmt, darunter viele Kranke. Dreiundsiebzig mit verschiedenen Plagen Behaftete genasen sogleich. Der Bischof Johannes wollte, dass man die Reliquien des heiligen Stephanus nach Jerusalem bringen solle, da er Diakon dieser Kirche gewesen ist. Die Überbleibsel der anderen Heiligen blieben zu Kaphargamala. Der Leichnam des heiligen Stephanus war in Staub zerfallen, die Gebeine jedoch noch ganz und in ihrer natürlichen Lage. Man fand auch darin von seinem Blut. Einige Überbleibsel des heiligen Erstlingsmartyrers ließ man zurück für die Kirche zu Kaphargamala, die übrigen schloss man in den Sarg und brachte sie unter Psalmen- und Hymnengesang feierlich hinüber in die Kirche zu Sion. Da ergoss sich reichlicher Regen über das Land, welcher ihm nach langer Dürre die ersehnte Fruchtbarkeit wieder gab. Diese Übertragung der Gebeine des heiligen Stephanus geschah am 26. Dezember, an welchem Tag die Kirche allzeit das Andenken seines Martertodes gefeiert hat; am 3. August wird aber das Andenken der Entdeckung seiner Gebeine gefeiert, welches ohne Zweifel daher kommt, dass irgend eine Kirche, vielleicht die von Ankona, an diesem Tag unter Anrufung des heiligen Stephanus geweiht worden.

 

Die Entdeckung dieses kostbaren Schatzes wurde in Jahresfrist bis nach Spanien bekannt, weil Avitus und Arosius, beide spanische Priester, sich damals in Palästina, der letzte beim heiligen Hieronymus, aufhielten. Überall suchten die Kirchen einige Reliquien zu erhalten, und so kamen mehrere derselben an verschiedene Orte in Afrika und Spanien. Bei der Übertragung und Aussetzung dieses Heiligtums geschahen viele und erstaunliche Wunder durch Berührung mit Tüchern, mit Blumen, beim Gebet an heiliger Stätte, wo das Heiligtum aufbewahrt wurde. Blinde sahen, Lahme gingen, Kranke wurden gesund, Tote standen zum Leben auf, und das so zahlreich und so öffentlich, dass ganze Kirchen davon Zeugen waren, und ganze Bücher davon geschrieben wurden, wovon der heilige Augustinus als Ohren- und selbst Augenzeuge gar viel Schönes anrühmt. Gott erbarmte sich auch seines Volkes, der Juden, auf das Gebet ihres Heiligen, wie einst auf die Fürbitte Moses. Zu Mahon in Afrika bekehrten sich, während einige Reliquien des Heiligen dort lagen, ganz unerwartet 540 Juden mit ihrem Rabbi Theodor, begehrten die Taufe, und erbauten nachher auf ihre eigene Kosten und mit eigenen Händen eine Kirche. Der Geist, der in Stephanus wirkte, hob ihnen die Decke von den Augen. Die Gnade Gottes ergoss sich auch über die Heiden. Zu Kalama war ein vornehmer Heide, namens Marzial, ein eifriger Götzendiener und gegen alle Belehrung und Ermahnung verstockt auch bei seinem nahen Tod. Sein Tochtermann, ein Christ, betete lange für seine Bekehrung vor den Reliquien des heiligen Stephanus und brachte einige Blumen von dem Reliquienkästchen nach Hause, und legte sie auf das Kopfkissen des Kranken. Dies geschah am Abend, und ehe der Tag anbrach, verlangte der Kranke einen Priester, glaubte, wurde getauft und wiederholte bis zum letzten Atemzug die Worte, womit der heilige Stephanus sein Leben beschloss: „Herr Jesus, nimm auf meinen Geist!“ In Hippon wurde auch im Jahr 425 während der Ostertage zur Zeit des Gottesdienstes beim Reliquienkästchen des heiligen Stephanus, wo sie beteten, zwei Kinder, die ihre Mutter verflucht hatte, wunderbar geheilt, worauf dieselben der heilige Augustinus neben sich auf der Kanzel stehen ließ, jedermann zum Zeugnis des Wunders und als lebendiger Text seiner Predigt.

 

Einige Zeit blieb der Leib des heiligen Stephanus in der Kirche von Sion. Im Jahr 444 ließ aber die Kaiserin Eudoria, als sie das zweite Mal nach Jerusalem kam, eine prachtvolle Kirche bauen an dem Ort der Steinigung und den Leichnam dahin übersetzen. Sie selbst ward auch dort begraben.

 

„Lasst uns“, sagt der heilige Augustinus, da er zu seinem Volk von den Überbleibseln des heiligen Stephanus redete, „lasst uns zeitliche Güter durch die Fürbitte dieses Heiligen zu erlangen wünschen, allein so, dass wir, ihm nachahmend, jene, die ewig sind, verdienen können.“ Um unsere geistigen Krankheiten zu heilen, ist der allmächtige Seelenarzt vom Himmel herabgestiegen. Da er aber während seines Wandels auf Erde den Kranken die leibliche Gesundheit gab und die Besessenen von den unreinen Geistern befreite, wollte er den Menschen sichtbare Beweise seiner Macht geben. Seine Hauptabsicht ging jedoch dahin, uns begreiflich zu machen, dass er gekommen sei, die Krankheiten unserer Seele zu erleichtern und uns der Gewalt des Teufels zu entreißen. Wenn er uns demnach durch seine heiligen Güter des Leibes gewährt, so geschieht dieses, um unser Vertrauen auf seine Barmherzigkeit zu erwecken und uns anzuregen, dass wir durch ihre Fürbitte den inneren Gnadenbeistand zu erstreben suchen. Alle Tage sollen wir zwar um unsere leiblichen Bedürfnisse bitten, diese Gebete sollen aber unsere Heiligung zum Hauptgegenstand haben und allzeit der Ehre Gottes untergeordnet sein, weil wir nicht wissen, was uns am nützlichsten ist. Gott bietet uns seine Gnade, seine Liebe, sich selbst uns dar, er soll demnach auch das letzte Ziel und Ende aller unserer Gebete sein. „Wenn ein reicher und freigebiger Fürst“, sagt die heilige Theresia, „sich verpflichtete, uns alles, was wir begehren möchten, zu geben, würden wir seiner nicht spotten, wenn wir nichts als unbedeutende Dinge begehrten?“

 

So ehrt Gott seine Heiligen! So lange sie unter Menschen leben, lässt er zu, dass sie misshandelt, verfolgt und verachtet werden, wie es dem heiligen Stephan widerfuhr. Er will aber auch oft, dass sie auf dieser Welt nach dem Tod geehrt und verherrlicht werden. Achten wir daher die Ehre und den Ruhm bei Menschen nicht, suchen wir nur die Ehre Gottes und die Erfüllung seines Willens, lieben wir, so viel wir können und es uns unsere Verhältnisse erlauben, ein stilles, zurückgezogenes Leben, um uns vor den ansteckenden bösen Grundsätzen und Beispielen der Welt zu bewahren, übrigens überlassen wir uns ganz der göttlichen Vorsehung. Wir dürfen versichert sein, dass Gott alles zu seiner Ehre und zu unserem Heil wird gereichen lassen. – Die Verehrung der heiligen Reliquien, so wie die Verehrung und die Anrufung der Heiligen, ist erlaubt, Gott wohlgefällig und uns nützlich. „Wir ehren die Reliquien der Märtyrer“, schreibt der heilige Hieronymus, „damit wir denjenigen, dessen Märtyrer sie sind, anbeten. Wir ehren die Diener, damit die Ehre der Diener auf den Herrn falle.“

 

Gebet. O Gott, der du dem heiligen Stephanus zur Belohnung seiner Treue den Himmel geöffnet und ihn durch viele Wunder verherrlicht hast, gib, dass wir durch die Verehrung der Heiligen zur Nachfolge ihrer Tugenden ermuntert werden, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.

 

4. August

 

Der heilige Johannes Maria Vianney, Pfarrer von Ars,

+ 4.8.1859 - Fest: 4. August

 

Man schreibt Vianney und sagt Wi-a-nä, Johannes Maria Vianney. Wie aber kann ein Mann Maria heißen? Das kommt daher, weil manche Männer, um ihrer Verehrung zur Mutter Gottes auch äußerlich Ausdruck zu geben, ihrem Taufnamen den Namen Maria beifügen. So wissen wir jetzt schon mal, dass Johannes Maria Vianney ein Marienverehrer war.

 

Geboren ist Johannes Maria Vianney in einem kleinen Bauernhaus, wo er als viertes Kind guter Eltern im Jahr 1786 geboren wurde. Weil nach ihm dann noch mehr Geschwister zur Welt kamen und der Platz in der Wohnung immer enger wurde, musste Johannes sein Bett im Stall neben den Tieren aufstellen.

 

Am Unterricht an der Schule hat Vianney deswegen nur selten teilnehmen können, weil er den Sommer über das Vieh hüten musste. Daher lernte er auch nur notdürftig das Lesen, Rechnen und Schreiben. Dazu kam der traurige Umstand, dass der Bauernjunge nur wenig begabt war. Den Katechismus wusste er allerdings auswendig, wie er denn sowieso ein frommer Junge war, der beim Viehhüten nicht nur Strümpfe strickte, wie es damals üblich war, sondern auch so manchen Rosenkranz betete, wobei er zwischen den einzelnen Gesätzlein ein Marienlied sang. Mit Leib und Seele, also ganz und gar, war Johannes nämlich der Gottesmutter Maria zugetan. In der Rocktasche trug er eine kleine Marienstatue bei sich. Als er einmal Weinbergsarbeit verrichten musste, die für seine Kräfte allzu schwer war, stellte er die Statue immer fünf Schritte weit vor sich hin. So hackte und schaufelte er gleichsam unter Marias Augen auf sie zu. Da ging ihm die Arbeit so rasch vonstatten, dass er damit früher fertig war als der ältere Bruder mit seinem Anteil. Wie froh war Johannes, dass ihm die liebe Mutter Gottes auch da wieder gut vorangeholfen hatte. Maria hilft eben immer allen, die sich in der Not an sie wenden.

 

Vianneys Jugend fiel in die böse Zeit der Französischen Revolution. Damals wurde die Religion von Staats wegen abgeschafft; manche erlitten wegen ihres Glaubens Kerker und Tod, und diejenigen, die einen der flüchtigen Priester der Polizei auslieferten, feierte man geradezu als Helden.

 

Wirkliche Helden dagegen waren die Priester, die in allen möglichen Verkleidungen, als Knechte, Handwerker oder Hausierer, stets gehetzt und in Angst, von Ort zu Ort zogen. Nachts in abgelegenen Feldscheunen oder im Wald unter freiem Himmel feierten sie die heilige Messe, spendeten die Taufe, hörten die Beichte und segneten Ehen ein. Bei einer solchen Gelegenheit erhielt Johannes Vianney in einer Scheune in der Nacht die erste heilige Kommunion. Bei dieser Feier, angeregt durch das Beispiel der mutigen Priester, fasste er den Entschluss, selbst auch Priester zu werden, koste es, was es wolle.

 

Viel, sehr viel sollte ihn die Ausführung des Planes kosten. Solange die Glaubensverfolgung dauerte, konnte Johannes an das Studieren nicht denken. Und später kam er von Pflug und Rebmesser nicht los. Jahr um Jahr arbeitete er auf dem Hof der Eltern als Knecht ohne Lohn, bis er zwanzigjährig das Studium endlich beginnen konnte. Da jedoch stellte es sich heraus, dass sein Gedächtnis verrostet war. Alles, was er mühevoll lernte, hatte er am folgenden Tag wieder vergessen. Nichts blieb bei ihm hängen, und bei den Prüfungen fiel er regelmäßig durch.

 

In dieser Not machte der bedauernswerte Student zu Fuß eine Wallfahrt nach einem hundert Kilometer weit entfernten Gnadenbild der Mutter Gottes. Und Maria half ihm auch diesmal wieder. Zwar hatte er es beim Lernen noch nicht leichter, aber er kam wenigstens voran und erhielt schließlich als Dreißigjähriger die Priesterweihe. Es ist nun einmal so, dass alle, die auf die Mutter Gottes ihr Vertrauen setzen, von ihr nicht im Stich gelassen werden.

 

Über vierzig Jahre hat Vianney dann in dem kleinen Dorf Ars als ein heiliger Priester segensreich gewirkt. Vor allem war er ein begnadeter Beichtvater, der täglich sechszehn Stunden Beichte hörte. Von weither kamen die Leute, nur um sich einmal bei ihm aussprechen zu können. Und wer kam, der musste gewöhnlich acht Tage warten, bis er an der Reihe war. So groß war der Andrang am Beichtstuhl des heiligen Pfarrers von Ars. Und wenn das Holz des Beichtstuhles in der Pfarrkirche zu Ars reden könnte, so würde es von Gnadenwundern ohne Zahl berichten. Von dem heiligen Priester Johannes Vianney ist in der Tat ein unabsehbarer Segen ausgegangen.

 

* * *

 

Beim heiligen Pfarrer von Ars

 

Von P. Beat Ambord, Neue Züricher Nachrichten, 1957

 

Der Pfarrer von Ars! Das ist sein Seelsorgname. So nannten und nennen ihn alle. Weniger kennt man ihn nach seinem persönlichen Namen: Johannes Baptista Vianney. So steht er beispiellos da im Verschwinden und Versinken von Namen und Person hinter Beruf und Werk: hinter dem Beruf geweihter Hände und hinter dem Werk befreiter Seelen. Darin schon leuchtet Botschaft auf, die Botschaft vom namenlosen Dienst, um dessentwillen alle „den Vater preisen, der im Himmel ist“.

 

Dreiklang des Weges

 

Dardilly, Ecully, Ars, das sind die Stätten seines Lebensganges. Dreimal in meinem Leben habe ich diese Stätten aufgesucht, jedes Mal war ich aufs tiefste beeindruckt. Von diesen drei Stätten empfing Vianney, was sie geben konnten: die Anmut irdischer Natur. Sie aber empfingen von ihm, was er geben konnte: die Wirkkraft göttlicher Gnade. Darum liegt über diesen Orten auch eine so heilige Weihe. In steigendem Maß: über Dardilly, das am 8. Mai 1780 seine Geburt erlebte, liegt die Stille unbekannten Werdens; über Ecully, das seine Jugend sah und sein erstes Wirken als Kaplan, erhebt sich das Frührot ringenden Wachsens; über Ars, das staunend die Größe seiner selbstlosen Hingabe erfuhr, steht der Hochglanz abgeklärter Reife.

 

Von Lyon aus, von der Höhe der Notre-Dame de Fourvière, sah ich die beiden Dörfchen Dardilly und Ecully. Ars kann man von dort aus nicht mehr sehen. Das ist wie ein Symbol: Jugend und erstes Wirken Vianneys können wir menschlich noch erfassen, das Wirken und Wesen des Pfarrers von Ars aber ist menschlichem Schauen verhüllt.

 

Ich ging nach Dardilly und sah dort sein Geburtshaus. Ich wanderte nach Ecully und sah die Stätte seiner Jugend. Ich pilgerte nach Ars in der Dombes-Hochebene und sah den Wirkplatz seines gnadenvollen Lebens. Wie sind sie so lieblich, diese Orte! Unwillkürlich kam mir das klassische Wort René Bazins in den Sinn: „La douce France!“ Wie sind sie aber auch so weihevoll, diese Stätten! Unwillkürlich fiel mir das jubelnde Wort Jean Jacques Oliers ein: „La douce grâce“! Natur und Gnade haben aus Vianney gemacht, was er war: einen Priester, aus dessen unbarmherziger Lostrennung von allem Irdischen der Glanz der Menschlichkeit leuchtete, aber auch einen Priester, aus dessen unzertrennlicher Hingabe an das Himmlische die Glut zarter Göttlichkeit strahlte.

 

Die „hohen“ Warten

 

In Ars sah ich das Kirchlein. Ach, wie ist es klein und eng! Kaum gut hundert Personen finden darin Platz. Wo sind sie denn gewesen, all die Tausende und Tausende, die Jahr um Jahr dorthin gepilgert kamen, aus aller Welt, um den armen Pfarrer zu sehen, zu hören, seine gnadenvolle Güte zu erfahren? Sie traten ein in die unsichtbare Kirche, die er „erbaut“, in die Kirche der Liebe Gottes. Und die Kirche der Liebe Gottes ist ein Raum ohne Grenzen. Weiter schritt ich durch das Kirchlein und erblickte die kleine unförmige Kanzel links oben. Gegenüber, auf der rechten Seite, steht, kaum erhöht über den ausgeknieten Bänken, sein eckiges Christenlehrpult. Das waren also die hohen Warten, von denen aus er unwiderstehlich das Wort Gottes verkündete: menschlich unförmig und eckig, unter vielen Nachtwachen und angstvoller seelischer Pein gestaltet, aber göttlich durchwärmt und erfüllt, strömend aus einem Herzen, das nichts kannte und liebte als Gott und die Seelen. Hinter seinem Wort stand das Beten, das Fasten, das Almosengeben, das Vorbereiten, das „öde war wie eine Wüste und hart wie ein Todeskampf“. Hinter seinem Wort stand sein vom Gottesgeist durchstrahltes Herz. Er hat sein Geheimnis selbst ausgesprochen in einem seiner Kanzelworte: „Ohne den Heiligen Geist sind wir wie Steine am Wegesrand. Nehmt in die eine Hand einen mit Wasser gefüllten Schwamm und in die andere einen Kieselstein und drückt auf beide. Aus dem Kiesel wird nichts herauskommen, aber aus dem Schwamm fließt das Wasser in Fülle.“ Seine menschliche Begabung war hart wie ein Kieselstein, seine göttliche Begnadung mild und schwer und voll wie ein ins Wasser getauchter Schwamm.

 

Das schweigsame „Holz“

 

Nun ging ich in die Sakristei. Rechts vorn ist der Eingang. Sie ist nur ein kleiner Winkel; mit drei, vier Schritten hat man sie durchmessen. An dieser Stätte hat der Pfarrer von Ars nächtelang gebetet und gearbeitet an seinen Predigten und Christenlehren. An dieser Stätte hat er gerungen mit dem Dämon, der mit aller Gewalt gegen seinen heiligen Widersacher anstürmte. Hier sah ich auch den Beichtstuhl, ein armseliges Holzgestell. Was könnte es alles erzählen! Die Geheimnisse von Schuld und Sühne Tausender nahm dieses Holz geduldig in sich auf, schweigend sie hineinversenkend in jenes andere Holz, in das Kreuzesholz von Golgotha. Der sichtbare Mittler dieses sakramentalen Austausches aber war der heilige Pfarrer von Ars mit seinen großen gütigen Augen und seinem milden, verstehenden Herzen. Seiner Liebe war die Gnade geschenkt, selbst in die verhärtetsten Herzen hineinzuleuchten und darin die geheimsten Fehler der Sünder zu schauen, sie ihnen aufzudecken, ehe sie zu reden begannen. Tagelang hörte er Beicht, oft bis zu achtzehn Stunden hintereinander. Man hat ihn nicht umsonst den „Märtyrer des Beichtstuhls“ genannt. Wie gerne wäre auch ich zu seinen Füßen gewesen; so oft habe ich mich wenigstens wortlos hineingekniet in dieses geheiligte Holzgestühl.

 

„Antennen“ des Himmels

 

Nun verließ ich das Kirchlein. Ich wollte zum Wohnhaus des Heiligen. Auf dem Weg dahin kam ich an dem Altar der heiligen Philomena vorbei, der Schutzpatronin des Pfarrers von Ars, auf deren Fürbitte hin er viele Wunder gewirkt hat und die er kindlich fromm verehrte.

 

Was mag ihn wohl zu dieser (historisch wenig dokumentierten) Heiligen hingezogen haben? Von ihrem Leben wissen wir ja nur, dass sie eine Märtyrin der ersten christlichen Jahrhunderte gewesen ist, vielleicht ist sie nur die „Unbekannte Märtyrin“ (wie wir vom „Unbekannten Soldaten“ sprechen). Erst 1803 hat man sie entdeckt. Ihre ganze Lebensbeschreibung sind drei Worte bloß – mit Mennige auf Ziegelsteine geschrieben, die ihre Ruhestätte in der Priszillakatakombe zu Rom verschlossen: Pax tecum Filumeny!“ Das gerade war es; die Verborgenheit und Verlorenheit dieser Heiligen in der göttlichen Pax hatte es dem Pfarrer von Ars angetan. Darin klangen ihm Verwandtschaftstöne mit seiner Seele auf, die unaufhaltsam nach Vergessenheit und Versunkenheit vor dieser Welt dürstete, in der er sich als völlig nutzloser Knecht fühlte und vor der er dreimal die Flucht ergriff, aus der Pfarrei weg. Mit Mühe konnte man ihn zurückbringen.

 

Der neue Lebensbaum

 

Nun betrat ich den kleinen Gartenhof des Wohnhauses. Zwei Bäume stehen in diesem Gärtchen. Der eine ist alt und knorrig, beständig am Zerfallen. Der andere ist jung und stark, steilgerade in die Höhe wachsend, den der heilige Pfarrer von Ars, wie überliefert wird, selbst gepflanzt hat. Das ist ein Symbol für das Ars vor Vianney und das Ars nach Vianney. Als er die Ortschaft betrat, war alles morsch und faul, stetig am Zusammenbrechen. Dann aber hat er das Reich Gottes wieder aufgerichtet in seiner Gemeinde, den Keim gelegt zu einem neuen, göttlichen Lebensbaum. Und das „Senfkörnlein“ wuchs zu einem Baum heran, hochragend zum Himmel, und in aller Welt und zu aller Zeit wird man sich labend erfreuen an seinen Früchten.

 

Der „Komfort“ eines Heiligen

 

Durch eine enge Wendeltreppe gelangt man in den ersten Stock des Hauses. Zwei kleine Zimmer sah ich da. In dem einen sind die kirchlichen Gebrauchsgegenstände, die der heilige Pfarrer in seinem Leben benützte. Das andere Zimmer beherbergt die persönlichen Habseligkeiten des Heiligen. Dieses Zimmer ist noch so erhalten, wie er es am Todestag verließ. Arm ist es, furchtbar arm! Auf dem einfachen Tisch steht ein Essgeschirr, das er kurz vor dem Sterben noch gebraucht hatte. Irgendwo in einer Ecke sah ich ein Paar hohe ausgetretene Schuhe. Nicht so arm aber war allem Anschein nach seine Bibliothek. Aus einem ziemlich geräumigen Schrank zeigten sich die Rücken alter, großer Folianten und neuerer Bücher. Gern hätte ich etwas herumgestöbert in diesen Schriften. Aber eine dicke Kordel sperrte den Weg zu weiterem Vordringen ins Zimmer ab. In diesem Raum hat er gebetet. Sein Beten war noch großes Beten. Nachts um zwei Uhr stand er auf, betete die Matutin und Laudes. Um vier Uhr ging er ins Kirchlein. Erst gegen Mittag kehrte er zurück. In diesem Zimmer hat er gefastet. Er aß nur ganz wenig. Seine Hauptnahrung bestand aus Kartoffeln, die er für eine ganze Woche selbst im voraus kochte. Zu den Fasten kamen die körperlichen Leiden, Schwindelanfälle, grausame Zahnschmerzen. Furchtbar waren seine Kasteiungen. In seinen persönlichen Bedürfnissen war er ganz anspruchslos. Er erfüllte buchstäblich das Wort des Herrn von dem einen Rock: er besaß nur eine Soutane. Alles, was er an Gaben erhielt, verteilte er unter die Armen oder verwandte es für seine karitativen Werke, besonders für sein Mädchenwaisenhaus und seine Mädchenschule, zwei Gründungen, denen er den Namen „Providentia“ gab. In diesem ärmlichen Zimmer empfing er auch die hohen Besuche von Kardinälen wie Bonald, Bischöfen wie Dupanloup, Predigern wie Lacordaire. Sein Bischof überreichte ihm das Domherrenmäntelchen. Er trug es einen kurzen Tag lang, um den Bischof nicht zu beleidigen. Dann setzte er den ungefähren Preis, 50 Francs, fest, verkaufte es und gab den Erlös den Armen. Dem Kreuz der Ehrenlegion, das ihm der Kaiser überbringen ließ, maß er keinen Wert bei; denn es brachte ihm nichts ein für seine Armen. So lebte er in restloser Selbstvergessenheit und Selbstaufreibung nur für die anderen. Menschliche Klugheit steht hier vor einem Rätsel. Er aber lebte nach den Gesetzen der „Torheit“ Gottes. Hätte er all das nicht getan, wir hätten keinen heiligen Pfarrer von Ars. Es muss Menschen geben, die sich gleichsam sinnlos zerbrechen wie eine Magdalenen-Alabasterschale. Und wir dürfen nicht fragen: wozu diese Verschwendung? Von ihrem Duft ist das ganze Haus der Kirche Gottes erfüllt.

 

Das Siegel Gottes

 

Jetzt erst betrat ich die Basilika, einen großen, kuppeligen Rundbau. Man hat sie so gebaut, dass das kleine Kirchlein wie der Vorhof den Eingang zur Basilika bildet. Sie lebt von diesem Kirchlein und ist das Symbol der großen, weiten Liebe des heiligen Pfarrers. Am Altar, der seinen Leib birgt, feierte ich die Messe, mit dem Kelch, den der Heilige einst selber täglich benützt hatte. Welch eine heilige Weihe liegt über solch einer Stunde! Sein Leben war eine große heilige Messe: eine stete Opferung, eine immerwährende Wandlung, eine ständige Kommunion. Durch den Glasschrein leuchtete seine zarte, ausgemergelte, aber tief verklärte Gestalt. Und es ist, als ob sein Blick die heilige Handlung immerdar begleite. Sein toter Mund scheint noch zu sprechen: Golgotha ist das Geheimnis der Welt.

 

Von ferne grüße ich noch einmal die herrliche Basilika mit dem armseligen Kirchlein davor! Heiliges Ars, wie bist du beglückend! Du kündest – wenn es erlaubt ist, deinen Namen so zu deuten – eine Kunst, die größte Kunst, die Kunst der Liebe Gottes.

 

6. August

 

Das Fest der Verklärung Christi

 

Es tut dem Herzen wohl, dass wir mit der Kirche wieder einmal ein Fest des Herrn feiern, denn wie schön auch die Legenden der Heiligen sind, unvergleichlich erhabener ist alles, was um den Heiland spielt. Verklärung Christi nennt sich das heutige Fest, und da soll denn alles so geschildert werden, wie sich die Begebenheit im Leben Jesu zugetragen hat.

 

Den Berg Tabor findet man auf der Landkarte am Schluss der Biblischen Geschichte im Süden von Galiläa. Nach drei Seiten liegt er frei in der Ebene. Es ist ein schöner Berg, spitzkantig wie eine Pyramide und mit abgeflachtem Dach. In etwa einer Stunde kann man ihn gut ersteigen, und eines Tages gegen Abend lud der Heiland Petrus, Jakobus und Johannes ein, mit ihm auf die Höhe des Tabor zu gehen, um dort zu beten.

 

Da sehen wir den lieben Heiland mit den drei Jüngern unter freundlichen Gesprächen den Berg Tabor hinaufsteigen. Der Weg führte im Zickzack durch einen Eichenwald. Ab und zu sah man seitwärts im Gebüsch ein Reh oder einen Hirsch. Rebhühner gab es in Menge. Die Vögel in den Bäumen hielten gerade ihr Abendkonzert; es war ein Zwitschern, Tirilieren, Singen, Pfeifen, Jubilieren ohne Ende. Schön war es, und als Jesus mit den drei Begleitern die Bergkuppe erreichte, bot sich ihrem staunenden Blick eine wunderbare Aussicht rundum auf den See Genezareth und auf das Jordantal und im Westen bis ans Meer. Eben ging die Sonne unter und legte einen Goldmantel von Licht über das ganze Land. Dann kam schnell die Dämmerung, und kurz danach senkte sich die Nacht hernieder.

 

In dieser Stunde sprach der Heiland von seinem bevorstehenden Leiden und Sterben und sagte den drei Jüngern, bald würde ein Tag anbrechen, da weder Gestalt noch Schönheit an ihm sei und er wie ein Wurm zertreten am Wege liege. Damit sie, die Apostel, aber auch dann nicht im Glauben an seine Gottheit wankend würden, sollten sie in dieser Nacht seine Herrlichkeit sehen. Vorerst jedoch müssten sie mit ihm beten.

 

Alle warfen sich auf die Knie, und jeder betete für sich. Weil sich aber das Gebet Jesu wie gewöhnlich lange hinzog und die Jünger müde waren, beteten diese sich schnell in den Schlaf. Wie lange sie geschlafen hatten, wussten sie nachher nicht mehr, aber plötzlich erwachten sie, und da sahen sie den Meister von Licht umflossen vor sich in der Luft schweben. Sein Antlitz glänzte wie die Sonne, seine Kleider wurden schimmernd, wie sie kein Walker auf der Erde bleichen kann, und es erschienen Mose und Elia, die mit Jesus redeten. Da nahm Petrus das Wort und sagte zu Jesus: „Rabbi, wie schön ist es doch, dass wir hier sind! Lasst uns hier drei Hütten bauen, dir eine, dem Mose eine und dem Elia eine.“ Er wusste aber nicht, was er sprach, sie waren vor Schrecken außer sich. Doch da kam eine Wolke, die ihren Schatten auf sie warf, und eine Stimme aus der Wolke sprach: „Das ist mein vielgeliebter Sohn, auf diesen sollt ihr hören!“ Rasch schauten sie umher, sie sahen aber niemand mehr bei sich als Jesus ganz allein. Während sie dann vom Berg niederstiegen, befahl ihnen Jesus, niemand zu erzählen von dem, was sie gesehen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden wäre.

 

Auf diese Weise vollzog sich die Verklärung Jesu, und wenn die Kirche heute festlich und froh daran erinnert, so will sie dadurch denjenigen, die an Jesus glauben, Mut machen für die Stunde bitterer Leiden, die keinem Christen in der Nachfolge Christi erspart bleiben; denn wie Jesus vor und noch viel mehr nach seinem Leiden und Sterben verklärt wurde, so werden auch alle, die in Vereinigung mit ihm in Geduld durch Kreuz und Leid schreiten, dereinst in die ewige Verklärung eingehen.

 

Der heilige Hermann „Judäus“, Abt von Scheda,

+ 6.8.1173 (1193) – Fest: 6. August

 

In Köln am Rhein wohnte ein reicher Jude, dessen Sohn Judas in seinem 13. Lebensjahr einen seltsamen Traum hatte, den sein Verwandter Isaak dahin auslegte, dass ihm eine schöne, reiche Frau, viel Reichtum und Ehre werde zu teil werden.

 

Während der Kaiser zu Mainz Hof hielt, kam auch der zwanzigjährige Judas dorthin. An ihn wandte sich der Bischof Egebert von Münster, um von ihm eine Summe Geldes zu leihen. Der Jude gab ihm einen Vorschuss gegen Handschein, aber seine Verwandten sahen den Handschein nicht als hinreichende Sicherheit an und veranlassten den Judas, dem Bischof nach Münster zu folgen. Damit aber sein Glaube im Verkehr mit dem bischöflichen Hof nicht gefährdet werde, gab man ihm einen gewissen Baruch als Begleiter mit. Während seines mehrmonatlichen Aufenthaltes in Münster stieg in Judas der Zweifel auf, ob sein Glaube auch der rechte sei. Um die christliche Religion kennen zu lernen, besuchte er fleißig die Predigten im Dom und unterredete sich mit dem Abt Robert von Deutz, der eben in Münster verweilte. Mehr und mehr fielen ihm die Schuppen von den Augen. Auch die schönen Beispiele der Frömmigkeit und Tugend, die ihm in der Bischofsstadt vielfach begegneten, ergriffen sein Gemüt und flößten ihm Verehrung der christlichen Religion ein. Als er einst bei dem Hausverwalter des Bischofs war, setzte der ihm Speisen von der bischöflichen Tafel vor und begnügte sich selbst mit Brot und Wasser. Ein solcher Verzicht rührte den Judas sehr. Mit Unwillen bemerkte der alte Baruch die Umwandlung im Geist seines Stammesgenossen und bedrohte ihn mit Anzeige bei seiner Familie.

 

Als der Bischof nach Kappenberg reiste, begleitete ihn Judas. Hier sah er das prächtige Schloss des alten Grafengeschlechts in ein armes Kloster umgewandelt. Wo sonst Spiel und Sang und Festgelage fröhliche Genossen vereinten, herrschte jetzt klösterliches Schweigen, nur unterbrochen durch Lobgesänge zur Ehre des Allerhöchsten, wo sonst glänzende Waffenrüstungen prunkten, sah man nur asketische Gestalten in weißem Habit. Der junge Graf Gottfried, die Blüte der westfälischen Ritterschaft, kniete betend am Altar, oder predigte mit glühender Begeisterung das Wort Gottes, oder verrichtetedie niedrigsten Dienste. Ein solcher Anblick übte einen überwältigenden Einfluss auf Judas. Er betete und sein Gebet zog die Gnade Gottes reichlich auf ihn herab.

 

Nach Köln zurückgekehrt, wurde Judas von Baruch sehr unfreundlich empfangen. Als der aber nach vierzehn Tagen starb, konnte er ungehinderter dem Gebet, Fasten und Studieren obliegen. Die Juden schöpften Verdacht und drangen in ihn, dass er entweder heiraten oder aus der Synagoge verstoßen werden solle. Judas ließ sich einschüchtern, heiratete eine Jüdin und lebte drei Monate lang in ehelichen Freuden, ohne sich um die göttlichen Wahrheiten zu kümmern. Dann ergriff ihn die Gnade abermals mächtig. Laut bekannte er seinen Irrtum und die Sehnsucht, Christ zu werden, flammte neu in ihm auf. Als er nach Mainz reiste, um seinen kleinen Bruder zu besuchen, schickten die Kölner Juden ihm heimlich einen Boten voran mit einem Brief an die Mainzer jüdische Gemeinde, dass sie nach der ganzen Strenge ihrer Satzungen mit Judas verfahren möchten. Der aber holte den Boten ein, nahm ihm den Brief ab und entging so dem drohenden Geschick.

 

Unerschütterlich stand jetzt der Entschluss bei Judas fest, den christlichen Glauben anzunehmen, unbekümmert um die großen Gefahren, die ihm drohten. Seinen kleinen Bruder brachte er in einem Kloster in Sicherheit, und begab sich dann selbst in ein anderes Kloster, um sich dort gründlich in der katholischen Religion unterrichten zu lassen. Dann empfing er in seiner Vaterstadt angesichts der ganzen jüdischen Bevölkerung das heilige Sakrament der Taufe. Fast die ganze Geistlichkeit und Bürgerschaft nahm an der Festlichkeit teil. In der Taufe erhielt Judas den Namen Hermann.

 

Hermann sehnte sich nach der Einsamkeit eines Klosters, um sich ganz dem Herrn zum Opfer zu bringen. Was er zu Kappenberg gesehen und gehört, hatte ihn mächtig ergriffen, seinen Verstand erleuchtet und seinen Entschluss, Christ zu werden, befestigt. Dort wollte er gern für die Ehre Gottes wirken und seine Vervollkommnung unter der Leitung der ehrwürdigen Brüder Gottfried und Otto von Kappenberg anstreben. Er klopfte dort an die Klosterpforte und fand Aufnahme als Novize. Hier nahm er täglich an Frömmigkeit und Wissenschaft zu, so dass man ihn zur Priesterwürde zuließ.

 

Um jene Zeit wurde das Schloss Scheda in der westfälischen Mark in ein Kloster umgewandelt. Ritter Boland von Ardei hatte dort bereits eine Kapelle zu Ehren des heiligen Severin erbaut. Seine Witwe Wiltrud übergab ihr Schloss dem Prämonstratenserorden zu einem Kloster, und ihre drei Söhne willigten ein. Von Kappenberg zog eine Kolonie dorthin. An die Spitze der Ordensleute wurde Hermann gestellt, der sich durch hohe Tugenden, tiefe Frömmigkeit und gründliche Wissenschaft vor allen anderen auszeichnete. Als erster Abt von Scheda wirkte er mit verdoppeltem Eifer für die Ehre Gottes und zum Nutzen seiner Pflegebefohlenen in erbaulichster Weise. Man rühmte an ihm besonders seine Herzenseinfalt und biedere Treue und seinen unermüdlichen Eifer nach Vervollkommnung seiner selbst und seiner Untergebenen. Alle schätzten ihn sehr hoch, und unter der Führung eines so heiligen, gotterleuchtete und seeleneifrigen Abtes konnte es nicht ausbleiben, dass das Kloster Scheda zu hohem Ansehen gelangte.

 

Hermann starb, fast 90 Jahre alt, und wurde in der Klosterkirche zu Scheda begraben. Unter Abt Grüter (1628) wurden Hermanns Gebeine feierlich erhoben und zur Verehrung ausgesetzt.

 

7. August

 

Der heilige Kajetan von Thiene,

italienischer Priester und Ordensstifter,

+ 7.8.1547 - Fest: 7. August

 

Heute kommt wieder einmal ein Ordensgründer an die Reihe, Kajetan heißt er, und da ist zunächst zu berichten, dass Kajetan an sich überhaupt kein Name ist, sondern durch den heutigen Tagesheiligen erst einer wurde. Gebürtig war Kajetan aus der italienischen Stadt Gaeta, und daher hieß er in Rom, in Venedig und in Neapel, wo er später lebte, nur der Gaetaner, ähnlich wie man einen, der in Köln geboren wurde, einen Kölner nennt. Dabei sprach man aber das Wort „Gaetaner“ so faul aus, dass daraus ein Kajetan entstand. Unter diesem Namen ist der Grafensohn und nachherige Ordensstifter im Jahr 1671 auch heiliggesprochen worden, und seitdem gibt es den Namen Kajetan.

 

Kajetan war also ein Italiener und stammte aus vornehmem Haus. Aus seiner Jugend wird nur berichtet, dass er ein braves Kind war. Gern wäre er Priester geworden, aber die Scheu hielt ihn vor dem Schritt ins Heiligtum zurück, denn er hatte eine solche Ehrfurcht vor der Würde des Priesters, der den lieben Heiland in der Brotsgestalt täglich in der Heiligen Messe auf die Erde ruft, ihn mit den Händen berührt und ins Herz aufnimmt, dass er vor dem heiligen Stand zurückschreckte. Das war nicht recht gehandelt, denn wer so hoch von der priesterlichen Würde ergriffen ist, wie Kajetan es war, der wird sicher auch ein guter Priester.

 

Vorerst studierte Kajetan die Rechtswissenschaft, wurde Anwalt beim geistlichen Gericht in Rom und bestätigte sich auch als Laienapostel. In ihm steckte nun einmal ein Priester, und deshalb wirkte er als Priester ohne Weihe, als Laienpriester, wie es übrigens jeder Christ tun sollte, dass er nämlich Frömmigkeit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe übt und dadurch sein Leben zu einem Vorbild und Beispiel für andere macht.

 

Es war da aber zu Rom ein kleiner Verein von guten christlichen Leuten, von Dienstboten, Handwerkern und Arbeitern, die sich in der geschilderten Art als Laienpriester betätigten. Ihnen schloss Kajetan sich an, und bald war er die Seele vom Ganzen. Schnell sah er jedoch ein, dass der Einfluss der zwerghaften Vereinigung nicht sehr weit reichte. Sollte ein größerer Nutzen erzielt werden, so musste die Sache anders laufen. Da tauchte in Kajetan erstmals der Gedanke an einen neuen zeitgemäßen Orden auf, dessen Mitglieder nur die Besten werden sollten.

 

Nachdem sich Kajetan den Gedanken reiflich überlegt hatte, empfing er mit sechsunddreißig Jahren die heilige Priesterweihe und gründete im Verein mit dem damaligen Bischof von Theate in Italien den geplanten Orden, dessen Mitglieder man nach der Stadt Theate den Orden der Theatiner nannte. Die alten Orden, wie beispielsweise die Benediktiner, hatten Landbesitz und lebten von dem Ertrag. Dann kamen im Mittelalter die Franziskaner und Dominikaner und andere, die so arm sein wollten, dass sie sich den Lebensunterhalt in Demut und Niedrigkeit erbettelten. Die Theatiner aber gingen noch weiter und wollten nicht einmal betteln, sondern nur von dem leben, was man ihnen ungebeten schenkte. Und wenn man ihnen nichts gab, mussten sie hungern. So wollten sie einmal ganz ernst machen mit dem Vertrauen auf Gottes Vorsehung, die, wie das Evangelium sagt, doch auch die Vögel des Himmels ernährt und die Lilien des Feldes kleidet.

 

Es liegt auf der Hand, dass der Theatinerorden, der übrigens heute noch besteht, zu keiner Zeit eine größere Zahl von Mitgliedern aufwies. Dafür gewann der Orden aber einen großen Einfluss und hat sich um die Erneuerung des christlichen Lebens in der Kirche, unter den Geistlichen sowohl wie auch im Volk, durch Predigt und Beispiel hervorragende Verdienste erworben.

 

Der heilige Kajetan starb nach einem segensreichen Leben am 7. August 1547 zu Neapel, und sein letztes Wort war eine Mahnung an die Ordensgenossen, dass sie doch nie das Vertrauen auf Gottes Vorsehung verlieren sollten, denn wer für Gott lebt, für den sorgt Gott.

 

Die heilige Afra, Büßerin und Martyrin von Augsburg,

+ 304 – Fest: 7. August

 

Der gute Hirt geht dem verlorenen Schaf nach und hat er es gefunden, so trägt er es mit Freuden zur Herde zurück. So sucht die erbarmende Liebe Gottes den verirrten Sünder, und wenn er sich aufrichtig bekehrt, so ist darüber im Himmel größere Freude, als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. Ein solches verlorenes, aber durch die Gnade des barmherzigen Gottes wiedergefundenes Schäflein war Afra.

 

Afras Großeltern waren von der Insel Cypern nach Augsburg in Bayern gekommen und hatten den cyprischen Venusdienst nach dieser damals römischen Stadt verpflanzt. Auch Afra wurde der Venus zu Ehren von ihrer eigenen Mutter Hilaria zur Buhlerei angeleitet und unterhielt als Heidin zu Augsburg ein Freudenhaus.

 

Im Jahr 303 beschloss der grausame Kaiser Diokletian, das Christentum mit Stumpf und Stiel auszurotten und erschöpfte sich in den gräuelvollsten Maßregeln, dieses Ziel zu erreichen. Das Blut der Christen floss in Strömen. Wem es nicht gelang, sein Leben durch die Flucht zu retten, verfiel den schrecklichsten Martern unter Henkershänden. Um diese Zeit kam der Bischof Narcissus von Gerundum (jetzt Girona) in Spanien mit seinem Diakon Felix als Flüchtling nach Augsburg. Die Gnade Gottes oder das Bedürfnis nach Obdach und Nahrung führte ihn in das Haus der Afra. Sie nahm die Fremdlinge gastlich auf und bereitete ihnen ein reiches Mahl, weil sie meinte, sie seien gekommen, um mit ihr dem abscheulichen Venusdienst zu frönen. Ehe der fromme Bischof sich zu Tisch setzte, machte er das heilige Kreuzzeichen und betete voll Inbrunst und Dank zum Geber alles Guten. Die heilige Andacht des Bischofs, seine ehrfurchtgebietende Haltung, sein Ernst und seine Milde versetzten Afra in Staunen und Bewunderung. Eine geheimnisvolle Macht erschütterte sie. Zaghaft fragte sie den Fremdling, woher er käme und was er in Augsburg wolle. Und als sie erfuhr, er sei ein christlicher Bischof aus Spanien, habe seines Glaubens wegen die Heimat verlassen und dürste nach nichts mehr, als verirrte Seelen für den Himmel zu gewinnen, da wurde sie tief erschüttert, bewunderte die Seelengröße und Opferfreudigkeit dieses Bischofs und erkannte ihre eigene Unwürdigkeit und tiefe Versunkenheit. Voll Scham und Reue fiel sie ihm zu Füßen und schluchzte: „O Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst, denn ich bin die sündigste Frau der Stadt.“ Narcissus sah hoch erfreut die tiefe Reue Afras, mahnte sie zu eifriger Buße und verhieß ihr die Barmherzigkeit Gottes. „Seine Liebe“ – sprach er – „ist gleich dem Glanz der Sonne, sie erleuchtet die ganze Erde, sie dringt auch in die Sümpfe und Moraste und wird doch nicht verunreinigt. So bleibt auch rein die Liebe Jesu, die mit ihrem Licht die Sünder erleuchtet. Öffne nur, meine Tochter, deine Seele dem Licht des Glaubens, damit du von allen Sünden gereinigt und von der reinen Liebe Jesu erfüllt, meinen Eintritt in dein Haus ewig segnen mögest.“ Afra erwiderte: „Ach, wie könnte ich von so vielen Sünden gereinigt werden? Meine Sünden sind mehr als die Haare meines Hauptes.“ Narcissus antwortete: „Glaube an Christus, lass dich taufen und du wirst selig werden.“ Getröstet und hocherfreut eilte Afra hinaus und rief ihren drei Dienerinnen Digna, Eunomia und Eutropia zu: „Dieser Mann, der in unser Haus kam, ist ein Bischof der Christen. Er hat mir versichert, wenn ich an Christus glaube und mich taufen lasse, werde ich von allen meinen Sünden rein sein. Was sagt ihr dazu?“ Alle drei erwiderten einmütig: „Wir folgten dir in der Sünde, wir folgen dir auch in der Reue und Buße.“

 

Die ganze Nacht brachte der heilige Bischof mit seinem Diakon in Gebet und Psalmengesängen zu. Afra mit ihren drei Mägden lauschte tiefgerührt. Am anderen Morgen schon forschten Gerichtsdiener nach den beiden christlichen Fremdlingen und drangen in die Wohnung Afras. Sie entgegnete ihnen: „Wie können Männer, die Christen sind, bei einer Frau, wie ich, einkehren? Zu mir kommen nur solche, die mir in der Aufführung gleichen.“ Die Häscher gingen fort. Weil Afra indes befürchtete, ihr Haus möchte durchsucht werden, so eilte sie zu ihrer Mutter, erzählte ihr das Vorgefallene und bat sie, die heiligen Männer in ihrem Haus zu verbergen. Hilaria war gerne bereit, empfing mit ihrem ganzen Haus den christlichen Unterricht und nach siebentägigem Fasten und Beten die heilige Taufe. Narcissus weihte das Haus der Hilaria zu einem Bethaus ein, erteilte dem Bruder der Hilaria, namens Dionysius die heilige Priesterweihe und setzte ihn der jungen Christengemeinde vor. Noch neun Monate blieb Narcissus in Augsburg, dann kehrte er nach Spanien zu seinem Bischofssitz Girona zurück und wurde drei Jahre später während des heiligen Messopfers von den Feinden Christi mit drei Schwertern durchstochen und so mit der Marterkrone beglückt.

 

Afras veränderter Lebenswandel machte in der Stadt großes Aufsehen. Sie wurde als Christin angeklagt und vor den heidnischen Richter Gajus geführt. Der sprach zu ihr: „Nun, du Schöne, du wirst doch lieber den Göttern opfern, als unter Qualen sterben?“

 

Afra erwiderte: „Ich habe genug gesündigt, ehe ich den wahren Gott kannte, jetzt tue ich kein Unrecht mehr!“

 

Gajus: „Geh in den Tempel und opfere! Du bist ja eine Buhlerin, und so eine kann niemals eine Christin genannt werden.“

 

Afra: „Zu meiner Schande bekenne ich, dass ich des Christennamens unwürdig bin, allein Christus, der nicht richtet nach unserem Verdienst, sondern nach seiner Milde, hat mich aus Erbarmen unter seine Bekenner aufgenommen.“

 

Gajus: „Opfere, oder ich lasse die öffentlich peitschen und lebendig verbrennen.“

 

Afra: „Mein Leib hat es verdient, dass er gepeinigt und verbrannt werde. Mögen die Feuerflammen meine Seele reinigen!“

 

Gajus ließ sie auf eine kleine Insel des Lechflusses draußen vor der Stadt führen. Afra, an einen Baum gebunden und auf dem Scheiterhaufen stehend, richtete ihre Augen gen Himmel und betete: „Herr, Jesus Christus, gedenke nicht meiner Sünden. Nimm jetzt gnädig meine Buße an und lass mir dieses zeitliche Feuer eine Abwehr der ewigen Glut sein!“ In Rauch und Flammen schwang sich die Seele der büßenden Märtyrin zum Himmel empor.

 

Afras Dienerinnen, Digna, Eunomia und Eutropia hatten am Ufer des Flusses weinend dem Martertod zugeschaut, fuhren dann zur Insel hinüber und fanden die Leiche völlig unversehrt. In der folgenden Nacht begruben sie, begleitet von einem Priester und der Mutter Hilaria, den Leichnam in der Familiengruft. Während des Begräbnisses wurden sie von den Heiden überrascht und auf Befehl des Gajus, weil sie sich weigerten, den Göttern zu opfern, in der Gruft eingesperrt und durch Rauch erstickt. So wurden die Dienerinnen Afras nebst ihrer Mutter wieder mit ihr vereinigt am 7. August 304. Über dem Grab Afras wurde eine prächtige Kirche gebaut und Augsburg verehrt sie bis auf den heutigen Tag als ihre Patronin.

 

Der heilige Konrad Nantovin, Pilger und Martyrer zu Wolfratshausen,

+ 7.8.1286 – Fest: 7. August

 

Zur Zeit Rudolfs, des Sohnes Ludwig des Strengen, kam ein unbekannter Pilger in die Gegend von Wolfratshausen in Oberbayern. Niemand wusste, woher er stamme, ob er nach Rom pilgere oder von dort zurückkehre. Obwohl er nur wenig Geld bei sich führte, reizte es doch die Habsucht des Ortsrichters Ganterus. Der schuldigte den Fremdling eines schrecklichen Verbrechens gegen die Unschuld eines Jungen und ließ ihn ohne Erbarmen verbrennen, um heimlich das Geld und Pferd des Fremdlings sich anzueignen. Dies geschah am 7. August 1286.

 

Gott verherrlichte bald seinen treuen Diener durch Wunder. Als der ungerechte Richter Ganter gleich darauf mit seinen Knechten über die Richtstätte Nantovins reiten musste, wo noch seine verkohlten Beine umherlagen, blieb sein Pferd plötzlich stehen und erblindete. In der Bestürzung riet ihm ein Knecht, ein Bein des Heiligen auf die Augen des Pferdes zu legen, und sogleich wurde es sehend, wie zuvor. Auch ein blinder Mann und eine blinde Frau riefen den Heiligen um seine Fürbitte an und erhielten ihr Augenlicht wieder.

 

Diese wunderbaren Ereignisse überzeugten das Volk von der Unschuld des hingerichteten Pilgers, es sammelte die Reste seiner heiligen Gebeine und erbaute über dem Ort ihrer Beisetzung ein Kirchlein. Zahllose Kranke, Blinde, Lahme und die mit einem Gebrechen des Leibes oder der Seele Erkrankten drängten sich zum Grab des Heiligen und die Wunder mehrten sich in dem Maße, dass Papst Bonifaz VIII. nach sorgfältigster Prüfung kein Bedenken trug, den unschuldigen Diener Gottes im Jahr 1297 unter die Zahl der Heiligen aufzunehmen.

 

Im Jahr 1624 wurde über der Marterstelle des heiligen Konrad Nantovin eine schöne Kirche erbaut, in der seine heiligen Reliquien ruhen. Seine Hirnschale und sein Pilgerfläschlein kamen zur Zeit der Kirchenplünderung in die Hände eines Privatmannes, ebenso seine eisernen Fesseln. Als sie einmal ihr Eigentümer freventlich zu profanem Gebrauch verwenden wollte und sie in die Schmiede trug, wurde er vom Wahnsinn befallen. Noch heute steht das Häuschen und der Kerker, in dem der Heilige gefangen war, ehe er zum Scheiterhaufen geschleppt wurde. Wolfratshausen wurde öfters von Bränden heimgesucht, aber jenes Häuschen und der Kerker blieben jederzeit unverletzt.

 

8. August

 

Der heilige Cyriakus, Diakon und Martyrer von Rom,

+ 16.3,303 - Fest: 8. August

 

Der heilige Cyriakus gehört zu den heiligen Vierzehn Nothelfern. Dargestellt wird er im Gewand eines Diakons, der an einer eisernen Kette einen schwarzen Hund mit scharfen Zähnen und ausgestreckter feurigroter Zunge führt.

 

Es war in Rom um das Jahr 300. Die letzte der zehn römischen Christenverfolgungen hatte den Höhepunkt erreicht. Viele von den Gläubigen wurden gemartert und hingerichtet. Andere verwendete man als Zwangsarbeiter bei großen Bauten. Ohne Unterschied des Alters und des Standes mussten Männer und Frauen, Alte und Kinder bei Wasser und Brot Steine zum Bauplatz schleppen, mussten auf Schubkarren Sand und Kalk herbeifahren, mussten auf Leitern und Gerüsten Hilfsdienste verrichten, und wehe ihnen, wenn sie einmal ausruhen wollten! Dann sausten ihnen die Peitschen der Aufseher schonungslos um den Kopf, auf den Nacken und die Beine.

 

Da kam eines Tages ein flotter lockerer Junge daher. Die Mütze saß ihm schief auf dem Ohr. Er sang und pfiff. Am Bauplatz blieb er einen Augenblick stehen, würdigte die Zwangsarbeiter keines Blickes, grüßte nachlässig die Aufseher und schlenderte lustig pfeifend weiter. Die Christen aber jubelten und freuten sich. Wie Sonnenschein in dunkler Nacht zog ein stilles Lächeln über ihr Gesicht. Und einer flüsterte es dem anderen zu: „Cyriakus war da!“ Da wussten alle, dass die heilige Mutter Kirche sie, ihre ärmsten Kinder, nicht vergessen hatte. Neue Kraft und frischer Mut kam über sie. Wie groß war aber erst die Freude, als am Abend in der Baracke bekannt wurde, dass Cyriakus im Vorübergehen unbemerkt einem der Ihrigen in einer kleinen Büchse das Allerheiligste zugesteckt hatte! Da war also der Heiland mitten unter ihnen, und das schwere Leben war mit einem Schlag nur noch halb so schwer.

 

Von dieser Zeit an kam der flotte lockere Junge täglich am Bauplatz vorüber. Immer schaute er über die Christen hinweg, als gingen sie ihn gar nichts an, aber jedes Mal überreichte er einem der Zwangsarbeiter unbemerkt das heilige Sakrament. Allmählich befreundete sich Cyriakus scheinbar mit den Aufsehern. Wenn er kam, grüßte er, begann ein Gespräch, erzählte schnell den neusten Witz und verschwand. Bald freuten sich die Wärter sogar, wenn sie den jungen Mann in der Ferne kommen sahen. Kurz und gut, es entstand eine dicke Freundschaft zwischen ihnen und Cyriakus. Und da konnte Cyriakus es wagen, den Glaubensgenossen Brot, Fleisch und andere Lebensmittel, Kleider und Schuhe zuzustecken.

 

Dass aber der Krug nur so lange zum Brunnen geht, bis er bricht, sollte auch der mutige Diakon Cyriakus erfahren. Die Behörden hatten Verdacht geschöpft. Die Wärter wurden plötzlich abgelöst. Als Cyriakus mit seinen beiden Freunden Largus und Smaragdus, die ihm bei der ausgedehnten Liebestätigkeit halfen, am folgenden Tag auf dem Bauplatz ankamen, wurden alle drei verhaftet, gefesselt und ins Gefängnis abgeführt.

 

Cyriakus und seine Gefährten hatten insofern Glück, dass sie einen anständigen Gefangenenwärter antrafen, der ihnen sogar Besuche zuführte. Da geschah es nicht selten, dass sich das Gebet und die Handauflegung des heiligen Diakons als wunderkräftig erwiesen hat. Es ging auch bei ihm in Erfüllung, was im Evangelium gesagt wird: „Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden.“

 

Von diesen Wundern hörte auch Kaiser Diokletian. Und weil er eine Tochter besaß, die vom bösen Geist besessen war, ließ er Cyriakus herbeiführen. Als der Heilige über das besessene Mädchen betete und dem Satan im Namen Jesu befahl, aus ihm zu fahren, hörte man plötzlich ein wildes Gekläff. Da lag zu Füßen des heiligen Diakons winselnd ein großer schwarzer Hund mit scharfen Zähnen und feurigroter Zunge, die dem Tier weit aus dem Maul hing. Die Tochter des Kaisers aber war vom Teufel befreit. Somit weiß man jetzt, was auf den Bildern des heiligen Cyriakus der Hund bedeutet, den er an einer eisernen Kette mit sich führt.

 

Kaiser Diokletian lief, wie man sich denken kann, über von Dankbarkeit. Die drei Gefangenen erhielten die Freiheit zurück und betätigten sich wieder in der christlichen Nächstenliebe, bis schließlich auch sie den Martyrertod starben.

 

Der heilige Altmann, Bischof von Passau,

+ 8.8.1091 – Fest: 8. August

 

In den Zeiten tiefen Verfalls und beklagenswerter Zuchtlosigkeit hat Gott immer Menschen erweckt, die durch Reinheit der Sitten hervorleuchteten, mit eiserner Willenskraft Wahrheit und Recht vertraten und die größten Übel der Zeit mutig beim Namen nannten. Zu diesen ehrenvollen Menschen rechnet die Kirche mit vollem Recht den heiligen Altmann, der als eine mächtige Säule des Glaubens und der Gottesfurcht inmitten der Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte vor unseren Augen steht.

 

Altmann war der Sohn des Grafen Meinhard von Lambach und Pütten, nach Angabe anderer ein Spross der fürstlich Wettinschen Familie, geboren in Westfalen zwischen 1010 und 1020. Der reichbegabte junge Mann erhielt seine erste Bildung an der Domschule zu Paderborn und vollendete seine Studien an der Hochschule zu Paris. In seine Heimat zurückgekehrt, wählte Altmann den geistlichen Stand, wurde Kanonikus zu Paderborn und leitete die dortige Domschule mit so ausgezeichnetem Erfolg, dass ihn Kaiser Heinrich III. zu seinem Hofkaplan erwählte und zum Dompropst in Aachen beförderte. Nach dem Tod des Kaisers (1056) begleitete er dessen Witwe, Agnes, nach Passau und leistete ihr durch seine Weisheit und Treue die vortrefflichsten Dienste in der Reichsverwaltung.

 

Im November 1064 unternahm Altmann mit vielen Rittern und Grafen eine Wallfahrt zum heiligen Land. Die Reisenden wurden ausgeraubt, schwer misshandelt und wie Lasttiere gepeitscht, kaum retteten sie ihr Leben. Nachdem Altmann an den heiligen Stätten seine Liebe zum Erlöser neu erwärmt, in Gebet und Betrachtung sein Herz von der Welt losgeschält, und seinen Eifer für Gottes Ehre und das Heil der Seelen frisch angefacht hatte, kehrte er zurück. Da unterdessen der Bischof Engelbert von Passau gestorben war, wurde er auf Verwendung der Kaiserin Agnes zum Bischof von Passau ernannt. Der heilige Gebhard, Erzbischof von Salzburg, erteilte ihm die Konsekration.

 

Die älteste Lebensbeschreibung sagt von Altmann: „Dass er diese Ehre vor Gott verdiene, hat sein preiswürdiges Leben gezeigt; denn er war ein Lehrer der Wahrheit, ein Liebhaber der Keuschheit, geschmückt mit guten Sitten und darum Gott und den Menschen angenehm. Die Geistlichen ermahnte er zur Liebe der Enthaltsamkeit, das Volk zur Furcht Gottes, die Entzweiten versöhnte er, durch reiche Almosen linderte er die Not der Armen, den Leib hielt er in Zucht durch Wachen und Fasten, in Beten und Weinen demütigte sich sein Geist, und was er andere lehrte, darin erwies er sich selbst als Vorbild durch lebendige Werke.“ Gott verherrlichte den frommen Bischof auch durch Wunder. In Passau war die einzige Tochter einer Witwe vom Aussatz geplagt und alle ärztlichen Mittel erwiesen sich wirkungslos. Da sie im standhaften Gebet Gott um Hilfe anrief, wurde ihr im Traum offenbart, sie solle das Wasser nehmen, womit der Bischof Altmann nach der Heiligen Messe seine Hände gewaschen hat, und solle damit ihre Tochter waschen, so werde sie gesund werden. Die Frau tat es und das Mädchen wurde vom Aussatz so völlig rein, dass nicht die geringste Spur mehr übrig blieb.

 

So friedliebend und wohlwollend der heilige Bischof von Natur war, so bekämpfte er mit aller Entschiedenheit die Missbräuche und Unordnungen, die sich vielfach eingeschlichen hatten. Die weltlichen Fürsten maßten sich kirchliche Rechte an, setzten nach Willkür Bischöfe und Äbte ein und ab, verkauften kirchliche Pfründen und besetzten sie mit ihren Günstlingen, die gar oft ein ärgernisgebendes Leben führten, sich verehelichten und mehr der Sorge für Frau und Kind, als für ihre Herde oblagen. Gegen diesen Unfug eiferte Altmann im Verein mit dem unerschütterlichen Papst Gregor VII. und Urban, und zwar aus innerster Überzeugung und mit einer Tätigkeit, die ihm Gelegenheit gab, in Deutschland eine bedeutende Rolle zu spielen. Er durchreiste sein Bistum, das sich bis nach Steiermark hinein erstreckte, und war überall beflissen, die verfallene Kirchenzucht wiederherzustellen. Aus den Klöstern St. Pölten, St. Florian und Kremsmünster jagte er die unverbesserlichen Mönche fort und stellte würdige Vorsteher an, zu St. Nicola, bei Passau und zu Göttweih in Niederösterreich stiftete er 1072 zwei Klöster regulierter Chorherrn nach der Regel des heiligen Augustin, die ein leuchtendes Muster für die übrigen Klöster wurden.

 

Gegen die Wiederbelebung christlicher Gesittung und kirchlicher Gesetze erhoben sich nicht nur Mönche, sondern auch viele Weltgeistliche. Deshalb berichtete der heilige Bischof die Angelegenheit nach Rom, und Papst Gregor VII. erteilte ihm umfassende Vollmachten, insbesondere gegen alle nicht im Zölibat lebenden Geistlichen. Am heiligen Weihnachtsfest 1072 verkündete Bischof Altmann in seinem Dom die päpstliche Bulle und mahnte mit hohepriesterlichem Ernst zu ihrer treuen Befolgung, rief aber einen solchen Sturm hervor, dass er nur mit Mühe sein Leben retten konnte. Dies schüchterte ihn jedoch nicht ein. Aber die schuldigen und abgesetzten Priester verklagten den Bischof beim Kaiser Heinrich IV. und dieser schmutzigste und erbärmlichste Großhändler mit Kirchenpfründen zog selbst nach Passau, verjagte den rechtmäßigen Bischof und schützte die in sündhaften Verhältnissen lebenden und mit dem Kirchenbann belegten Priester in ihren Amtsstellen. Zugleich mit ihm wurden auch die Chorherrn von St. Nicola verjagt. Der treue Diener der Kirche flüchtete zuerst nach Sachsen, dann nach Westfalen und ging zuletzt nach Rom, wo ihn der Papst zum Legaten in ganz Deutschland ernannte. In dieser Eigenschaft wohnte er dem Konzil zu Tribur bei, wo Heinrich IV. abgesetzt wurde. Unter den deutschen Fürsten brachte er ein Bündnis zustande zum Schutz der Kirchen, Klöster und Wehrlosen gegen die Verächter der göttlichen und menschlichen Gesetze.

 

Weil der Bischof Altmann nicht nach Passau zurückkehren durfte, schlug er 1082 unter dem Schutz des edelmütigen Markgrafen Leopold von Österreich seinen Sitz zu Mautern, einem passauischen Städtchen an der Donau auf und führte sein Hirtenamt weiter fort. Was er dort leistete, drückt sein Lebensbeschreiber mit den Worten aus: „Den wilden Boden voll Dornhecken hat der Bischof Altmann zur fruchtbaren Erde gemacht. Vor seiner Ankunft waren fast alle Kirchen im Bistum nur von Holz und ohne allen Schmuck; so auch ihre Priester waren so zu sagen hölzern, weil sie dem Eheleben und weltlichen Geschäften ergeben, in ihrem göttlichen Amt ganz unwissend waren. Nun aber sind durch seine Bemühungen fast alle Kirchen von Stein, mit Büchern, Gemälden und anderem Schmuck, und was noch mehr gilt, mit keuschen und unterrichteten Geistlichen wohl versehen. Zudem glänzt das Gebiet mit vielen Klöstern, wo Tag und Nacht Gott mit großem Eifer verehrt wird. Der Ruf seines Namens hat aus allen Gegenden gottselige Männer zu ihm gezogen, die er in verschiedene Klöster verteilt und für deren Unterhalt er gesorgt hat.“

 

Als einen wahren Vater des Volkes zeigte sich der liebreiche Bischof Altmann besonders während der Überfälle der Böhmen, die das ganze Land plünderten und verwüsteten. Um den Jammer und das Elend der Heimgesuchten zu mildern, teilte er seinen ganzen Hausrat, selbst sein Weißzeug unter die Unglücklichen.

 

Nachdem Altmann 26 Jahre lang unter großen Drangsalen und Verfolgungen sein Oberhirtenamt treu verwaltet hatte, berief ihn Gott zur Ruhe und Freude am 8. August 1091. Sein Leichnam wurde im Kloster Göttweih beigesetzt und durch Wunder verherrlicht.

 

Der heilige Dominikus Guzmann, Priester und Ordensstifter,

+ 6.8.1221 - Fest: 8. August

 

Auf manchen Bildern trägt der heilige Dominikus einen Spatz in der Hand. Was es mit dem Spatz für eine Bewandtnis hat, werden wir gleich lesen.

 

Um den heiligen Dominikus zu verstehen, ist es nötig, zunächst kurz die Zeit zu beleuchten, in der er lebte. Um das Jahr 1200 blühte in Oberitalien, in Frankreich und auch am Rhein die Sekte der Albigenser. Ihre Führer taten sehr fromm und sittenstreng, aßen niemals Fleisch und sagten außerdem, dass man kein Eigentum besitzen dürfe. Auch schafften sie den Eid und die Sakramente ab, und alles Katholische war ihnen ein Gräuel. Sie zerstörten die Kirchen, zertrümmerten Bilder und Kreuze und vertrieben und töteten die Priester. Auf der anderen Seite übten sie eine weitgehende Caritas. Durch die Caritas und durch das Leben der Anführer in Armut und Strenge machten sie einen tiefgehenden Eindruck auf das unwissende Volk. Es drohte ein großer Abfall vom katholischen Glauben. Alles aber, was die Kirche gegen sie unternahm, schlug fehl, bis Dominikus endlich in Erscheinung trat.

 

Dominikus, aus adeligem Geschlecht, war Seelsorger in der spanischen Stadt Salamanka. Als eine Hungersnot ausbrach, machte er alles, was er besaß, zu Geld, um Brot für die Armen zu kaufen. Nur von seinen Büchern wollte er sich nicht trennen, denn er war ein Bücherwurm. Aber schließlich versilberte er auch diesen Schatz, weil die Not der Menschen so groß war.

 

Einmal musste Dominikus eine Reise machen, auf der er durch das Gebiet der Albigenser in Südfrankreich kam. Da sah er mit eigenen Augen die Zerstörungen, die die Sekte in den Herzen der Menschen anrichtete. So beschloss er, gleich an Ort und Stelle zu bleiben, um die Leute zu bekehren. Das war aber leichter gesagt als getan. Die Leute verspotteten ihn, warfen mit Steinen nach ihm und lauerten ihm auf, um ihn umzubringen. Es war scheinbar eine hoffnungslose Sache, für die er kämpfte.

 

Was tut man in einer solchen Lage? Man betet um Gottes Hilfe und Beistand. Dominikus betete also, und beim Beten kam ihm ein guter Gedanke. Wenn nämlich die Anführer dieser Sekte arm lebten, so wollte er noch ärmer leben. Wenn sie fasteten, so wollte er es auch tun. Also verzichtete Dominikus auf alles, bis auf ein einziges Kleid. Er schlief in der Kirche auf einer Bank oder unterwegs in einer Scheune. Er machte sein ganzes Leben zu einem einzigen Fasttag und verausgabte sich im Dienst an den Armen und Kranken. Ein solches Vorbild verstanden die Leute besser als alle Predigten. Langsam mehrten sich die Bekehrungen. Die erste Bresche war geschlagen, aber, bei Licht besehen, war der Erfolg nur klein.

 

Wieder betete Dominikus, und es erschien ihm nach der Legende die Mutter Gottes und lehrte ihn das Rosenkranzgebet. Seitdem stand die Himmelskönigin hinter dem eifrigen Seelsorger. Und so war es nicht verwunderlich, dass er nun bessere Erfolge aufzuweisen hatte. Als die Arbeit immer mehr wurde, gründete Dominikus den nach ihm benannten Orden der Dominikaner, der Großes im Dienst der Menschen leistete, ungezählte Heilige hervorbrachte und heute noch sehr lebendig ist. Dominikus starb am 6. August 1221 in der italienischen Stadt Bologna, und dreizehn Jahre später wurde er bereits heiliggesprochen.

 

So ist nun die Legende vom heiligen Dominikus erzählt. Aber wann kommt denn nun der Spatz an die Reihe? Schau dir doch nur einmal solch einen Spatz an! Ein richtiger Landstreicher ist er. Ein ständiges Zuhause kennt er nicht. Er verbringt die Nacht in Mauerritzen, kümmert sich in keiner Weise um den morgigen Tag, lässt trotzdem nie den Kopf hängen, sondern zwitschert fröhlich von früh bis spät sein Lied. Auch dieser Spatz ist ein Geschöpf des lieben Gottes, der mit väterlicher Liebe für ihn sorgt, so dass es nie gehört worden ist, dass je ein Spatz nicht mehr gezwitschert hätte.

 

Gleicht nicht der heilige Dominikus dem Spatz? Auch er besaß nur ein Kleid, er schlief in einer Scheune und überließ sein ganzes Leben der Sorge des Vaters im Himmel. In der Kirche sang er froh und glücklich Gottes Lob und behielt recht mit seinem übergroßen Gottvertrauen. Er stellte sich und seinen neuen Orden allein auf Gottes Vorsehung.

 

9. August

 

Der heilige Numidikus, Priester und Bekenner von Karthago,

+ 9.8.251 – Fest: 9. August

 

Der heilige Numidikus machte sich durch Treue und Liebe in der Mitte des 3. Jahrhunderts in der afrikanischen Kirche berühmt. Er gab herrliche Beweise dieser Tugenden, als Kaiser Valerian zu Karthago das Blut der Christen in Strömen vergoss. Cyprian, der heilige Bischof, hatte der Gewalt weichen müssen und die Stadt verlassen. Da nahm sich Numidikus der verwaisten Herde an, befestigte die Wankenden, richtete die Gefallenen auf und erfüllte die zur Marter Bestimmten mit heiliger Sehnsucht nach der Krone. Dieser Eifer lud die Wut der Heiden auf sein Haupt. Sie ergriffen ihn samt seiner Frau und schleppten ihn auf den Scheiterhaufen. Er musste die, die durch das Sakrament der Ehe mit ihm vereinigt war, und viele andere Martyrer, deren Andenken heute mit dem seinigen gefeiert wird, in den Flammen umkommen sehen. Abends schlich die Tochter herbei, um die Überreste der geliebten Eltern aufzusuchen, und zog unter Steinen und Asche den halbverbrannten Körper des Vaters hervor. Und siehe da! Er gab noch ein Zeichen des Lebens von sich. Sie trug ihn nach Hause, verband ihn und er genas. Als der heilige Cyprian nach Karthago zurückkehrte, schmückte er den treuen Dulder mit der Priesterwürde und zeigte diese Weihe der ganzen Kirche in einem eigenen Brief an.

 

10. August

 

Der heilige Laurentius, Erzdiakon und Martyrer von Rom,

+ 10.8.258 - Fest: 10. August

 

Weil die Sonne in den ersten Augusttagen im Sternbild des Hundes steht, nennt man die erste Augusthälfte vielleicht auch die Hundstage. Es sind gewöhnlich die heißesten Tage des Jahres. Und mitten hinein fällt am 10. August sinnvoll das Fest des heiligen Laurentius, in dessen Leben das Feuer eine Rolle spielt. Denn ein Feuerbrand war er selbst und im Feuer beendete er um des Glaubens willen das Leben.

 

Wie schon zur ersten christlichen Zeit in Jerusalem von den Aposteln sieben bewährte Männer zu Diakonen bestellt und geweiht wurden, die den Priestern am Altar dienen und darüber hinaus für die Armen sorgen sollten, so gab es später auch in Rom sieben Diakone. Einer von ihnen und der erste unter ihnen war um das Jahr 258 ein zugewanderter Spanier, Laurentius mit Namen. Seine Hauptaufgabe bestand darin, das Hab und Gut der Kirche in kluger und gerechter Weise unter die Armen zu verteilen.

 

Das Jahr 258 gilt in der Geschichte der katholischen Kirche als ein glorreiches, denn in seinem Verlauf erreichte die Verfolgung unter dem Kaiser Valerian den Höhepunkt. Wieder einmal floss in Menge das Blut der Christen Roms.

 

Auch Laurentius wurde gefasst. Weil man irgendwie erfahren hatte, dass er der Verwalter des Kirchenvermögens war, von dessen Höhe man sich sagenhafte Vorstellungen machte. Man brachte ihn nicht gleich um, sondern man versprach ihm Schonung und sogar Straflosigkeit, wenn er bereit sei, die Schätze der Kirche auszuliefern.

 

Aus den Erfahrungen, die man mit den Christen gemacht hatte, war man sich von vornherein bewusst, dass Laurentius das Angebot ablehnen und lieber in den Tod gehen werde als Verrat zu üben. Daher staunte man nicht wenig, als Laurentius bedenkenlos und lächelnd auf den Vorschlag einging. Gern räumte man ihm auf seine Bitte hin eine dreitägige Frist ein, damit er die Kirchenschätze restlos herbeibringen und ordnungsgemäß übergeben könne.

 

War denn Laurentius ein Verräter? Nein, ein Verräter war er nicht, aber er war ein verschmitzter Bursche und ein Draufgänger, der es trotz der brenzlichen Lage, in der er sich befand, nicht lassen konnte, den Bedrängern einen Streich zu spielen. Denn in den zugestandenen drei Tagen machte er alles, was die Kirche damals besaß, zu Geld und verteilte das Geld unter die Armen. Am dritten Tag aber zog er an der Spitze einer langen Reihe von Bettlern, Krüppeln, Waisen und alten Leuten zu der Polizei in der Hauptstadt. Er wies auf sein sonderbares Gefolge hin und sagte, diesmal nicht lächelnd, sondern im heiligen Ernst und der Wahrheit entsprechend:

 

„Das sind die Schätze der Kirche!“

 

Für einen Augenblick waren die hinters Licht geführten Polizisten sprachlos, dann aber ging es los:

 

„So eine Unverschämtheit!“ – „Unerhört!“ – „Eine bodenlose Frechheit!“ – „Dieser unreife Junge!“ – „Na warte, Freundchen!“ ...

 

Mitten in diesem Sturm der Entrüstung lachte Laurentius laut auf, denn selten war ihm ein Streich so gut gelungen wie der, den er eben gespielt hatte. Wer wie Laurentius in einer solchen lebensgefährlichen Lage noch lachen kann, der ist ganz sicher ein mutiger Mensch.

 

„Was, Freundchen, du lachst auch noch? Glaub nur, das Lachen wird dir sehr bald vergehen!“

 

So sprach einer, aber er täuschte sich. Denn als man den Heiligen in unmenschlicher Weise über einem Feuer auf einen glühenden Rost legte, lachte Laurentius wieder trotz entsetzlicher Qual. Nach einer Weile sagte er zu dem Henker: „Du kannst mich jetzt umdrehen, denn auf dieser Seite bin ich schon genug geröstet.“ Wieder einen Augenblick später lachte Laurentius noch ein drittes Mal, wobei er sagte: „Du, nun bin ich genug gebraten, du kannst mich essen.“ Daraufhin blickte Laurentius ein letztes Mal zum Himmel und starb mit dem jubelnden Ausruf:

 

„Ich danke dir, o Herr, dass ich deine Pforten betreten darf.“

 

11. August

 

Der heilige Tiburtius, Diakon und Martyrer von Rom,

+ 11.8.286 - Fest: 11. August

 

Wenn drei miteinander gehen, so nimmt man den Vornehmsten von ihnen in die Mitte. So verlangt es der Anstand. Ähnlich ist es auch in diesen Tagen mit den Heiligen. Da begeht die Kirche das Fest dreier Diakone. Der Vornehmste von ihnen ist der heilige Laurentius, dessen Gedächtnis auf den gestrigen Tag fiel. Ihm voraus schritt am 8. August der heilige Diakon Cyriakus, und als letzter schließt heute der heilige Tiburtius die Reihe.

 

Wie die Legende des heiligen Cyriakus, so fällt auch die des Tagesheiligen in die Zeit der letzten römischen Christenverfolgung unter dem Kaiser Diokletian, und wie beim heiligen Martyrerjungen Pankratius, so spielt auch beim Tagesheiligen die glänzende Gestalt des heiligen Sebastian eine Rolle. Der Gardeoffizier muss wohl eine eindrucksvolle Persönlichkeit gewesen sein, ein ganzer Christ von den Hacken bis in die Haarspitzen, denn anders ist es kaum zu verstehen, dass er besonders jugendliche Leute mit der Liebe zu Christus gleichsam ansteckte und sie für ihn begeisterte bis in den Martertod. So war es bei Pankratius, so war es auch bei Tiburtius. Es kommt alles auf den Menschen an.

 

Der Vater des heiligen Tiburtius war Oberbürgermeister von Rom. Demgemäß führte er ein vornehmes Haus und schätzte sich, obwohl er Heide war, glücklich, dass sich unter den hochgestellten Gästen zuweilen auch der Gardeoffizier Sebastian einstellte. Mehrfach hatten sich die beiden schon über das Christentum unterhalten, und den Oberbürgermeister zog es immer mehr zum wahren Glauben hin. Trotzdem wagte er den entscheidenden Schritt, der ihn sofort die hohe Stellung gekostet hätte, nicht zu tun, bis er, auf den Tod erkrankt, durch das Gebet des heiligen Sebastian wie durch ein Wunder auf der Stelle geheilt wurde. Dieses Begebnis gab ihm schließlich den letzten Stoß, er legte Amt und Würde nieder, ließ sich taufen und zog sich auf eine Villa außerhalb Roms zurück, um ein christliches Leben zu führen. Da sieht man wieder, dass ein rechter Laienapostel viel fertigbringt.

 

Tiburtius, der Sohn des ehemaligen Oberbürgermeisters, hatte schon vor dem Vater das Sakrament der Wiedergeburt erhalten, und es glühte in ihm, vom heiligen Sebastian angefacht, hell die Liebe zu Christus. Als sich der Vater in die Ruhe des Landlebens begab, blieb er mitten im brennendsten Gefahrenpunkt zu Rom und übte in ähnlicher Weise, wie es vom heiligen Cyriakus beschrieben wird, die Liebestätigkeit unter den christlichen Gefangenen und Zwangsarbeitern.

 

Wie Cyriakus, so war auch Tiburtius ein kühner Draufgänger, dessen Mut sich mit der Gefahr verdoppelte. Außer der Liebestätigkeit ließ Tiburtius es sich angelegen sein, die lauen und abgefallenen Christen, die es wie zu jeder Zeit auch damals gab, aufzusuchen, ihnen ins Gewissen zu reden und sie zum ersten Eifer zurückzuführen. Dabei hatte er manche Erfolge zu verzeichnen, aber zum Schluss wurde ihm diese Art des Apostolates zum Verhängnis oder besser gesagt, sie brachte ihm die Siegespalme des Martertodes ein.

 

Es war da nämlich ein junger Mann, Torquatus mit Namen, der einige Jahre zuvor die heilige Taufe empfangen hatte, dann aber durch den Umgang mit schlechten Kameraden abständig geworden war und auf Wegen ging, die böse sind, so dass er allmählich in der Sünde ganz verkam. Als Tiburtius ihn aufsuchte und auf ihn einredete, wieder ein anständiger Mensch zu werden, sagte Torquatus heuchlerisch zu, ging aber gleich danach zur Polizei, brachte Tiburtius zur Anzeige und schlug vor, ihn selbst, damit er den Schein wahre, ebenfalls zu verhaften, dann wolle er den Diakon in der Gefängniszelle nach den Namen weiterer Gläubigen ausforschen.

 

Das war eine Gemeinheit sondergleichen, aber der Vorschlag wurde mit Dank angenommen und am gleichen Tag auch zur Ausführung gebracht. Tiburtius allerdings durchschaute schnell das abgekartete Spiel, und weil er sich den Rock bis zum Hals zuknöpfte und dem elenden Spitzel auch nicht einen einzigen Namen verriet, wurde er im Jahr 304 enthauptet. Ihm war es recht, denn kein herrlicheres Los konnte ihm zufallen, als dass er dem strahlenden Heer der Blutzeugen Christi beigesellt wurde.

 

Die heilige Philomena, Jungfrau und Martyrin von Rom,

+ 284 – 305 – Fest: 11. August

 

Diese liebliche und mit so vielen Wunderwerken verherrlichte Heilige verbindet das erste christliche Zeitalter mit unserer Zeit. In jenem hat sie gelitten, in unserer Zeit, vor ca. 200 Jahren, im Mai 1802 nämlich, wurde ihr heiliger Leib aufgefunden. Philomena war griechischer Abstammung und ihr Vater stand in Diensten des römischen Kaisers Diocletian. Von frühester Jugend auf wurde sie im Christentum erzogen, da ihre Eltern die heidnische Religion verlassen und Christen geworden waren. Bei der Taufe gab man dem Mädchen den schönen Namen: Philomena, d.h. die Geliebte. Und früh genug sollte die christliche Jungfrau die Feuerprobe der Liebe bestehen und vor Himmel und Erde zeigen, dass sie wert sei, die Geliebte Jesu Christi zu sein bis hinein in die Herrlichkeit Gottes. Philomena hatte bereits im 11. Lebensjahr das Gelübde der ewigen Jungfrauschaft abgelegt, und als sie im 13. Lebensjahr mit ihrem Vater nach Rom kam und Diocletian, von ihrer Anmut geblendet, sie zur Gemahlin begehrte, so weigerte sie sich standhaft, dem heidnischen Tyrannen die Hand zum Ehebund zu bieten. Selbst die Eltern waren für diese Verbindung und redeten auf ihre Tochter ein, sie möge doch nicht durch ihre ablehnende Haltung den Zorn des Kaisers herausfordern. Aber Philomena ließ sich weder durch Bitten und Tränen, noch durch die eindringlichsten Reden der Eltern dazu bewegen, das Gott gemachte Gelübde zu brechen. Nun verlangte der Kaiser, man möge das dreizehnjährige Mädchen vor ihn führen, damit er persönlich das erwirke, was Philomenas Eltern nicht vermochten. Und nun begann der Kampf für die junge Christin. Sie hatte zu entscheiden zwischen einem gekreuzigten Gott und einem ruhmbedeckten, mit dem Imperatorenpurpur geschmückten Kaiser des römischen Weltreiches. Philomena entschied sich für den gekreuzigten Gott, darum musste sie im eigenen jungfräulichen Blut und in den Peinen des Martyrertums glorreich ihm vermählt werden.

 

Diocletian hoffte anfangs mit Güte und Schmeicheleien die Jungfrau für sich zu gewinnen. Jedoch alle seine Bemühungen scheiterten an dem Heldensinn Philomenas. Entrüstet wies sie alle seine Anträge zurück und sagte, dass sie bereits verlobt sei dem Himmelsbräutigam Christus. Nun ließ Diocletian seiner Rache und seinem Zorn freien Lauf. Philomena wurde ins Gefängnis geworfen und musste durch 40 Tage in einsamer Haft im Kerker schmachten. Von dieser Stunde an begann ihre Marter. Der Kaiser stieg täglich zu ihr in den Kerker hinab in der Hoffnung, am Ende doch ihren Widerstand durch sein unausgesetztes Bemühen brechen zu können. Philomena aber waffnete sich durch eifriges Gebet zum bevorstehenden Kampf, und mit der Waffe des Gebetes überstand sie auch im Gefängnis siegreich dem Ansinnen des Tyrannen. Am 36. Tag ihrer Kerkerhaft wurde ihr durch eine himmlische Vision großer Trost zuteil. Die allerseligste Jungfrau erschien der jugendlichen Bekennerin und sprach ihr Mut ein für die kommende Marter. Maria sprach zu ihr, dass der heilige Erzengel Gabriel ihr zur Seite gegeben werde, wenn Diocletian mit grausamen Qualen ihre Standhaftigkeit werde brechen wollen. Wenige Tage schon nach dieser tröstlichen Erscheinung ließ der Kaiser Philomena unmenschlich geißeln, und nach geschehener Geißelung, todmatt voll Blut und Wunden, wurde sie in den Kerker zurückgebracht. Die folgende Nacht nun heilten zwei Engel den zerschlagenen und verwundeten Körper der Jungfrau, und als Diocletian Kenntnis davon erhielt, dass jedes Mal der Geißelung und alle Wunden am Leib Philomenas verschwunden seien, so ließ er die Martyrerin vor sich führen, stellte ihr neuerdings seine Anträge und deutete ihre plötzliche Heilung dahin, dass die Götter, welche seine Verbindung mit Philomena wünschten, sie mit einem Mal geheilt hätten, um ihr zu zeigen, wie sehr sie im Unrecht sich befinde und wie töricht sie handle, des Kaisers Werbung zurückzuweisen. Die Heilige aber antwortete hierauf: Nicht die Götter hätten ihre Genesung bewirkt, sondern die Macht Jesu Christi, an dem sie allezeit festhalten und von dem sie niemals ablassen werde. Da der Kaiser abermals nichts ausrichtete, so gab er, erzürnt über die Freimütigkeit, mit welcher sie ihren göttlichen Bräutigam verteidigte, den Befehl, ihr einen Anker am Hals zu befestigen und sie in die Tiber zu stürzen. Kaum gingen die Henker daran, das Geheiß Diocletians auszuführen, als Philomena abermals durch Gottes Beistand Rettung und Hilfe erfuhr. Jene Engel, die sie von den Wunden der Geißelung geheilt hatten, zogen sie aus der Flut, lösten den Anker von ihrem Hals und brachten sie wohlbehalten ans Ufer zurück. Diocletian war wütend, als er von der Sache erfuhr, erklärte Philomena als Zauberin und ihre Rettung als Werk der Zauberei und gab neuerdings Weisungen zur Marter der heiligen Jungfrau. Sie wurde mit Pfeilen beschossen und im ohnmächtigen Zustand in den Kerker zurückgebracht. Gott aber, der wunderbar ist in seinen Heiligen und der das Schwache ausersehen hat, um damit dasjenige, was sich stark dünkt, zu überwinden, wirkte ein neues Wunder an der standhaften Braut seines Sohnes, und am nächsten Morgen waren alle Wunden der Pfeile geheilt, nicht einmal die Narben waren zu bemerken. Auf dieses hin kannte der Zorn des Kaisers keine Grenzen mehr. Philomena wurde mit den schärfsten Pfeilen beschossen, und die Pfeile wurden auf ausdrücklichen Befehl Diocletians glühend gemacht. Als jedoch die Schergen die Pfeile abschossen, geschah es, dass diese zwar eine Strecke weit vorwärts flogen, dann aber, wie von geheimnisvoller Macht zurückgeschlagen, zu den Bogenschützen, die sie abgesandt hatten, zurückflogen, sie durchbohrten und sechs von ihnen töteten. Dieses unerhörte Ereignis bewog viele der anwesenden Heiden zur Bewunderung und sie bekehrten sich zum Christentum. Diocletian aber, nur noch mehr ergrimmt, ließ Philomena mit dem Schwert töten und es fiel ihr Haupt gleich auf derselben Stelle. Der Tag dieses ihres siegreichen Martyriums war der 10. August eines der letzten Jahre der Herrschaft Diocletians (284-305).

 

Vor 200 Jahren nun wurden die Reliquien dieser heiligen Martyrer-Jungfrau aufgefunden. Am 25. Mai des Jahres 1802 war es, wo dieses geschah. Bei Nachgrabungen, die man an der salarischen Straße in den Katakomben der heiligen Priscilla hielt, fand man an dem genannten Tag einen Grabstein, der sich vor anderen Leichensteinen durch seine besondere Inschrift auszeichnete. Es stand auf demselben in lateinischer Sprache, in roter Farbe aufgemalt, der Name: „Filumena“ mit den Worten: „Der Friede sei mit dir!“ verbunden. Die Inschrift war jedoch so, dass die erste Wortsilbe am Schluss derselben stand und das „pax te cum“ – zwischen den zwei Silben: „Lumena“ und „Fi“ eingeschaltet war. Es stand auf dem Grabstein: „Lumena, pax te cum, Fi“. – Die Historiker und Archäologen erklären nun, man habe im christlichen Altertum, in den Zeiten der heftigen Verfolgungen häufig die Grabsteine der heiligen Martyrer mit solchen Inschriften versehen, deren Deutung nur den Christen klar war, während Nichtchristen dieselben nicht zu erkennen vermochten. Man tat dies aus dem einfachen Grund, um im Fall des Eindringens heidnischer Häscher sicher zu sein, dass die Gebeine ehrwürdiger Heiliger nicht geschändet würden. Durch dieses wird auch die Silbenversetzung am Grabstein der heiligen Philomena verständlich. Man wollte nicht, dass eindringende Heiden ihre Ruhestätte erkennen und am Ende verunehren würden. Außer den genannten Worten waren auf dem Grabstein noch folgende Attribute angebracht: drei Pfeile, eine Palme, ein Lilienstengel, Geißel und Anker. Die Palme wies hin auf das Martyrium, die Lilie auf das Blutzeugentum einer Jungfrau, und Pfeile, Geißel, sowie Anker auf die näheren Umstände des Martyriums jener Heiligen, vor deren Grabstätte man sich befand. Als das Grab geöffnet wurde, fand man darin ein Haupt und mehrere größere Gebeine, die nach dem Urteil und der Untersuchung der Sachverständigen einer noch im jugendlichen Alter stehenden Person angehört hatten. Das Haupt war an mehreren Stellen eingeschlagen (wahrscheinlich in Folge heftiger Schläge und durch Herabschleifen der Martyrin über steinerne Treppen). Die kleineren Gebeine waren größtenteils schon zu Staub zerfallen. Neben den Gebeinen fand man ein gläsernes Gefäß, das eingetrocknetes Blut enthielt. Dieser Umstand wies auf die zuletzt erfolgte Enthauptung Philomenas hin, denn nur bei Blutzeugen, die durch das Schwert endeten, kamen Blutgefäße mit ins Grab. Und auch da nur für gewöhnlich irdene, nur bei Vornehmen und Standespersonen gebrauchte man solche aus Glas. Man wusste also weiter, dass die Martyrin, vor deren Grab man stand, hoher Abkunft gewesen sein musste, denn das Blutgefäß aus Glas gab dies deutlich zu erkennen. Gleich bei Auffindung der heiligen Reliquien verherrlichte Gott seine standhafte Bekennerin auf außerordentliche Weise. Das eingetrocknete Blut fing mit einem Mal an, lebhaft zu leuchten und in glänzendem Schimmer zu erstrahlen, als ob im Glasgefäß nicht Blut, sondern lauteres Gold und herrliche Edelsteine wären. Man schabte das Blut aus dem Gefäß heraus und sammelte es in einem neuen Behälter, und auch hier hielt dieses Leuchten und Glänzen des Blutes der Heiligen fortwährend an. Was aber das Merkwürdigste ist, das Blut der Martyrin behielt diese außerordentliche Eigenschaft bei und ist hellglänzend bis zum heutigen Tag. Es ist uns nun geradezu unmöglich, im weiteren alles zu erzählen, was mit den Reliquien der heiligen Philomena geschah, und alle die großen staunenswerten und beglaubigten Wunder niederzuschreiben, die durch ihre Gebeine bewirkt worden sind und auf ihre Fürbitte hin sich ereigneten. Bis zum Jahr 1805 blieben ihre ehrwürdigen Überreste in Rom, sodann kamen sie nach Neapel und noch im selben Jahr nach Mugnano, ihrem endgültigen Bestimmungsort. Schon während der Übertragung von Neapel nac Mugnano geschahen viele Wunder und auch bei der Beförderung der Reliquien von Rom nach Neapel. So geschah es beispielsweise, dass, während die heiligen Gebeine in Neapel in der Hauskapelle des frommen Kaufmanns Antonio Terras sich befanden, Mehrere Kranke, die vertrauensvoll zur heiligen Philomena ihre Zuflucht nahmen, vollkommene und wunderbare Heilung fanden. Die Gattin des genannten Handelsmannes, Rosa Terras, litt schon 12 Jahre an einer unheilbaren Krankheit, so dass kein Arzt sie mehr in Behandlung nehmen wollte. Sie wurde plötzlich vollständig geheilt, da sie ihre Zuflucht zur heiligen Philomena nahm und ihre Reliquien andächtig verehrte. Ebenso erhielt ein Advokat im Alter von 60 Jahren vor dem Reliquienschrein der Martyrin in Neapel seine Gesundheit wieder, nachdem ein schmerzliches Lendenübel schon durch ein halbes Jahr hindurch ihn zu allem unfähig gemacht hatte. Eine vornehme Dame aus Neapel hatte an der Hand ein bösartiges Geschwür, das solche Zerstörungen anrichtete, dass die Ärzte erklärten, die Hand müsse abgenommen werden. Schon zeigten sich die Merkmale des Brandes an der schwürigen Hand, da legt jene Dame am Abend vor der Amputation eine kleine Reliquie der heiligen Martyrin auf die Hand, an der das verhängnisvolle brandige Geschwür sich befindet, betet zur heiligen Philomena und begibt sich unter deren Schutz. Am nächsten Morgen kamen die Ärzte, um die Hand abzunehmen; aber sie kamen umsonst, denn an der kranken Hand ist kein Geschwür mehr, noch Brandmale. Ja, nicht einmal Narben des Geschwüres sind vorhanden. Diese drei Wunder ereigneten sich binnen weniger Tage nacheinander, Anfang August 1805, als der Schrein, der die heiligen Gebeine Philomenas barg, in Neapel sich befand. Am 9. August erfolgte sodann die feierliche Übertragung der Reliquien nach Mugnano, wo fort und fort neue Wunder den Ruhm der Heiligen verkündeten, so dass ihr der Titel: „Wundertäterin des 19. Jahrhunderts“ mit Fug und Recht zuteilwurde. Eine der wunderbarsten und merkwürdigsten Heilungen, die an der Gnadenstätte zu Mugnano geschehen waren, soll am Schluss noch erwähnt werden. Es ist die am 10. August 1839 erfolgte Genesung der Pauline Jarikot. Die adelige, bereits 50 Jahre alte Dame war gar von Lyon in Frankreich nach Mugnano gekommen, um durch die heilige Philomena ihre Gesundheit wieder zu erlangen. Sie wurde von schrecklichen Leiden gemartert. Der ganze Körper war gelähmt, die Füße angeschwollen und steif. Nur mit einem Rollstuhl war etwas Bewegung möglich. Ihre Kammerjungfer und ihr Bedienter waren beständig um sie herum, da sie nicht das Geringste zu tun im Stande war. Fräulein Jarikot hatte überdies eine kranke Leber und einen kranken Magen, konnte fast nichts zu sich nehmen, und zudem war in ihrem Inneren ein Gefäß zerplatzt, so dass das ausgetretene Blut sich in den Herzbeutel ergossen hatte, was sie dem Tod nahe brachte. Alle Ärzte hatten die Behandlung an ihr eingestellt, sie war unheilbar krank. Fräulein Jarikot aber vertraute auf Gott und auf die Macht der Fürbitte seiner Heiligen. Sie ließ sich in die Herz-Jesu-Kirche nach Paray-le-Monial bringen, machte eine Novene zur heiligen Philomena und gelobte eine Wallfahrt nach Mugnano zu ihren Reliquien, falls sie die Gesundheit wieder erlangen würde. In Begleitung eines Priesters und ihrer Zofe, sowie des Bedienten kam die Bedauernswerte nach unsäglichen Qualen am 9. August 1839 in Mugnano an. Abends am folgenden Tag, als sie, in ihrem Fahrstuhl liegend, vor dem Reliquienschrein inbrünstig betete, erfolgte die wunderbare Heilung. Das Fräulein konnte mit einem Mal aufstehen, fühlte nicht den geringsten Schmerz und war vollkommen gesund. Sie fing vor Freude laut zu singen an, und von einem Balkon aus musste sie der Volksmenge, die zusammengeströmt war, die Geschichte ihrer Krankheit und ihre plötzliche Genesung erzählen. Jener Rollstuhl, der der Gefährte ihrer Leiden und der Zeuge des an ihr gewirkten Wunders war, blieb als Ex-Voto in Mugnano. Fräulein Jarikot aber wählte den Ordensstand zu ihrem Beruf, um so Gott und der heiligen Philomena würdig zu danken für die große Gnade der wunderbaren, staunenswerten Heilung. Dieses Wunder wurde vom Bischof von Nola, vom Bischof von Jalamino, dem päpstlichen Nuntius Feretti, sowie vom Arzt des allgemeinen Krankenhauses von Neapel, Herrn Anton Lopez, glaubwürdig bestätigt.

 

„Die Kraft wird in der Schwachheit vollkommen“, schrieb einst der Weltapostel an die Korinther. Dieses Wort bestätigt sich in den Wundern der heiligen Philomena neuerdings. In unserer Zeit, wo man mit der Uhr in der Hand von Seite der Gottlosen auf den Sturz der Kirche wartet, wo eine ungläubige Wissenschaft alles Übernatürliche geleugnet hat, haben die Wunder, die durch die heilige Philomena geschahen, Tausenden klar bewiesen, dass das Christentum eine göttliche Kraft ist, die durch nichts überwunden wird, und die fortwirken wird bis zum Abschluss der Zeiten.

 

Die heilige Klara Sciffo von Assisi, Äbtissin und Ordensstifterin,

+ 11.8.1253 - Fest: 11. August

 

Unter den zahllosen heiligen Frauen nimmt die heilige Klara einen besonderen Platz ein. Ihr Leben ist so schön, dass man es mit gefalteten Händen lesen sollte.

 

Klara stammte aus einer vornehmen Familie der Stadt Assisi. In Reichtum und Wohlstand verlief die Kindheit des Mädchens, das, in Samt und Seide gekleidet, nur Spiel und Lust und Freude kannte. Doch gerade als sich vor der Achtzehnjährigen das Tor des Lebens erst recht weit öffnen wollte, warf sie Gottes Gnade aus der Bahn dieser Welt, um sie auf schmalem Pfad zum Himmel ins ewige Leben zu führen.

 

Gottes Gnade kann in tausenderlei Formen und in allen möglichen Kleidern auftreten. Damals, als Klara ihr begegnete, hatte sie die Gestalt und das Gewand eines Bettlers angenommen, über den alle Leute lachten. Franz Bernadone hieß der Bettler, der vor kurzem noch ein reicher Kaufmannssohn war und das Leben in vollen Zügen genoss. Dann warf er aber Geld und Gut von sich und wurde freiwillig arm bis auf das Lumpenkleid, das er trug. Das hatte er getan, um es dem armen Jesus in der Krippe und am Kreuz gleichzutun.

 

Auch Klara war anfangs unter denen, die gelacht haben, aber so richtig wohl hat sie sich dabei nicht gefühlt. Einmal nämlich hatte sie zufällig gesehen, wie der heilige Franz ganz fröhlich wurde und jubelte, als er unter den Fenstern ihres Hauses von Jugendlichen beschimpft und mit Steinen beworfen wurde. Da war auch in ihrem Herzen eine leise ferne Ahnung von der seligen Narrheit des Kreuzes wach geworden. Seit dem hatte sie auch den Wunsch in ihrem Herzen, ein ähnliches Leben zu führen, wie Franz es ihr vorlebte.

 

Von einer verschwiegenen Freundin begleitet, wanderte Klara eines Abends in der Dämmerung zu dem Kirchlein des heiligen Damian vor den Mauern Assisis hinaus. Dort hauste Franz mit seinen ersten Jüngern in unvorstellbarer Armut. Sie fragte den Narren um Christi willen, was sie denn tun solle, um aus der Unruhe zum Frieden des Herzens zu gelangen. Der heilige Franz antwortete ihr nicht gleich, sondern erzählte ihr von dem Glück der Armut. Und während er redete, kam es wie eine Verzückung über ihn. Mit glühenden Worten sprach er, wie betrunken vor Liebe, ein wunderschönes Lob des Schöpfers. Da lösten sich im Herzen Klaras alle Zweifel von selbst. Ruhig wurde es in ihrer Seele. Und als sie von dem Heiligen Abschied nahm, stand in ihr der Entschluss ganz fest, ebenfalls eine Närrin um Christi willen zu werden. Auch sie wollte in der Narrheit des Kreuzes das Glück finden, von dem die Welt keine Ahnung hat.

 

Wenige Tage später hatten die Einwohner Assisis einen neuen aufregenden Gesprächsstoff. Mitten in der Nacht hatte Klara gegen den Willen der Verwandten das Haus fluchtartig verlassen und war nach Sankt Damian gezogen, wo sie der heilige Franziskus im Kreis der Brüder erwartete. Sehr lange Zeit beteten sie zusammen, und als es Morgen wurde, legte Klara allen Schmuck zu Füßen des Gekreuzigten nieder. Franziskus schnitt ihr das Haar ab und warf ihr einen braunen Sack als Bußkleid für immer über. Seit jener Stunde besteht neben dem Männerorden der Franziskaner als weiblicher Zweig der Orden der Klarissen, die in Armut, in Gebet und Fasten einen Frieden und eine Freude genießen, die alle Vorstellungen der Welt weit übersteigen.

 

Vierzig Jahre lang leitete Sankt Klara weise und gütig ihr Kloster. Als einmal zur Kriegszeit zügellose Soldaten das Kloster stürmen wollten, ging ihnen die Heilige mit dem Allerheiligsten in der Hand furchtlos entgegen. Da bekamen die Angreifer einen geheimnisvollen Schrecken, sie prallten wie geblendet zurück und verschwanden Hals über Kopf in alle Richtungen. Am 11. August 1253 starb Sankt Klara. Zwei Jahre später wurde sie bereits von der Kirche heiliggesprochen.

 

Die heilige Susanna, Jungfrau und Märtyrin von Rom,

+ 11.8.295 – Fest: 11. August

 

Susanna, aus einem der vornehmsten Geschlechter Roms entsprossen, wurde als eine durch Schönheit der Seele und des Leibes gleich ausgezeichnete Jungfrau vom Kaiser Diocletian ausersehen, die Gemahlin des von ihm zum Cäsar angenommenen Galerius Maximianus zu werden. Allein sie erklärte ihrem Vater, der meinte, die Verbindung seiner Tochter mit dem künftigen Kaiser könnte für die Christen die günstigsten Folgen haben, dass sie das Gelübde ewiger Keuschheit abgelegt habe, und dass, wenn dies auch der Fall nicht gewesen wäre, sie doch nie mit einem Ungläubigen und am wenigsten mit einem Verfolger ihrer Glaubensbrüder ein eheliches Bündnis schließen würde, und diese Erklärung fand Billigung vom Vater und seinem Bruder, dem heiligen Papst Cajus (Gaius – Fest: 22. April). Zwei der vornehmsten Hofbeamten, Claudius und Maximus, die an die gottgeweihte Jungfrau abgeordnet wurden, waren in der Brautwerbung für den Kaiser nicht glücklicher. Aber für sich fanden sie bei Susanna ein unaussprechliches Glück, nämlich die Erkenntnis der Wahrheit des christlichen Glaubens, ließen sich taufen, entsagten dem Hofleben, verwendeten ihr bedeutendes Vermögen zum Besten der bedrückten Gläubigen und führten ein sehr bußfertiges Leben. Diocletian hatte kaum Nachricht von diesen Bekehrungen erhalten, als sein alter Grimm gegen die Christen neu aufloderte und jene Neubekehrten mit dem Tod bestraft, Susanna und ihr Vater aber ins Gefängnis abgeholt wurden. Nach einiger Zeit rief der Kaiser die standhafte Jungfrau an den Hof, um durch seine Gemahlin Serena sie dahin zu bringen, Cäsar Galerius zu heiraten. Aber Serena, die selber dem Christentum heimlich anhing und auch von der Kirche als eine Heilige verehrt wird, bestärkte sie nur noch mehr in ihrem gottseligen Vorsatz, und beide dienten dem Herrn in aller Stille mit dem größten Eifer. Wie ein Engel in Fleischgestalt lebte Susanna unter den ungläubigen Hofleuten und wurde endlich, nachdem der Kaiser von seiner Gemahlin den festen Entschluss der Jungfrau vernommen hatte, wieder in ihre Wohnung entlassen. Hier stand ihr noch der schwerste Kampf bevor: Galerius, höchst aufgebracht, dass seine Hand ausgeschlagen worden war, wollte die Heilige in ihrer Behausung mit Gewalt entehren. Allein ein Engel des Herrn beschützte die betende Jungfrau, und der Frevler musste sich ganz verwirrt und beschämt entfernen. Schließlich sandte der erbitterte Kaiser einen gewissen Macedonius ab, einen abgefallenen Christen, um Susanna zur Anbetung der Götzen zu zwingen oder im Weigerungsfall zu töten. Dieser Henker schlug auch wirklich der Glaubensheldin nach grausamer Misshandlung das Haupt ab im Jahre 295.

 

12. August

 

Der heilige Euplius, Diakon und Martyrer von Catania,

+ 12.8.304 – Fest: 12. August

 

Der heilige Diakon Euplius lebte als Bekenner Jesu Christi unter den Kaisern Diocletian und Maximian und dem Statthalter Calvisianus. Dem Vorhang sich nähernd, hinter dem nach damaliger Sitte die Richter saßen, um zu beratschlagen oder die Urteile zu schreiben, rief der Diener Gottes mit lauter Stimme aus: „Ich bin ein Christ und verlange um des Namens Jesu willen zu sterben.“ Ungesäumt wurde er den Peinigern übergeben. Man bedrängte ihn hart, die heiligen Schriften auszuliefern, und als er sich dessen weigerte, verschärfte man die Marter, ohne ihn im Mindesten erschüttern zu können. Ebenso standhaft wies er die Aufforderung zurück, den Göttern zu opfern, worauf der Statthalter gebot, zum höchsten Grad der Folter zu schreiten. Auch unter diesen furchtbaren Qualen in der Treue gegenüber dem Herrn verharrend, wurde er schließlich zum Tod verurteilt. Unter dem Vortritt eines Heroldes, der von Zeit zu Zeit die Worte ausrief: „Sehet Euplius, den Christen, den Feind der Götter und der Kaiser!“ führte man ihn auf den Richtplatz, wo er betend den tödlichen Streich empfing. Sein Martertum geschah am heutigen Tag des Jahres 304, und die Akten darüber schließen mit den denkwürdigen Worten: „Durch die Kraft Jesu Christi erhalten diejenigen, die sein Grab besuchen, verschiedene Wohltaten. Alle Arten von Krankheiten werden dort geheilt im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

 

Die heilige Johanna Franziska von Chantal, Ordensstifterin,

+ 13.12.1641 - Fest: 12. August

 

Das heutige Kirchengebet sagt, dass Gott die heilige Johanna Franziska mit wunderbarer Geistesstärke durch alle Lebenspfade auf dem Weg der Vollkommenheit begnadete. Die erwähnten Lebenspfade aber waren so vielgestaltig, wie man sie sonst selten bei einem Menschen antrifft, denn Johanna Franziska war Kind, Jungfrau, Gattin, Mutter, Witwe und Ordensstifterin.

 

Johanna Franziska hat ihre Mutter nicht gekannt, denn sie war erst ein Jahr alt, als sie starb. Der Vater, ein Oberrichter in Frankreich, war ein guter Christ, der seine drei Kinder zu braven und frommen Menschen erzog und sie auch in eigener Person im Glauben unterrichtete. Einst war ein vornehmer Protestant im Haus des Oberrichters zu Gast, der im Gespräch mit dem Vater die wahre und wirkliche Gegenwart Jesu im Allerheiligsten Altarsakrament mit hitzigen Worten ableugnete. Da fiel ihm die zehnjährige Johanna Franziska unvermittelt in die Rede und sagte: „Sie irren sich, denn der liebe Heiland hat es doch gesagt, dass er unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig ist, und wer das nicht glaubt, der macht Christus zum Lügner.“ So sagte sie. Man muss in der Tat seine Freude haben an dem zehnjährigen Mädchen, das mit solchem Freimut für den lieben Heiland eintrat.

 

Als Johanna Franziska später in die Jungmädchenzeit hineinkam, erblühte sie wie eine Rose, und es kamen die Freier zuhauf, die sie als Gattin heimführen wollten. Lange hielt die junge Frau nach dem Rechten Ausschau, und als sie ihn gefunden hatte, verlobte sie sich mit ihm und war eine glückliche Braut. Doch da stellte es sich kurz vor der Hochzeit heraus, dass der Bräutigam, was er bisher verschwiegen hatte, nicht katholisch war. Sofort hob Johanna Franziska, mochte ihr das Herz auch anfänglich dabei bluten, die Verlobung auf, denn nie und nimmer wollte sie eine Mischehe eingehen.

 

Einige Zeit später begegnete Johanna Franziska einem anderen Bewerber, und diesmal war es der Rechte, ein durch und durch katholischer Mann, ein Baron mit großem Haus, in dem sich Johanna Franziska schnell als tüchtige Hausfrau bewährte. Auch eine gute Mutter war die Heilige. Sechs Kindern schenkte sie das Leben. Zwei davon starben früh, und die übrigen erzog Johanna Franziska zu Menschen, die nicht nur religiös waren, sondern auch mit dem Leben fertig wurden. Vor allem sorgte die Mutter dafür, dass die täglichen Gebete stets gemeinsam verrichtet wurden und dass die Kinder unter eigenem Verzicht lernten, den Armen gegenüber wohltätig zu sein. Soweit war also alles in Ordnung, bis dann das Leid kam, das keinem Menschen und am wenigsten den Heiligen erspart bleibt.

 

Auf einer Jagd wurde Johanna Franziskas Gatte versehentlich angeschossen und schwer verletzt. Neun Tage kämpfte der Verunglückte mit dem Tod und starb dann von der Gattin und den vier Kindern weg. Es war ein harter Schlag, und zeitlebens trug die Witwe nun mehr schwarze Kleider. Das eheliche Glück der beiden war zu groß gewesen, deshalb empfand die überlebende Gattin das Unglück umso schwerer, aber sie rang sich durch und lebte fortan nur mehr der Erziehung der Kinder. Johanna Franziska besaß eine starke Seele, die sich in Kreuz und Leid erst recht kräftigte, wie ein Baum, der umso tiefere Wurzeln schlägt, je mehr der Sturm ihn schüttelt.

 

Mit der Zeit wuchsen der Mutter die Kinder aus der Hand, und als alle gut versorgt waren, tat Johanna Franziska den letzten Schritt, der sie schnell und hoch auf den Gipfel der Heiligkeit führen sollte. In Vereinigung mit dem heiligen Franz von Sales gründete die gereifte Frau einen neuen Orden, den sogenannten Orden von der Heimsuchung Mariä. Wie nämlich die liebe Mutter Gottes ihre Verwandte Elisabeth heimgesucht und ihr gedient hatte, so sollten die Schwestern des neuen Ordens die Armen und Kranken heimsuchen und ihnen dienen und helfen. Als Johanna Franziska am 16. Dezember 1641 starb, zählte der Orden bereits fünfunddreißig Klöster, und auch heute besteht er noch, und sooft eine Schwester aus dem Orden den Armen und Kranken Gutes tut, ist das gleichsam eine Wiederholung der Heimsuchung Mariä.

 

Der selige Papst Innozenz XI.,

+ 12. August 1689 – Gedenktag: 12. August

 

Ein Marianischer Heiliger auf dem Stuhl Petri

 

Der 7. Oktober 1956 erhielt eine besondere Bedeutung für die ganze Kirche, da der Heilige Vater, Papst Pius XII., einen seiner Vorgänger aus dem 17. Jahrhundert in die Zahl der Seligen aufnahm und damit zur Ehre der Altäre erhob. Es ist Papst Innozenz XI., über dessen Persönlichkeit und Wirken in folgenden Zeilen ein kurzes Bild gezeichnet werden soll.

 

Innozenz XI. – Benedetto Odescalchi – entstammte einem alten italienischen Geschlecht, das durch Handel reich geworden war und der Kirche bereits verdiente Männer geschenkt hatte. In Como, wo die Odescalchi beheimatet waren, wurde er am 19. Mai 1611 geboren. Aus den Kontakten mit zwei Kapuzinern, die er während seiner juristischen Studien in Neapel kennenlernte, gewann der Entschluss, sich dem geistlichen Stand zu widmen, immer mehr Gestalt in ihm. Die Priesterweihe empfing er zu Rom. Noch nicht 34 Jahre alt, erhielt der fromme und mildtätige Priester am 6. März 1645 von Innozenz X. den Kardinals-Purpur. Nachdem er bis 1650 als Legat zu Ferrara mit Erfolg tätig gewesen und vier Jahre dem Bistum Novara als Guter Hirte vorgestanden hatte, bat er aus Gesundheitsrücksichten um Entbindung von diesem verantwortungsvollen Amt. Er lebte dann in Rom still und zurückgezogen, Werken der Barmherzigkeit hingegeben. Von zeitgenössischen Zeugen, die sich alle voll des Lobes über ihn aussprechen, wurde er der zweite Carlo Borromeo, der Ruhm und die Ehre des Kardinalkollegiums genannt und als Heiliger gelobt und gefeiert. Als daher nach siebenwöchigem Konklave am 21. September 1676 seine Wahl zum Papst erfolgte, gab sich allgemeine Freude kund. Die Wahl war erst erfolgt, nachdem die Kardinäle durch Sonderbotschaft sich des Einverständnisses Ludwigs XIV. von Frankreich versichert hatten, der beim Konklave 1670 gegen Kardinal Odescalchi sein Veto eingelegt hatte.

 

Aber es war unvermeidlich, dass es bei dem ausgesprochenen Hang des französischen Königs zum fürstlichen Absolutismus, zur Staatsallmacht zwischen ihm und dem Oberhaupt der Kirche zu kirchenpolitischen Auseinandersitzungen und Kämpfen kam. Diese zogen sich dann auch durch die 13 Regierungsjahre Innozenz XI. hin.

 

Der erste Zusammenstoß erfolgte in der Frage des sogenannten Regalienrechtes, aufgrund dessen dem König Verwaltung und Einkünfte von frei gewordenen Bistümern und anderen kirchlichen Stellen für die Dauer der Nichtbesetzung zufielen.

 

Der zweite in der Frage des Gallikanismus, der das einträchtige Zusammenwirken von Kirche und Staat in Frankreich jahrhundertelang belastete. Diese Strömung forderte besondere Rechte für die französische Kirche und ließ gleichwertige Richtungen auch in anderen Ländern zeitweilig hochkommen. Die Reformbestrebungen des Josephinismus konnten nur nach dem Vorgang des Gallikanismus ausgedacht werden. In dem Febronianismus des Trierer Weihbischofs Hontheim, in den Emser Punktationen von 25. August 1786, im Wessenbergianismus tauchen Ableger des Gallikanismus auf deutschem Boden auf. Erst durch das Vatikanische Konzil konnte er endgültig überwunden werden.

 

Das größte Ziel, das sich der elfte Innozenz als die eigentliche Aufgabe seines Pontifikates gestellt hatte, war die Vertreibung der Türken aus Europa. Nach der Eroberung von Konstantinopel durch die osmanischen Truppen im Jahr 1453 und seiner Einverleibung in das türkische Reich war der Halbmond zu seiner ständigen Gefahr für das christliche Abendland und seine Kultur geworden. Der Papst sah es als seine besondere Verpflichtung an, die katholischen Fürsten zu einer heiligen Liga gegen den Erbfeind der Christenheit zusammenzuschließen. Seine Bemühungen führten endlich im Jahr 1683 zum erstrebten Bund. Der 12. September desselben Jahres brachte in dem Entscheidungskampf um den Entsatz Wiens den großen und vollständigen Sieg über das Türkenheer. Kleinliche Eifersüchteleien unter den christlichen Heerführern über ihren Anteil an dem errungenen Sieg konnten die Freude der Christenheit nicht beeinträchtigen. Der eigentliche Sieger des 12. September 1683 war und blieb der Papst, der durch seine großen Geldspenden die Kriegsführung ermöglicht hatte und dies auch in den folgenden Jahren tat, bis sechs Jahre später durch die Eroberung Belgrads ganz Ungarn für die Habsburger zurückerobert und damit dem kulturellen und politischen Einfluss des christlichen Abendlandes zurückgewonnen wurde. Der „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. war der Liga nicht beigetreten, im Gegenteil hatte er sie zu hintertreiben und unmöglich zu machen versucht.

 

Es darf nicht wundernehmen, dass Innozenz XI. auf die Reinheit der kirchlichen Lehre sehr bedacht war. Während seiner Regierungszeit sind verfehlte Anschauungen mancher Theologen verurteilt worden. Im ersten Fall handelte es sich um 65 Sätze, die in verschiedenen Moralwerken von Jesuitentheologen enthalten waren und von denselben auch gelehrt wurden. Ein Dekret der Inquisition vom 2. März 1679 verwarf diese etwas zu leichten Lehren als ärgerniserregend und verderblich.

 

Im zweiten Fall handelte es sich um eine falsche Richtung im christlichen Tugendstreben, um den Quietismus des spanischen Priesters Michael Molinos. 1663 war er in die Stadt der Päpste gekommen, wo er sich in allen Kreisen eines recht großen Ansehens erfreute. Durch seinen Quietismus wollte er die Theorie und Praxis in der Aszese grundlegen und zur Verwirklichung bringen. Eigenes Tun und Streben (Mitarbeit mit der göttlichen Gnade) sei zur Erreichung der christlichen Vollkommenheit nicht notwendig, es genüge eine völlige Ruhe.

 

Man wird verstehen, dass solche Meinungen, die mit allen Auffassungen, die bisher vertreten und gelehrt wurden, gerade wegen ihres hochgeachteten Lehrers große Verwirrung in den Reihen der Gläubigen anrichteten. Nach eingehenden Erwägungen und Erörterungen verurteilte Innozenz durch päpstliche Bulle vom 20. November 1687 in feierlicher Form 68 Sätze, die von der Inquisition aus den Werken Molinos gesammelt und einige Monate zuvor beanstandet worden waren.

 

Gegen die Jansenisten und ihre strengen Forderungen, durch die den Gläubigen der Zutritt zum Tabernakel unnötig erschwert, vielfach sogar versperrt wurde, sprach sich ein Dekret der Konzilskongregation aus, das Bestimmungen über den öfteren und täglichen Empfang der hl. Kommunion erließ. Damit war für die damalige Zeit in der Kommunionpraxis der Kirche ein großer Schritt vorangetan und dem großen eucharistischen Pius X. der Weg bereitet, der die große eucharistische Bewegung unserer Tage einleitete.

 

Zur Gottesmutter trug der Papst eine kindliche Verehrung. Sein ganzes Leben und Wirken durchzieht ein unbegrenztes Vertrauen zur allerseligsten Jungfrau und Mutter des Erlösers. Wie Pius V. gut hundert Jahre zuvor den Seesieg bei Lepanto der mächtigen Schutzherrin zuschrieb, so erklärte Innozenz, die glänzenden Siege und Erfolge über das Türkenheer, die weltgeschichtliche Bedeutung erlangt haben, seien nur der Fürsprache Mariens, der Siegerin in allen Schlachten Gottes, zu verdanken. Der Papst, der Ende 1681 und Anfang August 1683 einen besonderen Ablass, wie er im Heiligen Jahr gewonnen werden kann, ausgeschrieben und die Gläubigen zu besonderen Gebeten aufgefordert hatte, sprach das verschiedentlich aus. Zur dauernden Erinnerung wurde durch ihn die Bruderschaft vom Namen Mariä zum Rang einer Erzbruderschaft erhoben und die Bestimmung getroffen, dass das Fest vom Namen Mariä in Zukunft am Sonntag nach Mariä Geburt zu feiern sei (jetzt am 12. September begangen).

 

Am 12. August 1679 beendete Innozenz XI. seine irdische Pilgerlaufbahn. Die Anteilnahme des Volkes, das zu Lebzeiten des Papstes wegen mancher Maßnahmen sich zurückhielt, war groß. Seine letzte Ruhestätte fand Innozenz in St. Peter.

 

Freund und Gegner stimmen in der Beurteilung seiner Person und seines Wirkens darin überein, dass er einer der edelsten Gestalten auf dem Päpstlichen Stuhl gewesen ist, dass er der bedeutendste Papst im 17. Jahrhundert war. Seine konsequente Haltung in der endgültigen Abwendung der Türkengefahr vom christlichen Abendland wird sein Andenken in der Geschichte immer mit besonderem Glanz umgeben. Der vorbildliche Papst traf schon gleich nach seinem Regierungsantritt eine Reihe Reformmaßnahmen. Von allen Seiten wurde es ihm hoch angerechnet, dass er sich von Nepotismus jeder Art vollständig freihielt.

 

Allgemein wurde es begrüßt, dass schon unter seinem dritten Nachfolger, Klemens XI., der von 1700-1721 die Kirche regierte, der Seligsprechungsprozess für Innozenz XI. in die Wege geleitet wurde. Aber wie Frankreichs König und seine Regierung schon mit dem lebenden Papst in schweren Kämpfen standen, so scheiterte schließlich die Fortführung des Prozesses in erster Linie am Widerspruch der französischen Regierung. Umso mehr ist es Papst Pius XII. zu danken, dass der Prozess wieder aufgenommen wurde und zur Seligsprechung am 7. Oktober 1956 geführt hat.

P. Wilhelm Nathem S.A.C.

„Rosenkranz“, Heft 10, Oktober 1956

 

13. August

 

Der heilige Cassian, Schullehrer und Martyrer von Imola,

+ 13.8.362 - Fest: 13. August

 

Cassian war um das Jahr 300 Lehrer in Imola in Mittelitalien und hatte die Oberstufe. An sich ist der Unterricht bei den Vierzehnjährigen schön, denn die Jugendlichen, die man zwar noch nicht als Männer ansprechen kann, haben immerhin schon viel Verstand, so dass man mit ihnen vernünftig reden kann. Deshalb ist der Unterricht bei ihnen nicht übel. Es kann allerdings auch ganz anders kommen. Das hängt jeweils von denjenigen Schülern ab, die bei den anderen den Ton angeben. Weil nämlich die jungen Leute noch sehr unselbstständig sind, gibt es in jeder Klasse einen Anführer, dem die übrigen wie blinde Schafe folgen. Ist der Anführer ein guter Kerl, so ist alles in Ordnung, ist er es aber nicht, so sind es die anderen auch nicht. Gnade Gott dann dem Lehrer, wenn er nicht streng eine klare Linie vorgibt und durchsetzt.

 

So ähnlich war es auch bei dem heiligen Lehrer Cassian. Er war schon deswegen ein guter Mensch, weil er Jesus Christus liebte und nach der sanften und demütigen Art des Herrn lebte. Die Tatsache, dass er ein Christ war, kannten nur wenige. Es war auch besser, dass man es nicht wusste, denn sonst wäre er von der Schule geflogen. Es wäre ihm dann unmöglich gewesen, im Stillen dadurch Gutes zu tun, dass er die Schüler zwar nicht im Christentum, wohl aber zu den christlichen Tugenden, zu Gerechtigkeit, Gehorsam, Friedfertigkeit, Reinheit und Nächstenliebe, erzog. Hin und wieder sprach er auch von dem einen wahren Gott und von Jesus Christus. Dann hörten die Vierzehnjährigen gespannt hin, und mancher von ihnen hat auf diese Weise den Weg zum wahren Glauben gefunden.

 

Da aber ereignete es sich im Jahr 304, dass Lehrer Cassian eine Klasse erhielt, deren Anführer ein brutaler Schläger und herzlos war. Stets führte er das große Wort, und so konnte es nicht ausbleiben, dass die ganze Klasse eine einzige Katastrophe war. Unter solchen Umständen blieb dem Lehrer nichts anderes übrig, als die Zügel straff zu halten und auch streng zu strafen, denn ein wenig Ordnung muss sein, vor allem in der Schule.

 

Cassian saß also den rauhen Jugendlichen scharf im Nacken. Da wurden sie gegen ihn wütend, und es kam zu schlimmen Auftritten. Der Anführer hetzte die anderen Schüler stets von neuem auf und überlegte sich eine Rache. Schon bald sollte der verhasste Lehrer büßen. Gerade um diese Zeit näherte sich nämlich der Sturm der Christenverfolgung auch in der Stadt Imola, die bisher verschont geblieben war. Bald sickerte es durch, dass Lehrer Cassian ein Christ war. Da hatten die Schüler nichts Eiligeres zu tun, als zur Polizei zu laufen und den Lehrer anzuzeigen.

 

Lehrer Cassian wurde verhaftet und kam vor Gericht. Weil er sich weigerte, dem christlichen Glauben abzuschwören, verurteilte man ihn zum Tod. Mit schlimmer Grausamkeit übergab der Richter den Verurteilten, an Händen und Füßen gefesselt, seinen Schülern zur Peinigung. Was nun folgte, stellt ein grauenhaftes Bild dar. Man band den Lehrer an eine Säule und tat ihm Übles an. Unter der Leitung des Anführers fielen die Jungen über Cassian her, spuckten ihn an, schlugen ihn auf den Kopf, auf die Wangen, auf die Finger und traten ihm auf die Füße.

 

Zuletzt nahmen die Jungen die eisernen Griffel, mit denen man damals auf Wachstafeln schrieb, und stachen dem Martyrer damit überall ins Fleisch, bis ihn der Anführer schließlich mit einem solchen Stichel ins Herz stach. Das war das zwar fürchterliche, aber glorreiche Ende des Lehrers Cassian, der bis zuletzt für seine Schüler betete.

 

Der heilige Ludolf, 12. Abt von Korvey, Westfalen,

+ 13.8.983 – Fest: 13. August

 

Der heilige Ludolf stammte wahrscheinlich aus einer angesehenen Familie Westfalens, denn er erhielt, wie die meisten Söhne des westfälischen Adels, seine Jugenderziehung in der berühmten Klosterschule zu Corvey, wo sich von Tag zu Tag die Zahl der Mönche aus den Edlen des Landes mehrte.

 

Wegen seiner außerordentlichen Tugenden und seiner Wundergabe wurde Ludolf zum Abt des Klosters Corvey gewählt. Schon bevor er die Mitra erhielt, zeichnete er sich so sehr durch Verdienste, Tugenden und Vollkommenheit aus, dass er der Abtwürde mehr zur Zierde gereichte, als diese ihm. Sein unablässiges Bemühen ging dahin, das Fleisch durch Fasten zu zähmen, dass es sich nicht gegen des Geist empörte, den Schlaf durch Nachtwachen zu unterbrechen, damit er im Dienst Gottes nicht träge werde, den sinnlichen Gelüsten nie nachzugeben, damit der Geist umso geschickter würde, sich mit himmlischen Dingen zu beschäftigen. Durch Gebet, Opfer und sehr fleißigen Gebrauch der Gnadenmittel war er in ein so vertrautes Verhältnis zu Gott getreten, dass ihm viele Geheimnisse offenbart wurden, die durch menschliche Forschung nicht zu seiner Kenntnis gelangen konnten. Die armen Seelen im Fegfeuer fanden in seinen Gebeten fortwährend Hilfe und Trost. Wilhelm, Erzbischof von Mainz, Sohn des Kaisers Otto und der Editha, erbat sich in seiner Sterbestunde die fromme Fürbitte Ludolfs. An demselben Tag, als der Graf Gero bei Magdeburg enthauptet wurde, schaute er dessen Haupt morgens während der Heiligen Messe auf dem Altar, und er empfahl ihn dem Gebet seiner Brüder. Sehr viele andere im Fegfeuer leidende Seelen erschienen ihm, um durch seine Fürbitte Erlösung zu empfangen.

 

Vor allem verdient erwähnt zu werden, was Gelen nach Dithmar von Merseburg in seinem „Schatzkästlein“ von ihm erzählt. Am 24. Juni 976 fiel der heilige Gero, Erzbischof von Köln, in irgendeine Krankheit und wurde derart des Gebrauchs seiner Sinne beraubt, dass er von dem Kanonikus Everger, der bei ihm Dienst hatte, für tot gehalten wurde. Der scheintote Leib wird in den Sarg gelegt, das Gerücht von dem vermeintlichen Tod verbreitete sich unter dem Volk, am folgenden Tag wird das Begräbnis veranstaltet, das Totenamt im Dom gefeiert und der Leib in der Gruft beigesetzt. In der dritten Nacht erwacht Gero wie aus tiefem Schlaf und ruft wieder und wieder, dass man ihm doch die vermauerten Eingänge der Gruft öffnen solle. Einer hört das und glaubt es dem Everger anzeigen zu müssen. Der aber hielt den Boten für einen abergläubischen Träumer und jagte ihn zum Haus hinaus. Der Bote schwieg. Der heilige Gero hatte wirklich noch gelebt, denn als man bald nachher sein Grab öffnete, zeigten sich noch frische Blutspuren. Noch lebend wurde er den Toten zugesellt. Am 28. Oder 29. Juni erlag er einem schrecklichen, aber nicht unseligen Tod. Wie könnte man den Tod für einen unseligen halten, dem ein heiliges Leben voranging? Gleich nach seinem Tod erschien der heilige Erzbischof dem heiligen Abt Ludolf, redete einige Worte zu ihm und forderte ihn auf, ihm das Requiem zu singen.

 

Nach diesem Ereignis lebte der heilige Abt noch sieben Jahre. Am 13. August 983 beschloss er zu Corvey sein heiliges Leben mit dem glückseligsten Tod, nachdem er 26 Jahre seine Abtswürde bekleidet hatte. Da sein Grab durch viele Wunder verherrlicht wurde, erhob der Abt Markward und Bischof von Osnabrück im Jahr 1100 die Gebeine des Heiligen und setzte sie in einem vergoldeten, hölzernen Schrein vor dem Kreuzaltar bei. Als Christoph Bernhard von Galen, Bischof von Münster und Administrator von Corvey, den Neubau der Kirche vollendet hatte, ließ er im Jahr 1662 die Reliquien des heiligen Ludolf zugleich mit denen des seligen Abtes Druthmar in die Krypta der neuen Kirche übertragen, wo sie noch am Ende des 17. Jahrhunderts aufbewahrt wurden, obgleich sie durch die Sorglosigkeit irgendjemandes in Unordnung gerieten. Das Bildnis des heiligen Ludolf zierte einst unter andern Heiligenbildern das Chor der Abteikirche, mit der Inschrift: Der heilige Ludolf, Abt von Corvey.

 

Der heilige Wigbert, Priester und Abt von Fritzlar,

+ 13.8.747 – Fest: 13. August

 

Unter den heiligen Glaubensboten, die den Segen des Christentums unter die heidnischen Deutschen trugen, nimmt eine hervorragende Stellung der heilige Wigbert ein, ein Freund und Mitarbeiter des heiligen Bonifatius. Als dieser Apostel Deutschlands mit unermüdlichem Eifer die deutschen Länder durchwanderte und zahllose Heiden dem Licht des Christentums zuführte, lag ihm alles daran, feste Säulen zu gründen, auf denen die errungenen Erfolge sicher und dauernd ruhen sollten. Als solche Säulen erkannte er die Klöster, von denen erfahrungsgemäß ein lebendiger Glaube, religiöse Gesittung und Bildung sich in die weitesten Kreise verbreitete. Deshalb stiftete er die Klöster Hamelburg, Ohrdruf, Amöneburg und Fritzlar. Da sich nun seine Wirksamkeit immer weiter über Deutschland ausdehnte, suchte er neue Mitarbeiter zu gewinnen. In Fritzlar insbesondere beabsichtigte er eine Bildungsanstalt zu gründen, die die Vorschule der berühmten Klosterschule sein sollte, die er später in Fulda ins Leben rief. Um nun einen erfahrenen, in klösterlicher Zucht aufgewachsenen, und durch Wissenschaft und Frömmigkeit gleich ausgezeichneten Mann zu gewinnen, wandte er sich an den Vorsteher des Klosters Glastonbury in England, woher er schon mehrere Mitarbeiter erhalten hatte, mit der dringenden Bitte, ihm den Wigbert, der früher in dem Kloster Winbrunn gewesen war, senden zu wollen, denn seine häufige Abwesenheit und vielfältigen Arbeiten und Sorgen gestatteten ihm nicht, den Unterricht und die klösterliche Zucht zu überwachen, wie er es eine Zeitlang selbst getan hatte. Wigbert folgte dem Ruf und kam mit mehreren anderen Geistlichen um das Jahr 734 nach Deutschland.

 

Hocherfreut über diesen Gewinn, reiste ihm Bonifatius eine Strecke entgegen, sagte ihm herzlich Willkommen, führte ihn nach Fritzlar und übergab ihm die Leitung des Klosters und der Schule. Bonifatius hatte alle Ursache, sich über den Gewinn dieses Benediktinermönches zu freuen, denn schon in kurzer Zeit zeigte seine Wirksamkeit einen wunderbaren Erfolg. Seine Gelehrsamkeit, seine Sittenreinheit, seine klösterliche Strenge, verbunden mit gewinnender Milde, sein unverdrossener Eifer entwickelte das Kloster bald zu einer solchen Blüte, dass es nicht bloß belebend und erweckend für die nächste Umgebung wirkte, sondern auch eine Pflanzschule für neue Missionare wurde.

 

Ein Zeitgenosse unseres Heiligen, der berühmte Servatus Lugus, hat uns ein anmutendes Bild von ihm entworfen. Er sagt unter anderem: „Wigbert war ein äußerst eifriger, in seinen Sitten strenger und in den Wissenschaften wohlbewanderter Mann, und wohin er kam, erweckte er den gleichen Tugendeifer und gleiche Liebe für die Wissenschaften. Seine Rede, seine Haltung und seine ganze äußere Erscheinung waren bedeutend. Die Pflichten seines Berufes waren ihm so heilig, dass er sich in Erfüllung derselben durch keine äußeren Begegnungen stören ließ. Im Umgang mit Menschen war er freundlich und leutselig. So lange das Gespräch sich in gleichgültigen Dingen bewegte, war er schweigsam. Ganz unvermerkt wusste er dasselbe von alltäglichen Dingen zu bedeutenden, belehrenden und erbauenden Gegenständen hinüber zu lenken, so dass er durch jede Unterhaltung geistig anregend, erweckend und belehrend wirkte.“

 

Bonifatius weilte gern in Fritzlar und brachte die wenigen Tage der Ruhe und Sammlung, die ihm sein vielbewegtes Leben vergönnte, im Umgang mit seinem geliebten Mitarbeiter zu, dem er mit seinem Rat und seiner Hilfe stets zur Seite stand. Die talentvollsten jungen Männer führte er zur weiteren Ausbildung dem Wigbert zu. Wie Fritzlar die Vorschule für Fulda war, so wurde auch Sturm, der Mitbegründer und erste Abt von Fulda, hier gebildet, und die bedeutendsten Männer, wie Megingoz, der spätere Bischof von Würzburg, und Lullus, der Nachfolger des heiligen Bonifatius auf dem erzbischöflichen Stuhl zu Mainz, waren mit Wigbert in Fritzlar verbunden. In einem Brief an seine Ordensbrüder in Glastonbury schildert Wigbert den reichen Segen, der trotz Mühen und Gefahren auf seinem Kloster ruhe, bittet sie um ihre Gebete, indem er ihnen beteuert, dass er sich mit ihnen in der Liebe Christi verbunden fühle, soweit sie auch durch die Räume der Erde voneinander getrennt wären.

 

Als das Kloster Fritzlar sich zu herrlicher Blüte entfaltete und eine bedeutende Schar strebsamer Schüler zählte, sollte Wigbert auch das Kloster zu Ohrdruf zu gleicher Blüte erheben. Auf die inständigen Bitten des heiligen Bonifatius verließ er seine liebe Schule und ging nach Thüringen, um auch dort im Weinberg des Herrn zu arbeiten und Diener des Altares heranzubilden. Indem er seine Lehre überall zuerst durch seine Tat bewährte und seinen Schülern jederzeit mit dem besten Beispiel voranging, zog er die Schar der Brüder glücklich mit sich fort, räumte alle Hindernisse aus dem Weg und förderte alles, was gut war. In Ohrdruf blieb er mehrere Jahre, bis auch diese Pflanzschule sich unter seiner Leitung glücklich entwickelt hatte. In seinem vorgerückten Alter und von schweren Krankheitsanfällen gebrochen, wünschte er nach Fritzlar zurückzukehren. Bonifatius willigte gern in sein Verlangen ein, und mit Jubel wurde der zurückkehrende Greis von seinen Schülern in Fritzlar empfangen. In ihrem Kreis verjüngte er sich wieder. Wenn auch sein Körper litt, sein Geist arbeitete jugendfrisch und trug wesentlich zur herrlichen Blüte des Klosters bei. Wo bei seiner Ankunft neben einem einzelnen Gehöft nur das Kloster sich eben erst erhoben hatte, da war jetzt schon eine Stadt entstanden und weiter und weiter wurde die Gegend urbar gemacht und bebaut. Sogar einen Weinberg legte er dort an. Als ihm einst beim heiligen Messopfer der Wein fehlte, drückte er aus reifen Trauben den Saft in den Kelch und erlangte von Gott den reichsten Segen seines Weinberges.

 

War das Leben Wigberts durch seine Tugenden und seine Wirksamkeit verherrlicht, so entfaltete sich der Segen noch nach seinem Tod, und durch viele Wunder wurde die Verehrung, die er in seinem Leben genossen, zur Verehrung eines Heiligen gesteigert. Reich an Verdiensten, starb er im Jahr 747, wahrscheinlich am 13. August. Sein Leichnam wurde zu Fritzlar bestattet. Als aber die Sachsen im Jahr 774 in Hessen einfielen und alles mit Feuer und Schwert verwüsteten, flüchteten die Bewohner Fritzlars mit dem Leichnam des heiligen Wigbert nach der befestigten Buraburg auf der anderen Seite der Edder. Die Peterskirche zu Fritzlar, die die Sachsen in Brand stecken wollten, wurde wunderbar errettet, wie der heilige Bonifatius bei der Einweihung prophetisch vorausgesagt hatte, sie solle nicht durch Feuer zerstört werden. Als die Kirche schon rings mit brennbaren Stoffen umgeben war, sahen die Sachsen zwei Jünglinge in blendendweißen Gewändern schützend über ihr schweben. Die Krieger, die das Feuer schüren wollten, wurden tot vor der Kirche gefunden, die übrigen entflohen schleunigst, ohne dass sie ein Mensch verfolgte. Dieser Schutz wurde dem heiligen Wigbert zugeschrieben. Nach einiger Zeit wurde der Bischof Alboin von Buraburg durch eine Traumerscheinung gemahnt, die Reliquien Wigberts von Fritzlar, wohin sie zurückgebracht waren, nach dem Kloster Hersfeld zu übertragen. Er zeigte es dem Erzbischof Lullus von Mainz an und mit Genehmigung Karls des Großen wurden dieselben im Jahr 780 dorthin versetzt und ehrenvoll bestattet. Viele Wunder an der Grabstätte des heiligen Wigbert zogen eine Menge Pilger herbei, so dass Hersfeld sich zu einer blühenden Stadt entwickelte, die im Jahr 850 eine Kirche zu Ehren des heiligen Wigbert erbaute.

 

14. August

 

Der heilige Eberhard von Maria-Einsiedeln, Schweiz,

1. Abt von Einsiedeln,

+ 14.8.958 – Fest: 14. August

 

Nach der Ermordung des heiligen Meinrad blieb seine Zelle im finstern Wald 46 Jahre unbewohnt, wurde aber häufig von andächtigen Pilgern besucht. Einer seiner eifrigen Verehrer, der gottselige Domherr Benno von Straßburg, besuchte im Jahr 907 die geheiligte Stätte, baute die bald zerfallene Kapelle und Zelle Meinrads wieder auf, errichtete neue Zellen, rodete einen Teil des Waldes und machte den Boden urbar, um sich durch seiner Hände Arbeit die nötigen Nahrungsmittel zu verschaffen. Einige Einsiedler schlossen sich ihm an, vereinigten sich zu gemeinsamer Andacht vor dem Gnadenbild der allerseligsten Jungfrau und nannten den Ort Maria-Einsiedeln. Dem Beispiel des heiligen Benno folgend, ließ der Propst Eberhard von Straßburg im Jahr 940 über der kleinen Kapelle Meinrads eine größere Kirche und daneben ein Kloster bauen, in dem fortan die Einsiedler unter der Regel des heiligen Benedikt zusammen wohnten. Ihr erster Abt war der heilige Eberhard.

 

Eberhard entstammte einem fränkischen Grafengeschlecht und war mit dem Herzog Hermann von Schwaben blutsverwandt. Der Reichtum seines Wissens und seiner Frömmigkeit überwog den Glanz seiner irdischen Stellung. Deshalb wählte er den Priesterstand und wurde schon früh wegen seiner hervorragenden Geistesanlagen zur Würde eines Dompropstes erhoben. Aber seiner tiefen Demut sagte die Ehre vor der Welt nicht zu. Deshalb ergriff er den Pilgerstab und suchte seinen Freund Benno im finstern Waldgebirge der St. Meinradszelle auf.

 

Mit dem Erscheinen Eberhards entfaltete sich ein neues Leben an der heiligen Stätte. Mit der reichen Erbschaft seiner Eltern und mit bedeutenden Unterstützungen seiner Verwandten und Freunde baute er eine prächtige Kirche und ein umfangreiches Kloster, dem zunächst der heilige Benno vorstand. Nach seinem Tod wussten seine Klostergenossen keinen würdigeren, frömmeren und weiseren Vorsteher zu wählen, als Eberhard. Unter seiner Leitung blühte die junge Ordensgenossenschaft so herrlich auf, dass Grafen und Herzoge ihre Söhne zur Ausbildung dorthin sandten und dass viele von ihnen das Ordenskleid wählten, um die höchste Stufe der Vollkommenheit zu erstreben.

 

Als der Bau der Kirche in Einsiedeln vollendet war, bat der heilige Abt Eberhard den heiligen Bischof Konrad von Konstanz, die Tempelweihe vorzunehmen. Außer ihm folgten der heilige Bischof Ulrich von Augsburg, zahlreiche Kirchenfürsten, Äbte und Adelige der Einladung zur Festfeier. In der Nacht vor dem 14. September 948 brachte der heilige Bischof Konrad mit mehreren Klostergeistlichen unter inbrünstigem Gebet in der Kirche zu. Plötzlich ertönt ein lieblicher Engelgesang von der Kapelle her, Jesus Christus erscheint in himmlischem Lichtglanz, von Engeln und Heiligen umgeben, die heilige Jungfrau steht strahlend auf dem Altar, und der ewige Hohepriester weihte ganz nach den Vorschriften und Zeremonien der Kirche die Meinradskapelle ein.

 

In der Frühe des Morgens strömte das gläubige Volk zusammen, um der Weihe beizuwohnen. Der Bischof Konrad erzählte, was er in der Nacht gesehen und weigerte sich, das zu beginnen, was Christi Hand vollendet hatte, aber die anwesenden Bischöfe und Äbte erklärten das Vernommene für ein Traumgesicht und nötigten ihn, dass er zunächst die Weihe der Kapelle vornehme. Aber in dem Augenblick, da er die Zeremonie beginnen wollte, ertönte eine mächtige Stimme vom Himmel: „Halt ein, halt ein, Bruder, die Kapelle ist von Gott geweiht!“ Alle Anwesenden hörten diese Stimme dreimal und überzeugten sich von der Wahrheit der Aussage des heiligen Bischofs. Lob- und Danklieder erschallten aus dem Mund des erstaunten Volkes. Dann weihte Konrad die große Kirche zu Ehren des heiligen Mauritius und seiner thebaischen Legion.

 

Papst Leo VIII. ließ sich vom heiligen Bischof Konrad über diese wunderbare Begebenheit genauen Bericht erstatten, bestätigte durch eine besondere Bulle vom 3. November 964 das Wunder als ein echtes und beschenkte die frommen Pilger und Besucher der Gnadenkapelle mit Ablässen. Diese wurden von mehreren Päpsten bestätigt und bereichert. Zu dem Gnadenbild wallen alljährlich mindestens 300 000 Pilger und unzählige von ihnen können bezeugen, dass die Mutter Gottes heute noch die Trösterin der Betrübten, die Zuflucht der Sünder und die Retterin der Bedrängten ist.

 

Nach dieser einzig in der Geschichte dastehenden Kirchweihe lebte der heilige Eberhard noch zehn Jahre, hochgeehrt von seinen Klosterbrüdern, zu Rate gezogen von Fürsten und Kaisern, geliebt von allen, die ihn kannten. Sein Tod erfolgte am 14. August 958. Sein Leichnam wurde vor der Gnadenkapelle beigesetzt, wo er im Leben so gern gebetet, über die er einen so prachtvollen Tempel erbaut hatte, und wo ihm schon im Leben so viele Gnaden gewährt worden waren.

 

Die heilige Athanasia, Witwe und Äbtissin in Griechenland,

+ 14.8.860 - Fest: 14. August

 

Es sind bereits über tausend Jahre her, dass auf der griechischen Insel Ägina ein frommes Ehepaar lebte, Nicetas und Irene. Sie hatten ein Töchterlein, das schon so viel gelernt hatte, dass es schon mit sieben Jahren fleißig in der Heiligen Schrift las und die Psalmen auswendig wusste. Athanasia, so hieß das Mädchen, saß einst alleine mit einer Handarbeit beschäftigt. Da sah sie einen höchst glänzenden Stern herabschweben bis direkt zu ihr und wurde von ihm angestrahlt. Dann verschwand der Stern wieder. Von dieser Zeit an war ihr Inneres besonders erleuchtet, so dass ihr die Eitelkeiten dieser Welt mehr und mehr ganz zuwider wurden. In dieser Stimmung hatte sie sich vorgenommen, in ein Kloster zu gehen. Aber ihre Eltern waren dagegen, sondern nötigten sie gleichsam mit Gewalt, sich zu verehelichen. Sie hatte aber erst sechzehn Tage mit ihrem Mann gelebt, als er bei einem Überfall der afrikanischen Kriegshorden das Leben verlor.

 

Athanasia war also unvermuteter Weise wieder ledig geworden. Sie meinte nun, ohne weiteres Hindernis ihren früheren Plan ausführen zu können und bereitete sich auf das Klosterleben vor. Aber auf einmal erging eine Verordnung des griechischen Kaisers Michael, dass Jungfrauen und Witwen, die nicht schon ein gewisses Alter erreicht hatten, mit Männern ihrer Nation sich verehelichen müssten. Er wollte auf diese Weise bewirken, dass die Bevölkerung in seinen Landen zunehme. Unter diesen Umständen musste Athanasia abermals dem Willen ihrer Eltern sich fügen, als sie die Hand ihrer verwitweten Tochter einem anderen Mann geben wollten. Obwohl aber die junge Witwe nun wieder in den Ehestand getreten war, setzte sie dennoch ihre Gewohnheit fort, fleißig Psalmen zu singen und in der Heiligen Schrift zu lesen. Sie war so sanft und bescheiden, dass jedermann Verehrung und Liebe zu ihr trug. Gegenüber Dürftigen übte Athanasia außerordentlich viele Wohltaten aus, so dass trotz ihrer guten Vermögensverhältnisse oft fast nichts mehr da war. Als einmal eine Hungersnot auf der Insel herrschte, teilte sie nicht nur ihren Glaubensgenossen Lebensmittel aus, sondern auch denen, die einer Sekte oder einer anderen Religion angehörten, eingedenk der Worte des Herrn: „Seid barmherzig, wie euer himmlischer Vater barmherzig ist, der seine Sonne über Gute und Böse aufgehen und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte.“

 

Nachdem Athanasia einige Jahre mit ihrem Gemahl zusammengelebt hatte, brachte sie es durch ihr häufiges Zureden dahin, dass er der Welt entsagte, in ein Kloster ging und dort ein höchst gottseliges Leben führte, worauf er dann im Herrn entschlief. Athanasia aber verteilte nun all ihr Hab und Gut an die Armen und vereinigte sich mit einigen gleichgesinnten Personen zu einem klösterlichen Zusammenleben. Obwohl sie aber zur Oberin gewählt wurde, ließ sie sich in ihrer Demut niemals von einer der Mitschwestern irgendwie bedienen. Sie wollte die Dienerin aller anderen sein. Aus ihrem Mund kam niemals ein Scheltwort oder eine harte Rede, obwohl sie die Genossenschaft zu regieren hatte und sie die üble Nachrede hören musste, ihre große Strenge gegen sich selbst komme vom Teufel. Sie lebte nämlich größtenteils von Brot und Wasser. Nur am Ostertag erlaubte sie sich auch etwas Käse und Fisch, in der Fastenzeit aber aß sie jedes Mal nur an jedem zweiten Tag etwas. Ihr Laber bestand aus einigen großen Steinen, worüber eine kleine raue Decke gebreitet war. Ihr Unterkleid oder Hemd war aus Haaren gemacht, darüber trug sie ein wollenes Gewand.

 

Da Athanasia mit ihren Genossinnen vier Jahre auf diese Weise zugebracht hatte, fühlte sie sich innerlich gemahnt, in eine entlegenere Gebirgsgegend überzusiedeln, um sich von der Welt noch mehr abzusondern. Sie fand auch einen solchen Ort, wie sie ihn im Geist schon vorausgesehen hatte. Auch hier übte Athanasia, wie bisher, große Demut und Sanftmut. Als sie einst ihrer Gewohnheit gemäß betete und ihre Augen zum Himmel gewandt hatte, sah sie eine leuchtende Wolke und in ihrer Mitte einen außerordentlich schönen Mann voll strahlender Herrlichkeit. Athanasia hatte öfters diese Erscheinung und wunderte sich, wodurch dieser Mann so großen Glanz gewonnen habe. Da sie wieder einmal in solchen Gedanken war, was dieses bedeute, kam es ihr vor, als höre sie eine Stimme, die sprach: „Diesen Mann, dessen Schönheit du bewunderst, hat die Demut und Sanftmut so herrlich gemacht. Weil du selbst so fleißig danach trachtest, so wisse, dass auch du in solchem Glanz einst erscheinen wirst.“ Athanasia wurde durch diese Offenbarung noch viel mehr im Eifer angeregt, sich mit diesen zwei Tugenden zu schmücken, und man bemerkte niemals auch nur die geringste Spur von Zorn oder Hochmut an ihr.

 

Ein berühmter Heide (Plato) sagt in seinen Schriften: „Wenn man die Gestalt der Tugend sehen könnte, so würden alle von ihrer unaussprechlichen Schönheit zur heftigen Liebe erweckt.“ Nun können wir zwar die Tugend nicht mit den leiblichen Augen sehen, wie Athanasia die Schönheit der Demut und Sanftmut gesehen hat, aber wir können sie ein wenig geistig sehen. Kommt uns die Treue z.B. nicht schön vor, wenn eine Magd ihre Herrschaft, die um alles Vermögen gekommen ist, nicht verlässt, sondern selber noch mit ihrer Hände Arbeit ernährt? Oder kommt uns die Wahrhaftigkeit nicht schön vor, wenn ein Kind offen seinen Fehler anzeigt, obwohl es weiß, dass es schwer und hart von zornigen Menschen dafür gestraft wird? Oder kommt uns die Menschenliebe nicht schön vor, wenn die Tochter wohlhabender, angesehener Leute einer armen Bettlerin, die an einer schlimmen Krankheit leidet, Gutes tut, bei ihr wacht und sie pflegt, bis sie stirbt?

 

So ist jede Tugend sehr schön, und ihre Schönheit wird manchmal selbst einigermaßen sichtbar in dem Augenblick, wenn der Mensch sie ausübt. Wie wir z.B. im Zorn hässlich sind, so werden wir schöner, wenn wir liebreich und freundlich mit einem Kind reden; und wie wir hässlich aussehen, wenn wir gerade gierig und hastig essen, so werden wir schöner, wenn wir gerade in tiefer inniger Andacht unser Gemüt zu Gott gerichtet haben; und wie wir hässlich aussehen, wenn wir missgünstig unsere Mitmenschen an ihrer Ehre angreifen, so sind wir in dem Augenblick schöner, wenn wir mit herzlichem Mitleid einen Traurigen trösten. Was aber schon dem sinnlichen Auge erscheint, das ist vor Gott unendlich hell und klar, nämlich die Schönheit jeder Tugend und selbst des tugendhaften Augenblicks.

 

Einmal saß Athanasia in Andacht versunken, da kam ein Mensch zu ihr, der durch eine Augenkrankheit große Schmerzen litt. Er bat die Heilige, sie möge für ihn zu Gott beten. In ihrer Bescheidenheit tröstete ihn Athanasia, dass sie auch schon an einem solchen Übel gelitten habe, er möge Geduld haben, Gott könne ihm schon wieder helfen. Aber der Kranke begnügte sich damit nicht, sondern bestand mit viel Vertrauen darauf, dass sie ihm helfen könne mit ihrem Gebet. Da legte die Heilige ihre Hand auf die kranken Augen und sprach: „Christus, der den Blindgeborenen geheilt hat, verleihe dir, Bruder, vollkommene Heilung von deinem Übel.“ In demselben Augenblick, als der Mann gläubig diese Worte gehört hatte, war er geheilt.

 

Nach einiger Zeit musste Athanasia nach Konstantinopel reisen, weil Theodora, die Mutter des Kaisers, ein Verlangen hatte die Heilige kennen zu lernen. Was aber von einem Weltmenschen für ein großes Glück angesehen würde, das war der heiligen Athanasia ein Kreuz. Sie hatte am kaiserlichen Hof großes Heimweh nach ihrer Einsamkeit und ihrem Kloster. Als aber ihr Wunsch in Erfüllung ging und sie zurückgekehrt war, fiel sie bald darauf in eine schwere Krankheit, an der sie auch starb.

 

Am 14. August, da ihr Ende herannahte, forderte sie die Schwestern noch auf, sie möchten morgen wegen ihres Todes in keiner Weise an der Festfeier von Mariä Himmelfahrt etwas unterlassen. Erst, wenn alle Feierlichkeiten vollständig vorüber seien, sollten sie ihrem Leichnam den letzten Dienst leisten. Hierauf entschlief Athanasia im Frieden.

 

Zwei der Klosterfrauen hatten später in der Kirche miteinander dieselbe Erscheinung. Sie sahen zwei majestätische Männer in strahlender Kleidung, die in ihrer Mitte die heilige Athanasia an den Altar führten. Dort bekleideten sie die Heilige mit einem königlichen Purpurgewand, besetzt mit Perlen und Edelsteinen, setzten ihr eine Krone auf das Haupt und gaben ihr ein Zepter in die Hand. Zugleich hörte man ein Geräusch von dem Ort her, wo Athanasia begraben lag. Als an ihrem Jahrestag Grab und Sarg geöffnet wurden, verbreitete der Leichnam den süßesten Wohlgeruch und hatte ein so gesundes Aussehen, wie wenn das Leben noch in ihm wäre; selbst die Augen hatten noch ihren Glanz. Es sind auch noch eine Anzahl von wunderbaren Heilungen aufgezeichnet, die auf vertrauensvolles Anrufen der heiligen Athanasia geschahen.

 

Der heilige Maximilian Maria Kolbe,

Ordensmann, Priester und Märtyrer,

+ 14. August 1941 in Auschwitz – Fest: 14. August

 

Vom KZ zu den Ehren der Altäre

 

Pater Maximilian starb am 14. August 1941, am Vorabend des Hochfestes der Himmelfahrt Mariä, durch Verhungern und Verdursten im KZ Auschwitz. Seinen Leichnam verbrannte man im großen Ofen des Krematoriums des Lagers und zerstreute die Aschenreste in alle Winde. Nie wird es daher Reliquien dieses modernen Märtyrers geben.

 

Mit seinem Sterben hatte es folgende Bewandtnis: Die Nazis hatten angeordnet, dass für jeden Gefangenen, der aus Auschwitz entfloh, 10 politische Gefangene als Geiseln sterben sollten. Am 30. Juli 1941 entwich ein Gefangener aus Block 14, in dem sich Pater Maximilian befand. In dieser Nacht schlief niemand in dem Zellenblock. Die ganze Nacht hindurch hörte der Priester die Beichten seiner Mitgefangenen. Am kommenden Morgen verkündete der Lagerkommandant, dass der Entflohene nicht gefunden worden sei. Alle Lagerinsassen wurden zur gewohnten Arbeit abgeschickt, nur die von Block 14 mussten bleiben, wo sie waren. Um Mittag wurde bekanntgegeben, dass der entwichene Gefangene immer noch nicht ergriffen worden sei. Der Nachmittag verging in Angst und Schrecken für die Leute von Block 14. Am Abend kehrten die anderen Gefangenen in ihre Zellen zurück. Der Mann war immer noch nicht ergriffen worden. Schließlich war das entsetzliche Warten vorbei. Der Lagerführer namens Fritsch betrat den Block 14.

 

„Der Entwichene ist nicht gefunden worden“, erklärte er. „Zehn von euch haben durch Hunger und Durst zu sterben. Das nächste Mal werden es zwanzig sein.“

 

Dann schritt er die Reihen auf und ab, studierte jedes Gesicht und traf die schicksalsschwere Entscheidung.

 

„Sie…, Sie…, Sie…, Sie…, Sie beide…, Sie…, Sie…, Sie und Sie.“ Die zehn Todeskandidaten waren ausgewählt. Pater Maximilian war nicht dabei. Da schrie einer der Verurteilten, ein junger Mann, auf: „O meine arme Frau! Meine Kinder! Was wird aus meinen vier Kindern?“

 

Pater Maximilian trat vor, um Fritsch anzureden. Der aber griff nach seiner Pistole. „Schweigen Sie! Bleiben Sie, wo sie sind! Was wollen Sie, Sie Schwein?“

 

Der Priester antwortete: „Lassen Sie mich für einen dieser Verurteilten in den Tod gehen.“ Fritsch traute seinen Ohren nicht. Eine Minute lang blickte er gedankenversunken auf Maximilian.

 

„Wer sind Sie?“

 

„Ich bin ein katholischer Priester.“

 

„An wessen Stelle wollen Sie treten?“

 

„An die Stelle von diesem“, und damit zeigte der Priester auf den Mann mit den vier Kindern.

 

„Warum?“ fragte Fritsch weiter.

 

„Weil ich alt bin (er war erst 47 Jahre alt!) und mein Leben nicht so viel Wert hat. Dieser Mann hat eine Familie!“

 

Eine Weile sagte Fritsch nichts. Dann winkte er Pater Maximilian, sich den zum Tod Verurteilten anzuschließen, während er dem Familienvater gebot, in die Reihen der anderen zurückzutreten. Das Opfer war angenommen.

 

Das alles rollte so schnell und undramatisch ab, dass die anderen Gefangenen sich dessen gar nicht recht bewusst wurden. Diejenigen, die später diese Geschichte erzählten, berichteten, dass der Franziskanerpater ganz ruhig war, als er mit den anderen neun abmarschierte.

 

In der Todeszelle nahm man den Geiseln ihre Kleider ab und überließ sie nackt dem Verhungern und Verdursten. Sie erhielten nichts zu essen und, was noch viel fürchterlicher war, nichts zu trinken. Man ließ sie allein. Was Pater Maximilian tat, um sie zum Tod vorzubereiten, muss wunderbar wirksam gewesen sein. Denn man hörte die Todeskandidaten zunächst singen und laut beten. Aber als die Tage vergingen, das Blut in ihren Adern sich vor Durst in Feuer verwandelte und ihre Lippen anschwollen, wurden ihre Stimmen zu immer schwächer werdendem Wispern. Schließlich hörte man keinen Laut mehr. Einer nach dem anderen starb in dem einsamen Schweigen.

 

Der Priester war der letzte, der in die Ewigkeit hinüberging. 14 Tage nach dem Todesurteil fand ein Aufputzer die Leiche des Paters, der auf dem Boden saß, den Kopf gegen die Wand gelehnt. Der Arbeiter, der dies öffentlich bezeugte, sagte aus, dass er nicht wie ein Toter aussah, der an Hunger und Durst gestorben war. Das war die Art, erklärte er, wie man sich den Tod eines Heiligen vorstellt. Völliger Friede lag auf seinen Zügen. Er schien zu schlafen. „Ich bin sicher, er war ein Heiliger!“ schloss der Mann.

 

Der Raum wurde für die nächsten zehn Insassen gesäubert und die Leichen in das Krematorium geschafft.

 

Selbst wenn Pater Maximilian nicht als Märtyrer gestorben wäre, wäre sein Leben denkwürdig gewesen. Er war einer der großen Presseapostel der Neuzeit. Im Jahr 1938 hatte die von ihm gegründete Zeitung „Das Kleine Journal“ eine Abonnentenzahl von 320.000 erreicht, was eine in der katholischen Presse hohe Zahl, für Polen aber geradezu phantastisch ist. Eine Muttergotteszeitschrift mit dem Titel „Der Ritter unserer Lieben Frau“ hatte 1939 eine Auflage von 1 Million. Pater Maximilian schuf sich eine Gruppe von Franziskaner-Laienbrüdern, die den Druck und Versand seiner Druckerzeugnisse besorgten.

 

Auf der Höhe seines Erfolges aber verließ er 1930 Polen und fuhr nach Japan, um dort ein neues Verlagsunternehmen zu starten. Bei einer Zugfahrt hatte er eine Gruppe japanischer Studenten getroffen und sich mit ihnen in ein Gespräch über ihr Land eingelassen. Bevor sie auseinandergingen, gab er ihnen geweihte Medaillen und empfing dafür ein paar kleine weiße Elefanten, die sie als glückbringende Zeichen bei sich trugen.

 

Die Studenten hatten einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht. Er konnte sie und ihr Land, das sie ihm beschrieben hatten, nicht vergessen. Er war fest entschlossen, dorthin zu gehen und eine katholische Presse zu schaffen. Schließlich erhielt er auch die Erlaubnis seiner Oberen dazu. Unter großen Mühen gelang ihm das Werk. Im Krieg stürzte es dann allerdings wieder zusammen.

 

Von Japan zog Pater Maximilian nach Indien. Hier hatte er nur wenig Erfolg. Aber das Werk, das er in Polen begonnen hatte, blühte. Im Jahr 1936 wurde er als Superior der Franziskaner in Niepokalonow nach Polen zurückgerufen und blieb dort, bis er von den Nazis verhaftet wurde.

 

Sein bürgerlicher Name war Raymond Kolbe gewesen. 1894 war er in der Nähe von Lodz geboren. Zusammen mit seinem Bruder Franz trat er in das Seminar der schwarzen Franziskaner ein. Der religiöse Gehorsam fiel ihm aber schwer, und er bekam ernste Zweifel über seinen Beruf, so dass er sich entschloss, wieder nach Hause zurückzukehren. Da besuchte ihn die Mutter eines Tages und sagte ihm, dass auch die jüngeren Söhne im Kloster seien und dass auch sie und der Vater in ein Kloster gehen wollten. Die Mutter ging zu den Benediktinerinnen, der Vater zu den Franziskanern in Krakau. So war es die Mutter, die Raymonds geistlichen Beruf auf diese Weise rettete. Sobald die Mutter gegangen war, begab sich Raymond zum Provinzial und bat, ihn sein Studium für das Priestertum durchführen zu lassen. Er studierte im Franziskaner-Kolleg in Rom und machte seinen philosophischen und theologischen Doktor an der Gregorianischen Universität der Jesuiten. Aber das geistliche Leben zog ihn mehr an als das akademische.

 

Eine tiefe Muttergottesverehrung war die Grundlage seines Lebens und Wirkens. Für sie gründete er zusammen mit zwei anderen polnischen Priestern und vier Italienern bald nach seiner Priesterweihe seine Sturmscharen.

 

Pater Maximilian war immer ein echter Franziskaner. Er nannte die Setzmaschinen in der Druckerei „unsere Schwester Maschine“. Ebenso bezeichnete er die Pressen, die Tinte usw. als „Bruder“ oder „Schwester“. Wie Franziskus sehnte er sich nach dem Martyrium. Er suchte es im Fernen Osten. Aber seine Erlebnisse in Japan, China und Indien waren recht friedlicher Natur. Doch die Dinge ändern sich im 20. Jahrhundert schnell, beinahe über Nacht. Europa wurde zur Zwangsfeste der Barbarei und Pater Maximilian fand, was er suchte, wenige Kilometer von seinem Geburtsort entfernt!

 

Er wird vielleicht der erste moderne europäische Märtyrer sein, der die Ehre der Altäre erreicht. Am 24. Mai 1948 wurde die Voruntersuchung für seine Seligsprechung in Padua eingeleitet. Maximilian Kolbe wurde 1971 seliggesprochen. Bei der Heiligsprechung am 10. Oktober 1982 durch den polnischen Papst Johannes Paul II. war der gerettete Franz Gajowniczek auf dem Petersplatz in Rom zugegen. So wird es vielleicht einmal sein, dass man sich Hitlers hauptsächlich deshalb erinnert, weil er für den Tod von Kindern, Frauen und Männern wie Pater Maximilian Kolbe verantwortlich ist. Erinnern wir uns nicht auch Neros vor allem deshalb, weil er sich an dem blutigen Schauspiel der Christenverfolgungen im Kolosseum ergötzte?

 

15. August

 

Das Hochfest Mariä Himmelfahrt

 

Der heilige Hyazinth Oldrowancz, Priester von Schlesien,

+ 15.8.1257 - Fest: 15. August

 

Es war im Jahr 1257, am 14. August.

 

In der Dominikanerkirche zu Krakau in Polen haben die Mönche das Chorgebet beendet. Hochfeierlich hatten sie es gestaltet als Einleitung für das Fest von Mariä Himmelfahrt am folgenden Tag.

 

Nur einer der Mönche, alt und gebrechlich, Hyazinth mit Namen, kniet noch umleuchtet von der Abendsonne, mutterseelenallein im Chorgestühl, ganz dem Gebet hingegeben.

 

Immer war Hyazinth ein eifriger Beter und ein großer Marienverehrer gewesen, aber heute, am Vortag des Hochfestes der Himmelfahrt Unserer Lieben Frau, kann er kein Ende und kein Amen finden und merkt bei all dem nicht, dass er aus dem Beten allmählich ins Träumen gerät.

 

Drüben im waldreichen Schlesien war er vor vierundsiebzig Jahren als Grafensohn geboren worden. Gleich nach der Geburt hatte ihn die Mutter der Himmelskönigin geweiht. So war er vom ersten Atemzug an ein Kind Mariens gewesen. Und die Tatsache, dass er lebenslang ein Marienkind blieb, war für ihn eine hohe Gnade und die schönste Freude des Alters. Nur zu gut wusste er, dass Mariens Schutz ihn allezeit umsorgt hatte. Allein seiner ununterbrochenen Mutter-Gottes-Verehrung schrieb er es zu, dass er sich fern der Heimat auf den Schulen in Prag und Bologna ein gutes Herz und einen frischen Sinn erhalten hatte. Auch war er davon nicht weniger überzeugt, dass es auch die Gottesmutter war, die ihm auf sein dringendes Gebet hin die Gnade vermittelt hatte, dass er Priester wurde.

 

Mitten in diesen Gedanken gehen dem alten Beter, der nicht merkt, dass es um ihn bereits Nacht geworden ist, Worte heißen Dankes über die Lippen, und dann träumt er betend weiter.

 

Mit seinem Bruder Ceslaus war er vor vierzig Jahren nach Rom gepilgert. Dort begegnete er einem Mann, einem Heiligen, so groß, wie es alle hundert Jahre nur einmal einen gibt, dem heiligen Dominikus. Ihm hatte er sich angeschlossen und war in den Dominikanerorden eingetreten, in jenen Orden, dessen Mitglieder die Verehrung der lieben Mutter Gottes besonders pflegen.

 

Nach der Heimkehr aus Italien hatte er dann den neuen Orden in Polen eingeführt und in Krakau und vielen anderen polnischen Städten Klöster gegründet. Sein Beispiel zog an und riss mit, so dass überall, wo sein Wort erklang, viele junge Menschen Geld und Gut auf die Marienaltäre des Landes opfernd niederlegten und sich ihm anschlossen.

 

Mitternacht ist längst vorüber, als Hyazinth sich diesen Erinnerungen hingibt. Immer nur dankt er der Himmelskönigin für alles, was er zu Gottes und ihrer Ehre hatte wirken dürfen, vierzig Jahre lang. Nicht zuletzt sagt der betende Träumer der Mutter Gottes in dieser Nacht vor ihrem Hochfest ein herzliches Lob dafür, dass er vierzehn Jahre lang als Missionar den Preußen und Russen und anderen Völkern bis an die Grenzen von China und Tibet das Evangelium hatte verkünden dürfen.

 

Dann hatte sich – überaus schön – jenes unvergessliche Ereignis in Kiew zugetragen. Gerade zu der Zeit, als er dort ein Kloster gründete, eroberten die grausamen Tataren mordend und brennend die Stadt. Da hatte er, Hyazinth aus dem Tabernakel den Speisekelch mit den heiligen Hostien genommen, um das Höchste Gut in Sicherheit zu bringen. Und als er mit dem Allerheiligsten vor der Brust sich entfernen wollte, war das Marienbild auf dem Liebfrauenaltar lebendig geworden und hatte ihm zugerufen: „Nimm mich mit!“ Nur zu gerne war er dem Wunsch nachgekommen. Mit dem Kelch in der rechten und dem Muttergottesbild in der linken Hand war er ungehindert durch die Feinde hindurch gegangen, und nicht ein Haar war ihm gekrümmt worden.

 

Immer wieder dankt bei diesen Erinnerungen der träumende Beter mit liebendem Sinn der Königin seines Herzens für alle Hilfe und allen Schutz, die ihm lebenslang von ihr geschenkt wurden. Immer wieder dankt Hyazinth, aber auf einmal weicht die Nacht, die ihn umgibt, einem hellen Licht. Engel mit siebenfarbigen Flügeln ziehen ohne Zahl heran. Die Himmelskönigin, leuchtend wie die Sonne, ist in ihrem Gefolge. Mit liebem Lächeln nähert sich Maria dem Betenden und winkt ihm lieb und sagt:

 

„Komm, du hast mich damals mitgenommen, und du hast mich durch dein ganzes Leben getragen, dafür nehme ich dich heute mit bei meiner Himmelfahrt.“

 

So spricht die Gottesmutter, und während die Engel himmelschön das Salve Regina anstimmen, zieht Hyazinth ein ins Paradies.

 

Der heilige Altfried, Bischof und Bekenner von Hildesheim,

+ 15.8.874 – Fest: 15. August

 

Es lag im Plan Karls des Großen, auch den Ostfalen ein eigenes Bistum zu geben, um auch in diesem Landesteil dem Christentum festen Halt zu sichern, und er wählte zum Sitz des Bischofs die kaiserliche Hofstadt Aulica (jetzt Elze) und begann dort den Bau einer Kirche zu Ehren des Apostelfürsten Petrus. Aber schon im Jahr 818 wählte Ludwig der Fromme, der auf der Jagd in der Gegend von Hildesheim die Heilige Messe hörte und sein Reliquiengefäß an einem Rosenstock aufgehängt hatte, jedoch wunderbarerweise nicht wieder ablösen konnte, diesen Platz zur Errichtung eines Bistums, und berief zum ersten Bischof von Hildesheim aus Rheims den gelehrten Gunthar, der 835 starb. Der vierte Bischof von Hildesheim war der heilige Altfried.

 

Altfried stammte aus einer berühmten Adelsfamilie Westfalens und ererbte von seinem Vater bedeutende Güter bei Essen an der Ruhr. Er trat in das berühmte Kloster Corvey an der Weser und wurde wegen seiner glänzenden Tugenden im Jahr 847 zum Bischof von Hildesheim erwählt. Seine beiden väterlichen Höfe zu Saligenstadt und Essen schenkte er seiner Kirche und bildete aus Saligenstadt eine Mönchsabtei, aus Essen eine Abtei für Frauen.

 

Auf den Rat des Bischofs Altfried ging der sächsische Herzog Liutolf (Ludolf) mit seiner Gemahlin Oda nach Rom und erhielt von Papst Sergius II. Reliquien der Päpste Anastasius und Innocenz für das Kloster, das sie zu gründen im Begriff standen. Als sie glücklich heimgekehrt waren, errichteten sie im Jahr 852 auf ihrem Besitztum zu Brunistenhusen, (später Brunshausen) ein Nonnenkloster. Ihre Tochter Hathumoda, die in dem blühenden Nonneninstitut zu Heriford ausgebildet war und wegen ihrer außerordentlichen Frömmigkeit und Unschuld mehr dem Himmel als der Erde anzugehören schien, nahm den klösterlichen Schleier und wurde hierauf Äbtissin des neuen Klosters.

 

Vier Jahre später (856) begannen Liutolf und Oda unter Zutun des Bischofs Altfried an einem gelegeneren Ort den Bau eines neuen Tempels und Klosters, das von dem nahegelegenen Fluss Ganda Gandersheim genannt wurde. Während des Baus musste Hathumoda, die unter der Leitung ihrer frommen und verständigen Mutter Oda der Abtei vorstand, samt ihren zwei Schwestern Gerberga und Christina, die sich gleichfalls dem Nonnenstand geweiht hatten, im älteren Kloster verbleiben, und starb vor Vollendung des neuen Klosters im Dienst der Liebe bei Pestkranken im Jahr 874 im Ruf der Heiligkeit.

 

Als der Bischof Altfried die Gandersheimer Kirche zu bauen begann, schenkte er ihr den Zehnten von seinen eigenen Einkünften und sorgte mit väterlicher Liebe für den späteren Unterhalt der Dienerinnen Christi. Darauf veranstaltete er mit seinen Geistlichen ein dreitägiges Fasten und bestürmte den Himmel mit Gebeten, Gott möge ihm in der Stadt Hildesheim einen Platz zeigen, der würdig wäre, um dort zu Ehren des Mittlers zwischen Gott und den Menschen und seiner heiligen Mutter eine Kirche zu erbauen. In der Morgenfrühe des vierten Tages war ein Platz derart mit Reif bedeckt, als ob ein Künstler die Grenzen zu den Fundamenten des neuen Domes gezeichnet hätte. Außerdem wurde dem Oberhirten in der letzten Nacht der Fasten offenbart, er soll in der Krypta der von Ludwig dem Frommen erbauten Kapelle zwei Altäre einweihen, den einen zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers, den anderen zu Ehren des heiligen Erzmärtyrers Stephanus. Hocherfreut über diese himmlische Begnadigung, legte der fromme Oberhirte der göttlichen Weisung folgend das Fundament und baute einen prächtigen, starken und hohen Dom. Am 1. November 871 weihte Altfried unter der Beihilfe der Bischöfe Rembert von Bremen, Liuthard von Paderborn und Theodorich, sowie des Abtes Adalgar von Corvey, das herrliche Marienkloster in Hildesheim unter dem Titel der heiligen Märtyrer Cosmas und Damianus, Tiburtius und Valerian und der heiligen Jungfrau Cäcilia feierlich ein.

 

Am 15. August 874 ging der hochbetagte und verdienstreiche Bischof Altfried zu der Gesellschaft der Heiligen und wurde in der Kirche zu Essen, die er selbst erbaut und eingeweiht hatte, begraben. Wie dortige Aufzeichnungen bekunden, ereigneten sich an seinem Grab viele wunderbare Heillungen.

 

Wegen seiner Klugheit und Heiligkeit stand Altfried beim Kaiser Ludwig in so hoher Gnade, dass er viermal als Gesandter und Schiedsrichter zu seinen Söhnen geschickt wurde. Seine Zeitgenossen hielten ihn wegen seiner vorzüglichen Tugenden aller Verehrung wert.

 

Der heilige Tharzisius, Akolyth und Martyrer von Rom,

+ 15.8.257 - Fest: 15. August

 

Papst Zephyrinus war der vierzehnte Nachfolger des heiligen Petrus und starb als Martyrer im Jahr 217. Als man später sein Grab wiederfand, stellte es sich heraus, dass sich darin außer den Reliquien des heiligen Papstes noch andere Überreste befanden. Nach den Knochen zu urteilen, mussten sie von einem Jungen stammen, der, wie die Inschrift auf der marmornen Grabplatte angab, Tharzisius hieß.

 

Es war das Jahr 258 nach Christi Geburt. In Rom regierte Valerian, der in der Reihe der Christenverfolger auf dem römischen Kaiserthron an achter Stelle steht. Den Christen ist jeglicher Gottesdienst unter schweren Geld- und Freiheitsstrafen untersagt. Bischöfe und Priester macht man, sobald man sie erwischt, sogleich einen Kopf kürzer. Wieder fließt Martyrerblut in Menge.

 

Am 5. August 258 verlieren zwei Christen, deren Namen wir nicht kennen, für ihren Glauben das Leben. Als am Tag darauf über ihrem frischen Grab in den Katakomben der Bischof von Rom die heilige Messe feiert, da überraschen zum Schluss laut lärmend die Häscher des Kaisers die kleine Schar der Christen. Papst Sixtus II. und die beiden Diakone Felizissimus und Agapitus, die bei ihm sind, werden auf der Stelle am Altar getötet. Und schon vier Tage später wird ein weiterer Christ Martyrer, der heilige Diakon Laurentius, der auf einem glühenden Rost zu Tode gebraten wird.

 

Aber dann kam der 15. August 258, der Tag, an dem man der Himmelfahrt der Gottesmutter Maria gedenkt. Trotz der Gefahr hat sich in einer der Katakomben des unterirdischen Rom eine Handvoll mutiger Christen versammelt. Sie hatten sich um einen alten ehrwürdigen Priester geschart, der die heilige Messe feiert und die Gläubigen mit der heiligen Kommunion speist und stärkt. Als die Feier beendet ist, beraten die Anwesenden, wer aus ihrer Mitte den Christen im Gefängnis, die auf die Hinrichtung warten, die heilige Kommunion bringen soll. Der alte Priester will es tun, selbstverständlich, denn er ist doch Priester. Und schon lange sehnt er sich danach, den Martertod zu sterben, um zu Christus ins ewige Leben zu gelangen. Doch dem widersetzten sich die übrigen. Zu viele Priester sind bereits ein Opfer der Verfolgung geworden, und man muss vorsichtig sein, damit die Gemeinde nicht bald ohne alle Priester ist. Nein, der Alte kommt überhaupt nicht in Frage.

 

Aber da meldet sich ein Zwölfjähriger, Tharzisius, einer von den Messdienern. Er will es tun. Wegen seines jungen Alters sei er von allen wohl derjenige, der am wenigsten Verdacht erregt. Übrigens, so sagt er den anderen, kennt er einen Gefangenenwärter ganz gut, und es würde ihm leicht fallen, durch die Kerkertüren bis zu den Christen durchzudringen. Sollte ihm etwas zustoßen, so dürften alle sicher sein, dass er eher sterben als die heiligen Geheimnisse hergeben wolle.

 

So spricht der mutige Junge, kühn und tapfer, und es geschah, wie er es sich gewünscht hat. In einer silbernen Kapsel, die umwickelt ist in ein weißes Leinentuch, übergibt der Priester dem Messdiener das Höchste Gut. Er bekommt den ehrenvollen Auftrag, die heilige Kommunion den Christen im Kerker zu überbringen. Gleich macht sich der Zwölfjährige auf den gefahrvollen Weg.

 

Tharzisius hat den Auftrag aber nicht ausführen können. Auf dem Weg in das Gefängnis wurde er von einer Klicke kampflustiger Jungen umringt. Er wurde von ihnen als Christ erkannt und mit Stöcken und Steinen totgeschlagen.

 

Gleich nach der grausigen Tat fand ein Christ den kleinen Helden und brachte ihn in Sicherheit. Als man den Leichnam untersuchte, stellte es sich heraus, dass die verkrampfte Hand des Toten fest die Silberkapsel mit dem Allerheiligsten umschloss. Tharzisius hatte sein Wort wahr gemacht, dass er eher das Leben lassen als die heiligen Geheimnisse hergeben werde.

 

So starb Tharzisius, weil er tapfer und treu zu Jesus Christus stand. Der heilige Tharzisius ist der Patron der Messdiener (Ministranten).

 

Der heilige Stanislaus Kostka von Polen, Novize SJ,

+ in Rom 15.8.1568 – Fest: 15. August und 13. November im Jesuitenorden

 

Wie schön und anmutvoll erscheint eine Lilie, die vom Tau des Himmels befeuchtet und von der Morgensonne beschienen, ihren Glanz und süßen Duft ausgießt. Aber noch schöner ist eine jugendliche Seele, die, mit himmlischer Gnade erfüllt, von Tag zu Tag sich herrlicher entfaltet in Tugend und Gottesfurcht. Eine solche prächtige Blume im Garten Gottes war der heilige Stanislaus, der am 28. Oktober 1550 zu Kostka in Polen das Licht der Welt erblickte. Sein Vater, Johannes Kostka, und seine fromme Mutter, Margareta Kriska, stammten aus einem alten Adelsgeschlecht. Der kleine Stanislaus wuchs in Unschuld und frommen Übungen heran und hatte eine solche zarte Schamhaftigkeit, dass er in Ohnmacht fiel, wenn er ein unkeusches Wort hörte.

 

Im Jahr 1564 kam Stanislaus mit seinem älteren Bruder Paul ins Konvikt der Jesuiten nach Wien, um sich weiter auszubilden, und zeichnete sich durch Eifer im Gebet und Studium, durch seine Zurückhaltung und Unschuld so sehr aus, dass ihn alle seine adeligen Mitschüler lieb gewannen. Doch schon nach zwei Jahren wurde das Konvikt vom Kaiser aufgehoben, und Stanislaus musste mit seinem Bruder Paul aus Mangel an Platz in einem lutherischen Haus Kost und Wohnung nehmen. Der fromme junge Mann widmete alle seine Zeit dem Studium und Gebet, fastete viel und suchte seine einzige Erholung im Besuch des Allerheiligsten in der Jesuitenkirche und im Preis der Himmelskönigin.

 

Die Demut und Zurückhaltung, die Enthaltsamkeit und Schweigsamkeit, die allsonntäglichen Beichten und Kommunionen seines jüngeren Bruders waren dem adelstolzen, genusssüchtigen Paul ein Dorn im Auge. Unaufhörlich quälte und beschimpfte und verhöhnte er ihn, schlug ihn und trat ihn mit Füßen. Auch sein Hofmeister tadelte ihn als Betbruder, der weniger auf feine, adelige Manieren achte, als auf seinen schwärmerischen Hang zu frommen Übungen. Stanislaus ertrug alle Unbilden mit himmlischer Geduld, aber mehr und mehr stieg in ihm der Wunsch auf, der Welt gänzlich zu entsagen und in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Er teilte deshalb seinem frommen Beichtvater seinen Entschluss mit und bat den Ordensprovinzial Laurentius Magnus um Aufnahme in den Jesuitenorden. Es wurde ihm die Aufnahme unter der Bedingung gewährt, dass seine Eltern einwilligten, aber auf diese durfte er nicht rechnen.

 

Infolge der Fasten, Nachtwachen und ständigen Quälereien durch seinen Bruder, ergriff ihn im Jahr 1566 eine tödliche Krankheit. Stanislaus verlangte sehnlichst nach den heiligen Sterbesakramenten, aber weder der protestantische Hausherr, noch sein Bruder und Hofmeister ließen sich bewegen, sein Begehren zu erfüllen. Im tiefsten Seelenschmerz flehte Stanislaus zur heiligen Barbara, sie möge ihm die Gnade des heiligen Sakramentes verschaffen. Seine Bitte wurde erhört. Um Mitternacht erschien ihm die heilige Barbara, begleitet von zwei Engeln, die ihm die heilige Kommunion reichten. Bald darauf erschien ihm die Mutter Gottes, legte das Jesuskind in seine Arme, tröstete ihn und mahnte ihn, in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Welche Freude mochte das Herz des frommen jungen Mannes in jener seligen Stunde bewegen.

 

Bald genas Stanislaus von seiner schweren Krankheit und begehrte Aufnahme in den Jesuitenorden. Der Provinzial verweigerte ihm aber die Aufnahme, bis er die Genehmigung seiner Eltern eingeholt habe. Darauf riet ihm ein frommer Priester, den Provinzial von Oberdeutschland, Petrus Canisius, oder den Ordensgeneral Franz Borgias in Rom zu Rate zu ziehen. Stanislaus sah diesen Rat als einen Wink vom Himmel an. Als ihn sein Bruder wieder hart behandelte, sprach er zu ihm: „Du zwingst mich, Bruder, dass ich dir entlaufe, und du wirst es bei unseren Eltern zu verantworten haben.“ Hierauf legte er seine Kleider ab, hüllte sich in ein Bettlergewand, hörte noch die Heilige Messe und begab sich auf die Reise mit dem festen Vorsatz, niemals zurückzukehren, und sein Brot so lange zu erbetteln, bis er Aufnahme in den Jesuitenorden gefunden hätte. Nach einigen Stunden jagten sein Bruder, der Hofmeister und Hauswirt ihm nach, holten ihn ein, erkannten ihn aber nicht. Stanislaus kam wohlbehalten nach Augsburg und da er den heiligen Petrus Canisius dort nicht fand, eilte er zu ihm nach Dillingen.

 

Um seinen Beruf zum Ordensleben zu prüfen, befahl ihm der Ordensobere, die Hausarbeiten im dortigen Kolleg zu verrichten und freudig verrichtete der Noviz die niedrigsten Dienste. Nach kurzer Zeit schickte ihn Petrus Canisius mit zwei Jesuiten und Empfehlungsschreiben nach Rom zum Ordensgeneral Franz Borgias. Am 28. Oktober 1567 trat Stanislaus in das Noviziat. Wer kann die unendliche Freude beschreiben, die jetzt das Herz des frommen jungen Mannes bewegte? Sein Vater schrieb ihm Briefe voll der härtesten Vorwürfe, er beantwortete sie mit kindlicher Ehrfurcht und bewunderungswürdiger Weisheit, zog aber den Willen Gottes jedem anderen Willen vor.

 

Als Noviz lebte Stanislaus wie ein Heiliger, himmlischer Friede lag in seinem Antlitz, Engelsunschuld strahlte aus seinen Augen, seine Demut, sein Gehorsam, sein Gebetseifer, seine kindliche Fröhlichkeit erregten die Bewunderung aller. In der Anbetung des heiligsten Sakramentes und bei der heiligen Kommunion genoss er ein solches Übermaß von Wonne, dass er oft in Verzückung geriet und einem Engel des Himmels glich. Seine Liebe und Verehrung zur Himmelskönigin kannte keine Grenzen, denn ihr verdankte er seinen Eintritt in den Orden. Den Rosenkranz legte er nicht aus den Händen und in seine Unterredungen flocht er immer das Lob Mariens. Sein ganzes Leben war ein fortgesetztes Gebet, eine strenge Bußübung und ein unermüdliches Ringen nach Vollkommenheit, ein inniges Sehnen nach dem Himmel.

 

Im ersten Jahr seines Noviziats und in den ersten Tagen des Monats August unterredete sich Stanislaus mit dem Pater Emanuel und rief in heiliger Entzückung aus: „O mein Vater! Welch ein seliger Tag war es für die Heiligen, als die allerseligste Jungfrau in den Himmel aufgenommen wurde. Ich bin überzeugt, dass sie alle Jahre, so wie wir, durch ein besonderes Jubelfest dieses Andenken erneuern und ich hoffe zuversichtlich, der ersten Feierlichkeit, die sie wieder begehen werden, beiwohnen zu können.“ Niemand dachte an die Erfüllung dieser Vorhersage. Er aber schrieb am Fest des heiligen Laurentius nach der heiligen Kommunion einen Brief an die Himmelskönigin, in dem er sie innig bat, ihn aus diesem Tal der Tränen hinweg zunehmen und an ihrer Himmelsfreude teilnehmen zu lassen, und er legte diesen Brief auf seine Brust. Schon am Abend fühlte er sich krank und sagte: „Ich werde von meinem Bett nicht mehr aufstehen.“ Am 14. August empfing er freudestrahlend die heilige Wegzehrung und letzte Ölung, brachte einige Zeit im Gebet zu und küsste mit inniger Zärtlichkeit das Bildnis der Mutter Gottes. Hierauf begehrte er ein Kruzifix, hielt es fest in der Hand, dankte dem Heiland für alle Gnaden, die er je in seinem Leben empfangen hatte, und küsste mit heiliger Inbrunst die fünf Wunden. Gefragt, ob er zum Sterben bereit sei, rief er aus: „Bereit ist mein Herz, o Gott, bereit ist mein Herz.“ Jetzt erschien ihm die Himmelskönigin mit einer großen Schar heiliger Jungfrauen, und den Namen Jesu und Maria auf den Lippen hauchte er seine reine Seele aus im Frührot des 15. August 1568, im achtzehnten Lebensjahr.

 

Papst Klemens VIII. sprach ihn selig, Papst Benedikt XIII. nahm ihn zugleich mit dem heiligen Aloysius im Jahr 1726 in das Verzeichnis der Heiligen auf. Viele Wunder verherrlichten sein Grab.

 

16. August

 

Der heilige Rochus von Montpellier,

+ 16.8.1327 (1379) - Fest: 16. August

 

Das gottselige Leben ist vielfältig und wird unterschiedlich bekannt. Aber am liebsten kleidet es sich in das Gewand der Demut und der Selbstverleugnung und der Liebe. Davon erzählt auch das Leben des heiligen Rochus, der im 14. Jahrhundert lebte und starb. Er stammte aus vornehmer Familie aus Montpellier in Frankreich. Für seine Mutter Liberia war er die Frucht ihrer Gebete. So erzog sie ihn in aller Furcht und Zucht des Herrn, in der freudigen Hoffnung, Rochus werde ein Heiliger werden, weil er, mit einem roten Kreuz auf dem Bauch bezeichnet, zur Welt kam. Von seiner Jugend ist nur wenig bekannt, aber aus dem folgenden Leben zu ersehen, muss es mit außerordentlicher Gottesfurcht abgelaufen sein. Im 20. Lebensjahr verlor er seine Eltern und kam so in den Besitz reichlicher Güter. Die Verwaltung seiner Besitztümer übertrug er dem Bruder seines Vaters, verkaufte von ihnen, was er nur konnte oder durfte, gab den Erlös heimlich an die Armen weiter, zog ein armes Pilgerkleid an und reiste nach Italien, um die Gräber der heiligen Apostelfürsten zu besuchen, wozu ihn sein Andachtseifer antrieb. Als er nach Aquapendente in der Toskana kam, wütete dort heftig die Pest und raffte viele Menschen hinweg. Dies gab ihm Anlass, seinen heiligen Eifer zum Dienst der Liebe auf die Probe zu stellen und anzuwenden. Der Fürstensohn ging ins Spital, bediente die Pestkranken, schaffte das Nötige für sie an, betete mit den Kranken in aller Liebe, Demut und Geduld. Das gleiche tat er später in Rom und Piazenza, so dass er einige Jahre in solchem Dienst der Liebe zubrachte. Am letzten Ort ließ Gott eine schwere Prüfung über seinen treuen Knecht kommen, um die Lauterkeit seiner Gesinnung zu bewähren und die Größe und Macht heiliger Liebe zu zeigen, die in dieser Welt auf keine Belohnung hoffen kann, sondern sogar im Undank und Misshandlung dieselbe bleibt. Der freiwillige und uneigennützige Krankenpfleger wurde hier selbst krank und fand für sich nicht nur keine helfende Hand, sondern konnte nicht einmal unter dem Dach des Hauses bleiben. Mühsam und schmerzlich schleppte er, von aller Menschheit verlassen, seinen kranken Leib in einen Wald, weg von den Menschen, hin zu den Tieren, die zum Beweis der unendlichen Vatergüte ihm dienten. Der liebe Gott hatte aber weder seinen Diener noch die Sorge für ihn vergessen. Er bediente sich, zur Beschämung der hartherzigen Menschen, eines Hundes, wie die alten Gemälde des Heiligen zeigen, durch den er dem kranken verlassenen Rochus täglich ein Stücklein Brot zukommen ließ. So wurde der Heilige ohne Zutun der Menschen von Gott erhalten, bis der Eigentümer auf sein Tier aufmerksam wurde und den armen Kranken entdeckte, was auch dem Edelmann zu seiner Bekehrung diente. Später verließ der Heilige nach wieder erlangter Gesundheit Italien und kehrte im ärmlichen Pilgerrock in seine Heimat zurück. Aber auch da trafen den Heiligen neue Leiden. Seine Demut und großmütige Liebe, deren Anfang und Ende dem Himmel gehört, sollten im Leben hier und bei seinen Lebzeiten weder Ruhe noch Trost in und von der Welt genießen, denn die wahre Gottseligkeit errötet vor allem Beifall der Welt und vollendet sich im verborgenen Leben. Bei der Rückkehr des Heiligen in seine Heimat war Krieg im Land. Er wurde als Spion betrachtet, verhaftet, vor den Stadtrichter (seinen Onkel) geführt, in den Kerker gesperrt und dort vergessen bis zu seinem Tod. Der Heilige hatte weder auf seiner Pilgerreise, noch bei den Kranken, und auch jetzt zu Hause nicht seinen Namen und seine hohe Herkunft zu erkennen gegeben. Unerkannt von Menschen wollte er nur in Gott leben. Hier im Kerker war es ihm Seelentrost, von Menschen, ja von seiner Familie vergessen und verborgen zu sein, das arme Leben Jesu, des Sohnes Gottes, in Armut, in Selbstverleugnung und in Schmach zu teilen, und unterdessen in Gebet und Betrachtung sich den Chören des Himmels anzuschließen und einen Vorgeschmack des Himmels zu erfahren. Nach fünfjähriger Gefangenschaft nahm ihn Gott nach Empfang der heiligen Sakramente zu sich und krönte den Demütigen. Bei seinem Tod soll heller Glanz im Kerker und eine Tafel mit der Inschrift „Rochus, ein Fürbitter gegen die Pest“ gesehen worden sein. Sein Leichenbegängnis war herrlich, die ganze Stadt nahm Anteil. Seine Verwandtschaft, die den Irrtum gegen ihn erkannt hatte, verherrlichte sein Andenken mit einem schönen Grabmal und Kirche, und noch während seinen Lebzeiten verdankte dem Heiligen Italien die Rettung von der Pest, so auch nach seinem Tod seine Vaterstadt. Ebenso wurde auch Konstanz im Jahr 1414 zur Zeit des Konzils von der Pest heimgesucht und davon befreit, als auf Anordnung der versammelten Bischöfe eine Prozession gehalten, sein Bild umhergetragen und das Land in seiner traurigen Lage der Fürbitte des Heiligen empfohlen wurde. Seine heiligen Überreste werden, wie einige sagen, in Venedig und nach Aussage anderer in Arles und von da aus an mehreren Orten aufbewahrt.

 

Der heilige Arnulf, Bischof und Bekenner von Metz,

+ 16.8.641 (18. Juli: Übertragung seiner Reliquien) – Fest: 16. August oder 18. Juli

 

Der heilige Arnulf hat sich einen ausgezeichneten Ruf erworben als tüchtiger Staatsmann, als heiliger Bischof und als demütiger Einsiedler. Als junger Mann wurde er in dem fränkischen Reich Austrasien (östlicher Teil des Frankenreiches) für den Hofdienst erzogen und zeichnete sich durch wissenschaftliche Bildung, Geschäftsgewandtheit und Zuverlässigkeit vorteilhaft aus, dass er, kaum zum Mannesalter herangereift, im Anfang des 7. Jahrhunderts unter dem merowingischen König Theodebert II. die Würde eines Hausmeiers (Major domus) in Austrasien erhielt und in dieser Eigenschaft nebst Pipinvon Landen an der Spitze der Staats- und Militärgewalt stand. Sein Sohn Ansegisel vermählte sich mit Pipins Tochter, der heiligen Begga. Aus dieser Ehe stammte Pipin von Heristal, der Urgroßvater Karls des Großen. Als durch den neustrischen König Chlotar die hochbejahrte Brunhilde, die für ihre Enkel und Urenkel die Regierung in Austrasien geführt hatte, gestürzt war, wurde Arnulf nebst Pipin Hauptratgeber des neuen Königs.

 

Mitten in seiner umsichtigen Wirksamkeit als erster Beamter des Reiches wurde er im Jahr 614 von der Geistlichkeit und dem Volk zum Bischof von Metz erwählt, und konnte den dringenden Bitten, die Wahl anzunehmen, nicht widerstehen. Damit er in den geistlichen Stand treten konnte, ging seine Gemahlin Doda in ein Kloster zu Trier. Aber auch als Bischof blieb Arnulf unter Chlotar II. und Dagobert dem Großen, dessen Erzieher er war, fortwährend neben Pipin von Landen und dem heiligen Bischof Cunibert von Köln Ratgeber und Minister am königlichen Hof. Arnulf verstand es besonders, durch sein Ansehen jede Friedensstörung zwischen Vater und Sohn zu beseitigen.

 

In seiner hohen Stellung als Staatslenker und Bischof fand sich Arnulf nicht glücklich, er sehnte sich nach dem klösterlichen und beschaulichen Leben, und bat den König dringend, ihn seiner Ämter und Würden zu entheben. Aber weder Chlotar noch Dagobert wollten den weisen Ratgeber entbehren und hielten ihn mit Gewalt am Hof zurück. Nach Chlotars Tod gelang es endlich durch die Vermittlung der Königin, die Zustimmung Dagoberts zum Rücktritt des Bischofs zu erlangen. Arnulf begab sich in ein einsames Tal in der Nähe des Klosters Remiremont in den Vogesen, wo sich sein Freund Romarich schon lange dem beschaulichen Leben gewidmet hatte, und starb hier selig im Herrn am 16. August 641.

 

17. August

 

Die heiligen Liberatus (Abt),

Bonifacius (Diakon),

Servus und Rusticus (Subdiakone),

Rogatus und Septimus (Mönche) und Maximus (ein Junge),

Martyrer zu Karthago, „die heiligen Sieben“,

+ 483 - Fest: 17. August

 

Hunerich, der König der Vandalen in Afrika, ein grimmiger Schildhalter der arianischen Ketzerei, bedrückte, aufgehetzt von Cyrilla und anderen irrgläubigen Bischöfen, die Katholiken auf alle mögliche Weise und erließ im 7. Jahr seiner Regierung neun Mandate gegen sie, durch die er seine Gewalttätigkeiten verdoppelte. Die glaubenstreuen Oberhirten wurden in die Wüsten Afrikas verbannt, wo man ihnen zur Nahrung faules Korn, und bald auch dieses nicht einmal mehr, reichte. Weiter gebot er, dass alle Klöster der Katholiken zerstört werden sollten. Eines dieser heiligen Häuser stand bei Capse in Byzacene, vor allen anderen bekannt wegen des glühenden Eifers seiner Bewohner. Sie waren sieben an der Zahl, und Liberatus stand der kleinen Gemeinde als Abt vor. Man führte diese Schlachtopfer des Religionshasses nach Karthago und suchte sie daselbst teils durch Versprechungen, teils durch Drohungen zum Abfall zu bringen. Sie aber blieben unerschütterlich im Bekenntnis der allerheiligsten Dreieinigkeit, worauf man sie ankettete und in einen finsteren Kerker warf. Nach einiger Zeit fasste der König, um den Katholiken in der Stadt noch größeren Schrecken einzuflößen, den Entschluss, die Diener Gottes hinrichten zu lassen, und befahl, ein altes Schiff, das seit Jahren dienstuntauglich im Hafen lag, mit dürrem Reisig zu füllen und dann die sieben Ordensmänner an Bord desselben zu verbrennen. Noch im letzten Augenblick machten die Arianer den Versuch, Maximus, den Jüngsten der Schar, der noch im jugendlichen Alter stand, abwendig zu machen. Er antwortete mit dem Mut eines Mannes: „Nichts soll mich von meinem Abt und meinen Brüdern trennen! Ich wurde in ihrem Kloster erzogen und habe mit ihnen gelebt und gebüßt. Jetzt will ich auch mit ihnen sterben.“ Als die Martyrer das Schiff bestiegen hatten, band man sie auf das Holz und wollte es in Flammen setzen. Aber sooft man Feuer anlegte, erlosch es wieder. Da fing das am Ufer stehende Volk an, die Ohnmacht der Henker zu verhöhnen, und der König, wütend über diese Schmach, ließ nun die Bekenner mit Ruderbäumen erschlagen. Man setzt den Martertod der heiligen Sieben in das Jahr 483.

 

18. August

 

Die heilige Helena, römische Kaiserin, lebte lange in Trier,

+ 18.8.328 - Fest: 18. August

 

Es lebte einmal vor vielen hundert Jahren ein Mädchen, das Helena hieß und so arm war, dass es sich von Wasser und Brot und Hafergrütze ernähren musste. Helena war aber außergewöhnlich schön. Eines Tages kam ein vornehmer Reitersmann, verliebte sich in das Mädchen, heiratete es ziemlich schnell, und die beiden wurden sehr, sehr glücklich.

 

Die Geschichte klingt wie ein Märchen und ist doch kein Märchen, sondern wirklich wahr. Konstantius hieß der Reitersmann, der damals, als er das Dienstmädchen Helena heiratete, ein fähiger und hochangesehener General war. In der folgenden Zeit begleitete die schöne Gattin ihren Gemahl auf allen Kriegszügen und kam weit in der Welt herum. Auch schenkte Helena ihrem Mann einen Sohn, den sie Konstantin nannten. Von dem Tag an war das Glück der beiden vollkommen. Dazu stieg Konstantius auch in der beruflichen Laufbahn immer höher. Er wurde Generalfeldmarschall. Und zuletzt erhob ihn der Kaiser in Rom zu seinem Mitregenten mit dem Sitz in Trier, von wo er den ganzen Westen und Norden des gewaltigen Römerreiches regieren sollte. Da entstand in Trier, nicht weit vom Ufer der schönen Mosel entfernt, ein wirklich prachtvolles Schloss. Und darin lebte als Herrin und Hausfrau die ehemalige Dienstmagd Helena, die sich in der Jugend von Wasser und Brot und Hafergrütze ernähren musste.

 

Nach dem Sprichwort ist indessen kein Glück so groß, dass es nicht trägt ein Unglück im Schoss. Das sollte auch Helena erfahren. Ihr Mann wurde nämlich so machthungrig, dass es ihn nach der Kaiserkrone gelüstete. Da allerdings stand ihm seine nicht standesgemäße Gattin im Weg. Zwar liebte Konstantius Helena von ganzem Herzen, mehr aber noch galten in seinen Augen Kaiserglanz und Kaiserpracht. Und so verstieß er die rechtmäßige Gattin, um die Stieftochter des regierenden Kaisers zu heiraten. Zum Verständnis muss gesagt werden, dass Konstantius kein Christ war, ebenso wie Helena, die erst später Christin wurde.

 

Für Helena war das ganze natürlich ein Sturz aus steiler Höhe. Übergroß war ihr Leid. Konstantius indes wurde wirklich Kaiser, aber fern von ihm träumte und trauerte Helena dem verlorenen Glück nach. Sie war Witwe geworden, ohne Witwe zu sein. Es waren ganz bittere Zeiten für die Arme, der alle Tage, die kamen und gingen, die Tränen flossen, vierzehn Jahre lang. Dann starb Konstantius, und Konstantin wurde Kaiser. Da wendete sich wieder einmal ein Blatt in Helenas Leben. Eine neue Seite wurde aufgeschlagen, auf der mit goldenen Buchstaben geschrieben steht, dass Konstantin ein guter Sohn war, der die Mutter in den Glanz und die Pracht des Hofes zurückrief. Er verlieh ihr den Titel „Kaiserin“, ließ Münzen mit ihrem Bild prägen und umhegte und umsorgte sie, wie immer nur ein gutes Kind seine Mutter ehren kann.

 

Im Jahr 312 wurde schließlich noch einmal eine neue Seite in Helenas Leben aufgeschlagen, die schönste von allen. Kaiser Konstantin bekehrte sich zum Christentum. Seine Mutter empfing die heilige Taufe und entwickelte sich, durch das Leid und die Erfahrung des Lebens, zu einer vorbildlichen Christin. Sie führte ein heiliges Leben und Gott verlängerte ihre Lebenszeit, damit sie, die als erste Kaiserin dem gekreuzigten Jesus Christus die Ehre gab, durch ihren Glauben der Welt ein Beispiel vorlebe. Mit fürstlicher Freigebigkeit gab Helena den Armen mit vollen Händen, um deren Not zu lindern. In dem ehemaligen Schloss in Trier, in dem sie die glücklichste Zeit ihres Lebens verbrachte, ließ sie eine Kirche einrichten, aus der sich später der heutige Dom entwickelte. So ist es zu verstehen, dass man gerade in Trier das Fest der heiligen Helena am 18. August besonders feierlich begeht. In Köln entstand auf Helenas Betreiben und mit ihrer Hilfe die Kirche zum heiligen Gereon, in Bonn die heutige Stiftskirche, in Xanten am Niederrhein der herrliche Dom zum heiligen Viktor und in Rom das Gotteshaus zum Heiligen Kreuz.

 

Doch all das war der eifrigen heiligen Kaiserin noch nicht genug. Mit achtzig Jahren wallfahrtete sie nach Palästina, um dort die Heiligen Stätten zu verehren, wo der Erlöser lebte, litt und starb. Damals entdeckte sie das verlorengegangene Kreuz des Herrn. Auch in Jerusalem, auf dem Ölberg und in Bethlehem ließ die freigebige Kaiserin aus Liebe zu Jesus Christus neue Gotteshäuser erbauen. Dann kehrte die alte Frau heim zu ihrem großen Sohn, dem Kaiser Konstantin, und starb hochbetagt eines seligen Todes, um im Gedächtnis der Christenheit für immer weiterzuleben.

 

19. August

 

Der heilige Johannes Babt. Eudes,

Priester und Ordensstifter in Frankreich,

+ 19.8.1680 - Fest: 19. August

 

Selten kommt ein neuer Heiliger in den Kalender, und wenn es der Fall ist, so handelt es sich um einen Heiligen, der gerade der gegenwärtigen Zeit etwas zu sagen hat. Auch bei dem Tagesheiligen trifft das zu, denn obwohl er bereits im Jahr 1680 starb, wurde er erst 1925 heiliggesprochen und kam bald danach auch in das Messbuch hinein. Was er also den Menschen des 20. Jahrhunderts zu sagen hat, muss in der heutigen Legende dargestellt werden.

 

Weil der Tagesheilige ein Franzose war, wird sein Name anders ausgesprochen, als man ihn schreibt, denn man schreibt Eudes und sagt Öd. Leider weiß man nicht viel aus der Kindheit des heiligen Johannes Eudes. Er taucht in der Geschichte erst auf, als er schon Student war, ein Student allerdings, der es mit dem Lernen ernst nahm.

 

Zwei Jahre lang musste der Student Johannes Eudes wegen Krankheit aussetzen, und in dieser Zeit las er nur ein Buch, las es aber immer wieder von neuem, und so ist es verständlich, dass er sich zum Schluss in dem Buch gut auskannte. Es war die Heilige Schrift des Alten und des Neuen Testamentes, das wertvollste Buch der Welt, das man das Buch der Bücher nennt.

 

Im Jahr 1625 erhielt Johannes Eudes die heilige Priesterweihe. Aus der ersten hochbeschwingten Zeit der erhabenen Würde stammt das bezeichnende Wort des Heiligen: „Drei Ewigkeiten hat der Priester nötig, die erste, um sich vorzubereiten, die zweite, um das heilige Messopfer würdig darzubringen, die dritte, um Gott für seine Gnade zu danken.“ So sagte er, und das Wort legt Zeugnis dafür ab, mit welcher Ehrfurcht er das heilige Amt antrat, und wer so vom Priestertum denkt, der wird ein würdiger Diener des Heiligtums. Daher ist Johannes Eudes auch ein heiliger Priester geworden, dem Gottes Gnade half, ungezählte Sünder zu bekehren. Mit rastlosem Eifer war er aber auch hinter den Seelen her, so dass man ihn den Seelenfischer von ganz Frankreich genannt hat.

 

Wie hat er denn die Seelen gefischt? Durch Volksmissionen hat er sie gefischt, die er in den Städten und Dörfern abhielt. Die Predigten waren die Netze, die er weit ins Meer der Welt hinauswarf und die ihm stets einen großen Fang einbrachten. Von einer solchen Volksmission schrieb der Heilige einmal in einem Brief: „Beichtväter haben wir fünfundzwanzig zur Verfügung, wir brauchen aber fünfzig, denn die Leute müssen tagelang warten, bis die Reihe an ihnen ist, dass sie beichten können.“ So schrieb Johannes Eudes, und nach diesen Worten kann man sich ein Bild machen, wie es da hergegangen ist.

 

Der große Erfolg des seeleneifrigen Volksmissionars rührte nicht zum geringsten Teil daher, dass er als einer der ersten die Andacht zu den heiligsten Herzen Jesu und Mariä verbreitete. Darin dürfte nun auch einer der Gründe zu suchen sein, warum Johannes Eudes kurz nach der Heiligsprechung in das Messbuch kam, denn seine Gestalt soll im Kreislauf des Kirchenjahres auftauchen, um die Gläubigen zu mahnen, dass sie eifrig das Herz des Heilandes und das Herz der lieben Mutter Gottes verehren, und da trifft es sich ausgezeichnet, dass des Heiligen Fest gerade heute begangen wird, denn bekanntlich ist der ganze August der Verehrung des reinsten Herzens Mariä geweiht, und darüber hinaus feiert die Kirche in wenigen Tagen, am 22. August, das Herz-Mariä-Fest.

 

Es liegt aber noch ein zweiter Grund vor, warum Johannes Eudes bald nach der Heiligsprechung in das Messbuch kam. Der Heilige hat nämlich in Frankreich die ersten Priesterseminare gegründet, um durch sie einen guten Nachwuchs an geschulten und eifrigen Seelsorgern heranzubilden, und so ist er auch in dieser Hinsicht für unsere Zeit, die an einem großen Priestermangel leidet, nicht ohne Bedeutung, insofern er nämlich daran erinnert, dass man viel um gute Priester beten soll, besonders am Priestersamstag.

 

Nachdem der heilige Johannes Eudes außerdem zwei neue Ordensgesellschaften gegründet hatte, eine für Männer und die andere für Frauen, die man die Frauen vom Guten Hirten nennt, starb er hochbetagt am 19. August 1680.

 

Der heilige Sebaldus, Einsiedler von Nürnberg,

+ 19.8.750 – Fest: 19. August

 

Inmitten der alten deutschen, ehemals freien Reichsstadt Nürnberg erhebt sich eine prachtvolle gotische Basilika mit zwei Chören, Sebalduskirche genannt, und auf dem östlichen Chor prangt ein Grabdenkmal von Erzguss, das mit vollem Recht „das höchste Heiligtumdeutscher Kunst“ genannt wird, das Meisterwerk des berühmten Erzbildners Peter Vischer, der es mit seinen fünf Söhnen nach dreizehnjähriger Arbeit im Jahr 1519 vollendete. Die Prachtgestalten der zwölf Apostel scheinen das Evangelium nach allen Richtungen hin zu verkünden, und den zwölf Propheten und Kirchenvätern schwebt heilige Begeisterung auf Stirn und Lippen. Wem ist dieses königliche Denkmal deutscher Kunst und deutschen Fleißes gewidmet? Wem gilt alle Pracht des herrlichen Gotteshauses? Einem armen Einsiedler, dem heiligen Sebaldus, der vor mehr als zwölfhundert Jahren an dieser Stätte heilig lebte und Wunder wirkte.

 

Der heilige Sebaldus stammte aus königlichem Geschlecht und erhielt eine seinem hohen Rang angemessene Erziehung. Aber die Wissenschaft des Heils erschien ihm doch die wichtigste Kenntnis, und das Streben nach Vollkommenheit wertvoller, als Zepter und Krone. Deshalb verließ er den königlichen Palast, die Ehren und Annehmlichkeiten des Hoflebens, um als Einsiedler ein verborgenes Leben nur im Verkehr mit Gott zu führen. Bereits sechzehn Jahre hatte er, fern von der Welt, in einer Einöde zugebracht, da zog es ihn mächtig zu einer Wallfahrt nach dem heiligen Land. In Italien traf er mit den beiden heiligen Brüdern Willibald und Wunibald nebst ihrem Vater Richard zusammen, als sie gerade die höchste Not litten und dem Verschmachten nahe waren. Auf sein frommes Gebet sandte ihnen Gott wunderbarerweise Wasser und Brot.

 

In einer Unterredung mit Papst Gregor II. ließ Sebaldus so viel Weisheit und glühenden Seeleneifer durchblicken, dass ihn der Papst als geeignetes Werkzeug zur Verbreitung des Glaubens erkannte. Gehorsam nahm der heilige Einsiedler den höheren Auftrag an, überall, besonders in Deutschland das Evangelium Christi zu verkündigen. Er kam nach Bayern und predigte den armen Landleuten an den Ufern der Isar längere Zeit die christliche Lehre. In dankbarer Erinnerung an sein heiliges Wirken baute man zu Egling eine Kirche nach seinem Namen. Einige Zeit hielt er sich in Regensburg auf, aber dem Geräusch und Treiben des Stadtlebens abhold, zog er in die dunklen Wälder von Mittelfranken. Als er an der Donau keinen Fährmann fand, der ihn auf das andere Ufer gebracht hätte, breitete er sein Oberkleid auf dem Wasser aus und ruderte wohlbehalten über den tiefen, reißenden Strom, ohne dass er oder sein Mantel durchnässt worden wäre.

 

In dem großen Wald zwischen der Regnitz und Pegnitz, wo jetzt die Stadt Nürnberg steht, erbaute sich Sebaldus eine kleine Klause und teilte seine Zeit zwischen strengen Bußübungen, frommen Betrachtungen und Belehrung des Volkes. Der Ruf von seiner außerordentlichen Lebensweise und seiner Wundergabe zog die Bewohner des Landes von nah und fern herbei, und niemand ging ohne Belehrung und Hilfe von ihm fort. Wenn es begehrt wurde, verließ er seine Waldeinsamkeit, um Kranken und Schwachen zu helfen, Gottesfurcht und Segen überallhin zu verbreiten.

 

Reich an Verdiensten und Siegen für den Himmel legte der Heilige sein müdes Haupt zum letzten Schlaf nieder. Nur noch einen Wunsch hegte er, nämlich, dass seine Leiche in der Kapelle des heiligen Petrus, die der heilige Bonifatius im Jahr 745 am Fuß des Schlossberges erbaut hatte, begraben werden möchte. Als man aber seinen heiligen Leichnam auf einen mit zwei Rindern bespannten Wagen gelegt hatte, zogen die ihn mitten in die Stadt Nürnberg hinein zur Peterskirche, und sooft man sie anderswohin lenken wollte, kehrten sie immer dahin zurück. Man erkannte hierin einen Fingerzeig Gottes und begrub ihn in der Peterskirche.

 

Am Grab des demütigen Einsiedlers Sebaldus ereigneten sich so viele Wunder, dass ihn Papst Gregor IX. im Jahr 1370 in die Zahl der Heiligen aufnahm. Die Bürger von Nürnberg wählten ihn zu ihrem Stadtpatron und bauten an die Stelle der alten Peterskirche über seinem Grab die berühmte Sebaldikirche. Seine Reliquien wurden in dem prachtvollen Sarkophag beigesetzt, den die Opferwilligkeit der Bürger und die Kunst des berühmtesten Erzgießers hergestellt hatten. Bis zur Einführung der Reformation im Jahr 1523 trugen alljährlich am 19. August, dem Tag seiner Heiligsprechung, die angesehensten Ratsherrn der Stadt in feierlicher Prozession die Reliquien des heiligen Sebaldus und das dankbare Volk erinnerte sich seiner Wohltaten.

 

Heute würde man seitens der Irr- und Ungläubigen kaum mehr nach dem Leben und den edlen Taten des heiligen Sebaldus fragen, wenn nicht das tote Erz an seinem Grabdenkmal mit vernehmlicher Stimme an sein wunderreiches Leben erinnerte. Vier Bilder am Sebaldigrab stellen einige charakteristische Wunder aus dem Leben unseres Heiligen dar. Das erste Bild zeigt den Heiligen im Kreis armer Leute, die sich im harten Winter an brennenden Eiszapfen wärmen, die er hatte ins Feuer werfen lassen, weil man ihm kein Holz gönnte. Auf dem anderen verwandelt er Steine in Brot. Im drittenwird ein Mann von der Erde verschlungen, weil er fälschlich beteuert hatte, die Erde solle ihn verschlingen, wenn er noch etwas zu geben habe, während er heimlich Mundvorräte verborgen hatte. Im vierten Bild heilt er einen Blinden. So erzählt noch das stumme Erz von den Taten des Heiligen, während der Mund der Lebenden verstummt.

 

20. August

 

Der heilige Bernhard von Clairvaux, Abt, Kirchenlehrer,

+ 20.8.1153 - Fest: 20. August

 

Bernhard, der Sohn eines französischen Grafen, schlug scheinbar ganz aus der Art des kriegerischen Vaters und der kampflustigen Brüder. Ein stiller Junge war er, schüchtern und scheu, unbeholfen und für sein Alter viel zu ernst. Am besten verstand er sich mit der frommen Mutter, und als diese ihm, da er fern von ihr die Schule besuchte, nach kurzer Krankheit wegstarb, ohne dass er sie ein letztes Mal gesehen hatte, war Bernhard für das Leben in der Welt verloren.

 

Mit Macht zog es den Zwanzigjährigen ins Kloster, in das strengste, das es damals gab, zu den weißen Mönchen des eben gegründeten Ordens der Zisterzienser. Über die Maßen hart war das Leben bei diesen Männern der Buße, die die halbe Nacht durch beteten, tagsüber schwere Bauernarbeit verrichteten, bei Wasser und Brot fasteten und in deren schmucklosen Zellen ohne Betten auch im eisigsten Winter kein wärmendes Feuer brannte. Dorthin zog es Bernhard mit unwiderstehlicher Gewalt, und als er mit dem Vorhaben bei Vater und Brüdern auf Widerstand stieß, loderte in ihm ein Feuer auf, das niemand in dem stillen jungen Mann vermutet hätte. Da zeigte es sich, dass auch er von ritterlicher Art war, nicht ein Ritter im weltlichen Sinn seiner Zeit, sondern ein Christusritter und ein Marienritter, zu loben, edel und hochgemut, der mit seiner hellen Begeisterung Familie und Nachbarschaft in Brand setzte, so dass er nicht allein die Welt verließ, sondern außer einem Oheim und vier Brüdern noch über zwanzig adelige Junker aus den Schlössern ringsum bewog, am gleichen Tag wie er das seidene Ritterwams mit der härenen Mönchskutte zu vertauschen. Welch ein Feuergeist muss dieser junge Mann doch gewesen sein!

 

Ein Feuergeist blieb Bernhard das ganze Leben hindurch. Mit fünfundzwanzig Jahren war er, der strengste unter den Strengen, Abt. Nicht alle hielten unter seiner Leitung aus, aber für jeden, der davonlief, kamen zehn andere, nicht weltmüde Ruhesucher, nicht irgendein Hinz oder ein Kunz, sondern die Edelblüte des Geistes und des Blutes, nicht nur aus Frankreich, sondern aus der gesamten Christenheit. Bald zählte Bernhards Abtei siebenhundert Mönche. Kloster auf Kloster wurde gegründet, zuletzt waren es einhundertsechzig an der Zahl, und mit den Jahren entwickelte sich aus dem kleinen, unscheinbaren Mönch, der nur aus Haut und Knochen zu bestehen schien, der mächtigste Mann seiner Zeit, der sich erkühnen durfte, Papst und Bischöfen Ratschläge zu erteilen und Könige und Ketzer in die Schranken zu weisen.

 

Dann kam Bernhards größte Stunde, da er Kreuzzugsprediger wurde. Der schmächtige, schweigsame Mönch brachte durch seine sprühenden Worte in kurzer Zeit ein Heer von hunderttausend gottbegeisterten Kreuzfahrern auf die Beine, so dass er an den Papst berichten konnte: „Städte und Burgen stehen leer. Schon kommen sieben Frauen auf einen Mann, und überall gibt es Witwen, deren Gatten noch leben.“

 

Doch auch Bernhard sollte an sich erfahren, dass der Hochmeister Christus seine Getreuen nicht auf dem Tabor, sondern auf Golgatha zu Rittern schlägt. Nicht durch Bernhards Schuld, sondern durch Zwietracht und Verrat im Heer der Kreuzfahrer missglückte der Kreuzzug, der sich durch die ungezählten, scheinbar nutzlos gebrachten Opfer zu einem Weltunglück entwickelte. Nur wenige Kreuzfahrer kehrten heim, und es gab der Witwen und Waisen so viele, dass man sie nicht zählen konnte, und alle Schuld an allem Leid, das damals die Christenheit heimsuchte, fiel auf Bernhard, der, verlassen und geschmäht, als der Verbrecher galt, wie auch Christus auf Golgatha als solcher angesehen wurde. Damals empfing Sankt Bernhard den Ritterschlag, der ihn endgültig und unwiderlegbar zum Christusritter machte.

 

Dass der Christusritter Bernhard, gleich groß im Kampf und im Leid, auch ein Marienritter von hoher Art war, ergibt sich von selbst schon aus der Tatsache, dass derjenige, der dem Heiland verbunden ist, auch seiner heiligsten Mutter angehört. Als Kind hing Bernhard mit Leib und Seele an der irdischen Mutter, und als Mann diente er stark und zart zugleich der himmlischen Mutter, deren Lob und Liebe er in Lied und Wort immerwährend pries. Aus Sankt Bernhards Herzen ist erstmals auch jenes kleine Mariengebet geflossen, das seitdem ungezählte Marienverehrer beglückt und begnadet hat und das wir zum Schluss dieser Lebensbeschreibung mit andächtigem Sinn und innigem Gemüt beten wollen:

 

„Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, wie es von Ewigkeit her nicht gehört wurde, dass jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deine Hilfe anrief und um deine Fürbitte flehte, von dir sei verlassen worden. Von solchem Vertrauen beseelt, eile ich zu dir, o Jungfrau der Jungfrauen und Mutter. Zu dir komme ich, vor dir stehe ich als Sünder seufzend. O Mutter des ewigen Wortes, verschmähe nicht meine Worte, sondern höre mich gnädig an und erhöre mich. Amen.“

 

21. August

 

Der selige Bernhardus Ptolemäus, Abt und Ordensstifter, Italien,

+ 21.8.1348 – Fest: 21. August

 

Der selige Bernhardus Ptolemäus, Stifter der Benediktinerkongregation der seligsten Jungfrau Maria vom Ölberg (de monte Oliveto), wurde zu Siena in Italien 1272 aus einem der angesehensten Häuser geboren und von seinem Oheim Christoph Ptolemäus, einem Dominikaner, in allen notwendigen Wissenschaften sorgfältig unterrichtet. Er machte solche Fortschritte, dass er es zur Würde eines Doktors beider Rechte brachte. Von Kaiser Rudolph unter die Ritter aufgenommen ließ er sich eine Zeit lang vom eitlen Glanz und Tand der Welt blenden; doch blieb ein glimmender Docht der Andacht in seinem Herzen zurück, und die Gnade Gottes fachte das Flämmlein an und erfüllte sein Herz mit der Glut der Reue und Liebe. Der Genossenschaft della Scala beitretend widmete er sich ganz dem Dienst der Armen, Kranken und Gefangenen und übte anbei die strengsten Abtötungen. Die ihm anvertrauten öffentlichen Ämter verwaltete er mit solcher Treue und solchem Geschick, dass man ihn schließlich zum Dogen der Republik erwählte. Nachdem er längere Zeit mit Segen gewirkt hatte, beschlich einige Eitelkeit sein Herz. Er sagte im Jahr 1313 einen Tag zu öffentlicher Disputation an, bei der er sein Talent in besonderem Glanz wollte leuchten lassen. Doch siehe, ehe der Tag dieses Glanzes kam, brach der Tag der Finsternis über ihn herein. Er erblindete – doch zu seinem Heil. Demütig seufzte er jetzt zu Gott um Vergebung, inbrünstig flehte er die Fürbitte Marias an – nicht vergebens, denn er sah wieder. Als der Tag der angesagten Disputation erschien, und alles gespannt war auf seinen Vortrag, hielt er eine Rede von der Verachtung der Welt, nahm Abschied von der Bürgerschaft und den Verwandten und trat mit zwei Gefährten den Weg in die Einsamkeit an. Eine wüste Berggegend, ungefähr sechs Stunden von Siena, Accona genannt, nahm die Diener Gottes auf. Da lebten sie, jeder abgesondert und nur zum Gebet in einer Kapelle zusammenkommend, nach Weise der Einsiedler Ägyptens. Die Erde war ihr Lager, Wasser ihr Getränk, Wurzeln und Kräuter ihre Speise. Bald sammelten sich mehrere heilsbegierige Brüder um sie. Versuchungen und viele andere Hindernisse türmten sich auf, Bernhards Werk zu stören. Allein Gott verlieh ihm die Gnade der Treue und belohnte ihn durch das wunderbare Gesicht einer Leiter, die zum Himmel reichte und auf der Mönche mit weißen Kleidern angetan und von Engeln unterstützt emporstiegen. Es war das Vorbild des von ihm zu stiftenden Ordens. Falsche Ankläger standen nun gegen den Heiligen auf und bezichtigten ihn der Ketzerei. Deshalb zum Papst Johannes XXII. Nach Avignon berufen reinigte er sich vollkommen und wurde an seinen Bischof Guido Petramalius von Arezzo gewiesen, der ihm und seinen Gefährten die Regel des heiligen Benedikt und das weiße Kleid gab – am 24. März 1319. Eine Erscheinung der Mutter Gottes war die Ursache, dass der neue Orden die Benennung „von der seligsten Jungfrau des Berges Olivet“ annahm. Als die Wahl eines Vorstandes geschah, lehnte Bernhard diese Würde ab, musste aber im Jahr 1322 auf das Andringen der Brüder dieselbe auf sich nehmen. Der Orden verbreitete sich von Accona auch nach anderen Plätzen und erhielt die Bestätigung der Päpste Johann XXII. Und Clemens VI. Der Stifter entschlief nach ruhmreich vollbrachtem Tagwerk den 21. August 1348. Die Kongregation der Riten erklärte seine Verehrung als begründet.

 

22. August

 

22. August - Das Herz-Mariä-Fest (heute: Mariä Königin)

 

Der heilige Symphorian, Junge und Märtyrer zu Autun,

+ 22.8.178 – Fest: 22. August

 

Der heilige Symphorian, einer der vornehmsten Märtyrer Frankreichs, war aus einer edlen Familie der Stadt Autun. Sein Vater hieß Faustus und ließ ihn wie man sagt, von den heiligen Benignus und Andochius taufen. Der Same des Heils fiel bei dem Sohn auf einen guten Boden und brachte die herrlichsten Früchte hervor. Mit christlicher Weisheit verband er die makelloseste Sittenreinheit und wandelte allzeit fest in den Wegen des Evangeliums. Er stand in der Blüte seiner Jahre und war seiner vortrefflichen Eigenschaften wegen allgemein beliebt, als er das Opfer des zeitlichen Lebens darbrachte, um das ewige zu gewinnen. Die Heiden von Autun pflegten am Fest der Cybele das Standbild dieser Göttin mit großem Gepränge auf einem Wagen durch die Straßen zu führen. Der Heilige begegnete dem Zug, und während alles anbetend auf die Knie sank, blieb er allein aufrecht stehen. Dieses vermeintlichen Frevels wegen fiel die Menge über ihn her und schleppte ihn vor den Statthalter Heraclius. Als er da offen sich zum Christentum bekannte, las man ihm die Verordnungen vor, die der Kaiser Marcus Aurelius gegen die Neugläubigen erlassen hatte, und fragte ihn, was er hierauf zu antworten habe. Er entgegnete mutig, dass er auf alles gefasst sei und lieber sterben wolle, als den Dämonen huldigen, wodurch er um die Seligkeit kommen würde. Sofort wurde er ins Gefängnis geworfen. Einige Tage danach musste er wieder vor Gericht erscheinen und empfing, da er nicht zu anderen Gesinnungen zu bringen war, das Urteil der Enthauptung. Als man ihn zu dem außerhalb der Stadt liegenden Richtplatz führte, rief ihm seine Mutter von der Mauer herab aufmunternde Worte zu. Seine Marter geschah um das Jahr 178. Einige fromme Personen nahmen heimlich seinen Leib weg und begruben ihn bei einem Brunnen in der Nähe des zu den Kriegsübungen bestimmten öffentlichen Feldes. Euphronius, Bischof von Antun, ließ im 5. Jahrhundert über seinem Grab, das durch Wunder verherrlicht worden war, eine Kirche errichten.

 

23. August

 

Der heilige Philippus Benitius, Priester, Ordensstifter von Florenz,

+ 22.8.1285 - Fest: 23. August

 

Lange hatten sich die Eltern des Tagesheiligen, adelige Leute zu Florenz, nach einem Kind gesehnt und in dieser Meinung auch viel gebetet und reichlich Almosen gespendet, bis ihnen am 15. August 1233, ausgerechnet am Fest der Himmelfahrt Mariä, ein Sohn geschenkt wurde, den sie auf den Namen Philipp taufen ließen. Der Junge gehörte also schon von Geburt an der Mutter Gottes, da er ja an ihrem höchsten Feiertag das Licht der Welt erblickte.

 

Als Philipp größer wurde und es sich zeigte, dass er gut lernen konnte, besuchte er zunächst die Schule in der Heimatstadt Florenz, später die Hochschulen von Paris und Padua, studierte Medizin und war bereits mit zwanzig Jahren Arzt. So schnell macht ihm heute das keiner mehr nach.

 

Um nun die folgende Legende aus dem Leben des Heiligen richtig zu verstehen, empfiehlt es sich, dass man sich erst die Lesung vom Donnerstag in der Osterwoche ansieht. Dort heißt es, dass einer der sieben Diakone der ersten Christengemeinde zu Jerusalem, Philippus mit Namen, von Gott den Auftrag erhielt, an den Wagen eines äthiopischen Hofbeamten, der gerade vorüberfuhr, hinzutreten und den Reisenden für den Glauben an Christus zu gewinnen. „Tritt hinzu und schließ dich dem Wagen an!“ hatte Gottes Stimme zu dem Diakon Philippus gesprochen, und als dieser dem Befehl gehorchte, hat er den äthiopischen Hofbeamten bekehrt und auch gleich getauft. Wie gesagt, das steht in der Epistel vom Donnerstag in der Osterwoche.

 

Dies vorausgeschickt, kann nun die heutige Legende weitererzählt werden. Im Jahr1252 wohnte am Donnerstag in der Osterwoche der junge Arzt Philipp mit dem Messbuch in der Hand der Heiligen Messe bei. Es geschah das in der Servitenkirche in Florenz, und die Serviten bilden einen Mutter-Gottes-Orden, dessen Mitglieder sich vornehmlich der Verehrung der Sieben Schmerzen Mariä widmen. Damals war er kurz zuvor gegründet worden. Als Philipp an dem genannten Tag während der Heiligen Messe die erwähnte Epistel mit dem Priester still für sich betete, fühlte er sich, weil er ja auch Philipp hieß, persönlich angesprochen. „Philipp, tritt hinzu und folge dem Wagen!“ las er, und als er wie zufällig nach der Decke der Kirche emporschaute, hatte er ein Gesicht. Er sah einen goldenen Wagen daherfahren, auf dem in strahlender Herrlichkeit die Mutter Gottes saß.

 

Huldvoll schaute die Himmelskönigin ihn an, zeigte ihm ein Ordenskleid der Servitenmönche, das sie in der Hand trug, und sagte mit aufmunterndem Lächeln: „Philipp, tritt hinzu und schließe dich dem Wagen an!“ Gleich darauf entschwand das Gesicht, Philipp aber verstand sogleich, was es für eine Bewandtnis damit hatte. Die Mutter Gottes, an deren Hochfest er geboren war, hatte ihn als ihr Gnadenkind in ihren Orden berufen.

 

Auf der Stelle folgte der junge Arzt dem Ruf, und als er in das Hauptkloster der Serviten auf dem Berg Senario eintrat, verschwieg er Herkunft und Stand, um als schlichter Laienbruder zu dienen, und am liebsten wäre es ihm gewesen, wenn er das ganze Leben in der Küche oder an der Pforte in niedriger Stellung hätte verbringen können. Aus diesem Grund rühmt auch das heutige Kirchengebet vor allem die Demut des Heiligen. Doch dann kam es anders, als Philipp es sich geträumt hatte. Heiligkeit strahlte von ihm aus, die niemand übersehen konnte. Man überredete ihn, die Priesterweihe zu empfangen, betraute ihn mit wichtigen Ordensämtern und wählte ihn mit erst dreiunddreißig Jahren zum Generalobern.

 

Gerade damals drohte dem Servitenorden wegen innerer und äußerer Schwierigkeiten der Untergang. Da hat Philippus es fertiggebracht, alles durch eine starke Ordensregel wieder neu zu binden.

 

Vom heiligen Philippus Benitius muss ferner noch erwähnt werden, dass er ein gewaltiger Prediger war, der es vorzüglich verstand, Entzweite zu versöhnen, und der nicht nur in Italien, sondern auch in Frankreich und sogar in Deutschland die Donau und den Rhein entlang bis an die Nordsee als nimmermüder Apostel der Feindesliebe segensreich wirkte. Dabei hat er seine Kräfte vor der Zeit verausgabt, so dass er mit dreiundfünfzig Jahren bereits starb. Er starb aber am 22. August 1285, also genau am Schluss der Achttagefeier von Mariä Himmelfahrt. So begann und endete sein Leben mit dem Hochfest der Mutter Gottes, und was dazwischen liegt, ist ein einziges Marienlob gewesen.

 

Die heilige Rosa (Flores a St. Maria) von Lima,

+ 24.8.1617 - Fest: 23. August

 

In dem Teil der Welt, in dem wir wohnen, werden wir durch diese Insekten nicht belästigt, aber im Ausland, in sehr heißen Gebieten, können sie wirklich eine Qual sein. Moskitos werden sogar zur Gefahr, denn durch ihren Stich bekommen die Menschen Malaria und gelbes Fieber. Es sind die Moskito-Weibchen, die stechen und Blut saugen. An vielen Orten muss man nachts die Betten mit Moskito-Netzen verhängen, sonst wäre ein Schlafen überhaupt unmöglich.

 

In Südamerika müssen die Insekten wirklich ernst genommen werden. Und doch lebte vor einigen Jahrhunderten ein junges Mädchen in Lima, der peruanischen Hauptstadt, die das Sommerhäuschen, in dem sie ihre meiste Zeit zubrachte, mit diesen giftigen Mücken teilte. Sie wurde nicht einmal gestochen! Dieses Mädchen hieß Rosa. Sie war die erste aus der Neuen Welt, die von der Kirche heiliggesprochen wurde, sie ist die Patronin von Amerika und den Philippinen.

 

Ursprünglich war sie auf den Namen Isabella getauft worden, aber als sie heranwuchs, hatte sie einen so schönen, rosigen Teint, dass ihre Eltern sie „Rosa“ nannten. Sie war überhaupt wunderhübsch, hatte sehr feine Haut und auffallend schöne Hände. Nun ist Schönheit sicher etwas, wofür man dankbar sein kann, aber man kann sie nicht als das „einzig Notwendige“ betrachten, das man begehren soll, wie das Himmelreich. Ein Mädchen, das weiter nichts als ein schönes Gesicht hat, ist nicht reich! Schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass es seine Besitzerin recht aufgeblasen und eingebildet machen kann. Leider kann uns ja überhaupt fast alles eitel und überheblich machen. Rosa wusste das, und obwohl sie sich manchmal versucht fühlte, ihre Schönheit recht wichtig zu nehmen, gab sie dem doch nicht nach. Wenn ihr die Versuchung kam, rief sie sich selber zu: „Rosa, was fällt dir ein! Lass dich von deiner Schönheit bloß nicht zum Narren machen!“

 

Ihre Eltern waren ursprünglich wohlhabend, aber dann legte ihr Vater sein Geld etwas waghalsig an und verlor es. Da zeigte sich, aus welchem Holz Rosa geschnitzt war. Sie war sehr geschickt im Nähen und benutzte nun ihre Kunst, um die Einnahmen der Familie zu verbessern.

 

An diesem Punkt nun treten die Moskitos in unsere Geschichte ein. Um nämlich besser arbeiten zu können, nahm sie ihre Stickerei mit in das Sommerhäuschen am Ende des Gartens. Hier war sie die meiste Zeit des Tages.

 

„Bist du denn nicht sehr einsam, da unten?“ fragte ihre Mutter.

 

„Einsam? Nein, ich bin nicht einsam! Ich habe immer reichlich Gesellschaft.“

 

Und die hatte sie in der Tat. Eines Tages wurde ihre Mutter neugierig und wollte sehen, wen sie denn bei sich hätte und schaute zum Fenster hinein. Sie konnte zuerst ihren Augen kaum trauen: Wände, Dach und Boden sowohl wie das junge Mädchen selbst waren bedeckt mit Moskitos, und die, die keinen Sitzplatz mehr gefunden hatten, blieben fliegend in der Luft!

 

Natürlich gab es einen wahren Regen von Fragen. Dann kam heraus, dass dies schon seit einer ganzen Zeit so ging. Als Rosa zuerst diese Zuflucht in der Sommerhitze aufgesucht hatte, brummte es darin von Insekten. Aber sie hatte einen Vertrag mit ihnen geschlossen: „Wenn ihr mir versprecht, mir nichts zu tun“, sagte sie, „dann geb’ ich euch mein Wort, dass ich euch auch nichts zuleide tun will!“ Und dieser Vertrag war treu gehalten worden. Solch sonderbare Haustiere hatte ja nun noch niemand gesehen. Sie durften tun, was sie wollten und summen und brummen, wenigstens viele Stunden lang.

 

Dann freilich gab es Zeiten, wo Rosa darauf bestand, dass es vollkommen still war. Sie brauchte ihnen nur ein Zeichen zu geben und ein Wort zu sagen, und all die Flügelchen und Beinchen hielten still – man konnte eine Nadel fallen hören. Nachts zog die ganze Gesellschaft gewöhnlich davon, aber jeden Morgen, wenn Rosa ihre Zufluchtsstätte aufsuchte, brauchte sie nur zwei-, dreimal zum Fenster hinausrufen, und schon waren sie da. Manchmal sagte sie ihnen: „Jetzt, ihr kleinen Freunde, ist’s Zeit, Gott zu lobpreisen!“ Auf diese Worte hin begannen die Insekten ein Brummen, das dem Tönen einer fernen Orgel glich.

 

Rosa war einmutiges Mädchen, denn als sie sich einmal beim Zuschlagen der Tür den Daumen zerquetschte, schrie und heulte sie nicht, sondern verbiss den Schmerz und versteckte die Hand unter der Schürze. Das war entschieden tapfer, wenn auch nicht gerade klug, denn später eiterte die Wunde, und der Fingernagel musste, natürlich ohne schmerzlindernde Betäubung, die damals noch unbekannt war, herausgeschnitten werden. Das tat weh, aber Rosa zuckte nicht einmal dabei und weinte auch nicht eine einzige Träne, indem sie sagte, Tränen seien zu kostbar für solche Kleinigkeiten, Tränen dürfe man nur über die Sünden vergießen, mit denen der liebe Gott von undankbaren Menschen schwer beleidigt werde. So tapfer war die Kleine, und so heilig dachte sie schon mit jungen Jahren.

 

Dass ein Kind wie Rosa auch gehorsam den Eltern gegenüber war, versteht sich von selbst, obwohl ihr die Mutter den Gehorsam nicht leicht machte. Es war nämlich die Mutter eine Frau von weltlicher Art, die wenig Verständnis für die gnadenvolle Frömmigkeit des Kindes besaß. Damit die Schönheit der Tochter den Nachbarn noch mehr in die Augen falle, hing sie ihr Kettchen um Hals und Arme, kräuselte ihr das Haar und schminkte die Wangen. Das alles war dem Mädchen, das über sein Alter übernatürlich klug war, zuwider, und es sträubte sich auch wohl dagegen, und wenn Rosa dann von der Mutter zurechtgewiesen wurde, so ließ sie die Mutter ruhig ausreden und gab nie ein Widerwort. Das war recht getan, denn selbst wenn die Eltern etwas nicht richtig machen sollten, so dürfen es deswegen die Kinder durchaus nicht an der schuldigen Ehrfurcht fehlen lassen. Vater und Mutter muss man immer ehren.

 

Wie schon erwähnt, waren Rosas Eltern unbemittelt, und weil sie noch zehn weitere Söhne und Töchter hatten, kann man sich denken, dass das heilige Kind früh für den Unterhalt der großen Familie mitverdienen musste. Zehn Stunden am Tag arbeitete das erwachsene Mädchen, sie nähte und stickte, wie erwähnt, für andere Leute, und fleißig flog die Nadel durch den Stoff. Dass sie bei der ununterbrochenen Beschäftigung während der Woche nicht zur Kirche kam, sondern nur an den Sonntagen zur Heiligen Messe gehen konnte, bedauerte sie sehr, doch wusste sie sich dadurch zu helfen, dass sie sich in einer abgelegenen Ecke des Gartens, von Rosen umrankt, ihre Einsiedelei einrichtete, in der sie nach des Tages Last betete und sang, während ringsum die Nachtigallen schlugen.

 

Gern wäre Rosa ins Kloster gegangen, aber die Armut daheim und die Sorge für die Ihrigen ließen es nicht zu. Auch den Heiligen erfüllt der liebe Gott nicht alle Wünsche. Dafür ließ sich Rosa in den Dritten Orden des heiligen Dominikus aufnehmen.

 

Auch das darf nicht unerwähnt bleiben, dass Rosa mit zunehmenden Alter immer mehr und immer härtere Bußwerke Gott zu Ehren auf sich nahm, um ihn dadurch für die Unehre zu entschädigen, die ihm durch die Sünden der Menschen zugefügt wird.

 

So sehr hat Rosa sich dem Dienst Gottes hingegeben, dass ihr Leben bereits auf der Scheitelhöhe vor der Zeit verblüht war. Rosa starb in Lima, im Alter von einunddreißig Jahren, um als die Rose des Herzens Jesu im Himmel ewig weiterzublühen. Gut fünfzig Jahre nach dem frühen Tod wurde Rosa von Lima durch die Kirche als die erste Wunderblume Amerikas heiliggesprochen.

 

Von Verlobung und Hochzeit, von Braut und Bräutigam reden heute die Messgebete. Sinnbildlich sind die Worte gemeint, denn unter dem Bräutigam muss man sich den Heiland und unter der Braut jene Seele vorstellen, die lebenslang danach trachtet, Gott zu gefallen, bis sie an ihrem Sterbetag feierlich heimgeholt wird zur himmlischen Vermählung. Zu den edelsten unter den Bräuten Christi gehört die heilige Rosa, deren Fest wir heute begehen.

 

Die selige Richildis, Reklusin von Hohenwarth,

+ 23.8.1100 – Gedenktag: 23. August

 

Zu den gottgeweihten Jungfrauen, die in gänzlicher Abgeschlossenheit von allem Umgang mit anderen Menschen ein gottseliges Leben führten, gehört die selige Richildis. Von ihrem Leben ist nichts aufgeschrieben worden. Sie hatte einen solchen Ruf der Heiligkeit erworben, dass ihr nach dem Tod unter dem Altar der heiligen Apostel Petrus und Paulus der Ort ihrer Ruhe zuerkannt wurde. In demselben Grab lag auch der heilige Leib einer Martyrin aus der Schar der heiligen Ursula, Juliana mit Namen. Später wurde die Zelle, in der die Selige ihr heiliges, in Gott verborgenes Leben geführt hatte, in eine Kapelle verwandelt, und der Leib der Seligen darin aufbewahrt. Die Gläubigen wallfahrteten scharenweise zu diesem Grab. Unzählige erlangten durch die Fürbitte der verklärten Dienerin Gottes wunderbare Hilfe. Eine Menge von Gedenktafeln sind ebenso viele Zeugnisse wunderbarer Gebetserhörungen. Die Äbtissin, die diese Auskunft über die selige Richildis gab, fügte noch bei: „Die selige Richildis verdiente es wohl, in feierlicher Weise als Heilige erklärt zu werden. Allein es ist dies eine Sache, zu der das Vermögen meines Klosters nicht ausreichte. Übrigens hat man gar keinen Grund, an ihrer wirklichen Heiligkeit zu zweifeln, denn diese wird durch vielfältige Wunder, die tagtäglich an ihrem Grab geschehen, hinlänglich bestätigt. Es gibt ja viele, die seit Jahrhunderten als Heilige verehrt werden, ohne dass sie durch einen päpstlichen Ausspruch als solche erklärt wurden. Es wolle diese selige Jungfrau uns die Gnade erlangen, dass wir dieselbe Seligkeit, die sie, ganz abgeschlossen von der Welt, erworben hat, in unserm Verkehr mit den Menschen ererben mögen.“ Die Selige erlangte die Krone der Auserwählten am 23. August 1100.

 

24. August

 

Der heilige Theoderich, Abt von Andain bei Lüttich,

+ 24.8.1087 - Fest: 24. August

 

In Belgien lebte vor etwa 900 Jahren eine fromme Soldatenfrau, die einen sonderbaren Traum hatte. Sie träumte, sie gehe in priesterlicher Kleidung an den Altar, lese die Heilige Messe, gebe dem Volk den Segen, und ziehe dann in der Sakristei das Messgewand wieder aus, als sei sie das schon lange gewöhnt. Eine gottselige Person, der sie es erzählte, legte dem Traum die Bedeutung bei, dass das Kind, das Gott ihr schenken werde, von Gott zum Priester bestimmt sei. Wirklich bekam sie bald darauf einen Sohn, dem in der heiligen Taufe der Name Theoderich gegeben wurde. Als er ungefähr sieben Jahre alt war, kamen die beiden Eheleute miteinander in Streit wegen des Jungen; der Vater wollte, dass Theoderich auch einmal Soldat wird wie er, und die Mutter wollte, dass er studieren und geistlich werden soll. Da geschah es einmal, dass beim Auftragen die kochende Fleischbrühe dem Jungen über die linke Schulter und den Arm geschüttet und er so verbrannt wurde, dass sich die Haut vom Fleisch loslöste. In der Meinung, das Kind werde sterben, brach die Mutter in heftige Klagen aus, das sei die Strafe dafür, dass der Vater den Jungen verhindere, sich Gott zu weihen. Als der Junge wiederhergestellt und der Vater auf einige Zeit abwesend war, ließ sich die Mutter nicht mehr abhalten, Theoderich in die lateinische Schule zu schicken. Als der Mann nach Hause kam und erfuhr, was vorgegangen war, ging er selbst in die Schule und führte seinen Sohn hinaus. Am gleichen Tag stieg der Junge, wahrscheinlich aus Langeweile, auf das Dach, fiel herab und brach sich den linken Arm. Jetzt konnte der Vater den bitteren Vorwürfen seiner Frau nicht mehr widerstehen und er willigte ein, dass Theoderich zum geistlichen Stand erzogen werde.

 

Der Junge wurde nun in ein Kloster gegeben; hier erweckte sein musterhaftes Benehmen große Hoffnungen. Er ging mit gesenkten Blicken, hatte stets eine würdige Haltung, war stets angemessen in seinen Reden, lachte selten, wohl traf man ihn aber manchmal in Tränen an. Keine Stunde ließ er unbenutzt vorübergehen, so dass er bald durch seine vielen Kenntnisse der ausgezeichnetste Schüler war. Er wählte auch das Ordensleben und wurde in kurzer Zeit das Vorbild aller Mönche; er erreichte gerade dadurch eine hohe Stufe der Vollkommenheit, dass er das Gute, was er bei einzelnen bemerkte, insgesamt nachahmte, des einen Demut, des andern Liebe, das Fasten und Wachen des dritten, des vierten Ausdauer im Gebet. Als Theoderich später zum Priester geweiht wurde, wozu man ihn gleichsam nötigen musste, weil er in seiner Demut sich für unwürdig hielt, fing er noch viel eifriger an, Gott zu dienen. Von nun an aß er bis zu seinem Tod (beinahe 50 Jahre lang) täglich nur ein einziges Mal; selbst in der Krankheit war er nicht zu bewegen, den Bußgürtel abzulegen. In der Heiligen Schrift las er so anhaltend, dass er sie auswendig hersagen konnte. Sein Scharfsinn, seine Kenntnisse und seine Begabung zu Lehren machten ihn auch so berühmt, dass er von mehreren Klöstern begehrt wurde, um in ihnen eine Zeitlang geistlichen Unterricht zu erteilen.

 

Nun war der Abt des Klosters Sankt Hubert gestorben; Ordnung und klösterliche Zucht waren in Verfall geraten, und es handelte sich darum, wieder einen besseren Geist einzuführen. Dazu schien aber kein Mann tauglicher als Theoderich, und er wurde deshalb zum Abt ernannt. Da er selbst aber diesem Amt nicht gewachsen zu sein glaubte, und weil die Vorsteher die allerschwerste Verantwortlichkeit haben, fiel er mehrmals dem Bischof zu Füßen und bat ihn dringend mit Schluchzen und Tränen, ihm doch nicht eine solche Last aufzulegen. Aber es wurde auf die Wahl bestanden und Theoderich wurde zum Abt geweiht. Als er nun sein Amt antrat, fand er in Sankt Hubert die größte Unordnung. Die Mönche waren verdorben, taten worauf sie Lust hatten, waren unwissend und zum Teil roh. Theoderich gab sich nun alle Mühe, durch sein Beispiel, durch freundliches Zureden, durch Vorhalt und Strafe, durch Predigten und durch sein Gebet die Mönche auf einen besseren Weg zu bringen. Aber es schien alles vergebens; die sittenlosen Mönche verlachten ihren Abt oder leisteten offenen Widerstand. Insbesondere waren es einige, die voll Dünkel auf ihre vornehme Geburt sich durch Ungehorsam und Verachtung der Klosterregeln auszeichneten. Ihr Rädelsführer war Lambert, ein hochmütiger, zuchtloser Mönch; der hetzte noch die anderen auf, fügte offen und insgeheim dem Abt Schwierigkeiten zu, verteidigte die schuldigen Mönche und widersprach allem, was der Abt sagte, mit bissigen Reden. Theoderich ertrug die vielen Beleidigungen mit aller Geduld und versuchte durch Gebet, durch Zureden, durch Vorstellungen von ewiger Seligkeit und ewiger Verdammung diesen boshaften Menschen zu bessern; aber er wurde im Gegenteil immer noch schlimmer.

 

Man hört oft über solche Menschen, wie Lambert, das Urteil sprechen: „An dem ist alles umsonst, der ist schlecht und bleibt schlecht; es ist eine Torheit, ihm noch zuzureden.“ Selbst Geistliche entschuldigen sich oft in ihrem Herzen damit, wenn sie sich lieber mit frommen Personen abgeben und sich nicht weiter um die anderen, die unbequem sind, kümmern. Das ist aber ganz unchristlich und bei einem Seelsorger pflichtvergessen. Die Gnade Gottes ist stark genug, um auch das verhärtetste Herz aufzuweichen. Man muss an keinem Sünder verzweifeln; manchmal hat sich ein großer Sünder schon bekehrt und ist ein viel besserer Christ geworden, als diejenigen, die früher geglaubt haben, er sei ganz und gar schon dem Teufel verfallen. Hast du einen lasterhaften Menschen um dich, so höre niemals auf, durch Gebet und Ermahnung auf ihn einzuwirken; wenn er auch lange darüber schimpft und spottet, vertraue auf das Wort Jesu Christi: „Bei Gott ist alles möglich.“

 

Schon zwei Jahre lang hatte der Unfug des Lambert und seiner Gesinnungsgenossen gedauert, als sie eine neue Feindseligkeit gegen ihren Abt ausdachten; sie beredeten sich nämlich, dem heiligen Abt nicht einmal die übliche Reverenz mehr zu machen und beim gemeinsamen Chorgebet die Benediktion nicht von ihm zu verlangen. Lambert schritt in übermütiger Haltung und hochmütigem Blick einher; da er aber in die Nähe des heiligen Abtes kam, berührte ihn plötzlich der Finger Gottes. Er fing an zu zittern, verbeugte sich demütig vor Theoderich, ging in seinen Stuhl; es wurde ihm hell vor den Augen seines Geistes, wie schlecht er bisher gehandelt habe, und er fing an bitterlich zu weinen, so dass es allen Mönchen auffiel. Nach dem Chorgebet ging der reuige Sünder zu dem Abt, fiel ihm zu Füßen, bekannte unter Tränen sein großes Unrecht und bat um Verzeihung. Zugleich begehrte er die Erlaubnis, das Kloster mit einem anderen vertauschen zu dürfen, denn er habe durch seine schweren Sünden schon zu oft diesen heiligen Ort verunreinigt, als dass er noch würdig sei, länger hier zu verweilen. Da er auf seiner Bitte beharrte, gab ihm Theoderich die Erlaubnis und den Segen und begleitete ihn unter vielen Tränen bis zu den Pforten der Kirche.

 

In aller Frühe machte sich Lambert allein auf den Weg, mit viel bitterem Schmerz und Jammer im Herzen über die Schwierigkeiten, die er dem heiligen Mann zugefügt hatte. In einem Kloster, wo er einkehrte, hielt ihn der Abt zurück. Hier führte er nun ein sehr strenges Bußleben; er trug einen eisernen Gürtel um den Leib, machte sich Fesseln an Hände und Füße, büßte mit fortwährendem Wachen, Fasten, Weinen und Beten, bis er nach zwei Jahren versöhnt mit Gott starb. Auch viele andere Mönche kamen nach der Bekehrung des Lambert durch die Gnade Gottes und das Gebet des heiligen Theoderich zur Sinnesänderung und unterwarfen sich seiner Anordnungen. Nur einige wenige verharrten im Bösen und verließen das Kloster. Wie dieses vorher in üblem Ruf stand, so kam es jetzt durch die Bemühungen des heiligen Theoderich wegen seiner guten Zucht in großes Ansehen und in jeder Beziehung zu großer Blüte.

 

Nachdem das Kloster zu einer festen Ordnung gekommen war, wollte Theoderich eine Wallfahrt nach Rom machen. Er führte sie mit großer Strenge aus, indem er den weiten Weg selbst über die schneebedeckten Alpen ganz zu Fuß und zwar barfuß machte. In Rom verrichtete er am Grab des heiligen Petrus seine Andacht und besuchte dann auch noch die übrigen heiligen Orte. Bei der Rückkehr lösten sich ihm alle Nägel von den Zehen, dennoch ließ er nicht ab von seinen gewohnten Übungen auf der Reise, seinem Fasten und Psalmen-Beten.

 

Es wird nun in dem Leben des heiligen Theoderich noch umständlich erzählt, wie er auch für die äußerliche Ausstattung und Erweiterung des Klosters sehr vieles getan hatte, und wie schon zu seinen Lebzeiten auffallende Wunder und Heilungen geschehen sind, besonders wenn er um sein Gebet ersucht wurde.

 

Theoderich erkrankte auf einer Geschäftsreise; man musste ihn auf einer Sänfte ins Kloster zurücktragen. Ungeachtet seines Elendes aber zwang er seinen sterbenden Leib, in Psalmen und göttlichem Lob dem Herrn zu dienen, wie er es in gesunden Tagen gewöhnt war. Auch blieb er in der schweren Krankheit stets bei der Übung, nur einmal am Tag zu essen. Als man ihm zuredete, er möge wenigstens seinen Bußgürtel in der Plage der Krankheit ablegen, da erwiderte er unwillig: „Seid nicht aus Barmherzigkeit unbarmherzig gegen einen Mann, der auf der Reise zu Christus ist. Für seine Diener geziemt es sich nicht anders, als im Bußkleid und in Asche zu sterben.“ Da alle Brüder bekümmert und jammernd um ihren sterbenden Vater herumstanden, ließ er sich im Bett aufrichten und die priesterliche Stole umlegen und gab allen Angehörigen des Klosters Segen und Absolution und sprach Verzeihung aus für alle, die ihn je beleidigt oder ihm Übles nachgeredet haben. Er sagte dann zu den klagenden Brüdern: „Wenn ihr mich liebt, so müsst ihr euch freuen, da ich von der Arbeit zur Ruhe, vom Elend zur Freude eingehe, wie ich durch die Barmherzigkeit Gottes hoffe. Was aber die Trennung betrifft, so wird es nicht lange dauern, dass auch ihr zu mir kommt.“ Zuletzt wandte er sein Gesicht gegen die Wand, als wolle er jetzt nichts mehr mit irdischen Dingen zu tun haben und flüsterte noch mit sterbenden Lippen anhaltend Lobgebete zu Gott. Ja, als schon alle Glieder des Körpers kalt und gleichsam tot waren und fast kein Leben mehr in ihm war, betete er immer noch Psalmen. Zum Trost und zur Hilfe des Sterbenden wurde in seinem Zimmer das heilige Messopfer gefeiert; als der Priester gerade das letzte Gebet sprach, gab er den Geist auf im 80. Jahr seines Alters.

 

Der Mönch, der das Leben des heiligen Theoderich geschrieben hatte und ihn persönlich kannte, schreibt am Schluss: „Jetzt, Gott sei Dank, genießt er die Güter, nach denen er stets getrachtet hat. Sein Fleisch hat er gekreuzigt samt den Fehlern und Lüsten dieser Welt; nun wohnt er in Freude bei dem, der für die Menschen gekreuzigt worden ist; der Leib wurde durch Fasten und Züchtigungen abgemagert, jetzt wird er gesättigt mit den Freuden der Herrlichkeit Gottes. Zeitlich betrübt, freut er sich ewig; die Tränen weniger Tage werden ihm bezahlt mit ewigem Jubel. Die schwarze Kutte hat er jetzt vertauscht mit weißen Kleidern. O glücklicher, wünschenswerter Tausch! Vergängliches hat er hingegeben, Ewiges empfangen; Irdisches hat er verkauft, Himmlisches eingetauscht. O glücklicher, über die Mühen dieses Lebens hinaus gelangter Theoderich! Weil er gesetzmäßig gekämpft hat, ist er nach Verdienst gekrönt mit der Krone der Unsterblichkeit von unserem Herrn Jesus Christus, der lebt und regiert als Gott durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.“

 

Die ehrwürdige Agnes Steiner, Klarissen-Äbtissin,

+ 24.8.1862 – Gedenktag: 24. August

 

Im Osten Tirols ragt das alte Schloss Welsberg. Nahe daran winkt freundlich die Pfarrgemeinde Taisten. Dort im Wiesengrund steht das Lahnerhaus, freilich nicht hoch und gewaltig wie das Schloss Welsberg, doch gar friedlich heimelt es an als Heimat der ehrwürdigen Agnes Steiner, die hier im kleinen Kämmerlein das Licht der Welt erblickte am 29. August 1813. Eben hundert Jahre später, am 29. August 1913 gelang mir (dem Josef Liensberger) der Gang nach Taisten, in ihr Heimathaus.

 

Frühzeitig erblühte im Herzen Theresias – das war ihr Taufname – kindliche Liebe zur himmlischen Mutter. Als ihr ein Liebfrauenbild geschenkt wurde, war sie fast außer sich vor Freude und wollte kaum aufhören, es unverwandten Blickes zu betrachten. Oft fanden die Verwandten sie kniend vor dem Bild der lieben Mutter Gottes. Noch lieber eilte die Kleine hinüber zur Pfarrkirche, wo vom Hochaltar lieblich das Bild „Mariahilf“ leuchtet. Nahe diesem Altar empfing Theresia im 10. Lebensjahr die erste heilige Kommunion und sie genoss fortan oft das lebendige Himmelsbrot. Als ihr am Fest der Erscheinung des Herrn 1826 wieder die Gnade der heiligen Kommunion zuteilwurde, schaute sie, vom himmlischen Licht erleuchtet, klar das Opfer der Weisen zu Bethlehem und wollte dem göttlichen Heiland auch ein Opfer darbringen: das Gelöbnis beständiger Jungfräulichkeit. Seither gewann sie noch tieferen Einblick in Gottes Macht und Heiligkeit und ins eigene Nichts. Um so großen Gnaden leichter entsprechen zu können, stellte sie sich noch inniger unter den Schutz der himmlischen Mutter:

 

Jungfrau, Mutter Gottes mein,

Lass mich ganz dein eigen sein!

 

Dieser Schutz war wohl nötig in den vielen inneren und äußeren Leiden, die bald über sie hereinbrachen. Eine Wallfahrt nach Absam brachte neuen Mut und Trost. Obwohl erst 18 Jahre alt, fühlte sich Theresia nun mächtig angeregt, den Kranken und Sterbenden beizustehen, ihnen leibliche und geistige Werke der Barmherzigkeit zu erweisen mit Hilfe Marias, dieser Mutter der Barmherzigkeit.

 

Dem klaren Ruf Gottes gemäß sollte Theresia Klosterfrau in Italien werden. Doch ihre Mutter und die Verwandten wehrten ab, hielten sie mit allen möglichen Mitteln zurück. In solcher Bedrängnis machte Theresia die Wallfahrt nach Trens, kniete da viele Stunden lang vor dem Gnadenaltar und sah, wie die himmlische Mutter ihr Blicke voll Liebe und Mitleid zuwandte. Wirklich gelang bald die Reise nach Assisi. Am 26. November 1838 erreichte Theresia glücklich die Heimat des heiligen Franziskus und fand ihr neues Heim im Kloster der bayerischen Nonnen, so nahe dem altehrwürdigen Kirchlein „Maria, von den Engeln“.

 

Als Schwester Agnes erhielt sie am 26. Juli 1839 das Ordenskleid und konnte am 6. Juni 1841 feierliche Profess ablegen. Seit der Profess vertiefte sie sich noch inniger in die Betrachtung des bitteren Leidens Christi, sah vor allem lebhaft, wie der göttliche Heiland ans Kreuz genagelt wurde, und bat inständig die schmerzhafte Mutter:

 

Heil`ge Mutter, drück die Wunden,

Die dein Sohn für mich empfunden,

Tief auch meinem Herzen ein!

 

Im Sommer 1842 schrieb Agnes: „Ich bete für die Sünder, gemäß dem Auftrag des Gehorsams, und betrachte das Leiden Christi. Die Mutter Gottes sagte mir einmal, ihr göttlicher Sohn müsse die Welt strafen wegen des großen Undankes, der Sünden und des schwachen Glaubens der Christen. Ich flehte, weinte und beschwor den ewigen Vater, sich durch Jesu Blut besänftigen zu lassen und die Hand von den angedrohten Geißeln, die ich über uns erblickte, zurückzuziehen. Nach langer Zeit, da ich so betete, erhob sich die seligste Gottesmutter, trat zu den Füßen Jesu und flehte um Barmherzigkeit, indem sie ihm ihre Schmerzen vorstellte. Da legte sich sogleich die Hand des Allmächtigen, ich weiß aber nicht, auf wie lange Zeit.“

 

Im Januar 1848 als Oberin des Klarissen-Klosters zu Nocera bestimmt, bemühte sich Agnes, durch Gebet und Arbeit, Geduld und Demut, allen voranzuleuchten auf dem Weg der Vollkommenheit, aber auch hier ihre Lebensaufgabe treu im Auge zu behalten: das sühnende Leiden. Sie vernahm nicht umsonst das Wort der himmlischen Mutter: „Opfer will der Herr von dir!“ All die zahlreichen inneren und äußeren Leiden opferte sie willig auf, Gottes Strafgericht möglichst abzuwenden. Mitten in Trübsalen erschien sie doch fröhlich, bewahrte die Freude im Herrn auch während ihrer letzten Krankheit.

 

Am hohen Fest Mariä Himmelfahrt schilderte sie noch lebhaft, wie die Chöre der Engel und Heiligen der glorreichen Himmelskönigin huldigen und sagte zum Trost der Schwestern, dass die Himmelskönigin ihr mächtigen Schutz für das Kloster versprochen habe. Am Fest des reinsten Herzens Mariä genoss sie morgens noch voll Freude des Herzens das lebendige Himmelsbrot, ja, beim Empfang der heiligen Hostie strahlten ihre Augen gleich Sternen. Am Abend dieses Festes – 24. August 1862 – erfüllte sich ihr bestimmtes Wort: „Heute holt die Mutter Gottes mich ab.“ Welch fröhlicher Heimgang der Seele ins himmlische Vaterhaus! Durch die Straßen Noceras verbreitete sich die Botschaft: „Die heilige Äbtissin ist gestorben.“ Ihr Leib sollte in neuer Gruft der Klosterkirche ruhen, sinnreich unter dem Bild der himmlischen Mutter, war ja Agnes stets durchdrungen von kindlicher Liebe zu Maria, konnte recht vertraulich im Sinne des innigen Liedes zu Mutter Gottes sagen:

 

Du bist ja die Mutter,

Dein Kind will ich sein,

Im Leben und Sterben

Dir einzig allein!

 

25. August

 

Der heilige Ludwig de France, IX. König von Frankreich,

+ 25.8.1270 - Fest: 25. August

 

Wie jeder Stand, so haben auch die Friseure einen himmlischen Patron, und es ist begreiflich, dass sich diese Leute, deren Leben ganz im Dienst der Schönheit steht, nicht irgendeinen, sondern einen sehr vornehmen Schutzherrn ausgesucht haben. Es ist der heilige König Ludwig von Frankreich, der als erster mit der damals allgemein geltenden Sitte brach, einen Bart zu tragen, und sich rasieren ließ. Daher kommt es, dass der heutige Tagesheilige der Patron der Friseure ist.

 

Der heilige Ludwig war übrigens ein schöner Mensch, blondgelockt, schlank, wohlgebaut und von solcher Körpergröße, dass ihm gewöhnliche Menschen nur bis an die Achsel reichten. Kopfhoch überragte er alle, eine wahrhaft königliche Gestalt, und zu der äußeren Schönheit gesellten sich überdies Hoheit des Geistes und Heiligkeit des Lebens. In Ludwig war das Wunschbild eines christlichen Herrschers erfüllt. Von außen und von innen war alles an ihm königliche Schönheit.

 

Wie so manches Kind, so verdankte auch Ludwig hauptsächlich der Mutter alles, was er war. Blanka hieß die Mutter, eine kluge und tatkräftige Frau, die während der Minderjährigkeit Ludwigs, der schon mit zwölf Jahren den Königsstuhl bestieg, die Geschicke Frankreichs mit Erfolg leitete. Es war eine prächtige Frau, die in allen Sätteln gerecht war und die durch die vielgestaltigen Regierungsgeschäfte nicht davon abgehalten wurde, das letzte Ziel des Christen stets im Auge zu haben. Auch sie wird von der Kirche als Heilige verehrt. Auf diese Weise wird Ludwigs Leben schon um vieles verständlicher, insofern nämlich eine heilige Mutter einen heiligen Sohn erzog.

 

Vor allem ließ es sich die heilige Königin Blanka angelegen sein, in ihrem Sohn eine solche Abscheu vor jeder Sünde zu wecken, dass Ludwig trotz der Verlockungen des hohen Standes stets ein sauberer Mensch blieb, und darin ist letztlich alle Schönheit grundgelegt, denn nur die Sünde macht hässlich.

 

Mit zwanzig Jahren führte Ludwig IX. das schönste Mädchen, das es damals in Frankreich gab, an den Traualtar. Der Ehe entsprossen elf Kinder, die der Vater nach dem Vorbild seiner Mutter mit strenger Liebe zunächst zu Christen und dann erst zu Fürsten erzog. Alle mussten täglich der Heiligen Messe beiwohnen, und wenn eines der königlichen Kinder über die Stränge schlug, so tat es das im Andenken an die scharfe Zuchtrute des Vaters ein zweites Mal nicht mehr. Überhaupt macht man sich zuweilen ein durchaus verkehrtes Bild von den Heiligen, indem man meint, sie liefen nur so über von Gutmütigkeit, die bereits an Dummheit grenzt. Nein, so ist es nicht, denn auch ein heiliger Vater ist beispielsweise nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, Strenge dort walten zu lassen, wo Güte fehl am Platze ist.

 

Diese Erfahrungen mussten zu Ludwigs Zeiten auch die Großen des Reiches machen, als sie glaubten, der heilige König werde beide Augen fromm und bescheiden zudrücken, wenn sie die kleinen Leute schindeten und die Armen aussogen. Da schnitten sie sich gewaltig in den Finger, denn Ludwig, sonst mild und gütig, schlug mit eiserner Faust zu.

 

Auf der anderen Seite zeigte sich Ludwigs große Heiligkeit in einer grenzenlosen Wohltätigkeit. Unsummen gab er an die Armen weg, die in seinem Haus sogar Tischrechte besaßen. Der König scheute sich nicht, mit Bettlern und Aussätzigen zu speisen, und überall, wohin er kam, besuchte er die Kranken in den Spitälern. Als ihm einst ein Minister gutgemeint vorhielt, er übertreibe, verliere zu viel Zeit beim Beten und Wohltun, gab der Getadelte die wahrhaft königliche Antwort: „Wenn ich ständig bei Spiel und Gelage säße und wochenlang auf der Jagd läge, so würde mir das vornehme Geschmeiß keinen Vorwurf machen. Ich tue weiter, was ich bisher tat.“

 

Zweimal unternahm der ritterliche König, dem Zug des frommen Herzens folgend, einen Kreuzzug zur Rückgewinnung des Heiligen Landes. Beide Male ohne Erfolg, und als im Heer auf dem letzten der Kreuzzüge die Pest ausbrach, erlag auch Ludwig der Seuche am 25. August 1270, und da hat ihn Gott, wie das heutige Kirchengebet sagt, von dem irdischen Königreich in die Glorie des himmlischen Reiches versetzt.

 

Der heilige Gregor von Utrecht, Abt und Bischof von Utrecht,

+ 25.8.780 (?) – Fest: 25. August

 

Auf seiner Rückreise von Friesland nach Thüringen im Jahr 722 kehrte der heilige Bonifatius in dem Frauenkloster Pfalzel unweit von Trier ein. Nach vollbrachtem heiligen Messopfer wünschte der Heilige die Einrichtung dieses berühmten Klosters kennen zu lernen, um nach seinem Muster in den für den Glauben gewonnenen deutschen Ländern neue Ordenshäuser zu gründen. Addula, die Äbtissin des Klosters, eine Tochter König Dagoberts II., war in jüngeren Jahren vermählt gewesen, trat als Witwe ins Kloster ein und erzog viele edle Fräulein zu einem vollkommenen Leben. Sie teilte dem Gast die Ordensregeln mit und lud ihn zu Tisch.

 

Gregor, ein Enkel Addulas, ein Junge von 14 Jahren, der eben seine Großmutter besuchte, wurde herbeigerufen, um bei Tisch, wie es in den Klöstern üblich war, einen Abschnitt aus der heiligen Schrift vorzulesen. Er las sehr gut. Als ihn aber der heilige Bonifatius fragte: „Verstehst du auch, was du gelesen hast? Kannst du es nicht in deiner Muttersprache mit anderen Worten wiedergeben?“ Da gestand der Junge, dass er es nicht könne. Bonifatius erklärte nun selbst den gelesenen Abschnitt des Evangeliums mit einem solchen Feuer der Beredsamkeit, dass alle Anwesenden erstaunten, und besonders wurde der junge Gregor so gewaltig ergriffen, dass er sogleich seine Großmutter bat, ihn mit dem Heiligen ziehen zu lassen. Die Äbtissin riet ihm ab, weil er zart gebaut war und Bonifatius ein strenges Leben in Wäldern, unter Gefahren und barbarischen Völkern führte. Der Junge aber ließ mit Bitten nicht nach und erklärte mit Entschiedenheit: „Wenn du mir kein Pferd gibst, mit ihm zu reiten, so werde ich ihm zu Fuß nachlaufen.“ Addulas Frömmigkeit siegte über ihre natürliche Liebe zu ihrem Enkel. Sie ließ ihn mit Bonifatius zu dem großen Missionswerk ziehen.

 

Es war ein heldenmütiger Entschluss für einen zarten, in Reichtum und Überfluss aufgewachsenen Sohn aus königlicher Familie, sein Vaterland, seine teuren Angehörigen und Freunde, den Glanz und die Annehmlichkeiten des Hoflebens zu verlassen, und ein Leben in Armut, Hunger und Verfolgungen zu führen. Aber Gregor begleitete den Apostel Deutschlands auf seinen beschwerlichen Missionsreisen in Hessen, Thüringen und Friesland, zog mit ihm über die Alpen nach Rom und brachte von dort viele heilige Schriften mit nach Deutschland, erschien mit ihm nach Karl Martells Tod am Hof Karlmanns und Pipins, nahm mit ihm teil an einer Verteidigung vor den Königen und dem fränkischen Senat gegen die Feinde seines Meisters, begleitete ihn auch auf seiner dritten Reise nach der ewigen Stadt und erwarb daselbst zwei angelsächsische Jungen, die er zu seinen Gehilfen heranbildete.

 

Kurz vor dem Tod des heiligen Bonifatius ging Gregor im Auftrag des Papstes Stephan und des Königs Pipin nach Friesland, um dort das Evangelium zu verbreiten. Für seine hohe Aufgabe erachtete er eine tüchtige Schule als wichtigstes Erfordernis. Deshalb sammelte er junge Männer um sich aus allen Stämmen, Franken, Friesen, Sachsen, Bayern, Schwaben, Angeln, aus hohen und niederen Ständen, und erzog sie wie ein liebevoller Vater, in den Wissenschaften und allen Tugenden. Aus seiner Schule gingen viele ausgezeichnete Lehrer und Bischöfe hervor, unter ihnen sein Lebensbeschreiber und erster Bischof von Münster, der heilige Liutger (Ludger). Ohne selbst Bischof zu sein, leitete Gregor als Abt und Schulvorsteher des St. Martinsmünsters zu Utrecht das Bistum im päpstlichen und königlichen Auftrag und ließ sie bischöflichen Verrichtungen von dem angelsächsischen Chorbischof Alubert vornehmen.

 

Der ehrwürdige Abt Gregor leuchtete seinen Schülern und allem Volk mit den herrlichsten Tugenden vor. Einer seiner Schüler schildert seinen Charakter in folgender Weise: „Er war frei von aller Anhänglichkeit an die Güter der Erde und sein Herz war rein von allem Eigennutz. Man konnte von ihm in Wahrheit sagen: Er ging dem Gold nicht nach und setzte sein Vertrauen nicht auf Geld und Gut. Seine Besitztümer waren in Gott gesichert, indem er reichlich Almosen gab und die ganze Gemeinde der Heiligen seine Wohltätigkeit rühmte. Tief hat er seinem Gemüt die Wahrheit der Worte eingeprägt: Die Habsucht ist eine Wurzel aller Übel. Er scheute davor, wie vor einem jähen Abgrund. Wie geldgierige, geizige Menschen, denen ihre Seele für Geld feil ist, in beständiger Furcht leben, ihren zeitlichen Gewinn zu verlieren, so fürchtete sich der heilige Mann, durch das Hinterlegen und Aufbewahren irdischer Güter die himmlischen zu verlieren. Sobald er etwas Gold oder Silber in die Hand bekam, verwendete er es sogleich zum Besten seiner Mitmenschen und verteilte es unter Arme und Dürftige. Er befolgte genau den Ausspruch des Evangeliums: Sammelt euch Schätze für den Himmel, wo Rost und Motten sie nicht verzehren und die Diebe sie nicht stehlen.“

 

Alles Sinnen und Trachten Gregors war auf den Himmel gerichtet. Deshalb verachtete er die Reize der Welt, liebte und übte Armut und Abtötung, vermied in Nahrung und Kleidung alles Überflüssige, hielt sich selbst für gering und duldete nicht die Verkleinerung anderer. Ein reines Herz schätzte er über alles hoch, er pflegte bei seinen Zuhörern den Ekel vor der Sünde und die Liebe zur Tugend. Die Wohltätigkeit, die er selbst bis zum äußersten Maß übte, empfahl er auch seinen Schülern, und mahnte sie ernstlich, nicht bloß Hörer, sondern auch Vollbringer des göttlichen Wortes zu sein.

 

Ein hervorragender Zug im Leben Gregors war seine mitleidige Liebe, sein herzliches Wohlwollen selbst gegen seine Feinde. Wurde er von seinen Feinden gelästert, so schien er taub und stumm. Traf er seine Lästerer, so kam er ihnen so liebevoll entgegen, als wären sie seine besten Freunde und Wohltäter. Seine Demut und seine Liebe zu Jesus ließ ihn das Bitterste leicht erdulden. Mit den Aposteln freute er sich, um des Namens Christi willen Schmach zu leiden. Wie großmütig er selbst den Todfeinden verzieh, möge folgende Begebenheit beleuchten: Zwei seiner Brüder waren auf der Heimreise von Räubern überfallen und ermordet worden. Der Abt Gregor wurde durch die Nachricht vom Tod seiner lieben Brüder tief betrübt. Man fing die Räuber ein und verurteilte sie zu der schauerlichsten Todesstrafe. Aus Ehrfurcht vor dem heiligen Abt Gregor übersandten ihm die Richter die zwei Mörder, damit er ihre Todesart bestimme und glaubten, er werde eine besonders schmerzliche aussinnen. Aber der edle Gottesmann gedachte des Ausspruchs Jesu: „Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, damit ihr Kinder eures Vaters seid, der seine Sonne aufgehen lässt über Gute und Böse und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte.“ Mit mildem Ernst stellte Gregor den Mördern die Größe ihres Verbrechens vor, das die göttliche und menschliche Strafgerechtigkeit herausfordere und mahnte sie zur Buße. Dann ließ er ihnen die Ketten abnehmen, sie neu kleiden und speisen, und gab ihnen Leben und Freiheit mit den Worten: „Geht hin in Frieden und sündigt nicht mehr, damit euch nichts Schlimmeres geschehe!“ Ja er gab ihnen noch den väterlichen Rat, sie sollten sich vor seinen Verwandten in Acht nehmen, weil die sicher an ihnen Rache nehmen würden. Sein Lebensbeschreiber ruft hier aus: „Was soll ich hierüber sagen? Wie gering, wie schwach ist dagegen unsere Tugend! Ach, wir können ja kaum ein beleidigendes Wörtchen mit Geduld ertragen, ohne auf Rache zu sinnen. Wenn wir zu einem so vollkommenen Mann emporblicken, wie tief stehen wir unter ihm! Wie weit sind wir noch von seiner Vollkommenheit entfernt! Kam es uns nur je in den Sinn, so zu handeln? Sollten uns bei diesem Gedanken nicht Tränen in die Augen kommen? Möchten diese Tränen der Reue und Beschämung uns, die wir so ganz ohne Verdienst sind, bei Gott Barmherzigkeit finden lassen!“

 

Im hohen Alter von 70 Jahren wurde Gregor auf der linken Seite gelähmt. Desungeachtet ließ er sich noch in die Kirche leiten, und als er nach drei schmerzvollen Jahren das Bett nicht mehr verlassen konnte, sammelte er öfters seine Jünger um sich, sang mit ihnen die Psalmen und erklärte ihnen die Heilige Schrift. Dann verteilte er seine einzigen Schätze, seine Bücher, unter die geliebten Jünger und gab jedem ein Andenken. Alberich, der würdigste unter seinen Schülern und sein Nachfolger, befand sich auf einer Reise nach Rom. Man bedauerte, dass er bei dem Scheiden seines lieben Lehrers nicht zugegen sein könne. Gregor aber sprach: „Seid unbekümmert! Ich werde nicht von hinnen scheiden, bevor er kommt.“ Wirklich kehrte Alberich unerwartet zurück und Gregor erteilte ihm wichtige Aufträge und Ermahnungen. Drei Tage später ließ er sich vor den Altar des göttlichen Erlösers tragen, empfing mit rührender Andacht die heiligen Sterbesakramente, und Herz und Auge zum Altar gerichtet, verschied er im Jahr 780.

 

Sein treuer Schüler Ludger schildert das Leben seines geliebten und heiligen Meisters und prägte dessen Lehren und Tugenden seinem Herzen so tief ein, dass er selber ein hellleuchtendes Licht der Kirche wurde auf dem bischöflichen Stuhl zu Münster.

 

Der heilige Josef von Calasanza, Spanien, Priester und Ordensstifter,

+ 25.8.1648 - Fest: 25. August

 

Das Andenken an den heiligen Josef von Calasanza hat etwas mit Kindern zu tun, die Jesus im Evangelium sogar über die Erwachsenen stellt: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich eingehen.“ Der heilige Josef von Calasanza war ein einzigartiger Kinderfreund, der das Wort des Herrn beherzigte: „Lasst die Kinder zu mir kommen, denn ihnen gehört das Himmelreich.“

 

Josef, der letzte Nachkomme aus dem adeligen Grafengeschlecht der Calasanza, wurde im Jahr 1556 auf einem Bergschloss in Spanien geboren. Als junger Mann studierte er an der Hochschule zu Lerida die Rechtswissenschaft, um nach dem Wunsch des Vaters später Staatsbeamter zu werden. Sein eigener Wunsch zielte allerdings von vornherein auf das Priestertum, aber er fügte sich dem Wunsch seines Vaters.

 

Recht locker und lustig war das Leben der Studenten zur damaligen Zeit. Die meisten schwänzten die Schule, schlugen kaum mal ein Buch auf und lernten nichts. Dafür lagen sie halbe Tage und ganze Nächte in den Wirtshäusern und zechten und drangsalierten nebenbei in unverschämter Weise die kleinen Leute. Das nannten sie studentische Freiheit. Als die Lehrer mit Geboten und Verboten dagegen einschritten, protestierten die Gemaßregelten laut und lärmend. Da erhob sich furchtlos unter ihnen der junge Graf von Calasanza. Als einer von ihnen wies er sie zurecht, nahm die Lehrer in Schutz und hielt ihnen vor, dass man Freiheit nicht mit Zügellosigkeit verwechseln dürfe. Frisch und mutig sprach er zu ihnen, und wenn ihm sein kühnes Auftreten anfangs auch Spott eintrug, so konnte man ihm auf die Dauer die Hochachtung nicht versagen. Die Besseren unter den Mitschülern gaben ihm recht, schlossen sich ihm an, studierten eifriger, beteten mehr und wurden später auch tüchtige Leute. Daran sieht man deutlich, was einer ausrichten kann, wenn er keine Menschenfurcht kennt.

 

Graf Josef von Calasanza ist dann nach Gottes weiser Fügung nicht Staatsmann geworden, sondern Priester, so wie er es sich gewünscht hatte. Er wurde ein eifriger Priester, der in der spanischen Heimat landauf und landab als Volksmissionar tätig war. Als er später eine Wallfahrt nach Rom machte, blieb er dort hängen. Es gefiel ihm nämlich gut in der Ewigen Stadt.

 

Was dem Heiligen in Rom allerdings nicht gefiel, war die Tatsache, dass es für die Kinder der armen Leute überhaupt keine Schulen gab. Wie die Wilden wuchsen sie heran, lernten nichts und wussten nichts, lungerten auf den Straßen herum, bettelten die Pilger an und verkamen und verlotterten. Nicht selten wurden aus ihnen später Räuber und Diebe. Es ist immer ein großes Unglück, wenn ein Kind ohne Schule heranwachsen muss.

 

Natürlich gab es damals Schulen für die Reichen, aber um die armen Kinder kümmerte sich niemand. Das war übrigens nicht nur in Rom der Fall, sondern überall, man wusste es einfach nicht besser. Da hat nun der heilige Josef von Calasanza zunächst in Rom eine Schule gegründet, in der er die Kinder der unbemittelten Leute unentgeltlich unterrichtete. Auch Bücher, Papier und Schreibwerkzeuge schenkte er den Kindern. Und als er dabei selbst arm wurde, bettelte er bei den reichen Leuten um milde Gaben.

 

Noch mehr tat er, denn wenn er tagsüber die lebhaften Römerkinder von Klasse zu Klasse unterrichtet hatte, reinigte er abends die Schulstuben und die Treppen und schnitt in der Nacht den Schülern die Gänsekiele zurecht, mit denen man damals schrieb. Über fünfzig Jahre hat er es so gemacht. Er hat auch einen Lehrorden gegründet, dessen Mitglieder sich dem Unterricht der armen Kinder widmeten. Und weil sich der neue Orden rasch über ganz Europa verbreitete, so entstanden bald überall neue Schulen für die armen Kinder.

 

Der heilige Josef von Calasanza ist also jener Mann, der die Volksschulen erfunden hat. Nicht tadeln darf man ihn deswegen, man muss ihn vielmehr loben, denn wenn auch die Schule für die Kinder nicht immer angenehm ist, so ist doch nicht zu leugnen, dass der Unterricht allen zum Segen gereicht.

 

26. August

 

Der heilige Alexander, Soldat und Martyrer von Bergamo,

+ 54-68 – Fest: 26. August

 

Der heilige Martyrer Alexander diente als Soldat bei der thebaischen Legion und wurde am 15. Tag nach seiner Bekehrung bei Kaiser Maximian als Christ angegeben. Dieser ließ ihn sogleich vorrufen und gebot ihm, den Göttern zu opfern. Er aber stieß voller Abscheu den Opfertisch um und zertrat mit den Füßen die Götzenbilder. Da schrie der Kaiser seinen Trabanten zu: „Hauet den Frevler nieder!“ Wie aber einer von ihnen den Blutbefehl vollziehen wollte, blieb er plötzlich erstarrt stehen und ließ das Schwert seiner Hand entfallen. Auf die Frage, wie das komme, gab er zur Antwort, das Haupt des Heiligen sei ihm so groß wie ein Berg erschienen, so dass er den Hieb nicht habe führen können. Als nun andere auf den Martyrer losstürzten, ließ er sich freudig auf seine Knie nieder und empfing den Todesstreich. Dies geschah zu Bergamo, einer Stadt in Italien am Fuß der Alpen. Der Heilige ist Patron von Freiburg im Breisgau.

 

27. August

 

Die heilige Margarita, Witwe von Septempeda, Italien,

+ 5.8.1395 – Fest: 27. August

 

Die heilige Margarita war die Tochter armer bäuerlicher Eltern aus Cesolo bei S. Severino im Kirchenstaat, aber je weniger von der Welt, desto mehr vom Himmel mit Gütern ausgestattet. Während sie die Beschäftigung des Schafhütens trieb, rangen in ihrem Herzen die Tugenden der Liebe, Keuschheit und Demut um die Oberhand und adelten sie höher, als ein kaiserlicher Wappenbrief. Als Mädchen von sieben Jahren hegte sie bereits solches Mitleid gegenüber den Armen, dass sie eines Tages einem Bettler all ihr Brot aus der Hirtentasche hingab und nun selbst hungerte. Gegen die Gewohnheit der dortigen Frauen ging sie einem frommen Gelübde zufolge ihr ganzes Leben hindurch mit bloßen Füßen herum, was ihr den Beinamen „Discalceata“ zuzog. In ihrem fünfzehnten Lebensjahr verheiratete man sie gegen ihren Willen an einen Mann aus S. Severino, der, rauen Gemütes, ihren inneren Wert nicht erkannte und sie höchst unwürdig behandelte. Trotz aller Beflissenheit konnte sie ihm nichts gut genug tun, und insbesondere nahm er an ihren nackten Füßen Ärgernis und verlangte, sie solle wie andere Frauen Schuhe anziehen. Margarita aber wollte ihrem Gelübde nicht untreu werden, und jetzt kam ihr auf ihr Flehen der Himmel zu Hilfe und blendete die Augen ihres Haustyrannen, so dass es ihm schien, als trüge sie Schuhe. Häufig ging sie von Cesolo nach S. Severino zur Beichte, was ihr neue Unannehmlichkeiten von Seiten ihres Mannes zuzog, der darüber in seinem Weltsinn die Wirtschaft zugrunde gehen sah. Deshalb, so erzählt die Legende, sandte Gott einen Engel, der in ihrer Abwesenheit die Herde hütete und die Arbeiten auf dem Feld und im Haus für sie verrichtete. Nach einundzwanzig Jahren schließlich wurde sie durch den Tod ihres Mannes von dem Joch eines harten Ehestandes erlöst, und nun fing sie nach dem Drang ihres Herzens umso mehr an, der Andacht obzuliegen und ein strenges Leben zu führen. Mit dem Anbruch der Morgenröte stand sie auf und ging zur Heiligen Messe. Die übrige Zeit des Tages brachte sie mit der nötigen Hausarbeit, der Tröstung der Unglücklichen und der Pflege der Kranken zu. Selbst zu arm, um ergiebiges Almosen reichen zu können, sammelte sie es von den Vermögenden und verteilte es sodann. Als ihr einmal der böse Feind im Traum erschien und zu ihr sagte: „Vergebens, Unselige! Fastest du und kasteist dich, denn du tust es nur, um von den Leuten gesehen zu werden. Du isst kein Fleisch und trinkst keinen Wein, fällst aber desto begieriger über die Feigen und Trauben her“ – berührte sie von der Stunde an keine dieser Früchte mehr. Ihren Tod wusste und verkündete sie voraus. Sie starb im Jahr 1395 und wurde unter großem Zulauf des Volkes in der Kirche S. Maria del Mercato beigesetzt. Weil an ihrem Grab viele Wunder geschahen, hieß der päpstliche Stuhl ihre Verehrung gut.

 

28. August

 

Der heilige Augustinus,

Bischof von Hippo, Kirchenlehrer und Ordensstifter,

+ 28.8.430 - Fest: 28. August

 

In seiner Jugend war Augustinus wegen seines leichtsinnigen Lebens ein Sorgenkind seiner Mutter Monika. Wie er aber ein Heiliger wurde, hat er selbst in einem Buch erzählt. Darin beschreibt er das eigene Leben mit den Verirrungen der Jugendzeit, die Flucht aus dem Elternhaus, das Gebet der treuen Mutter, seine Seelenqualen und schließlich die Bekehrung.

 

Das alles erzählt der Schreiber in aufrichtiger Demut und mit einem Herzen voll Reue, Liebe und Dankbarkeit. Heute noch wird das Buch mit dem Titel „Bekenntnisse“ des Heiligen von ungezählten Menschen mit großem Interesse gelesen und nachempfunden, und die Zahl jener, die durch die Schrift bekehrt wurden, kennt Gott allein.

 

Noch andere Bücher hat der heilige Augustinus geschrieben, voll von tiefer Gottesgelehrtheit. Deshalb zählt er auch zu den vier Großen Kirchenvätern des Abendlandes. Eins von diesen Büchern berichtet über die Allerheiligste Dreifaltigkeit. Bevor der Heilige es schrieb, hat er wochen- und monatelang über das große Geheimnis nachgedacht, ohne an ein Ende zu gelangen. Denn wer sich in Gott hineindenkt, der kommt nie auf den Grund, weil Gott unergründlich, tiefer als die Erde und höher als der Himmel ist.

 

In dieser Zeit nun, so berichtet die Legende, als Augustinus über den dreieinigen Gott eifrig nachdachte, ging er eines Tages, in Gedanken verloren, am Meeresstrand entlang. Wie zufällig traf er auf einen etwa sechsjährigen Jungen, der am Ufer spielte. Nach Kinderart hatte er mit einer Schaufel eine Vertiefung im Sand ausgehoben und trug in einer Muschel Wasser aus dem Meer in die Grube. Zehn-, zwanzigmal lief der Kleine hin und her. Augustinus schaute interessiert dem kindlichen Spiel zu, bis er nach einer Weile fragte: „Kind, was machst du da?“ „Das kannst du doch selbst sehen, was ich mache“, antwortete der Junge, „ich will das Meer in die Grube umfüllen.“ Da schüttelte Augustinus den Kopf und sagte überlegen: „Kind, das ist nicht möglich, das geht doch nicht.“ So sprach der Heilige, aber da war es an dem Kleinen, mit überlegenem Lächeln zu erwidern: „Eher gelingt es mir, das weite Meer in die kleine Grube umzufüllen, als dass es dir gelingt, das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zu ergründen.“ Nach diesen Worten war der Junge verschwunden.

 

Vielleicht ist es ein Engel gewesen, der Augustinus warnen wollte, sich in den Abgründen des göttlichen Wesens zu verlieren. Gott ist nämlich viel zu groß, als dass er von einem kleinen Menschengeist erforscht werden kann. Deshalb muss sich auch bei den Geheimnissen Gottes der Verstand dem Glauben unterordnen.

 

Augustinus, der die zweite Hälfte des Lebens, über dreißig Jahre lang, Bischof von Hippo in Nordafrika war, starb am 28. August 430. Seitdem glänzt er als ein Stern erster Größe am Himmel der Heiligen Gottes. Augustinus war groß als Mensch und als Kirchenlehrer. Aber die schönste Seite in seinem Leben hat die Gnade damals geschrieben, als sie ihn aus einem verlorenen Sünder zu einem Heiligen machte.

 

Nie darf daher der Christ das Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes verlieren.

 

Der heilige Pelagius, Martyrer von Konstanz am Bodensee,

+ 28.8.284 – Fest: 28. August

 

Von Rom, dem Mittelpunkt der Christenheit, dem Sitz des Statthalters Jesu Christi, drang schon in den ersten Jahrhunderten die Fackel des christlichen Glaubens in alle Provinzen des römischen Weltreiches. Auch im Gebirgsland Krain bekannten sich viele Bewohner zur Lehre Jesu. Einer der hervorragendsten Männer jener römischen, später österreichischen Provinz war der heilige Pelagius.

 

Zu Laibach (Emona) an der Sau wurde um das Jahr 259 den christlichen und sehr angesehenen Eltern Pelusius und Hilaria von Gott ein Sohn geschenkt, der in der heiligen Taufe den Namen Pelagius erhielt. Die frommen Eltern legten den ersten und tiefsten Grund zur religiösen Erziehung ihres begabten Jungen und übergaben ihn dann im siebenten Jahr einem frommen Priester, namens Uranius, der ihn nicht nur in den weltlichen Wissenschaften unterrichtete, sondern auch in der Furcht des Herrn und in Tugendübungen sorgsam erzog. Nach dem frühzeitigen Tod seiner Eltern verteilte Pelagius das reiche Erbe unter die Armen und sagte der Welt Lebewohl, um unter der Leitung seines ausgezeichneten Lehrers nach der höheren Vollkommenheit in der treuen Nachfolge Christi zu sterben.

 

Während der grausamen und blutigen Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Numerian verließen Uranius und Pelagius ihr Heimatland und kamen nach langem Hin- und Herreisen an den Bodensee zu der römischen Festung Niederburg, die die Römer als Schutzwehr gegen die Überfälle der Deutschen erbaut hatten und an jener Stelle stand, wo Kaiser Konstantin später eine Stadt erbaute, die nach seinem Namen Konstanz genannt wurde. Auch hier wütete der römische Statthalter Evilasius gegen die Christen mit Feuer und Schwert. Als er vernahm, dass Pelagius ein Christ sei, ließ er ihn ergreifen und versuchte ihn zum Abfall vom Christentum zu bewegen. Da gütiges Zureden nicht fruchtete, ließ er den jungen Pelagius auf die Folter spannen, aber auch unter den entsetzlichsten Qualen bekannte er freudig seinen Glauben. Darauf ließ der blutdürstige Tyrann den mutvollen Bekenner mit Ruten peitschen, aufhängen, mit eisernen Haken sein Fleisch zerreißen und siedendes Öl in die Wunden gießen. Als der heldenmütige junge Mann allen Qualen widerstad, befahl der Wüterich, vor Zorn außer sich, glühende Kohlen, Glas und irdene Scherben zu streuen und Pelagius darauf hin und her zu wälzen. Allein Pelagius redete den Tyrannen mit den Worten an: „Erröte, Elender! Diese Martern erquicken mich, wie liebliche Rosen und sind mir weit mehr zur Freude, als zur Qual und zum Schmerz.“ Hierüber noch mehr erbittert, ließ Evilasius den heiligen Blutzeugen außerhalb der Stadt am 28. August 284 enthaupten.

 

Sein Lehrer Uranius mit einigen Christen bestatteten den Leichnam des hochherzigen Märtyrers. In der Folge kamen die Reliquien des heiligen Pelagius nach Rom, wurden vom Bischof Salomon III. im Jahr 918 wieder nach Konstanz zurückgeführt und er wurde als Schutzheiliger dieser Diözese fortan mit jährlicher Oktavfeier verehrt.

 

29. August

 

Die Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers

 

Johannes der Täufer, der Sohn des Zacharias und der Elisabeth, bei der Heimsuchung Mariä bereits vor der Geburt geheiligt, reifte früh zu ernster Männlichkeit heran und ging mit jungen Jahren in die Wüste, um sich in Gebet und Fasten auf den hohen Beruf vorzubereiten, für den ihn Gott ausersehen hatte. Als er etwa dreißig Jahre alt war, verließ er die Einsamkeit und trat am Jordan als Bußprediger und als der Wegbereiter des Messias auf. Immer wieder wies er auf den einen hin, der nach ihm kommen werde, der größer sei als er und dessen Schuhriemen aufzulösen er nicht verdiene. Und als sich der Heiland bei ihm einstellte und sich von ihm taufen ließ, führte er seine Jünger dem Meister zu. Auch als Jesus seine öffentliche Wirksamkeit begann, setzte Johannes die eigene Tätigkeit fort, bis ihr durch die Gefangennahme von seiten des Königs Herodes ein gewaltsames Ende bereitet wurde.

 

Herodes hatte einen Bruder, der Philippus hieß. Diesem nahm er die Gattin mit Namen Herodias weg und lebte mit ihr zusammen. Die beiden, Herodes und Herodias, glichen sich allerdings auf ein Haar. Liederliche Menschen waren es. Das ganze Land entsetzte sich über das Ärgernis, das vom Königshaus ausging, aber niemand brachte den Mut auf, dem König die Schande ins Gesicht zu sagen, niemand bis auf einen, und dieser eine war Johannes der Täufer, der vor Herodes hintrat und zu ihm als Mann zu Mann sprach: „Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben.“ So sagte Johannes, aber der König, der sonst dem Heiligen nicht übel gesinnt war und zuweilen sogar auf seinen Rat hörte, war nicht Manns genug, um den mannhaften Vorwurf des Bußpredigers zu verschmerzen, zumal da die gottlose Frau hinter ihm stand und ihn immer wieder verhetzte, dass er den lästigen Mahner beseitigte. Dazu konnte sich Herodes allerdings nicht entschließen, denn er fürchtete das Volk, das den großen Propheten hochschätzte. Schließlich aber gab der königliche Pantoffelheld dem Drängen der gehässigen Frau insofern nach, dass er den Täufer verhaften und einsperren ließ.

 

Da kam, wie das heutige Evangelium berichtet, ein gelegener Tag. Herodes feierte Geburtstag. Die Großen des Landes fanden sich zum Fest im königlichen Schloss ein. Es ging hoch her. Man schmauste, man tanzte, und der Wein floss in Strömen, und immer roher und ausgelassener wurde die Stimmung. Gegen Ende des Festes trat dann noch Salome, die nichtsnutzige Tochter der gottlosen Herodias, in den Saal und führte einen losen Tanz auf, der ihr rauschenden Beifall einbrachte, und der König, trunken vom Wein und seiner nicht mehr mächtig, rief der frechen Tänzerin zu, sie könne sich ausbitten, was sie wolle, er werde es ihr geben, und wenn es selbst das halbe Reich wäre, dafür bürge er mit seinem Eid.

 

Weil Salome im ersten Augenblick nicht wusste, was sie begehren sollte, beriet sie sich mit der Mutter, die sie ohne Bedenken aufforderte, das Haupt des Johannes zu verlangen. Sogleich ging Salome zum König und sagte: „Ich will, dass du mir das Haupt des Täufers auf einer Schüssel gibst.“ Da entsetzte sich Herodes, aber wegen des Schwures und aus feiger Menschenfurcht vor den Gästen willfahrte er dem Begehren, ließ Johannes enthaupten und den Kopf des Vorläufers der Salome auf einer Schüssel überreichen. Diese hinwieder brachte die grausige Schüssel der Mutter, deren Hass mit dem Tod des heiligen Johannes endlich gestillt war. Für den Gemordeten allerdings war der Tod ein herrliches Sterben im Dienst der Wahrheit.

 

Selbstredend ließ Gott die Bluttat nicht ungestraft. Herodes wurde später bekriegt, überwunden, aus dem Land verjagt und endete als Bettler zu Lyon in Frankreich, wohin ihn der römische Kaiser verbannt hatte. Salome aber brach, wie alte Schriftsteller berichten, eines Tages so unglücklich in einem zugefrorenen Fluss ein, dass ihr die Eisstücke den Kopf vom Rumpf trennten. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher.

 

Der heilige Mederich / Medericus, Priester und Abt von Paris,

+ 29.8.700 – Fest: 29. August

 

Der heilige Medericus, Abt des Benediktinerordens, wurde im 7. Jahrhundert zu Autun in Frankreich von adeligen Eltern geboren und weihte sich schon im Alter von dreizehn Jahren unter den Mönchen von St. Martin daselbst dem Herrn. Sein Herz brannte von heiliger Liebe, und nichts war imstande, diesem Feuer Einhalt zu tun. Zum jungen Mann herangereift dachte er fortwährend auf neue Mittel, der Welt zu sterben und Christus allein zu leben. Er aß nur zweimal in der Woche und da nur Gerstenbrot, und trug ein raues Bußhemd. Sein Leben war mehr im Himmel, als auf der Erde. Nach dem Tod des Abtes begehrte ihn die ganze Umgegend als dessen Nachfolger, und der Bischof säumte nicht, ihn zu benedizieren. Mederich übte eine seltene Gewalt über die Seinigen. Es war die Gewalt der Gnade und Salbung, die alle mit Hochachtung und Liebe ihm gegenüber erfüllte. Der Andrang der Leute aus der Nähe und Ferne ließ ihn nach einiger Zeit besorgt sein, er möchte seiner selbst vergessen und in die Schlingen des Stolzes fallen. Daher schied er aus der Genossenschaft aus und ließ sich im Dunkel des nahen Waldes nieder. Betrübt darüber suchten ihn die Brüder überall, und als sie ihn endlich gefunden hatten, baten sie ihn dringend, zu ihnen zurückzukehren. Er aber weigerte sich, bis der Bischof unter Androhung der Exkommunikation ihm befahl, die Seinigen wie vorher zu leiten. Gott wirkte jetzt auffallende Zeichen durch ihn und gab zu erkennen, wie seine Hand über ihm sei. Bereits weit im Alter vorgerückt machte der Heilige mit dem frommen Frodulph, den er aus der Taufe gehoben hat, eine Wallfahrt nach Paris, wo er seine Wohnung in der St. Peterszelle nahm. Dort lebte er beständig kränkelnd noch gegen drei Jahre, bis ihn um 700 der Herr von hinnen rief. Sein Leib wurde in der dasigen Kirche begraben, die später großartig neu erbaut wurde und seinen Namen erhielt.

 

30. August

 

Der heilige Fiakrius, Einsiedler von Meaux, Frankreich,

+ 30.8.670 – Fest: 30. August

 

Der heilige Fiakrius, Einsiedler, stammte aus einer angesehenen Familie Irlands und wurde unter der Leitung eines frommen Bischofs erzogen. Die Freuden der Welt verachtend sagte er in der Blüte des Alters seinem Vaterland Lebewohl und setzte von einigen jungen Männern begleitet, die gleich ihm den Dienst des Herrn sich widmen wollten, nach Frankreich über, um da in der Einsamkeit zu leben. Als er im Bistum Meaux angelangt war, begab er sich zu dem heiligen Bischof Faro, der ihm zum Aufenthalt den Ort Breuil im Ländchen Brie anwies. Der Heilige machte im dasigen Forst eine Strecke Landes urbar und erbaute sich eine Zelle mit einem Bethaus zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria. Daneben legte er ein Gärtchen an, das er selbst bepflanzte. Seine Lebensweise war äußerst streng, und nur die Notwendigkeit und die Nächstenliebe konnte ihn vermögen, die Übung des Gebetes und der Betrachtung zu unterbrechen. Da viele sich bei ihm Rat einholten, ließ er in einiger Entfernung von seiner Zelle eine Art Spital erbauen. Darin bediente er mit eigenen Händen die Armen und erlangte ihnen oft durch sein Gebet die Gesundheit wieder. Den Frauen aber gestattete er nicht, die Umgebung seiner Klause zu betreten; das war eine unverletzliche Regel bei den irländischen Mönchen. Man liest auch von ihm, dass er in den benachbarten Landstrichen mit großem Erfolg das Evangelium gepredigt habe. Er starb um das Jahr 670 und wurde in seinem Bethaus beigesetzt, bei dem später die Mönche von St. Faron ein Priorat errichteten. Aus allen Provinzen Frankreichs wallfahrtete man an sein Grab, das von Gott durch zahlreiche Wunder verherrlicht wurde. Noch heute ist sein Name im Land berühmt, und zumal verehrt ihn die Provinz Brie als Patron.

 

Der heilige Bononius, Abt von Lucedio, Italien,

+ 30.8.1026 – Fest: 30. August

 

Der heilige Bononius, Abt des Benediktinerklosters Lucedio in Piemont, wurde zu Bologna geboren und trat frühzeitig den Mönchen von St. Stephan daselbst bei. Wegen seines Verlangens nach höherer Vollkommenheit wanderte er mit der Erlaubnis seiner Oberen nach Ägypten, predigte dort das Evangelium und übte großen Einfluss auf die Sinnesänderung und Bekehrung lauer Christen, besonders auf die Bewohner der Klöster. Mehreren in der Gefangenschaft der Sarazenen Schmachtenden erwirkte er die Befreiung, darunter auch dem heiligen Bischof Petrus von Vercelli (13. Februar). Letztlich durchreiste er das gelobte Land und wohnte einige Zeit auf dem Berg Sinai. Als aber der Abt von Lucedio gestorben war, erachtete Petrus von Vercelli niemanden würdiger, dessen Nachfolger zu werden, als Bononius, weswegen er Boten an ihn sendete bis zu seinem fernen Aufenthalt. Ungern willigte der also Erkorene ein. Nach dem Antritt seines Amtes entstanden Unruhen in der Genossenschaft, die ihn auf einige Zeit vertrieben. Später wieder zurückgerufen übte er das Tagwerk eines treuen Verwalters der Güter des Herrn standhaft bis an sein glückseliges Ende aus, das im Jahr 1026 erfolgte.

 

31. August

 

Der heilige Raymund Nonnatus, Kardinal,

+ 26.8.1240 - Fest: 31. August

 

Nur sechsunddreißig Jahre alt wurde der heilige Raimundus Nonnatus, aber es war ein Heldenleben von solcher Herrlichkeit, dass sein Ruhm alle Zeiten überdauern und in Ewigkeit nicht verblassen wird.

 

Raimund lebte im 13. Jahrhundert zu einer Zeit, als an den Küsten Nordafrikas unzählige Christen als Sklaven in der harten Gefangenschaft der Mohammedaner ein trauriges Leben führten. Für ihre Befreiung wurden damals in der Christenheit fast gleichzeitig zwei neue Orden gestiftet. In einen von beiden trat auch Raimund ein. Als mutiger christlicher junger Mann war er bereit, Leib und Leben für die bedrängten Christen in Afrika einzusetzen. Wie ernst er seinen Plan nahm, hat die Zukunft in einzigartiger Weise bewiesen.

 

Lange zog Raimund zunächst als Bettler von Ort zu Ort und sammelte milde Gaben für den Loskauf der Gefangenen, bis er eines Tages an der Spitze einiger Mitbrüder in See stach. Er fuhr nach Afrika und konnte einhundertfünfzig Christensklaven befreien. Raimund hatte seine erste große Tat vollbracht. Bald aber sollte noch eine weit größere folgen.

 

Durch den Erfolg ermutigt, segelte Raimund zum zweitenmal über das Meer nach Afrika. Diesmal konnte er sogar zweihundert Christen befreien. Der Jammer derjenigen jedoch, die zurückbleiben mussten, weil das Lösegeld für sie nicht reichte, schnitt dem Heiligen dermaßen ins Herz, dass er sich selbst für sie den Sklavenhaltern als Gefangenen anbot. Die Mohammedaner gingen auch bereitwillig auf den Tausch ein, denn nicht ohne Grund hofften sie, für ihn später ein noch weit höheres Lösegeld herauszuschlagen.

 

So machte sich Raimund freiwillig im Dienst der Nächstenliebe selbst zum Sklaven. Er ließ sich Sklavenketten anschmieden und tat unter der glühenden Sonne Nordafrikas harte Sklavenarbeit. Das war eine unvergleichliche Heldentat, die weit hinanragt an die größte Heldentat, welche die Weltgeschichte kennt. Sie reicht weit heran an die Heldentat nämlich, als der Sohn Gottes aus unendlicher Liebe Knechtsgestalt annahm und um unserer Erlösung willen unerhörte Leiden und den fürchterlichen Tod am Kreuz auf sich nahm. Raimund Nonnatus hat eine große Ähnlichkeit mit unserem Erlöser Jesus Christus. Nichts Größeres kann es auf der Erde geben.

 

Ähnlich wie bei unserem Herrn Jesus Christus kamen in der folgenden Zeit auch über Raimund unerhörte Leiden. Weil er sich trotz Ketten und Kerker immerfort bemühte, den christlichen Mitgefangenen Mut zu machen und sie zu stärken und andere, die in übergroßer Not abgefallen waren, zum Glauben zurückzuführen, zog er sich den Hass der Sklavenhalter zu. Als es ihm sogar gelang, vereinzelte Juden und Mohammedaner zur christlichen Religion zu bekehren, verfuhr man gegen ihn mit einer Grausamkeit, die unmenschlich war. Um dem Heiligen nämlich das Sprechen unmöglich zu machen, durchbohrte man ihm mit glühendem Eisen Oberlippe und Unterlippe, zog ein Kettchen durch die Wunden und hängte ein Schloss daran. Obendrein sonderte man den Heiligen von allen Menschen ab, indem man ihn in einem Kerker ohne Licht anschmiedete.

 

Acht lange Monate musste der Christusjünger diese entsetzliche Marter aushalten. Dann kamen seine Ordensbrüder, kauften ihn los und brachten ihn nach Spanien heim. Der Papst hatte ihn noch als Sklaven zum Kardinal erhoben und sein Ruhm erfüllte die ganze damalige Christenheit. Von den ausgestandenen Qualen vollständig erschöpft, starb Raimund kurze Zeit danach als ein Sieger und ein Held, wie sie die Weltgeschichte nur wenige kennt und die es nur in der Nachfolge Christi geben kann.

 

Die Mohammedaner