Was nützt das Gebet für die armen Seelen?

 

„Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie erlöst werden von ihren Sünden.“ Dieses Wort der Heiligen Schrift wollen wir uns immer wieder nachdrücklich ins Gedächtnis rufen.

 

Es ist eine wunderbare Einrichtung der göttlichen Liebe, dass sie uns in den Stand setzt, nicht bloß unserer gestorbenen Lieben zu gedenken, sondern ihnen auch noch unsere Liebe über das Grab hinaus tatkräftig zu beweisen. Bedürfen sie noch der Läuterung, damit sie eingehen können in die Freude ihres Herrn, so können wir ihnen dazu helfen durch unsere guten Werke. Wir wissen zwar nicht, dass gerade diese oder jene unserer lieben Verstorbenen unserer Hilfe noch bedürfen. Doch geht ja nicht verloren, was wir für sie tun. Sind sie schon eingegangen in die ewige Heimat, so werden sie sicher der Liebe innewerden, die wir ihnen erweisen möchten. Sie wird ihnen Freude bereiten und sie in den Stand setzen, anderen zu helfen, die es bedürfen. Wie viele treue Freunde in der anderen Welt können wir uns durch diese Werke der Barmherzigkeit machen!

 

Dass die armen Seelen im Fegfeuer manches für uns tun können, ist ein wohlbegründeter frommer Glaube. Jedenfalls erlangen sie große Macht, sobald sie erlöst und in den Himmel eingegangen sind. Da werden sie sicher ihre Freunde auf Erden nicht vergessen, sondern alle Liebe und Hilfe hundertfach vergelten. Was wir den Lebenden Gutes tun, wird nur zu leicht vergessen oder gar mit Undank vergolten. Das ist bei jenen Freunden Gottes nicht zu befürchten. Auf ihre Dankbarkeit können wir ohne Zweifel rechnen. Und sie können uns in so manchem Anliegen beistehen, in denen alle menschliche Hilfe versagt.

 

Daher ist es für uns selbst von größtem Vorteil, wenn wir beten für die armen Seelen, an die sonst niemand auf Erden denkt, sowie für jene, die ihrer Erlösung am nächsten sind. Sie werden uns besonders dankbar und, in den Himmel eingegangen, unsere Fürbitter am Thron Gottes sein.

 

Wir sollen insbesondere auch jener fleißig gedenken, die unsertwegen noch zu leiden haben. Sicherlich gibt es deren mehr, als wir denken. Wir können an ihnen die Sünden des Ärgernisses wieder gut machen und den üblen Folgen derselben für uns selbst Einhalt tun.

 

Gott liebt die armen Seelen sehr und erwartet sehnlichst den Tag ihrer Erlösung. Diesen Tag zu beschleunigen hat er in unsere Hand gelegt. Helfen wir also diesen seinen treuen Kindern, seiner Gerechtigkeit genugzutun, führen wir sie bald in seine Arme. Wie hoch wird er dieses Liebeswerk uns anrechnen und wie freigebig wird er uns vergelten. Er, der keinen Trunk Wasser unbelohnt lässt, den wir dem Nächsten aus Liebe darreichen, wird auch kein Vaterunser unbelohnt lassen, das wir für die armen Seelen beten. Insbesondere wird er dafür sorgen, dass auch wir nicht vergessen werden, wenn wir selbst im Reinigungsort der Hilfe bedürfen.