Milde Königin, gedenke!

 

Gedenk, o Jungfrau, Königin,

Maria, Mutter reich an Milde,

wie du dich niemals abgekehrt

von dem, der fleht vor deinem Bilde.

 

Nein, niemals ist es je erhört,

dass weinend einer von dir ging

und dass ein leidbelad´nes Herz

von dir nicht Licht und Trost empfing.

 

O Jungfrau, sieh mich tief geneigt

und bittend deine Knie umfassen;

gedenk, wie keiner noch vernahm,

dass du ein Menschenkind verlassen.

 

Zu Füßen lieg ich weinend dir,

erdrückt von meiner großen Schuld.

Verschmähe meine Worte nicht

und hilf mir, Mutter, reich an Huld.

 

Und ging ich lange irr und wirr,

und bin ich auch ein armer Sünder:

ich eile voll Vertrau´n zu dir,

ich bin doch eines deiner Kinder.

 

Des ewigen Wortes Mutter du,

ach, hör mein Seufzen und mein Fleh´n,

o Zuflucht du und Retterin,

lass mich dein gütig Antlitz seh´n.

 

Ich harre deiner Hilfe still,

und abgrundtief ist mein Vertrauen;

ich weiß, du lässt mich sinken nicht,

o mütterlichste du der Frauen.

 

Du süße Herrin, Mutter mild,

o sprich für mich bei deinem Sohn,

gedenke meiner tiefen Not

und segne mich von deinem Thron.

 

Henriette Brey