Kindergebete?

Ave Maria

 

Clemens Brentano, einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, schrieb im Jahr 1836 an seine Nichte:

 

„Als ich, früh einfach katholischer Sitte entwöhnt, ohne Segen, durch allerlei Erziehungsmethoden der Scheinwisserei und Schönfühlerei überliefert, endlich durch das Babylon des Geschmackes ohne Glauben hinirrte und in Norddeutschland außer der Kirche ohne Steuer und Mast, wie Robinson auf einer Sandbank, gestrandet war, lag ich nachts in großen Seelenleiden auf meinem Lager und dachte an die ganze wüste Schifffahrt nach der Entdeckung der neuen Welt zurück, ob denn gar kein Punkt sich finde, woher ich Rettung erschreien könne. Da gedachte ich, dass ich, als kleiner Knabe manchmal von einer gewissen Frische erweckt, nachts meine Mutter über mich gebeugt an meinem Bett sitzen sah, die das „Ave Maria“ und das Gebet an meinen Schutzengel über mich betete und mir das Kreuz auf die Stirn machte. – Daran knüpfte ich an und suchte die Kindergebete wieder zusammen: es war der einzige Faden, an dem ich mich gerettet habe; alles andere hat nichts geholfen.“