Gruß an das hlst. Herz-Jesu

Das älteste Herz-Jesu-Lied

 

Einer der volkstümlichsten Heiligen des katholischen Rheinlandes ist der heilige Hermann Josef. Schon als zwölfjähriger Junge trat er in das Prämostratenserkloster Steinfeld in der Eifel, wo er bis zum hohen Alter von 90 Jahren ein Leben der Gottseligkeit führte. In den Stunden, die ihm seine Amtspflichten übrig ließen, beschäftigte er sich mit wissenschaftlichen Studien und der Abfassung erbaulicher Schriften. Unter diesen hat besonders seine Erklärung des Hohenliedes Berühmtheit erlangt. Sie ist ein beredtes Zeugnis von des Heiligen außerordentlichen Andacht zur glorreichen Himmelskönigin, in der ihn wohl wenige Heilige des Mittelalters übertroffen haben.

Gleiche Innigkeit wie seine Abhandlungen atmen seine geistlichen Lieder. Einige von ihnen sind leider verloren gegangen, viele aber sind, wohl beglaubigt, auf uns gekommen und veröffentlicht worden. Es ist auch nachgewiesen worden, dass der schöne „Gruß an das heiligste Herz Jesu“, der mit den Worten beginnt: „Summi regis cor, aveto!“ „Lass mich, Gottesherz, dir singen!“ von diesem hochbegnadigten Sänger der göttlichen Liebe herrührt. Somit kann Deutschland sich rühmen, das weitaus älteste Herz-Jesu-Lied, das uns bekannt ist, geschaffen zu haben.

Der Gedenktag des heiligen Hermann Josef von Steinfeld ist am 7. April. Geboren ist der Heilige um das Jahr 1150 in Köln und gestorben am 7. April 1241 in Hoven bei Düren. Seine Seligsprechung fand statt am 8. März 1728 durch Papst Benedikt XIII. und seine Heiligsprechung am 11. August 1958 durch Papst Pius XII.

 

Gruß an das hlst. Herz-Jesu

 

1. Lass mich, Gottesherz, dir singen,

Frohen Herzensgruß dir bringen.

Dich voll Jubel zu umfangen,

Sehnt mein Herz sich voll Verlangen.

Lass Zwiesprach halten mich mit dir.

 

Welche Lieb` hat dich bezwungen!

Welcher Schmerz hat dich durchdrungen,

Als du ganz dich hast enteignet

Und uns liebend zugeeignet,

Dass nicht dem Tod erlägen wir.

 

2. O wie bitter, ohne Milde,

War der Tod, der herzlos wilde,

Der das Heiligtum erstrebte,

Drin des Weltalls Leben lebte,

Dich treffend, Herz voll Süßigkeit.

 

Bei dem Tod, den meinetwegen

Liebevoll du nahmst entgegen,

Richt` auf dich all mein Verlangen,

All mein Hoffen, all mein Bangen:

Nichts andres wünsch` ich weit und breit.

 

3. Durch mein Herz und meine Seele,

Voll von Sünde, Schuld und Fehle,

Möge deine Liebe dringen;

Tiefe Wunden wird sie bringen

Dem, der in Liebe dich umfängt.

 

Wasche, heile und erhelle

Und befrucht` mich mit der Quelle,

Die, der Seite einst entquollen,

Ward zum Strom, zum gnadenvollen,

Als dich die Lanze hart bedrängt.

 

4. Öffne dich gleich einer Rose,

Duftend aus dem Blätterschoße,

Und vereine meinem Herzen

Deinen Duft und deine Schmerzen.

Wer liebt, was muss der leiden nicht?

 

Weiß nicht, was er soll beginnen,

Hält in Schranken nicht die Sinnen.

Liebe kennt nicht Maß im Werben;

Tausendfachen Tod zu sterben,

Das scheut die echte Liebe nicht.

 

5. „Lebe, lebe!“ Laut ich flehe,

Meine Lieb` ich dir gestehe,

Süßes Herz! Zu meinem wende

Dich, dass dir es ganz sich spende,

Dir zugetan mit treuer Brust.

 

Dass in deiner Lieb` es lebe,

Nie in dumpfem Schlummer schwebe,

Dass zu dir es bete, weine,

Leb` in deinem Duft und Scheine,

Allzeit genießen deine Lust.

 

6. Herzensrose, lieblich breite

Deinem Duft in Näh` und Weite,

Öffne dich mit zarten Schwingen,

Lass zu mir den Balsam dringen.

Dass auch mein Herz sich dran erfreu`.

 

Zieh mein Herz zu deinem Herzen,

Dass, geheilt in Reueschmerzen,

Es nicht bleib` in ferner Weite;

Schließ es ein in deine Seite,

Dass es in dir sich finde neu!

 

7. Lass es ruhen da und weilen;

Sieh! es möcht` dein Leben teilen;

Glühend will es dich empfinden,

Will zu dir den Eingang finden,

Dass liebevoll ich denke dein.

 

Du, die Seligkeit der Deinen,

Lass auch mich dir ganz vereinen,

Lass mich eingehen in dein Leben,

Wolle nicht mir widerstreben,

O schließe in den Herz mich ein!