Gebete für jeden Tag in der Woche

 

Am Montag

 

Danksagung für die Erlösung

 

(Vom heiligen Augustinus)

 

Wenn dein Wort, o mein Gott, nicht Mensch geworden wäre und unter uns gewohnt hätte: so hätte ich verzweifeln müssen über die Menge und Größe meiner Sünden, und über meine treulosen Versäumnisse. Aber nun darf ich nicht mehr zweifeln, denn als wir noch Feinde waren, sind wir durch den Tod deines Sohnes schon mit dir versöhnt worden; um wie viel mehr dann jetzt, da wir durch ihn bereits von deinem Zorn gerettet sind. Wahrlich, meine volle Zuversicht und meine ganze Hoffnung ruht auf dem kostbaren Blut unseres Erlösers, das da um unseres Heiles willen vergossen wurde. Dadurch fange ich an, neu aufzustehen, und im Vertrauen darauf habe ich die Sehnsucht, zu dir zu gelangen, nicht durch meine Gerechtigkeit, sondern durch die Gerechtigkeit deines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. – Darum danken wir dir, o mein Gott, du gütigster und freundlichster Liebhaber der Menschen, dass du uns durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn, da wir nicht waren, durch deine Allmacht erschaffen, und da wir durch unsere Schuld verloren waren, uns wieder wunderbar erlöst und aufgenommen hast.

 

Ich danke deiner milden Güte, und preise dich vielmal aus ganzem Herzen für deine übergroße Liebe, in der du uns arme, unwürdige Geschöpfe mit so wunderbarer Güte liebtest, dass du deinen eingeborenen Sohn von deinem Himmel in unsere Mitte gesandt hast, um uns Lasterhafte, damals Kinder des Verderbens, selig zu machen. Ich sage dir Dank für seine heilige Menschwerdung und Geburt, und seine glorwürdige Mutter, aus der Jesus, um unseres Heiles willen, Fleisch und Blut anzunehmen sich herabließ, damit er, wahrer Gott aus Gott, auch aus einem Menschen wahrer Mensch würde.

 

Ich danke dir für sein Leiden, für seinen Tod am Kreuz, für seine Auferstehung und Himmelfahrt, und für seine Herrlichkeit zu deiner Rechten, denn als er am vierzigsten Tag nach seiner Auferstehung im Angesicht seiner Jünger über alle Himmel hinauffuhr, und sich zu deiner Rechten setzte, goss er, wie er es verheißen, über alle, die er als Kinder angenommen, den Heiligen Geist aus.

 

Ich danke dir für die unschuldige Vergießung seines kostbaren Blutes, durch das wir erlöst wurden, zugleich auch für das hochheilige lebendig machende Geheimnis seines Fleisches und Blutes, mit dem wir in deiner Kirche täglich gespeist und getränkt, reingewaschen und geheiligt, und der einigen höchsten Gottheit teilhaft werden.

 

Ich sage dir Dank für deine wunderbare und unaussprechliche Liebe, womit du uns Unwürdige also geliebt, und durch deinen geliebten Sohn erlöst hast, denn also hast du die Welt geliebt, dass du deinen eingeborenen Sohn dahingegeben hast, auf dass keiner, der an ihn glaubt, verloren gehe, sondern das ewige Leben erhalte. Das ist aber das ewige Leben, dass wir dich, den wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus erkennen, durch einen wahren Glauben und dem Glauben entsprechende Werke. Amen.

 

Am Dienstag

 

Gebet wider die Versuchung

 

(Vom heiligen Ephräm)

 

Wird meine Seele vom Andrang der Versuchungen geängstigt, so flieht sie, o heiliger Gott, in deine Arme, und ruft mit Tränen zu dir – um Hilfe gegen den Feind und Verderber, und fleht dich in aller Demut an gegen den mich verfolgenden Widersacher. Da sie nun vertrauensvoll zu dir eilt, so erhöre sie ohne Verzug, und da sie mit dem innigsten Liebeseifer sich zu dir flüchtet, so suche sie nur väterlich heim, und sei ihr Beschirmer. Verschmähst du die Bedrängte, dann geht sie zugrunde, und zögerst du, in ihrer Angst ihr beizustehen, dann muss sie verschmachten. Suchst du sie aber heim mit deiner Barmherzigkeit, so ist sie gesund, blickst du sie an, so ist sie gerettet, erhörst du sie, so ist sie gestärkt. Verstoße sie also nicht, damit der Widersacher nicht meint, du hättest ihr den Scheidebrief gegeben und sie entlassen. Sei, o Herr, mein Geleit nach deinem Erbarmen, und überliefere mich nicht den Händen des Verführers. Denn siehe, von Ferne erkenne ich meine Gedanken, und finde in mir nichts Gutes, dass vor deinen Augen Erwähnung verdiente, als dieses einzige, dass ich außer dir niemand kenne. – Ich rufe daher in der Betrübnis und Zermalmung meiner Seele abermals und abermals zu dir, o Herr, und bin gezwungen, gegen meinen Feind, deine Hilfe zu erflehen. Siehe, o Herr, auf mich herab, sei meine Zuflucht, halte von mir ab die Widersacher, die in jeder Stunde mich schrecken, denn sie zerstreuen mich und reißen mich hin zu eitlem Tun. Sie legen mir Fesseln an, und lassen nicht zu, dass ich zu dir flehe. Sie wissen nämlich, dass, wenn ich mit Beten und Weinen zu dir hinaufrufe, sie nicht bestehen können. Was würde ich beginnen, wenn ich gegen einen so mächtigen Feind die Kampfstätte betreten sollte? Wohl mir Glücklichen aber, dass ich durch deine schützende Rechte, o Gott, erhalten und geschirmt werde, die dem siegenden Kämpfer überdies noch Kronen bereitet. Amen.

 

Am Mittwoch

 

Gebet um die Besserung des Lebens

 

(Vom heiligen Petrus Damiani)

 

Gedenke, o Herr Jesus Christus, dass du nicht durch Gott und nicht durch Silber, sondern um den Preis deines heiligen Blutes mich erkauft hast. Und weil du die erschlossene Quelle des Hauses David bist zur Reinwaschung des Sünders, wie sollte ich allein, o Herr, einer solchen Barmherzigkeit entbehren und außer dem Ziel deiner Erlösung stehen? Gütigster Herr, solltest du mich mit dem Kleid deiner Wiedergeburt, das du mir verliehen hast, mit der Fahne des heiligen Kreuzes, das du mir auf die Stirn gedrückt hast, in die Hände des bösen Feindes fallen und samt deinen Ehrenzeichen im ewigen Feuer gequält werden lassen? Ich kenne, o Gott, dein Erbarmen, dass, sobald ich mich vollkommen zu dir bekehre, du mich wieder aufnehmen wirst. Aber da ich so schwach und unwissend bin, dass selbst die Bekehrung durch mich, ohne dich, nicht auf gültige Weise geschehen kann, so bekehre du mich, o Gott, mein Heil, erleuchte und lenke du meine Seele, und entzünde du in mir die Flamme deiner Liebe. Und vielleicht, o gerechtester und barmherzigster Herr, sind meine Sünden so groß, dass keine Buße meinerseits genügt, um sie zu beweinen. Siehe, o Seelenarzt, meinen Körper, durch den ich Elender dich beleidigt habe: Schlage ihn, züchtige ihn, suche ihn heim, mit welchen Schmerzen es dir immer gefallen wird, denn ich bin dein Geschöpf, o mein Schöpfer. Umgib du mich mit denen Geißeln und überliefere mich nicht der Hand meiner Feinde. Oder, ist meine Sündhaftigkeit zu solchem Grad herangewachsen, dass sie nicht mehr in diesem Leben gesühnt werden kann, so lasse, bis zum Tag deines Gerichtes, mich von rächenden Strafen gequält werden, auf dass ich alsdann wenigstens als der Letzte deiner Auserwählten möge erfunden werden.

 

Aber da mein Gebet, aus einem solchen unwürdigen Mund gesprochen, nicht würdig ist, dass es zu dir aufsteige, so flehe ich zu dir, o seligste Jungfrau Maria, du Tempel des lebendigen Gottes, du Hof des ewigen Königs, du Heiligtum des Heiligen Geistes, du Gebenedeite unter den Frauen: Trage du mein Gebet deinem Sohn vor! Ja bete du selbst, flehe du selbst für mich, du, deren Bitten nicht verschmäht, du, deren Gebet vor seinem Angesicht nicht geringer geschätzt wird. Siehe, meine Herrin, ich Unglückseliger bin bei meinem Vergehen ergriffen worden und werde zur Strafe gezogen. Es erhebe sich darum die Königin der Welt, und trete hin zu ihrem Sohn, und befreie mich, den Schuldigen.

 

Eile auch du herbei, heiliger Michael, du Fürst der himmlischen Heerscharen, der du am Jüngsten Tag den Antichrist, wenn er kühn wider Gott sich erhebt, zernichten wirst, stürze ihn jetzt schon, weil er nach der Herrschaft in meinem Herzen strebt. Befreie meine Seele von der Versuchung, solange sie in diesem Körper lebt, damit du, wenn ich je sterbe, sie würdig ihrem Schöpfer vorzuführen vermögest.

– Helfe auch du mir, o heiliger Gabriel, der du beschließt die himmlischen Ehen, errette mich elenden Sünder durch dein Gebet, der du gesandt wurdest, um denjenigen zu verkünden, der in die Welt kommen sollte, damit er befreie die Sünder und Elenden.

– Heile auch du meine kranke Seele, o heiliger Raphael, der du von Sara den Satan ausgetrieben und dem Tobias seine verlorenen Augen wiedergegeben hast. Verbanne auch aus meiner Seele den bösen Geist, der strebt, sie von ihrem Bräutigam Jesus Christus zu trennen, und überströme mein blindes Herz mit dem Glanz des Lichtes.

 

Bittet für mich auch, ihr heiligen Engel alle, ihr heiligen Erzengel alle, ihr heiligen Kräfte alle, ihr heiligen Mächte alle, ihr heiligen Fürstentümer alle! Bitte für mich, o heiliger Chor der Thronen! Bitte für mich, o heiliger Chor der Cherubim! Bitte für mich, o heiliger Chor der Seraphim! Bittet für mich ihr heiligen Patriarchen und ihr heiligen Propheten alle! Es bitte für mich die richterliche Versammlung der Apostel! Es bitte für mich der glänzende Chor der Martyrer! Es sollen bitten für mich die heiligen Bekenner und die heiligen Jungfrauen alle! Ja bittet, für mich Elenden und gänzlich Verlorenen, ihr Heiligen Gottes alle! Und wo ist eine so grauenvolle Menge von Sünden, dass sie nicht durch die Fürsprache so vieler himmlischer Herrscher getilgt werden könnte? Denn nicht möglich ist, dass ihr leer wäret von Erbarmen, da ihr mit der Quelle der Barmherzigkeit untrennbar vereinigt seid!

 

Ich weiß, o Herr, dass ich nicht verdiene, die Schwelle deiner heiligen Kirche zu berühren, noch meine unseligen Augen zum Himmel zu erheben. Ich bin unwürdig, deinen gepriesenen und ruhmvollen Namen mit meinen befleckten und unreinen Lippen auszusprechen. Aber es komme, ich bitte darum, dein Geist in meine Seele, und reinige mich von allen Brandmalen. Ach, wenn die Sonne am Himmel, die nicht einmal eines deiner höheren Geschöpfe ist, solche Kräfte hat, dass sie den Schlamm tilgt, die Welt erleuchtet und den Boden befruchtet: um wie viel mehr wird dein Geist, der gleich ewig und gleichen Wesens mit dir ist, mir, diesem schon verdorrenden und entlaubten Baum, sobald er ihn zu suchen sich gewürdigt, alsbald wieder zum Leben erwecken. Auch wird es ihm nicht an Macht fehlen, ihn mit Blüten der Tugend und mit dem Schmuck reifender Früchte zu bekleiden.

 

Komm, o Herr Jesus, komm, o süßer Bewohner, in mich! Komm, ich bitte dich, und nimm mich gänzlich so in Besitz, dass fortan der böse Geist an mir keinen Anteil mehr habe. Weihe mich vollkommen zu deinem Tempel ein, denn du bist mein Herr und mein Gott, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Am Donnerstag

 

Anbetung Jesu im allerheiligsten Altarsakrament

 

(Vom heiligen Ludwig von Granada)

 

O mein Jesus, lieben will ich dich, du, mein Gott, und mein alles. Lieben will ich dich, du, meine Stärke. Lieben will ich dich, du Kraft meiner Seele. Immerdar will ich dich leben, du unaussprechliche Freude meines Herzens. Nicht mir, dir will ich die ganze Zeit meines Lebens leben, das du, als es durch mein großes Elend verloren war, durch deine Barmherzigkeit erneuert hast. Mein Erneuerer bist du, denn du erneuerst die menschliche Natur, die durch die Sünde von Grund aus geschwächt und verderbt war. Du bist mein Befreier, denn durch die Fesseln, mit denen du selbst dich binden ließest, befreitest du mich von der Knechtschaft der Sünde, des Todes, der Hölle und des Teufels, des grausamsten aller Tyrannen. Du bist mein Erlöser, denn um den Preis deines, alle Schätze überwiegenden, hochheiligen Blutes hast du aus der Gefangenschaft mich erlöst, in die ich durch die Sünde geraten war. Du bist mein König, denn durch deinen Geist lenkst du mich, für mich kämpftest du, und gabst mir Errettung aus den Händen meiner Feinde. Du bist mein Priester, denn du flehtest, und noch stehst du vor dem Antlitz deines ewigen Vaters unablässig für mich. Du bist mein Opfer, denn dich selbst opfertest du für mich auf dem Altar des Kreuzes, damit du liebreich meine Verbrechen sühntest. Du bist mein Mittler, denn du bist Gott und Mensch: als wahrer Mensch bist du ein Freund der Menschen, als eingeborener Sohn Gottes allvermögend bei Gott, und deshalb auch allein fähig, als Mittler zwischen Gott und die Menschen zu treten. Du bist mein Haupt, und das Haupt der ganzen Kirche, denn als wahres Haupt erteilst du ihr und allen ihren Gliedern: Gnade, Leben und geistigen Sinn. Du bist meine Ehre und mein Ruhm, denn für mich wurdest du Mensch und machtest zu deinem Bruder mich, den du zum Gefährten deiner Natur erhobst. Sei gelobt und angebetet im allerheiligsten Altarsakrament in Ewigkeit. Amen.

 

Gebet wider die Verunehrungen des heiligen Altarsakramentes

 

(Von der heiligen Theresia)

 

Was ist doch dies, o du mein Herr und Gott? Entweder mache der Welt ein Ende, oder hilf so schauderhaften Entehrungen ab, die dem heiligen Altarsakrament angetan werden, denn sogar unter uns bösen Menschen gibt es kein Herz, das solches ertragen könnte. O himmlischer Vater, ich bitte dich, du wollest es doch nicht länger erdulden, dämpfe dieses weit um sich greifende Feuer, denn du kannst es tun, wenn du willst. Siehe, dein Sohn ist noch in der Welt. Lasse doch, um seiner Ehre willen, um seiner Schöne und Lauterkeit willen, so hässliche, erschreckliche und abscheuliche Übel ein Ende nehmen, denn es ist unbillig, dass seine Schöne und Lauterkeit in einer Wohnung länger bleibe, wo solche Gräuel getrieben werden. Tue es nicht wegen unser, die wir dessen nicht wert sind, sondern um deines Sohnes willen, denn wollten wir auch bitten, dass er aufhören möchte, hienieden bei uns zu bleiben: so dürften wir es schon nicht tun, weil er es von dir erhalten hat, dass du ihn für diesen heutigen Tag, der so lange dauert, als die Welt steht, hier bei uns wollest bleiben lassen, und weil sonst alles zugrunde gehen müsste. Wie würde es dann uns ergehen? Denn gibt es etwas, was dich versöhnen kann: so ist es dies, dass wir ein so kostbares Pfand bei uns haben. Es muss ja hier einmal ein Rettungsmittel erfunden werden: und dieses wolle deine göttliche Majestät verschaffen. O mein Gott, könnte ich doch inbrünstig und kräftig dich bitten, und hätte ich dir doch recht viel gedient, damit ich diese große Gnade von dir zur Belohnung meiner Dienste erbitten dürfte, weil du nichts unbelohnt lässt. Aber ich finde so etwas nicht bei mir, und vielleicht ist es meine Seele, die dich so sehr beleidigt hat, dass wegen ihrer Sünden alle diese Übel über uns kommen. Was soll ich aber tun, o mein Schöpfer, als dass ich dir dieses allerheiligste Brot vorstelle. Du hast es uns zwar gegeben, aber ich gebe es dir wieder, und bitte dich mit aller Demut, durch die Verdienste deines geliebten Sohnes, dass du mir diese Gnade erweisen wollest, denn er hat es auf so vielfältige Weise verdient. Gebiete o Herr, dass dieses ungestüme Meer sich einmal lege, und hilf uns, o Herr, denn wir gehen sonst zugrunde. Amen.

 

Am Freitag

 

Meine Erquickung kommt aus den Wunden Jesu

 

(Vom heiligen Augustinus)

 

Aus Liebe kam Gott zu den Menschen, in den Menschen, und wurde selbst ein Mensch. Aus Liebe wurde der unsichtbare Gott seinen Knechten gleich, und aus Liebe wegen unserer Sünden verwundet. In den Wunden des Erlösers finden die Schwachen und Sünder eine sichere und unzerstörbare Ruhestätte. Ich wohne da unangefochten. Durch seine Wunden habe ich Zutritt zu seiner Barmherzigkeit. Was mir nur immer mangelt, das erhalte ich von der Barmherzigkeit meines Herrn, denn sie ist reich an Segnungen, und es fehlt nicht an Öffnungen, durch die ich sie empfangen kann. Durch die geöffneten Wunden seines Leibes steht mir erschlossen das Innerste seines Herzens – das große Geheimnis der Gnade, womit er uns, vom Himmel herabkommend, heimgesucht hat. Durch diese Wunden ist mir erlaubt zu kosten, wie süß der Herr, mein Gott ist, denn er ist wahrlich süß und mild für alle, die in Wahrheit bei ihm Hilfe suchen und ihn lieben. In den Wunden Christi, unseres Erlösers, ist mir reichliche Erlösung, ein Überfluss der Gnade, und die Kraft zu einem ihm wohlgefälligen Leben gegeben worden. Plagt mich ein böser Gedanke, so fliehe ich zu den Wunden Jesu. Drückt mein Fleisch mich nieder, so richte ich mich durch die Betrachtung der Wunden meines Herrn wieder auf. Wenn der Versucher mir Fallstricke legt, eile ich zur geöffneten Seite meines barmherzigen Heilandes, und der Versucher weicht von mir. Will das Feuer der Wollust meine Glieder entflammen, so dämpfe ich es mit den Gedanken an die Wunden des Sohnes Gottes, meines Herrn. In allen meinen Anfechtungen finde ich kein so wirksames Gegenmittel, als die Wunden Jesu sind. In diesem raste ich ohne Furcht und schlafe ich sicher. Christus ist für uns gestorben. Nichts kann dem Tod so nahe sein, was der Tod Jesu nicht rettete. Im Tod meines Herrn ist meine ganze Hoffnung. Dieser Tod ist mein Verdienst, meine Zuflucht, mein Heil, mein Leben und meine Auferstehung. Ja, Gottes Erbarmen ist mein Verdienst. In den Wunden meines Seligmachers will ich leben und sterben. Amen.

 

Am Samstag

 

Gebet beim Gedanken an das Gericht

 

(Vom heiligen Augustinus)

 

Gott aller Mächte, Herr, dessen Erbarmen die Bosheit der Welt weit übertrifft, ich weiß es: öffentlich wirst du als Richter kommen. Du wirst dann nicht mehr schweigen, wenn du Himmel und Erde zum Gericht deines Volkes rufst. Und siehe, vor so vielen tausend Völkern werden dann alle meine Sünden offen liegen. Vor so vielen Heerscharen der Engel werden aufgedeckt meine Missetaten, und zwar nicht nur jene, die ich in äußerlichen Werken, sondern auch die ich in Gedanken und Worten vollbracht habe. Alle, die mir im Guten vorangegangen sind, werden vor mir Hilflosen als Richter dastehen. Von so vielen Anklägern werde ich beschämt werden, als viele ihr gutes Beispiel vor mir leuchten ließen. Mit so vielen Zeugen werde ich überwiesen werden, als viele mich zum Guten ermuntert, und mir ihre Gerechtigkeit zur Nachahmung vorgestellt haben. Mein Gott, ich weiß nicht was ich sagen soll, ich finde nichts zu meiner Rechtfertigung. Und da ich so schon gleichsam von jenem schrecklichen Gericht stehe, so ängstigt mich das Gewissen, und meine verborgenen Sünden martern mich. Die Unersättlichkeit meiner Begierden peinigt mich, und meine Hoffart klagt mich an. Der Neid verzehrt mich, und die Begierlichkeit brennt in mir. Die Wollust quält und die Unmäßigkeit entwürdigt und schändet mich. Die Verleumdung verwundet und die Ehrsucht macht mich straucheln. Der Hang nach fremden Gut verurteilt mich, und die Uneinigkeit zerstört mich. Der Zorn verwirrt mich, und der Leichtsinn schlägt mich nieder. Die Trägheit vernichtet, die Heuchelei betrügt, falsche Gunst erhebt und die Missachtung verwirft mich. Alles verdammt mich nun, dem ich mit Liebe ergeben war, und was ich einst hochpries, tadelt mich jetzt. O mein Gott, meine Stärke! Vor deinen Augen kann kein Sterblicher sich rechtfertigen. Du, meine Hoffnung, es ist nicht ein Mensch, der vor dir gerecht erfunden würde, wenn du ihn nicht mit den Augen deiner Barmherzigkeit ansiehst. Und wenn du dem Sünder nicht mit deiner Erbarmung zuvorkommen würdest, so wäre nicht einer, den du als Gerechten verherrlichen könntest. Ich glaube aber, o meine Hoffnung, was ich gehört habe, denn deine Liebe hat mich zur Buße gezogen. Ich glaube an die wunderbaren Worte deines Mundes: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn mein Vater ziehe, der mich gesandt hat.“ Da du mich denn gerufen und so liebreich unterwiesen hast, so rufe ich aus dem Grunde meines Herzens, und aus allen Kräften mit deinem geliebten Sohn zu dir, allmächtiger Vater, ich rufe mit dem reinsten Geist, dem Tröster: Ziehe mich, dass ich gern dem wunderbaren Duft deiner Salbungen nacheile. Amen.

 

Beten zur allerseligsten Jungfrau Maria

 

(Vom heiligen Franziskus von Assisi)

 

Heilige Jungfrau Maria, dir ist keine unter den Frauen in der Welt gleich, du Tochter und Magd des höchsten Königs, des himmlischen Vaters, du heiligste Mutter unseres Herrn Jesus Christus, du Braut des Heiligen Geistes. Bitte für mich mit dem heiligen Erzengel Michael, mit allen Kräften des Himmels und mit allen Heiligen deines heiligsten Sohnes, unsern geliebten Herrn und Meister. Amen.

 

Grußgebete an Maria

 

(Von der heiligen Mechthild)

 

Sei gegrüßt, o Tochter des ewigen Vaters, die er von Ewigkeit erwählt, mit großer Macht begabt, und über alle Kreaturen erhoben hat. In Demut rufe ich zu dir, o Maria, dass, gleichwie der ewige Vater dir vor allen besondere Gewalt erteilt hat, also auch du in der Stunde meines Todes mir hinreichende Stärke über den Feind meines Heils erwirken wollest, auf dass ich ihn überwinde und siegreich zu meinem Schöpfer und ewigen Herrn gelange. Amen.

Sei gegrüßt, o Mutter des eingeborenen Sohnes Gottes, die er von Ewigkeit erwählt und mit besonderem himmlischen Licht erleuchtet hat. In Demut rufe ich zu dir, o Maria, dass, gleichwie die ewige Weisheit, dich, vor allen anderen Geschöpfen, so wunderbar mit göttlichem Licht begnadet hat, also auch du in der Stunde meines Todes das gnadenreiche Licht des Glaubens mir erbittest, damit der Fürst der Finsternis auf keine Weise meinen Verstand durch Irrtum verdunkle, und vom wahren Glauben und vom rechten Weg der Seligkeit mich abwende. Amen.

Sei gegrüßt, o Braut des Heiligen Geistes, die er von Ewigkeit erwählt und mit dem Feuer seiner ewigen Liebe entzündet hat. In Demut rufe ich zu dir, o Maria, dass, gleichwie die Liebe des Heiligen Geistes so reichlich in dein Herz gegossen ward, also auch du mir durch deinen mächtigen Schutz erwirken wollest, dass, in der Stunde meines Todes, mein Herz von aller Liebe zur Welt abgezogen, und mit göttlicher Liebe erfüllt und erquickt werde, damit ich vor meinem Hinscheiden Gott mit inbrünstiger Liebe empfange und ewig besitze. Amen.