Das Vaterunser poetisch aufgesetzt

 

(Friedrich Spee SJ, 25. Februar 1591 - 7. August 1635 - heiligmäßig)

 

Eingang

 

Ach, Vater, hoch entwohnet

Ob allen Lüften weit,

Allda dir Sonn und Monet

Gar tief zun Füßen leit;

Nimm auf von mir Geringen,

Ja, nimm die Seufzer an,

So mir von Herzen dringen

Durch leere Wolkenbahn.

 

Die erste Bitte

 

Ach, würd nur stets gepriesen

Nur dein so schöner Nam,

Wann spät sich hat gewiesen

Der nächtlich Sternenkram,

Wann früh dann auch erschienen

Der täglich Glanz und Glast

Und uns mit Freuden dienen

Sonn, Mond ohn Ruh und Rast.

 

Dich alle Stund und Uhren,

Ich wollt von Herzen mein,

All deine Kreaturen

Recht lobten insgemein.

O Gott, lass dir zu Ehren

Erd, Himmel springen auf,

Will ja mich nicht beschweren,

Ichs mit dem Hals erkauf.

 

Die zweite Bitte

 

Nun stinket mir auf Erden

Die Welt und weltlich Pracht,

Nach Wagen, Kutsch und Pferden

Gold, Geld nicht geizig tracht.

Ach, nur das Reich dort oben,

Die runden Tempel dein,

Uns räum doch unverschoben

Nach diesem Leben ein.

 

Die dritte Bitte

 

Weil unterdes wir nießen

Den süßen Sonnenschein,

Wollt ich, wir nie verließen

Den mindsten Willen dein.

Gar oft ich wünsch von Herzen,

Gestrenger Herr und Gott,

Nie keiner wollt verscherzen

Auf Erden dein Gebot.

 

Die vierte Bitte

 

Dich auch wir weiters bitten

Um Nahrung, Speis und Brot,

Dass je doch bleib vermieden

Die saure Tafelnot.

Aus deiner Hand ja prasset

Die nackend Rabenzucht

Und weiß, auf dich gepasset, 

Von keiner Mangelsucht.

 

Die fünfte Bitte

 

Nicht ruck zu Sinn mit Grimmen

Die Sünd und Sündenschuld,

Uns mach in Zähren schwimmen,

Hab wenig noch Geduld.

O Gott, so du mit Augen

Die Sünd wolltst schauen an,

Würd gar für uns nicht taugen,

Nie könnten wir bestahn.

 

Die sechste Bitte

 

Das Fleisch mit süßen Pfeilen

Uns trifft in süßem Blick,

Die Welt von seiden Seilen

Uns macht gar sanfte Strick;

Der Satan uns mit Ehren,

Mit Kron und Zepter ladt,

Versuchung tut sich mehren,

Hilf, hilf, gib Rat und Tat!

 

Die siebte Bitte

 

Ja, mild und frommer Vater,

Ja, Vater, Vater fromm,

Der höllisch Drach und Natter,

Schaff, nie zu Kräften komm.

Vor seinem Gift und Flammen,

Vor Seel- und Leibsgefahr

Erhalt uns allesammen

Ohn Übel immerdar.