Das Salve Regina

 

Es war ein Maitag vor fast 1000 Jahren, da saß ein Mönch der Abtei Reichenau im Bodensee am offenen Fenster seiner Zelle. Sonnenglanz zitterte auf den Wellen, und jeder Windhauch trug den Duft der Kirsch- und Apfelblüten; wie ein Maikranz standen die Gärten in der Runde. Da wallte das fromme Herz über. Der Mönch griff zur Feder und schrieb Buchstaben und Notenquadrate mit unbeholfenen Fingern, die es dem Geistesflug an Raschheit nicht gleichtun konnten. Er war gelähmt an allen Gliedern, der selige Hermann. Aber sein Marienlied war beflügelt. Es drang in alle Lande und bis in unsere Zeit. Wir kennen es alle, es ist das "Salve Regina, Gegrüßet seist du, Königin."

 

Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit; unser Leben, unsre Wonne und unsre Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir rufen wir, verbannte Kinder Evas; zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen. Wohlan denn, unsre Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen uns zu, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

 

Muttergruß und Kindesbitte

 

Salve Regina! Du Meeresstern,

Salve Regina! Du Mutter des Herrn.

Salve Regina! Der Englein Lust,

Salve Regina! Soll tönen die Brust.

Salve Regina! In Kummer und Leid,

Salve Regina! In Ewigkeit.

Salve Regina! In Schmerz und im Tod,

Salve Regina! Führ Du mich zu Gott.

Salve Regina! Verlass mich dann nicht,

Bis Jesus, Dein Sohn, mir Verzeihung verspricht.

Salve Regina! Führ Du mich zum Lohn,

Salve Regina! Mit Herz und mit Mund!

Salve Regina! Zu jeder Stund.