Bitten zur allerseligsten Jungfrau Maria für die Wochentage

 

Vom heiligen Alphons von Liguori

 

Am Montag

 

Bitten um Vergebung der Sünden

 

Du siehst hier, geliebte Mutter meines Gottes, zu deinen Füßen einen elenden Sünder, der zu dir seine Zuflucht nimmt und der auf dich vertraut. Zwar verdiene ich nicht, dass du mich auch nur eines Blickes würdigst, aber ich weiß, dass, weil dein göttlicher Sohn gestorben ist, um die Sünder selig zu machen, du nichts mehr wünschst, als ihnen zu helfen. Mutter der Barmherzigkeit, sieh auf mein Elend und erbarme dich meiner. Ich höre, wie alle dich eine Zufluchtsstätte der Sünder, eine Hoffnung der Verzweifelten, den Beistand der Verlassenen nennen: so sei denn auch meine Zuflucht, meine Hoffnung, mein Beistand. Durch deine Fürsprache musst du mich retten. Eile mir zu Hilfe aus Liebe zu Jesus. Reiche deine Hand einem Unglücklichen, der unter der Last seiner Sünden erliegt und der sich dir anempfiehlt. Ich weiß, dass es dir Trost gewährt, wenn du einem Sünder aus allen deinen Kräften beistehen kannst. Hilf mir denn also jetzt, da du mir helfen kannst. Durch meine Sünden habe ich die Gnade Gottes verloren und meine Seele in das Verderben gestürzt. Ich übergebe mich jetzt deinen Händen. Sage du mir, was ich zu tun habe, um wieder in den Stand der Gnade Gottes zu gelangen, denn ich bin entschlossen, sogleich alles zu tun, was du mir befiehlst. Gott will, dass ich mich an dich wende, er will, dass ich dein Erbarmen anflehe, damit nicht nur die Verdienste deines Sohnes, sondern damit auch dein Gebet mir helfe und mich vom ewigen Verderben errette. Ich nehme denn also zu dir meine Zuflucht, Maria, du betest für so viele andere, bitte denn auch Jesus für mich. Sage ihm, er möge mir auch vergeben, denn alsdann verzeiht er mir gewiss. Sage ihm, dass du mein Heil wünschst, denn alsdann werde ich sicher gerettet. Zeige der Welt, wieviel Gutes du denen erweist, die auf dich vertrauen. So hoffe ich. So sei es. Amen.

 

Am Dienstag

 

Bitten um die Gnade der Beharrlichkeit

 

Königin des Himmels, nachdem ich eine Zeitlang ein Diener des bösen Feindes gewesen bin, weihe ich mich jetzt für immer zu deinem Diener, und ich mache mich verbindlich, dich mein ganzes Leben hindurch zu verehren und dir stets zu dienen. Nimm du mich denn also gütig an und verstoße mich nicht, wie ich es verdient habe. Meine Mutter, auf dich habe ich alle meine Hoffnung gesetzt, von dir erwarte ich mein Heil. Ich lobe und danke Gott, der mir aus lauter Barmherzigkeit dieses Vertrauen zu dir eingeflößt hat, denn ich halte es für eine große Versicherung, dass ich dereinst selig werde. Ich Elender bin früher in die Sünde gefallen, weil ich es unterlassen habe, meine Zuflucht zu dir zu nehmen. Jetzt hoffe ich, dass mir Gott, um der Verdienste Jesu Christi und um deines Gebetes willen, vergeben hat. Aber ich kann von neuem die Gnade Gottes verlieren, denn die Gefahr hat nicht aufgehört und meine Feinde wachen noch. Wie viele Versuchungen bleiben mir noch zu besiegen. Meine liebste Königin, stehe mir bei und gestatte nicht, dass ich von neuem ein Diener der Sünde werde. Stehe du mir immer bei. Ich weiß, dass, wenn ich mich dir anempfehle, du mir beistehen wirst, und dass ich mit deinem Beistand siegen werde. Ich bitte dich also um die Gnade, dass ich dich in allen Versuchungen anrufe. Bewirke mir, dass ich bei allen Angriffen der Hölle immer zu dir meine Zuflucht nehme und ausrufe: Hilf mir, Maria, meine Mutter. Gestatte nicht, dass ich durch die Sünde von neuem Gott verliere. Amen.

 

Am Mittwoch

 

Bitten um einen glücklichen Tod

 

Maria, wie wird mein Tod beschaffen sein? Angst und Furcht befällt mich, wenn ich an meine Sünden und zugleich an den schrecklichen Augenblick denke, der über meine ewige Seligkeit, der über meine ewige Verdammnis entscheidet, wenn ich an die letzte Stunde meines Lebens denke, auf die das Gericht folgt. Meine liebste Mutter Maria, ich setze alle meine Hoffnung auf das Blut Jesu Christi und auf deine Fürsprache. Trösterin der Betrübten, verlasse du mich nicht, tröste du mich in der großen Not, in der ich mich alsdann befinden werde. Wenn schon jetzt die Gewissensbisse über die von mir begangenen Sünden, die Ungewissheit, ob Gott sie mir vergeben hat, die Gefahr, von neuem in Sünde zu fallen, und die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit mich so entsetzlich peinigen: was werde ich dann erst in meiner Todesstunde zu erdulden haben? Ach, ohne dich würde ich verzweifeln. Erbitte mir denn also, geliebte Königin, noch ehe meine Todesstunde eintrifft, einen großen Schmerz über meine Sünden, aufrichtige Besserung und Beharrlichkeit im Dienst Gottes. Und wenn der letzte Augenblick meines Lebens gekommen ist, so hilf du mir, o Maria, meine Hoffnung, in der großen Not, die alsdann mich überfallen wird. So stärke du mich, damit ich, - beim Hinschauen auf meine Sünden, die der Geist der Finsternis mir dann vor die Augen stellen wird, nicht verzweifle. Erlange du mir die Gnade, dass ich dich dann mehr und mehr anrufe, damit, wenn ich den Geist aufgebe, ich noch zuletzt deinen und deines Sohnes Namen auf den Lippen habe. Maria, meine Augen werden dich in meiner Todesstunde suchen, lasse mich dann nicht trostlos und umsonst nach dir blicken. Stehe mir vom Himmel herab bei, damit ich von Liebe zu Gott und zu dir entflammt, dieses Leben verlasse, um dich die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel lieben zu können. Amen.

 

Am Donnerstag

 

Bitten um den Eingang ins Himmelreich

 

Himmelskönigin, die du über alle Chöre der Engel Gott am nächsten bist, ich armer Sünder begrüße dich aus diesem Jammertal, und bitte dich, wende deine mitleidsvollen Augen mir zu, denn wo du hinblickst, da verbreitest du Gnaden. Siehe, heilige Jungfrau Maria, in wie vielen Gefahren ich mich jetzt befinde, und wie viele Gefahren, solange ich noch auf Erden lebe, mir bevorstehen, durch die ich meinen Gott, den Himmel und meine Seele verlieren kann. Aber auf dich, meine Königin, habe ich alle meine Hoffnung gesetzt. Ich liebe dich, und sehne mich nach dem seligen Augenblick, da ich dich im Himmel sehen und loben werde. O Maria, wann wird der selige Tag anbrechen, da ich die Mutter meines Herrn, meine Mutter, die so viele Sorge trug, mich vom ewigen Untergang zu erretten, erschauen werde. Hier auf Erden, geliebte Königin, bin ich undankbar dir gegenüber gewesen, aber wenn ich in den Himmel komme, dann werde ich nicht mehr undankbar sein, dann werde ich die ganze Ewigkeit hindurch dich so lieben, als es nur in meinen Kräften steht, und dann werde ich meinen Undank wieder dadurch gutmachen, dass ich die ganze Ewigkeit hindurch dich preise und dir danke. Vor allem danke ich Gott, dass er mir ein so großes Vertrauen auf das Blut Jesu Christi und auf dich einflößt. Du musst mich retten, du musst mir durch deine Fürbitte Erkenntnis und Kraft erlangen, die Gebote Gottes zu erfüllen, du musst mich in den Himmel geleiten. Das alles haben deine treuen Diener von dir erhofft, und keiner ist betrogen worden. Auch ich werde mich nicht irren, o Maria, du wirst auch mir helfen, dass ich selig werde. Bitte deinen Sohn Jesus, wie auch ich ihn jetzt darum bitte, dass er, um seines bitteren Leidens willen, in mir dieses Vertrauen erhalte und vermehre, und alsdann wird mir gewiss die Seligkeit zuteilwerden. Amen.

 

Am Freitag

 

Bitten um die Liebe zu Jesus und Maria

 

Ich erkenne, o Maria, dass du das edelste, das erhabenste, das reinste, das mildeste, das heiligste Geschöpf bist. O wenn doch alle dich kennen und lieben möchten, meine Königin, wie du es verdienst. Es tröstet mich indessen, dass im Himmel und auf Erden so viele glückliche Seelen deine Güte und Schönheit lieben. Aber es freut mich überaus, dass Gott dich mehr als alle Menschen, dass er dich sogar mehr als alle seine Engel liebt. O meine liebenswürdige Königin, auch ich armer Sünder liebe dich, aber meine Liebe ist zu schwach, ich wünschte dich mehr und inniger zu lieben. Zugleich erkenne ich auch, geliebte Mutter, wie vielen Dank ich deinem göttlichen Sohn schuldig bin, ich weiß es, dass er von uns unendlich geliebt zu werden verdient. Deshalb musst denn auch du, die du nichts inniger wünschst, als das er von allen geliebt werde, mir die Gnade einer großen Liebe zu Jesus Christus erlangen. Gott gewährt dir alles, was du verlangst, so erlange mir denn auch die Gnade, so ganz mit Gott verbunden zu sein, dass mich nichts von ihm zu trennen vermag. Ich suche weder die Güter dieser Welt, noch Ehren, noch Reichtümer, ich suche allein das, was dir zumeist gefällt, nämlich die Liebe meines Gottes. Wäre es möglich, dass du mir nicht die Erfüllung eines Wunsches erlangen willst, der dir so sehr gefällt? Du hilfst mir schon jetzt, du bittest schon jetzt für mich. Bete, bete für mich, und höre nicht auf für mich zu beten, bis dass du mich im Himmel siehst, befreit von der Gefahr, wiederum meinen Gott verlieren zu können, und sicher, ihn die ganze Ewigkeit hindurch mit dir, geliebteste Mutter, gereinigt lieben zu können. Amen.

 

Am Samstag

 

Bitten um die Fürbitte Marias

 

Heiligste Mutter, ich erkenne, wie viele Gnaden du mir schon erlangt hast, ich erkenne zugleich, wie undankbar ich dennoch gegen dich gewesen bin. Obgleich ich Undankbarer keine Wohltaten mehr verdiene, so will ich dennoch das Vertrauen auf deine Barmherzigkeit, die weit größer ist als meine Undankbarkeit, nicht verlieren. Habe Mitleid mit mir, meine mächtige Fürsprecherin, Gott hat dich ja so mächtig, so reich, so wohltätig gemacht, auf dass du uns zu Hilfe kommst. Du bist die Fürsprecherin der Elendesten und Verlassensten, die sich an dich wenden. So beschirme denn auch mich, der ich mich jetzt dir anempfehle. Sage mir nicht etwa, dass es schwer sei, mein Seelenheil zu bewirken, denn die größten Hemmnisse werden leicht überwunden, wenn du uns verteidigst. In deine Hände lege ich mein ewiges Heil. Dir übergebe ich meine Seele, sie ist dem Untergang nahe, du musst sie retten durch deine Vermittlung. Ich will zu deinen besonderen Dienern gezählt werden, stoße mich nicht von dir. Du suchst die Elenden, um ihnen zu helfen, so verlasse denn auch nicht einen armen Sünder, der zu dir seine Zuflucht nimmt. Lege du für mich ein gutes Wort ein, denn dein Sohn gewährt dir ja alles, um was du ihn bittest. Nimm du mich unter deinen Schutz, das genügt mir. Ja, wenn du mir beistehst, so fürchte ich nichts. Ich fürchte dann weder meine Sünden, denn du erlangst mir ja das Heilmittel gegen die Übel, noch den bösen Feind, denn du bist mächtiger als die Hölle, noch meinen Richter Jesus Christus, denn ein Gebet von dir besänftigt ihn. Ich fürchte nur, dass ich durch eigene Nachlässigkeit vergessen werde, mich dir anzuempfehlen, und dass ich dadurch verloren gehen werde. O meine Mutter, erlange du mir die Verzeihung meiner Sünden, die Liebe zu Jesus, die heilige Beharrlichkeit, einen seligen Tod, und endlich den Himmel. Es ist wahr, das alles sind zu große Gnaden für mich, der ich sie nicht verdiene. Indes für dich, die du von Gott so sehr geliebt wirst, dass er dir alles gewährt, um was du ihn bittest, für dich sind das nicht zu große Gnaden. So bitte denn Jesus für mich, sage ihm, dass du mir beistehen willst, alsdann hat er gewiss Mitleid mit mir. Meine Mutter, auf dich vertraue ich, und mit dieser Hoffnung will ich leben und sterben. Amen. Es lebe Jesus, unsere Hoffnung, und Maria, unsere Liebe. Amen.

 

Gelobt sei die allerheiligste Dreifaltigkeit und die allerseligste Jungfrau Maria. Amen.