Am Maialtar

 

Süße Mutter, engelmilde,

Meiner Augen schönstes Licht,

Sieh`, ich knie` vor deinem Bilde,

Aufzuschauen wag ich nicht.

 

Eine kleine Liebesgabe

Bring` ich zitternd zum Altar;

Wenig ist es, was ich habe,

Doch die Liebe bringt es dar.

 

Schau herab mit deinem Kinde,

Holde Himmelskönigin;

Nimm das kleine Angebinde

Eines Sünders gnädig hin.

 

Nicht mit Gold und Perlenkränzen,

Mit Rubinen voller Glanz,

Kann dein Bildnis ich bekränzen;

Hab` nur einen Rosenkranz.

 

Wie die Deinen gern ihn beten,

Wenn zum Gnadenbild sie zieh`n;

Wenn das Kirchlein sie betreten,

Und dem Lärm der Welt entflieh`n.

 

Nicht mit Sträußen, reich gewunden,

Kann ich mehren deinen Ruhm;

Nur ein Blümchen hab` gefunden

Für dein stilles Heiligtum.

 

Woll` das Blümchen nicht verschmähen,

Ob auch unscheinbar und klein;

Wenn es nur von dir gesehen,

Wird es duften fromm und rein.

 

O so lass es lieblich blühen!

Sieh`, es blickt ja himmelwärts!

Lass in Andacht still erglühen

Deines armen Kindes Herz!