Die acht Seligkeiten

(Fra Angelico, Die Bergpredigt)

 

Als Jesus die Volksscharen sah, stieg er auf den Berg, und da er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm. Er tat seinen Mund auf und lehrte sie also:

 

1. Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.

 

2. Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.

 

3. Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.

 

4. Selig sind, die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden.

 

5. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

 

6. Selig sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott anschauen.

 

7. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

 

8. Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer ist das Himmelreich.

 

Selig! Selig! Selig! Wie rauschen diese Sätze gleich dem Gewoge eines himmlischen Geläutes! Wie strahlen diese Worte einen Lichtglanz aus gleich dem Funkeln eines wunderbaren Edelsteins! Keine lange Erläuterung, keine Beweise, keine Nutzanwendung! Wie aus Erz gegossen steht ein Sätzchen neben dem andern: selig! selig!

 

Selig und immer wieder selig! Ach, was ist es doch um die Seligkeit. Sie ist gesucht in den Hütten der Armen, sie ist der erwartete Gast in den Palästen der Reichen. Seligkeit sucht das Kind bei den frohen Gespielen. Seligkeit ist der Stern, der noch am Bett des Sterbenden leuchtet und selbst dem Tod sein Grauen nimmt.

 

Selig! Selig! Es stimmt, das sind himmlische Aussichten, die sich uns hier auftun, herrlicher als einst dem Mose, als er vom Berg Nebo herniedersah. Das ist Himmelsluft, die uns aus diesen Worten entgegenweht, ähnlich dem sanften Säuseln, in dem einst der Herr auf Horeb an Elias vorüberging.

 

Selig und immer wieder selig! Wie klingt das so ganz anders, als es einst vom Sinai herabklang. In banger Furcht stand dort das Volk und durfte den rauchenden Berg nicht berühren und aus finsteren Wolken und aus zuckenden Blitzen heraus drang dort das Gebot Gottes: Du sollst! Du sollst nicht! Hier aber ist das erste und letzte Wort: selig, selig! Achtmal wiederholt der Heiland sein "Selig", und wie in einem Echo, das nicht enden will, klingt es vom Berg dort hernieder und tönt nach von Tal zu Tal bis in den verborgensten Erdenwinkel. 

 

Selig! Selig! Wie viele Versuche hat die Welt schon gemacht, auf ihre sündige Art selig zu werden! Auf wie viele Wege zu den Seligkeiten der Welt will sie die Menschen zwingen: Konsum, Selbstverwirklichung, Sex, Besitz, Egoismus, Tierquälerei, Krieg, Geld, Atheismus, Vernichtung, Abtreibung, Umweltzerstörung - um nur einige Seligkeiten unserer heutigen Welt aufzuzählen. Und was hat sie erreicht? Es gibt nun einmal keinen anderen Weg zum Glück, zur Seligkeit, ja der nach oben führt, es gibt nun einmal keinen anderen Höhenflug, als den Jesus uns zeigt: "Selig sind . . ."

 

Selig und immer wieder selig! Das sind die Königswege zum Himmel. Wir Christen kennen sie von Kindheit an und es gibt kaum etwas in der Biblischen Geschichte, das sich so leicht gelernt und so unauslöschlich dem Gedächtnis eingeprägt hat, als diese acht kurzen Sätzlein: selig, selig!

 

Lasset uns beten!

Ihr lieben Heiligen, nehmt uns getreulich bei der Hand, so wie es ältere Geschwister mit ihren jüngeren Schwestern und Brüder tun, damit auch wir unter eurer Leitung und nach eurem Beispiel den Berg der Herrlichkeit glücklich ersteigen. Amen.