Samstag-Lohn für den Fleiß in der Woche

 

(aus: „Clemens Maria Hofbauer“ von Dr. Friedrich Pösl)

 

Clemens Maria Hofbauer, der erste deutsche Redemptorist, wurde am 26. Dezember 1751 zu Taßwitz in Mähren geboren. Eine fromme Erziehung ist der köstlichste Schatz, den Eltern ihren Kindern geben können; dagegen hat Verwahrlosung und Verzärtelung des aufkeimenden Alters in gleicher Weise die traurigsten Folgen; denn ach! bei wie vielen Eltern werden Glaube, Gebet und Sittsamkeit als veraltete Dinge bei Seite gesetzt, und nur auf Gewinn, Brauchbarkeit und leibliche Geschicklichkeit gesehen, und höchstens wird ein gewisser äußerer Anstand vor der Welt gefordert, aber auch nur, um sich bei den Menschen beliebt und geltend zu machen, und sich ein irdisches glänzendes Fortkommen zu sichern.

 

Clemens Maria Hofbauer hatte das Glück, einfachen und frommen Landleuten anzugehören, die es sich auf alle Weise angelegen sein ließen, ihre Kinder für Gott – in der treuen Nachfolge Jesus und Maria – zu erziehen. Besonders war es seine Mutter, der die religiöse Erziehung ihres Clemens innigst am Herzen lag. – In seinen späteren Jahren erzählte er gern von ihrer Erziehungsweise und sprach mit großer Hochachtung von ihrer ausgezeichneten Frömmigkeit. Schon vor seiner Geburt hatte sie ihn Gott und Maria aufgeopfert, was alle Mütter tun sollten. Er lobte vor allem die kluge Strenge, mit der sie ihre Kinder behandelte. – Wenn der siebenjährige Clemens die ganze Woche recht fleißig und brav gewesen war, dann erhielt er von der Mutter zum Lohn die Erlaubnis: „am Samstag zu Ehren der heiligen Muttergottes zu fasten, und die paar Kreuzer, die er statt des Frühstücks erhielt, den Armen im Namen Marias geben zu dürfen.“ –

 

Der Mutter hatte er, nach seiner eigenen Äußerung, den Beruf zum geistlichen Stand zu verdanken, denn sie bildete ihn von Kindheit auf in diesem Geist. – Seine Eltern waren unvermögend, ihn studieren zu lassen, dennoch behauptete er allemal: er müsse, gleichviel, auf was immer für einem Weg, Priester werden. Als der Vater frühzeitig verstorben war, nahm die fromme und gottvertrauende Mutter ihr Söhnlein bei der Hand, führte es zu einem Kruzifix und sprach: „Siehe, dieser ist von nun an dein Vater! Gib Acht, dass du auf dem Weg wandelst, der ihm wohlgefällig ist!“

 

Bei einer solchen Erziehung, die den Geist des Jungen nur mit himmlischen Dingen erfüllte, mussten sich bald die erfreulichsten Früchte zeigen. Nur zu Jesus und Maria neigte sich sein reines und liebeentbranntes Herz hin, und wo er des Wortes Gottes teilhaftig werden und aus dem Born des ewigen Lebens Nahrung für seine unsterbliche Seele gewinnen konnte, dahin trieb ihn der Zug seiner heiligen Sehnsucht. Das Haus des Herrn erkor er zu seinem Lieblingsaufenthalt. Sein Geistesmanna blieb – vor einem Kruzifix oder Muttergottesaltar in Andacht zu knien, und wo immer es nur möglich, das Wort Gottes zu hören. Nie strebte er, wie andere Kinder, nach Leckerbissen und Lustbarkeiten. Dieses Trachten und diese Freude an gottseligen Beschäftigungen machte ihn aber keineswegs träge und mürrisch. Er zeigte sich im Gegenteil zu jeder Arbeit bereitwillig, und wo er irgendjemand einen Liebesdienst erweisen konnte, ergriff er, und immer in den wunderschönsten Namen „Jesus und Maria“, jede Gelegenheit. In der Schule seines Heimatortes zeichnete er sich durch Fortschritte und gute Sitten so sehr aus, dass er von seinen Katecheten und Lehrern den übrigen Schülern zum Muster vorgestellt wurde.

 

Weil seine Mutter ihn nicht studieren lassen konnte, so ging er, fünfzehn Jahre alt, nach Znaim, um dort das Bäckerhandwerk zu lernen, ohne indessen den hehren Gedanken seiner Jugend aufzugeben: doch dereinst noch Geistlicher zu werden. Bei jeglichem Samstags-Fasten, von dem er nie mehr abließ, erflehte er sich dazu den milden Beistand Marias, seiner lieben Himmelsmutter. Er vollendete seine Lehrzeit, und wurde freigesprochen.

 

Hierauf begab er sich in das nächst Znaim gelegene Prämonstratenser-Kloster Bruck, wo er einige Zeit in der Bäckerei arbeitete. – Als er dem damaligen Herrn Prälaten sein heißestes Verlangen nach dem Studium, um noch Priester werden zu können, entdeckte, nahm er ihn, nachdem er sich von seinen Fähigkeiten und seiner guten Aufführung überzeugt hatte, als Tafeldecker in den Dienst, und ließ ihn die unteren lateinischen Klassen im Kloster studieren. – Er vereinigte die Übungen der Frömmigkeit auf eine solche Weise mit seinen Studien, dass eins das andere förderte, denn nichts galt ihm das Irdische, Gott aber alles, und sein menschgewordener Sohn Jesus Christus, und dessen unbefleckt empfangene Mutter Maria. – Mit vortrefflichen Kenntnissen ausgerüstet, gelangte er, nach einer Pilgerreise nach Rom, zur Priesterweihe, danach trat er in den Redemptoristen-Orden, wurde dort Generalvikar, und wirkte überall, wo er in der Seelsorge tätig war, mit unaussprechlich reichem Segen.