Hausmittel zur Bekehrung der Sünder

 

Dem heiligen Redemptoristenpater Clemens Maria Hofbauer wurde eines Tages in Wien mitgeteilt, es läge eben ein alter Sünder am Sterben, der sich nicht bekehren wolle. Achtzehn Jahre schon habe er nicht mehr gebeichtet. Da sei es denn freilich kein Wunder, dass ein solcher Sünder verstockt, und Hopfen und Malz an ihm verloren sei. Der heiligmäßige Mann aber war anderer Meinung: er kannte ein probates Mittel, und brauchte nur Zeit um es anwenden zu können, dann war auch an einem achtzehnjährigen Sünder noch nicht Hopfen und Malz verloren. Dieses Mittel aber war der Rosenkranz; „denn“, pflegte er zu sagen, „wenn ich zu einem Kranken gerufen werde, von dem ich im Voraus weiß, dass er zur Beicht nicht vorbereitet ist oder gar vom Beichten nichts wissen will, so bete ich unterwegs den Rosenkranz, und alles geht dann nach Wunsch, sobald ich zu dem Kranken komme. Und sollte da nicht auch die liebe Mutter Gottes nicht zu Hilfe eilen, wo sie fünfzig- bis hundertfünfzigmal zu Hilfe gerufen wird? Daher fragte er denjenigen, der ihm die Nachricht von dem achtzehnjährigen Sünder gebracht, ob es weit bis zu diesem Kranken wäre. Dieser meinte, es sei schon ziemlich weit, er wohne in der Wiener Vorstadt. Das war ihm aber gerade recht; denn jetzt hatte er vollauf Zeit, unterwegs den Rosenkranz für den Sterbenden zu beten. Darum erwiderte er: „Er wird sich bekehren; denn ich habe noch keinen gefunden, der sich noch nicht bekehrt hätte, wenn ich vorher Zeit gehabt, den Rosenkranz für ihn zu beten.“ Der Erfolg aber rechtfertigte auch diesmal sein Vertrauen auf den Rosenkranz; der Sünder bekehrte sich und starb reuevoll. Darum pflegte Pater Hofbauer den Rosenkranz „seine Bibliothek und sein kräftiges Hausmittel zur Bekehrung der Sünder“ zu nennen.